. Statt des * Einem, ein draver und dann Eine dakrauchen dakrauchen ihnachtsbil⸗ Intelligenz Blatt fuͤr die Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg im Beſonderen. MI. Mittwoch den 2. Jauuar 1850. Das„Intelligenz-Blatt für die Provinz Oberheſſen“ wird im Jahre 1850, ebenſo wie im Jahre 1849, wöchentlich zweimal (Mittwochs und Samſtags) ausgegeben.— Das„Intelligenz-Blatt“ wird nach wie vor die amtlichen Bekanntmachungen der Staats- und Lokalbehörden mittheilen und Anzeigen und Inſerate jeglicher Zeit zur öffentlichen Kenntniß bringen. Der Abonnementspreis, welcher ſtets bei der Beſtellung zu entrichten iſt, beträgt bei der Expedition, wie bisher, für 1 Jahr I fl. 12 kr., für/ Jahr 40 kr.— Bei allen Poſtverwaltungen des Großherzogthums Heſſen pr. Jahr 1 fl. 24 kr. und pr. Semeſter 46 kr. Die Einrückungsgebühren betragen, wie bisher, für die geſpaltene erſte Petitzeile oder deren Raum 4 kr., für die zweite 3 kr., für die dritte und jede folgende 2 kr.— Ein Beleg wird mit 2 kr. berechnet.— Alle Inſerate, welche von dem Donnerſtag Morgen bis den Sonntag Abend bei der Expedition eingehen, finden in dem Mittwochs erſcheinenden Blatte eine Aufnahme; alle Inſerate, welche von dem Montag Morgen an bis den Mittwoch Abend eingehen, werden in das Samſtags erſcheinende Blatt aufgenommen.— Friedberg. Die Expedition des Intelligenzblattes. Stolz und Armuth. Novelle. Im Jahre 1780 bezog ein junger Mann, welcher ſehr zurückgezogen lebte, die Univerſität zu Oxfort. Er beſaß offenbar nicht viel Vermögen, denn ſeine Kleidung, obgleich reinlich, war doch abgetragen, und er machte nur die allernothwendigſten Ausgaben. Wenige nahmen von William Freeman(dies war ſein Name) Notiz, denn obgleich ſie ſein Talent und ſeine überlegenen Kenntniſſe nicht verkannten, ſahen ſie doch ein, daß ſeine Lage keines— wegs eine beneidenswerthe ſei. Er ſchien nur zum Stu— diren geſchaffen, hielt faſt mit keinem ſeiner Altersgenoſſen zuſammen und pflegte einſam durch die weitläufigen Gär— ten des Kollegiums zu wandern. Ein Anflug von Melan— cholie verlieh ſeinem Weſen allerdings etwas Intereſſantes, auch ließ ſich nicht verkennen, daß Sorgen und eifriges Studiren eine bedeutende Einwirkung auf ſeinen Körper geübt hatten, denn ſeine Wangen waren bleich und in ſeinen Augen glühte ein düſteres Feuer. Dennoch war Freeman keineswegs hübſch; ſeine Statur war klein, ja ſchwächlich, nur ſeine hohe Stirn und ein Ausdruck von Intelligenz auf ſeinem Geſichte machten ihn bemerkens— werth. Woher er ſtammte, wußte Niemand, vielleicht kümmerte ſich auch Niemand darum. Aber Freeman war ehrgeizig, er war entſchloſſen, durch ſeine einſamen An— ſtrengungen Schritt für Schritt die Höhen der Wiſſen— ſchaft und des Ruhmes zu erklimmen, bis er endlich den erſehnten Gipfel erreicht. Der älteſte Sohn von Lord Dalton, Leslie Dalton, hatte häufig durch ſeine freundlichen Ueberredungen den jungen Freeman vermocht, an ſeinen Exkurſionen und Spaziergängen Theil zu nehmen, welche, die Wahrheit zu geſtehen, ſehr unſchuldiger Natur waren. Eine warme Freundſchaft war allmählig zwiſchen den beiden jungen Männern entſtanden, William verlor viel von ſeinem zu— rückhaltendem Weſen und theilte ſeinem Freunde Manches von den hochfliegenden Planen mit, welche er für die Zu⸗ kunft hegte. Dalton lächelte zwar darüber, drückte ihm jedoch die Hand und verſprach ſeine thätige Mitwirkung. Jndeſſen mochte er ihn erheitern wie er wollte, es blieb ſtets ein melancholiſches Weſen bei Freeman vorwaltend und inmitten heiterer Geſpräche entwand ſich oft ein tiefer Seufzer ſeiner Bruſt. Eines Tages, als die beiden jungen Männer zuſam⸗ men ſpazieren gingen, gelangten ſie in eine Straße, welche Freeman gern gemieden zu haben ſchien. Bald wurden ihre Schritte gehemmt durch eine Stimme, welche um ein Almoſen bat. Es war ein alter Mann mit grauem Haar, ſeine Augen waren halb geſchloſſen, indem er an der Straßenecke ſtand. „Der alte Mann iſt ſtets hier,“ ſagte Dalton, zu ſeinem Freunde gewandt, nachdem er dem Bettler einen Schilling in die Hand geworfen hatte;„doch Freeman, was fehlt Dir? biſt Du plotzlich unwohl geworden?- Freeman's Antlitz war bleich wie Aſche und ſein gan⸗ zer Körper zitterte wie in Folge einer heftigen innern Bewegung. Er ſchritt ſchnell weiter und druͤckte, zum Zeichen der Anerkennung, ſeines Freundes Hand. „Ich befinde mich jetzt beſſer, Dalton, viel beſſer. Du weißt, wie ſtark ich heute gearbeitet habe. Ich will nach Hauſe, geh Du weiter.“ „Nicht doch, rede doch nicht, als dächteſt Du mir keine Mühe machen zu dürfen.“ „Weißt Du,“ fuhr Freeman fort,„daß ich gern in die Felder gehen möchte? Ich glaube, es würde mich er— friſchen. Ich will heute nicht mehr ſtudiren.“ Einigermaßen verwundert, daß ſein Freund ſeinen Entſchluß ſo ſchnell geändert habe, ging Dalten mit ihm — in's offene Gefilde, aber alle ſeine Bemuhungen, ihn hei⸗ terer zu ſtimmen, waren vergeblich. f An jenem Abend ſchlich ſich Freeman krank und miß⸗ muthig in ſeine Wohnung und eilte dann, dort angekom⸗ men, die Treppen hinauf, wo er wie gewöhnlich ſeinen Thee bereit fand, ein alter Mann, mit grauem Haar, ſaß dabei. f 1 „Mein Sohn„ ſprach er aufſtehend,„iſt Dir nicht wohl? „O, mein Vater,“ rief Freeman, ihm um den Hals fallend um ſich ganz ſeinen Gefühlen des Kummers hingebend. „Rede, Wilhelm, was fehlt Dir?“ fragte der alte Mann. 7 „Bettle nicht mehr für mich, Vater, es bricht mir das Herz. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, daß ich ruhig meinen Studien obliegen darf, während Du an den Straßenecken bettelſt, und o Himmel, heute erhielteſt Du ein Almoſen von meinem Freunde!“ „Schämſt Du Dich meiner, o Sohn? ſo will ich in eine andre Stadt gehen.“ „Vater, rede nicht ſo; ich will in Deiner Geſellſchaft arm ſein, ich will ſchlechte Kleider tragen, gleich Dir, und werde ſtolz darauf ſein, an der Seite deſſen zu ſtehen, welcher mir das Leben gab, aber— „Rede nicht mehr, ich bin ja zufrieden.“ „Nicht doch,“ ſagte Freemann mit Ernſt;»ich habe häufig nachgegeben, aber das darf nicht länger ſein. Du biſt alt, Vater, und es iſt an mir für Dich zu arbeiten, ich will ruhig in meinem Stande bleiben, und eher Alles thun, als Dich betteln ſehen.— „Iſt das nicht für mich das Leben? William, könnte ich auf andere Weiſe glücklich ſein?“ „So ſprichſt Du immer, mein theurer Vater.“ „Und wie willſt Du Deine Studien fortſetzen?“ „Meine Studien ſollen aufhören, wenn ſie auf ſolche Weiſe erkauft werden. Heute Abend will ich ruhig über die Zukunft nachdenken und wo möglich einen beſtimmten Plan faſſen.“ „Gut, mein Sohn,“ ſagte der alte Mann,„ſo ſoll es ſein, jetzt aber wollen wir Thee trinken.“ Es lag eine große Hingebung in der Liebe des Va— ters zu ſeinem eignen Kinde, welche ihn, obgleich er Bett— ler war, veredelte. Er verdiente beträchtlich viel. Seine Frau war geſtorben und auf dem Kirchhof eines fernen Dorfes begraben worden. Er ſelbſt hatte den Fleck durch einen Stein bezeichnet, um nicht zu vergeſſen, wo die Gefährtin ſeines Lebens lag. Der alte Mann hatte ein Herz, uud dem Andenken an ſeine verſtorbene Frau pflegte er viele ſtille Stunden zu widmen. Wie er auf den Plan gekommen, ſeinen Sohn für die Univerſität bilden zu laſſen, iſt ſchwer zu ſagen. Es war ein Beweis jener aufſtreben— den Richtung, welche in allen Ständen bemerkbar iſt und ſie lehrt, nach Bildung und Kenntniſſen zu ringen. Nach— dem er einiges Geld zurückgelegt, hatte es nur den Zweck, die Bildung ſeines Sohnes zu vervollkommnen, denn er ſelbſt hatte kein Streben. Er ging durch's Leben mit einem leeren Raum an ſeiner Seite, den keiner ausfüllen konnte. Des Bettlers Lebensweiſe blieb daher immer dieſelbe, und es gelang dem Sohn nicht, ihn davon ab— zubringen, da er nicht wußte, wie auf andre Weiſe das zum Leben Nöthige herbeigeſchafft werden ſollte. Der junge Dalton lud jetzt ſeinen Freund ein, die Ferien mit ihm auf ſeines Vaters glänzendem Landgute zu verbringen. Das war eine gefährliche Klippe fuͤr den jungen Studenten. Er ſah ſich mit einem Male in die Sphäre hineinverſetzt, nach welcher er ſich ſo ſehr geſehnt hatte. Die Großartigkeit und Pracht der herrlichen Land— ſitze machte einen lebhaften Eindruck auf ſeine jugendliche Einbildung. Lord Dalton war ein Mann der feinſten Bildung; er empfing Freeman als den Freund und Ge— fährten ſeines Sohnes, auch ſeine Gemahlin, die einſt ſo geſuchte Erbin von Lyncombe, nahm den jungen Mann freundlich auf. Die Familie beſtand aus vielen Mitgliedern. Die jüngeren derſelben waren ſelten zu Hauſe, aber Lady Grace, hochgewachſen, majeſtätiſch und ſchön, fiel dem jungen Mann ſogleich auf. Bezaubert durch ihre Anmuth und durch ihr liebliches Weſen, bemerkte William nicht den etwas ſtolzen Ausdruck, welchen einige bei der Tochter einer langen Reihe von Vorfahren zu entdecken glaubten. Stolz war der Familie eigenthümlich und nicht wiſſend, welche unglückliche Folgen derſelbe auf das gefühlvolle Gemüth des jungen Mannes, der in ihren Zirkel einge— führt ward, ausüben ſollte, gaben ſie ſich demſelben ganz hin. Der junge Dalton wußte recht gut, daß Freemann nichts weniger als reich war, aber nach der Abſtammung hatte er ihn nie gefragt. Er fuhr zuſammen, als ſein Vater ſich darnach erkundigte, und bekannte offen, daß er nicht wiſſe, wer er ſei, daß er ihn aber leiden möge und ihm in wiſſenſchaftlicher Beziehung Manches verdanke. „Das war ein Verſehen, mein Sohn, doch ein leicht verzeihliches,“ erwiderte der Vater.„Ich möchte indeſſen wünſchen, daß Du die Wahl Deiner Freunde mehr nach den Verbindungen derſelben regelteſt. Wenn auch jetzt dieß nicht von Wichtigkeit iſt, da das Univerſitätsleben eine gewiſſe Gleichheit herbeiführt, ſo könnte doch ſpäter Die mehr daran gelegen ſein.“ Die Behandlung indeſſen, welche William Freeman in dem Hauſe Lord Dalton's zu Theil wurde, war äußer— lich ganz dieſelbe, wie man ſie dem ausgezeichnetſten Gaſte erwieſen haben würde, deßhalb war er glücklich und zu— frieden, ausgenommen, wenn ſeine Gedanken zu ſeinem Vater zurückkehrten. Dann pflegte die frühere Melancholie ſich ſeiner zu bemeiſtern, welche nur der Geſang der Lady Grace zu verſcheuchen vermochte. Ihr liebenswürdiges Weſen, ihre herrliche Stimme, die majeſtätiſche Schönheit ihrer Geſtalt, machten einen tiefen Eindruck auf ſein Herz, und noch befand er ſich nicht vierzehn Tage in dem Hauſe, als er ſchon in ſie verliebt war. Er beſchloß in ſeinem Innern, tüchtig fortzuarbeiten, um wo möglich ihre Liebe zu gewinnen und den Preis davon zu tragen, nach welchem ſo Viele ſtrebten. Es war dieß eine kühne Hoffnung für den jungen Studenten, aber wer ſich kein hohes Ziel ſteckt, wird gar nichts erlangen. Deßhalb verließ er Woodland mit einem Gefühl freudiger Hoffnung, etwas verwundert vielleicht über die Gleichgültigkeit, welche Lady Grace ihm bei'm Abſchiede bewies, indem ſie ſich zu Lord Canopy wandte, einem jungen Manne, der einmal den Herzogstitel zu erwarten hatte. „Nun, Freeman,“ fragte Dalton,„haſt Du Dich wirklich amüſirt?/ „Mehr als je,, erwiderte der Freund lächelnd. „Sag' das nicht. Du ſiehſt indeſſen wohler aus. Die Luft iſt herrlich hier und der Vergnügungen giebt es auch viele.“ „Freilich,“ erwiederte Freeman,„ich erfreute mich vorzüglich an der Geſellſchaft. Nie noch gefiel mir Jemand ſo, wie Dein Vater.“ „Ein lieber alter Mann, nicht wahr?“ „So ganz ohne Stolz,, fuhr Freeman unſchuldig fort. „O ja,“ erwiederte Dalton, etwas über die Einfalt ſeines Freundes lächelnd,„Du mußt zur Weihnachtszeit wiederkommen, dann werden wir noch munterer ſein.“ gendliche ſeinſten und Ge⸗ tel dem Anmuth m nicht Tochter laubten. wiſſend, ühlvolle Heinge⸗ en ganz eemann ammung als ſein daß er oͤge und anke. in leicht indeſſen gr nach uch jetzt atsleben 9 ſpäter Freeman r äußer⸗ en Gaſte und zu⸗ ſeinem ancholie er Lady zurdiges chonheit in Herz, Hauſe, ſeinem re Lebe welchem ung fuͤr el ſteckt, Gefuͤhl über die bſchiede einem erwarten du Dich 1 2 „Dank Dir,“ ſagte Freeman, ſeines Freundes Hand drückend, denn ſein Herz war gehoben durch Hoffnung und Freude. Und es lag keine Aumaßung darin, wie die Welt es vielleicht genannt haben würde. Warum ſollte der Mann, den ſeine eignen Anſtrengungen hinaufgetrieben und nur der Druck des ſocialen Lebens niedergehalten hatte, warum ſollte er nicht auf gleichem Fuße ſtehen mit Weſen, welche nur zufälligen Verhältniſſen ihre hohe Stellung verdankten? Der Geiſt, welcher Freeman lehrte, hinaufzuſchauen, war eben ſo edel als der, welcher Lord Dalton lehrte, auf ſeine Nebenmenſchen herabzublicken. Es lebte jetzt etwas in dem Herzen des jungen Studenten, was allen ſeinen Handlungen Kraft verlieh und auch das Unbedeutendſte ihm intereſſant machte. Jeder wunderte ſich über die Heiterkeit ſeines Weſens, über ſeine Rührig— keit. Die Triebfedern ſeines Lebens begannen ſich zu ent— wickeln. Unglücklicher Irrthum! er befand ſich im Zenith ſeines innern Lebens, als ſeine Gefährten ſeine jetzt ange— nehme Geſellſchaft aufſuchten; er fühlte ſich dadurch ge— ſchmeichelt. Die Literatur feſſelte jetzt ſeine ganze Auf— merkſamkeit, ſie erſchien ihm wie ein neues, reizendes Ge— filde; ſo bildete er ſich ein, den Schlüſſel gefunden zu haben, welcher ihm den gemeimnißvollen Weg zur Macht öffnen werde, und mit dieſer Idee verfolgte er einen ver— geblichen Zweck, vergeblich, weil das Schaffen in der Lite— ratur nur ein verlockendes Spiel iſt, welches auf ermüden— den Wegen zu einem Kerker führt, wo Enttäuſchung in kurzer Zeit eintreten wird. Die Weihnacht kam und mit ihr die Feſtlichkeiten in Woodland, welche Dalton in ſeine Heimath lockten, be— gleitet von ſeinem Freunde Freeman. Er wurde freund— lich empfangen, doch vergeblich ſah er aus nach einem Lächeln der Wiedererkennung von Lady Grace. Diesmal genoß er viel mehr ihre Geſellſchaft und begleitete ſie häufig auf Spazierritten. Freeman war ein ſehr guter Reiter und pflegte ſie unermüdlich ſtundenlang durch das Gehölz zu begleiten, indem Dalton mit anderen Freunden folgte. Eines Tages machten ſie einen Ausflug nach einer alten, mehrere Meilen entfernt gelegenen Ruine. Der Morgen war klar und hell, Froſt machte die Luft ſcharf, aber die Wege waren deſto beſſer zum Reiten. Wie ge— wöhnlich waren Freeman und Lady Grace voran und ſprachen ſich über manche Gegenſtände aus. Der junge Mann hatte ſich kühnlich entſchloſſen, ſeiner Begleiterin ſein Herz zu öffnen und das Reſultat ruhig zu erwarten. Er wartete gar nicht, ſogleich angenommen zu werden; er wünſchte nur zu wiſſen, in welchem Lichte er von ihr betrachtet werde, und zu erfahren, ob ſie darauf eingehen werde, in künftigen Jahren ſeine Lebensgefährtin, ſein an— deres Ich zu ſein. Lady Grace gehörte zu jenen Frauen, welche es für ein Vorrecht ihres Geſchlechtes halten, mit den Männern nach Willkür zu verfahren. Hätte ihr Bruder das gewußt, er würde nicht zugegeben haben, daß Freemann ſich ſo ausſchließlich ihrem Umgange hingebe, da er aber ſich ein— bildete, daß ihr ſtolzer Character und ihre im Allgemeinen ehrenwerthen Grundſätze ſie von der Schlechtigkeit, mit den Gefühlen ſeines Freundes ein Spiel zu treiben, zu— rückhalten würden, ſo beachtete er den Umſtand nicht wei— ter. Sie ſelbſt fühlte ſich geſchmeichelt durch die Bewun— derung des jungen Mannes, und gebrauchte ihn außerdem als ein Werkzeug, um den jungen Herzog, der ihr ſeine Aufmerkſamkeiten erwies, eiferſüchtig zu machen. Alles dieſes wußte Freeman nicht, er bemerkte nur ihre Liebens— e und die augenſcheinliche Sanftmuth ihres Cha— rakters. 4 3 Die Ruinen wurden unterſucht, die ſchaft drückte die lebhafteſte gentour aus. Dennoch beſchloß man, ſogleich zurückzu— kehren. Ein heftiger Schneefall ſtand bevor, denn dunkle Wolken zeigten ſich an manchen Stellen am Himmel und bald begann er herabzufallen. Man ſuchte Schutz in den Ruinen und die Damen geriethen in Schrecken, als nach beträchtlicher Zeit des Wartens kein Nachlaſſen bemerkt wurde. Man beſchloß nun um jeden Preis zurückzukehren, als endlich zwei der Herren, ihre Pferde beſteigend, es unternahmen, ſich nach einem Wagen umzuſehen; die vier, welche zurückgeblieben, ſuchten weiter in die Ruinen ein— zudringen und Freemann blieb auf dieſe Weiſe ganz allein in der Geſellſchaft der Lady Grace; was aber während dieſes kurzen Zuſammenſeins vorging, darüber hat er ſich niemals geäußert. Jedenfalls hatte er eine beſtimmte Frage geſtellt, eine entſcheidende Antwort erhalten, denn als Dalton mit dem Wagen zurückkam, empfing er ſeine Schweſter von Freeman, welcher mit einer kalten Ver— beugung ſie ſogleich verließ und während der Fahrt nach Hauſe ſich nicht blicken ließ. Lady Grace war ſchweigſam und in der dürftigen Beleuchtung des dämmernden Abends bemerkte ihr Bruder, indem er ihr Antlitz erblickte, den Ausdruck einer ſtolzen Entrüſtung. „Was iſt Dir begegnet, theure Grace?“ fragte der Bruder flüſternd. „Ein andermal will ich es Dir erklären, nicht jetzt!“ — erwiderte ſie mit einer abwehrenden Handbewegung. (Schiuß folgt.) N ganze Geſell— Zufriedenheit mit der Mor— Eine Frage. Wie mag's kommen, daß, wenn man zur Erndtezeit an einem Kornacker vorübergeht, die meiſten Aehren zur Erde gebeugt ſind, einige aber ganz gerade in die Höhe ſtehen und weit über die anderen hinausſchauen? Ei, ruft der Gevatter aus, da müßte man doch Tinte getrunken haben, wenn man das nicht wüßte; die Aehren, die voll Körner ſind, die ſenken ſich herunter, und die ganz leeren recken ihre Hälſe hoch in die Höhe! Richtig, Gevatter, ſo iſt's! aber gerade ſo iſt's in der Menſchenwelt. Den vollen Aehren, die ſich in ihrer Körnerfülle zur Erde beugen, möchte ich die Menſchen vergleichen, die viel wiſſen und viel erfahren haben, in— wendig und auswendig. Die ſind beſcheiden und demü— thig, weil ſie wiſſen, daß ſie noch viel mehr wiſſen könnten und möchten und es doch nicht wiſſen. Die Dummköpfe, die nichts im Kopfe haben, gleichen den leeren Aehren, die gerade in die Höhe ſtehen. Die recken auch die Köpfe hoch hinauf über andere Leute, und meinen, ſie waren's. Nun ſagt, Gevatter, was denkt Ihr, wenn Ihr ſo einen hochmüthigen Pinſel einhertänzeln ſeht, der die Naſe hoch trägt und meint, er habe es ſchon erreicht? Nun, ſagt der Gevatter, ich denke, es ſei eine leere Aehre, leeres Stroh, oder in Summa— ein Eſel! Hat der Gevatter Unrecht, liebe Leſer? Merk's darum: Geſcheidte Leute ſind beſcheiden und demüthig, und Demuth und Beſcheidenheit ſteht Jedem gut zu Geſichte! (Spinnſtube.) . r. Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. g S Verſteigerung. 1888) Freitag den 4. Januar 1850, Nach⸗ 90 45 von 1 Uhr an, werden auf dahieſigem Burgwalle öffentlich verſteigert: 6 Stecken Prügelholz, Eſchen 1 Haufen Stockholz, 11 5 4 Stämme, und Werk- und Ulmen. 22 Stangen Nutzholz 664 Stück gemiſchte Wellen, ſodann 8— 10 Centner Heu und Grummet. Friedberg den 24. Dezember 1849. Der Gr. Rentamtmann des Rentamts Friedberg Domänenrath Biuu ß. Bekanntmachung. Brennholz-⸗Verſteigerung im Domanialwald Burgwald, Reviers Oberrosbach betr. (1889) Freitag den 4. Januar 1850, Mor⸗ gens 9 Uhr, ſollen in dem oben genannten Walddiſtrict in dem Schlag nächſt des Winter⸗ ſteins, an die Meiſtbietenden öffentlich verſteigert werden: 8¼ Stecken birken Prügelholz, 0„ eichen Stockholz, 1475 Wellen buchen⸗, 6300 Wellen birken⸗ ꝛc. und 100 Wellen nadel Reiſerholz. Zur Verſammlung der Kaufliebhaber wird auf der Stelle, wo ſich die Hausſchneiße und die Langeſchneiße durchkreuzen, ein Feuer ange— zündet werden. Oberrosbach den 24. Dezember 1849. Der Gr. Revierförſter des Reviers Oberrosbach Bingmann. Mäntelverſteigerung. (1892) Montag den 7. k. Mts, Vormittags um 9 Uhr, ſollen in der Kloſterkaſerne dahier, 50 Stück getragene Mäntel, ſowie ausrangirte Caſernenrequiſiten und altes Eiſenwerk, an die Meiſtbietenden, gegen gleich baare Zahlung, öffentlich verſteigert werden. Dies den Steig⸗ liebhabern zur Nachricht. Friedberg den 27. Dezember 1849. 1 In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter. Bekanntmachung. (1) Die hiefige Gemeinde bewilligt dem⸗ jenigen, der den Brandſtifter entdeckt, eine Be— lohnung von 200 fl. bei Verſchweigung ſeines Namens. Kloppenheim den 25. Dezember 1849. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter ie en Holz ⸗Verſteigerung. (2) Dienſtag den 8 Januar 1850, des Morgens um 9 Uhr, ſollen im Wölfersheimer Gemeindewald 85 eichen Bau- und Werkholz⸗ ſtämme, 5800 Cubikfuß enthaltend, ſowie 31 Stecken buchen Scheitholz, 5„ Prügelholz, eichen Scheitholz, 24%„ Prügelholz und 2„ Reißerholz, meiſtbietend verſteigert werden. Die Zuſam⸗ menkunft iſt am Eingang des Waldes. Wölfersheim den 27. Dezember 1849. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Alwe ben: NN Privat- Bekanntmachungen. e n. (1896) Schöne 1 bis 2½ jährige Faſel⸗ ochſen, in beliebiger Auswahl, zu haben im Burggute zu Niedererlenbach bei Carl Fr. Petſch. N Commiſſions⸗Lager (186 aller Arten franzöſiſcher Liqueure, Ananas⸗Araec, Ana⸗ nas⸗Rum⸗ und rother Damen⸗Punſch⸗Eſſenzen, Champagner, Pariſer Chocolade u. ſ. w. in vorzüglicher Qualität. II. Parſumerien. Kölniſch⸗Waſſer, Haaröl, Näuchereſſenz, Ofenrauch, RNauch⸗ pulver, Rauchkerzen, ſchwarzes und rothes Zahnpulver. III. rothe und blaue Tinte, ſowie ſchnelltrocknende ſchleifbare Caut⸗ ſchukauflöſung zum Waſſerdichtmachen des Leders der Schuhe, engliſch Pflaſter, Schneeberger Schnupftabak. IV. Isländiſche Moos ⸗Chocolade, per Pfund 1 fl. Hufländiſche Bruſttabletten, per Paquet 14 kr. 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Da bei der außerordentlichen Reichhaltigkeit der Jugendliteratur die Auswahl des Paſſendſten nur Wenigen möglich iſt und ſo manches nicht empfehlenswerthe Buch in die Hände der Jugend kommt, ſo hoffen wir, daß durch dieſe ſorgfältige Muſterung, welche in 108 Nummern die nam⸗ hafteſten Jugendſchriften nebſt kurzer Inhalts⸗ — e e ee () Samſtag den 5. Januar 1850, Mittags 1 Uhr, werden in dem Gaſthauſe des Herrn D. Fritz öffentlich verſteigert: 13 Fuder Kornſtroh, 1„ Wirrſtroh, 10 Körbe Spreu. Nauheim den 29. Dezember 1849. In Auftrag: Peter Stoll. Die angabe und Beurtheilung enthält, den Wünſchen 5 2 vieler Eltern und Erzieher entſprechen werde.— JZiehungs⸗Liſte 8 der Kraußold, B., Pfarrer, Schulinſpec— tor und Vorſtand des Marieninſti— tuts in Fürth. Blüthenſamm— lung deutſcher Leſeſtücke für die Jugend. 1 Bd. 8. br. 36 kr. 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