der Aubwigs⸗Universttät Sießen D 75 2 C a 8s Laternemännche. Zweiter Jahrgang. Gießen, 14. Januar 854. Erschelut wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mir Bringerlohn monatlich 12 kr, Einzelne Numern 2 kr. 1 2* Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche ö Postaufschlag eintritt Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden wenn solche mit einer Franco-Marke versehen sind. Die Expedition ist Schloßgasse Litr. 8. Nr. 3. Auch drei Worte des Glaubens. Drei Worte nenn' ich euch, inhaltschwer, Sie gehen von Mund zu Munde, Doch stammen sie nicht von außen her, Das Herz nur gibt davon Kunde. Dem Studenten ist sein Werth geraubt, Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt. Der Student ist durstig, durstig Und würd' er im Biere geboren, Und fluchen hört man ihn fürchterlich, Wenn das Bier noch nicht ausgegoren. Vor dem Getränke, wer es auch immer gebraut, Nenn' mir den Studio, dem es davor graut. Und das Examen, es ist kein leerer Schall, Der Student kann's machen im Leben, Sollt er auch durchfallen, mehr als einmal, Er kann nach dem Göttlichen streben. Und was dem Gescheid'sten oft nicht gelingt Meisterhaft ein Eselsgemüth vollbringt. Und im Carzer ist, die Nemesis lebt, Wie auch der Studirende murre, Dicht hinter ihm wie sein Schatten schwebt Mißtrauisch immer ein Schnurre. Und ob Alles im ew'gen Wechsel kreist, Der academische Carzer ist nie verwaist. Die drei Worte bewahrt euch, inhaltschwer, Sie pflanzet von Mund zu Munde, Und wollet ihr es nicht büßen sehr schwer, Wiederholet sie von Stund zu Stunde. Dem Studenten ist all sein Werth geraubt, Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt. Wie Mergel-Fratel vn Prarebach duht seiner Memme eppes erzäile vun de grouse Lustbarkeit, welche am Schabbes iß su Stande gekumme su Gladebach. 's iß emol de Wahrheit Memme, as sin un⸗ sere Leit vun de grouse Nazeon, wennte emol gervient(gesehe) häst, waß sich unsere Leit hewe fir ä Bläsir gemelochent(gemacht) am Schabbes uff de Ball bei Gaschtwird Blid. De mußt d'r nitt denke, Memme, as mer hätte gedanzt in a Stupp? Na es wohr en grouser Sahl mit'm ver— guldene Krunleichter uff wilchem, wahß ich's, wie viel Lichter gebrennt hu? Dann mer hewe als rund rim gedanzt unn do hott mer gemahnt der Krunleichter deht sich aach mit herim holchene (gehen).— Routh emol wie vill Musikandches dou gewiese sei? Daß glaabste de aach nitt, daß acht Musikandches uff der Musik gespielt hewe unn hott aner gebout(erhalte) en Chereserat, nemm emol ahn, waß deß Koschte gegiewe hott, wemmer awer aach dra denkt, waß de acht Schnerz fehr e scheine machoure Mussick gemolochent hewe, do vergißt mer all' dei neie Daler unn mer mahnt 's Herz welle ahm bleite giehn.'s wahr e grouse Versammling vun e Susammelaf vun der Jüdisch— keit unn sinner dou gewiese vun weit unn breit de junge Leit—'s Schmulche unn der Itzig vun Weisel sinn aach dou gewiese, aach war's, Afromche vo Keringshause unn der Jekoff vo Zwiewelfeld aach derbei, hott mer awer kahner . besser gefalle as der Itzig vo Weisel, der hott aach. — am merschte mit mer gedanzt unn hott mer vill Charosches(Neues) erzäilt vun sei grouße Mase— matte as er duht betreiwe mit Frichte unn Chore (Waare) unn hott mer gesagt, as er wellet giewe noch en Kouzen(Reichermann), wann Gott wellet, 's fehlet ihm awer in dem Aageblick noch Eppes, unn wann er das su sagte, dann roiente(sah) er mich su mitt seine zwa scheine große, schwarz— funkliche Aage vun d'r Seit ahn, as wenn'r mich uffsinkele wellet unn drickt mer derbei allemol su hart die Jad(Hand) as ich hätt mege fir lauter Vergniglichkeit dem Itzig uffem Hals springe.— Hernochend, waß mahnste Memme, waß Itzig gach mer hott gesacht, er hott mer eppes gedivert in's Ohr, ich sellet emol e lanig mit'm geih in e anner Simmer, wou mer wellte schaskene e Schälche Schogremaium, da hew ich gesacht,'s Saarche sellet aach mit geih, weil ich mahnet, es wäret nitt ahständig elanig mit'm Itzig ze geih; hott'r mer aach versproche's Saarche se houle. Wei mer nou im Simmer ware, mahnt der Itzig, 's wär doch scheiner in der Allanigkeit, mer wollet elanig bleiwe. Anfänglich warsch aach recht schei wei mer aus dem Staab unn dem Getös e seit— lang war'n unn ruf ich dernachend's Saarche, asses aach e Schälche trinkt. Wei de Blosing widder is angange, sei mer susamme im Saal unn hewe gedanzt,'s word mer awer ganz schwinnelich, ich glaab der Schogremaium war su stark! Memme.— Ich sag d'r oser, verzähl's dem Ette nitt, as'r dich dorch die Wände werft, as dersch noch emol schwinnlich werd. Beide aus einem Stoff. g Peter: Mouschelche, haste mir das besorgt 20 Mouschelche: Ach verzeihe se, ich hab's vergesse. Peter: No de bist doch en wahrer Lump! Mouschelche: Peter, ich seh de bist doch aach kah Papier? Diensteifer. Scholly! Der gnädige Herr hat mir, seinem Bedienten, aufgetragen, Dir strenge zu beaufsich⸗ tigen, dieweile es sich nicht schicken thut, daß ein Hund aus'nem gräflichen Hause sich mit allerhand Gesindel, wie Pudels, Spitze, Bommern und Möpse ꝛc. ꝛc. herumtreibt! Wenn Du also das Verhältniß mit dem Bäcker seinem Caro nicht auf— 5 1 1318 giebst, sehe ich mir gedrungen, den gnädigen Herrn auf der Stelle darauf aufmerksam zu machen. Dies merke Dir für die Zukunkft! Danksagung—⸗ (Fränkischer Courier.) Ehre, Dank und Recomedation! Dem unermüdlichen Arzte und Naturforscher, Herrn Dr. Kruselmair(nicht zu verwechseln mit Kreit-, Birk- oder sonstigen Maier'n) der mich binnen 14 Tagen von einem Zahnweh befreite, das mich dem Grabesrande ge— nährt hatte; ich kann die neue Methode, nach der er ohne Arznei oder Operation corirt, nicht genug recomediren. Indem ich hiermit dem gescheuten Arzte meine Schuldigkeit abtrage, wünsche ich, daß er gute Geschäfte machen möge, und empfeble mich zugleich dem verehrten Publikum als Handschuh⸗ Wäscherin ohne Geruch. Nürnberg den 29. Mai 1853. Doris Heuberger. Der Rockflicker. Zetzt sind uff meim Rock bald mehr Plackt als usssder Landkart von Deitschland. Daß wäß awer aach ka Dunnerwetter nitt, alle Ageblick duht sich so e kleines Färschtenthum„Reiß“ uff, unn wann nitt bald e Großmacht kommt, die mer die klahne mit sammt de freie Städt unner ihren Schutz nimmt, so löst sich die Verfassung überall noch ganz unn gar uff!“ ö Der schristliche Wunsch. Im Halle'schen Courier spricht eine Gemeinde ihren Dank gegen die Aachen-Münchener-Feuer— versicherungsgesellschaft für eine von derselben zum Geschenk erhaltenen Feuerspritze aus, mit dem christlichen Wunsche, es möge diese Spritze recht oft in Gebrauch genommen wer— den.— Auch nicht übel; es fragt sich aber, ob dieser christliche Wunsch mit den Wünschen einer Feuerversicherungsgesellschaft sich vereinigen dürfte. Die Courage⸗ Ein sonst sehr munterer Jude kam ziemlich still und niedergeschlagen zum Gastwirth Weck nach Hungen. Dem Gastwirth fiel dies auf und sagte zu dem Juden: Nun warum so still, Salme, du warst ja sonst so munter, ist dir die Cpurage — gefalle. nah! sagte der Jude, daß ich noch mehr Courage hab' wie Sie, will ich Ihne zeige unn en Weck esse. Nu esse Sie mer awer emol en Judd.“ Komische Einfälle. Ein Bauer kam an das Landgericht zu 8 Der Landrichter, ein sehr verwachsener kleiner Mann saß auf einem Stuhle und der Bauer mußte unaufhörlich lachen. Was lacht Ihr? fragte der Landrichter. Der Bauer schwieg ganz still. Nun sagt's nur, es soll Euch durch⸗ aus nichts geschehen, wiederholte der Landrichter. Hierauf sprach der Bauer:„Ei He kimmt mer grod vehr, als wann en Froosch uffer Scholl sitzt.“ —** Ein Superintendent fragte bei einer Schul⸗ visitation auf dem Lande:„Kinderchen, sagt mir einmal, warum bin ich eigentlich hier?“ Ei, rief ein Junge eilfertig, wann Ihr auer elf Gulde hott, dann gitt Ihr widder weider! Ein Mann kam etwas sehr, stark angerissen von der Badenburg und wollte nach H mer brachte seine Tour aber nur bis auf seinen Acker, den er unterwegs liegen hat, Daselbst ließ ei sich ermüdet nieder. Es folgen noch mehrere Leute nach und wollen den Müden mitnehmen. Allein dieser schreit entsetzlich:„Laßt mir gehen! ich wälze mir hier in meinem Vermöögen! Dieser Acker kost mich dreihondert baare Golden und da will ich ihn auch in der Art genießen!“ An der Pumpe. Fisbeth. Greth, wie viel hatt ihr in dem Korsch inleihe? Greth. Waß dann? Lisbeth. Sturrente? Greth. Veier unn noch so en Klahne, ich glaab, deß iß awer en Sohn von dem ahne Ahle. Lisbeth. Ums Gottswill, ich hunnere drei unn wahß mit dene nitt fertig ze were, da iß ahner derbei, der mecht mer ferchterlich ze schaffe, der kimmt nitt annersch hahm, als des Nachts unn fieht aus, als wann er en Feuerlafer wär. Greth. Waß sturirt dann der? Lisbeth. Ich glaab als Flurschütz odder Feldmesser. =* G reth. No do kann mersch em aach nit so iwel nemme. Welche sei Dir am Liebste Greth, die Ruthkappe, die Weißkappe odder die gräine? Lisbeth. Ach, nach de Kappe guck ich nitt so genah, wann bei mir ahner en orenliche Mensch iß, dann behannel ich en aach dernach; siehste so sein ich! Hoppesack. Wie verhält sich das, Lösch⸗ brand, mer sieht gar kahne Rothkappe mieh uff der Polwermihl? Da iß e ganz anner Sort Leit, die ihr Nidderlag da hawe, waß sein das aigent⸗ lich fehr Leit? Löschbrand. Wie ich vernomme habb, so hawe die den Grondsatz, die Corpsstudente zu verrungenire unn e besonnere politsch Dendenz, se wolle nemlich wei onsre ahle Borscheschäftler Kaiser unn Reich widder herstelle unn schwärme fehr die Jongfer Germania. Hoppesack. Waß iß daß fehr e Jongfer, wo dient dann die? Löschbrand. Ach, daß iß ja so nitt! De host doch die goldlockigte Jongfer, die in Frank⸗ fort im Parljement abgemählt war unn uffhing, gesehe? die isses. Hoppesack. Also die Leit sein politisch, mir komme se nitt so fehr! Unn die Corps ver— rungenire, Hurrjesses, deß mag gach e schene Ar- weit gewe. No, waß sein daß vor Leit, mit de schwarze Koppdeckel vo Manschester? Löschbrand. Die hawe nu den gute Grondsatz,'s Christenthum unner de Sturrente ze renovire unn dem Ernst Mahner(Bruder Carl) zor Hand ze geh, von wege der Mäßigkeit: die drinke beim Commersch Kaffee, deßhalb ließ ja der J. die große Dampfmaschin komme! Hoppesack. O weh, mei arm Frah!'s Brod iß fast nitt ze kahfe, dann schlägt der Kaffee aach noch uff? Löschbrand. Do kannste Gifft druff nemme. Se hawe en Jingling, der sich e mal vergesse unn drei Schoppe Bier getrunke hott, ausgerott'. Hoppesack. Dann machese gach kahn Bier⸗ brauer reich? Löschbrand. wirth glücklich! 5 Na, awer doch die Kaffee- In einer Gesellschaft wurde behauptet, daß der Buchstabe x ganz überflussig in der deutschen Sprache sei. Das sei nicht wahr, sagte ein Oestreicher, der Buchstab iß holts gar mitt zu entbehren, dann wie wollt mer sonsten xegentmahl— zeit schreiben? Michels Neujahrsbetrachtung. (Verspätet.) Man wünscht sich oft ein gutes Jahr Und nehm' einander gern beim Haar, Der Mund sagt: Gott erhalte dich Doch störbest du, das freute mich, So denkt das Herz, Der Wunsch ist Scherz; Doch muß das Gratuliren sein, Wer's überging, wär' ja nicht fein. Zum Vater mit dem grauen Haar Sagt: Geb euch Gott ein gutes Jabr Der Sohn, und leis' sagt er zu sich Ach holte doch der Sand.... dich, Der Mund spricht recht, Das Herz denkt schlecht, Doch muß das Gratuliren sein Kein Mensch sieht la in's Herz hinein. Gott geb' euch Heil im neuen Jahr, Mach jeden Wunsch an euch heut wahr; Spricht dort die Tochter süß und warm Zur Mutter, doch daß Gott erbarm— Schön spricht das Kind, Doch nur in Wind, Das Gratultren muß mal sein Und war es auch nur blos zum Schein. 16 Beglückt sei dir das neue Jahr Sagt dort sich selbst ein Ehepaar, Doch jedes denkt ir seinem Sinn Gingst du doch bald zum Grabe hin; Die Frau liebt nicht, Der Ehemann spricht: Das Gratuliren muß doch sein, Wär es mir auch die größte Pein. Dem Freunde streckt im neuen Jahr Der Freund zwar seine Hände dar; Erhalt' dich Gott gesund und froh, Doch ach, das Herz denkt nicht also, Selbst Freundschaft sinkt, Wenn Vortheil winkt, Doch muß das Gratuliren sein, Man muß den Tag den Wünschen weih'n. Geschwister herzen inniglich Am ersten Tag des Jahres sich, Gott reich dir Bruder, Schester dar Was immer lieb und theuer dir war, a Wie schön klingt das, 9 Doch wißt ihr was, ö Das Gratuliren muß halt sein Sei auch die Liebe winzig klein. Käm doch die Mode aus der Welt Die sich so lange schon erhält Zu wünschen Andern Glück und Heil Nimmt selten doch das Herz d'ran Theih, Was nützt auch das Sagt mir ach was! Laßt doch das Gratuliren sein, Das Ding ist jämmerlich gemein! N. — (9 — 5—.—* Allgemeiner Anzeiger. Kleider neue und alte, zum Verkaufen und 10 fl.— kr., Hafer 4 fl. 48 kr.— Lauter⸗ Austauschen, habe ich in stets be- bach den 7. Januar 1854: Waizen 18 fl. 30 kr., deutendem Vorrath. Korn 13 fl. 25 kr., Gerste 10 fl.— kr., Hafer Hr. Frech, 4 fl. 30 kr.— 5 Schneidermeister, wohnhaft in der Caplaneigasse an der Engel-Apotheke. Geld 8 ger teen 20 Hühneraugenpflaster, nach dem Frankf. Cours vom 12. Januar 1854. ein vorzügliches Mittel, diese unnöthigen Gewächse Neue Louisd'oerr fl. 10 50 ganz auszurotten, mit Gebrauchsanweisung billig Pistolen„ zu haben auf der Exped. d. Bl. ditto Preuß. 943758 ö 1 Holl. 10 fl. Stücke„ 9 41½—42½ 7 Frucht; Preise Rand⸗Dutaten„ 5 34.35 5 3 Friedberg den 12. Januar 1854: Waizen 20 Frankenstücke.„ 9 19—20 5 19 fl. 30 kr., Korn 14 fl. 20 kr., Gerste 11 fl. Engl. Souverei ns..„ 11 43 k. 1 — kr., Hafer 5 fl.— kr.— Frankfurt den Gold al Mareooo„% 374376 0 11. Januar 1854: Waizen 17 fl. 26 kr., Korn Preuß. Thaler„ 1 45½.—% ö ö 13 fl. 10 kr., Gerste 11 fl. 2 kr., Hafer 5 fl. 5 Franken Thaler.„ 2 20—.½ 25 kr.— Alsfeld den 7. Januar 1854: Hochhaltig Silber.„ 24: 30—32 Waizen 16 fl. 40 kr., Korn 13 fl. 10 kr., Gerste Preuß. Cass.⸗Scheine..„ 1 45½—55 Nedaction und Verlag von C. Schild in Giseßen.— Druck von H. Scriba in Friedberg.