Zweiter Jahrgang. Gießen, J. Februar 185 J. Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Numern 2 kr. 1 Auswärtige können nur bei den nächsten Post 9 ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche . U Postaufschlag eintritt. Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch bonorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden wenn solche mit einer Franco-Marke versehen sind. Die Expedition ist Schloßgasse Litr. B. Nr. 3. Da das Laternemännche nicht allein in Gießen, sondern auch in allen Städten der Provinz stark gelesen wird, so eignet es sich gewiß ganz besonders zu Annoncen. Zeile mit 2 kr., Abonnenten dagegen billiger. Nichtabonneten berechne ich die gespaltene C. Schild. a Caspar's Liebe oder Freuden und Leiden einer Universi⸗ tätsstadt. Novelle in 5 Kapiteln, frei nach dem Leben. (Fortsetzung.) Den folgenden Tag stellte sich unser geldbe— dürftiger Patron wieder ein mit den Worten: Nun, wie steht's, Herr K. Wie's steht? frage Se, schlecht steht's; aß ich habb viel Müh gehatt, Ihne eppes Geld ze verschaffe; asse aach misse Waar nemme aus mei'm Laade unn aß Se misse mer uffstelle en Ehre— wortschein, dermit Alles hibsch ehrlich zougeht unn mer mehr Geschäftches mache könne. Mit Freuden willigte Caspar ein; winkte ihm ja doch die Liebe mit goldnem Kreuze, was sollte er da nicht alle Bedingungen eingehen? Freilich sah er in der Freude seines Herzens, daß ihm die Stoffe um einen viel zu hohen Preis angerechnet wurden.— Selbst wenn Caspar nicht grade zufällig Kleider gebraucht hätte, so hätte er wenigstens für den doppelten Betrag der baar erhaltenen Summe Stoffe kaufen müssen; kann er nicht zur rechten Zeit bezahlen und will sich prolongiren lassen, so muß er abermals etwas aus dem Laden nehmen, so daß er schließlich den Afachen Betrag der ursprünglich erhaltenen Summe entrichten muß. Natürlich sind die Stoffe immer viel zu hoch angerechnet. O, diese Wucherer, die unter der Maske der Ehrlichkeit ihren Nebenmenschen über die Ohren hauen, ie sind um so gefährlicher, für je weniger gefährlich der Arglose sie hält; sie sind der Krebs⸗ schaden am Organismus der Gesellschaft, für den es bis jetzt noch keinen Landolfi gibt; sie ruiniren das Glück ganzer Familien mit derselben Gleich— gültigkeit, mit der sie eine Cigarre in Brand stecken; um des geringsten zeitlichen Vortheils willen würden sie zehnmal ihre ewige Seligkeit verkaufen; wo andere Leute ein Herz haben, haben sie ein Einmaleins. Wenn die geschilderte Person diese Zeilen liest,(und dem Vernehmen nach wird ja das Laternemännche in Schilda gelesen), so mag sie sich reuig in die Brust greifen und sich gestehen, daß ihr wirklich bei dem Publikum die Maske der Ehrlichkeit herabgerissen ist und sie in ihrer ganzen natürlichen Abscheulichkeit dasteht. Der gütige Leser möge aber entschuldigen, wenn er in Blättern, die dem heiteren Scherz und harmloser Satyre gewidmet sind, auf einmal so ernste Saiten angeschlagen findet. Der Ernst des Gegenstands hat über den beßten Vorsatz, blos Harmloses zu liefern, den Sieg davon getragen. Aber erreicht Leute dieses Gelichters nicht der Arm des Gesetzes? Hat die Gerechtigkeit für diese Art Wucher keine Strafe? 5 Einsender dieser Novellette ist überhaupt kein Jurist und hat auch außerdem nicht juristische Kenntnisse genug, um diese Fragen beantworten zu können. Aber wenn das Gesetz nicht unmittelbar ein⸗ greift, so werden diese Art Wucherer nur sehr selten der verdienten Strafe anheimfallen, da Die— jenigen, die unglücklich oder leichtsinnig genug sind, derartige Hülfe in Anspruch zu nehmen, nur in den seltesten Fällen dergl. Geschichten zur ge— richtlichen Verfolgung und Bestrafung zu bringen suchen. 5 Dem Einsender genügt es, einstweilen wenigstens eine solche Scheinheiligkeit an den Pranger der Oeffentlichkeit gestellt zu haben. III. 5 Doch mit des Geschickes Mächten Ist kein ew'ger Bund zu flechten Schiller. Es war eine kalte Winternacht. Der Schnee lag mehrere Fuß hoch auf der Straße. Nur Wasserstiefel konnten sich noch ohne Ge— fahr in's Freie wagen. Von den Dächern stürzten von Zeit zu Zeit Schneelawinen, das Leben des einsamen Wande⸗ rers gefährdernd. Die Säle des Gesellschaftshauses waren fest⸗ lich erleuchtet. Der Antrag eines Corpsburschen, einen Studentenball zu halten, war auch in diesem Win⸗ ter, zum neuen Schrecken der Schildenser Schönen, die schon ob der dunklen Gerüchte über das Aus— treten aller Corpsstudenten aus dem Clubb in lebhafter Besorgniß schwebten, schon einmal im Senioren⸗Convent durchgefallen, bis es endlich den unermüdlichen Anstrengungen der ballfreundlichen Corpsburschen und der Privatüberredung eines Aceessisten gelang, den instinctiven Widerwillen der Uebrigen gegen den Ball überhaupt zu überwin— den und für besagten Antrag die Majorität zu erhalten. n Schon lange vorher waren die Vorbereitungen für den Ball getroffen worden. Candidaten mußten ihre weißen Westen her— leihen. Stiefelfüchse sah man mit dem für diesen Abend entbehrlichen Gottfrieden in's Pfandhaus laufen und mit Fräcken wieder herauskommen. Mehr unbemittelte Studenten ließen sich von ihrem Schneider die Flügel ihrer Röcke umnähen, so daß man sie mit Hülfe einer verschönerten Phantasie auch für Fräcke halten konnte. A Wie viele schwarze Buxen verpumbte nicht an diesem Tage der jüdische Kleiderhändler K. 7 Putzmacherinnen, Wäscherinnen und Näthe⸗ rinnen hatten schon seit mehren Tage alle Hände voll zu thun; der Laden des M. H. wurde gar nicht leer. Sch. beraubte sein Treibhaus seiner schönsten Blüthen, um Bonuquett'chen zu machen. Ach, die schönsten Blumen sind doch immer die holden Damen selber. Oppermann's Lockeneisen wurde an diesem Tage gar nicht kalt. 5 (Fortsetzung folgt.) 7 Sonntag den—ten 1854 Vokal⸗Concert der Herren B. Werk vom Stadt⸗Theater zu Alsfeld und C. Schlankermann, Dilettant aus Gießen, unter gefälliger Mitwirkung des Herrn S. Wepper⸗ mann von Maschinenbach im Saale des Herrn Gastwirths H. R. Mann dahier. I.„Ich bin vom Ortenberg der Hirten— knab,“ durchkomponirt, gesungen von C. Schlankermann. 5 II. Ouverture aus„Maurer und Schlosser“: „An Schlosser hot an Gesellen g'hatt,“ gesungen von demselben. Arie aus den Zigeunern:„Fern im Süd ꝛc. ꝛc.“, gesungen von B. Werk. VI.„Ich bin der treue Paladin,“ neues Lied von Michel Rellstab, gesungen von dem selben. V. Cyklus von Negerliedern, nach dem Ur⸗ text gesungen von S. Weppermann. Wer, wie wir, schon mehreremal Gelegenheit hatte, den Leistungen der genannten Herren ein aufmerksames Ohr zu leihen, der wird mit uns übereinstimmen, wenn wir ihnen unsre volle Be— wunderung nicht versagen können. Namentlich ge— fiel Herrn Schlankermanns volles und reiches Organ und glauben wir im Interesse der Kunst den Wunsch aussprechen zu müssen, daß sich dieser würdige Jünger ohne Weitres auf den Brettern versuchen möge, wofür wir ihm ein entschieden günstiges Prognostikon stellen.“— Bei Herrn Werk ist die meisterhafte Schule nicht zu verkennen, die ihn zwar bis jetzt nur zum Subaltern-Cory⸗ phäen stempelte, doch dürfte auch ihn der Reich⸗ thum seiner Stimmmittel unstreitig zu ehrenvoller Mitwirkung auf einer größren Bühne berechtigen. III. Seine Arie, die uns lebhaft an den einst gefeierten, nun seligen Nardin i erinnerte, trug ganz den Ausdruck seines tiefen Gefühls, und waren be— sonders die Uebergänge geeignet, die zarten Saiten des Herzens leise anzuschlagen.— Schließlich müssen wir des Herrn Weppermann rühmend er⸗ wähnen, der uns im Alt-Baß einige jener wilden Negerweisen producirte, die nur für die Katarrh— acten ihres Vaterlandes gebaut zu sein scheinen, und der mit seinem volltönenden Gesange recht sinnig ein so unnachahmliches afrikanisches Zähne⸗ gefletsch zu verbinden wußte, wie wir es unsres Erinnerns nie mit größerem Geschicke wiederge— geben sahen. Indem wir alle kunstliebenden Commilitonen auf die Leistungen dieses musikalischen Sängerklee— blatts aufmerksam machen, wünschen wir dem⸗ selben allersetts besten Erfolg.— Selbstgespräch eines Schauspielers. Borgen ist das Urgesetz der Natur! Der Fluß borgt von den Bächen, und das Meer borgt von den Flüssen. Die Wolken borgen von der Luft, und die Erde borgt von den Wolken. Der Mond borgt sein Licht von der Sonne, und die Nacht borgt ihr Licht von dem Monde. Der erste Mann ist von der Erde und das Weib ist aus der Seite des ersten Mannes geborgt. So be— ruht die ganze Natur auf wechselseitigem Credit. Warum sollte also der Mensch, das Ebenbild Gottes nicht den Credit in Anspruch nehmen? und wenn der gewaltige Strom sich nicht schämt von mächtigen Flüssen zu borgen, warum sollte ein magerer Schauspieler nicht von einem dicken Gast⸗ wirth borgen? Und wenn der lichtarme Mond niemals das erborgte Licht zurückbezahlt, weil er eben kein eigenes Licht besitzt, warum sollte ein armer Schauspieler seine Gläubiger bezahlen?— Das wäre gegen alle Naturgesetze— wäre wider— sinnig— unnatürlich— das wäre ein Bruch mit der Schöpfung.— Was thut aber der Strom, wenn er zu viel von Bächen und Flüssen geborgt hat?— Er reißt aus!!— Heilige Natur, du selbst gibst mir den Wink! Ich will es machen wie der Strom— ich will ausreißen!— Kalbfleisch als Arznei! Ein Mann hatte sich den Magen verdorben. Er ging fort einen Arzt aufzusuchen und nahm seinen Magen mit! Nachdem ihn der Arzt inspicirt hatte, rieth ihm derselbe zur Diät einiger Tage, und zwar nur etwas Suppe und allenfalls auch etwas Kalbfleisch zu genießen. Der Patient er— wiederte: aber gerade am Kalbfleisch habe ich mich so ruinirt! Nun, sagte der Arzt, dann wird man mit einer Klystiere zur Hand gehen müssen? Das thut's auch nicht, Herr Doctor, antwortete der Kranke, da hätte einer acht Tage an mir zu laberirn, ich will lieber Böses mit Bösem ver— treiben! Der Cours des Kalblleisches stieg sogleich wieder im Preise! Ein kleiner aber schon mannhafter Apotheker— Gehülfe in einem Lichischen Landstädtchen sucht ein Klepperchen, d. h. ein Reitpferd arabischer Rage, weiblichen Geschlechts mit Tilburi zu kaufen, da ihm dies seine Mittel erlauben. Nähere Auskunft gibt's Laternemännche. Schöner Vergleich. Vater: Mathilde, geb' Dein Kamm, ich muß e mal die Gaiste kämme, die were mer sonst krindig. Mathilde: Ne, ich gebb' mein Kamm nitt für die garstige Gaiste! Vater: Warum dann nitt? die Gaiste sind vielleicht sauberer wie Du! Amüsanter Zeitvertreib. Ein nicht, mehr sehr junges Ehepaar allhier vertreibt sich Abends nach dem Essen damit die Zeit, daß es beim dummsten Zeug zu schwätzen sich abwechselnd Gesichter schneidet. Als sie eines Abends wider so recht in ihrem Esse sind, fängt die Frau an: Christian, mer wolle e mol seh, wer vo uns zwa beide's grüßte Maul hott? Und indem sie das Ihrige mit der äußersten An- strengung aufreißt, muß sie doch mit Widerwillen gestehen, daß des Gatten Schacht etwas ausge— dehnter ist. 1 Als ohnlängst ein Mörder in Exeter ge- Ihnen verbindlichst,“ und stieg ruhig die Leiter hängt werden sollte, trat der Scharfrichter zu ihm hinan. 5 hin und sagte:„Mein Herr, wenn Sie dort oben 2 auf der Plattform sein werden, so halten Sie den Kopf etwas hoch, Sie werden sich besser dabei befinden.“ Der Delinquent antwortete: Ich danke Auflösung der fünfsilbigen Charade in Nr. 8 d. Bl.: .„Laternemännche.“ Allgemeiner Anzeiget. Ed. Ichon u Bremen, von der Obrigkeit angestellter und beeidigter Schiffsmakler, (9) expedirt am 1. und 15. eines jeden Monats nach New⸗Hork 5 Baltimore, New⸗Orleaus und in der geeigneten Jahreszeit auch nach Galveston und Quebee schöne schnellsegelnde, kupferfeste und gekupferte Dreimaster erster Classe, welche zum Transport von Auswanderern erbaut und eingerichtet sind. Die Passagepreise sind auf's Billigste gestellt und wird auf frankirte Anfragen gern weitere Auskunft von mir ertheilt. Kleider neue und alte, zum Verkaufen und Beltlade von eichen Holz, schon gebraucht, 7 Austauschen, habe ich in stets be— steht billig zu verkaufen. Auf der deutendem Vorrath. Exped. d. Bl. zu erfragen. 0 Hr. Frech, a Schneidermeister, wohnhaft in der(5) Ein junges, wohlerzogenes Frauenzimmer, (4) Caplaneigasse an der Engel-Apotheke. sucht bei einer guten Familie einen Dienst und sieht mehr auf gute Behandlung als auf großen Gehalt. —— 2 immer an geräuschlosem Orte, mit AA Sopha, für einen einzelnen Herrn oder Frauenzimmer, billig zu vermiethen. Bei der Expedition d. Bl. zu erfragen.(6) Geld⸗- Sorten nach dem Frankf. Cours vom 30. Januar 1854. Viele sind der irrigen Meinung, daß das Neue Louisd' or. fl. 10 50 Zwiegespräch in Nr. 8 zwischen dem Fräu⸗ Pistolen.„ 9 38½—39½ lein S. und dem Studenten am Lind'schen Ditto Preuß...„ 9 59 10 Hause auf die Tochter des Herrn Speise- Holl. 10 fl. Stücke„ 9 41—42 wirth Schirmer Bezug habe, das indessn Rand⸗Ducaten..„ 5 3435 durchaus nicht der Fall ist. Indem ich 20 Frankenstücke„ 9 21—22 mich zu dieser Bemerkung veranlaßt sehe, Engl. Souvereigns..„ 11 43 kr. erwähne ich zugleich, daß Artikel, welche Gold al Mareo„ 374—376 zu sehr Persönlichkeiten berühren, Preuß. Thaler„ 1 45½—5/ dem Blatte nur schaden können und künftig 5 Franken Thaler.„ 2 20—½ uicht berücksichtigt werden. Hochhaltig Silber.„ 24: 30—32 5 C. Schild. Preuß. Cass.⸗Scheine.„ 1 45% ½½ Redaction und Verlag von C. Schild in Gießen.— Druck von H. Seriba in Friedberg. 1 f