Das aternemännche. Dritter Jahrgang. Gießen, 23. Juni 1835. Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Nummern 2 kr. Mr. 4. Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt. Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko-Marke versehen sind. 0 Die Expedition ist Marktstraße Lit. A. Nr. 12. Da dieses Blatt nicht allein hier und Umgegend, sondern auch in fast allen Städten dieser Provinz stark gelesen wird, so eignet es sich vorzüglich zu Annoncen, und berechne ich die gespaltene Petit⸗ mit 2 kr. C. Schild. Brennecke in Paris zur Weltausstellung. Humoristische Genre-Bilder aus dem Pariser Leben von A. Hopf. Drittes Kapitel. Breunecke's Abenteuer auf der ersten Station.— Der falsche Lord John Russel und der false Drouin de l'Jse.— Telegraphische Verlegenheiten.— Wird für einen Verbrecher gehalten. Tragiko⸗ mische Situation.— Seine Unschuld wird endlich erkannt. (Fortsetzung.) Brennecke. Hat also meine Karline: wer sich selber in Gefahr begibt, kömmt darin um.— Wenn Einen so was unterwegens passirt, was wird erscht in Pa- ris los gehen! Polizist. piere? Brennecke(sieht sich ganz erschrocken um). Na, jetzt is die Pulle voll!— Mein Jees, ick habe ja die Tasche verloren, wo Allens drin war. Lassen Sie doch gefäal— ligst mal rasch hin telegraphiren, nach die Stelle, wo meine Tasche liegt— Polizist. Schwindel, nichts als Schwindel. Um der Verhaftung zu entgehen, hat er sich, wie er ging und stand, auf und davon gemacht. Ich will Ihm sagen wie Er heißt, und wer Er ist. Brennecke. Na, dadruff bin ich selber neugierig, denn nu zweifle ick bald an mein perfsönliches Ich. Polizist. Er ist der Fabrikant Krückmeier und hinterläßt 60,000 Thlr. Wechsel- Schulden. Brennecke. So also der bin ich? Nee, hör'n Sie mal, deß ich wechselfähig bin, kann ich Ihnen sogleich be weisen; denn ich werde eben von Ihnen verwechselt. Inspector. Das Signalement scheint nicht auf ihn zu passen. Brennecke. Hoöchstens könnt ich in Hornsignal an die Stirn haben, denn ich bin nämlich ein glücklicher Gatte und Familien-Vater. Aber Sie können sich druf verlassen, daß ich man blos nach Paris reise, um einen alten Freund zu besuchen. Polizist. Wer ist das? Brennecke. Louis Napoleon selber.— Ja, Sie sehn mir verwundert an, aber fragen Sie den Wichsfabrikanten da im Wagen, der hat sich schon um meine Protection beworben. 5 Wo haben Sie Ihre Legitimationspa⸗ Polizist. Wichsfabrikant?— Was Teufel(sieht auf das Signalement). Das paßt ja Alles, wie die Faust auf's Auge.— Hier haben wir unsern Patron. Alles, bis auf die Hutschnalle, ist an ihm Krückmeier.— Her⸗ aus mit dem Bankerotteur. Inspector Cu Brennecke). Sie recognosciren kann? Klose(ruft aus dem Fenster). doch hierher in unsern Wagen! Brennecke. Gott sey Dank!— Da ist mein Freund Klose. 5 Inspector. Dann nur schnell hinein, wir muͤssen weiter! Brennecke(steigt zu Klose in den Wagen). Klose! Freund, laß Dir umarmen. Siehe, für den Dienst, den Du mir eben erwiesen hast, will ich'ne Claque in Paris gründen, die Deine Dochter zu unsterblichen Ruhm bei's Theater verhelfen soll.— Nu rück ick mir aber nich mehr Haben Sie Jemand, der Brennecke! Komm von'n Platz, bis wir in Paris ankommen.(Er setzt sich in die Ecke und schläft bis Paris.) Viertes Kapitel. Ankunft in Paris.— Verschiedene Abenteuer.— Der unglück⸗ liche Fremde.— Das Billet zur Industrie-Ausstellung.— Die 5Pfund-Note.— Der Polizist.— Der alte Herr mit dem Orden.— Erste Nacht auf der Straße.— Neues Abenteuer.— Die mildherzige Grisette. Klose(weckt ihn). He, Brennecke, ermuntere Dich, wir sind zur Stelle!. Brennecke(reibt sich die Augen). Das spür' ich beinah an die Luft. Sie is hier etwas gedrückter wie bei uns.(Aussteigend.) Herr Du meines Lebens, det sind lauter Pariser, die hier rum wimmeln? Un keine Deputation, die mir entgegen kommt?— Ach, da naht sich schon Eener, des wird der Lordmajor sind von Paris mit's Ehrenbür—— Fremder. Sie sind ein Deutscher, wenn ich nicht irre. Brennecke. Zu dienen— und Sie— Fremder. Ich habe die Ehre, Ihr Landsmann zu sein.— O, retten sie mich aus der surchtbarsten Ver⸗ zweiflung. Wenn ich heute nicht 20 Fres. bezahle, werde ich über die Grenze gebracht. Brennecke. Wenn's weiter nischt is— hier haben Sie fünf Dhaler, un gehn Sie mit Gott.,— Doch gleich mit ne Wohlthätigkeit angefangen, des wird Glück be— deuten. a i Ein Anderer. Haben Sie schon ein Billet zum Industrie⸗Palast? Ich kaufte eben dasselbe um die enorme Summe von sechs Napoleonsd'or; aber ich kann keinen Gebrauch davon machen, da ich gerade um die Stunde der Eröffnung ein Duell vorhabe. Wollen Sie es, ich lasse es Ihnen um den halben Preis. Brennecke. Sie kommen mir grade, wie gerufen. Hier is Kies. Fremder. Und hier das Billet— ich empfehle mich Ihnen. Brennecke. Adje!— Was steht denn druff!— Téte quaré. Des heßt ja: viereckiger Kopp. Du kommst mir wieder!— Ein Dritter. Haben Sie vielleicht ein Billet zu verkaufen? Brennecke(für sich). Jetzt werd ick mal boch enen anführen.(Laut) O ja, wenn Sie vier Napoleons dran wenden wollen. Fremder. Mit vielem Vergnügen. Aber ich habe nur englisches Geld. Können Sie mir auf die Zehn⸗ pfundnote herausgeben? Na warte, Brennecke. Recht gern. Hier haben Sie raus, und hier is des Billet. Fremder. Ithank you! Brennecke. Sehr obligirt— Na des freut mir doch, daß ick'n Engländer angeführt habe. Der wird mal Ogen machen.(Es klopft ihn Jemand auf die Schulter. Brennecke sieht sich um.) Was wünschen Sie? Der Herr. Sie müssen mir sogleich auf die Polizei folgen.— Brennecke. Ich?— Warum denn? Der Herr. Es ist mir eben die Mittheilung ge⸗ macht, daß Sie falsche Zehnpfundnoten bei sich führen. Brennecke. Wer sagt das? Der Herr. Sie haben ja grade eine in der Hand. Wollen Sie noch leugnen? f Brennecke. Die Zehupfundnote is falsch?— Na dann mögen gleich zehndausend Centner in alle Pfund⸗ noten schlagen! Der Herr. Es bleiben Ihnen hier nur zwei Wege. Entweder Sie folgen mir zur Polizei, wo Sie für's Erste wohl nicht wieder loskommen möchten, oder Sie geben mir das falsche Papier zur augenblicklichen Vernichtung. 1(Forts. folgt.) i IJskan der Bei. (Fortsetzung.) Hier in seiner Erwartung getäuscht, wandte er sich nach China und machte die dortigen Feldzüge mit, ohne Be⸗ friedigung zu finden, da die Chinesen sich gar zu schlecht schlugen. Er kehrte nach Algier zurück und erfocht sich in den letzten Kämpfen mit Abd⸗el⸗Kader den Orden der Ehrenlegion. Die Revolutionsbewegungen von 1848 und 1849 stellten ihm die vollste Befriedigung seiner kriege⸗ rischen Leidenschaft in Aussicht. Es begegnete ihm, der bisher stets eine sügreiche Sache vertheidigt hatte, daß er sich einer zum Untergange bestimmten Parthei anschloß. Die Magyaren, deren Kampf er zu dem seinigen gemacht hatte, unterlagen und Felinski betrat mit den Trümmern ihres Heeres den kürkischen Boden. Männer wie er waren willkommen. Mit einem hö⸗ bern Grade bekleidet, begleitete er Omer Pascha auf des—⸗ sen Feldzüge in Bosnien und gegen Montenegro, und er⸗ wies sich zugleich als kühner Soldat und als guter Feld⸗ herr. Nach dem Ausbruche des türkisch⸗russischen Kriegs an die Donau versetzt, erhielt er den Befehl über die Reiter, welche die äußersten Vorposten zu besetzen hatten. Die Tollkühnheit, mit der er seinen Soldaten weit voran in den Feind sprengte, war selbst den Türken so räthsel⸗ haft, daß man einige Zeit glaubte, er suche auf diese Weise eine Gelegenheit, zu den Russen überzugehen. Seine Reiter hatten Anfangs Furcht vor den Lanzen der Kosa⸗ ken, aber Iskander Bei kehrte das Verhältniß bald um: die Kosaken färchteten sich vor seinen Reitern. Das Tref⸗ fen von Csetate machte ihn auf längere Zeit kampfunfä⸗ hig. Unter den ersten Angreifenden der vorderste, nahm er das Dorf Csetate im Fluge, hieb und ritt nieder, was ihm in den Gassen von Russen begegnete, brach aber bei einem Sturz mit seinem erschossenen Pferde mehrere Rip⸗ pen und konnte wochenlang das Lager nicht. verlassen. Seine Wiederherstellung markiren die Niederlagen, die er den Feinden in der kleinen Walachei zugefügt hat. Die Baschi Bozuks, die man allgemein für untauglich hält, machen sich unter seiner Führung sogar der regelmäßigen russtschen Reiterei furchtbar. Neuerer Zeit hat er sich durch seine Ausfälle von Eupatoria aus wieder vielfach hervorgethan, wurde aber bei eiuem der letzten schwer verwundet, so daß er lange Zeit für todt in den Zeitun⸗ gen figurirte. Seine kraftige Gesundheit überwand auch diesen neuen Schlag. Als er nach langer Zeit mit Ver⸗ lust zweier Finger zum ersten Male vor der Front seiner Reiter erschien, ernannte ihn der Obergeneral zum Pascha. Sein Aeußeres schildert ein Berichterstatter der„Daily News“ als ungewöhnlich.„Iskander Bei ist ungefähr von Mittelgröße, aber muskelstark und ebenmäßig gebautz Haar und Bart sind kohlschwarz, doch wo möglich nicht ganz so schwarz wie seine Augen, die wie Feuer unter dunkeln buschichen Brauen hervorblitzen. Eine lange fein- gebogene Nase, ein kleiner Mund, dünne Lippen, eine hohe Stirn und eine von Sonne und Wind bronzirte Gesichtsfarbe bilden zusammen eine höchst markirte Phy⸗ siognomie.“ -O- OOo O-O-= Das Drama auf der Halbinsel ruft in seinem blutigen Wechsel immer neue Darstellungen der Scenen und Situa⸗ tionen hervor, die geeignet sind, uns ein möglichst klares Bild der dortigen Ereignisse zu geben. Sebastopol, die— ser kleine Scholle Erde, um deren Besitz sich jetzt Fran⸗ zosen, Engländer, Russen, Türken, Sardinier, Aegopter, Polen, Griechen, Araber und Tscherkessen schlagen, ist in diesen Tagen enger in den eisernen Gürtel der Aliirten geschlossen worden. Die am 6. und 7. erstürmten Ver⸗ schanzungen der Belagerten theils seitwärts, theils hinter dem Malakoffthurme, hat die Allirten in den Stand gesetzt, die bedeutenderen Befestigungen des Malakoffthurms ꝛc. jetzt mit aller Energie und leichter als zuvor anzu⸗ greifen. Die Erstürmung dieses Thurmes würde eine Wendung in dem Riesenkampfe herbeiführen, die über das Schicksal der im Hafen ankernden russischen Flotte und der Stadt Sebastopol selbst, besonders aber über die zu ihren Füßen sich befindenden Zeughaus und Pulvermagazine entscheidend wäre, denn jetzt schon, nach Erstürmung des grünen Mamelon ist, wie alle Nachrichten übereinstimmen, die russische Flotte sehr gefährdet und kann jeden Augen- blick durch die Geschütze der Aliirten vernichtet werden, wenn nicht, wie zu vermuthen steht, die Russen es vor⸗ ziehen, dieses Zerstörungswerke selbst zu verrichten. Nach den neuesten Nachrichten sind bereits die Schiffe aus dem Kriegshafen entfernt. Aber selbst im Besitz des so sey; — 123 gefürchteten Malakoffthurmes steht den Alüirten noch ein furchtbarer Kampf bevor, da die Stadt von den ver- schiedenen Forts, namentlich von Fort Konstantin voll ständig beherrscht, mit vortrefflichen Vertheidigungswerken, nach Angabe des bekannten Generals Tottleben ver⸗ sehen ist, und von einer Armee vertheidigt wird, die sich an Tapferkeit und Ausdauer wohl mit den Alürten mes⸗ sen kann. Die nächsten Tage werden entscheidend sein, aber auch viel Blut kosten. Die Westmächte räumen auf dem sumpfigen asowschen Meere gut auf. Vier russische Kriegsdampfer und 240 Propiantschiffe, wo sich das russische Frühstück, Mittag⸗ und Abendbrod für geraume Zeit darauf befand, sind zerstört. Die Russen haben sich von den angegriffenen Küstenpunkten überall in das innere des Landes zurück— gezogen. Ob dieser bedeutenden Vortheile, welche die eng— lische Flotte errungen, ist man in England hoch erfreut und ist von Frieden keine Rede mehr. Die frauzösische Collegschaft erklärt nun bereits auch rundweg, daß das besetzte Kamiesch, wo den Russen alle Zufuhren abge- schnitten sind, ein französischer Hafen sey. Das ist so so recht der altnapoleonische Styl von Anno 6 bis 125 „Das Haus Bourbon hat in Neapel aafgehört zu regie⸗ ren!“ hieß es nach der Schlacht von Austerlitz. Der eleetrische Telegraph ist nun auf dem Meeresgrunde bis Eupatoria gelegt, so daß jetzt Omer Pascha auch ein electrisches Wort nach Paris und London mitreden kann. Die Türken begreifen durchaus nicht, wie das zugeht und hatten vielleicht in Tausend Jahren nicht daran gedacht, wenn sie nicht von den westmächtlichen Schulmeistern hät⸗ ten Brillen aufgesetzt bekommen. Daß es indessen mit dem Tür⸗ kenthume in Europa sichtbar zu Ende geht trotz der west⸗ mächtlichen Umarmung, wird alle Tage deutlicher und der Menschenfreund kann sich nur darüber freuen. Daß die sogenannten Rajas, also die in der Türkei befindlichen Christen, jetzt auch Soldaten werden und Waffen tragen dürfen, ist unstreitig der schwerste Schlag, der gegen das seitherige Türkenregiment geführt worden ist. Zeither waren die armen Christen dem bewaffneten Fanatismus, der bewaffneten Brutalität wehrlos preisgegeben. Sobald es jedoch christliche Regimenter in der Türkei gibt, dürfte das bald anders werden. Die nordamerikanische Maͤßigkeitsfrage, welche allen Detailverkauf von Spirituosen verbietet, taucht auch in England auf. In Ereterhall war deßhalb kürzlich großer Meeting, wo fünftausend Anwesende Mäßigkeit gelobten. Eine Anzahl Schnapswirthe hatte sich natürlich auch ein⸗ gefunden und wollten protestiren, wurden aber spazieren geworfen. Ein Mäß'gkeetsapostel sagte, diese Mäßigkeits⸗ frage bezeichne einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. In New-Pork werd bereits vom 5. Juli an nicht mehr geschnappst. In England hat man bekanntlich Wurstdampfmaschinen, oder vielmehr Dampfmaschinen, welche Wuürst machen, da werden eine Parthie Schweine hineingesteckt und es dauert nicht lange, kommen die schönsten Würste heraus. Nun begab es sich eines Tages, daß ein in dieser Wurstdampf⸗ fabrik beschäftigter Arbeiter der Maschine zu nahe kam, ihn ergriff und sofort zu Wurst machte, ohne daß ein Mensch eine Ahnung davon hatte. Als der Mann zum Mittagessen nicht nach Hause kam, erschien die Frau in der Fabrik und erkundigte sich nach ihrem Manne. Nie— mand wußte, wo er hin war. Die Frau tröstete sich alsbald wit dem Gedanken, daß ihr Seitegebäude nach Australien gefahren, um Gold zu holen, was ja heutzu— tage häufig vorkommt. Nach einigen Tagen wird sie von ihrer Nachbarin besucht;„denken Ste sich,“ hebt diese an:„da habe ich heute von ihrer Fabrikwurst gegessen, und dabei ist mir etwas passirt, das ich mir nicht erklä⸗ ren kann, es befanden sich in dieser Wurst einige Hosen⸗ knöpfe, die ich hier mitbringe.“ Die Fabrikbesitzerin läßt sich die Knöpfe zeigen und wird blaß; sie erkennt deutlich die Hosenknöpfe ihres Mannes, und hierdurch kam die er⸗ schreckliche Geschichte an den Tag. Die Fusionisten wählen jetzt so gut, wie 48 die deut⸗ schen Bewegungsmänner. Sie hoffen viel von der Voll⸗ jährigkeit des Grafen von Paris, der naͤchstens 18 Jahre alt wird. Der junge Prinz soll nach Frohsdorf reisen und sich mit seinem Herrn Vetter, dem Grafen Chambord vereinigen. Diese ganze Fuston, die schon so viel Confu⸗ sion zu Wege gebracht, ist übrigens dermalen eine Sache um des Kaisers Bart; dieser Bart ist nämlich Frankreich und dieser Bart ist bereits vou Ludwig Napoleon hin- länglich geschoren. Kürzlich hat eine französische Dame aus Dank, daß die Vorsehung ihren Gatten vor Sebastopol aus augenschein⸗ licher Lebensgefahr gerettet— er hatte zehn Wunden— baarfuß eine Bußfahrt und zwar bei rauhester Witterung angetreten. Die gute zartgebaute Dame konnte den Tod davontragen.— Hier befinden sich Frauen, die solche Bußfahrten machten, wenn sie dadurch ihre Ehehälften los werden könnten!— N: Schlammbeißer. Ich freie mich, liewer Colleg, daß De Dein Dasein widder hier feuerscht, mer hawe vill zesamme ze redde, hatt Dirsch dann dort in Kurhesse gar nitt gefalle? Canalmüller. Nä, gar nitt! dann erschtlich isses Ge⸗ mäß dorte vill ze knapp unn der Sahldänzerschmadam gab m'r noch derzo Gemischte; dann, zweitlich, werd widder gewählt in Kurhesse, unn ich mag dorchaus nitt mehr Volksvertreter sein. i Schlammbeißer. Dann konnste ja mit wähle? Canalmüller. Waß iß dann da noch ze wähle? Schlammbeißer: Ei te anneres Land! Canalmüller. Daß hab ich ja gedah! Canalmüller. Haste die dellergraviehsche Debesche ge— lese, Hammelcher, Rußland beabsichtigt de Spaldung Deitschlands!? Schlammbeißer. Hurrjöhs! wann das noch mehr ge— spalte wird, da kanns bassixe, daß de Spaldung mitte dorch uns dorch unn dorch geht. Gießen. Einem höchst gefährlichen Treiben ist unsere thätige Polizei auf die Spur gekommen und zwar, daß mehrexe noch mit Fruchtvorräthen versehene Bäcker gewöhnlich die Ersten auf dem Fruchtmarkt sind und nur einige Malter Frucht zu einem sehr ho⸗ hen Preiße einkaufen, damit hernach dieser Preiß sich über den ganzen Fruchtmarkt verbreite und als Norm gilt. Ja, es soll so⸗ gar vorkommen, daß Fruchtverkäufer bestochen werden und dem Marktmeister einen höheren Preiß, als verkauft worden ist, ange⸗ ben, um die hohen Fruchtpreiße auf solche Weise zu erhalten. Wer muß nun unter dieser schmutzigen Handlungsweise besonders leiden? der arme Familienvater, der seinen täglichen Verdienst manchmal kaum über ein Laibchen Brod bringen kann! Wie man hört. hat unsere Polizei, der wir in dieser Hinsicht schon so Manches zu danken haben, sich der Untersuchung dieser Angelegenheit kräftigst angenommen, und wir werden nach Vollendung derselben das Na⸗ mensverzeichniß dieser Würgengel dem Publikum zur stetenckrinne⸗ rung nachbringen. 5 A 3 12 4 4 — Allgemeiner Anzeiger. eee. 1 Augenkranke mache ich darauf aufmerksam, daß ich mich auch in die⸗ sem Sommer speziell mit der Heilung der Augenkrank⸗ heiten abzugeben gedenke und daß zu Operirende jederzeit gegen billiges Honorar Aufnahme bei mir finden können.— Auswärtigen Hülfsbedürftigen noch die besondere Nach⸗ richt, daß ich Sonntags sicher anzutreffen bin, während an den Wochentagen auswärtige Berufsgeschäfte öfters meine Abwesenheit bedingen. Londorf, im Juni 1855. Dr. Birnbaum, 1734 Großherzoglicher Kreiswundarzt. 172 Sorten Brückenwackzen zu äußerst billigen Preisen, von 1— 30 Ctr. Tragkraft, für de⸗ ren Güte und Dauerhaftigkeit garantirt wird, werden auf Bestellung gefertigt. 5 Nähere Auskunft über die Preise ertheilt Ph. Zim⸗ mermann in der Neustadt. K. Bender, Mechaniker in Darmstadt. Hr lle le 7504 geführten Waaren schnell zu räumen, stelle ich auffallend billige Preise und entpfehle besonders Kleiderzeuge, Shawls, Echarpo, Tüll, Spitzen, Stickereien, Schleier, Strohhüte, Sonnen- und Regenschirme, Band, Quincäl⸗ lerie-und Bronce-Waaren und dergl. in vorzüglicher Auswahl. M. Heß, am Lindenplatz. Sehreinergesellen wen schäftigung erhalten, wo sagt die Exped. 5 werden gesucht und W agnergesellen; können sogleich gute Condition erhalten, bei wem? ist bei der Exped. die⸗ 8 Blattes zu erfahren. Um mit einem großen Theile meiner bisher Zimmer, ein schön möblirtes, mit der Aussicht in den botanischen Garten ist zu ver— miethen, bei wem? sagt die Erp. dieses Blattes. * ein schön möblirtes, für einen ein⸗ zelnen Herrn oder Frauenzimmer, ist zu vermiethen und kann sogleich Dekarteur Hosch, in der Sonne. Lo is für eine kleine Familje oder zwei einzelne 9/ Herrn ist billig zu vermiethen, und kann sogleich bezogen werden bei Simmer, bezogen werden bei J. Loth 530. in der Brandgasse. 169) Zwei Familien wohnungen Philipp Schmall, in der Muͤhlgasse. Es hat sich das Gerücht verbreitet: ich wolle die Di⸗ rection des Sommertheaters zu Bartschab übernehmen und habe zu diesem Zweck schon die Herren Schreihalsio, Dummerwitz und Scheelauge engagirt. Demzufolge zeige ich an, daß dies noch nicht möglich ist, da mir die nö⸗ thigen Mittel hierzu noch fehlen. Daß dieses Facta ist, wird dadurch bewiesen, daß meine Uhr immer nach dem Pfandhause und nie nach andern Uhren geht. Löwenhaupt. sind zu vermisthen bei Die zwei Galanthomme, Componist Knebelding und Zwiewelbläser sind so tief von Liebesschmerz heimgesucht worden, daß dieselben ihrem Vaterlande demnächst Valet sagen werden, das durch forstpracticables Niederknieen verur⸗ sachtwurde. Wir hoffen, daß uns die Trauerrede obiger beiden Herrn recht bald zu Ohren kommen werde. Lich im Juni. Ub4é—. ̃ ̃ K bKK——ͤ— Fruchtpreise in Gießen. Am 15. Juni 1855. sehr vorzüg⸗ 5. Limburger Käse, 1 5 ist 11 Waizen, das Malter 80 Pfd.) fl. 16 13 Korn, 1„(o„ 0 bei Wilh. Schmall, e b in der Neustadt. Häfen„e ee,. 225 877775 8 Erbsen, 15 280 5„ H andwa en mehrere, sind zu verkaufen oder 1 4 0 9290 1 8 e 0/ auch gegen Vergütung zu verlei⸗ Wicken„(220„ 9 0 hen bei Kartoffeln, das Malter 200 Pfd.)„ 448 285 Unve rzagt, P—ñ—ßr—u—u!v—.. ͤ——. Sch 1e eister i Hieße N 2 8 chmiedmeister in Gießen Cours Bericht. 47 Von den so 1 bekannten Nach dem Frankfurter Coursblatt 25 0 Hühneraugen Pflästerchen, vom 16. Juni 1855 der Gebrüder Lendner aus Tirol, 4 1 0 ch ö 0 habe ich wieder eine. erhalten 8 1 e. 10 45 ö einzeln zu 5 Kr. und im Dutzend zu 54 Kr., nebst Ge— Pistolen. a 3% 40 344 35— brauchs-Anweisung bei mir zu haben. Preuß. Friedrichsd' W eee 4 Wilhelm Schmall, 1 85 1 Süuke and-Dukaten 752. 9„ 5 in der Neustadt. 20 Frankenstücke a„ l . 5 Englische Souvereigns. e 42 1 Här inge 2 e eee eee d e bah e e, ee 7 dische, das Stück zu 4 Preußische Thaler 85 38471345 ½% 5 Kr., sind zu haben bei Wilh. Schmall, dbitto Cassenscheine 11679651 455. in der Neustadt. Hochhaltig Silber 5„ 2 Redaction und Verlag von C. Schild in Gießen.— Druck von E. Kratz. 8 N 5 . 5