t. WR fenen 1 zu den— Ouerhessischen Unchrichten. N R FRR̃²A•Ḱm 0 1 f N Jeder Nachbruck aus ven Inhalt bleser Heltschelst wird strasrechtlich erfolgt werden, Gießen, den 19. August. 1889. Die Kammerzofe. Novelle von M. Elton. (Portsetung.) Wer war diese Frau, deren brillante Erscheinung in dieser 0 Einsamkeit auftauchte? Sie konnte nur den Pariser höchsten Kreisen angehören, das bekundete Alles an ihr und doch war er ihr nie begegnet. So wenig vortheilhaft auch seine Ver— abschiedung aus dem Bereich der Dame gewesen, so bereute er doch nicht, die einzig mögliche Gelegenheit ergriffen zu haben, sich ihr bemerklich zu machen. Abends im Salon fehlte die Gräfin de Gatonniere, ihr Sohn entschuldigte sie wegen leichtem Unwohlsein. Heuri d'Ormont, vielleicht durch das gehabte Abeu— teuer in einer erhöhten Stimmung, wahrscheinlich auch durch die Abwesenheit der alten Dame, belebte die Unterhaltung und wagte öfters, dem jungen Mädchen ganz ungenixt in die braunen Augen zu sehen, die sie nicht vor seinem flammenden Blick niederschlug. Jeanne's rosiges Gesicht drückte deutlich aus, daß sie sich von dem Banne, in den sie die Großmama schlug, erlöst fühlte. Mit einem fragenden Blick auf ihren Vater ließ sie sich aufangs in's Gespräch ein, und als von dieser Seite sich kein Hinderniß zeigte, fing sie an auch mehr wie„ja“ und„nein“ zu antworten. Eigentlich schüchtern, wie ein Klosterzögling, war sie nicht, ihre blühende frische Gesundheit verlangte nach Leben und Frohsinn, und ihre Lebhaftigkeit ertrug nur schwer die Ein— dämmung. lle n'est pas du tout sotte, cette petite fille,“ sagte sich der Vicomte bei Jeanne's treffenden prompten Bemerkungen und der Frische, mit der sie Alles vorbrachte. Es schlug neun Uhr, die Stunde, in welcher sich die Großmutter prompt mit der Enkelin zurückzog. Der Graf warf einen Blick auf die Uhr, aber Jeanne verstand ihn nicht und blieb. d'Ormont zögerte, eine Frage, die ihn den ganzen Abend beschäftigt hatte, schwebte auf seinen Lippen. Durfte er sie in Gegenwart des jungen Mädchens wagen? Welche andere Bewandtniß konnte es mit der frappant schönen Frau, die sich stundenlang im Garten des ver— fallenen Schlosses von Gillebonne erging, haben, als die eines Fehltrittes? Verschollen und vergessen, wie so manche Andere, die wie Meteore glänzend und flüchtig am Himmel der Welt— stadt erschienen und mochte, sie gefallen, in dem Winkel jener fernen Provinz sich bergen. Dachte er an die königliche Er— scheinung der jungen Frau, an den unbeugsam stolzen Blick des kalten Auges, so wurde es ihm wunderlich zu Muthe bei der Annahme, daß diese schöne eisige Statue im tollen Bann der Liebe mit allen Forderungen der Gesellschaft gebrochen und in Leidenschaft verloren, ihr stolzes Selbst geopfert habe. Das wollte er festhalten, zudem konnten ja hundert andere Gründe die Dame bewogen haben, eine kurze Rast hier zu nehmen; sonderbar genug, daß er nur gerade einen Skandal annahm und sich stark durch sein Eindringen gegen sie verfehlt halte. Er mußte wissen, wer sie war, um wo möglich diesen fatalen Ein— druck zu mildern. „Können Sie mir sagen, Herr Graf, ob das Schloß in Lillebonne bewohnt ist?“ fragte er, als er von der Aussicht vom Thurm lebhaft gesprochen hatte. Der Graf reckte den Kopf und sah ihn scharf au. d'Ormont hielt den Blick ganz harmlos aus;„es schien mir eher, als sei es bewohnt,“ fügte er hinzu. „Eine Dame hat es vor längerer Zeit erworben, die Marquise de Bonat,“ antwortete der Graf. „Eine noch junge Frau von imposanter Schönheit?“ fragte der Vicomte lebhaft,„daun habe ich sie gesehen.“ Dem Herrn des Hauses schien das Thema nicht zu behagen, er runzelte die Stirne; um so mehr wurde aber Heuri's Neu— gierde erregt.„Ist die Dame Wittwe?“ fragte er. „Sie muß nur kurze Zeit verheirathet gewesen sein,“ er— widerte der Graf kurz. Jeanne erhob sich und ihr Vater mochte glauben, daß sie den Salon verlassen habe, denn er setzte nach, einer Weile hinzu:„Es ist die ärgerlichste Geschichte, die mir je vorgekommen ist.“ „Ein Skandal, wie er wohl in Paris nicht vereinzelt dasteht,“ sagte der Vicomte mit Verständuiß. „Ein Skandal, ja; Sie irren sich aber, wenn Sie voraus— setzen, daß der Ruf der Marquise de Bonat je angetastet war; sie ist zu stolz, als daß sie je sich vergessen konnte. Es ist freilich schlimmer, Sie wissen: le riclicule tue,— die Geschichte ist widerwärtig, geschmacklos.“ „Und Sie sagen, daß die Marquise schuldlos ist?“ fragte der Vicomte ungläubig. „Vollkommen schuldlos,“ versicherte der Graf in einem Tone, der jede weitere Frage abschnitt. In einer entfernten Fenster— nische, d'Ormont gegenüber, wurde Jeanne's helles Kleid sichtbar. Sie näherte sich lautlos der Thibre und legte den Zeigefinger auf die Lippen. Der Vicomte verstand das Zeichen, er regte sich nicht, sondern ließ dem jungen Mädchen Zeit, von dem Vater ungesehen, der ihr den Rücken zuwendete, zu entschlüpfen. Die braunen klaren Augen Jeanne's lachten ihm frühzeitig am andern Morgen zu, als er seinen gewöhnlichen Spaziergang durch den englischen Garten nahm. „Darf ich Sie ein Stückchen begleiten, Mademoiselle Jeanne?“ fragte er sie. „Ich wäre schon damit einverstanden,“ antwortete sie fröhlich; „die Großmama aber würde mir schöne Augen machen.“ „Die Großmama ist ja krank,“ sagte er munter. 4 R . Se 266 3 „O nein, das ist schon vorbei,“ fiel sie mit einem betrübten Gesichtchen ein,„heute erscheint sie wieder zum Frühstück.“ Er hatte Mühe, das Lachen zu verbergen.„Aber erzählen Sie mir von der Marquise, die Sie gestern gesehen haben,“ sagte sie lebhaft und näherte sich ihm einen Schritt.„Ist sie jung? Ist sie schön? Was hat Papa noch von ihr erzählt? Warum bat sie sich in das verfallene Schloß eingesperrt!“ Der Vicomte war in Verlegenheit gerathen dieser naiven Kindlichkeit gegenüber. Jeanne behandelte ihn wie einen guten Kameraden, nicht ahnend, was sie da berührte. „Ich weiß nicht mehr, wie Sie,“ erwiderte er,„Ihr Herr Papa hat sein letztes Wort über die Geschichte gesagt, ehe Sie den Salon verließen. Daß die Marquise de Bonat schön und jung ist, habe ich mit eigenen Augen gesehen.“ „Was kann sie nur gethan haben?“ überlegte Jeanne, langsam den Kopf schüttelnd.„Wie kann man aber gezwungen sein, sich zu verbergen, wenn man ganz unschuldig ist, wie Papa sagt.“ Sie blickte suchend zu Boden und biß die weißen Zähnchen in die rothe Unterlippe. Sie erschien d' Ormont reizend in diesem Augenblicke, hinter der weißen Kinderstirne die grübelnden Ge— danken, die gewiß nichts an naiven Vermuthungen zu wünschen übrig ließen. Das rosige junge Mädchen und die todtenbleiche Frau mit dem stolzen strengen Ausdruck, welch ein Kontrast! Ein Buch voll weißer unbeschriebener Blätter und eines voll fieberhaft bekritzelter Seiten!—„Arme Frau!“ kam es über seine Lippen. Jeanne erhob rasch den Kopf und blickte fragend den Vicomte an. i „Sieht sie bedauernswürdig aus? Ach, ich möchte sie sehen!“ rief sie und es glänzte in ihren Augen auf. Der Vicomte schüttelte langsam den Kopf.„Es ist anzu— nehmen, daß die Marquise Niemand sehen will,“ sagte er zerstreut. Es schien Jeanne eine glückliche Idee gekommen zu sein, ihr Gesicht färbte sich lebhafter, sie athmete erleichtert auf, als sie rief:„Wollen Sie mir versprechen, mir es mitzutheilen, sobald Sie etwas über die Marquise erfahren?“ Henri lachte kurz auf, das kameradschaftliche Verhältniß be— lustigte ihn.„Ich stelle eine Bedingung, Mademoiselle Jeanne,“ antwortete er nach einiger Ueberlegung;„ich verspreche es Ihnen unter der Bedingung, daß ich die Zeit der Mittheilung nach Belieben wählen kann.“ Sie flog davon, denn von fern zeigte sich die Kammerfrau der Großmama, welche Jeanne zu suchen schien. Der Vicomte begab sich auf sein Zimmer. Gestern Abend hatte er gedacht:„In vierzehn Tagen bin ich wieder in Paris, und es müßte auf sonderbare Weise zugehen, wenn de Preuil, welcher seit achtzehn Jahren das Fauburg St. Germain in Paris frequentirt, mir nicht Auskunft über die Marquise geben könnte.“ Vierzehn Tage! Das ertrug seine Ungeduld nicht. Er setzte sich nieder und schrieb seinem Freunde einen ausführlichen Brief über den Aufenthalt in der Normandie. 16955 Ausgerüstet mit einem guten Fernrohr brachte er nun täglich längere Zeit auf dem Plateau des Thurmes zu. Ein mit Moos bewachsener Stein bot sich als Sitz, und so verträumte er die Stunden, mit dem Fernrohr jede Bewegung der Marquise de Bonat versolgend. Sie betrat immer dieselben Wege, saß immer auf demselben Platz, die saubergehaltenen Anlagen des Gartens, der üppige Blumenflor zogen ihren Blick nicht von dem Boden oder von dem Buche, in welchem sie las, sobald sie ihren gewöhnlichen Platz in der Nähe des Bassins einnahm. Wie müde und abgespannt mußte sie Abends nach dem stunden— langen einförmigen Wandern durch die Gartenwege sein. Ihr feines regelmäßiges Gesicht, von der Weiße einer Schnur echter Perlen, zeigte dem Beobachter auf dem Thurme nie einen andern Ausdruck wie den starrer eisiger Ruhe, nur hier und da unter— brochen durch ein plötzliches Heraufziehen der dunkeln zart— geschweiften Augenbrauen, unter welchen die Augen sich dann groß öffneten und einen kalten fragenden Blick auf das mit Wasserrosen besäete Bassin warfen. Des Vicomte Herz schlug unruhig bei jeder unverhofften Bewegung der einsamen Frau. Gefahr entd it zu werden, war keine vorhanden, der Marquise Blick erhob 1 f nie zu der Höhe des Thurmes. Niemand störte sie in ihrem Wandern; wann es anfing, das wußte der Vicomte nicht, wann es aufhörte, ebenso wenig. Verdrießlich erhob er sich, wenn die Uhr im Städtchen fünf schlug, er durfte sich zu 1 dem um sechs Uhr statthabenden Diner nicht verspäten, und sein letzter Blick fiel auf die rastlos wandernde Frau. Ihr Gang hatte etwas Eigenartiges, er sah mit der sich lange nachziehenden Schleppe eher wie ein langsames Schweben aus, ihr Kopf war meistens unbedeckt; dieser edelgeformte Kopf, mit dem schwarzen festanliegenden Haar, wurde nur hier und da durch den Sonnenschirm vor den brennenden Strahlen ge⸗ schützt. d'Ormont studirte jeden Toilettengegenstand, den die Marquise trug, Alles war nach neuester Mode und von ein⸗ sachster höchster Eleganz; er hätte nicht mit ganzer Seele Pariser sein müssen, um nicht einen hohen Begriff von dem Geschmack⸗ und Schönheitssinn der Dame zu hegen, die selbst in einer ver⸗ lorenen Existenz in einer Einöde nicht vergaß, was sie sich schuldig war. Abends während dem Diner verfolgten ihn die Augen Jeanne's; sie fragten offenkundig:„Was haben Sie heute über die Marquise erfahren? glauben Sie es an der Zeit, mir Mit⸗ theilung davon zu machen?“ Sie fand ihn immer mehr in sich versunken, gerade so schweigsam, wie die Großmama. Jeanne fing an ungeduldig zu werden, und als d Ormont selbst die Ge⸗ legenheit versäumte, die einzig mögliche Zeit, sie einen Augen⸗ blick im Garten Morgens zu sprechen, zu benutzen, da that sie, als wäre er gar nicht mehr für sie da. Sie hatte erfahren, daß er täglich nach dem Frühstück nach Lillebonne ging,— ja freilich, die Marquise war so schön und interessant, vielleicht hatte er ihre Bekanntschaft gemacht und entschädigte sich für die Langeweile, welche die Großmama um das Schloß schuf. i „Papa,“ flüsterte sie eines Tages dem an seinem Schreib⸗ tische beschäftigten Grafen über die Schulter zu:„Kann der Vicomte der Marquise de Bonat Besuche machen? er geht täglich nach Lillebonne.“ Der Graf wandte ihr hastig sein erstauntes Gesicht zu.„Was weißt Du von der Marquise de Bonat?“ fragte er mit ge⸗ runzelter Stirne. „Das, was Du neulich mit Herrn d'Ormont darüber ge⸗ sprochen hast,“ entgegnete Jeanne und sah ihrem Vater ganz offen in's Gesicht. g Er kam in Verlegenheit und blickte mißmuthig d'rein.„Ich erinnere mich nicht mehr genau, was darüber gesprochen worden ist,“ sagte er abweisend;„übrigens glaubte ich, Du hättest den Salon verlassen. Höre, Jeanne, Du mußt Dich nicht mehr über der Großmama beständige Wachsamkeit beklagen, Du siehst ja, wie es geht, wenn sie abwesend ist.“ „Du lieber Gott, steckt denn ein so schreckliches Geheimniß hinter dieser Marquise?“ rief Jeanne verwundert. „Wenigstens etwas, das sich nicht für Deine Ohren schickt,“ antwortete der Graf und sah mit Wohlgefallen seiner Tochter in das liebliche Gesicht. „Für die Ohren eines Kindes,“ sagte sie in reizendem Ver⸗ druß,„sage mir, Papa, bleibt der Vicomte noch lange hier!? In diesem Falle wünsche ich, lieber wieder in das Kloster zurück⸗ zukehren. So eingeschränkt, wie ich seit Herrn d'Ormont's An⸗ wesenheit hier leben muß, mag ich nicht weiter leben. Dabei, troz meinen besten Bemühungen, täglich einen Auftritt von Seiten der Großmama. Keine Zurückhaltung, keine Vornehmheit, so jammert sie den ganzen Tag,— ach, Papa, ginge doch der Vicomte fort!“ 5 Der Graf lächelte geheimnißvoll und sah seiner Tochter tief in die Augen. Jeanne erröthete über und über und der Ver⸗ such, die Augen dem Boden zuzuwenden, mißlang, denn der Graf hielt seines Töchterchens Kinn energisch empor. „Du bist doch weniger Kind, als ich dachte,“ sagte er ge— dankenvoll. g e „Der Vicomte langweilt sich hier zum Sterben; nun wird er wohl täglich die Marquise de Bonat sehen, welche er sehr schön findet,“ rief sie in sichtlichem Verdruß. g Graf Gatonniere ging mißmuthig in seinem Arbeitskabinet auf und ab, als Jeanne gegangen war. Seine Mutter hätte den beiden jungen Leuten etwas mehr Annäherung gestatten dürfen, das sah er ein. Der Vicomte erwartete ja nicht, in dem 1 1 siebenzehnjährigen Zögling des Klosters eine Dame der großen 267 Welt zu finden,— das war an ihm, dem jungen Gatten, die junge Frau mit Hilfe dieser großen Welt, der glänzenden Konzerte und brillanten Theater, was sie Alles durch ihn kennen lernen mußte, zu einer reizenden bewunderten Frau heranzubilden. Lange sann er nach, um einen Ausweg zu finden, der im Stande war, sie darauf aufmerksam zu machen. Es war nicht unbedenklich, wenn der Vicomte sich in ein Abenteuer stürzte, das durch die Schönheit der Marquise de Bonat und besonders durch das Ge— heimniß, das d'Ormont so sehr beschäftigte, die Pläne des Grafen stören konnte. Wessen ist ein junger Pariser nicht fähig, wenn es eine reizende Frau gilt und wenn er sich langweilt. Die Marquise war, als sie eine Zuflucht im alten Schlosse von Lille— bonne gesucht, für eine Frau von unbändigem Stolz erklärt worden, jetzt kümmerte sich schon längst Niemand mehr um sie. Was konnte aber in zehn Jahren aus ihrem Stolze geworden sein, wenn sie vor Langeweile zu Grunde ging! Unmöglich war es nicht, daß der Vicomte Einlaß in's Schloß gefunden, und dann blieb ja ohnedem dem Grafen Gatonniere nichts anderes übrig, als die schwebende Frage kurz abzubrechen. Er beobachtete des Vicomte geröthetes Gesicht, als derselbe, wie täglich, prompt zum Diner erschien. Jeanne würdigte ihn keines Blickes, sie verließ früher wie sonst, noch vor ihrer Groß— mama, den Salon und trippelte auch den täglichen Abendspazier⸗ gang durch den Garten nicht mit den Andern ab. Dem Vicomte war die Schweigsamkeit seines Gastfreundes aufgefallen. Er strich sich über die Stirn, über das dunkle lockige Haar.„Drei Wochen hier!“ sagte er sich tief aufathmend.„Irgend eine Willensäußerung muß von mir ausgehen,“ murmelte er hinter der geschlossenen Reihe der Zähne;„aber welche, welche denn? Ich bin seit drei Wochen der Gast hier, es giebt nur eine Frage, die ich an Graf Gatonniere richten kann. Und gerade jetzt, wo ich nichts anderes sinnen und denken kann, als das herrliche kalte Weib in seiner Abgeschlossenheit,— jetzt soll ich vor den Grafen treten,— ich muß die Marquise sehen und sprechen, und sollte sie mir auch wieder die Thüre weisen, wie das erste Mal.“ Es lag ein Brief für ihn in seinem Zimmer, mit zitternden Händen riß er ihn auf, er kam von de Preuil. Was konnten diese wenigen Zeilen viel von dem Geheimniß enthalten, das ihn Tag und Nacht beschäftigte?„Mein Lieber,“ schrieb de Preuil, „es war mir neu zu erfahren, daß Madame de Bongt sich in die Normandie vergraben hat, und bin ich nicht erstaunt, daß sie Ihr höchstes Interesse erregt hat. In Paris, wo die Wogen so schnell über dem Ertrinkenden zusammenschlagen, und er von einem Tag zum andern in das Meer der Vergessenheit finkt, ist Madame de Bonat kaum noch eine Erinnerung. Es ist eine heikle Geschichte, deren Opfer sie geworden; ein Teufel hätte nicht mit größerm Raffinement die Dame an ihrer empfindlichsten Stelle packen können. Die arme Frau! Sie werden mir erlassen, lieber d'Ormont, die Geschichte im Niederschreiben breit treten zu müssen; ein Brief kann verloren gehen, oder in unrechte Hände kommen, überdies widersteht es mir, den vergessenen Affront eigen— händig zu Papier zu bringen. Mißverstehen Sie mich nicht: Madame de Bonat ist immer eine Frau von, so zu sagen, schroffer Tugend gewesen, die mehr bewundert, wie geliebt worden ist. Sie berühren in Ihrem Schreiben nicht Ihre Angelegenheiten, nun, ich hoffe, Sie, so wie so, in der Kürze in Paris zu sehen und werde dann bereit sein, über die Geschichte, die leider damals viel zu sehr in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, Auskunft zu geben.“ Das war Alles! Sie Alle schienen sich verschworen zu haben, sein Interesse für die Marquise zu einer unerträglichen Höhe zu steigern und ihn zu irgend einer Tollheit zu bringen. Dazu kam ein Schreiben seines Vaters, der ihn mahnte, den Besuch kurz abzubrechen, da unbegreiflicher Weise die Grenzen des An— standes längst überschritten wären. Freilich blieb ihm nichts anderes übrig, wie eine Erklärung dem Grafen gegenüber, das sah er ein. Er hatte den Kopf verloren, als er am nächsten Tage nach Lillebonne eilte. Die Thüre, die zum Thurm führte, war ver⸗ schlossen! Ohne nachzudenken, eilte er in das Gebüsch, um von da einen Eingang in den Garten zu finden; eine hohe Bretter⸗ umzäunung umgab jetzt den Thurm, es war kein Ausblick mehr möglich. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und stampfte . hatte den Arm in den des jungen Mannes gelegt, und die Unter— wüthend den Boden. Einen Augenblick dachte er daran, in das Schloß zu dringen und auf seiner Visitenkarte den Namen de Preuil's niederzuschreiben und sich mit dessen Hilfe bei der Marquise ein— zuschmuggeln. Er schüttelte den Kopf; es war ja zu augenscheinlich, daß sie sich strikt gegen seine Zudringlichkeiten verwahrte,— und dann, wie hätte er seinem Gastfreund gegenüber gestanden, seinem Vater und sich selbst, in einem Augenblick, da er sich moralisch verpflichtet fühlte, auf das Heirathsprojekt einzugehen. Auf Umwegen kehrte er gegen Abend nach dem Schlosse zurück. Als er einen Seitenweg des Parkes einschlug, war er nicht wenig erstaunt, den Tritt von Pferden und fröhliches Lachen zu hören. Der Vicomte blieb stehen und sah im breiten Fahrweg einen Herrn und eine Dame zu Pferde; der Herr war jung und elegant und saß tadellos zu Pferde, und die Dame war keine andere, wie Mademoiselle Jeanne, mit glühenden Wangen und freudig leuchtenden Augen. Verblüfft sah d'Ormont, wie das schöne Paar vorüberflog.„Sie ist reizend, geradezu verführerisch schön,“ murmelte er,„wo hatte ich denn meine Augen!“ Er sann und sann, eine dunkle Gluth stieg ihm in die Stirne: Das war die beste Art, den taktlosen Gast zu verabschieden. Graf Gatonniere hatte, wie das nicht anders zu erwarten war, von seinem unter den gegenwärtigen Umständen unschicklichen Betragen gehört, und um ihn und sich Aufklärungen zu ersparen, war kurz und gut ein Verlobter vorgeschoben worden. Der Verlobte von Mademoiselle Jeanne mußte der junge Herr sein, denn von der alten Gräfin war keine Spur zu sehen. Sonderbarer Weise em⸗ pfand d'Ormont bei dieser Gewißheit durchaus kein Gefühl der Erleichterung und Befreiung; er fühlte sich gekränkt und nach der ersten Aufregung tief niedergedrückt. Am liebsten wäre er nicht im Salon erschienen; aber das ging nicht, er durfte seinen Verdruß nicht zeigen.„Baron de Gatonniere,“ stellte die alte Gräfin ihm den jungen Herrn vor, „mein Enkel,“ fügte sie hinzu. Einen Augenblick erleichterte sich sein Herz,. und er grüßte freundlich den Baron, der ihm die Hand reichte. Aber das machte die Sache nicht besser, daß er Jeanne's Kousin war; der hohe Adel Frankreichs liebte ja vorzugsweise die Ehe zwischen nahen Verwandten. Der Baron brachte den besten Humor zum Diner mit, und mit einem echt großmütterlichen Gesichte ruhte der Gräfin Blick auf den sich fröhlich unterhaltenden Enkelkindern. Auch des Grafen Liebling schien der Neffe zu sein, und der anspruchslose, liebenswürdige Mann schien plötzlich alle diese Menschen umgewandelt zu haben. Man blieb bis Mitternacht im Salon, spielte Whist, und Jeanne saß neben ihrem Kousin, sah ihm in die Karten und deutete auf die Karte, die er aus— spielen sollte. Als d'Ormont den Salon verließ, war er wüthend über sich, über den Kousin und über die Großmama, die ihm jeden Verkehr mit Jeanne unmöglich gemacht hatte. Morgens begegnete er Kousin und Kousine im englischen Garten; Jeanne haltung zwischen den Beiden war augenscheinlich sehr vertraulich. d'Ormont wollte mit einem Gruße vorübergehen, Gatonniere aber blieb stehen und fragte:„Wollen Sie uns ein bischen durch den Park begleiten, Herr Vicomte?“ Wer konnte dem Menschen mit dem offenen schönen Frühlings⸗ gesicht gram sein? Sie glichen sich, die Enkel der Gräfin de Gatonniere, dieselbe Frische und Offenheit im Ausdruck, dieselben munteren braunen Augen und derselbe unvergleichliche, von warmem reinem Blut durchwärmte Teint. Nur war bei dem männlichen Sprossen der de Gatonniere die jugendliche Kraft vorherrschend, während Jeanne in zarter Lieblichkeit, trotz der großen Aehnlichkeit, gar anmuthig mit ihm kontrastirte. Die alte Frau konnte wohl stolz auf diese Enkel sein, und kein Wunder war es, wenn in das kalte Gesicht Leben und Gefühl kam, so⸗ bald ihr Blick auf dieser Nachkommenschaft ruhte. Jeanne zog den Arm aus dem ihres Kousin's, als d'Ormont an ihrer Seite ging; sie sprach in den ersten Minuten nicht, und der Vicomte dachte, es sei ihr unangenehm, daß er die Auf⸗ forderung zur Begleitung angenommen. Was konnte sie freilich viel Theil an der Unterhaltung nehmen? Der Kousin sprach von den gegenwärtigen dramatischen Dichtern und begeisterte sich für Augier und dessen Drama:„Die Fourchambault Sie unter⸗ brach aber bald dieses Thema und lenkte es auf 5ferde.„Um . — 9 g 1* 3 N 2 — 0 e * 8 268 zwei Uhr, sei exakt, Robert,“ sagte sie und blieb stehen.„Heute geht unser Ritt nach Lillebonne.“ „Das wird Dein Ernst nicht sein, Jeanne,“ antwortete der Kousin und fuhr sich mit dem Taschentuch über die heiße Stirne. „In der Mittagshitze und keine Spur von Schatten auf der Chaussée, das würde ein sehr mäßiges Vergnügen für uns sein.“ „Du meinst so; frage doch den Herrn Vicomte, ob das kein Vergnügen ist,“ sagte Jeanne, und ein Lächeln spielte neckisch um ihren feinen Mund.„Tag für Tag macht er in der Mittagshitze den Weg nach Lillebonne zu Fuß und beklagt sich weder über Sonne noch über Staub.“ Jeanne's braune Augen waren sonderbar forschend auf ihn gerichtet, während sie sprach. d'Ormont fühlte, daß ihm die Röthe in's Gesicht stieg; der Kousin sah den Einen und die Andere an und verstand nicht, auf was Jeanne hinzielte.„Meinetwegen,“ sagte er und zuckte flüchtig die Achsel,„ce que semme veut, Dieu le veut.“ „Hast Du je von der Marquise de Bonat gehört?“ fragte Jeanne und beobachtete mit wahrem Genuß d'Ormont's Ver— wirrung. Der Kousin schüttelte den Kopf.„Nicht? Nun dann wollen wir trachten, sie heute zu sehen; der Herr Vicomte wird so freund— lich sein, uns bei ihr einzuführen. Selbstverständlich darf die Großmama nichts von unserm Besuch erfahren.“ d' Ormont betrachtete das kaum dem Kloster entwachsene Mädchen. Es lag eine Malice, ein Hohn in ihren Worten, die so harmlos hingeworfen waren, daß selbst der Kousin sie arglos auffaßte.„Sie sind boshaft, Mademoiselle Jeanne,“ rief er lachend;„glauben Sie ihr nicht, Baron; ich kenne die Marquise de Bonat nicht und habe sie nur zufällig oben vom Thurm aus in ihrem Garten gesehen.“ Forschend examinirten ihn des jungen Mädchens Augen, als wollten sie fragen:„Kann man Deiner Wahrheitsliebe vertrauen?“ Nach dem Frühstück wurden drei Reitpferde auf dem Perron des Schlosses vorgeführt. d' Ormont sühlte sich sonderbar erregt, heute sollte und mußte sein letzter Tag in dem Schlosse sein. Da fuhr auch schon die Kalesche vor, und die Gräfin stieg schwer— fällig hinein. Der Vicomte hätte zu Hause bleiben mögen, als er sah, daß sich bis zur letzten Minute der Argus an seine Fersen hängen würde. Nun, schließlich lag ja nichts mehr daran, der Dienst der alten Gräfin fand ja doch heute seinen Abschluß. Der Anblick der Kalesche machte augenscheinlich auf Jeanne ebenfalls keinen ermuthigenden Eindruck, nur der Enkel ließ die Beiden, die schon die Pferde bestiegen hatten, warten und half seiner Großmutter sehr sorgsam in den Wagen. Auch war auf dem Ritt der junge Baron besonders bedacht, daß die Gesellschaft in der Nähe der Kalesche blieb. „Wir werden den Thurm des Lillebonner Schlosses besteigen, Großmama,“ rief Jeanne heransprengend. Der Vicomte be— trachtete das schöne Mädchen in dem knappen Reitkleid mit so erstaunten Blicken, als sei Jeanne seit gestern eine ganz Andere geworden. Sie war anders wie sonst, das Kind war zurück— getreten, und die junge Dame entfaltete sich, seit der Koufin auf dem Schauplatz erschienen war.— Die Gräfin schüttelte miß— billigend den Kopf.„Der Thurm gehört zum Besitzthum der Marquise de Bonat; wie werden diese Dame, die uns unbekannt ist, um keine Gefälligkeit ansprechen,“ entschied sie. Jeanne wendete den Kopf und sah einen Augenblick lang d'Ormont durchdringend an; und als er fest ihren Blick er— widerte, erröthete sie. Was mochte ihr nun wieder das Köpfchen durchzuckt haben? Diese Marquise beschäftigte sie ja außer— ordentlich, ja gerade, wie dem Vicomte zum Trotz. Es wurde Jeanne kaum ein neugieriger Blick auf das alte Schloß gegönnt, die Gräfin winkte schon, daß man umkehren solle.— Jeanne war schweigsam während dem Diner, es gelang ihrem Kousin nicht, sie in die gewöhnliche fröhliche Laune zu versetzen. Die Gräfin erhob sich alsobald und sagte zu ihrem Sohne:„Der Ausflug hat mich müde gemacht, ich will mich zurückziehen, ich wünsche, daß Jeanne und Robert mir Gesellschaft in meinem Zimmer leisten.“ Der Enkel erhob sich sogleich und bot seiner Großmutter den Arm, Jeanne folgte mit einem Gesicht, das, wie der Vicomte meinte, Erregung und Erwartung ausdrückte. Er folgte dem Grafen in den Salon und überlegte, ob es nicht 4 räthlicher sein werde, sich heute Abend ohne Erklärung zu ver⸗ abschieden, und es lieber bei einer leichten Anspielung bewenden zu lassen. Der Gräfin de Gatonniere Absichten traten zu deutlich hervor, mochte der Graf auch den Willen und Wunsch gehabt haben, seine Tochter nach seinem Geschmick zu verheirathen, die alte Gräfin hatte sich dem Vicomte von Anfang an schroff gegen⸗ über gestellt. Er sühlte sich gekränkt und beschloß bei seiner Durchreise den morgigen Tag in Lillebonne zuzubringen und sich den Eintritt durch de Preuil's Namen im Schlosse zu erzwingen. Zerstreut hörte er dem Grafen zu und wartete mit Ungeduld, daß er seine ausführliche Auseinandersetzung über die 1 1 des Bodens durch Rübsaat beendige, eiligst fiel er ein:„Mein Vater glaubt, daß ich mich bereits eines Verstoßes schuldig ge⸗ macht, indem ich die mir so gütigst gewährte Gastfreundschaft über Gebühr verlängert habe. Sie wollen entschuldigen, Herr Grof, wenn ich, durch die sich mir entgegenstellenden Schwierig: keiten entmuthigt, anfange, meinen Zweck für verfehlt zu erachten.“ Graf de Gatonniere richtete sich auf und sah d'Ormont' an. „Die Frau Gräfin scheint eine Gegnerin des Projekts zu sein und eine Heirath zwischen ihren Enkelkindern zu wünschen,“ fuhr d'Ormont hastig fort und stockte dann plötzlich, sein Verdruß sührte ihn über die Grenzen des Schicklichen. 9 „Sie haben richtig errathen, dies war von jeher der Wunsch meiner Mutter,“ antwortete der Graf sehr ruhig. J d'Ormont fuhr hastig auf:„Habe ich irgendwie Ihre Er⸗ wartungen getäuscht?“ fragte er stockend.„Wollen Sie sagen, Herr Graf, daß Sie eine kurze Zeit lang nicht mit Ihrer Frau Mutter übereinstimmten in diesem Plane, daß ich aber nun die Anwesenheit des Herrn Barons als Ihr Eingehen auf das Projekt der Frau Gräfin zu verstehen habe?“ N 2 „Das Einzige, was ich wünsche, ist, mich nicht mißverstehen zu wollen,“ sagte Graf Gatonniere mit seiner unerschütterlichen Ruhe.„Mein Plan konnte nur unter der Voraussetzung aufgebaut werden, daß Sie und meine Tochter sich gegenseitig nicht miß⸗ fielen. Ich wüßte nicht, daß meine Mutter Ihnen den Anblick meiner Tochter entzogen hätte, im Uebrigen hat sie den A schauungen ihrer und, Gott sei Dank, auch unserer Zeit gem die Pflichten vertreten, die ihr durch den Tod meiner Frau gefallen.“ f Der Vicomte biß sich auf die Lippen, er hatte die Lekt verdient. 0 „Unsere Welt gestattet nicht das sogenannte Kennenle 2 vor der Hochzeit. Ich brauche Ihnen das nicht zu erklären, Ihre psychologischen Studien werden Ihnen die Erfahrung bei⸗ gebracht haben, daß mancher Mann seine Frau nach zehnjähriger Ehe nicht kennt. Deshalb konnte es Ihnen wohl nicht einfallen, als Sie hierher kamen, bei einem siebzehnjährigen Mädchen, das fern von der Welt aufgewachsen ist, bodenlose Tiefen ergründen zu wollen.“ 0 9 Der Graf wurde sarkastisch in seiner gleichmäßigen Ruhe, und d'Ormont verlor die Fassung; gegen seinen Willen kam es über seine Lippen:„Ich wollte nichts, wie Mademoiselle Jeanne sehen, als ich hierher kam, und Alles, was ich ergründet habe, ist, daß ich sie reizend finde.“ 4 Der Graf lehnte sich in den Sessel zurück und schwieg einige Augenblicke lang.„Ich habe mich mit meiner Mutter verständigt,“ sagte er darauf;„man entsagt ungern Plänen, die man lange mit Vorliebe gebätschelt hat; um sie ein für alle Mal abzuschneiden, schrieb ich an Ihren Herrn Vater; eine Heirath zwischen meiner Tochter und meines Bruders Sohn kann ich grundsätzlich nicht 4 gestatten, zudem waren die Beiden von jeher wie Geschwister.“ Der Vicomte erhob sich:„Ich habe die Ehre, Herr Graf, Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten,“ sagte er mit Be⸗-⸗ wegung.(Schluß folgt.) N In der Heimalh. Novelle von Hermann Birkenfeld. (Fortsezung.) f „Du willst also Dein Wort nicht halten?“ 11 Gelassen drehte sich Steinwald eine Cigarette und steckte dieselbe in Brand, ehe er für erforderlich hielt, das schon einige Minuten geführte Gespräch mit seinem Gaste wieder aufzunehmen. e eh ut el Nun 0 0 ehe iche cba 1 fle 9 f 1 e elle fu b f lle e e i I c 0 f i 0 I el 1 1 la, 9 9 7 * 0 * 5 N 1 10 N 0 10 0 Chef S— hestnut Street von der Ninth Street aus gesehe n. Bilder aus Philadelphia. 270 „Du sprichst tragisch, alter Junge! Als ginge es um Wohl oder Wehe von—“ 5 „Von einem Menschen, so gut wie Du— Besser als Du wahrscheinlich,“ entfuhr es Lützel, der bisher mit Mühe an sich gehalten hatte. Der Andere lächelte.„Nimm mir's nun übel oder nicht, aber ich hätte Lust, Dir ein Brausepulver zu spenden. Soll ich?“ — Er griff nach dem Schellenzuge.„Nein?— Dann thu' mir wenigstens den Gefallen und mach' Dir's in dem Schaukelstuhl dort bequem.“ „Du vergißt, daß ich nicht hier bin, eine Komödie aufzuführen, sondern Dich zu fragen, ob Du— ein Betrüger werden oder Deine Verpflichtung erfüllen willst.“ „Nichts stimmt den Menschen ruhiger als ein bequemer Sitz, Du solltest es doch versuchen, Wolf. AX propos— sagtest Du eben etwas von einem Betrüger? Ich will das Wort nicht ge— hört haben. Du hast eine ganz wunderbare Auffassung von Geschäftssachen.“ „Ich billige allerdings nur eine, die, ehrlich zu handeln. Und wenn Du Bretters und mir Dein Wort nicht halten solltest, so wäre das eben Betrug.“ Aufmerksam sah Steinwald seinen kunstgerechten Rauchringeln nach.— „Wie Du willst,“ entgegnete er dann gedehnt;„ich nenne es ein Geschäft.— Freilich kein schlechtes, noch dazu eines, das mir nebenher einen kleinen Spezialgenuß verschafft hat.“ „Den, Dich auf jämmerliche Art an einem Manne zu rächen, dessen Tochter sich Dir— nicht verkaufen wollte.“ Für einen Moment blitzte ein lebhafteres Interesse in den hellen Augen des Gutsbesitzers. Dann aber fielen die Lider schon wieder halb darüber, als brauchten sie Ruhe.„Kann mir denken, woher Dir diese Wissenschaft kommt; der alte Scheinheilige hat sie Dir vermittelt, und für Dich ist das natürlich Evangelium. Nein, guter Freund, ich habe doch besseren Geschmack als Du mir zutraust.“ „Und wirst zum— Lumpen an Deiner Gattin.“ In diesem' Augenblick hätte sich Wolf Lützel auf den Erbärmlichen stürzen mögen. Der fingirte ein Gähnen.„Wenn ich nicht irre, bezahlt man solche Schmeicheleien sonst mit der Waffe in der Hand. Eine unsinnige Manier! Man riskiert sein Leben und ist nicht einmal gewiß, das des Andern zu treffen. Wenn Du aber darauf bestehst—“ Ohne ein Wort, nur mit einem Blick, in welchem sich tiefste Verachtung mit lebhaftem Abscheu vor diesem Charakter paarte, hatte Wolf das Zimmer verlassen und schritt über den Korridor nach oben, seine Sachen zu packen. Aber während er den Koffer aufschloß und seine Kleidungsstücke zusammenlegte, überkam ihn wieder der Gedanke an das freudenlose, verlassene Weib drüben im Krankenzimmer. Und an die Andere. Er fuhr auf. Warnen wenigstens konnte er sie noch, vielleicht retten, wenn nicht für sich, so doch vor Jenem! Eine Weile sah er am Fenster stehend unbeweglich in das erblassende Licht des Tages, der sich seinem Ende neigte, dann sank er auf einen Sessel und stützte den Kopf in die Hand. Wieder nach einer Panse erhob er sich langsam und bereitete Alles zu seinem Weggange vor. Er schloß den Koffer, legte seinen Paletot darauf und ging. g „Ich werde Jemanden aus dem Dorfe schicken, der mein Ge— päck nach Kirchberg trägt,“ sagte er unten zu Sophie, die er an der Küchenthür traf, nachdem er im ganzen Hause vergeblich ein lebendes Wesen gesucht hatte;„Sie sorgen wohl dafür, daß er die Sachen auf meinem Zimmer findet.“ Er hatte vorher bei Hedwig angeklopft, aber keine Antwort erhalten und mußte nun wohl oder übel dem Madchen auch auftragen, ihr eine letzte Empfehlung von ihm zu überbringen. Sophie Bretters barg veclegen die Hände unter der weißen Latzschürze. „Die Frau ist unpäßlich. Sie fragten.“ „Gut, gut!“ antwortete er mechanisch; seine Gedanken weilten eben anderswo. Doch sche rate er eine offene Frage, selbst an die Magd. Ich sollte Ihnen das sagen, wenn Er drückte seinen weichen Filzhut auf den Kopf und verließ das Haus. Rüstig wie Jemand, der sich seines Zieles voll bewußt ist, schritt er über den Hof, die schmale steinerne Brücke davor, durch das kleine Buchengehölz, welches die Front und eine Seite des Gutshofes umschloß. Am Wegrande zur Rechten mit einem Blick in's Freie stand ein leichtgefügter Pavillon. Wolf hatte dort noch neulich vor der Erkrankung des kleinen Kurt mit den Damen eine sonnige Mittagsstunde verplaudert, nun war er längst für den Winter verschlossen, seit Wochen hatte ja Niemand von der Südhorner Gesellschaft Lust verspürt, sich im Freien zu ergehen. Aber auf der künstlich aus rohem, ungeschältem Geäst gezimmerten Bank davor saß eine Mädchengestalt, den Arm auf die Lehne gestützt, wie verloren in dämmerigem Sinnen— Marie. Er fand sie also doch noch vor seinem Scheiden. Gleich— müthig indeß kam er näher, kaum daß seine Pulse etwas rascher arbeiteten, als er ihr gegenüber stehen blieb. Er hatte ja eigentlich nichts mehr hier zu verhandeln, auch mit ihr nicht. „Ich war fertig hier,“ sagte er aus dem Zusammenhang seiner Gedanken heraus. In gleichem Tone hätte er über den Herbst, die blattarmen Baume, die hereinbrechende Daͤmmerung eine Bemerkung hinwerfen können. Hatte das unter seinen Füßen lautraschelnde Laubwerk ihr sein Nahen längst verrathen, daß keine Spur von Verwunderung sich in ihrem Antlitz zeigte und sie nur gleichgültig den Kopf nach ihm wandte. „Sie gehen nach Kirchberg zurück.“ Keine Frage. Einfach eine apathische Bestätigung dessen, was sie längst wußte. d Er nickte. „Es ist gut, daß ich Sie noch hier finde, um Ihnen wenigstens Lebewohl zu sagen.“ n Sie strich mit der Hand über ihre Stirn als habe sie trübe Schatten von dort zu verscheuchen, dann erhob sie sich langsam und wandte sich zum Gehen. Jetzt erst bemerkte er, wie bleich sie in den letzten Tagen geworden war, und eine Regung milder Nachsicht mit ihrem jungen Wesen keimte wieder in ihm auf. Der herbe Ton jedoch, in welchem sie ihm antwortete, schnitt ihm jedes versöhnliche Wort ab, ehe er es gesprochen. „Ein Abschied?— Unser Verkehr beschränkte sich wochenlang so sehr auf das Maaß des Unvermeidlichen, daß ich keinen An— spruch auf soviel Rücksicht Ihrerseits erhoben hätte.“ Sie wollte gehen, da hielt sein Blick sie fest. In ihm kochte es. Er kreuzte die Arme eng über der Brust, sich zur Ruhe zu zwingen. „Ich wollte Sie zugleich warnen, Fräulein Lauscher.“ Fast heftig wandte sie sich nach ihm um.- „Ich weiß nicht, was Sie sagen wollen. Aber ich habe keinen Grund, eine Warnung anzunehmen— von Ihnen am wenigsten— welche für mich einer Beleidigung gleichkäme.“ Sie wollte sich also vertheidigen? Und den Elenden?—— Er achtete kaum darauf, wie die Umrisse ihrer Gestalt immer undeutlicher wurden und rasch gänzlich vom wogenden Nebel des Holzes verweht wurden; kurz entschlossen setzte er seinen Weg fort. Am Eingange des Dorfes traf er Töne, der vorgab, dort ein kleines Geschäft zu haben. Zögernd erklärte dieser sich be— reit, die Sachen des Herrn vom Hofe abzuholen, er müsse ohnehin bald nach der Stadt zurück. Karl Ludwig Pförtner war eben im Begriff, sich zu Tisch zu setzen, als sein Freund bei ihm eintrat. „Also endlich!“ Er reichte Lützel die Hand, aber der leichte Spott wich aus seinen Zügen, als er ihn genauer in's Auge faßte. Er pflegte wenig Förmlichkeiten zu machen, Wolf hatte sich deshalb gesetzt, ohne eine Aufforderung dazu erst abzuwarten. „Ich bin herzlich müde.“ Pförtner glaubte ihm. 5 „Hm! Hm!“ Er schien nicht recht zu wissen, wie er sich unter den obwaltenden Umständen verhalten sollte. Schließlich rief er Dorette, die alte Hausjungfrau der Apotheke, und ersuchte sie um eine Flasche Wein. „Fürerst— hm— fürerst ist gut, daß Du wieder da bist,“ brummte er, indem er, die Serviette unter'm Arm, ein bischen — e 271 Ww...¹ unstät im Zimmer umherging.„Ja, da soll doch gleich—— Landaufenthalt wird sonst als Stärkung für Schwächliche und Gebrechliche verordnet, Du aber gehörst erstens nicht zu diesen, und zweitens— zur Stärkung hat er Dir auch nicht gereicht.“ „Gefalle ich Dir nicht mehr, Karl?“ Der Apotheker zog die Stirn kraus. „Dummes Zeug!“ Dann setzte er sich zu seinem Gaste.„Kurz und gut— Du hattest genug da draußen?“ Da Wolf schwieg, sah er ihm nur wieder in's Auge. „Glaub's Dir gern. Hm! Weißt Du, im Grunde—“ „Es hat Dich gewundert, daß ich so lange ausblieb?“ Pförtner säbelte eifrig an einem kalten Rebhuhn. „Ich kann Dir das andere da empfehlen,“ sagte er, ohne aufzustehen.„Gewundert?— Ach, so! Gewundert— nein.“ Er sprach mit so gelassener Bestimmtheit, daß Wolf befremdet den Kopf hob.„Aber— ich finde es natürlich, daß Du einmal ein Ende gemacht hast.— Still, keine Aufregung, Bester!“ fuhr er fort, als er eine heftige Bewegung Wolf's wahrnahm;„wir reden später vielleicht darüber— Später. Venena— Gifte— ich verstehe mich drauf— mein Handwerk bringt's so mit sich — und es giebt ihrer eben ganz unterschiedliche: einige, die rasch tödten und andere, die langsam krank machen, häßliche und hübsch bunte, bittere und süße.— Und die letzteren sind am gefährlichsten,“ setzte er nach einer sekundenlangen Pause leiser hinzu.„Aber Gegengiste haben wir ja allenfalls auch noch, und dieser Tropfen ist keines von den schlechtesten. Angestoßen! Auf seine gute Wirkung!“ Pförtner schien mit einem Male bei heiterster Laune.„Sieh da, Tante Dorette! Kommt gerade recht, uns zu assistiren! Aber ein Glas müssen Sie sich erst holen, Theuerste.“ Jungfrau Dorette Höckerlein fühlte sich allzeit geschmeichelt, wenn der junge Herr sie mit dem traulichen„Tante“ anredete, das er sich für gute Stunden aus jener Zeit, da sie seines längst verstorbenen Vaters Hauswesen vorstand, hinübergerettet hatte in das nüchterne, gemüthsarme Geschäftsdasein der Tage von heute, und ein Gläschen Wein, in allen Ehren und guter Ge— sellschaft, pflegte sie nimmer auszuschlagen. Diesmal nur. Der junge Herr werde unten verlangt, sagte sie ziemlich hastig. Sie pflegte den Apotheker stets noch den jungen Herrn zu nennen, obschon es für sie längst keinen alten mehr gab. Karl Ludwig verzog das Gesicht. „Die Ketten, welche uns an die Alltäglichkeit binden, das heißt, zum Tränklein kochen an den Heerd des Laboratoriums!“ lächelte er.„Was soll's denn, Dorette? Ist keine Lippenpomade mehr da oder Latwerge zu rühren?“ Dorette Höckerlein sah sehr ernst aus. „Es muß etwas Eiliges sein; sie haben ja einen reitenden Boten geschickt von Südhorn. g „Von Südhorn?— Hollah, Mann, was ist's?“ Pförtner war bei den Worten seiner Wirthschafterin hastig aufgesprungen. Jetzt näherte er sich rasch und besorgt dem Freunde, der kreidebleichen Antlitzes in's Leere starrte. Doch Wolf erholte sich sehr bald. f „Nichts, nichts! haben.“ Sein erster Gedanke war Marie gewesen, doch was sollte der zugestoßen sein! Dennoch bestand er darauf, seinen Freund in die Offizin zu begleiten. Unten rannte Alexander Schruller in großer Aufregung von einer Schieblade zur andern, suchte aqua destillata und griff nach der Flasche mit spiritus vini, Chinarinde, und nahm statt dessen Enzianwurzel; es war wirklich an der Zeit, daß sein Herr ihr zu Hülfe eilte. „Ich— ich weiß nicht recht, Herr Pförtner—“ stieß er kleinlaut heraus und reichte ihm das Recept, welches Töne ge— bracht hatte. Letzterer saß auf einem Schemel, doch gleichfalls in Unruhe. Er wäre zu Pferde gekommen, der Eile halber, sagte er und bat stotternd um rasche Abfertigung. N Der Apotheker warf einen Blick auf das Rezept, einen andern auf Töne und riß schnell ein paar Schiebladen auf. Er nickte nur, als sein Freund ihn fragte, ob es sich um Frau Steinwald handle. Wolf sah Töne fragend an. Ich werde mich auf dem Marsche erkältet „Ein Glück, daß der Doktor just kam; es sollte sich ja um Gift handeln, Herr.“ Der Bursche wischte mit dem Aermel seines blauen Kittels einmal über sein Gesicht. 91 Lützel 1 seinen Ohren nicht trauen zu dürfen. „Gift——?“ Pförtner hatte sich so ganz in die Bereitung der Arznei ver— tieft, daß er Töne's Worte überhörte. Jetzt, bei Wolf's Ausruf, sah er auf, auch in seinen Zügen Angst und Entsetzen. Doch es war nur für einen Augenblick; er hatte ja das Rezept in Händen; diese Arznei deutete nicht auf so Schreckliches, Töne mußte falsch berichten. Dennoch horchte er auf, als derselbe fortfuhr:* „Sophie wenigstens meint es so, Herr; sie hat gesehen, wie die Frau sich mit dem Gift in ihrer Schlafstube eingeschlossen hat, und hernach ist das Fläschchen beinahe leer gewesen. Aber! Doktor Zange sagt, die Frau könnte das unmöglich eingenommen haben, die— die Merkmale waren gar nicht darnach. Schlimm genug steht's aber mit ihr, sonst hätte Sophie mir nicht solche Eile auf die Seele gebunden. Wenn sie nun stürbe!“ (Fortsetzung folgt.) ee Blälkter. Philadelphia.(Siehe Illustration.) Die von William Penn be— gründete Stadt der Bruderliebe ist zur Geburtsstätte jener großen Re⸗ publik geworden, über welcher das Sternenbanner weht und der re— publikanische Geist hat ihr deutlicher sein Gepräge gegeben als irgend einer andern Stadt der mächtigen Union. Nicht nur, daß die Independence⸗ Hall, jenes mit Andenken an die Freiheitskriege gefüllte Haus, in welchem einst die Unabhängigkeitserklärung des Kongresses unter dem Jubel des Volkes verlesen wurde und das so zur Wiege der Freiheit wurde, den Mittelpunkt dieses ungeheuren Häusermeeres bildet, die Stadt selbst verräth dadurch den echt republikanischen Geist ihrer Bewohner, daß alle Privathäuser einfach und bescheiden, alle öffentlichen Gebäude aber Monumentalbauten von imposanter Größe und Pracht sind. Die am Delaware erbaute Stadt breitet sich über einen ungeheuren Flächenraum am „glorreichen Strome“ aus, weil jede Familie fast ihr eigenes Haus und ein Gärtchen besitzt. Nur in den Hauptstraßen, wo Handel und Gewerbe ihre Läden und Magazine errichtet haben, sind große Gebäude zu finden, die Wohn⸗ häuser der Bürger dagegen sind einfache, behaglich eingerichtete Backstein⸗ gebäude mit schmuckloser Fagade. Der Bürgersinn bethätigt sich aber in der Herstellung großartiger Wohlthätigkeitsanstalten, schöner Gesellschafts— häuser und gemeinnütziger Institute. Philadelphia besitzt eine der herrlichsten öffentlichen Bibliotheken, vor der das Standbild Benjamin Franklins sich erhebt; es hat wohl das schönste Stadthaus der Welt, einen Palast aus weißem Marmor mit stolzen Kuppeln und Thürmen; sein Custom— haus, sein Postgebäude, seine Akademie für Musik, seine Akademie für Naturwissenschaften, seine Akademie der schönen Künste, seine Kathedrale von St. Peter und Paul sind Prachtbauten, in denen der Reichthum und die echt republikanischen Tugenden der Bewohner einen großartigen Ausdruck finden. Einen Weltruf hat sich das im griechischen Tempelstil errichtete Girard-College erworben. Dasselbe verdankt dem hochherzigen Stephen Girard seine Entstehung. Dieser aus Frankreich stammende Kaufmann, welcher vom armen Krämer zum Besitzer einer Handelsflotte emporstieg und der im Jahre 183] als einer der reichsten Bürger Amerikas starb, errichtete mit einem Aufwand von zwei Millionen Dollars dieses College, das seinen Namen trägt. Dasselbe ist der Erziehung verwaister Knaben gewidmet. 500 Pfleglinge werden darin genährt, gekleidet, unter⸗ richtet und für einen Beruf ausgebildet. Die Anstalt liegt auf dem höchsten Punkte der Stadt, nimmt ein Terrain von 40 Acres ein und über ihrem Eingang prangt die Aufschrift:„Hier findet kein Priester Einlaß.“ Die um ihres Handels mit Doktordiplomen etwas in Verruf gekommene Universität der Stadt besitzt ein herrliches Gebäude im gothischen Stil. Die Stadt ist um ihrer ungeheuren Ausdehnung willen nur in der Nähe des Stromes belebt, da wo die Wohnhäuser breite Straßen bilden, herrscht wenig Leben und man ist wohlberechtigt, Philadelphia die stille Quäkerstadt zu nennen. g R. E. Aus König Wenzels Leben. Wenzel von Böhmen wünschte zu er⸗ fahren, wie einem, der geköpft werden soll, wohl zu Muthe sei. Um diese Erfahrung zu machen, ließ er sich von einem Trabanten die Augen verbinden, kniete nieder und dieser mußte ihm nun mit der flachen Klinge den Nacken berühren. Jetzt verlangte Wenzel, daß auch der Trabant dieselbe Erfahrung machen sollte. Der Trabant kniete ebenfalls mit ver⸗ bundenen Augen nieder, und Wenzel— hieb ihm den Kopf ab.— Eines Tages, mit Mehreren von seinem Hofe auf der Jagd, sah er einen Mönch ruhig des Weges daherkommen.„Ein höchst seltenes Klosterwild!“ rief er, seine Armbrust abdrückend, und der Mönch stürzte todt zu Boden.— Einst hatte der Koch, nach Wenzels Meinung, einen Wildbraten nicht mürbe genug gebraten; er ließ deshalb den Koch an einen Bratspieß stecken und langsam zu Tode rösten. M. 272 5 1 NRöslelsprung. der wohl uk ten der son mat wenn ihr ku lebt wie wei ssen hin ruft ni kom men er 1 0 ihr der gen wir ist wenn wohl men 28 en ihr blu wa die lebt den slie den im der lieb ne gen mit chen 1 1 1 ö 7 17 3 7 5 5 ni wenn zu N schei sen der ist ö 1 lein wei som li ae der ihr sich nen 1 som brünn muff schei chen unn wir der de det 7 J. ne den mer die hin den mai f klei fah lie Silben⸗Rätßhsel. Aus folgenden Silben: a bo chard cook de dis e el em es es fe ge gei ger gri har hei hol i il is ke ki land let me men mo na nas nau ne nett ni nord nun nus oe pa pheu ra rah ran ri rou sa see sel sel sen so tay te ter ti ti tib tra u us wet sind sechsundzwanzig Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, einen Ausspruch von Horaz ergeben. Die sechsundzwanzig Wörter nennen: J. Einen See in Schweden. 2. Eine Frucht. 3. Eine besondere Art kleinerer Gedichte. 4. Ein Drama von Mosenthal. 5. Einen Neben— fluß der Elbe. 6. Einen Fluß im Kanton Bern. 7. Einen männlichen Vornamen. 8. Eine Person aus Wagner's„Lohengrin“. 9. Ein Drama von Halm. 10. Eine türkische Stadt. 11. Eine Schlingpflanze. 12. Ein Hazardspiel. 13. Einen Planeten. 14. Einen päpstlichen Gesandten. 15. Ein Musikinstrument. 16. Eine Stadt im preußischen Regierungs- bezirk Düsseldorf. 17. Eine niederländische Provinz. 18. Eine Provinz Siziliens. 19. Ein Saiteninstrument. 20. Ein Buchformat. 21. Be⸗ wohner Grönlands. 22. Einen deutschen Geschichtsschreiber. 23. Einen Berg in Tirol. 24. Einen englischen Seefahrer. 25. Einen deutschen Dichter. 26. Ein Raubthier. Logogriph. Ich habe kein Gefühl, bin hart und kalt wie Eis, Allein ich brachte schon gar Manchem Lob und Preis, Und hohen Lohn dafür, wenn's seiner Hand gelungen, Daß er mit seiner Kunst sich Beifall hat errungen. Wenn er mit Sorg' und Müh' mich aus dem dunkeln Schacht Als Zierde mancher Stadt an's Licht der Welt gebracht. Und konnet leicht Ihr Kopf und Herz bei mir ergründen, Dann nehmet beide fort, so werdet bald ihr finden, Daß Andern Kopf und Herz ich, ach gar oft, verdreh', Und aus dem Grunde dies auch meisterlich versteh'. Nehmt euch vor mir in Acht, ihr jung' und alten Leute, Ihr werdet sonst gewiß noch meine Beute. Es ist kein Unterschied in meinem weiten Reich, Und aller Herzen sind bei mir vollkommen gleich. Aufloͤsung der zweisilbigen Charade in voriger Nummer: Meineid;— des Rathsels: Theodor;— des Sprichwoͤrter-Räthsels: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht;— des Kreuz⸗Raäthsels:— NN I. 5 5 N EI STS EXT Schach. Problem Nr. 523 von F. Möller in Ahlten. 5. 2 e 2 D 2* e 9—, 5,* ee, F ., 2. ee,.. . r 15 3., 7 n 5 g a b 0 d 0 1 b Weiß zieht an und setzt 14 4 0 dritten 3 Matt. Auftsfungent. ü Problem Nr. 515 von R. Schulder in Köln. 1) DgS—-e6 Sees: 30 7 806 die ˖ od. bel. 1 4) Se2 f(es) f Varianten nach dem zweiten Zuge von Weiß: Scz 3) Scg Sp ꝛc. 4) d dg resp. Saß od. ds Matt— Sd; 3) Sta beliebig 4) Saß resp. 46 Matt— beliebig 3) daf Kö 4) Scg( Matt.— Varlanten nach dem ersten Zuge: 1). K ds 2) Degf Kc 3) Sd 4) 7.1 Matt oder auch 3 11 und 4) Matt— 1 83 oder b5 2 15 5 3) Sd Kdg oder beliebig 44 De2 Matt; 2) Set 3) daf K 45 4 8c Matt— andere Gegenzüge ist das Matt früher zu erzielen: 1 Kb5. 2) Scg oder 44/7 3) De2 Matt oder 1 1 95 2) Dad5 Matt.— Nach dem ersten Zuge droht nur die übsche Fortsetzung 2) T5(Sd: 3) Sd ꝛc.); dieser Drohung und einsgen verführers cheinlösungen verdankt das Problem einen großen Theil seiner Schwierigkeit.— Die 5 wurde angegeben von W. Kron in B. und dem Schachklub in Gleiwitz. 1 Problem Nr. 516 von J. Kohtz und C Kockelkorn. 1) Sba-cöl Tas cd: 13 Tes- cd: 2) D7—c4 Teö— et- ac. 2) bie d5 105—dö5 2c 3) Sd4— eh(2, 3) Sd4— e(eß 1 Varianten 1).. Nes dd 2) Df cat Kc5(eg) 3) Sd7(Ded) Matt.— Die Aufgabe ist eine Umarbeitung der Nr. 7 der Problemsammlung der Versasser.— Mehrere 4— Correspondenten haben sich durch eine Scheinlösung: 1) Dch irre leiten lassen, die auch bel der ersten Publikation der Aufgabe in„Vengwine's News“ fast alle Theilnehmer vom Lösun turnier getäuscht hat.— Die nach diesem Damenzuge drohende Fortsetzung: 2) Scg oder 3 Del Matt kann nur durch I. a7 parirt werden, spielt Weiß alsdann 2 Sbg-d, so ver⸗ hindert Schwarz das Matt mit La5 65— Stark sind auch die Damenzlüge nach(1 und(5, sowie 1) Lod!, aber die richtige Vertheidigung Lese! fesp. Tas 42“ ist leich ter 1.— Eine noch etwas N aber weniger Verführung bietende Darstellung derselben 2 Weiß: Kh5, Des, LS 2, Sct, ed. dz. Schwarz: Ka, Tas, d7. She. Ber,(5, 48. 16. Diese Stellung ist in der„Brüderschaft(November 1887 unter Nr. 399 veröffentlicht.— Die richtige Losung wurde angegeben von Dr. Knopf in G. und dem Schachklub in Gleiwitz. Niuis der Schachwelt. Die Görlitzer Schachgesellschaft veranstaltet ein Preislösungsturnier, welche sechs Dreizüger umsassen wird und mit Anfang September d. J. beginnt. Jeden Sonntag erscheint ein Problem. dessen Lösung unter Angade aller Varianten spälestens acht Tage nach dem Er⸗ scheinen an die Expedition des Neuen Görlitzer Anjer gers“ mit. Adresse des Absenders versehen unter Bezeichnung„Schach“ r ist. Nicht⸗Abonnenten des nannten Blattes erhalten gegen Einsendung von Mk. 1.50 von der Expedition die das Tu betreffenden Nummern franko übermittelt. Die Lösungen und Namen der Löser Laufe des November bekannt gegeben. Für den Fall der Gleich berechtigung mehrerer Pöser fündet ein Entscheidungsturnier statt, nach welchem eventuell das Loos entscheidet Alg sind ausgesetzt:„Or Gold's 200 Schachaufgaden 2) Kleine Problemschule von O. v. Got schall. eleg. geb. 3) A 0 des Schachspiels von J. Minkwitz, cleg. geb. Die Mitglieder der das Turnier veranstaltenden Schachgesellschaft enthalten sich der Bewerbung. Die fünste Jahresversammlung des schottischen Schach verbandes ist am 16. Juli d. J. in Glasgow eröffnet worden. Zum Haupfturnter haben sich sieden Theilnehmer unter ihnen Kapitain Mackenzie, Schotte von Geburt, aber bekanntlich seit Amerika übergesiedelt. XL EXI SBA B L. AUS ATU IR E Berichtigung. A n 1 In dem Problem Nr. 522 von Dr. Wehrmeister in Marklissa in der Baue 4 1 von b4 nach al zu versetzen und ein schwarzer Thurm auf 21 hinzuzufügen; die neue 3 ist demgemäß: Weiß: Kar, yr, Tus, Su, Hes. Ech wart: Res. Tul, 2 4 SAN 9. S. I, ad, ha cd,, 9, 16. Weiß zicht an und setzt mit dem vierten Zuge 4 D N————.—————— Druck und Verlag der„Volls- Zeitung“, Akt.-Ges. in Berlin. Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105 22