1 — — . Aenne Intelligenz-Olatt fur die Provinz Oberheſſen ö im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg im Beſonderen. M75. Sonnabend, den 23. September 1848. Amtlicher Theil. Der Wahl⸗Commiſſaͤr fuͤr den zweiten Wahlbe⸗ zirk der Provinz Oberheſſen uin ſämmtliche dienſtthuende Herrn Geiſtlichen in dieſem Bezirke. Betreffend: Die Einführung einer Synodal⸗ und Presbpterial⸗Ver⸗ faſſung in der evang. Kirche des Großherzogthums Heſſen. Och lade Sie hierdurch ergebenſt ein, an der Mittwoch ven 27. September, Morgens 10 Uhr, zu Salzhauſen attfindenden Wahl eines Mitgliedes der Commiſſion, welche — nach allerhöchſter Verkündigung vom 16. Auguſt d. J. — mit dem Entwurfe einer zeitgemäßen Verfaſſung der vang. Kirche des Großherzogthums Heſſen beauftragt wer— ven ſoll, ſich betheiligen zu wollen. Echzell am 17. September 1848. A. Hoffmann, Gr. Decan. Großes Brandunglück in Zell an der Moſel. Aufruf zur Mildthätigkeit an die deutſchen Handwerker! Brüder und Zeitgenoſſen! An Euch richten wir ver⸗ rauensvoll unſer Flehen und Bitte, durch milde Gaben das zroße Unglück zu erleichtern, womit die Handwerksgenoſſen unſrer Kreisſtadt Zell ſchrecklich heimgeſucht wurden. Am 22. d. M. zwiſchen 7 und 8 Uhr Abends, brach, wahrſcheinlich aus Unvorſichtigkeit, in der Behauſung eines urmen Taglöhners in dem oberen Stadttheile wohnend, Feuer aus. Mit jammervollen Blicken mußten die armen Anglücklichen, trotz aller Hülfe, ihr Hab und Gut, nebſt ven kaum erſt eingeerndeten Früchten und Futterkräutern — Raube der ſchnell um ſich greifenden Flammen preis⸗ eben. 5 „„Das Wehen eines ſtarken Windes, genährt durch die gefüllten Speicher und die ſehr enggebauten Straßen tru⸗ zen zu der raſchen Entzündung und Ausbreitung der Feuers— »runſt am weſentlichſten bei. In einer kurzen Zeit wurden im Ganzen 149 Gebäu⸗ ichkeiten darnieder gebrannt, und beinahe an 300, meiſten⸗ heils arme Familien, die größte Hälfte der Stadt, obdach⸗ os und brodlos gemacht, da ſie durchſchnittlich zu arm waren um Haus und Möbel verſichern zu können; Wenige ausgenommen. Von dieſen jammernden Abgebrannten zahlt man 3 Theile von dem hieſigen Handwerksſtande, die ſich in dieſer mitleidsvollen Lage befinden, die nicht einmal ihre Klei⸗ dungsſtücke um ſich verhüllen, noch ihre Handwerksgeräth⸗ ſchaften um ihre fernere Exiſtenz behaupten zu können, ret⸗ ten konnten. Schauerlich und wehmuthsvoll werden nun unſere armen Handwerksgenoſſen die weder Obdach noch Nahrung zur Erhaltung der Ihrigen haben, alſo mit Hun⸗ ger und Elend gepaart, umherirren muͤſſen. Nicht zu ſchil⸗ dern bin ich im Stande dieſe furchtbare Scene mit all ihrem ſchrecklichen Farbenſpiele, welche, wenn nicht fremde Hülfe kömmt, nie verſchwinden werden. D'rum ihr deutſchen Handwerksgenoſſen ſammelt und traget jeder ein Schärflein, wie es in euern Kräften ſteht, dazu bei, damit durch ſchnelle Hülfe euern ungluͤcklichen Collegen ein Ziel ihres Jammers und Elendes geſetzt wird. Sie ſind ja auch von jenen Brüdern die von der Geburt der jungen Freiheit bisher an der Hebung durch Unterſtuͤtzung ihrer Wünſche und Meinungen einer beſſeren Lage fuͤr Deutſch⸗ lands Handwerker zu erzielen, energiſchen Antheil nahmen. Mit welcher Freude begrüßten ſie noch vor Kurzem die nach unſren Wünſchen und Wohle von dem Handwerker- Congreß in Frankfurt entworfenen Beſtimmungen einer neuen Gewerbeordnung, und plötzlich ſind nun durch dieſe Schreckensnacht all ihre ſchönen Hoffnungen zerſplittert. Was könnten ihnen auch die ſchönſten Erwartungen mehr nützen, wenn fremde Hülfe ſie nicht in den Stand ſetzen ihr Gewerbe wieder fortzutreiben. So zeiget denn, ihr deutſchen Handwerker-Vereine, ſo wie jeder einzelne Handwerksgenoſſe in Deutſchlands Gauen, daß ein brüderliches Herz in euch ſchlägt, das Jedem Verunglückten mit Bereitwilligkeit die Rechte darreicht, um dieſelben einigermaßen durch kleine Unterſtützungen in den Stand zu ſetzen, die Ihrigen wieder ernähren und erhal— ten zu können.— Mit Freuden nimmt das unterzeichnete Handwerker⸗Comité zur Vertheilung jede milde Gabe an, wie ſie auch ausfallen möge; mit der Bitte, dieſelbe an den Redacteur des Kreisblattes in Zell E. L. Simon addreſ— ſiren zu wollen, mit der Randbemerkung: Einlage zur Un⸗ terſtützung der brandverunglückten Handwerker in Zell). 4) Die Redaction d. Bl. iſt gerne bereit, milde Gaben in Empfang zu nehmen und an den Ort ihrer Beſtimmung zu befördern. % 308 Die wohll. Zeitungs⸗Redactionen bitten wir dieſe Auf⸗ forderung in ihre Blätter einrücken zu wollen, ſowie alle größere Handwerker⸗Vereine eine Sammlung an die klei⸗ neren benachbarten Vereine dazu ergehen zu laſſen. Zell an der Moſel den 24. Auguſt 1848. E. L. Simon, Buchbinder. Servatius, Färber. Gö⸗ den, Gerber. Binz, Maurermeiſter. Im mig, Bäcker. Grieſſen, Tüncher. Scheurer, Metzger. Bauer, Sattler. Gaſſen, Meſſerſchmied. Schier, Schneider. Bechtel, Schuhmacher. Melchiors, Bierbrauer und Kufer. Fr. Nahezu x. Unſtreitig eine der intereſſanteſten Perſönlichkeiten der Frankfurter Nationalverſammlung, eine hoͤchſt liebenswürdige Natur, ein ſelbſt bei den Gegnern ſeiner politiſchen Anſichten beliebter Charakter iſt Fr. Ra veaux aus Cöln. Wir theilen über ſeine Lebens verhältniſſe mit, was wir darüber aus ſicherer Quelle erfahren. 8 Fr. Raveaux iſt fruher Soldat geweſen, hat als Frei⸗ williger einen Feldzug in Spanien mitgemacht und betreibt gegenwärtig in Cöln ein beſcheidenes Tabakgeſchäft. Aber er gilt viel bei ſeinen Mitbürgern, und dieſer allgemeinen Achtung, in der er ſteht, ſeinem durch und durch ehrenhaften Charakter und ſeinem Geiſte hat er ſeine Wahl zum Abge⸗ ordneten nach Frankfurt zu verdanken. In ſeinen Anſichten iſt er gemäßigter und vermittelnder als die äußerſte Linke der Nationalverſammlung, und nähert ſich daher mehr dem linken Centrum. Es iſt vielleicht kein Redner in der Pauls⸗ kirche, welcher den Ausdruck wahrer, innerſter Ueberzeugung deſſen, was er ſagt, ſo für ſich hätte, wie Raveaux. Bei ihm iſt Alles ſo unmittelbar, er ſpricht ſo einfach und ſchmucklos, ſo herzlich, man möchte ſagen mitunter ſo kind⸗ lich anſpruchlos, und dabei ſind die äußeren Formen ſeiner Rede ſo mild und verſöhnlich, daß er wahrhaft ergreift und rührt. Aber nichts deſto weniger ſind ſeine Reden von geiſtigem Schwunge beflügelt und getragen; ſchön und leicht fliegen ſie hinter einander weg; die etwas hohle Stimme miſcht ihnen etwas reizend Melancholiſches bei, und der ſonſt eben nicht beſonders huͤbſche Cölner Accent klingt aus ſeinem Munde recht angenehm. Ohne den Ernſt des Prin⸗ cips je aufzugeben, iſt er ein ſo tiefgemüthlicher Mann des Friedens, daß man ihm nicht anders wie einem lieben Freunde in's treue Auge blicken und ihm die Hand zum brüderlichen Gruße reichen möchte. Raveaux iſt ein Mann von mittleren Jahren, von faſt hagerem, etwas leidend ausſehendem Körperbau; er hat edle, ausdrucksvolle, feine und kluge Geſichtszüge, dunkles Haar, ſpitzen, dunklen Bart und tiefe, lebendig blitzende Augen. Möge uns der edle Mann lange erhalten bleiben, und er ſich nicht, wie es leider den Anſchein haben ſoll, in ſeinen Anſtrengungen und muthigen Kämpfen für die Ehre, die Freiheit und die Wohlfahrt ſeines Vaterlandes ſeine Kräfte aufreiben! Mannigfaltiges. Eine rührende Erkennungsſcene.— Am 22. Juni ereignete ſich bei der feierlichen Frohnleichnams— proceſſion in der Domkirche zu Poſen ein ſehr intereſ— ſanter Zwiſchenfall. Unter der Zahl der Beter befand ſich nämlich auch ein preußiſcher Huſar, der in dem blutigen Gefecht von Miloslaw am 30. April verwundet vom Pferde geſunken und demnächſt nur durch die Menſchlichkeit eines polniſchen Uhlanen vom Tode gerettet worden war. Dieſen ſeinen Retter erkannte jetzt der Huſar in einem der bei der Proceſſion celebrirenden jungen Kleriker wieder; freilich glaubt er anfänglich ſeinen Augen nicht trauen zu dürfen, ſo daß ſein Hinſtarren das Befremden aller Umſtehenden erregte, als er ſich jedoch vollſtändig vergewiſſert hatte, daß er ſich nicht irre— und er irrte ſich nicht, denn derſelbe Prieſter, der jetzt das heilige Rauchfaß trug, hatte vor noch nicht zwei Monaten die Ulahnenlanze geſchwungen— da ſtürzte er dieſem, der eben mit dem Zuge in die Sakriſtei eintreten wollte, nach, umfaßte ihn in der Mitte des Leibes und bedeckte ſeine Hände mit Küſſen.(N. illuſtr. Ztſchrft.) Beiträge zur deutſchen Flotte. Von den rückſtändigen Beiträgen eingegangen 10 fl. 52 kr. Frühere Einnahme 8 4 5 70 fl. 26 kr. Summe 81 fl. 18 kr. Dieſe Summe(81 fl. 18 kr.) liegt zur Abſendung nach Frank⸗ furt bereit, bleibt aber wegen der politiſchen Kriſis vor der Hand noch bei J. Steinhäußer deponirt. Friedberg den 20. September 1848. R. Schlich. Urich. J. Steinhäußer. W. Simon. Markt ⸗ Bericht. Friedberg, am 20. September 1848. Aufgefahren] Verkauft 5 Gattung. wurden wurden Mittelpreiſe (Mltr.)(Mltr.) 3 Wakzen. 62 41 9 18 ir 25 18 5 52 Gerſte 26 26 4 46 e 23 16 3 11 Kartoffelnn 18 10½ 1 36 Eben 5 2 5 15 * Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. e NÆι Hofraithe⸗Verſteigerung⸗ (13010 Montag den 9. Oktober l. J., Vor⸗ mittags um 10 Uhr, wird in hieſigem Rath⸗ hauſe die den Anton Nerr'ſchen Eheleuten ge⸗ hörende Hofraithe, beſtehend in einem Wohnhauſe, an Karl Oßwald und Jakob Mock gelegen, gibt in den Präſenz 6 kr., dem Fürſten zu Solms Braunfels 6/ kr., öffentlich meiſtbietend ver⸗ ſteigert. Friedberg den 5. September 1848. In Auftrag: Großh. Hefſ. Landgericht daſ. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Hofraithe⸗Verſteigerung. 02) Montag den 9. Oktober, Vormittags 11 10 Uhr, wird in hiefigem Rathhauſe die den Heinrich Büttner'ſchen Eheleute dahier gehö⸗ rende Hofraithe, beſtehend in einem Wohnhaus, an Ludwig Hoffmann und Hofgerichtsadvokat Trapp III. gelegen, öffentlich meiſtbietend ver⸗ ſteigert. Friedberg den 5. September 1848. In Auftrag: Großh. Hef, Landgericht daſ. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Edicetalla dung. (1329) Nachdem Heinrich Sölter von Gon⸗ zenheim bei der unterfertigten Stelle ſeine In⸗ ſolvenz angezeigt hat, werden andurch deſſen Gläubiger vorgeladen, in dem zur Liquidation der Forderungen, auf g Freitag den 6. Oktober d. J., Vormittags um 10 Uhr, anberaumten Termin um ſo gewiſſer zu er⸗ ſcheinen und ihre Forderungen zu liquidiren, als ſie anſonſten mit ihren Anſprüchen an die vor⸗ handene Maſſe, ausgeſchloſſen werden ſollen. Der Präclufiobeſcheid wird nur auf der Amts⸗ ſtube eröffnet. Homburg den 28. Auguſt 1848. Landgräflich Heſſ. Juſtiz⸗Amt Dr. v. Haupt. Kor nſtroh⸗ e (1351) Da die Lieferung von etwa 250 Gebund Korn⸗Stroh, zum Füllen der Betten in den Caſernen dahier, auf dem Soumiſſtonswege vergeben werden ſoll, ſo werden die Intereſſen⸗ ten mit dem Anfügen in Kenntniß geſetzt, daß die ieferungebtoingungen bei dem Unterzeich⸗ neten, Ludwigsſtraße Nro. 470, täglich einge⸗ ſehen werden können; die Soumiſſion längſtens bis den 25. d. M., Vormittags um 10 Uhr, verfiegelt und mit der Aufſchrift:„Stroh⸗ Lieferung betreffend“, in dem am Eingange des Verwaltungs⸗Büreaus des 2. Bataillons des 4. Infanterie⸗Regiments aufgehängten Käftchen eingelegt werden müſſen und gleich nach Ablauf dieſer Friſt die eingelegten Soumiſſionen in dem genannten Bureau geöffnet werden, wobei An 2 Atichnams, ehr intereſ bend seh 1 blutigen don pfen lich, 5 Achkeit einez war. Diese N ber hei der eder; freilich n du durfen Umſtedende tt datte, denn deren hatte vor 1c dungen—* die rin e be luft Zach * 1 . u. AN. B d Af 18 k. ne Fran t Hand noch 8 vie Soumittenten ſelbſt zugegen ſeyn oder ſich vurch Bevollmächtigte vertreten laſſen können. Friedberg den 13. n 1848. Ahl, Buartiermeiſter. Bekanntmachung. Da der Verborg der Braunkohlen a. er Bergwerk nach und nach dine Ausdehnung erreicht hat, welche für die Intereſſen des Werkes bedenklich erſcheint, und amentlich mehrfach die Wahrnehmung gemacht worden iſt, daß die erborgten Kohlen, resp. die Bürgſcheine ſogleich wieder verhandelt wurden, lediglich in der Abſicht, ſich baares Geld zu verſchaffen, ſo ſieht man ſich veranlaßt, hiermit bekannt zu machen, daß für die Zukunft kein neuer Bürgſchein angenommen werden wird, wenn nicht der Einleger die Bezahlung einer älteren, bereits fällig geweſenen Schuld durch Vorlage der Quittung nachzuweiſen vermag. Es betrifft dieſes namentlich alle diejenigen Reſtanten, welche gegenwärtig noch mit Poſten aus dem Jahr 1847 und bis Ende März 1848 im Rückſtand find, welche ſich daher in der bezeich⸗ neten Weiſe vorſehen mögen, damit ſie nicht in die Unannehmlichkeit verſetzt werden, mit leerem Geſchirr zurückfahren zu müſſen. Die Herren Bürgermeiſter werden erſucht, bei Austellung von Bürgſcheinen, auf dieſe Maß⸗ kegel die nöthige Rückſicht zu nehmen und die⸗ ſelbe erforderlichen Falls, im Intereſſe ihrer Gemeindeangehorigen durch die Schelle bekannt knachen zu laſſen. Dorheimer Bergwerk und Friedberg den 12. September 1848. Der Gr. Berginſpector Der Gr. Bergrentmeiſter Storch. Textor. Verſteigerung. (13660) Montag den 25. I. M., Vormittags um 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe das Anliefern von 200 Fuß gußeißernen Röhren, von 6 bis 7 Zoll Weite, an den Wenigſtneh⸗ menden verſteigert. Friedberg den 18. September 1848. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn. (1367) Mittwoch den 27. d. M. Vormit⸗ tags um 10 Uhr ſollen auf dem Rathhauſe dahier nachbenannte Arbeiten zur Erbauung eines Kanals im Rödern in der Gemarkung Niederwöllſtadt an die Wenigſtnehmenden öffent⸗ lich in Accord gegeben werden: 3 5 1) Maurerarbeit, veranſchlagt zu 115 54 2) Steinhauerarbeit, 133 26 Voranſchläge und Zeichnungen liegen auf dem Büreau des Unterzeichneten zu Jedermanns Einſicht bereit. Friedberg den 16. September 1848. Der Großh. Heſſ. Sections-Ingenieur der Section Friedberg Hochgeſand. Verſteigerung. (1377) Montag den 25. d. M., Nachmit⸗ tags um 4 Uhr, ſoll die Kartoffel⸗Erndte von 1 Morgen, 2 Viertel und 28½ Ruthen Acker auf dem Ringgraben, an Georg Groß Erben, an Ort und Stelle öffentlich an den Meiſtbie⸗ tenden verfſeigert werden. Friedberg den 21. September 1848. In Auftrag: Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter 5 Bender. Bekanntmachung. (1378) Da die Schaafpferche⸗Verpachtun am 20. l. M. nicht genehmigt— 9 15 25 den Montag den 25. l. M., Morgens um 11 „ 309. Uhr, in hieſigem Rathhauſe 5— 10 Schaaf⸗ pferche nochmals meiſtbietend verpachtet. Friedberg den 20. September 1848. Der Großb. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Verſteigerung. (1379) Montag den 25. d. M., Vormittags um 11 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe zwei vollſtändige Keltern mit eiſernen Schrauben, öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 21. September 1848. In Auftrag: Großh. Heſſ. Landgericht daf. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Verlooſung (13800 von Partial⸗ Obligationen der Ge⸗ meinde Eichloch, à 100 fl., welche dieſelbe laut Vertrag mit Simon Lindheimer in Fried⸗ berg am 31. Juli 1845 abgeſchloſſen, wurde heute Nr. 43 zur Auszahlung gezogen und am 1. Januar 1849 dem Inhaber von dem Ge⸗ meinde⸗Einnehmer zu Eichloch oder Herrn Simon Lindheimer in Friedberg ausbezahlt wird, mit dem Bemerken, daß von dieſem Tage an der Zinslauf der gezogenen Nummer aufhört. Eichloch den 15. September 1848. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Krei ß. Arbeits ⸗Verſteigerung. (13810 Künftigen Montag den 25. Sep⸗ tember l. J., Nachmittags um 2 Uhr, ſollen in Niedermörlen auf dem Rathhaus die bei der Reparatur des Uſaſtegs vorkommenden Arbeiten öffentlich an die Wenigſtnehmenden verſteigert werden. Die Arbeiten find veranſchlagt: 1) die Zimmerarbeit zu 59 fl. 12 kr. 2) die Schloſſerarbeit 10„ 40„ 5 Zuſammen 69„ 52„ Niedermörlen den 20. September 1848. Der Großh. Hef Bürgermeiſter e 9. Bekanntmachung. (1382) Die Erhebung und Beitreibung der Pachtgelder von Gräflich Stolberg'ſchen Wieſen und Gärten, in der Gemarkung Lindheim, iſt dem Gr. Diſtricts⸗Einnehmer Stöppler zu Dü⸗ delsheim übertragen worden. Wir bringen dieſes mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß, daß wir deſſen Quittungen als gültig anerkennen. Gedern den 9. September 1848. Gräflich Stolberg'ſche Rentkammer Mickel. Daarſohn. Arbeits ⸗Verſteigerung. (1383) Die bei Herrichtung eines neuen Hofthors am erſten Pfarrhauſe dahier vorkom⸗ menden Arbeiten, als: Maurerarbeit, Schrei⸗ nerarbeit, Schloſſerarbeit und Weißbinderarbeit, im Ganzen 85 fl. betragend, werden Montag den 25. September l. J., Vormittags 11 Uhr, auf hieſigem Rathhauſe öffentlich an den Wenigſt⸗ nehmenden in Accord gegeben. Zeichnung und Voranſchlag liegen bei der Verſteigerung vor. Rodheim den 19. September 1848. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Jacobi. Ginſtern⸗Verſteigerung. (138 Mittwoch den 27. d. M., Mittags um 12 Uhr anfangend, ſollen in dem Ober⸗ mörler Gemeindewald, Diſtrict Alterhaag, 4025 Gebund Ginſtern, vorzüglich zu Backholz geeig⸗ net, öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Die Großh. und Kurheſſiſchen Bürgermeiſter der Umgegend werden erſucht, dieſes in Ihren Gemeinden gefälligſt bekannt machen zu laſſen. Obermörlen den 20. September 1848. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Nicolai. * ινι¹ Deer Privat ⸗ Bekanntmachungen. A n e ig e. (1358) Guter reingehaltener Pfälzer Wein wird zu 16, 18 und 20 fl. per Ohm billig abgegeben: Döngesgaſſe Nr. 6(neu) im Hofe in Frankfurt am Main. Blauer Vitriol! (1318) in beſter Qualität, zum billigſten Preiſe bei Friedberg. Wilhelm Fertſch. N Aechte Bremer⸗Cigarren! (1319) habe wieder 200 Kiſten empfangen, welche äußerſt zu 25 fl. pr. Tauſend abgebe Friedberg. Wilhelm Fertſch. Gruͤnwagenſchmier 361) in ſehr guter Qualität iſt zu haben bei 17 55 Gottſchalk Simon, Seifen⸗ und Lichterfabrikant in Fauerbach II. bei Friedberg. Zum Vermiethen. (1385) In Nr. 21 in der Ludwigsſtraße iſt ein möbelirtes Zimmer(auf Verlangen auch zwei, die durch einen Ofen geheizt werden können), zu vermiethen. Friedberg im September 1848. Getragene Kleider! (13860 werden gekauft und einge⸗ tauſcht von 8 4 Meier Schwarz Judengaſſe. 1 Empfehlung. 387) Indem ich mich mit weißem und 3 Schaafleder ꝛc., beßter Qualität, billigſt empfehle, zeige gleichzeitig an, daß zubereitete Rehe⸗ und Lämmerfelle auch bei mir vor⸗ räthig ſind. Friedberg im September 1848. Louis Simon, Weißgerber, in der Schuhmachergaſſe, Herrn Schuhmacher⸗ meiſter Wien gegenüber. Anzeige. (1388) Nachdem dem Unterzeichneten von Großh. Miniſterium des Innern die Erlaubniß zum Fertigen von Vorſtellungen de. ertheilt worden iſt, ſo beehre ich mich den Herren Bür⸗ germeiſtern und übrigen Ortsbewohnern, für alle in dieſes Fach einſchlagende Arbeiten, beſtens und billigſt zu empfehlen. Hungen den 18. September 1848. Funk. Aufforderung. (1389) Mit dem Poſtſtempel„Friedberg ⸗ verſehen, aber ohne Begleitungsſchreiben und irgend Erkennungszeichen, woher und zu welchem Zwecke, iſt mir am 1. d. M. ein Röllchen Geld, vermuthlich Waiſengeld, zugegangen, deſſen Ab⸗ ſender hierdurch erſucht wird, das Verſäumte alsbald nachholen zu wollen, worauf ich ihm Quittung überſenden werde. Gießen den 17. September 1848. Rabbiner Dr. Le vi. Anzeige. (1390) Nächſten Mittwoch den 27. Septem⸗ ber fahre ich mit einem Familienwagen von hier Morgens um 6 Uhr nach Salzhauſen und Abends zurück. Diejenigen Perſonen, welche mit zu fahren wünſchen, erſuche ich, mich bis den Montag davon in Kenntniß zu ſetzen. Preis hin und zurück 1 fl. Friedberg. Chriſtian Hanſtein. — —ͤ ͤ—-„-VWtͤ Anzeige. (1391) Der Unterzeichnete bemerkt hiermit, daß das ſchinne Stieberiſche Flinten⸗-Schießen auf unſer Schießen kein Bezug hat, und wird deßhalb Sonntag den 24. und Montag den 25. September, als auf den hieſigen Jahrmarkt, das anberaumte Schießen abgehalten, wozu höflichſt einladet.*. Wölfersheim den 21. September 1848. Für das Schützencomité Ulrich. Local⸗Veraͤnderung und Geſchaͤfts-Empfehlung. (1392) Meine ſeitherige Wohnung in der Metzgerſtraße habe ich verlaſſen und wohne nun in meinem eigenen Hauſe(früher ſogenannte Oelmühle) Nr. 308 zunächſt der Kloſtercaſerne und dem neuen Schulhauſe.— Zu⸗ gleich bringe hiermit in empfehlende Erinnerung, daß ich alle in mein Fach einſchlagende Artikeln ſchnell und prompt beſorge und ſolche auch zu den bil⸗ ligſten Preiſen verkaufe. Friedberg. Wilhelm Bechſtein, Färber. Empfehlung. (1393) Alle Sorten Pendüls⸗, Cylin⸗ der⸗ und gewöhnliche Taſchenuhren, Gold⸗, Silber- und Neuſilberwaaren, Thermometer, Brillen und alle von mir bisher geführten Artikeln, habe ich wie⸗ der in reicher Auswahl vorräthig und verkaufe ſolche zu billigen Preiſen. Friedberg. a, Uhrmacher in den drei Schwertern. Einladung. (1394) Sonntag den 24. d. M. findet außer dem bereits angezeigten Geldſcheibenſchießen mit Büchſen, gleichzeitig auch ein ſolches mit Flinten ſtatt, wozu das unterzeichnete Comité alle Freunde des Scheibenſchießens einladet. Für den Fall, daß ungünſtige Witterung ein⸗ treten ſollte, ſo wird das Schießen den nächſten Montag, als an dem Marktage, abgehalten. Wölfersheim am 19. September 1848. Das Comité für's Flintenſcheibenſchießen. Nachkirchweihfeſt zu Ockſtadt. (1395) Sonntag den 24. d. M. findet zur Feier des Nachkirchweihfeſtes Tanzmufik bei mir ſtatt, wozu ich höflichſt einlade. Ockſtadt den 20. September 1848. N. Steyer. Programm des landwirthſchaftlichen Preisverthei⸗ lungs⸗Feſtes zu Altenſtadt am 28. September 1848. (1396) Das unterzeichnete Feſt⸗Comitéè be⸗ ehrt ſich hierdurch zur Theilnahme an den Feier⸗ lichkeiten dieſes Tages unter Mittheilung der nachfolgenden Feſtordnung ergebenſt einzuladen: 1) Das Feſt wird Abends vorher, um 9 Uhr, durch Böllerſalven angekündigt. 2) Am Feſttage wird in der Frühe daſſelbe wiederholt. r 310*. 3) Um 7 Uhr verſammeln ſich die Theilneh⸗ mer in dem Saale des neuen Schulhauſes und um 8 Uhr begeben ſich dieſelben in einem Feſtzuge durch das Ort auf den ganz nahe bei Altenſtadt gelegenen Feſt⸗ platz, die ſog. Hofwieſe, und zwar in folgender Ordnung: a) voran eine berittene Ehrengarde; b) Muſikchor; o) Geſangverein; d) die Jungfrauen; e) die Preisvertheilungs⸗Commiſſion in Begleitung der Beamten des land⸗ wirthſchaftlichen Vereins und der Mitglieder des Ortsvorſtandes; 1) diejenigen Theilnehmer, welche für Hebung und Förderung der Land⸗ wirthſchaft Intereſſe haben; g) folgen die mit Früchten und ſonſtigen landwirthſchaftlichen Gegenſtänden ge⸗ ſchmückte Wagen. 4 Sobald der Zug auf dem Feſtplatz ange⸗ kommen iſt, begrüßt der Singverein den feſtlichen Tag mit einem Geſang. 5) Die Preisvertheilungs-Commiſſion wird hierauf die Beſichtigung des zur Preisbe⸗ werbung aufgeſtellten Viehes und hernach „die Vertheilung der Preiſe vornehmen. 6) Hiernächſt Reſtauration in den durch die hieſtgen Gaſtwirthen auf dem Feſtplatze errichteten Zelten.. 7) Beginnen nunmehr die Beluſtigungen der Jugend, als: Sacklaufen, Erſteigung von Kletterbäumen, Uebung auf dem Balan⸗ cierbaume u. ſ. w. 8) Während die unter 7. beſchriebenen Be⸗ luſtigungen ſtattfinden, wird gleichzeitig die Verlooſung von landwirthſchaftlichen Ge⸗ genſtänden ꝛc. geſchehen. 9) Abends Ball in den auf dem Feſtplatze errichteten Tanzlocalen. Altenſtadt den 20. September 1848. Das Feſt⸗Comité. Dankſagung. f (1397) Den Wohlthätern meines ſel. Mannes, ſowie Denen, die ihn zu ſeiner Ruheſtätte be⸗ gleiteten, ſage ich hiermit herzlichen Dank. Friedberg den 21. September 1848. Eliſe Bruns. f Literariſche Anzeige. Das„Wetterauer Volksblatt“, (1398) Organ der Demokratie, welches ſich trotz der kurzen Zeit ſeines Beſtehens ſchon einer großen Theilnahme zu erfreuen hat, wird auch im nächſten Quartal in derſelben Weiſe, wie bisher(wöchentlich zweimal) erſcheinen und es werden von allen Poſtämtern, Bezirksboten, ſowie bei dem Verleger ſelbſt, Abonnementsbe⸗ ſtellungen angenommen.— Preis für das IV. Quartal 36 kr., wozu noch für Auswärtige ein kleiner Poſtaufſchlag von 9 kr. kommt. Unſere ſeitherigen Abonnenten bitten wir ihr Abonnement zeitigſt zu erneuern.— Friedberg. a Verlag und Redaktion des„Wetterauer Volksblattes. Frankfurter Gold-Cours vom 21. September. —:ẽ 83 Neue Louisd'or 111 5 Friedrichsd'or 9 55 Holländiſche 10 fl. Stücke 100 3 Rand⸗Ducaten 5 36 20 Frankſtücke 9137 Engliſche Souverains 1214 2 Kirchliche Anzeigen für Friedberg. 1 14. Sonntag n. Trinit. den 24. Septbr. Pfarramtliche Funktionen verrichtet: Herr Diaconus Baur. Vormittags predigt in der Stadtkirche: Herr Conrector Kromm. Nachmittags predigt in der Stadtkirche: Herr Stadtpfarrer Sell. (Der Gottesdienſt in der Zurgkirche muß meh⸗ rere Wochen lang wegen des Orgelbaues aus⸗ geſetzt bleiben.) 6 Fruchtpreiſe. 20. Sept. 15. Sep. 16. Aug. Gattung. Fried⸗ ö Die⸗ berg Mainz burg fl. kr. fl. kr. fl. kr. Waizen pr. Malter 918 9539/10 Ker„n 5 52 6 22 555 Gerſte„ 75 446 6 26 415 Hafer 31111 3142J 3/20 Po liz ei⸗Taxe für die Städte Friedberg und Butzbach vom 23. bis 29. September 1848. 2. Fried⸗ Butz⸗ S Brod ⸗Preiſe.[ berg. bach. 2 kr. pf. kr. pf. 1 Leib⸗Roggenbrod 21 1% 24 1 24„ 505 5 2 3 2 4 7. 77 + 75 1 Lth. Lth. — Milchbrod 14% 104% Waſſerweck 15 8 — Gemiſchtes(Tafel⸗) Brod 15½-A 5½ den 12 b 2 1 Ochſenflei „ Kühfleiſch 1 10— 10— ee 8— 18— . emäſtete— 5 „Rindfleiſch iges 5 N Kalbfleiſch—— „ Schweinenffeiſch 13 2132 „ Hammellleiſch 8 2 82 „ Schaaflleiſch. 71— 4 „ Wurſtvon blos Schweinen 14— 14 74 „ Gemiſchte Wurſt 10— 2 „ Bratwurſt 17— 171 „ Schwartenmagen 17 24 „ Geräucherter Speck 5 119 7 Schinken 19 2 19. „ 8 b 5 weinenſchmalz, ö ene 15 5 18 5 unausgelaſſen 1 IS „ Nierenfett 24— 15 7 Hammelsfett 161— ie Großh. Heſſ. Regierun gscommiſſion des 5 Regierungsbezirks Friedberg. Ouvrier. * Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von Carl Bindernagel in Friedberg. Fear des Handels und Verkehrs, durch die wir Alle leiden, war unzertrennlich von dem Schrecken und der Unruhe, in welche der Ausbruch der Revolution die Gemüther verſetzen mußte,— einer Revolution, die nicht etwa ein oder zwei Länder, ſondern den größten Theil unſers Welttheils aus dem gewohnten Gleiſe aufgeſtört hat. Eben ſo natürlich iſt es auch, daß wir Opfer, große Opfer zu bringen haben, wenn wir wollen, daß das Werk der Einheit und Freiheit Deutſchlands, an dem die Nationalverſammlung in Frankfurt arbeitet, zu Stande komme und unſer Vaterland nicht wieder das Schlacht⸗ feld werde, auf dem fremde Nationen ihre Kämpfe ausfechten. Das müſſen wir aber ſchon unſeres eigenen Intereſſes halber wollen, denn mit der Einheit Deutſchlands ſteht und fällt auch Alles, was die einzelnen Staaten bis jetzt gewonnen haben. Sollten wir alſo gleich verzweifeln, weil wir die Früchte dieſer großartigen Bewegung zum Beſſern nicht auch ſchon im erſten Augenblicke mit den Händen greifen können? Sollten wir vor den nothwendigen Opfern, die uns den Genuß dieſer Früchte bringen werden, zurückbeben? Scheut doch auch der vernünftige Landwirth, mag es ihm auch noch ſo wehe thun, weder Mühe noch Koſten, um auf ſeinem Gute Verbeſſerungen anzulegen, deren Gewinn ihn gleichwohl erſt nach Jahren lohnt.— Wenn ſonach die Stockung im Handel und Gewerbe, welche in Folge der Revolution eintrat, großen Nachtheil über Stadt und Land gebracht hat, ſo iſt dies ein Uebel, aber wie ſo vieles andere ein unvermeidliches Uebel. Daß aber dieſes Uebel ſo härtnäckig iſt, daß das Wiederaufleben des Verkehrs ſo lange auf ſich warten läßt,— das iſt zum großen Theile unſere Schuld und hier haben wir gleich Gelegenheit, unſere Bürgerpflicht kennen zu lernen. Die Erhebung des Volks in den Märztagen war eine Nothwendigkeit, weil es nur auf dieſe Weiſe ſeine natürlichen Rechte wieder erlangen und ſeine Lage verbeſſern konnte; jetzt dagegen, wo es dieſe Rechte wieder gewonnen hat, bedarf es vor Allem der Ruhe und Ordnung, um dieſelben zu befeſtigen und den gewünſchten Nutzen daraus zu ziehen. Denn mehr als in allen andern Dingen gibt es in der Revolution eine Gränze, deren Ueberſchreiten gerade das Gegentheil von dem bewirkt, was man bezweckte. Die Erhebung im März ſollte uns die Freiheit und durch ſie Glück und Wohlſtand bringen, eine zu weit getriebene, ewig fortgeſetzte Revolution würde uns den Verluſt der Freiheit und als Zugabe Noth und Elend bringen. Aber wie der Sturm, wann er die Gewäſſer aufwühlt, allen Unrath, den die Tiefe verbirgt, an die Oberfläche ſchleudert, ſo hat auch die revolutionäre Gährung eine Klaſſe Menſchen emporgetrieben, die nur in der Unordnung ge— deihen können,— verlorne Seelen, die ſich das Revolutioniren recht eigentlich zum Geſchäfte gemacht haben. Die haben's den Franzoſen abgeſehen, wie man es anfangen muß, um die Reichen arm und die Armen noch ärmer zu machen. Die Republik haben ſie zum Aushängeſchild genommen, weil ſie hoffen, wenn erſt Alles drunter und drüber geht, würden ſie die großen Herrn ſein und das unmündige Volk regieren. Durch gleißende Vorſpiegelungen, durch das Verſprechen goldener Berge haben ſich dieſe Menſchen in ganz Deutſchland eine große Parthei genommen, die ſich(freilich ſehr mit Unrecht) die demokratiſche nennt. Alle, die nichts mehr zu verlieren haben, alle, die nicht arbeiten, aber gut leben wollen, alle Phantaſten, endlich alle, die zu träge ſind, ſelbſt zu denken und daher leicht der Verfüh— rung ihr Ohr leihen, ſind auf ihrer Seite. Ihr Zweck iſt: Umſturz alles Beſtehenden, ihr Mittel: Aufregung und wieder Aufregung und nichts als Aufregung. So haben's auch ihre Brüder in Frankreich gemacht. Denen genügte die Republik bald eben ſo wenig, wie unſern Republikanern die Freiheit, und da ſie keinen König mehr fortzujagen hatten, ſo richteten ſie ihre Angriffe gegen das Eigenthum und wollten theilen. Was aber war die Folge ſolchen Wahnſinns: Ströme Bluts in den Straßen, ein Ruin des öffentlichen Wohlſtandes, daß bald nichts mehr zu theilen ſein wird und die Säbelherrſchaft eines Generals, der, um ein ſo in ſich zerfallenes Volk regieren zu können, damit anfing, die Rechte der Bürger ſo ſehr zu beſchneiden, daß ſie ſchon um ein gut Stück kleiner als unter dem vertriebenen Könige geworden ſind. So iſt's in Frankreich gekommen und ſo wird es auch bei uns kommen, wenn wir nicht endlich uns aufraffen aus unſerer Trägheit und aus allen Kräften dieſe Unruheſtifter bekämpfen. Leider hätten wir dies ſchon längſt-thun ſollen! denn mit jedem Tage wächſt die Gefahr und nur wer ihr zeitig begegnet, darf ſie zu bewältigen hoffen. In alten Zeiten gab es ein Geſetz, das jedem Bürger bei Todesſtrafe gebot, ſich in bürgerlichen Unruhen zu einer Parthei zu ſchlagen. Der es machte, kannte die Menſchen; er wußte, daß ruhige und ordentliche Leute gar zu gern ſich von ſolchen Streitigkeiten fern halten und ſich lieber mit ihrem Hausweſen als mit den öffentlichen Angelegenheiten beſchäftigen; er ſah aber auch ein, daß der Staat zu Grunde gehen müßte, wenn ſich nicht in Zeiten der Umwälzung grade die guten Bürger an ſeinem Schickſale betheiligen und bei ſeiner Neugeſtaltung mitwirken wollten, und darum gab er ſein Geſetz. Was haben wir alſo zu thun, um unſerer Pflicht, die nur unſer wohlverſtandenes Intereſſe iſt, zu genügen? Nichts anders, als dieſelbe Thätigkeit zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung einzuſetzen, welche dieſe ſogenannten Demokraten zur Zerſtörung von beiden aufbieten. Wir müſſen ihnen überall, wo wir ſie von ferne kommen ſehen, mit Macht entgegentreten, ihre Täuſchungen aufdecken, die lügenhaften Gerüchte, die ſie verbreiten, zu nichte machen, die von ihren Vorſpiegelungen Verblendeten durch Belehrung von ihrem Irrthum zurückbringen. Was aber die Hauptſache iſt: wir müſſen, ſo viel Ueberwindung es uns auch Anfangs koſtet, den lebhafteſten Antheil an allen öffentlichen Angelegen— heiten nehmen. Beſonders bei den Wahlen jeder Art, ſeien es Gemeindewahlen, Bezirkswahlen oder Landtagswahlen, gilt es dem Einfluß und den Umtrieben unſerer Gegner mit allem Eifer entgegenzuarbeiten. Hier muß ſich Jeder ohne Ausnahme ein Gewiſſen daraus machen, ſeine Stimme zu geben, und zwar nicht dem, der viel verſpricht und die ſchönſten Worte macht, ſondern dem Manne, für deſſen Rechtsſinn und Ordnungsliebe, für deſſen Muth und Ausdauer ſein früheres Leben Bürgſchaft leiſtet. Nur auf dieſe Weiſe können wir uns der Freiheit würdig beweiſen und ſie zugleich gegen jeden Angriff, mag er von unten oder von oben kommen, ſiegreich behaupten; nur ſo werden wir des Segens, mit dem ſie die Völker beglückt, theilhaftig werden und ſie ungeſchmälert unſern Kindern überliefern. Denn wem es an Kraft und Willen zur Selbſtſtändigkeit fehlt, für den iſt die Bevormundung nur ein verdientes Loos. Wie eifrig aber auch unſer Streben ſein mag, vereinzelt kann ſelbſt der Tüchtigſte nur wenig erreichen; wir müſſen daher von dem Verſammlungsrechte Gebrauch machen und uns berathen, was jedesmal zu thun iſt, damit wir wie ein Mann daſtehen, wenn es ans Handeln geht. Darum iſt in Mainz ein Verein von Bürgern zuſammengetreten, der es ſich zur Aufgabe gemacht hat, für die Einheit und Einigung aller Staaten des deutſchen Vaterlandes unter einem Reichsoberhaupte, für Freiheit, Ordnung und Recht mit allen geſetzlichen Mitteln zu wirken. Er richtet an Euch, Mit— bürger aus Rheinheſſen, die Aufforderung, in Euern Gemeinden ähnliche Vereine zu bilden, und Euch ihm anzuſchließen zu gemeinſamem Handeln. Mit Freuden wird er Euch von ſeinen Beſchlüſſen in Kenntniß ſetzen und Euch jederzeit mit Wort und That zur Seite ſtehen. Gott ſegne Deutſchland und ſchütze unſere Freiheit! —— e æ⁵=ã: — —̃ ———— P— (4309) Judem der Bürgerverein zu Friedberg das nachſtehende„Sendſchreiben des Mainzer Bürgervereins an die Bewohner Rheinheſſens, welches ſo viel Wahres in ſo faßlicher und volksthümlicher Sprache enthält, den Bewohnern der Wetterau mittheilt, wünſcht er, daß es von recht Vielen nicht allein geleſen, ſondern auch beherzigt und darnach gehandelt werden möge. Mitbürger aus Uheinheſſen! Der Frühling dieſes Jahres hat eine neue Zeit für unſer Großherzogthum wie für das geſammte deutſche, Vaterland herbeigeführt; er hat uns die Freiheit gebracht, deren Veſtimmung es iſt, eine Quelle des Glücks und des Wohlſtandes für Alle zu werden. Wir haben Rechte erworben, wie ſie kein Volk in groͤßerem Maaße beſitzt. Welch' ein Abſtand zwiſchen den Zuſtänden, welche den Märztagen vorausgingen, und denen, die ihnen folgten! Die frühere Regierungsart war mehr oder weniger auf Willkühr gegründet; die Bewohner eines und deſſelben Landes wurden bevorzugt oder zurück⸗ geſetzt, je nachdem ſie dieſem oder jenem Stande angehörten. Der Dummheit, die das Glück hatte einen betitelten oder adeligen Vater zu haben, ſtanden alle Thüren offen; der Mann, zu deſſen Gunſten blos Verdienſt und Charakter ſprachen, hatte, wenn er vorwärts wollte, mit den groͤßten Hinderniſſen zu kämpfen. Titel und Rang bildeten in der Regel den Maaßſtab, nach dem man den Werth des Menſchen ſchätzte. Die Länder wurden als Eigenthum der Fürſten betrachtet. Ein Theil der Staatsgelder ward für unnütze Dinge verausgabt, für die nützlichen machte man Schulden, deren Zinſen aus dem Säckel des Volks genommen wurden. Die Sparſamkeit, die jedem Privatmann zur Ehre gereicht, war an den Höfen eine faſt unbekannte Tugend. Die Beamten, ſtatt die eifrigen Diener der offentlichen Wohlfahrt zu ſein, ſahen nur allzuhauſig ihre Stellen als Pachtguter an; aus denen ſie bei möglichſt weniger Arbeit möͤglichſt viel Geld zu ziehen trach⸗ teten. Ihre Vielregiererei, ihr Einmiſchen in jede Kleinigkeit, gleichviel ob ſie etwas verſtanden oder nicht, die Langſam⸗ teit und Umſtändlichkeit; mit der Alles verhandelt und entſchieden wurde,— Alles dies erbitterte die Gemüther ebenſoſehr, als es die Theilnahme an den Gemeindeangelegenheiten ſchwächte, denn wenn man über jede Bewegung erſt einen Erlaubniß— ſchein einzuholen und Rechenſchaft zu geben hat, dann zieht man es vor, ſich lieber gar nicht zu bewegen. Wollte aber Jemand ſeine Stimme gegen einen Mißbrauch erheben, ſo fand er kein Blatt, in dem er es hatte thun konnen,— denn die deutſchen Zeitungen durften blos gegen den Großtuͤrken eine freimüthige Sprache führen,— oder wenn es ihm durch einen glücklichen Zufall gelang, ſeine Klage zur Oeffentlichkeit zu bringen, ſo wurde dieſelbe keiner Berückſichtigung gewür⸗ digt, da die Regierung ſich zu ſtark und zu klug dünkte, um ſich durch ſolches Unterthanengeſchwätz beirren zu laſſen. Auch die Landſtände nützten nur wenig, denn einerſeits war der größte Theil des Volkes wegen des ſchlechten Wahlgeſetzes faktiſch vom Wahlrechte ausgeſchloſſen, auf der andern Seite verfügte die Regierung über ſo viele Mittel, Wahlen und Be— ſchlüͤſſe zu ihren Gunſten zu lenken, daß keine durchgreifenden Verbeſſerungen die Wirkſamkeit der Landtage bezeichnen konnten. Wie ganz anders iſt das Alles geworden! Jetzt hat es ein Ende mit dem abgeſchmackten Titelweſen und den Vorrechten einzelner Stände; das Erwachen des Volkes hat ſie weggeblaſen. Talent und Verdienſt braucht nicht mehr an den Thüren der Großen um Beförderung zu betteln; jede Laufbahn iſt allen Bürgern geöffnet; Jeder, aus welchem Stande er auch ſein mag, kann Alles werden, wozu ihn ſeine Anlagen und ſeine Kenntniſſe berechtigen; nur ein Recht, nur ein Geſetz gibt es für Alle, für den aͤrmſten Tagloöhner, wie für den hochadeligen Herrn. Jetzt gilt der Grundſatz, daß der Fürſt des Volkes und nicht das Volk des Fürſten wegen da üiſt; der Fürſt iſt alſo nur das erbliche Ober⸗ haupt des Staates; und ſelbſt dieſe Erblichkeit gereicht dem Volke zu großem Nutzen, denn ſie bewahrt es vor den Unruhen und Spaltungen, die bei jeder wiederkehrenden Wahl des Staatsoberhauptes das ganze Land immer wieder von Neuem erſchüttern, und bald den Ruin ſeines Wohlſtandes herbeiführen würden. Sehen wir doch, wie ſchon eine einfache Bürger⸗ meiſterwahl oft eine ganze Gemeinde untereinander bringt und zu jahrelangem Streit und Hader Veranlaſſung gibt.— Die Sparſamkeit iſt jetzt wieder zu Ehren gekommen; unſer Großherzog ſelbſt hat auf eine rühmliche Weiſe durch Beſchrän⸗ kung ſeines Hofſtaats den Anfang dazu gemacht; ſie wird die Grundlage der ganzen Verwaltung ſein; wir werden wenigere Beamten haben, aber Beamten, die arbeiten. Eine verbeſſerte Gemeindeordnung wird die Gemeindemitglieder in den Stand ſetzen, ihre Angelegenheiten ſelbſt in die Hand zu nehmen und Herrn im eigenen Hauſe zu ſein. Und was das Wichtigſte iſt, die Landſtände werden künftig aus der Wahl des ganzen Volkes hervorgehen, ſo daß nur, Männer des allgemeinen Vertrauens dieſe hohe Stelle bekleiden werden. Die Regierung wird nicht mehr die Landſtände, wohl aber werden die Landſtände die R egierung ma chen, denn Miniſter wird nur der ſein köͤunen, welchen der durch die Landſtände vertretene Volkswille zu dieſem Poſten beſtimmt. Endlich haben wir als Bürgen fuͤr die Erhaltung aller unſerer Errungenſchaften zwei koſtbare Rechte erworben, die allein ſchon hinreichten, die Freiheit da, wo ſie noch nicht beſteht, ins Daſein zu ruſen,— das Verſammlungsrecht und das Recht der freien Preſſe. Das erſte gibt uns die Befugniß, unſere Angelegenheiten in Büuͤrgerverſammlungen und Vereinen zu berathen und unſere Wuͤnſche an die Regierung zu bringen; das andere geſtattet uns, unſere Gedanken uͤber jeden Gegenſtand des allgemeinen Wohles frei und unum⸗ wunden in einem öffentlichen Blatte auszuſprechen. Beide ſetzen uns in den Stand, jeder Verletzung des Geſetzes, jedem Mißbrauch der Regierung, jeder Verkümmerung unſerer Rechte mit ſicherm Erfolge eutgegenzutreten. Denn die Schwäche der menſchlichen Natur bringt es mit ſich, daß jede, auch die beſte Regierung fehlen, ja mit der Zeit ſelbſt ausarten kann; es bedarf daher einer unausgeſetzten Wachſamkeit von Seiten der Bürger, um dieſelbe ſtets auf der rechten Bahn zu erhalten.— Das ſind doch wahrlich Rechte, um die uns manches Volk beneiden kann! Aber damit iſt noch nicht Alles erreicht; mit den neuen Rechten haben wir auch neue Pflichten übernommen, und erſt wenn wir dieſe Pflichten richtig verſtehen und gewiſſenhaft üben, wird auch der Genuß und Segen jener Rechte uns für die Zukunft geſichert ſein. Ein Knabe, der noch nicht das Mannesalter erreicht hat und unter der Aufſicht ſeiner Eltern oder Vormünder ſteht, wird vol aller Welt anders beurtheilt als ein erwachſener Menſch, der ſelbſt Herr ſeiner Handlungen iſt. Vom Guten wie vom Boͤſen, das der Unmündige thut, kommt mit Recht ein großer Theil auf Rechnung derjenigen, deren Obhut ihn die Natur oder das Geſetz anvertraut hat; der ſelbſtſtäͤndig Gewordene dagegen muß im Guten wie im Böſen allein die ganze Ver— antwortlichkeit ſeiner Thaten kragenz denn Thun und Laſſen lag in ſeiner Hand. Ganz in derſelben L beſin 1 uns jetzt. Wenn es früher nicht gehen wollte, konnten wir der Regierung Schuld geben und ſagen, wenn war ein Wort mitzureden hatten, würde es anders und beſſer gekommen ſein; jetzt dagegen, wo wir mündtg geworden ſind und ein Wort mite zureden haben, müſſen wir auch ein gut Theil der Verantwortlichkeit für das, was geſchieht, auf unſere Schultern nehmen. „Aber“— werden Manche ſagen—„wir ſehen nichts von den Früchten ellror geprieſenen Freiheit, als daß wir weniger einnehmen und wahrſcheinlich mehr bezahlen müſſen als früher. Handel und Gewerbe ſtehen ſtill, und die Folge davon iſt, daß auch wir für die Erzeugniſſe unſeres Bodens keinen Abſatz finden. Was nützt uns aber eine Freiheit, die uns an den Bettelſtab zu bringen verſpricht? denn von der Freiheit allein kann Niemand leben.“ Das hat nun freilich in gewiſſer Hinſſcht ſeine Richtigkeit; man darf aber auch die Dinge nicht blos von einer Seite betrachten. Die Stockung der uhr Werbe liche netel deu uat das ſam 1 1 Ihren 1 ö 1