Later n * Dritter Jahrgang. „„ Das emännche. Gießen, 15. August 1855. Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. 29007 Einzelne Nummern 2 kr. 5 Vr. 39. Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt. Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko-Marke versehen sind. Die Expedition ist Marktstraße Lit. X. Nr. 12. d Da dieses Blatt nicht allein hier und Umgegend, sondern auch in fast allen Städten dieser Provinz stark gelesen wird, so eignet es sich vorzüglich zu Aunongen, und berechne ich n zeile mit 2 kr. spaltene Petit⸗ Schild. Eine pariser Geschichte. Nach wahren Thatsachen mitgetheilt von Feodor Wehl. (Fortsetzung.) Mein Vater hatte, ehe er sich offiziell vermählte, „* eine geheime Liaison mit einer Gärtnerstochter zu Sor⸗ rent gehabt und mit dieser einen Sohn erzeugt. Die Geburt desselben fiel in die Zeit, in welcher er sich mit meiner Mutter vermählte, und diese, eifersüchtig auf ihre unebenbürtige Nebenbuhlerin und in Besorgniß, daß der Sprößling derselben ihren eigenen zu erwar⸗ tenden Kindern Eintrag thun könne, wußte es zu ma⸗ chen, daß in dem Hause der Wöchnerin Feuer angelegt und diese, sammt dem Kinde, während man die Flam⸗ men zu löschen versuchte, nach Frankreich hinüber ent⸗ führt wurde. Vom Schreck und den Strapatzen der unfreiwilligen Reise erschreckt, erlag die ihrer Heimath und ihrem Gönner entrissene Frau einem raschen und unerwartet frühzeitigem Tode. Ihr Kind aber ward einer armen Wäscherin übergeben, die mit einem klei— nen Handwerker in einer ungesetzlichen Ehe lebend und ihr Kind kurz nach der Geburt durch den Typhus ver⸗ lierend, den verwaisten Knaben für eine beträchtliche Summe als den ihrigen annahm. „Mein Vater, der von diesen Vorgängen natürlich nichks wußte und wie Alle, die Zeugen der Feuers⸗ hrunst gewesen, glaubte, daß seine Geliebte sammt dem Kinde den Tod dabei gefunden, gab, nachdem er lange umsonst geforscht, sich Gewißheit darüber zu verschaffen, endlich seine Nachforschungen auf, und zwar um so mehr und vollständiger, als einige Monate darnach seine angetraute Gattin ihm in mir einen rechtmäßigen Stammhalter schenkte. Von da ab hat er weiter den Verschollenen nicht mehr nachgeforscht und eine ziem- lich glückliche Ehe geführt. Eben als ich achtzehn Jahr alt geworden und nach Paris abzugehen im Begriffe war, erkrankte meine Mutter, die, ehe ste verschied, meinem Vater die Schicksale seiner Jugendgeliebten und ihres Sohnes beichtete. Gleich nachdem sie beer— digt, machte er sich nach Paris auf, um dort nach sei⸗ nem natürlichen Sohne zu forschen. Da aber die Hel⸗ sershelfer meiner Mutter bei der Entführung ihrer Wg n kaiige 7 8 ihr, gestorben, man 8 Lohnung und ferneres Geschick jener armen Wäsche⸗ rin aber durchaus nicht kannte, so vermochte er, allem Eifer und aller Mühe zum Trotz, nirgends eine Spur von seinem Kinde zu entdecken. „Ein Kammerdiener meines Vaters, sein intimster be, en, ien en. der ige en ge⸗ Jo⸗ der ei⸗ Vertrauter, der sich bei mir die Stellung in unserm er Hause sichern wollte, verrieth mir dieses Geheimniß die meiner Familie, indem er mir dabei zu verstehen gab, te daß, wenn ich das große Vermögen des alten Fürsten ift mir ungetheilt erhalten wollte, ich dafür zu sorgen an habe, daß die Entdeckung meines Bruders niemals statt⸗ zie finde. Wie er mir gestand, war diese nur vermöge nd eines goldenen Reifes zu machen, den mein Vater in der Geburtsstunde seines natürlichen Sohnes durchge— brochen, zur Hälfte behalten und zur Hälfte der Mut⸗ ter für den Neugeborenen übergeben hatte. ch⸗ „Nachdem mein Vater unverrichteter Sache von sei— nen Reisen zurückkam, trat ich die meinige an, die sich natürlich zunächst nach Paris richtete. Hier lernte ich in zufällig bei dem Grafen Emil Luckner einen gewissen in Alfred Gautier kennen, bei dem ich einmal beim Bil⸗ lardspiel die Hälfte jenes Ringes an einer feinen gol— denen Kette aus dem Gillet hervorhängen sah, dessen li⸗ andere, dazu passende Hälfte mir jener Kammerdiener d⸗ meines Vaters gezeigt hatte. Natürlich war augen- ls blicklich mein Plan gemacht. „Ich suchte Alfred Gautier einmal allein auf, ließ 8. mir seine Geschichte erzählen, das Billet seiner Mut⸗ ter, das ihm von seiner geheimnißvollen Herkunft be— ie richtete, zeigen und erklärte ihm sodann, daß wenn er r⸗ mir die ganze Sache unter Angelobung unverbrüchlichen in Schweigens gegen Jedermann in die Hand zu geben he sich entschließe, ich Willens und im Stande sei, ihn ö seinem rechtmäßigen Vater in die Arme zu führen. Der harmlose, nichtsahnende Gautier, der zur Zeit, da 1 mein Vater in Paris nach ihm forschte, sich Geschäfte ie halber in Amerika aufgehalten und von diesem Allen 1 nichts wußte, ging dies gerne ein, überantwortete mir ie seine Papiere und that auch sonst, was ich von ihm i⸗ heischte. „Nachdem ihm nun also aufgetragen, sich für den 4 17. September mit Geld in hinreichendem Maße zu versehen, um damit eine größere Reise unternehmen zu können, übergab ich ihm einen, von dem in mein r Komplott gezogenen Kammerdiener täuschend nachge— machten Paß mit dem Bedeuten, diesen und das Geld an den Grafen Luckner zu übergeben, mit dem ich dann 1 das Weitere besprechen wolle, da ich wisse, daß dies sein bester Freund sey. „Es war an eben diesem 17. September mit Graf Luckner und einigen andern Bekannten ein Souper bei einem Restaurant auf dem Boulevard des Italiens fest⸗ gesetzt und verabredet worden, mit der Bestimmung, die Wohnung des genannten Grafen als Versamm⸗ lungsplatz anzunehmen. Bei dieser Gelegenheit wußte ich mir einen Dolch des Grafen Luckner ungesehen zu— zueignen, dessen ich zu meinem höllischen Vorhaben be— durftig war.“ a i „Als es gegen Mitternacht war, zog ich Gautier bei unserm ziemlich laut und rauschend gewordenen Souper bei Seite, indem ich ihm sagte, er möge mit dem Gra— fen Luckner auf einem Wege, den ich ihm vorschrieb, nach Hause gehen. In der Rue des trois freres, nahe dem Hotel des trois freres, wollte ich dann zu ihnen stoßen und das Weitere mit ihnen Beiden gemeinschaft— lich bereden. Doch möge er vorher mit seinem Freunde nichts über die Angelegenheit sprechen. Da ich wußte, daß Gautier gewissenhaft und folgsam war, so durfte ich mich auf sein gegebenes Versprechen verlassen. „Kaum mochten Graf Luckner und Alfred Gautier zwölf Minuten fort sein, als ich mich, ein körperliches Bedürfniß vorschützend, nach dem Hofe begab, wo ich rasch im Dunkeln über eine Mauer setzte, einen Hof durchschlüpfte und dann durch kleine Nebengassen die Rue des trois freres erreichte, gerade in dem Moment, in welchem mein Opfer in dieselbe eingebogen war. Mich nun rasch mit einer Taffetkappe unkenntlich ma⸗ chend, sprang ich plötzlich aus einem Thorweg hervor, den Dolch dem armen Gautier so tief und fest in die linke Seite bohrend, daß ich beinahe verzweifelt wäre, ihn wieder aus der Wunde hervorzubringen. Indeß war ein tüchtiger Ruck doch hinreichend, ihn frei zu bekommen und damit dem mich verfolgenden Grafen Luckner zu entwischen. „Erst als ich mich dem mir Nachrennenden um ein gutes Stück voraus wußte, schleuderte ich die Waffe fort und entkam Nachdem ich nun noch meine Taf⸗ fetkappe mit einem hineingebundenen Steine rasch, in »die Seine versenkt, eilte ich auf meinem früheren Wege in den Hof und von da zu meinen Genossen zurück, die meine Abwesenheit kaum bemerkt hatten und daher auch nie auf einen Verdacht gekommen sind. „Die ganze Schwere desselben fiel, wie ich in Vor⸗ aus gesehen und berechnet hatte, auf den Grafen Luck⸗ ner, bei dem man meinen falschen Paß und Gautier's Bankuoten fand, und durch welche Dinge natürlich der Hauptverdacht auf ihn gelenkt werden mußte. „Wie man sich erinnern wird, ward der Arme zu Anfang des folgenden Jahres zu ewigem Bagnoge⸗ fängniß verurtheilt, in dem er sich, so viel ich weiß, noch befindet, und aus welchem ihm dies, mein Ge⸗ ständniß nun endlich befreien muß. „Mein Vater, der die an dem Lesen in den Assisen⸗ berichten erwähnte Ringhälfte seines Sohn wohl er⸗ kannte und vielleicht der einzige Mensch auf dieser Erde war, der in mir den Mörder vermuthete, ward zum Glück für mich beim Lesen der Verhörmittheilun⸗ gen vom Schlage gerührt. Sein Tod machte mich nun zum unbestrittenen Erben seines großen Vermögens, dessen Besitz mich doch leider niemals glücklich gemacht hat. f „Von meinem Schuldbewußtsein unstät durch die Welt umhergetrieben, habe ich nie wu eine frohe oder nur ruhige Stunde genossen. Von Reue gequält, von Gewissensbissen gemartert, erliege ich nach ein paar wüster Genußgier geopferten Jahren nun endlich und wahrlich nicht ohne eine gewisse Genugthuung für mich selbst dem rächenden Arm der Gerechtigkeit, wel— chem ich mich gernzund so von quälender Hast getrie— ben, unterwerfe, daß ich dem Urtheilsspruche des Tri⸗ bunals vorgreifend, die Pistolen bereits geladen habe, die mich nach der Abfertigung dieses meines Bekennt— nisses in das Jenseits befördern sollen. „Wenn Sie sich, hochgeehrter Herr, nach Lesung die— ser Zeilen in mein Hotel verfügen wollen, werden Sie nur noch die in ihrem Blute schwimmende Leiche eines unglücklichen Verbrechers finden, der bei dem verwirk— ten Heile seiner Seele, die Richtigkeit seines Geständ⸗ nisses beschwörend, seine Seele der strafenden Allmacht Gottes anheim giebt. Paris, den 10. October 1827. Alphomso, Fürst von Benevent. Als nach Lesung dieser Zeilen der Präsident sich in Eile nach dem Hotel in der Rüe du Bas verfügte, fand er daselbst die Dienerschaft sowohl wie die Poli⸗ zeibesatzung in großer Aufregung. Einen Schuß in dem von Innen verschlossenen Schlafgemache des Für⸗ sten vernehmend, war man eben gewaltsam in dasselbe eingebrochen, als der hinzueilende Gerichtshof mit den Andern eintretend, die Leiche des in seinem Schuldbe⸗ wußtsein verzweifelnden Verbrechers mit zersprengtem Gehirn am Boden fand. Wenige Stunden nach diesem schaurigen Ereigniß brachte der Telegraph die Ordre des französischen Gou⸗ vernements nach Brest, den Grafen Emil von Luckner auf der Stelle aus dem Bagno zu entlassen, da sich dessen vollständige Unschuld ergeben und der König Willens sey, ihn vor aller Welt in seiner Ehre wie— der herzustellen. In einem wahren Triumphe nach Paris gebracht, ward er sowohl wie die heroische Dame, die ihm seine fürchterliche Leidenszeit nach Kräften erleichtert, von dem Monarchen am Hofe empfangen und durch jede nur erdenkliche Gnade ausgezeichnet. Man ging sogar so weit, ihm eines der hervorragendsten Hofämter an⸗ zutragen. Graf Luckner aber, schwer geprüft und durch das, was er erlitten, tief ernst und der Welt abwendig ge— macht, lehnte alle Auszeichnungen und Gnaden von sich ab, heirathete in der Stille die Baronin Lagrange und siedelte nach der Schweiz über, wo er in genuß⸗ voller Zurückgezogenheit gelebt hat. Bilder ans dem jetzigen Kriege. (Von verschiedenen Augenzeugen.) II. Mamelon, Malakoff undz Taganrog. (Fortsetzung.) Auch zdie Engländer hatten sich von derß Aufregung des Sieges hinreißen lassen, einen Angriff auf die mächtige Redan⸗Redoute zu machen, wodurch die Rus⸗ sen offenbar in höchstek Confusion geriethen, so daß jetzt die Benutzung des ersten Sieges recht an der Zeit war. Von der Weisheit Raglan's zurückgerufen, ga⸗ ben sie den Russen Muth und Gelegenheit, ihre Kraft wieder zu sammeln und damit von je tausend Retiri⸗ renden 5 bis 600 niederzumähen. 5 f Die Kämpfe, die nun auf und um den Mamelon folgten, waren Schlächtereien gewöhnlicher Art, wie sie eben im Kriege immer vorkommen. Als die Sonne am folgenden Morgen auf diese Höhen 5 zwischen die Thäler und Schanzen schien, leuchtete sie in viele Tau⸗ sende verzerrter, starrer Leichengesichter, von denen un⸗ ter ie Hundert 80 bis 90 der Bescheidenheit 05 rer Commandeurs zum Opfer gefallen waren, der Be⸗ scheidenheit, welche den Russen vom 7. bis zum. 18. Juni Zeit ließ, sich auf den Sturm gegen den Mala⸗ koffthurm vorzubereiten und Mittel und Minen n * — .———ů—————, — ——— hen bleiben, ein entsetzliches Gegenf zu graben, durch welche es ihnen leicht ward, die lebte Blüthe der Armeen theils hundert⸗ und aber hundert⸗ weise niederzuschmettern, theils bataillonsweise in die Luft zu sprengen. Der 18. Juni 1855 wird einmal in dieser schauderhaften Kriegsgeschichte blutigroth ste⸗ tünck zu dem 18. Juni vor vierzig Jahren. Die vierzigjährige Renom⸗ misterei„Waterloo“ wird eine ewige Schande„Ma⸗ lakoff.“ Tausende und aber Tausende waren während des Winters greiser Schwäche und vornehmer Unwis⸗ senheit zum Opfer gefallen, Tau ende wurden jetzt an einem Tage vernichtet, weil die Sieger am Siebenten umkehren mußten, wie die Gerlach'sche Wissenschaft, um dem Feinde Zeit zu lassen, den 18. Waterloo-Juni ebenfalls umzukehren. Ein Augenzeuge des ganzen bisherigen Krim⸗Schwindels sagt und beweist, daß wenn Feldherren den Sieg an der Alma sofort benutzt hätten, statt mit dem glorreichen Zuge um Sebastopol herum zu renommiren, Sebastopol damals gefallen wäre, und wenn Feldherren fähig gewesen wären, den Mamelonsieg sofort zu benutzen, wie man Eisen schmie⸗ det, weil es glüht, der Malakoffthurm am 8. die Fahne der Sieger getragen haben würde. Bis zum 18. hatte er gehörige Muße, sich auf die Aublicke des schmach⸗ vollsten Schlach tfeldes, der großartigsten Feindesvernich⸗ tung vorzubereiten. Kenner behaupten, daß dieser Schwäche, diesem Zau⸗ dern, diesem Verschleudern großartiger Sieges-Con⸗ juncturen nicht blos Alters ⸗ und Aristokratie-Unfä⸗ higkeit zu Grunde liege, sondern ein Geheimniß, das erst spätere Geschichtschrelber gehörig in's Licht setzen würden.—— 8 Und nun kommen wir auf Taganrog, diese schöne blühende Stadt, mit 22000 Einwohnern, erst 1706 von Peter dem Großen erbaut, woselbst die Deutschen als Aerzte, Kaufleute und Künstler in großer Achtung lebten, die vor wenigen Tagen noch glückliche und zu— friedene Menschen hinter seine Mauern barg, und jetzt durch die„westlichen Träger der Civilisation“ zu einem Aschenhaufen verbrannt, nur noch auf der Landkarte und im Gedächtniß der daraus Vertriebenen eristirt. Das Sengen und Brennen, das Zerstören wehrloser Städte bis zum Salzbestreuen der eingeäscherten Stät— ten friedlicher Bürger scheint ein Hauptparagraph in dem unmenschlichen Gesetzbuche der heutigen Civilisa⸗ tion zu werden. Schließlich bemerken wir nur noch, daß sich aus den Massen der schauderhaften Schlacht- und Schlächter⸗ scenen um Mamelon und Malakoff herum nach allen bisher eingegangenen öffentlichen und Privatmitthei⸗ lungen keine finden, die dem blos menschlichen und nicht strategischen oder taktischen Leser ein wirklich tragisches Interesse bieten. Es ist nur das Schrecklichste der Schrecken—„der Mensch in seinem Wahn,“ in dem Wahne, als könnte durch die Einnahme Sebastopols oder auch die ganze Eroberung der Krim der Friede erkauft werden. Nehmen wir auch an, sie hätten end⸗ lich die ganze Krim, so haben sie immer noch keine Macht über das Rußland, das einst diese Krim ero⸗ berte, wohl aber eine Last auf ihrem Halse, die sie erst recht darnieder hält, so daß sie in den Fall kommen können, flehende Friedenstauben nach Petersburg zu schicken, mit der Bitte, man möge ihnen endlich die Last wieder abnehmen.— Anders aber gestaltet sich's am asow'schen Meere. Rußland, das nun durch die Siege der Aliirten daselbst seine Lebensadern für die⸗ sen ganzen Theil des Reiches und zwar bis Sibirien hinauf abgeschnitten findet, erscheint die jetzige Situa⸗ tion allerdings ernstlicher zum Frieden zu nöthigen, als früher. Ob der Friede sich aber nicht noch mehr nöthigen lassen wird, eh' er kommt, bleibt noch dahin⸗ gestellt.— Rußland, mit seinem Czar an der Spitze, würde eher nach der asiatischen Steppe zurückweichen, als den sogenannten Vertretern der Civilisation einen Finger, viel weniger die Hand zum Frieden zu bieten. 7JFFFFFFFFCFC Die Liebe ist flatterhaft, sagt man; darum ist der academische Liebltng, der Admiral der Schmetterlinge hinübergesegelt, aus Eigenliebe, nach der Königlichen Residenz der Poesie.— Ein Bischof ist ihm nachge⸗ folgt, um Erzbischof werden zu wollen.— Ein Vo⸗ gel steht, wie man sagt, im Begriff, sein Gefieder zu vertauschen gegen Paradiesfedern. Bald wird er sei⸗ nen verwandten Geistern nachflattern.— Auch hat sich plötzlich emporgethau Ein Phönix an der Main⸗Weser⸗ Bahn, Ist einmal sein Ruf durch ganz Deutschland passirt Hat er nicht mit fremden Federn sich geziert, So wird es bald heißen— der große Geist Er ist den andern—— nachgereist. O! tiefe Trauer für den unersetzlichen Verlust! Was soll aber aus Gießen werden, wenn alle Paradiesvö⸗ gel wegziehen?— Paradiesvögel sind keine Schwalben, die in der Saison das verlassene Nest wieder aufsuchen.— Gießen den 12. August. So muß es kommen!— Da steckt was d'Rinn!— Bei meiner Tour durch die Neustadt diesen Morgen sah ich mehre Menschen die sehr eilig mit Kehren beschäftigt waren. Auf mein Befragen, was das zu bedeuten habe, erhielt ich zur Antwort, daß einem armen Manne dle Frucht, die er sich schon mehre Jahre so sorgsam aufgehoben, in die Luft geflogen und hier niedergefallen sey. Ach, sagte ich, wenn doch auch einmal alle Wucherer in die Luft spazirten und sich in der Lahn niederlassen müßten und die Rettung derselben mir übertragen wäre, wie schön würde ich sie mit einem Feuerhacken ans Land ziehen, wie schoͤn an meinen Busen drücken. Schlammbeißer. Hollhosse. Sag' mal, Poppe, waß iß das Wich⸗ tigste zum Lösche? Poppe. Ei Wasser und en Feuereimer. Hollhosse. Fehlgeschosse, Alter! das Feuer, dann wenn's nitt brennt, brauch m'r auch kei Wasser unn kei'n Feuereimer. Caualmüller. Wie iß daß, Hammelcher, die Berli⸗ ner Kreuzzeitungk hatt am 18. Juni bei Malakoff wid⸗ der 13,000 Mann Allejirte mehr falle lasse als werklich gebliewe sinn? Schlammbetßer. Das muß se, sonst kommt se nitt aus. Canalmüller. D'rklär m'r die Sach deitlicher. Schlammbeißer. No, daß iß doch nadirlich. Die Kreuzzeitung muß doch immer Ersatz⸗Dodte unn Ver⸗ wundete hawe; nanu hattse noch üwer 13,000 Mann zu verfüge; damitt ersetztse, waß sie bei die russische Schlappe ze wenig ahngibt. Eine junge Dame war in's Wasser gefallen und schon dem Ertrinken nahe, als plötzlich ein Retter sie dem nassen Tode entriß und ohnmächtig an das Land brachte. Bei ihrem Erwachen erklärte sie ihrer Familie sogleich, daß sie ihren Retter oder keinen Andern hei⸗ rathen wolle. „Mein Kind,“ sprach der Vater, das ist unmöglich!“ „Warum nicht? Ist er denn schon verheirathet?“ „Nein!“ „Ist es vielleicht der junge Mensch, der iu unserer Nachbarschaft wohnt?“ f „Nein! „Aber wer ist er denn?“ „Es ist ein großer Neufundländer!“ bezalt werden. Allgemeiner Anzeiger. OOo. 1401 Gießen. Für Auswanderer! über Bremen nach Amerika befördert jeden Monat am 1. und 15. Auswanderer unter Zu⸗ i 7 reeller Behandlung und Begleitung bis Bremen; auch kann das Ueberfahrtsgeld an nich Wechsel, sowie auch amerikanisches Gold ist bei mir zu haben. S„ Toͤmund Ich 1 Auskunft ertheilt. erpedirt vom 1. März anfangend, regelmäßig am Isten und 1ö5ten jeden Monats, dreimastige Segelschiffe nach Newyork und Baltimore, sowie in geeignetet Jahreszeit nach Neworleans und Galveston in Texäàs. Die Passagepreise sind billigst gestellt und wird auf jede Anfrage bereitwilligst jede gewünschte Chr. Wallenfels. 3 Yremen, große, schöne, Eine Brille mit zwei Gläsern, in Stahl eingefaßt, ist verloren worden, dem redlichen Finder wird bei Ab⸗ lieferung auf der Erped., eine silberne Belohnung zu Theil, da an der Brille viel gelegen ist. 1810 Meine Handschuh⸗Wascherei bringe ich in empfehlende Erinnerung, wobei ich zugleich bemerke, daß ich auch Handschuhe zum Färben jeder⸗ zeit uͤbernehme und bestens und billigst besorge. Für das Paar zu waschen werden 4 Kr., für das Paar zu färben 8 Kr. berechnet. Gießen im August 1855. E. Oppermann. in allen Farben und und neuesten Tapeten Mustern bis zu 8 kr. das Stück. Glanz⸗Tapeten zu 18 kr., und Hausgang-Tapeten zu 10 und 12 kr. empfiehlt 177 H. Hochstätter. 1 in allen Formen und für alle Rechnungen, Geschäftsleute, Geschäftsbücher, Frem⸗ denbücher, Speisekarten, Nachtzettel ꝛc. sind stets vorrä⸗ thig zu haben in der Buchdruckerei von Emil Kratz, Schulstraße. Negenschirme, ase e ee zu fl. 7, und letztere von fl. 1.1 kr, bis zu f 224 kr. pr. 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Neue Louisd'or. 8 fl. 10 45 Pistolen 8 45.„ 9 29—30 Preuß. Friedrichsd' or„ 9 56— 57 Holl. 10 fl. Stücke a„ 9 40—41 Rand⸗Dukaten 3 8 d ee 20 Frankenstücke. 5„„ Englische Souvereigns. 386 38 Gold al Marco 3„ 3728714 Preußische Thaler 2 l 1 ditto Cassenscheine e Hochhaltig Silber„ 2428 83 Fruchtpreise in Giesen. Am 10. August 1855. Waizen, das Malter 180 Pfd.)„ s Korn, 77 55(180„, Gerste/„ 0„ Hafer, 75*(120„ F Erbfen 77„„„ Linsen 77 75 220 55 Wicken„(220„ 9 30 Kartoffeln, das Malter 200 Pfd. 215 Redaetion und Verlag von C. Schild in Gießen. Druck von E. Kratz. —P—P————————— ——— ————ä¶—66—̃— 0 ö 1