Zweiter Jahrgang. 2 41 95 L nnche. Gießen, 8. Februar 1854. Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Numern 2 kr. 1 11. Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt. Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch bonorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden wenn solche mit einer Franco-Marke versehen sind. Die Expedition ist Schloßgasse Litr. B. Nr. 3. B Da das Laternemännche nicht allein in Gießen, sondern auch in allen Städten der Provinz stark gelesen wird, so eignet es sich gewiß ganz besonders zu Annoncen. Nichtabonneten berechne. ich die gespaltene Zeile mit 2 kr., Abonnenten dagegen billiger. C. Schild. Caspar's Liebe oder Freuden und Leiden einer Universi⸗ tätsstadt. Novelle in 5 Kapiteln, frei nach dem Leben. (Fortsetzung.) Wahrlich, als Pandora ihre verderbenschwangre Büchse öffnete, da entstiegst auch Du, zum Schrecken der armen Musensöhne, mit Deinem entsetzlichen Begleiter, dem Durchfalle, unter andern Uebeln dem unheilvollen Gefäße und im Bodensatz blieb nichts zurück, als die Hoffnung— nochmal durch⸗ zufallen. Caspar war wirklich ein Pechvogel in des Wortes verwegenster Bedeutung. Der Becher der Leiden sollte ihm bis zum Rande gefüllt werden. Eines schönen Abends ging er aus, um zu suchen, was er verschlinge. f Denn es kam heute noch keine Idee von einer Speise über seine Lippen. Wie strahlte sein Auge, wie schwelgte sein Herz, wie knurrte sein Magen, als er im Zimmer eines seiner Landsleute einen noch nicht ganz ab⸗ genagten Solperknochen entdeckte. Aber wie fürchterlich sollte er enttäuscht werden. In demselben Augenblick, als er mit lüsterem Blicke die Hand nach dem Knochen ausstreckte, kam ihm der Hund seines Landsmannes zuvor 825 entwischte mit der kostbaren Beute unter das ett. f O unglückseliger, rastlos von der Tücke des Schicksals verfolgter Jüngling! Mit leerem Magen und bitterem Groll im Herzen über sein Mißgeschick wollte er nach Hause zurückkehren, als er ganz unschuldiger Weise in einen nächtlichen Straßenscandal verwickelt wurde. Ein forscher Fuchs hieb ihm nun 6 blutige ohne Mütze und Pauckhosen auf und Caspar nahm in der ersten Hitze die Forderung an. Caspar losgehen! Gerechter Himmel, hattest du denn keinen Strahl mehr, um jenen Ruchlosen in dem Augen- blicke zu zerschmettern, als er Casparn einen dum men Jungen aufbrannte. Caspar losgehen! O Ironie des Schicksals! Zwar hatte Caspar einmal einen Freund gehabt, der einmal einen Bekannten hatte losgehen sehen. Aber selbst losgehen! Und sich eine halbe Stunde lang den ver— nichtenden Blicken und der kalt mordenden Klinge eines erbitternden Gegners blosstellen. Das war zu viel von Caspar verlangt. „Süßes Leben, schöne freundliche Gewohn— heit des Dasein's, von dir soll ich scheiden,“ rief er begeistert mit Göthe aus. Wahrlich, alle bösen Geister der Verdamm⸗ niß umstanden dich, unglücklicher Jüngling und woben ein Netz um deine helle Sinne, als du in der ersten Aufwallung den lebensgefährlichen Kampf annahmst. N War es da zu verwundern, daß Caspar, der unter dem Drucke der Verhältnisse litt, wie Keiner, sich weit von Schilda weg, hinaus in's feindliche Leben sehnte, daß er wirklich„europamüde“ war; daß ihn ein tiefer„Weltschmerz“ darnieder beugte, und daß urmächtige Gedanken, wie„durchbrennen, westliche Hemisphäre, holländische Dienste, Frem⸗ denlegion“ sein Inneres durchkreuzten. a Der Verwirklichung ähnlicher Gedanken stand blos noch ein Hinderniß entgegen: Die Ebbe in seiner Kasse. Ach, auch sein Porte- monnai hatte beßre Tage gesehen, als es einst noch Kronenthaler und Guldenstücke in seiner seidnen Hülle barg. Doch diese hatten es längst wieder verlassen, um nie wiederzukehren. Nur ein Koburger Vögelsgroschen hielt treu und liebend bei ihm aus, so daß er selbst endlich das stolze Porte-monnai von einer so standhaften und stillen Liebe gerührt wurde. Ein Vögelsgroschen liebte So still ein Porte-m unai, Und wenn er es erblickte, Ward ihm so wobl, so weh. Und viele, viele Jahre Blieb er ihm tren und bold, Doch niemals sollt' ihm werden Der Liebe süßer Sold. In des Porte-monnai's Herzen Brennt nicht dieselbe Glutb; Ach, einem Kronenthaler War es allein nur gut. Es hatte eines Tages Nur flüchtig ihn geseh'n; Doch war's seit dieser Stunde Um seine Ruh' gescheb'n. Und nimmer kehrt er wieder, Den es geliebt so treu, Und einsam, unter Klagen Entfloh sein Lebensmai. Doch endlich es bemerkte Des Groschens stille Lieb'; Es sprach zu ihm die Worte Mit einem Blick so trüb: „Nur treue Schwesterliebe „Weiht, Ritter, Euch dies Herz; „Denn jede and're Liebe „Macht Kummer mir und Schmerz.“ Und nimmer ward sein Sehnen Dem Groschen so gestillt; Das Porte-monnai liebt ewig Den Thaler blank und mild. * 7. * Lumpiges Geld, an dir scheitern die stolzesten Plane der größten Geister; durch dich wird alles Erhabene in den Staub gezogen, wie schon Ernst Mahner sagt: Du oder vielmehr die Negatoin von dir macht die Wonnetrunknen so nüchtern, wie das Studium der unregelmäßigen griechischen Zeitwörter. Wo du fehlst, da schrumpft der Aetherstrahl der Genies zum Nachtlicht zusammen und Tausende, die sonst zu den Sternen des Nach— ruhms emporgeflogen wären, klopfen ihr Leben lang Chausseesteine. (Fortsetzung folgt.) Sehlagschatten aus dem Salon. (Fortsetzung.) Eine andere hiesige Verbindung war übrigens blos durch 2 Mitglieder vertreten, die außer für die Jungfrau Germania auch noch für andere Schönen zu glühen schienen, so rastlos verfolgten sie einige Damen mit ihren progressistischen Blicken. Der„Meerumschlungene“ schaute sich so neugierig um, als ob er noch nie einen Salon betreten hätte, während sein Verbindungsbruder sich mit mehr Sicherheit auf diesem schlüpfrigen Boden zu bewegen sich den Anschein gab. Zwar sind die Gelehrten noch uneinig, ob er sich mehr durch die Eleganz seiner gepumpten weißen Halsbinde oder durch die ungewöhnliche Größe seines Geruchsor— gans auszeichne; doch seine Virtuosität im Schneiden von Complimenten und Recitiren von ellenlangen Phrasen steht unzweifelhaft fest. Wahrlich wort— kargen und verlegenen Füchsen möchte ich wohl⸗ meinend rathen unter der„Aegide“ dieses blaßgelben Rheinländers den Salon zu betreten. Unlängst versicherte mich eine Dame steif und fest, es sei ihm auf dem letzten Clubball bei einer un— menschlich langen Phrase der Athem ausgegangen und er nur mit Mühe vom Erstickungstode erret— tet worden. Böse Zungen wollen zwar behaupten Du setztest die langen Complimente zu Hause erst auf, um sie dann auswendig zu lernen, doch tröste Dich, liebender und vielleicht auch geliebter Jüng— ling, mit den Worten des Dichters! Es sucht die Welt das Glänzende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen. Fortsetzung folgt.) Noch einmal Bauer und Schmuhl. Bauer: Aich hun fehr 900 Gelle Grond— stöcker verkahft unn wollt bei Ihm frege, ob Sei mer doas Kaafgeld abhannele wollte. Controleur Schmuhl!: Es geht nicht mehr gut, daß ich als Controleur der Sparkasse fernerhin mich mit diesen Kaufschillingshändeln befasse, um so mehr, als die Sparkasse jetzt Mittel hat, um selbst derartige Verträge abschließen zu können. Bauer: Dann will aich mich on die Spar⸗ kasseherrn wenne. Controleur: Das ist gar nicht nöthig, Ihr würdet vielleicht selbst Nichts ausrichten; es ist viel besser, wenn ich für Euch das Weitere be— sorge, geht Ihr nur in Gottes Namen nach Haus. Bauer: Hat dem Herrn Controleur recht herzlich die Hand gedrückt(ich sage nicht, daß er ihm Etwas in die Hand gedrückt habe) und ist in Gottes Namen nach Haus gegangen. Der Herr Controleur hat hierauf der Sparkasse das fragliche Kaufgeld verrathen, hat aber den Namen des Bauers nicht eher genannt, bis ihm 2 preuß. Thaler Makelgeld aus der Sparkasse bezahlt wur⸗ 1 den.— Es ist dies ein sichrer Beweis dafür, wie sich Herr Controleur Schmuhl ganz außetordentlich für die Sparkasse interessirt und ist mit Sicherheit anzunehmen, daß solche unter diesen Umständen in kurzer Zeit wieder ihren alten Ruhm erlangen wird. Der Ldgerdr. Feldkümmel hat ohnlängst ein arges Maulheur gehabt.— Er befand sich näm⸗ lich in Dienstgeschäften in dem Orte N... und als er gerade im Begriff war, in das Haus des dortigen Bürgermeisters zu treten, rutschte ihm ein Ziegel auf den Kopf, in Folge dessen er eine solche Hirnerschütterung erlitten hat, daß es ihm jetzt eben arg spukt; derhalben sogar auch alle menschen— ärztliche Hülfe täglich angewandt wird. Acht Tage später. Der Zustand des Mannes wird immer be— denklicher und ist das Schlimmste zu befürchten. —* Student(am Schreibtische sitzend und im Begriff für das Laternemännche Correspondenz zu machen).: No, e Persönlichkeit für's Laterne⸗ männche hätte mer schon, da ist d'r Schweinefried Schweppermann, en närrischer Schateker gibt's nett mehr. Awer waß schreibe mer jetzt übern enei! (besinnt sich) ich weiß uff Cerevies nett!(Besinnt sich wieder; nach/ Stunde) Ach, der Mensch iß zu dumm, über den kann en vernünftiger Mensch nir schreibe! 5 Forstcandidat!: Wen soll das Portrait, das Du du hängen hast, vorstellen?(liest) Lud⸗ wig Bö—ö—örne. Wer ist Börne? Jurist: Ei weißt Du denn das nicht, so hieß ja der letzte Revierförster von Zwingenberg. Forsteandidat(besinnt sich eine zeitlang): Das ist unmöglich. Ich weiß ganz bestimmt, daß Zwingenberg nicht zu den Orten in der Provinz Starkenburg gehört, wo sich der Sitz eines Revier— försters befindet. Uech kann düsem Oelsaamen nücht begreufen. Sogleuch ör für seunen Ball den Kündern unter zwölf Jahren dön Zutrütt verbütet, läßt ör doch Buben als Entreprönörs süch unterzeuchnen. Der deutsch Mann macht Alles vor'm Geld! Eun bekannter Ungenannter. Wenn Robert dör Teufel süngt: „Ja das Göld üst nur Chümäre,“ so üst ör meuner Ansücht nach eun Lügnör, üch habe vülmöhr dön Glauben und düs durch dü That bewüsen, daß üch Alles Andere außer Göld für Chümäre halte. Othöllo Mohr. Zu Vermessungen nach allen Dimensionen empfiehlt sich Geometer Häns in Lich. Viel von einem Häns, was wird der erst später noch als Hans leisten! Märzminister B. in L. ist von den in 1848 gehabten Anfällen so ziemlich geheilt, sein früherer excentrischer Zustand hat sich jetzt mehr in stumme Lethargie verwandelt. 10,000 Gulden werden demjenigen zu⸗ gesichert, der an meinem Sonntagsanzuge eine Falte entdeckt. Pennal, stud. jur. Am Schlusse der für einen Trödler so unan⸗ genehm ablaufenden Assisensitzung bat dieser die Richter, ihn doch mit Rücksicht auf seinen Ruf mit einer möglichst milden Strafe zu belegen. Es scheint nicht, daß der fragliche Verur⸗ theilte mit Maria Stuart ausrufen könne:„Ich bin besser, als mein Ruf.“ 4 2 Meine Herrn Richter, schenken Sie mir mit Rücksicht auf meinen guten Ruf mein Leben. Ein Mörder. Uech zweufle nücht, daß mür meune⸗Strafe erlassen würd und üch meunen guten Ruf auch ün Amörika verbreuten kann. Zwückauer. Frau H.! Es ist wirklich wahr, Frau R., Ihre fünf Fräulein Töchter haben sehr romantische Namen. Clementine und Adele sind allerliebst. Frau R.: Unter uns gesagt, wir hatten bei der Taufe auch schon etwas im Auge, die Herren sehen oft sehr auf schöne Namen, und denken Sie sich das Schmachtende—— Clementine —— Adele! Chor der zurückgetretenen medieinischen Candidaten. Im Examen aber ist's fürchterlich, Wir versuchen darum die Götter nicht Und begehren nimmer und nimmer zu schau'n, Was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grau'n.— Leise Anfrage. Helfen die Gebete so wenig im Examen, daß man zu den badischen Feldzeichen greifen muß? Ein Oestreicher betrachtete in einem Orte wo er einguartiert war, lange Zeit mit Verwunderung — 56— die Kirche und als er zu seinem Wirthe kam, sein Schild einen Christen, einen Juden und einen sagte er zu denselben:„J kann mich holts nitt ge. Türken malen, die gemüthlich einen Schinken ver— nug wundern iber ihr schöne Kirch, iß die hier speisten und dazu Wein tranken. Darunter setzte gebaut word'n oder in Kölln?“ er die Schrift:„Zum Toleranzel.“ Man weckte des Nachts einen einfältigen Telegrapische Depesche. dummen Menschen und sagte ihm, daß eben seine Abgegeb. in Lich d. 18. Febr., Mittags 3 U. 44 Min Mutter 1 sei. Er wälzte sich auf die Arge, in Gießen d. 18. Febr., Mittags 1 l. 1 Mu. andere Seite und sagte:„Ach Gott, was werde Einem Solperknochen nach zu urtheilen, den: N übe üb ei f„Hunser Cäsar eben bearbeitet, bleibt uns derselbe , erhalten; desto schlimmer scheint es jedoch mit 1 wache!“ N 5 Feldkümmels Kopfe zu stehn und vermuthet man, Das Wirthshausschild. daß derselbe Blasen habe. Hoffen wir das Beste! In Wien ließ ein speculativer Wirth auf. Trip 5—ĩ—— Allgemeiner Anzeiget. (10 Die concessionirte Agentur J. Laukert befördert Auswanderer über Bremen nach Amerika unter Zusicherung der billigsten Preise und reellsten Beförderung. Die Passagiere werden frei ab Gießen befördert und jedesmal bis Bremen begleitet. Auch können Wechsel vermittelt werden und ist stets amerikanisches Gold bei derselben zu haben. Gießen im Februar 1854. 1 id 1 neue und alte, zum Verkaufen und 43 kr.— Alsfeld den 11. Februar 1854 95 Kl K 1 Austauschen, habe ich in stets be- Waizen 17 fl.— kr., Korn 13 fl. 50 kr., Gerste deutendem Vorrath. 10 fl. 48 kr., Hafer 5 fl. 20 kr.— Lauter⸗ Hr. Frech, bach den 11. Febr. 1854: Waizen 17 fl.— kr., Schneidermeister, wohnhaft in der Korn 13 fl. 40 kr., Gerste 10 fl. 30 kr., Hafer (1) Caplaneigasse an der Engel-Apotheke. 5 fl.— kr.— (11) Der Unterzeichnete empfiehlt sich einem hie⸗ Geld S or teen igen verehrlichen Publikum als Leichenbesorger 5 5 5 ld e das Zutrauen, 19 955 man nach dem Frankf. Cours vom 16. Februar 1854. bei solchen Gelegenheiten in Personen setzt, nach Neue Louisd'orr.„fl. 10 50 strengster Vorschrift und pflichtgemäß würdigen wird. Pistolen„ 9 36/3—37½ inri 3 ditto Preuß;„19 122 Heinrich Eiff Hoff 0 st. Stücke„ a wohnhaft am Neuknpeg. Rand⸗Ducaten 3533 5 7 20 Frankenstücke„ 9 22½—23½, F 1 1 ch 1.5 P reise. Engl. Souvereigns..„ 11 43—45 Friedberg den 15. Februar 1854: Waizen Gold al Mareo..„ 374—376 17 fl. 45 kr., Korn 13 fl. 45 kr., Gerste 11 fl. Preuß. Thaler„ 1 45¾—46 — kr., Hafer 5 fl. 10 kr.— Frankfurt den 5 Franken Thaler..„ 2 20½—21 16. Februar 1854: Waizen 16 fl. 45 kr., Korn Hochhaltig Silber..„ 24: 3032 13 fl. 7 kr., Gerste 11 fl. 26 kr., Hafer 5 fl. Preuß. Cass.⸗Scheine.„ 1 46—/ Redactton und Verlag von C. Schild in Gießen.— Druck von H. Scriba in Friedberg.