7 9 8 A. 1 N 82 2 5 aternemännche. Erster Jahrgang. Erscheint wöchentlich mal. Preiß für Gießen, 8. Klai 1852. ———— 8 5 Auswärtige können nur bei den nächsten 72 2 5 7 2 it Bri 12 Postämtern 3 Monate abonniren wobei Moßgelich eit Einzelne Nen 5 228. 0 der übliche Postaufschlag eintritt. Aus dem Briefwechsel eines Llohs. Liebe Muhme! (Fortsetzung.) Doch da ich nun doch einmal an diesem Gegenstand bin, kann ich Ihnen gleich sagen, wie sonderbar man hier von der Ehe denkt. Statt in ihr die ewige Vereinigung zweier sich gegenseitig ergänzender durch eine innere Noth⸗ wendigkeit und doch freie Wahl zu einanderge— triebener Seelen zu erblicken, ist hier die Ehe theils Geschäfts- theils Gewohnheitssache, theils ein unvermeidliches Uebel. Dieses Letztere na— mentlich bei vielen jungen Bürgern, denn fast ist es Sitte geworden kurz vor ber Taufe zu heiralhen. Das gibt dann gleich einen schönen Eintritt in den Ehestand so eine Zwangsheirath, und das Ende wird dann immer schöner.—. Aus freier Wahl finden sich außer in den un— tersten Klassen selten zwei Leute zusammen, man sucht und läßt sich suchen und nimmt danny, was einem am meisten Gewinn verspricht, aber damit ist nicht der innere Gewinn gemeint. So gibt es denn auch sogar unter den Ständen, die sich die gebildeten nennen, eine Anzahl Menschen, meist Frauenzimmer, die theils, weil das Ge— schäft einträglich ist, theils aus Vergnügen an der Sache die Leute zusammen verkuppeln und zu diesem Endzweck eine Menge von Fallstricken zu legen vermögen, in denen schon mancher gute Kerl und manches wohlgeartete Mädchen statt des gehofften Glückes ein kummervolles Dasein gefunden hat. Pfui über diese gerieinen Seelen, doppelt pfui, wenn sie die eigenen Kinder auf solche Weise zum Verkauf aussetzen wie das Viehl Und denken Sie, Muhme, solche Leute würden f verachtet, dann irren Sie sehr, nur weun ihnen ein Plan mißlingt, dann spricht man davon. Wie oft hatte ich Gelegenheit zu sehen wie diese ar— men Madchen zur Schau gestellt waren in dem eckelhaft geschmacklosen Aufputz französtscher Sinn⸗ lichkeit. Aber Sie wissen noch nicht, wie die Menschen bei solchen Gelegenheiten aussehen, ich meine bei Bällen. Nun denken Sie Sich auf einen Heukegel den Oberkörper eines Mädchens gesetzt, die Taille zum Umknicken eng, die Brust nach oben gepreßt und entblöst, die Arme fast unbeweglich beigezogen und die Hände in Glanz⸗ leder gepreßt. Denken Sie Sich nun noch eine sinnlose Frisur, Goldklumpen in den Ohren, den Kopf voll Blätier und Blumen, iu ugleicher Weise⸗ die Brust verblümt und am Kleid noch hier und da ein Bouquet, so brauchen Sie in Ihrer Phan⸗ tasie nur noch einige breite Schleisen und eine Menge flatternder Lappen und Spitzen, soge⸗ nannter Garnirungen, nach Belieben zu verthei— len, die bis auf die Erde herabhängen und Sie haben das Bild eines Balldämchens, denn daß dieselben Füße haben, das bemerkt man erst, wann sie sich bewegen. Ich glaube Praxiteles würde vor einem solchen Ding wie vor einem Ungeheuer fortlaufen, und Michel Angels schlüge wohl 3 Kreuze. Ich brauch Ihnen nicht mehr zu sagen, liebe Muhme, denn Ihr Kunstsinn ist zu bekannt, als daß ein Weiteres möthig wäre. Doch eine Sonderbarkeit noch, diese Frauenzim- mer schämen sich meistens in dem einfachen Haus— kleid vor Bekannten zu erscheinen, wäbrend sie auf dem Balle jedem Fremen die halbe Brust sehen lassen, freilich steht ihnen meist auch das Hauskleid schlechter, denn sie verstehen nicht sich zu beschöftigen, wie es einem tüchtigen Mädchen geziemt, sie passen sich eher dazu in einem Harem sich bedienen zu lassen, oder höchstens als Ge— sellschaftsdame einer hohen Herrschaft die Lange⸗ weile zu vertreiben— Und das ist nicht nur bei den ästhetischen Leuten der obern Schichten der Fall, nein auch im Bürgerstand fängt die Unsitte der gebildeten Affen an sich zu verbreiten, die lesen auch schon lieber einen Roman, statt den Kochlöffel oder die Stopfnadel in die Hand zu nehmen, aber da ist's freilich nicht von so nachhaltiger Gefahr, denn ein tüchtiger Bürgers— mann weiß gewöhnlich sich seine Frau zu ziehen, wenn ste nicht jo ist, wie sie sein sollte. So weiß ich sicher, daß das Bürgersmädchen, dessen. Complimentirbuch neulich nach Oestreich gewan— dert ist, sich sicher noch zum Besseren bekehren wird und kann es über seinen Verlust trösten.— Doch Sie wissen nun noch nicht, in welcher Tracht die Männer auf den Bällen erscheinen Je nun, sie tragen Röcke mit abgeschnittenen Schößen und hohen Halsbinden, so daß die dünnen aussehen wie Bachstelzen und die Dicken wie Pinguiner, und dazu kommt noch die sonderbare Art von Hüten, von denen ich neulich Ihnen ein Muster schickrte.— Denken Sie sich nun eine recht wol- lüstige, raus tende Musik, ein Dutzend Pärchen von der beschriebenen Gestalt wie Betrunkene durch einen Saal rasen, einige weitere Dutzend schweigend mit keuchendem Athem und klopfendem Herzen den Wink erwartend, durch den auch sie losgelassen werden, fügen Sie hinzu einige gäh— nende ältere Herrn, einige mit Wohlgefallen auf die Töchter schanende Mütter, einige verschmähte Liebhaber mit Symptomen der Verzweiflung Es— sigwein trinkend, einige Schimmel hier und da der Erlösung harrend, und Sie haben das Bild eines Balles, wenn Sie stets bedenken, daß beim Tanze selbst nur höchst selten einmal eine schöne graziöf, anständige Bewegung zum Vorschein kommt. Unterhaltung findet bei Bällen nicht statt, und dennoch werden meist hier Bekannt⸗ schaften angeknüpft, die für's Leben binden sol; len. Kein Wunder, daß in einem solchen Zu- stand der Raserei viele dumme Stieiche gescheher und den Kupplern Thür und Thor offen ist. Bei une gilt der Grundsatz erst zu prüfen und dann zu wählen, bei den Menschen ist das umgekehrt, wenigstens prüfen sie meist nur das, was sie nicht prüfen sollten, nemlich wieviel Geld oder wieviel Ahnen, wieviel hochgestellte Verwandten etwa ein Mädchen hat, nicht wieviel Tugend und welche Gemüthsart. Ja man bespöttelt sogar in Gesellschaßten diejenigen, welche jene innere Plüfung vornehmen oder vielleicht gar den Aus— schlag geben lassen. (Foris. folgt.) Zwiegespräche. Malzthier: Ich kann mich bald nir mehr ernähre, ich werrn unner die Solldate gieh; ich sein nor noch nitt recht ahns, zou welche. Hoppewanst: Ich will Dersch sage, De giehst zo unserm Kenig, do wern jeden Dag viele Feldwewel gemacht, do kannste shnell awan⸗ stre. 5 110 Malzthier: Gieh, Späßmächer! De mahnst doch do, wo das goute Beier unn die schleechte Benk sei? Hoppew.: Dei Benk sei bahld all, es sein neilich schund zwä mit zwä Handwärksborsch dorchgeg ange, ohne daß die 8 gewahre worde, dann de Bänk sei an de Hose hänge gebliewe. Malzthier: Waß e Glick, daß ich nett grad hinne druff saß, wei leicht hätt ich unschul⸗ dig könne entfihrt wern! Hoppew.: Ach, Dich behält Kahner! Doas bittere Beier drink ich gern. e Malzth.: Na, sei Bockbeier iß gout, unn kost blöslich 4 Kreizer; schaad, daß'r nix bumbt, waß aigentlich sei Glick sei könnt, awer es hähst, hei de Bock unn hei de Batze. Hoppew.: Do hottr aigentlich recht, dann doas Geld, doas mer versoffe hatt, bezahlt mer nitt gern zwämohl. Ein Pariser, der Alles durchgebracht hatte ist auf ein eignes Mittel verfallen, um sich Geld zu verschaffen. Er eröffnete eine Ausspielung mit 100,000 Nummern zu 10 Francs. Blos eine Nummer gewinnt und zwar verspricht er die eingegangene Million mit der gewinnenden Per— son zu theilen. Zieht dagegen eine Dame die gewinnende Nummer, so macht er stch verbind lich, ste auf jeden Fall zu heurathen, wie alt und häßlich sie auch sey. Will die Dame ihn nicht, so erhält sie die halbe Million Wird gewiß manche alte Jungfer einsetzen. In Mainz fragte ein österreichischer Soldat seinen Kameraden:„Seppel, wie lang host holts dei Moadel jetzt schun?“ worauf dieser antwor⸗ tete:„wann's widder drüwen zu Castel brennt, werd's grod a Johr.“ Mann: Zum Gewitterkeil, waß mechste dann so spät off dem Brahnd, hoste deham nix ze thoun?! Frau: Mer giehn de dritt spaziere, werd Dich doch nix kümmern, wann de Awendlufft genieße. Mann: Awer do kannste mitt mir gieh, do brachste doch zom Gewitterkeil kahn annern, isses nitt genug, wammer morgens beim Kaffibringe schaͤnd Visitte mecht, na, mer laaft aach noch uff de Brahnd, daß kann ich grad noch brache. das ich e wink Blanbart(in wohlgewogenem Tone): Vieh⸗ lippche was trinkst Du denn da, ich glauwe Dir ist nicht gut? — 111 Ei ich trinke Zuckerwasser, Blau- Philipp: bärtche. Blaubart: Ja, au diesem Getränk sind schon die edelsten Männer gebliewen, gewiehn dersch awwer ab, sonst giehste in de Niß, Vieh⸗ lippche! Eine Magd zu einer andern, die einen Schub⸗ karren voll Erdkohlraben fährt:„Ei Lisbeth, wos moacht'r dann alleweil noch mit dei unner— erdsche Kollerawe?“— Antwort:„Ei dei brache mer bleeslich fehr onsere Sturrente unn fehrsch Voih!“ Aus Thaliens Tempel. Warum bin ich vorgestern nicht herausge— rufen worden, da ich doch durch mein Sviel das Publikum so lebhaft amüsirte? Donna Clara. 8 Ich verbiit' mer alles eraus rufe. Sebastian, Zigeuner aus Frankfurt. Canalmüller: De hast neilich doch reecht, Hammelcher, mit dem Schneirer, der die Klarer mit Dampf mecht unn mer kei Nähmedercher mehr bracht. Schlammb.: Gelte Abler! Awer das kof— frire, waß das iß, begreif ich nett. Canalm: Ach deß iß warscheinlich, mer e Kuffertche hinne druff stelle kann. daß Es ging vor Zliten sehr behende Ein Diener sehr oft ein und auf Er wäschte sich gar oft die Hänge Mit unserem kleinen Bürger Lauf. Doch endlich hat ers so getrieben Daß alles nach dem Gunst ihm stel, Drei Häuser hat er aufgetrieben, Gott weis es nur durch welch ein Spiel. Zuletzt nimmt er sich noch die Frechheit Die armen Spatzen einzulatten, O sprecht ihr Menschen von den Hagen Wie euch das Schicksal nur bedrücht. Ein jedes Kind liebt seine Motter Und jede Motter liebt ihr Kind, Waß soll man zu dem Schicksall sagen Daß 80 in einem Loch verstinkt. Dav. Eckersp. aach die Stell war vergewe, Eine Frau von auffallendem feurigen Aeuße⸗ ren kam eines Abends von der Feldarbeit nach Hause und wollte nach ihrer Wanier schnell ein Essen bereiten. Dazu wählte sie Pfannkuchen zu backen, hatte aber zum Unglück nicht so viel Fett als stie dazu brauchte. Als nun das Fett, welches sie noch hatte, verbraucht war und sie nun in der g ößten Verlegenheit war, schüttete sie mit aller Geistesgegenwart eine Quantität Wasser mit den Worten in die Pfanne:„wann s geräth isses d'r ganz Mühlgaß gebatt.“ Schlammbeißer: Ei zom Donner, Ca⸗ nalmüllerche, waß haste vehr, kimmst uffgedon⸗ nert im schwarze Frack, mer mahnt, de häst ahn ze verthaidige? Eanalmüller. Daß nitt, erscht will ich mer e Kimmelche an de Lippe halte, um mer de Aerger ze vertreiwe, unn dann— Schl.: Fang noz eweil ahn, ich sein ver; dammt neuschierig. Canalm.: Da hattese mer neilich en Fluck hinnersch Ohr gesetzt unn sahre, beim Liebhawer⸗ thiader wolltese doas liederliche Kleeblatt spille unn's fehlten ahner, der die versoffene Roll üwernemme deht. Do dacht ich, doas währ so waß fehr mein Mage unn prodezirte mich ewwe beim Vorstahnd. Waß mahnste nu, waß se mer fehr en Bescheid gawe? Schl.: No wie? Canalm.: So ahn hättese nitt nethig, dei Roll kenmese all selbst iwernemme. Schl.: Deß hätt ich d'r aach gleich sage könne. Canalm.: Ich ließ mich awwer doch noch nitt fortutze unn offerirt mich als Speditör, wanns als eppes de Trepp erunner ze werfe gibt. Awer die hott der Herr v. Rölhök mit so em verroppte Schnorrbohrt, deß soll en Mahster in dem Fach sei. Schl.: Ja, ja, es iß ewe heitzetag alles iwersetzt. Aus einer hiesigen Schule. 1) Anfang eines Gebetes, von Perser (vulgo Phankast.) O du, der du den die das All beleuchtende Sonn' erschaffenden Gott anbetest, du de. 2) Seene. Perser: Weißt du, was du bist? Schüler: Nein 0) Perser: Nun, was man so recht eigentlich im gewöhnlichen Leben einen Dummbart nennt. Schüler: Was ist denn das? Perser: Das brauchst du 19 85 zu wissen. Aha jetzt weiß er? — 112 — Anzeigen. ———2—2— Am 3. und 4. Inni 1852 findet die Geldverlosung der freien Stadt Frankfurt statt, welche Gewinne von fl. 200,000, 100,000, 40,000, 25,000, 2 à 20,000, 2 à f 5,000, 12000, 33 10000, 2 à 6000 3 4 5000, 3 à 4000, 4 à 3000, 12 4 2000, 86, 4 1000, bis abwärts fl 1 4% 4 0, c. enthält. Das unterzeichnete Handlungshaus, vom Staate mit dem Verkauf der Orginal-Loose beauftragt, erläßt hiezu 4 Loos à fl. 6,— 3 à fl. 3,— 4 à fl. 1 30 kr.,— 3 à 45 kr. Plane und alle Erläuterungen über dieses solide Unternehmen gratis. Heinrich Steffens, Comptoir: Mainstraße W. 10 in Frunkfurt a. M. Meine neu errichtete Speise-, Wein-, Bier-& Kaffeewirthsehaft in dem ehemals G. Heß'schen Hause in der Brandgasse empfehle ich hiermit einem geebiten Publikum. Mein Bestreben wird sein, das mir zu Theil werdende Zutrauen auf das Beste zu rechtfertigen. E. Pau sch. in neuen und alten, namentlich leider, mit Röcken, Confirmanten-⸗ Röcken, schönen Westen, Hosen, Hemden, Stie— feln ꝛc. ꝛc. ist mein Lager wieder aufs reichhal⸗ tigste versehen. Hr. Frech, Schneidermeister, Caplaneigasse. Eine freundliche Stube mit und auch ohne Möbel ist zu vermitehen bei Hr. Frech, Schneidermeister, Gasse an der Engelapotheke. Wohnungsveränderung. Seit heute wohne ich auf dem Neuenweg im früheren Gasthaus zum Löwen. Gießen den A4. Mai 1852. R. Frank Hofger.⸗ Advokat Koller und Kanonen sind zu verkaufen und zu verleihen bei Hr. Frech. A2 Eine noch ganz gute, starke 5 N 5 5 9 (Wiege. eichene ist hier billig zu verkaufen. Wo, ist auf der Expedition zu er⸗ fragen. Sehmiedgeschirr. Ein noch in bestem Zustande sich befindli⸗ ches, vollständiges Schmiedgeschirr ist billig zu verkaufen bei Johannes Textor I. in Wieseck. 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