zu den Ouerhessischen Uuchrichten. Zeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. ieee den 22 Januar. Nirgends in der Welt tritt die Poesie des Winters so herrlich zu Tage, wie auf dem unvergleichlichen Newsky-Prospekt. Es ist ein neues Leben, eine verdoppelte Lebenslust. Man wird wie betäubt von dem Treiben, von dem tollen Jagen der Hunderte von Schlitten auf der glatten,(blanken Bahn, welche in der Sonne funkelt. Nirgendwo sonst in der Welt fährt man in so beängstigend raschem Tempo, wie hier, und der Fremde wundert sich darüber, daß nicht in der nächsten Viertelstunde die Hälfte der Fahrzeuge zertrümmert an der Erde liegt. Der Russe lebt auf im Winterfrost. Hier fühlt er sich be— haglich und in seinem Element. Er besingt sogar„Moros“, den Frost, in seinen Volksliedern. Die Kälte reizt das Blut zum Widerstand, bringt es in Bewegung, in Wallung. Die Wangen röthen sich, die Augen glänzen und ein Wohlgefühl durchströmt den Körper. Haar und Bart umkleiden sich mit Reif, wie vom Alter ergraut und durch den Kontrast entsteht das seltsame Bild eines jugendlichen Greises oder eines greisen Jünglings. Die nordische Februarsonne beleuchtetet mit mattem, fahlen Schein die mit Schnee bedeckten Häuser und Straßen. Man glaubt sich um fünfzig Millionen Jahre in die ferne Zukunft vorgerückt, wo die Sonne schon anfängt, an Glanz und Wärme abzunehmen, wo die Eiszeit wiederkommt und langsam gegen Süden, gegen den Aequator vorrückt, während die Menschheit noch unbeirrt, wie heutzutage, den Kampf um's Dasein, den Tanz um's goldene Kalb fortsetzt. Jetzt entsteht plötzlich eine gewisse Unruhe in dem Menschen— strom. Derselbe staute sich an einer der Nebenstraßen, welche in den Newsky münden. Eine unabsehbar lange Reihe von Polizisten längs des Newsky-Prospekts wurde plötzlich sichtbar, wie aus der Erde gewachsen. Sie waren wohl zuvor schon in der Menge vertheilt gewesen und jetzt auf ein Zeichen hervor— getreten. Einer derselben trat mitten auf den Kreuzweg, erhob den Arm und winkte die Straße hinauf und dann ebenso hinab. In demselben Augenblick schien alles Leben zu erstarren. Die unabsehbare Reihe von Schlitten aller Art wich nach beiden Seiten, um eine breite Gasse offen zu lassen und stand dann still.„Gossudar idjot,“ der Kaiser fährt vorbei, hieß es, und erwartungsvoll stand die Menge still. Alle nahmen die Hüte oder Mützen ab. a Gleich darauf kam ein Schlitten, mit zwei prachtvollen Rappen bespannt, in brillanten Trab die Straße herab, in welchem der Kaiser mit einem Flügel-Adjutanten saß, sonst ohne alle Be— gleitung oder Eskorte. Der Kaiser sah sehr gesund und heiter aus und erwiderte freundlich die Grüße des Volks. Es war nur ein Moment, die ganze Scene verlief sehr Vor dem Sturm. Roman aus dem modernen russischen Leben von A. L. Berthoff. (Fortsetzung.) rasch, aber es dauerte noch eine Weile, bis Alles wieder in Bewegung kam. Der Vorgang hatte ein schwer zu beschreibendes düsteres Aussehen. Jeder schien erleichtert aufzuathmen, nachdem der Kaiser glücklich vorübergefahren und Niemand hielt sich mit Fragen auf, denn es war nicht gut, hier zu viel Neugierde merken zu lassen. Der Unbekannte war indessen in eine Nebenstraße links ein— gebogen, und ging dieselbe mit gemäßigten Schritten entlang. Die Straße war wenig belebt, und lag schon im tiefen Dunkel der Abenddämmerung. Es war eine jener düsteren, wenig ein— ladenden Straßen von geringer Breite, aber zu beiden Seiten mit hohen Häusern besetzt, welche wenig Luft und Licht ein— ließen. Nachdem er diese Straße einige Zeit verfolgt hatte, blieb er stehen und sah sich plötzlich um. Niemand war zu er— blicken, so weit das schwache Licht der Dämmerung noch reichte. Der Fremde- bog nun wieder in eine Quergasse ein, welche mit dem Newsky-Prospekt gleich lief und ihn auf eine große, ziemlich belebte Hauptstraße führte. Nachdem er sich auch hier flüchtig nach rückwärts und seitwärts umgesehen hatte, ging er rasch vorwärts, als ob ihm die Kälte des Abends empfindlich geworden sei. Nach ziemlich kurzem Marsch bog er plötzlich in den Thorweg eines anscheinend sehr großen Hauses von ziemlich elegantem Aussehen ein, schritt rasch an dem Dwornik, dem Portier, vorüber, welcher sich bemühte, ihm in's Gesicht zu sehen, und stieg eilig die Treppe hinan. Im zweiten Stock hielt er vor einer Thüre, an welcher sich eine Tafel befand mit der Aufschrift: „Alexander Fedorowitsch Zahnarzt. Hier werden künstliche Zähne schmerzlos eingesetzt.“ Es war schon zu finster auf dem Treppenraum, um dies lesen zu können. Der Fremde schien jedoch dessen nicht zu be— dürfen, denn ohne zu zögern, klopfte er mehrmals auf eigenthüm⸗ liche Weise an. Darauf horchte er gespannt. Bald hörte man als Antwort ein ebenso eigenartiges Klopfen, die Thür öffnete sich, der Unbekannte trat ein und ließ sie hinter sich wieder in's Schloß fallen. Niemand war zu sehen, jedoch ohne sich darüber zu wundern, durchschritt er das Wartezimmer der Patienten, dann das Empfangszimmer des Arztes. Dieses war mit ziem— licher Eleganz ausgestattet und sah ganz wie das Atelier eines vielbesuchten Zahnarztes aus. Es war ein ziemlich großes Zimmer mit zwei Fenstern. An der einen Wand beim Fenster stand ein Schreibtisch, daneben ein Bücherschrank. Fast in der Mitte des Zimmers, nahe am Fenster, war ein großer Lehn⸗ sessel zu sehen, auf welchem die Patienten mit gemischten Ge— eikolitsch, 8 N 3 60 c c fühlen, halb Zahnschmerz, halb Angst, Platz nahmen. 26.. Daneben stand ein eleganter kleiner Schrank mit vielen kleinen Schieb— laden und ein Tisch, mit allerlei Geräthen, Lampen, Gläsern, Fläschchen besetzt. Weiterhin im Hintergrund stand ein kleiner Divan, eine Thüre führte in den Korridor hinaus. Nicht weit davon war die Thüre eines Wandschranks von ziemlicher Breite zu sehen. An diesen trat der Fremde, öffnete dieselbe und blickte hinein. Der Wandschrank war angefüllt mit einer Menge, wie es schien ganz unnützer, kaum des Auf— hebens werther Dinge, namentlich war ein großer Stapel von alten Zeitungen zu sehen, welche unordentlich aufgeschichtet dalagen. Der Fremde klopfte, auf eben so eigenartige Weise, wie vorhin wartete auf Antwort. Diese erhielt er in gleicher Weise, dann drückte er auf eine Feder, welche ganz oben an der Seite des Wandschranks angebracht war, und schloß die Thüre wieder. Nach einigen Sekunden bewegte sich diese wieder und öffnete sich, indem sie aber zugleich den ganzen Wandschrank mit sich nahm. Dadurch wurde ein enger Gang sichtbar, der Fremde im Heer und in der Flotte. Ja, wir können sagel, alle Klassen des Volks, alle Gebildeten sehen auf uns mit Sympathie, und deutlich zu sehen. trat rasch hinein und brachte den Schrank wieder an seine alte mehreren andern Beamten, welche für diese Grausamkeiten ver— Stelle. Noch einige Schritte weiter und er trat in ein kleines, matt erleuchtetes Gemach. An einem Tische inmitten des Zimmers saßen zwei Männer, mit der Durchsicht von Briefen, Schriftstücken und Zeitungen be schäftigt. Außer einigen Stühlen, einem sehr einfachen Schrank und dem Tisch war das Zimmer ganz leer. Das einzige Fenster desselben war mit einem schwarzen Tuch dicht verhängt, was das Aussehen des Zimmers noch mehr verdüsterte. Beim Eintritt des Dritten waren die beiden Insassen des— selben aufgestanden und reichten ihm erfreut die Hände. Der Eine war ein großer, breitschultriger Mann mit langem Voll— bart, einer goldenen Brille vor den Augen, regelmäßigen Zügen und schon zur Hälfte kahlem Haupt. Er hatte das Aussehen eines Lehrers oder Arztes. Der Zweite war kein Anderer, als Wladimir Nikolajewitsch Karpow, der Freund Maxims. „Willkommen, Freund Scheljabow, willkommen in Peters— burg,“ rief der Aeltere.—„Ich freue mich, daß Du glücklich eingetroffen.“ Sie umarmten sich stürmisch und küßten sich nach russischer Sitte die Wangen. Auch mit Karzow begrüßte sich Scheljabow ebenso herzlich, worauf alle drei Männer am Tische Platz nahmen. „Wir waren schon besorgt um Dich,“ bemerkte Karpow, „denn wir mußten Dich' schon vor einer Stunde erwarten.“ „Ich wurde aufgehalten auf dem Newsky-Prospekt durch das Gedränge, auf das ich gar nicht gerechnet hatte,“ erwiderte Scheljabow. „Wir hatten besonderen Grund, um Dich in Sorge zu sein,“ sagte der Aeltere,„denn wir hatten erfahren, daß die Polizei die Ankunft eines Abgesandten des Zentral-Komite's erwartete, und waren dessen nicht sicher, ob unsere Warnung in Moskau rechtzeitig eingetroffen.“ „Gewiß, Freund Terenkow, sie ist noch zu rechter Zeit ge— kommen,“ erwiderte Scheljabow,„und ich habe meine Maßregeln getroffen. Ueberdies bin ich begleitet von vier der Unsrigen, welche alle ebenso gekleidet sind, wie ich, und meine Größe und Gestalt haben, so daß wir die Spione jedenfalls, wenn nöthig, in Verwirrung bringen können.“ „Gut,“ bemerkte Karpow,„aber dies widerspricht doch unsern Grundsätzen, wonach Jeder, der für unsere heilige Sache kämpft, Niemand kennen soll, als einen Vorgesetzten und einen Neben— mann, während jeder Deiner Begleiter also die drei Anderen und außerdem Dich kennt.“ „Nein,“ erwiderte Scheljabow,„Jeder kennt nur mich und weiß nichts von den Andern. Sie sind indessen alle auf ihrem Posten. gesehen und beauftragt, in ihre daß ich ihre Hülfe nöthig hätte.“ „Vortrefflich,“ bemerkte Terenkow,„und nun, Freund, erzähle, welche neuen Nachrichten Du hast und welche Befehle Du briugst.“ „Es steht vorzüglich, Brüder,“ erwiderte Scheljabow mit leuchtenden Augen.„Ueberall im Reich wächst die Zahl unserer Anhänger, nicht nur unter der studirenden Jugend, sondern auch O — uartiere zu gehen für den Fall, Ich habe sie soeben alle auf dem Newsky-Prospekt die Zahl der Streiter für die heilige Sache der Freiheit ver— mehrt sich mit jedem Tage, mit jeder Stunde.“ „Auch hier in Petersburg,“ bemerkte Terenkow,„ist dies Es giebt auch hier genug russische Herzen, welche ihr Leben für das Wohl des Vaterlandes zu opfern bereit sind.“ a „In Genf,“ fuhr Scheljabow fort,„ist Krapotkin unermüdlich thätig durch Wort und That, um weitere Geldmittel herbei zu schaffen, welche jetzt reichlich fließen. „Was Petersburg betrifft, so hat das Zentral-Komite mit bei der Eingangsthüre an der Hinterwand des Schranks und Abschen von der grausamen Behandlung der Gefangenen in der Peter-Pauls-Festung gehört. Ist es möglich, daß die Unsrigen, selbst Mädchen, dort Monate lang in feuchten Kasematten gefangen gehalten werden bei einer abscheulichen Nahrung und unmensch— licher Behandlung, so daß Viele nach einigen Monaten dem Selbstmord oder dem Wahusinn anheim fallen? Hier muß ein Exempel statuirt werden. Es ist beschlossen, vorläufig den Ober— Polizeimeister, General Trepow, mit dem Tode zu bestrafen, und antwortlich zu machen sind, eine letzte Verwarnung zu ertheilen. Auch der Gendarmerie-General Mesenzow, welcher die bereits erhaltene Verwarnung nicht beachtet hat, wird nächstens seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit dem Leben büßen. Die Vorbereitungen hierzu werde ich persönlich beaufsichtigen. Einer Eurer Besten hier wird mich dabei unterstützen.“ „Wer ist das?“ fragten Karpow und Terenkow gleichzeitig. „Nun, es ist Semenow, der im Ministerium des Innern dient.“ „Semenow!“ sagte Terenkow mit gedehntem Tone.„Ich wünschte, Du ließest ihn aus dem Spiel. Ich traue ihm nicht mehr, seitdem das Quartier in der Gorahavaja-Straße von der Polizei überfallen worden ist.“ „Nun, welche Beweise liegen vor gegen Semenow?“ fragte Scheljabow. „Beweise noch nicht,“ erwiderte Terenkow,„aber jenes Quar— tier, in welchem zuweilen einige der Unsrigen Zuflucht fanden, wenn sie von der Polizei verfolgt wurden, war das einzige, welches Semenow kannte. Und seit der Zeit kann er mir nicht mehr in die Augen sehen. Sein Wesen gefällt mir nicht.“ „Mir auch nicht,“ bestätigte Karpow,„aber wenn er falsches Spiel treibt, werde ich ihn sicher überführen.“ „Nun, mag sein, daß es besser ist, ich halte ihn mir ferne,“ entgegnete Scheljabow ruhig.„Und nun, Brüder, noch das Wichtigste, das große Werk, das unser Aller Mitwirkung bedarf. Ihr kennt Noch dieses Frühjahr muß es vollbracht sein, bevor noch der Czar seine Reise nach dem Süden antritt. Und Euch Petersburger wird die Ehre zu Theil, vom Zentral-Komite mit der Ausführung beauftragt zu werden.“ „Endlich!“ rief Terenkow.„Endlich doch eine That! Zu lange schon sind wir nur das gehetzte Wild gewesen. Wollt ihr die Tyrannei vertilgen, so vertilgt erst die Tyrannen! Hier meine Hand, zählt unbedingt auf mich!“ Scheljabow nahm erfreut die dargebotene Hand Terenkow's. Mit leuchtenden Blicken erwiderte er: „Du sprichst, wie ich es von Dir erwartete! Und ich werde Euch zur Seite stehen. Ich bleibe hier, um das große Werk mit auszuführen und theile mit Euch die Gefahr.“ Bleich und schweigend hörte Karpow zu und sein Gesicht nahm den Ausdruck schwerer Sorge au. Befremdet sah Schel— jabow nach ihm hin und zog die Augenbrauen zusammen. Endlich erhob sich Karpow und sprach mit fester, klarer Stimme: „Freunde, bedenkt, was Ihr thut! Was erreicht Ihr, wenn Ihr den Kaiser tödtet? Bedenkt, er ist fast der Einzige in Ruß⸗ land, der nicht bestochen werden kann, der nicht nach Aemtern und Ehren strebt, er ist verehrt und geliebt von dem ganzen Volk. Ein Attentat auf ihn, mag es gelingen oder nicht, macht ES. uns die ganze Masse des Volks zu Feinden, es vernichtet unsere Stellung, unsern Einfluß, unsere Arbeit für alle Zeiten. Warum seht Ihr nicht lieber darin Eure Aufgabe, die Willkür, die Be⸗ stechlichkeit, die Niederträchtigkeit und Raubsucht der Beamten, überhaupt Aller zu bestrafen, warum errichtet Ihr nicht lieber ein Fehmgericht über die Polizeibeamten, welche die Unschuld — W N* 5 85 verfolgen, ihrer Habsucht fröhnen, so oft sie Gelegenheit finden, überhaupt über Alle, welche die Gewalt ihres Amtes oder ihres Reichthums mißbrauchen, um das Recht zu beugen und den Schwächeren zu unterdrücken? Dadurch würden wir den Dank des ganzen Volkes, die Sympathie der ganzen gebildeten Welt gewinnen, und bald wären nicht mehr wir das gehetzte Wild! Wir würden eine große, mächtige Partei sein, deren Einfluß über das ganze Reich reichen würde. Wir würden das schmutzige Ungeziefer verscheuchen und vertilgen, das jetzt am Lebensnerv des Volks nagt und in frischer Kraft würde der russische Riese emporwachsen, der zur Weltherrschaft bestimmt ist.“ Karpow sah, daß seine Worte Eindruck machten und fuhr mit neuem Eifer fort: „Der Kaiser hat die Leibeigenschaft aufgehoben, hat vierzig Millionen Sklaven aus der Knechtschaft befreit, welche ihn da— für abgöttisch verehren und niemals begreifen werden, daß es zum Heile des Vaterlandes nöthig sei, ihn zu tödten. Der Kaiser wird auch nicht davor zurückscheuen, das ganze Volk aus der Knechtschaft des Absolutismus zu befreien, denn er ist der Alleinherrschaft müde. Zeigt Euch als mächtige, zuverlässige Partei und Ihr werdet ihm als Stütze willkommen sein, er wird gern Eure Hilfe annehmen, um an der Wiedergeburt der Nation mitzuarbeiten. Den Kaiser tödten, ist das, woran wir am wenigsten denken dürfen, was der guten Sache am allergefähr— lichsten ist, und ihre Feinde triumphiren macht.“ Bleich vor Aufregung setzte sich Karpow. Unbeschreiblich war der Eindruck dieser Worte auf Schel— jabow. Auf seinem Gesichte erschien erst der Ausdruck des Er— staunens, dann des Zorns, endlich der wilden Energie des An— führers, der sich Gehorsam erzwingen will, und der kalten Wuth des Fanatikers. „Nur ein Schwächling kann so reden,“ zischte er.„Von Tyrannen willst Du die Freiheit erwarten? So erwarte doch vom Satan die Ausrottung der Hölle! Wer ist verantwortlich für alle die Gräuel, welche gegen die Unsrigen, selbst gegen zarte Mädchen verübt wurden, für alle die Seufzer und Flüche, die aus der Tiefe der Bergwerke von Nertschinsk zum Himmel steigen? würde, jene Unglücklichen dem Leben, der Menschheit wieder— zugeben? Tod den Tyrannen! Das ist unsere Losung! Das ist der erste Schritt, um der Menschheit neue Bahnen zu weisen, und was uns in den Weg tritt, muß fallen. Bist Du zaghaft geworden, oder— feig?!“ „An meinem Muth soll Niemand zweifeln,“ fuhr Karpow auf,„ich habe ihn bewiesen, lange bevor Du in unsere Reihen tratest. Meine Vaterlandsliebe verbietet mir, dabei mitzuwirken, daß das Werk vernichtet werde, für das schon so Viele gelitten haben. Ich wiederhole es: der Kaisermord ist der Untergang unserer Sache— ist Wahnsinn!“ ö f„Genug der Worte!“ zischte Scheljabow.„Auf dem Kongreß von Lipetz ist der Tod des Kaisers beschlossen worden. Es ist ein Befehl, den ich überbringe! Hörst Du? Ein Befehl! Du kennst unsere Gesetze!“ fügte er drohend hinzu.„Führst Du ihn nicht aus, dann ein Anderer.“ „Ich weiß,“ erwiderte Karpow ruhig.„Gerne mache ich einem Andern Platz. Ich werde Petersburg verlassen, vielleicht auf immer. Ein Onkel von mir wünscht, daß ich ihm zu Hilfe komme, um seine Güter an der Wolga im Saratow'schen Gou— vernement zu bewirthschaften. Ich werde meinen Abschied nehmen, denn der Staats-Dienst ist mir zuwider geworden.“ Er schien die Drohung Scheljabow's nicht verstanden zu haben. Scheljabow wechselte einen langen, ausdrucksvollen Blick mit Terenkow. „Gut,“ sagte er dann,„schließen wir für heute unsere Be— sprechung. Vielleicht wird Karpow noch anderen Sinnes bis morgen.“ „Niemals,“ erwiderte dieser entschieden und bereitete sich zum Gehen. Er hatte bereits den geheimen Gang betreten, während die beiden Andern noch im Zimmer zurückblieben. „Was verdient ein Abtrünniger, ein Verräther nach unserem Gesetz?“ flüsterte Scheljabow. „Den Tod,“ antwortete Terenkow dumpf. Wer anders, als er, dem es nur ein Wort kosten 27 D. Sie löschten die Lampe und alle drei Männer verließen schweigend das Zimmer und das Haus. 5 25 Am andern Morgen fand man bei der Armenischen Kirche den Leichnam Karpow's. Eine tiefe Stichwunde vom Rücken her durchbohrte das Herz. Auf seiner Brust lag ein Zettel mit der Aufschrift:„Tod dem Abtrünnigen!“ V. Wiedererwacht. Maxim erwachte wie aus einem tiefen Schlaf. Es war ihm so eigenthümlich zu Muth, er fühlte keinen Schmerz, konnte sich an nichts erinnern, aber eine schwere Mattigkeit lag auf allen seinen Gliedern, so daß er keiner Bewegung fähig war. Er suchte seine Gedanken zu ordnen. Wo war er denn? Offenbar zu Hause. Aber wie war er denn nach Hause ge— kommen? Er war doch auf dem Balle bei Welikanow gewesen, dann auf dem Heimweg über den Newsky-Prospekt gegangen in dem prachtvollen Mondschein. Dann hatte er mit einem jungen Mädchen gesprochen, dann— was dann? Wo war denn das Mädchen plötzlich hingekommen? Wieder verwirrten sich seine Gedanken. Warum schrie sie plötzlich auf? Wird das junge Mädchen dort am Fenster auch schreien? Eine Wolke senkte sich auf seinen Geist herab— er schloß die Augen. Als er sie nach langer Zeit wieder öffnete, sah er Wera nicht mehr am Fenster sitzen, sondern zu seinen Füßen am Bett stehen. Sie sah ihn an mit einem himmlischen, glücklichen Lächeln, das ihm tief zu Herzen drang und erhob langsam den Zeigefinger auf ihre Lippen. Er fühlte eine wundervolle Ruhe und Zufriedenheit. Noch eine Stunde lag er so halb wach, halb mit verwirrten Gedanken. Doch endlich ordneten sich diese, er erinnerte sich an Alles bis zu dem entsetzten Aufschrei des Mädchens— jedoch nicht weiter. Er wollte endlich erfahren, was mit ihm vorgegangen. „Fräulein,“ sagte er langsam,„bitte sagen Sie mir— „Mutter, Mutter, er ist erwacht!“ flüsterte das junge Mädchen. Allein die Mutter hörte nicht, sie hatte das Zimmer längst verlassen, um den Arzt herbeizurufen, und auch auf einen Augen⸗ blick ihre Wohnung zu besichtigen. „Bitte, sagen Sie mir,“ fuhr Maxim leise fort,„wie bin ich hierher gekommen, und— und wer sind Sie denn, daß Sie sich meiner annehmen?“ „Beruhigen Sie sich,“ erwiderte Wera ängstlich,„wir sind Freunde. Sie sollen Alles erfahren, Alles, aber haben Sie noch Geduld— morgen—“. Maxim suchte sich vergeblich aufzurichten. Er war noch zu matt, bald verfiel er wieder in Halbschlummer. Wer war denn das Mädchen? Wo hatte er es doch gesehen? Bei Welikanow? Nein, aber es muß ganz vor Kurzem gewesen sein. Der Arzt erschien und fand Maxim außer aller Gefahr. Die jugendliche Lebenskraft siegte bald über den gefährlichen Angriff und überstand die harte Probe mit wunderbarem Erfolg. Nach wenigen Stunden hatte er sich vollkommen erholt. Der Arzt erzählte ihm den Hergang, und Wera fügte in beredten Worten den Ausdruck ihres heißen Dankes bei. Am andern Tage nahmen Mutter und Tochter Abschied von ihrem Pflegling, welcher das Versprechen gab, sie am folgenden Tage zu besuchen. Maxim blieb allein zurück, in tiefes Nachdenken versunken. Wer ist dieses Mädchen mit dem harten glänzenden Blick und mit dem wundervoll milden bezaubernden Lächeln, mit dem ein— fachen, fast armseligen Aeußeren und doch mit der gewandten Redefertigkeit einer vollendeten Weltdame? Den Namen hatte er wohl vernommen, aber was kann der Name sagen? Kann er Wesen, Werth und Charakter seines Trägers erklären? Kann er uns dessen Gesinnung und Denkungsweise offenbaren? Nein, der Name ist ein leerer Schall. Aber wer kennt nicht jene leise Stimme, die so oft beim ersten Begegnen mit einem fremden Wesen ein rasches Urtheil spricht, zu dessen Gunsten oder Un— gunsten, das meist richtig ist und meist entscheidend für unsere 1 0 AI „* mmm,—3ͥñn E 5 5 15 a 4 8 28 2 8 8 8 „——— 1 * 28? künftigen Beziehungen zu demselben, für unser ganzes Verhalten zu kritisiren. Es regte sich ein Oppositionsgeist in ihm, ja, er ihm gegenüber? vernahm sogar eine leise aber deutliche innere Stimme, welche 5 Auch Maxim kannte diese Stimme, diesen geheimen Richter, ihn daran mahnte, daß Wera noch durch nichts eine so gering— 5 und dieser hatte mächtig zu Gunsten Wera's gesprochen. Er schätzige Beurtheilung verdient habe. Er fühlte es wie ein Un— 25 konnte sich nicht verhehlen, daß ihre Erscheinung einen tiefen recht, daß er seinen Schützling gegen solche Voreiligkeit und 5 Eindruck auf ihn gemacht hatte. Ungerechtigkeit nicht in Schutz nehme. *„Sie ist offenbar sehr gebildet, man hört dies schon an ihrer„Es scheint, daß Andere Wera Andrejewna besser kennen, N Art, sich auszudrücken,“ sagte Maxim zu sich selbst.„Ihre Ver⸗ als ich,“ fuhr er unmuthig fort,„wenn man sich zu solchem 2 hältnisse scheinen dürftig zu sein, nach dem äußeren Anschein zu wegwerfenden Urtheil für berechtigt hält. Ich habe keine Be— 75 urtheilen. Doch was hat das zu bedeuten? Nach Allem, was ziehungen zu ihr und ihrer Mutter und beabsichtige auch keine 1 ich gesehen, bin ich doch äußerst gespannt darauf, sie näher kennen anzuknüpfen, aber...“ . zu lernen. Sie hat ganz den Wuchs von Irene Pawlowna....„Du thust wohl daran, Maxim, denn, wie man sagt,“ begann 5 Ja, es ist wahr, was wird Irene Pawlowna zu meinem Aben- Karpow. g 5 3 teuer sagen? Und Welikanow? In der That, wenn ich ruhig„Wie man sagt!“ unterbrach ihn Maxim mit Heftigkeit. 5 nachdenke, es sieht wunderlich aus, dieses Abenteuer! Ich, als—„Ich gebe wenig darauf, was man sagt und lasse mich 5 Beschützer junger Damen, welche nach Mitternacht einsam in nicht dadurch leiten, wenn ich die Möglichkeit habe, mir durch 25 den Straßen promeniren! Sehr sonderbar! Sehe ich nicht ein eigene Anschauung ein Urtheil zu bilden. Wera und ihre Mutter 4 wenig dem Don Quixote ähnlich? Wirklich, wie kommt das verabschiedeten sich heute von mir, da sie mich wieder hergestellt 5 Mädchen zu so später Stunde der Nacht allein nach Hause? sahen in einer sehr zarten und taktvollen Weise, welche allein 5 Keine dummen Streiche, Maxim! Natürlich konntest Du nicht schon schiefen Beurtheilungen wohl ein Ende machen könnte...“ 3 anders handeln. Auch gegen solche unglückliche Wesen wird kein„Nun, ereifere Dich nicht, Maxim,“ erwiderte Karpow N Ehrenmann eine Gewaltthat zulassen, viel weniger selbst begehen. ruhig, aber doch mit einiger Verwunderung über den ihm wenig 13 Aber was weiter? Nichts! Du bist zu weiter nichts verpflichtet, verständlichen Eifer Maxims.—„Ich habe in dieser Sache ja 73 dabei mag es sein Bewenden haben. Ich werde morgen nicht gar kein Urtheil abzugeben, aber bedenke doch,... zu so später . hingehen.“ ö Stunde allein durch die Straßen zu gehen...“ * Maxim's Gedanken hatten ihre freudige Färbung verloren,„Ja, das habe ich mir auch gesagt,“ rief Maxim,„und des— 3 als er zu diesem Entschluß gekommen war. Es war still und halb auch beschlossen, keinen Besuch bei den Damen zu machen. 1 dunkel geworden in seinem Zimmer, während er so ruhig dasaß Aber nun muß ich durchaus Gewißheit haben und werde sie * und seinen Gedanken nachhing, und still und dunkel sah es jetzt mir auch verschaffen.“ 7 auch in seinem Innern aus. Es war ihm, als hätte er heute„Gut, thue das,“ bemerkte Karpow,—„das wird wohl 3 einen großen Verlust erlitten, oder als sei eine ihm nahestehende das Beste sein.“ d 5 theure Person von ihm geschieden auf immer.„Schon morgen werde ich sie besuchen,“ schloß Maxim mit 9 Ein Klopfen an der Thüre unterbrach seine Träumereien. Entschiedenheit. 1 . In diesem Augenblick war ihm jede Unterbrechung erwünscht,„Uebrigens weißt Du wohl noch nicht,“ fuhr Karpow fort, 5 die ihn von seinem schwermüthigen Grübeln befreien konnte. Er„daß Deine tapfere That einem Menschen die Ruhe geraubt, 5 rief eifrig„Herein“ und auf der Schwelle erschien Karpow. und ihn in ziemliche Aufregung versetzt hat.“ 9„Endlich, Freund, bist Du wieder zum Bewußtsein, zum„Einem Menschen? Wie wäre das möglich?“ fragte Maxim 5 Leben zurückgekehrt! Gott sei Dank!“ rief Karpow.„Wie bin verwundert, indem er sich vergebens abmühte, des Räthsels 1 ich erfreut! Alle diese Tage fand ich Dich immer und immer Lösung zu finden. 5 regungslos und stumm. Ich war schon sehr, sehr in Sorge„Nun, Du wirst schwerlich errathen, wen ich meine. Es * um Dich!“ ist Semenow, den Du neulich bei Welikanow kennen lerntest— 5„Alle diese Tage? Wie viele Tage denn?“ fragte Maxim Er war zugegen, als ich mit Irene von Dir sprach und als sie . verwundert,—„welchen Tag haben wir denn heute?“ mit Feuer Deine That lobte, gerieth er sichtlich in immer schlechtere N„Es sind jetzt fünf Tage vergangen seit dem Ball bei Welika- Stimmung.“ ö now,“ erwiderte Karpow.—„Nun und wie fühlst Du Dich jetzt?“„Ich verstehe nicht, was ich mit Semenow zu schaffen 5 Wo ist denn Deine schöne Pflegerin geblieben, deren Retter Du haben könnte,“ bemerkte Maxim gleichgültig. 3 geworden warst? Ich kam jeden Morgen, um nach Dir zu„Das verstehst Du nicht? Weißt Du nicht, daß er darnach * sehen, und immer fand ich sie hier auf Wache, unfehlbar und strebt und darauf hofft, des reichen Staatsraths Schwiegersohn unerschütterlich! Höre Maxim,“ fügte er lachend bei,—„hast zu werden?“ Du nicht etwa, während Du ein Unglück verhütetest, ein anderes„Semenow? Wirklich? Und ich soll ihm dabei behülflich sein?“ 3 angerichtet? Es ist oft ein so gebrechliches Ding, ein Mädchen—„Maxim, warum spielst Du Komödie? Du bist ja der be— 3 herz! Der Eifer und die Beredtsamkeit, womit sie Deinen Muth J vorzugte Verehrer der schönen Pawlowna, und das ist's, was * und Dein Benehmen rühmte, sind ganz außerordentlich!“ Semenow so in Harnisch bringt gegen Dich.“ .„Nun gut, gut! Sprich nicht mehr davon,“ sagte Maxim,„Nun, er wird sich doch beruhigen müssen,“ bemerkte Maxim 4 durch den scherzenden Ton seines Freundes peinlich berührt. mit sichtlicher Gleichgültigkeit für die Gefühle Semenows. In— .„Und was sagt man denn zu meinem Abenteuer, was sagt dessen hatte die letzte Aeußerung Karpows doch wieder eine 1 Welikauow?“ neue Gedankenreihe bei ihm eröffnet. Irene Pawlowna erschien „Man lobt allgemein Deine Entschlossenheit und Tapferkeit, jetzt im Glanze ihrer Schönheit in seiner Erinnerung, sie die und Irene Pawlowna nicht am Wenigsten. Ich mußte ihr ver- gefeierte, vielumworbene Tochter des reichen, durch seinen Ein— sprechen, ihr Nachricht von Dir zu bringen. Aber...“ fluß mächtigen Staatsraths. Und er galt als der von ihr Be— „Nun aber?“ fragte Maxim ungeduldig, als Karpow etwas vorzugte. Auch eine sehr mäßige Eitelkeit konnte durch diesen verlegen schwieg. Gedanken in Wallung gerathen und glänzende Bilder von Reich- „Nun, man fürchtet, daß Du Dich verlieren könntest in Regionen, die nicht für Dich passen. Denn nicht selten ist das Juteresse, das den Retter an den Gegenstand seiner That bindet, stärker als alle anderen Rücksichten und man befürchtet, daß... „Nun, daß?“ fragte Maxim gespannt. „Daß jene Person Dir gefährlich werden, Dich in ihre Netze ziehen könnte,“ schloß Karpow zögernd. „Unnütze Sorge!“ rief Maxim,—„ich weiß, was ich zu thun habe!“ Er fühlte sich jetzt wieder unangenehm berührt dadurch, daß man sich erlaubte, sein Thun und Lassen schon im Voraus ihn so lebhaft beschäftigenden Bilder seiner Phantasie. thum, Ansehen, Macht und Lebensgenuß beschäftigten seine Ein— bildungskraft. Doch bald erblaßten dieselben wieder. Ein anderer Gedanke, ein Ziel, dem seit Jahren all sein Streben und Denken gewidmet war, trat wieder in den Vordergrund. Er schwieg lange. Er fühlte sich sehr erschöpft durch die Seine durch die Krankheit noch eiwas angegriffenen Kräfte hielten nicht Stand und er versank in eine leichte Betäubung. Un⸗ deutlich, wie durch einen Nebel glaubte er Wera vor sich zu sehen, ihn regungslos anblickend mit stolz erhobenem Kopf. Auf ihrem schönen kalten Gesicht schien ein Ausdruck des Unwillens — 29 D . . Wagner. l au de von P Gemäl em d Nach Großmutter. iebe Ni a N zu liegen, wie über eine ihr widerfahrene Beleidigung. Er fühlte sich dadurch bedrückt, beschämt und wollte unwillkürlich die Augen niederschlagen, allein er konnte sie nicht von der Er⸗ scheinung abziehen, bis dieselbe langsam sich immer dichter in Nebel hüllte und endlich ganz verschwand.— Maxim erwachte aus seiner Betäubung. Er war eine ehr— liche gerade Natur und das eben, wenn auch nur im Traum empfundene Schuldbewußtsein machte einen lebhaften Eindruck auf ihn. Er hielt sich dadurch für überwiesen eines begangenen Unrechts und beschloß, Wera künftig kräftiger in Schutz zu nehmen. f Karpow hatte den Freund still beobachtet und es für das Beste gehalten, ihn nicht zu stören, bevor er die augenscheinliche Uebermüdung selbst überwunden haben würde. Er saß schweigend am Schreibtisch und blätterte in einem Buch. Durch eine Bewegung Maxim's aufmerksam gemacht, wandte er sich um, und sah ihn sich langsam aufrichten und verwundert umschauen. „Genug, Freund,“ sagte Karpow im ruhigen Tone,—„Du bist sehr ermüdet und bedarfst dringend der Ruhe. Ich gehe jetzt und nehme Abschied von Dir auf einige Zeit, da ich ver— reise?“ „Wie? Du willst verreisen?“ rief Maxim überrascht.„So plötzlich? Im Dienst?“ „Ja, im Dienste des Vaterlandes,“ erwiderte Karpow, mit, eigenthümlicher Betonung.„Lebe wohl!“ (Fortsetzung folgt.) Das Oraßel der Sulvesternacht. Erzählung von A. Brüning. (Fortsetzung) Das Brausen der Wasser belehrte mich bald über die Rich— tung, die ich einzuschlagen hatte. Es kam näher und näher, während ich, mit Mühe gegen die Gewalt des Sturmes an— kämpfend, so schnell als möglich vorwärts eilte, jeden Augen— blick in Gefahr, zu Boden geschleudert zu werden.— Himmel! wie mochte das zarte Geschöpf, das soeben vor mir diesen Weg zurückgelegt, sich gegen die Wuth des empörten Elementes haben behaupten können!— Die Unselige hatte jetzt wohl schon das Ufer erreicht— lag vielleicht schon an der Brust jenes toll— kühnen Mannes, wenn die Wellen ihn wirklich auf ihrem Rücken hinübergetragen!..... Der Gedanke beflügelte meine Schritte. Endlich war ich am Ufer angelangt, und dort, etwa fünfzig Schritte weiter hinauf, zeichneten auch die drei Pappeln ihre dunklen Silhouetten gegen den von der gerade aus dem Gewölk hervortretenden Mondsichel schwach beleuchteten Himmel. In seinem trüben Dämmerschein sah ich zugleich die Umrisse einer weißen, am Boden knienden Gestalt— Wladislava— sie war also noch allein, ihr Haupt, von dem der Sturm die Hülle heruntergestreift, lehnte wie in Ohnmacht gegen den Stamm des vordersten Baumes. Alles vergessend, wollte ich vorwärts stürzen; aber ich be— sann mich noch rechtzeitig und schlich, vorsichtig den Schatten des dichten Ufergebüsches benutzend, bis nahe an die Pappel— gruppe heran. Horch, da klang wieder, wie vorhin, jener gedämpfte, dem Schrei eines Wasservogels täuschend nachgeahmte Laut, diesmal in unmittelbarer Nähe. Er brachte allsogleich Leben in die weiße Gestalt: wie elektrisirt zuckte sie empor. Zugleich ver— nahm ich deutlich das Schnauben und Keuchen eines wie mit letzter Kraft sich vorwärts arbeitenden Rosses. Jetzt ein an⸗ feuernder Zuruf, ein klatschendes Aufrauschen, verbunden mit einem Splittern und Knacken in dem Weidengezweig, und dann sah ich, gleich einer Geistererscheinung, plötzlich hoch über dem selben das Bild eines Reiters in flatterndem Mantel auf dem Rücken eines schwarzen Rosses, das, in gewaltigem Sprung aus den Wassern emporschnellend, seinen Herrn an das rettende Ufer trug. „Roman!“„Wladislava!“ Jauchzend, wie in über— quellender Seligkeit, klangen die beiden zu einem Doppellaut 30= Die weiße Gestalt stürzte an die Brust des Reiters, der sich wie der Blitz von seinem Rosse geschwungen— seine Arme umfingen glühend ihren schlanken Leib. Einen Augenblick verharrten sie so lautlos in sprachlosem Entzücken. Ich war jetzt bis in unmittelbare Nähe gelangt; im Schein des Mondes, der eben einen vollen Strahl seines weißen Lichtes auf das phantastische Nachtbild herabsandte, er— blickte ich das Antlitz meines Nebenbuhlers— ein stolzes, edles Antlitz, aus dem ein paar mächtige, dunkle Augen hervorblitzten. Unter sturmzerwühltem schwarzen Lockenhaar leuchtete eine bleiche Stirn in todeskühnem Trotze. Von seiner düstern Erscheinung hob sich doppelt zart und licht Wladislava's weiße Gestalt, deren blumengeschmücktes Köpfchen, einer Kamee gleich, an seinem Herzen lag. So kurz auch der Augenblick war, der jenes Bild mir ge— zeigt, so hat es sich doch meinem Gedächtniß unauslöschlich eingeprägt. „Dank, Geliebte, daß Du gekommen!“ hörte ich dann eine sonore Männerstimme in polnischer Sprache sagen.„Ich wußte ja, daß mein Weib mich nicht vergebens rufen lassen würde...“ „O, Roman! was hast Du gewagt um meinetwillen!“ flüsterte sie, das Antlitz von seiner Brust aufrichtend.„Wie habe ich gelitten unter der Vorstellung der schaurigen Todesgefahr, in der ich Dich wußte 5 „Sie ist vergessen, nun ich Dich in meinen Armen halte! Der Gott der Liebe und mein wackeres Roß haben mich sicher herübergetragen!“ klang es leidenschaftlich zurück. „Aber noch bist Du nicht wieder drüben o, Roman, mir stockt das Blut, wenn ich denke, daß Du noch einmal den furchtbaren Weg machen mußt..... 1 Ich sah sie in seinen Armen erschauern. „Nichts mehr davon, Geliebte,“ bat er, sie noch fester an sich pressend.„Können wir die kostbaren, schwer erkämpften Minuten nicht besser anwenden? Und soll ich etwa in den Kampf ziehen ohne Abschied?— Zehn Leben, wenn ich sie hätte, wagt' ich um diesen Kuß von meines Weibes Lippen!“ Er bog das stolze Haupt herab zu dem Blumenantlitz, das sich ihm entgegenhob— ihre Lippen glühten aufeinander in heißem Liebeskuß. Im selben Augenblick hatte ich, meiner nicht mehr mächtig, die Signalpfeife hervorgerissen: gellend schrillte ihr, scharfer Ton durch die Nacht und ließ die beiden Glückversunkenen jäh empor— schrecken. „Ha, was ist das?...“ rief der Pole, indeß Wladislava einen dumpfen Wehelaut ausstieß. Er ließ sie sauft aus seinen Armen gegen den nächsten Baumstamm gleiten und wandte sich blitzschnell zu seinem Rosse, dessen Zügel er vorhin um den Arm geschlungen hatte. Aber schon hatte ich den Lauf meines Pistols gegen die Stirn des edlen Thieres gedrückt; die furchtbare Aufregung und das Bewußtsein, daß ich es ihm um jeden Preis streitig machen mußte, erstickte jede Regung mitleidigen Bedauerns: ein dumpfer Knall und ächzend verendete der treue Rappe zu seines Herrn Füßen, dessen Lippen sich ein zorniger Schmerzens— laut entrang. Zugleich sprang ich hervor und ihm die Waffe entgegen— haltend, rief ich laut:„Sie sind mein Gefangener, ergeben Sie sich, oder Sie sind des Todes!“ „Gnade, Erbarmen, er ist mein Gatte,“ klang es da in Tönen herzzerreißender Augst von Wladislava's Lippen. Sie war beim ersten Laut meiner Stimme emporgefahren und warf sich mit ausgestreckten Armen schützend vor den Bedrohten. „Zurück, Komtesse!“ rief ich, außer mir.„Sie verlangen Unmögliches!... Noch einmal, mein Herr, Sie sind in meiner Gewalt!“ „Noch nicht! Wladislava, zurück!“ knirschte er. Auch in seiner Hand blitzte jetzt ein metallener Lauf. Ich hörte den Hahn knacken, aber der erwartete Schuß blieb aus; die Waffe, die beim Passiren des Flusses feucht geworden sein mochte, hatte offenbar versagt. Mit einer Verwünschung'ischleuderte er sie zu Boden. Nun war er wehrlos in meine Hand gegeben; gleichzeitig ließ sich der taktmäßige Schritt einer heranmarschiren⸗ verschmolzenen Namen durch den brausenden Sturm. den Truppe vernehmen. 1 4 1 3— 31 eine Ewigkeit— verlassen, und bahnte mir stumm einen Weg „Ergeben Sie sich!“ rief ich zum dritten Mal. „Nimmermehr!“ Mit einer Bewegung wilden Trotzes schüttelte durch die tanzenden Paare. er das Haar in den Nacken.„Laß mich los, Geliebte,“ bat er Bei meinem Anblick wich Alles entsetzt auseinander.—„Um in krampfhafter Hast, Wladislava's Hände lösend, die in Todes— angst seinen Nacken umklammert hielt.„Dort“— er wies nach dem Flusse—„winkt mir noch Rettung oder ein freier Tod!— Noch diesen letzten Kuß— Du siehst mich nie oder nur als freien Sohn des befreiten Vaterlandes wieder!“ Ich setzte die Pfeife nochmals an die Lippen. Ein Signal antwortete mir, diesmal aus unmittelbarer Nähe, und da blitzten auch schon Helme und Waffen durch das Dunkel. „Jetzt gilt's, es ist die höchste Zeit! Wladislava laß mich oder ich bin verloren!“ rief der Pole verzweifelt. „Nicht ohne mich, mein Romau!“ klang es da mit der Be⸗ geisterung todtgetreuer Liebe von Wladislava's Lippen.„Dein Weib verläßt Dich nicht— lebend oder sterbend— wir bleiben zusammen———!“ „Wladislava!“— Jauchzend rief der Flüchtling ihren Namen. „Nun willkommen, Tod!“ Er riß sie in seine Arme, Brust an Brust stürzten sie, nicht achtend eines drohenden Haltrufs, an mir vorüber, der ich kraftlos die erhobene Waffe sinken ließ— jede Kugel, die nach seinem Leben zielte, hätte ja zugleich auch sie durchbohrt. „Soldaten heran, hierher! verlegt ihnen den Weg!“ schrie ich mit Aufgebot aller Kraft der jetzt im Laufschritt heranstür⸗ menden Truppe zu. Zu spät— schon knackten, von dem Polen mit starken Armen getheilt, die Büsche am Ufer. Noch einmal sah ich Wladislava's weißen Mantel silbern hindurchschimmern, dann stürzten sie sich hinab in todesmuthigem Sprunge. „Hoch Polen und die Freiheit!“ klang es durch den heulen⸗ den Sturm. Eine knatternde Salve gab die Antwort. Ich wollte, von wilder Angst durchzuckt, Halt gebieten, aber das eiserne Pflicht⸗ gebot schloß mir die Lippen. Ich durfte ja den Soldaten nicht wehren— lebend oder todt sollten wir den Rebellen in unsere Gewalt bringen, so lautete die Ordre. Wie gelähmt starrte ich hinab in den fluthenden Graus, macht⸗ und willenlos gegenüber dem Verhängniß, das mir mein Liebstes vor meinen Augen entriß. Brennender Neid erfüllte mein Herz gegen den Mann, der da unten mit seiner theuern Last den fast hoffnungslosen Kampf gegen die wilden Wasser kämpfte— mußte er auch sterben, so starb er doch vereint mit ihr, die ohne Schwanken und Zagen ihm gefolgt war in den sichern Tod, vor dem nur ein Wunder sie retten konnte, und während eifersüchtiger Haß meine Brust durchglühte, sehnte ich doch mit jeder Fiber dieses Wunder herbei. Da— eine gewaltige Woge hob eben die beiden Eng— umschlungenen auf ihrem Rücken hoch empor und zeigte mir noch einmal die Heißgeliebte mit den magisch aus dem dunklen Haar hervorleuchtenden Blüthensternen. Aber weh, sie zeigte den Soldaten zugleich ihr Ziel: eine neue Salve krachte und sandte einen Hagel von Geschossen auf den Flüchtling hinab, der mit dem linken Arm mühsam sein Weib über Wasser hielt, während er mit dem rechten die Fluthen theilte. Plötzlich sank derselbe schlaff herab, eine der zahlreichen Kugeln schien getroffen zu haben.— In gleichen Augenblick rollte wieder eine mächtige Woge heran. Sie wälzte sich brausend hinweg über das un⸗ selige Paar, das in ihrem Strudel verschwand, um nicht wieder aufzutauchen.— Der Flußgott hatte zwei heißen, stolzen Herzen gewährt, was sie in seinem Schooße gesucht— ein freies, ge— meinsames Grab. Von dem, was weiter in jener Nacht geschah, habe ich nur eine dämmernde, undeutliche Erinnerung. Ich glaube, ich wollte mich den Verunglückten nachstürzen und bin von den Soldaten gewaltsam zurückgehalten worden.— Wie ein Schlafwandelnder kehrte ich mit deuselben dann zum Schlosse zurück, mechauisch den Befehl zur Besetzung desselben ertheilend. Mein Aussehen dabei mag wohl befremdlich gewesen sein, denn ich fühlte dunkel, wie sie mich heimlich mit scheuen Blicken betrachteten. Wie im Traum betrat ich dann den hellerleuchteten Tanz— saal, den ich vor kaum einer halben Stunde— mir schien es Gott, Herr Kamerad, Sie sehen ja aus wie ein Gespenst!“ hörte ich einen der Offiziere rufen. Ohne darauf zu achten, schritt ich weiter bis zu jenem Kabinet, wo mein Chef und Graf Szariszow miteinander plaudernd saßen. Wie im Traum stand ich endlich den beiden Herren gegenüber, durch die schwarzen Nebel, die vor meinen Augen wogten, hindurch undeutlich wahr— nehmend, wie der Graf sich heftig entfärbte. Mit schwerer Zunge vermochte ich noch eben meinen erschüttern— den Rapport zu erstatten, dann brach ich— zum ersten Mal in meinem Leben— ohnmächtig zusammen. (Schluß folgt.) Lose Blätter. 5 Ein beabsichtigtes Duell zwischen Fürsten des siebzehnten Jahrhunderts. Im Jahre 1611 forderte König Karl IX. von Schweden den König ene IV. von Dänemark in folgendem Schreiben zu einem Due heraus: „Du hast nicht als ehrlicher und christlicher König gehandelt. Du hast den Stettiner Frieden gebrochen, Blutvergießen veranlaßt und Kalmar durch Verrätherei eingenommen. Gott wird Dich strafen. Da keine andere Mittel helfen, so biete ich Dir einen Zweikampf an, nach der alten Gothen löblichem Brauch. Du kannst zwei von Deinem Adel mitnehmen, rittermäßige Leute. Ich will Dir ohne Küraß und Harnisch begegnen, blos mit der Sturmhaube auf dem Kopfe und dem Degen in der Hand. Wenn Du Dich nicht auf dem Platze einfindest, so halte ich Dich nicht für einen ehrlichen König, noch für einen Kriegsmaun. Risby, den 11. August 1611. Ga Die Antwort auf diesen Brief lautet folgendermaßen: „Dein leichtfertiger und unbescheidener Brief ist uns durch einen Trompeter geworden. Wir merken, daß die Hundstage in Dein Gehirn wirken. Was Du sagst, daß wir den Stettiner Frieden gebrochen, das lügst Du wie ein machtloser Hund, der sich mit Bellen wehren will. Du sollst einmal vor Gott Rechenschaft geben, sowohl für diesen Krieg, als für alles unschuldig vergossene Blut, und für die Tyrannei, die Du an Deinen eigenen Unterthanen verübt hast. Daß wir Kalmar, wie Du vorgiebst, mit Verrätherei genommen, ist auch nicht wahr. Wir haben es als ein ehrlicher Kriegsmann genommen. Du mußt Dich schämen, daß Du es Dir vor der Nase hast wegnehmen lassen. Was den Zweikampf anbetrifft, so bist Du schon von Gott geschlagen. Ein warmer Ofen wäre Dir dienlicher, und ein Arzt, der Dir den Kopf in Ordnung setzen könnte. Du solltest Dich schämen, Du alter Geck, einen ehrlichen Meuschen so anzugreifen, was Du gewiß von alten Weibern gelernt hast, die sich mit dem Munde vertheidigen. Kalmar, den 14. August 1611. Christian.“ Es scheint, als habe sich der König von Schweden bei diesem Be— scheide seines Herrn Bruders beruhigt, denn die Geschichte hat von einem zwischen den Herrschern der beiden nordischen N in Person ausgefochtenen Zweikampfe nichts zu melden. 1 5 Was nützt mich der Mantel, wenn er nicht gerollt ist? Dieses ge⸗ flügelte Wort vom Kasernenhofe hat wohl Vielen, die es aussprechen hörten oder selbst aussprachen, ein Lächeln abgewonnen; meinem Vetter E. ist aber in der Schlacht von Beaumont vom 30. August 1870 durch den „gerollten“ Mantel das Leben gerettet worden. E. erhielt, als das J. Armeekorps die Divisionen de Failly's aus dem Gehölz von Givodeau warf, einen Schuß in den linken Theil der Brust, der unter den Trag⸗ riemen des Tornisters zu liegen kommt. Die Kugel hatte aber, da sie den Weg durch den gerollten Mautel und den Tragriemen nehmen mußte, an Kraft verloren und schlug nur oberflächlich in das Rippen— fleisch ein, ohne die Rippen selbst zu treffen. Ja sie war, als sie später entfernt wurde, dem Gesetze der Schwere folgend, ein Stück zwischen Haut und Fleisch abwärts geglitten. Vetter E. durfte nun als Leicht⸗ verwundeter auf einige Wochen nach seiner deutschen Heimath reisen. Hier zeigte er den aufgerollten Mantel, der nicht weniger als sechzehn Löcher durch die Kugel erhalten hatte, seinen Freunden und. Auf mehr als fünf Milliarden Francs oder vier Milliarden Mark. wird der Gesammtverlust veranschlagt, den Frankreich durch die Ver— wüstungen der Reblaus in seinen Weinbergen erfahren hat. Treffen auch diese Verluste den Staat nur insofern, als dadurch die Steuerkraft eines ganzen Dritttheils von Fraukreich auf lange Zeit hinaus entsprechend zurückgegangen ist, so schädigen sie aber in ganz einpfindlicher Weise den Volkswohlstand. Es werden noch Jahre vergehen, ehe die Weinerzeu— gung Frankreichs wieder eine Höhe erreicht, die sie vor dem Auftreten der Reblaus erstieg. 2 Ein neuer Dichter. Bei Beginn der Theatersaison wird in einem Theekränzchen von den aufzuführenden Stücken und den betreffenden Dichtern gesprochen.„Von wem,“ fragt eine junge Blondine,„sind „Die lustigen Weiber?““„Von Windsor!“ antwortet schlagfertig, wie immer, die Präsidentin des Kränzchens. 2 0 A 7 6 RNäthsel. Weißt du, was zähmt der Traube Blut, Wenn's gährend braust in wildem Muth?— Was munt'rer Buben Spielwerk ist, Und gold'ne, gold'ne Bande schließt? Sahst du, wie zu erstorbner Welt Ein Künstler kommt ganz unbestellt, Der zierlich pudert und auch kräuf'bt, So sprich nun, wie der Künstler heißt. Kreuz⸗Räthsel. Aus nachfolgenden Buchstaben: 4 ATA 44 KA 4A D 85 q 98 i 1 125 L u 1 N 1 MNNNNN NOIR R S S 8 7 Usoso sind neun Worte zu bilden und in derselben Weise zu ordnen, so daß die mittleren Reihen, von oben nach unten und von links nach rechts gelesen, gleiche Wörter ergeben. Die neun Reihen ergeben folgende Wörter: 1. Einen Raubvogel. 2. Den Namen eines Monats. 3. Einen Fluß im nordwestlichen Deutschland. 4. Den Namen eines griechischen Feld— herrn. 5. Einen Dichter der Gegenwart. 6. Eine Stadt an der Ostsee. 7. Einen Fluß in Afrika. 8. Ein Wiederkäuer. 9. Einen türkischen Titel. Aufloͤsung der viersilbigen Charade in voriger Nummer: Baden Baden;— des Arithmogriph: 1. Pappel. 2. Arno. 3. Lauterburg. J. Indigo. 5. Neuenburg. 6. Dromedar. 7. Rienzi.§. Ostkap. 9. Marbach. Palindrom— Logogriph;— der Koͤnigspromenade: Alles kann sich umgestalten! Mag das dunkle Schicksal walten; Muthig auf der steilsten Bahn Trau' dem Glücke, trau' den Göttern! Steig' trotz Wogendrang und Wettern Kühn wie Caesar in den Kahn. Laß den Schwächling angstvoll zagen! Wer um Hohes kämpft, muß wagen, Leben gelt es, oder Tod. Laß die Wogen donnernd branden: Nur bleib' immer, magst du landen Oder scheitern, selbst Pilot. Matthisson. 1) e-e 07-6 32) Le2- da KG-e a 2) d2— d d7=- di 33) Tb7- a7 Keö- dd 3) Sbi ez 8g8 0 34) Ta7 a6.) Tes-elx 4) Lel-g5 LfS e 35) Ld3- 1 Kdl- 3 5) ed- e5 86- d7 36) b3- ba d-d f 6) Lgö-e7: Das er: 37) Ta-a r el—ecz 7) LII-d3 a7 461) 38) Ta 3-46 da- d 8) Sc-e 1- c52 39) Tas- de 43d: 9) e263 Sb c 40) b4—-b5 1L»6— 5 10) 2-473) c- dd: 41) bo- Tez- el“) 11) c ds: Scö-d! Weiß giebt die Partie auf. 13 5 5 9 17 555 Stellung nach dem 17. Zuge von Schwarz. 14) 8g1-f3 Ddd—btz 15) Tal- el Sd7-eõ 16) Ldg-b! LeS-d7 17) Dd2- da Tas-es 18) 0-09 Seb— a4 19) Teles Ld7-es: 20) b2— bz Dbö-dif 21) 813 da: Sa- b6 22) 45 87—g6 23) fo-es: LeS-es: 24) b2—h4 KeS-e7 25) 4-5 Sb6-d7 26) h5-—g6: 17—g6: 27) TI— el Sd7- eb: 28) Tel— 7 Ke7 29) Te7-bꝛ: Ths-es 30) Lbl—e2 Seb cg 31) Sdä- cg: Tes-es: Drud und Verlag der„Volte-Zeuung“, Att.-Gcs. in Berlin, Lützowstr. 105.— Scrantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowsir, 105. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Diesem Problem wurde in dem Problemturnier der„Flontreal Gagette“ der Preis für den besten Dreizüger zuerkannt. Vartie Nr. 278 gespielt im vorigen Jahre im Londoner Meisterturnier. Weiß: Dr. Zukertort. Schwarz: J. H. Blackburne. 1 R. a N * 25 8 g N 232.. Aöflelsprung. Problem Nr. 486 3 Plauck in London. 1 7 1 1 2 7. n, von ort Tjah⸗ ju⸗ bei in⸗ ge⸗ sie.., l ß 8 . 14 g 5, ,, 1 willst gend mir wo zig dem so ne⸗, a, 5 7 ,. 2 2 ,. 5 9,, den willst du re er⸗ sie ge en, 1 7 1 7 6* ö 2 e,. u, e, 0 N schatz von bes⸗ ewig mai zwan- rung blüht 4. N. 5 e e ee 991 2 8,, . 2 e, du dir ner sten lie⸗ sie bleibt Tle—„ 1 2 0 U mir dei— klei- platz jung wig am wohl 9.,.. ee, e eee ge wort er gun ich men geh e ß, e, 1 ö e,, 5 .— I ner ein zei- nes jung ein an war⸗ 5. a 5 0 d 2705 1 8 1 f N . 1 4 N ——— ) Eine nothwendige Vorbereitung für 7 ch. ohne welche diefer Zug hier von Weiß vortheilhaft mit 8c3—b5 beantwortet werden könnte. a 2) Bei der Fortsetzung: Dbaef 9% 3 Dbz würde Weiß mit 10) 24 nebst Sta ꝛc. schmell zu einer guten Entwickelung gelangen welche für den verlorenen Bauern entscadigen würde. 3) Hierdurch wird ein wichtiger Bauer eingebüßt; durch 22—a3 oder auch Dal da hätte Weiß disem Berluste vorbeugen und alsdann das Spiel mit 2— 11 fortsetzen können 4 Der Damentausch. zu dem die Rochade Gelegenheit giebt. war kaum zu vermeiden. da Schwarz mit Sdaf(10) Kdz. Da 20 Les f Les. 21) Sd Sse] einen zweiten Bauern zu erobern drohte. 5) Nimmt der Läufer den Bauer, so folgt Keg, und der Freibauer von Schwarz kommt auch dann zuerst zur Dame.* 6 Geht der Bauer nach b7 vor, so muß Schwarz zunächst den Thurm nach 1 spielen und den nicht mehr zu rettenden Bauern schlagen, denn ITI würde wegen 220 K! 23) Ted t c. nicht genügen; schnell entscheidend war auch 41/3 b7 42 el 8 43,01 25 41 11— und Matt in spätestens fünf Zügen, oder 12).. Leg f 43/ le 80 40 011. Chz 45) Df ꝛc. Zzriefwechsel. B. in Putbus. Der Empfang richtiger Lösungen zu den Nummern 477-481 lann Ibnen erst an dieser Stelle nachträglich bestätigt werden. Auch Ihre weitere Losungen sind korrekt und werden dei der Lösungsangade berücksichtigt werden. 2 N. B. in S. Wir theilen volltommen Ihr anertennendes Urtheil über die hübsche Nr. 481. welche zu den gefälligsten Originalbeiträgen gehört, die unsere Schachspalte dem ideenreichen Verfasser verdankt. 1 . K. in B.; Dr. W. in M.; Dr. K. in G.; O. W. in G. Zuschriften und Beiträge dankend erhalten.. 3.