ö ö 0 N D Dritter Jahrgang. Das Laternemännch Gießen, 21. August 1885. Erscheint wöchentlich zweimal. Preis fur Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Nummern 2 kr. Nr. 40. Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt. Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko-Marke versehen sind. 5 Die Expedition ist Marktstraße Lit. X. Nr. 12. ö d Da dieses Blatt nicht allein hier und Umgegend, sondern auch in fast allen Städten dieser Provinz stark gelesen wird, so eignet es sich vorzüglich zu Annongen, und berechne ich die gespaltene Petit⸗ zeile mit 2 kr. Brief Paulsackel's aus Amerika.“) (Im Interesse der deutschen Auswanderung geschrieben) p New-Orleans, den 4. Mai 1855, In meinem letzten Berichte habe ich versprochen, daß ich das nächste Mal über die in den südlichen freien Staaten von Nordamerika zur Zeit noch beste⸗ hende Sklaverei berichten wolle. Ehe ich jedoch mit diesem wichtigen Kapitel beginne, muß ich noch einige Beobachtungen mittheilen, die ich während der Zeit meines Hierseins zu machen Gelegenheit hatte, und die ich der Beherzigung aller Menschenfreunde in der alten Heimath dringend anempfehle. Ich gehöre nicht zu denen, die sich in diesem Lande, das noch fuͤr Millio⸗ nen fleißiger Hände Aussicht bietet, ein Eldorndo, träumten: eben so wenig gehöre ich aber auch zu denen, die von den vielen Wiloschößlingen, die der üppige Boden der jungen Freiheit treibt, auf diese edle Pflanze selbst schließen wollen und ihm mit Unmuth den Rücken zuwenden. Amerika hat auch seine wunden Flecke. Viel, sehr viel, ist hier noch zu thun, bis sich die noch immer in Gährung begriffene, aus so verschiedenen Theilen bestehende, Masse geklärt hat. Allein bei die⸗ sem wahrhaft großartigen öffentlichen Leben kann es nicht fehlen, daß die Hefe zuletzt doch zu Boden ge⸗ schlagen werden wird. Ohne Vorurtheil, aber auch ohne Schwenke berichte ich daher, was und wie ich's hier finde: und meine Mittheilungen dürfen darum um so mehr Anspruch auf Glauben und Vertrauen haben, als ich einzig nur im Interesse der armen Auswaude⸗ rer fchreibe. f Wenn ich draußen in Deutschland irgend was ver⸗ mißte, was dem armen Auswanderer, der, aus was immer für einem Grunde, seine Heimath verlassen will, unumgänglich nöthig wäre, so ist es ein kurz gefaßter populärer Rathgeber und Wegweiser für den Auswan⸗ derer. Es werden zwar dem Auswanderer manche Werke zu diesem Zwecke offerirt, allein kein einziges von denselben entspricht dem Zwecke der Auswanderung vollkommen. Dies ist theilweise mit Ursache, daß all⸗ jahrlich Tausende armer Deutschen, in der Hoffnung, * 5 7. 2„*„ ) Paulsackel war früher Lehrer in Oppenheim und Abgeord⸗ deter der zweiten Kammer zu Darmstadt. C. Schild. ———— 9—— ͤ— ͤ——— eine bessere Existenz zu finden, ihre Heimath verlassen und hier im Lande der Fülle und des Ueberflusses elend zu Grunde gehen. mit den nöthigen Kenntnissen, Mitteln und Kräften ausgerüstet zu sein, und nur einigermaßen die Aussicht zu haben, hier fortkommen zu können, werden Tau⸗ sende, von Allem entblößt und, in vielen Fällen, elend und krank, in den hiesigen Häfen ausgeschifft und— sind dann in Amerika. War die Seereise hierher schon hart, gefährlich und beschwerlich für diese armen Men⸗ schen, die sich, was meist der Fall, nur nothdürftig verproviantiren konnten und darum schon kein Plus von Kraft mitbringen, so geht jetzt erst das eigentliche Elend recht an. Geschäft verstehen, wo möglich ein wenig Englisch kön⸗ nen, und bereit sind, sich jeder Arbeit zu unterziehen, wenn das erlernte Geschäft keine Aussichten bietet, so findet sich schon, wenn auch nicht immer im Augenblick, doch mit der Zeit, Arbeit und guter Verdienst. Anders ist's jedoch mit Familien, die, zum größten Theil, aus kleinen Kindern bestehen. Um diese ist's gewöhnlich in kurzer Zeit geschehen. Arbeit ist nicht gleich zu ha⸗ ben, geborgt wird für keinen Heller; das, was die. deutschen Gesellschaften thun können, ist, auf so viele rtheilt, nur ein Weniges; der Bettel ist hier ver⸗ pönt und darum nicht einträglich, und das einzige Al⸗ mosen, das die Dollarmenschen dem Armen zur Thür hinauswerfen, ist;„Help gourself“(Hilf dir selbst!) Ist's da Wunder, wenn diese Unglücklichen in kurzer Zeit, zuerst Bewohner der hiesigen Armen⸗ und Kran⸗ kenhäuser und dann der Kirchhöfe werden. Wie man⸗ Ohne Ziel, ohne Plan, ohne Sind's junge ruͤstige Leute, die ihr ches Familienglück wurde hier mit einem Male, für immer zerstörk! Wie mauche Mutter, wie mancher Va⸗ ter, wie manches Elternpaar wurde hier schon von sei⸗ nen Kindern gerissen, dieselben im größten Elende, ohne Freund und Stütze, in einer herzlosen kalten Welt zurücklassend. Ich habe derartige Scenen hier erlebt, die mich auf das Tiefste ergriffen. Nur einige Beispiele von den vielen, die ich berichten könnte, will ich hier anführen, um meinen Freunden und auch Nicht- freunden draußen zu zeigen, was den nicht gut ansge⸗ rüsteten, armen Auswanderer hier erwartet: Vor Kur⸗ zem las ich eine Aufforderung in der hiesigen„Deut⸗ schen Zeitung.“ Es war diese Aufforderung, die ich hier aus gewissen Gründen nicht wörtlich geben kann, an alle Deutschen in New⸗Orleans mit der dringend⸗ * * sten Bitte gerichtet, durch augenblickliche Beisteuer dem grenzenlosen Elende von etwa 150 eben angekommenen armen Auswanderer aus dem Großherzogthum Hessen (aus Wimpfen), die auf Gemeindekosten hierher ge— bracht worden seyen, steuern zu helfen. Ich begab mich sogleich an den bezeichneten Ort, theils um mich selbst von dem Unglücke dieser Ausrangirten zu überzeugen, theils auch, um mir Eins oder das Andere für kurze Zeit als Gast mit nach Hause zu nehmen. Der An⸗ blick dieser armen Menschen machte jedoch einen so tie— fen Eindruck auf mich, daß ich, aus Gründen der Selbsterhaltung, beschloß, so schnell wie möglich, ohne einen Gast, wieder zurückzukehren. In einem leeren Waarenhause und auf einem freien Platze, nahe am Missisippi bivouakirten diese von Allem entblößten frem— den Ankömmlinge, und dieß noch zum Ueberfluß in ei⸗ ner Zeit, wo wir, für hier wenigstens, eine recht em— pfindliche Kälte hatten. Jeder Blick dieser Unglück⸗ lichen verrieth Elend und Noth. Nicht genug, daß sie nichts auf und nichts in dem Leibe hatten, schien mir's auch außer Zweifel, daß sich auch noch ungebe⸗ tene Gäste während der Seereise bei ihnen eingenistet hatten; denn die Situation, in der ich Einige von ih⸗ nen fand, die am Missisippi saßen und das Ungeziefer von ihren schmutzigen Kleidern rafften, bestärkte mich hierin. Wie konnte man es unter solchen Umständen wagen, Gastfreundschaft zu üben, so sehr solche auch von der Menschlichkeit geboten war; und wer konnte sich, ohne großes Risico, dazu verstehen, so tief herab⸗ gekommene Menschen in Dienst zu nehmen? Voller Betrübniß über so viele, entweder absichtlich, oder zu— fällig Betrogene, verließ ich diesen Ort, wo das Elend seinen Sitz in so großartigem Maaßstabe aufgeschlagen hatte, sandte eine Kleinigkeit an das hierfür gewählt gewesene Comite und vermied absichtlich alle weiteren Nachforschungen, weil ich von diesem Unglücke, das zu lindern nicht in meiner Macht stand, ferner keine Kunde mehr haben wollte. Was aus diesen Menschen ge— worden ist, weiß ich nicht. Möglich, daß nach Verlauf von nur kurzer Zeit die hiesigen Friedhöfe am besten hierüber Auskunft geben können. Eine ähnliche Ge⸗ sellschaft war auf dem Schiffe, mit dem ich hierher kam.— Eine große, reiche Gemeinde aus Württem⸗ berg(Freudenberg) sandte auf Gemeindekosten eine eine Heerde ihrer Paupers nach Amerika. Daß unter den Armen nicht immer die edelsten Charaktere sind (nul reyli sans exception), wußte ich aus alter Er⸗ fahrung; denn während meiner 25jährigen Thätigkeit auf dem Gebiete der Erziehung hatte ich— leider! jeden Tag Gelegenheit, mich zu überzeugen, daß da, wo der Bettelsack schon einmal gelegen, nie mehr ein moralisches Haar wächst. Von diesen Freudenberger, Zweihundert an der Zahl, wurden schon auf der See fünfzig über Bord geworfen, und andere starben hier, theilweise noch bei ihrer Ankunft, entweder als Opfer des Klimas oder des Elends; selbst ihr Chef, ein Mann, der mit sanguinischen Plänen hier ankam, ruht längst als Opfer der Cholera auf einem der hiesigen Friedhöfe. Und in welchem Zustande werden sich, mit wenigen Ausnahmen, die Uebriggebliebenen befinden? Nur noch ein Beispiel, und ich will das traurige Re⸗ gister, das ich noch länger ausdehnen könnte, schließen. Schon in Havre lernte ich einen alten Mann kennen, der zwar, für sein Alter, noch rüstig, aber doch schon etliche und achtzig Jahre alt war. Derselbe hatte zu Hause ein kleines Besitzthum, das ihn und seine Frau ernährte. Allein, angesteckt von der Auswanderungslust verkaufte er Alles draußen, und zog mit seiner etwa 50 Jahte alten Frau nach Amerika, glaubend, daß er als Koch, bei den Amerikanern gewiß Fouror machen werde, weil er schon im vorigen Sekulum für Fürsten und Grafen draußen gekocht habe. Doch, er täuschte sich, der gute Mann, der wirklich nicht ohne Bildung war. Er hatte nicht überlegt, daß er einer ganz an— dern Zeit angehörte, und daß er zu nichts weniger mehr taugte, als zu einem Concurrenten auf amerika⸗ nischem Boden, wo Alles im Galopp geht. Schon auf der Reise lag er mit seiner Frau elend darnieder. Hier angekommen, erholte er sich zwar wieder so, daß er hier nichts mehr zu thun habe und— kurz— heute kam seine arme Frau zu mir, brachte mir den Scheide— gruß vom„Großvater“ und meldete sein Hinschei⸗ den. Also auch Du, getäuschtes, altes Kind hast hier, wie so mancher, nichts gefunden, als ein— Grab. Seine ganze Hinterlassenschaft besteht: in einer armen, verlassenen Frau.„Wer sollte sich dieser Verlassenen annehmen, wenn wirs nicht thun?“ so sagte meine Toch⸗ ter zu mir.— Heute haben wir diese traurige Erb— schaft angetreten. Möchten doch alle meine deutschen Landsleute hievon Notiz nehmen und möchten die leicht— sinnigen Auswanderungen hinfür weniger werden als sie seither waren, und möchten besonders Gemeinden es wohl beherzigen, ehe sie hunderte von ihren Mitbür⸗ gern mittellos in die kalte herzlose Welt schleudern, wo ihrer sicherer Untergang wartet. Der bedrängte Arme draußen sehnt sich, wie natürlich, nach Verbesse— rung seiner Lage und er meint, wenn er nur in Ame⸗ rika wäre; allein er kennt das hiesige Leben und Trei— ben nicht, und weiß darum auch nicht, daß er, wenn er keine Mittel mitbringt, um wenigstens für einige Zeit leben zu können, aus dem Regen in die Tranfe kommt. Ich rufe nochmals allem denen, die ihre Heimath verlassen und hier ihr Glück suchen wollen, zu: Wer nicht so viel mit hierher bringt, um im Nothfalle selbst einige Monate hier von dem Mitgebrachten leben zu können, der solle es doch wohl bedenken, ehe er den gefährlichen Schritt wagt! Und wenn Gemeinden ihren armen Mitbürgern nicht mehr als die Reisekosten geben können, so sollen sie solche lieber draußen als Begräb— nißkosten für dieselben verwenden; diese Unglücklichen hätten dann wenigstens, was sie hier nicht haben, den Trost, daß sie in der Heimath, im Kreise ihrer Freunde und Verwandten, ihren letzten Athemzug aushauchen könnten. Selbst die Herren Chefs der dortigen Aus⸗ wanderungs⸗Buͤreau würden ganz in wahrem Interesse der Auswanderung handeln, wenn sie fortan solche Massen Paupers, die auf Gemeindekosten gleichsam deportirt werden, nur dann zur Beförderung überneh⸗ men, wenn man ihnen nachwiese, daß diese Armen, außer ihrer Reisevergütung, auch noch etwas für die erste Zeit hier mitbrächten. Arbeitskräftige Familien aber, mit etwas Mitteln, um entweder hier ein Geschäft gründen oder tiefer ins Land reisen zu können, mögen immer die Reise antreten; für sie ist Aussicht auf ein gutes Fortkommen. Wenn auch nur etwas Englisch zu können, ist von großem Vortheil. Hunderte haben schon schweres Lehrgeld hier für das bezahlt, was sie draußen für einige Gulden hätten lernen können. Gute deutsche Haushälterinnen, die englisch verstehn, sind von den Amerikanern sehr gesucht; und während der monatliche Lohn einer solchen 10 bis 12 und noch mehr; Dollars ist, mag eine, die kein Englisch versteht, froh sein, wenn sie einen Platz hat, der ihr 6 Dollars monatlich ein⸗ bringt. Dasselbe Verhältniß besteht auch bei Handwer⸗ kern und Geschäftsleuten. Nun zum Schluß noch, daß mir die gegenwärtige Situation Nordamerikas gar nicht ermunternd für die Aus- oder Einwanderung zu sein scheint: Alles klagt über Theurung, über Arbeits und Verdienstlosigkeit. Hiezu kommen noch die trüben Aus⸗ sichten für die Eingewanderten in politischer und so⸗ cialer Beziehung. Die Know-Nothings(fanatische — CCCCCC CCC 1——-— — 8 2 8 7 1 5 3——— 1— . 5 8 8 8— — 8 5 5 1 8 Eiugeborene, die den Einwanderer rechtlos erklären, wollen) haben Jereits begonnen, gegen alle Einwande⸗ rer sich zu erheben. In vielen Municipal- und andern Wahlen haben sie bereits schon so bedeutende Vortheile errungen, daß fast kein Zweifel mehr, darüber sein kann, wer für die nächste Zukunft hier dictirt. Daß dies für das ganze amerikanische Geschäftsleben nicht ohne sehr wichtige Folgen sein und wohl schwerlich so ganz glatt abgehen wird, scheint sicher angenommen werden zu können. Ueber Sclaverei das nächste Mal.— Dieses Versprechen kann der edle Paulsackel lei⸗ der nicht halten, da er nach neueren Zeitungsnachrich— ten auch schon als Opfer des gelben Fiebers gefallen ist.— Dem A. Becker, welcher noch leben soll, haben wir gar keine Nachrichten zu verdanken, die wir veröffentlichen könn⸗ ten, wahrscheinlich fehlts ihm an Zeit oder will mit uns Lappländern, seitdem der Schoppen 4 kr, kostet, keinen Communismus mehr machen.— Dies zur Nachricht für diejenigen, die sich hie und da auswärts zuweilen nach ihm erkundigen. OOO Vor Sebastopol sind die Westmächte unmittelbar nach dem gemüthlichen dresdner Vogelschießen zu der gemüth⸗ lichen und menschenfreundlichen Ansicht gelangt, daß es das Beste ist, den Vogel Sebastopol nicht ganz abzu⸗ schießen, sondern sich mit ein paar Schwanzfedern zu begnügen, nämlich mit der sogenannten Fischervorstadt, von wo aus man der russischen Flotte den Garaus zu machen gedenkt. Ist die Flotte zum Guckuk, will man sich um diese widerhaarige Festung gar nicht mehr bekümmern, sondern sein Glück anderwaͤrts versuchen. Herr Pelissier läßt darum schaufeln aus Leibeskräften, um der ersehnten Fischervorstadt so nahe wie möglich zu kommen. Die Russen ihrerseits sind auch nicht muͤßig und unterwühlen den ganzen Erdboden, worauf die Westmächte operiren, um sie gelegentlich durch Minen in die Luft zu sprengen. Wer hätte das geglaubt, daß die Russen solche Wühler sind; man hat sie immer nur für Heuler gehalten. Der dermalige englische Generalissimus, Simpson mit Namen, soll auch bereits um seinen Abschied ein- gekommen, weil er glaubt seiner Aufgabe nicht gewach— sen zu sein. Er ist freilich auch schon ein bejahrter Mann und jetzt sind junge Kräfte vor allem von Nö⸗ then. Wenn man mit dem jetzigen englischen wie fran— zösischen Generalstabe, wo so manch bemoostes Haupt darunter, den Generalstab Bonaparte's in Italien oder Aegypten vergleicht, welch ein Unterschied! Damals nichts als Jugend, Thatenlust, Genialität und an der Spitze der größte Feldherr der neuern Zeit. War es ein Wunder, daß er Europa eroberte? Und würde der alte Napoleon nach der Krim gezogen sein? Des großen Napoleons Pläne wurden auch an einem Steinhaufen, der Festung Saint Jean d' Acre, zu Nichte. Hätte er diesen Punkt bekommen, und er war nahe daran, dann wäre er, wer weiß wie weit, nach Asien hineingegan⸗ gen, hätte ein großes morgenländisches Kaiserreich ge⸗ gründet, dessen Hauptstadt Constantinopel, und wäre uͤber Wien nach Frankreich zurückmarschirt. Wenig⸗ stens hat's der alte Napoleon so erzählt. Aber an dem Widerstande Saint Jean d' Acres, das wie jetzt Seba— stopol von einem Deutschen, damals hauptsächlich durch das Genie eines Franzosen vertheidigt wurde, scheiter— ten Bonapartes großartigen Pläne gegen das Morgen⸗ land. Es scheint überhaupt, als wenn das Abendland im Morgenlande kein Glück hatte, noch alle Eroberungs⸗ züge dahin sind mißlungen.. — — In der Gegend von Meerane lebt ein leichtsinni⸗ ger Schuldenmacher, der von Zeit zu Zeit für seine Gläubiger unsichtbar ist. Als das neulich wieder der Fall war, erschien in der Zeitung eine Aufforderung, daß er seinen dermaligen Aufenthaltsort anzeigen möge, indem man ihm ein wichtiges Document auszuantwor⸗ ten habe. Der leichtgläubige Bummler, der nicht an⸗ ders dachte, als daß ihm ein unbekannter reicher Onkel in Ostindien gestorben, kam alsbald aus seinem Ver⸗ steck hervor, und erkundigte sich nach dem wichtigen Document. Wie enttäuscht aber war er, als ihm sein Schneider die unbezahlte Schneiderrechnung als das wichtige Document überreichte. Was diese Tage auf der leipzig-dresdner Eisenbahn passirt ist. Ein junger liebenswürdiger Herr fuhr mit drei jungen liebenswürdigen Damen in einem Coupe durch den Tunnel. Er spielte natürlich den Galanten, vertheilte indeß seine Huldigungen mit solcher Unpar⸗ teilichkeit, daß keine der drei Grazien klug werden konnte welche die Bevorzugte sey. Als pechschwarze Finsterniß im Tunnel hereinbrach, küßte der junge Herr ganz laut und vernehmlich seine eigne Hand, so daß alle drei Huldgöttinnen in der Dunkelheit errötheten, vermei— nend, die Küsse würden einer ihrer Freundinnen zu Theil. Man denke sich nun die Verlegenheit, als der Dampfwagen wieder zu Tage kam; denn eine Jede, sich selbst schuldlos wissend, hielt eine der beiden andern für die Schuldige. Der lose Gentleman aber lachte sich ins Fäustchen. i Bei Reichenbach in Böhmen steht ein Meilenstein worauf zu lesen: Bis Friedland sechs Stunden, wer aber nicht lesen kann, gehe bis ins nächste Dorf, wo man ihn schon zurechtweisen wird. Schlammbeißer. Enschulje, Emil, sag' mal, warum ruffe awer die Eisebahn-Conductierer immert„Schta⸗ zion Kleilinde-Gieße? Canalmüller. Stachus, liegt dann der Bahnhof nitt näh'r bei Kleilinnes wie bei Gieße? Schlammbeißer. Iß richtig! Canalmüller. Waß iß dann daß for neies Wägelche waß alle Dag zon Neustädter Dohr'rin fährt? Schlammbeißer. Das iß's Milchkuffertche vo dem Schmitthof. Canalmüller. Gelte die Stacheln dadruff sinn von wege derentwege, daß sich niemand druff setze soll? Schlammbeißer. Ohnä, im controleure Gegedeil die Stacheln sinn daderzu, daß m'r recht fest sitzt. Canalmüller. Sag' m'r'mal, Colleg, waß hatt dann Dei Klapperschlang widder vor g'hatt? die kann doch gar nitt uffhör'n ze ruhe. Schlammbeißer. Woso?. Canalmüller. Mir hatt's ahns g'sagt se hätt' ge⸗ sagt, de Leit sollte de Dapete beim Ausziege abziege. Schlammbeißer. No daderbei seh ich nix Böses, da⸗ dermit werd se sich üwerziege wolle. Canalmüller. Ich will mich nitt rühme, Hammelcher, awer daß muß ich sage, wann dei Seitegebäude neu tapezirt wär, isses immert noch e hübsch Stellasch. Slammbeißer. Ewe dessentwege. a Canalmüller. Die Sackträger vom Fruchtmarkt hawe verfügt daß bei Strafe jeder mit Schnurr- unn Kne⸗ welbart erscheine muß. 5 Schlammbeißer. Das müsse fleißige Leit sei, wann die bei dene schwere Säck noch so viele Reiser trage wolle. ——„-————— e 650 Allgemeiner Anzeiger.“ OO. Augenkranken kann als sichere Hülfe Jedermann das Dr. White'sche Augenwasser von Traugott Ehrhard in Altenfeld in Thüringen, welches bei allen Formen von Augenkrankheiten sicher, kräftig und schnell wirkt, angerathen werden.— Es ist mit Fürstl. Privilegium beliehen und kostet nebst Gebrauchs⸗ anweisung unter Franco⸗Einsendung oder Postnachnahme blos 10 Sgr. à Flacon und ist nur ächt zu beziehen durch Herrn N 5 Zulius Wallach in Gießen. 61] Mein Leinwand⸗Lager, bestehend in ächter Hausmacher, Bielefel⸗ der und Lederleinwand, Tisch- und Handtücher- Gebilden, Tafelgedecken mit 6 und 12 Servietten, leinenen und baumwollenen Taschentüchern, desgleichen Foulards, bunte Bett⸗ Tisch⸗ und Comode⸗Decken, Bettzeugen, Bettzwillchn und Barchenten, Schuͤrzenleinen, Schock⸗ nud Packtuch, Futternessel, sowie in allen in dieses Fach einschlagenden Artikeln, stets auf'sReichhaltigste assortirt, empfehle ich zu sehr billigen Preisen. Julius Wallach am Marktplatz. In meinem Laden und Haarschneide— Kabinet ist stets und allein zu haben: Gebrüder Leder's Erdnuß⸗Oelseife, zeigt ihre wohthätige Wirkung ganz besonders bei Damen und Kindern mit zartem Teint und bewährt sich namentlich auch gegen rauhe und durch Frost, trockene, kalte Luft ꝛc. aufgesprungene Hände, als das neueste, mildeste und vor⸗ züglichste tägliche Waschmittel. Das Stück mit Gebr.⸗Anweis, kostet 3 Sgr., 4 Stück in einem Packet 10 Sgr. f Bandoline, das seinste für Damen und Herrn um das Haar schön glatt und glänzend zu machen zur besten Befestigung der Scheitel,„ Pfund Flacon 1 fl.( Pfund Flacon 30 kr. 5 5 Dentifaire Universal, zur sofortigen Beseitigung der Zahnschmerzen mit Gebr.-Anweis. das Flacon 365 kr. Praetischer Jahnkitt, bekanntlich das Beste zum Ausfüllen hohler Zähne, in Etuis mit Geb.⸗Anw. 30 kr. Patent⸗Zahnstocher, feine durch Maschine gefer. tigt, das 1000 St. 27 kr., 100 St. 4 kr. Poudre Fevre, zur sofortigen leichten Bereitung von Selterwasser, das Packet zu 20 Flaschen berechnet, 52 kr. Wiener Putzpulver, in Packeten 4 und 7 kr. Mit diesem Pulver kann man sofort allen Metallen den schönsten Glanz ertheilen. Pariser Glanzlack, das Flacon 14 kr. Mit die⸗ sem kann man alles Schuhwerk gleich lackirtem Leder, auf das feinste lacktren, und ist derselbe besonders empfeh⸗ lenswerth. N Aecht persisches Inseetenpulver, das Flacon 8 kr. Dieses Pulver ist ein sicheres Speeificum zur Ver⸗ das zweckmäßigste Mittel, um die mit Flöhen behafteten Hunde vollkommen von dieser Plage zu befreien. 7 Ch. Oppermann, Coiffeur, Seltersweg. 179 2 9 8 Hegen chirme seidene und baumwollene, J erstere von fl. 3. 30 kr. bis zu fl. 7, und letztere von fl. 1. 12 kr. bis zu fl. 2 24 kr. pr. Stück, empfehlen f g Gebrüder Landauer. 147 Von den so rühmlichst bekannten . ühneraugen⸗Pflästerchen, der Gebrüder Lendner aus Tirol, babe ich wieder eine Sendung erhalten und sind solche einzeln zu 5 Kr. und im Dutzend zu 54 Kr., nebst Ge⸗ brauchs ⸗Anweisung bei mir zu haben. Wilhelm Schmall, in der Neustadt. 4. illgung der Flöhe, Wanzen, Motten 7c. und ist namentlich Lo is eine Stube und eine Kammer, Küche mit 9 7 Sparheerd, verschließbarer Keller und Holz stall, auch kann auf Verlangen ein Schweinstall beigege⸗ ben werden, ist zu vermiethen und kann sogleich bezogen werden bei oh, 534 in der Brandgasse. Cours ⸗ Bericht. Nach dem Frankfurter Coursblatt vom 22. Aug. 1855. Geldsorten. Neue Louisd'or 1 fl 5 Pistolen 2 4 1„ 9 29—30 Preuß. Friedrichsd'or.„ 9 56— 57 Holl. 10 fl. Stücke„ 9 4041 Rand⸗Dukaten.„„ 5 20 Feahen nf Englische Souvereigns..„ 11 36-38 Gold al Marco,„ 324 Preußische Thaler. 1 115 ditto Cassenscheine.„ 1 45%% Hochhaltig Silber, er eee, Fruchtpreise in Gießen. Am 17. August 1855. Waizen, das Malter(200 Pfd.) Korn,„ 57(180„ e 5 Gerste,* 7(460 7 9. 3 7 Hafer, 5 GO Erbsen„ VVV Linsen„ 25 Wicken,(20„, ꝙF FF Kartoffeln, das Malter(200 Pfd.) 4 8 2 25 Nedaet en und Verlag von C. Schilden 20 Druck von E. Kratz 33. 8 e — 3 ———