—²ͥ „ besonders ersprießlicher Weise zu Gute gekommen. 2 A 4 4 zu den Oberhessischen UMachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 12. Gießen, den 18. März. 1888. Die Augräfin. Eine Erzählung vom Oberrhein. Von Hermann Ludwig. Anter den zahlreichen Herrschaftsgebieten, in welche der Elsaß nach seiner Einverleibung in Frankreich bis zur Revolution zerfiel, war das kleinste und in seinen Verhältnissen eigenartigste die Grafschaft Au. Diesen Namen führte der im südöstlichen Theile des Ober— Elsasses durch den Rücktritt des Rheins entstandene und zwischen diesem und den ersten jener Hügelwellen, in denen das Land auf dem linken Ufer des Stromes allmälich zum Jura aufsteigt, ge— legene fruchtbare Strich angeschwemmten Bodens, auf welchem sich seit einigen dreißig Jahren die bekannte Fischzuchtanstalt Hüningen befindet. Auf einem Flächeninhalt von beiläufig drei⸗ hundert Hektaren besaß die Grafschaft ihre hohe, mittlere und niedere Gerichtsbarkeit nebst allen anderen zahlreichen Hoheits— rechten eines feudalen Besitzes. Im 13. Jahrhundert war die— selbe von den Grafen Schenk von Schenkenberg gegen die Ver— pflichtung einer jährlich abzuhaltenden Seelenmesse für diese Familie den Bürgern des benachbarten Dorfes Blotzheim ver— macht worden. Die Behauptung des Besitzes gestaltete ihn für die Betheiligten zu einem Gegenstand vielfacher innerer und äußerer Streitigkeiten. Machte doch schon die Lage der Gemar— kung ihres eigenen Dorfes im Bereich des in früherer Zeit dichten und umfangreichen Hardtwaldes, nahe den Grenzen verschiedener Städte- und Herrschaftsgebiete, unweit des Rheins und der Römer— straße, dieselbe oft genug zum Zankapfel zwischen den Bischöfen von Basel und den umwohnenden Adeligen, zum Schauplatz wilder Kämpfe und verheerender Durchzüge der das Elsaß heim— suchenden fremden Kriegerschaaren. Die durch häufig eintretende Nothwendigkeit waffenfähiger Selbsthülfe hatte in der Gemeinde einen Geist der Unabhängigkeit erzeugt, der dieselbe während des Mittelalters und später, trotz verschiedenen herrschaftlichen Besitzwechsels von Dorf und Schloß Blotzheim, nach Möglichkeit fest in ihren Gerechtsamen und Freiheiten zu erhalten wußte. Dies galt auch bezüglich der ihr zugefallenen Grafschaft Au. In der Person eines alle drei Jahre aus ihrer Mitte gewählten „Augrafen“, welcher den— in späterer Zeit vom königlichen Hohen Rathe des Elsasses bestätigten— Amtmann und die übrigen Beamten zu ernennen hatte, übten die Blotzheimer Bürger thatsächlich ihr Besitzrecht über dieselbe durch eine von der eigenen Gemeinde getrennte und unabhängige Verwaltung. Der letztern war in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts das Wirken des Amtmanns Joseph Hell, welcher diese Würde auch in mehreren Herrschaften des Sundgaues bekleidete, in dessen geschickter Vertretung der Anrechte Blotzheims auf die Au und seiner Regelung der aus derselben zu erzielenden Erträgnisse in Eine wegen vielfacher auf Förderung des Menschenwohls abzielender Bestre— bungen und Einrichtungen allgemein geachtete Persönlichkeit, hatte er sich das Vertrauen der Gemeinde zu erwerben und dieselbe zu bestimmen gewußt, jene Einkünfte, den Gegenstand mannig— fachen Streites, in eine Grundlage zur Hebung gemeinnützigen Sinnes und allgemeiner Sittlichkeit zu gestalten. Auf seine Anregung stifteten die Blotzheimer Bürger am 12. März 1775 einen Tugendpreis, für welchen jene Mittel verwandt wurden. Nach den hierüber aufgestellten eingehenden Bestimmungen versammelten sich die Bürger alle drei Jahre am Himmelfahrtstage auf dem Rathhause, um ein Verzeichniß aller achtzehn- bis siebenundzwanzigjährigen Jungfrauen und Jünglinge aufzustellen, welche sich durch tugendhaftes Betragen auszeichneten. Ausgeschlossen waren nicht nur alle diejenigen, welche sich selbst eines öffentlichen Aergernisses schuldig gemacht hatten, sondern auch solche, deren Eltern nicht einen durchaus guten Ruf ge— nossen. Zugleich wurden dreißig gut beleumundete Frauen und Wittwen der Gemeinde bestimmt, welche die meisten lebenden Kinder hatten. Am folgenden Sonntag nach der Vesper wurden diese Familienmütter auf das Rathhaus geleitet, um in Gegen— wart der vier am meisten mit Kindern gesegneten Bürger, des Schultheißen und des Pfarrers der Gemeinde, nach vorher— gegangener Ermahnung des letzteren zur Gerechtigkeit und Ge— wissenhaftigkeit, eine nach der andern unter jenen Jungfrauen fünfzehn der ihrer Anschauung nach würdigsten zu bezeichnen. Unter diesen wählte gleich darauf die gesammte männliche Bürger⸗ schaft drei Jungfrauen, welche nach ihrem Ermessen bei Zuthei— lung des Preises in erster Linie Berücksichtigung zu finden hatten. Hieran schloß sich die Auswahl von fünfzehn Jünglingen durch die Männer. Die endliche Bestimmung der würdigsten unter den drei Jungfrauen und des tugendhaftesten Jünglings fiel den Ver— tretern der geistlichen und weltlichen Obrigkeit des Ortes zu. Wie alle Wähler sollten auch sie dabei nach den Satzungen der Stiftung darauf achten, daß unter den durch ihr sittliches Ver— dienst gleich berechtigt erscheinenden Mädchen das ärmste aus⸗ erlesen werde, welches zugleich im Stalle, im Garten und im Felde am besten zu arbeiten und mit Spinnen, Nähen und Stricken geschickt genug umzugehen wisse, um sich in selbstgefer— tigte Stoffe kleiden zu können. Nachdem dieses letzte Ergebniß, sowie die Reihenfolge der übrigen zur engeren Wahl gelangten Jungfrauen und Jünglinge nach Maßgabe der ihnen zugefallenen Stimmen am Pfingstsonntage nach der Predigt durch den Pfarrer der Gemeinde kundgegeben worden war, geschah am nächsten Dienstag, nach der Abhaltung der vorgeschriebenen Seelenmesse, die Austheilung der Tugendpreise. Dieselben bestanden für die & 2 90. erkorene Jungfrau, welche den Titel„Augräfin“ erhielt, in einem Kranze, mit dem sie in der Kirche vom Pfarrer gekrönt wurde, und einer silbernen Denkmünze mit dem Wappen Blotzheims im Werthe von etwa fünf Livres. Der Augraf händigte ihr ferner zweihundert Livres in Geld aus und den beiden nächst ihr ge⸗ wählten Mädchen je fünfzig Livres. Der des Tugendpreises am würdigsten befundene Jüngling erhielt eine Denkmünze. Nach den Erwartungen der Urheber hätte sich diese Stiftung, deren Satzungen ausgedehnte Freiheit der Wahl mit selbstsüchtige Bestrebungen nach Möglichkeit ausschließenden Bestimmungen verbanden, sowohl für den Einzelnen wie für die Gemeinde zu einer Quelle thatsächlicher sittlicher Hebung gestalten müssen. Doch im ewigen Werden aller Dinge bleibt die als That in's Leben getretene beste Erkenntniß sich selbst nicht lange ähnlich. Verhältnisse und Leidenschaften deuten und modeln beständig an der Urabsicht des Gesetzes und wandeln oft genug eine voraus⸗ gesetzte wohlthätige Wirkung desselben in ihr Gegentheil. Be⸗ sonders bietet hierzu der enge Gesichtskreis einer ländlichen Ge⸗ meinde leicht Gelegenheit, denn hoher Sinn und Großherzigkeit brauchen zu ihrer vollkommensten Entwickelung einen weiten, mannichfaltige und lebhafte Wechselbeziehungen bietenden Schau— platz des Daseinskampfes. Auch in Blotzheim erwuchsen aus der ersten Begeisterung eines verständig angeregten Gemeinsinnes bald ehrgeizige Sonder⸗ bestrebungen, die mit der Wiederkehr der Preisvertheilung an Macht und Raum gewannen. Mehr und mehr wurden bei der— selben Einzelvortheile in's Spiel gezogen und lange vor der Wahl schon durch Beeinflussung und Umtriebe zu fördern ge— sucht, wobei zugleich die durch die Bestimmungen der Stiftung gebotene Rücksicht auf die Armuth der Bewerberinnen ziemlich außer Acht kam. 5 Wieder war nach dreijähriger Pause die Zeit gekommen, da man zur Wahl für den vielbegehrten Tugendpreis sich anschickte. Man durfte dem Ergebniß diesmal mit erhöhter Spannung ent— gegensehen, denn zwei der einflußreichsten Familien des Dorfes, deren Häupter als Meinungsführer in den Angelegenheiten der Gemeinde einander gegenüberstanden, konnten je eine Tochter aufweisen, welche das erforderliche Alter erreicht hatte und auch im Uebrigen den allgemeinen Bedingungen entsprach, um bei der Wahl zur Augräfin in Betracht zu kommen. Daß eine der Beiden die Krone erhalten werde, galt bei der Stellung der Familien für zweifellos, und dieser Umstand theilte fast die gesammte Bürgerschaft in zwei Lager. Klatsch und Umtriebe einer aus⸗ gedehnten Basen- und Gevatterschaft, in der ohnehin allmählich die gehässigste Beurtheilung der persönlichen Familienverhältnisse aller in's Auge zu fassenden Preisbewerberinnen Erbitterung und Gährung genug zu erzeugen pflegten, fanden überreichen Stoff. Die Namen der beiden Mädchen waren bald die Losung aller weiblichen Wortgefechte am Brunnen oder auf dem Kirchgange geworden, welcher die Männer, deren Stimmen ja für die Wahl ungleich höhere Bedeutung hatten, im Wirthshause oft einen gewichtigeren Nachdruck gaben. Mit dem Herannahen des Pfingstfestes hatten sich diese Zu— stände, wie die allgemeine Spannung auf den Ausgang in fast bedenklicher Weise gesteigert. Das am Pfingstsonntag dem Her⸗ kommen gemäß in der Kirche verkündete Wahlergebniß sollte in dieser Richtung eine große Ueberraschung bringen. An letzter, ausschlaggebender Stelle hatte eine geschickte und kluge Hand ge— waltet, welche im entscheidenden Augenblicke zwischen den von zwei Seiten ungestüm drängenden Einflüssen unerwartet einen schließlich Alle befriedigenden Mittelweg zu schaffen wußte. Nach diesem erhielten die beiden Nebenbuhlerinnen die zweiten Preise. Der Kranz der Augräfin aber wurde einem der ärmsten, gänzlich außerhalb jener Familienverbindungen stehenden Mädchen zuge— sprochen, dessen allgemein anerkannte Tugend und Bescheidenheit seinen Namen ohne jedes Zuthun neben den aus Sippschafts⸗ rücksichten genannten sozusagen zur Gewissensbeschwichtigung der weiblichen wie der männlichen Wähler auf die Liste gebracht hatten. Starres Staunen fesselte zunächst die in ganz anderer Rich⸗ tung erwartungsvolle Gemeinde bei der pfarrherrlichen Mitthei— lung, der höchste Ehrenpreis sei Gretle, dem Töchterlein des Meßners und Webers Isidor Klein, zuerkannt worden. Daran hatte wahrlich Niemand gedacht; aber einwenden ließ sich nichts. Entsprach doch vielmehr diese Entscheidung vollkommen den Be⸗ stimmungen der in der Erregung der vorangegangenen Wahl⸗ umtriebe im Gedächtniß ziemlich verdunkelten Satzungen der Stiftung. Nach und nach lösten sich die sehr gemischten, aber unter der Ueberraschung gewissermaßen gelähmten Empfindungen der Bürgerschaft in eine Art bittersüßer Befriedigung auf. Die Gegner hatten wenigstens ihr Ziel nicht erreicht, das stand Allem voran. Und daß dieses Ergebniß zugleich von einer unanfecht⸗ baren Gerechtigkeit und Uneigennützigkeit Zeugniß gab, darauf glaubten sich nunmehr alle Wähler etwas zu Gute halten zu dürfen. Leises Murmeln der Billigung folgte der einige Minuten dauern⸗ den Stille. Ja, ja, das Klein-Gretle! Tugendhaft und fleißig war's, das gar tapfer mit der Noth kämpfte, dem Vater und den zahlreichen Geschwistern die verstorbene Mutter ersetzte, das vom frühesten Morgen bis in die Nacht hinein schaffte wie kein zweites Maidle im Dorfe und so wenig auf der Straße zu sehen war, daß man's anderswo schier würde vergessen haben. Nach⸗ reden konnt' man dem wahrlich nichts, und brav und ehrbar war der Vater und auch seine Mutter selig, von der man nie gehört hatte, es sei„etwan ebb's mit ihr gsi“. Unter solchen Erwägungen wandten sich die freundlich erhellten Gesichter der Versammelten einander nickend zu, wobei es sich wohl auch traf, daß bisherige erbitterte Feinde einander zulächelten. l Das Gretle hatte wie immer auf seinem Platz unter den Jungfrauen andächtig gebetet und so bescheiden in sich geschmiegt gesessen, daß es nicht einmal bemerkte, wie aufmerksam schon während des Gottesdienstes der Blick des Schloßverwalterssohnes, welcher sich allein im herrschaftlichen Chore befand, den Sonnen⸗ strahl beobachtete, der auf dem seidenweichen Blondbaar des Mädchens glänzte. Am Schluß der Predigt horchte es wohl gleichfalls neugierig auf die Verkündigung des Wahlergebnisses. Daß es selbst auch nur unter den fünfzehn bevorzugten Jung⸗ frauen sein könne, kam ihm nicht in den Sinn; war es doch gar so armselig und freundlos. Als nun aber sein Name sogar an allererster Stelle laut und vernehmlich über die lauschenden Köpfe hinweg durch den Raum hallte, da hätten ibm vor Schreck fast die Sinne vergehen wollen. Aber nur einen Augenblick; denn im nächsten schoß ihm ein heißer Freudenstrom durch alle Adern und unwillkürlich flog ein verschämter, leuchtender Blick seiner blauen Kinderaugen nach dem Chore. Er senkte sich so⸗ gleich vor der Erwiderung, die er von dort fand und in blühendem Erröthen seines lieblichen Gesichts saß das Mädchen unbeweglich wie in einem seligen Traume. 8 Auf dem Heimwege, den es gern im Sprunge zurückgelegt hätte, um mit dem Vater und den Geschwistern jubeln zu können, mußte es indessen dem schwerfälligen Wohlwollen Stand halten, welches sich von allen Seiten über sie ergoß. Vor der Kirchthür wurde es von einem Gewoge von Weiberköpfen empfangen; Männer drängten sich händeschüttelnd heran und„Gretle! Gretle!“ rief es von allen Seiten. Als nun gar die beiden Neben⸗ buhlerinnen freundlich nahten, der alte Pfarrer sein bescheidenes Beichtkind noch mit einem herzlichen Segenswort aufsuchte, da war der jubelnde Taumel einer aus ursprünglich unreinem f Brennstoff aufflammenden gutherzig freudigen Begeisterung all. gemein. Niemand ließ sich's nehmen, das Mädchen in seine Wohnung zu geleiten, jeder strebte durch Berührung der Hand oder des Kleides ein näheres Anrecht auf den so unerwartet erkorenen Schützling einer ebenso plötzlich erwachten allgemeinen Gerechtigkeitsliebe kundzuthun und eine erstaunliche Menge bis dahin nie in Anregung gebrachter verwandtschaftlicher oder gevatterlicher Beziehungen zu den Meßnersleuten wurden laut. Halb geängstigt, halb betäubt unter der Last eines Wohl-“ wollens, das bisher außerhalb aller Möglichkeit gelegen hatte, sah sich das Gretle endlich allein mit den in gleicher Weise fast bestürzten Ihrigen. Aber nun machte sich der Jubel seiner Brust frei. Mit dem halb jauchzenden, halb schluchzenden Ausruf: „Ach, wenn das d' Mutter selig erlebt hätt'!“ fiel es dem Vater um den Hals, dessen kuochige Arbeitshände mit einer Art vers wunderter Ehrfurcht das Haupt des Kindes umfaßten.„ 91=. 5 [Der Freude folgte die in der Hütte der Armuth unfehlbar gan allen Begebenheiten theilnehmende Sorge. Woher das für die dem Gretle so unverhofft zugefallene Würde und das bevor⸗ stehende hohe Fest passende Gewand nehmen? Wohl besaß das Mädchen sein in des Wortes strengstem Sinne selbstgesponnenes und selbstgewebtes Feiertagsröckchen. Denn seitdem das Zweit— älteste schon mit in der Haushaltung schaffen und die Buben das Gretle darin ablösen konnten, für den Vater läuten zu gehen, hatte es diesem am Webstuhl im Verdienst und in der [ Beschaffung seines eigenen wie der Geschwister„Plunder“) tüchtig beistehen müssen. Aber was es da fertigen konnte, war doch wohl bei solcher Gelegenheit nicht„süfer“ 2) genug, wenn auch der Vater meinte, daß es darum gerade Gretle's schönster Ehren— putz sei. f Zur wahrhaften Erleichterung des besorgten Mädchenherzen erschien auf dem Gange zur Vesper die reiche Metzgerin, die sich erinnerte, daß sie ja als Gretle's„Gettel“) ein Uebriges zu thun habe und demselben einen Fünflivresthaler für die„besondern Unkösten“ in die Hand drückte. Sie blieb nicht die einzige unter den Weibern in solch' werkthätiger Selbstgenugthuung. Andere kamen, junge und alte, um Rath, Dienste und Geschenke auf— zudrängen und in dem hervorgerufenen Freudenglanze der Ge— sichter behäbig die eigene Vortrefflichkeit und Wichtigkeit zu spiegeln. Denn noch tropfte der durch die Aufregung, welche die unerwartete Wendung der Dinge erzeugt hatte, zum Schmelzen gebrachte, für gewöhnlich dunkel und ungeläutert in der Seele des Volkes liegende sittliche Rohstoff fort und fort sein gutes Gold; noch stand das— wie Alle laut zu betheuern nicht müde wurden— von der reinsten Gerechtigkeitsliebe seiner Mitbürger so hoch geehrte Mädchen im Vollschein der allgemeinen Gunst. Nur vereinzelt, kaum und dann nur im tiefsten Vertrauen ge— äußert, mochten da und dort eingetretene Ernüchterung oder unversöhnliche Erbitterung eine immerhin so viele Wünsche durch— kreuzende Wahl doch nicht ganz in Ordnung finden. Fast bis zum Abendläuten gab es in dem Häuschen des Meßners, welches mit seinen daranstoßenden Gemüsebeeten fast versteckt zwischen den baumreichen Gärten des Schlosses und des Pfarrhofes lag, ein fortwährendes Kommen und Gehen, dem Vater Klein mit immer stärker gerunzelter Stirn zusah. Das abgeschlossene, herbe Wesen des Alten hätte es lieber gesehen, daß man sich wie bisher nur, soweit seine Arbeit in Betracht kam, um ihn und die Seinigen bekümmere. Als„Stettkopf““) galt er Allen, die ihn näher kannten, der zugleich schon zu Lebzeiten der Frau im Hause strenge Zucht geübt hatte. Doch war derselbe, wie ja der Augenschein lehrte, den Kindern zu Gute gekommen. Auch besaß er, der früher nicht ganz unver— mögend gewesen war, seinen Stolz. Dankte er schon nicht ein— mal gern für die ehrenvolle Wahl seines Kindes, die er in tiefster Ueberzeugung nur vom Gesichtspunkte der Gerechtigkeit betrachtete, so noch weniger für aufgedrungene Gefälligkeiten, welche er von sich aus niemals hätte in Anspruch nehmen wollen. Seine wachsend schroffe Art und Weise trug denn auch dazu bei, die Besucherinnen allmählich zu verscheuchen. Niemand empfand dies freudiger als der Schloß-Ver— walterssohn, welcher am Nachmittag schon mehrmals vorüber⸗ gegangen war und sich durch das Treiben in dem sonst so ruhigen Häuschen an der Ausführung einer ihm schwer auf dem Herzen liegenden Absicht behindert sah. Nun war es still ge— worden im Stübchen. Das rothe Gold der Abendsonne glitzerte in den kleinen Fenstern und spann glänzende Fäden um den alten Webstuhl, der nur am Feiertag ruhte und Jahr aus Jahr ein für mehrere Geschlechter klappernd das Brot genügsamen Fleißes erworben hatte. Eben war das bescheidene Nachtmahl auf dem weiß gescheuerten Tische verzehrt worden. Das scheidende Licht beschien die gesenkten Köpfe des Vaters und seiner Kinderschaar, die dessen lautgesprochenes Dankgebet nachmurmelte. Freundlich winkte die Ruhe nach den ungewohnten auf— regenden Tageseindrücken. Doch sollte heute des Unverhofften noch kein Ende sein; denn kaum war das Amen gesprochen und eben hatte das Gretle hausmütterlich abräumend die leeren Teller ) Kleider.) sauber, d. h. schön.) Pathin.) Eigensinn. zusammengestellt, als die Thür ohne Anklopfen, ohne Druck der Klinke aufging. Der, welcher jetzt im Rahmen derselben erschien, mochte wohl schon länger zögernd davor gestanden und früher, als er wollte, unwillkürlich aufgedrückt haben, denn er schaute ebenso verwirrt darein, wie die ihn überrascht Anblickenden drinnen. Vater Klein trat dem Ankömmling mit wenig einladendem Gesicht entgegen. 5 „Wie komm' ich zu der Ehr', daß der junge Herr Verwalter mich heimsucht?“ fragte er, nachdem ein Blick die Kinder zum Verlassen des Zimmers aufgefordert hatte. „Ihr habt Recht, wenn Ihr verwundert drein schaut, daß ich Euch z' Nacht noch Unruh mach', Meister“, antwortete der junge Mann, indem er dem Meßner jetzt mit offener Miene und freimüthigem Wesen die Hand bot, die dieser jedoch nicht ergriff. „Hätt' Euer Haus nit den ganzen Tag so voll Menschen ge— steckt, so wär ich gern eher gekommen. Ich hätt' in einer Sach' mit Euch zu reden, die mir sehr anliegt,“ fügte er mit einem beredten Blick auf Gretle hinzu, welches gerade die Stube ver— ließ, nachdem es mit niedergeschlagenen Augen die Katze vom alten Lehnstuhl gescheucht und denselben schweigend dem Gaste näher geschoben hatte.„Und daß ich's kurz mach, Meister,“ fuhr derselbe fort,„denn langes Reden ist nit mein Sach', wollt' Ihr mir d' Jungfer Gretle zur Eh' geben?“ Ein noch finsterer Schatten flog über das Gesicht des Alten. „Ich denk', wenn wir auch geringe Leut' sind, wär ich und mein Kind zu Spott und Spaß doch zu gut, Musje Joseph,““ versetzte er hart. „Ihr kennt' mich doch lang genug,“ entgegnete dieser, ohne sich abschrecken zu lassen,„um zu wissen, daß mir so was nim⸗ mer einkommen möcht'! Nit seit heut' hab' ich's Gretle gern. Schon seit ich wieder daheim bin von der Wanderschaft folgen ihm meine Augen, mein Herz und mein Sinn. Ja, ja, Meister, wie streng Ihr auch Euren Schatz hütet und versperrt haltet, ich kenn' das Maidle so gut wie mich selbst und möcht' nimmer eine Andere heimführen wollen!“ „So hat's etwa Bekanntschaft mit Euch hinter mei'm Rücken?“ rief der Meßner zornig auffahrend. „Was Ihr damit meint, gewiß nit,“ betheuerte Joseph. „Gesehen haben wir uns, wie man sich halt sieht als Nach⸗ barsleut'!; gesprochen kaum. Erst seit heut' Morgen glaub ich zu wissen, daß's Gretle mich auch mag. Und da komm' ich zuerst zu Euch, Meister, und sag' Euch, was ich noch Niemand gesagt hab', auch dem Madle nit. Glaubt Ihr jetzt, daß ich's ehrlich mein'?“ Der Blick des Alten hatte sich an dem offenen, treuherzigen Wesen des stattlichen jungen Mannes erhellt. Er legte seine Hand in dessen ihm von Neuem dargereichte Rechte und lud denselben jetzt zum Sitzen ein, indem er sich gleichfalls auf einen Stuhl niederließ. „Ja, ja, brav ist das schon von Euch, Musje Joseph,“ begann er dann langsam und nachdenklich. „Und ein Auskommen hätt ich wohl auch für eine Familie,“ fiel ihm dieser in die Rede.„Das Amt vom Vater, das ich jetzt im zweiten Jahr' verseh', seit er die Schwächen hat, ist mir ganz sicher, und er selber—“ „Euer Vater, ja, das ist's. Der wird nit sehen wollen, daß Ihr ihm ein Maidle in's Haus bringt, wie's Gretle.“ „Redet nit so, Meister! Der Vater wird nit nein sagen, wo's mein Glück gilt!“ Der Meßner schüttelte den Kopf.„Glaub' nit,“ sagte er. „Ein Mann, wie er, will für den einzigen Sohn schon was Besseres. Ich verdenk's ihm auch nit; möcht's wohl auch so machen an seiner Statt.“ 5 „Laßt das mein Sorg sein, Meister,“ versetzte der junge Mann zuversichtlich.„Da müßt' ich Vater nit kennen! Aber zuerst wollt' ich mit Euch reden, und jetzt gar, wo's Gretle Augräfin worden ist und vielleicht ein Anderer anklopfen möcht'. Und wie haltet Ihr's jetzt mit mir?“ „Redet mit Eurem Vater, Joseph. Ich wüßt' kein' Besseren für's Gretle, als Euch.“ „Aber dem Maidle seine Meinung müßt' ich doch wissen vorher,“ meinte Joseph heiter. * 2 — n 8 2—— —— 92. „Freilich müßt Ihr das,“ antwortete der Alte schmunzelnd in der aus dieser Bitte klar hervorgehenden Gewißheit, daß seine Tochter bis zu solchem ungewöhnlichen Grade seiner strengen Zucht Ehre mache.„Reden soll's gleich, ob's Euch mögen möcht'!“ 200 Gretle hatte draußen Alles vernommen; es brauchte nicht einmal zu lauschen, die Rede ging laut genug im Stübchen. Auf des Vaters Ruf stand es jetzt, rosig erglühend, vor dem längst Geliebten. Ach, dieser Traum war doch noch tausendmal schöner als der des heutigen Morgens! „Gretle!“ sagte Joseph leise, und weiter nichts. Sie wußte nicht, wie es kam, daß plötzlich seine Arme sie umschlangen, ihr Kopf an seiner Brust ruhte. Der Herzschlag da drinnen, dem der ihrige voll Seligkeit antwortete, sprach laut und verständlich, daß sie mit einer Liebe geliebt sei, die nicht nur für dieses Leben ausreichen werde. „Gemach, gemach; so war's just nit gemeint!“ brummte der Vater, indem er das Mädchen den zögernd ablassenden Armen des jungen Mannes entzog.„Mög' unser Herrgott sein' Segen geben!“ setzte er aber doch mit feuchtem Auge wie unbewußt leise hinzu. * * „Möcht' doch wissen, wo heut' der Joseph bleibt,“ murmelte der Schloßverwalter vor sich hin, indem er unruhig durch die Bäume des Obstgartens vor den offenen Fenstern seines eben— erdigen Zimmers blickte. Dicht mit weißen oder rosenrothen Blüthen bedeckt, umsäumt von honigtrunkenen Bienen, schau— kelten sie ihre Zweige im Wehen der Frühlingsluft und sandten ganze Ladungen sonnenwarmen Duftes zum Kranken hinein. Er achtete dessen nicht. Trübe und matt lehnte er den Kopf in die Kissen des Lehnstuhls zurück, den er nun schon gar nicht mehr verlassen konnte. Pflichten und Freuden des Daseins lagen schattenhaft hinter ihm. Unruhig flackernd nährte sich die ver— löschende Lebensflamme nur noch von der Liebe zum einzigen Sohne, der ihm reichlich vergalt, was er auf ihn gewandt hatte. Jetzt vernahm man eilige Schritte. Der Ersehnte trat ein. Willenskraft und lebensfreudige Zuversicht der hübschen männ— lichen züge und die kräftig ebenmäßige jugendfrische Gestalt desselben hatten etwas Verwandtes mit der in der üppigen Blüthenwonne den Fruchtansatz nicht vergessenden Natur draußen. Das welke Gesicht des Alten hellte sich auf, als Joseph seine abgezehrte Hand zärtlich und ehrerbietig ergriff. „Seid nit bös, Vater,“ sagte dieser, sich neben ihm nieder— setzend,„wenn ich so spät fragen komm, wie's Euch heut' Morgen geht.“ „Und was hast denn so Wichtig's geschafft am Feiertag?“ war die leis vorwurfsvolle Erwiderung, wobei doch Stolz und Liebe in dem auf dem Sohne ruhenden Auge glänzten. „Der Schultheiß hat sich mit den Andern vor dem Amt noch im Pfarrhaus bereden wollen wegen dem Fest morgen. Er hat gestern z' Abend expreß hergeschickt, daß ich ja nit ausbleiben sollt! Gerad' sind wir auseinander gangen und z Mittag müssen wir nochmals zusammenkommen. Da bin ich schnell hergelaufen, um zu hören, wie's ausschaut mit Euch.“ „Könnt'st nur mehr bei mir sein, Joseph,“ sagte der alte Mann traurig. S ist mir gar letz“), wenn Du nit da bist. Und ich fühl's halt,'s nimmt ein End' mit mir, eher als Ihr Alle denkt!“ „Was redt Ihr auch so daher, Vater,“ entgegnete Joseph beruhigend.„Da schaut nur, wie's blüht und wächst draußen, s wird mit Euch wieder bergauf gehen, jetzt, wo's warm wird. Und so viel alleinig sollt? Ihr auch bald nimmer sein,“ setzte er nach einer kleinen Pause hinzu.„Ich möcht' Euch schon gern Eins ins Haus bringen, das um Euch wär', wenn ich nit da sein kann. Da könntet Ihr miteins die beste Pfleg' finden Tag und Nacht und kurze Zeit haben alleweil, Ihr und ich auch.“ „Will wohl gar heißen, daß Du heirathen möcht'st?“ fragte der Kranke gespannt aufhorchend.„Hast mir doch nie gesprochen von einer Liebsten seither.“ Hätt's auch nit können, Vater, hab' ja keine gehabt, was 7* man so meint damit. Habt Ihr mir nit immer gesagt, ich 0 sollt' keine lange Bekanntschaft anfangen, das brächt' nichts Gutes; wenn ich aber ein braves Maidle fänd', das mir an⸗ ständ', so sollt' ich nur herzhaft vor Euch treten und reden. Und so ist's jetzt.“ „Nun, so red'.“ S 4 halt geringer Leut' Kind, Vater, aber ein bravs, schaffigs Mensch, wie kein zweites im Dorf. Die Augräfin ist's, s Klein-Gretle—“ „Wer, wer?“ fragte der Alte erschreckt auffahrend. „Dem Weber Klein, unserm Nachbar, sein Aeltstes, Vater. Gestern z' Abend hab' ich gered't mit ihm und mit dem Maidle und's steht jetzt nur bei Euch, Vater, und mein Glück ist gemacht!“ Der Kranke, welcher sich starr aufgerichtet hatte, sank wie gebrochen zurück. Kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn und mit äußerster Anstrengung schrie er:„Die, die— nimmer, nimmer!“ Erschrocken über des Vaters ungewöhnliche Heftigkeit, suchte der junge Mann den nach Athem Ringenden in seinen Armen aufzurichten. „Heb' die Finger auf, Joseph, und schwör' bei allen Hei— ligen, daß Du nimmer an die denkst!“ keuchte dieser, indem er mit krampfhaftem Druck die Hand des Sohnes erfaßte. „Red't jetzt nit mehr davon, Vater,“ begütigte dieser.„S kommen Euch vielleicht bessire Gedanken. Wir wollen d'rüber schlafen.“ „Schwör', Joseph,“ wiederholte der Alte eindringlich,„schwör', daß Du nit d'ran denkst, die zu heirathen, auch wann ich nimmer da bin!“ „Laßt's jetzt, Vater, heut' nit, wo's Euch so grausam packt hat. S wär' ja kein rechter Schwur; ich könnt' die Hand dazu nit lüpfen, die dem Maidle's Wort geben hat!“ In die am zweiten Pfingsttage im Dorfe noch andauernde Erregung über den unerwarteten Ausgang der Wahl und die Vorbereitungen zum Feste der Augräfin-Krönung mischte sich am Abend die Neuigkeit, daß es mit dem alten Schloßverwalter plötzlich zu Ende gehe. Der Pfarrer habe ihm eilends den lieben Herrgott gebracht und sei gar lange ganz allein bei ihm ge blieben. haben? Was mochte das wohl für eine besondere Bewandtniß Die eingehende Erwägung dieses Umstandes fand in den vielbeschäftigten Köpfen der Blozheimer Gevatterinnen noch 5 77... TTTTT—T—T—T—.... ebenso gut Platz, wie die daran geknüpfte weitere Frage, wen der Joseph, der nun des Vaters Amt antreten werde, wohl ein- mal werde heimführen mögen. Denn heirathen konnt' der jeden 4 Tag und anklopfen durft' er überall, und doch war noch Nie- mand dahinter gekommen, auf wen er etwa ein Aug' gehabt hätte. ** * Das Morgenroth des festlichen Tages fand das Gretle in der Kammer, die es mit seinen drei Schwestern theilte, schon wach. Wie hätte es, übervoll und halb närrisch vor Freude, wie es war, auch lange schlafen können? Leise wollte es seinen Platz auf dem Lager neben dem Stasele verlassen, um im Haus noch Manches herzurichten, bevor es— das war ja das erste der heutigen Feier— zur Beicht' und Kommunion in die Kirche Verstand es sich doch ganz von selbst, daß es ohne die ginge. Vergebung seiner Sünden und die Zustimmung des lieben Herr- gotts die Tugendkrone aus Menschenhand nicht empfangen könne. Bei der ersten Bewegung aber, die das Mädchen machte, um aufzustehen, schlangen sich der Schwester Arme um seinen Hals. Nein, heute durfte das Gretle nichts anrühren in der Haus- haltung; das würde ja nun doch bald des Staseles Sache ganz allein werden. zwei blonde Köpfchen, die auch eifrig versicherten, für's Gretle gern schaffen zu wollen. Draußen aber hatten die beiden Buben schon die halbe Nacht Aus dem andern Bett hoben sich gleichzeitig geschafft, um noch vor dem Frühgebetläuten mit Maien und. Kränzen das Haus zu schmücken, in das ihre eigene Schwester heute noch— sie konnten's noch gar nicht recht glauben— als Augräfin einziehen solle. Die polternden Holzschuhe hatten sie bei Seite gestellt und schlichen auf den„Chaussettle“ im und vor dem Hause umher, damit der Vater im Morgenschlaf nicht 15 4) Erst recht schlecht. 2 ie 80 r, = Kinzel. N * Nach dem Originalgemälde von Josef Die Sonntagsjäger. — Q %%% ¼;“. ͤ l 7 N N 17 8 n 8 2 e 8 1 4 5 f 1 2 8 * 4 3. K 5 * 5.* 8. 2 e i e 5 5 5 1 1* 0 18 e n 5* 15 7* 8 2 2 3 N 94. gestört werde. Der Samen, den die strenge Hand des letzteren gestreut und unermüdlich bewacht hatte, war auch in der fröh⸗ lichen, liebevollen und arbeitsamen Einigkeit aufgegangen, welche herzlich und neidlos ihr Scherflein zum Ehrentage der Schwester beizutragen strebte. Während in solcher Weise die geschwisterlichen Hausgeister still und geschäftig am Herd, in Küche, Stube und Gärtchen walteten, hatte das Gretle Zeit genug, sein Morgengebet recht sorgsam nach Herzenslust zu verrichten. Noch niemals war es dabei so froh und dankbar gewesen wie heute. Ja, als es, die gefalteten Hände auf die Augen gedrückt, auf dem Schemel vor dem Muttergottesbilde kniete, um, als Vorbereitung zur Beichte, nach den kleinen Gewohnheits- und Unterlassungssünden, von denen nun einmal der beste Wille die menschliche Natur nicht freihalten kann, recht scharfe Umschau in seiner Seele zu halten, konnte es vor dem Licht und der Seligkeit darin ihrer gar nicht wie sonst habhaft werden. Fast ängstlich und ärgerlich war das dem Mädchen, denn gerade heute hätte auch nicht ein Stäubchen der Unvollkommenheit dem väterlichen Auge des geistlichen Be— rathers entgehen dürfen. Aber er kannte ja des Mädchens Thun und Lassen so genau fast wie der liebe Herrgott selbst. Und dieser verzeiht schon einer jungen Menschenseele, wenn sie vor übergroßer Freude, die doch nur Er ihr geschenkt hat, das Denken verliert und vor Ihm nichts als Demuth und Dank und glückselige Thränen hat. 5 Friedsamer Glanz und Hoffnungsfrische lagen auf dem fromm unschuldsvollen Gesicht des Mädchens, als es, aus dem Hause tretend, die aufgehende Sonne mit frohem Strahl seines Auges grüßte. Doch gleich senkte es dasselbe auf das Gebetbuch in seiner Hand, um eilfertig den Weg zur Kirche einzuschlagen. Hatte ihm doch der Herr Pfarrer gestern Abend noch empfehlen lassen, sich heute besonders zeitig am Beichtstuhl einzufinden. Schon war die Frühmesse eine gute Weile vorüber und die während derselben fast leere Kirche fing an, sich mit einzelnen Vorsichtigeren der von weit und breit zum Feste herbeieilenden Besucher zu füllen, welche einen guten Platz, auf dem man Alles sehen konnte, gern mit längerem Warten erkaufen wollten. Noch immer aber kniete das Gretle, den Kopf tief gesenkt, das Ge— sicht in den Händen verborgen, auf dem Platze, den es ein— genommen, nachdem es gebeichtet und den lieben Herrgott em— pfangen hatte. Sein andächtiges Beten, seine demüthige, fast gebrochene Haltung fanden unter den sich sammelnden Weibern neue Billigung. Das war schon wahr, so ein frommes, be— scheidenes Maidle wie das Gretle gab's in der ganzen Gemeinde nicht. Ob noch ein anderes so bescheiden und Gott und den Menschen dankbar sein möchte für das ihm zugefallene Glück? Endlich aber schaute doch der bei den Vorbereitungen zum Amt hin- und hergehende Vater fast besorgt auf das noch immer unbeweglich dakniende Mädchen. Leise zupfte er es am Arm und bedeutete ihm, es möge doch jetzt schon heimgehen, denn die Zeit schreite vor und nicht allzu lange, so werde man es aus dem Hause abholen kommen. Beim Laut der väterlichen Stimme blickte das Gretle auf. Aus einem todtenblassen, verweinten Gesicht starrte ein fast erloschenes Auge wie geistesabwesend den Mahner an. Erschrocken mußte dieser die Aufforderung wieder— holen, der das Mädchen dann sogleich, doch wie mechanisch und mit müdem Gange, Folge leistete. Kopfschüttelnd nahm der Meßner seine Arbeit wieder auf.„Daß es auch dem Maidle gar so auffallt,“) dachte er dabei sorgenvoll.„Aber stark war's halt nie, und die Freud' und Ueberraschung ist auch gar so gach kommen!“ Das Häuschen war bei Gretle's Rückkehr schon mit Ver— wandten und Bekannten gefüllt, deren jede bei dem Ankleiden der Augräfin mit Hand anlegen oder wenigstens zuschauen mußte. Manche hatten es sich zugleich nicht versagen wollen, die Wir— kung des selbst zum Putze Beigesteuerten recht gemächlich in der den Neid Derer einzuheimsen, die nichts oder minder gegeben hatten. Einer Bildsäule gleich ließ das Mädchen Alles mit sich ge⸗ schehen. Den Morgenimbiß, welchen die Schwester brachte, be— K) Augreift. Nähe anzuschauen und neben dem wiederholten Dank etwa auch rührte es nicht. Blaß wie eine Sterbende saß es da unter den geschäftigen Händen und unwillkürlich füllten sich seine Augen mit Thränen, wenn es sich mühsam zwingen wollte, in seiner gewohnten freundlichen Weise zu lächeln. Ein Zittern lief durch seine Glieder, als jetzt das dritte Läuten, diesmal mit allen Glocken, das Nahen des ihm be— stimmten feierlichen Geleites verkündete. Gesenkten Hauptes hörte es die übliche Ansprache des Augrafen. Kaum auch war es sich dessen bewußt, daß darauf der für den männlichen Tugend⸗ preis erkorene Bursch seine Hand ergriff, um mit ihm auf dem Wege zur Kirche die vom Herkommen bestimmte Stelle im Auf⸗ zuge einzunehmen. Der Augraf, gefolgt von den Vätern oder Vormündern der zur engeren Wahl gelangten Jungfrauen und Jünglinge, eröffnete denselben. Nach ihnen kam der Vater der Augräfin. Ein Schatten, den die freudige Gelegenheit nicht rechtfertigte, lag auf der gefurchten Stirn des Meßners. Seine Gedanken weilten besorgt bei der Tochter, die mit ihrem Führer gleich hinter ihm an der Spitze der übrigen, nach der Anzahl der auf sie gefallenen Stimmen geordneten weiblichen und männ- lichen Bewerber daherschritt, denen, den Zug beschließend, die Mütter der letzteren folgten. Trompeten- und Orgelklang empfingen die Augräfin in der gedrängt vollen Kirche. Sie wurde zu dem ihr bestimmten Ehren— platz, einem in der Mitte des Chores mit Teppichen geschmückten Betstuhl, geführt, während die beiden mit dem zweiten Preise bedachten Jungfrauen zu jeder Seite Platz nahmen. Rechts im Chor reihten sich die Jünglinge, links die Jungfrauen des Zuges. Mit allem Pomp, den die Veranlassung erforderte, vollzog sich nun das Seelenamt für die verstorbenen Mitglieder der Familie, welche einst der Gemeinde die Au geschenkt hatten. Konnte es im Fegfeuer größere Qualen geben als die, welche Gretle's Herz durchwühlten? Weiter empfand und dachte dieses nichts während der feierlichen Handlung. Mahnung seiner Nachbarin erhob es sich, um der der Augräfin zustehenden Auszeichnung gemäß den Gang zum Opfer zu er⸗ öffnen, auf dem ihr in der vorgeschriebenen Ordnung zuerst alle Gefährten, dann deren Eltern und schließlich die übrigen Ge— meindemitglieder zu folgen hatten. Für das Gretle, auf das sich jetzt alle Blicke richteten, war es ein Kalvariengang. Mit der Einsegnung der beiden Denkmünzen und des Tugend⸗ kranzes, welche der greise Pfarrherr nach der Beendigung des Amtes vornahm, begann die eigentliche, den allgemeinsten An— theil erregende Feier. Burschen, sowie ihre Angehörigen dabei verhalten würden, unter denen es manche gab, deren Hochmuth, zur Genugthuung vieler Zuschauer, die Theilnahme an der Ehre in zweiter, dritter oder gar letzter Reihe doch nicht so leicht verschmerzte,— schon das Doch r f war für die Augen sattsame Beschäftigung. hafteten dieselben an der Augräfin. Was schaute sie denn au noch immer gar so traurig und niedergedrückt d'rein? Diese unbewegliche Hoffnungslosigkeit in den lieblichen Zügen schien denn endlich doch aus Frömmigkeit, Demuth und Bescheidenheit 1 allein nicht recht ertlärlich. Schon um der Leute willen und um seine Dankbarkeit zu beweisen, hätte das Maidle sich auf⸗ raffen müssen, wenn's selbst, was ja möglich wäre, krank sei. Auf eine feierliche Zu beobachten, wie sich die Maidle und Aber es hatt' immer so ein apartes Wesen gehabt; ein anderes möcht' schon besser wissen, wie sich's bei einem solchen Anlaß aufführen sollt'. sammelten verschärften sich, als der Pfarrer sich im weiteren Verlaufe der Feier mit herzlicher Ansprache an die Augräfin wandte. Gar so sehr loben und herausstreichen brauchte er sie dabei doch auch nicht, und daß ihm gar die Stimm zitterte und man hätt' meinen mögen, s Greinen sei ihm nah! a In der That lag tiefe Bewegung im Wesen des ehrwürdigen Greises und mit besonderer Güte schien sein Blick das vor ihm kniende und die eben empfangene Denkmünze schlaff in der Hand haltende Mädchen ermuthigen zu wollen, als er, den Kranz er⸗ hebend, die Zuversicht aussprach, die außergewöhnliche Anerkennung seines bisherigen bescheidenen Wandels werde an demselben nichts ändern und das Gretle das Ehrenkrönlein in wahrer Demuth nur mit dem Hinblick auf die welterlösende Dornenkrone des Heilandes empfangen. In diesem Augenblick, dessen mächtiger Eindruck wohl alles Diese und ähnliche Erwägungen der Ver⸗ —————— —̃— 95. Einzeldenken der Versammelten in einem Gefühl höherer Weihe untertauchte, unterbrach plötzlich, zum allgemeinen Entsetzen, ein [Schrei die lautlose Stille. hatte das Gretle aufgeschrien, als es die Berührung seines Hauptes durch den Kranz gefühlt und war, denselben mit bei⸗ „Nicht mir, ich bin nicht würdig!“ den Händen abwehrend, ohnmächtig umgesunken. Die Aufregung, welche nach dieser jähen Unterbrechung der Feier den Ort durchlief, schien sich nicht legen zu wollen. Kaum je waren die Gassen so belebt gewesen. Niemand litt es in der Stube. In sich bildenden und lösenden Gruppen vor der Kirche, unter den Hausthüren, am Brunnen, überall wo zwei Menschen aufeinandertrafen, wurde bis spät am Abend der unerhörte Vor— fall besprochen. Da war es also offenbar geworden, ein leib— haftiges Gottesgericht! Dahin führte es, wenn die Herren klüger sein wollen als andere Leut'. Wie Viele im Dorfe hatten es nun auf einmal längst gewußt und vorausgesehen, daß so eine Stille, wie das Meßnermaidle, die Allerschlimmste sei. Und auf den Joseph hatt' es also spekulirt,— er war gesehen wor— den, wie er am Sonntag z Nacht ins Haus schlich, wo er und mancher Andere vielleicht gar wohl Bescheid wissen mocht'! Indem man sich immer weiter in Erbitterung und Schadenfreude hineinredete, schossen Gerüchte wie Pilze auf, wurden die un⸗ begründetsten Annahmen und Voraussetzungen im Nu zu ver⸗ bürgten Thatsachen. Schließlich war an der ganzen Familie des armen Mädchens kein gutes Haar mehr und es galt nur noch die Frage zu entscheiden, was größer sei, die Schlechtigkeit f der scheinheiligen Meßnersleute oder die närrische Verblendung der Obrigkeit, welche die Wahl in dieser Richtung geleitet hatte. Wie nun Alles in der Welt keine von den geschäftigen Hän⸗ den, welche sich vor zwei Tagen herzugedrängt hatten, das Gretle aus seinem bescheiden gewahrten Dunkel zu ziehen, in der Kirche das bewußtlos daliegende Mädchen angerührt haben würde, so auch mied man nun das Häuschen, welches betreten zu können vor wenigen Stunden noch als eine Art Gunst erschienen war. Selbst die brennendste Neugier, welche sich endlich doch, wie auch die wenigen ruhiger denkenden Köpfe, sagen mußte, daß ja eigentlich durch den Ausruf des Mädchens noch nicht das Mindeste vom Grund seiner Weigerung bekannt geworden sei, wagte nur scheu und in weiten Kreisen um die Stätte möglicher Aufklärung zu schleichen. Dort sah es traurig aus. Finster und schweigend, den Kopf in beide Hände gestützt, saß der Meßner an derselben Stelle, wo der Pfarrer ihm, um seinen durch der Tochter öffentliches Geständniß maßlos auf⸗ flammenden Zorn zu beschwichtigen, ein inhaltsschweres Wort gesagt hatte. Die Wirkung desselben war zauberisch, aber furcht⸗ bar gewesen. Man sah es dieser gebrochenen Gestalt an, daß alle innere Sehnen ihres Seins zerrissen seien. Auf dem Bett in seiner Kammer lag ebenso still und laut— los das Gretle. Etwas wie Befreiung und Frieden war über das zarte Gesicht verbreitet, doch die blauen Augen blickten starr und ausdruckslos. Wenn auch das körperliche Dasein zurück⸗ gekehrt, war doch das geistige entflohen für immer. Vergebens hatten Thränen und Bitten der Geschwister um ein einziges Er⸗ kennungszeichen gerungen. Jetzt saßen sie wie betäubt und schmerzensmüde um das Lager. Die Buben aber ballten dabei die Fäuste wie im Grimm. Es sollt' sich nur noch Jemand trauen, was auf's Gretle zu sagen, sie wollten's ihm weisen! Hatten sie doch genug der Unbill, die ihnen, wo sie sich blicken ließen, in den wenigen Stunden bereits reichlich genug zu— gemessen worden war. Das Stasele konnte diesen schweigenden Jammer hier und den des alten Mannes unten in der Stube endlich nicht mehr mit ansehen. Leise schlich es zum Vater und legte sein thränen— überströmtes Gesicht auf den grauen Kopf. „Vater, Vater,“ sagte es schluchzend,„'s Gretle hat gewiß nimmer was Schlechtes than!“ Er sah zu dem Mädchen auf. Wie alt und verhärmt war er in der kurzen Zeit geworden! „Nein, Stasele,“ antwortete er,„'s büßt wahrlich nit für sich!“ „So kommt mit!“ i Sie zog ihn zum Lager derjenigen, welche gestern noch ihrer doch gestorben war. Der Vater legte die Hand auf das regungs— lose Haupt. Es durchzuckte ihn, als er das weiche Haar be— rührte, und der ihm bis dahin versagt gewesene Segen der Thränen erleichterte auch seine stumme Qual. i ** * Fast gleichzeitig empfing Joseph von dem sterbenden Vater mit der Erklärung des auch ihm Unbegreiflichen seinen reichlichen Antheil an diesem leichentuchartig niedergesunkenen Jammer. Es war die alte, ewig wiederkehrende Heimsuchung des Fehls der Eltern am Glück der Kinder, von der ihm Kunde ward. Einem Liebesverhältniß, welches sein Vater mit Gretle's Mutter vor deren Verheirathung unterhalten hatte, verdankte er das Dasein. In der nahen Schweiz, wohin sie von den Eltern zu Verwandten geschickt worden war, um die Annäherung des damals armen Burschen abzuschneiden, und wohin das Schicksal diesen dann selbst im Dienste seines auch dort begüterten Herrn führte, hatten sich Beider Freude, Fehl und Leid vollzogen, doch ohne daß irgend welche Kunde davon in die Heimath gelangte. Später dahin zurückgekehrt, hatte das Mädchen dem Drängen der die Werbung des damals vermöglichen Webers Klein begün⸗ stigenden Eltern nachgegeben. Nach ziemlich freudloser, mit stiller Pflichterfüllung getragener Ehe war sie gestorben, ohne daß selbst ihr Mann eine Ahnung ihrer geheimen Schuld ge— habt hätte. Standhafter als sie, hatte der Verwalter, welcher sich nie entschließen konnte, eine Andere zu heirathen, sein ganzes Herz an das Kind seiner Liebe gehängt. Jahren, vom Glück begünstigt, die Schloßverwalterstelle in Blotz⸗ heim erhielt, begleitete ihn der erwachsene Knabe, welcher, wie alle Welt, von seinem Ursprung nichts anderes wußte, als daß er nach dem frühen Tode seiner Mutter bei einer Muhme auf⸗ gezogen worden war, bis die Verhältnisse des Vaters diesem gestattet hatten, diesen zu sich zu nehmen. Voll aufrichtigen Schmerzes schloß Joseph mit heißem Kusse das stammelnde Bekenntniß des bleichen Mundes. Sein Blick begegnete voll kindlicher Liebe dem des brechenden Auges, das flehend auf ihn gerichtet war. Welches Recht hätte er auch ge— habt, einem so treuen Vaterherzen zu zürnen? Nachdem sich aber das Grab über demselben geschlossen hatte, da fühlte er, daß sein ganzer bisheriger Mensch in dasselbe ge— sunken sei. Aus dem frohherzigen Jüngling war ein finsterer Mann geworden, welcher streng und ruhelos die Pflichten des ihm zugefallenen Amtes vollzog. So lange die warme Sommersonne schien, verbrachte er oft ganze Stunden im Schloßgarten an einer Stelle, die ihm er— laubte, unbemerkt nach der Bank vor des Meßners Häuschen zu starren, wenn auf derselben das Gretle saß, welches mit aus— druckslosem Blick sich niemals zum Kranze fügende Blumen und Blätter in den Händen bewegte. Als aber mit dem fallenden Laub des Jahres auch dieses müde Herz im kühlen Schooß der Erde Ruhe fand, verließ Joseph das Dorf für immer. Jose Blätter. A. Valladier, ein trefflicher Kulturhistoriker, nennt die Werthschätzung des Alten achtbar und gut, sofern die Gebräuche gut sind, an denen der Mensch hängt, aber der Stillstand ist nach seiner Ausicht ebenso un⸗ möglich, wie das Bemühen heillos, denselben zu erzielen. Ein Volk sei außer Stande, unbeweglich zu bleiben, wenn ringsum Alles fortschreite. Nach Valladier existirt ein allgemeines, unwiderstehliches Gesetz, dem Niemand sich entziehen kann und das früher oder später die Einzelnen, die Nationen und ihre Regierungen mit sich fortreißt.„Indem es, sich auf neue Bedürfnisse beziehend, von der Wissenschaft und dem Gewerb⸗ fleiß geleitet wird, bildet es alles Bestehende um. Es rottet Unwissen⸗ heit, Vorurtheile und Schlendrian aus, vermindert die Zahl der Kriege, zerstört das Elend und wird die Menschen dereinst zu einer einzigen, friedlichen Familie vereinigen, das Glück und den Frieden der Nationen begründen. Dies ist das Gesetz des Fortschritts, welches wie alle gött⸗ lichen; in die Natur des Menschen gelegte Gesetze, keine Ausnahme zu⸗ läßt. Vergleichen wir unser Jahrhundert mit den Zeitaltern der Barbarei. Das Geschlecht der Zeitgenossen hat bereits köstliche Früchte des Fort⸗ schritts geerntet— unsere Nachkommen werden sie noch vollständiger ge⸗ nießen, denn die Welt strebt unablässig ihrer Vervollkommnung zu.“ Th. Bd. Als er in späteren 8 8 5 ——— r ˙·—mA 222 ̃ 22ͤ ²˙ VmA ĩͤ. 8 7 r Aller Freude und Stolz gewesen, jetzt, obgleich lebend, für sie 1 Nösselsprung. hier te beu⸗ es wem tlennt sen re ö 2 gen sicht⸗ wir das muth zu zeu⸗ be⸗ 5 un⸗ ren mit den le⸗ im sich ——— fach ne sit⸗ bei⸗ ist me wir sich und ba⸗ de⸗ ö schö⸗ viel ⸗ from len. er⸗ des herr der⸗ au- zu uns ö 5 es füh- che ver- spürt ein in quil- wie nen's brü⸗ ge⸗ wel- lla- ist men sich lend man seg⸗ von sinnt und lön⸗ das sind ter gen man nen- man du hen wir dir so un · o fühlt dann hen muß mil⸗ des gruß bist und sen da uns bist dei⸗ mit- wenn ste⸗ we- selbst we⸗ find da ganz auch gei- den and'- uns⸗ ge- lings nes te ein rer stes früh · res in I 5 Zweisilbige Charade. Die Erste ist Katze und Ente, Und Ziegenbock und Hund. Die Zweite aber rund, Das Ganze am Firmamente. Geographisches Silbenräthsel. Nachfolgende Silben zeigen zumal Dreisilbige Städtenamen, zwölf an der Zahl. Stellst du die Anfangsbuchstaben richtig zusammen, Erhältst du einen deutschen Komponistennamen; Die Endbuchstaben aber, recht verbunden, Werden dir sogleich bekunden 5 7 Den Namen eines preußischen Fürsten und Herrn, 1 Nennt bei diesem Namen ihn gern. a ap ba bers bur ei dorf le en esch esch ge grad helm hi len ler mi ne neu ni ni so pen se scha schatz stadt stedt ter va vi we wei yon zell *„ Räthsel. Ruhe sanft auf Nummer Eins, Denn dich stört nicht dein Gewissen; Auch ein schlechtes Schlummerkissen Ist doch besser stets als keins; Gehe dann durch Nummer Zwei, Zwar nicht Blumen wirst du treffen, Doch wird kein Morast dich äffen, Und der Weg ist felseufrei. Hat das Ziel erreicht dein Fuß Schreibe dann an deine Lieben, Die zu Hause dir geblieben, Und das Ganze brauch am Schluß. Aufloͤsung der zweisilbigen Charade in voriger Nummer: Kreuzweg;— des Logogriph: Mandel, Mangel, Angel, Mantel;— des Kreuzräthsels: — 7, Schach. Nutflösungen. Problem Nr. 487 von W. Steinmann in Parchim. 1) Dal 27: 1J86—g7: 2 Te f5 Kfi—el:(g) 3 R 9. s zicht 2 Debt Kc 81 C8 i: 1) Te: 2) D Kea 3) 5 2 resp. Bad. Man; 1 5 0 0 1——— 21——— das 2 König d de Thurmscha ex erste Zug zu ie ge— J wurde 4 8 G.; W. Kron in B.; 7 rmeister in M.; O. Michaelis. „Kraus in B Ir. Wehn in Th.; B. in Putbus, F. Möller in A. und H. Wünschmann in D. Problem Ur. 494 8 von R. Blümel in Schlegel. Problem Nr. 488 von C. Salvioli in Venedig. 1) Das—a7 2 2) bar- gl Kg ff(h4) 3) D185 Auf 1).. Kb folgt 2) Df und 3 Df Matt. Von den beiden in Lettern 3 Aufgaben ist der Drelzüger[Weiß: 2, Des, Sts, Schwarz: Kalt] durch 1) Stö- h7 Kd-e5 2 Kees KRe5-f5 3) De6-e Matt. der Zweizüger Carpenter's [Weiß: Kd5, Df2. Lea; Schwarz: K 48] durch 1) Df2—b2 zu ösen.— Diese Lö⸗ sungen wurden von allen Lösern der vor⸗ hergehenden Aufgabe richtig angegeben. Problem Nr. 489 von G. Heinrich in Radomitz. 1) 2-13 Kdä- e 2) Der-eß Lgi- da) 3) De5-: Kea cd: 5 4 bft erf Varianten: a) 2.. Kch. g) Derf Kdd 4) Des Matt resp. 22. 448 Desf Kch: 4 b2—4 Matt Diese dreifache Verzwei⸗ ung nach 2 De7 es macht das eigentliche deenspiel aus, welches keineswegs allein in der sehr bekannten Wendung nach 3) 14. zu suchen ist, außerdem ergeben sich gleich nach dem einleitenden Tempozuge noch die 1 7 guten Nebenspiele: 1).. Leg 2) Dgr7t K. 5 3 Det Kd 4 Des Matt und 1) L.(h] 2 Kb5 mit einer noch⸗ maligen W LgI 3 Del 4 Deg Matt, esp Le, 83 oder b4 3) Df 40 Sb oder es Matt— Die Lösung wurde an⸗ gegeben von Dr. Wehrmeister in M.; W. Kron in B Dor. ftnopf in G.; Th Kraus in B., H. Michaelis in Th. F. Möller in A und H. Wünschmann in D Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt. Problem Ur. 495 von B. G. Laws in London. Von den nebenstehenden Problemen wurde uns das zweite(Nr. 495 vor längerer überlassen. inzwischen hat dasselbe auch in der vor einigen Monaten erschienenen engli⸗ 2 Problem Sammlung„The Chess- droblem“ Aufnahme gefunden Das nach⸗ folgende Meisterwerk von Shinkman, welches 5— vor Jahren entstanden 5 und einem heile unserer Leser wohl bekannt sein dürfte, Weiß. 1 5 Leistung, welche 1— * f 1 roblemaufstellung mit nur vier Steinen Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt. zum Ausdruck gebracht werden kann. Noch Problem Ur. 496 von W. Shinkman in Grand Rapids. Schwarz. gattung sollen in einer der nächsten Nummern folgen. 2 Aus der Schachwelt. Kapitän Mackenzie verweilte einige Zeit in Havanna, wo ihm ein großartiger fang bereitet und ihm zu Ehren ein Bankett gegeben wurde, an welchem sich die Ronsuln von Frankreich, Oesterreich, Ruß⸗ Mexito betheiligten. Zwei Wettkämpfe gegen die beiden stärksten Spieler in Havanna fielen Schachlluds, in vier Partien besiegte und gegen Sennor Vasquej, den mexilanischen Konsul. mit 3 zu 0 bel 2 Remisen Sieger blieb. im Laufe dieses Jahres in neuer(siebenter Auflage erscheinen. Bis zum 1 Juli di Beit& Co. in Leipzig direkte Bestellungen f auf das Werk zum ermäßigten Preise von MAX 15 Mi. im Prachtband 18 Mt enig 554185 4 5 den ae e en INN ach richten“ erscheint seit nn 1 5 Weiß. Jahres eine neue Schachspalte 0 Schach⸗ 1 b 7 Weiß setzt mit dem vierten Zuge Matt. Hubs Altmünchen unter Leitung des aus⸗ 4 eee zeichneten Problem Komponisten und FIR ritiler Ir. A. Bayerzdorfer⸗ E 0 1 DER NI E—Die seit Jahren trefflich l englische Schachzeitung Briueh Chess Niagazine“ EE 2 5 1 ˖*—* 2 1 n s Naa a W des ossenen Jahres von der Redaktion des a 3 setreten ist.— 1 AFI.[RN ENA Abonnementspreis dieser Zeitung beträgt 6 Sh. 5 5 B EA DAI ä — ee— Im Manhattan Schachklub zu. wird demnächst ein Wettkampf zwischen Del max 4 TAI und Lipschüß ausgesochten werden uerst fünf Gewinnpartien zu verzeichnen hat, ist e e Sieger.— Der Rlud hat für den Maich 50 Dollar aubgesetzt. 5 O Cu S 5 5 . Einen schönen Erfolg hat M. Rosenthal in Paris in jwei Blindlingsvorstell gegen N i acht gleichzeitige Gegner. die erste am 31 Januar. die zweite am 8. februar, erzielt, 3 in jeder Sitzung sieben seiner Gegner besiegte und gegen den achten Remis machte. Dru und verlag der Voltt-Zetung-, Att-Ges. 11 Berlin, Löbewstr. 105.— Berantwortlicher Redakteur: R. Elche in Berlin, Lützowstr. 105. 5 Zeit vom Autor zur ersten Veröffentlichung einige weitere Beispiele dieser Problem ⸗ u Gunsten Mackenzie's aus, der Sennor 1 olmavo, den Präsidenten des dortigen Das Bilgner' sche Handbuch wird Jahres nimmt die Verlagsbuchhandlung von land, Italjen, den 3 Staaten und 3