der 8 Kubwigs⸗Unlverstät Gießen 8 2 gzaternemännche. Zweiter Jahrgang. 9. Gießen, 25. Januar 1854. Erscheint wöchentlich zweimal. und Umgegend min Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Numern 2 kr. Preis für Stadt* . Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ 7 ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche 5 Postaufschlag eintritt. 8 Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden wenn solche mit einer Franco-Marke versehen sind. ist Schloßgasse Litr. B. Nr. 3. Die Expedition Caspar's Kiebe oder Freuden und Leiden einer Universi⸗ tätsstadt. a Novelle in 5 Kapiteln, frei nach dem Leben I.** Einige Mitglieder derselben, die früher das Barbiergeschäft gewerbsmäßig betrieben hatten, nahmen ihren Verbindungsmitgliedern, aus guter Freundschaft und um nicht ganz außer Uebung zu kommen, unentgeldlich den Bart ab. Konnten sie doch nicht wissen, ob sie nicht später das alte Metier wieder ergriffen. Zwar lag zu grauer Zeit unser Held, um einen verbrauchten Ausdruck zu gebrauchen, noch mit den Gänsen im Prozeß— aber was nicht ist, kann noch werden und welcher studirende Jüng— ling schwelgt nicht in den seligsten Gefühlen, wenn er den ersten zarten Pflaum entdeckt. Der Vortheil, sich später unentgeldlich den Bart zustutzen lassen zu können, war ein Umstand, den unser Held nicht außer Acht ließ.— Wenn übrigens Caspar's Glück in der Liebe so groß war— und wir hegen einige bescheidene Zweifel — als sein Unglück im Spiel heute Abend, so war er der erste Don Juan seiner Zeit. Er kam immer tiefer im Rambsche hinein. Mag es immerhin unbestrittene Thatsache sein, daß kein Rambsch ohne Spektakel vorüber— geht, so machte es Caspar doch ein wenig zu arg. Seine Unleidlichkeit wuchs mit seinem Peche im Spiele. Endlich hatte es geendigt. „Wie viel macht der Rambsch?“ 28 Schoppen und 5 Handkäse, macht 1 fl. 35 Caspar hatte ihn ganz. Doch jetzt wurde der Spektakel so arg, daß einige Gäste sich zum Fortgehen anschickten und als vollends der unglückliche Spieler erklärte, den Rambsch nicht bezahlen zu können, da nahten einige Brauknechte. Etwas unsanft und ohne daß unser Held seine eignen Kräfte hätte in Bewegung zu setzen brauchen, entkam er durch die offene Thüre. Er war gefuhrwerkt worden! II. Für diesen Rock, wie viel, Hebräer? Altes Studentenlied. Das Leben ist doch schön. Marquis Posa Es war ein freundlicher Wintertag. Auf den Straßen bummelten Studenten und Hunde. Pomadeduftende Handelsjünglinge mit ge— brannten Locken führten in einspännigen Schlitten Damen spazieren; aber sie blieben hübsch„bei das Geschäft.“ Der Eine führte immer des Andern Schwester und so umgekehrt. Auf dem Lindenplatz paukten sich Arak und Sultan. Melankus und Boxer secundirten,— der Kampf blieb lang unentschieden. Endlich trug die Mensurgrafis Sultan's über seinen ihm ebenbürtigen Gegner, der seine Jugend, an eine Kette gefesselt, einsam vertrauerte, den Sieg davon. Die heute sichtbare Wintersonne warf ihre freilich nicht sehr warmen Strahlen in die Belle— Etage eines Hauses, das einem jüdischen Kleider— händler gehörte.. Das Zimmer war, wenn nicht prächtig, doch geschmackvoll möblirt. Ein runder nußbaumener Tisch warf seinen Schatten auf den mit Sand bestreuten Stuben— boden. Die mit nicht mehr ganz modernen Tapeten bekleidete Wand war mit in goldnen Rahmen eingefaßten Stahlstichen verziert; deren einer einen Juden darstellte, der Studenten alte Kleider „abklopft.“ Beim Himmel, ein solches Bild gehört in deine Bude, alter Trödler! Der Bewohner dieses Zimmers war schon in vorgerückterem Lebensalter; die Wangen, immer noch etwas geröthet, waren eingefallen; die spähr⸗ lichen schwarzen Locken begannen sich allmählich zu versilbern. Nur die Augen strahlten noch in gewohntem alten Glanze, aber sie hatten etwas Hinterlistiges, etwas Verschlagenes, etwas Heimtückisches. Solche Blicke mag die Schlange werfen, wenn sie sich dem Kaninchen nähert, das man ihr zum Fraß vorgeworfen. Die also geschilderte Person, der Eigenthümer des Hauses, war soeben damit beschäftigt, einen Haufen Papiere, meistens Handschrifte und Ehren— wortscheine von Studenten, zu ordnen, einem Ge— schäfte, in dem er nur zu oft durch die neugierigen Fragen seiner wohlbeleibten Ehehälfte gestört wurde, die als Modell zu einem weiblichen Hausdrachen hätte sitzen können, so abgelebt und häßlich sah sie aus, so sehr wurde sie durch einen zahnlosen Mund entstellt. Da nahten Tritte. 0 Schnell wanderte der Haufe Papiere in die dabei liegende Mappe. 2 Es klopfte dreimal und vornehmlich an die Thüre. Auf das bestimmte„Herein“ des Kleider— händlers öffnete sich die Thüre und hereintrat— Caspar. Durch welchen Schlag des Schicksals, durch welche unglückliche Combination der Verhältnisse war unser Held geuöthigt, zu diesem Manne seine Zuflucht zu nehmen? Caspar'n erging es, wie so vielen Andern. Am Anfange des Semesters hatte er seinen nichts weniger als beträchtlichen Wechsel mit nach Schilda genommen, damit einige der am meisten dringenden Gläubiger befriedigt und den Rest verkneipt. Er hätte sich vielleicht auch jetzt wie schon so oft ohne Geld durchschlagen können, wenn nicht eine tieferliegende Ursache ihm den Besitz dieses Metalls äußerst wünschenswerth gemacht bene e (Fortsetzung folgt.) Om Sonndoag für vacht Toag hun ich beim Schlirrerfoahre mein bloe Schleiher verloarre, wer mern wirrerbringt, der kritt e halb Mest Koar⸗ toffil. Aich wuhn irn der Neustoadt, irn dem Haus, on dem so e Gaß enirn gieht; ern aich sei de Frah vo em Mann, der fehr zwa Johr den bekahnte Kaffernkriegk of der Boareborg met⸗ gemoacht hot. Zu bevorstehe ßen Schlittenfahrten erlaube ich mir mich als Vorreiter in empfehlende Erinnerung zu bringen. Ich glaube um so mehr diesem Zwecke zu entsprechen, da die gebogene Bauart meiner Beine, sowie überhaupt mein eigenthümlicher schwer— fälliger Gang mich weniger zum Gehen geeignet erscheinen läßt.— Zugleich mache ich Minderer— fahrene auf meine Kunst aufmerksam: schöne, be— sonders aber reiche Frauenzimmer durch besondre Ueberredungskünste, z. B. meine, in der Ferne liegenden Güter, die Production meiner Persön— lichkeit von der Sonnenseite, durch Arrangiren großartiger Parthien ꝛc.— für mich einzunehmen. e pr. Adr. B. J. Null-Ritter. In dem Reiz der jungen Morgenrose lachte mir ein duftig Beaf⸗steaks zu. Ein Sohn Albions nach Schiller. Was inn'rer Brand ihm auch geraubt, Ein süßer Trost ist ihm geblieben, Er zählt die Häupter seiner Lieben Und findet noch ein gekröntes Haupt; Und zu dem Solz sieht man ihn laufen, Den letzten Groschen zu versaufen. Schiller. Es werden zwei Mädchen gesucht, zu der noch eine Dritte paßt, welche an Zungenfertigkeit die Ersteren übertreffen soll, um gemeinschaftlich Abends zur geeigneten Stunde? Arglose Personen in ihrer Wohnung unberufen mit Grobheiten über— häufen zu können, es wird auf solche am ersten gerechnet, welche bei der vorherigen Berathung zur Stärkung ihrer Zungenfertigkeit, etwas Spiritus, Vini⸗Matistum zu nehmen gewohnt sind, damit bei dem unerwarteten Besuch recht tüchtig auf den Tisch geschmissen werden kann, Proben davon be— reits abgelegt haben?— Das Nähere bei M— Pumbe. Wie sich doch Manches Sorgen macht! (Wahre Unterredung.) Frau P.: Ach Gott! Frau W. waß hot mer doch sei Last, bis mer sei Döchter unner die Haub brengt. Mei Dochter hätt doch in dem letzte Virtheljahr schond dreimal Braut sei könne. Frau W. Ei no warum hawe se se dann net Braut wern lasse? Frau P.: Ach ihr Vatter der iß gar eige, der hots immer nett zugewe wolle. Frau W.;: Ei sage se emol, wie ahlt iß dann eigentlich ihr Dochter? Frau P.: Ei die werd doch jetzt schond 16 Jahr alt. Frau P.: Ach Herr je, da hott die awer noch e bische Zeit? Frau P.: Ach, mer hawe da en Student, es iß en gar ue braver Mensch, der loßt mer doch die Leiwesruh nett um das Mädche; unn wanns uff mich akäm, ich gäb sem gleich!— Lola Montez schreibt in ihren Memoiren: Es gibt nichts Langweiligeres als zwei Verliebte. Es ist aller Grund da, anzunehmen, daß sie keine „Differentialköpfe“ gekannt hat. Schlammbeißer: Weißte aach, Canal— müller, daß die Lola Montez schon widder gehei— ratht hat? Canalmüller: mal isses awer nu? Schlammbeißer: Aich glaab's zehntmal! Canalmüller: No, da brauch ich de Hoffnung nitt uffzegewe, daß se noch e mol Madam Canalmüllern wärd! Hurrjesses! deß wievielt⸗ Alle Arten gestrickte Unterhosen und Jacken für Herren und Damen von 45 kr. an, frische Häringe und Gauslebern, Esquimo-Paletot, Haar⸗ lemer Blumenzwiebeln, gestrickte Polkajacken, Haar- wuchs⸗Pomade, halbgesottene Fastenbretzeln, neueste Damentaschen, Pelusche, Berliner Pfannkuchen, wollene Palatins, Paletot von Calmuk und Peau de lion von 7 fl. an, Rollkuchen, Ohrfeigen, wattirte Tuch⸗Bournusse, Wiener Theebrod, Schot— ter Wurst und sonstige Südfrüchte. Lich, Kirchenplatz Nr. 1315, zweiter Stock, hinaufzu. Dr. Seppl: Camisol, gehe doch heute Abend mit in Rappen, es kommen heute fast alle Blau— färber dort zusammen. Dr. Theophil.(Menschenfeind): Geh mir aus den Augen, Du mit dem Menschengesicht. Endlich, nach langem Widerstreben, hat sich meine Desdemona bereitwillig finden lassen, mir nach Cypern zu folgen. Othello Mohr, Das Deckelglas. (Mel. Stand ich auf einem hohen Berg c.) Stand ich jüngst auf der Badenburg, Say in die Lahn hinein, Sah ich ein Schifflein schweben wohl, Studenten sassen drein. Der jüngste, der darunter war, Hob auf sein Deckelglas, Thät mir damit zuwinken dann, „Leibbursch ich komm' Dir was.“ „Was thust Du mir zutrinken, Fuchs? „Was biet'st Du mir den Wein? „Weil ich Dir hab' sekundiret, „Muß ich in's Carcer nein.“ Des Nachts wohl um die halbe Nacht Träumt es dem Fuchs so schwer, Als ob sein theurer Leibbursche In's Carcer gangen wär! „Greth, wichs mir meine Wasserstiefel, „Mein Haupt ist mir so schwer, „Ich leerte oft mein Deckelglas, „Der Krug ging hin und her. „Mir träumt, ich hätt' gefangen g'seh'n „Unsrers Corps Zierd' und Stolz; „Er wollte nicht gern in's Carcer geh'n, „Der Arme hatt' kein Holz.“ Hin ging er in den Canzleihof. „Ruf mir den Krämer raus!“ Da trat der Careerdiener vor: „Mein Leibbursch komm' heraus.“ „„Wer in dem Career sitzet wohl, „„Darf nimmer, nimmer raus.“ „Darf meinen Leibbursch ich nicht seh'n. „So steck' ich an das Haus.“ Da kam Leibbursch gegangen wohl, In einem Rock so grau, Die Nase roth gefroren, ach, Das ganze G'sicht so blau. Er konnte kaum noch sprechen, Er heuchte nur bei Seit: „Hier oben bin ich erfroren,“ „„Leb' wohl in Ewigkeit!“ Er vor dem Carzer niedersaß, Und sah zum Fenster nauf, Versprang ihm wohl sein Deckelglas! Versprang ihm wohl sein Herz! Aus„Des Knaben Wunderhorn.“ Dreisilbige Charade. Die erste bläst aus 4 Himmelsgegenden, die zweite findet sich da, wo mehrere Flächen zusammen— stoßen, die dritte ist ein persönliches Fürwort, das nur der Grobe gebraucht. Das Ganze handelt bisweilen, wenn auch unglücklich, mit Butter. Allgeneiner Anzeiget. Kleider neue und alte, zum Verkaufen und Austauschen, habe ich in stets be— deutendem Vorrath. Hr. Frech, Schneidermeister, wohnhaft in der (1) Caplaneigasse an der Engel-Apotheke. Beltlade ven eichen Holz, schon gebraucht, steht billig zu verkaufen. Auf der Exped. d. Bl. zu erfragen.(4) (5) Ein junges, wohlerzogenes Frauenzimmer, sucht bei einer guten Familie einen Dienst und siebt mehr auf gute Behandlung als auf großen Gehalt. Zimmer an geräuschlosem Orte, mit a Aas Sopha, für einen einzelnen Herrn oder Frauenzimmer, billig zu vermiethen. Bei der Expedition d. Bl. zu erfragen.(6) (2) Hühneraugenpflaster, ein vorzügliches Mittel, diese unnöthigen Gewächse ganz auszurotten, mit Gebrauchsanweisung billig zu haben auf der Exped. d. Bl. Gel)! orten nach dem Frankf. Cours vom 23. Januar 1854. 2 Neue Louisd or f Pistolen m. 9 38 ditto Preuß.„ 9 58½—59½ Holl. 10 fl. Stücke.„ 9 41—42 Rand⸗Ducaten.„ 5 34—35 20 Frankenstücke„ 9 21—22 Eugl. Souvereinns.„% 11 43 kr. Gold al Mareo„„ 374376 Preuß! Thaler„ 1 45½/ 5 Franken Thaler„ 2 20—½ Hochhaltig Silber..„ 24: 30—32 Preuß. Cass.⸗Scheine.„ 1 45% ½¼ Nedaction und Verlag von C. Schild in Gießen.— Druck von H. Seriba in Friedberg— 4 4