da N Zweiter Jahrgang. Gießen, 2. Januar 1854. värtige können nur bei den nächsten Post⸗ in 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt. Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt 8 8 und Umgegend mie Bringerlohn monatlich 12 kr. 5 0 6 Einzelne Numern 2 kr. e 7 * Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch bonorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden wenn solche mit einer Franco-Marke versehen sind. Die Expedition ist Schloßgasse Litr. B. Nr. 3. Caspar's Liebe“)„Halt, Du hast eben den linken gefunkelt und bist„bet“ geworden. Du bekommst drei oder 5 5 Schwälbchen.“ Freunden und Leiden einer Universi⸗ 5 55 a tätsstadt. Der Anzug des auf diese Weise angeredeten Jünglings war wenige r modern, als rein gebürstet die edlen Glieder f i schlar ein tes Tr l. Werth haben 1 Denn er verrieth wenigstens 5 f ein stürmischer Novemberabend. Ein den größeren Theil der Gymnasiallaufbahn seines eisiger Nord pfiff durch die Straßen. Mit Schnee Eigeners mit durchlaufen zu haben, und schien von vermischter Regen schlug an die Fenster. Das guten und schlimmen Tagen erzählen zu können, . 5 Wetter war der Art, daß man keinen Hund so abgebürstet und schuftig sab er aus. Um den * hinausjagte. etwas fleischigen Hals schlang sich eine mehr baum⸗ 3 Nur trübe brannten die Straßenlaternen in wollene als seidene Halsbinde. Die Weste war der alten Universitätsstadt Schilda, denn die Gas- bis oben zugeknüpft— denn es war heute Sams- Kapiteln, frei nach dem Leben 2 . beleuchtung war noch nicht eingeführt. Der melan⸗ tag.— Doch funkelte durch die Knöpfe hindurch 1 cholische Ruf eines bellenden Hundes erschallte eine an der mehr antiken Wäsche befindliche ver— d durch die stillen Straßen der Stadt. goldete Vorstecksnadel. Vielleicht war er außer 5 Wir treten in eine bekannte und besonders den„Schwungs“ der einzige junge Mann in in neuerer Zeit häufiger besuchte Bierwirthschaft. Schilda, der noch eine Vorstecksnadel trug. Denn In der Einschenke befand sich des Wirthes älieste alte Sitten sind ehrwürdig. Das Gesicht war Tochter, ein hübsches Kind von circa 16 Jahren, nicht schön, eher häßlich zu nennen. Uebrigens so eben beschäftigt eine zweite Lotte ihren jüngeren stach die auffallende Blässe desselben doch nicht Geschwistern Butterbröder zu schmieren, die sie unangenehm gegen das sorgfältig gekämmte dunkle 2 dann sorgfältig neben sich auf einen Teller legte. Haar ab. Wenn er lachte, was freilich wegen Man konnte bereits 7 Stücke zählen. seines heutigen Peches im Spiele seltener geschah, Im Hintergrunde des Zimmers sassen mehrere so schien sein Mund bei den Ohren Vistte machen 85„ 2 3„„ f 0 ö Studenten. Sie rambschten. zu wollen. Finster und unheimlich rollten seine 3 f Augen in ihren Höhlen. *) Man bittet die Dichter,(wozu man aber Frau 1. 7 5 N 8 „ 1 a B Wenn es Gesichter gibt, mit denen man die 25 Birch⸗Pfeiffer nicht rechnet), welche diesen Stoff 8 5 15 a b e 0. 3 5 8 dramatisch auszubeuten wünschen, mit der Redac⸗ Pfalz vergiften kann, so gehörte sicher das dazu, 5 tion dieses Blattes in Unterbandlung zu treten. das der junge Mann heute Abend machte. Auf⸗ 0 2 merksame Beobachter würden seine Gestalt eher plumb, als schlank genannt haben. Kaspar war der ehrenwerthe Sohn gut erzogener Eltern. Seine Wiege stand in jener Stadt, von der schon seit Jahren die wenigsten und unfähigsten Corpsstudenten nach Schilda kom— men. Weiß der Himmel, ist der Geist, der am dortigen Gymnasium herrscht, Gift für die gute Milch richtiger Corpsprinzipien oder treibt ein neckischer Zufall sein loses Spiel; genug, die Stadt, die einst die meisten Rekruten zu dem herrlichen und geachteten Corps der R. geliefert hatte, stellt jetzt den in Schilda existirenden Corps nur noch ein schwaches und unbedeutenden Contingent. Doch es genügt zu bemerken, daß Caspar nicht dazu gehörte. Schon von zarter Jugend an, war er bestimmt, Theologie zu studiren. Sein Vater zeichnete sich durch weiter Nichts als durch die Geschicklichkeit aus, renitente Stiefel wieder zum Gehorsam zu bringen. Zu den be— sonderen Vorzügen seiner Mutter gehörte außer der Geschicklichkeit, mit der sie ihren Dienst als Hebamme versah), noch die besondere Vorliebe, die sie zu ihrem nichts weniger als wohlgewachsenen Sohne hatte, den sie immer nur„ihren kleinen Kaplan“ nannte. Der hoffnungsvolle Sohn schiffte an den Klip⸗ pen, die jeden Jüngling, der katholische Theologie studiren will,(Caspar war Katholik) bedrohen, glücklich vorüber und hatte endlich im Conviet Aufnahme gefunden. Aber seinem längeren Ver— bleiben in besagter Anstalt stellten sich Hindernisse entgegen, die mit der Gestalt unsrers Helden,(den man grade keinen Appollo zu nennen berechtigt war), in nicht allzuferner Beziehung standen. Uebrigens war Caspar's Abtreten vom Schau— platze seiner theologischen Wirksamkeit von selt— samen Umständen begleitet, die die Entfernung einger anderen Convictsmitglieder aus der Anstalt zu Folge hatten. Doch wir wollen den Talma— mantel christlicher Liebe über diese Vorgänge decken. Da Caspar kein Priester des Herrn werden konnte, so wollte er wenigstens Priester der Thennis wer— den, er ging nach Schilda, um sich dem jus in die Arme zu werfen. Es ist schon oben bemerkt worden, daß unser Held nicht die Reihen der in Schilda existirenden Corps verstärkte. Es ist nicht bekannt geworden, daß diese darüber in Sack und *) Und außer der Virtuosität, mit der sie Familien geheimnisse zu verbreiten wußte. Asche getrauert hätten. Er zog es vor, sich einer Gesellschaft anzuschließen, die größtentheils aus Landsleuten bestand, und die zwar auch Farben trugen, denen es aber nicht einfiel, auf diese Far— ben Satisfaction zu geben. Für was auch? Waren sie doch größtentheils friedfertige Leute, und selbst wenn es einmal Spektakel gab, so war es doch der„vernünftigen“ Ansicht nach klüger, eine Beleidigung ruhig einzustecken, als zu den Waffen zu greifen, wo der Ausgang noch so un⸗ gewiß war. Außer diesem Umstand, denn auch Caspar ging von dem Grundsatze aus: „Und Losgehen ist kein Kinderspiel,“ mochte noch eine andere Rücksicht unsern Helden bewogen haben, sich gerade dieser Gesellschaft an— zuschließen. (Fortsetzung folgt.) Verhandlung am verflossenen Spar⸗ kassezahltag in einer Residenz. Ein Bauer zu Sparkasse-Rechner: Rechelt mer e mol aus wäi väil mai Zinse unn die Til— gungsrente(statt Tilgungsquote) ausmache vo mei'm Käpidälge.. Rechner Becker: Wie groß ist Eure Kapi— talschuld und wie viel Ziele habt Ihr bezahlt? Bauer: Ers worn im Ofang 100 Gille unn jetzt hunn aich mei Sach 1Amol bezahlt. Rechner Becker zu Controleur Schmuhl: Wir haben demnach das 15. Ziel Zinsen und Tilgungsquote zu berechnen, sein Sie so gut und rechnen Sie mit. Beide fangen gleichzeitig mit der Berechnung an und nach geraumer Zeit fragt der Bauer: Nu, wäi väil duths aus? Controleur Schmuhl: Nach meiner Berechnung habt Ihr als 15. Ziel zu bezahlen 40 fl. 18 kr. Zinsen und 5 fl. 56 kr. Tilgung, zusammen also 46 fl. 14 kr. Bauer mit dem Fuß stampfend und laut aus- rufend: Ei wäi väil? Herr Schmuhl nennt noch— mals ganz deutlich die berechneten Summen, worauf der Bauer in der größten Wuth äußert: Ei, ders Ungleck unns Donnerwerrer, aich glawe Ihr seid narrigt! Rechner zum Controleur: Sie haben sich geirrt, Herr Schmuhl, so viel macht's nicht aus. Controleur wird roth wie e Krebs, er durchgeht mit einem ellenlangen Gesicht nochmals 0 ö — 3 5 14 3 seine Berechnung und erklärt hierauf: Es ist wahr, ich habe mich arg geirrt, ich habe statt 5 pCt. Zinsen 99 pCt. berechnet; die verdammten 99 pCt. wollen mir gar nicht aus dem Kopfe. Rechner zum Bauer: Sie haben zu be— zahlen 2 fl. 4 kr. Zinsen und 4 fl. 56 kr. Til⸗ gung, demnach zusammen 7 fl. Bauer mit zufriedener Miene: Doas loß aich mer eher gefann, doas ers ganz richtig.— Er bezahlt 7 fl. und entfernt sich. Auf der Treppe begegnet ihm ein Bekannter, welcher auch bei der Sparkasse Geschäfte abzumachen hat und zu diesem erklärte er: Hannes, drin setze zwa, däi hu's Polwer nitt erfunne, der Ahne rerchent se väil, der Anner se wink; der Contrallör wollt vo mer hawe 46 fl. 14 kr., der Rerchner nohts 7 fl., werklich hatt aich ze bezoan 8 fl., aich schwug awer stell unn hu däi 7 fl. bezoant. Der andere Bauer lachend:'s ers gaut, doß aich doas wahs, do will aich mer aach vom Rerchner mei Schold sesomme ziehe loasse. Beide tiennen sich. Auch eine Schlittenparthie oder Es wird nichts draus! In einer deutschen Universitätsstadt ereignete sich bei dem von den Göttern selbst für eine Schlit— tenparthie wohl arrangirten Schneefall folgender komisch-tragische Fall. Einer des Deutschen ohn— mächtiger Herr— irren wir nicht— aus der französischen Schweiz, lud eines Tages ein junges Frauenzimmer zu einer Schlittenparthie ein. Doch hatte diese unglückseligerweise noch drei mittelalter— liche Schwestern, welche auch mitfahren wollten“). Als nun der Herr mit dem Schlitten erschien, siehe da, es kam nicht blos der langersehnte Laub— frosch, auch liebliches Eidechschen genannt, was allein das Vergnügen theilen sollte.— Die Haupt— sache des tragisch-komischen Drama's, daß auch, stellt euch mein Entsetzen für, Spinne, Unke, Wespe kamen. Allein was meint Ihr wohl, was aus der interessanten Parthie werden sollte? der Herr sagte:„Wie? Sie alle Viere? Hab ik doch blos geladen Eine und swar die Kleine, um zu aben mein Vergnügen, kann ik sie doch nicht alle vier Stuh⸗k auf einmal laden in mein Schlitten! Kutscher ik fahr gar nitt!“ *) Erinnert stark an das bekannte Volkslied: Es war einmal ein kleiner Mann, he, Juchhe ꝛc. 23 Zustände. „O schwere Zeit der schweren Noth“ Hört man jetzunder klagen. „Schon wieder ist das Laibchen Brod „Zwei Heller aufgeschlagen.“ Curiosen Gang nimmt jetzt die Welt, Die Noth macht Jeden bangen, Wenn's Firmament herunter fällt, Ist aller Spatz gefangen. Die Gläubiger zerlaufen sich Die Stiefeln an den Sohlen; Die Schuldner beten innerlich: Der Teufel soll sie holen. Was quietschet das Professorlein? Was speit es Feu'r und Flammen? Ach Gott! Der kleine Mann hat rein Noch kein Colleg beisammen. Ein Doctor, dem's an Praxis fehlt, Hört Tritte auf den Stufen; Schon schmunzelt er; doch weit gefehlt, Kein Kranker läßt ihn rufen. Er ruft„herein“ mit froher Mien', Doch gleich d'rauf wieder fluchen; Es ist ja blos ein Freund, der ihn Ein Stündchen will besuchen. Der Flaus im Buffet trinket zwar Noch seine Kaffee Tasse, Doch zeigt uns deutlich sein Talar 's ist Manko in der Kasse. Der Käsbereiter macht im Grimm. Ein paar Familienspässe, Zuruckgesendet hat man ihun Die guten Tilienkäse. Umsonst barg er die Käse faut In quasi Abtrittsdeckel: Die Zeit macht auch dem Leckermaul. Fromage de Brie zum Eckel. Mit Wurstweck und dergleichen quält Vergebens sich Herr Ockel, Und dem Laternenmännchen fehlt Es gar an einem Rockel. Es schmilzt der Musensöhne Kern Im akademischen Lande, Gar im Verzeichniß prangt mit Stern Der Cäsar von dem Brande. Daß man den Liebig ziehen ließ, War auch ein schlimmer Handel, Zur Schau sich trägt, das ist gewiß, Nur noch ein Talmamantel. Manch Studio fluchet seinem Loos In Seiner Selbst Vertiefung: „Das Holz geht aus, der Durst bricht los“, „Und nächstens ist die Prüfung.“ Kein Füchslein trabet mehr einher In Koller und Kanonen; Man sieht, das Bürschlein trachtet sehr Das Wechselchen zu schonen. Wo sieht man edles Pfeifenrohr? Wo l(ölöth'ge Quasten? Die Knixer ziehen lieber vor, Mit Bruder Karl zu fasten. Der Bruder Wingolf allzumal Treibt's gar im Cubus billig Und füttert Abends ganz frugak Ein Butterbrod mit Millich. Die noble Welt, die haute volée Schleicht selbst in's Pfandgebäude, Nimmt Kaffee, Hammelfleisch und Ther Gelassen auf die Kreide. Dem Raucher still zu Herzen geht Der Theuerung großes Uebel Statt biederm Viertelpfundpaket Raucht er jetzt Waisenbübel. Die miserable Zeit sich weist Mit ihren Forderungen Sogar am dummen Plagegeist Von einem Bretzeljungen. F Der Dichter find't den ganzen Kram Trivial und unerquicklich, Kauft sich ein Räuschchen für den Gram Und denkt für sich ganz schicklich: Mich scheert nicht, gilt die Butter drei Oder 24 Kreuzer. Gerirte sich die Polizei Nur nicht so à la Schweizer. Bei aller Noth und Ungemach Bleibt nur der Leichtsinn oben; So lang es nicht an Bier gebrach, Muß Der die Zeiten loben. Komm, holder Bär! schwatz mir kein Blech, Laß dich nicht zweimal foppen! Der Theodor am Seltersweg Zapft noch'nen guten Schoppen! Der Bär in seine Tasche griff: „Herr Wirth! Nur gleich'nen Schimmel. Doch à propos! Für'n kalten— Vorerst ein Gläschen Kümmel!“ 3.— Auflösung der Charade 1. in Nr. 5 d. Bl. Waile f* Auflösung der Charade 2. in Nx. 5 d. Bl. „rannten 45 Allgemeiner Anzeiget. Kleider, neue und alte, zum Verkaufen und Austauschen, habe ich in stets be— deutendem Vorrath. Hr. Frech, Schneidermeister, wohnhaft in der (1) Caplaneigasse an der Engel-Apotheke. Frucht-Preise. Friedberg den 18. Januar 1854: Waizen 19 fl. 39 kr., Korn 14 fl. 9 kr., Gerste 11 fl. 7 kr., Hafer 6 fl. 1 kr.— Frankfurt den 19. Januar 1854: Waizen 17 fl. 23 kr., Korn 13 fl. 19 kr., Gerste 11 fl. 15 kr., Hafer 5 fl. 25 kr.— Alsfeld den 14. Januar 1854 Waizen 18 fl.— kr., Korn 13 fl. 15 kr., Gerste 10 fl.— kr., Hafer 5 fl.— kr.— Lauter⸗ bach den 14. Januar 1854: Waizen 19 fl. 30 kr., Korn 14 fl. 30 kr., Gerste 11 fl.— kr., Hafer 5 fl.— kr.— (2) Hühneraugenpflaster, ein vorzügliches Mittel, diese unnöthigen Gewächse ganz auszurotten, mit Gebrauchsanweisung billig zu haben auf der Exped. d. Bl. Geld Sorten nach dem Frankf. Cours vom 19. Januar 1854. Neue Louisd' or fl. 10 50 Pistolen„9878 ditto Preuß„ 9 58½= 59½ Holl. 10 fl. Stücke„ 9 41½—42½ Rand⸗Ducaten n 5 34 35 20 Frankenstücke„ 9 21—22 Engl. Souvereins.„ 11 43 kr. Gold al Marco.„% 374376 Ppeußh z Thaler W„, 5% Franken Thaler:„22 b Hochhaltig Sisbens Preuß. Cass.⸗Scheine.„ 1 45/5 ½ N 7 17*— 5. M 2 Redaction und Verlag von C. Schild in Gießen.— Druck von H. Scriba in Friedberg—