gestreift, zu den Ouherhessischen Muchrichten. Aer. aus 5 e—* wird hake— 1 Gießen,. 28.„Oktober. eien ehen, Erzählung von Eliza Orzeszko. Deutsch von Johanna Ruhe.“ Fortsetzung.) In Paula's Gemach herrschten unterdessen Frohsinn und Heiterkeit. Die beiden Herren hatten schnell ihren Unmuth ab— nachdem sie kaum die Schwelle des Boudoirs über— schritten, und in ihren Blicken spiegelte sich große Zufriedenheit. „Nun, Ludwig, sagte ich es Dir nicht?“ fragte Mirewicz lächelnd seinen Bekannten. „Aber das ist ja in der That ein wahres Paradies!“ rief Ludwig aus. Und freundlich zu Paula sich wendend, welche auf einem niedrigen Divan saß, fuhr er fort:„Sie sind ja wahrhaftig eine Zauberin! Ich hätte niemals geglaubt, daß sich A Träume jemals derart verwirklichen könnten, nicht wahr, Jas 11 Nur vom Hörensagen und aus den Büchern kannten diese beiden Männer die Genüsse der Welt, und dennoch träumten sie von denselben. Mirewicz träumte von ihnen, wenn er miß— muthig durch die schmutzigen Straßen des kleinen Städtchens schlenderte, oder wenn er zu Hause über seine Arbeit gebeugt saß, und Ludwig Ozymski träumte von ihnen, wenn er in der Gerichtskanzlei in den staubigen Akten herumstöberte, oder wenn er in einer einsamen Ecke in der Konditorei saß, die mit ihren verräucherten Wänden und ihrem zerrissenen Billard eher un— appetitlich, als einladend ausschaute. In den Träumen Ludwig Ozymski's spielte eine elegant eingerichtete Wohnung und darin ein heiteres, schönes Weib die Hauptrolle. Die Gedanken des Herrn Mirewicz waren fast ausschließlich auf Kunst und Wissen— schaft gerichtet, und die Sehnsucht nach einem Wesen, bei welchem derartige Schätze zu heben wären, nahm immer mehr überhand. Infolge eines zufälligen Gedankenaustausches entspann sich zwischen beiden Herren ein intimes Freundschaftsverhältniß. Da sich ihnen in dem Städtchen Ongrod nichts bot, als eine Partie Billard oder der Gesang einer wandernden Harfenistentruppe, so fühlten sie sich höchst unbehaglich. Das Billardspiel liebten sie nicht besonders und die Harfenisten waren ihnen ein Gräuel. So kam denn Mirewicz auf einen rettenden Gedanken, welchem er auch sofort Worte lieh, und sagte zu Ozymski:„Wir wollen fleißig zusammen lesen.“ Der junge Mann stimmte vergnügt bei, da er sehr gern las, aber es fehlte ihm das Geld, um sich Bücher kaufen zu können. Herr Mirewicz besaß dagegen eine große Bibliothek. So saßen denn die Beiden oft stundenlang im Arbeits— zimmer unseres Mirewicz, lasen laut vor, besprachen das Gelesene und zerbrachen sich auch wohl manchmal die Köpfe über Dinge, die ihnen etwas unverständlich vorkamen. Auf diese Weise ver— ging Beiden die Zeit recht angenehm. Aber schließlich fühlten sie sich doch wieder unzufrieden. „Wenn wir doch nur Jemand in unserer Bekanntschaft hätten, der mit uns dächte und fühlte, der uns ebenbürtig wäre und uns verstände!“ sagte Mirewicz. „Wäre doch ein schönes, gebildetes Weib hier bei uns!“ seufzte Ozymski. Und nun hatten sie Beide gefunden, wonach sie sich so heiß gesehnt— das erträumte Glück weilte in ihrer Mitte. Das Gemach war komfortabel eingerichtet, und das schöne Weib wußte sie Beide zu umstricken. So lagen die Dinge; Mirewicz erblickte in Paula die Verkörperung seiner Wünsche, sobald sie ihm nach ihrer Ankunft von ihren hohen Zielen sprach, Ozymski in dem— selben Augenblicke, da er diese Frau zum ersten Male sah. Er kam wie gewöhnlich zu der allabendlichen Lesestunde. Im Eß— zimmer traf er nur Anna, die das Abendbrod anrichtete. „Ist Johann zu Hause?“ fragte er. „O gewiß, ist er zu Hause, im Nebenzimmer mit seinem Gaste. Seine Kousine ist angekommen.“ „Ist sie jung, hübsch?“ „Jung, schön und sehr gebildet.“ „Oho, oho!“ Hastig legte er im Vorzimmer seinen Paletot ab und eilte in den kleinen Salon. Auf der Schwelle blieb er lauschend stehen; im Salon herrschte eine ungewöhnliche Stille. Niemand sprach oder flüsterte darin. Ueber das erregte, jugendfrische Gesicht des jungen Bureaubeamten huschte ein schelmisches Lächeln. Er räusperte sich vernehmlich und trat nach einigen Sekunden ein. Etwas verwirrt sprang Mirewiez vom Sopha auf, wo er neben seiner Kousine gesessen hatte, doch als er seinen Freund erblickte, begrüßte er ihn voll sichtlicher Freude. „Paula, das ist Ludwig Ozymski, mein einziger Freund, mit dem ich meine Gedanken austausche und lerne, und hier, lieber Ludwig, siehst Du meine Kousine, Fräulein Paula Mirewicz!“ „Mir sehr angenehm, Ihre werthe Bekanntschaft zu machen,“ sagte sie. „O mein Fräulein!“ Dieser Ausruf entschlüpfte dem jungen Mann, als er das schöne Weib mit den üppigen Schultern und den feinen Gesichts— zügen erblickte, die beim Lampenlichte wie Alabaster aussahen. Sein Erstaunen wuchs, als Mirewicz die Hand seiner Kousine ergriff und sprach:„Ich stelle Dir hier einen zukünftigen Doktor der Medizin vor, Ludwig. Paula befindet sich nur auf der Durchreise, sie fährt nach Zürich, um auf der dortigen Universität Medizin zu studiren. Ludwig war außer sich— so unerwartet war diese Frau, die Verkörperung all' ihrer Ideen und Wünsche, vor ihnen auf— getaucht. 346 „O mein Fräulein!“ wiederholte er. Und indem er ihre Hand ergriff und an seine Lippen führte, fuhr er fort:„Welch ein Glück für uns, daß Sie, mein Fräulein, wenn auch nur vorübergehend, zu uns gekommen sind! Denn Ihres Schlages können wir Armen leider noch nicht!“ „Und dennoch träumten wir davon, nicht wahr, Ludwig?“ Paula hatte inzwischen in dem Alkoven ihre Straßentoilette mit einem türkischen Schlafrock vertauscht und erschien, ein ver⸗ führerisches Lächeln auf den Lippen, mit einem dicken Buche in der Hand unter der schweren Portiere. Während die Herren das Buch auf den Tisch legten und darin blätterten, war sie vor einen kleinen Spiegel getreten, der auf einer Etagere stand. Mit ihren zarten Fingern ordnete sie die Stirnlöckchen und die Spitzen, die ihren Hals umkränzten, und ohne vom Spiegel sich abzuwenden, fragte sie:„Sagen Sie mir, was für ein Individuum ist denn eigentlich dieses Fräulein Josepha Skiwska?“ Mirewicz schlug die Augen nieder. „Mein Fräulein, sie ist weder häßlich noch einfältig,“ er— widerte Ludwig,„sie weiß sehr viel und bildet sich und ihre Schwester aus, aber—“ „Aber?— Bitte, fahren Sie fort!“ „Aber, nun, wie soll man sich da eigentlich ausdrücken? Sie ist ein armes, mitleidswerthes Geschöpf— „Warum denn?“ 8„Nun, sie weiß nichts von Sehnsucht, von Sturm und von ampf.“ „Ich dachte es mir doch sofort. Sie schaut ja auch aus, wie ein Lamm, das sich ruhig zur Schlachtbank führen läßt.“ „Ja wohl, sie versteht nicht zu kämpfen, zu ringen— sie ist zufrieden mit ihrem Geschick und mit ihrer knechtischen Arbeit, als wäre es die schönste Annehmlichkeit unter der Sonne. Sie besitzt keine Energie, um sich aufzuraffen, kein richtiges, ästhetisches Gefühl, mit einem Worte, sie ist ein braves, kluges Mädchen, aber ein armes, bedauernswerthes Geschöpf!“ Paula wandte sich hastig vom Spiegel ab. „Jas, warum sprichst Du kein Wort?“ rief sie.„Ich habe es schon wiederholt bemerkt, daß, sobald die Rede auf Fräulein Josepha kommt—“ Der quecksilberartige, lustige Ozymski brach in ein lautes Gelächter aus.„Das ist eine lange Geschichte, mein Fräulein.“ „Ludwig, ich bitte Dich,“ begann Mirewicz, sichtbar betreten. Aber Paula drohte ihrem Vetter schelmisch mit dem Finger und bat Ozymski, er möge nur erzählen. Ozymski fühlte sich durch diese Bitte nicht wenig geschmeichelt und begann vergnügt zu erzählen, wie Mirewicz vor einem Jahre aus Langeweile und in seinem Streben nach Höherem sich an Josepha angeschlossen habe. Stundenlang hätten sie sich unterhalten und zusammen gelesen, und es wären ihm auf diese Weise recht angenehme Stunden bereitet worden. Schließlich bat Mirewicz Fräulein Josepha, mit ihm eine Promenade durch die Stadt zu machen. Das geschab jetzt täglich, bis er auf einem Spaziergange sich hinreißen ließ, ihr seine Gefühle zu entdecken. Zuerst lachte sie wie das reinste Kind, dann wurde sie zornig, fing an zu weinen und ersuchte ihn, sie augenblicklich zu verlassen, da sie keinen Schritt weit mehr mit ihm gehen wollte. Paula's Augen leuchteten zornig auf. „Jas, wie konntest Du Dich mit solch' einem kalten und einfältigen Mädchen befassen!“ rief sie aus. Ozymski trat für den Freund ein.„Mein Fräulein, nur aus Langeweile und in dem Streben nach etwas Höherem.“ Der Zorn Paula's verwandelte sich in Mitleid. Sie trat auf Johann zu und glättete ihm die Haare mit ihren Händchen. „Mein armer Jas, wie bist Du doch so verkannt und un— verstanden! Das Mädchen hätte ja sterben müssen vor Freude, daß ein Mann, wie Du, in Liebe zu ihm entbrannte! O die dumme Gans!“ Mirewicz erhob sich, er sah mißvergnügt und unzufrieden aus, doch die letzten Worte Paula's besänftigten ihn wieder. „Nun ist's aber genug!“ sagte er.„Du weißt recht gut, werde. Jetzt, wo ich den Werth eines großen Weibes kennen und schätzen gelernt habe, ist mir eine solche Erinnerung doppelt schmerzlich.“ Er nahm Paula's Hand und küßte sie innig. Ozymski senkte die Augen, seufzte und wurde traurig. „Was ist Ihnen denn zugestoßen?“ rief Paula lachend, indem sie ihm eine Hand an die Lippen drückte.„Küssen Sie nur, mein Herr! Wir drei sind Freunde, nicht wahr, Jas?“ Der junge Mann ergriff die ihm dargebotene Hand und be⸗ deckte dieselbe mit feurigen Küssen. Aber plötzlich erbleichte er, als durchzuckte ihn ein schmerzlicher Gedanke, er ließ die Hand fallen und zog sich nachdenklich und traurig in eine Fensternische zurück. „Wir wollen lesen!“ sagte Paula. 8 „Nein, es beginnt schon die Dämmerung,“ entgegnete Mirewicz, „und wir können später bei der Lampe lesen. Jetzt spiele uns etwas vor!“ Gehorsam setzte sie sich an das Pianino und fing an zu spielen. Auch im Spiel schien sie eine Meisterin zu sein; man hörte aus den Klängen, welche sie den Tasten entlockte, Innigkeit und Leidenschaftlichkeit heraus. Zum ersten Mal ertönten in der Wohnung des Herrn Mirewicz die Klänge der Musik. Auch Anna vernahm dieselben; sie saß auf dem Sopha in dem dunklen Eßzimmer und hielt ihr schlafendes Töchterlein auf dem Schooße. Auf die von Träumen umwobene Stirn des Kindes fielen heiße, bittere Thränen. „Was ist das, Mamachen?“ ließ sich das sanfte Stimmchen. des Kindes vernehmen, welches sein Köpfchen von der Mutter Brust aufhob.„Du weinst, Mamachen?“ 5 „Nein, mein Kindchen, nein!“ „Und was ist das, Mamachen?“ Die Kleine strich mit ihren Händen über das Antlitz dern Mutter und verwischte die Thränen.„Was ist das, Mamachen,“ wiederholte sie,„was ist das?“ 1 Frau Anna neigte ihren Kopf tief zu ihrem Kinde herab und flüsterte leise:„Mein Kind, in der Dämmerstunde, wenn aus der Ferne die Musik herübertönt, dann kommt der Engel der Trauer angeflogen, und aus seinen Flügeln fallen die Tropfen.“ Paula hörte auf zu spielen. Ozymski verließ die Fenster⸗ nische und zündete die Lampe an. f „Du hast den Zauber gebrochen,“ flüsterte Mirewich unwillig. „Ich that es mit Absicht,“ antwortete Ozymski. f Auch von der Seite her, wo das Instrument stand, vernahm man heftiges Schluchzen. pult gestützt und weinte. Beide Herren eilten auf sie zu. „Was ist das? Was fehlt Ihnen? Was ist geschehen, meine Theuerste?“ Sie stand langsam auf; ihr Gesicht war von Thränen über⸗ strömt. „Die Musik ergreift mich immer sehr. Ich habe ja so Vieles erduldet, gelitten, verloren.“ Ihre Brust hob sich krampfhaft, und ihre Lippen bebten. Mirewicz ergriff ihre eine Hand, Ozymski die andere, dieselbe herzlich drückend. Sie beugten sich über Paula und führten sie zum Sopba. Sie warf sich in einen Sessel, drückte ihr Taschen⸗ tuch vor die Augen und schluchzte still vor sich hin. „O meine arme Regina Viktorig!“ schluchzte sie. „Wer ist diese Regina Viktoria?“ fragte leise hinter ihrem Rücken Ludwig seinen Freund. „Still, sie wird es Dir selbst erzählen. Paula, Theuerste, beruhige Dich, fasse Dich, sei ein Mensch! Du hast jetzt einen Freund neben Dir, der, wenn es sein muß, für Dich durch's Höllenfeuer geht.“ „Beruhigen Sie sich, mein Fräulein! Denken Sie an Ihre moralische Kraft und an Ihr hohes Ziel! Sie befinden sich augenblicklich unter denjenigen, welche Sie verehren, wie— eine Gottheit.“ Sie entfernte das Tuch von ihren Augen und beschenkte einen jeden mit einem dankbaren Blick. „Es kommen manchmal solche Augenblicke,“ flüsterte sie. „O gewiß, ich verstehe das recht gut!“ Paula hatte den Kopf auf das Noten⸗ —— ⏑«r˖(— 1 4 Ludwig, daß ich an diese dumme Geschichte nicht gern erinnert„Ich ebenfalls, aber man darf sich ihnen nicht hingeben.“ 1 .—————— rr—-»„—»—-——¾0—————̃—̃ f-—2—— 4 1 347 „Das thue ich auch nicht, aber die Musik, und meine Nerven.“ Sie tauschte mit ihrem Vetter einen vielsagenden Blick, und dieser drückte ihr kräftig die Hand. Ozymski nahm unterdessen das Buch und rief: „Wir wollen lesen!“ „Wir wollen lesen,“ wiederholte auch Paula, nicht nur schon beruhigter, sondern lebhaft, wie sonst. Mirewicz begann zu lesen— es war ein ethnologisches Werk— und er vertiefte sich derart in die Lektüre, daß er wohl garnicht aufgehört hätte, wenn Paula ihm nicht die Hand auf's Buch gelegt und ihm in's Wort gefallen wäre. Der Gedankengang dieser Frau war bewundernswerth; denn kaum hatte Mirewicz einige zwanzig Seiten gelesen, als sie ihn unterbrach, um das Gelesene einer Besprechung zu unterziehen. Die beiden Männer staunten über ihre Gewandtheit; wohl waren auch sie sehr be— lesen, aber es fehlte ihnen eine geeignete Person zum Gedanken⸗ austausch. Und nun saß Paula mitten unter ihnen und erklärte alles nach ihrer Auffassung. So verging die Zeit schnell, Stunde auf Stunde verfloß, dann kam Frau Anna und bat zum Abend- brod, hernach wurde wieder gelesen, zuletzt spielte Paula noch einmal, und hierauf stand sie auf, lehnte ihr Köpfchen tief be— wegt an Mirewicz' Schulter und erzählte Herrn Ozymski unter Thränen von ihrer Regina Victoria. Lange nach Mitternacht drückte Ludwig seinem Freunde die Hand und sagte: Johann, o Du Glücklicher!“ In dem nämlichen Augenblicke ging Aung langsam in ihr Schlafgemach, setzte sich neben das kleine Bettchen ihres Kindes, faltete ihre Hände über ihren Knieen und blickte mit tiestraurigem Antlitz nach Jancia hin. Um diese Zeit pflegte sie sonst schon zu schlafen, aber heute floh der Schlaf hartnäckig ihr Auge. Nach dem schön verbrachten Abend mußte Mirewicz in der Nacht seine Arbeiten erledigen, und so setzte er sich an seinen Schreibtisch, um bis zum frühen Morgen thätig zu sein.„So geht es schon vierzehn Tage, wird es noch lange so weiter gehen?“ fragte sich Anna. Da ließ der grelle Pfiff der Lokomotive sie zusammen— schrecken. Sie erinnerte sich, daß Josepha mit ihrer Schwester mit dem Morgenzuge in die fremde Welt reisen wollte.„Du Glückliche!“ flüsterte Anna. Noch vor wenigen Stunden hatte sie die Freundin bemitleidet, die um der Schwester willen die Heimath verließ. Jetzt schien ihr dieser Entschluß ein Glück zu sein, und sie beneidete Josepha fast darum. Wie schön däuchte es ihr, wenn man sein Brot selbst verdienen könne, wenn man nicht zu fürchten brauche, daß man fortgeworfen, verstoßen werde! Sie hörte den gleichmäßigen Schritt ihres Mannes, der in seinem Arbeitszimmer auf und ab ging. Sie stand auf und schlich sich auf den Fußspitzen nach seinem Zimmer hin. Auf der Thür— schwelle blieb sie stehen. „Jas, vielleicht bist Du nicht wohl? Brauchst Du etwas? Du wirst wohl lange arbeiten? Ich werde Dir Wein und Wasser hinstellen.“ Sie stand in ihrer weißen Nachtjacke und mit dem aufgelösten Haar schüchtern und unruhig an der Thür. Johann trat schnell auf sie zu. „Warum schläfst Du noch nicht? Ist Jancia nicht munter? Ich habe nichts nöthig.“ Auf seinem Gesichte spiegelten sich Reue und Zerknirschung. „Jancia ist gesund und schläft süß. Ich werde auch gleich schlafen gehen. Unseretwegen mache Dir keine Sorgen und quäle Dich nicht allzu sehr mit Deiner Nachtarbeit!“ Wie, keinerlei Vorwürfe machte sie? Keinerlei Fragen richtete sie an ihn? Ohne jeden Tropfen Bitterkeit, ohne Gereiztheit, ein sanster, wehmüthig lächelnder Blick war alles. Schnell preßte er ihre Hände an seine Lippen und eilte an seinen Schreibtisch zurück, während dunkle Röthe seine Stirn überfluthete. Als Anna das Wohnzimmer durchschritt, hörte sie aus dem Alkoven Paula's starkes Schnarchen. Die Philosophin hatte einen ebenso bewunde— rungswürdigen Appetit, wie guten Schlaf. In dieser Nacht konnte auch in einem anderen Hause in der nächsten Straße eine alte Frau weder Schlaf noch Ruhe finden. In ein warmes Nachtgewand gehüllt und eine weiße Nachthaube auf dem silberweißen Haar, ging die Greisin, eine kleine Nacht— lampe vorsichtig in der Hand tragend, nach einem der drei kleinen Wohngemächer, öffnete die Thür und rief leise:„Ludwig, Ludwigl“ Aus dem dunklen Zimmer fragte Jemand: Mamachen? Warum schläfst Du noch nicht?“ „Du kannst ja heute gar nicht schlafen, Du seufzest und wirfst Dich unruhig im Bette herum?“ Bei diesen Worten leuchtete sie mit der Lampe in das dunkle Gemach, und der helle Schein der Lampe fiel auf ein blasses, verhärmtes Gesicht und auf tief eingesunkene Augen. Erst als Ludwig der Greisin wiederholt die Versicherung gab, daß er sich vollkommen wohl fühle, verließ sie ihn. „Julia, hörst Du?“ sagte sie nach einer Weile zu ihrer Tochter. „Er ist schon wieder unruhig und seufzt.“ „Du kannst ganz ruhig sein, Mama, ihm 7 nichts. Er hat sich nur in jenes Fräulein verliebt.“ „Woher weißt Du das?“ „Er hat es mir vertraut, er sagt mir Alles—“ „Nun, was schadet es, wenn er sich verliebt hat? Warum hast Du—“ „Er weiß, Mama, daß— Mirewicz ebenfalls— und er ist ihm—“ „Was schwätzest Du da?“ Allein das Schwesterchen des Herrn Ludwig Ozymski konnte nicht mehr weiter sprechen; der Schlaf umfing es von neuem. f(Fortsetzung folgt.) „Was giebt's, Am Bflicht und Ehre. Von J. v. Brun⸗Barnow. (Fortsetzung.) Ju einer halben Stunde ist der Arzt da. Er ist erstaunt, daß beide Eltern abwesend, und schüttelt den weißen Kopf.— Indem geht die Thüre des Vorsaals und bald darauf tritt der Rittmeister ein. Er hat sich nicht einmal Zeit genommen, seinen Paletot abzulegen.„Nun, wie steht es mit Elly, wo ist meine Frau?“ Das Kind streckt ihm die Aermchen entgegen, er küßt es zärtlich. Der alte Arzt kommt meiner Antwort zuvor.„Die Kleine hat wieder Fieber, die Frau Gemahlin ist aber nicht zu Hause!“ Er giebt diese letzte Erklärung mit einem leichten Anflug von Ironie. 5 Der Rittmeister löst sich hastig von den ihn umschlingenden Armen des Kindes.„Nicht zu Hause?“ stößt er hastig hervor und ich sehe, wie seine Brust gegen einen Ausbruch leidenschaft— licher Entrüstung ankämpft. Der alte Hausarzt legt beschwichtigend seine Hand auf seinen Arm.„Die jungen Weiber sind nun einmal so,“ sucht er die Sache leicht aufzufassen,„sie wollen sich amüsiren und hier,“ er weist auf mich,„scheint ja die Gnädige gut vertreten.“ „Das mag sein,“ grollt er zornig auf.„Aber der Platz meiner Frau ist an der Seite unseres Kindes!“ Seine Antwort giebt mir einen Stich in's Herz, und ich wünsche mich weit, weit, von hier fort. „Sie haben Recht!“ pflichtet der Arzt bei.„Aber— nun Sie wissen, Frau Marianne hat ihren Kopf für sich.“ „Das soll sie nicht. Bei Gott, das soll sie nicht mehr.“ „Wo wollen Sie hin?“ a „Ich will meine Frau aus der Gesellschaft holen und sie vor Aller Augen an ihre Pflicht erinnern.“ „Sie werden doch nicht solche Thorheit begeh'n und sich und Ihre Frau zum Gegenstand skandalsüchtiger Zungen machen!“ „Als wenn wir das nicht schon lange wären!“ entfährt es dem aufgeregten Mann.„Nein, halten Sie mich nicht zurück. Sie sind der älteste Freund unseres Hauses, Sie wissen, welche maßlose Geduld ich— „Eben weil ich das bin, weil ich das weiß.“ unterbricht ihn der Arzt,„so möchte ich Sie gegen eine Uebereilung schützen, welche Sie bei ruhiger Ueberlegung bereuen werden. Warten Sie noch eine halbe Stunde, lassen Sie erst Ihren Aerger verrauchen. Die Kleine ist in keiner Lebensgefahr. Sie fiebert ein wenig stärker als am Nachmittag und das Köpfchen ist benommen, vielleicht. hat sie irgend einen Diätfehler gemacht, ich verschreibe ihr darauf hin etwas und Sie sollen sehen, morgen ist sie ganz munter, nicht wahr, kleine Maus?“ P 2 2348 0 „Ja,“ versichert das Kind lebhaft, welches fich erstaunlich still während dieser aufgeregten Szene verhalten,„Papa soll hier bleiben, Mama kann sich ja amüsiren!“ Aber ihr Vater bleibt nicht. Er folgt nur insoweit des wohl⸗ wollenden Arztes Mahnung, daß er nicht gleich fortstürmt; aber nach einer Viertelstunde, welche er in Gesellschaft des ärztlichen Hausfreundes auf seinem Zimmer zugebracht, höre ich ihn mit diesem das Haus verlassen. Ich habe versprochen, bei dem Kinde so lange zu bleiben, bis seine Eltern zurückkehren— aber Stunde auf Stunde verrinnt— sie kommen nicht. Die Kleine ist ein⸗ geschlafen und auch ich bin etwas eingenickt. Plötzlich fahre ich zusammen und richte mich hastig empor. Das leise Oeffnen der Thüre muß mich geweckt haben. Ich sehe nach ihr hin, richtig, ihr Vater ist eingetreten.— Er sieht entsetzlich bleich aus. In seinem dunklen Bart hängen noch die Schneeflocken. Sein Stirn⸗ Ich springe erschreckt empor, fahre in mein Morgenkleid und frage, wer draußen ist? „Ich bin es, Marie,“ antwortet die Stimme der Bonne,„ich muß Sie sprechen.“ „Sofort!“ Ich ordne hastig meinen Anzug und schiebe den Riegel zurück. „Das Kind ist doch nicht kränker geworden?“ frage ich be⸗ unruhigt, als sie eintritt. „Nein, aber ich möchte doch die Verantwortung nicht allein übernehmen. Der gnädige Herr hat sich den ganzen Morgen in sein Zimmer eingeschlossen und die gnädige Frau ist gestern Abend garnicht nach Hause gekommen!“ „Garnicht nach Hause gekommen, mein Gott und weshalb?“ „Das ist es ja eben, was Keiner von uns weiß. Wir können nur vermuthen, daß die Geschichte mit dem Assessor dahinter steckt. Toll genug haben es diese Beiden ge⸗ haar ist feucht, nicht von der Nässe l draußen, sondern U . 24 von der furchtbaren Erregung, welche aus seinem Ge— sichte, aus seiner ganzen Haltung spricht. „Sie waren ein⸗ geschlafen,“ sagt er mit leiser un⸗ natürlich rauher Stimme.„Es thut mir leid, daß ich Sie geweckt habe. Ich möchte aber jetzt den Platz ne⸗ ben Elly einneh— men. Ihnen scheint Ruhe nothwendig zu sein.“ „Ihre Frau Ge— mahlin ist zurück?“ „Nein!“ Er sagt dieses eine Wort mit einem Tone, der mich erbeben läßt und jeden Muth zu einer weiteren Frage be— nimmt. trieben, na, ich denke, Sie müssen darüber auch ein Lied zu singen ha⸗ ben, es war ja gar kein Geheim— niß mehr, daß sie sich bei Ihnen immer ein Stell⸗ dichein gaben; die Singstunden wa⸗ ren ja dem Assessor doch nur ein Vor⸗ wand, um mit der Gnädigen unge— nirt zusammen zu kommen.“ Ich war keiner Antwort fähig, der Gedanke, daß man mir, vor allem daß er mir zur Vast legen könnte, daß ich jenes uner⸗ laubte Verhältniß * protegirt, machte N mich wort⸗ und 2—* fassungslos. .— 1 0„Mein Gott, Fräulein, wie sehen — Ich will wort⸗ los das Zimmer verlassen. f „Ich danke Ihnen, Margueritte, Fräulein Manfred!“ hält er mich zurück und reicht mir seine eisig kalte Hand. Margueritte hat er mich genannt. Wie mein Herz bei dieser Anrede klopft, wie ein Heimathsgruß aus weiter Ferne ergreift er mich und treibt mir Thränen in die Augen. Er sieht es.„Ich danke Ihnen,“ wiederholt er,„es ist un— verzeihlich, daß wir Ihre Kräste so ausnutzen!“ „O, ich bleibe ja so gerne bei dem Kinde,“ versichere ich, indem die verrätherischen Thränen über meine Wangen rollen. „Sie bleiben so gerne,“ wiederholt er,„und die Mutter!“ er bricht jah ab.„Gute Nacht, Margueritte, Gott segne Sie für die Liebe, welche Sie meinem armen Kinde erweisen—— tausend— tausendmal!“ und er führt meine zitternde Hand an seine kalten Lippen. Ich bin wieder in meinem einsamen Zimmer. Ich liege dort weinend, überwältigt von seinem Segen, der wie der Segen eines Sterbenden klang, auf meinen Knieen. O, Gott, was wird das Ende, das Ende von all' dem Jammer da unten sein, was ist vorgefallen, weshalb ist sie mit ihm nicht zurückgekehrt? —— Ich lege mich nieder, aber ich kann nicht schlafen, erst gegen Morgen finde ich etwas Ruhe. Da klopft man an die Thüre. Spielgefährten. Nach dem Gemälde von B. Piglheim. Sie denn aus! Sie nehmen sich diese Sache zu sehr zu Herzen. Sie fürchten gewiß, daß der gnädige Herr denkt, Sie hätten in dieser den Beiden Vorschub geleistet. Mein Gott, was sollten Sie denn machen, wenn sie sich oben bei Ihnen treffen wollten, er hatte ja so gut Augen wie wir und konnte es seh n, daß zwischen Beiden nicht alles richtig war.— Doch ich schwatze und unten ruft am Ende das Kind nach mir. Ich will nur geh'n, aber nicht wahr, Sie kommen mir bald nach, damit wir die Kleine ruhig halten; sonst kommt noch ein Unglück zum andern.“ Gott sei Dank, sie ist fort. Meine Hände zittern, ich kann kaum mein Haar ordnen. Jedes Wort war ein Gifttropfen für mich. Wenn solche Leute so urtheilen, wie wird da das Urtheil der Gesellschaft, sein Urtheil über die Rolle sein, welche ich in dieser Skandalgeschichte gespielt?— Doch kann ich wirklich jetzt an dieses denken, meine Befürchtung in den Vordergrund bringen! Was ist sie im Vergleich zu dem, was er leiden muß. O, Gott, welchen Ausgang wird diese Sache nehmen? g In fliegender Hast mache ich Toilette. Es ist mir unmöglich etwas zu genießen, ich stürze nur eine Tasse Thee herunter, um mich zu erwärmen und beeile mich hinunter zu kommen. e Besorgniß, wie viel oder wie wenig man mich selbst in diese un⸗ glückselige Sache mit hinein zieht, ist verschwunden, ich weiß nur, daß er gerade jetzt Jemand im Hause, bei seinem Kinde haben muß, welcher sein Interesse vertritt, alles müßige Geschwätz dem ,.... Der Improvisator. Nach dem Gemälde von Prof. Scheurenberg. ——ͤ— Thränen und im Besitz der Zuckerdüte, zarten Kinderohr fern hält. Wie nothwendig meine Anwesenheit ist, sehe ich sofsort, als ich in die Kinderstube trete. Elly ist in welche ihr die Bonne wahrscheinlich als Beruhigungsmittel gegeben hat. Ich habe Mühe, sie ibr fortzunehmen und sie zu überzeugen, wie schädlich für sie, die noch nicht gesund, solche Süßigkeiten sind. Ich muß ihr wieder eine Geschichte erzählen, so schwer es mir ankommt, meine Gedanken zu sammeln. Der Besuch des Arztes erlöst mich glück⸗ licherweise bald von dieser Aufgabe. Er kommt aus dem Zimmer des Rittmeisters. Der alte joviale Herr sieht ganz verstört aus. Ich sehe, er weiß alles und noch mehr. Als die Kleine auf—⸗ zustehen und zu Papa und Mama zu gehen verlangt, erklärt er ungeduldig:„daraus wird nichts. Elly ist noch krank und bleibt still im Bett. Papa ist beschäftigt und kann nicht kommen. Was, Du willst weinen? Schäme Dich, wenn Du nicht artig bist, geht das gute Fräulein fort und Du bleibst ganz allein und acht Tage im Bett.“ „Das wird Mama nicht erlauben. Sie meinte schon gestern, ich stelle mich nur so an und wolle nicht aufstehen.“ „Mama wird überhaupt nicht zu Dir kommen, wenn Du nicht brav bist.“ „Doch, das Fräulein sagt, sie würde kommen, wenn sie aus— geschlafen hat.“ „So,“ der alte Herr sieht mich fragend an. Er scheint nicht sicher, ob ich weiß, daß ihre Mutter garnicht im Hause geschlafen hat. Ich senke die Augen, er versteht mich; denn er fährt fort: „nun wohl, wenn das Fräulein Dir das versprochen hat, so hast Du auch recht ruhig zu sein, damit sie nicht gestört wird und ausschlafen kann!“ 5 „Bleibt dafür auch das Fräulein den ganzen Tag bei mir?“ „Gewiß, wenn Du artig bist. Verzeihen Sie,“ wendet er sich an mich,„wenn ich so sans sagon über Ihre Zeit versüge. Der Rittmeister meinte aber, daß Sie diese Gefälligkeit haben würden.“ „Gewiß,“ erwidere ich,„meine Zeit gehört mir, ich versäume nichts.“ Er giebt mir einen Wink und ich trete mit ihm an das Fenster. g „Sie haben von dem peinlichen Ereigniß in dieser Nacht ge— hört?“ fragt er mit gedämpfter Stimme und droht dem Kinde mit dem Finger, sich ruhig zu verhalten, da er mit mir noch etwas zu besprechen habe. „Dann muß das Fräulein mir erst meine Puppe geben!“ sagt es. Ich gebe sie ihr, trete an das Fenster zurück und erkläre, daß ich von diesem gehört habe. 2 „So wissen Sie wohl auch bereits, daß er ihn gefordert hat?“ Ich habe Mühe, einen Schrei des Entsetzens zu unterdrücken 15 klammere mich krampfhaft an das Fensterbrett, um nicht um— zusinken. „Diese Nachricht erschreckt Sie— ich sehe, Sie wissen doch nicht alles?“ „Nein— ich ahne nur— ich hatte nur Vermuthungen,“ stammele ich leise, athemlos. „Er war auch lange blind, der arme Mann; erst seit kurzem begann er mißtrauisch zu werden. Er hat mit mir gesprochen, mir alles erzählt. Sie müssen wissen, ich bin so ein Stück altes Inventar von ihren Eltern her. Ich kenne sie von Kind auf. Sie war das einzige Kind reicher Eltern, die ihr allen Willen thaten. Kein Wunder, daß sie etwas wild, eigenwillig wurde. Das paßte zu seiner ruhigen, gewissenhaften Art schlecht. Mir ist es noch heute unklar, wie sich diese beiden Menschen haben heirathen können. Nun, man sagt: die Gegensätze berühren sich, so wird es auch hier gewesen sein. Man munkelte zwar, er hätte einmal eine Liebe gehabt, die er zu heirathen gewünscht, aber seine Eltern wären dagegen gewesen und da habe er sie sich als guter Sohn aus dem Sinn geschlagen.“ Es ist gut, daß ich mit dem Gesicht hinter dem Licht stehe, so daß er den Farbenwechsel nicht bemerken kann, den seine ver— trauliche Mittheilung hervorruft. Ich vermeide es ihn anzusehen und blicke nach dem Kinde. Er deutet diesen Blick falsch.„Be⸗ unruhigen Sie sich der Kleinen wegen nicht. Sie hört nichts und spielt ganz vernünftig mit ihrer Puppe. Ich würde Ihnen, mein liebes Fräulein, dieses alles nicht erzählen, wenn ich nicht Vertrauen zu Ihrer Diskretion hätte. Sie scheinen das Herz auf dem richtigen Fleck zu haben, verständig und selbstlos zu sein. Das ist hier am Platze. Sie sind ein Segen für das Kind und für ihn. Er weiß die Kleine in treuen Händen. Es wäre hart für ihn, wenn er sie gerade jetzt ungebildeten Leuten überlassen müßte.“ „Und seine Frau?“ nahm ich endlich den Muth zu dieser Frage,„wo ist sie? wie ist dieses Alles überhaupt— so schnell,— 14 so— so— ich finde nicht gleich das Wort——“ „Wo sie ist?“ nimmt er sich meiner Verwirrung an.„Er hat sie zu ihren Eltern zurückgeschickt— diese Nacht noch— wie sie ging und stand. Denken Sie sich, daß sie nur eine Stunde in der Gesellschaft gewesen und unter dem Vorwande fortgegangen ist, daß sie ihr krankes Kind nicht länger allein lassen möchte. Sie muß sich mit dem Assessor, der garnicht beim Kommandeur eingeladen war, in dem Glauben, daß ihr Mann weder die Ge⸗ sellschaft aussuchen, noch von seinem Pferdekauf so früh zurück⸗ kehren werde, ein rendez-vous verabredet haben. Genug, als der Rittmeister seine Frau beim Grafen W. abholen will, wird ihm der Bescheid, daß sie bereits vor einer Stunde die Gesell⸗ schaft verlassen habe. Natürlich schöpfte er sofort Verdacht und suchte den Assessor in seiner Wohnung auf. Dort fand er sie Beide— nun das Uebrige können Sie sich denken.— Heute Morgen hat er durch einen Kameraden an den Elenden eine Forderung auf Pistolen geschickt. Auf Leben und Tod! Das fordert, wie er behauptet, seine Ehre!— Seine Ehre— sich um ein treuloses Weib am Ende selbst todt schießen zu lassen.— Ja, mein liebes Fräulein, das ist auch einer jener Ehrbegriffe, über welche man den Verstand verlieren möchte.“ f Den Verstand! Hatte ich noch den meinen? Ich drückte die Hand gegen die Stirn, grauenhaft schlichen wieder jene Gespenster an mich heran, prallten sich an mein Herz und für einen Moment schwanden meine Sinne. Als ich wieder zu mir kam, blickte ich in das gute Gesicht des alten Mannes.„Ist Ihnen wieder besser! Ich fürchtete schon, Sie würden ohnmächtig werden!“ „Es ist nichts! Nur eine vorübergehende Schwäche. Ich habe die Nacht garnicht geschlafen.“ Er sieht mich mit einen Ausdruck an, der mich verwirrt. Durchschaut er mein Geheimniß?„Ich werde Ihnen etwas Nerden⸗ stärkendes verschreiben, ich glaube, Sie konnen es brauchen!“ sagt er mitleidig.. Ich senke die Blicke, antworten kann ich nicht. „Halten Sie sich jetzt etwas ruhig.— Nein, Elly, das Fräun lein kann nicht kommen, noch weniger etwas erzählen, sie wird sich hier auf das Sopha legen und schlafen, sie hat Deinetwegen die halbe Nacht gewacht. und mit Deiner Puppe weiterspielen.“ „Das will ich, aber nachher muß Papa auch zu mir kommen. Schlafen Sie nur, Fräulein, ich werde still wie ein Mäuschen sein.“ Ich lächelte ihr müde und dankbar zu— unfähig, die gütige Fürsorge des Arztes abzulehnen und schließe die Augen. Aber schlafen kann ich nicht, wie im wilden Fieber jagen sich die Ge⸗ danken und kalte Schauer durchrieseln meinen Körper. Ich ziehe mein Tuch fester um meine Schultern und kämpfe gegen ein wildes, leidenschaftliches Aufschluch zen an, welches meinem Herzens⸗ krampf einige Erleichterung bringen könnte. „Hier, trinken Sie das,“ sagt die Stimme des menschen⸗ freundlichen Arztes.„Es wird Ihnen gut thun.“ Ich gehorche willenlos; dann ichließe ich wieder die Augen. Lautlose Stille umgiebt mich, die Kleine scheint eingeschlafen und draußen liegt auf der Dienerschaft die Schwüle des furchtbaren Gewitters, welches sich in dieser Nacht drohend über das Haupt ihres unglücklichen Gebieters zusammengezogen hat. Seldst ein geflüstertes Wort dringt nicht in die mich umgebende Stille hinein, keine Thüre geht, kein Schritt wind gevört, jeder scheint zu ahnen, daß man vor einem erschütternden Exeigniß steht. Mir wird diese leidende Ruhe zur Qual, ich ertrage sie nicht länger. Ich richte mich empor und sehe nach dem Bett des Kindes; es ist eingeschlafen. Glückliches Kind, das schlafen kann, das in ahnungsloser Unschuld das Schreckliche garnicht versteben würde, welches Dich in wenigen Stunden vielleicht zur vaterlosen Waise macht. N 1 ich wende mich um, ihr Vater ist eingetreten. Ist er es aber Ein leises Geräusch läßt mich zusammenfahren ber wirklich, Du wirst ein gutes Kind dafür sein 1 E r,. 1 0. F N 8 7 2351. sscheiden sich junge Gänse von alten? jjunge eingekauft. dieser gebeugte, gebrochene Mann? Er scheint zum Greise ge⸗ worden. Sein Gesicht ist fahl und die Augen liegen tief in den Höhlen. Seine sonst so straffe, militärische Haltung ist matt und nachlässig, als drücke und beenge ihn zum ersten Mal seines Kaisers Rock. Ich bin erschüttert, fassungslos, wir reichen uns nur stumm die Hände, dann tritt er an das Bettchen des Kindes und be— trachtet es mit einem langen, todestraurigen Blick. Mein armes, armes Kind! ist alles, was er leise, mit herzbrechender Stimme sagt, dann beugt er sich nieder und küßt seine Stirn. Es er— wacht und umschlingt ihn mit seinen Aermchen.„Lieber, lieber Papa, hast Du ausgeschlafen?“ „Ja,“ sagt er zu und löst sanft ihre Arme von seinem Hals. Selbst dem Kinde entgeht die Veränderung nicht, welche mit dem kräftigen Manne vorgegangen ist.„Papa, bist Du krank? Du siehst so blaß, so traurig aus! Schläft Mama immer noch?“ „Nein,“ sagt er mit tonloser, rauher Stimme,„ich bin nicht krank, und Mama schläft nicht, sie ist zu den Großeltern gereist.“ „Zu den Großeltern? O, da will ich auch hin!“ „Das kannst Du nicht, Du wirst bei dem Fräulein bleiben.“ „Bleibst Du auch bei dem Fräulein und mir?“ „Das weiß ich noch nicht,“ erwidert er langsam, wie sich besinnend. „Aber das Fräulein, das bleibt doch ganz gewiß bei mir?“ „Ich hoffe es, daß sie mir dieses Opfer bringt!“ Und seine ernsten, schwermüthigen Augen suchen mit stummer Bitte die meinen. Ich erwidere sie ebenfalls nur mit einem stummen, langen Blick. 15 „Fräulein bringt kein Opfer, sie ist gerne bei mir,“ ver— sichert das Kind mit scherzender Unbefangenheit. „Ich weiß das,“ entgegnet er traurig, unsagbar traurig.„Ich möchte aber jetzt mit dem Fräulein noch etwas besprechen, mein Liebling. Ich werde Deiner Bonne klingeln, daß sie inzwischen bei Dir bleibt.“ „Wird das Fräulein auch bald wiederkommen?“ „Ja, bald, ich halte sie nicht lange auf.“ (Schluß folgt.) Jose Blätter. Der Improvisator,(siehe Illustration! den uns Prof. Scheurenberg im Bild vorstellt, hat nichts gemein mit Andersens empfindsamem Ro⸗ manhelden. Der Improvisator des dänischen Poeten ist ein ernstes, schwärmerisches Meuschenkind mit glühender Phantasie und hohen Idealen, das ganz Italien durchwandert und auf der Bühne wie im Salon der großen Männer und Frauen für alles Schöne und Erhabene begeistert. Scheurenbergs Improvisator aber gehört einer früheren Periode an und nicht Begeisterung, sondern Heiterkeit will er wecken. Dieser derbe Gesell in der Tracht Schillers verspottet durch sein keckes Lied vielleicht den „Gefühlsdusel“, der durch Goethe's„Werthers Leiden,“ durch„Stella“ und andere Werke empfindsamer Dichter heraufbeschworen wurde. Sein Lachen verräth es, daß nicht hehre Begeisterung, sondern kecker Humor ihm die Worte auf die Lippen drängt. Durch ein Spottlied wird er die Freunde belustigen. Der Maler dieses Bildes gehört der Düsseldorfer Schule an. J. Scheurenberg ist im Jahre 1846 zu Düsseldorf geboren, woselbst er seine künstlerische Ausbildung vorzugsweise durch Karl und Wilhelm Sohn erhielt. Im Jahre 1879 wurde er als Lehrer an die königliche Akademie zu Kassel berufen, wo er noch heute mit Erfolg thätig ist. Sein Gemälde„Der Tag des Herrn“ hat Aufnahme in der Berliner National-Galerie gefunden. 5 Junge und alte Gänse. Die kalte Jahreszeit bringt uns wieder den wohlschmeckenden Gänsebraten auf den Tisch. Die kluge Hausfrau ist bestrebt, nur junge Gänse einzukaufen, da das Fleisch alter Thiere hart und nicht wohlschmeckend ist. Durch welche sichere Kennzeichen unter— Es sind schon die verschieden— sartigsten Merkmale aufgeführt worden, aber sie waren stets dann un— zuverlässig, wenn sie sich nicht auf die Hausgans im allgemeinen, sondern dauf bestimmte Spielarten bezogen. Es werden daher immer noch von derfahrenen Hausfrauen wie von gewiegten Sachkennern alte Gänse für Es dürften folgende Hauptmerkmale für junge Gänse als richtig für alle Abarten der Hausgans gelten. Hat man lebende bGänse vor sich, so sehe man darauf, daß die Füße derselben blaß gefärbt sind, daß das Auge einen weißen— nicht gelben oder blauen— Ring um die Pupille hat, daß der Schnabel blaßgelh, daß die Nägel spitz und die Flügel weich sind. Ist das Thier aber geschlachtet, so kann man noch weitere Merkmale aufsuchen. Die Schwimmhäute der jungen Gänse sind leicht zerreißbar, auch ist die Gurgel sehr zerbrechlich, sie läßt sich daher leicht zerdrücken. Faßt man das geschlachtete Thier am Unter— kiefer an, daß der letztere ziemlich wagerecht steht, und hebt es so senk— recht empor, so muß er umbrechen, wenn die Gans jung ist,— bei einer alten bricht er nicht. Viele mögen lieber das Fleisch von einer jungen Gans als von einem jungen Gansert verspeisen. Der ausgewachsene Gansert hat eine stärkere Stimme als die Gans gleichen Alters, auch zeigt sich's, wenn man ihm die Federn der Brust ausrupft, daß sie fester sitzen als die des Weibchens. Der Gansert ist größer und hat einen längeren Hals.— Es dürfte wenig bekannt sein, daß die Gänse ein ziem⸗ lich hohes Alter erreichen können. Man läßt die zur Zucht bestimmten Gänse in der Regel nicht über fünf Jahre alt werden, doch kannte Dr. Lenz Beispiele von einer 19 und einer 25 Jahre alten Zuchtgans. Einem Forstmeister zu Wiesbaden starb eine 37 Jahre alte Gans, die bis zu ihrem Tode jährlich noch immer 8 bis 10 Eier gelegt und aus⸗ gebrütet hatte. Willughby erzählt von einer 80 Jahre alten Gans, die aber keineswegs an Altersschwäche starb, sondern deshalb geschlachtet werden mußte, weil sie gegen junge Gänse zu boshaft war. 9 2 Kaiser Adolf von Nassau, der das thüringer Land für 160 000 Thaler gekauft hatte, belagerte die Wartburg, die der junge Landgraf Friedrich mit der gebissenen Wange gegen die Feinde behauptete. Friedrich sprach nämlich, wie auch sein Bruder Diezmann, dem Vater, Albrecht dem Ent— arteten, das Recht ab, das Land seiner Ahnen selbst an den Kaiser zu verhandeln. Deshalb war die Fehde entbrannt, die schließlich mit dem Siege der Thüringer endigte(1293). Mochte jedoch Friedrich die Stürme abschlagen, ein entsetzlicher Feind hatte sich schon in die Burg geschlichen, der Mangel an Trinkwasser. Zu dieser Zeit schenkte die Landgräfin einer Tochter das Leben. Nun besaß die Mutter nicht Milch genug, und es hieß eine Amme herbeizuschaffen. Friedrich entschloß sich, eine solche ab— zuholen, daß sie den Säugling baldigst tränke. Er und sechs treue Männer bestiegen deshalb ihre Pferde, und wirklich gelang es ihnen, sich durch— zuschleichen und die Amme anzutreffen. Als sie auf dem Rückweg waren, schrie das Kind nach Nahrung.„Halten wir, bis das Kind getränkt ist,“ sagte Friedrich. Da versetzte ein Thüringer:„Herr, ich höre hinter uns Waffen klirren.“—„Mag sein,“ versetzte Friedrich:„mein Kind soll aber trinken, und sollte es mir Thüringen und das Leben kosten.“ Es war aber Diezmann, der den Kriegslärm verursacht hatte. Er war mit dem Heeresbann herbeigeeilt und entsetzte den Bruder, indem er die Kaiser— lichen überfiel. Das Wort aber:„Mein Kind soll trinken“, wurde ein geflügeltes Wort der Thüringer, wenn es hieß:„Nicht gewichen!“ W. G. Eier für den Winter aufzubewahren. Dieses leichte und bewährte Mittel, auch im Winter wohlfeile und frische Eier genießen zu können, verdanken wir dem berühmten Réaumur. Man wasche die Eier rein, trockne sie gut ab und nehme dann: Butter, Oel, Fett, eine Schwarte oder etwas Aehnliches und bestreiche damit das Ei so, daß dasselbe voll— ständig damit überzogen, und alle Löcher der Schale vor dem Zugange der Luft geschützt sind; das dicke Ende des Eies behandle man am sorg⸗ fältigsten. Sind sie dergestalt zugerichtet, so kann man sie zur Aufbewahrung hinlegen, wo sie vor Frost oder vor einer zu starken Hitze geschützt sind. Kann man sie so stellen, daß nichts vom Fette abgewischt wird, desto besser. Auf diese Weise sind die Eier keiner Veränderung ausgesetzt und bleiben länger als ein Jahr selbst zum Weichsieden gut. Nur dürfen die Eier, welche man mit Fett überzieht, nicht bereits bebrütet worden sein; auch die aufbewahrten Eier taugen zum Ausbrüten nicht mehr, denn das Fett entfernt sich nie so ganz von der Schale wieder, daß ein einmal bestrichenes Ei zur Empfänglichkeit der Wärme und zur Ausdünstung geeignet wäre. a M. Geistesgegenwart. Der König Friedrich Wilhelm J sah den Soldaten Manches nach, wenn sie nur Geistesgegenwart zeigten und entschlossene Antworten gaben. Einem Soldaten, der auf einem abgelegenen Posten an der Spree Schildwacht stand, wandelte an dem heißen Sommertage die Lust an, sich zu baden. Als er mitten im Fluß war, sah er von Weitem den König kommen; so schnell wie möglich schwammm er an das Land jedoch zum Ankleiden war keine Zeit mehr; schnell hing er Säbel und Patrontasche um und präsentirte das Gewehr. heftig an, und verlangte Bescheid. Der Soldat sah ihm dreist in's Gesicht und sagte:„Ew. Majestät haben befohlen, die Montur zu schonen, und Trotz sei dem geboten, der mir auf meinem Posten zu nahe kommt.“ Der König wendete sein Pferd und that nichts, als daß er dem Soldaten mit dem Finger drohte. M. Die Kleinigkeit. Bei einem Abschiedsbesuch, den ein von der Universität abgehender Student einem Professor derselben machte, sagte er zu diesem unter anderen Komplimenten:„Ihnen verdanke ich Alles, was ich weiß.“—„Ach,“ erwiderte der Professor ebenfalls höflich,„er— wähnen Sie doch nicht einer solchen Kleinigkeit.“ M. König Karl II. von England hatte einen Banditen begnadigt, weil dieser zur Zeit der Republik Royalist gewesen war. Einige Wochen dar⸗ auf kam des Monarchen Hofnarr mit sehr bedenklichem Gesicht zu seinem Gebieter.„Was giebt es Neues, Killigrew?“ fragte Karl.—„Unangenehme Geschichten, Sire. i 5 gangenen Nacht einen Menschen auf der Straße ermordet.“—„Was für abgeschmacktes Zeug Du redest! Ich sollte Jemanden ermordet haben?!“ —„Doch scheinen die Leute nicht Unrecht zu haben; Ihr habt Bob Smith begnadigt. Nun, Bob Smith hat gemordet. Seid Ihr also an dem Morde nicht auch schuldig?“ W. G. Der König fuhr ihn Man erzählt sich, Eure Majestät hätte in der ver⸗ Tas u 1 786 16% s s 2 76% n n 5 3 17 8 16 171 5 3 61 3 4 2 Werden die hier eingetragenen Zahlen durch die entsprechenden Buch · staben ersetzt, so nennen die sieben wagerechten Reihen: J. Einen männlichen Vornamen. 2. Eine Stadt in Tirol. 8. 1145 Flüsse. 4. Eine Stadt in Schlesien. 5. Einen geistlichen Würdenträger. 6. Den dreiköpfigen Gott der Wenden. 7. Einen verkapselten Rundwurm. Sind alle Wörter richtig gefunden, so erscheint an den durch fetten Druck bezeichneten Stellen der Name eines bedeutenden Schriftstellers. Sprichwörter-Näthsel. Aus jedem der folgenden zwölf Sprichwörter ist ein Wort zu wählen. Die zwölf erhaltenen Wörter ergeben wiederum ein Sprichwort. 1. Weise ist der und wohlgelehrt, der alle Dinge zum besten kehrt. 2. Auf guten Grund ist gut bauen. 3. Des Menschen Wort wird durch Prüfung bewährt. 4. Von Worten zu Werken ist ein weiter Weg. 5. Ein guter Leumund hat hohern Ruf als Reichthum. 6. Ein guter Trunk macht's Leben jung. 7. Wer einen Aal hält beim Schwanz, der hat ihn weder halb noch ganz. 8. Er ist mit Leib und Seele bei der Sache. 9. Zorn, Haß und Neid bringt dir nur Leid. 10. Ein heiterer Sinn verbirgt oft eine trübe Seele. 11. Die Wahrheit rede stets und wag' es nie 5 lügen, Du kannst die Menschen zwar, doch niemals Gott belügen. 12. Gott macht gesund und der Doktor kriegt's Geld. Logogripßh. Es schützt vor Sturm und Regen, Es ziert und schirmt dein Haus, Du kannst der Ruhe pflegen, Kein Sturm treibt dich hinaus. Ein Zeichen nur entferne, Drückt's Kummer, Sorgen aus, Doch spricht's auch Freude gerne Und Ueberraschung aus. Auflösung des Homonym in voriger Nummer: Der Hahn;— der Koͤnigspromenade: Die Zeit, in ihrem Fluge, streift nicht blos Des Feldes Blumen und des Waldes Schmuck, Den Glanz der Jugend und die frische Kraft: Ihr schlimmster Raub trifft die Gedankenwelt. Was schön und edel, reich und goͤttlich war, Und jeder Arbeit, jeden Opfers werth, Das a0 sich uns so farblos, hohl und klein, So nichtig, daß wir selbst vernichtet sind. Und dennoch wohl uns, wenn die Asche treu Den Funken hegt, wenn das getäuschte Herz Nicht müde wird, von Neuem zu erglühen! Das Echte doch ist eben diese Gluth, Das Bild ist hoher als sein Gegenstand, Der Schein mehr Wesen, als die Wirklichkeit. Wer nur die Wahrheit sieht, hat ausgelebt; Das Leben gleicht der Bühne, dort wie hier Muß, wenn die Taͤuschung weicht, der Vorhang fallen. — des Spruch ⸗Raͤthsels: Ludwig Uhland. Ueb' immer Treu und Redlichkeit Bis an dein kühles Grab Und weiche keinen Finger breit Von Gottes Wegen ab. ö 8 V 352 e 2 Arithmogriph. Schach.* 5 6 18 5 1 Problem Nr. 534 von J. Obermann in Leipzig 7. 1 5 ed warl. 8 2 2%.,. 7 1 2.. 13 8 2. . 9 2 2 N . N V N 2., 4 9 9 9. N 2 . . 1 0 d Weiß Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. Dilese Aufgabe ist eine der letzten arößeren Romvositionen des verstorbenen Problem 8 der mit derselben in Hamburg im letzten Problemturnier des deuischen Schachbundes onkurrirte. N 8 0 N — Auflösungen. Problem Nr. 528 von J. Kohtz und C Kockelkorn. 1) Det d Lb- da: 2) Se2—b4 Ldä4—g7:(Tdꝰ2: 2c.) 3) 8b4- ds resp. d5f Varlanten: 1).. Te2(dz:) 2 Debt Seh 3) Ls Matt. 1).. Dar 2) Sb4 belles 9) Sds(d5) Matt. 1). deliebig 2 DPegf Les 3) d2-eg Matt.— Gegen 10 Dez hat Sch nur eine Vertheibigung Dag a7(nebst 2) Sba T d:); deen 1 Sb folgt Taz(denn 27 U Dad oder auch 2715— Die Aufgabe ist eine Umarbestung von Nr 9 der Problemsamn der Verfasser.— Die Lösung wurde angegeben von W. Kron in B., Th. Rrauß in B, Dr. meister in G., Dr. Knopf in G. und vom Schachklub in Gleiwitz. Problem Nr. 529 von N. Schulder in Köln. 1) Khö-b: 6e 2) Lb7-e Kdd-e:(Keb, d5) 3) bbs-c(Oba resp. Def 4 Varianten: 1).. Keb 2 Peg Ka 3 Dad Matt 1).. 6-45 2) Des Kes 9 1 Matt. Der Tempozug des wei ken Königs kann nicht durch 1) Kg ersetzt werden 5 Erwiderung 16-h. Die Läuferzuge nach cc und as scheitern an 46— 45 und auf 14 erwidert Schwarz es ed.— Dle Lösung wurde angegeben von W. ron in B., Dr. mr in G., Th. Kraus in B., Schachklub in Gletwitz und H. Rosentranz in B. 0 Briefwechsel. Dr. V. in 2. Die Losung zu Nr 500 scheitert nur an dem Schachgebot des Laufer (Letzt) als zweiten Gegenzug von Sc wary u. T in G. Die übersandte Stellung illustrirt eine pointelose Matti„ N Schachaufgabe seblen ihr alle En N anz abgeschen davon daß das alt schen 2 ersten Zuge durch 7b(U) oder, erfolgen kann Wir lönnen Ihnen nur Studium auter Probleme und Uebu⸗ Losen derselben empfehlen als unen Vorbedingung für eigene Rompo thängteit. Problem Ur. 535 von T. Taverner in Bolton. Im Turnier von„Venowine“s News“ gekrönt Die nebenstehende Aufgabe erhlelt ia dem Turnier von Veno wines Newer“ den für den besten Zweiüger ausgesehten Den Zweizüger des zweiten — wir nach stedend in Lettern. Loyd leser lehtern Romposition wegen und mannigsaltigern Off den Vorzug vor allen Übrigen 3 des Turniers gegeben und dem 3 Taverner's erst die zweite 2 Auch in der Schätzung der del Turniers weicht Voyd von seinen ad. Den Dreijüger Kalser;(Ar d. Bl. dem Robbint und Plaut 8. Weiß setzt mit dem vierten Zuge Matt. 40 resp. 86 Punkte zugesprochen. hält Lo nd für die beste Leistung des Turniers und ihn mit dem Maximum der Punkte(60, Problem Nr. 535 von H. und E Bettmann in Cincinnati. Im Turnier von„Vengwinels News mit dem jwei ten Preise gerrönt. Weiß: Kei, Dhz, Tes, 8. Latz, Ses, Bdd, hg. Schwarz: K5, Tes, Lbs, e8, Sbö, 7, Ba7, 2, fg. 86. Weiß fleht an und setzt mit dem jwelten Zuge Matt. 5 5 Drud und Verlag der„Volktz- Zeitung“, Alt.-Ges. in Berlin, Lutowstr 105.— Verantwortlicher Redalttur: R. Eiche in Berlin. Lützowstr. 105.