N ——— 2—— 3 Erster Jahrgang. BB 2 Erb scheint woͤchentlich mal,. Preiß für; Stadt und Umgegend mit Bringerlohn . 12 kr. Einzelne Nen 2 Kr. Giessen, 21. März 1852. ö Auswärti tige Funden z nur peil 970 naͤchsten ö Postämtern 2 Monate abonniren wobei 0 der übliche Postaufschlag eintritt. 2 Neminiseensen aus meinem Künstlerleben. (Schluß.) Doch bald nahte die Zeit zum Aufbruch. Der Abend war gekommen, der Himmel füllte sich mit freundlichen Sternen und, da wir unsern Weg um die Schur einschlugen, hatten wir noch einige Augenblicke Zeit, von dem herrlichen Früh— lingsabend uns zu laben und all' den Frieden in unsre Seelen einziehen zu lassen, den die 8 durchweht vom Odem Gottes, uns schenket. Dazu ertönte plötzlich von einem, dicht an der Thur gelegenen Hause eine Musik, die den Goitesfrie— den im Herzen des Menschen nur zu heben ge— eignet war, ein Adagio v. Beethoven auf dem Violoncello.„Du hast dir den alten, edlen Sinn bewahrt, du Spieler“ so dachte ich und wünschte dem Manne vielfältigen Segen.— Jetzt gings rascheren Schrittes den Seltersberg hinan, wo wir in eins der dortigen Häuser eintraten. Wir pochten, traten ein— yschließt Augen Euch, hier ist nicht Zeit Aich staunend zu verweilen.“ Do b wäre es zu har: gewesen, von einem jungen, gefühlvollen Künstler zu verlangen daß er die Augen geschlossen halte, saßen doch da viel Mägdlein in schönem Kranz, wie die Sterne am Abendhimmel. Tische prangten mit Torten und Theeapparasen— und in der Ecke stand ein Flügel,—vermuthlich zum Musieiren,— die Quelle meiner heutabendlichen Genüsse. Der Musikkranz begann mit einem Tutti aus Theetassen nebst obligatem Geschnatter. Der Flügel wurde dann vorgeschoben und es e die Musik, die das Eigenthümliche hatte, daß immer neben jeder betiebigen Tonart, aus der grade ein Musikstück vorgetragen wüde, die Eß Dur Tonart der Hörer nebenherging; also dop⸗ pelten Genuß, Gehör und Magen! Vorgetragen wurde ungefähr Folgendes: 1) Vater ich rufe dich“ arrangirt von Villmers für das Pianoforte, vorgetragen von einer jugendlichen Spielerin, der man es deutlich ansah, wie die Leute sie zum Vortrag solch unnatürlicher, abentheuerlicher Mu— sik zwang; sie machte einen guten Eindruck auf mich und als ich mich nachher allein mit ihr unterhielt, klagte sie mir ihr Leid.„Ach was mögen Sie von mir gedacht haben, daß ich solche Musik spiele? spielte viel lieber etwas von Mo⸗ zart, Haydn und Beethoven; aber die ästhetischen Leuichen würden mich dann gar nicht anhören. Der Haydn ist denen zu schläfrig, der Mozart zu kincisüß der Bkethoven zu ernst und religiös.“ Ge⸗ trösten Sie sich, erwiederte ich ihr, mit einem guten Bewußtsein und redlichem Willen; sehen Sie aber zu doch ja nicht zu viel mit den Wöl⸗ fen zu heulen.“ 2)„ẽDie drei Liebchen“ von Speier. Der junge Mann, der dies Lied sang, hatte wahrscheinlich selbst kein Liebchen, oder wußte nicht, was wahre Liebe sey, sonst würde er sit wohl geschämt haben, seiner Auserwähl⸗ ten solch jüdischen Gruß entgegenzubringen. Die hörenden Damen freilich waren ganz zer flossen in Wehmuth und Lust, grad wie der Zucker in ih⸗ ren-Theetassen, die, trotz aller Wehmuth, doch den Liebessänger stets begleiteten. 3) Non plus ultra.„Sextett aus Lucia v. Lammermoor,“ von Donizetti, das,„je öfter man es hört, immer schöner wird.“— Ich glaube, ich müßte sterben, bis der Moment käme, der mich neses Musikstück auch nur passable finden lehrte. Die sechs Leutchen quälten sich recht av, es war ihnen gewiß nicht zu verdenken„ wenn Thee und Wein nach vollbrachtem Werk ihre Zufluchtsquelle wurden. 1 1 Das Sexiett hafte fast alle musikalische Kräfte in Anspruch genommen und ste erschöpft. Es begann ein neues Tutti: Pfänderspiel, der böchste ipfelpunkt des 3 Abends, be⸗ ie Damen. 5 bi. orge⸗ mein Freun — 31— Der heil'gen Musika Leiden. Darauf zog Mozart auch in andere deutsche Städt' une Länder und sah, wir dort die Musik betrieben wurde. Als die Göttin ihn auf dem Rückwe, sah, verief sie schuell ei⸗ schlagen hatte, so wurde ich bestürmt, doch auch eiwas zu spielen.„Ich will, da mir schon so hohe Genüsse sind geboten worden, das schönste bringen, was ich habe eine Phantasie von Dal⸗ berg.“ Herrlich, riefs in der Gesellschaft. Ich setzte mich zum Flügel, alle waren entzückt, schie⸗ nen es wenigstens zu sein, und machten mir und der Dahlbergschen Phantasie die größten Lobes erhebungen. Es wurde mir auch erzahlt, daß man recht gern, zur Hebung der Genüsse, auch mehre Professoren, wenn ich nicht irre Eisen, Lichel und den Hrn. Ziegen würde eingeladen haben, wenn nicht diese Leute au alier, langweiliger Musik Gefallen fänden, die man doch gar nicht mehr hören könne; sie hätten auch an mir und dem, was ich vorgetragen, den Kunstwerth neuer Mu⸗ sik wiederholt schätzen lernen. Mit Staunen reimte ich mir zusammen, daß jene Nubtgelade⸗ nen dieselben waren, rie ich bei meiner ersten Wandrung durch Gießen als Oasen in der Wüste hatte betrachten müssen, und die Wüste erschien mir nun noch viel öder, dürrer, unerträglicher; die Pfützen schlammiger, der Himmel trüber.— Ich dankte Gott, als ich die Thürschlenke erfas⸗ sen konnte, mich zu empfehlen.„Als Dank!, so so sprach ich, für die Genüsse, die ich Ihren mu⸗ sikalischen Bestrebungen danke, sey Ihnen zum Schlusse nur noch die Eröffnung gemacht, daß das Musikstück, das ich Ihnen vorspielte, doch eigentlich nicht von Dalberg, sondern von dem ukindischen“ Mozart war.“— Ich ging, mit dem traurigen Bewußtsein, daß ich hier in Gies⸗ sen nicht lange aushalten würde. Ich hatte schon oft die Erfahrung gemacht, daß man den Zustand einer Stadt gut beurtheilen könne nach der Mu⸗ sik, die in ihr getrieben werde. Ich fand dies in Gießen bestätigt. Wehe, wehe, wo der Sinn für das Edle, Einfache, Natürliche geschwunden ist und der Sinnlichkeit, Frivolität und Unnatur Platz machen müssen! Wehe der Stadt, wo die einfache, himmlische Kunst nicht ein lieber Gast ist, sondern die höllische Kunst die Seelen ver⸗ derbt hat! Siadt bedenke das Ende!— Schon seit längerer Zeit lagen diese Zeilen unter meinen Papieren. Da schickte mir ohn längst mein Freund aus Gießen eine Nummer des„Laternemännche“, worin„der heiligen Mu⸗ stka Leiden“ zu scildern begonnen waren. Gleich gedachte ich meiner Gießener Erlebnisse und will nun diese Zeilen unverändert dem Laternemännche zusenden, denn dies scheint mir der Wahrheit und Offenheit ein Wort zu gönnen.— .—— Der Mann hat Recht. Werften us! W Laterne che. nen Rath. V. Mie die Räthe zusammenkamen. Derweil nun so auf Erden Der Mozart inspieirt, Zur Großrathsitzung werden Im Himmel invitirt Der Musika Herren— Aus alt und neuer Zeit Zur Königin. der hohen, Da nah'n im Feierkleid — Die Räth und Senatoren, Homer selbst fehlte nicht, Die Beistand, Assessoren Beim Lied- und Ton- Gericht. Anakreon erscheinet Mit Kränzen bunt eschmückt. Der gute Alte mainet, Es würde gefrühstückt. Der Orpheus, Cherubini, Der Haydn und Beetho⸗ Ven, Weber, auch Rossini, Caecilia, Sappho. Wer kann sie alle zählen, Die Meister im Gesang, Nit Einer thät da fehlen, Es gab ein groß Gedrang. Die Herren Sekretäre, Die saßen in der Mitt'. Gluck selber, große Ehre, Ein Hundert Federn schnitt. Zehn ehrbare Cantoren Der Ordnung war'n bedacht,. 1 Zehn standen an den Thoren a* 0 Als wachre Ehrenwacht, N 8 Als Alles war bereitet,. 85 Die Göttin selbst erscheint In tiefes Schwarz gekleidet, Sie spricht:„der Schmerz thut heut, Zu sehr mich affizir'n. David, komm mir zur Seite, Du sollst heut' präsidirn!“ Wie der erhebt die Schelle Erscheint im Reisek. eid Der Mozart au, der Schwelle David ihm's Wort verleih't. VI. Was der Mozart vor dem hohen Rath ge⸗ sprochen hat. Du hehre Göttin, weise Räth und Schöffen, a David, gestrenger und gerechter Richter! 5 Ich Kläger, Mozart, selbst ein Richter sonst, Ich klage an der Majestälsve letzung, Des Aufruhrs und der Sittenlosigkeit, Grober Beleid'gung dieses hohen Ra' hes, Wie frecher Schändung dieses Heiligthums, Das Volk, dem eben jetzt mein Fuß entrann O Harmonie, gigantische Macht der Töue, Was hat mein Ohr gehört, mein Aug geseh'n! Wie Bänkelsänger, losgelass'ne Bären, Wie Kälber blöckend, krächzend wie die Raben, Wie abgestochne Schweine kläglich schreiend. In Seiten wühlend, wie im Forst der Keiler, Auf Pfeifen blasend, daß wie ein Tornado Es um mich brauste, trillernd und rulirend, Auf Pauken rasend, Cymbele, Becken schlagend Mit Feuerschlünden krachend, so wird drunten Die hein ge Kunst dem Volke produeirt. Süßlich Geleier in den Soireen, In den Concerten Hottentottenklänge, Selbsimörderische Kunst⸗ und Solo Stücke, — 55 Wollüstige Tänze bei der Reunion, Verbuhlte Lieder, freche Tän exrinnen Im Opernbause. und baechantisch Wüthen Statt des Tedeums in dem Gotteshaus. Ich, Mozart, klage vor dem bohen Rathe Das deutsche Volk, mein eignes Volk, hier an All vieser Gräuel Herts ihr Aeltesten, Beisitzer hört's. gerechten Urthels Schöffen, Gebt rechten Spruch und auch gerechten Lohn. WII- Das Volk nicht ruhen lassen, schlechte Träume, Noch schlechter Wachen sey ihnen zur Strafe, Nebukaduezar's und Propheten sollen Noch fürchterlicher als die Musterstücke Ihr Ohr zerfleischen, gleich gereizten Rattern Ihr Herz vergiften und ihr Hirn zerfressen, Das Mark aussaugen und ihr Blut vertrocknen, Ihr Fleisch erschlaffen, ihre Kraft entnerven, Die Sitten lockern, Kirche, Staat. Familie Wollüstgen Träumen hin zun Raube geben, Bis eigner Wille, bis die eigne Kraft Sie treibt zur Rückkehr. Ungemildert bleibt So lang mein Schluß. De Pflicht hab ich gethan; Darauf wurde mit einer telegraphischen Vorrichtung aus ö 1 1 Großinquisitoren, thuen Sie die Ihre.— der Stadt G... n dae tonar gebende Wesen durch zween Paukenschläger herbeigeschafft und thät vor Gericht gegen jene Auschuldigungen folgende Antwort: Herr Mozart, ach zu Thnen Mag ich kein Wort verlier, n, Bruchstücke einer ungereimten Stim⸗ 2 Weil Sie sich gar nicht schienen Wei uns zu amüsir'n. Wer tritt denn mit Motetten, Sonaten, Symphonie'n, Halbstundlangen Quartetten Vor's Publikum jetzt hin. Wer mag den heut noch hören Ein Oratorium Mit den langweil'gen Chören? Wir sind nicht mehr so dumm. Und ohne Thee und Torten Musik zu treiben gar? Ich laß mich lieber morden. (Es is aber net wahr.) Nota d. Hergbrs. „Schweig! ruft der Prasidente, „Entfernt den Inkulpat, „Der also uns verhöhnte“ Der schwieg, allein zu spat. Die beiden Paukenbaver, Die brachten ihn gar schnell Auf einem Telegrapher Zurück an Ort und Stell. me aus dem Chausseegraben. O seid gepriesen Die ihr da droben In lichtern Sphären Göttergleich wandelt. Denn ihr verschmäht nicht Zu uns zu kommen, Als Sonnen zu leuchten, Im düsteren Thale Menschlichen Staubes.— Zu euren Füßen Winden sich Hohe, Krümmen sich Fürsten Sterbenden Blickes, Fernher von Albions Hier iuf zogen sich die Schöffen ius Berathungszimmer und sprachen anderthalb Stunden darauf das Schuldig aus. In Ermangel eines betreffenden Paragraphen in dem Ge⸗ setzbuch, konferirte der Präsident mit den Räthen und der Musika selbsten. Darnach hat er folgend Urthel gethan. Rauchigter Insel Kommen geschwommen Heldengestalten; Söhne VIII. Des hohen Raths Urthel. Im Namen des Gesetzes und der Königin Erkläre ich nach der Schöffen Schuldigspruch Der Majestätsverletzung überwiesen. Das deutsche Volk der Schändung und Entehrung, Sowie Versuchs unsittlicher Verthierung. Und ich befebl ehrbarem Großprofoßen Die Strasvollstreckung der Gestalt und Weise: Die Hospitäler öffne, laß den Verdi, Den Prinzen Koburg und den Diebser Floto w, Den Pianisten Bayer, den Nardini, Den Meyerbeer(doch den mit der Bedingniß Nichts als Prophetenmusik ort zu machen) Laß Alle los, verrückte erste Geiger, Fagottenbläser, den Flötisten Ritter Und seines Gleichen, wie den Seufzer Proch, Den fürchterlichen Pfeif⸗ und Trommelhelden, Der bei Schloß Brel so vielen Lärm gemacht. Nimm 50000 schlechte Gasse orgler, Hol' aue der Höll' 6 Schock Valletensetzer Und Intendanten. Chor⸗ und Solo⸗ Tänzer, Doch sorge, daß zu nackt sie nicht erscheinen;— Capricenmacher, Var ationenschreiber, Was von dem Zeug Du habhaft werden kannst, Das schick hinunter. Und zugleich verbi t' ich Bei Degradirung und bei Zuchthausstrafe Wie bei Verbannung Euch, ihr hohen Meister. Die mich umsteh'n durch Eu'r Ihun und Wirken Keip einziger Ton da drunten werde laut. Doch jene Plagen sollen sich verbreiten Nastlos den Tag durchlärmen und die Nächte Der schornsteinerbouenden Fürsten. Und die geschwätzigen Zungen der Franken Stehen im Solde Euerer Reize. Nicht minder euch feiert Der wilde Zigeuner, Der rattenverschlingende Sohn des östlichen Chinas. Frankfurt sendet Seine kostbarsten Perlen, Und der heidnische Preuß! Seine edelsten Söhne. Gern zollt dir den Zehnten Jedwedes Herz o göttliche Gräfin, Und wer rühmt' sich so Stählerner Brust, daß er Nicht zuckte vor dir in Schmachtendem Weh' Gepuderter Engel des Berges? Zischel'n auch manchmal Bösliche Zungen Ihr wäret gar über⸗ Mütbig und Hoffarth beseelt euch, So ist das Verläum ung Und häßliche Mißgunst. Denn neben den künstlichen Reden der Fürsten Lauschet ihr freundlich Den einfachen, Worten des simpelen Hirten; Der austreibt die Heerde All' seiner Wünsch Vom Gipfel des Berges Um weiden zu gehn auf Den fetten Triften eurer Anmuth. Gar trefflich weiß er zu hüten Aber ich denke ihr selber, Ihr werdet euch hüten.— Und tadelt auch einer Euer Benehmen, Findet nicht lieblich, Daß ihr so frei seid Laßt euch, ihr herrlichen, Solches nicht grämen, Denn auf den Bergen Wohnt ja die Freiheit.— Ich erlaube mir, ein kunstliebendes Publi— kum aufmerksam zu machen, daß ich am 1. Apr. mit dem Vorlesen meines Heldengedichts„die Holsteiniade“ beginnen werde— Aus galanten Rücksichten für das schönere Geschlecht möchte ich schwachnervigen Damen over solchen die ein zar⸗ tes Interesse für mich hegen, den Besuch der Vorlesungen nicht anrathen da ich mir schmeichle das Kampfgetöse so plastisch und meine eignen Schicksale und Gefahren so ergreifend und trau— rig dargestellt zu haben, daß ich einerseits für Nervenzuckungen und anderseits für zu starke Er⸗ regung des Mitleids fürchte, welches dann leicht zum Verräther der heiligsten Gefühle werden könnte. Orpheus. Gatt ll! wenn doch nur so'n Chemiker uff merr verlielt wär. Mei Memme hatt emal dem Glick gehabt, awer ich derf mache, waß ich will, alles vor bachinum. Ich gucke nu dem ganze Dag mit's freindlichsten Gesicht, mit die verlieb— teste Auge, unn äs will keiner anbeisse. Iwer mei Herz iß wohl e dicke Wand, awer darum isses auch viel wärmer als den Abenländer ihrsch. Korz ich gaih noch kapores, ich glawe ich hebb den Auszehrung üwer mer. Schmajes, wenn das de Edde wißt!!! Der eine: Ach Herr Jesses, Sie chemischer Zigeuner Sie, schämen Sie sich denn gar nitt, mit so dinne Beinercher vor alle Leit erumie⸗ danze? Unn das bische Epoulette auf de Achsel!“ Der Andere:„Sie haben eben auch keinen Geschmack. Starke Beine sind das Attribut der untern Schichten; durch was sollten wir uns denn vor diesen auszeichnen? Sieht man so nicht viel feiner und ästhetischer aus? Zudem ists so Mode in Gießen. 5 Alle: Ja freilich, wann Sie die Aesthetik an den Beinen suchen!— Sonntag den 21. März wird in hies. Gast⸗ hause zum Zweihorn von einigen Komödianten und Komödiantinnen das Lustspiel: Benediet: Einer muß heirathen, aufgeführt werden. Wir können das Stück dem Publikum empfehlen und versprechen unsern Le⸗ sern nach den Feiertagen eine getreue Schilde— rung des Spieles zu liefern. D er Zigeunerbub im Westen. Fern im Ost das kühle Böhmen, Böhmen ist mein Heimathland, Wo die bärtigen Zigönen Lauschen hinter Feisenwand. Wo die bittern Hopfen grünen, Wo der Hanf so duftig lacht, Und man Barchent trägt und Linnen Und man Wasserstiefel macht. Lang zigeuner' ich mit Lorgnette Auf und ab vor ihrem Haus; Ach wenn sie nur einmal hätte Hold geblickt au mich heraus! Doch sie will mich, scheint's nicht haben, Nicht mit mir zum Vater geh'n— Ach, mich a men, bärt'sen Knaben Will sie nimmermehr versteh'n!! Und so hab' ich ohne Lohnen Mich vom Farbeutopf entfernt, Meine chem'schen Reactionen Hab' ich all' umsonst verlernt. Mein, mein westlich Herz es regt sich Laut mahnt mich mein Arbeitssinn, Meine Seel, fühl ich, bewegt sich Wieder nach dem Farbtopf hin. Des Gewissens mahnend Schlagen Länger halt ichs nicht zurück: Will ja jeder Lieb entfagen Laßt mir nur des Färbers Glück. Fort nach Osten, fort nach Böhmen! Ja o Land wo Tuch und Len'n; Nur im Lande der Zigönen Will ich einst begraben sein! Condolenz ⸗ Visitten wegen meines Durchfalls nehme ich bis zum 20. März noch täglich an. g a 5 Leorhart. Verantwortlicher Redakteur: C. Schild. Druck und Verlag von C. Schild. ͤ— —̃—