.——— zu den Ouherhessischen Uuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Ur. 22. Gießen, den 27. Mai. 1888. Am andern Tage rief Jella mit überströmendem Gefühle: „Mutter,“ und zwei Arme schlangen sich zärtlich um sie und die Stimme ihrer jungen Stiefmutter flüsterte ihr schmeichelnd be⸗ ruhigend zu:„Ich liebe Dich, meine Jella, und bin nur froh, daß ich Dich wieder habe.“ Davon erzählte sie nichts, daß Präsident Wellner in großer Angst und daß sie gegen dessen Willen abgereist sei.„Du wirst Unheil über mich bringen,“ hatte er gerufen;„diese Schwelle übertritt Jella nicht mehr. Bringe sie zu ihrer Tante nach Kroatien.“ „Ich weiß Alles,“ beschwichtigte Frau Edith Jella's Auf- regung, die laut an ihrem Halse weinte und ihr Erklärungen geben wollte.„Warum habt Ihr kein Vertrauen in mich gesetzt, Du wärest heute nicht so trostlos, meine liebe arme Jella. Nie und nimmer wäre Dein großmüthiger Entschluß ausgeführt wor⸗ den. Das ganze Unglück kommt wieder von Deines Vaters Schwäche, für einen Mann in den besten Jahren gelten zu wollen.“ Ihr fröhliches Lachen erscholl in den Räumen, die keine Fröhlichkeit kannten.„Nun wollen wir Deine Sachen packen, ich kann es ja kaum abwarten, bis mein Liebling wieder zu Hause ist.“ „Meine Mutter!“ sagte Jella mit einem unbeschreiblichen Ausdruck und küßte inbrünstig Edith's Hände.„Was wird man in der kleinen Stadt sagen,— als was komme ich zurück?“ rief sie schmerzerfüllt. „Nun, man soll die Wahrheit kennen, Du kommst als meine Tochter zurück,“ rief sie und schlang den Arm um Jella und zog sie auf den Balkon. „Sie kommen schon von ihrem Ausflug zurück!“ rief Jella erbleichend. Brunner stand unten an der großen Treppe, die zum Hotel hinaufführte, Miß Minny hing an seinem Arm, die beiden Schwestern folgten mit ihrem Vater. Brunner drückte das Pince— nez auf die Nase und sah mit herausforderndem Blick hinauf. Edith erbleichte.„Wer ist der Herr da unten?“ fragte sie verwirrt. 8 „Er, er!— und ich kann und mag ihn doch nicht mehr sehen!“ rief Jella und eilte in ihr Schlafzimmer. „Graf Josika,“ murmelte Edith und zog sich bebend in den Salon zurück. Brunner trat, die Reitgerte schwingend, in den Salon und stand vor der Frau, die mühsam nach Fassung rang. „Sie hier, Fräulein von Bessow?“ fragte er, sichtbar un⸗ angenehm überrascht. „Nicht mehr Fräulein von Bessow, mein Herr Graf Josika, i Ein dunkler Schatten. Novelle von M. Elton. (Fortsetzung.) oder Baron Brunner, oder wie Sie immer heißen mögen,— sondern Frau Präsident Wellner, die gekommen ist, ihre Tochter Jella der unwürdigen Behandlung eines elenden Menschen zu entreißen.“ Er lachte laut auf:„Sehr erfreut, Sie in so naher ver⸗ wandtschaftlicher Beziehung zu mir zu sehen, gnädige Frau. Ver⸗ fügen Sie nur über diese Zimmer, ich reise schon morgen mit der Familie Brimway nach Amerika ab.“ Er verneigte sich höf— lich und verließ das Zimmer. „Du bist so bleich, Mutter,“ sagte Jella, als Edith schweig— sam den Koffer packte;„die Reise war so weit und die Hitze so groß, willst Du Dich nicht zur Ruhe begeben?“ „Du hast Recht, ich fühle mich sehr müde, gute Nacht, ge— liebtes Kind.— Mußte das Geschick mir auch die letzte der Illusionen zertreten?“ flüsterte ihr bebender Mund. VIII. „Ich habe in letzter Nacht von ihm geträumt, sein bleiches Gesicht, das mich sonst so drohend anblickte, sah mich mild und gütig an; er hat mir verziehen, Mutter, ich weiß es nun ganz gewiß.“ i Luise von Horax barg das blasse, edle Angesicht im Schooße der Mutter ihres verstorbenen Bräutigams. Frau von Rolfs' Hände ruhten auf den blonden Flechten des unglücklichen Mädchens und mit tiefem Mitleid sah sie auf die schwache Gestalt zu ihren Füßen. Ihr Auge schweifte dann durch das schmale Fenster des Thurmzimmers, üppige, blühende Fluren lachten ihr zu, eine herrliche, reiche Ernte breitete ihren Segen vor ihr aus. In den der Erinnerung ihres Sohnes geweihten Blick mischte sich das Gefühl warmen Dankes gegen den, der dem Charfreitag den Ostertag folgen läßt. Curt von Rolfs trat ins Thurmzimmer. Die letzten vier Jahre hatten ihn kaum verändert, sein Gesicht zeigte nur eine dunklere Färbung und sein Blick einen zuversichtlicheren Aus⸗ druck. Seine Stimme klang frisch und innig, als er den beiden Damen zurief: „Soll ich anspannen lassen oder fühlt Ihr Euch kräftig genug, einen Spaziergang durch die Kornfelder zu machen? Das ist ja meines Mütterchens höchste Wonne, sich zwischen den dichten, wogenden Aehren zu ergehen. Morgen fangen wir an, die Frucht zu schneiden.“ Eilig erhebt sich die Baronin, in ihrem gealterten Gesicht ist deutlich Genugthuung, heiterer, stiller Friede zu lesen. 170. „Ich bin so müde,“ sagt Luise und erhebt das schmale bleiche Angesicht zu Curt. „Ich führe Sie, Luise, und die Mutter recht langsam und vorsichtig,“ bat Curt. „Versuche es, meine Tochter, es wird Dir wohlthun,“ redete ihr die Baronin zu. Als sie langsam durch die Roggenbreiten dahinwandelten und die rothen und blauen Kornblumen sich zeigten, als ob sie sich nur zum Willkomm einer alten Frau und eines kranken Mädchens in so bunter Menge hierher begeben hätten, da durchzuckte Curt eine plötzliche Erinnerung an den rothen Mohn, den er einst dem geliebten Mädchen gepflückt und den sie in die tiefschwarzen Locken gesteckt. Er sah sie deutlich vor sich mit ihren weichen, elastischen Bewegungen und dem räthselhaften Blick, der ihm so tief in die Seele gegangen. Sein treues, heiteres Auge trübte sich einen Augenblick—„nach den Sternen soll der Sterbliche nicht greifen,“ sprach es ohne Bitterkeit in seinem Innern, aber immer noch mit einem traurigen Nachhall. Nach seines Bruders Tode war ihm der einzige Trost genommen, seine Mutter der Trostlosigkeit von Mutzdorf zu entreißen und ihr als Rechtsanwalt ein zwar einfaches, aber doch wenigstens sorgenfreies Leben zu bieten. Nun stand er an dem Platz, der seinem Bruder als ein unhaltbarer erschienen war. Seine Mutter schwebte Monate lang in Lebensgefahr, der Haupt— gläubiger erschien wiederholt und drohte; Curt war nahe daran, die fatale Erbschaft, an der nur Trostlosigkeit und Verzweiflung klebte, preiszugeben, als er, nachdem er vergeblich versucht hatte, Geld zu bekommen, an einen sehr begüterten Universitätsfreund dachte, der vor Jahren, noch bei Lebzeiten des alten Barons von Rolfs, einmal die Ferien in Mutzdorf zugebracht hatte. Curt schrieb nach einem harten Kampfe an diesen und schilderte ihm die Lage der Dinge, wie sie war. Bürgschaft könne er ihm keine andere bieten, als seinen auf— richtigen, festen Willen, ihm gerecht zu werden, wenn er Ver— trauen zu ihm haben wolle. Die Antwort kam prompt, und sie war gut.„Wenn Du einige tausend Thaler brauchen kannst, alter Junge,“ schrieb der Freund,„ich leihe sie Dir gern auf Dein ehrliches Gesicht hin.“— Curt lebte auf, das Darlehen wurde der Haken, der den Ertrinkenden rettete. Es kam neuer Muth und eine unverdrossene Schaffenskraft über ihn, er verbesserte, er wagte mit dem geringen Zuschuß, und Alles gerieth ihm über Erwarten. Seine Mutter lebte unter dem gedeihlichen Schaffen in Mutzdorf auf, unter der treuen Sorge des besten Sohnes wich nach und nach der Gram aus ihren Zügen und sie sah mit verklärtem Blick, wie dem Verfall des Schlosses mit starker Hand Einhalt gethan wurde, wie die umliegenden Fluren üppig aufblühten. Vielleicht war Curt in dem eifrigen Wuns sche, bald die Früchte des Besserwerdens zu sehen, mit den wenigen ihm zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln doch zu weit gegangen, denn sein umsichtiges Auge sah schon wieder neue Verlegenheiten sich aufthürmen. Da kam die Nachricht, daß der Bruderssohn der Baronin durch einen Sturz vom Pferde verunglückt und der betagte Vater bei der Trauernachricht eines plötzlichen Todes gestorben sei.— Curt von Rolfs war der Erbe. Der schnelle Umschwung seiner Verhältnisse übte Anfangs einen recht peinlichen Einfluß auf ihn aus, er fühlte sich wie erdrückt unter dem Gut, das ihm durch das Ableben der Ver— wandten, die sich„den armen Rolfs“ gegenüber immer in wohl— berechnetem Abstand gehalten, so unerwartet zugefallen war. Als er sich aber an den Gedanken gewöhnt, da griff Curt muthig in das, was nun sein eigen war. Mutzdorf's verfallene Thürme erhoben sich stolz und frei in die Wolken, blühende Felder erstanden aus langjährigem Siechthum. In den Schloßhof fuhren wieder glänzende Equipagen, die Familien der Nachbar— schaft erinnerten sich allmählich wieder, daß die Baronin von Rolfs noch lebe und daß sie, wie man allgemein höre, einen charmanten Sohn habe. Es war kaum möglich, sich ganz der wetteifernden Aufmerksamkeit der liebenswürdigen Nachbarschaft zu entziehen. Die Baronin ließ sich in ihrer Herzensgüte hier und da durch das Uebermaß von Zuvorkommenheit gewinnen und Curt wunderte sich über den naiven Glauben seiner Mutter; er selbst blieb zurückhaltend; einen intimen Umgang mit Den⸗ einige Zeilen von fremder Hand, daß sie unglücklich ist und der jenigen, die sich bisher nicht um ihn gekümmert hatten, wünst er nicht. 68 schmeichelte der Baronin, daß man ihr so viel Artig keiten über ihren Sohn sagte. Nach jedem Besuch erzählte Curt eifrig, daß man ihr diese oder jene glänzende Verbindun für ihn vorgeschlagen und ihre Augen hingen mit stolzer Genug thuung an den theuren Zügen, in denen sich ein gutmüthiges Lächeln zeigte. 1 „Was sagst Du dazu, mein Sohn?“ fragte sie mit große Juteresse. „Daß wir Beide ja ganz zufrieden in Mutzdorf sind,“ an wortete er ruhig. e Frau von Rolfs schien mit der Antwort nicht recht zufrieden zu sein.„Du bist der letzte der Rolfs,“ sagte sie zögernd. „Freilich, freilich, das giebt der Nachbarschaft zu de die Sache wäre zu überlegen,“ antwortete er mit leiser Ironie. Curt zeichnete keins der jungen, blühenden Mädchen. aus, die so häufig nach Mutzdorf kamen, um mit der lieben Frau Baronin ein Stündchen zu verplaudern; nur die unglückliche Braut seines Bruders war ihm der tiefen Trauer wegen, in der sie ihre Tage verlebte, lieb und werth geworden. Sie kam fast täglich nach Mutzdorf, und wenn auch Curt aus Rücksicht auf die Mutter gewünscht hätte, daß Luise in ihrer Selbst⸗ anklage nicht immer nur dem einen Gedanken an Franz Raum gebe, so rührte ihn doch die tiefe Liebe des armen Mädchens sehr. „Sie sollten ganz zu uns nach Mutzdorf kommen, Luise,“ sagte Curt, als sie die Kornfelder verließen und wieder dem Schlosse zugingen. Sie schaute mit einem dankbaren Blick zu ihm auf. Curt,“ sagte sie und drückte ihm die Hand,„fsiehst 98— Wald, in dem sich hier und da schon ein einzelnes Blatt 10 5 färbt? Wenn er in dunklem Roth erglüht, dann gehe auch ih in den Frieden ein; laßt mich neben Franz ruhen.“ 9 Abends saß Curt bei seiner Mutter im Thurmzimmer. Der Postbote kam und lieferte der Baronin verschiedene Einladungen 5 ab, die ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Curt durch⸗ las zuerst die Geschäftsbriefe, einen anderen mit einer auslän- dischen Marke versehenen Brief nahm er zuletzt. Er las und begriff die wenigen Worte nicht sogleich. Als er sich langsam mit der Hand über die Stirne fuhr und dann wieder starr in das Schreiben schaute, erschrak seine Mutter über den raue Wechsel der Farbe seines Gesichts. g „Eine schlechte Nachricht, Curt?“ fragte sie besorgt. Er schüttelte langsam den Kopf.„Nur die Erinnerung an ein Märchen aus alten Zeiten,“ antwortete er bewegt und w ließ hastig das Zimmer. Einige Zeit nachher ging die Baronin unruhig nach ihres 8 r Zimmer; sie fand ihn aber nicht. 1 „Der Herr Baron ist nach dem Park gegangen,“ berichtete ein Diener.* Frau von Rolfs schüttelte den Kopf.„Was konnte die gleich⸗ mäßige, heitere Ruhe ihres Sohnes so tief erschüttern?“ Sie sah, wie er spät im Mondschein mit tiefgesenktem Haupte durch den Garten dem Schloß zuging, und sie betete für ihn. Curt kam zu ihr, er drückte ihre kalten Hände und%„ innig:„Es ist spät, Mütterchen; aber ich weiß, Du f kein Auge, wenn ich Dich nicht vorher beruhige.“ Er setzle sich zu ihr am hohen offenen Fenster, sein Blick, seine Stimme waren von sonderbarer Weichheit.„Ich liebte einmal ein Mädchen,“ begann er,„sie war gut und schön; ihrer Gegen⸗ liebe glaubte ich gewiß zu sein. Da trat ein Fall ein, den 2 heute noch nicht begreife— ein Anderer kam plötzlich und 5 sie mir weg. Das alles geschah auf eine so unerklärliche daß ich nicht im Stande war, dem geliebten Mädchen Haß 2 50 Groll nachzutragen; ich trauerte um sie, aber ich klagte sie der Falschheit an. Darüber sind vier Jahre vergangen, ich! nichts mehr von ihr gehört. Heute Abend benachrichtigen 2 Hilfe bedarf.“ Curt stand rasch auf, und nachdem er seiner Mutter Brief in die Hand gedrückt, verließ er das Zimmer. Der Baronin unruhige Blicke überflogen das Papier. „Eine Dame, der Sie einmal Ihr Interesse zuwend 0 r — 171. istt unglücklich und bedarf der Hilfe. den Tisch stützen, da er wie gelähmt war. f f i ede Ich, ihr Onkel, kann sie ihr nicht leisten, weil ich todtkrank in Nizza liege. Gehen Sie, reisen Sie ohne Verzug ab, verlieren Sie keine Zeit, sie wird meinem Bevollmächtigten ihr Vertrauen schenken, seien Sie dessen gewiß. Die Adresse der Dame:„Baronin von Brunner, Ostsee⸗Hötel, Travemünde.“ Ihr ergebener Graf Josika.“ Weder Mutter noch Sohn schlossen in der Nacht ein Auge. Bald trug die Hoffnung Curt auf eine schwindelnde Höhe, bald riß der plötzliche Gedanke, daß sie verloren für ihn sei, ihn hinunter in den Abgrund. Als er Morgens bleich, in sichtbarer Aufregung, zum Früh— 5 stück erschien, fragte ihn seine Mutter einfach:„Wann reisest Du gab, Curt?“ Er reichte ihr die Hand über den Tisch.„In Deiner Frage liegt die Entscheidung; ich gehe, Mutter, heute noch. Siehst Du, der Gedanke hat mich mit Höllenqual erfaßt, daß ich sie als die Frau eines Anderen wiedersehen soll, unglücklich, elend durch einen Anderen vielleicht. Ich stehe für nichts, ich kenne mich kaum selbst mehr in dieser Liebe, die durch den leisesten Hoffnungsschimmer zu einer wahnsinnigen Gluth angefacht worden ist.“ „Dieser Baron Brunner ist todt, mein Sohn, sonst würde man unmöglich Deine Hilfe verlangt haben,“ sagte Frau von Rolfs mit Zuversicht. „Mutter!“ schrie Curt auf,„mache mich nicht toll vor Freude, es wäre schrecklich, wenn nur eine Fata morgana den trunkenen Blick blenden würde; schrecklich für Dich und mich, Du arme Frau!“ „Ei, Curt, mein Kind, komme doch zu Dir! Siehe, ich habe ein unerschütterliches Vertrauen in den, der guten Kindern ver— heißen hat, daß es ihnen wohl gehe,“ sprach Frau von Rolfs und sah ihn innig mit einem beruhigenden Lächeln an. Nachdem Curt in der Eile das Nöthigste angeordnet hatte, reiste er ab. Je näher er seinem Bestimmungsorte kam, desto zaghafter wurde er. Er stieg im Ostsee-Hotel ab, wagte aber kaum einen Blick um sich zu werfen. Wer war Graf Josika? War das Ganze vielleicht nur auf eine Mystifikation abgesehen? Sein Zimmer lag nach dem Strande zu; mit Herzklopfen über⸗ blickte er die Badegesellschaft, die Erscheinung aber, die er er— sehnte, war nicht unter der bunten Menge. „Wohnt hier Baronin Brunner?“ fragte er einen Kellner, als er die Treppe hinunter nach dem Speisesaale ging. „Ja wohl, Nummer 63,64 und 65,“ rief dieser im Davonlaufen. Curt gerieth in das Lesezimmer. Hier war es so kurz vor dem Diner, welches um sechs Uhr begann, leer; nur ein Herr lag schläfrig auf einem Sopha. f „Das ist der Herr Baron von Brunner!“ sagte leise der Kellner zu ihm, der geschäftig die Zeitungen ordnete. Curt starrte nach dem Herrn, der eine Cigarre nachlässig in der feinbehandschuhten Hand hielt und ihn mit schlaffem, hochmüthigen Blick maß und sich dann erhob. Es war kein Irrthum möglich; Baron Brunner war derselbe, den er im Garten des Prästdenten gesehen. Wie ein elektrischer Schlag ging es ihm vom Kopfe durch den ganzen Körper; er mußte sich auf Der Baron lebte; er bewohnte mit seiner Frau die vom Kellner bezeichneten Zimmer. Dieser Gedanke durchraste ihm das Hirn; sein zweiter Gedanke war: Abreisen, schleunigst abreisen!— Aber er blieb. Mit rast⸗ losem Auge suchte er Jella am Strande; nur noch einmal wollte er sie sehen und dann abreisen. Einmal wagte er sich in die Nähe ihrer Zimmer; er hörte Stimmen darin und floh mit keuchendem Athem. Sie war da, das fühlte und wußte er; denn Abends hatte er auf dem Balkon flüsternde Stimmen ge⸗ hört. Es waren zwei Frauen, die leise und vertraut zusammen sprachen; die eine süße Stimme war diejenige Jella's. Curt's erz drohte zu zerspringen. 1 a 85 nicht ab?“ flüsterte eine eifrige, erregte Stimme, die Curt bekannt schien;„man hat kaum den Muth, den Platz zu räumen, so lange der unglückselige Mensch noch auf deutscher Erde ist.“ Ganz leise verklingend erfolgte eine Erwiderung. „Deine apathische Ruhe ist unnatürlich; ganz gleichgültig kann es Dir nicht sein, was aus ihm wird. Was bleibt zwar noch nach solchen Erfahrungen, Du bedauernswürdiges Kind?“ flüsterte die erste Stimme. „Laß uns den Balkon verlassen; ich habe Angst vor den Menschen!“ sprach sie vernehmlicher und beide verließen den Balkon. Curt, der gerade darunter auf der Freitreppe gestanden, ging in's Hotel. Baron Brunner soupirte eben im Speisesaale mit den Brimway's. Sie schienen sehr intim, sprachen aber englisch, was Curt nicht verstand. Er glaubte nun zu be— greifen, weshalb Jella unglücklich war; aber wie sie seine Hilfe nöthig haben konnte, das begriff er nicht. Er litt unbe— schreiblich; das arrogante hochmüthige Gesicht des Barons, sowie dessen weibische Hände mit den blitzenden Diamanten erregten ihm Abscheu und er knirschte:„Wie war es möglich, daß sie, so einfach, so wahr, so tief, diese Figur aus dem Schaufenster eines Coiffeurs lieben konnte?“ Zwar mußte er für die Frauen einen besonderen Reiz haben; die drei Amerikanerinnen waren unzer— trennlich von ihm. So waren acht Tage seit seiner Ankunft vergangen, da sah er Jella am hellen Tage auf dem Balkon. Er blieb unbeweglich am Strande sitzen und regte sich nicht; jeder Blutstropfen drängte nach seinem Herzen. Sie war ätherisch zart in dem weißen Kleide, schmaler und blasser war sie geworden, aber lieblich jung— fräulich in jeder ihrer schüchternen Bewegungen geblieben. Das dunkle Köpfchen ruhte auf der kleinen Hand; sie schaute wie in wohlthuendem Ausruhen über das Meer hin. War es der heiße, verzehrende Blick, in dem seine ganze Seele lag, der magnetisch auf Jella wirkte? Vom Meere wendeten sich plötzlich ihre Augen zur Seite und blieben unter den Hunderten von Menschen nur gerade auf ihm ruhen mit dem Ausdrucke freudiger Sehnsucht. Dann deckte ein süßes Erröthen das schmale, feine Gesicht, und ehe Rolfs so weit zu sich gekommen war, um zu grüßen, war sie verschwunden. „Jella, meine Jella!“ jubelte es in ihm; er wollte, er mußte sie nun sprechen. Als er in das Hotel eilte, begegnete er unten in der geräumigen Halle Brunner, der ihn mit einem höhnischen Blicke maß. „Sie scheinen ein alter Bekannter der Baronin zu sein!“ sagte er und sah ihn kaum mit den halb geschlossenen Augen an. „Ich kenne Sie nicht, habe Ihnen also auch nicht zu ant⸗ worten,“ versetzte er und stieg hastig die Treppe hinauf. „Dieser verhaßte Mensch sucht Händel; es wäre mir leid, wenn es dazu käme der bedauernswürdigen Frau wegen,“ dachte er, als er in sein Zimmer trat. Sie war nicht von ihm ge— schieden, noch kurz vorher war sie immer in seiner Gesellschaft erschienen; die Baronin war nur leidend, so berichtete ihm der Hotelbesitzer. Einige oberflächliche Bekanntschaften, die er im Gasthof gemacht hatte, fanden es ganz selbstverständlich, daß der Baron sich, so weit er konnte, amüsirte, was ja Jeder im täg⸗ lichen intimen Verkehr mit näheren Bekannten that. Mit bebenden Händen, in höchster Aufregung, hatte Curt von Rolfs seine Toilette gemacht, um Jella einen Besuch ab— zustatten. Da trat eine Dame zu ihm in's Zimmer, deren Erscheinen ihn in's höchste Staunen versetzte. „Sie, gnädige Frau, Sie?“ fragte Rolfs und nahm der Präsidentin beide Hände herzlich in die seinen. „Ja, ich, Baron, wie Sie sehen,“ antwortete sie und ließ sich nieder. „Die Auseinandersetzung, warum ich hier bin, würde zu lange währen und Ihnen dabei doch dunkel bleiben. Jella verlangte, daß ich kommen sollte, und so bin ich hier. Sie sind der See⸗ bäder wegen gekommen; also ist Alles von dieser Seite erklärt.“ Ja, Alles war erklärt! Jella war hier nicht verlassen; die Präsidentin war auf der Stieftochter Verlangen hierher geeilt, — was sollte er nun hier, was wollte Jella's Onkel von ihm? „Uebrigens freue ich mich, Sie wieder zu sehen,“ fuhr die Präsidentin fort.„Sie sind ohne Zweifel avancirt, Richter ge⸗ worden, sind verheirathet, wie dies ja Alles im Leben seinen Gang zu nehmen pflegt.“ Er schüttelte den Kopf. Freilich geht Alles im Leben seinen Gang, das Ziel, die Endstation erreichen sie wenigstens Alle. Rolfs betrachtete sie nachdenkend; es war etwas geschehen, das der fröhlichen Lebenslust dieser Frau Einhalt gethan, der Aus⸗ druck ihres ganzen Wesens war ein anderer geworden. 8 172 ⏑?-If Sie errieth ihn.„Sie finden mich verändert?“ fragte sie mit einem matten Lächeln,„ja nun, Baron, man ist mittler⸗ weile eine alte Frau geworden.“ „Sie scherzen, gnädige Frau; wie sollten die wenigen Jahre sie verändert haben?“ bemerkte er zerstreut. „Jella hat Sie gesehen, Baron; wahrscheinlich rief Ihr Anblick die Erinnerung an glückliche Tage wach, sie ist tief erschüttert. Ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen: Gehen Sie jetzt nicht zu ihr. Die Gesundheit des armen Kindes hat sehr gelitten; warten Sie, bis Jella selbst den Wunsch ausspricht, Sie zu sehen.“ Frau Wellner stand auf.„Wir bleiben doch wohl noch einige Tage hier. Auf Wiedersehen denn, lieber Baron!“ „Hat Ihre Tochter Sie beauftragt, mir dies mitzutheilen?“ fragte er hastig und das Blut stieg ihm heiß zur Stirne. „Werden Sie doch nicht so heftig, Baron; Jella war einer Ohnmacht nahe, als sie den Balkon verließ und sagte bebend: „Herr von Rolfs ist hier!“ Wir wollen sie schonen, das arme Kind hat der Aufregungen genug gehabt!“ Damit verließ Frau Wellner das Zimmer. „Ich bin ihr noch etwas! O Jella, wenn es noch möglich wäre!“ rief er und durchmaß das Zimmer in fliegender Hast. „Möglich wäre?“ stöhnte er und barg das Gesicht in den Händen. „Dieser Mensch lebt, selbst geschieden ist Jella für mich verloren; nur der Tod löst die Ehe der Katholiken!“ Es war Abend geworden; der Kellner brachte einen schweren Brief.„Was hat mir Mütterchen denn so viel zu schreiben?“ dachte er, als er der Baronin Handschrift sah. Seine Adresse für Schloß Mutzdorf steckte darunter, von einer fremden Hand geschrieben. Von seiner Mutter war nur ein Zettel dabei:„Eben angekommen, der Postbote wartet, um die Briefe gerade auf der Post abzugeben, damit sie noch heute Abend nach Travemünde an Dich abgehen.“ Mehrere engbeschriebene Blätter fielen auf seinen Schoß; ein Blatt blieb in seinen Händen. Er las:„Heute Morgen ist Graf Josika seinem Lungenleiden erlegen. Auf seinen ausdrück— lichen Wunsch schicke ich Ihnen beifolgende Briefe, die, im Falle Sie noch nicht nach Travemünde abgereist sein sollten, Sie dazu bestimmen werden. Dies die Ueberzeugung des Sterbenden. Sie sind ihm kein Fremder; er kennt Sie durch einen Neffen des Herrn von Horax, Ihres Nachbars; besagter junge Mann ist seit einigen Monaten in Nizza und wurde mit dem Herrn Grafen befreundet. Plauen, Privatsekretär.“ (Schluß folgt.) Schloß Warren. Novelle von Georg Harnisch. (Fortsetzung) Nelly blickte erschrocken in das Autlitz des Mannes, dessen grollende Stimme soeben verklungen war. Sie wußte im Augen— blick nicht, was sie ihm antworten sollte. Graf Udo bemerkte ihre Rathlosigkeit, und der harte Ausdruck seiner Miene schwand, als er mit etwas bebender Stimme sagte: „Warum soll ich Ihr jugendliches Zutrauen vor der Zeit durch schonungslose Wahrheit vernichten? Seien Sie mir nicht böse! Sie werden mich erst nach Jahren verstehen,— vielleicht erinnern Sie sich dann dieses Gesprächs,“ und auf die Blüthe deutend, setzte er hinzu:„Darf ich Ihnen die Rose abschneiden; es ist eine der schönsten, welche ich in diesem Sommer gesehen.“ „Ich danke, Herr Graf, warum das kurze Leben der Blume vernichten? Ich habe dieselbe Rose schon vor einer Stunde bewundert und hätte sie gebrochen, wenn ich es nicht für un— gerecht hielte, um eines flüchtigen Genusses willen ihr Dasein „Nun denn, so möge sie weiterblühen!“ sprach er, sie er— staunt anblickend.„Mein Weg führt mich jetzt nach rechts, den Ihrigen sehen Sie vor sich!“ Er zog den Hut, pfiff seinem Hunde und bog in den Seitenpfad ein. Nelly Longsword wandte sich in tiefen Gedanken dem Schlosse zu. Ihre kürzlich noch so heitere, glückliche Stimmung war getrübt. zu kürzen und Anderen die Freude ihres Anblicks zu rauben.“ Sie hatte sich, bevor sie nach Warren gekommen, den Schloß⸗ herrn als einen älteren, schon ergrauenden, mürrisch und kalt in sich verschlossenen Sonderling gedacht, der in abgeschiedenen Zurückgezogenheit das unverdiente Loos einer zerrütteten Gesund⸗ heit ertrug, und nun hatte sie einen im kräftigsten Lebensalter stehenden, blühenden Mann gefunden, dessen äußere Erscheinung jedes Weib anziehen und fesseln mußte, und welcher, durch Muth 4 und Edelsinn, wie durch geistige Begabung gleich ausgezeichnet, 1 ein zart und tief empfindendes Gemüth in seinem Busen barg, das selbst gegen seinen Willen aus den bitteren Aeußerungen seiner Weltverachtung und seines Menschenhasses herausklang. Wie mußte dieser Mann geliebt haben, und wie wenig war die oberflächliche Irma von Maien, deren kokettes Wesen ihr schon bei der ersten Begegnung mißfallen hatte, seiner Neigung 5 werth gewesen! Jetzt, nachdem sie den Grafen kennen gelernt hatte, begriff Nelly Frau von Haldern's tiefen Schmerz über die Seelen⸗ stimmung ihres Bruders und die kaum verhehlte Abneigung dieses sonst so wohlwollenden Herzens gegen Irma, die leicht fertige Urheberin des ganzen Unglücks.* Währenddessen näherte sich Graf Udo seiner Behausung. „Longsword! Longsword?“ überlegte er,„hm, alte stein⸗ reiche englische Pairsfamilie! Doch, was kann die Gesellschafterin meiner Schwester mit dieser noblen Sippe zu thun haben, und wie paßt das offne, herzliche Wesen dieses hübschen Mädchens zu der steifen, langweiligen Glanzlackpolitur einer englischen Lady? Oder sollte auch bei ihr diese ursprüngliche Natürlichkeit nichts als eine einstudirte Rolle sein?“ 7 Er stand vor dem verschlossenen Eingangsthor des abgele⸗ genen Schloßflügels, den er bewohnte. Mit dröhnendem Schlage meldete der eiserne Klopfer seine Ankunft und geräuschlos wurde die schwere Thür von innen geöffnet. Ein altersgrauer Diener empfing ihn in der düstern Eintrittshalle und nahm schweigend den leichten Mantel von seiner Schulter. 3 „Jakob! Du wirst der gnädigen Frau melden, daß ich ihr Mittags meine Aufwartung machen würde! Nun, dere 1 Der Alte verbeugte sich stumm. Der Schreck über den lebs haften Ton der unerwarteten Anrede schien seine ungelenke Zunge vollends gelähmt zu haben. Kopfschüttelnd blickte 1 dem Grafen nach, denn so lebensfroh wie heute hatte er sei Herrn schon lange nicht gesehen. * * 2* 7 2 3 8* 2 5 3 VIII. 2 „Soeben hat der Reitknecht das Pferd vorgeführt! Haben 1 gnädiges Fräulein noch Befehle für mich?“ 1 5 „Nein, Babette!— Doch ja! Laufen Sie in den Garten und bringen Sie mir eine gelbe Theerose, Sie wissen— v 1 den Lieblingsrosen meines Vaters; aber halten Sie sich n auf, das Pferd könnte sonst ungeduldig werden.“ 2 Die Zofe eilte fort, den Befehl ihrer jungen Gebieterin aus⸗ zuführen. 5 33 Irma von Maien aber betrachtete sich noch einmal wohl⸗ 8 gefällig im Spiegel. Das knappe, dunkelblaue Reitkleid stand ihr vorzüglich, der hohe Cylinderhut, sowie die lange Schlepve des Kleides ließen sie größer als sonst erscheinen, und die we 3 Stulpenhandschuhe vollendeten das Bild einer eleganten Ama-⸗ zone. Mit scharfem Schlage ließ sie die zierliche Reitgerte durch 1 die Luft schwirren, Uebermuth und Unternehmungslust blitzten *. in ihren Augen. 8 Goll- 1 . 3 Sie hatte sich gestern von ihrem Vater den schönen fuchs zu ertrotzen gewußt, denn sie bedurfte seiner, um Warren ihre Vorzüge in dem verführerischsten Licht vor Augen des Grafen Heinz von Warren glänzen zu lassen. liebte den Sport, und sie wußte, daß ihre Figur auf d Pferde gewann und ihr blasser Teint sich durch die Bewegung vortheilhaft belebte. Sie wollte, sie mußte ihn zu ihren Füßen sehen, das hatte sie sich bereits in Teplitz geschworen, denn w lange konnte es noch währen, dann ging der Besitz Warrens von Üdo auf ihn über. Udo's Verstand hatte sicher gelitten, darauf deutete seine Lebensweise und seine Menschenscheu, un einem Irrsinnigen konnte die Verwaltung des reichen Mojorats unmöglich lange belassen werden. 3 2 8 6 e e ehe n ieee ee eee een eee e VVWWC——WWWWWWWWWWWWWWW++WX—W 174.. Der blaue Sommerhimmel wölbte sich in ungetrübter Klar⸗ heit über der Reiterin, welche einen mit jungen Obstbäumen eingefaßten Feldweg verfolgte. Zu beiden Seiten schweifte ihr Blick weithin über wogende Kornfelder, welche sich bis zu den am Horizont aufsteigenden Bergen ausdehnten und deren hohe Halme sich unter dem Segen der vollen Aehren tief zur Erde niederbeugten,— Alles, so weit sie blicken konnte, gräflich Warren'scher Besitz. Jubilirend stiegen die Lerchen in den war⸗ men Aether empor; jauchzend klang ihr Glück in den wonnigen Tag hinein, und fast schien es, als übertrügen sie dasselbe auch auf Pferd und Reiterin. Tänzelnd und sicher trug das edle Thier seine leichte Last und ungeduldig kaute es an dem Gebiß des Zaumes. Irma aber beugte sich über den Hals des Rosses und, denselben lieb— kosend klopfend, sprach sie frohlockend:„Schau um Dich, mein Fuchs! Dies Alles gehört einst Heinz von Warren und, wenn wir wollen, auch uns. Und wir wollen! Wir werden kämpfen und siegen, was es auch koste; denn reich sein, heißt leben, heißt glücklich sein!“— Helles Wiehern wurde ihr als Ant⸗ wort. Ein freudiges Lächeln glitt über ihre Züge, stolz hob sie sich im Sattel, die Gerte fiel auf den Hals des Pferdes, und im Galopp flog sie ihrem Ziele entgegen.— In Warren saß man gerade am Kaffeetisch auf der Garten— terrasse, als Irma, die Schleppe des Reitkleides über den Arm gehängt, fast gleichzeitig mit dem meldenden Diener vor den erstaunten Herrschaften erschien. 5 „Bon jour, da bin auch ich! Mein Gott, Helene, Du machst ein Gesicht, als schautest Du den Geist Deiner Groß⸗ mutter,“ lachte sie.„Sehe ich denn wirklich so gespensterhaft aus? Herr Graf, stehen Sie mir bei!“ Kokett wiegte sie sich in den Hüften und reichte Heinz mit schmachtendem Blick die Hand, welche dieser mit galanter Ver— beugung an die Lippen zog. „Ich bin allerdings erstaunt,“ entgegnete Helene,„daß Ihr schon aus Teplitz zurück seid. Aber bitte, nimm Platz und trinke eine Tasse Kaffee! Dein Papa hat seine Kur unter— brochen, ihm geht es doch hoffentlich gut?“ „Danke, ja!— Eigentlich gilt mein Besuch heute Ihnen, Graf Warren; Papa hat mir nämlich gestern ein neues Reit— pferd geschenkt, und ich wollte mir von Ihnen als kundigem Sportsman ein unparteiisches Urtheil einholen.— Danke, danke, Helene; Kaffee, weißt Du, trink ich niemals— puh! und noch dazu bei dieser Hitze!“ „Stets Ihr Ritter, meine Gnädigste!“ antwortete Heinz, „wir wollen sofort den gewiß süperben Gaul in Augenschein nehmen, und wenn Sie mich zum Glücklichsten der Sterblichen machen wollen, so gestatten Sie mir, Ihnen bei einem kleinen Ritt zu akkompagniren. Was meinen Sie? Wie wär's mit einer muntern Galoppade, die den Körper erquickt und das Herz erfreut?“ „Ganz mein Fall! Ich denke, mein Goldfuchs wird Ihrem Rappen nichts schuldig bleiben, ja im Gegentheil, ich bin mei— nes Pferdes so sicher, daß ich beinahe eine improvisirte Schnitzel— jagd riskiren würde,— ich als Fuchs und— als Siegespreis,“ fügte sie mit kokettem Lachen hinzu, ihren Stuhl näher an Heinz herranrückend, mit welchem sie das Gespräch in gedämpftem Ton fortsetzte. Bis jetzt hatte Irma Miß Longsword keines Grußes gewür— digt, sie schien dieselbe überhaupt nicht zu bemerken, und Letztere hatte daher ihre Aufmerksamkeit ganz der zierlichen Stickerei zu— gewendet, an welcher sie arbeitete. „Nelly, mein gutes Kind, willst Du nicht auch einmal einen Ritt versuchen? Heinz wird Dir gewiß gern den ersten Unter— richt ertheilen. Nicht wahr, Bruder,“ wandte sich Frau von Haldern an den aus der Unterhaltung mit Irma aufgeschreckten Lieutenant,„Du nimmst Miß Nelly unter Deinen Schutz und versprichst mir, keine Unvorsichtigkeiten zu begehen?“ Dreien! Fräulein von Maien bürgt Dir, Helene, für unsere Vorsicht und Sie, Miß Longsword, finden in der Baroneß ein glänzendes Vorbild.“ „Ich danke Ihnen, Herr Graf! Ihre Frau Schwester hat es nicht so ernst gemeint!“ entgegnete Nelly, und zu Frau von A lich vornehmen Kreisen.“ 0 „Welch ein Glückstag!“ jubelte Heinz,„reiten wir doch zu Haldern gewendet, fuhr sie mit ihrer ruhigen Stimme fort „Du bist sehr gut gegen mich, Helene, doch ich muß Dei freundliches Anerbieten ablehnen. Ich kann reiten, denn ie habe es von Jugend an geübt, aber ich glaube, es würde hier nicht für mich schicken. Wir find in Deutschland, liebe Helene, und da muß ich mich schon den hiesigen Anschauungen anpassen, die den Sport wohl für die Verwandte des Hauses, nicht aber für die Gesellschafterin gestatten“ 3 Sie sprach dies mit lächelndem Erröthen, indem ihre Blick flüchtig zu Fräulein von Maien hinüberschweiften. 3 Irma sah die Sprecherin mit zusammengekniffenen, Augen von der Seite an. Ihre Lippen zuckten verächtlich, als sie sich mit affektirter Gleichgültigkeit in den Sessel zurücklegte und die Beine kreuzte.. „Ah wirklich, Miß, Sie haben eine ganz richtige Auffassung! Nur bedaure ich, Ihr eigenes Vaterland gegen unverdiente Ver⸗ dächtigung in Schutz nehmen zu müssen; gute Sitte gilt wohl selbst in dem formlosen Amerika nicht weniger, als hier in wirk— 5 85 Nelly war bei diesen spitzen Worten um eine Schattirung blasser geworden, und Frau von Haldern hatte sich unwillig erhoben. Doch bevor noch eine der Damen auf den plötzlichen Angriff antworten konnte, hatte sich Heinz begütigend an Irma gewendet: 3 „Mille fois pardon, meine Damen! Ich verstehe Sie Beide nicht! Wie darf es unschicklich gesunden werden, wenn Longsword, die Freundin meiner Schwester, welche als Famili mitglied des Hauses Warren gilt, unter meinem Schutz ein erlaubten Vergnügen huldigt?“ a „Sie vergessen, mein theurer Graf,“ entgegnete Irma sanftem Lächeln,„daß nicht ich, sondern Miß Longsword zuerst Bedenken gegen den an und für sich allerdings harn Vorschlag geäußert hat. Ich habe ja kein Interesse zur Sache, verstehe es aber sehr wohl, wenn ein junges Mädchen, dessen intimes Verhältniß zu Ihrem Hause nicht Jedermann beka ist, ihren guten Ruf eines entbehrlichen Genusses halber 1 aufs Spiel setzen will. Man kennt ja,“ setzte sie mit ei lauernden Seitenblick auf Nelly hinzu,„die Lästerzungen der lieben Mitmenschen, welche an den einsamen Spazierritten des Fräuleins mit dem Herrn Grafen einen besonders pikanten S finden würden.— Doch sieh da! Was haben meine kleiner Freundinnen?“ mit diesen Worten erhob sie sich langsam und umfing mit unschuldig freundlichem Lachen die beiden k er Mädchen, welche soeben athemlos die Stufen der Treppe heta stürzten. Fortsetzung folgt.) 2 En — Kleine Irauen-Zeitung. Die Mode. Der Frühling ist spat gekommen, in den Magazinen aber schon lange die glänzenden und duftigen Stoffe für die wärmere Jahn zeit aus. Fragt man, was ist gegenwärtig modern, so muß ich dar antworten: Alles, vorausgesetzt, daß die Kleidung durch Geschmack Chic geadelt wird. Dies„Alles“, das Vergangenheit, Gegenwart un Zukunft repräsentirt, wirbelt nun freilich beim ersten Anblick in buntem Chaos durcheinander, aber bei aufmerksamer Betrachtung gewinnt es nach und nach feste Gestalt und läßt sich analysiren.. Mehr und mehr strebt die Mode den Direktoire- und Emp 5 Toiletten zu, ohne indeß sich von den chiffonirten und gerafften Dispositionen des modernen Geschmacks abzuwenden, die vorla noch bestehen und in nächster Zukunft bestehen werden. Und man sagen, daß die Herrscherin ihre Gunst in zwei verschiedene Geg satze theilt? in das Schlichte, Flache und knapp Anliegende und in Drapirte. Jede Art wird ihre Anhängerinnen haben; letztere wohl meisten! a Die Anhängerinnen des Direktoire- und Empirestils 1 — daß man schon zu lange dem Chiffons und— Drapiren gehuldigt hat mit Ver 1 auf die gerade und korrekte welche der vornehmen 1 tung so sehr zu Statten kommt. Es dürften die jungen Frauen und die jungen Mädchen welche die neuen Formen sich 1 erweisen koͤnnten. Sie dieselben wohl nicht ganz streng im Stil, sondern ein wenig um tragen, mit sehr leicht gewölbter und sehr mäßig erhobener 2 auf den Rückenbahnen. Der Rock soll der— nicht er im Gegentheil. Das drapirte Kostüm, das Gewohnheit uns so lieb gemacht 3 175.. dem ich mich einmal nur schwer trennen würde, paßt sich jedem Alter jedem Wuchs an; es versteht jung wie alt zu sein: nur 975 beschei⸗ den in seiner Aufraffung oder Schürzung, graziös und kokett mit seinen Bändern, seinen Schleifengewogen, ernst und streng in seiner verlängerten Linie, seiner einfachen Anordnung. Die Empireroben sind ihrem Auscheine nach von größter Einfach⸗ heit, aber von einer so kostspieligen Einfachheit, daß man oft schon des⸗ halb genöthigt sein wird, auf dieselben Verzicht zu leisten. Sie werden ganz 1 gefertigt, in enger Form, wie ein Futteral, also ohne die a aue te Draperie vorn und um die Hüften, und nur mit einigen ge⸗ kräuselten Falten im Rücken. Diese gespannten Röcke sollen mit Sticke⸗ reien und anderen Zierrathen eines„großen Stils“ bedeckt werden, doch edenkt man auch, namentlich was die jungen Mädchen betrifft, die tickereien durch ganz feine Plisses in Schürzenform zu ersetzen, welche von oben bis unten befestigt und im Uebrigen durch Spangen von ge— stickten Galons oder von einem anderen Stoff in abstechender Farbe ge— halten werden. Dieses Arrangement würde die Anwendung sehr schmieg⸗ samer Gewebe nothwendig machen. Es versteht sich wohl von selbst, daß derartige Kleiderröcke, um durch die Spannung sich nicht zu ver— ziehen, wie unsere modernen Kostüme auf ein Unterkleid oder einen „Fond“ gesetzt werden müssen, den man aus Seide bereitet, wenn der SOberstoff leicht und durchsichtig ist. Eine runde Taille, in krause Fältchen gezogen oder kreuzweise drapirt und durch einen hohen Gürtel, welcher bis unter die Brust reicht, verkürzt, vervollständigt eine solche Toilette Récamier oder Joséphine. Selbstverständlich wird man mit solchen Kleidern, welche Erstaunen erregen müssen, vorläufig nicht auf er Straße erscheinen, sondern sie in Gesellschaften, im Aer und später in den Badeorten zu tragen wagen. Man will auch zu den drapirten Toiletten vielfach Gürteltaillen annehmen, immer indem man die anderen Leibchen mit Schnebbe und Schooß beibehält. Die Draperien liebt man einfach, nicht mehr auf⸗ gebauscht, und wieder ist es besonders das englische Kostüm, das den größten Beifall genießt. Als alltägliche Toilette, als Reisekleid, zu kleinen Ausflügen giebt es nichts Praktischeres, nichts Hübscheres, umso⸗ mehr, da der pariser wie unser deutscher Geschmack es ganz„weiblich“, ganz verlockend gemacht. Wie geschmackvoll ist es z. B. aus Sommertuch in silbergrauer Farbe! Auf einem Fond aus gleichfarbigem Mohair flattert der Tuch⸗ rock mit breitem Steppsaum. Darüber drapirt sich leicht eine lange Tunika, vorn in abgerundeter Schürzenform, unter den Hüften in Falten enommen und im Rücken zu einem mäßigen, eleganten Puff gerafft. as Leibchen ist im Schnitt„Amazone“, knapp anliegend, mit kurzer Schnebbe vorn, gerade herunter geknöpft; im Rücken endet es in einen kleinen Postillonschooß mit Hohlfalte. Als neue und sehr hübsche Gar⸗ nitur dient eine kleine Silber-Passementerie, nicht breiter als 1 CEmtr., welche rings um Tunika und Leibcheu gesetzt ist, hier sich den Knopf⸗ schluß hinauf bis zum Kragen ziehend. Man kann sich nichts Einfacheres und Eleganteres zugleich denken, wie denn überhaupt Toiletten aus ein⸗ farbigen Geweben immer den Stempel der Distinktion bewahren. 5 u den Kostümen„genre anglais“ verwendet man auch vielfach einfarbige Wollenstoffe mit abgepaßter Bordüre, die oft in Seide gleichen oder dunkleren Tones, oder in abschattirter oder gänzlich abstechender Wolle durch Streifen-, Carreaux⸗, Broché- oder Chiné⸗ Arrangements hervortritt. Rock und Tunika oder nur letztere sind von der Bordüre umgeben, die sich dann gleichfalls auf dem Leibchen wiederholt. An Anomalien in unserer Kleidung gewöhnt, tragen wir kühn zur drapirten Toilette den Direktoirehut, eine Form, welche bei der elegan⸗ ten Damenwelt sich großer Beliebtheit erfreut. f i Die neuen Kleiderstoffe sind reizend, mannigfaltig und, ohne sie bei ihren zahllosen, mehr oder weniger bizarren Namen zu nennen, welche ihnen die Fabrikanten, jeder nach seinem Belieben, geben, wiederhole ich, was ich in meinem vorigen Bericht ausgesprochen, daß die Streifen dominiren und den Sieg über alle anderen Dispositionen: das Karrirte und Brochirte, davontragen. Dies schließt indeß nicht aus, daß man beide Arten sehen wird und daß die Streifenstoffe dieselben sogar in sich aufnehmen und sowohl das eine wie das andere eben in Streifen zur Anschauung bringen. Da es jedoch nun Streifen in allen Breiten⸗ verhältnissen giebt, so findet sich zu jeder Disposition ein einfarbiges passendes Gewebe, mit Hülfe dessen man stets wohlgefällige und elegante Toiletten erzielen kann. Denn was für Geschmacklosigkeiten würde man ohne eine solche Verbindung sehen! Giebt es doch leider immer Damen, welchen der Geschmack fehlt und welche, ohne weiter nachzudenken, eine Taille mit großen Carreaux oder mit 3—4 Cimtr. breiten Streifen tragen würden! 1 5 2 Die Streifenstoffe haben vollständig ihr Aussehen geändert. Man det darunter nicht mehr den banalen, eintönigen Streifen, an dem sich as Auge ermüdet. Gegenwärtig wird man gefangen genommen durch die so eigenartigen Gruppirungen und Anordnungen, durch die oft selt⸗ amen Farben, welche sich trotz ihrer Bizarrerie harmonisch aneinander⸗ fügen. Wie wunderbar findet man dieses Eidechsengrau mit feuer⸗ farbenen Streifen oder mit breiten, pfauenfarbenen Brochestreifen, oder jenes verblaßte Altrosa mit seinen kupferrothen und tief grau⸗rothen, in unzählige Linien getheilten Gruppenstreifen! Und ebt es wohl etwas Aparteres als diese leichten, fast durchsichtigen Voiles mit 2 Centimeter breiten Streifen, jeder derselben aus feinen, gleichgetönten oder anders kolorirten seidenen Linien gebildet und umrahmt von zwei abstechenden Linien?! Man gelangt hierbei zu reizenden Effekten. Die marineblauen Voiles sind mit himmelblauen Gruppenlinien und rother Einfassung, die sandfarbenen mit eréme Linien und rother Einfassung, die ocean⸗ blauen mit schwefelgelben Linien und marineblauer Einrahmung, die ferner gestreifte oder groß karrirte Wollenröcke tragen mit einem Ueber⸗ gewand aus Changeanttaffet. Ueberhaupt erhält sich das Genre Chan⸗ geant für die Zukunft in Seidenstoffen wie in Bändern, sich in den entzückendsten und kapriziösesten Farbenreflexen ergehend. Die Farben, welche die Mode gegenwärtig besonders begünstigt und wahrscheinlich auch im Sommer 0 wird, sind: Roth, Leinen⸗ blau(dasselbe drängt das Marineblau etwas in den Hintergrund), das Grau in allen seinen Abstufungen von der hellsten bis zur dunkelsten, ferner Graublau, bleu d'Egypte genannt, das Blaugrau in vielen Tönen und das Grün in seinen blassen Nüancen, wie Meergrün, Apfelgrün, Mandelgrün, Pistaziengrün und vor allem in jenem eigenartigen Grau⸗— grün, das man mit„Cigale“, also„Grille“ betitelt, denn man findet, daß dasselbe dem Gewande des niedlichen, so poetischen und melodischen geflügelten Insekts ähnelt. Die Verbindung von Roth und Weiß wird für die elegante Sommer⸗ toilette sehr gesucht sein, und hat man im Winter, in welchem das Schwarz an der Tagesordnung war, die rothen Kleider mit schwarzen Chantillyspitzen bedeckt, so dürften in diesem Sommer die weißen Spitzen gleiche Erfolge darauf zu verzeichnen haben. Da ich von Spitzen spreche, so will ich gleich hinzufügen, daß die schwarze Seidenspitzen-Robe nun auch als Straßentoilette in der Zeit von zwei bis fünf Uhr von der Mode genehmigt worden ist. Man trägt zu einer solchen Robe Phantasie-Jäckchen oder kleine Konfektions, welche das Gepräge der Originalität haben, aber lieber die ersteren. Die reich garnirte Visite würde nicht am Platze sein; nicht etwa, daß sie sich nicht dem Spitzenkleid anpaßte, sondern weil dasselbe, für die Straße, aus einer Caprice der Mode hervorgegangen und da— durch zu einem„kleinen Kostüm von Chie“ gestempelt worden, dessen Eigenart gerade auf der Verbindung von Spitze und dem mehr oder weniger reich garnirten Jäckchen aus Tuch oder Sammet beruht. Auch wird hierzu der runde Hut der kleinen Capote vorgezogen, und dies kennzeichnet ebenfalls das„Genre von Kostüm“. Außer dieser sehr seltsamen Phantasie dürfte man die schwarze Spitzenrobe in diesem Sommer noch zu anderen Gelegenheiten vielfach sehen, desgleichen die Kleider aus schwarzem, gesticktem Tüll. Die letz⸗ teren sind ebenfalls von einer angenehmen und graziösen Leichtigkeit. Der untere Rock(Fond) aus Taffet erhält einen sehr hohen Volant oder Puff aus gesticktem Tüll und darüber fällt der runde Tüllrock, welcher im Rücken in krause Falten gezogen, vorn drapirt ist. Der Rand des⸗ selben wird drei Finger breit umgesäumt und mit einem Taffet⸗, Atlas⸗ oder Failleband durchzogen. Gleiche Bandschleifen halten die Draperien. Ein Puff, ebenfalls mit Bandunterlage, garnirt die Oeffnung des Direktoire⸗Leibchens, welches sich unter einem breiten Gürtel mit flat⸗ ternden Enden kreuzt. Der Aermel ist von der Schulter aus plissirt und dicht unterhalb des Ellbogens mit einem kleinen Puff nebst Band⸗ einlage und Schleifchen zusammengehalten. Mit einem solchen Kleide geht man, wenn die warmen Sommertage eingekehrt, in der Taille spazieren, oder man wirft eine kleine, reife Pelerine aus übereinstimmendem gesticktem Tüll um die Schultern. Hierzu gehören Mousquetaire-Handschuhe aus schwedischem Leder, in schwedischer Lederfarbe, welche bis zum Aermel aufsteigen. Um diese Toilette, deren Stil im Voraus sehr geschätzt wird und großen Beifall gewinnen dürfte, zu vervollständigen, bedarf man eines runden, schwarzen Basthutes mit sehr breiten Krämpen, geschmückt mit einem Panache schwarzer Straußfedern, welche nach vorn überfallen und ein Bouquet gelber Rosen beschatten. Die Atlasbänder mit und ohne Picols, die Sammetbänder mit gleichgetönter Atlaskehrseite sind wieder zu einer Mode, einer großen Mode erhoben worden und werden auf den Hüten vielfach sichtbar sein. Das Sammetband präsentirt sich in allen gangbaren Farben, doch giebt man ihm in Schwarz den Vorzug, das man dann gern durch Rosen belebt. Eine derartige Garnitur zeigt sich in stets wechselnder Anord⸗ nung auf schwarzen, beigefarbenen, weißen und gelben Strohhüten wie auf solchen Spitzenhüten, wenngleich hier das Gelb durch Rahm- und Rohgelb ausgedrückt wird. Dann wird man sehr hübsche doppelseitige Phantasiebänder sehen aus Changeantseide, deren eine Seite die vorherrschende Farbe des Changeants in hellem Ton, deren andere Seite dieselbe in dunklem Ton zeigt. Der Fond dieser Bänder ist auch häufig mit Erbsen brochirt, welche ebenfalls im Kolorit wechseln, auf der Oberseite hell erglänzen, auf der Kehrseite dunkel schimmern. Jef Alätkter. Sanct Peter und die Fischerin.(Südslawische Sage.) Sanct Peter ging über einen Markt, als die Zeit des Verkaufes beendet war. Da sah er eine bildhübsche Fischerin, die recht finster darein schaute.„Was macht Dir Kummer?“ fragte der Heilige.—„Da habe ich viele Fische übrig behalten, und ich weiß nicht, was mit ihnen anzufangen.“—„Du möchtest wohl von Deinem Vorrath erlöst sein?“ fragte Petrus; ich will Dir helfen.“—„Das ist nicht möglich,“ äußerte die Fischerin, das kann nicht einmal der Polizeimeister.“—„Aber ich!“ sagte Sanct Peter und schrieb einen Fasttag aus, so daß der Vorrath des hübschen Mädchens bald verkauft war. W. G. Aus dem Examen. Ein Jurist wurde im Examen gefragt:„Aus wie viel Theilen besteht das preußische Landrecht?“ Ganz unbefangen antwortete er:„Das ist Geschmackssache— je nachdem der Buchbinder es einbindet.“ 81 r ³Ü·,ꝛ⁴ c T— tr.« ͤ-̃.] 8 Nenn 1 aprikosenfarbenen mik Weiß und Braun zusammengestellt ꝛc. Man wird 8 17. 2 Geographisches Silbenproblem. Schach. Problem Nr. 509 von R. Schulder in Köln. berg V de a han po la quil gart del den gu pa to li po jew toul en lep va ni is Diese 1 enthält in Silbentrennung zehn Namen verschiedener Städte. Sind diese gefunden, so ergeben die Anfangsbuchstaben, richtig zusamme e von oben nach unten gelesen, den Namen eines be— rühmten Staatsmannes; die Endbuchstaben aber, von unten nach oben gelesen, ergeben den Namen eines berühmten Feldherrn. 2 e . ee 2 f Kapsel⸗ Alätt sel. Versuch's, das Ende von dem einen 3 Den Anfang von dem nächsten Wort Geschickt zu neuem Wort zu einen, 0 d 0 1 2 Und was du suchst, hast du sofort. a 3 Weiß. l 1. Einen Nebenfluß der Donau. 2. Einen Schweizer Kanton. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. In des Herzen 8 heilig stille Räume 47 0 1 5 zuerst in einer—5 eit Jahren einge ce nen Kölner Schachspalte 1 Seel 580 11 N 95* 1524 5 3 schr sfescrän gen Amnltt 9 ba nnn 6 Freiheit ist nur in dem Re er Träume,— Und das Schöne blüht nur im Gesang. Schiller.* Auflösungen. 8 Problem Nr. 501 von G. Heinrich in Radomitz. Räthsel. 1) Se4—95 S718 85 Kd eb: : 2) Tes dg Kd4- ds[co]: 2) Tes—e5 Ke5- dé[dt In deinem Kopf findst du mich nicht, 3) Te5-d5[Sed 3) 825-7 cf 5 An Hand und Fuß ich fehle, Auf 1) Sb7—g5, folgt 2) Jeg-es und 3) Tes—d5 Matt. Die Lösung wurde angegeben Ich bin in denen gabe nicht Wai& eh n in 28 0. Sed(N Und nicht in deiner Seele. 0 Dein Auge glänzet ohne mich, 5 i Der Mund 8 mich entbehren; 5 Problem Nr. 502 von G. Chocholous in Bodenbach. Die Nase auch— doch ohne mich, 1) Df8— ds Td2-dõ: Da kann das Ohr nicht hören. 2) base Ke5—di In deinem Herzen wirst du mich, 3) e2- eg sea]/ * Wie in der Brust, stets sehen; Zu reinen 1d Aeläuggen Matistellungen führen auch die peng Varianten; 1) Auch konnen, glaub' es, ohne mich 44 JJ Sab-caf Kdd—cb[es] 3/ agb[Def] Malt. 1.. Kö 2 ei Keb 3.80 1 Die Finger nicht bestehen. 055 00 Del Melt i den—— 22 120 4 2. 5 5 925 Bei allen aber dir Bekannten in G.; B. in Putbus, W. Kron in B.; Dr. Wehrmelser in„. Michael in Th Stell' ich zu keiner Zeit mich ein; G. Sütterlin in H. Doch, bei dir näher Anverwandten, Die Lösungen der rn 498500 wurden noch angegeben von G. Sütterlin in H. Da werd' ich stets zu finden sein. 3 8 Denn mich besitzen deine Brüder Die nachstehende Partie wurde Ende Februar dieses 9 in.— gespielt, wo Und deine Schwestern sicherlich; deutsche Alimeister, Herr von Heydebrand und der Lasa seine Rückreise die er na Du siehst i del ben 5 d längerem Aufenthalte im Kaplande auf dem Umwege über Amerika— 1 kurze Ze Und selbst dcn Schiugger fd ich wic 5 unterbrochen hat Wir entnehmen die Partie mit den Anmerkungen der„Br dere f 3 Vartie Nr. 287. 75 a Weiß: A. C. Vasquez.— Schwarz: von der Lasa. 3 Da egcer 1) e-e d7-d5 18) 11-13 . Spruch-Nätßhsel. 3 ea 888—16 19) T41—f1 25 88 folgende vierzehn Silben so, daß sie einen zweizeiligen 1 5 1 3 5 57 3 eim b 1 9 8 * des— Mund— zens auch 3 K- n lich— Grund— che— red— der 7 Lis eo 20 b. Her— lich— sei— spre— red 80 3 0 1 25 Eel—52 9) be—h3 Les 5 26) Le2—g4 10) Sb-e Das-e 27) Dba—ak 5 Auflösung des Rathsels in voriger Nummer: Schauspieler;— der 11) 22-230) a7 a5 28) 71—8 zweisilbigen Charade: Handschlag;— der Königspromenade: 5 7 IIS-es! 29) 828: 1 03 3—.— 9 O glücklich, wer ein Herz gefunden, 14 3 3 1— 8 ö Das nur in Liebe denkt und sinnt, 15) Sf3-d: Leö— da: 32) T. 392 Und, mit der Liebe treu verbunden, 169 Lel ess) Ldi a8 1 a a Sein schoͤn'res Leben erst beginnt! 17) fes: Dor 5 Weiß giebt die Partie auf. — 3 sse zwei Herzen einen, en e n h d 1 Weiß d zur eins zu sein in Freud und Leid, Beten dune un dein en enn Da muß des Himmels Sonne scheinen, 5 2 MTN Dr Und heiter lächeln jede Zeit. Auch 7 1.185 läßt dem Nachziebenden die bessere und feiere Stell. 2 In Betracht lam auch 11 Sbs, worauf 2 am desten De 1.* 0 U Die Liebe, nur die Lieb' ist Leben! e 1 7 Kannst du dein Herz der Liebe weih'n, bft! 111 Al. Fanmmmememmmem 0 1 So hat dir Gott genug gegeben, 9) Droht einen Bauer zu gewinnen durch Ide 21 DDI Te 22 Tü Tes u. a 1 Heil dir! die ganze Welt ist dein! E Ka tee Jug der d dt be de e 88 wählt das da Hoffmann v. Fallersleben.) Es giebt keine Rettung mehr; auf 30) Lg4 5 folgt Dft ꝛc. f 8. Druck und Bala det— Akt.-OGes. in Berlin, Lützowstr. 100. Baranbwotüider Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.