10 U 150 ug Beilage zu den Oberhessischen UMachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. IV. Göogleich der gute Doktor Wiese seit jenem verhängnißvollen Diner zu seinem großen Bedauern nicht mehr in das Haus der Stadträthin Sänger kam, so fehlte es ihm doch nicht an aller Gelegenheit, seine geliebte Sophie dann und wann zu sehen oder wenigstens mit ihr schriftlich zu verkehren, wozu ihm Freund Ludwig bereitwillig die Hand bot. Beide Liebenden gelobten sich von Neuem ewige Liebe und Treue, fest entschlossen, allen Hindernissen zu trotzen, alle Schwierigkeiten zu überwinden und unter keiner Bedingung von einander zu lassen, voll Hoffnung und Vertrauen auf eine glück⸗ liche Zukunft. „Ich habe schon wieder,“ berichtete der Doktor,„eine neue gute Hausarztstelle bei dem Fabrikbesitzer Meinhardt bekommen.“ „Eine sehr angesehene Familie,“ bemerkte Sophie,„welche große Bekanntschaften hat und Dir viel nützen kann. Mit der ältesten Tochter, die den Amtsrichter Lange geheirathet hat, bin ich in die Schule gegangen.“ „Auch habe ich die beste Aussicht, nächstens Genossenschafts⸗ arzt zu werden mit einem Gehalt von vierhundert Thalern.“ „Das wäre ein großes Glück für Dich.“ „Warum sagst Du nicht für uns: Wenn ich die Stelle erhalte, können wir heirathen.“ „Wenn die Mutter ihre Einwilligung giebt und die Tante nichts dagegen hat.“ „Das Weib,“ erwiderte er unmuthig,„ist unser Aller Unglück.“ „Leider muß ich Dir Recht geben,“ entgegnete sie sanft, „aber wir dürfen nicht vergessen, daß sie unsere Tante ist und wir ihr viele Rücksichten schuldig sind.“ „Ich sehe nur, daß sie Euer ganzes Haus ruinirt und demoralisirt. Seit sie bei Euch lebt, ist Deine Mutter wie umgewandelt, aus einer guten und bescheidenen Frau eine an— spruchsvolle, selbstsüchtige Modedame geworden, die dem elenden Mammon das Wohl ihrer Kinder opfert. Ludwig ist auf dem besten Wege, ganz zu verbummeln und wird, wenn er sich nicht zusammennimmt, ohne Widerrede im Staatsexamen durchfallen. Auch kann ich Dir nicht verschweigen, daß Deine Schwester Else durch ihren Leichtsinn und ihre Koketterie ihrem Rufe schadet und Gefahr läuft, sich zu kompromittiren. Kurz, ich fürchte, daß die Geschichte mit der Erbschaft noch einmal ein böses Ende nimmt. Glaube mir: es liegt wie ein Fluch auf dem Gelde, das nicht durch ehrliche Arbeit erworben wird.“ „Das ist wahr,“ versetzte sie traurig,„aber was können wir dagegen thun?“ „Wir müssen unbeirrt den rechten Weg gehen, der Versuchung b Gießen, den 22. Juli. 1888. Die Erbschaft der Tante. Novelle von Max Ring. (Fortsetzung.) widerstehen und uns nicht von dem Reiz des Goldes und der allgemeinen Genußsucht verführen lassen. Nicht auf dem un⸗ sicheren Grunde einer zweifelhaften Erbschaft und der Gnade Deiner Tante, sondern auf dem festen Fundament treuer Liebe und unermüdlicher Thätigkeit wollen wir das Gebäude eines bescheidenen Glückes errichten, im Vertrauen auf den Beistand und den Segen des Himmels.“ „Und was soll aus der Mutter und meinen Geschwistern werden?“ fragte sie bekümmert.. „Hoffen wir, daß auch sie, durch die Erfahrung belehrt, ihren Irrthum mit der Zeit einsehen und von dem Wahn geheilt werden, so bitter auch ihre Enttäuschung sein wird. Derartige Krisen sind nothwendig und heilsam, wenn der Mensch gesunden soll. Wir aber wollen die Deinigen nicht verlassen und ihnen beistehen, so weit dies in unserer Macht liegt.“ In so liebevoller Weise suchte Doktor Wiese die Besorgte zu trösten und sie wegen ihrer Angehörigen zu beruhigen, trotz⸗ dem sie ihn schwer beleidigt und gekränkt hatten. Doch nur zu schnell mußte Sophie den treuen Mann verlassen, da es unter⸗ dessen spät geworden war und sie im Falle einer Entdeckung ihrer heimlichen Zusammenkünfte neue Unannehmlichkeiten mit ihrer Mutter fürchtete. „Willst Du schon gehen?“ fragte er betrübt. sehen wir uns wieder?“ „Das kann ich nicht bestimmen. Du weißt, daß ich beobachtet werde und mich nur vom Hause wegstehle, wenn die Meinigen in's Theater oder in Gesellschaft gehen. Nur mit Mühe hab' ich mich heute losgemacht, indem ich heftige Kopfschmerzen vor⸗ schützte. Die Lüge ist mir schwer gefallen, und ich muß Dir gestehen, daß ich mich schäme, zu so später Stunde mit Dir auf der Straße zusammen zu kommen, so sehr ich mich auch danach sehne, Dich ungestört zu sehen und zu sprechen.“ „Daran hab' ich schon oft gedacht und auf einen Ausweg gesonnen, der, wie ich glaube, Dir gefallen wird.“ „Willst Du mir nicht sagen—“ „Die Sache ist ganz einfach die: Als ich neulich den Haupt⸗ mann von Hanstein besuchte und Fräulein Adele Deine Grüße überbrachte, sagte sie mir, wie sehr sie Dich noch immer liebt und wie sie nichts sehnlicher wünscht, als daß Du sie einmal besuchst, da sie selbst, so lange die Tante bei Euch wohnt, nicht zu Dir kommen kann. Natürlich versprach ich ihren Auftrag auszurichten und Dir zuzureden. Unter diesen Umständen kann es auch nicht auffallen, wenn Du Hanstein's besuchst und ich Dich bei ihnen dann und wann sehe. Es fragt sich nur, ob Du damit einverstanden bist und wann Du abkommen kannst?“ „Und wann . 0 7 3 83— 1 N * 2* cc 234.. U 1 ich sie im Theater mit dem Herrn von Schmielinski in einer Tag dürfte der nächste Sonnabend „Der einzige geeignete sein, wo die Meinigen zu dem Jour fixe des Bankdirektors Brausewetter eingeladen sind. Ich werde unter irgend einem passenden Vorwand zu Hause bleiben und Dich dort treffen.“ Mit noch größerer Ungeduld als Sophie und der Doktor erwartete die lebenslustige Else den Jour fixe, der ihr die Er— füllung ihrer sehnsüchtigen Wünsche und Hoffnungen, womöglich die Veröffentlichung ihrer Verlobung bringen sollte. Zwar hatte sie seit jener Begegnung auf der Eisbahn den Assessor weder gesehen noch gesprochen, auch sonst kein Lebens- zeichen von ihm empfangen, aber sie zweifelte nicht daran, daß er die Einwilligung seiner Eltern erhalten und sie damit, wie sie in ihrer Vertrauensseligkeit als gewiß annahm, an dem be— treffenden Abend überraschen würde. In der That hatte der stets korrekte junge Mann sein gegebenes Wort gehalten und die gewünschte Unterredung mit seinem würdigen Vater gehabt, der jedoch mit einem kalten Wasserstrahl die plötzlich entstandene Liebe des Sohnes bedeutend abkühlte. „Ich verdenke Dir nicht,“ sagte der lebenskluge Bankdirektor, „daß Du Dich in ein schönes Mädchen verliebst und ihr den Hof machst, aber ich kann nicht zugeben, daß Du Dich mit ihr verlobst und sie heirathen willst. Das wäre eine Thorheit, die ich Dir nicht zugetraut hätte.“ „Verzeih, lieber Papa, wenn ich Dich bitte, zu sagen, ob Du gegen sie oder ihre Familie ein denken hast?“ „Das wohl nicht; das Mädchen ist charmant und die Familie ganz respektabel. Der verstorbene Stadtrath war mein Freund, ein liebenswürdiger Gesellschafter, mit dem ich, als wir beide noch jünger waren, manchen vergnügten Abend verlebte. Schade nur, daß er ein schlechter Wirth war und den Seinigen so gut wie nichts hinterlassen hat.“ „Aber die Tante soll ein bedeutendes Vermögen besitzen, das, wie ich hörte, einmal die Stadträthin mit ihren Kindern erben wird.“ „Möglich oder ich nicht viel. Die fünfzig alt.“ „Sie kann doch nicht ewig leben.“ „Frauen haben eine zähe Natur und Wittwen lassen sich nicht berechnen. Die Amtsräthin sieht mir gar nicht darnach aus, als ob sie bald sterben, eher als ob sie noch einmal hei— rathen wollte. Sie läßt sich gerne den Hof machen und scheint mir nichts weniger als unempfindlich zu sein. Dieser Tage habe mir aufrichtig ernstes Be— auch nicht! Auf solche Zukunftsmusik gebe Amtsräthin ist in ihren besten Jahren, kaum mit einem gerissenen Burschen und Schuldenmacher ersten Ranges, der unsere Bank anpumpen will, aber natürlich von mir keinen Heller bekommen wird. Das scheint mir verdächtig.“ „Wahrscheinlich eine zufällige Bekanntschaft und ohne alle Gefahr.“ „Ich traue dem Frieden nicht, da ich diesen Herrn von Schmielinski kenne und ihn jeder Schandthat für fähig halte. Außerdem habe ich mich bei dem Justizrath Kugler erkundigt und von ihm erfahren, daß es mit dem Testament des ver— storbenen Amtsraths seinen Haken haben soll. Ein Hauptmann von Hanstein hat dasselbe angefochten; er ist zwar vorläufig mit seinen Ansprüchen abgewiesen worden, aber der Prozeß kann jeden Augenblick wieder aufgenommen werden, wenn es ihm gelingt, die noch fehlenden Beweise beizubringen.“ „Das hab' ich freilich nicht gewußt,“ erwiderte der Assessor nachdenklich. „Du siehst, mein lieber Junge,“ fuhr der Bankdirektor fort, „daß man nicht vorsichtig genug sein kann und sich niemals über⸗ eilen darf, damit man nicht gründlich reinfällt. Jedenfalls wirst Du gut thun, die Pfeifen einzuziehen und Dich nicht weiter mit der jungen Dame einzulassen, als es der Anstand und die Höf— lichkeit fordern.“ „Aber was soll ich ihr sagen, wenn sie zu unserem fixe kommt?“ „So wenig als möglich! Nur keine Erklärungen, keine Ge⸗ ständnisse; nichts, was Dich verpflichten oder gar kompromit⸗ Loge gesehen, Jour tiren kann.“ „Eine fatale Geschichte!“ murmelte der Assessor mit einer leichten Anwandlung von Gewissensbissen.„Ich gestehe Dir, daß mir das Mädchen gefällt; sie thut mir wirklich leid.“ 1 „Darum brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen. Sie wird sich trösten und einen anderen nehmen. Heutzutage stirbt man nicht mehr am gebrochenen Herzen und unsere jungen Damen sind viel zu vernünftig, um sich zu Tode zu grämen. Das ist nicht mehr Mode.“ f „Ich fürchte nur, daß sie mir eine unangenehme Szene mach und dadurch meinem Rufe schaden kann.“ „Um allen Erörterungen aus dem Wege zu gehen, würde ich an Deiner Stelle jede Annäherung vermeiden, mich so fern als möglich von ihr halten und eine andere Dame zu Tisch führen, vielleicht Fräulein Sanftleben.“ „Die langweilige häßliche Gans.“ „Eine so fette Gans,“ versetzte der Bankdirektor mit cynischem Lächeln,„ist auch nicht zu verachten, sie ist reich und höchst gutmüthig. Uebrigens will ich Dich zu nichts zwingen und Dir 1 die Freiheit lassen, mit jeder anderen Dame zu Tisch zu gehen, nur nicht mit Fräulein Sänger. Ich bin gewiß kein tyrannischer Vater, aber das sag' ich Dir, wenn Du das Mädchen heirathest, bekommst Du von mir keinen Groschen.“ 5 Da der Assessor nicht nur ein guter Sohn, sondern auch ein sehr vernünftiger junger Mann war, so wagte er nicht langer seinem würdigen Vater zu widersprechen, um so weniger, da er wußte, daß bei dem Bankdirektor in Geldsachen die Gemüthlich⸗ keit aufhörte. 5 „Gut!“ sagte er nach kurzem Ueberlegen. lein Sauftleben engagiren.“ 9 Unbekannt mit diesen Verhältnissen und geheimen Verhand⸗ lungen fuhr die schöne Else mit ihren Angehörigen zu dem so sehnlich erwarteten Jour fixe, strahlend von Lust und Seligkeit, entzückt von ihrer eleganten Toilette, einem neuen Ballkleide, das ihr die Tante geschenkt hatte, und auf das sie nicht wenig stolz war. 8 Ihr leichtes Herz klopfte vor süßer Aufregung und angenehmer Unruhe, als sie die breite, mit Palmen und blühenden Gewächsen geschmückte Marmortreppe hinaufschwebte. Zwei reich galonirte Diener empfingen die Gäste und nahmen ihnen die Garderobe ab. Das Alles athmete hier einen Reichthum, eine Vornehmheit und einen Luxus, der besonders Else gewaltig imponirte. 0 14 Im Geiste sah sie sich bereits als Tochter des reichen Hauses, als Gattin des liebenswürdigen Assessors in diesen prächtigen Räumen schalten, im Genuß all dieser Herrlichkeiten, im Besiß aller Vortheile, die ein so großes Vermögen zu gewähren vermag, umgeben von jedem möglichen Komfort des Lebens, frei von. allen Sorgen um ihre Zukunft. f 0 Von solchen Gedanken und Empfindungen erfüllt, trat, Else in den glänzend erleuchteten, stilvoll dekorirten Saal, geblendet von der Pracht der echt orientalischen Teppiche, der mit Gold gestickten Sammtportieren, der kostbaren Möbel, der großen venetianischen Spiegel, der werthvollen Bilder und Statuen, der ganzen luxuriösen Einrichtung, die nur allzu überladen war und den feinen Geschmack vermissen ließ. In den eleganten Räumen bewegte sich eine bunte Gesell⸗ schaft, verschiedene Börsengrößen, angesehene Industrielle, einige Abgeordnete, höhere Beamte, Offiziere, Gelehrte und Künstler, Maler, Musiker, Sänger und bekannte Schauspieler mit ihren Frauen und Töchtern, welche den Jour fixe des reichen Bank⸗ direktors besuchten, und die ausgezeichnete Verpflegung, die trefflichen Weine des gastfreien Wirthes zu würdigen wußten oder auch mit ihm in geschäftlicher Verbindung standen. Für jeden seiner Gäste hatte Herr Brausewetter ein freund⸗ liches Wort, ein verbindliches Lächeln; hier drückte er einem Deputirten die Hand, dort sagte er einer älteren Dame eine Artigkeit oder scherzte mit den jungen Mädchen, während die Frau Bankdirektor mit der ihr eigenen steifen Grandezza die Gaͤste empfing. a „Wie mich das freut,“ sagte der Bankdirektor, die Amts⸗ räthin und Stadträthin begrüßend,„Sie bei mir zu sehen, um 1 so mehr, da ich gehört habe, daß die Fran Amtsräthin einige Tage unwohl waren.“ 2 0 1 5 „Ich werde Fräu⸗ 1 enn 7 n 28898 r ̃ ͤͤ¼ ²˙ẽůmu5, ̃⅛Ä—0d 15 235 „Es geht schon wieder besser!“ versetzte diese.„Der Herr Medizinalrath Süßmilch hat ein Wunder an mir gethan!“ „Und wie geht es dem schönen Fräulein Else? Doch da darf man nicht fragen, blüht wie eine Rose, hoffentlich ohne Dornen für die Herzen der jungen Herren. Um des Himmels willen richten Sie mir mit Ihren schönen Augen kein Unheil an und seien Sie nicht zu grausam!“ Natürlich deutete Else die zweideutigen Worte zu ihren Gunsten und fand in dem liebenswürdigen Empfang nur eine Bestätigung ihrer Hoffnungen, die Erfüllung ihrer Wünsche. Unmöglich konnte der Bankdirektor so mit ihr sprechen, so heiter mit ihr scherzen, wenn er nicht die Neigung seines Sohnes billigte. Um so mehr wunderte sie sich, daß der Assessor sich nicht sehen ließ; endlich entdeckte sie ihn in einer entfernten Ecke des großen Saales, wie ihr schien, in eifriger Unterhaltung mit einer bekannten Sängerin. Er hatte sie gewiß noch nicht er— blickt oder wurde von der Künstlerin festgehalten, so daß er nicht sogleich zu ihr kommen konnte. Jetzt erhob er sich, aber er eilte nicht zu ihr, sondern reichte der Sängerin seinen Arm, um sie zu dem in der Mitte des Saales stehenden Bechstein'schen Flügel zu führen. Bald ließ sie ein Lied von Schubert ertönen, wozu er sie auf dem Klavier begleitete. So schön auch die berühmte Primadonna sang, so lebhaft auch die Zuhörer applaudirten, so sehr langweilte sich Else, weil sie während des Gesanges den Assessor nicht sprechen konnte. Nur um sie zu ärgern, um ihre Ungeduld auf die härteste Probe zu stellen, wollte die verwünschte Singerei nicht aufhören. „Herrlich! Da capo!“ tönte es von allen Seiten. „Nur noch den Erlkönig!“ bat der galante Bankdirektor. „Mit Vergnügen!“ versetzte die unermüdliche Künstlerin. Endlich verstummte der Gesang unter einem wahren Beifalls— sturm und zu Else's Freude war das Kind in den Armen seines Vaters todt. Sie athmete auf, aber im nächsten Augen— blicke setzte sich ein gefeierter Klaviervirtuose an den Flügel, schüttelte die langen Mähnen seines Hauptes und fuhr mit seinen Spinnenfingern über die Tasten des Klaviers, als ob er von der Tarantel gestochen worden wäre. Länger als eine halbe Stunde paukte der Schüler von Liszt darauf los, daß der Saal dröhnte und ihm der Schweiß nur so von der Stirne floß. Je ärger er es trieb, desto entzückter war die Gesellschaft mit Ausnahme von Else, welche den armen Virtuosen dahin wünschte, wo der Pfeffer wächst. Es war wirk— lich nicht mehr zum Aushalten, die Qual nicht zu ertragen. Erst nachdem der große Virtuose wie erschöpft von epilep— tischen Krämpfen in seinen Stuhl zurückgesunken war und die Zuhörer sich die Hände wund geklatscht hatten, durfte Else hoffen, den Assessor zu sehen und zu sprechen. Ohne unhöflich zu sein, konnte er sie nicht länger vermeiden und ihr ausweichen, was er am liebsten gethan hätte. Mit zögernden Schritten und niedergeschlagenen Blicken kam er näher wie ein armer Sünder, von dem Gefühl seiner Schuld bedrückt und um eine schickliche Ausrede verlegen. „Verzeihen Sie,“ stotterte er, sich vor ihr verneigend,„daß ich Sie nicht früher begrüßt habe, aber ich war verhindert; meine Pflicht als Sohn des Hauses, Fräulein Zenetti, die ich begleiten mußte, der berühmte Professor Hammer, die Gesellschaft—“ „Sie sind hinlänglich entschuldigt,“ versetzte Else freundlich, „aber wollen Sie mir nicht sagen—“ Statt aber ihr den gewünschten Bescheid seiner Eltern mit— zutheilen, sprach der Assessor mit fieberhaftem Eifer und großer Bewunderung von den musikalischen Leistungen der beiden Künstler, von der letzten Aufführung der Walküre, von Siegfried und Siegelinde, von seiner Begeisterung für Wagner, kurz von allem Möglichen, nur nicht von seiner Liebe und von der Angelegen— heit, die sie am meisten interessirte und ihr besonders am Herzen lag. Obgleich Else vor Ungeduld fast verging, wagte sie nicht, seine ästhetischen Reden zu unterbrechen und eine direkte Frage an ihn zu richten, weil sie sich dadurch etwas zu vergeben fürchtete und noch immer hoffte, daß er von selbst anfangen und die er⸗ wartete Erklärung machen würde, welche er dagegen um jeden Preis absichtlich zu vermeiden suchte. Noch konnte und wollte sie nicht glauben, daß er sie täuschte, daß er die Begegnung auf der Eisbahn, seine Geständnisse, seine Schwüre, sein Versprechen, mit den Eltern zu reden, vergessen habe, so unbegreiflich ihr auch sein sonderbares Benehmen, so räthselhaft ihr auch sein unerklärliches Schweigen erscheinen mußte. Auch der Assessor befand sich in der peinlichsten Verlegenheit, welche noch durch das unbehagliche Gefühl einer unwürdigen Handlung erhöht wurde, da er keineswegs ganz unempfindlich für Ehre und ebenso wenig gleichgiltig gegen die Reize der schönen Else war, die er unbedingt allen anderen Damen vorgezogen haben würde, wenn es die Verhältnisse gestattet hätten. Während er noch so unschlüssig schwankte und in Gefahr schwebte, der holden Versucherin zu erliegen und der Stimme seines Herzens, trotz der Drohungen seines Vaters, zu folgen, beobachtete dieser aus der Entfernung seinen Sohn mit scharfen Augen, beunruhigt durch die lange Unterredung des Assessors mit Else und entschlossen, durch seine Intervention der gefürch— teten Erklärung zuvorzukommen. f „Es thut mir leid,“ sagte er, näher tretend, mit seinem stereotyp süßlichen Lächeln,„Sie zu stören und meinen Sohn einer so angenehmen Gesellschaft zu berauben; aber Mama wünscht Dich wegen der Tischordnung zu sprechen und einige nothwendige Arrangements mit Dir zu treffen. Sie müssen daher, mein liebes Fräulein, schon verzeihen, wenn ich Ihnen Alfred entführe.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, ergriff der würdige Bank— direktor den Arm des Assessors und zog ihn mit sich fort, un— bekümmert um die Gefühle seines Sohnes, der nur mit Wider- streben ihm folgte, aber nicht den Muth hatte, sich gegen die väterliche Autorität aufzulehnen. „Du hast doch,“ fragte Herr Brausewetter leise,„keine Dumm— heiten gemacht und mit dem Mädchen wieder angebunden?“ „Ich habe nur von ganz gleichgiltigen Dingen mit ihr ge— sprochen,“ versetzte der Assessor unmuthig,„obgleich ich Dir ge— stehen muß, daß ich—“ „Die Geständnisse kannst Du Dir ersparen. Ich betrachte die Geschichte als abgemacht und will nichts mehr davon hören. Du wirst Fräulein Sanftleben zu Tisch führen und Dich um das Mädchen nicht weiter kümmern. Hast Du mich verstanden?“ Obgleich Else durch alle diese Vorgänge verstimmt war und trotz ihrer optimistischen Leichtherzigkeit nicht mehr die Veröffent⸗ lichung ihrer Verlobung an dem heutigen Abend erwartete, gab sie doch nicht so leicht ihren Glauben an die Liebe und Treue des Assessors auf. Nicht ihn, sondern seine hartherzigen Eltern klagte sie an und gab ihnen die Schuld, daß sie dem guten Sohn die Ein— willigung versagten, was ihr zwar sehr unangenehm war, aber keineswegs ihr Zutrauen erschütterte, da sie fest überzeugt war, daß es seiner Beharrlichkeit gelingen werde, alle diese Hinder— nisse zu überwinden. Ebenso wenig zweifelte sie daran, daß er sobald als möglich zurückkehren, sie engagiren und mit ihr zu Tisch gehen werde, wo sie dann ungestört miteinander sprechen und die nöthigen Verabredungen wegen der Zukunft treffen konnten. Voll Zuversicht saß sie ruhig da und harrte auf den ersehnten Augenblick, auf das Zeichen zum Souper, die Sekunden und Minuten zählend. Als aber die Zeit verging, die Gesellschaft mit vergnügtem Gesicht sich geräuschvoll erhob, die Flügelthüren zum Speisesaal sich weit aufthaten, die Frau Bankdirektor am Arm eines angesehenen Deputirten wie eine Truthenne stolz voranschritt, der Bankdirektor seine Hand einer langen, mageren Geheimen Finanzräthin reichte und der Assessor noch immer nicht sichtbar war, konnte sich Else einer bangen Ahnung nicht erwehren. „Was hat das zu bedeuten?“ fragte sie sich bestürzt.„Warum kommt er nicht, weshalb läßt er mich so lange warten? Sollte es möglich sein, daß er mich täuscht, mich betrügt? Das wäre schändlich, erbärmlich.“ Ihre Aufregung stieg immer höher, je länger er zögerte, und ihre Ungeduld wuchs in demselben Maße, wie eine Dame nach der andern engagirt wurde und der Kreis um sie immer kleiner wurde. Nicht weit von ihr entfernt saß ein junges Mädchen, dessen plumpe Figur, dicke Arme und Finger wie kleine Würste, indolente Mienen und phlegmatisches Wesen ihr auffielen und ihre Spott— lust herausforderten. i e 2 ä8— ——— Es war dies, wie sie wußte, das Fräulein Sanftleben, die Tochter des reichen Konsuls und überseeischen Exporteurs, der mit dem Bankdirektor in langjähriger Geschäftsverbindung stand. Unbeschreiblich war daher die schmerzliche Ueberraschung Else's, als der Assessor, ohne sie nur anzusehen, an ihr vorüberging und der reichen Gans, wie Fräulein Sanftleben allgemein hieß, seinen Arm reichte, um sie zu Tische zu führen, wie es sein Vater befohlen. Länger konnte sie nicht an seiner Untreue zweifeln, daß er sie hintergangen und nur ein Spiel mit ihr getrieben. Bei diesem Anblick zog sich ihr Herz krampfhaft zusammen, nur mit Mühe vermochte ste sich aufrecht zu halten und ihre gerechte Em pörung zu beherrschen. Am liebsten hätte sie sogleich die Gesell— schaft verlassen, aber sie konnte nicht fort— gehen, ohne Aufsehen zu erregen. Sie mußte sich zusammennehmen, ihren Schmerz bezwin gen, ein heiteres Ge sicht machen und sogar lächeln, da jetzt der Fa— brikbesitzer Holzstamm auf sie zukam, um sie zu engagiren. „Darf ich bitten, mein gnädiges Fräu— lein!“ „Mit vielem Ver— gnügen.“ „Schätze mich glück— lich, daß ich einmal wieder die Ehre habe.“ „Sie sind zu gütig.“ Nach und nach be— ruhigte sich auch Else und unterhielt sich so gut mit ihrem Tisch nachbar, als es unter solchen Verhältnissen möglich war. Nur um dem ihr gegenüber sitzenden Assessor ihre Gleichgiltigkeit zu zei gen, heuchelte sie eine hinreißende Heiterkeit, die anfänglich erkün— stelt, bald aber natür— lich erschien. Mit wirklicher, kei— neswegs gemachter Fröhlichkeit scherzte und lachte sie mit Herrn Holzstamm, den sie durch ihre Liebens— würdigkeit entzückte, während der Assessor sich bei seiner beschränkten Nachbarin zu Tode langweilte und Else, wie diese mit Vergnügen bemerkte, mit seinen halb verlangenden, halb vorwurfsvollen Blicken unablässig verfolgte. „Darf ich Sie bitten,“ sagte der Fabrikant, indem er sein Glas erhob,„mit mir anzustoßen. Auf Ihr Wohl, mein Fräulein!“ „Auf das Ihrige, Herr Holzstamm!“ „Was wir lieben! Der General Knusemin soll leben!“ „Den kenn' ich nicht und ich will auch von ihm nichts wissen.“ „Aber weshalb nicht, mein Fräulein? „Weil er,“ versetzte sie so laut über den Tisch, daß der Assessor jedes Wort hören mußte,„ein wortbrüchiger Schuft, ein mein— eidiger Verraͤther sein soll, der, wie man sagt, die armen Madchen betrügt und nur dem Geld nachläuft.“ ie 3 3 236 Vormund und Mündel. Nach dem Bilde von Al. Markelbach. „So schlimm ist er wohl nicht. Es giebt noch wahre, treue und uneigennützige Liebe in der Welt; das können Sie mir auf Ehre glauben.“ „Ihnen glaube ich auch gern,“ erwiderte sie, ihn mit ihren glänzenden Augen freundlich ansehend.„Sie sind ein ehrlicher Mann.“ „Das freut mich. Also stoßen wir an: die treue, wahre, uneigennützige Liebe soll leben!“ „Sie lebe hoch!“ Während dieser Unterhaltung saß der Assessor wie auf Nadeln, roth vor Aerger und Scham, wüthend auf sich, auf seinen Vater und auf seine unschul⸗ dige Nachbarin, neidisch auf den augenscheinlich begünstigten Fabri— kanten, verliebter als je in die schöne Else, welche ihm noch nie so reizend und ver— lockend erschienen war als in diesem Augen— blick. Seine sichtliche Ver— stimmung und Ver⸗ legenheit steigerte nur noch ihre gute Laune und verscheuchte die letzten trüben Gedan— ken. Je heiterer sie eben war, desto trau— riger wurde er, desto mehr bedauerte er seine unmännliche Schwäche und sein unverzeih— liches Benehmen. Leichtherzig und gut— müthig, war Else doch auch verständig und klug genug, um nach solchen Erfahrungen ihre Täuschung ein⸗ zusehen und die Wahr— heitzu erkennen. Wenn auch Herr Holzstamm ihrem Ideale nicht ganz entsprach und an ele- gautem Aeußern und Reichthum dem Assessor nachstehen mußte, so erschien er ihr unter solchen Verhältnissen weit achtungswerther, zuverlässiger und in jeder Beziehung männ— licher als jener. Wie sie wußte, galt er zwar für keine glaͤn⸗ zende, aber für eine gute Partie und genoß in den besseren Kreisen einen ausgezeichneten Ruf wegen seiner allgemein bekannten Tüchtigkeit und ehrenwerthen Gesinnung. Gerade in diesem Augenblick war auch sie geneigter, seine guten Eigenschaften anzuerkennen und seinen Bewerbungen Gehör zu schenken, da die Erfahrung ihr die Augen geöffnet und sie jetzt besser den Werth eines ehrlichen Mannes schätzen gelernt hatte. Zwar dachte sie vorläufig nicht an ein ernstes Verhältniß mit dem Fabrikanten, aber seine Huldigungen in Gegenwart des Assessors schmeichelten ihrer Eitelkeit, erhöhten ihren Triumph und boten ihr einen gewünschten Ersatz für die Zukunft, weshalb sie sich dieselben gern gefallen ließ. Als Else vom Souper sich erhob, war sie bereits so sehr getröstet, daß sie mit Herrn Holzstamm den ersten Walzer tanzte, sich mit ihm vorzüglich amüsirte, vollends sein Herz eroberte 237.. 5 den zeitig gewarnt zu werden. Oder habe ich Unrecht, Wolf?“ und erst spät nach Mitternacht mit ihren Angehörigen höchst ver— gnügt die Gesellschaft verließ, ohne den ungetreuen Assessor eines Wortes oder eines Blickes zu würdigen. FFortsetzung folgt.) In der Heimath. Novelle von Hermann Birkenfeld. (Fortsetzung.) Fräulein Graf sandte wiederum einen ihrer langsamen, halb— müden Blicke nach Wolf hin, und da diesmal auch er das Auge hob, wurde ihm etwas beklommen. Ganz erwünscht kam ihm deshalb eine Unterbrechung des Gesprächs durch Töne, der fragte, ob er wieder mit dem Wagen nach der Bahn müßte. 0 0 0 SS 0 8 1 8 e eee Eine Novität. „Unser altes Faktotum, der Friedrich Greifhaus— Sie er— innern sich seiner gewiß noch, Herr Direktor— ist nämlich auf vierzehn Tage zu seiner kranken Schwester gefahren, und wir be— helfen uns einstweilen mit dem jungen Burschen. Na, mit den Pferden wird er ganz gut fertig,“ erklärte der Wirth und brachte damit seinen Besucher endlich auf den eigentlichen Zweck seines Kommens. 8 „Also nach Südhorn zu Steinwalds, Herr? Feine Herrschaft das, feine Herrschaft, wenn sie auch selten genug im Stadtwappen ausspannen. Kommen ja aber kaum nach Kirchberg.“ 5 „Was mir auch schon ganz recht ist; denn ich gestehe offen, große Vorliebe hatte ich für die Familie nie,“ warf Frau Graf spitzig ein.„Den Mann lasse ich allenfalls noch gelten, aber die Damen von draußen—“ 8 ö N „Mama! Du kannst ja gar nicht wissen, in welchen Be⸗ ziehungen Herr Wolf zu Steinwalds steht!“ 5 5 „Nein, Kind, wissen kann ich das freilich nicht, aber Auf⸗ richtigkeit hat mir noch Keiner absprechen können, und unserem Wolf kann es nur willkommen sein, von wohlmeinenden Freun⸗ Dieser mußte verneinen, obschon er die gesprächige Wirthin nicht ganz verstand. Doch hier fand er vielleicht den Schlüssel auch zu Pförtner's Abneigung gegen Steinwalds. Frau Erika warf einen Siegesblick in der kleinen Runde umher. „Ich wußte, daß wir uns verstehen würden, Wolf—“ „Aber Mama!“ „Du hast natürlich noch allerhand Bedenken,“ versetzte Frau Graf pikirt.„Sie hat ein so gutes Herz, Wolf; sie kann es nicht über sich gewinnen, ihre Mitmenschen getadelt zu hören,“ erklärte sie dann recht mütterlich liebevoll.„Aber was einmal wahr ist.—— Und weshalb sollte ich auch schweigen? Frau Steinwald ist eine verheirathete Frau, und Marie Lauscher ist Ihnen wohl noch ganz unbekannt? Also ist auch von einem Voreingenommensein für die zwei bei Ihnen gar nicht die Rede. Und dafür kenne ich Sie doch auch schon etwas zu lange, um 0 N. Ein Prieschen. Ihnen zuzutrauen, Sie könnten sich in so'n unbedeutendes Mäd—⸗ chen wie Fräulein Lauscher einmal verlieben. Nein, Wolf, da gäb's doch in Kirchberg noch junge Mädchen genug, nicht so halb— flügge Dinger wie die und von anständigerer Herkunft. Genug, unter denen Sie nur zu wählen brauchten: Die oder Keine.“ Frau Erika bohrte dabei eine Stricknadel, welche sie aus ihrem Knäuel gezogen hatte, so heftig in ein imaginäres Etwas genau zwischen ihrer Tochter und Wolf hinein, daß diese Beiden unwillkürlich ein wenig voneinander rückten, wobei Erika er⸗ götzt lachte. „Mama geräth ordentlich in's Feuer. essant ist Fräulein Lauscher gerade nicht.“ „Interessant! Stupide nenne ich das, Wolf, einfach stupide. Und dabei trotz ihrer zwanzig Jahre—“ „Zweiundzwanzig, Mama. Sie wird im Dezember zwei⸗ undzwanzig, ich weiß es ganz bestimmt.“ „Trotz ihrer— meinethalben auch zweiundzwanzig Jahre — und trotz ihrer Herkunft, mit der sie wahrlich keinen Staat machen kann— so hochnasig, so aufgeblasen. Nun, Sie werden ja selbst sehen, wenn Sie morgen hinausfahren.“ Allerdings— inter⸗ ä A r eee r* 2. 1 a* 6 238? „Zur Zeit höre ich freilich ihren Namen zum ersten Mal,“ bemerkte Lützel. „Kousine der Frau Steinwald,“ brummte der Wirth zum Stadtwappen, während er gleichgültig einen seiner fetten Dau— men um den andern drehte. „Kousine, und was für eine! Ja, Sie können das aller— dings nicht wissen, Wolf, es ist die Tochter von einem jüngeren Bruder des alten Lauscher und von diesem bei Lebzeiten, nach— dem sie elternlos geworden war, aus Gnade und Barmherzig— keit in Südhorn aufgenommen.“ „Na, na! Neben der Barmherzigkeit soll das Geld der Marie ja auch das Seine gethan haben.“ „Als ob's dem alten Lauscher Jemand hätte verdenken können, wenn er sich ein bischen dafür bezahlt machte, daß er sich so wenig an die Herkunft der Bruderstochter gescheert hat und sie nun gehalten wird wie ein Kind im Hause. So etwas nenne ich einen Akt der Barmherzigkeit. Du lieber Gott, am Ende kann das arme Wurm ja auch nicht dafür, daß seine Mutter von Haus aus eine Wäscherin war—“ „Die ihr Mann aber nach und nach zur reichen Frau machte,“ replizirte Graf wieder brummend. „Eine ganz gewöhnliche Wäscherin, das läßt sich durch kein Geld noch Gut einfach aus der Welt schaffen, und so'n Ding von einem Mädchen hat ganz gewiß kein Recht, die Patzige herauszubeißen. Freilich, an ihrer Frau Kousine hat sie ja das beste Beispiel.“ „An Hedwig Steinwald? Wie meinen Sie das?“ rief Wolf. Aehnlich wie er heute Morgen den Freund gefragt hatte. Frau Erika tupfte mit dem Zeigefinger der Rechten auf den Tisch. „Richtig, die kennen Sie am Ende selbst; der Alte bezog ja wohl öfter Holz aus den fürstlichen Waldungeu, damals, als Sie hier bei Ihrem seligen Vater beschäftigt waren.“ Wolf nickte. Das Gespräch schien ihn zu interesstren. „Ich glaube, Du zeichnest ein wenig hart, Mama,“ warf Erika wieder ein;„mich hat Frau Steinwald eigentlich immer mehr gedauert.“ „Mädchenideen! Mag sein, daß ihr Mann ihr zuweilen den Kopf zurechtsetzt, wenn es noth thut.“ Wolf rückte unbehaglich auf seinem Stuhle hin und her. „Hedwig Lauscher— Hedwig Steinwald, sagen Sie, sollte—“ Frau Grafs Mund verzog sich zu einem schmerzlichen Bedauern. „Wissen Sie, Herr Wolf, man redet so Allerlei, und wenn man auch nicht Alles für bare Münze nimmt— etwas Wahres bleibt immer daran, darauf können Sie sich verlassen; denn wenn ihr eigener Mann Andeutungen macht—— Mir thut der Mann leid.“ „Mir die Frau,“ sagte Erika obstinat.„Doch was ist Ihnen, Herr Wolf? Sie wollen doch noch nicht fort?“ Lützel war allerdings aufgestanden und suchte nach seinem Hute. „Ich fürchte schon zu lange geblieben zu sein—“ „Nein, nein, Herr Wolf, Sie dürfen noch nicht—— Ein so lieber Gast, und die paar Minuten zum Plaudern, das reimt sich nun einmal nicht. Erst trinken Sie ein Gläschen Wein mit uns. Graf, Du kümmerst Dich auch um nichts! Ich will nur lieber selbst gehen——“ Mann und Frau verschwanden beinahe gleichzeitig, die beiden jungen Leute in peinlichem Schweigen zurücklassend: Wolf, welchem das eben Gehörte noch in den Ohren klang und der nicht recht wußte, sollte er bleiben oder gehen— Erika, weil sie als junges Mädchen im Allgemeinen und als zartbesaitete Frauenseele im Speziellen die Verpflichtung hatte, mit ihren Gefühlsäußerungen stark zurückzuhalten. Die Bezeichnung„junges Madchen“ paßte zwar nicht mehr vollkommen für sie; denn sie zählte genau einen erlebten Lenz weniger als Wolf, aber das machte ganz und gar nichts, einmal hatte sie sich in der That ausgezeichnet konservirt und verstanden, durch den guten Ge— schmack ihrer immer etwas aparten Toilette, welche ihren tadel— losen Wuchs allemal zur gebührenden Geltung brachte, den Reiz der Jugend frisch zu erhalten, und dann fühlte sie ihr Herz noch reichlich jung. Ach, so jung! Wenigstens in diesem Augenblicke, als sie die langbewimperten Augen wieder einmal lässig auf⸗ findet. schlug und träumerisch durch die Fensterscheiben wie in eine vi⸗ sionäre Herrlichkeit hinaussah.* Auch Wolf sah hinaus. Er hatte ja beim besten Willen nichts Anderes zu thun. So kam es, daß er sich gleichfalls dem Fenster näherte, an welchem Erika stand. Schließlich brach er aber doch das Schweigen. „Wissen Sie, ob das Gerede der Leute einen greifbaren Hinter— grund hat? fragte er. Seine Stimme klang dabei ein wenig rauh, als kämen die Worte nur unwillig über seine Lippen. „Welches Gerede?“ „Das— über Steinwalds.“ Sie schwieg— 1 „Ich meine—— Sie schienen Hedwig— Frau Steinwald. — weniger hart zu beurtheilen, und ich war Ihnen eigentlich 1 dankbar dafür.“ 0 5 „Es giebt Dinge, über welche ein junges Mädchen kein Urtheil ziemt,“ entgegnete sie mit verständigem Niederschlag der. schönen Augen,„aber ich habe Frau Steinwald immer nur bemit⸗ leidet. Ihr Blick hatte, wenn ich sie sah, stets etwas Trau⸗ riges, so—“ „Sie haben ein gutes Herz, Fräulein Erika.“ „Haben Sie bisher daran gezweifelt,“ lächelte sie und stieß dabei einen leichten Seufzer aus. „Nein,“ antwortete er mit Wärme.„Aber weiter, bitte!“ „Ich weiß wirklich gar nichts weiter zu berichten, Herr Wolf. Ich äußere ja auch nur so meine Gedanten; bei Frau Stein⸗ walds Anblick habe ich eben immer nur die Empfindung, sie sei so recht unglücklich, sie werde nicht nach Gebühr gewürdigt— geliebt— und——“ ein langer tiefer Ahtemzug schwellte ihre Brust, so tief, daß Wolf Lützel ihn deutlich vernahm—„es muß etwas Gräßliches sein um das Bewußtsein, ungeliebt neben einem Manne einherzugehen.“ Ein flüchtiger, aber voller Blick traf Wolf.„Ich weiß nicht, was mich dahin bringt, Ihnen solche Herzensregungen— denn es sind doch gewissermaßen Herzensregungen— zu offenbaren. Aber nicht wahr, Herr Wolf, Sie denken darum nicht schlechter von mir? Sie verzeihen einer alten Freundin schon ein freies Wort!“ 1 Als er jetzt in ihre Augen sah, standen sie wahrhastig voll Thränen, verlegen wandte er die seinen ab. Doch legte er mechanisch die Rechte in ihre halbausgestreckte Hand und mußte dabei unwillkürlich einen kleinen Schritt näherrücken, so nahe, daß er fühlte, wie ihre Schulter leicht die seine berührte. „Ungeliebt! Unverstanden!“ Sie lispelte es mehr als sie es sprach und bedachte nicht, daß alles Denken des Mannes neben ihr sich um eine Andere drehte, deren Geschick ihm so nahe ging. Er schwieg. J „Ich könnte es dem armen Wesen nachfühlen, was es heißt— o Wolf, wir wenigstens verstehen— wir—“ Nein, es schien nicht. Wolf wenigstens hatte nicht verstanden, was sie da zuletzt sagte, wohl aber den losen Druck ihrer Hand, welche noch immer die seine umschlossen hielt, das zarte Beben in ihrer Stimme— „Es ist doch Zeit für mich,“ sagte er, verwirrt nach Worten suchend. Diesmal fand er wirklich seinen Hut.„Sie müssen mich bei Ihren Eltern entschuldigen, Fräulein Erika; ich wollte bis vier Uhr zurück sein, und nun ist es schon halb fünf.“ Noch ein kurzes„Adieu“, und er war in der That gegangen. „Fräulein Erika!“ 1 Das der Lohn für die ihm seit den Kinderjahren bewahrte Treue, die Vergeltung für ihre Offenheit, welche ihm die ge— heimsten Regungen ihres überströmenden Herzens aufgedeckt hatte! Zwar war ihr, seit man sie„Fräulein Exika“ titulirte, das heißt seit präter propter fünfzehn Jahren, kein heirathsfähiger Kirch⸗ berger mit der indiskreten Frage genaht:„Fräulein Erika, wollen Sie mich glücklich machen?“ Aber die Liebe zum Einen wird dadurch nicht geschwächt, daß sie keinen Anderen als Ziel Und nun war er da, am Horizonte des Städtchens auf⸗ gestiegen wie ein Komet, und der ganze Stammtisch im Stadt⸗ wappen sang sein Lob. Und nun:„Fräulein Erika!“ Und die unverstandene Seele stieg hinauf in ihr jungfräuliches Gemach, setzte sich dort in den heimlichsten Winkel und zerbiß ihr halbes Taschentuch. 5 CVVVCVVVVVVVVVVVVVVVVVVVyVcU!.! — rr r 239 Er aber, der Kalte, Herzlose, fuhr andern Tags in ihrem väterlichen Wagen richtig nach Südhorn. Allerdings in fragwürdiger Stimmung. Vergebens hatte er den Grund zu Pförtner's sarkastisch⸗herben Bemerkungen über Steinwalds aus des Freundes Aeußerungen herauszufühlen ver— sucht; einer direkten Frage war dieser ja mit einem mysteriösen Scherz ausgewichen:„Ich wüßte nicht, was Dich abhalten sollte, mal ein bischen zu riskiren, hast ja augenblicklich die allerbeste Zeit dazu.“ Wolf gedachte auch der Worte seiner Jugendgespielin Erika. Sollte Hedwig Steinwald in der That unglücklich sein, ihre Tage dahinleben ungeliebt, an der Seite eines ungeliebten Gatten? Hedwig! War sie's nicht eigentlich, die ihn nach Süd— horn hinzog mit wundersamer Gewalt, in welcher Neugier und warme Theilnahme vielleicht versetzt waren mit einem Rest— alter Liebe? Wie lange war's doch her? Zehn Jahre und dar— über. Sein Vater, der fürstliche Kammerrath, lebte noch, und der alte Lauscher vertrieb in seiner nicht unbedeutenden Handlung manches Quantum Nutzholz aus den fürstlichen Waldungen. Da war Wolf denn manchmal in väterlichem Auftrage nach Wald— beck gefahren, hatte dabei Hedwig kennen gelernt, war vertrauter mit ihr geworden, und zuletzt— wie unpraktisch, wie unsinnig doch mitunter ein paar junge Leute denken und handeln können! Zumal wenn sie verliebt sind! „Meine Tochter? Und meine Erlaubniß dazu? I, mit Ver⸗ gnügen, selbstverständlich! Da ich selbst Standesbeamter bin, kann ich mich ja gleich an's Kopuliren geben. Ausgezeichnete Idee, dagegen kann kein Mensch'was haben!“ Da war denn unserem Wolf zwar bewußt geworden, daß er allerdings nichts war als eine Art Adjunkt seines Vaters, in dessen Posten er allenfalls späterhin einmal aufrücken konnte, aber der scharfe Hohn schnitt doch wie ein Messer in sein zwanzig⸗ jähriges Herz. Er war nie wieder nach Waldbeck zurückgekehrt. Mit vieler Mühe überredete er seinen Vater, ihn seiner Neigung nach auf ein Polytechnikum zu schicken, von wo er nur einmal im Jahre heimkam, bis er eines Tages des Alten Augen zu— drücken mußte— vor acht Jahren, gerade wenige Wochen, nach— dem Hedwig dem vermögenden, glatten, kavaliermäßigen Fritz Steinwald angetraut worden war. Da. hielt ihn nichts mehr in der Gegend von Kirchberg, in der Welt draußen aber hatte er Erfolg gehabt. Jetzt eben wollte er eine zweimonatliche Muße bei seinem alten Freunde Pförtner verleben. Und nun war er auf dem Wege zu Steinwald und— dessen Gattin! Ihm ward doch warm im Gedenken vergangener Tage, er hätte dem flachshaarigen Töne Drunkemöller, der auf dem Bock des Einspänners sein Liedchen pfiff, kurzweg aufgeben mögen umzukehren. Aber er that es nicht. Unendlich willens⸗ träg, unklaren Denkens ließ er den Wagen weiterrollen. Vorbei an graustoppeligen Feldern, über welche der Wind hinstrich, am Rande eines Waldes, durch dessen lichte, braungoldene Herbstlich— keit seit lange schon beständig das leise Rascheln fallenden Blatt- werks lispelte. Dort drüben zur Linken lugte es heller zwischen Buchenstämmen und kahlerem Unterholz hervor, dort war eine Wiese, an deren Saum er einst mit Hedwig Lauscher zusammen gesessen und ihr gesagt hatte— nicht viel, aber genug, um zwei junge Herzen für eine kurze Spanne Zeit glücklich zu machen. Dann zur Rechten prallte die klare Oktobersonne am Fuße einer durch mächtige Kastanienkronen gesäumten Waldhöhe von des Schlosses weißflimmernden Mauern zurück und spiegelte sich im klaren Wasser des weiten Sees, den des jetzigen Fürsten noch landesherrlich regierender Ahn einst kunstvoll angelegt hatte zu einer Zeit, da noch Hörigkeit und Frohndienste solch Riesenwerk durch Herrenwort entstehen ließen. Von Weitem leuchteten ein paar helle Punkte über die stillblinkende, glatte Fläche herüber, das waren die Schwäne, die er als Knabe oft mit Erika Graf zusammen gefüttert hatte, dort von jener Kettenbrücke herab, die sich fern über eine Enge des Wassers spannte. Jenseits der Brücke bespülte eine schmale Bucht des Sees schon die Gemar— kung der Südhörner Gemeinde bis an Steinwalds Besitzthum. Wolf kannte das Terrain genau, Kindheits- und Jugenderinne— rungen traten immer faßbarer vor sein Auge. Da rasselte schon der Wagen an einer Kötterwohnung vorbei. „Fernand Bretters,“ erklärte Töne mit einer trägen Neigung seiner Peitsche auf das Häuschen zu. Wolf nickte. „Dem Alten geht's ja noch?“ Töne Drunkemöller schnalzte einmal mit der Zunge. „Hüh, Schimmel! Zäh wie Leder, Herr, trotz seiner lahmen Knochen. Hüh!'n Morgen, Vatter!“ rief der Bursche gleich darauf nach dem Anwesen hin. Drüben hatte ein kleiner hagerer Mann die Kappe von dem grauen Kopf gezogen und winkte herüber. Auch Wolf faßte grüßend an seinen Hut. „Wette, der hat Euch auch erkannt, Herr. So'n Lützelsches Gesicht vergißt sich nicht so bald, dafür haben wir doch den Kammerrath, Ihren Vater selig, hier in zu gutem Andenken; und Ihre Frau Mutter erst.— Bin selber wohl zu jung, daß ich sie noch gekannt hätte, aber meine Alte hat mir davon erzahlt.“ Der Bursche war offenbar redseliger als sonst die Leute hier zu Lande, nur als Wolf hartnäckig schwieg, hielt er wie ge— kränkt inne. 5(Fortsetzung folgt.) ae d läikker Schlefische Hochzeitsgebräuche zu Anfang des 17. Jahrhunderts. Im Jahre 1614 wurde— nach dem Berichte des Chronisten Matthäus Ruthard— die Hochzeit des Bürgermeistersohnes Ramsler zu Bunzlau gefeiert. Brautjungfer bei derselben war Fräulein Magdalena von Brau— chitsch. Sie trug in ihrem mit Kunst gelockten Haare einen wunderbar zusammengesetzten Blumengarten, in dem sich 252 ganz nach der Natur gefärbte Blumen befanden. In den Ohren hingen Kronenleuchter und um den Hals große goldene Ketten mit Schleifen, die mit Diamanten geziert waren. Der mit Goldflittern benähte und eine Elle hohe Spitzen— kragen war gestärkt und hüllte den Kopf fest ein. Der Brokatrock war rosa und befand sich über einem Reifrock, seine Schleppe, deren unterer Rand mit Spitzen besetzt war, mochte zehn Schuhe lang sein(Zwei Ge⸗ wänder), die Strümpfe waren von weißer Seide mit goldenen Zwickeln. Dazu kamen ausgeschnittene, rothseidene Schuhe, deren Schnäbel fast einen Fuß lang waren. Die spitzigen Absätze waren hoch und weiß.— Die Jungfer⸗Hochzeiterin hatte einen weniger großen Rosengarten mit blauen Mausöhrlein(Vergißmeinnicht) auf dem Kopfe, auf den der Pfarrer bei der Trauung den Brautkranz von grünem Rosmarin, der mit zwei goldenen Aehren durchwunden war, setzte. Ohrringe und Hals⸗ kette waren groß und lang, aus reinem Golde mit Diamanten und Perlen. Der hohe, steife Kragen bestand aus goldenen Spitzen, der rothe Brustlatz war mit goldenen Blumen gestickt. Das Kleid war von weißem Brokat, das Geschwänze(die Schleppe) ein und ein halb Gewänds lang. Strümpfe und Schuhe waren wie bei der Brautjungfer. Der Kopf des Bräutigams steckte in einer Knotenperrücke, um den Hals schlang sich ein weißes Spitzentuch, das unter dem Kinn von einem Brillantknopf zusammengehalten wurde, und dessen Zipfel bis auf den Magen fielen. Das fast offene Wams reichte bis auf die halben Schenkel und war von weißseidenem Brokat, mit Goldblumen gestickt. Die Bein⸗ kleider besaßen goldene Kniegürtel und Schnallen. Die Strümpfe waren weiß, die schwarzen Schnabelschuhe ohne Absätze. Die Schaube(vertrat unseren Rock) war von zwiebelfarbigem Brokat mit goldenen Knöpfen. Der runde Hut war hoch, spitzig und mit bunten Bändern verziert. Man ging zur Kirche. Beim Eintritt in dieselbe wurde das Braut⸗ paar von Trompetengeschmetter und Paukengetön empfangen. Es setzte sich auf Stühle vor dem Altar, das Hochzeitsgefolge um sie. Nach der Trauung kam der Hochzeitsschmaus, der aus fünfundzwanzig Schüsseln bestand, wozu hundertdreiundzwanzig Töpfe Wein(à 6 Quart) getrunken wurden. Bevor man sich zu Tische setzte, wurden die Hände gewaschen, wozu vier Trompeter aufspielten. Nach dem eigentlichen Schmause fand abermals Waschung statt, dann erschien auf den frisch gedeckten Tischen das Gebackene, Kuchen, Konfect und spanische Weine. Um acht Uhr ging es zum Rathhaussaale, zum Tanz, der mit Permission des Rathes bis Mitternacht dauerte. Voran tanzte der Vater der Jungfer Hochzeiterin, Jacob von Brauchitsch. Von Tänzen werden verzeichnet: Dreh-, Capriolen⸗, Tauben⸗, Schmoller- und Zwölfmonatstanz, wie die Menuet. Um zwölf Uhr wurde das Brautpaar zur Schlafkammer geführt, wo der Vater des Bräutigams der Braut die goldgestickten Strumpfbänder abnahm. Darauf setzte ihr die Frau Bürgermeisterin die Schlafhaube auf und löste ihr den Gürtel. Die Hochzeitsjungfer gab ihr dann den letzten Jungfrauen- und den ersten Frauenkuß. Währenddessen wurde in dem Speisesaale von den Hochzeits- gästen noch Jungfernwein gezecht. Am anderen Morgen um zehn Uhr machten die Hochzeitsgäste dem Ehepaar den Anstandsbesuch. Um zwölf Uhr ging es zur Tafel von zwölf Schusseln, dann wurde in das Freie spaziert und ländliche Spiele getrieben, wobei Essen und Trinken nicht vergessen wurden. Gegen Abend trennte sich die Gesellschaft heiter und in guter Laune. W Der Gastwirth Dick zum krummen Ellenbogen, dem seit kurzer Zeit viele silberne Löffel gestohlen waren, ließ, um künftighin sogleich dem Diebe auf die Spur kommen zu können, auf alle seine Löffel die Worte eingraben: „Gestohlen von dem Gastwirth Dick.“ M. — T 240 Fult⸗Rätbsel. A 1 a E f* ES b n . s Die freien Felder der vorstehenden Figur sind mit je einem Buch erste und letzte senkrechte Reihe bekannte Wörter ergeben. Diese acht Wörter jedoch in 1 Reihenfolge nennen: 1. Einen weiblichen Vornamen. Afrika. 3. Einen Schweizer Kanton. 4. und 5. Zwei Früchte. 6. Eine Stadt am Rhein. 7. Eine türkische Insel. 8. Einen Nebenfluß des Rhein. Eitaten-Näthsel. sechs erhaltenen Wörter ergeben einen Ausspruch Kaiser Friedrich's III. 1. Wer besitzt, der lerne verlieren, Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz. Ich weiß zu wohl, noch bleibt es unvollendet, Wenn es auch gleich geendigt scheinen möchte. Ihrer Dienste kann ich entrathen; doch beruhigt will ich sein, Daß die Getreu'n nicht leiden und entbehren, Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Was man nicht zu verlieren 97 Hat man zu besitzen nie gewünscht 2. * und lächeln kannst, während die Umherstehenden weinen und klagen. e Braucht ihr mich zu rechter Zeit, Bin ich meistens eine Qual. Bin ich eine Tugend. Streicht mein sechstes Zeichen aus, Selten ist dazu bereit Machet rasch ein el daraus, Auf der Welt die Jugend, Dann bin keine Tugend ich, Und der Weiber großer Zahl Nein! ein Laster nennt man mich. Zweisilbige Charade. Mein Erstes und Zweites sind ewig sich feind, Und können sich nimmer erreichen; Wenn langsamen Schrittes das Eine erscheint, Muß gleich auch das Andere weichen. Sie suchen und fliehen einander zugleich; Und herrschen doch wieder zusammen im Reich. Das Ganze. Wenn Schlummer den leidenden Kranken erquickt, Dann bleib' ich als Wache zur Stelle; Und ob man zum König, zum Bettler mich schickt, Ich bin nur ein stiller Geselle. Denn schlaf' ich erst ein, so bin ich auch todt; Doch sterb' ich alltäglich im Morgenroth. Aufloͤsung der dreisilbigen Charade in voriger Nummer: Bierbruder; — der zweisilbigen Charade: Anmuth;— des Rathsels: VLM;— des Logogriphs: Allegro— Orgel;— des Quadrat-Kreuzräthsels: ATLIEIXATNT DER A PPP[PEINIZ ELI L. S TIR AITT[FO RIU B AE RW A L 5 Nun r S E MTIIR[ATNTIIS B ON AIFT IAR T E B AR CIEIT LION A OFF EITNIBATCITR Aus jedem der folgenden sechs Citate ist ein Wort zu wählen. Die staben so auszufüllen, daß die sechs wagerechten Reihen, und ebenso die 2. Einen Volksstamm im westlichen Lebe so, daß wenn du stirbst, du selbst dich deines Lebens freuen Sonntagsblattes seit einer Reihe von Jahren durch manchen hübschen Beitrag bekannt. Problem Nr. 517 aus dem Turnier der„Venowine Newa“ Schwarz. N„ 21 1 25. 2 9 8 25 e. ,. 2., 15 e 225 , eg, 2 2 2* f 125 3. 1 0 N ,,, 7. 8 5 Weiß 8 8 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösungen. Problem Nr. 511 von G. Chocholous in Bodenbach. 1) JTdä-c: Ke5— dz: 35 Sbs- d7: 2) Dd7-fof e7— eb! 2) Sa- 15—14! 3) Dfo-h7i Kdö— ed. 2c. 9 Ke5—f5 4) Dds, ea, 7, g8 resp. Se7 f d- ef Die Lösung wurde an geben von Dr. 55 in G., W. Kron in B., Dr. Wehrmeister in M., Th. Kraus in B., Wüstnei in G. Problem Nr. 512 von F. Möller in Ahlten. 1) Del cd 6—g5: 2) Deß—e7 KfaA-es(Kf5ö ꝛc.) 3) Se5- ds(Df7 resp. g:, Varianten: 17 Kf5 2) Ddr Kess 3) Sda Matt. 1) 88-92 oder bellhig 5 2) Dad K 3(5) 3) Pha(84 Matt.— Die Lösung wurde angegeben von W. Kron in B., Th. Kraus in B., Dr. Knopf in G, Dr. eme in M. Die richtige Lösung zu Nr. 510 wurde noch angegeben von Dr. Wolff in B. Alis der Schachwelt. Die österreichische Lesehalle und die deutsche Schachzeitung haben leider wieder von dem Ableben einer größeren Anzahl bekannter Schachfreunde zu berichten. Unter ihnen finden wir A Mongredien, den alten Gegner Morphy's; Mr. Duffy, der mehrere Jahre hindurch die Westminster Papers und später die Schachspalse in der Illustrated London News leitete, Hermann Hirschbach in Leipzig. den Begründer der ersten deutschen Schachzeitung und Ver⸗ sasser eines Lehrbuchs des Schachtes und R. Blümel, Lehrer in Schlegel, den Lesern des Der diesjährige Kongreß der Schottischen Schachassoclation wird am 16. August seinen Anfang nehmen. a Die Counties Chess Association ist nach mehr als zwanzigjährigem Bestehen eingegangen. ö Das bekannte englische Lehrbuch der Eröffnungen: Fookl's„Synopsis'“ ist mit vlelen Anmerkungen und Verbesserungen von Lip schütz neu herausgegeben worden. Aus dem Winterturnier des Schachklubs„Altmünchen“ gingen als Sieger hervor die Herren K. Singer(), L. Mabillis(du), L. Brünn und J. Juchiy(Ill es aeguo) Der Brünner Beobachter“ schreibt ein internationgles Problemturnier für Dreizüger aus. Die Einsendungen sind vor dem 1. Oktober an die Adresse: Redaktion des„Beobachterz“ Brünn, Mahren zu richten. Zur Konturrenz berechtigt ein Einsatz von einem Gulden oster. Währung. Als Preise sind ausgesetzt: J. die Summe aller Einsätze, II. die Oesterreichische Lesehalle von. 18811888, ul. die neue N Ceske 2 achove, nebst Supplement. Das Preisrichteramt haben die Herren J. Dobrusty und J. Pospisil in Prag üler⸗ 11 2 Das preisrichterliche Urtheil soll zu Weihnachten d. J. verkündet werden. ö Schachzeitung.) g Das Handlcap-Turnjer des Hrit sh Chess Club“ schreitet vorwärts, doch hat Zutertort“ Tod cinen düstern Schatten auf dasselbe geworfen. Zulertort's Stand war der deste, d er von acht gespielten Partien sieben gewonnen hatte. Nach ihm kommt Bird mit 9½ von 11 und Wainwright. der zwei Zuge vor erhielt mit 9 von 11— Blacburne ist auf dem Lande und bat infolge dessen in der letzten Woche im Turnier nicht spielen können.(Südwest⸗ deutsche Schachjeitung In dem stonsultationsMaich zwischen der Berliner Schachgesellschaft und dem Berliner Schachtlub ist außer der von uns in voriger Nummer mitgetheilten zweiten Partie auch die vierte von dem Schachklub gewonnen worden, die erste und dritte Partie endete mit Remis. Mit Bezug auf Partie Nr 290 theilt uns Herr Kirdorf in Frcseld berichtigend mit. daß die Partie gar nicht zu Ende gespielt, sondern ihm gleich den dei—— 2 krankung veranlaßten Rücktritt vom Turnier von ihm noch nicht gespielten Partien loten angerechnet wurde.* seinen Gunsten enischeidende 2 2 halte K bereits während der Partie in Betracht gezogen, jedoch aus Zeitmangel die Ronsequenzen del⸗ selben nicht genügend durchrechnen können. * Druck und Verlag der„Volks- Zeitung“. Akt-Ges. in Berlin. Lützowstr 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elche in Berlin. Lützowstr. 105.