Das Laternemäunche. Dritter Jahrgang. Gießen, 1. Juni 1833. und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Nummern 2 kr. Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt,* Nr. 33. Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonnixen, wobei der übliche Postaufschlag eintritt. Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko⸗Marke versehen sind. Die Expedition ist Marktstraße Lit. K. Nr. 12. ns Da dieses Blatt nicht allein hier und Umgegend, sondern auch in fast allen Städten dieser Provinz stark gelesen wird, so eignet es sich vorzüglich zu Annoncen, und berechne ich N ee Petit⸗ zeile mit 2 kr. i Die Jnuaven und ihre Geschichte. Fast jeder Schlacht- und Kampfbericht, den die Zei⸗ tungen aus der Krim mittheilen spricht von den Zuaven, ö und zwar stets mit Bewunderung; bald klettern sie wie Katzen, bald kriegen sie wie Schlangen, bald springen sie wie Panther, immer und überall sind sie voran mit Muth, Tapferkeit und Ausdauer, stets aber auch die hei⸗ tersten und anstelligsten in der Armee, die sich überall zu helfen und einzurichten wissen. Wer und was sind sind diese Zuaven? Als der General Clausel im Sommer 1830 an die Spitze der französischen Armee in dem eben eroberten Algier trat; fühlte er das Bedürfniß, sowohl sein ge— schwächtes Heer zu verstärken als auch gleichzeitig die Be— wohner des unterworfenen Landes fester an die neue herr— schende Macht zu binden. Beides glaubte man durch Er⸗ richtung eines Corps von Eingeborenen der eroberten Provinz zu bewirken. Dies geschah durch eine königliche Ordonnanz von dem 21. März 1834. und die zwei Bataillone, die man zunächst organisirte, wurden Zuaven, oder axabisch, vielmehr Zuaoua genannt. Diese Zagoua sind Kabylenstämme im Gebirge, muthige, stolze, fleißige Leute, die bisher ihre Boden- und Gewerberzeugnisse in die Stadt Algier gebracht, auch unter den frühern Fürsten bisweilen Kriegsdienste gethan und sich dabei den Ruf erworben hatten, vortreffliche Soldaten zu sein. Um an diese in Algier bereits bekannten Truppen zu erinnern, wählte man jene Namen, aber man nahm unter dieselben nicht blos eigentliche Zuavuas auf, sondern Eingeborene aller Art, die zum Dienst bereit und tauglich waren, ö und, weil man nicht nur Eingeborene bewaffnen wollte, auch allerlei französische Freiwillige, sowie abenteuernde andere Europäer jener Art, aus welcher man später die Fremdenlegion bildete. Die Führung dieser bunt zusam⸗ N mengewürfelten Corps übertrug man erprobten französischen Unterofftzteren, muthigen, eifrigen Ofstzieren. Viele der ausgezeichnetsten französischen Generale haben unter den Zuaven gedient, mit diesen ihre ersten Lorbeeren gepflückt und die tüchtigste Schule durchgemacht, z. B. Lamoriciere, Cavaignac, Leflo und Duvirier, Saint⸗Arnaud, Chan⸗ . garnier, Bouat, Espinasse, Thomas, Bosquet, Canxobert ꝛsc. Schon sechs Wochen nach ihrer Organisation erhiel⸗ Schild. ten die Zuaven die Feuertaufe, und gleich bei ihrem ersten Auftreten zeigten sie, was sie heute noch auszeichnet, ihre Anstelligkeit und Geschicklichkeit zu allem: sie mauerten, schmiedeten, zimmerten, schneiderten im Nothfalle, mar⸗ schirten schneller und länger als die andern Truppen, trugen dabei ohne Ermüdung Lebensmittel auf mehrere Tage bei sich oder wußten sich dieselben mit bewunderns⸗ würdiger Schlaubeit und Keckheit zu verschaffen, manö⸗ vrirten mit der äußersten Präeision und gaben in den Kämpfen nicht blos Beweise von seltenem Muthe, sondern auch von schlauer Benutzung aller Umstände. Obwohl der Kern dieser Truppen heute noch aus Franzosen besteht, ist ihre Uniform doch die orientalische Tracht in den Farben der ganzen französischen Infanterie mit einigen Abänderungen, welche diese Uniform vielleicht zu der zweckmäßigsten macht, die Soldaten jemals getra- gen haben. Sie ist für ein warmes Klima berechnet, läßt allen Gliedern die freieste Bewegung, schützt indessen gegen plötzliche Temperaturwechsel und läßt sich bei kalter Witterung leicht vervollständigen. Selbst der scheinbar so unbequeme Turban, den sie tragen, hat seine Vorzüge, denn die Zuaven lassen ihn bald im Nacken hinunterhän⸗ gen, um sich gegen den Sonnenbrand zu schützen, bald binden sie ihn um Mund und Nase, wenn es kalt ist, bald— wie es namentlich jetzt in der Krim bei dem langen Feldzuge häufig genug vorgekommen ist— müssen Stücke davon zur Ausbesserung der Jacke oder der Hosen dienen. Die Offiziere indeß tragen die Uniform der an⸗ dern französischen Regimenter, und zeichnen sich vor diesen nur durch das Fez aus, das sie häufig statt des Käppi tragen. Im größten Glanze ihrer Tapferkeit zeigten die ersten Zuaven sich bei der Belagerung von Constantine. Wäh⸗ rend der Aufstellung der Batterien vor dem Platze zogen die Zusven am hellen Tage und unter dem Feuer der Festung die Vierundzwanzigpfündner an Ort und Stelle, welche Pferde in der Nacht nicht hatten fortbringen kön⸗ nen. Bei dem Sturme hatten sie die Ehre, an der Spitze der ersten Colonne zu stehen; aber der Ruhm ward stets theuer erkauft; das kleine Bataillon der Zuaven verlor über den zehnten Theil seiner Leute; mehrere seiner Offi⸗ ziere fielen in der Bresche, nicht einer kam ohne zum Theil schwer Herwundet davon. Der große franzöoͤsische Maler, — Horace Vernet, hat diesen Siurm der Zuaven auf Con— stantine durch eines seiner großartigsten Schlachtgemälde verewigt, auf dem man Lamoriciere, mit seiner kleinen Schaar, unter, Pulperdampf, im wildesten Gedränge auf der Bresche erblickt. a 1 In den spätern Kämpfen gegen den Emir Abd⸗el⸗ Kader waren die Zuaven fast nur auf den Vorposten, und sie verbrachten kaum einen Tag ohne foreirten Marsch oder Kampf. Wo irgend eine ungewöhnliche Anstrengung zu machen, eine Position zu erstürmen war, mischten sich gewiß die Klänge ihres so bekannten Marsches in den Lärm. Es ist ungewiß, ob die Zuaven, die so viel erfunden haben, was zur Erleichterung und Bequemlichkeit der Soldaten dient, auch die Ersten waren, welche sich auf dem Marsche durch eigenthümliche Hornkläuge begleiten ließen. Diese Marschtöne dienten ihnen dazu, im Dunkel der Nacht, im Pulverdampf, im Nebel u. s. w. sich zurecht und zusammen zu finden. Diese Einrichtung erwieß sich so zweckmäßig, daß bald jedes Regiment in Algier seinen eigenthümlichen Marsch dieser Art annahm, welcher gleich- sam die Regimentsmelodie wurde, die man stets mit Stolz auch iu den gefährlichsten Augenblicken erklingen ließ, um weithin schallend anzuzeigen, das... Regiment sei auch dabei. In einem Kampfe mit den regulären Truppen Abd⸗ el⸗Kaders waren den Zuaven die Patronen ausgegangen, und rasch entschlossen griffen sie zu Steinen, warfen damit heftig auf die Feinde und retteten so das zum großen Theil vernichtete 17. Regiment. Da indeß Menschen sehr verschiedener Art in diesen Regimentern vereinigt sind, die zwar meist gutmüthig und immer tapfer sind, größtentheils aber auch heftige Leiden⸗ schaften besitzen und dieselben nicht gern beherrschen, so müssen die Offtziere und Führer derselben Männer von Energie sein, die strenge Diseiplin halten, freilich nicht gamaschenartige, sondern gelegentlich über unschuldiges Versehen ein Auge zudrücken: müssen sich die Liebe ihrer Soldaten erwerben, unerschütterliches Vertrauen, Achtung und wohl auch Furcht, dann ist ihnen mit solchen Leuten alles auszuführen möglich. Die Zuaven selbst rechnen zu ihren besten Offizieren Lamoriciere und Cavaignac. d e c . S Y Schwimmende Batterien gegen Kronstadt und die Nasmith'sehen Schmiedeisen⸗Kauonen. . Unter den Dutzenden neuen, furchtbarer Zerstörungs⸗ und Vernichtungsmittel des Krieges, welche das sonst friedlich und für Kulturzwecke erfindende Genie allen christ⸗ lichen Regierungen nebst geheimer Gebrauchsanweisung fast täglich anbietet, sind die Meisten zurückgewiesen, Andere bis auf Weiteres bei Seite geschoben und nur wenige ausgeführt worden. Unter den letzteren nehmen die „schwimmenden Batterien,“ eine französische Erfindung und von den Engländern am Großartigsten ausgeführt, in krie⸗ gerischer Beziehung die respectabelste Stellung ein. Sie sollen die elementarische Differenz in der Macht Englands und Rußlands beseitigen und die Wallfischmacht ersterer gegen die Löwengewalt letzterer zur Geltung bringen. Zunächst versuchte man dies mit„Eil⸗Boten,“ aber sie gingen zu tief, ohne schwer genug in ihren Waffen zu sein. Die französische Idee schwimmender Vatterien ward von det englischen Regierung mit Begierde aufgenommen und bereits in vierzig gewaltigen Eremplaren ausge⸗ führt. Die meisten diefer Schiffe werden auf ihrer Bat⸗ terie⸗Seite jedes mit zwölf der größten Lancaster⸗Kanonen —— 130 — 8 und es ihm zur Verfügung stünde. Hafen versehen. Sie sind alle nach einem Modell gebaut, mit flachem Boden und runden Vorder-und Hintertheilen, 180 Fuß lang, 56 weit und 21 tief, jedes von 2000 Tonnen Gehalt und von 200 Pferdekraft Dawpfschraube getrieben, wenn das Segelwerk nicht hinreicht oder der Wind nicht gehörig benutzt werden kann. Das Neue in der Construktion besteht hauptsächlich in bombenfesten Seiten und Ober-Decks, unter welchen die eigentlichen Kampf⸗Decks hinlaufen. Die Häute dieser Schiffe sind die dicksten, in welchen je die furchtbarsten Ungeheuer gesteckt haben mögen, dicke Eisenwände mit, Schmiedeeisenplatten. Jede Platte ist 12 Fuß und 4. Zoll lang, 2 Fuß 10% Zoll breit und 4½ Zoll dick und wiegt 56 Centner. Man hat diese Häute mit den allerschwersten Kanonenkugeln aus den schärfsten Lancaster⸗ Kanonen gekitzelt, ohne daß sie nur eine Miene verzogen und sich so überzeugt, daß etwa 30 dieser Batterien, Hand in Hand zwischen dem Kanonensprüh-⸗Frühlingsregen der „großen Straße“ von Kronstadt hineinschwimmend als gute Regenschirme dienen könnten, während sie selbst die granitne Erhabenheit der Forts und Festungswerke im Trocknen zermalmen. Dundas soll 30 dieser schwimmenden Batterien mitbekommen haben zu seinen 20 Schraubendampf-Kriegs— Schiffen a 80 bis 120 Kanonen, 35 Fregatten und un⸗ zähligen kleineren Fahrzeugen mit 100,000 Mann. Diese neue Flotte ist sonach noch viel gewaltiger als die Na⸗ piers, abgesehen davon, daß sie klüger und kriegerischer geworden und fest entschlassen sein soll, die in's Wasser gesallene Flottenehre wieder heraus und ins Trockne zu bringen. Der Privat⸗Enthusiasmus der Engländer hat und schafft wenigstens die Mittel dazu und hat die Regierung, wie überhaupt zum Kriege, auch dazu genö⸗ thigt, diese Mittel anzunehmen, da sonst die Drohung mit einer Privat⸗Banque zur Führung des Krie⸗ ges(einer bedeutungsvollen Kategorie) wahrscheinlich ausgeführt worden wäre.(Forts. folgt.) O- OO OH ο Moskau Patriotismus. Von der höchst merk⸗ würdigen Eroberung des asow'schen Meeres, der Haupt⸗ quelle für den Proviant der russischen Krim-Armee, sind mancherlei Berichte von Augenzeugen da. Völlige Unbe— kanntschaft mit den verschiedenen Tiefen hatte die merk⸗ würdige Expedition der Allirten(obgleich sie längst wuß⸗ „ ten, daß der Weg nach Sebastopol wesentlich über Kertsch führte) so lange verzögert. Die Art, wie man zu der nöthigen Kenntniß kam, ist erstaunend. Ein englischer Seeofstzier hatte ein russisches Schiff erobert, auf welchem sich eine Privatequipage des Gouverneurs von Kertsch befand. Er schickte höflich eine Botschaft an denselben, daß er ihm sein Privateigenthum nicht vorenthalten wolle Das Anerbieten ward dem Gouverneur angenommen, und so liefen die des englischen Schiffes mit der Equipage in den von Kertsch ein und peilten und sondirten das Wasser unterwegs sorgfältig. So fand man, daß es einen Weg für kleinere Dampfschiffe bis ganz nahe an die Küste gäbe. Diese Entdeckung führze zu der merkwürdigen Er⸗ pedition, aun welche die Russen durchaus nigt gedacht zu haben scheinen, so daß sie im panischen Schrecken überall landeinwärts flohen und sich nur Zeit nahmen, alle die ungeheuern Lebensmittelvorräthe, Magazine und Gebäude, die dem Feinde Vortheil gewähren könnten, durch Brand und Erplostonen zu vernichten. Die Expedition bestand aus 10,000 Fränzosen, 5000 Türken und 3500 Eng⸗ ländern, wonach die englischen Blätter sehr wenig Berech⸗ — von 3 Boote igung zu dem majestätischen„Wir“ haben. Die Schöpfer und Armee der Expedition waren Franzosen. Wenn's nach den Engländern gegangen wäre, würde man die Furcht vor den 40 in der Straße von Kertsch versenkten Schiffen fortgesetzt haben; obgleich sie längst von Grundeis und Strömung weggeschwemmt worden waren. Die ganze Macht belief sich auf zwölf große Linienkriegsschiffe, 50 Fregatten und eine Menge kleinere Fahrzeuge und Kanonenboote unter dem Haupt-Commando des französischen Admirals Bilat, der englischen Abtheilung unter Sir E. Lyons. Am 25. Mai, dem Geburtstage der Königin von England, (den Lord Raglan vor Sebastopol durch doppelte Portio⸗ nen Fleisch für sich und die Armee feierte) von Mittags 1 Uhr an, zogen sich die Schiffe in der Straße von Kertsch zusammen, die an ihren engsten Stellen bis etwa 1/ deutsche Meile, bei Menikale freilich durch eine weit aus⸗ gestreckte Sandbank auf kaum ½ Stunde sich verengt. „Als wir,“ schreibt ein Augenzeuge,„etwa um 3 Uhr um die Taklispitze herum in die Straße von Kertsch ein⸗ fuhren, hatte ich eine gute halbe Stunde Gelegenheit, das links hingestreckte Land zu studiren, Ebenen, Rücken und Runzeln und Hügel zwischen dem üppigsten, saftigsten, blüthenreichsten Grün des Mai's, dazwischen zerstreute ärmliche Häuser und Hütten und schwarze, traurige Salz— sümpfe. Aber bald zog sich unsere Aufmerksamkeit aus⸗ schließlich hinauf nach Kertsch, von wo ferne Donner und weiße Rauchwolken den begonnenen Kampf verkün⸗ digten, der freilich eigentlich blos als das großartigste Feuerwerk gelten kann. Plötzlich erhob sich eine ungeheure weiße Rauchsäule wie ein gigantischer Ballon. Es folgte ein dumpfes Gekrach: ein Magazin war in die Luft ge⸗ sprengt worden. Kurz darauf dasselbe Phänomen; einige Minuten später zitterte das Schiff unter unsern Füßen, das Meer bedeckte sich mit zitternden Wellen, die Erde bebte, ein unbeschreibliches, dumpfes Krachen wälzte sich durch die Luft: ein Pulvermagazin war in die Wolken geschleudert! Nicht lange darauf wiederholte sich dieses donnernde Krachen dreimal auf einmal, ein dreifaches Donnern in einem großen Athemzuge: drei Magazine in die Luft geschleudert!— Später stiegen hier und da Flammen mit schwarzen Rauchwolken auf, hier auf dem Lande, dort auf dem Meere. Häuser und Dörfer und Magazine und Schiffe brannten. Letztere wälzten sich rath⸗ los und gleichsam von zweifachem Tode, dem Ertrinken und dem Feuer, schmerzhaft gequält, lange umher, bis sie, halb sinkend, halb vom Feuer vernichtet allmählig mit ih- ren Flammen versanken. Und als nun der bleiche Mond am klaren Himmel aufstieg und bald zwischen schwarzem Rauche heller, bald über aufflackernden Flar⸗men bleicher, bald hinter neuen und sich die ganze Nacht hindurch wie⸗ derholenden Explostonen ganz unsichtbar zu werden schien, aber doch immer ruhig blieb, ohne sich um diese furcht⸗ baren Feuerwerke der Zerstörung zu bekümmern, kam uns das Gefühl, daß wir eine Kriegsscene erlebten und spiel⸗ ten, wie sie in der Geschichte wohl niemals so großartig, so unblutig und doch so gewaltig in ihrer Erscheinung, so wichtig in ihren Erfolgen vorgekommen sein mag.“ (Jedenfalls ist dadurch den Russen ihre Hauptlebensmit⸗ telquelle abgeschnitten und das Ministerium Palmerston, das schon im vollständigen Falle war, noch auf eine neue Frist gerettet worden.)„Wir landeten, wie die meisten Truppen, zwischen einem Salzsee und den Klippen von Ambulaki, einem Dorfe zwischen zwei vollständig verlasse⸗ nen Batterien, von wo aus die Hauptarmee ohne allen Widerstand in Kertsch eingedrungen war. Die chinesische Staatszeitung. Man wundert dem Dieb ein Ohr ab. sich über die großen englischen und amerikanischen Zeitun⸗ gen, obgleich sie gegen die Pekingzeitung, deren Redacteur der Kaiser selbst ist, sehr klein erscheinen. Sie ist der allgemeine„Moniteur“ des ganzen Reiches und enthält jedesmal eine Uebersicht aller öffentlichen Angelegenheiten und merkwürdigen Ereignisse, die an den Kaiser gerichte⸗ ten Petitionen und seine Antworten darauf, seine Befehle und Instructionen an die Mandarinen und das Volk, Gerichtsentscheidungen mit Verurtheilungen und Begna⸗ digungen und Inhaltsangabe der Berhandlungen des Staatsrathes. Sie erscheint täglich auf 60 bis 70 Folio⸗ Seiten und kostet nicht mehr als jährlich etwa 12 Franks. So theilt uns der Franzose Hue mit, der merkwürdigste China- und Thibetreisende, der allein und ohne Schutz nicht nur durch das ganze China drang, sondern mitten in das verschlossene Priesterreich Thibet, das Land des Dalai-Lama, der bisher keinen Fremden in seine Myste⸗ rien eindringen ließ. Le Hue kam überall mit Schlauheit noch öfter aber mit unverschaͤmter Courage und imponi⸗ render Tollkühnheit durch. Vor Kurzem ereignete sich in der Stadt Mn, wo Theater war, ein drolliger Zwischenfall. Man gab die Zauberin Sidonia. Als nun Sidonia vor dem geistlichen Gerichte stand, erscholl die furchtbare Stimme des Ober⸗ richters:„Ist sie schuldig oder ist sie nicht schuldig?“ Freilich, rief eine Stimme aus dem versammelten Pu⸗ blikum, ist sie schuldig, mir allein achtzehn Silbergroschen für Sahnenkuchen. Die Stimme gehörte dem Zuckerbäcker des Orts. f Ein Gauner ließ sich gelüsten, einem Herrn in einem Londoner Schauspielhause die silbernen Knöpfe von seinem Rocke abzuschneiden. Als der Herr das Manöver merkte, zog er geschwind ein scharfes Messer hervor und schnitt „Halt!“ schrie der Verwundete, „da sind Ihre Knöpfe!“— Schön,“ sagte der Beraubte, „hier hat er auch sein Ohr wieder.“ b Man machte Jemand den Antrag, er solle eine Wittwe von 36, Jahren heirathen.„Ach,“ erwiederte er,„wenn es einmal 36 Jahr sein sollen, so nehme ich lieber zwei Mädchen, jedes mit 18 Jahren.“ Zwei Matrosen wanden einen Tau an Bord,„Na,“ sagte der eine:„was ist denn das, das Ende will ja gar nicht kommen?“— das muß Eener abgeschnitte hawe! erwiederte der andre. Richter. Also Scharfrichter Hencke, Sie können in keiner Weise diesem hier aufgetretenen Gläubiger Ihre Schuld bezahlen? Scharfrichter. Nein, Herr Richter, in dieser trau⸗ rigen Zeit, wo fast alle Geschäfte stocken,, ist mirs nicht möglich. ö 55. Richter. Dann sehen Sie doch zu, daß Sie's an ihm abverdienen können? Scharfrichter. Das möchte ich gerne, aber— Schlammbeißer. Düses freit mich, Emil, daß die Alle⸗ jirte nu auch noch bei Asoff Platz genomme hawe, nanu hawese de Ostsee,'s schwarze,'s weiße unn e Asoffsche Meer, mehr kaun m'r doch nitt verlange? i Canalmüller. Doch, Hammelcher, ich wünscht, se hätte mehr Land! Schlammbeißer. Unn de Donau iß frei. Canalmüller. Hürtjös, was wer'n sich da de Leit ab⸗ saufe! N 2214 N Allgemeiner Anzeiger. na ο= CO. 611 Mein Leinwand Lager, bestehend in ächter Hausmacher, Bielefel⸗ der und Lederleinwand, Tisch⸗ und Handtücher⸗ Gebilden, Tafelgedecken mit 6 und 12 Servietten, leinenen und baumwollenen Taschentüchern, desgleichen Foulards, bunte Bett⸗ Tisch⸗ und Comode⸗Decken, Bettzeugen, Bettzwillchn und Barchenten, Schürzenleinen, Schock⸗ nud Packtuch, Futternessel, sowie in allen in dieses Fach einschlagenden Age stets auf'sReichhaltigste assortirt, empfehle ich zu sehr billigen Preisen. Julius Wallach am Marktplatz. Zahnärztliche Anzeige. Zahnarzt A. Weinert aus Mainz ist ange⸗ kommen und wohnt bei Hrn. Büchsenmacher Groß⸗ mann. Derselbe ist zu sprechen des Morgens von 9— 12 und des Mittags von 26 Uhr. 172 Alle Sorten Brückenwaagen zu äußerst billigen Preisen, von 1— 30 Etr. Tragkraft, für de⸗ ren Güte und Dauerhaftigkeit garantirt wird, werden auf Bestellung gefertigt. Nähere Auskunft über die Preise ertheilt Ph. Zim⸗ mermann in der Neustadt. f K. Bender, Mechaniker in Darmstadt. gedruckte, in allen Formen und fur alle Rechnungen, Geschäftsleute, Geschäftsbücher, Frem⸗ denbücher, Speisekarten, Nachtzettel ꝛc. sind stets vorrä⸗ thig zu haben in der Buchdruckerei von 25 Emil Kratz, Schulstraße. 1751 Um mit einem großen Theile meiner bisher geführten Waaren schnell zu räumen, stelle ich auffallend billige Preise und empfehle besonders Kleiderzeuge, Shawls, Echarpe, Tüll, Spitzen, Stickereien, Schleier, Strohhüte, Sonnen- und Regenschirme, Band, Quincäl⸗ lerie- und Bronce-Waaren und dergl. in vorzüglicher Auswahl. M. Heß, am Lindenplatz. Schreinergesellen fa erhalten, wo sagt die Erped. werden gesucht und Wagnergesellen können sogleich gute Condition erhalten, bei wem? ist bei der Exped. die⸗ ses Blattes zu erfahren. 7 4 ehr vorzüg⸗ Limburger Käse, n en haben bei Wilh. Schmall, in der Neustadt. 1 ächter frischer, ist stets Samen⸗Kuchen, ae bei e Wilhelm Schmall, in der Neustadt. 2 D 1 n mehrere, sind zu verkaufen oder an wage/ auch gegen Vergütung zu verlei⸗ hen bei J. Unverzagt, Schmiedmeister in Gießen Ein Lehrling kann in der Buchdruckerei von E. Kratz alsbald angenommen werden. Achenschicme, erstere von fl. 3. 30 kr. bis zu fl. 7, und letztere von fl. 1. 12 kr. bis zu, fl., 2 24 kr. pr. Stück, empfehlen Gebrüder Landauer. immer ein schön möblirtes, mit der Aussicht in den botanischen Garten ist⸗zu ver⸗ miethen, bei wem? sagt die Erp. dieses Blattes. 25 5 ein schön möblirtes, für einen ein⸗ Zimmer zelnen Herrn oder Frauenzimmer, — ) ist zu vermiethen und kann sogleich Dekarteur Hosch, in der Sonne. Lo is für seine kleine Familie oder zwei einzelne a 445 bezogen werden bei Herrn ist billig zu vermiethen, und kann sogleich bezogen werden bei J. Loth, 534 in der Brandgasse. Fruchtpreise in Gießen. Am 28. Juni 1855. Waizen, das Malter(200 Pfd.).. fl. 16 12 rien, e e ee. n 88 Gt rste e ne o. 400, Jin 4 Hafer, 5 7 429 0 „hen„5 32330 hen eee end Wick eum d ene, in 0 Kartoffeln, das Malter(200 Pfd.)..„ 4 48 Cours Bericht. Nach dem Frankfurter Coursblatt vom 28. Juni 1855. Geldsorten. Neue Louisd'or 5 h Pistolen 5 5 1„e 8 Preuß. Friedrichsd'or, 610 Holl. 10 fl. Stücke 5 9 42—43 Rand⸗Dukaten 1 2 9„(5 20 Frankenstücke.:„ ͤ— ͤ„ Englische Souvereigns. e Gold al Marco 5„ 374-76 Preußische Thaler 8 et, ditto Cassenscheine 7 146% 110 Hochhaltig Silber„ ee Redaclion und Verlag von C. Schild in Gießen.— Druck von E. Kratz. ———. ̃ ̃ ̃——— 5 55 3 ä——