Das Laternemäunche. 289 0 9 0 3 4, 8 Erster Jahrgang. Gießen, 7. pril 852. Erscheint wöchentlich 2mal. Preiß für Stabt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Nrn 2 Kr. 119. Auswärtige können nur bei den nächsten Postämtern 3 Monate abonniren wobei der übliche Postaufschlag eintritt. 7 5: herumwagen. Daß übrigens einige Damen in Ein Maskenball in Krähwinkel. sehr auffallender Weise unserem Ritter folgten II. [OO Das Signal zum Demaskiren hatte zu unserm Bedauern ein Geflüster unterbrochen, dem wir eine geraume Weile mit höchlichem Er— götzen zugehört. Wenn es zwar nicht zu läugnen ist, daß unter den deurschen Herren und Damen der Krähwinkler haute-volée nur ganz Wenige der französischen Sprache mächtig sind, und wir von den Flüsternden nicht unter die Ausnahmen gerechnet wurden, so mögen ste aus ihrer Verle— genheit, die sich ihrer bei Durchlesung(woran wir nicht zweifeln) dieser Zeilen bemeistern wird ein Motiv zur Vorsicht entnehmen. Im Uebrigen wollen wir, obwohl der Gegenstand und Inhalt des Gespräch's mit Glück von uns hier benutzt werden könnte, diskret sein und sofort„hervor— ragendsten“ Masken unsre Aufmerksamkeit schenken. Es ist eine blau angelaufene Erscheinung aus dem Geschlechte der Grallae'en(Stelzenläufer) mit Schwert, Mantel und Barett— vielleicht Don Carlos, vielleicht der Ritter St. Georg(sprich Oschoadsch). Steif und hölzern schlich er einher, stattlich und aufrecht, nur die Nase gekrümmt und unverkennbar fragte sein Blick: Bin ich nicht der gescheivte St. Georg, bin ich nicht der berühmte St. Georg? Doch nicht Alles ist voll— kommen hienieden und fühlte dieses unser Ritter, oder was sagte der scheue Blick, der zuweilen nach jener Gegend hin glitt, wo regelrecht die Mm. gastronomii sein sollen? Sonderbar! wir wurden den Gedanken nicht los: ein Mantel und Barett nachtwandele auf riesigen Spucknäpfen mit Tragstangen daran; freilich, wie fast jeder Vergleich, hinkt auch der unsere, denn jene Trag- stangen sind wenigstens gerade. Wer ein solches Piedestal produeiren muß, verdient Mitleiden, dem Spotte und Gelächter verfällt aber mit Recht, wer glaubt, er könne sich in anliegenden Hosen auf solchem Beinwerk in halbleerem Saole ungestraft und mit Gelächter den Finger nach der schwachen Seite desselben ausstreckten, verletzte den Anstand und verdient eine Rüge. Ein rothgekleideter Be⸗ dienter folgte dem Rittier, wie der Onkel dem Vater, so der Neffe dem Sohn, ein unbedeuten— der Apendix. Einen Bedienten freiwillig vorstel⸗ len— wahrhaftig, das kann nur eine Bedien— tenseele und der Rothgekleidete mag instinctiv das Passende gefunden haben. Vor dem Demaskiren schlug er Sekonden und Primen und ich dachte bereits„auch Du Bruder Corpsstudio bist un⸗ tteu Deinen Fäßchen auf langweiligem Boden; aber weit gefehll! der Neffe des Onkels entwickelte sich. Galten die Lufthiebe viel— leicht den Studenten, die er beleidigt und welchen er Genugthuung versagt oder hält er noch immer fest den Grundsatz: Laß Dich stumpen, laß Dich treten, ein Duell ist kein Thee und ein Schläger keine Pfauenfeder: Meid Dinger die gefährlich sind? Doch weg mit der widerwaͤr— tigen Erscheinung, die höchstens einigen verstan⸗ desschwachen Gänschen imponiren konnte. Seltsam daß einige Menschen entsetzlich un⸗ geschickt sin und geraze das wählen was nicht für sie paßt. So war ein Hohn auf das Prin⸗ cip des Schönen ein junger Mann, eine Parodie der geschmackvollen Tracht von Hellas, der mit stupidem Blick hinter seiner Brille hervorschaute. Mit seiner weißen Suleika sah er einem Bäcker⸗ burschen nicht unähnlich, dem man ein Koch⸗ oder gar anderes Gefäß aufgestülpt, und wer je bei einem hier unnennbaren, narürlichen Geschäft von dem Flurschützen gestört, in flatternder Toi⸗ leite urplötzlich die Flucht nehmen mußte, der wurde, sah er den Hellenen-Jüngling im Tanze umherwalzen und im Schweiße des Angesichts sein Vergnügen ausstehen, lebhaft an die ungra⸗ ciöse Zeit der Jugend erinnert. Zur Entschädi⸗ gung für diesen erbärmlichen Repräsentanten war dem einst klassischen Lande die Genugthuung ge— — 74 worden, daß die schönste, wir dürfen fast sagen einzig schtae Maske, des Abends in seine Farben gekleidet war. Da wir nicht zu ihren ofsiziellen Anbetern gehören und bis dato mur die Ehre haben von Anseben ihr bekannt zu sein, sö' dür- fen wir unbefangen die Worte des Dichters auf sie anwenden 5 Sahst Du die Jungfrau dort? fürwahr Ein lieblich Wesen, anmuthsvoll und schönz Kam wohl von Lesbos herr Byron. Schöne Phil-lina, noch so jung und schön und schon so boshaft, wie viel Körbe wirst Du noch geben; warum erhörst Du nicht die Blicke Deiner schmachtenden Verehrer? Verstehst Du sie vielleicht zu wohl, weißt Du vielleicht, daß es das Metall Deiner Stimme ist, nach dem sie lauschen? Dein Lieb— doch halt!„gefähr- lich ist's den Spanier wecken“ seine Eifersucht fürchte ich und sein Schwert, mit dem er den Mohren scklug und den„Christ“. Zwei Dinge bewunderte er, sie und seine Beine. Eh bien! Slolz will ich den Spanier sehen und sey's auch nur auf dicke Waden; doch wo Niemand Kopf gezeigt har, darf man mit Beinen nicht renom⸗ miren. Mit unsrer Phil— line konnte nur ein Mädchen in die Schranken treten; das gepuderte Haar stand dem feinen Gesichtchen, die altfränki— sche Kleidertracht dem schlanken Wuchse allerliebst und selbst der 15te Ludwig müßte ihr Beifall gelächelt haben. Die übrigen Damenmasken wa— ren meist geschmacklos und sehr zusammenge— stoppelt.(Die haute- volée pflegt näm ich in Krähwinkel viele Kinder und nicht viel Geld zu haben oder knausert) und unschön entsprachen sie meist den Gesichtern, unter denen eines besonders garstig war. Auf einen solchen äußern Menschen sollte man nicht durch Putz und Flitterstaat ge⸗ walisam die Kritik he aufbeschwören; doch für ein garstiges Gesicht kann man nichts, grelle Farben sind Geschmacksachen. Zwiegespräch. Canalmüller: Awwer gestern, Hammelche, hab' ich mich emal recht geschähmt. Schlammbeißer: Ei worim dann, warschte villeicht emal nichtern? Canalm.: Reddt mer nitt so ahnziglich, Hammelche,'s paßt nitt. Na, aich war zon Schulerame eigeladde unn da habb aich gemerkt, daß dei junge Flegel gar nix mieh lerne. Fregt der Mahjister mein Guttlieb,„Goitlieb Canal⸗ nalmüller, wie groß iß Deitschland?“ unn konnt der lausige Bubb nett emahl dei lausige Frag beantworte, er lachte so dommköppig, verdrehte sei Aage unn guckte uff dei Annern, dei Klotz⸗ köpp wußtes awwer holl mich der Deiwel all mitmnanner nitt. Aich habb mich fast geschähmt daß der Jung mei Eigedumm iß. Na, wei solls da noch gieh, wann dei Jugend nett emahl wahß, wei grouß Deitschland, ihr eigedümmliches Vad⸗ derland iß. Schlammb.: Deß domm Kameel, wann e doch noz dei Zung erausgehängt hät, dann warsch schond gout, dann wahr doch wenigstens Dei Ehr gerett; hahßts nitt:„sou weit dei deitsche Zunge reicht?“. Canalm.: Doas isses ja ewe, aich ging bestännig herim unn hatt mei Zong bis iwwer dei Crawatt wei e gehetzter Hond rausgehängt, se begriffes owwer all nett, im konträre Gege— dahl, se lachte m ich noch aus derbei! Schwarzenberger: No, Davitt, De bist anerkannt einer der gescheitste Mitberger hier, hast die viele Redde gehalte, werschte mer auch emahl das Räthsel rathe, in was die Docter unn die Soldate Aehnlichkeit hawe? Eckelsberger: Waß dei fehr Aehnlichkeit hawe? Schwarz.: Ja. Eckelsb.: Dei Docter unn dei Soldate? Schwarz.: Ja ja! Eckelsb.: Daß will ich der korzer Hand sahn. Schwarz.: No, dann druff! Eckelsb.: Daß wahß aich nett. Schwarz.: No, se prakteziren alle beide die Mensche mit Pulwer ins ewige seelige Le- ben; unn waß das Schönste dabei iß, daß sie's auch noch bezahle müsse. Eckelsb.: No, Schwarzenberger, De hast doch damahls aach iwerall dei Maul uffgerisse unn wollst üwer mer sei, sah mer dann aach emal, waß iß fehr en Unnerschied zwische eim brave Soldat unn em ächte Frauenszimmer? Schwarz.: Du stichelst gwiß auf dem Dings sei Frau? Eckelsb.: In kahnem Fall! Schwarz: No, dann weiß ichs niit. Eckelsb: Ei der Soldat hat's Herz unn. d's Frauenzimmer's Maul uff'm rechte Flecke! Scene aus dem Leben eines Professors. Herr Schwentzer GPartikulier).„Ah, gu⸗ ten Abend Herr Professor, wie befinden Sie sich? warum muß ich Sie noch hier sehen, so viel ich weiß haben doch die Ferien begonnen, werden sie keine Reise machen?“ Professor(ärgerlich): Ach nein! ich habe Stadt- Arrest, weil meine verdammten Zuhörer (Commilitones humanissimil) ihre Collegien⸗ Gelder noch nicht bezahlt haben. Herr Schwenzer(verwundert): aaaah!!— — 75 Erinnerung an Wien. Ja! do iß e so unnerirdisch das Elistum; do iß es aber scheen; do stieht mer Europa, deß iß auswendig dran geschriwwe, wann mer do e nei geht, do werd gedanzt; dann sieht mer Ame⸗ rika, deß iß aach auswennig dran geschriwwe, wann mer do enei kimmt, do werd awer gedanztz dann sieht mer Afrika, do sein se schwarz, und do werd gedanzt; in Aste, deß iß aach do, do werd aach gedanzt; do heert mer iwerall nix als Musik, und do werd gedanzt. 5 Vergleiche Limburgers Reisebeschreibung Bd. 1, neue Ausg. Gießen 1852. Herr Wiener, warum lassen Sie sich denn immer Aepfelwein geben, da sie ja doch immer am Durchfall laboriren? Dr. Eppelbuff mit den kalten Füßen. Wahrheiten aus Christophels Tagebuch. Wie man's treibt, so geht's, Wie man's pflanzt, so steht's, Wie man's wirft, so fliegts, Wie man's schnupft, so riecht's, Wie man's schleift, so schneivrs, Wie man's straft, so schreit's, Wie man's heizt, so bäckt's, Wie mans kocht, so schmeckt's, Wie man's füttert, springt's. Wie mans spielt, so klingt's, Wie man's jägt, so flieht's, Wie man's malt, so sieht's, Wie man's wirft, so fällt“, Wie man's näht, so hälts, Wie man's treibt, so geht's, Wie man's schmiert, so dreht's. 7 In der letzten Nummer des Frankf. Jour- nals wird unter andern Produkten der Schweiz auch ein„Schweizermaiduft“ empfohlen. Indem wir an den Patriotismus aller redlichen Gießner appelliren, fordern wir sie auf, ihren Bedarf aus der ausgezeichneten Quelle hiesigen Orts zu be⸗ ziehen. Gensdarme. Aber mon Dieu, in welchem Zustande, nicht gekämmt, nicht gewaschen? Gibts denn in Allemand keine Seifensieder mehr? Deutscher Flüchtling: O ja, an Sei⸗ fenstedern ist uns kein Mangel. Auch war man im Begriff, mir den Kopf zu waschen, ich konnts aber nicht abwarten. Fragen über Fragen aus Lich. Warum macht Herr F. H. so schlechte Witze? Antw.: Weil ihm sein„Gewährsmann“ Raus Ladenbach fehlt. Warum weiß Herr F. H. fetzt auf jede Frage eine Antwort? Antw.: Weil er sich jetzt selbst die Fra⸗ gen stellt und im Examen die Professoren. Welches ist der einzige Todtschlag, den ein Candidat der Theologie mit seinem moralischen Gewissen vereinigen kann? Antw.: Die Zeit todzuschlagen. Und der einzige Diebstahl? Antw: Unserm Herrgott die Tage zu stehlen. Si tacuisses— Hättst Du geschwiegen still! Mit der Rose frischer Knospe schmücke Anmuthsvoll Dir Deines Kopfes schöne Lockenzier! Theures Mädchen! und vergiß nicht Lilien Un dem Kranz, der Deines Lebens schönes Sinnbild ist: Lilien deuten Deiner Seele Unschuld, Deiner Tugend Schönheit aber gleicht die Rosenknospe: Ewig daure diefer schöne Bund! Chev. Couil. A. d. Poir. Dame(zu ihrem Dienstmädchen): Lieschen gehe sogleich zu Herr X. und frage ihn, ob er auch ganz bestimmt kommen werde. Wenn er nicht kommen sollte, müssen wir einen andern Herrn einladen, da für jedes Frauenzimmer nur ein Herr gerechnet ist. Verstehste! Sachsehäuser Höflichkeit. Anno 1848 befand sich in der Paulskirche zu Frankfurt bei großem Gedränge auf der Gallerie auch ein etwas hagerer Schullehrer, auf ihm ruhte ein mit Aeppelwein angefüllter Sachsehäuser und dieser wiro wieder von andern Körpern gedrängt. Der Schullehrer fängt an zu keuchen und zu husten durch den Druck des Aepfelweinränzchens und als des Sachsehäusers feine Nerven davon ergrif⸗ fen wurden, kragt er den Schullehrer ganz zärtlich: „Gottverdamm mich, schanir ich Ihne villeicht, „sou sahn Ses, dann haag ich Ihne ahns, daß 1s Uhnglick krige.“ Räthsel. Warum wird jetzt nur die demokratische Presse beschränkt? 8 Weil die andere nicht mehr beschränkter werden kann. 3 Anzeigen. Die Restauration und Weinwirthschaft im neuen affeeh ms, in PPrankkurt a. M. linke Seite, Paradeplatz Nr. 12. empfiehlt dem verehrlichen reisenden Publikum ihre vorzügliche Mittagstafel à 24 kr. pr. Couv.; Sehr guter Wein 16 kr. pr. Schoppen; Fruͤhstuͤck 16 kr. und Abendessen nach der Karte Joseph Schmölder, früherer 0 im Pfaͤlzer Hof, et quondam stud. liberalium aatium. 5 Eine noch ganz gute, starke, e in neuen und alten, namentlich (Wiege. eichene ist hier billig zu Mleider, mit Röcken, Confirmanten⸗ . Wo, i 5 Röcken, schönen Westen, Hosen, Hemden, Stie⸗ verkaufen. Wo, ist auf der Expedition zu er“ feln ꝛc. ꝛc. ist mein Lager wieder aufs reichhal⸗ fragen. tigste versehen. 1 Hr. Frech, Ein hiesiger Mann, der zu seiner voll⸗ Schneidermeister, Caplaneigasse. kommenen Beschäftigung noch einige Stunden des Tags übrig hat, wünscht von Advokaten, Comp⸗ LoOoGIS drei gut möblirte mit Sopha toirs ꝛc. noch Aufträge in Schreibereien zu über— 9 versehene Zimmer sind zu nehmen und können allenfallsige Anträge auf der vermiethen und können sogleich bezogen Exped. d. Bl. abgegeben werden. werden. Das Nähere bei der Expedition. NAA Reisegelegenbheit nach Amerika ü ber Liverpool. Abfahrt von Mainz: jeden Mittwoch. Die Passagiere werden durch eigene tüchtige Conducteure bis in den Seehafen begleitet. Pünktlichkeit in den Expeditionen, billige Preise und genaue Erfüllung der eingegangenen Verbindlichkeiten werden diese Reisegelegenheit auch ferner empfehlen. Coneessivnirte Haupt- Agentur in Mainz, Heinrie h Zit 2, Nähere Auskunft, Prosecte und Ueberfahrts⸗Verträge ertheilt Der eoncesstonirte Agent in Giessen J. Laue kert Verantwortliche Redaktion, Druck und Verlag von C. Schild.