Zweiter Jahrgang. nunche. Gießen, 7. Januar 1884. Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Numern 2 kr. Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt. Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch bonorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden wenn solche mit einer Franco-Marke versehen sind. Die Expedition ist Schloßgasse Litr. B. Nr. 3. Jehnsucht nach dem Urwald. Nach dem Urwald möcht' ich ziehen, Nach dem Urwald groß und behr, Wo den Studio nicht ausziehen Mannichäer, Hebräer. Im Urwald kannst aller Wegen Frei und frank du ziehen sort, Weil Philister nicht belegen— Am Gericht das Zeugniß dort. Nach dem Urewalde lodert Eine heiße Flamm' in mir, Weil der Speiswirth dort nicht fordert Jeden Monat Geld von dir. Nach dem Urwald, kühl und windigt Zieht es stark mich armen Lump, Weil kein Kneipwirth dorten kündigt Unbarmberzig mir den Pump. In dem Urwald hehr und duster, O, wie schön muß da es sein, Wo uns kein verdammter Schuster Kann die Stiefel halten ein. Nach dem Urwald geht mein Streben, Fasset mich ein Sehnen lind, Wo die Hirsche, Bären, Löwen, Nicht so wild als bei uns find. Wo so mild die Lüfte kosen, Nach dem Urwald' streb ich an, Wo man mit zerriss'nen Hosen Durch die Straßen laufen kann. O, wie herrlich muß das Leben, Wie schön in dem Urwald sein, Wo's kein saures Bier soll geben Wo man trinkt keinen Clubbwein Nach des Urwalds dunklen Zellen Fast mein Herz in Sehnsucht bricht, Wo man niemals Frigatellen Zweimal in der Woche kriegt. Ach, es ziehet mich zur Stunde Nach dem Urwald ohne Rast, Wo nicht um die elfte Stunde Uns die Polizei abfaßt! In dem Urwald kann man lachen, Wobei hier das Herz uns bricht, Weil man dorten brauch zu machen Kein Examen niemals nicht. Auch braucht Keiner sich zu schämen, Wenn er in dem Urwald ist, Wenn er einmal im Examen Schmählich durchgefallen ist. Ach, es zuckt mich an den Sohlen Nach des Urwald's Dämmerlicht, Wo uns kein Pedell kann holen Auf's Univers'tätsgericht. 5— s— 2 0 3 Ach, nach jenen Regionen Fasset mich ein Sehnen heiß, Wo von Relegationen Man don Carzer noch nichts weiß. Ach, in milden Sommertagen Wär' der Urewald mein Stolz, Wo mich nimmer kann verklagen Ein Germane wegen Holz. Ach, die Luft in jenen Auen, O, wie labend muß sie sein, Wo kein Markomann zu schauen, Wo die Straßen sind so rein. Wo nur des Papagei's Stimme Durch die stillen Wälder tönt, t Wo noch nicht im düstren Grimme Sich nur paukt der Corpsstudent. Wo noch nicht Pedelle springen Wenn der Schlägerkorb erschallt, Wo noch nicht Choräle singen Wingolfiten in dem Wald. Wo noch nicht die Bummelblasen Ueppig wie in Gießen blüh'n, Wo noch nicht so viele Hasen Vor der blanken Klinge fliehen. Nach dem Urwald möcht ich ziehen, Wo man prächtig die Natur Sieht im Farbenschmucke glühen, Wo von„Bixie“ keine Spur. Wo man bringt noch keine Ständchen Ach, bei Butzbacher Musik, Wo noch kein„Laternemännchen“ Alles sieht mit spött'schem Blick. Nach dem Urwald geht mein Träumen Nach dem Urwald, groß und hehr; Dort in jenen bunten Räumen Fürcht' ich dieses Blatt nicht mehr! In M. lebte eine den Spottnamen Gräfin Pferde und Wagen zu angesehene Frau, welche H. führt. Dieselbe hält ihrem Vergnügen, wozu sie zwei Geschirre besitzt, ein plattirtes für den Tag und ein gewöhnliches für die Nacht. Eines Nachmittags wollte sie ausfahren; der Kutscher 18 war bereits mit dem Anspannen fertig, als einige Tropfen Regen den Tag trübten; aus Furcht es könnte dem guten Geschirre Schaden zufügen, rief sie sehr besorgt aus dem Fenster in den Hof: „Johann! seht ihr denn nicht, es fängt schon an zu trippeln, bringt doch das Nachtgeschirr!“ Unterzeichneter bittet hiermit ein schreiblustiges Publikum, daß es, wenn ich mich auch nicht mehr in der Metropole des Wissens befinde, sich nicht dadurch abhalten lassen soll, mich in dem neuer— standenen„Laternemännche“ ebenso wie in dem alten durch Lied und Prosa zu feiern, da ich natürlich auf ein Blatt wieder abonnirt habe, in dem ich zuerst einem größeren Publikum bekannt, ja zu einem Namen gekommen bin. Lecor. Ein Junge hatte ein Hufeisen gefunden und zeigte es freudig seinem Vater, der fast seine ganze Habe versoffen hatte. Derselbe gab auch seine Freude darüber zu erkennen, klagte aber auch gleichzeitig über arge Leibschmerzen und ging im Zimmer auf und ab die Hände anf den Leib hal— tend.„Ich merk's wohl!“ sagte der Bube,„gelt! Ihr wollt mer das Hufeise aach noch versaufe!“ Ein Junge saß auf einem hohen Baume während eines starken Gewitters. Der Vater rief seinem Söhnchen zu:„Hannesche, so komm doch herunner,'s donnert ja immer ärger!“„Ei,“ rief das Hannesche,„ich kanns doch hei owe besser höre, wei da drunne!“ i (Augsburger Tageblatt.) Bei der un⸗ längst in hiesiger Gegend abgehaltenen Bauernjagd, wurden folgende Stücke wirklich erlegt: 4 Geisen, 1 Bock, 3 Füchse, 2 Haasen, 11 Hühner, 3 Katzen, 14 Tauben, 3 Dachshunde, 8 zuͤhme Enten, 1 Haushahn, 1 Grenzsäule und 2 Ortstafeln. Nur angeschossen wurden: 1 Metzgerknecht, 4 Schützen, 4 Bahnwärter, 2 Dienstbuben und 1 Gemeindediener— (Annaberger Wochenblatt.) Als ich am 19. dieses, am Mittage nach dem Brandun— glücke, noch zuletzt mit den Meinen und der geret⸗ teten Habe an der Brandstätte ohne Obdach stand, nahm uns der Mühlenbesitzer, Herr Carl August Lötsch, in seine Wohnung und wegen beschränkten Raumes noch andere gute Freunde unser Vieh u.. w. auf. Im Dresdener Anzeiger wird für eine Familie auf dem Lande ein„geistreiches“ Stubenmäd⸗ chen gesucht. Ein kleiner Assessor war mit dem Actuar auf dem Lande bei einem Bauer wegen eines Inven⸗ tars sehr beschäftigt und als sie so weit fertig waren und die Papiere zusammen machten, hatte der Bauer sehr vorsichtig ein Würstchen eingewickelt und sagte zu dem kleinen Assessor:„Klahner da, weil De so fleißig geschriwe host, nemm Deim Votter doas Wärschtche mit.“ Ein junges Mädchen, welches darin geübt ist, Zöpfe zu drehen, wünscht beschäftigt zu sein. Die Rechtskandidaten(Softa's) in Konstan⸗ tinopel haben einen Aufstand erregt, wie man sagt, aus Unmuth darüber, daß der Divan sich zum Frieden neige. Diese Bewegung scheint sich den Rechtskandidaten in Gießen mitgetheilt zu haben, denn auch unter diesen will man kurze Zeit nach⸗ her eine heftige Aufregung bemerkt haben. Auch hier soll der Grund der Aufregung darin zu suchen gewesen sein, daß der Kampf, in dem es sich um ihr Sein oder Nichtsein handelt(das Examen) noch hinaus geschoben werden soll. Doch wäre das Gefühl eher ein freudiges, als ein schmerz⸗ liches zu nennen gewesen. „Unser Wissen ist Spickwerk,“ rief ein Can⸗ didat der Mediein seinem Nachbarn zu, als er noch vor Glockenschlag seine Spicker in Ordnung brachte. Ein Urkopf, der entrüstet neulich unsere Stadt verließ, ist bereit, dieselbe wieder zu be⸗ treten, wenn deren Einwohner ihm mit einem „persönlichen Schutz“ entgegen zu kommen, sich bereit erklären. Gartenwirthschaft. Herr Meyer(aus Franksurt): Kellner, bringen Sie fünf Fußbänkchen für die Damen, ein Glas Wasser und die Seitung. Kellner: Sie befehlen doch ein Glas Zuckerwasser? Herr Meyer; Ach, was Zuckerwasser! den Zucker haben wir mitgebracht. Unterofficier: Müller, woran erkennen Sie Ihren Premierlieutenant? Müller: An dem viereckigten Glas, welches hä immer in's Oge steckt. Bei der kirchlichen Gedächtnißfeier für den seligen König von Sachsen redete ein Kanzelredner in Meißen die vorzüglich aus Beamten, Com— munalgarde und Officianten der dasigen Königl. Porzellan-Fabrik bestehende Versammlung folgen⸗ dermaßen an:„Tiefgebeugte Leichenversammlung! Niedergeschmetterte Porzellan- Fabrik! Trauriges Militär!“ Neulich bei einem nächtlichen Straßeuseandal gebrauchte ein ausgetretener Fuchs seinem Wider⸗ sacher gegenüber die Worte: Gehen Sie los! Nicht wenig war aber der Renonge a. D., der das Wort„losgehen“ in der Bedeutung von „weggehen“ gebraucht hatte, verblüfft, als ihm die Worte entgegen tönten!:„Ja, ich gehe los auf jede Forderung hin, die Sie mir stellen. Aber Sie scheinen mir gerade Derjenige zu sein, der sich etwas vor der blanken Klinge fürchtet!“— Uech begreufe nücht, daß düser Schnöb nücht schon früher geschmolzen üst, da du Stadt Güßen doch müt„Wolkenbrüchen“ so söhr gesögnet üst. Den 9. Januar 1854, Zwickguer. Schlammbeißer. Gihste heint Owend mit in's, Thiater, Canalmüller? Canalmüller. Ich kann's noch nitt gewiß sahn, waß werd dann ufgefihrt? Schlammbeißer. Ach e gar ze schö Stickelche, der häusliche Zwist! Canalmüller. Daß Stickelche kannste alle Dag bei mir seh unn soll Dich gar nix koste. Odder komm emol de nächst Woch zou mer, de 27. Januar. Schlammbeißer. No, waß iß da der— mehr? Canalmüller. Do feier ich mit meiner Frah de dreißigjährige Krieg. Schlammbeißer. Wie kimmste dann dazou? Canalmüller. Will ich Der sahn. Ich war grad 25 Jahr mit meiner Frah verehlicht, fängt se uff ahnmol an unn säht: Hammelcher, merkste dann nix? Na, saht ich. Ei, säht se: Heint seins agrad 25 Jahr, daß mer sei kopulirt worn, wolle mer de silwern Hochzeit feuern! Do hoste recht, sahr ich, awer mer wolle noch finf Jahr warte, unn kenne mer dann de dreißig⸗ jährige Krieg feiern, damit warsche dann aach eiverstanne. Schlammbeißer. Deß iß awer doch aach ganz natürlich, es gitt ja in anem Kosteuff— wand hin! Charaden. 12 Die erstere zeigt eine enge Straße und zugleich das an, welches den ehrlichen Namen eines Wanderers vechtfertigt, die zweite und dritte Silbe drücken mit einem Zeitwort die erste, ursprüngliche Bewegung des Wassers aus, das Ganze sind gewisse Schriften, die durch Lan⸗ desgesetze verboten find. 2. Ein Mädchen kann mein Erstes, mein Zweites und mein Ganzes sein. Aber mein Erstes nur bis zum Trau⸗ altare, mein Zweites nur bis zur Hochzeit. und mein Ganzes nur einen Tag. Allgemeiner Anzeiger.“ Kleider neue und alte, zum Verkaufen und 1 Austauschen, habe ich in stets be⸗ deutendem Vorrath. Hr. Frech, Schneidermeister, wohnhaft in der (1) Caplaneigasse an der Engel-Apotheke. Jämmtliche stenographische Berichte (3) des deutschen Parlaments, in 9 Bänden, sind billig zu verkaufen, sowie Gießener Anzeigeblätter von den Jahrgängen 1848, 1849, 1850 und 1851, in 4 Bänden, und Friedberger Intelligenzblätter von ven Jahrgängen 1844, 1845, 1846, 1847 und 1848, in 5 Bänden. Wo? ist zu erfragen auf der Exped. des„L.⸗M.“ (2) Hühneraugenpflaster, ein vorzügliches Mittel, diese unnöthigen Gewächse ganz auszurotten, mit Gebrauchsanweisung billig zu haben auf der Exped. d. Bl. Geld- Sorten nach dem Frankf. Cours vom 16. Januar 1854. Neue Louisd' un. fl. 10 50 Pistolen„ een ditto Preuß.„ 9 58½—59½ Holl. 10 fl. Stüfnte.„ 9 41½—42½ Rand⸗Ducaten„ 5 34-35 20 Frankenstücke„ 9 2021 Engl. Souverei ns.„ 11 43 k. Gold al Maro„ 374376 Preuß. Thaler„ 1 45/8./ 5 Franken Thaler% 2 20—½ Hochhaltig Silber..„ 24: 30—32 Preuß. Cass.⸗Scheine..„ 1 45/8— ¼ Redaction und Verlag von C. Schild in Gießen.— Druck von H. Seriba in Friedberg.