Nr g 1 U S 1 Dae e — 2 SW. en N —.* —. —— N Intelligenz- Blatt fuͤr die Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. M52. Mittwoch, den 5. Juli 1848. Der deutſche Michel. Und ſo trug es ſich zu im Jahre des Herrn 1574, da führte Kaiſer Maximilian II. das Regiment im deutſchen Reiche. Im ſelbigen Jahre wurde dem ehrenwerthen Herrn Johannes Bartholomäus Obentraut, churpfälziſchem Rathe und Amtmanne zu Stromburg, ein Söhnlein geboren, wel⸗ chem er den Namen Hans Michael beilegen ließ in der hei⸗ ligen Taufe, ſintenmal kein Heiliger im Kalender einen Na⸗ men führe, der ſo gut deutſch klänge, als gerade Hans Michael. Der junge Michel hatte ſchon als Knäblein ein ſon⸗ derbarlich Wohlgefallen an Helm und Schild, wie ſie auf den Conterfeys ſeines Schutzpatrons, des heiligen Erzengels prangten, welche ihm zu Geſichte kamen. Nachgerade merkte der Vater, wie ſein Sohn eine gewaltige Vorliebe hege für das Soldatenhandwerk. Dieſem Hange gab er denn auch nach, und ſo wuchs Hans Michel Obentraut unter Kampfſpiel und rühriger Leibesuͤbung heran, und ward ein tüchtiger Kriegsmann.— Dazumal entſpann ſich der Streit um das reiche Erbe des Herzogs Johann Wilhelm, welcher Jülich, Cleve, Berg und die Mark beſeſſen. Churbrandenburg, die ſächſiſchen und pfälziſchen Herzoge machten ihre Anſprüche geltend, und der Strauß, den die Partheigänger auszukämpfen hatten, ward um ſo erbitterter geführt, als Religionshaß beiderſeits das Feuer ſchürte. Im deutſchen Lande war es von jeher ſo der Brauch, daß, wenn ihrer zween ſich zankten, der Fremdling als Schieds⸗ richter oder Auskämpfer beigezogen wurde, der ſodann, wie der Fuchs in der Fabel, auf des Streites Erbſchaft für ſich Beſchlag legte. So wurde denn auch der Pfalzgraf von Neuburg katholiſch, um der Spanier Beiſtand zu erhalten, und der Brandenburger trat zur reformirten Kirche über, damit er Holland für ſich gewänne; fürder hauſeten nun Spanier und Holländer gar übel im Reiche. Michael Obentraut hielt ſich auf Seiten der Luther⸗ ſchen, und als im Jahr 1610 die proteſtantiſche Union zu Stande kam, ward ihm ein Fähnlein von 500 Reitern an⸗ vertraut, darüber er ſollte das Commando fuͤhren. Mit dieſem rückte er nun in die Pfalz ein, und fügte den Spa niſchen vielen Schaden* Pfalz füg pa⸗ Alsbald gewannen aber die Streitigkeiten ein ernſteres Anſehen. Der Lärm erwachte in allen Gauen, und der 30jährige Krieg brach herein über das unglückliche Vater⸗ land. Aber das Heer des Winterkoͤnigs, wie ihn das Volk nannte, ward geſchlagen am weißen Berge, juſt als er ſelber im fröhlichen Gelage zu Prag ſaß, und er mußte ſich mit den vornehmſten böh⸗ miſchen Herrn kopfüber zur Flucht wenden. Der edle und tapfere Graf Ernſt von Mansfeld war es nun allein, der mit einem kleinen Häuflein, ſo er dem Churfürſten zu Hülfe in das böhmiſche Land geführt hatte, einer Macht die Stange zu halten wagte, davor Deutſchland— ja ganz Europa zitterte. Aus Böhmen verjagt zog er ſich in die Oberpfalz zurück und erſchien unvermuthet mit einem auf 20,000 Mann an⸗ gewachſenen Heere zum großen Schrecken der Spanier im Elſaß. Obentraut kämpfte unter ſeinen Fahnen. Des Heer⸗ führers mannlicher Sinn und heldenmüͤthiger Geiſt lebte auch in ſeiner Schaar. Obentraut war nicht der Letzte bei den waghalſigen Unternehmungen des Grafen, und ſchon dazumal machte er ſich den Kaiſerlichen bemerkbar, die ihm ſofort den Namen des deutſchen Michels beilegten; die Chro⸗ nik erzählt uns einige ſeiner Handſtreiche. Im Herbſte 1620 hatte der Marquis von Spinola mit einem ſpaniſchen Heerhaufen Kreuznach beſetzt, und machte Miene, gen Oppenheim vorzurücken. Die Unirten, welche ſich zur Zeit in der Nähe dieſer Stadt verſchanzt hatten, verließen nun eiligſt das Lager, zuͤndeten es an, bra— chen die Rheinbrücke ab, und ſchlugen die Straße ein nach Worms. Auf dem Zuge war nun dem Obentraut Kund⸗ ſchaft zugekommen, wie der Herzog von Espinoy auf eigene Fauſt eine Schaar Kriegsvolk geworben, um es zum Dienſte kaiſerlicher Majeſtet dem Marquis von Spinola zuzuführen. Da überkam ihm die Luſt und an der Spitze von 220 Rei⸗ tern überfiel er ohne alle weitere Ordre den ſpaniſchen Gran⸗ den, um ihn deutſche Weiſe zu lehren. Nach kurzem Wie⸗ derſtande waren die neugeworbenen Kaiſerlichen nach allen Seiten zerſtiebt bis auf etliche 50, die nicht weiter verlang⸗ ten. Der ſpaniſche Werber aber ward mit andern Haupt⸗ leuten gefangen in's Lager der Unirten gebracht. Obentraut hatte inſonders auf die Spaniſchen ein Auge, und als ihm hinterbracht wurde, wie zu Kapplmaersheim ein Trupp des älteſten und beſten hiſpapiſchen Kriegsvol⸗ kes läge, unternahm er mit 120 Mann ſeines Schlages Obentraut blieb ſeinen Grundſätzen getreu, und nahm Partei für Friedrich V. von der Pfalz. ——— 5 S———— r 5 1 1 5 „ 216. die Ueberrumpelung des Platzes. Noch dehnte ſich der Haupt⸗ mann Hieronimo Valetto in den Federn, als der deutſche Michel mit ſeinen Waghälſen über die Schlaͤfer herfiel, niedermachte was ſich zur Wehre ſetzte, und mit vieler Beute zuſammt dem ſpaniſchen Hauptmanne wieder ver⸗ ſchwand, ehe Entſatz kam von Kreuznach. Nicht weniger ſchlimm hauſete er vor Hörſtein, deſſen Thore er mit Pedar⸗ den ſprengte.— 190 3 Mittlerweile begann es mit der Sache der Proteſtan⸗ ten eine ſchlimme Wendung zu nehmen. Pfalzgraf Fried⸗ rich war nach der Schlacht bei Wimpfen am 6. Mai 1622 zum zweiten Male geflohen und entließ den edlen Mans⸗ feld aus ſeinem Dienſte. In ſolcher Noth erkor Nieder- ſachſen, der Hauptſitz der evangeliſchen Partei, den jugend— lichen, thatkraͤftigen König Chriſtian IV. von Dänemark zum Kriegsoberſten und ſetzte auf ihn ſeine Hoffnung in der bedrängten Lage. Obentraut führte 3000 Reiſige in das königliche Lager und der Herzog von Weimar ernannte ihn zum Befehlshaber der Reiterei. Da brach Tilly, der baye⸗ riſche Feldmarſchall, der Sieger von Wimpfen, in den nie⸗ derſächſiſchen Kreis ein. Er wollte gen Hannover vordrin⸗ gen. Auf ſeinem Zuge hatte ſich ihm Schloß Kaltenberg auf Capitulation ergeben. Obentraut ſollte ihm die Priſe wieder entreißen, und ſchickte ſich mit wenigen Faͤhnlein hierzu an. Es war zu Anfang Novembers 1625. Tilly war in der Nacht mit einem bedeutenden Trupp von Fuß⸗ volk und Reiſigen von Pattenſee aufgebrochen. In der Morgendämmerung ſtieß Obentraut mit den Seinigen auf die Vorpoſten des liguiſtiſchen Heeres. Bald entſpann ſich aus dem Vorpoſtengefecht ein hartes, blutiges Treffen. Wie Mauerbrecher ſtürmten die Obentraut'ſchen Reiter ge— gen den Wall von Lanzen und Hellebarden, aber die Rei⸗ hen der Kaiſerlichen konnten nicht zum Weichen gebracht werden. Des Feldherrn unbeugſamer Sinn war in jeden einzelnen Kriegsknecht gefahren; ſie ſtanden wie Säulen trotz des Löwenmuthes der königlichen Reiter. Da traf die Kugel eines feindlichen Hackenſchützen das Herz des deut⸗ ſchen Michels. Todeswund ſank er vom Pferde; ſeine Rei— ter ſahen ihn ſtürzen, mit ihm ihre Hoffnung. Da wandte ſich, wers noch vermochte, zur eiligen Flucht. Der Obentraut lag auf der Landſtraße. Hier fanden ihn die Kaiſerlichen, und brachten ihn in den Wagen des Grafen von Anhalt. Tilly verlangte den ſterbenden Hel⸗ den zu ſehen, und als man i leid es ihm thue um den wackeren Degen, obwohl er ihm gegenüber geſtanden im ſchweren Strauße. Da deutete der Obentraut auf ſeine blutende Wunde, und entgegnete dem Feldmarſchall:„In ſolchem Garten pflückt man ſolche Ro⸗ ſen.“ Bald danach verſchied er. Auf der Heerſtraße nach Hannover ward ihm eine Denk⸗ ſäule errichtet an der Stelle, wo er das Zeitliche ſegnete. Seitdem iſt der deutſche Michel in aller Leute Mund; wenige wiſſen warum. Er ward zum Scheltnamen, den wir uns aber gerne wollen gefallen laſſen, ſo lange die Sippſchaft Haus Michel Obentrauts nicht ausſtirbt in unſerm Vaterlande, jenes biderbe Geſchlecht, welches den Degen zu handhaben weiß in der ſtarken Fauſt, dreinſchlägt, wo es Noth thut, dem fremden Söldlinge deutſche Art lehrt, und für Recht und Glauben in Kampf und Tod geht.—(Fl. Bl.) Verbeſſerungen des Ackerbaues und der Viehzucht, ein Bedürfniß unſerer Zeit. Zwar iſt die Landwirthſchaft eine Erfahrungswiſſen— ſchaft und kann daher viel eher von einem reinen Prac— hn hingeführt, geſtand er, wie tiker als von einem bloßen Theoretiker mit Gewinn gefuͤhrt werden; aber dennoch lebt der in tiefer Unwiſſenheit, wel⸗ cher ſich einbildet, man könne ohne Theorie bei ihrem Be triebe den höchſten Gewinn erlangen. Deßhalb ſollte jeder junge Mann, der ſie zum künftigen Lebensberufe erwählt, zuvor, ehe er in die ſogenannte Lehre tritt, ſich in Mathe⸗ matik, Phyſik, Logik, Kenntniß und Heilkunde der Thier— krankheiten, Anpflanzung und Wartung der Hölzer und Fruchtſtämme, ſowie in Mineralogie und Pflanzenkunde, ſoweit ihm ſolche noͤthig, gehörig unterrichten laſſen, wenn er den höchſten Ertrag aus ſeiner Wirthſchaft ziehen, den nützlichſten Staatsbürgern angehören und kein Alltagsmenſch in ſeinem Fache werden will. Es iſt indeſſen nur zu gewiß, daß ehe dieſe ausgeſprochene Wahrheit allgemein erkannt, von den Eltern dieſer jungen Leute beherzigt, und vom Staate ſelbſt die Möglichkeit dazu geboten werden wird, erſt noch mancher Tropfen Waſſer vom Himmel fallen müſſe. Und wie könnte dies auch anders ſein! Denn ſo lange noch Väter vieler Söhne jedesmal den geiſtesunfähigſten fur den Betrieb der Landwirthſchaft beſtimmen, da noch kein anderes Geſchäft der Welt in ſo viele Branchen, als die Landwirthſchaft zerfallt; ſo lange noch auf den Real⸗ ſchulen nicht animaliſche Pathologie und Therapie, ja alles, was dem tüchtigen Landwirth zu wiſſen nöthig iſt, ge— lehrt wird; ſo lange es noch zur Begünſtigung der niedern Jagd dem Eigenthümer geſetzlich verboten bleibt, die dem deſſern Ertrage ſeiner Feld- und Wieſengrundſtücke ſo nach⸗ theilig gelegenen Holzmarken auszurotten; ſo lange noch Staatsforſten Brennholzdeputate liefern muͤſſen, und nicht zu Nutz- und Bauhölzern allein herangezogen und ver⸗ wendet werden; ſo lange noch Kirchen, Pfarr-, Schul⸗ und Gemeindehölzer, Gemeindehutungen und Gemeinde— triften vom Staate geduldet werden, und Gemeindehirten geſetzlich anbefohlen bleiben; ſo lange noch Kalk und Ziegel mit Holz zu brennen geſetzlich nicht verboten wird; ſo lange der unbebaute wüſte Boden nicht vierfache Grund⸗ ſteuer zu entrichten hat; ſo lange es noch Landwirthe gibt, die ihren Wirthſchaften die nachtheiligſten Opfer zu— muthen, um bei dem großen deutſchen forſt- nud landwirth⸗ ſchaftlichen Vereine auch ein Paradeſtückchen vorzeigen zu können; ſo lange es noch Landwirthe gibt, welche ſich zwar dieſem Vereine anſchließend den größten Eifer für das angebliche Fortſchreiten zeigen, und dabei ihren Dünger auf dem Hofe, ja wohl gar noch auf dem Felde verbrennen laſſen; ſo lange ſage ich bleibt das rationelle Erlernen und Betreiben der geſammten Landwirthſchaft nur ein frommer Wunſch, und deswegen werden ſich auch von Zeit zu Zeit Jahrgänge wiederholen, in welchen Hunger und Theurung die Menſchen geiſeln, wenn ſich auch die Auswanderungen von Jahre zu Jahre ſteigern ſollten!— Weil aber überhaupt in der Welt die Fortſchritte zum Beſſern nur nach und nach mehr Boden gewinnen, ſo will ich, wenn auch nur ein Scherfchen zur beſſern Verehrung der Ceres auf deren Altar niederlegen, da zwar Alter und Krankheit mich für dieſen Dienſt unbrauchbar, aber nicht für das Wohl und Wehe der Menſchen haben fuͤhllos machen konnen. Wenn aber der Eine oder Andere der Leſer eine ge⸗ lehrte, oder wenigſtens angenehm unterhaltende Deduction erwarten ſollte, ſo muß ich um Entſchuldigung bitten, daß dieſes nicht möglich iſt, weil nur da, wo Menſch und Thiere wohnen, die Milch der Ceres fließen kann. Alſo kurz, aber faßlich zur Sache. Die Wachskraft oder der Humus, welchen die Gott— heit in die ganze Oberfläche der Erde gelegt hat, und von Aleig dem be Winde Hut 0 man kann, geuif ſt 4 Ou. ger& cht Mühe großer wird achtſa in 2 Groß Spar ſonder, Lurus 1 wachte dem nicht oder er gt der 90% werde vom abwe anber Alles bare muß asg ſeſt Cog Es ſo e noch 40 1 dabo. heiße weh der Kall feu darg Dur vor Heg! vieh Alles Man e en fü vert fan von fan Uiß 0 We wenn Delzer und Anzenkunde, wenn er lade, Len Atagsmuiſch aun eib, — n erkannt, , und vom 2 wird, . auen mlſſe. n o lange unfagigſten en, da noch ſranchen, als uf den Real⸗ it, In alt, otdig iſt, ge⸗ 8 der niedern eidt, die dem tückt ſo nach o lange vag 1, n licht 1 und ver⸗ irt-, Schul⸗ d Gemeinde⸗ meindehirten A und Ziegel un wd, N tfache Grund⸗ ch Landwirthe ien Opfer zu⸗ ud landwirth⸗ vorzeigen zu welche ſich Eifer für de verbrennen Erlernen ee LAL aft nur ein ſich auch von aachen Hunger ſich auch die „* 217*. dem der Landwirth nicht vielmehr als Nicodemus vom Winde weiß, nimmt durch die Bebauung des Bodens nicht nur ab, ſondern verſchwindet aus demſelben endlich ganz. Allein man hat viele Mittel kennen gelernt, durch welche man dem Boden den verlorenen Humus wieder erſetzen kann, und ohne Zweifel iſt der animaliſche Dünger das gewöhnlichſte und wirkſamſte Mittel. Dieſer Dünger aber iſt ſpirituͤſer, ſalziger, ͤliger Natur, und dem dritten Grade der Gährung unterworfen. Soll er ſich alſo von einer Gebrauchszeit zur andern in Qualität und Quantität nicht über die Hälfte verlieren, ſo muß er mit vieler Mühe und Arbeit, auch bei ſchlechter Localität wohl mit großer Schwierigkeit aufbewahrt werden. Gleichwohl wird er noch heute von den meiſten Feldwirthen ſehr un— achtſam und nachläſſig behandelt, und ſie behalten daher en Bezug auf Ackerbau und Viehzucht des Vaters und Großvaters Schlendrian bei, mögen aber von der alten Sparſamkeit und einfachen Lebensweiſe nichts mehr wiſſen, ſondern ſind die erſten, die dem jetzigen Zeitgeiſt, dem Luxus jederart huldigen. Kein Wunder alſo, wenn die alte Wohlhabenheit immer mehr verſchwindet. Wenn demnach der Dünger nicht verderben, auch nicht weit weniger werden, ſoll, ſo muß er, ſobald er aus dem Stalle geſchafft wird, in einen tiefen Behälter, der zicht gepflaſtert ſein darf, ſondern deſſen Grundfläche Lehm oder Thon enthalten ſoll und von deſſen Mitte aus, wo er am tiefſten ſein muß, ein Abzug in einen am Rande der Düngerſtätte noch tieferliegenden Jauchenfang gehet, ganz dünne zerſtreut und nicht in Haufen hinein gebracht werden. Auch müſſen die flachhinein geſtreuten Schichten vom Dünger der verſchiedenen Thierarten, die man hält, abwechſeln, aber nie Pferde- und Schaafdünger mit ein⸗ ander vermengt werden, weil dieſe einander aufloͤſen. Alles Kehricht, ſowie jeder in der Wirthſchaft unbrauch⸗ bare Abgang, wenn er nur der Fäulniß unterworfen iſt, muß ebenfalls über den ganzen Dünger hinweg ſehr dünn ausgebreitet, das ganze Volumen aber allenthalben ſehr feſt gerammelt und ſodann jeden Tag mit dem Inhalt aller Cloacke und Jauchenfänge ſorgfältig übergoſſen werden. Es verſteht ſich übrigens von ſelbſt, daß dieſe Düngerſtätte ſo eingerichtet ſein muß, daß weder Traufen-, noch Röhr⸗, noch Hof⸗ oder anderes Waſſer hineinlaufen kann, ſo wie es um ſo vortheilhafter iſt, jemehr die Luft und Sonne davon abgewendet werden kann. Sollte aber in ganz heißen, trocknen Sommern, wo Luft und Sonne um ſo mehr den Dünger von oben austrocknen, und alle Thiere der vermehrten Ausdünſtung halber weit weniger, als bei Kälte harnen, die geſammelte Jauche zur gehörigen Durch— feuchtung des Düngers nicht zureichen, was ſich ſogleich daraus ergiebt, wenn in dem Jauchenbehälter neben der Düngerſtätte ſich keine Flüſſigkeit mehr ſammelt, nachdem vorher täglich der Inhalt über den ganzen Dünger hinweg gegoſſen worden iſt; ſo muß man die Saufluſt des Rind⸗ viehes und der Schweine durch Kochſalz zu ſteigern ſuchen. Alles Waſch- und Seifenwaſſer, ſowie die Lauge, womit man etwa geſcheuert hat, darf dem Düngerhaufen nicht entzogen werden. Wer dieſe Vorſchriften treulich befolgt, ſein Rindvieh nur warm und mit geſchnittenem Futter füttert, und alles Heu- und Strohfüttern aus dem Raufe verbannet, ſelbſt bei grüner Fütterung warm tränkt, der kann mit Gewißheit darauf rechnen, daß er nach Verlauf von 3 Jahren noch einmal ſoviel Vieh, als früher halten kann, indem Frucht und Futterbau in gleichem Verhält— niß geſtiegen ſind. Ganz unfruchtbare und unzuwäſſernde Wieſen kann man aber dadurch ſehr grasreich machen, wenn man junges Rindvieh in einem hierzu eingerichteten Stalle frei wie die Schafe herumlaufen, abwechſelnd ganz trockene Erde, Häckſel und Sägſpäne einſtreuen und dieſen Dünger ein halb Jahr im Stalle liegen, ehe man ihn auf die Wieſen ſtreuen läßt, indem man ebenfalls nur mit ge⸗ ſchnittenem warm aufgebrühetem Futter gefüttert hat. Zwar koſtet dieſe Art Dünger zu erzeugen und auf⸗ zubewahren viel Arbeit und manchen Thaler Geld, allein der Gewinn überſteigt den Aufwand zehnfach. Wer aber möchte auch ohne pecuniären Vortheil den moraliſchen Genuß wohl aufgeben, Ernährer vieler Menſchen zu ſein, und beſonders ſolcher, welche das unglückſelige Maſchinen— weſen unſerer Zeit dem Müßiggange und der Brodloſigkeit ſo oft übergibt. Wer aber nicht ſuchet, der wird auch nicht finden, und wer nicht anklopfet, dem wird auch nicht aufgethan. 0 (Der Feierabend.) Einladung zur Beſprechung einer allgemeinen Kirchen—⸗ Verfaſſung. Bei dem ſo allgemein gewordenen Streben nach Frei— heit kann die Kirche wohl am wenigſten von der begonnenen Bewegung unberührt bleiben, weil dieſe vorzugsweiſe für die Bewahrerin der Religion gilt und letztere, namentlich als chriſtliche, das eigentlichſte Gebiet der Freiheit oder Er⸗ löſung iſt.(Wo der Geiſt des Herrn iſt, da iſt Freiheit). — Soll alſo die Kirche dieſem ihrem religiödſen Zwecke ent— ſprechen, ſo muß ſie ſich nothwendig in Verfaſſung und Lehre frei verhalten oder machen überall, wo ſie es noch nicht iſt. Sie muß demgemäß die Freiheit und Allgemein⸗ heit einer National-Kirche bei uns Deutſchen wenigſtens an⸗ ſtreben, die ſie noch nicht hatte.— Die Religionsfreiheit iſt ihr auch bereits von außen durch den Staat garantirt, d. h. deſſen Unterſtützung darin zugeſagt worden.— Wollen wir Mitglieder der Kirche nur ernſtlich an dies uns oblie⸗ gende Werk der Ausführung gehen und es redlich meinen, ſo kann dieſe Förderung der Freiheit doch wohl nicht anders geſchehen, als durch Aufhebung aller bisherigen kirchlichen Unfreiheit in jeder Beziehung. Die bisherige Unfreiheit der Kirche, wodurch ſie ihrem religibſen Zwecke widerſprach, be— ſteht theils in dem confeſſionellen Unterſchied der excluſiven Glaubensbekenntniſſe, theils in der ungleichen Berechtigung der Mitglieder der Kirche nach innen und außen. 1) Es wäre daher in der kirchlichen Verfaſſung die Befreiung von jedem äußeren oder inneren Kirchen-Regimente die erſte Bedingung, die Berechtigung der Gemeinde alſo in der presbyterialen Form anzuerkennen und auszubilden. 2) Wäre alsdann auf dieſem äußeren verfaſſungs— gemäßen Weg auch die innere Verfaſſung einer freieren, ſittlichen Lehre zu bilden, um ſie als Hauptzweck kirchlicher Wirkſamkeit allgemeiner zu machen. 5 Die wahre Glaubensfreiheit kann nur in einer wirk— licheren oder wirkſameren Allgemeinheit des Glaubens be— ſtehen, als Glaube an Gott nämlich, inſofern er eben dieſer allgemeine Geiſt der Liebe zu der Welt und zu dem Men⸗ ſchen beſonders iſt und ſich auch thätig darin beweiſ't oder offenbart als ſittliche Vervollkommnung, als Reich Gottes auf Erden.— Jede confeſſionelle oder ſymboliſche Färbung des Glaubens kann, ihrem eignen Wort nach, nur eine ſymboliſche Bedeutung fernerhin haben und behalten, ſo daß das Bild nicht mehr für die Sache, die Form fuͤr das Weſen, die Kirche für die Religion ſelbſt genommen werde, wie bisher und ſo fortwährend Götzendienſt begangen werde. 1 N 10 4 17 9 Ohne dieſe Liebe als ſittlich⸗freie Faſſung und Bethätigung des Glaubens, bliebe dieſer in jeder blos dogmatiſchen Weiſe unwirkſam, alſo nicht befreiend, nicht ſelig machend. In dieſem Sinne der Befreiung der Kirche oder des Glaubens von jeder Herrſchaft äußerer wie innerer Auto⸗ rität, iſt am 14 Juni eine Verſammlung von geiſtlichen und weltlichen Mitgliedern der Kirche(zu Salzhauſen in der Wetterau) zuſammengetreten, um die gemeinſamen In⸗ tereſſen und Schritte zu beſprechen. Dieſe Geſellſchaft mußte 12 A — 1. * 218 ſich einzufinden. Pfarrer Munch 5 zu Ulfa. jedoch der Beſprechung eine größere Ausdehnung zu geben ſuchen und fordert daher zunächſt alle Bewohner von Heſſen, insbeſondere Oberheſſen, die ſich an der Belebung kirchlicher Intereſſen betheiligen wollen, auf, zu einer wei⸗ teren Beſprechung in recht großer Anzahl am 12. Juli, zu Salzhauſen im Kurhaus, wo möglich Vormittags 9 Uhr, Medicinalrath Dr. Möller zu Nidda. Bekanntmachungen von Be⸗ hörden. N N Weißbinderarbeit in der Reitercaſerne zu Butzbach. (915) Dienſtag den 11. Juli d. J., Vor⸗ mittags um 10 Uhr, ſoll das Ausweißen meh⸗ rerer Localitäten in der hieſigen Reiter⸗Caſerne auf dem Wege der Soumiſſion vergeben wer⸗ den. Es werden daher die zur Uebernahme dieſer Arbeit luſttragenden Weiß bindermeiſter hierdurch aufgefordert, ihre Soumiſſionen, wozu die Formulare auf dem hieſigen Militärverwal⸗ tungs⸗Büreau in Empfang zu nehmen ſind, ver⸗ ſiegelt und mit der Aufſchrift:„Weißbinderarbeit betreffend, bis zu dem bemerkten Termin in das am Eingange zu gedachtem Büreau aufge⸗ hängten Soumiſſionskäſtchen einzulegen. Die Bedingungen, die das Nähere beſagen, ſind von beute an zur Einſicht aufgelegt. Butzbach den 24. Juni 1848. In Auftrag: Cellarius, Oberquartiermeiſter. Procla ma. 9532), Die Heinrich Weiths 1. Wittwe in iederwöllſtadt beſitzt folgende Immobilien: J. Gemarkung Ilbenſtadt: 2g e 1 Viertel 30 Ruthen Wieſe hinter der Au an Heinrich Bauſch sen. Wittwe, II. Gemarkung Bruchenbrücken: 10 vn 170 263 Klafter Acker, zehntbar, im Roth, an Conrad Bauſch IV zu Nie⸗ derwöllſtadt, 2) VII 134 c 227 Klafter ditto daſelbſt, auf die Oberwöllſtädter Grenze, an Jo⸗ hannes Wagner, welche durch Erbgang von ihren Eltern, den Peter Reitz sen. Eheleuten, auf ſie übergegangen ſein ſollen. Da die gedachte Wittwe ihr Eigenthum an dieſen Stücken nicht urkundlich darthun kann, ſolche aber unter ihre Kinder vertheilt werden ſollen, ſo werden alle diejenigen, welche Anſprüche daran bilden zu können glauben, andurch aufge⸗ fordert, dieſe binnen 60 Tagen dahier anzu⸗ zeigen, widrigenfalls, ohne beſondere Präclu⸗ ſion, die Vertheilung gerichtlich beſtätigt wer⸗ den ſoll. Friedberg den 26. Juni 1848. Großh. Heſſ. Landgericht n Dr. Gilmer. Mobilien ⸗Verſteigerung. (953) Dienſtag den 11. Juli l. J., Vormit⸗ tags um 9 Uhr, werden in Auftrag der Frau Philippine Jung dahier mehrere Mobilien, be⸗ ſtehend in Holzwerk, worunter von Nußbaum⸗ holz eine Kommode, ein Glasſchrank, ein Sopha und ſechs gepolſterte Stühle ſich befinden, Por⸗ zellain, Glas, Zinn, Meſſing und dergleichen öffentlich, in der Wohnung der Frau Anton Suhrada, meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 3. Juli 1848. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Bekanntmachung. (9511) Donnerſtag den 6. l. M., Vormittags um 10 Uhr, werden an Ort und Stelle, in dem Hoſpitalhofe dahier, die untere Wohnung und zwei Scheuern, miethsweiſe, meiſtbietend verpachtet. Friedberg den 3. Juli 1848. N Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Arbeits ⸗Verſteigerung. (955) Freitag den 7. Juli d. J., Vormittags um 10 Uhr, ſoll auf dem alten Schulhauſe zu Langgöns die Herſtellung nachverzeichneter Re⸗ paraturarbeiten an den Pfarrgebäuden, als: 9 92 1) Maurerarbeit, vervoranſchlagt zu 240 55 2) Dachdeckerarbeit, 8.30 3) Schreinerarbeit, 313 55 4) Schloſſerarbelt, 214— 5) Glaſerarbeit, 68— 6) Weißbinderardeit 160— unter den bei der Verſteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen an tüchtige Handwerker in Accord gegeben werden. Langgoͤns den 30. Juni 1848. . Der Beigeordnete Dern. Aufforderung. (956) Am 27. d. M., Morgens, iſt dahier ein Päckchen Sohlleder und ein Büchſenranzen, in welchem einige Spezereiwaaren ſich befinden, gefunden worden und fordert man den Eigen⸗ thümer auf, dieſe Gegenſtände innerhalb vier Wochen von heute an, gegen Erſatz der Inſerat⸗ gebühren, dahier in Empfang zu nehmen, an⸗ ſonſt man ſie dem Finder zurückgeben wird. Vilbel den 29. Juni 1848. ö Der Großb. Heſſ. Bürgermeiſter Breiter. N Privat ⸗ Bekanntmachungen. Es wird ein braves (910 geſittetes Mädchen geſucht, welches ſchon mehrere Jahre gedient hat, Hausarbeiten ver⸗ ſteht und mit guten Zeugniſſen verſehen iſt. Wo? ſagt die Expedition d. Blits. Anzeige. (937) Ein ſehr zierlich gebauter Wachtelhund, weiß mit ſchwarzen Extremitäten und über jedem Auge gelb gezeichnet, auf den Anruf Mino auf⸗ merkſam, iſt am 30. Juni, Nachmittags 4 Uhr, auf der Saline Nauheim dem Eigenthümer entkommen, welcher für deſſen Rücklieferung an den daſigen Salzamtsdiener eine Belohnung von 1 fl. zuſichert. f 1 Ein Kneip (958) iſt am vergangenen Sonntag, den 2. Juli, im Nauheimer Wald gefunden worden. Der ſich legitimirende Eigenthümer kann den⸗ ſelben durch die Expedition dieſes Blattes gegen Erſtattung der Inſeratgebühren zurückerhalten. An den, dem's gilt. (959) Die in einem weggeliehenen und nun zurückempfangenen Buche bezeichnete Stelle: „—————— Freund, Dein leidenſchaftlich Herz macht, daß du Alle Für kalt erklärſt, die nicht ſo heftig ſind u. ſ. w. hat man geleſen und verſtanden. Man ent⸗ gegnet mit den Worten des Brutus bei Schiller: „Geh' du linkwärts, laß mich rechtwärts geh'n. Polksverſammlung bei Petterweil in der Wetterau. (960) Nächſten Sonntag den 9. Juli, Nachmittags 3 Uhr, wird auf der ſ. g. Herrnwieſe bei Petterweil eine Volksverſammlung abgehalten werden, bei welcher— außer den allgemeinen Angelegenheiten Deutſchlands— insbeſondere unſere dermaligen Heſſiſchen Landtagszuſtände beſprochen werden ſollen. Wir rechnen auf zahlreichen Beſuch aus der Nähe und Ferne, und be⸗ merken zugleich, daß mehrere Herrn Abgeordnete zur Nationalverſammlung unſer Feſt mit ihrer Gegenwart beehren werden. Petterweil, Groskarben und Okarben den 1. Juli 1848. Das Feſt⸗ Comité. Volksverein in Friedberg · N (961) Nächſten Mittwoch, den 5. d. M., präcis 8 Uhr Abends, Verſamm⸗ lung im Gerlach'ſchen Saale. Ausſchuſſes. Friedberg den 2. Juli 1848. Tagesordnung: Wahl des Präſidenten und Groh. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von Carl Bindernagel in Friedberg —