Later 5 Erster Jahrgang. Erscheint wöchentlich mal. Preiß für Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr Einzelne Nrn 2 Kr. . Das nemännche. Postämtern 3 Monate abonniren wobei 0 der übliche Postaufschlag eintritt. 5— Die Hexe von Endor. Ein Träumer, wie einst Plato, da er sei— nen Jüngern die Schöpfungsgeschichte erzäblte, oder St. Paulus, da er einen Tag und eine Nacht in der Tiefe des Meeres zubrachte und dann in den Himmel aufflog, oder wie Moha— med, da er sämmtliche Himmel in Zeit von we— nigen Sekunden durchflog und 11,000 Unterre⸗ dungen mit Gott hatte, oder endlich wie Herr Jaup, da er die Friedenspfeife rauchte, ein Träu— mer also, Baruch mit Namen, gieng eines schönen Abends in Palästinas Fluren spazieren. Da er gerade von dem Nachtessen kam und Noah's Ge⸗ träuke ihn mit einem etwas rascheren Herzschlage gesegnet hatte, so rief er aus:„O wie herrlich ist doch diese Welt! und wie schön wird sie erst sein, wenn das Schwert zur Sichel geworden und die Erbsünde von uns weggenommen ist!“ der Arme! er dachte nicht daran, daß, da er nickt getauft war, er nur böchstens in die Vorhölle gelangen könne und daß ihm einst ein Candida— tus Theologiae die Seligkeit absprechen werde, weil es der Herr Professor wünschte! Jetzt mag er von seiner irrigen Anstcht zurückgekommen sein, wie der gelehrte Philosophe Leibnitz, der erst mit furchtbarem Wortschall bewieß, daß alles auf Erden gut sey, hernach aber an Podagra litt und sich einen Esel nannte, oder wie Herr von Gagern, der erst den Malmöer Waffenstillstand billigte und nachher selbst nach Schleswig zog— Nun aber dachte Baruch einmal so und da ihm kein Engelein erschien, das mit der Hand das Meer ausschöpfen wollte, wie St. Augustino, so freute er sich dieses Gedankens und teäumte von der Schönheit der nachmesstanischen Zeit, wie Gotha vom Kaiserreich. Die Nacht sank schnell von Osten her('s ist doch sonderbar, daß die Dunkelheit immer von Osten her zu uns kommt) auf Judäas Gefilde herab, doch Baruch merkte es nicht; der Stern Scheat war bereits aufge— gangen, d. h. es war 11 Uhr Nachts und noch immer träumte Varuch. Siehe! da stieß er plötz— lich an einem Kreuzwege auf ein schreckliches Ge— bilde. Der Israelite war durch seine Geschichts- bücher an manches Scheußliche gewöhnt, man denke nur an Kain, an Sodom und Gomorrha, an Loths Töchter u. s. w., aber so etwas Schreck— liches war seiner Judenphantasie noch nie erschie— nen; häite er vielleicht St. Johannis Apokalypse oder Görres Mystik gelesen, so wäre er wahr- scheinlich weniger erschreckt gewesen, allein das Glück, diese herrlichen Schilderungen zu besitzen, war erst der nachmessianischen Zeit aufbehalten. Auf einem Steine saß ein altes, scheußliches Weib, das ich nicht schildern will, da ich in derlei Din— gen nicht so geübt bin, wie Herr Ainsworth, Eugen Sue ꝛc. Vor ihr brannte ein Feuer, in welbem scheußliche Salamander sich umhertau— melten, wie die armen Seelen im Fegefeuer. Unken, Kröten und sonstiges giftiges Gewürm kroch rings umher, wie am Hofe eines Tyrannen. Ueber dem Feuer stand ein Kessel voll stedender Flüssigkeit und ein giftiger Schaum deckte dieselbe, der von dem Weibe von Zeit zu Zeit mit der Krücke abgeschäumt wurde. Nicht weit davon lag auf einem Wegweiser ein Rad auf welchem man halbverfaulie Menschenglieder wahrnahm, wie in dem Spirituskasten der Gießner Anato— mie. Raben, Geyer und andere Auszögel um— kreisten diefes Instrument und heulten in die Lüfte hinein, noch ärger als die Heuler im Jahr 1849. Baruch schrack vor diesen Scheußlichkei⸗ ten zurück, wie ein Theologe vor dem Secirsaale, aber da er der Stammvater jenes berühmten Maccabäers war, der des feindlichen Königs Ele— phanten mit seinem Schwerte durchbohrte,(dieses Schwert wurde nachher deutsches Reichsschwert und hängt jetzt in Dresden) und folglich Muth hatte wie ein äöchter Judenjüngling oder wie ein deutscher Corpsbursche, so trat er kühn vor das Weib und rief ihr zu:„Weib, wer bist Du?“ denn er hatte noch nicht gelernt, wie ein Italie— ner das Kreuz vor dem Teufel zu schlagen, oder, wie Görres, zu rufen: Do, ut des ete. „Ich bin die Hexe von Endor“! erwiederte das Weib„und habe schon Majestäten gesehen.“ 82 „Ich auch“, entgegnete Baruch,„aber noch keine wie Du!. (Schluß folgt.) Die Goldbergerschen Gesundheits⸗ Ketten. (Gedicht von Schlammbeißer.) Vun Reimadismus stark befallen, Saß ich unn kunt niit vun der Stell', Die Zeit mit ihren langen Krallen Maaß zom Verdroß ich nach der Ell'. Schond ville lange Winternächte Hatl' sitzend ich sou zugebracht; O helft ihr unsichtbaren Mächte, Su hatt' ich oft im Still'n gedacht. Letzt daacht ich gar es käm' mei Ende, Vun Podagra ganz schwach unn matt, Do fiehl mer pletzlich in de Hände E Dahl vum Gieß'ner Wocheblalt. Flink meine Aaage iwerfliege Dei paar Seite kreuz unn quer Ich docht mich su in Schlaaf ze wiege Waß aach gar bald geschähe wär'. Doch Dunner, uff der ahne Seite Wei risse sich mei Aage uff: Den Reimabismus abzeleite E Mittelche stand da druff. Ha, doch ich, wer doch su ahns hätte, E Hexeding su nett unn fein, Kann doch mit seiner Wunnerkette Vum Delirium wohl gahr befrein. No, dacht' ich, waß iß anzefange, Zom Gehe haste kahne Kraft, Unn dacht ich, an de Halz ze hänge, Wer wahß ob doas d'r Lindrung schafft. D's Leide war ja an de Fiße, Ich stoppte nu reecht zahrt unn glatt Mer zwische den Verband unn Kisse D's ganze Gießer Wocheblatt. Aich thot das noz aus Jux unn Jokus, Doch heert— bei Seite aller Spaß, Unn wißt, grad dorch den Hokus Pokus Aich schnell vom Reimadismus g'naß. Dann heert noz, noch zor selwe Stond Lief aich hin zom Maskeball Unn danzte fuffzigmal dei Rond Bei Drommel- unn Drommpeteschall. Drom rath' ich Eich, unglab'ge Terke, Daß sulche Kette Ihr Eich schafft, Wei muß dei Kette selwer werke, Hatt dei Annunee sulche Krafft. (Aus dem Hess. Volksblatt.) In einem Dorfe nicht weit von Görlitz wohnen ein Förster und Pastor. Der Förster will Rebhühner ja— gen, der Pastor seinen Rheumatismus los werden. Eine Rebhühnerschnärre ist nämlich eine Art Schnur, womit der Jäger einen besonderen schnarrenden Ton hervorzubringen versteht, der als Lockvogel bei der Rebhühnerjagd benutzt wird. Was eine Rheumatismuskette ist, weiß jeder gute Deutsche, sogar Schlammbeißer. Sie geben also einem Boten, der zur Stadt geht, ihre Aufträge. Der Bote bringt die Rheumatismus kette, vergißt aber die Rebhühnerschnärre. Einige Tage späier be- gegnen sich der Pastor und der Förster, und während dieser klagt, daß ihn der Bote im Stiche gelassen, lobt jener die wahrhaft zauberhafte Wirkung seiner Rheumatismuskette. Der Jäger wird neugierig, auch einmal ein solches Wun— derding zu sehen; der Pastor entblößt den Hals und zeigt— eine Rebhühnerschnärre, die der in der deutschen Industrie wenig Bewanderte für die Heilkette gehalten hatte. Herr Redacteur! Durch Vermittlung eines Freundes ist mir erst jetzt die Nummer ihres Laternemännchens zukommen, in welcher sich Bileams Esel beklagt, daß ich seiner neulich in der Kammer erwähnt habe. Da man nach Sokrates Ansicht einen Esel nicht verklagen, nach der Vorschrift Sirachs aber Mitleiden selbst mit dem Vieh haben soll, so bitte ich Sie, wenn Sie mit gedachtem Bedienten Bi- leams je wieder in Berührung kommen sollten, denselben wissen zu lassen, daß mir nicht einge- fallen sey, denselben deßhalb für einen Verbrecher zu halten, weil er immer Pa, Pa gesagt. Wollte ich Jeden für einen Verbrecher halten, der diese Gewohnheit hat, so hätte ich viel zu thun. Ue⸗ brigens dürften Sie dem genannten Esel doch auch gelegentlich einmal bemerken, daß er sich bei einer gewissen Gelegenheit außer seiner gewöhns lichen Behahung eine Bemerkung erlaubt habe, die ihm vielleicht nicht so glatt hingehen dürfte. Als ihn sein Meister eines Tags schlug, weil er denselben nicht ins Verderben tragen wollte, fragte er denselben nach der Bibel fast erwas vermessen: Bileam warum schlagst Du mich? Paulsackel. Gut'rausgebissen. Ein gift⸗ und gall⸗ süchtiger Volksredner ereiferte sich in einem einst⸗ maligen Vaterlandsvereine dermaßen, daß ihm plötzlich die Stimme versagte und er die Redner⸗ bühne verlassen mußte. Sein Nachfolger ent— schuldigte ihn mit folgenden Worten:„Mitbürger, den geehrten Sprecher vor mir hat die„„stille Wuth““ überfallen. Wiener Witz. Als der Kaiser an einem Rheuma am Arme litt, erzählten die Wiener, der Kaiser habe Schmerzen am Arme, weil er den Wiener Belagerungszustand habe auf⸗ heben wollen und sich webe dabei gethan habe. Schwarzenberger: Willkomm biste widder glicklich ankomme? Eckelsberger: Wei kimmste mer vehr? Schw.: Ich meine von deiner Vergnigungs— reis' nach Cassel? Eckelsb.: O gieh, alleweil noz e Stond aus'm Vadderland ze mache, wär en gefehrlicher Staaisstraich vo mer. Schw.: Warum? Eckelsb.: Hoste nitt gelese, daß der Loui 80 Milljone vo Belgie verlangt? wann er nu unser Vadderland aach blötzling so brandschatze deht unn aich schwelgte in fremde Lande. Uewri- gens nach Cassel ze mache wär doch mei letzt Stazion! Schw.: Worum, da isses recht schön! Eckels p. Von der Schönheit will aich nix wisse, dort haus't ahner der iß im Stiwitze prem⸗ mie, unn ich sein als froh wannich e ornliches Möckelche uff'm Balch hawwe. Davitt, Hoffentlich machen die Berliner Schnei⸗ der mit ihrer„Ersten Allgemeinen Lan⸗ des, und National-Haupt⸗Garderobe⸗ Manufactur“ auf der Frankfurter Messe wie⸗ der ihr Glück. Erste Allgemeine Landes- und National-Haupt-Garderobe-Manufactur! Mit diesem Berliner Winde muß wan die Eng⸗ lische Flotte vor sich hertreiben können. Wenn die Phantaste-, Thee- und Gesellschafts-Fracks, die Winter- Paletots, die griechischen Mäntel, die Schlaf-, Haus- und Reitröcke auch so win⸗ dig sind, wie diese Firma, wäre auch zu wün⸗ schen, daß die erste Allgemeine Landes-National⸗ Haupt⸗Garderobe-Manufactur jedem Käufer eine Wärmflasche zugäbe. Auf dem Dampfschiff. Kellner: Sie müssen den Stuhl hergeben, es wird unten gespeist; überhaupt sind das Ca⸗ jütenstühle, die gehören nicht hierher. Passagier: Nu warum ka Jüdestühl?— wann ich so viel bezahle muß, wie e Christ, do will ich aach so en Stuhl hawe.— Was Sache, ka Jüdestühl! — 83 — Sagen Sie mir um Gotteswillen, liebster Herr Commerzien-Rath, was denkt sich der Mann, der Herr Finanzminister, mit die ewigen Anlei⸗ hen? Na Spaß! Was schadt's i hm? Die Menge muß es bringen. Hoppewanst: Ah, bonn Schur Freind! no wei hott dersch ins Kenigs gefalle, hatt' sich dei Gesellschaft ornlich uffgethan? Löschbrand: Ganz gout hatt mersch ge— salle, awwer's war grad nitt so, wei ich mersch getraimt hatt. Hoopew.: Gelt Männche,'s Gorgelvergnige war auszesteh,'s iß d'r aach kei Fäßche im Halz stecke gebliwwe? Löschbr.: Deß mag all sei wie's will, aich hab mich ameisirt unn ganz gout gelebt derbei, awer nitt gout hatt ich diesmal spektlirt. Hoppew.: Dei Blosing werd Dich viel ge⸗ kost bawe? Löschbr.: Aach nitt. Awwer De wahst ja doch, daß ich bei solche Gelegeheitte kahnmohls kahn Geld niit mitnemme; ich bestelle mer als druff un druff bis aich ornlich vergnigt sei, dann fang ich mit'm Erschte Beste Specktakel ahn unn lasse mich'nauswerfe; hatt awwer diesmohl grad kahn Glick bei meim Eisatz. Hoppew.: Worim, wollte se Dich nitt fuhr— werke, warschten gwiß ze arg uffgedunnert in Deiner geerbte Meckedesch? Löschbr.: Doas wohl aach, awwer wei ichs e winckelche zu graulich machte, bisse se doch an unn batsch da flog aich. Awwer kaum läg aich vor der Dehr, do schreit sou en verfluchter miß— günstiger Mensch:„Hurrjesses, meine Herrn, der Herr Löschbrand hatt ja dem Herr König noch nitt die Laus bezahlt, woe ften widder'erei!“ unn schwupch, da flog aich aach widder zom Haus enei, unn daß Hin- unn Herwerfe kann aich gar nitt gout vertrage. Aich schrie als: daß iß Reaction, meine Herrn, half awwer nix. Hoppew.: Gitt's dann dort so reactionär her e Löschbr.: Agrad, wei mein mindlicher Vor—⸗ trag, so isses. No, se stellte en Wechsel uff mer aus unn den habbich aach aeceptirt; unn als aich mich weiter noch vertheidigte, rief widder ahner: „der Mann hatt recht, werft'n naus!“ unn aich flog aach gleich so schön, daß ich erscht glaabte, se wollte schottisch mit mir danze.— Im Ue⸗ wrige wißt aich mich üwer Speise unn Getränke unn billige Bedienung gar nitt ze beklage. Während die Amerikaner in vielen Din⸗ gen die Engländer überflügeln, hat ein ir⸗ ländischer Geistlicher die wichtige Entdeckung ge⸗ macht, daß die Erde nicht rund sey. — 8⁴ Anzeigen. — 2 Literarische Anzeige. Die Rückenmarkdarre heilbar! Gekrönte Preißschrift mehrerer Frauenvereine von Dr. K. Reinhardt. Dieses schätzbare Werk enthält Anleitung, wie die Rückenmarkdarre durch erotische Mittel zu heilen ist. Aus dem franzö⸗ sischen; Preis mit Stichen fl. 1. 12 kr. und durch verschiedene Buchhandlungen zu beziehen. Richt zu übersehen! Da sich mein früberer Associe und Geschäfts⸗ führer, Herr Richard Mannvolk während meiner Abwesenheit von mir getrennt hat, so zeige ich einem geehrten Publikum ergebenst an, daß ich den Unterricht im Zappeln und Quecksilberbereiten nunmehr allein ertheile, und bitte um geneigten Zuspruch. NON Reise gelegenheit nach Amerika über Li very o 0 l. Abfahrt von Mainz: jeden Mittwoch. Die Passagiere werden durch eigene tüchtige Condueteure bis in den Seehafen begleitet. Pünktlichkeit in den Expeditionen, billige Preise und genaue Erfüllung der eingegangenen Verbindlichkeiten werden diese Reisegelegenheit auch ferner empfehlen. Coneesstvnirte Haupt Agentur in Mainz, Heinrie h Zit z, Nähere Auskunft, Prospecte und Ueberfahrts Verträge ertbeilt Der eoncessionirte Agent in Gießen J. Laue ker t mehre Wagen sind billig zu verkaufenz wo? d. Exp. Dunger, (Wiege. verkaufen. fragen. Ein hiesiger Mann, der zu seiner voll⸗ kommenen Beschäftigung noch einige Stunden des Tags übrig hat, wünscht von Advokaten, Comp⸗ toirs ꝛc. noch Aufträge in Schreibereien zu über⸗ nehmen und können allenfallstge Anträge auf der Exped. d. Bl. abgegeben werden. Eine noch ganz gute, starke, eichene ist hier billig zu Wo, ist auf der Expedition zu er⸗ in neuen und alten, namentlich 70 4 Mleider, mit Röcken, Consirmanten⸗ Röcken, schönen Westen, Hosen, Hemden, Stie⸗ feln ꝛc. ꝛc. ist mein Lager wieder aufs reichhal⸗ tigste versehen. Hr. Frech, Schneidermeister, Caplaneigasse. drei gut möblirte mit Sopha versehene Zimmer sind zu und können sogleich bezogen Das Nähere bei der Expedition. LodiS, vermiethen werden. Verantwortliche Redaktion, Druck und Verlag von C Schild.