e i 9 en 5 112. Auguf verrichtet tiſch. Stadtkirche eld. Stadtkirche Burgkirche Burgkirch! ler — Iii 1 1 a g N lle rr Intelligenz-Bla fuͤr die Provinz Oberheſſen 2 im Allgemeinen, 10 den Regierungsbezirk Friedb im Beſonderen. f 0 157 N 683. Mittwoch den 15. Auguſt Ein Kampf um Leben und Tod. (Schluß.) III. Der Herbſt war wiederum da. Ein munteres Mäd- chen hatte die Familie Stephans vermehrt, aber ein Freund war ihm entzogen. Der Lehrer war verhaftet, denn er hatte einen Brief von ſeinem Bruder, der mit zu den Aus— wanderern gehörte, erhalten, worin ihr trauriges Loos mit grellen Farben geſchildert war. Sie hatten Wochenlang auf die Ueberfahrt harren müſſen und nirgends Hülfe gefunden; die Ueberfahrtsverträge wurden von den Schiffsrhedern wortbrüchig aufgelöſ't und nirgends fanden die Verlaſſenen einen Beiſtand, der ihrer Klage Nachdruck gegeben hätte; dazu kam, daß Viele in die Hände von Betrügern und Seelenverkäufern fielen, und ſich aus Mangel an Geld und Fürſorge nach den ungeſundeſten engliſchen und fran⸗ zoͤſiſchen Colonien überſiedeln ließen, wo ſie nach wenigen Jahren einem gewiſſen Tode entgegen gingen. In dem Briefe des Bruders hieß es: „O wir Deutſchen! Wißt Ihr's, Ihr ſeid Deutſche! „Von allen Völkern des Erdbodens am reichſten geſegnet „mit landesväterlichen Herzen, und wenn Ihr hinaus „kommt über die bunten Grenzpfähle der landesväterlichen „Obhut, da merkt Ihr's, was Ihr in der Welt geltet und „wie überall Wächter Eures Heils aufgeſtellt ſind. Wir „bezahlen von unſern Steuern die Geſandten an allen „Reſidenzen der Welt, damit ſie Kurierpferde keuchen „machen und berichten, welche Feſte gefeiert wurden, welche „hohe Niederkunft ſtattgefunden hat— die Unterthanen aber, welche die Steuern bezahlen, bedürfen keines Schutzes „in fremden Landen. Mögen ſie zu Grunde gehen, das „Geſpött der Welt ſein und höchſtens ihr Mitleid erregen „— was liegt daran? Wenn ein Bekannter von uns ge⸗ „ſtorben iſt oder ein Kunde, der uns mit ernähren half, „ſo geben wir ihm das Geleite bis zur Ruheſtätte im „Grabe; die Unterthanen aber, die bis jetzt den Staat „mit erhalten haben, und die größtentheils aus Noth und „Furcht vor der zukünftigen Noth auswandern— ſie ge⸗ „hen die landes väterliche Liebe nichts mehr an. Nur ſo „lange Ihr Steuern bezahlt, nimmt man Euch in Obhut, „bezahlt Ihr keine Steuern mehr, könnt Ihr zum Teufel „gehen. Das iſt die landes väterliche Liebe.“ Gerade um vor fahrläſſiger Auswanderung zu war⸗ nen, hatte der Lehrer mehrere Abſchriften von dem Briefe nehmen und auf dieſe Weiſe ihn verbreiten laſſen, weil die Erlaubniß zum Druck in einem öffentlichen Blatte von der Polizei verſagt war. Darum war nun der Lehrer verhaftet. Stephan ſtand eines Sonntag Morgens an die Pfoſten der Hausthur gelehnt und ſah ruhig den Schwalben zu, die pfeilraſch voll Haſt durch die Luft ſchoſſen. Der Ge⸗ danke an die Auswanderung, der ſtets in ihm ſchlummerte, erwachte leiſe wieder; er gedachte, daß auch die Schwal⸗ ben hier auswandern wollten, und nun keine Ruhe mehr hätten, da ſie Froſt und Hunger leiden müßten. Sie konnten frei ziehen, denn die Thiere haben nur fuͤr ſich zu ſorgen und für ihre Jungen, ſo lange ſie noch klein ſind; Eltern kennen ſie nicht. Das war doch noch ein Ueberreſt von den alten böſen Gedanken, aber Stephan war's als hätte ein andrer Menſch und nicht er ſelbſt ſolche ehedem in ſich gehegt. Da erſcholl es plötzlich von allen Seiten:„der Her⸗ zog Lumbus iſt wieder dal der Herzog Lumbus iſt wieder da! Ein Menſch in zerfetzten Kleidern rannte durch die Gaſſen, dem Kirchhofe zu und ſchrie mit ſchäumendem Munde:„Mein Weib, mein Weib gebt mir! Wo iſt ſie? Iſt ſie nicht da, ſo ſchlagt mich todt!« Es läutete zur Kirche und er ſchrie: „Wird ſie jetzt begraben? Wer hat ſie umgebracht? Wer ſagt daß ich's bin?— Ja ich bin's! Schlagt ihn todt!“ 8 Die Kirchgänger umſtanden den Raſenden, der ſich immer auf die Bruſt ſchlug, daß es laut dröhnte und da⸗ bei ſchrie: „Seht ihr, auf der Strickleider im Schiffe, da iſt ſie hoch oben geſtanden, und ihre Schürze hat in der Luft geflattert, ich kann nicht hinauf auf's Schiff, ich kann ſie nicht hinabſtürzen. Von der Leiter in der Scheune hab' wein e e und bin 1 Tag im Heu geſteckt— meint Ihr ich ſei fortgeweſen? Ich war ni t, ich bi nicht fort, ich bin dab, iger e bn Er ſank in heftigen Zuckungen zuſammen, und Stephan war der erſte, der zitternd, aber doch voll Kraft, den von dem Fieber Ergriffenen anfaßte, um ihn in das nächſte Haus zu tragen. Es war ihm als trüge er ſich ſelbſt, ſeinen Doppelgänger ſo dahin. Hier hatte einer vollbracht was er nur gewollt hatte. Mit zärtlicher Sorgfalt bemühte er ſich um den Raſenden, und als dieſer endlich zur Ruhe und zur Be⸗ ſinnung gelangte, ſchnitten ihm ſeine Worte tief in die Seele; denn er ſagte: f„Stephan, Du biſt gut; ich danke Dir, Du biſt immer gut geweſen.“ — 266— Zu Hauſe ſah Stephan die Großmutter immer mit einem Blicke voll Dank an. Sie hatte er als die Grund⸗ urſache ſeines Zurückbleibens in Noth angeſehen; und nun war ſie ihm zum Schutze vor viel höherm Elend gewor⸗ den.— Nach wenigen Tagen wurde der Lehrer wiederum frei; aber er erkannte nun auf's Neue, daß ſeine kärgliche Stellung untergraben, und auch er beſchloß gemeinſam mit Stephan auszuwandern. b Stephan aber ſollte noch vorher eine ſchwere Buße und Sühne erleiden, für das böſe Sinnen, das früher in ſeinem Herzen aufgeſchoſſen war. 5 Eines Tages ſchlug er auf dem Speicher loſegewor⸗ dene Bretter feſt. Ehedem hatte er unbekümmert das Un⸗ ordentliche und Zerfallende mit anſehen können, da konnte ein Dachladen ſich noch mühſelig in einer Angel halten, da konnte man hundertmal über die lockeren Bretter ſtol⸗ pern— jetzt aber ſchlug er da und dort Alles feſt, es war als ob er auch ſein Haus feſt und geordnet zuſam⸗ menhalten wollte, ſeitdem er begonnen hatte, ſich ſelber in all' ſeinem Denken und Thun feſt zuſammen zu nehmen. Die Großmutter ſaß auf den Stufen der Treppe, die zum Speicher fuhrte, und ſpielte mit der Katze. Plötzlich ward ein durchdringender Schrei vernehmbar, die Großmutter ſtürzte jhlings herab. Stephan eilte herbei, und ſtand oben an der Treppe mit dem Hammer. Mehrere Nach⸗ baren waren herzugeeilt, ſie umſtanden die Herabgeſtürzte, die im letzten Röcheln auf der Steinplatte lag. Todtenbleich ſtarrte Stephan auf die Lebloſe: da war nun endlich, was er ehedem ſo oft verborgen in der Seele gewünſcht hatte. Ein tiefer Schreck ergriff ihn, als hätte ſein Wünſchen das vollführt. Er wollte die Anweſenden entfernen und rannte wie von Sinnen umher, er wußte nicht was er thun ſollte. Da kam die Orts⸗ polizei und Stephan mußte mit in das Verhör. Was er tief in dem geheimſten Winkel ſeiner Seele verborgen und ausgekämpft hatte, was er glaubte, daß nie eine ſterbliche Seele ahnen könne— es lag ſo in dem Sinne Aller, daß man alsbald eine Anklage darauf ſtützte. Denn er war beſchuldigt, die Großmutter mit dem Ham⸗ mer herabgeſtuͤrzt und getödtet zu haben. Der von Gewiſſensbiſſen heimgetriebene Herzog Lumbus, der ſich freiwillig der Todesſtrafe auslieferte, hatte ſolchem Verdacht in der Herzen der Menſchen leicht Raum gegeben. 3 Und doch hätte gerade dieſes grauſenhafte Ereigniß wieder gemahnen ſollen, daß es Jeden abſchrecken müſſe von einem ſolchen Verbrechen. Wie empfand jetzt Stephan auf's Neue all' den Schauder ſeiner frühern Mordgedanken. Da lagen ſie nun offen in den Augen des Richters, als fluchwürdige, vollendete That. Er konnte und wollte nicht leugnen, was ehedem ſeine Seele belaſtet hatte; mußte aber das nicht ſeine Schuld als offenkundig und erwieſen darſtellen? Margret, entſchloſſen wie ſie war, hatte ihren Mann als er von der Polizei abgeführt wurde, nur mit einem großen Blicke angeſehen; dann griff ſie raſch zu und un⸗ terließ keinen Belebungsverſuch an ihrer Mutter. Glück⸗ licherweiſe gelangen ſie; die Alte gewann die Sprache wieder, und jetzt, wie das ſo oft geſchieht, in der Stunde vor dem Tode, erlangte ſie die volle Kraft des Geiſtes und erzählte, daß ſie die Katze habe haſchen wollen, von ihr aber hinabgeriſſen auf den Boden geſtürzt ſei. Noch bevor ſie am Abende verſchied wurde Stephan frei. Als die Großmutter begraben wurde ſtand er weinend an der offnen Grube; es waren die letzten Thränen die er auf heimiſchem Boden weinte; denn mit unerſchütter⸗ licher Ruhe bereitete und vollführte er ſeine Auswanderung. Er war ſtark geworden im Kampfe mit ſich und der Welt. Er war aus der ſchwerſten Verſuchung errettet wor⸗ den, hatte in harten Prüfungen ſich ſelbſt und die Seinigen kennen gelernt, und war nun einig mit ſich und den Sei⸗ nigen. Mit verjüngtem Muthe konnte er dem neuen Le⸗ ben entgegen ſteuern. Der Lehrer und Stephan hatten nun noch ein neues Band, das ſie vereinigte: ſie hatten nun auch noch die Gefängniſſe des Vaterlandes kennen gelernt. Stephan hatte den Auswanderungsplan fort und fort in ſich ge— tragen, aber nur ſo wie er an jenem erſten Abende, da wir ihn kennen lernten, aß, weil er ſich's einmal vorge⸗ nommen hatte, und ohne etwas davon zu ſchmecken; jetzt kam ein neues Reizmittel hinzu, er hatte eine öffentliche Buße erfahren für einen Kampf in ſeinem Herzen. Stephan und der Lehrer mit ihren beiderſeitigen Fa⸗ milien gehörten zu den Erſten, die von dem Schutzvereine für Auswanderer, der ſich raſch gebildet hatte, unterſtützt, nach Amerika auswanderten. f Von der Heimath bis zu ihrem Beſtimmungsorte wurden ſie aus einer guten Hand in die andere gegeben, und oft gedenken ſie ſtillſegnend derer, die ohne Eigennutz, aus reiner Menſchenliebe ihnen den traurigen Weg der Auswanderung ebneten. Das jüngſte Kind Stephans, welches den Namen der Großmutter trug, lernte in der That erſt auf ameri⸗ kaniſchem Boden laufen, und er liebte es, das Kind Groß⸗ mutter zu nennen und dabei der Verſtorbenen zu gedenken. (Berthold Auerbach.) Schulverſdumniſſe betreffend. Zu unſerm lebhaften Bedauern hat in der letzten Ver⸗ gangenheit eine größere Anzahl nicht entſchuldigter Schul⸗ verſaͤumniſſe, als ſolche fruͤherhin vorgekommen, in einzelnen Klaſſen unſerer ſtädtiſchen Schulen und von Seiten ein⸗ zelner Kinder Statt gefunden. Die fuͤr das Großherzog⸗ thum Heſſen beſtehende Schulgeſetzgebung(Edict vom 20. Juni 1832, Abſchn. III, Art. 21) verfügt 1) fur ſolche Kinder, welche die Schule ohne genügende Gründe ver⸗ ſäumen, eine Abholung zu derſelben durch den Ge⸗ meindediener, welcher für dieſe Bemühung 2 kr. von den Eltern ꝛc. in jedem einzelnen Falle zu erhalten hat; 2) fur ſolche Kinder, welche ohne Wiſſen der Eltern verſäumen, geeignete Strafen zu ihrer Beſſerung von Seiten des Lehrers; und 3) für ſolche Kinder, welche daſſelbe thun auf Geheiß oder mit Wiſſen der Eltern ꝛc. und bei welchen eine Abholung nicht thunlich iſt, eine von Letzteren zu ent⸗ richtende Geldſtrafe von 3 kr. für jede Verſäum⸗ niß, in Wiederholungsfällen von 6 kr., mit der Beſtim⸗ mung, daß dieſe Strafbeträge auschließlich zum Beſten armer Schüler verwendet werden ſollen. Zugleich wer⸗ den die Eltern, dafern ſie aus offentlichen milden Fonds Unterſtützungen erhalten, mit dem Verluſte derſelben bedroht, wenn ſie es verſäumen, ihre Kinder zum Schulbeſuche anzuhalten.— Indem wir uns nun veranlaßt ſehen, dieſe geſetzlichen Beſtimmungen Denjenigen unſerer Mitbürger, welche es angeht, zur Nachachtung hiermit in's Gedächtniß zu rufen, heben wir noch beſonders hervor die in der Natur der Sache ſelbſt begründeten weit ſchlimmeren Nachtheile, welche ein ungeregelter Schulbeſuch ohne ernſte Gewiſſenhaftigkeit, Pflichtliebe und Gehorſam gegen das wohlthätige Geſetz nicht nur der mühevollen und verantwortlichen Wirkſamkeit der Lehrer, ſondern auch einer gedeihlichen Ausbildung der ſchulpflichtigen Jugend, und ſomit der Wohlfahrt ihrer Familien und der Geſammtheit ſelbſt nothwendig bereiten muß; und es geht daher unſere angelegentliche Bitte an 5 leßt entliche gen Fa⸗ vereme erſtützt, ngsorte gegeben, gennutz, geg der Namen ameri⸗ d Groß⸗ denken. n Ver⸗ Schul⸗ nzelnen n du derzog⸗ em W. r ſolche de ver⸗ den Ge von den 2) für ſaumen, Seilen be thun welchen ju ent⸗ rfaun⸗ Beſtin⸗ Beten ich ver nilden tluſte Kinder — 267— alle Eltern, Vormuͤnder ꝛc. der ſchulpflichtigen Jugend un⸗ ſerer Stadt dahin, daß ſie doch, wie es ſeit Jahren die erfreuliche Regel geweſen iſt, auch fernerhin niemals ohne hinreichende Grunde die ihnen untergebenen Kinder dem Schulbeſuche entziehen möchten. Sind aber dergleichen Gründe vorhanden, ſo wolle man ſich(nach Arttikel 20 des obigen Geſetzes), wenn nur ein Urlaub von einem oder zwei Tagen verlangt wird, unfehlbar vor der erſten Verſäumniß an den betreffenden Claſſen⸗ lehrer, wenn es ſich dagegen um eine längere Be⸗ freiung vom Schulbeſuche handelt, an den Gr. Schul⸗ rector, Prof. Dr. Dieffenbach, als das von dem Schulvorſtande ein fur allemal dazu beſtimmte Mitglied deſſelben, mit ſeinem Geſuche wenden. Wird dieſes Geſuch mündlich vorgebracht, ſo muß es durch eine zuverläſ⸗ ſige Perſon geſchehen. Beſſer und ſicherer iſt es jedoch, den ſchriftlichen Weg einzuſchlagen, in welchem Falle auf dem einzureichenden Zettel die Veranlaſſung zur Verſäumniß angegeben werden muß, und weder die Na⸗ mensunterſchrift, noch die Angabe des betreffenden Tages fehlen darf. Friedberg am 9. Auguſt 1849. Der Schul vorſtand. Jur Chronik der Stadt Friedberg. (Verſpätet.) Motto: Alles hat ſeine Zeit. Pr. Sa. 3. Das Wort des alten weiſen Salomo iſt, ſeitdem es zum erſten Male geſprochen wurde, noch nicht unwahr geworden. Warten wir's nur geduldig ab, und es wird ſchon eine Zeit kommen, die für unſere Wünſche die rechte iſt. Alles kann nicht auf einmal da ſein. Nicht kann Keim und Aehre zugleich geſehen werden. So iſt es und Beweiſe für dieſe Wahrheit kann unſere Stadt mehr denn einen aufweiſen. Es iſt den Bewohnern hieſiger Stadt nicht unbekannt,“) wie eine reiche Schnur von Perlen, be⸗ ſtehend in gemeinnützigen Anſtalten, unſere Stadt aufzuweiſen hat. Sind ſie auch nicht mit der großen Glocke angekündet, ſie beſtehen doch, und wer ſie benutzt und leitet hat eitel Kuſt daran. Wachſen ja die ſchönſten und wohlriechendſten Blumen, wie das beſcheidene Veilchen z. B., im Verborgenen, und werden oft von Vorübergehenden mit den Füßen zer⸗ treten, bis ihnen der ſüße Duft zu den Geruchsorganen dringt und ſie verwundert ausrufen.„Wer hätte das ge⸗ dacht.— Gleich ſo iſt es, mein freundlicher Leſer, mit menſchlichen Dingen, die aber ein höhern Grund haben, zu Nutz und Frommen des Geſammtganzen. Schon ſeit 1840 beſteht hier eine Kleinkinderſchule, oder wir ſagen lieber:„Klein⸗Kinder⸗Bewahr⸗Anſtalt,“““) die bisher kümmerlich ihr Leben gefriſtet. Beſonders man⸗ gelte ihr ein paſſendes Lokal. Ob es dem verehrten Stadt⸗ worſtande ſchon lange ein Anliegen war ſeiner Pflicht, auch für dieſe lieben Kleinen zu ſorgen, nachzukommen, wiſſen wir nicht; nur ſo viel iſt uns bekannt, daß er es in Er⸗ wägung gezogen“) den Kleinen ein Aſyl zu eröffnen. Das Reſultat dieſer Erwägung war, daß er einige Zimmer in der alten Auguſtiner⸗Schule verwilligte, und dieſelben zum Gebrauch für genannte Anſtalt freundlich herrichten ließ, ſo daß dieſe Räume am 2. v. M. von der Lehrerin mit ihren etlich und 40 Kindern bezogen werden konnten. Mittags 2 Uhr, an genanntem Tage, verſammelte ſich die kleine Schaar noch einmal in dem ſchon geräumten alten Lokale und zogen mit Fähnchen, die treue Pflegerin an der Spitze und in Begleitung des männlichen Vor— 7) Troß der geheimen Sitzungen des Stadtraths. g N 7 Auf deren Nutzen wir hier nicht weiter eingehen können, die es aber verdiente, daß man ihr den Lorbeer zuerkennte. der) Vielleicht durch andere Orte, z. B. Lich, ermuntert. ſtandes der K.⸗K.⸗B.⸗An., der neuen Wohnung zu. Vor derſelben ſtand ein Theil des Stadtrathes mite dem Buͤrger⸗ meiſter in der Mitte. Dieſer empfing den Vorſtand ge⸗ nannter Anſtalt und überreichte demſelben im Namen der Stadt die Schlüſſel. Während dieſer Zeit hatten etliche Damen, des weiblichen Vorſtandes, die kleinen Tiſchen mit Tellern beſtellt und dieſelben mit Kirſchen“) gefüllt und je mit einer Bretzel zugedeckt. Das Schulzimmer war feſtlich mit Kränzen und Blumen geſchmuͤckt. Ei, wie glaͤnzten die kleinen Geſichtchen, als ſie dieſe Herrlichkeiten ſahen. Eine ganz neue Welt ging ihnen auf. Freilich weinte auch Manche ob der vielen fremden Geſichter; aber beim Anblick des Tellers mit ſeinem Inhalte, klärte ſich das Angeſichtchen auf. Nachdem ſich die Kinder ein wenig zu recht gefunden hatten, ſtimmten ſie einige nette Liedchen an, an denen ſich auch die anweſenden Erwachſenen ergoͤtzten. Sobald die Kinderchen ſchwiegen trat Herr Profeſſor Dr. Fertſch in eine Fenſterniſche und hielt eine kurze Anſprache an die Verſammlung. Er ſprach von des Inſtituts Anfang, ſeinem Fortgang und ſeinen Hoffnungen für die Zukunft; vom Vorurtheil gegen die Anſtalt, vom Weichen dieſes Vorur⸗ theils und der Anerkennung und wünſchte zum Schluſſe, daß die Theilnahme an dieſem Werke wachſe. Mit einem kurzen Gebete, in dem das Geſagte zuſammengefaßt war, wurde die Verſammlung entlaſſen. Wir wären nun mit der Beſchreibung dieſes unſchein⸗ baren Feſtes zu Ende; aber was iſt der Zweck dieſer un⸗ ſerer Mittheilung;— Der, mein Leſer, Dich für dieſe Sache zu intereſſiren, damit Du ihr Deine Aufmerk⸗ ſamkeit nicht verſagen mögeſt und Du an die Kleinkinder⸗ Bewahr⸗Anſtalt erinnert würdeſt, wenn Dir eine kleine oder große Gabe zu wohlthätigen Zwecken zwiſchen die Finger geriethe. Es kann ſolches Opfer, das Gott gefällig und den Menſchen nützlich, auf zwiefache Weiſe gebracht werden. Einmal, daß Du Familienvater, Deine Kinder der Anſtalt anvertraueſt und zweitens, daß Du ſie mit Gaben der Liebe unterſtützeſt. Es muß aber nicht immer Geld ſein, Geld koſtet es genug, denn von allen Seiten zeigen ſich offene Hände, es können auch Lebensmittel ſein; wir glauben gewiß die Anſtalt weißt Nichts ab, z. B. Bohnen, Linſen, Erbſen, Weißkraut, Kartoffel ꝛc. c. Es thut zwar auch Geld noth, wir hörten es ſo im Vorbeigehen bei der Einweihung, daß ein Vorſtands-Mitglied zu einer Verſamm⸗ lung einlud, denn der Rechner habe kein Geld um die alte Miethe zu decken. Dieſe Verlegenheit hört nun auf, aber immer bedarf die Anſtalt der thätigen Hülfleiſtung. Wir ſchließen und wunſchen eine geſegnete Ernte.—— l ) von wohlthätigen Händen geſpendet. Für die bei dem Kampfe in Baden verwundeten Heſſ. Soldaten ſind zu den in Nr. 62 d. Blis. angezeigten 268 fl. 53 kr. weitere Bei⸗ träge eingegangen: von Beigeordn. Stumpf zu Oſſenheim 1 fl. Pfarrer Muller zu Bruchenbrücken 1 fl., L.⸗G.⸗A. Zeitz dahier 2 fl., Heinrich Rüb⸗ ſamen dahier 24 kr., gelegentlich eines Termins in einer Civilſache an Gr. Landgericht dahier von den ſtreitenden Theilen, und zwar: a) von Kläger 5 fl., b) von Beklagten 10 fl., von Wiſſelsheim 1 fl. 33 kr., und zwar: von Beigeordn. Schmidt 6 kr., Georg Huber 6 kr., Georg Hofmann 3 kr., Konrad Hofmann 3 kr., Pachter Anton Leonhard 24 kr., Jacob Schultheis 12 kr., Eberhard Huber 6 kr., Franz Klebers Wittwe 3 kr., Georg Nicolaus 6 kr., Anton Steinhauer 6 kr., Balthaſar Hubers Wittwe 6 kr., Carl Huber 6 kr., Carl Hofmann 6 kr., von Steuer⸗ Einnehmer Müller zu Melbach 2 fl., S. J. W. hier 1 fl. 12 kr., Fr. Oberlieutenant R. 2 fl., A. R. 42 kr. Bisherige Summe im Ganzen 295 fl. 44 kr., welches wir mit herzlichem Dank für die gütigen Geber beſcheinigen. Friedberg am 13. Auguſt 1849. Textor. Cronenberg. J. Steinhäußer. Krach. M. Hirſch. H. M. Decher. J. Pfeffer. F. Cordes. G. Trapp II. W. A. Simon. C. Groß. Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. N Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn. (1220) Donnerſtag den 16. Auguſt, Vor⸗ müttags 11 Uhr werden die zur Herſtellung einer Rampe in dem Bahnhofe zu Friedberg er⸗ forderlichen 5 Maurerarbeiten, veranſchlagt zu 55 fl. 12 kr. Steinhauerarbeiten„„ 149/ 29„ auf dem Rathhauſe dahier durch öffentliche Ver⸗ ſteigerung in Accord gegeben werden. Friedberg den 8. Auguſt 1849. 5 Der Großh. Heſſ. Sections⸗Ingenieur der Section Friedberg Hochgeſand. Gras ⸗Verſteigerung. (1233) Donnerſtag den 16. d. Mts., Vor⸗ mittags 10 Uhr, ſoll auf dem hieſigen Rathhauſe das Gras von der gemeinheitlichen Pfingſtwaide, dem Kreuzplacken und der Bleiche, circa 44 Morgen haltend, einſchürig, in mehreren Ab⸗ theilungen, öffentlich an die Meiſtbietenden ver⸗ ſteigert werden. Niederwöllſtadt den 10. Auguſt 1849. Der Großh.. o ſt. Bekanntmachung. (123) Es wird jeder Bürger daran erin⸗ nert, wer in hiefigen Waldungen Holz geſteigert hat, daſſelbe von heute an längſtens in 14 Tagen abzufahren, als ſonſt die geſetzliche Strafe ein⸗ treffen muß. 5 Pfaffenwiesbach den 11. Auguſt 1849. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Ru p p. NN Privat ⸗ Bekanntmachungen. Geſuch. (12220 Es wird ein Bäckerlehrling geſucht, wo ſagt die Expedition d. Bl. Bekanntmachung. (1217) Bis auf weitere Anzeige können keine Braunkohlen mehr abgegeben werden, auf dem Bergwerk bei dem Heſſenbrückenhammer. Annonce. (1046) Guter reingehaltener Pfälzer Wein wird zu fl. 16. 18. 20 und fl. 24. per Ohm, ſowie auch verſchiedene an⸗ dere Sorten billig abgegeben: Dönges— gaſſe Nr. 6 neu im Hofe in Frank⸗ furt a. M. NB. Der Keller iſt offen von Morgens 8 bis 12 Uhr und von 2 bis 7 Uhr Abends. Neue Häringe und Sardellen (1229) ſind eingetroffen bei Burg ⸗Friedberg. J. Jöckel. Markt zu Vilbel. (41135) Dienſtag den 21. und Mittwoch den 22. dieſes Monats, bei Gelegenheit des dies⸗ jährigen Herbſtmarktes, iſt bei dem Unterzeich⸗ neten in ſeinem, auf dem ſchön gelegenen Markt⸗ platze erbauten großen Zelte, gut beſetzte Harmonie- und Tanzmufik anzutreffen. Indem ich hiermit alle Freunde des geſelligen Lebens aus der Umgegend dazu höflichſt einlade, bemerke ich, daß für ausgezeichnete Speiſen und Getränke geſorgt werden wird. Vilbel den 10. Auguſt 1849. Chriſtian Dreſcher, Gaſtwirth zur Stadt Kaſſel. —— 268 erke A me ek., (11360 Alle 8 Tage vorzügliche Reiſegelegenheit nach Amerika über Havre, Antwerpen Rotterdam oder Brennen Wahl der Reiſenden. Meine Ueberfahrtspreiſe ſind jetzt: 4 nach New⸗Nork über Rotterdam fl. 50. für Erwachsene, und fl. 42. für Kinder. Antwerpen„ 52. 1 a 1. * 0„ 94. „ Baltimore wie nach New⸗Nork. „ New⸗ Orleans über Rotterdam fl. 56. für Erwa I 5 11 „ Havre 5 1„ Havre „ Galveſton(Texas) f Säuglinge überall frei. gelder und mit 200 Pfund Gepäck frei. dieſem Schiffe. Joh. „Antwerpen ⸗ 79 I%% 1 Bieſe Preiſe verſtehen ſich ab Mainz mit Inbegriff der Kopf. Die Reiſe von Rotterdam nach Havre geſchieht auf dem neuen Dampfschiff„A Aral Ver Huell““ mit freier Verköſtigung auf Jeden Monat Gelegenheit nach Südamerika, Auſtralien, Californien. Auskunft ertheilen meine Agenten oder ich ſelbſt bereitwillig. Wegen Uebernahme von Agenturen wende man ſich an mich direct. Alle Briefe erbitte mir frei. 1 f N F Frankfurt a. M. den 10. Auguſt 1849. 111 8 44414175 5 b Aug. Simeons, Schützenſtraße 11. 1 1„..„ ſene, und fl. 45. für Kinder. ö unn d 1 1.% 48.%% „ 2„ eee Ein Logis (1237) mit allen Bequemlichkeiten, in der mittleren Etage meines Hauſes, iſt zu vermiethen. Friedberg. P. Falck. Gi fu ch. (1138) Eine Einmaiſchbütte in noch gutem Zuſtande, 500 Maas haltend, wird zu kaufen geſucht. Beyenheim den 10. Auguſt 1849. 5 J. Fi li us. Zum Verkaufen. (1239) Ein großes Tanzzelt nebſt mehreren dazu gehörenden Tiſchen und Bänken, hat zu verkaufen Gaſtwirth Walther, in Bauernheim. Zum Verkaufen. (1240) Gieſelers Kirchengeſchichte in 6 Baͤn⸗ den iſt billig zu verkaufen und das Nähere bei der Expedition dieſes Blattes zu erfahren. Privat⸗Nachricht. (1241) Guter und reingehaltener Pfälzer⸗ Wein zu 15, 18, 20 und 30 Gulden per Ohm, ebenſo alle andre Sorten Wein zu äußerſt billigen Preiſen, ſind zu haben Nechneyſtraße Nr. 7 neu in Frankfurt a. M. Verſteigerung der Utenſilien einer vollſtändig eingerichteten Färberei. (1242) Im Dorfe Lollar bei Gießen wird Montag den 10. September l. J., Morgens 9 Uhr, die öffentliche Verſteigerung ſämmtlicher Geräth⸗ ſchaften einer großen Färberei ſtatt finden, wozu unter vielen andern Gegenſtänden 2 Kalandern, 1 große Mange, 1 große Zeugpreſſe, mehrere große und kleine kupferne Keſſel, 1 kupferne Blaufarbe, 11 Färberköpen, mehrere Drucktiſche, circa 800 Stück Druckformen, 1 Garnpreſſe, 2 Farbmaſchinen, viele FJäſſer, Bütten u. ſ. w. gehören. In Folge des mir gewordenen Auftrags lade ich hierzu ein. Gießen den 7. Auguſt 1849. B. Körber. Harmonie- und Tanzmuſik. (1243) Zur Einweihung meines neu erbau⸗ ten Tanz⸗Saales lade ich hiermit meine Freunde und Gönner auf Sonntag den 19. Auguſt d. J., mit dem Bemerken ergebenſt ein, daß ich ſtets für gute Speiſen und Getränke beſorgt ſein werde. Petterweil den 8. Auguſt 1849. Georg Weber. 4 Scheiben⸗Schießen. (1140 Sonntag den 19. und Montag den 20. d. M., wird bei Unterzeichnetem ein Schei⸗ benſchießen mit Büchſen und Flinten aber ohne Stecher abgehalten. Die Gaben ſollen aus zin⸗ nerner Waare beſtehen. Indem ich hiermit alle Freunde des Schießens und geſelligen Vergnü⸗ gens höflichſt einlade, bemerke ich, daß ich den verehrten Gäſten mit guten Speiſen und Ge⸗ tränken beſtens aufwarten werde. Oberrosbach den 13 Auguſt 1849. Georg Ruppel. Zur Nachricht. (1245) Auf den ſauberen Artikel 445 in Nr. 21 und 22 des Friedberger Intelligenzblattes „Toleranz-Anfrage,« habe ich ſchließlich Se zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. einer vorläufigen Erwiederung in Nr. 3 Artikel 490 dieſes Blattes entſprechend, forderte ich auf gerichtlichem Wege die Redaction auf, mir den Einſender des Artikels zu nennen. Demzufolge wurde mir auf beſagtem Wege ein gewiſſer„Joſeph Simon von Okarben⸗ als Einſender genannt. Ein Joſeph Simon exiſtirt aber nach amtlicher Ausſage des Großh. Bürgermeiſters Jung von Okarben daſelbſt nicht. Der ſaubere Einſender iſt alſo nicht allein ein fei⸗ ger lichtſcheuer Anonimus, ſondern noch mehr, er iſt ein ſchändlicher Betrüger, der ſeine ſchmutzi⸗ gen Verläumdungen auf jedmögliche Art in die Welt zu ſchicken fähig iſt, und es ſcheint mir, daß es nur einer ſein kann, der bekannte Ab⸗ zeichen trägt, die ihn geniren, da er wahrſchein⸗ lich als Betrüger, Lügner, Ohrenbeichter und Unheilſtifter zu viel bekannt iſt, ſeinen Namen öffentlich zu ſagen*). 0 Vilbel den 10. Auguſt 1849. H. Breiter, Bürgermeiſter. 4) Zur Beſtätigung dieſes Inſerats erklären wir hiermit, daß nach amtlicher Ausſage ein Joſeph Simon in Okarben, unter deſſen Namen jener Artikel(Inſerat 445) eingeſandt wurde, nicht exiſtirt; ſind in⸗ deſſen überzeugt, daß ein Ehrenmann wie Herr Bürgermeiſter Breiter durch ſolche Schmaͤhungen, womit ihn ein Ver⸗ ſteckter, dennoch aber Erkannter, zu be⸗ geifern ſucht, im Auge des Publikums nicht verletzt werden kann, dieſelben viel⸗ mehr auf Letzteren, falls überhaupt noch etwas an ihm haften bleibt, zurückfallen—. Zugleich wiederholen wir die Er⸗ klärung, daß perſönliche Angriffe nur dann Aufnahme in unſerm Blatte finden können, wenn die Unterſchriften amtlich beglaubigt ſind. 5 f Die Redaction. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedberg. 1