N 0 ntelligenz- Blatt Provinz Oberheſſen b im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg im Beſonderen. Mittwoch den 26. November 1851. 1 58. Amtlicher Theil. Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks 1 Friedberg an ſämmtliche Gr. Bürgermeiſter resp. Beigeordneten und Polizei⸗Commiſſaͤre des Regierungsbezirks. Betreffend: Die Ausſtände von Domanial⸗Einkünften. Es iſt höchſten Orts verfügt worden, daß künftig jeder für ſich einen beſonderen Tiſch führenden einzelnen perſon von dem Fiskus nur für 20 fl. Forſtproducte, näm⸗ lich Holz, Waldnebennutzungen(Streumaterial, Pflänzlinge, Maſt und dergl.), jedoch mit Ausnahme des Graſes von den forſtfiscaliſchen Wieſen, und fuͤr 25 fl. Gras von den inter Verwaltung der Forſt- und Rentbeamten ſtehenden ieſen eredidirt werden ſollen. e Damit jedoch dieſe Credite nicht überſchritten werden önnen, haben Sie, oder die von Ihnen hiermit beſonders eauftragten Orts vorſtandsperſonen, künftig über die an ngehörige Ihrer Gemeinden wegen fiscaliſcher Forſt⸗ und Cameral⸗Producte abgegebenen Bürgſcheine ein beſonderes erzeichniß(Creditbuch) zu fuͤhren. 0 f Die Art der Anlegung und Führung dieſes Credit⸗ kuches ic. beſtimmt eine beſondere, Ihnen gleichzeitig mit dieſem Ausſchreiben zugehende Inſtruction. Indem wir Sie hiervon in Kenntniß ſetzen, weiſen wir Sie zur pünktlichſten Befolgung der Ihnen in dieſer Juſtruction gegebenen Vorſchriften und zur unverzügli⸗ hen Anlegung der fraglichen Creditbücher an, indem die un Rede ſtehenden Beſtimmungen mit der 18521 Holzernte, die bereits ihren Anfang genommen hat, in Kraft treten ollen. Schließlich bemerken wir, daß Sie ſich wegen des zu dem Creditbuche benöthigten Formularpapiers an die inſchlägigen Gr. Forſtmeiſter zu wenden haben. Friedberg den 12. November 1851. f Du 9 r ige. deren derg 1 28. November. Wohl dem, der Ireude an ſeinen Kindern erlebt. Erzählung von Gu ſt a v Nieritz. 1016(Aus deſſen Volkskalender 1852.) „ Der Geſangmeiſter. Aus dem Palaſte des Grafen Blendheim eilte Mann im Sturmesfluge, wie von Häſchern verfolgt. ein Es war Morelli, der geſchickteſte Geſanglehrer der Reſidenz. Ohne anzuhalten, rannte er fort, bis er endlich einen ein⸗ ſamen Winkel der äußerſten Vorſtadt erreicht hatte. Athem⸗ los blieb er hier ſtehen, riß ſich den Hut vom Haupte, trocknete ſich das erhitzte Antlitz und ſagte nach einer Weile voll Ingrimms zu ſich ſelbſt: n„Pfui, Morelli, pfui! Feiler Lump du! Um einiger Silberlinge willen verleugneſt und verräthſt du die edle Muſica? Spitzbube! Falſchmünzer! Werthloſes Meſſing giebſt du für reines, edles Gold aus? Das mißtönende Geſchrei einer Nachteule für Geſang?— Brezeljunge und nicht Geſanglehrer verdienſt du zu ſein. Darum alſo nur durfte der arme Morelli in der glänzenden Geſellſchaft erſcheinen um der jungen Gräfin Krähen mit dem Piano⸗ forte zu begleiten! O ich neun und neunzigmal verſohltes Heupferd!“ Nach etlichen Minuten fuhr er mit gänzlich verän⸗ derter, wehmüthiger Stimme fort, indem er die Hände faltete und gen Himmel blickte: Verzeih, verklärter Beet— hoven, dem unwuͤrdigſten deiner Prieſter, daß er die Hand bot zu Mißhandlung deiner herrlichen Adelaide. Aber zur Baßgeige will ich werden, menn ich je wieder einen Fuß in des Grafen Haus ſetze, und wenn er mir jede Stunde mit Gold aufwiegen wollte. Nach dieſem Gelübde erfaßte Morelli den zuſammen⸗ gedrückten Filz, vog ihn möglichſt in die Hutform zurück und, ſein Haupt bedeckend, richtete er ſeine Schritte in's Freie hin. Es war ein ſchöner, warmer Auguſtabend und 8 Uhr erſt vorüber. Der Weſten erglänzte von dem blendenden Goldſchimmer der untergehenden Sonne. Ueber der zur Ruhe ſich begebenden Feuerkugel ſpannten ſich lange rubin⸗ rothe Wolkenſtreifen aus. Weiter oben ſchwammen ame— thiſtfarbige Dunſtgebilde an dem unermeßlichen Blau des Himmels. In der Luft tanzten die Mücken, keines Spiel⸗ manns beduͤrfend, und im Graſe muſieirten die Grillen, ohne Concertgeld zu begehren. Im nahen Sumpfe quakten die Fröſche und im reifen Weizenfelde ſchnarrte des Reb⸗ huhns melancholiſcher Ruf. Vom Felde heimkehrende Land⸗ leute, und von der Tagearbeit im Freien ſich erholende Städter begegneten dem Geſangmeiſter, welcher jedoch jetzt für nichts weiter Sinn und Gedanken hatte als für die eben beſtandene Qual. 5 7 lauſchend ſtill. Er fühlte wie Plötzlich ſtand Morelli ö i i über die ſtürmiſch bewegten Wellen ſeines Gemüthes ein Daſſelbe beſtand beſänftigendes Oel ausgegoſſen ward. 8 in zwei friſchen, jugendlichen Stimmen, welche hinter einem Weizenfelde hervor den bekannten Canon ſangen: i liſt mir am Abend, n aur diu die Glocke läutet Bim baum, bim baum, bim baum. „O Natur, wie groß, wie ſchön biſt du! ſprach Morelli entzückt. Dieſes Entzücken galt jedoch nur der einen reinen glockenreichen Stimme, welche den Canon zu ſingen fortfuhr. Zuweilen geſchieht es, daß ein Mineralog in einem, an der Landſtraße aufgeſchichteten Steinhaufen einen Edelſtein entdeckt, welcher die Zierde ſeiner Samm⸗ lung wird. Einen ſolchen Fund glaubte Morelli jetzt ge⸗ than zu haben und er beeilte ſich daher, deſſen Beſitz ſich zu verſichern. Es waren zwei Mädchen von 12 und 13 Jahren, ein Schweſterpaar, welche Morelli beim Umbie⸗ gen des Weges auf einem Raine ſitzen und Kränze von blauen Kornblumen winden ſah. Camilla Niedner hieß die Inhaberin der ſchönen Stimme und war von den bei⸗ den Schweſtern die ältere. Deren Vater bekleidete das Amt eines Aufwärters im Steuerhauſe, das zugleich ſeine Wohnung war. Nachdem Morelli dieſes erkundet und die heimkehrenden Schweſtern bis vor ihre Wohnung gebracht hatte, verfügte er ſich getröſtet in die ſeinige zurück. Dort ſprach er zufriedenen Sinnes zu ſich ſelbſt: a „Einen köſtlichen, jedoch noch rohen Edelſtein habe ich gefunden. Ihn zum Brillanten zu ſchleifen, will ich weder Zeit, noch Mühe, noch ſelbſt die Koſten ſcheuen! Wenn ich Camilla zu einer Sängerin heranbilde, welche jährlich drei bis vier tauſend Thaler verdient, ſo werde ich mein Capital zu den höchſten Zinſen ausgeliehen haben und mir eine ſorgenfreie Zukunft bereiten. Die Probe. Vier Jahre waren verfloſſen. In dem Wohnſtübchen des Aufwärters Niedner ſtand Eleonore, Camilla's jetzt 16jährige Schweſter, am Platttiſche und handhabte die Plattglocke mit großem Eifer. Frau Niedner ſaß am Fenſter und ſteckte Hauben. Unter den altmodiſchen und ſchlichten Möbeln der Aufwärterwohnung nahm ſich ein Mahagoni— flügel aus wie das Schloß eines Ritterhofes unter ſtroh⸗ gedeckten Bauernhütten. Von Zeit zu Zeit blickte Eleonore aͤngſtlich zu der hölzernen Wanduhr empor, worauf ſich jedesmal ihre Regſamkeit noch ſteigerte. Das Mädchen war zur kräftigen und blühenden Jungfrau aufgeſchoſſen. Ihre hoch aufgeſtreiften, vollgerundeten Arme zeigten am Ellenbogen und am Handgelenke ein tiefes Grübchen, während die harte Hornhaut der innern Handfläche von der Arbeitſamkeit der Jungfrau zeugte. Raſch trat jetzt Camilla herein. Ihre Rechte warf eine Notenrolle auf den Flügel, während die Linke die Bandſchleife des Hutes aufzog. Statt des Grußes richtete Camilla die befehlen— den Worte an ihre Schweſter: a „Schnell, Lore! ſpringe zum Friſeur. Er ſoll auf der Stelle kommen und mir die Haare friſiren. Punkt 5 Uhr ſoll ich vor dem Generalintendanten und den beiden Kapellmeiſtern Probe ſingen und jetzt iſt's gleich 3 Uhr.“ „Probe ſingen?“ rief die Mutter freudenverklärt aus. „Ach, Camilla, wenn du eine Anſtellung erhielteſt, damit endlich das unaufhoͤrliche Geldausgeben für dich wegfiele. Dann könnten wir auch daran denken unſere, deinetwegen gemachten Schulden abzutragen. Welch ein ſchwerer Stein würde von meinem Herzen weggenommen!“ „Hml“ verſetzte Camilla leicht—„angeſtellt hatte ich ſchon vor zwei Jahren können werden— als Choriſtin mit ein hundert lumpigen Thalern Gehalt. Aber davor ſoll mich der Himmel behüten. Unter tauſend Thalern jährlich“— ſpricht Morelli—„ſoll ich meine Stimme 374— a nicht verkaufen. Aber Lore, du ſtehſt noch immer da! So ſpute dich doch!“— 6 „Darf ich denn nicht erſt das Kleid fertig plätten⸗ — entgegnete Eleonore bittend—„der Stahl wird mir ſonſt kalt. Bisher durfte ich dir die Haare machen— bin ich heute nicht gut genug dazu?“ Höhniſch lachte Camilla.„Wo denkſt du hin?“ rief ſie aus.„Soll ich vor der Excellenz wie eine Bauern— dirne erſcheinen? Auf heute kommt Alles an— meine ganze Zukunft— die eure“— „Camilla hat Recht,— ſprach die Mutter ängſt— lich—„darum eile, Lorchen, und hole den Friſeur.“ „Aber wovon ihn bezahlen?“ fragte Eleonore. Es wir zu Stärkemehl und Steinkohlen.“ „Wirſt du gleich gehen, neidiſche Seele?“ fuhr Camilla auf.„Gewiß ſäheſt du es lieber, wenn ich weiter nichts würde als ein Waſchweib wie du.“ 0 Weinend rannte Eleonore fort. Während Camilla ſpäter unter den Händen des Friſeurs da ſaß und Eleo⸗ nore nach der Plattglocke langte, befahl jene: „Lore! von meinem Seidenkleide iſt ein Stück Falbel losgetrennt und an dem einem meiner lackirten Schuhe fehlt ein Bindeband. ich mich friſiren laſſe.“ Eleonore that wie ihr geheißen wurde. Beides magſt du annähen, indeß ſchen kölniſches Waſſer mit.“ i Nach Ver⸗ lauf von 7 Viertelſtunden ſtand das neue Aſchenbrödel, zur Prinzeſſin umgewandelt, in dem niederen Stübchen da. „Nun iſt's hohe Zeit“— ſprach Camilla, mit Wohl⸗ gefallen im Spiegel ſich beſchauend—„daß du eine Droſchke holſt. Auf dem Rückwege bringſt du für 2 Gro⸗ i einer de ' zwei Thaler! 1 rs ſind nur noch 10 Silbergroſchen da und dieſe brauchen ale Luftſchle Mittel. „Camilla- orgene Schatz, 0 ingunterricht er iſt es ihr ein 16 4 tauſend T avon zu geben. rocent ausleih Zu ihrer em Generalin orſtellungen e inem Range, en Welt ang bloß anſtandig . Da nut ihren Regens Frau Niednef Den Regenſch Fragend ſah Eleonore ihre Mutter an, denn die vor- gen, was die räthigen 10 Silbergroſchen hatte der Friſeur erhalten. „Verlege es einſtweilen, Kind!“ verſetzte jene bittend, „du haſt ja als gute Wirthin immer einige Groſchen in Kaſſe.“ f Bald rauſchte Eamilla, einen Wohlgeruch um ſich verbreitend, aus dem Stübchen in die ihrer harrende Droſchke. Am Theatergebäude erwartete ſie bereits Morelli. „Muth, mein Kind!“ ſprach der Meiſter feierlich. „Die Stunde iſt gekommen, in welcher du die vierjährige, ſauere Mühe deines Lehrers belohnen ſollſt. Zittere nicht.“ 111 1 14 14 1 1 1 Schlage deinen einzigen Triller und deine Zuhoͤrer werden ſtaunen. Ziehe nicht den Ton herunter. Scheer dich um die Excellenz und um die Kapellmeiſter nichts, ſondern ſinge ſo, wie du bisher bei mir gethan. Dann wirſt, dann mußt du obſiegen.“ a Während aber Camilla im Theater-Concertſaale ſang, vereinten daheim Mutter und Tochter ihr Gebet um das glückliche Gelingen der Geſangprobe.„Ihr wißt nicht, um was ihr bittet!“ konnte man auch hier ſagen. Nach dem Gebete baute Frau Niedner Luftſchlöſſer. „Wenn auch Camilla nicht ſogleich tauſend Thaler bekommt“— ſprach ſie—„ſchon mit der Hälfte könnte ſie vollkommen zufrieden ſein. Dann bezahlen wir erſt unſere Schulden; der Vater könnte dann und ein Viertelchen Wein trinken und beſſern Tabak rauchen.. relli bekäme nach und nach ſeine Unterrichtsſtunden bezah und auch wir beide brauchten uns nicht mehr ſo ſehr- zu plagen.“ Endlich kehrte Camilla zurück. Ein ſtolzes Lächeln umſpielte ihren Mund. „Meine Probe“— ſprach ſie kurz—„ließ nichts zu wünſchen übrig. Morelli weinte vor Freuden wie ein Kind und die Excellenz ſammt den Kapellmeiſtern über⸗ häuften mich mit Lobſprüchen. Eine Anſtellung iſt mir — 0 0 ſie wartend Theaters ſta Bekanmmn Main ⸗ S (1380) Be Mark konnen ff Beſchäftigung e Gießen der Der Bek (IS De Morgens um hauſe die Hälf Schmidbſchen ter= 20 R „ Friedber 8 Güt 1883) 2 Jorma a die tel C ri chen Erpel arkungen dem hieſigen N. Autter a5 en Friſeur., ALleouore. 0 dieſe brauche Seele 2, ful wenn ich weitt Arend Cauilt ſaß und Eleg⸗ ene: u Stück Falbel zeiten Schuh aunahen, udeß rde. Nach Ver, ze Aschenbrödel, ten Stübchen da. nilla, mit Wohl. daß du eine i bu für 2 Or- u, denn die vor tur erhalten, le jeut bittend, ge Groſchen in (geruch um ſich rer barrende beteits Morell. Neiſter feierlich, dir vietjahrig . Zittere nich Zuborer werder Scheer dich ur nichts, ſonden dann wirſt, dan zencertſaale sang Gebet um dal wißt nicht/ 11 gen. Nach du used Thale „ Hülfte fon gien wir 41 10 1-, 0 T tauchen. 2, unden bei 4 1 00 ſehl 1 mehr — 375— Ageſagt, ſobald ich die nöthige Mimik erlernt haben werde. „Mimik? Was iſt das?“ fragte die Mutter neugierig. 5„Sie iſt die Kunſt, den Körper nach den Regeln der unſt und Schönheit zu tragen, die Glieder zu halten ind zu bewegen, mit einem Worte: Mimik iſt die Ge— B und das Haupterforderniß einer Schauſpie— erin und Sängerin.“ Die gute Frau erſtarrte, als ſie weiter hörte, wie ſine jede Unterrichtsſtunde in der Mimik, welche Camilla ſon einer der beſten Schauſpielerinnen zu erlernen habe, nit zwei Thalern bezahlt werden müſſe. Da fielen plöͤtz⸗ ich alle Luftſchloͤſſer wieder ein. Aber Morelli ſchlug ſich n's Mittel.. „Camilla“— ſprach er—„iſt der im Acker ver⸗ orgene Schatz, für deſſen Erlangung ich alles dahingebe. enn Camilla für die 200 Thaler, die ich mir mit Ge⸗ gangunterricht erſpart habe, die erforderliche Mimik erlernt, o iſt es ihr ein Kleines und Leichtes, mir, wenn ſie 3 is 4 tauſend Thaler Gehalt bezieht, alljährlich 200 Thaler avon zu geben. Das heißt man ſein Kapital zu hundert rocent ausleihen.“ Zu ihrer ſchnelleren Ausbildung hatte Camilla von 55 Generalintendanten einen Freiplatz in allen Opern⸗ orſtellungen erhalten und zwar befand ſich derſelbe in inem Range, deſſen Beſucher der vornehmern und reiche— fen Welt angehörten. Daher mußte auch Camilla nicht bloß anſtändig, ſondern ſelbſt in gewählter Kleidung daſelbſt erſcheinen. Da nun die Herbſttage mit ihren rauhen Winden, ihren Regengüſſen und ihrem Froſte kamen, veranlaßte Frau Niedner ihre jüngere Tochter, der älteren Schweſter Sen Regenſchirm oder den Mantel in das Theater zu tra— Zen, was dieſe auch ohne Weigerung that. Eleonore, wenn ſie wartend in der Vorhalle oder in den Gängen des Theaters ſtand, war ſchon glücklich, wenn ſie das Bruch⸗ ſtück eines Geſanges durch die dünnen Logenwände erhor— chen konnte und willig ließ ſie ſichs gefallen, wenn die übrigen wartenden Dienerinnen ſie als ihres Gleichen be— handelten. f Eines Abends kam Camilla in Begleitung eines jungen Officiers die breiten Stufen des Theatergebäudes 0935 Eleonore vernahm, wie jener zu ihrer Schweſter anhub: „Mein Fräulein! würden Sie ſich entſchließen kön⸗ nen, ein paar Minuten in die Conditorei zu treten? Ein Gläschen Punſch oder Nekus in dieſem naßkalten Wetter dürfte Ihnen nur dienlich ſein.“ „Wohin denken Sie nur, Herr von Brandtner?!“ verſetzte Camilla lachend—„Das würde ſich ſchicken! Auch ſteht dort mein Mädchen mit Schirm und Mantel. Was würde dieſe dann aus plaudern!“ Mit ſtillem Schmerz über die ſchweſterliche Verleug— nung umkleidete Eleonore Camilla mit dem Mantel und da der Officier dieſer nicht von der Seite wich, ſo pilgerte jene in einiger Entfernung hinterdrein. Dabei bemerkte Eleonore, wie Camilla den dargebotenen Arm des Offi— ciers annahm. In der Nähe der älterlichen Wohnung aber ſprach Camilla mit entſchiedenem Tone:„Hier ſcheidet ſich unſer Weg. Gute Nacht, Herr Lieutnant!“, Dieſer küßte der Sängerin die Hand und ging. Ca⸗ milla dagegen erwartete die Annäherung ihrer Schweſter und ſagte befehlend: „Sage unſerer Mutter nicht, daß mich der Lieutnant aus dem Theater geführt hat. Unſere Aeltern ſind noch nach dem altväteriſchem Zuſchnitte erzogen und begreifen darum nicht, was ſich jetzt ſchickt.“ Wirklich ſchwieg Eleonore, weil ſie wußte, daß ihre Schweſter ſchon längſt ſich nichts mehr von Vater und Mutter ſagen ließ.(Fortſetzung folgt.) Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. rr Main Weſer⸗Eiſenbahn. Section Gießen. ) Bei den Erdarbeiten in der Lindner . fleißige Arbeiter gegen guten Lohn Beſchäftigung erhalten. 4 Gießen den 12. Auguſt 1851. Der Großh. Heſſ. Sections⸗ Ingenieur 4 Eickemeyer. Bekanntmachung. 78 Donnerſtag den 11. December l.. Hon 11 Uhr, wird in bieſigem Rath⸗ hauſe die Hälfte des unten beſchriebenen Philipp Schmidt'ſchen Gartens, beſtehend in 39,3 Klaf⸗ ter= 20 Ruthen, meiſtbietend verſteigert, als von: Pag. No. 123 7 78, Klafter= 40 Ruthen Garten, in der 4. Gewann bei der Langgaß an Johannes Steinhäußer, gibt in die Stadtkirche 27 e Fri den 27. ober 0 Friedberg In Avftrag Großh. Heſſ. Landgerichts Der Großh. Heſſ. Bürger meiſter Bender. Güter ⸗Verſteigerung. ) Donnerſtag den 27. November d. J., 88 10 Uhr, werden auf freiwilligen Antrag die der Ehefrau des hieſigen Bürgers Daniel Chriſtian Julius Fritz in deren elterli⸗ chen Erbtheilung zugefallenen Güterſtücke in den Gemarkungen Friedberg und Fauerbach II. in dem hieſigen Rathhauſe öffentlich meiſtbietend unter dem Anfügen verſteigert, daß bei annehm⸗ baren Geboten den Letztbietenden ſogleich der Zuſchlag ertheilt wird. Flurſchütz Briel dahier iſt beauftragt den be⸗ treffenden Steigliebhabern etwa nöthige Aus⸗ kunft zu ertheilen. Friedberg den 17. November 1851. In Auftrag Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. (Butzbach). Verkauf getragener Mon⸗ tirung und Reitzeugs. (1890) Donnerſtag den 27. dieſes Monats, des Vormittags von 9—12 und des Nachmit⸗ tags von 1—5 Uhr, ſollen in der hieſigen Reitercaſerne eine Anzahl getragener Mäntel und ſonſtige Montirungsſtücke, ſodann ausran⸗ girtes Reitzeug und Caſernerequiſiten, wobei viele Teppiche meiſtbietend gegen gleich baare Zahlung verſteigert werden. Indem man dies zur öffentlichen Kenntniß bringt, erſucht man zugleich die Herrn Bürger⸗ meiſter dieſen Verkauf in den unterhahenden Gemeinden geeignet bekannt machen laſſen zu wollen. Butzbach den 14. November 1851. In Auftrag: Cellarius, Oberquartiermeiſter. Bekanntmachung. (1901) Donnerſtag den 27. November, Mor⸗ gens um 10 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe die im Flurbuch auf den Namen Emrich Mül⸗ ler und Wilhelm Hechlers Frau eingetragenen Güterſtücke in den Gemarkungen Friedberg, Ockſtadt und Fauerbach, wie ſolche im Intel⸗ ligenzblatt No. 44 Inſ. 733 ſpeciell verzeichnet ſind, Folge eingelegten Nachgebots unter dem Anfügen nochmals verſteigerk, daß bei einem annehmbaren Gebot die Genehmigung ertheilt werden wird. Friedberg den 19. November 1851. In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Ben dreir, Bekanntmachung. (18910 Samſtag den 6. December, Vor⸗ mittags 10 Uhr, ſoll die Lieferung der Schul⸗ beſoldung, als: ½ Malter Gerſte, 19½„ Korn, 1½ Fuder Kornſtroh und 1½%„ Gerſtenſtroh, öffentlich wenigſtnehmend bei mir vergeben werden. Utphe den 13. November 1851. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Beöſch er. Main ⸗Weſer⸗ Bahn. (1900 Mittwoch den 3. December l. J. Vormittags 9 Uhr ſollen auf dem Bauplatze im Roſenthal dahier, mehrere Parthieen Brennholz, altes Schmiedeiſen, Laternen, verſchiedene Werk— zeuge für Maurer, Handrammen, Karren, Rä⸗ der ꝛc. ꝛc. an den Meiſtgebenden öffentlich ver⸗ kauft werden. Friedberg den 19. November 1851. Der Großh. Heſſ. Sections ⸗ Ingenieur der Section Friedberg Hochgeſand. Holz⸗ und Zimmerſpähne- ꝛc. Verkauf. (19050 Auf dem Gräflich Solms Rödelhei⸗ miſchen Braunkohlenbergwerke bei Bauernheim ſollen künftigen Freitag den 28. l. M., Vormit⸗ tags um 10 Uhr, 60 Stecken Grubenholz, 15 Haufen Zimmerſpähne und eine Parthie alte— noch brauchbare— Ab⸗ ſtechſchippen,. unter den bei der Verſteigerung näher bekannt gemacht werdenden Bedingungen meiſtbietend verkauft werden. Aſſenheim am 17. November 1851. Der Gräfliche Rentmeiſter Weis. Zum Ausleihen. (19160 In der evang. Kirchenkaſſe dahier liegen 158 fl. Schulbeſoldungskapital, gegen vorſchriftsmäßiges Unterpfand, zum Ausleihen bereit. Vilbel den 22. November 1851. Edietalla dung. (1917) Nachverzeichnete Grundrenten, als: 1) die dem Herrn Grafen Adolph zu Aſenburg⸗ Wächtersbach in der Gemarkung Aſſenheim zuſtehenden, im jährlichen geſetzlichen Geld⸗ anſchlage von 100 fl. 40 kr. 3 hell., 2) die von dem Gr. Heſſ. Miniſterial⸗Direetor Friedrich Freiherr v. Schenk zu Schweins⸗ berg in Darmſtadt, dem Kurheſſ. Ober⸗ gerichtsrath Moritz Freiherr v. Schenk zu Schweinsberg zu Rotenburg, dem Ernſt Freiherr v. Schenk zu Schweinsberg, dem Forſtmeiſter Karl Freiherr v. Schenk zu Schweinsberg zu Schmalkalden und von dem Kurfürftl. Heſſ. wirklichen Geheimen⸗ rathe Dr. Wilhelm Freiherrn v. Schenk zu Schweinsberg, dem Friedrich und Adam Geibel, Adam Wagner 1. und der Wittwe des Johann Wagner von Bönſtadt erblich verliehenen Grundrenten, und zwar: a) in der Gemarkung Aſſenheim im Geld⸗ anſchlage von 7fl. 29 kr. 1 hell. und b) in der Gemarkung Bönſtadt im Geld⸗ anſchlage von 14 fl. 47 kr. 3 hell., 3) die dem Oeconomen Karl Friedrich Heim⸗ burg zu Bönſtadt, in der Gemarkung Bönſtadt, zuſtehenden im Geldanſchlage von 15 fl. 40 kr. 3 hell., 4) die dem Herrn Grafen Friedrich von Leiningen⸗Weſterburg zu Schloß Ilben⸗ ſtadt in der Gemarkung Bönſtadt zuſtehen⸗ den, im Geldanſchlage von 30 fl. 15 kr., 5) die dem Königl. Baieriſchen Reichsrathe Georg Freiherrn v. Franckenſtein zu Mün⸗ chen, in der Gemarkung Friedberg, zu⸗ zuſtehenden, im Geldanſchlage von 68 fl. 2 ir a 6) die dem Königl. Preuß. Kammerherrn und Oberforſtmeiſter Karl Freiherr v. Löw in Friedberg, dem Gr. Heſſ. Kammerherrn und Major Wilhelm v. Löw J. in Löwen⸗ ruhe bei Offenbach, dem Herz. Naſſ, Hof⸗ gerichtsrathe Ludwig Freiherr v. Löw in Wiesbaden, dem Gr. Heſſ. Kammerherrn Wilhelm v. Löw II. in Staden, dem Gr. Heſſ. Kammerherrn und Rittmeiſter à la suite Auguſt Freiherr v. Löw in Beſſun⸗ gen bei Darmſtadt, und dem Auguſt und Oskar v. Löw zu Löwenthal bei Wiſſels⸗ heim, die beiden Letzteren vertreten durch den Gr. Regierungsratt Küchler zu Gie⸗ ßen, in der Gemarkung Friedberg gemein⸗ ſchaftlich zuſtehenden, im Geldanſchlage von 107 fl. 33 kr. 3 hell., 7) die dem Kammerherrn und Rittmeiſter Freiherrn Auguſt Löw von und zu Stein⸗ furth in der Gemarkung Ober- und Unter⸗ florſtadt zuſtehenden, durch Allodification von Erblehn entſtandenen, im Geldan⸗ ſchlage von 272 fl. 18/3 kr., ſollen nach den deßfalls beſtehenden geſetzlichen Beſtimmungen abgelöſt werden. Es werden daher alle bei dieſen Ablöſungen bekannten und unbekannten Betheiligten hierdurch aufgefordert, ihre etwaigen Rechtsanſprüche ſo gewiß binnen 2 Monaten bei dem unterzeich⸗ — 376— neten Gerichte anzumelden, gegenfalls die Aus⸗ zahlung der Ablöſuͤngskapitalien an die genann⸗ ten Berechtigten geſtattet werden würde. Friedberg den 15. November 1851. 5 Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Dr. Irle. Bekanntmachung. (1918) Montag den 1. k. M., Vormittags um 10 Uhr, ſollen in dem Büreau des Ba⸗ taillonsverwaltungsraths dahier die Schloſſer⸗, Schreiner-, Spengler⸗, Bürſtenbinder⸗, Sattler⸗ und Glaſerarbeiten, welche in der Garniſon da⸗ hier in den Jahren 1852 und 1853 vorkommen, auf dem Soumiſſionsweg an die Wenigſtver⸗ langenden in Accord gegeben werden.— Dieß den Intereſſenten mit dem Anfügen zur Nach⸗ richt, daß die Accordsbedingungen von heute an in oben gedachtem Büreau eingeſehen werden können. Friedberg den 24. November 1851. In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter. rr Privat ⸗ Bekanntmachungen. 150 Gulden (1906) Vormundſchaftsgelder liegen zum Ausleihen bereit bei Friedberg. Jacob Dörr. Empfehlung. (1858) Zur Erziehung der Kinder und zur Beauſſichtigung des Häuslichen empfiehlt ſich ein wiſſenſchaftlich gebildetes Frauenzimmer, das der franzöſiſchen Sprache vollkommen mächtig und in allen Handarbeiten erfahren iſt. Näheres bei der Expedition dieſes Blattes. Bekanntmachung. (1907) Mittwoch den 10. Dezember, Nach⸗ mittags 2 Uhr, werd die in der Gemarkung Ober⸗Erlenbach,/ Stunden von Bad Homburg gelegene Steinmühle, beſtehend aus 2 Mahl⸗ gängen und einem Oelgang, nebſt circa 40 Mor⸗ gen Land, öffentlich an den Meiſtbietenden ver⸗ pachtet. Die Pachtbedingungen können vorher bei dem Unterzeichneten entweder auf der Zie⸗ gelhütte zu Ober-Erlenbach oder zu Frankfurt, Bleichſtraße No. 4(am neuen Thor) eingeſehen werden; auch wird die Mühle unter annehm⸗ baren Bedingungen aus der Hand käuflich ab⸗ gegeben. Ober⸗-Erlenbach den 17. November 1851. Dr. v. Lers ner. Braunſchweiger Flachs, (1896) ſowie Braunſchweiger Werg(Hede) iſt wieder friſch angekommen bei Vilbel im November 1851. W. Kullmann. 6 0 0 Gulden (1911) werden gegen gerichtliche Verſicherung aus der Concursmaſſe des J. C. Nagel II. ver⸗ liehen. ö Friedberg. Der Maſſecurator: Heidt. Annonce. (1919) ¼ gr. Shawls à fl. 1. 45. per Stück,/ und% gr. wollene Shawls von fl. 2. an per Stück, Longſhawls, größte Sor⸗ ten aus feinſter Wolle von fl. 5. an per Stück bei R. E. Haußer, auf dem Römerberg in Frankfurt a. M. Fruchtverſteigerung. 11 (19200 Freitag den 5. Dezember d. J., Mittags 12 Uhr, ſollen in der Wohnung des Verwalters Rühl zu Berſtadt die Sr. Excellenz dem Herrn Oberkammerherr v. Bock gehörigen Pachtfrüchte pro 1851, beſtehend in 12 Malter Waizen, 89 Malter Korn, 78 Malter Gerste und 17 Malter Hafer öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. 7 Berſtadt den 20. November 1851. Der Verwalter Rühl. Ge ſau ch. (1921) In eine kleine Haushaltung dahlern wird auf Petritag ein braves Mädchen geſucht, d welches das Kochen und alle ſonſßigen Hausar⸗ beiten verſteht. Näheres bei der Exped. d. Blts. Zu verkaufen. (1922) Engliſche Speckbückinge zum Roheſſen, ſowie Backbückinge, neuer Nord⸗Lapperdan, friſch Schellfiſche und Sardellen ſind angekommen und verkauft billig Joeckel. Zu ver k a e en (1923) Ein dunkelbraunes Wallachpfer 11 Jahre alt, hat zu verkaufen 1 H. Hanſtein W. in Friedberg. An Verloren. (492 Eine goldene Vorſtecknadel wurde Der in d Sonntag Abend verloren; der redliche Finder zen B. k. M. erhält bei Rückgabe derſelben in der Expedition dieſem Ta dieſes Blattes eine entſprechende Belohnung. 9 e diese 855 Empfehlung. dbgehalten wei 1925) Einem geehrten Publikum empfehle Die Gr. ich meine Regen⸗ und Sonnenſchirme, ſowie Gemeinden ve vorkommende Reparaturen, welche von mir zu Friedd ſehr billigen Preiſen und prompt gefertigt werden. Friedberg im November 1851. 135 S. Garde, 11 wohnhaft bei Herrn Schloſſermeiſter Scheibel, vis-à-vis Hôtel Trapp. 11ů— Verloren. Wohl den (1926) Es iſt auf der Chauſſee von Hungen nach Berſtadt zu ein ledernes Kofferchen und ein Päckchen mit ſchwarzem Wachstuch umgeben, beides Muſter und Muſterkarten enthaltend, ver? loren gegangen. Der redliche Finder wird ge⸗ beten dieſelbe an den Eigenthümer zurückzugeben oder auch nur demſelben Notiz davon zu geben, Oben gegen welche eine angemeſſene Belohnung ver⸗ welche man ſprochen wird. Auf einer Karte im Kofferchen iſt der Name des Eigenthümers zu erſehen. zuſammenger 0 Eleonore. 0 Anzeige. mand auf d Ausdruck de (1927) Kleiderſtoffe, Wolle mit Seide, à bemerkt habe 20 kr. per Elle, deßgleichen ohne Seide à 12, 14 und 16 kr. per Elle bei auf dem T auf dem Römerberg in Frankfurt a. M. ben ihre erf Dankſagung. Gegenwart (1928) Allen Gemeinden, nahen und ent⸗ angſt erklär fernten, welche bei dem zweimal hinter einander uvertüre uns betroffenen Brandunglück nachbarlich und Alles 5 menſchenfreundlich auf das ſchnell llfe nes. Das herbeieilten und während des Brandes dur letzt Camille anſtändiges Betragen und unermüdliche Thätig⸗ ofdamen 1 keit ſich auszeichneten, auch ſpäter noch mit zum“ sen Freitre Theil reichlichen freiwilligen Gaben die armen Erſch Brandbeſchädigten bedachten, ſagen wir hiermit einung unſern innigſten herzlichſten Dank. ſchüchternen Möge Gott ſie vor gleicher Angſt und Noth Camilla bet bewahren und uns zur thätigen Abtragung un⸗ die aber ſd ſerer Dankesſchuld keine für ſie eben ſo traurige volle K Veranlaſſung geben. raft eine hochbe Ströme vol Ettingshauſen den 20. November 1851. Im Namen der Gemeinde Keil, Bürgermelſter. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedberg.