Intelligenz-Blatt fuͤr die Provinz Oberheſſen 3 im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg im Beſonderen. N 61. Mittwoch den 8. Auguſt 1849. Taxe und Bußzhac uſt 1849. * Regierungsblatt⸗Auszüge. Nr. 42 enthält 1) Geſetz, die Vereinfachung des Verfahrens und die Verminderung der Koſten bei der Eröffnung von Erbſchaften, bei Theilungen, Verſteigerungen, Rangordnungs⸗ und Diſtributions ſachen in der Provinz Rheinheſſen betr.— 2) Dienſtnachrichten: am 24. Mai wurde der Actuariatsgehülfe Stehr von Kölzenhain zum Actuax bei dem L.⸗G. zu Homberg a. d. O. ernannt; am 29. wurde dem Friedensgerichtsſchreiber Hartmann zu Wörrſtadt die Notariatsſtelle zu Sprendlingen, im Fr.⸗ G.⸗Bez. Wöllſtein, und am 31. dem Schullehrer Juſtus Hof zu Burg⸗ gemünden die 1. evang. Schullehrerſtelle zu Rodheim, Reg.-Bez. Gießen, übertragen.— 3) Geſtorben ſind: am 17. Auguſt 1848 der Phyſi⸗ katsarzt Dr. Walter zu Wöllſtein, R.⸗B. Mainz; am 24. März der penſ. Schullehrer Alt zu Crumſtadt, R.-B. Darmſtadt; am 31. der Lehrer Schmitt an der 2. Knabenklaſſe der Domſchule zu Mainz; am 13. Mai der Zollbereiter Weber zu Wilsbach, R.⸗B. Biedenkopf. Nr. 43 enthält 1) Verordnung vom 16. Juni in Betreff der buͤrger⸗ lichen Rechtsverhältniſſe der Truppen ber erfolgendem Ausmarſche.— 2) Be⸗ kanntmachung, die Wahl der Geſchwornen in der Provinz Rheinheſſen betr. — 3) Promotionen auf der Großh. Landesuniverſität Gießen(Fr. Nöll⸗ ner von Nidda Dr. Ph.).— 4) Ertheilung eines Patents an H. Krämer aus dem H. Naſſauiſchen auf neu erfundene Oefen.— 5) Mi⸗ litärdienſtnachrichten: am 10. April iſt der Pfarrverweſer zu Wixhauſen Fiſcher zum 2. Lehrer an der Garniſonsſchule zu Darmſtadt und zum Garniſonsfreiprediger ernannt worden. Mit Patenten vom 21. April ſind im Grßh. Artilleriecorps ernannt worden der Hauptmann v. Per⸗ glas zum Major, der Lieutenant Hallwachs zum Oberlieutenant und der Feldwebel Supp zum Lieutenant. Mit Patent vom 3. Juni wurden ernannt der Lieutenant Königer im 2 J.-R. zum Oberlieutenant, und der Cadetcorporal v. Diemar zum Lieutenant und hat der Oberlieute⸗ nant v. Roſenberg im 4. Jnf.⸗Reg. den nachgeſuchten Abſchied erhalten. — 6) In den Ruheſtand wurden verſetzt: 1) am 23. Mai der Lehrer an der 1. Mädchenſchule zu Heppenheim, Schulrector Götz; am 31. der Schullehrer Tewaag zu Allendorf, Reg.⸗Bez. Biedenkopf.— 7) Ge⸗ ſtorben find: am 4. April der Major à la Suite v. Vrints⸗Treuen⸗ feld; am 30. Mai die Oberlieutenante Zimmermann im G.⸗O.⸗ Stab und Hofmann im 1. Juf.⸗Reg. Nr. 44 enthält 1) Bekanntmachung, die Erhebung der directen Steuern und indirecten Auflagen für die letzten ſechs Monate des Jahres 1849 betr. Da die durch das Geſetz vom 25. Dezember v. J. mit den Ständen des Groß⸗ herzogthums vereinbarte Prorogation des Finanzgeſetzes vom 7. October 1845 mit dem Ende dieſes Monats abläuft und ein neues Finanzgeſetz noch nicht zu Stande gekommen iſt, ſo haben des Großherzogs Königliche Hoheit in Folge des Art. 69 der Verfaſſungsurkunde gnädigſt zu verord⸗ nen geruht, daß die ſämmtlichen, in den drei Provinzen des Großherzog⸗ thums beſtehenden, von den Ständen bis zum 1. Juli 1849 bewilligten directen Steuern und indirecten Auflagen, mit Einſchluß der außeror⸗ dentlichen Einkommenſteuer, nach den vorliegenden geſetzlichen Beſtim⸗ mungen und Verordnungen auch in den letzten ſechs Monaten des Jahres 1840 erhoben werden ſollen, was hiermit zur Nachachtung bekannt ge⸗ macht wird. Darmſtadt den 18. Juni 1849. Auf beſonderen aller⸗ höchſten Befehl. Großh. Heſſ. Miniſterium der Finanzen. F, v. Schenck. 2) Bekanntmachung des Großh. Miniſteriums des Innern vom 14. Junf, die Verbeſſerung der Lage der Volksſchullehrer betr.,(zu wel⸗ chem Zwecke einſtweilen aus dem Fonds zu gemeinnützigen Zwecken, eine Summe von ohngefähr 4000 Gulden zu einmaligen Zulagen an Volka⸗ ſchullehrer ausgeſetzt wird.)— 3) Bekanntmachung, die Brandverficherungs⸗ Beiträge für das Jahr 1848 betr.— 5) Namens veränderungen. Es wurde geſtattet: am 6. Juni dem Maximilian Götz zu Mainz, künftig die Vornamen:„Maximilian Iſaak“ und am 11. dem Wein⸗ händler Simon Friedmann zu Mainz, künftig die Vornamen:„Simon Samuel“ zu führen.— 6) Erledigt find: die evang. Pfarrſtelle zu Partenheim, R.⸗B. Mainz, mit jährl. 1132 fl.; die evang. Schullehrer⸗ ſtelle zu Niedereſchbach, R.⸗B. Friedberg, mit jährl. 436 fl, einſchließlich der Vergütung für Heizung des Schullocals, von welchem Gehalte jedoch der Lehrer für das Jahr vom 1. Auguſt 1849/50 108 fl. und für das Jahr 1850/1 104 fl. an die Gemeindekaſſe abzugeben hat. 7) Ge⸗ ſtorben ſind: am 27. April der penſ, Ortsſteuereinnehmer Dammel zu Nauheim, R.⸗B. Darmſtadt; am 12. Mai der Phyſicatsarzt Dr. Men⸗ zel zu Bingenz am 23. Mai der Phyſicatsarzt Dr. Walter zu Wimpfen. Nr. 45 enthält folgende Bekanntmachung des Großh. Miniſteriums des Innern, die Verkündigung des Kriegsrechts betr.„Die durch höchſte Verordnung vom 28. Mai erfolgte Verkündigung des Kriegs⸗ rechts in einigen Landgerichtsbezirken der Provinz Starkenburg auf vier Wochen endigt mit dem heutigen Tage. Ein Grund zu ihrer Verlän⸗ gerung iſt glücklicherweiſe nicht vorhanden; mit Vergnügen ſpricht die Gr. Staatsregierung ihre Zufriedenheit darüber aus, daß kein einziger Fall vorgekommen iſt, welcher die Anwendung dieſer Verordnung veran⸗ laßt hätte.“ Nr. 46 enthält 1) Bekanntmachung, die Amtsſiegel der Gerichtsboten in der Provinz Rheinheſſen bei Aufnahme von Wechſelproteſten betr. 2) Be- kanntmachung, die Hauptergebniſſe der Rechnung der Staats⸗Aſſecuranzanſtalt für die Stellvertretung von dem Muſterungs- und Ziehungsjahr 1847 betr. 3) Bekanntmachung, die Trennung der zum Gericht Eckartshauſen gehörigen Ortſchaften von dem Rentamtsbezirke Friedberg und deren Zu⸗ theilung zu dem Rentamte Nidda betr. 6) Dienſtentlaſſungen am 16. Juni wurde der erſte Ergänzungsrichter bei dem Fr.⸗Ger. zu Oberingelheim, Joh. Kaiſer 1. zu Gaualgesheim, auf Nachſuchen von ſeinem Amte als Ergänzungsrichter entbunden; am 23. wurde der außer⸗ ordentliche Profeſſor der philoſophiſchen Facultät der Landesuniverſität Dr. Carl Vogt zu Gießen ſeines Dienſtes entlaſſen. 7) Geſtorben ſind; am 3. Juni der penſ. kath. Schullehrer Breivogel zu Hohenſül⸗ zen, R.-B. Mainz, am 19 der evang. Pfarrer Willenbücher zu Brens⸗ bach, R-B. Friedberg. Ein Kampf um Leben und Tod. (Fortſetzung.) II. Wenn es nur immer Vorkehrungen gäbe, um ein betrübtes verworrenes und hülfeſuchendes Gemüth aufzu— nehmen. Vordem ſtanden die Kirchen allzeit offen, um den in den Wirren des Lebens unſtät Gewordenen in ihre ſtille Ruhe einzugehen, daß er ſich dort erhebe in den Himmel ſeiner eignen Seele und zu dem Urquell des Gei⸗ ſtes, der das Weltall nach ewigen Geſetzen leitet und in jedes Menſchen Leben einen weißen Plan durchführt, der — 258— uns nur zu Zeiten verborgen iſt. Aber man hat die Kir⸗ chen mit allerlei Tand und Geſchmeide von Gold und Silber geſchmückt, und man muß dieſen unnützen Trödel vor den Händen wahren, die ſich nicht immer zum Gebete dort erheben möchten. Die Kirchen ſind geſchloſſen, und ſtänden ſie auch noch offen, nur Wenige fänden dort allzeit den rechten Eingang in die heiligen Hallen ihres Herzens, zu denen man nicht erſt die Schlüſſel beim Küſter zu holen hat; dem feſten Willen, der Wahrhaftigkeit vor ſich ſelber weicht da Riegel und Schloß. Wie erquickend iſt es aber doch in ſolchen Wirrniſſen einen Andern zu finden, der uns in ſich aufnimmt und uns wiederum uns ſelber gibt!. Stephan ſehnte ſich nach einem ſolchen Herzbruder. Wie oft iſt Dir's aber wohl ſchon vorgekommen, daß Du mit bewegter Seele an einen treuen Menſchen herantratſt und er verſtand Dein Bangen und Sorgen nicht, denn ihn ſelber bewegte ein Fremdes, was Du nicht kennſt, und Du fühlſt es auf's Neue, daß die Erlöſung durch Andere ſelten iſt, ſie muß auferſtehen und gen Him⸗ mel heben aus der Tiefe des eignen Herzens. So ging nun Stephan durch das Dorf, und er kam ſich wildfremd und verlaſſen hier und in dieſer ganzen Welt vor, als ob er Niemanden kennte, denn er war fremd in ſeinem eignen Herzen wie in ſeinem Hauſe. In das Wirthshaus zu gehen und dort ſeine Sorgen zu zerſtreuen, deß ſchämte er ſich, da man erſt geſtern ſein uͤlteſtes Kind begraben hatte. Da ſah er die Stube des Schullehrers erleuchtet; er wollte zu ihm hinaufgehen. Mit dem Schullehrer, einem wackern Manne in den beſten Jahren, ſtand Stephan in beſonderer Verbindung; er hatte für ihn die Eingabe gemacht, wodurch er den kleinen Dienſt als Straßenknecht erhalten hatte, und ſeitdem ſahen ſie ſich öfter. Stephan, der lange in der Stadt gelebt und ein beſondres Ehrgefühl hatte, glaubte das wäre der Mann für ihn, der ihn trotz ſeines niedern Standes zu achten verſtehe, und dies war auch in der That der Fall. Bei dem Schullehrer traf Stephan eine große Zahl von Männern und Jünglingen; es ſah faſt wie eine Bet⸗ ſtunde aus, ſo andächtig hörte Jeder zu. Aber man ſprach von einem Jenſeits, nach dem die Verſammelten noch bei lebendigem Leibe ſteuern wollten. Es waren Auswanderer, die ſich von dem Lehrer aus Büchern über die Beſchaffen⸗ heit Nordamerika's, uber die Art wie man dahin gelange und ſich am beſten anſiedle u. ſ. w. vortragen ließen. Wie ein Blitz durchzuckte ein Gedanke das ganze Weſen Stephans, und während er zuhörte hob er ſtets einen Fuß nach dem andern leiſe empor, gleichſam als wollte er ſich vergewiſſern, daß er nicht am Boden feſtge— wachſen ſei, ſondern auch fort könne. Als die Vorleſung zu Ende war, ſtürmte Alles mit Macht in's Freie. Ein Jeder wäre jetzt am liebſten gleich kurzweg in den Urwald gerannt und hätte dort die vom Tage der Schöpfung an unberührten Stämme gefällt und das Erdreich umgerodet; ſo viel Mark und Kraft glaubte Jeder in ſich zu ſpüren, daß er mit einem Griff einen dicken Stamm wie eine leichte Gerte knicke. In ſolch' einem Augenblicke der Spannung und Be⸗ geiſterung wären die Menſchen oft fähig, Großes, faſt Uebermenſchliches zu vollbringen, in ſolchen Augenblicken geſchehen ruhmvolle Heldenthaten auf dem Schlachtfelde. Aber es iſt weit leichter, unter Kanonendonner muthig vorzuſchreiten, als Jahre lang an einem ſtillen Vorſatz arbeiten und einen Kampf mit den kleinen Plackereien des Lebens, einen Kampf im Herzen auszufechten. Einen ſolchen hatte Stephan zu beſtehen. Viele der Verſammelten zogen in das Wirthshaus. Da ſie einſtweilen nichts für ihre Zukunft thun konnten, glaubten ſie über alle Stränge hauen zu dürfen und ſich dem Müſſiggange zu überlaſſen, bis die neue Thätigkeit begänne. Es gibt Menſchen, ja ganze Völker, die ſich und Andere ſtets auf einen kommenden Lebensmontag ver— tröſten; ſie ſagen oder denken: jetzt, ſo mitten in der Woche, da kann man nichts Rechtes mehr anfangen, laßt nur erſt dieſe paar Tage und dann den Sonntag vorüber ſein, ihr ſollt ſehen, wie wir dann friſch zugreifen. Kennſt Du nicht auch ſolche Zukunftströſter, die ſich ſo zu ſagen immer in die Hände ſpucken und nie anfaſſen? Das Vertröſten iſt aber nichts als faule Flauſen⸗ macherei. Jeder Tag hat ſeine Pflicht, und überläſſeſt Du Dich heute der Nichtsthuerei, ſo findet die kommende Arbeit in dir einen läſſigen Geſellen. Im Wirthshauſe ging es hoch her, denn dort ban⸗ kettirte der Herzog Lumbus und ſeine Schaar, die aus dem größten Theil der jüngeren Auswanderer beſtand. Der Herzog Lumbus war Beſitzer eines ziemlich anſehnlichen Bauernguts geweſen und erſt vor wenigen Monaten hatte er ſeine junge Frau verloren. Er war gerade ſeit zwei Tagen verreiſ't, als ſie von der Leiter in der Scheune herabſtürzte, und als er Tages darauf heim kam, ward ihm die ſchreckliche Kunde von ihrem Tode entgegengebracht. Er ſchien nun des Lebens im Dorfe überdrüſſig, verkaufte ſein Gut und bekam von ſeinem eignen Vermögen und dem Eingebrachten ſeiner Frau eine bedeutende Summe Geld in die Hand. Von ihm zuerſt war der Aus wanderungsplan gefaßt worden, und er hatte dafür namentlich das junge Volk begeiſtert. Einſtmalen ſagte er zu den Verſammelten: „Ich bin's doch, der Euch zuerſt den Weg nach Amerika gezeigt hat, und ich ziehe vor Euch her und bin Euer Herzog. Ich habe Amerika für Euch entdeckt, ich bin Euer Columbus.“ „Herzog Lumbus!, ſchrie Alles, und ſeitdem führte er dieſen Namen mit Stolz und majeſtätiſcher Würde. Der Name des edlen Mannes, der mit unbeugſamem Muthe eine neue unbekannte Welt entdeckte, die für ſo viele Hülfloſe und Freiheitsſuchende ein Zufluchtsort ge— worden, wurde hier zu einem Spaß verwendet. f Herzog Lumbus war ein ſtattlicher Mann, der, ſeit— dem er auszuwandern beſchloſſen hatte, ſeinen röthlichen Bart unverſchoren ließ; das war die einzige Pflanzung, die er noch zu Hauſe anlegte, er nannte ſie einen fürſtlichen Do⸗ mänenwald. 925 Auf den heutigen Abend verſprach er eine große eche. „Wir wollen einen ganzen Acker vertrinken!“ rief er, und ſeine Schaar war dazu willfährig. Sie geberdeten ſich überhaupt wie ehedem die Rekruten, bevor ſie in die Garniſon einzogen, die Tage und Wochen lang ſich alle Freiheit herausnahmen und von der gewöhnlichen Ordnung der Welt nichts mehr wiſſen wollten.* Als man ſpät in der Nacht vom Zechen aufſtand, rief der Herzog Lumbus: „Wirthſchaft! heda! das Hofthor aufgemacht, es will ein Acker hinaus!, 5 7 Unterdeſſen war Stephan längſt mit einigen ruhigen und beſonnenen Männern nach Hauſe gewandert; ſie ſahen wohl ein, daß das Tollen und Jubiliren der falſche Weg zum wahren Fortkommen ſei, aber es gelang ihnen nicht, ihre Söhne vom Herzog Lumbus loszumachen, und einige machten ſogar manchmal gute Miene zum böſen Spiel und tranken ſelber mit. 5 umu 2 Nbaus. uten, ad dc datigſen ſich und ag ver⸗ m der gen, lagt voruͤber . die ſich nfaſſen? Flauſen⸗ derlaſſeſt ommende ort ban⸗ aus dem ud. Der ſehnlichen ten hatte ſeit zwei Scheune u, ward gebracht. verkaufte gen und Summe an gefaßt inge Volf elten: deg nach und bin deckt, ich em fuͤhttt Bürde. eugſamtn die für ſe chtsort ge⸗ „der, ſel lichen Bar g/ die el flichen Do tine großt fen“ tif zeberbeken r in die j ſcch alt Ordnung — 28— Tagelang ging nun Setphan umher und hegte den Gedanken an das Leben in der neuen Welt in ſich. Ein Menſch, der den Gedanken der Auswanderung über ſich kommen läßt, iſt wie ein Baum, der plotzlich aus ſeinem Erdreiche geriſſen wurde; die Wurzeln, die im Dun⸗ kel ruhten, liegen zu Tage und es iſt leicht möglich, daß er verkommt und verdorrt, bevor er neuen Grund gewinnt. Mit Margret redete Stephan kein Wort von ſeinem Vorhaben. Ganz allein wollte er den Plan vollenden. Auch kannte er wohl die Hinderniſſe, die der Ausführung entgegenſtanden, und erſt wenn dieſe beſeitigt waren, wollte er mit der fertigen Zurüſtung hervortreten. Er dachte immer, hier zu Lande könne er kein rechter Mann werden, das werde erſt in der neuen Welt recht angehen. Es war ihm, wie wenn er jetzt erſt zu ſeiner Manneskraft erwache und allerdings war dies in gewiſſem Sinne der Fall. Er fand einen gewiſſen Stolz, ein Selbſtgefühl darin, ohne Dreinreden eines Andern Alles abzumachen;z aber er ſollte es erfahren, wohin man gelangt, wenn man ſich von den Menſchen entfernt, die uns zu eigen gegeben ſind, und wie er einem Abgrund entgegenſtürzte. Margret ihrerſeits hegte auch ein neues Leben in ſich und ſie wagte nicht, ſolches Stephan zu offenbaren. Er war ihr doch vor Gott und der Welt angetraut, und ſie weinte im Stillen, als müßte ſie eine Schande ver- bergen. Sollte ja mit dem neuen Leben neuer Kummer in's Haus kommen; hatte doch Er den Tod des älteſten Kindes mit einem Kaltſinn ertragen, als wäre ihm dadurch nur eine Laſt von der Schulter genommen.— So waren zwei Menſchen, ſo nahe verbunden, unter demſelben Dache, wie durch Meere getrennt. Bei ſeiner Arbeit ſchüttelte Stephan den Kopf, als ſäſſen ihm Bremſen im Gehirne, dann hielt er bisweilen Minutenlang einen Stein unter dem Fuße und vergaß ihn zu zerſpalten, ſo ſehr hatte er ſich in Gedanken ver⸗ loren. Die Zeit kam ihm dabei unendlich lange vor, denn ihm fehlte noch das einzige Kleinod, das er ſich durch alles Elend erhalten hatte, ſeine Sackuhr. Um die Begräbniß⸗ koſten zu beſtreiten, hatte er ſie zwar nur verpfändet, aber er wußte, daß er ſie nie wieder einlöſen könne; es war ihm, als ob er dadurch ein Stück von ſeinem Weſen ver⸗ loren habe. Es war ihm faſt, als ob nach und nach ſeine Gliedmaßen ſich ablöſ'ten, als ſpürte er die Verarmung leibhaftig an ſich. Sonſt hatte er oft Tagelang nicht nach der Uhr geſehen, jetzt war's ihm zu Muthe, als fehlte ihm ein Theil von ſeinen Sinnen. Wenn es im Dorfe eine Stunde anſchlug, hielt er inne um zu wiſſen, welche Zeit es ſei, als ob er das ganz genau im Kopfe haben müſſe und ſonſt nicht leben und arbeiten könne. Strich der Wind ſo, daß er keine Glocke vernehmen konnte, ſo kam es ihm vor, als ob er in tiefer Wildniß, fern von allen Menſchen wäre, und dann dachte er wieder: ſo wird es einſt auf deinem Gute in Amerika ſein, da gibt es keine Dorfuhr mehr, da läutet keine Glocke da mußt du dir ſelber die Zeit bemeſſen und dir Alles ſelbſt richten. Waren einmal die Gedanken auf dem Neubruch im Ur⸗ walde, ſo kam ihm jeder Schlag, den er hier noch auf die Zerſchellung eines Steines wendete, wie eine unnütze Ver⸗ ſchweudung vor; für ſein eigen Gut wollte er arbeiten und nicht blos für kärglichen Tagelohn. Und einſt griff er wiederum nach der Taſche, wo er ehedem die Uhr hatte, und er dachte wenn das Bett der Großmutter frei wird, da kann man die Uhr dafür einlöſen. Es war ihm plötz⸗ lich, als ob ſeine Gedanken der Großmutter die Kiſſen unter dem Kopfe wegzögen, er lachte unwillkürlich und weiter jagte ſein böſer Geiſt mit ihm davon. Der Tod der Großmutter war fortan ſein einziges Dichten und Trachten. So lange ſie lebte, konnte Margret nicht in die Auswanderung willigen; auch hätte Niemand das Häus— chen gekauft, darauf die Großmutter noch ein Leibgeding⸗ recht hatte. Eines Sonntag Morgens war Stephan der erſte, der die Kirche verließ, draußen aber ſtand er wie ange⸗ wurzelt feſt; er ließ alle Kirchgänger an ſich vorübergehen, betrachtete ſie ſtarr und dachte, was der und jener dazu ſagen würde, wenn die Großmutter plötzlich ſtürbe. Zu Hauſe war er faſt immer ſtumm und brauſte nur bisweilen im Jähzorn auf, das Kleinſte machte ihn ärger— lich; er haderte mit der Welt, weil er mit ſich haderte. Es iſt Dir wohl auch ſchon vorgekommen, daß Du Tage und Wochen lang in der Welt umhergingſt und kaum etwas davon ſahſt, denn Deine Seele war ein ein⸗ ziger Gedanke, der Dir überall entgegenſchaute; wie in einem Taumel lebteſt Du da, Alles iſt Dir fremd und Du ſelbſt biſt Dir faſt fremd geworden, und was Du endlich thuſt,— es kann entſcheidend für Dein ganzes Leben ſein, — Du thuſt es kaum mehr mit hellem klarem Willen. Wohl Dir, wenn es ein rechtſchaffener Gedanke war, der ſo Dich aufgenommen, Dich zu Thaten ermuthigte und ſtärkte, die über Deine ſonſtige ſchwache Kraft hinausreichten. Stephan beſuchte noch allabendlich die Vorleſungen des Lehrers, aber er hörte wenig mehr davon; er ſaß da, aber ſeine Seele war weit weg und rang einen ſchmerz— lichen Kampf. Margret merkte wohl, was mit ihm vor— ging, aber das Letzte ahnte ſie doch nicht. (Fortſetzung folgt.) Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. N Aufforderung. (IIS, Der Schullehrer Philipp Baumann zu Bruchköbel hat unterm 2. März 182 zu Gunſten des Profeſſors Ph. O. Zipf dahier eine Schuld⸗ und Pfandverſchreibung über 625 fl. errichtet. Das Capital iſt an den Secretär Ihm zu Frankfurt a. M. als Ceſſioner des urſprüng⸗ lichen Gläubigers beſcheinigtermaßen am 26. November 1839 abgetragen, die Urkunde konnte jedoch, da ſie angeblich abhanden gekommen nicht zurückgegeben werden. Auf den Antrag von Betheiligten wird nun hierdurch der unbekannte Beſitzer derſelben aufgefordert, unter Vorlage derſelben den 2. Oktober l. J., Vormittags 11 Uhr, ſeine etwaigen Anſprüche daraus dahier um ſo gewiſſer geltend zu machen, widrigenfalls die Forderung für erloſchen und das deßfallſige Pfandrecht in den betreffenden Hypothekenbüchern gelöſcht werden wird. Hanau den 14. Juli 1849. Churfürſtliches Landgericht Gi lger. vdt. Moltorff. Gläubiger ⸗- Aufforderung. (1192) Jacob Sauter von Rödelheim be⸗ abſichtigt mit ſeiner Familie nach Amerika aus⸗ zuwandern. Rechtsanſprüche an denſelben ſind binnen 4 Wochen bei Großherzog. Heſſiſchem Landgerichte zu Rödelheim anzumelden, gegen⸗ falls die Entlaſſungsurkunde ertheilt werden wird. Friedberg den 27. Juli 1849. Die Groß. Heſſ. Regierungs⸗Commiſſion des Regierungsbezirks Friedberg e eee Edictalladung. (1208) ueber das Vermögen des Tobias Thaler von hier,— das nur in 483 fl. 20 kr. beſteht und das, einſchließlich der Illatenforderung der Thalerſchen Ehefrau, mit 5127 fl. über⸗ ſchuldet iſt,— hat Großherzogl. Hofgericht den Concurs erkannt. Forderungen und Anſprüche jeder Art an jene Vermögensmaſſe ſind Mittwoch den 17ten Oktober d. J., Morgens 9 Uhr, bei Vermeidung Ausſchluſſes vor derſelben, hier geltend zu machen. In dem⸗ ſelben Termin ſoll auch die Güte verſucht und ein Maſſecurator ernannt werden. Die aus⸗ bleibenden Gläubiger werden in beiderlei Be⸗ ziehung als den Beſchlüſſen der Mehrheit der erſcheinenden beitretend behandelt werden. Friedberg den 30. Juli 1849. Großh Heſſ. Landgericht Hof mann. Strohlieferung. (1209) Die Lieferung von 150 Gebund Rog⸗ genſtroh ſoll auf dem Wege der Soummiſſion an den Billigſtfordernden veraccordirt werden. Luſttragende zu dieſer Lieferung haben ihre For⸗ derungen in die vor dem Lazarethbüreau ange⸗ brachte Summiſſionenkapſel niederzulegen. Näch⸗ ſten Freitag, Vormittags um 11 Uhr, Koch: die Protokollirung der eingegangenen Forderun⸗ gen, und es liegen bis dahin die Lieferungsbe⸗ dingungen zur Durchſicht bereit. Friedberg den 5. Auguſt 829 * F u 9„ Hauptmann. Main ⸗Weſer⸗Eiſenbahn. (1210) Samſtag den 11. d. M. Pormit⸗ tags 9 Uhr wird auf dem Rathhauſe dahier der Bodenbeleg, von 3 zölligen kiefernen Bohlen, zu dem Bladukte ſüdlich von Niederwölladt, veranſchlagt zu 108 ft. unter den bei der Ver⸗ ſteigerung bekannt gemacht werdenden Bedin⸗ gungen öffentlich an den Wenigſinehmenden ver⸗ eigert. N öriedberg den 2. Auguſt 1849. 8 Der Großh. Heſſ. Sections ⸗Ingenieur der Section Friedberg Hochgeſand. Jagd Verpachtung. 12110 Samſtag den 11. Auguſt, Morgens 115 ſoll die Feld⸗ und Waldjagd in der Gemarkung Münſter auf dem Büreau des un⸗ terzeichneten Bürgermeiſters verpachtet werden. Münſter am 2. Auguſt 1849. g Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Anſchicks. Holz ⸗Verſteigerung. (1212) Dienſtag den 14. Auguſt d. J., Vor⸗ mittags 9 Uhr, ſollen im Groskarber Gemeinde⸗ wald, Diſtrict Oberwald, 345 ½ Stecken eichen Stockholz öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Groskarben den 4. Auguſt 1849. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter 3 ö ll. Jagdverpachtung. (1213) Freitag den 10. Auguſt, Mittags 11 Uhr, ſoll die der Gemeinde Büdesheim zu⸗ ſtehende Jagd in hieſiger Gemarkung anderweits auf drei oder ſechs Jahr meiſtbietend öffentlich auf hieſigem Rathhaus verpachtet werden. Büdesheim den 31. Juli 1849. In Auftrag: 5 Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Heep. N a A Privat ⸗ Bekanntmachungen. Annonce. (1046 Guter reingehaltener Pfälzer Wein wird zu fl. 16. 18. 20 und fl. 24. per Ohm, ſowie auch verſchiedene an⸗ dere Sorten billig abgegeben: Dönges⸗ gaſſe Nr. 6 neu im Hofe in Frank⸗ furt a. M. 5 NB. Der Keller iſt offen von Morgens 8 bis 12 Uhr und von 2 bis 7 Uhr Abends. Hülfsverein dahier. (12140 Es wird hiermit zur Kenntniß unfrer Mitbürger gebracht, daß im Jahre 1849 nach⸗ folgende, bei Mitgliedern des Vereins in Dienſten ſtehende Perſonen, jede mit 6 fl. 15 kr., die ſtatutenmäßige Geſindeprämie bezogen haben: 1) Johannes Schad aus Friedberg, Schuh⸗ machergeſelle bei Herrn Jakob Heß;) Maria Scheid aus Rinderbüchen, bei Frau Buchhänd⸗ ler Bindernagel; 3) Katharina Schneider aus Obermörlen, bei Frau Poſtmeiſter Helmolt und 4) zum zweitenmal Maria Rack aus Dor⸗ heim, bei Frau Major Schäfer. Friedberg den 3. Auguſt 1849. Der Schriftführer Dr. Sell. — 260— r Oſſenheimer Wäldchen. (12150 Sonntag den 12. Auguſt iſt in dem Oſſenheimer Wäldchen gut beſetzte Harmonie⸗ und Tanzmuſik anzutreffen, wozu höflichſt einladet f Aehle. Empfehlung. (11690 Außer meinem wohl aſſortirten Lager in tannen Floßholz, Dielen, Latten, Gyps, Steinkohlen ꝛc., empfehle ich hiermit dem bauluſtigen Publikum eine hinreichende Auswahl von allen Sorten rauhen und geſchliffenen Platten, Kellertritten, Krippen und Schweintrögen zu den billigſten Preiſen. 1 Johann Ludibig Hueusser vor der Kinzig-Brücke in Hanau. Zwölfter Rechenſchafts⸗ Bericht Verliniſchen Lebens-Verſicherungs-Geſellſchaft. (1216) Am 30. vorigen Monats iſt die jährliche General⸗Verſammlung der Actionairs der Berliniſchen Lebens⸗Verſicherungs⸗Geſellſchaft abgehalten, und der Abſchluß des Jahres 1848 nach vorheriger ſtatutenmäßiger Reviſion vorgelegt worden. 1 5 b Wir freuen uns, daß trotz der Zeit⸗Exeigniſſe kein Rückſchritt in unſerer Stellung ein⸗ getreten iſt, ſondern noch eine geringfügige Verbeſſerung ſich herausgeſtellt hat, wodurch die Höhe der Dividende des Jahres 1853 nicht der der früheren Jahre nachſtehen wird. Es gingen im Jahre 1848 527 Anträge mit zu verſichernden 620,600 Thalern ein. Zurückgewieſen wurden 93 Anträge mit 108,700 Thalern. 1K Es ſchieden 178 Verſicherte mit 243,800 Thalern aus der Geſellſchaft. zun Aus den Verſicherungen gegen Kriegsgefahr iſt der Geſellſchaft keine Einbuße entſtanden. Sterbefälle betrafen 108 Perſonen mit 235,000 Thalern. Es waren beim Schluſſe des Jahres 1848 7. 647A Perſonen mit Sieben Millionen 899,400 Thalern verſichert. Verluſte an Kapital oder Zinſen aus der Anlegung des Geſellſchafts⸗Vermögens erlitt die Anſtalt nicht, und iſt auch von denſelben bis jetzt nicht bedroht. Der jetzt zur Vertheilung kommende Ueberſchuß des Jahres 1844 leiſtet den bei der Geſellſchaft auf Lebenszeit verſichert geweſenen Perſonen eine Dividende von 14 Prozent auf die von ihnen in dieſer Friſt bezahlten Prämien. ihnen zu zahlenden Prämien in Abzug gebracht, oder baar ausgezahlt. Die erſten vier Monate dieſes Jahres zeigen gegen 1848 um dieſelbe Zeit, Abnahme in den Anträgen und Verſicherungen, dagegen ſind wir von Todesfällen außer verſchont geblieben. Eine hoffentlich ruhigere Zeit wird die Gemüther geneigter machen und Mittel darrei⸗ 5 Solche wird den Statuten zufolge bei den von war eine ae chen, dem Verſicherungs⸗Geſchäfte einen neuen Aufſchwung zu verleihen. Berlin, den 12. Mai 1849. Direction der Berliniſchen Lebens-Verſicherungs-Geſellſchaft. C. W. Broſe. C. G. Brüſtlein. M. Magnus. F. Lütke. Directoren. Lobeck. General- Agent. Vorſtehenden Rechenſchafts⸗Bericht bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, mit dem ergebenen Bemerken, daß Geſchäfts⸗-Programme bei mir unentgeltlich ausgegeben werden. Friedberg den 31. Juli 1849. G. F. Nau,. Agent der Berliniſchen Lebens-Verſicherungs⸗Geſellſchaft. Bekanntmachung. (1217) Bis auf weitere Anzeige können keine Braunkohlen mehr abgegeben werden, auf dem Bergwerk bei dem Heſſenbrückenhammer. Einladung zu einem Gabenſchießen in Dorn⸗ aſſenheim. (1218) Bei günſtiger Witterung will der Unterzeichnete Sonntag den 12. Auguſt d. J., Nachmittags 2 Uhr anfangend, in der Nähe bei Dornaſſenheim, ein Scheibenſchießen mit Bürſchbüchſen, die nicht unter 18 Kugeln auf's Pfund ſchießen, abhalten. Die Gaben ſollen aus 2 Hämmel und ſon⸗ ſtigen Effecten beſtehen. Die näheren Beſtim⸗ mungen werden vor dem Schießen eröffnet, auch an den Ständen öffentlich angeſchlagen. Indem ich hiermit alle Freunde des Schießens und geſelligen Vergnügens höflichſt einlade, be⸗ merke ich, daß ich den verehrten Gäſten mit guten Speiſen und Getränken beſtens aufwarten werde. Dornaſſenheim den 4. Auguſt 1849. Wilhelm Klein. Zum Verkaufen. (1219) Eine vollſtändige Kelter, welche circa % Ohm ausdrückt, ſteht zu verkaufen bei Altenſtadt. Heinrich Hammel. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedberg. F 3