2 zu den Oberhessischen UMachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. 5 Gießen, den 29. April. V. Die tiefen Schatten des Schwarzwaldes erlauben keinen Aufenthalt bis in den September hinein, und so bot Rippoldsau in den letzten heißen Tagen des August noch einmal seine köst— lichste Kühlung in den dunkeln, kräftig duftenden Wäldern, und die zahlreiche Gesellschaft, die hier seit Wochen wie in einem gemüthlichen Familienleben sich gemeinsam amüsirte, lebte im vertrauten, ungenirten Umgang recht angenehm dahin. Herr und Frau Bode wetteiferten,„ihrem Töchterchen“ den Aufenthalt in Rippoldsau so angenehm wie möglich zu machen, und es war ihnen dies gelungen. Zum ersten Mal sah sich Jella umgeben von einer hocheleganten männlichen Jugend: Deutschen, Engländern, Franzosen, Russen, Italienern, die alle dem eigenartig schönen Mädchen zu gefallen suchten. Es mißfiel ihr dies durchaus nicht, sie war noch nicht zwanzig Jahre alt und liebte das Leben. Unter den Vielen, die sich um sie be— mühten, war ein norddeutscher Baron, der sie durch eine sichtbare Aufmerksamkeit vor den Andern ganz besonders aus— zeichnete. Er war eine elegante Erscheinung, die allerdings durch einen Zug von Schwermuth in dem krankhaft bleichen Gesichte etwas Interesse in einem jugendlichen Mädchenherzen hervor— rufen konnte. Wenn ein munteres Herandrängen der fröhlichen Herren sichtbar wurde, sobald sich Jella auf den Lustpartien zeigte, die bald mit Angeln und Körben nach den kühlen Bächen des Schwarzwaldes sich bewegten, wo die Forelle lustig plätschert, oder sonst die Gegend nach allen Seiten durch— streiften, dann stand Baron Brenner einige Schritte entfernt und seine melancholischen Augen ruhten mit dem Ausdruck schwärmerischer Bewunderung auf ihr. Traf ihn zufällig ihr Blick, dann stieg eine schwache Röthe in seinem Gesichte auf und seine Lippen zuckten. f Direktor Bode lachte mit Jella über diesen„Mondschein— kandidaten“, der, aus dem hohen Norden kommend, um ein ganzes Jahrhundert in der Courmacherei zurück sei. Nach und nach wagte er es, sich Jella zu nähern und wurde hier und da ihr Begleiter. Ob dennoch die langsam und traurig zu ihr auf— geschlagenen Augen auf Jella ihren Eindruck nicht ganz ver— fehlten, ist fast anzunehmen, denn sie wurde in ihren fröhlichen Auslassungen über den Baron zurückhaltender und ging nicht mehr recht darauf ein, wenn Direktor Bode sie neckend nach dem Inhalt seiner langen Unterhaltungen fragte.„Ich glaube, Baron Brenner ist ein Mann, an dem Welt und Menschen viel ge— sündigt haben,“ gab sie einmal mit traurigem Ausdruck zur Antwort. „Freilich, dem steht der Weltschmerz in den Augen geschrieben,“ Ein dunßler Schatten. Novelle von M. Elton. 3(Fortsetzung.) spottete der Direktor des Landgerichts.„Wirklich ganz interessant, eine solch gut konservirte Mumie aus dem vorigen Jahrhundert zu erblicken.“ Er merkte, daß dies Jella mißfiel, da sie mit einem gewissen Eifer entgegnete:„Ja, es hat zu allen Zeiten unglückliche Menschen gegeben.“ „Und glücklicher Weise heute kaum solche mehr, die ihr Unglück in jedem Glied ihres Körpers, in jedem Zug ihres Gesichtes zur Schau tragen,“ versetzte er, neckisch seiner Frau zublinzelnd. a 5 Frau Bode aber winkte abwehrend und sagte lachend:„Denken Sie nur an meine Existenz, liebes Kind, an der Seite dieses Mannes, dessen Lebensberuf es zu sein scheint, jeden Anflug von Poesie oder poetischer Anschauung im Keime zu ersticken! Was Sie heute von mir sehen: eine jeder Illusion unzugängliche Frau, das ist das Werk dieses Barbaren.“ Jella zog sich etwas gekränkt auf ihr Zimmer zurück und ant— wortete von nun an nichts mehr auf die Neckereien des Direktors. Bald lichtete es sich täglich mehr in Rippoldsau und Baron Brenner fand nun mehr Gelegenheit wie früher, seine respektvolle Verehrung für Jella an den Tag zu legen. Da kam täglich ein herrlicher Rosenstrauß für sie, den sie nicht abwies; wes⸗ halb sollte sie ihm das Wohlwollen entziehen, das ihn augen— scheinlich so sehr erfreute. Da aber— eines Tages— kam sie, weit hinter der übrigen Gesellschaft, mit ihm im sinkenden Abend aus dem Walde zurück. Sie war furchtbar bleich, frische Thränenspuren zeigten sich auf ihren Wangen und ihre jugendfrische Gestalt schleppte sich nur so neben ihm her. Der Baron war in einer Aufregung, wie man sie sonst noch nicht an ihm bemerkt hatte, sein Gesicht war geröthet und sein Blick streifte hastig die gebrochene Gestalt, indem seine Hände sich wie um Verzeihung flehend gegen Jella erhoben. Sie aber sah es nicht, ihr weißes Kleid schleifte über den feuchten Boden, ihre Arme hingen schlaff herunter und ihre Augen stierten wie gebrochen in den grauen Nebel, der sich über den Wald gelegt hatte. „Wenn Du nicht gehen willst, so gehe ich,“ sagte Frau Bode zu ihrem Manne;„Jella ist uns anvertraut, und ich finde es durchaus unpassend, daß sie hinter der Gesellschaft zurückgeblieben ist und bis in die Nacht hinein ausbleibt.“ Sie nahm hastig ihr Tuch und wollte das Zimmer verlassen. „Aber, liebe Frau, so warte doch nur noch einige Minuten,“ rief Herr Bode.„Jella ist eine so selbstständige Natur und in Bezug auf ihren Werther ist so wenig mit ihr zu spaßen, daß sie Dir Dein Entgegengehen wenig danken würde.“ „Nie mehr werde ich mich überreden lassen, ein junges Mädchen mit mir zu nehmen, wenn ich eine Erholungsreise D 8 13 * . — 35 138-. machen will,“ seufzte Frau Bode.„Ich gehe, die Aufregung läßt mich nicht rasten.“ Als sie vor die Thür des Gasthauses trat, bemerkte sie, keine dreißig Schritte von sich, neben einer Gruppe von Zier⸗ sträuchern ein weißes Kleid. Jella stand dort unbeweglich und ein Mann führte hastig mit unterdrücktem Schluchzen ihre Hände an seine Lippen. Darauf entfernte er sich schnell und Jella schritt langsam auf das Gasthaus zu. „Da bist Du endlich, mein Kind; wir fingen an, uns über Dein Ausbleiben zu beunruhigen,“ sagte Frau Bode und trat mit dem Mädchen in den hellerleuchteten Hausgang. Jella schaute mit großen irren Augen die besorgte Frau an und antwortete mit klangloser Stimme:„Ich bin so müde und erkältet, ich will mich zu Bette begeben, gute Nacht!“ Frau Bode erschrak. Fella schlüpfte wie ein Schatten an ihr vorbei und schloß sich in ihr Zimmer ein. Das Rufen, das Klopfen der geängstigten Frau hatte keinen Erfolg. Jella ant⸗ wortete nur:„Sie sind sehr gütig, ich danke Ihnen herzlich, ich bedarf nichts, durchaus nichts.“ Am folgenden Morgen blieb der Rosenstrauß aus, der sonst immer auf Jella's Platz auf dem Frühstückstisch gelegen. Sie erschien, wohl etwas bleich, sonst aber ruhig und schön wie immer. An der Mittagstafel erzählte man sich, daß Baron Brunner am frühen Morgen nach seiner Heimath, der Insel Rügen, abgereist sei. Alle Blicke wendeten sich nach Jella und man zog aus den niedergeschlagenen Augen und den hocherglühten Wangen die verschiedensten Schlüsse. „Ist sie verlobt mit ihm? Warum reist er denn so schleu⸗ nig ab? Wissen Sie denn nichts von dem nächtlichen Spazier⸗ gang? Wer möchte noch an der Verlobung zweifeln?“ so ging es im Flüsterton nach allen Seiten. Frau Direktor Bode saß wie auf Kohlen und hätte viel darum gegeben, wenn sie diese Bemerkungen alle mit der einen Erklärung hätte zum Schweigen bringen können:„Ja, sie ist verlobt mit Baron Brunner.“ Jella aber erwähnte seiner mit keiner Silbe und sah über⸗ haupt so ernst und nachdenkend aus, daß Direktor Bode jede Bemerkung über den Baron unterließ. „Wenn Sie vorhaben, Ihren Aufenthalt hier noch zu ver— längern, so möchte ich bitten, mich allein nach Hause reisen zu lassen, Herr Direktor,“ sagte Jella ungefähr eine Woche nach des Barons Abreise, als sie zu ihm auf die Veranda getreten war, wo er behaglich seine Zeitung las und seine Tasse Kaffee trank. „Haben Sie es denn so eilig, liebes Kind? Unsere sechs Wochen sind noch nicht vorüber. Geben Sie mir aber ver⸗ nünftige Gründe zu Ihrem Drängen an, so soll etwas von der Zeit nachgelassen werden,“ antwortete der Direktor und faltete dehäbig die Zeitung zusammen.„Nun lassen Sie hören!“ „Ich habe keine bestimmten Gründe,“ entgegnete sie aus— weichend;„möchte auch nicht, daß Sie meinetwegen Ihre Kur abkürzen, wenn Sie es denn erlauben, so reise ich morgen ab.“ „Das erlaube ich ganz sicher nicht,“ fuhr Herr Bode auf. „Machen Sie es mit meiner Frau ab; wenn sie in einigen Tagen zur Abreise bereit ist, so wollen wir meinetwegenheimkehren.“ „Seien Sie mir nicht böse, Herr Direktor,“ sagte sie und reichte ihm schüchtern die Hand hin. „Nein, Ihnen nicht, Jella, gewiß nicht; aber mag er auch hundert Mal Ihre höchste Gunst besitzen, so sage ich doch:„Der Mondscheinbaron“ und bin sicher, daß dieser Mensch mit dem schmachtenden Blick und den durchsichtigen weißen Händen ver⸗ hängnißvoll für Ihr Leben geworden ist,“ rief er und warf die Zeitung auf den Tisch. Jella stand da, todtenbleich und regte sich nicht. „Sitzt die Liebe so tief, armes, beklagenswerthes Kind?“ sprach er bewegt und stand kopfschüttelnd auf. „Ja, ich liebe ihn!“ rief sie plötzlich außer sich, und ihre Blicke bekamen etwas Drohendes, Herausforderndes. es mir wehren? Wer wagt es, ihn herunter zu setzen und ihn anzugreifen?“ .„Sie sind nicht bei Besinnung, Fräulein Wellner!“ versetzte Herr Bode mit eisiger Kälte.„Ich bedaure nur, Sie dem Herrn Präsidenten in diesem Zustande zurückbringen zu müssen. Uns „Wer will trifft keine Schuld; hoffentlich gelingt es ihm, Sie wieder auf den Weg der Vernunft zu bringen.“ Sie lachte laut auf, der Direktor verfärbte sich und seine ö Lippen bebten.. Einige Tage darauf reisten wir ab. Eine sichtbare Kälte und Entfremdung herrschte zwischen der Familie Bode und Jella. Letztere aber schien es kaum zu fühlen, so sehr war sie von ihren Gedanken in Anspruch genommen. 5 „Ich selbst werde Sie zu dem Herrn Präsidenten geleiten,“ sagte Direktor Bode, als sie den Zug verlassen hatten, und nahm eine ernste gravitätische Miene an. 7 „Sie wollen mich anklagen und bei meinem Vater ver⸗ kleinern?“ fuhr Jella auf und ihre kleinen Zähne bohrten sich in die feine Unterlippe. Plötzlich aber, sich besinnend, sagte sie in fast bittendem Tone:„Thun Sie es nicht, Herr Direktor, es hat keinen Zweck, ich verspreche Ihnen, meinem Vater die ganze Wahrheit selbst zu sagen und mich besonders dankbar Ihrer und der guten Frau Direktor Freundlichkeit zu erinnern. Noch einmal danke ich Ihnen herzlich für alle mir bewiesene Güte und Nachsicht.“ „Das arme Kind, 3 * 5 4. N was hat es denn gethan?“ fragte Frau Bode, als sich Jella entfernt und sie mit ihrem Manne ihrer Wohnung zuschritt.„Wer kann denn behaupten, daß sie nicht gut gewählt, weil sie schnell gewählt hat? Sprich gar nicht mit dem Präsidenten darüber, was willst Du auch sagen, wir wissen ja nichts.“ Er stieß etwas zwischen den Zähnen hervor von: Jammer⸗ schade, blühendem, energischem Mädchen und der Trauerweide in bleichem Mondschein. a N Jella trat in das dunkele Haus; Boudoir schimmerte ein trübes Licht. ihren Vater sprechen zu können; er war Als sie die Thür des Boudoirs öffnete, Bessow vom Divan. „Ei, so unerwartet, liebe Jella!“ rief sie und erhob sich. „Nun findest Du das Haus leer, Deine Eltern sind vor vierzehn Tagen in's bayerische Hochgebirge gereist 50 „Wann kommen sie zurück?“ fragte Jella, sichtlich in ihren Erwartungen getäuscht;„oder könnte ich sie erreichen?“ setzte sie athemlos hinzu. 4 „Warum denn das?“ fragte Frau von Bessow Wau „Oder ist die Sehnsucht nach der jungen, charmanten Mutter groß?“ fügte sie lachend hinzu.„Jedenfalls wirst Du Dich noch einige Wochen gedulden müssen, mein Kind.“ 1 Jella überlegte.„Ich weiß nicht, ob es das Licht ist, oder ob ich es der Reise zuschreiben foll, Du siehst sehr bleich aus,.“ sagte Frau von Bessow und sah Jella beobachtend in's Gesicht. „Nun, so ein bischen Sehnsucht bleicht leicht die Wangen; wi wird sich Assessor von Rolfs über Deine Rückkehr freuen!“ 1 Ein erschreckter Blick flog zu dem lächelnden Gesicht. alten Dame empor.„Nun sieh Einer das gehorsame Töchterchen!“ rief sie verwundert aus,„da hat doch der Präsident Recht ge⸗ habt, als er ganz gleichgültig sagte: Sie muß schon wollen, wenn ich will. Siehst Du, Kind, Du bist mir ein Räthsel; ich habe Dich für hartnäckig gehalten, und daß Dir der Assessor nicht gleichgültig war, das sah auch Jemand ohne Erfahrung.“ 5 Das zarte, schmale Gesichtchen Jella's bekam einen so kläg⸗ lichen Ausdruck, es wurde so bleich, daß Frau von Bessow ihr liebkosend über das schwarze Haar strich und ihr tröstend sagte: „Vertraue nur unserer guten Edith, sie wird schon den Raben⸗ vater milder stimmen.“ 5 „Ich bedarf keiner Protektion, Frau Baronin,“ antwortete Jella mit bebenden Lippen und verließ das Boudoir. Die Baronin wollte nicht den ersten Schritt des Entgegen⸗ kommens thun und Jella ahnte nicht, daß man ihn von erwarte. Sie dachte überhaupt an nichts, ihr Sinnen und Trachten schien in den düsteren Wäldern des Schwarzwaldes zu weilen; sie verließ kaum ihr Zimmer, ging wie träumend umher und schreckte zusammen, wenn Jemand sie anredete. 25 Rolfs war glückstrahlend in das Haus des Präsidenten ge⸗ U nur in ihrer Stiefmutter N Sie hatte gehofft, zuerst keinesfalls zu Hause. erhob sich Frau von eilt, sobald er gehört, daß Jella zurückgekehrt war. Frau von Bessow empfing ihn und sah, wie Rolfs erbleichte, als der Be⸗⸗ diente meldete, das gnädige Fräulein sei verhindert.„Ich fürchte, 1 139 Jella hat strenge Instruktionen von Seiten des Präsidenten,“ erklärte die alte Dame verlegen. Eine Woche nach Jella's Rückkehr saß Rolfs gegen Abend am jenseitigen Ufer des Flusses, der am ausgedehnten Garten des Präsidenten vorbeifloß. Er sah drüben ein weißes Kleid hier und da durch das Gebüsch schimmern; es war Jella, die unruhig den Garten durchwanderte. Wenn er nun den Kahn losband und unbemerkt auf die andere Seite ruderte— das thaten ja immer die Arbeiter, um sich den Heimweg zu verkürzen— so trennte ihn nur die niedrige Mauer von ihr, und die war leicht zu übersteigen. Er mußte sie sprechen und wollte Aufklärung haben; es war unmöglich, daß sie sich so ganz von ihm abgewendet haben sollte. Es war ihm ein sonderbares Gerücht zu Ohren gekommen; wahrscheinlich, daß Frau Direktor Bode einer intimen Freundin von ihren Erlebnissen im Schwarzwald erzählt und auch dabei ihres Schützlings Erlebnisse im Vorbeigehen etwas mitgenommen hatte. Rolfs vermochte kein Mißtrauen in den Charakter Jella's zu setzen, die sich ihm von Anfang an ehrlich und stolz bis zur Schroffheit gezeigt. Mit getäuschter Hoffnung hatte er nach zweimaliger Abweisung des Präsidenten Haus ver— lassen, und dennoch glaubte er an Jella, mochten auch Gründe für ihr sonderbares Betragen vorliegen, an Betrug und Falsch⸗ heit konnte er nicht glauben, dazu war ihr Wesen zu tief und zu groß angelegt. Als er so dasaß und mit brennenden Augen das weiße Kleid verfolgte, das gerade in der dichten Laube am Ende des Gartens verschwunden war, sah er im Lichte des aufgehenden Mondes eine Gestalt am jenseitigen Ufer, die eiligst längs der Mauer herging und die in der nach dem Fluß führenden Thür verschwand. Rolfs bebte und seine Rechte ballte sich unwill— kürlich: die hohe schlanke Gestalt eines Mannes durcheilte den im hellen Mondschein liegenden Weg des Gartens und schritt der Laube zu. „Also doch, also doch,“ knirschte er, stürzte auf den nächsten Kahn los und ruderte eiligst den Fluß hinunter. Erst da, wo die Mauer anfing, landete er und schritt nun behutsam auf dem grasigen Boden die ganze Mauer entlang, bis er dicht an dem Dreieck der Mauer stand, auf dem die Laube ruhte. Hinaufklimmen konnte er nicht, das Geräusch hätte den Beiden drinnen seine Anwesenheit verrathen. Er hörte sie flüstern, sein Herz schlug und tobte, alle seine Pulse hämmerten, dazu rauschte das Wasser,— er konnte kein Wort verstehen. Er suchte voll Wuth in seiner Seitentasche— der Revolver steckte nicht darin— sich und sie tödten, das hätte ihn auf einmal von dem Elend befreit, das nun unwiderruflich auf ihm lastete. Sie traten aus der Laube, sie, das Haupt tief gebeugt, er, ein schönes, etwas zu zartes Angesicht voll dem Sternenhimmel zugewandt. Nun hörte Rolfs ihn sagen:„Die Dankbarkeit meines ganzen Lebens, geliebte Jella, gehört Dir, Du Engel der Erbarmung!“ und er küßte ihr stürmisch die Hände und Thränen überflutheten des Mädchens emporgehobene Hände. Rolfs hatte sich auf die Mauer emporgeschwungen und sah starren Auges auf das Paar. Jella setzte, ohne ein Wort zu sprechen, ihren Weg nach der Seitenpforte fort, sie spähte nun mit angstvollem Blick nach allen Seiten, und während ihr Begleiter mit. ausdrucksvollen Geberden ihr eifrig zuflüsterte und seinen Schritt hemmte, drängte sie un— geduldig der Thür nach dem Flusse zu. Sie reichte ihm eiligst die Hand, er aber umfaßte zärtlich ihren schlanken Leib und küßte sie. Rolfs rang nach Luft, er liebte das sonderbare, räthselhafte Mädchen, das ihn so schnöde behandelt, bis zum Wahnsinn; die Liebe zu ihr überwältigte ihn, er verzehrte den Liebreiz der an— muthigen Gestalt mit heißen, brennenden Blicken,— sie war verloren für ihn! Der Fremde war gegangen; eine Minute lang stützte Jella den runden, entblößten Arm auf die Mauer und sah ihm nach. von Rolfs vor sich. Sie schreckte zusammen und hob Augen und Hände bittend zu ihm empor, darauf aber, mit schnellem Entschluß, flog sie athemlos davon. Ihr Fuß berührte kaum den Boden, sie floh wie ein Phantom, das sich jeden Augen— Die Unmöglichkeit, ihr je wieder nahe zu kommen, beschleunigte auch seinen Fuß, und als er, trostlos, in seinem Lauf einhielt, sah er, wie ihr weißes Kleid von einem Strauch festgehalten wurde und sie sich verzweifelt abmühte, sich loszumachen. Er stand im Augenblick an ihrer Seite. „Lassen Sie mich,“ schrie sie auf;„verschonen Sie mich, es ist nichts mehr zu ändern.“ „Ist es wahr, Jella,“ fragte er mit bebender Stimme,„ist es wahr, daß Sie dem Andern folgen wollen?“ „Ja, es ist wahr,“ flüsterte sie athemlos. „Bin ich denn ein Narr gewesen, als ich an Ihre Liebe geglaubt habe,“ lachte er bitter auf. Sie wendete dem Sternenhimmel ihr blasses, geängstigtes Gesicht zu und sah ihn darauf mit einem Ausdruck an, der ihm im innersten Herzen wehe that. „Leben Sie wohl, Jella, möge es Ihnen Gott verzeihen, daß Sie mich elend gemacht haben,“ sagte er gebrochen und verließ schnell den Garten. Rolfs wollte nur die Rückkehr des Präsidenten abwarten, um dann einen längeren Urlaub anzutreten und, wenn es mög⸗ lich war, den Ort für immer verlassen. Er konnte die Braut— schaft und die Hochzeit Jella's nicht ertragen, dem mußte er aus dem Wege gehen.(Fortsetzung folgt.) 1 Schloß Warren. Novelle von Georg Harnisch. (Fortsetzung.) IV. Zwei volle Jahre sind vergangen. Es pflegt häufig auf große, in unser Schicksal tief einschnei⸗ dende Ereignisse eine ruhige Zeit zu folgen, die nichts Besonderes bringt und deren Tage in ebenmäßigem Gleichmaß verlaufen, so daß wir nur durch den Wechsel der Jahreszeiten erinnert werden, wie die Welt in ihrem Lauf nicht stillsteht und wie schnell wir selbst unserem Ende entgegeneilen. So waren auch auf Schloß Warren diese beiden letzten Jahre in stiller Ruhe verflossen. Frau von Haldern hatte sich fast ganz dem geselligen Ver— kehr mit den Nachbarn entzogen und sich der Erziehung ihrer beiden Kinder gewidmet. a Von ihrem Bruder Udo waren in großen Zeitpausen kurze, spärliche Nachrichten eingetroffen, die selbst lediglich geschäftliche Angelegenheiten berührten und im Uebrigen von seinem körper⸗ lichen Wohlergehen meldeten. So wenig diese Briefe auch ent⸗ hielten, so waren dennoch die Tage ihrer Ankunft für Helene stets Freudentage gewesen; der stillen Frau genügte vorläufig das Bewußtsein der leiblichen Genesung ihres Bruders, im Uebrigen hoffte sie auf den zerstreuenden Einfluß der Fremde. und die besänftigende Wirkung der Zeit. Endlich war denn auch Graf Warren, äußerlich fast voll⸗ ständig wiederhergestellt, zurückgekehrt. Die hohe, schlanke Figur war ungebeugt und sein vornehmes, blasses Antlitz erhielt durch einige kaum sichtbare Narben und die schmale schwarze Binde über dem linken Auge einen ungewohnten, ganz eigenartigen Reiz. Um so größer war aber Helene's Schmerz, als sie die Ver⸗ änderung entdeckte, welche die traurigen Ereignisse vor zwei Jahren auf Udo's Gemüth hervorgerufen hatten. Der früher lebensfrohe und liebenswürdige Mann war menschenscheu und menschenfeindlich geworden. Vor jedem Fremden ließ er sich verleugnen, und selbst seiner Schwester Gesellschaft vermied er, so viel er konnte. Den entlegenen, seit einem halben Jahrhun⸗ dert nicht benutzten Flügel des Schlosses hatte er für sich ein⸗ richten lassen und lebte dort vollkommen abgeschlossen mit einem alten Diener und seinen Büchern. Seine Spaziergänge führten ihn in frühester Morgenstunde in den dichtesten Theil des großen Parks, wo er sicher war, keinem Menschen zu begegnen. Selbst die Mahlzeiten nahm er allein ein und entschuldigte sich seiner Schwester gegenüber mit seinen wissenschaftlichen Studien, welche seine ungetheilte Hingebung erforderten. 0 1 Als sie sich dem Garten zukehrte, sah sie das bleiche Gesicht N 9 blick im Abendduft auflösen konnte. So erschien sie Rolfs. Helene hatte bald erkennen müssen, daß alle Versuche, den N 8850——— N Ee 5 5 2 2 ——w˖⏑ꝑ62 3— armen Bruder dem menschlichen Verkehr wiederzugewinnen, vor— läufig vergeblich, wenn nicht gar schädlich seien, und so hatte sie sich mit innerem Seufzen in das Unvermeidliche geschickt, der Zukunft und der höheren Fügung die Heilung auch dieses Leidens anheimstellend.——— Es ist ein herrlicher Sommertag. Die Vögel zwitschern in den Bäumen des Schloßparkes von Warren und die Blumen der Teppichbeete hauchen süße Düfte in die weiche balsamische Luft. Fenster und Thüren des Gartensaales sind geöffnet und das einschläfernde Plätschern des nahen Springbrunnens dringt deutlich zu den Ohren des jungen schönen Mannes, welcher sich drinnen nachlässig in einem Schaukelstuhl auf und nieder wiegt. Sein langer blonder Schnurrbart wird von seiner weißen, wohl— gepflegten Hand unaufhörlich geliebkost, der andere Arm ist in einer schwarzen Binde gefesselt. Seine grauen, etwas müden Augen blinzeln hinaus in den sonnigen Garten und hörbare Seufzer der Langeweile stehlen sich häufig über seine Lippen. „Himmel, Helene!“ ruft er plötzlich mit etwas starker Stimme, welche den gewohnten Kommandoton nicht verbeugnet, „wie kannst Du nur diese Einsamkeit ertragen? Nicht sechs Wochen hielt ich es hier aus! Mein Gott! ich bin in diesen vierzehn Tagen schon ganz stumpfsinnig geworden, und ich bin herzlich froh, daß wir endlich nach Teplitz gehen, obgleich ich fürchte, dort gerade auch nicht zu viel Amüsement zu finden.“ Er springt bei diesen Worten aus seiner liegenden Stellung auf und tritt zu Frau von Haldern, welche in seiner Nähe be— schäftigt ist, eine große Zahl vor ihr liegender Briefe zu sor— tiren und ihren Inhalt zu prüfen. Lächelnd schaut sie auf die prächtige Gestalt ihres jüngeren Bruders. „Mein lieber Heinz, ich bin jetzt eine alte Frau und ver— lange nicht mehr viel vom Leben, aber ich kann Dir wohl ge— stehen, daß auch ich schon häufig Anwandlungen von Melancholie hier empfunden habe, besonders im Winter, wenn ich auf das Zimmer angewiesen war und Niemand hatte, mit dem ich plau— dern und meine Ansichten austauschen konnte. Die Erzieherin der Kinder ist eine kluge und unterrichtete Person, aber sie ist mir zu steif und nur von ihrem Beruf erfüllt. Mit Gesell— schafterinnen scheine ich kein Glück zu haben, ich habe es schon mehrmals versucht, aber meine Wahl war nie eine glückliche. Nun bin ich abermals dabei, aus diesem Wust von Briefen etwas Passendes herauszufinden, aber es ist dies eine mühevolle Arbeit. Schau einmal alle diese zarten Briefchen mit hübschen und häßlichen Handschriften und fast ausnahmslos desselben In— halts. Komm' her und hilf mir, vielleicht hat Deine Hand Glück darin!“ Lieutenant Heinz von Warren rollte gleichgültig einen kleinen 8 Sessel an die Seite seiner Schwester und begann flüchtig einen Brief nach dem anderen zu lesen, um dieselben dann mit leichtem Kopsschütteln wieder bei Seite zu legen. „Weißt Du, Helene, E-begann er mit überlegenem Lächeln, „hier ist in all' diesen Bflesen auch nicht eine sympathische Hand— schrift, nicht ein eleganter Stil zu finden,— alle steif oder devot! Ich parire, die Schreiberinnen sind sämmtlich häßlich und langweilig, und ich könnte mich zu keiner Antwort auf irgend eines dieser Geschreibsel entschließen.“ „Ja, Heinz, Du hast Recht, es ist schwer, nach einem Brief seine Wahl zu treffen. Doch wie soll man es schließlich anders machen?“ „Halt, Frau Schwester, was hätten wir denn da? Post— stempel„Dresden“— sichere, gefällige Handschrift, altdeutsches Papier mit Wappen und exquisites Parfüm; laß einmal sehen! O, dies ist etwas Apartes; gestatte, daß ich Dir diese zarte Epistel vorlese: „Hochverehrte gnädige Frau! Als ich gestern die Annoncen der Zeitung durchlas, um für mich eine geeignete Stellung zu ermitteln, wurde mein Blick durch Ihren Namen gefesselt, mit welchem sich die schönsten Er— innerungen meiner glücklichen Kinderzeit verknüpfen. Wie ein Wink des Himmels erschien mir dieser Zufall, der Sie gerade jetzt eine Gesellschafterin suchen läßt. Sie werden bei dieser Einleitung erstaunt nach der Unter— schrift meines Briefes geseher n haben. Hoffentlich ruft die letztere mit dem Gedanken an die Sorgen der Vergangenheit auch einige freundliche Bilder in Ihre Seele n so daß Sie es nicht verschmähen, meinen späteren, Ihnen noch unbekannten Schick⸗ salen Ihr Interesse zu schenken. Sie werden sich vielleicht noch entsinnen, daß mein Vater vor ungefähr sechs Jahren beabsichtigte, dem Wunsche meiner Mutter zu folgen und nach Deutschland überzusiedeln. Zu dem Zweck war er damals beschäftigt, sein nicht unbedeutendes Ver⸗ mögen in Amerika und England flüssig zu machen. Während wir unterdessen sorglos in Nizza weilten, hatte mein Vater durch plötzliche Zusammenbrüche einiger großen Bankhäuser bedeutende Verluste erlitten. Arbeit und Aufregung hatten seine Gesund⸗* heit erschüttert, und eines Tages erhielten wir die Schreckens⸗ 1 botschaft von seinem Tode. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht.—— Der Schmerz meiner Mutter war grenzenlos. Dennoch ver⸗ lor die energische Frau nicht den Kopf. Binnen achtundvierzig Stunden befand sie sich auf der Reise nach Newyork. Es galt ja nicht allein, die irdische Hülle des geliebten Gatten nach Deutschland zu überführen, sondern sich und ihrem Kinde von ihrem Vermögen zu retten, so viel sie konnte. Hierzu war ihre persönliche Anwesenheit an Ort und Stelle dringend erforderlich. Mich wollte sie den Gefahren der Reise nicht aussetzen und brachte mich, so viel ich auch bat, sie begleiten zu dürfen, in eine Pension nach Dresden, wo ich ihre Rückkehr abwarten sollte. Gesund, kräftig und schön— wie meine arme Mutter viel- leicht noch in Ihrer Erinnerung leben wird— bestieg sie da- mals das Schiff, welches sie meiner fernen Heimath entgegen- führte,— gealtert und gebrochen kehrte sie nach wen Monaten zu mir zurück. Unser Vermögen war bis auf eine kleine Summe, nothdürftig für ein bescheidenes Leben ausreichte, zusamme geschmolzen. Ich verließ daher die Pension und wir bee 5 in Dresden eine kleine Wohnung, in der wir in stiller Zurück- gezogenheit lebten,— sie mit meiner Erziehung, ich mit ihrer 1 Pflege beschäftigt. Fünf Jahre waren so vergangen, da traf mich der härteste Schlag meines Lebens; ich verlor auch das Theuerste, was mi bis dahin geblieben,— meine einzig geliebte, unvergeßliche eutter. 1 Lassen Sie mich von dem Gram dieser schweren Zeit schweigen! Ich stand nun ganz allein,— aber ich war erwachsen. 1 traurigen Ereignisse der letzten Jahre hatten mich schnell ge ich begriff, daß meine Lage es mir nicht gestatte, mich unthöl der Erinnerung an eine traumhaft schöne Vergangenheit und J Schmerz über die Wendung meines Geschicks hinzugeben; es galt vielmehr zu handeln und den Blick fest auf die Zukunft. zu richten.— Allein konnte ich als junges Mädchen in de großen Stadt nicht leben;— ich kehrte daher in die Pension, zu deren Vorsteherin und Lehrerinnen ich stets in Beziehungen l gestanden hatte, zurück. 1 Hier blieb ich ein halbes Jahr und hier bin ich noch, bis ich eine Stellung als Erzieherin oder Gesellschafterin gefunden habe.— Die Ueberreste meines kleinen Vermögens gestatten mir wenigstens, bei der Wahl meines künftigen Wirkungskreises die materiellen Rücksichten meinen Neigungen unterzuordnen.— So, verehrte gnädige Frau! jetzt sind Sie über mich unter⸗⸗ richtet!— Vielleicht entschließen Sie sich zu einem Versuch mit mir!— Aus dem Ihnen bekannten vierzehnjährigen Wildfang ist ja ein gesetztes und leidlich verständiges Mädchen geworden, welches trotz allen Kummers auch heiter und vergnügt sein kann, weil es mit gutem Gewissen in die Vergangenheit zurückblickt und mit der Zuversicht der Jugend von der Zukunft die Besserung seines Schicksals erwartet. Mir, das darf ich wohl gestehen, würde es als ein großes Glück erscheinen, unter Ihrer sicheren und liebevollen Leitung den ersten Schritt in das Leben wagen zu dürfen. Mit der Versicherung größter Verehrung Ihnen die Hand küssend, hofft auf eine baldige, günstige Nachricht Ihre Ihnen treu ergebene 1 N g N * 9 N 1 Nelly Longsword.“ „Dresden, den 2. Juni 1886.“ Lieutenant von Warren sah nach Beendigung des Briefes gespannt auf seine Schwester, die, in Erinnerungen schweigend einige Thränen trocknete. ————ůů„200 TTT r ᷣ!:: eure L uag oqjputbzwunba meg os uuschimnag 518 1 8 5* 9 8 2 1 1 ü 142 „Nun, Helene,“ rief er mit Eifer,„wer ist die Schreiberin dieses Briefes?— Erzähle doch, ich platze vor Neugier!— Eine Amerikanerin, zwanzig Jahre alt und natürlich hübsch,— etwas große Füße wahrscheinlich,— aber mit Chik gekleidet und leidlich emanzipirt,— kurz, eine brillante Acquisition für Schloß Warren. — Nun aber sprich doch, habe ich Recht?“ „Mußt Du, denn immer spotten, Du leichtfertiger Mensch? — Hat Dich der Brief denn gar nicht gerührt?— Die fröh⸗ liche Nellh! Das arme Mädchen!— Vor sechs Jahren noch reich und das verwöhnte, geliebte Kind ihrer Eltern, und jetzt eine Waise und arm, so daß sie sich ihr Brod in der Fremde suchen muß. Wie sich das kleine Ding von damals entwickelt hat, kann ich Dir übrigens nicht sagen. Als ich sie kennen lernte, war sie ein bildschönes, braunlockiges, heiteres Ge— schöpfchen, schlank und leichtfüßig wie eine Gazelle, dazu gut und edelherzig bis zur Großmuth. Ich habe sie sehr lieb ge— habt!“ fügte sie hinzu und erzählte ihrem Bruder, wie sie einst in Nizza, wo sich ihr Gatte aufhielt, um durch Hazardspiel sein Vermögen aufzubessern, die Bekanntschaft der amerikanischen Familie gemacht habe. Sie wohnte damals mit derselben in einem Hause und fand in ihrem tiefen Unglück an Mrs. Longs— word, einer geborenen Deutschen, eine treue, hülfreiche Freundin und an der kleinen Nelly eine begeisterte Anhängerin. Oft, wenn Herr von Haldern tagelang in entlegenen Spielbädern herumschwärmte und seiner Familie nicht einmal die zum täg— lichen Leben erforderlichen Mittel zurückgelassen hatte, war die liebenswürdige Frau zu ihr gekommen und hatte sie und die Kinder unter den zartesten Vorwänden mit in ihre Wohnung genommen und sie dort bis zum späten Abend festgehalten. Nach dem Tode Haldern's hatte Helene Nizza und ihre Freundin verlassen und später auf alle Briefe, welche sie von Warren aus an dieselbe geschrieben, keine Antwort erhalten. Wahrschein— lich war eben kurz nach ihrer Abreise die Nachricht von dem Tode des Mr. Longsword eingetroffen und hatte die armen Hinterbliebenen zur schleunigsten Aufgabe dieses ihres bisherigen Wohnsitzes genöthigt.—— „Und nun, lieber Bruder,“ schloß Helene ihre Erzählung, „gieb mir Nelly's Brief, ich will ihn sofort beantworten. Ich werde ihr den Vorschlag machen, uns in Teplitz zu treffen. Ich freue mich herzlich, nach so langer Zeit das gute Mädchen wieder— zusehen, deren Mutter ich so viel Freundlichkeit und Hülfe zu danken hatte; hoffentlich kann ich an der Tochter vergelten, was ich der Mutter schuldig geblieben.“ Frau von Haldern erhob sich und ging. Lieutenant von Warren aber schlenderte in den Park und überlegte, wie dieses von der Schwester vergötterte Menschenkind wohl aussehen möge.„Vielleicht lohnt es sich, die Kleine zu trösten,“ dachte er. Der schöne Lieutenant war eben ein gewaltiger Schmetter— ling, der gern jede leuchtende Flamme umflatterte, unbekümmert um die Gefahr, sich selbst einmal die Flügel unheilbar zu ver— brennen. Bisher waren es nur kleine, schnell vergessene Wun— den gewesen, die ihm nicht viel Kummer bereitet hatten.— „Wozu ist man hübsch, jung und schneidiger Offizier,“ pflegte er übermüthig zu sagen, wenn seine Kameraden ihn wegen seiner zarten Abenteuer neckten. (Fortsetzung folgt.) Kleine Frauen- Zeitung. Die Mode. FJapriziöser als der Wind, eigensinniger als ein enfant gäté, sagt die Mode: Ich will, und Alles beugt sich vor ihrem Gesetz. Gestern zog sie die Einfachheit dem Glanze vor, heute schwelgt sie in verschwen⸗ derischem Luxus und morgen— Ja, was wird sie morgen thun? Wo kommt die Mode eigentlich her? fragt man so oft. Und ich eutgegne: Wo weht der Wind her? Aus Norden und Osten, aus Süden und Westen, immer aber von oben her, aus den höheren Regionen. Und auch die Mode bewegt sich in den hoheren Kreisen— freilich der Gesellschaft; sie ist der Zubehör derselben und steigt, sich verbreitend, stufenweise nieder. Die Mode ist für die Frau erfunden, für alle Frauen, von der Prinzessin bis zur Bäuerin. Nur giebt es eben Varianten in F gruppen, immer und immer wieder in wechselndem Arrangement, welche getontem Sommertuch, farbig oder schwarz. 9 der Art, die mannigfachen Kleidungsstücke, welche sie in's Leben ruft, 7 zu tragen. Die 3 Mode für uns ist aber unbedingt— e, welche unserer Lebensstellung, unserem Gesicht, unserer Haltung entspri t. Lassen wir vorläufig das ruhen, was sie für uns heut produzirt, und wenden wir uns der Mode von morgen zu! Da erblicken wir 0 lauter Frühling, duftenden Frühling in Stoffen, in fertigen Toiletten, in Umhüllungen und Hüten!. 1 Was die Kleiderstoffe betrifft, so sind besonders zwei Disposi⸗ tionen ausersehen worden, die Lenzessaison einzuweihen: die Streifen und das Einfarbige. Wenn man dies hört, liest: sollte man meinen, es ist nichts Neues. Und doch zeigt kein einziges Gewebe eine strikte Wiederholung von bereits Dagewesenem. Es sind meist breite Streifen- die leichten Wollenstoffe in vollständig abstechender, in gleicher oder in hellerer Farbe durchziehen; viel, sehr viel in Seide auf Beige, Batist, auf Köper⸗, auf Dimity⸗Grund. 3 Ja, die Beige ist wieder in die Mode gekommen, und sie dürfte in beiden genannten Arten eine hervorragende Rolle spielen, doch wird sie, in Bezug auf das Einfarbige, von dem Sommertuch übertroffen wer. den, denn diesem prophezeit man die glänzendsten Erfolge für kühle Frühlings- und Sommertage, ganz besonders aber am Meeresstrande. Es sieht so einfach aus, so vornehm in seinem mattglänzenden, schmieg⸗ samen Gewebe, seinem schönen Faltenfall, seinen aparten Farben. Und das Modernste ist, dasselbe, wie überhaupt die einfarbigen Fabrikate, wieder à denx tons zusammenzustellen. Nur wählt man nicht mehr wie früher zwei sich einander folgende Nuancen, sondern man liebt die hellen 2 fen, ja, harten Uebergänge, indem man einen dunklen mit einem ellen Ton eint. Dies ist besonders in den neuen rothen, graurothen und graurosigen, in resedagrünen,. und blaugrauen Tönen, in Braun und Beige ꝛc. von glücklichster Wirkung. Ja, man verbindet sogar zwei kontrastirende Farben, wie ein kräftiges Rahmgelb oder einen hellen Beigeton mit grauem Blau oder mit Oporto— so betitelt sich nämlich ein neues Roth, welches das tiefe, gesättigte Kolorit des Port weins zum Ausdruck bringt. f Die unbestimmten Nüancen, zu welchen man viele der vor— benannten, einschließlich der rothlichen, 8 die grau- und gelbbräun⸗ lichen und die gelblich grauen, also die falben, die reh, isabell, und sandfarbenen, zahlt, werden sehr gesucht sein, und als ebenfalls modisch führe ich noch das Schlangengrün und ehene(Eichenholzfarbe) an. 1 Ein ganz neues Fabrikat: Poll de chevre, aus Ziegenhagren und Seide gewebt, reiht sich den Stoffen zu den Frühjahrs⸗Anzügen ein, daraus hervorstrahlend, denn es erscheint ganz und gar in vielen bunten Farben gestreift, selbstverständlich indeß auch einfarbig, allein hier nur, um zur Komposition mit jenem zu dienen. 1 Auf gleich eleganter oder noch hoherer Stufe steht die Bengaline, 0 einerseits mit bunten Bandgrasstreifen, welche mit gleich breiten Chan- geantstreifen abwechseln, andererseits in dazu gehörendem schlichten Changeant. B Sehr beliebt werden ferner Kleider aus Kaschmir und Changeant⸗ taffet sein, bei welchen Zusammenstellungen dann immer der Kaschme den einen Ton des Changeants zurückruft. l Wiewohl der Geschmack für das Kolorit immer deutlicher hervor tritt, so bleibt man doch dem„Schwarz“ treu, und wenn es in dem Straßen-⸗Anzug auch nicht mehr einen so hervorragenden Rang ein nimmt, wie man ihm jahrelang eingeräumt, so bildet es doch immer, vorausgesetzt, daß die Zuthaten von schöͤner Qualität sind und Alles in der Toilette zu einander stimmt, eine distinguirte Tracht, welche keine Dame in ihrer Garderobe missen kann. Selten, daß man noch den Kaschmir allein zu einem solchem Kleide verwendet! Man setzt ihn ent⸗ weder, wie bei der farbigen Toilette, mit Taffet zusammen, selbstver⸗ ständlich mit schwarzem, oder man reservirt ihn für die Trauer, für welche außerdem nach wie vor Wollenkrepp, Wollenbatist, Wollenmuslin, Voile ꝛc. sich in der Mode erhalten. Und für kühle Tage fertigt man auch Trauerkleider aus schwarzem Sommertuch, besetzt mit englischem Krepp. Um indeß auf die schwarzen Frühjahrskleider anderen Genres zu⸗ rückzukommen, so hält man dazu sehr geschmackvolle, vornehm einfache Phantasiegewebe in Bereitschaft: gestreift auf klein in sich gemustertem Fond und 2 als Begleitstoff das in sich Gemusterte ohne Streifen. Groß ist die Mannigfaltigkeit in solchen Streifen⸗Dispositionen, welche hier matter, dort lebhafter vom Grunde hervortreten, hier in Wolle, dort in Seide gehalten sind. Auch die schwarze Bengaline erfreut sich großer Gunst, und ihr gesellt sich der oben angeführte Poil de chévte, ebenfalls in Schwarz, zu. i 4 Schwarze Taffete und schwarze Paults de soie mit weißen oder blaßgrauen, ½ em breiten Streifen in breiten Zwischenräumen liefern gleich ernste Toiletten einfacher Eleganz, welche auch zur Halbtrauer dienen konnen. Hierbei verzichtet man indeß auf die Beimischung eines anderen Gewebes und läßt sich allein an dem Streifenstoff genügen. Nur hinsichtlich des Chemiset⸗ oder Westentheils macht man eine Aus⸗ nahme, der, je nach den Streifen, resp. auch nach dem Zweck, weiß, blaßgrau, sogar roth ist, aus franzoͤsischer Faille, Bengaline, Moire. Denn die Moire fährt fort, ein beliebter Garniturstoff zu sein, und ganz besonders verwendet man sie als solchen auf Kleidern aus gleich, Als Taillen-Ausputz dient sie einerseits zu den großen Revers-Directoire, andererseits zum Westen⸗ theil, welchen man entweder ganz schmal oder etwas breiter, freilich nicht mehr ganz breit, und nach wie vor auf beiden Seiten zum Ein⸗ und Ausknöpfen fertigt, so daß man denselben verändern kann. Die silber⸗ und stahlgestickten, weißen Tuchgalons werden ebenfalls gern zu Westentheilen, ferner zum Stehkragen und zu den Aermel⸗Manschetten für einfarbige Sommertuchkleider gewählt, und in anderem Geschmack ö g 77CCCCC0—0—ã—D2me: 5 e N W theil hat, zu allen Toiletten getragen werden zu können. Die farbigen Phantasien, wenn sie dem Kleid oder dem Hut, oder einem von beiden angepaßt, haben mehr Cachet, aber es ist eine Eleganz, welche einen reichen Toilettenschatz erfordert. 5 Auch die modernen Jaquettes werden vielfach aus farbigen Tuchen geben, denn Du sollst fortan stets an meiner Seite fechten.“— Bewun⸗ dert als Held seiner Zeit, verehrt als edler Mensch, starb Brissac 1563 zu Paris. M. Macht der Musik. Aus dem Leben des gefeierten Haydn, der vom g ö 143. — f g Liebt es jene Garniturtheile, desgleichen Revers, russische Halbgürtel mit Das Roth spielt gleichfalls eine bemerkenswerthe Rolle in dem 5 Schnebbe, fertig bereitet aus goldenen, silbernen und stählernen Passe-⸗—Hutausputz wie in den Hüten, das schöne Purpurroth, das Mohnblumen⸗ g menterien. 3 l 5 roth und Oporto. Schwarze Tüll- und Spitzenhüte erscheinen vielfach „ An den metallenen Zierrathen ist man also noch nicht ermüdet und mit dem Schmuck rother Bänder oder rother Blumen; rothe Bordüren⸗ r man wird sie mit Vorliebe tragen, besonders das Gold; doch rathe ich, stroh-Hüte mit Schleifen aus schwarzem Sammetband und rothem Atlas— „ dasselbe nur zu eleganten und nicht zu alltäglichen Kleidern anzunehmen. band, nicht gemischt, sondern nebeneinander gruppirt und die rothen Auch muß man ein gewisses Cachet an sich haben, mit einer gewissen mit schwarzen Federpfeilen durchsteckt ze. 5 . Kunst eine derartig geschmückte Toilette tragen, soll der Effekt nicht ver⸗ Hinsichtlich der Hutformen herrscht nicht mehr ausschließlich die N fehlt, nicht unglücklich r 1 kleine Kapote, denn derselben stellen sich viele geschlossene Hüte in neuen „5. Man fängt an, die Kleiderärmel auf den Schultern wieder mehr zu Fasgons zur Seite: kleine Schuten, gerade Kiepen mit Schnebbenpasse, e erhöhen: ein Arrangement, das, wenn nicht übertrieben, sich in vielen[noch mehr mit erhöhter Schnabelpasse(Manonpasse), gewölbte Deckel, „ Fällen sehr kleidsam erweist. Doch giebt es audererseits auch Damen, welche sich vorn zu einem Schnabel erheben und hinten oft zackenförmig e welchen der hochschulterige Aermel nicht vortheilhaft ist, und für diese ausgeschnitten und ebenfalls etwas erhoben sind ꝛc. 1 empfiehlt es sich dann, denselben nur leicht anzudeuten. Der Ellbogen— Und mit der Schnabel- und Schnebbenpasse sind die Junengarni⸗ f ö ärmel erhält sich also in dieser Art und daneben zeigt sich wiederholt turen, welche man bisher nur vereinzelt sah, wieder so recht in die 1 der verkleinerte und verengerte Gigotärmel mit Bündchen oder mit langer, Mode gekommen: volle Schleifen, Puffen und Knoten-Verschlingungen, 1. enger Manschette, ohne es zu einer durchgreifenden Mode bringen zu welche sich an den Seiten in flache Bandgewinde fortsetzen, kurze „ können. Schleifen, Blumentuffs und Spitzenrüschen, noch mehr Tüllrüschen. „ Die Tournüre lebt noch, trotz aller Prophezeiungen ihres Unter- Letztere, farbig gehalten und in der oberen Mitte recht voll arrangirt, 2 ganges, aber sie hat ein ganz anderes, viel bescheideneres Aussehen er- Tvertreten sogar an kleinen Strohkapoten oft die Stelle der Passe. . 0 langt. Das Groteske darin existirt nicht mehr und nur eine leichte An den runden Strohhüten viel breite Krämpen und halbhohe 5 Wölbung läßt einen Stützpunkt für die Faltenmassen des Kleides ahnen. Köpfe mit erhöhter Garnirung! d Ich bin stets eine Gegnerin der Tournüre, wie überhaupt jeder Unnatur e „ gewesen, 1 1119— üben wir 1 offen 1 lachten 115 der Ueber⸗ (gang von leicht Gewölbten zum vollständig Abgeflachten nicht gefallen. 8 25 „ zin Umschwung in der Mode darf nicht brüsk sein; er muß sich erst 0 se 2³ läkter. nach und nach vollziehen. 5 Strenge im Dienst. Tapfer im Felde, aber auch von unerschütter⸗ ö N Die Frühjahrs⸗Umhüllungen: Visiten, Mautelets und Jaquettes, licher Strenge in Subordinationsvergehen war der Marschall von Brissac, 1 werden in ihren Schnittformen eine große Aehnlichkeit mit denen des dem dagegen auch mancher edle Charakterzug nachgerühmt wird. Einem t vergangenen Jahres haben, und die Neuheit wird bei diesen in den[Offizier versagte er einst die Erlaubniß, den Winter in der Provinz zu⸗ Stoffen und im Ausputz, bei jenen ebenfalls im. Ausputz und in der zubringen. Der Offizier reiste ohne Urlaub und ward dafür von Brissac 0 g Art, deuselben anzubringen, ferner in der Originalität der Aermel wohnen. für unfähig zu dienen und des Adels verlustig erklärt. Einige Damen 5 Die Visiten— ich verstehe unter diesem Sammelnamen Mantelets aller[vom Hofe, die dies Urtheil zu hart fanden, drangen in den König, es Art mit Aermeln— werden kurz, im Rücken fest anliegend sein und zu kassiren. Der König wandte sich bittend an den Marschall, dieser aber .. die Taille hervortreten, die Eleganz des Kleides zur Geltung kommen antwortete ihm kurz:„Sire, Ihnen geschah die Beleidigung! Sie können llassen. Andere haben verlängerte, zugespitzte oder eckige Vorderenden sie also auch verzeihen. Wenn Ew. Majestät diese Verletzung Ihres mit Redingote⸗Aermeln, wenigstens dürften sie vorn so erscheinen, während Dienstes gutheißen will, so kann ich nichts dagegen haben.“— Als er 9 1 sie hinten an der Seitennaht des Rückens niedergehen und mit diesem bei der Belagerung von Vignol sich in Schlachtordnung gestellt hatte, ein Ganzes bildeu. Daun giebt es richtige Visiten⸗Aermel, Dolman⸗ um Sturm zu laufen, zieht ein junger Mann den Degen, ehe noch das ö Aermel, Aermel a la juive. Aermel mit gestickten Armspangen, mit Zeichen zum Losbrechen gegeben ist, stürzt sich auf die Bresche, wirft 6 Jockey's in. Posamentier-Arbeit oder aus abstechendem Gewebe, mit Alles vor sich nieder und entscheidet die Einnahme des Platzes. Dieser 1 bauschigen Ueberärmeln aus Spitzen de. Derartige Mäntel sind für die]Heldenmuth konnte jedoch nicht verhindern, daß man Kriegsgericht über g Uebergangszeit aus Sammet, schwarz, portweinroth, moosgrün, aus ihn hielt und ihn einstimmig zum Tode verurtheilte. Da sagte der Mar⸗ seide- und wollegemischten oder aus wollenen, schwarzen Phantasie-⸗ schall zu dem kühnen Jüngling:„Mein Freund, das Gesetz hat Dein f stoffen, ausgeschmückt mit Spitzen, Passementerien und Perlen, Alles in Betragen gerichtet; ich aber will gütig sein, aus Rücksicht auf die Trieb⸗ Schwarz, oder aus farbigen Tuchen, ebenfalls mit schwarzen Passe: feder. Ich spreche Dich los, und um die Unerschrockenheit, die Du ge⸗ menterien. 15 5. 5 zeigt haft, zu ehren, gebe ich Dir diese goldene Kette; trage sie als Zei⸗ Der schwarzen Visite zollt man indeß den Preis, da sie den Vor⸗ chen meiner Liebe. Mein Stallmeister wird Dir ein Pferd und Waffen 0 hergestellt, und hier nimmt man es nicht gar zu streng mit der Ueber— einstimmung des Kleides; freilich muß die Farbe, wenn sie nicht dazu unbedeutenden Chorknaben sich zu einem der größten Komponisten empor⸗ schwang und dessen hinreißende Melodien uns heute noch entzücken, ist paßt, sich hübsch und geschmackvoll davon abheben. Man wird besonders folgende ergreifende Scene aufbewahrt. Einige Jahre vor dem Tode 0 portweinrothe, gendarmenblaue, moosgrüne Jaquettes tragen mit schwarzer[des würdigen Greises(31. Mai 1809), schloß die Dilettanten-Gesellschaft 0 Soutache-Verschnürung, knapp anliegend, kurz, ferner in graubräun⸗[in Wien ihre Winter ⸗Konzerte mit einer glänzenden Aufführung der . lichen, grauen und resedagrünen Nüancen, verziert mit Gold⸗, Silber- Schöpfung, zu welcher Haydn eingeladen ward. Er erschien, und 5 und Stahlstickereien. Kleinkarrirte Jaquettes aus englischen Herren⸗ schon der ausgezeichnete Empfang, der ihm zu Theil ward, machte auf b stoffen, ohne jeglichen Ausputz, mit Steppnähten, mit dem Schluß dunkler den schwachen, durch die Last der Jahre gebeugten Greis einen außer⸗ Perlmutterknöpfe, sind besonders den jungen Mädchen für die alltägliche[ordentlichen Eindruck; aber noch tiefer erschütterte ihn sein eigenes Werk, N 4 Tracht zudiktirt. Sie sehen in ihrer Einfachheit, ihrem korrekten Schnitt und bei der ergreifenden Stelle: Es ward Licht, fühlte er sich der⸗ 1 nicht übel aus. gestalt überwältigt von der Gewalt der Harmonien, die er selbst ge⸗ g Was für reizende Uebergangs- und Frühlingshüte blenden schaffen, daß ihm die Thränen über die Wangen rollten und er mit f unser Auge! Wie verwirren sie durch ihre große Mannigfaltigkeit! Hier[emporgehobenen Armen ausrief:„Nicht von mir, von dort kommt Alles!“ . ö sind sie aus drapirtem Tuch(Zu passenden Kostümen), aus Faille, oder[Er unterlag den ihn bestürmenden Gefühlen und mußte hinweggetragen l 0 aus einer Mischung von beiden, dort aus Sammet und Spitzen, aus werden. N. ö 0 Seide und Spitzen, aus Spitzen oder Tüll allein, durchsichtig, lauter 5 0 . Luft und Duft, aus Stroh und Spitzen, oder aus Stroh allein. Und Gut gedient. Ein namentlich seines beißenden Witzes wegen be⸗ ö unter letzteres reiht sich das seit ein paar Jahren vernachlässigte Bast⸗ rühmter Komiker war Samuel Foote, geboren zu Truro in Cornwallis geflecht, das zu einem neuen Dasein berufen. Da haben wir nun im Jahre 1719. Als eine Probe seiner stets fertigen Antworten wird ö schon die ganze Mode der Zukunft! Die Materialien: sie sind bekannt, folgende Anekdote erzählt: Foote hatte den Grafen Sandwich lächerlich aber die Art und Weise, wie sie arrangirt, die Formen bringen das gemacht; dieser erfuhr es, und als er mit Foote zusammenkam, sagte er, „ Neue hinein. um ihn zu kränken:„Ich möchte doch wissen, Foote, ob Sie einmal an 1 Einen sehr glücklichen Erfolg haben die weißen und rahmgelben den Fr... oder am Galgen sterben.“—„Mylord,“ antwortete dieser b Tuch⸗ und Filzhuke zu verzeichnen, an welchen man die Kontraste liebt, sogleich,„das würde nur davon abhängen, ob ich es mit Ihren Maitressen ö denn gern giebt man ihnen Schwarz oder Gold zur Ausschmückung, sei[oder mit Ihren Grundsätzen hielte.“ M.“ es, daß ersteres sich in Rosetken, Schleifen oder Wogen aus Moire oder—̃— Ein Minister, der mit Arbeiten sehr überhäuft Sammet oder in Vögeln präsentirt, sei es, daß das Gold sich in Stickereien, Galons oder Aigretten geltend macht. Neben dem Gold nimmt das Gelb in den Hutgarnituren eine her— vorragende Stelle ein und es verbindet sich besonders vortheilhaft mit den malvenfarbenen, den tabakbraunen und grauen Nüancen und mit, Schwarz. Was man im Winter mit Gold und Gelb in Stickereien und Federn vollbracht hat, wird sich in der Frühjahr⸗ und Sommersaison in Flittern, Schleifen und Blumen auf den Hüten fortsetzen. Ebenso wiederholt man das Verfahren, den Stoff, welcher zur Be⸗ kleidung der Hüte dient, als erhöhte Garnitur vom Fond nach vorn zu ziehen, wobei man immer neue Ideen durch den unerwarteten oder kapriziösen Fall oder Wurf einer Falte findet. Ein probates Mittel. 1 sehn 1 war, ärgerte sich täglich über einen außerordentlich zudringlichen Bitt⸗ steller und seinen allzu gefälligen Kammerdiener. Letzterem befohlen, den lästigen 0 Da sagte er endlich eines Tages zu seinem Diener:„Johann, ich kann gar nicht begreifen, weshalb Er mir immer jenen Menschen hereinläßt. Weiß Er denn auch, was der Bursche von mir will?“—„Halten zu Gnaden, Excellenz, der Mann sucht einen Posten.“—„Allerdings, Johann, aber räth Er wohl, welchen Posten der Unverschämte gern haben möchte?“ —„Nein, Excellenz.“—„Nun, so will ich's Ihm sagen, der Mensch be— wirbt sich um Seinen Posten.“— Von diesem Augenblicke an hatte der Minister Ruhe vor dem Stellenjäger. H. R. Wiederholt hatte er Petenten abzuweisen, allein es half nichts. Viersilbige Ehaxade. An die zwei Ersten glaubt man nimmer, Und dennoch, dennoch sind sie immer An holden Mädchen, schönen Frauen Gar oft und wunderbar zu schauen.— Melodisch klingen in das Ohr Der beiden andern sanfte Töne; Sie krönen stets des Ganzen Schöne, Bekannt als wahres Meisterstück, Schon für das Ohr und für den Blick. Der uns das Ganze hingestellt, Er weilt nicht mehr in dieser Welt. Kreuz⸗Räthsel. Aus nachfolgenden Buchstaben: AAA A CC D D E ETETETF TFH IHIH II I IIIIIIT IPM I M N N N N O OR R R R RR T IU sind neun Worte zu bilden und in derseben Weise zu ordnen, so daß die mittleren Reihen, von oben nach unten und von links nach rechts gelesen, gleiche Wörter ergeben. Die neun Reihen nennen folgende Wörter: Ein ostrussisches Gouvernement. 2. Ein Mineral. 3. Einen Fluß in füdlchen Frankreich. 4. Eine Handelsstadt der Niederlande. 5. Den Namen eines Kaisers. 6. Einen deutschen Dichter. 7. Einen Fluß in Afrika. 8. Ein persönliches Fürwort. 9. Ein Flüssigkeitsmaß. Spruch-⸗Näthsel. Ordne folgende sechszehn Silben so, daß sie einen 8 Reim bilden. schuld— thut— tha— wer ran— hin— es— bö nicht— kann— ten— ist dern— se— und— da. Aritbhmogriph. Aus folgenden Ziffern sind sieben Worte zu bilden, deren Anfangs— und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, zwei Namen aus der Bibel ergeben. 123 452— Ein männlicher Vorname. 6214 7— Einen Nebenfluß der Weichsel. 2116— Einen Fluß in Ungarn. 1839 10 11127— Ein Wiederkäuer. 1 6 1 13 5 13— Ein hebräischer Prophet. 114 10 6 7 14 13— Ein bekanntes Ostseebad. 15 1 2 16 110 1— Eine Stadt in Sicilien. Auflösung des Logogriph in voriger Nummer: Herz- Erz- Reh;— der 3 Charade: Posthorn;— des 8 1. Salbe Basel. 2. Classe— Cassel. 3. Er ruft— Erfurt. Genieß— Gießen. 5. Sengen—Gnesen. 6. Herr Klaus— Karlsruhe. 7.. Nemestz Meißen. S. Stürmen- Münster.. Nepos.Posen. 10. Leinengurt— Reutlingen. f 1. Preise Speier. 12. Ragout Torgau;— der geographisch⸗historischen Aufgabe: 1 5 5 Wen 5 2 8 SS Damiette 8 4 8 15 Oooksarchipel 7 8 8 85 OGartagen a 8 rr — des Röͤsselsprungs: O laßt verborgen, nach des Lenzes Weise FTortwirken eure still gehegten Träume, So werden sie gleich ihm die Welt durchdringen. Da ist nichts greifbar, heimlich regt sich's leise, Unsichtbar weht's befruchtend durch die Räume Und plotzlich blüht's und tausend Stimmen klingen. Stephan Milow. Schach. Problem Nr. 503 von F. Möller in Ahlten. Schwarz. 5* 8 g n 11 0 n . 211 EN e 7. N*„ i . 1. 12 5 . 1 5 22 1 b 0 d 0 7 g n Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. Auflösungen. Problem Nr. 492 von J. Barsdorf in Krefeld. 1) Lh2—f4 Kb4— 5 B Kba- ch 2) LfA-g3 Ke5—b4 2) LIA4- g5 Ke3—b4 3) Lga3—-h4 Kcö, a3:(a5, 3) 3) Lg5—54 Kba- ag: 2c. 4) Lha-e7(di), 4) Lhä4-e7(di Auf 1).. Kah oder à3 folgt Matt im nächsten Zuge. 1) I.—83 scheitert an der Ent⸗ e Kba4- ch. Die* wurde angegeben von Dr. Voelkel in S.-M.; Dr. Knopf —9 Kraus in B.; W. Kron in B.: Pr. Wehrmeister in M.; H. Michaelis in Th.: N. Bünme in S.; O. Wuüulsch in B.; F. Möller in A; B. in Pulbus; G. Sütterlin in 0. Problem Nr. 493 von F.. Geyerstam in Karlstadt. 1) Dad-h7! dö-c: 1) Kcö— c 2) Dh7-f5* Kö- dd:(d6) 2) Sdä—b3 da, Leo ꝛc. D7. 2 resp. daf 3) De2—e3(L.a)f 30 Weitere Varianten sind: 1) Kd. 1 e2—egf Kca.(ch 9) Dez[e] Matt 1) 2 2) Det Kd 3) Des Matt. 1).. beliebig 2) Sei Kc. 46] 8) Das(7 Matt.— 6 hr gediegene Komposition, welche weniger durch ein hervorstechendes Hauptspiel, als durch die 3 Verbindung schöner und gleichwerthiger Varianten und einen besonders e . ausgezeichnet ist. Sehr 250 ist der Damenzug nach eg. das einzige G spiel, welches diesen Zug widerlegt, ist: 1). Dh1—-h5, da— 2) Scgf Kc sowohl 3) als auch 3) Des Matt[wegen 13-460 parirt ist.— Die Losun wurde angegeben— Dr. Knopf in G.; H. Michaelis in 9 F. Möller in A.; B. in Putbus. 1 Problem Nr. 494 von R. Blümel in Schlegel. 1) Se4 6 Zugzwang. 2) 2— ft, Lg7:, Da! resp. Sd7 Matt. Angegeben von Dr. Wehrmeist er in M.; W. Kron in B.; Th. Kraus in 1 Dr. Kn in G.; F. Möller in A., Ur. Voellel in S. M.:. Michaclis in Th.; in Putbe O. Wulsch in B.; G. Sütterlin in H. und vom Sead tlus in Gleiwih. Problem Nr. 495 von B. G. Laws in London. 1) Dhg ez und 2) entspr.(Isach) Matt. Angegeben von sämmtlichen Lösern der vorhergehenden Aufgabe. Problem Nr. 496 von W. Shinkman in Grand Rapids. 1) Dfo—el! Kal—bz C 3 Tabel! Kbö 42 3) Del-e(e3) Ebö resp. a3 3) Del—e24 Kug-al(ag) 4) Dbgz resp. Leöf Wird der Läufer im ersten 4) Lbé- da(c5 a uge genommen, so folgt 2 Del—b2 Kas-& Kb7-c Kal-ab 4) Kba-bs oder a3 Matt. Die schwächere Vertheldigung 1.. Kb gestattet ein früheres Matt: 2 Des und 3) Obs.* Die Losung wurde angegeben von B. in Putbus, 1.. 0 b den 8 46, b. an grant in B. Ir. nopf in G., 15. Becel Th. in S.⸗M.; O. Michaelis in. ale in B.; Schachlkab in Gleiwig; G. Sütterlin 4 Problem Nr. 497 von Dr. 8. Hofmann in München. 1) 1d5—d71 Kdg— ed: 2) Ldl—e2 Ke 3) Le2- daf Das Fehlen aller Varianten ist durch die Eigenart des Problems bedingt und enischuldigt. Der Thurmzug, welcher die Dame für das Schlußspiel außer Thätigkeit setzt, ist wirkungsvoll und nicht leicht exsichtlich. trozdem bleibt die Unthätigteit von Dame und Thurm. die nach dem ersten Zuge von Schwarz entbehrlich werden, ein Uebelstand. Befriedigender würde der Eindruck für den Löser sein, wenn wenigstens im Matt die Dame wieder zur Geltung lame. Streicht man den Bauer g4 und verschiedt die Position um eine Reihe nach lints. so giebt die Dame ein reines Matt: 3) Dbs—h8, und die Wirkung des ersten Juges wird nicht 8— Die Losung wurde angegeben von Dr. Boelkel in S.-M.; Th. us in B.: in M.; Dr. Knopf in G.; W. Kron in B.; H. Michaelis in Th.; B. in Puthuz; in Glelwitz; G. Sutterlin in O. Drua und— d Volt. Seilung- Akt.⸗Ges in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin Lügowfir. 105.