g. 2. D 7 — 1 Burglirche: NC abt. Stadtlirche: r Burzlitche: Intelligenz fuͤr die 1 1 1 Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg im Beſonderen. 3 f . 95. Mittwoch den 3. Dezember 10845. e N Regierungsblatt⸗Auszüge. Nr. 68 enthält: 1) Verordnung, die zeitgemäße Entwickelung der inneren Verfaſſung der evangeliſchen Kirche des Groß⸗ berzogthums betr.— 2) Bekanntmachung, die Hauptergebniſſe der Stell⸗ vertretung von dem Muſterungs⸗ und Ziehungs jahr 1848 betr.— 3) Bekanntmachung, den Holzpreistarif für die Großh. Domanialwaldungen betr.— Dienſtnachrichken. Am 25. October wurde der auf die 2. evangel. Pfarrſtelle zu Beerfelden, R.⸗B. Erbach, präſentirte Mitprediger Metz für dieſe Stelle beſtätigt, und am 26. dem Schulvicar Ruders⸗ hauſen zu Odernheim, R.⸗B. Mainz, die kathol. Schullehrerſtelle daſelbſt übertragen. Am 27. wurde der quiesckrte Friedensrichter Kaiſelxeiter zu Bingen als„Honorar⸗Friedens richter zum Ergänzungsrichter bei dem Fr Ger zu Bingen ernannt. Am 2. November wurde dem Schulvicar Götz zu Oppenrod, R.⸗B. Gießen, die evangel. Schullehrerſtelle daſelbſt, und am 5. dem Schullebrer Schwarz zu Alzey die 1. evangel. Schul⸗ lehrexſtelle zu Gimbaheim, RB. Mainz, ſowie dem e Ae Zi m⸗ mer zu Gimbsheim, die erledigte Knaben⸗ und Mädchen ⸗Lebrerſtelle 3. Claffe an der Communalſchule zu Alzey, R.⸗B. Mainz, übertragen— und wurde der Steuercommiſſär Tenner zu Darmſtadt zum Steuer⸗ wommiſſär für den Steuerbezirk Langen ernannt.— 8) Erledigt ſind: die reform. Pfarrſtelle zu Hammelbach, R.⸗B. Heppenheim mit jährlich 602 fl.; die evangel. Schullehrerſtelle zu Wallenrod, R.⸗B. Alsfeld, mit jährlich 363 fl., einſchließlich der Entſchädigung für Heizung des Schul⸗ locals; die Stellen eines Steuercommiſſärs in den Steuerbezirken Darm⸗ ſtadt und Grünberg; concurrenzfäbige Bewerber haben ſich binnen 14 Tagen bei der Großh. Oberſteuerdirection anzumelden. Die letzte Nacht in der Wildniß. (Schluß.) Emilie zeigte Stephan die Stelle, wo ſie zu landen wünſchte, forderte ihn aber zu ſeiner Freude nicht auf, ſie auf jenem Schmerzensgange zu begleiten. Die unglückliche Frau ſchwankte der Stätte zu. Das Gras hatte ſich ſtellenweiſe wieder emporgerichtet, gleichſam als ſollte ſein Hoffnungsgrün die hier ſtattgehabten Gräuel bedecken. Die Axt lag noch am Fuße des Baumes, die durch ſie hervorgebrachte Spalte hatte ſich nicht wieder geſchloſſen, es ſchien als ob ſich etwas darin befände. Emilie trat näher heran— ſie gewahrte die Ueberreſte einer Todten⸗ hand. Jetzt ſchien ihr Alles klar, die Hand ihres Gatten hatte ſich in der Spalte eingeklemmt, und er war hülflos eine Beute der wilden Thiere geworden. Von Schrecken überwältigt, aber wie von einem Zauber hingezogen, trat ſie noch näher, um den ſchreckens⸗ vollen Gegenſtand zu unterſuchen. Das Fleiſch war be⸗ reits von den Inſekten verzehrt, aber was ihre ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch nahm, war ein Diamantring, der an einem der Knochenfinger, ſteckte. Einen ſolchen Ring hatte ihr Gatte niemals getragen. Von einer ihr ſelbſt unbekannten Hoffnung erfällt, eilte ſie auf die Anhöhe und rief den treuen Stephan, welcher, befürchtend, es ſei ſeiner Herrin ein Unglück“ zu⸗ geſtoßen, ſich in einigen Augenblicken an ihrer Seite befand. „Stephan, komm', ſchau dorthin berief ſie z micht wahr, Dein Herr trug nie einen ſolchen Ring 2 Zieh' die Hand hervor, ich beſchwöre Dich!“ 11 2 25 „Dies alſo iſt'die Schreckensſtätte? fragte Stephan, indem er mit Schaudern um ſich blickte. Es gelang Stephan, die Hand aus der Spalte zu bringen und der Ring ziel zu Boden. Emilie riß. nihn raſch empor und ſſuchte seine darauf befindliche Jnſchrift. Plötzlich reichte ſien mit zit⸗ ternder: Hand den Ring ihrem Diener chin. 1„ad „Federigo Monti!“ rief Stephan zuſammenfahrend, „das iſt jan der Name deſſen, der im Duell getödtet wurde, das iſt ganz unmöglich. 1* „Sein Bruder, ſein furchtbarer Bruder!“ ſtammelte Emilie kaum vernehmbar. Sie ſank ohnmächtig in Stephans Arme, welcher ſie auffing und hinab in's Boot trug. Als das letztere jetzt; mit ihnen langſam den Strom hinabglitt, erholte ſich Emilie wieder und beſprach ſich mit dem treuen Diener über den neuen Hoffnungsſtrahl, der in ihre Leidensnacht gedrungen war. Bei dieſer Gelegen⸗ heit drängte ſich ihnen das ſeltſame Benehmen des, Hun⸗ des auf, der bei dem Anblick der unglücklichen Stätte immer Zorn, nie aber Kummer gezeigt hatte. Der Fluß war es, welcher für das Thier eine beſondere Anziehungskraft be⸗ ſaß, auch ſchien es, als wolle er ihn immer weiter hinab⸗ eilen, dorthin, wo ſich derſelbe in einen See ergoß. Das Reſultat dieſer Betrachtungen war, daß ſtatt am folgenden Tage abzureiſen, wie man beſchloſſen hatte, Stephans mit Mundvorrath auf eine Woche verſehen, in ihrem Boote in den See hineinſchiffen und allerlei kleine ſchimmernde Gegenſtände mitnehmen ſolle, um die etwa ihm begegnen— den Indianer zu beſchenken, damit ſie ihm in ſeinen Nach⸗ forſchungen beiſtänden. Er blieb nicht lange aus. Eines Abends, als der Sturm draußen gewaltig tobte, ſaß Emilie vor dem hell lodernden Feuer ihres Kamins, die Kinder, welche ſich vergebens bemüht hatten, ihre Mutter aufzuheitern, ſtan— den neben der alten Granny, die das Abendeſſen bereitete. Plötzlich fuhr Corney, welcher neben dem Kamin ſchlief, auf und begann laut zu bellen. Im nächſten Moment ward die Hofthür geöffnet. Die alte Granny ließ den Kochtopf, den ſie eben gefaßt hielt, aus den Händen glei⸗ ten, Emilie ſprang auf und eilte zur Thür. Sie vermocht— 3 04 es kndeß nicht, dieſelbe zu erreichen— denn der Gedanke, daß es Stephan ſei— daß alſo im nächſten Moment ihr Schickſal feſtgeſtellt werden ſollte, erfüllte ſie mit Angſt und hemmte ihre Schritte. Da aber wärd plotzlich an den Fenſterladen gepocht. Es war ſein gewöhnliches Zeichen— Alle erkannten es, und laut jubelten die Kinder:„Vater, Vater! Das iſt der Vater!“ Und ſo war es. Die Thür flog auf und herein ſtürzte der lang vermißte Richard mit zerriſſenen Kleidern, ſonſt geſund und wohlbehalten; Stephan folgte mit vor Freude ſtrahlendem Geſicht. 15 Waͤhrend Richard und Emilie die ganze Seligkeit des Wiederſehens genoſſen, trat Stephan zu der alten Granny, welche ſich mit ihrem Schürze die Freudenthränen vom Auge wiſchte. „Wo fandeſt Du ihn?“ fragte ſie endlich. „Wo ich ihn fand, unſern Herrn? denke nur, in einer ſchmutzigen Hütte, mit gefeſſelten Füßen, wo er für einige zu der Fiſcherei gehörenden Vagabunden, die jener Schurke für ſich gewonnen hatte, Netze ſtricken mußte. Du kennſt ja die unglückliche Geſchichte mit dem Zweikampfe?“ Granny nickte bejahend. „So höre: die Vorſehung hat unſern Herrn gerächt und den Böſewicht beſtraft. Er iſt in ſeiner eigenen Schlinge gefallen. Nachdem er unſern guten Herrn den Landſtreichern übergeben, legte er deſſen Kleider an, in der Abſicht, am Abend hierher zu ſchleichen. Vermuthlich wollte er die Axt aus dem Baume ziehen— ſeine Hand aber klemmte ſich ein und er ward eine Beute der wilden Thiere.“ „Stephan, Stephan!“ rief Richard, das Geſchwätz des treuen Dieners unterbrechend.„Granny, trage auf, was Keller und Küche vermögen. Spare nichts, denn der Bann, der mich aus dem Vaterlande verſtieß, iſt ge⸗ hoben, der Feind vernichtet.— Dies iſt unſere letzte Nacht in der Wildnißl⸗ ˖ N ö f(Erheiterungen.) Ein Deſuch in Calcutta. (Schluß.) Alles was wir ſahen, war überraſchend, auffallend, bezaubernd und ganz verſchieden von Allem, was wir ſeit⸗ her zu Geſicht bekommen: es glich einer ungeheuren Zau⸗ berlaterne mit zahlloſen vorübergleitenden fremden Geſtal⸗ ten und Bildern; denn die Verſchiedenheit und Manigfal⸗ tigkeit der Sitten, Trachten und Menſchenarten in Cal⸗ cutta iſt in der That namenlos bunt. Die überwiegende Zahl der Fremden in Flag⸗Street beſtand übrigens aus Abendländern, vom Pankee bis zum Holländer, Schiffern, Matroſen, Midſhipmen und Reiſenden. Die Eingeborenen in dieſem Theil der Stadt waren zumeiſt Dienſtleute und Müſſiggänger, mit Banden von Laskaren darunter und da und dort einem oder etlichen Sipoyſoldaten in blauen Uni⸗ formen und ſteifen grauen Beinkleidern. Hier ſchien ſich Jedermann tief vor uns zu beugen und uns Platz zu machen. Hier ließ ſich keiner jener ſtolzen hinduſtaniſchen Lords blicken, keiner jener übermüthigen Diener der oſtindi⸗ ſchen Compagnie; nur ein einziges wachsgelbes gallenſüchtiges Geſicht blickte aus einem Wagenfenſter, während die präch⸗ tige Equipage mit ihren Läufern und Sycen und ihrem beturbanten Kutſcher an uns vorüberrollte, und die einge⸗ bornen Diener mit ihren Stöcken gewaltthätig dem großen Sahib und ſeinem Wagen Bahn durch die Menge brachen, welche wie Staub vor ſeinen Rädern zerſtob. Die ganze Scene ergriff mich anfangs ſo mächtig, daß ich ſie auch nicht für einen Augenblick meiden wollte; allein meine Gefährten veranlaßten mich, in eine kühle offene Schenke zu treten, wo wir Ingwerbier und Kapwein tranken. Während wir ſo beim Glaſe ſaßen, umringte uns eine Schaar kleiner, brauner, nackter Jungen mit ihren Wichſe⸗ bürſten um uns die Stiefeln zu wichſen, und ſalaamte, verbeugte, kroch und ſchnatterte, daß wir ſie nicht mehr los werden konnten. Ich mußte mir drei oder vier Mal die Stiefeln wichſen laſſen, ohne ein Wort darüber zu verlieren, weil ich die Nonchalance meiner Gefährten nach— ahmen wollte, welche den ganzen induſtriôſen Haufen mit ein paar Pice abſpeisten. Nach kurzer Raſt brachen wir von Neuem auf. Ueber Tank und Square, einen großen freien Platz mit einem von ſteinerner Bruſtwehr umgebenen Teiche, an der ſchot⸗ tiſchen St. Andreas⸗Kirche vorüber, paſſirten wir die üͤb⸗ rigen europäiſchen Straßen und gelangten allmählig in die von Eingebornen bewohnten Stadttheile. Hier ward der Verkehr noch lebendiger, Lärmen und Gewühl noch größer, und die Verwirrung, die Mannigfaltigkeit von Formen, Trachten, Sprachen und Farben, das lebendige Geſtikuliren, Schwatzen und Geſchrei wahrhaft ſinnver⸗ wirrend. Die Straßen wurden hier plötzlich zu engen Gäßchen voll offener Läden, wo Schneider, Seidenhändler, Viktualienkrämer, Schuſter und dergl. emſig an der Arbeit ſaßen, und die Waaren an den Wänden und Gerüſten herumhingen wie in den Trödlerläden zu London, Eding⸗ burgh oder Liverpool. Eine Unzahl ſüßer Gerichte und anderer, für unſern Gaumen ungenießbaren Eßwaaren lag hier ausgebreitet, beſonders alle Obſtarten und Fruͤchte Indiens in ihrer verführeriſchen Neuheit, und dieſe, ſowie die Seidentücher, Muſcheln, Eingemachtes, und der köͤſt⸗ liche Geruch des Sandelholzes zogen uns auf unſerer Wanderung mächtig an. Die verſchiedenen Bewohner begegneten uns mit der größten Hochachtung, obwohl die Eingebornen der höheren Stände hier ziemlich zahlreich waren und, um ihre eigene Würde zu behaupten, oft ins⸗ geheim mit eiferfüchtigem Auge auf die europäiſchen Ein⸗ dringliche blickten. Beim Durchwandern dieſer engen Gaſſen bedrängten uns alle moglichen Kaufleute, die uns ihre Waaren anprieſen und uns in gebrochenem Engliſch ver⸗ ſicherten, daß ihre Waaren die beſten und alle übrigen Kaufleute Betrüger ſeien. Wenn wir eine Kleinigkeit kauften, gab es die luſtigſte Scene von der Welt, denn man ſchrie uns in allen möglichen Mundarten bei⸗ nahe taub, und es gab endloſen Zank und Feilſchen, bevor der Verkäufer die Waare um den ſechſten Theil von Dem hergab, was er urſprünglich dafür verlangt hatte, und wobei er noch immer einen ordentlichen Gewinn machte. Nach etlichen unbedeutenden Einkäufen ſetzten wir unſere Wanderung fort und verloren uns beihnahe in dem Netze von Gäßchen, Gängen, Bazars, Winkeln und Schup⸗ pen von Bambus und Lehm, wie ein Schiff ohne Kompaß, und fanden nur durch Zufall und gelegentliches Anrufen von Bekannten wieder den Rückweg aus dieſem Labyrinth. Das eine Mal kamen wir durch einen ſtillen Hof auf einen Platz mit einem großen Waſſerbaſſin, dann in ein neues Menſchengewühl, das in der blendenden heißen Sonne unter den vorſpringenden Verdecken und Vordächern der offenen Läden herumſchwärmte. Zuweilen ſtrich aus irgend einem Gange ein kühlendes Zuglüftchen erfriſchend über uns hin, und einige Male geriethen wir auch in Höfe von Privathäuſern, die von einer oder einigen Kokospal⸗ men beſchattet waren, wo allenthalben grüne Jalouſieen und Vordächer gegen einander ſtarrten und vielleicht eine Frau in einem Gemache ſaß. Hie und da begegnete uns auch ein weißgekleideter Hindu mit einem Diener, der ihm den buntfarbigen Punkah oder Sonnenſchirm über den Kopf hielt, und etliche Male überraſchte uns angenehm und neckiſch das plötzliche Erſcheinen und haſtige Vorübereilen — — — . — 2= 2— 2 D S— n eine * Wehe e ſclaantt, nicht mehr r vier 9 4— Mal daruber zu Arten nach⸗ Haufen mit auf. Ueber nit einem nu der ſchot⸗ wir die üb⸗ Umählig in Hier ward ewübl noch ligkeit von as lebendige Aft ſinnver⸗ d zu engen denhaͤndler, nder Arbeit ud Gerüſten den, Eding⸗ gerichte und Eßwaaren und Früchte dieſe, ſowie und der köſt⸗ auf unſerer Bewohner „obwohl die ich zahlreich en, oft ins⸗ duſchen Ein ⸗ engen Gaſſen die uns ihre Engliſch ver⸗ alle übrigen e Kleinigkeit Welt, denn ndarten bei⸗ ilſchen, bevor eil von Dem 1 batte, und einn machte. u ſetzten wir dnahe in dem 1 und Schuß obne Kompaß⸗ 68 Autufen en dab, len Hof auf donn in eil den heißen 5 Vordächer (trich aus — 395— enes phantaſtiſchen Palankins mit halbgeſchloſſenen Jalou⸗ ſeen, hinter welchen ein junges Hindu-Mäͤdchen halb ſitzend, lb liegend ruhte, deren braune Arme mit den Silberſpangen den Fächer von Sandelholz vor's Auge hielten. Wir ſahen egene Bazars für Bücher und wieder andere für Seidentücher, ſrner den neuen und den alten China⸗Bazar, wo ganze Reihen ton chineſiſchen Schuhmachern ihren Namen in chineſiſcher, linduſtaniſcher und engliſcher Sprache auf den Schilden iber ihren Ladenthüren fuhrten. Es gab ferner einen genen Bazar für chexoots(Manila⸗Eigarren) und eine große bedeckte Arcade, den ſogenannten Muſchelbazar, wo elle möglichen Muſcheln und Spielzeuge von der prächtigen zroßen Schneckenmuſchel bis zu dem indiſchen Pfeil und Bogen herab zu finden waren. In einem Gäßchen, auf belches“ verſchiedene Höfe und Winkel mündeten, ſtanden Fruppen Tänzerinnen, Bayaderen, des Winks der Schau⸗ uſtigen gewärtig, mit Keſſelpauke, Tamtam und Caſtag⸗ netten. langer mühſamer Wanderung wieder die begypsten Back⸗ ſteinhäuſer von Flag⸗Street, denen am Nachmittage die zerſtreuten Banden von Matroſen aller Nationen zuſtrömten. Wir begaben uns nun in, ein Wirthshaus, um eine Mahl⸗ zeit einzunehmen, und ließen uns die reichliche, leckere, friſche Fleiſchkoſt weidlich ſchmecken. Um eine halbe Rupie der Kopf bekamen wir ein gebratenes Ferkel, Geflügel, Schwein⸗ und Ochſenfleiſch mit NHamswurzeln, und um rveitere ſechs Pence per Kopf ſoviel Kapwein und Franz⸗ branntwein, als wir trinken wollten. Cheroots und Ci⸗ garren waren ebenſo wohlfeil. Das Zimmer, worin wir ſpeisten, war in einem oberen Stockwerk, mit hoher Decke und Backſteinboden, worüber eine Grasmatte gebreitet war; außer dem Tiſche und den Stühlen enthielt es keine an⸗ deren Möbeln, als einen an der Deck fächer, welchen während des Eſſens eine unſichtbare Hand über unſeren Köpfen bewegte. Das hohe breite Fenſter war ohne Scheiben, aber durch Jalouſieen beſchattet, welche das Licht, das von einer hohen, mit dem Zimmer faſtegleich⸗ laufenden Terraſſe hereinfiel, grünlich faͤrbten. Nach einge⸗ nommenem Mittagsmahle ſetzten wir uns draußen unter der Verandah auf der Teraſſe zwiſchen das blühende Geſträuch, das zwiſchen den wuchernden Zweigen einer großen Tamarinde, welche vom Boden heraufreichte, und den großen Blättern eines Piſang und einer Mangouſtane ſich ausbreitete. Als wir das Gaſthaus verließen, fanden, wir den Hof vor demſelben mit engliſchen Matroſen angefüllt, die hier müſſig herumlagen, zechten und ſcherzten; auch Etliche von unſerem Schiffsvolk waren darunter. Die meiſten Schenken in Calcutta werden von Portugieſen und Juden gehalten; unſer Wirth gehörte der erſteren Nation an und war, wie ſeine Kellner, ſchwärzer als ein Hindu. Dieſer Schenke gegenüber war eine andere, von einem Juden gehalten, worin ſich ein nicht minder zahlreicher Haufe anderer Matroſen, meiſt„Ausländer“ und Yankees herum⸗ trieb, die auf unſere engliſchen Seeleute nicht gut zu ſprechen waren. Späſſe und Schimpfwörter flogen laut genug uber die Straße herüber und hinüber, bis einer der empfind⸗ lichen Amerikaner dieß übel nahm und mit einer wohlge⸗ zielten Pompelmuſe(großen Orange) einem Engländer die Pfeife aus dem Munde warf. Dieß führte natürlich zu lebhaftem Wortwechſel und endlich zu einer Rauferei, die übrigens noch zeitig genug, d. h. ehe noch ein Unglück geſchehen war, durch die Ankunft einer Truppe bewaffneter Tſchokihdars von der Polizei aus unterbrochen ward. Da wir aber keine Luſt hatten, eine Nacht im ſchwarzen Loche zu verbringen, ſo machte ich mich mit meinen Gefährten aus dem Staube. Durch dieſe ganze endloſe Reihe von Scenen orientaliſchen Lebens hindurch erreichten wir endlich nach und hohl aus dem Dickicht ſcholl, befeſtigten Rieſen⸗ Bekanntlich gibt es in Indien keine Dämmerung, und der Tag neigte ſich zu Ende, während wir noch herum⸗ liefen. Mit tropiſcher Schnelligkeit ging die Sonne unter. Ich ging etwas ſchweren Kopfes Flag-Street hinunter und taumelte von einer Seite der Straße zur anderen, bald der glühend rothen Glaskugel in el m Apotheker⸗ laden zu, bald wieder zurück in den Schatten eines palaſt⸗ ähnlichen Gebäudes, wo ich einen Schakal in der dunklen Goſſe hinſchleichen ſah. Endlich erreichten wir die Trep⸗ pen am Fluſſe und horten das Waſſer mit der Fluth haſtig ſtromabärts rauſchen und toſend an die Planken der ge— ankerten Schiffe ſchlagen, die geſpenſtig aus dem unſichern Grau der Nacht und des Nebels herausragten. Die Feuer⸗ fliegen und Leuchtkäfer tanzten wie Funken grünen Lichtes unter den Bäumen, die Waſſerſchnacken biſſen unbarm⸗ herzig, und der kalte Thau fiel reichlich und mit der eiſigen Strenge einer indiſchen Nacht. Alles war ſo ſtill, daß man von den Wäldern des gegenüberliegenden Ufers einen ganzen Chor ſeltſamer Töne: das Zirpen, Wetzen, Schnat— tern, Murmeln, Summen und Schreien unzähliger Ge— ſchöpfe, herüber vernehmen konnte, die mit dem Einbruch der Dunkelheit ihre Schlupfwinkel verlaſſen hatten, be⸗ ſonders aber den wilden, geiſterhaften Schrei der Scha⸗ kals, die in den Dſchungeln jagten, und der bald dumpf 1 ö l bald hell und deutlich über die Waſſerfläche heruͤbergellte. Wir riefen ein Boot an und ließen uns an Bord bringen, was uns aber erſt gelang, nachdem uns die Fluth eine halbe Meile weiter ſtromabwärts getragen. Am folgenden Tage hatten wir alle Hände voll zu um mit unſeren Laskaren unſern Cargo zu löſchen, ihn mit dem Haſpel an Deck zu ſchaffen und an der Lang⸗ ſeite in die Lichterboote zu bringen, während zwei oder drei hinduſtianiſche Kaufmannsdiener in ihrer faltigen Kleidung von weißem Zeuge dabeiſtunden und unſere La⸗ dung in ihre Tabellen trugen.— Eine Woche ſpäter war bereits die neue Ladung eingenommen, wir hatten unſern Ankergrund verlaſſen, trieben den Fluß hinunter und ſahen die Thürme von Calcutta mehr und mehr hinter uns verſinken. f(Erheiterungen.) Ein Rettungshaus für Blinde. Auch in dem Monat November hatte die Liebe Gaben“) zu einem angenehmen Opfer für unſere blinden Brüder, deren abermals 5 zu den ſchon angezeigten 16 angemeldet wurden, auf den Altar der Barm⸗ herzigkeit zu legen. i Bei dem Unterzeichneten gingen ein: von 5 Gliedern der Fa- milie St. 5 Gr., Diac. B. 6 Gr., Ablhgh. J. 10 Gr., Cand. St. zu D. 20 Gr., Familie B. 8 Gr., Dr. R. 20 Gr., Mutter und Tochter 10 Gr., C. Clever aus Gelnhauſen in Kurheſſen 70 Gr. Durch Herrn Pfarrer Hofmann in Beienheim ohne Angabe der Namen 3 fl. 31 kr. Ungenannt in Nauheim( fl. a Durch Herrn Pfarrer Landmann in Rendel: von einigen Ge⸗ meindegliedern H ff. 12 kr. Durch Fräulein Bittſcher hier von Frau Sch. zu D. 1 fl. Durch Herrn Lehrer Bindewald in Ziegenberg;: von Marie Kchr. 4 Gr., Agnes Kchr. 4 Gr., Eliſe Stpf. 1 Gr., Marie Launhard 2 Gr., B. 2 Gr. Durch Herrn Pfarrer Köhler in Altenſtadt: Fr. L. 16 Gr., W. K. 4 Gr., N. R. Witt. 5 Gr., J. L. 8 Gr., H. Br. 5, Gr., Ph. K. Witt. 4 Gr., B. J. 2 Gr., Ph. W. 5 Gr., G. H. zu R. 1 Gr., H. W. 4 Gr., J. R. 2 Gr., J. P. W. 10 Gr., G. W. 9 Gr., Fr. W. 4 Gr., L. S. 7 Gr., K. 20 Gr. Ferner find bereit Gaben entgegen zu nehmen: zu Eberſtadt Herr Pfarrer Simon; Gambach Herr Lehrer Bernhardz Holzheim Hohannes Zeiß VII.; Dorfgill Herr Bürgermeiſter Bender. Allen menſchenfreundlichen Gebern herzlichen Dank. Friedberg am 1. Dezember 1849. J. P. Schäfer, Taubſtummenlehrer. ) die ich auf Wunſch nachträglich geben will. Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. M ο⏑. H N 120 Bekannt mach unn g, (1719 Forderungen an. den Nachlaß, der Konrad Wagners Eheleute dahier, ſin?d Freitag den 14. December, Votmittags 10 Uhr, bei Strafe Ausſchluſſes vom Inventar, bei- un⸗ terzeichnetem Landgericht anzumelden. Unt Friedberg den 16, November 1849. SGroßh Hef, Landgekicht g Dr. Gil mer. Vekannt machung. (17175) Montag den 10. December d. J. ſollen in dem Oſtheimer Gemeindewald, ſoge⸗ nannten Steigenwald bei Eichen, 8000 Cubik⸗ fuß Bau⸗ und Werkholz, alle Sorten, an den Meiſtbietenden verſteigert werden. Die Zuſgm⸗ menkunft iſt an Ort und Stelle; wöſekbſt' die Bedingungen bekaunt gemacht werden Oſtheim bei Windecken den 30. Nobr. 1849. a Brodt, Bürgermeiſter. Bekannt m ach un g, Holzverſteigerung in dem vormaligen Domanial⸗ diſtricte„Iſſel ,, Foyſtreviers Hochweiſel, im Fee (1776) Otenſtag ben 11 und Mittwoch den 12. d. M. ſollen in dem rubricirten Diſtricte die nachſtehend verzeichneten Holzſortimente, für Rechnung des Großh, Forſtfisci, öffentlich ver⸗ ſteigert werden, und zwar: g I. Brennholz: Stecken kiefern Scheit⸗ und 199 280 Prügel. 5 holz ob, Dine 2827 2) 148½ Stecken kiefern Stockholz, Ir, Claſſe, Y. 5840, Wellen. II. Bau- Werk⸗ und Nuß 4) 672 Klötze und Stück Stamme und Stangen, circa 6500 Cubikfuß haltend, in den bisher üblichen Dimdenſionen ſortirt,7 „Bemerkt wird ferner, daß a] die, Verſteige⸗ rung des Brennholzes am resp. erſten, und b) die des Bau⸗, Werk⸗ und Nützholzes am zweiten Tage, und zwar jedesmal punkt 9 Uhr in dem Holzſchlage ſelbſt, nach vorheriger Vorleſung der bei derartigen Verſteigerungen ſtipulirten Bedingungen, beginnt, und daß ſich endlich Jeder, der für einen Andern eine Erſteigerung über⸗ nommen haben ſollte, mit einem deßfallſigen Zeugniſſe von ſeinem Ortsvorſtande vor der Verſteigerung auszuweiſen, gegenfalls ſeine Ge⸗ bote ſich der Nichtberückſichtigung zu gewärtigen Reishoſz, 1% un H haben. Hochweiſel den 1, December 1849. Der Gr. Revierförſter des Reviers Hochweiſel Stillgebauer. Holz ⸗-Verſteigerung. (1777) Freitag den 7. l. M., Morgens 9 Uhr, foll in hieſigem Gemeindewald nachſtehendes Holz verſteigert werden; 5 11½ Stecken nadel Scheitholz, 85„„ Prügelholz, 17„ J Stockholz, 644 Stück„ Wellen, Klötze oder 1843 Cubikfuß tannen 114 Stammholz und 10 Stangen oder 43 Cubikfuß tannen Stangenholz. Sämmtliches Holz ſteht im Diſtriet Waſſer⸗ dülle. Die Zuſammenkunft iſt vor dem Wald an den Tannen. Niederrosbach den 1. December 1849). Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Groh. Verſteigerung. (1778) Freitag den 4. Januar 1850, Mor⸗ n en e Plilbat Bekam anberaumt (1770) Wird zu miechen Keſccht Lon 2— 396 Hülfsvollftreckung verſteigeit werden. i Nieverrosbäch den 1. Detember 1849. 1 In Auftrag. 19171 Der. Großh, Heſſ 1 0 Nee ttmachungen. Zum Verkaufen. (17810 ami 8 9 1278. 716 berg und Hungen, bei Utphe an der Landſtraße Oelſchlaggange, und iſt im beſten Betriebe; auch find die dazu gehörigen Gebäulichkeiten, welche Grundstücke mit den vorzüglichſten Obſtbäumen bepflanzt, f i ſelbſt auf 0. den 19. Qecember l. J., Mittags 12 Uhr, Em ep fe halueneg. 1769) Futter⸗Etbſen, feinen Blumenvorſchuß auf bevoeſtehende Weihnachten) eine Partie Berg⸗ ſträßer Nüſſe find zu haben bei! Jacob, May in Friedberg, Frücht⸗ und Mehlhändler, wohnhaft auf der breiten Straße e i? Ei n man 070 5 Cand. theol., Sta mmer. 1 nne ee Lebrliug Geſuch! „1780 Sn kite Spare ö und Lan⸗ 9 desprödukten⸗Händlufſg in Frankfurt a M wird ein Lehrling gegen Vergülung von fl. 100— pro Jahr für Koſt und Wohnung geſucht.— Nähere Auskunft bei Herrn. Wilh. Fertſch in Friedberg. 5 in hieſiger Gemarkung gelegene ſenge Brünnen⸗⸗ mühle nebſt 5 Morgen fachen Wege der erden 0 9 Groß. Heſſ. Landgerichts 19 .be kenverkältniſſe halber beabſich⸗ tige ich meine in der Wetterau, zwiſchen Fried⸗ belegene Mühle zu verkaufen oder zu verpachten. Dleſelbe beſteht aus zwei Mahl⸗ und einem ſich zugleich zu einer größeren Oekonomie eig⸗ nen, in gutem Zuſtande, und die um die Mühle liegenden zu derſelben gehörenden 10 Morgen Teri zum Verkaufe habe lch in der Mühle* 5 1 Zohs, Friedrich Schneider. 8 2 21 114271.* 111 1 11 ein e bell errn Gaſſhalter Supp. n Volksparteinder Wetter au“ —5 Der Candidat der ſog. Con; (1781) Im Wahlbezirk Vilbel iſt Her Decan Thudichum mit Glanz gegen den Candi; dat der Volkspartei Cretzſchmar durchgefallen— für Friedberg ſcheint er gut genug zu ſein.— ibi ut ur Faun a S gu s nien 80 (1782) an eine ſtille Haushaltung iſt 36 vermiethen und kann ogg be e werden bei W. Skritzinger. nan Zen m Vex aufen.) 920% (1783) Zwei zweſjährige Hämmel hat zu verkaufen, Joh. Windeckers Wittwe. Emi pe h une, Bonn ne holländiſche Vollha Vollbückinge, Sardellen 8 dilligßt bei 16 Frledberg im ringe 9 117 (1788) Es wird Lin Laufmädchen geſucht. Wo f ſagt die rbrdidon dees Bae 5 15 ö Berichtigung. (1786) Die Aufforderung, Inſerat Nr. 1746 in Nr. 95 des Intel, le sbtackeg, Kerſchte an ele Pe berioten“ und ußterzkichnet von„dez 122877 wäre richtiger: addreſſirt geweſen an dir Republikaner“ und ilchtiger ut der Wetterau. Gehet doch mi der Farbe heraus ihr Herrn und nennet in Zukunft die Sache bei ihrem rechten Namen. III Von der Theilnahme der Volk von uns vorgeſchlagene Candidat partei nicht abſchrecken und Wohl des Volkes glüht. 8 Die V 0 f 7 5 eg 10190 5 Den Patrioten. (4787) Bei der am 30. v. M. ſtattgehabten Wahl hat ſich die geſetzlich nöthige Mehrheit ſämmtlicher Stimmen nicht ergeben. Es findet daher eine zweile Wahl ſtatt, bei der aber die einfache i 1a 3 Stimmen⸗ Mehrheit entſcheidet. spartei wird es allein abhängen ob der Profeſſor Joſepß Hillebrand zu Gießen, der bei der erſten Wähl der Höchſtbeſtimmte Stimmen erhält. Darum bleibe keiner zurück und mache jeder von ſeinem Stimm⸗ rechte Gebrauch. Man laſſe ſich durch die grundloſen Verdächtigungen der Gegen⸗ gebe ſeine Stimme dem Manne, deſſen Herz für das war, abermals die Mehrheit der olkspartei der Wetterau, Eruſt Ockel, (1788) empfiehlt eine gt Blechwaaren, beſonders zu Weihna gens 11 Uhr, ſoll auf der hieſigen Rathſtube die vis-ä-vis de Hotel Trapp, fag obe Allswahl in Lampen alter Art, desgleichen in allen Sorten lakirten f ren, beſon chtsgeſchenken geeihnet; ebenſo brültge mein Lager in ächt engliſchen Zinnwaaren in Erinnerung und bitte um geneigten ZuſprucGoh.% Spengler in Friedberg, Anett 2 Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von C. Bindernagel in Friedberg. 7 December 1849. H. H a hen. 15 1 ſtitutionell. (47810 Frische Schellfiſche, neuen Hay, RCVW»à