Later Erster Jahrgang. Erscheint wöchentlich mal. Preiß für Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Nrn 2 Kr. MA. der übliche Postaufschlag eintritt. Aus den Memoiren eines Klohes. Ich suchte nicht lange, so fand ich einige Handwerksbursche, Zimmerleute, denen ich meine Noth klagte. Dem Mann kann geholfen werden meinte der eine, und alsbald befanden wir uns an dem oben berührten Seil und begannen es zu zer⸗ hauen. Schon lief der Schweiß in Strömen von uns, obwohl wir Rock und Weste abgelegt hat— ten, da that es einen kleinen Ruck und gleich darauf einen heftigen Schlag. Das Seil war zerhauen, die Maschine war geöffnet, und die Jungfrau hatte den von Natur ihr zugemessenen Raum erfüllt, so weit es das Obergewand zu⸗ ließ. Bestürzt war sie aufgesprungen, und merkte nicht, daß unter ihrem Rock etwas fiel, das ich Anfangs für ein Fensterkissen zu halten geneigt war. Doch ich hatte nicht Zeit es genauer zu untersuchen, denn einer meiner Helfer war bei der Exploston des Mädchens so stark gepreßt worden, daß nach mehreren Erbrechungen Gefahr für sein Leben war. Glücklicherweise gelang es mir ihn wieder herzustellen, und nun trieb es mich jenen gefallenen Gegenstand näher zu be⸗ trachten, aber ich hötte sicher dessen Bestimmung nicht erkannt, wären nicht zufällig meine Gesellen damit vertraut gewesen. Wir sind, sagten diese, mit diesem Ding von Paris bierhergekommen, wo man derlei in großer Menge macht und es ist ein Mittel um durch stärkeres Hervortreten des weiblichen H..... 8 die Taille noch enger erscheinen zu lassen. Jetzt erklärte ich mir den Unfall, ich hatte nämlich wit meinem Beile zu weit unten gewirthschaftet. Zürnt mir nicht ehrbare Flohjungfrauen, aber denkt euch, einen Theil, den wir gerne verbergen, auf diese Weise erst recht hervortreten zu lassen, ganz ab— gesehen, daß dies wie auch jene Zwangsjacke statt der sanften runden Formen des Körpers mit ihren unmerklichen, weichen Uebergängen, eckige und stark abgesetzte Formen darbieten. Ich ließe mir das roch bei andern Umständen gelten.— Meine Brille fand ich noch an demselben Ort, aber in Folge der Exploston tief in die Haut des armen Mädchens eingedrungen, das überhaupt in der ganzen unteren Gegend der Brust in Folge jenes Cürasses etwa so aussah, wie wir, wenn wir die Strumpfbänder zu stark anziehen in der Hoffnung dadurch wenigstens einen Schein von Waden zu bekommen, und noch etwas blauer.— Auf dem Nachhauseweg ermittelte ich, daß jenes Mädchen sehr dichte, weite Hosen trug, eine Klei⸗ dung, wogegen ich in unserem Klima namentlich bei jungen Leuten Vieles einzuwenden habe, und daß auch der oberste ihrer Unterröcke, deren sie außer jenem verlornen Kissen etwa sechse trug, mit feiner Stickerei versehen war. Ich fand dazu die Erklärung erst später, meine nunmehrige Her— rin hatte nemlich die Gewohnheit auf nicht ganz reinen Wegen ihr Oberkleid auf dem Arm zu tragen wie einen Schwal, auf schmutzigen dage—⸗ gen ihre Unterhosen in zierlicher Weise zu pro⸗ dueiren und war darunter etwas stiefmütterlich ausgestattet. Euch, meine Leser und Leserinnen, überlasse ich die Beurtheilung dieser Gewohnhei— ten. Hier und da angestellte Bohrversuche brach— ten mich zur Erkenntniß, daß das menschliche Blut allerdings feiner ist als das der meisten Thiere, aber die Gefahr des Aufenthalts beim Menschen, namentlich beim Frauenzimmer ist zu groß, als daß ich denselben für einen günstigen Colonisationspunkt erklären konnie.— Meine Herrin und ihre Mutter hatten un- terdessen ihr Schlafzimmer erreicht, und ich er⸗ staunte, als diese nicht nur die bei uns üblichen Kleiver neben jenen oben genannten, ablegte, son⸗ dern auch Zopf und Zähne neben sich auf den Nachttisch legte.(Später fand ich auch wattirte Waden bei Herrn und Tänzerinnen, wattirte Vrust an Westen und Röcken, wattirte Schenkel, kurz ich fand, daß kaum ein Theil am menschlichen Leibe ist, auf dessen Echtheit man steh verlassen kann. Da sind wir Flöhe doch andere Kerle, wir tragen keine falschen Brüste und Beine, und es wäre mir leid, wenn ich je unter meinem Geschlecht einen solchen Erzschaafskopf fände, der sich zu solchen Dingen versteht. Unterdessen hatte das Mädchen ihren Ver— lust entdeckt und ich weidete mich an seiner Ver—⸗ legenheit, aber nicht lang, denn hatte ste mich gesehen oder gefühlt, sie tappte mit der Hand nach mir, und hätte ich nicht eine vorzügliche Gewand—⸗ heit in den Beinen, ich wäre des Todes gewe— sen. Spätere Erfahrungen lehrten mich, daß solche Haussuchungen von dem Frauenzimmer ziemlich oft und sehr gründlich vorgenommen wur⸗ den, und aus diesem Grunde rathe ich allen Mitflöhen, die nicht ihr Geschäft oder Studium dazu nöthigt, von dem Aufenthalt beim Frauen— zimmer ab. Das Blut der Männer ist weniger schmackhaft und darum auch diese kaum ein Ge— genstand für uns. Ich erlebte an jenem Abend selbst noch, daß der junge Zimmermann, den die Exploston etwas geschwächt hatte, gefangen und schmählich getödet wurde.— Dennoch hielt ich mich noch längere Ztit bei Frauenzimmern auf und machte dabei unter andern die Bemerkung, daß oft unter sehr kost— baren Obergewändern unordentliche Untergewän— der versteckt sind, was mich an ein gewisses deut⸗ sches Sprichwort erinnerte. Sind vielleicht die Menschen darunter noch unordentlicher und schlech— ter? Der Umstand, daß viele es für anständiger halten, stait der eignen Haut an den Händen eine Thierhaut und im Gesicht einen Farbüber— zug zu zeigen, scheint hierauf hinzuweisen. Im Allgemeinen fand ich auch wirklich, daß je ein⸗ facher und kunstloser das Aeußere war, desto ordentlicher und werthvoller das Innere, daß diejenigen Menschen die meisten äußeren Zierra⸗ then an sich beachten, die äußerlich oder inner⸗ lich, meist beides, wahre Vogelscheuchen waren. Ist ᷣoch kein Geschöpf so häßlich, daß es nicht durch seinen Nutzen und Werth die unschöne Form minder fühlbar machen könnte, wird doch nicht selten das Häßlichste schön durch Tugend! Und das sollten die Menschen nicht wissen, die doch das erste Geschöpf sein wollen, habe ich doch, ich armer Floh, vielfach erfahren, daß jogar Krüppel aufhörten einen unangenehmen Eindruck auf mich zu machen, sobald ich ihre innere Schönheit erkannte. Wenige Menschen scheinen dies zu verstehen. So hat namentlich das Frauenzimmer bei Bällen und, derlei Fest⸗ lichkeiten die Gewohnheit Brust und Kopf in einen Blumen und Gemüs⸗ Garten umzuwan⸗ deln statt sich mit der einfachen Blume am Her⸗ zen, mit dem bescheidenen Kranz in der Locke zu begnügen. So erscheinen ste denn auch nicht sel⸗ ten, wenn man ihr Inneres in Betracht zieht, zwar nicht als Blumen ⸗, wohl aber als wahre Mist⸗ Beete.———— Das theologische Examen zu Krähwinkel, am 24. März 1852. Examinator: Wilhelm Heinrich Dor. Eduard v. Köhler, Dr. theol. et phil. Candidaten: Matathias, Gottschalk, Schweppermann, Schlupper, Pfef⸗ ferkorn, Schputze. Examinator(spricht durch die Nase.): ben Sie seither getrieben, Herr Matathias? Candidat Matathias(besinnt sich)—— Exatd.: Herr Gottschalk? Cand. G.(besinnt sich ebenfalls).—— Exam: Nun Herr Schweppermann? Cand. Schweppermann(scheint sich auch zu besin⸗ nen). Exam.(hastig): Herr Schlupper, Herr Pfefferkorn Herr Schputze! Cand. Schputze: Theologie! Exam.: Welche theologische Disciplin ist unstreitig die wichtigste, so zu sagen das Fundament der Theolo⸗ ie? Cand. Schputze: Symbolik! Exam.: Herr Pfefferkorn, was ist Symbolik? Cand. Pfeff.: Symbolik ist die Lehre von den Sym⸗ bolen. Exam: bol? Cand. Pfefferkorn:(besinnt sich).—— Exam.: Herr Matathias, was ist ein Symbol? Cand. Matathias: Symbola sunt— sunt en- Tunslomes— confuslones, quibus Luthe- Was ha⸗ Herr Pfefferkorn, was ist denn ein Sym⸗ rani tum militiam suam spiritualem— spiri- tualem.—— Exam.: Nun, Herr Gottschalk? Cand. G.: Symbol ist das— das, was die Apostel zusammengemacht haben! Exam: Auch gut, aber— Herr Schweppermann können Sie mir nicht eine bessere Definition geben von Symbol? Cand. Schweppermann: Symbol ist das Erkennungs⸗ zeichen, die Parole. Exam.: Diese Definition hat man wohl auch anf⸗ gestellt ob es aber den Begriff, den wir mit Symbol verbinden, vollkommen erschöpft, möchten wir doch be⸗ zweifeln.— Herr Schputze! Cand. Schputze: Symbol ist eine öffentliche Be⸗ kenntnißschrift und Symbolik die Wissenschaft der öffent⸗ lichen Bekenntnißschriften Exam.: Schön, sehr schön, Herr Schputze!— Nun Herr Matathias, nennen Sie mir unsere Symbole! Cand. Matathias: Confessio Augustana, Apo- logia.— Exam.: Herr Gottschalk? Cand. G.: Confessio Augustana, catechismus uterque, articuli schmalealdici, Liber concor- diae. Exam. Herr Schweppermann, welche Verwechslung findet hier statt und welche Bekenntnißschriften sind aus⸗ gelassen? g Cand Schwepp.: Gottschalk verwechselt den liber concordiae mit ber Concordia Wittenbergensis, und hat den catechismus Romanus ausgelassen! (Forts. folgt.) Z wiegespräche. Schlammbeißer: Sah mer emal Jost, worim stiehn dann dei Corpsstudente alleweil so frih vom Esse uff? Justus: Ahler Schlammbeißer! Wahste dann nett, daß se alleweil jeden Mittag um halb ein schon an der Eisebahn sei, daß se die Bahn unn die Post nitt verbasse, vun wege de Fichs, die se glücklich oder unglücklich mache wolle. Schlamm b.: Ah drim, guck gestern Obend iß ahner vunnen, vom Hörnche bis an de Post im Drapp neberm Postwage hergelahfe, daß er mit de Stiwwel Funke uff'm Plaster geschlage hat, als deht mer mit„Feuerstei“ druff kloppe. Am Brunnen. Kathrine: Ach, wann aich's doch emol so gout hätt wei dou. Lisbett: Ja De errscht Dich gewahltig, aich hunns lang nett mieh wei verig Jahr, alleweil iß die Greht fort, unn do hunn aich de Koih, dei Säu unn de Sturennte.— Schlammbeißer: Hurrjesses Hammelcher! haste dann aach schund geheert daß e Schnepp en Haas verfolgt hatt? 8 Canalmüller: Gieh Dreidroth! En Haas isser Schnepp nach, unn damit sei ja kah Viggel nett gemahnt!'s gitt aach e Art Schneppestrich, z. B. wo Dou en Freind vo bist. Schl.: Ah! in der Art, alleweil gitt mersch Nachtlicht uff, deß wahr uff der Baddeburg? Canalm.: En ja, deß war uff Patrizius⸗ tag won dei Leit Butterblumme unn Kreiter suche solle unn do hatt der Haas dei Schnepp bis uff de Wies verfolgt unn als se sich uff'n Biernbahm reterire wollt, war kahner nitt da. Schlam b.: Ei worim suchtse dann Biern⸗ bähm? Canalm: Ach Schlammbkopp! ei weil se uffm Bahm höher sitze als uffm Haas. Eine Frau sagte zu ihrem Manne bei ir⸗ gend einer Gelegenheit: Du wählst Dir auch immer das Schlechteste.„Leider ja“, erwiederte dieser, mit Dir hab' ich angefangen.— Derselbe erzählte einem Freunde:„als ich heirathete, wollte ich meine Frau vor Liebe auffressen: nun thut es mir leid, daß ich es nicht gethan habe.“— Es diene zur Nachricht, daß der neulich auf dem Schnepfenstrich gewesene Haase bedeutende Eroberungen gemacht hat, ohne die geringste Schlapp erlitten zu haben. Rasche Antwort. Als der Kurfürst Maximilian Josevh von Baiern in Gegenwart seiner Mutter und einiger Damen gefragt wurde, warum das weibliche Oe— schlecht früher mündig werde als das männliche, erwiederte er:„weil Unkraut schneller wächst.“ Verlobungs-Gesuch. Einige junge Damen aus den„höheren“ Ständen von 10— 12 Jahren, wünschen sich, um hinter einigen ibrer Freundinnen nicht zu⸗ rückzustehen, zu verloben. Offerten unter Lit. S. M. poste restante besorgt die Stadtpost. Cabinet zum Haarschneiden. Da ich mich für das nächste Semester hier zu etabliren gedenke, so bitte ich alle Studirenden sich meiner kunst geübten Hand anzuvertrauen und verspreche ibnen reelle Bedienung. Für zu dünne Haare, sowie besonders für die häufig auf der Stirne wachsenden lästig werdenden Haare weiß ich die beste Abhülfe. Schulschad, Seltersw. Lit. N. Cu riosum. Vom nächsten Sonntag an ist auf dem Sel⸗ tersberg ein von Heidelberg kommendes lebendi⸗ ges Perpetuum mobile zu sehen. Menges. Sommertheater auf der Pulvermühle. Erste Vorstellung in der ersten Abonnements⸗ abtheicung:„der Kampf im Dunkeln, oder Fried und die Nachtigall.“ Lustspiel in 1 Akt mit tragischem Schluß. Hierauf folgt.„die zer⸗ brochene Taschenuhr oder der Docter mit dem Rasirmesser“ Die Handlung spielt in den alien Wauten gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts. (Manuseript.) Telegraphische Depesche. Sicheren Nachrichten zu Folge ist zwi⸗ schen den Engländern und Kaffern ein dauernder Friede abgeschlossen worden sie fraternisiren; Lady Reböl heirathet ei⸗ nen Kaffernhäuptling, Lon-Refu.— Lord Reböl läßt sich bei den Kaffern nieder und hat versprochen die lästige Sitte des Schaltragens abzulegen. — 96 Anzeigen. — 22—— Vor meiner Abreise regalirte ich meine Freunde bekanntlich mit einigen Fäßchen Bier wie die Sitte ist und blieb eines dem Wirthe L. B. mit fl. 2 36 kr. schuldig. Wie ich Niemanden etwas schuldig geblieben bin, so würde ich auch gewiß Herrn B. alsbald be— friedigt haben, wenn sich mein Vater nicht hierzu auch allenfalls verstanden haben würde. Kaum bin ich einige Tage in Frankfurt, so ereilt mich auch schon Herr B. bis ins v. Bethmännische Haus, wo ich gerade beschaͤftigt war, und fordert mir mit seiner bekannten Bildung den Betrag. Diese Gemeinheit zur Veröffentlichung bringend, beabsichtige ich durch aus nicht den gierigen L. B. um den Betrag zu bringen, bedaure aber, denselben mit dem Kleisterpinsel nicht so gezeichnet zu haben, wie mir meine Collegen riethen, daß er fernerhin solche Rohheiten unterläßt. J. Sehmiedgeschirr. Ein noch in bestem Zustande sich befindli— ches, vollständiges Schmiedgeschirr ist billig zu verkaufen bei Johannes Textor II. in Wieseck. in gutem Zustande, zu ver⸗ miethen. Näheres bei Baltha- sar Diek, auf dem Kreuz. Clavier, schön möblirt, zu vermiethen bei immer CO. IB usch, Bäcker Ich beabsichtige einen agen. ganz neuen gewonne⸗ nen Wagen mit eiser⸗ nen Achsen billig aus der Hand zu ver⸗ kaufen. Philipp Schwalb, in Wieseck. Tanzunterrichts⸗ Anzeige. Unterzeichneter zeigt hiermit ergebenst an, daß der Tanzunterricht am Montag den 3. May wieder beginnen wird. Gefällige Anmeldungen beliebe man vorläu— fig bei Hrn. Klubdiener Koch, wohnbaft bei Hrn. Kaufmann Muͤller in der Kaplansgasse, zu machen. L. Liebig, Tanzlehrer. in neuen und alten, namentlich 4 Wleider, mit Röcken, Confirmanten⸗ Röcken, schönen Westen, Hosen, Hemden, Stie— feln ꝛc. ꝛc. ist mein Lager wieder aufs reichhal⸗ tigste versehen. Hr. Frech, Schneidermeister, Caplaneigasse. mehrere Wagen sind billig . 0 Dunger, zu verkaufenz wo? b. d. Exp. Reise gelegenheit nach Amerika über ON Liverpool. Abfahrt von Mainz : jeden Donnerstag. Die Passagiere werden durch eigene tüchtige Condueteure bis in den Seehafen begleitet. Pünktlichkeit in den Expeditionen, billige Preise und genaue Erfüllung der eingegangenen Verbindlichkeiten werden diese Reisegelegenheit auch ferner empfehlen. Coneessivnirte Haupt-KAgentur in Mainz, Heinrie h Zit z, Nähere Auskunft, Prospecte und Ueberfahrts Verträge ertheilt Der eoncesstonirte Agent in Sießen J. Laue ker t Verantwortliche Redaktion, Druck und Verlag von C Schild.