zu den Obherhessischen Muchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. XI. Ochleppend langsam schlich die Zeit für Graf Udo dahin. Endlich näherte sich der heiße, schwüle Herbsttag seinem Ende. Rothleuchtend stieg die Sonne zum Horizont hernieder und ver— goldete scheidend die grauen Zinnen des Schlosses. Ein kühlerer Wind bewegte die Baumkronen. Verspätete Schwalben schossen pfeilgeschwind über die glatte Fläche des Schloßteiches, Nelken und Rosen spendeten als Gutenachtgruß einen schier betäubenden Duft, und als das Abendroth mit der Sonne versunken, stieg die silberne Scheibe des Mondes aus den Wipfeln des fernen Waldes empor und warf ihr geheimnißvolles Licht in die be— ginnende Dämmerung. g Die frische Waldluft umwehte kühlend die Stirn des stillen Wanderers, welcher auf einsamem Pfade zur Ruine der alten Stammburg der Warrens hinanstieg. Mit düster zusammen— gezogenen Brauen schritt Graf Udo— denn dieser war es— fast zögernd auf dem steinigen Wege weiter. Sein Zorn war verraucht und hatte einer Weiher Stimmung Platz gemacht. Ign den langen Stunden des Wartens hatte er Zeit gehabt, sein Verhältniß zu der jungen Freundin seiner Schwester einer gerechteren Prüfung zu unterwerfen, als es ihm in der ersten Erregung kurz nach Empfang des unglücklichen Briefes möglich gewesen, und er gelangte zu einem Resultat, welches den Glauben an die Berechtigung seiner Erbitterung ganz gewaltig erschütterte. Ist die Liebe nicht ein freies Geschenk? Hatte er einen begründeten Anspruch auf die Neigung dieses Mädchens? War es nicht ganz natürlich, daß sie sich zu seinem Bruder, dem glänzenden, leichtlebigen Offizier, mehr hingezogen fühlte als zu ihm, dem älteren, ernsteren Manne? Und wahrlich!— er mußte es sich gestehen— sein finsteres Wesen und die durch Unglück und Einsamkeit gesteigerten Härten seines Charakters befähigten ihn wenig, die Neigung eines Weibes zu erwecken. Konnte Nelly denn wissen, daß unter diesen abstoßenden Schlacken RVächstenliebe und Lebenslust in seinem Herzen als unsterbliche Funken glühten, welche nur des erlösenden Hauches wahrer Gegen— liebe bedurften, um zur mächtigen Flamme veredelter Lebens— freude emporzulodern? Aber hafte er ihr denn überhaupt seine Neigung gestanden? Hatte sie ihre Erwiderung ihm verheißen, und gab es daher einen triftigen Grund, sie des Wortbruches zu beschuldigen, da sie doch durch kein Versprechen ihm ver⸗ pflichtet war?—— Rathlos stand er diesen Fragen gegenüber, und fast wäre er auf seinem Wege umgekehrt. Doch als er schwankenden Sinnes stehen blieb, da glaubte er wieder Nelly's anmuthige, edle Erscheinung und ihre offenen, Vertrauen erweckenden Züge Gießen, den I. Juni W 16886. Schloß Warren. Novelle von Georg Harnisch. (Schluß.) zu sehen, glaubte ihre herzliche, wohlklingende Stimme und die Worte tiefen, wahren Empfindens zu vernehmen, und es wollte ihm nicht gelingen, mit diesem edlen Bilde den leichtfertigen, herzlosen Ton in Einklang zu bringen, welchen jede Zeile des heutigen Briefes so unverkennbar redete. Dieser Widerspruch ihres Wesens, der allerdings einer beabsichtigten Täuschung ähn— lich sah, mußte aufgeklärt werden, und darum mußte er Nelly sehen und sprechen. 5 Mit entschlossenen Schritten erklomm er den steilen Hang des Burgberges und trat aus dem dichten Gestrüpp auf die unbewaldete Kuppe. Vor ihm lag die Ruine, deren dunkles Gemäuer sich in scharfen Konturen von dem helleren Abendhimmel abhob. Durch die leeren, zerborstenen Fensteröffnungen brach das bleiche Licht des Mondes, aber der Fuß der Mauern lag noch in tiefem Schatten verborgen, und der Graf suchte vergeblich nach einer menschlichen Gestalt zwischen den epheuumsponnenen Trümmern. Die bestimmte Stunde mußte längst angebrochen sein, denn er hatte sich etwas verspätet. Sollte das junge Mädchen sich doch gescheut haben, allein den einsamen Weg anzutreten? Konnte ihr nicht aber auch ein Unfall zugestoßen sein? Udo fühlte, wie bei diesem Gedanken sein Herz unruhig pochte, wie einige kalte Schweißtropfen von seiner Schläfe perlten, und in ungewöhnlicher Hast durcheilte er die ihm wohlbekannten, fin— steren Gänge. Nirgends eine menschliche Seele. Seine Besorgniß steigerte sich zur Angst, und fast laufend strebte er den jenseitigen Ausgang zu erreichen. Plötzlich stockte sein Schritt;— wie angewurzelt stand er unter dem Thorbogen und starrte auf den schwach beleuchteten Vorplatz. Dort, hart am Rande des Abgrundes, saß auf den Ueberresten der alten Ringmauer die Gestalt eines Weibes. Sie hatte den Kopf in die Hand gestützt und schien hinauszuspähen auf die Straße im Grunde, von der sich der Fußpfad zur Ruine abzweigte. 971 Ein nie gekanntes Gefühl— die Eifersucht— regte sich in Udo's Brust. Also doch hatte Nelly dieses wenig schickliche Wagniß unternommen, war zu dem Stelldichein gekommen und harrte jetzt des Geliebten,— des Andern, dessen Glück er be— neidete. Unmuthig bog er den Ebereschenzweig, welcher ihm den Austritt in's Freie verwehrte, zur Seite. Der Ast brach, und von der Mauer, in deren verwitterten Fugen der Baum wur⸗ zelte, rollten lose Steine polternd zur Erde. Da hob das Mädchen den Kopf, blickte zu ihm herüber und rief wit scharfer Betonung: e N 2 194. „Also endlich? Ich finde es nicht galant, mich hier so lange warten zu lassen! Kommen Sie nur näher heran, Graf, ich bin kein Gespenst, sondern ein Weib von Fleisch und Blut. Das sage ich Ihnen aber im Voraus, Sie werden Mühe haben, mich zu versöhnen.“ Der Graf stutzte, denn diese Stimme schien ihm fast fremd. Doch die Erregung hinderte ihn, darüber nachzudenken und, langsam sich nähernd, erwiderte er mit rauher Stimme: „Allerdings würde ich zu dieser Tageszeit eher einen Geist als Sie, mein Fräulein, hier vermuthet haben, wäre ich nicht bereits vorher von Ihrer Anwesenheit unterrichtet gewesen! Die Ueberraschung wird auf Ihrer Seite sein, wenn Sie sehen, daß Sie sich in meiner Person irren;— mich haben Sie jedenfalls hier nicht erwartet!“ Noch bevor er geendet, war das junge Mädchen hastig auf⸗ gesprungen, und fast schien es, als wolle sie die Flucht ergreifen. Sie mußte aber wohl die Fruchtlosigkeit des Suchens nach einem Ausweg erkennen, denn sie blieb aufgerichtet stehen, kreuzte die Arme über der Brust und wendete das Gesicht von ihm ab, um ihre Rathlosigkeit zu verbergen. „Doch ich bin Ihnen zunächst die Mittheilung schuldig,“ fuhr der Graf fort,„daß ich allein einem Mißverständniß die Kennt— niß Ihrer Anwesenheit danke. Durch ein Versehen gelangte Ihr Brief in meine Hände und ich öffnete ihn, ohne die Adresse gelesen zu haben.“ i „Ah!—“ stieß sie zwischen den Zähnen hervor,„und trotz⸗ dem Sie später entdeckten, daß der Brief nicht für Sie bestimmt war, glaubten Sie dennoch die Rolle des indiskreten Lauschers selbst bis zu dieser Stelle ausdehnen zu dürfen? Das ist stark!“ — und plötzlich sich zu ihm kehrend und die Augen mit feind— lichem Ausdruck auf ihn richtend, fuhr sie in befehlendem Ton fort:„Wollen Sie mir sagen, was Sie zu dieser Taktlosigkeit veranlaßt?“ Graf Udo trat bestürzt einen Schritt zurück, denn er blickte in die erregten Züge nicht Nelly Longsword's, sondern—— Irma's von Maien— seiner früheren Braut, die er seit drei Jahren nicht mehr gesehen. Einen Augenblick war er sprach— los, dann aber trat von den Gedanken, welche in wirrer Folge sein Hirn durchkreuzten, zuerst der eine in den Vorder— grund, daß er um jeden Preis seine Ueberraschung unterdrücken, daß er klug und vorsichtig handeln müsse, um Nelly, um die Geliebte seines Herzens vor diesem Weibe nicht zu kompromittiren. Schnell gefaßt erwiderte er daher mit einer förmlich gemessenen Verbeugung: „Was mich veranlaßt, hierher zu kommen, möchten Sie wissen, mein gnädiges Fräulein? Nun denn! Der Wunsch, diesen Brief — Ihr Eigenthum— persönlich in Ihre Hände zurückzulegen, um zu verhüten, daß irgend wer— und wäre es selbst mein Bruder— von diesem Schritt Kenntniß erhält, den Sie in Uebereilung und ohne reifliche Ueberlegung unternommen haben. Hier, bitte, nehmen Sie!“ Irma hatte in ohnmächtigem Zorn den Brief in Stücke zerrissen. „Haha!“ lachte sie auf,„wirklich sehr zartfühlend, Herr Graf. Aber ich liebe solche Bevormundung nicht und bin gespannt zu erfahren, durch was Sie sich zu dieser Mentorschaft berechtigt glauben?“ Auch bei dem Grafen regte sich jetzt der Unwille. Ein flammender Blick zuckte auf Irma hernieder, dem sie nicht zu begegnen vermochte. „Dieses Recht verleiht mir die Pflicht!“ entgegnete er,„meine Pflicht als Haupt des Warren'schen Geschlechts. Im Besitz Ihres Briefes wäre mein unbesonnener Bruder Ihrer Aufforderung gefolgt, und das Bewußtsein meiner Mitwissenschaft würde den Grafen Heinz von Warren nöthigen, den gefährdeten Ruf der Baronesse von Maien durch eine Verbindung, selbst gegen seine Neigung, vor Makel zu retten. Das wäre ein Zwang— nun, sagen wir, der Verhältnisse, vor welchem ich meinen Bruder zu schützen gedenke, zumal ich auch aus anderen Gründen eine Liäson zwischen ihm und Ihnen, mein Fräulein, nicht billige.“ „Genug, Herr Graf! ich durchschaue vollkommen den edlen Zweck Ihrer Anwesenheit. Sie haben den Brief unterschlagen, — absichtlich unterschlagen, um Ihre Rache an mir zu kühlen. Fürwahr, recht ritterlich! Doch Geduld! Wenngleich ich auch augenblicklich wehrlos bin, die Stunde der Abrechnung wird schon noch kommen!“ Ihre Lippen zuckten und mit einem Blick unauslöschlichen ö Hasses wollte sie an ihm vorüber. Der Graf rührte sich nicht. Mit kalter Ruhe entgegnete er: „Worte der Erbitterung können mich nicht kränken, vorsätz⸗ lichen Beleidigungen oder sonstigen Anfeindungen werde ich zu begegnen wissen.“ bitte, der Weg ist offen! Ich werde Sie begleiten.“ Schweigend ging er neben ihr her und überdachte, was er 1 soeben erlebt. Sein Gewissen sprach ihn frei von jeder Un⸗ gerechtigkeit, denn alle seine Worte waren seiner innersten Ueber⸗ zeugung entsprungen. Als die Lichter ihres Wagens, welcher am Waldrand harrte, vor ihnen erglänzten, hemmte er seine Schritte und wendete sich mit sanfter, versöhnender Stimme noch einmal zu seiner erzürnten Begleiterin: „Irma! Sie täuschen sich, wenn Sie glauben, daß ich Sie hasse. Ich handelte wie ich uußte, um Unglück von unseren Familien fern zu halten. werden Sie mir Recht geben. Und nun leben Sie wohl!“ Er grüßte höflich und eilte zum Schlosse zurück. Wie leicht wurde ihm jetzt der Weg, der ihm noch vor Kurzem so mühsam und lang erschienen. Vor ihm schimmerte jetzt ein Hoffnungsstern, dessen Licht den verschlungenen Pfad seiner Ge— danken strahlend erleuchtete und ihn die selbstgeschaffenen Hinder⸗ nisse auf der Bahn des Glücks in ihrer ganzen Nichtigkeit er— 1 kennen ließ. Wohin hatte heute wieder sein Mißtrauen ihn geführt? War er nicht im Begriff gewesen, im blinden Wahn unbegründeter N Eifersucht Leben und Glück mit eigner Hand zu zerstören? Er Dann zur Seite tretend, sprach er:„Jetzt, Später, wenn Sie ruhiger denken,, schämte sich vor sich selbst.— Wie aber konnte er das Unrecht sühnen, welches er der unschuldigen Nelly zugefügt? War er 1 doch, wie häufig in letzterer Zeit, so auch heute beim Familien⸗ diner erschienen,— heute wie ein feiger Lauscher in der un⸗ würdigen Absicht, den Verkehr des jungen Mädchens mit seinem Bruder heimlich zu beobachten. Jeden ihrer Blicke hatte er lauernd verfolgt, jedes Wort deutelnd geprüft, und je weniger er in ihrem gleichmäßig freundlichen Wesen und in ihrem harm⸗ losen Geplauder eine Bestätigung seines Verdachtes finden konnte, desto verächtlicher und kränkender war er ihr begegnet. Er hatte 15 die Thränen in ihren Augen recht wohl bemerkt, und jetzt fühlte er, daß er nicht zögern dürfe, den Kummer von ihrer Seele zu nehmen. Anderes? Mit schnellen Schritten durcheilte er den Park. und ihr sagen, wie unendlich lieb er sie hatte. Auf der Garten-Veranda des Schlosses erblickte er Licht, und Sie war allein. Helenens Stickkörbchen stand auf dem Tisch, diese selbst mochte in's Zimmer gegangen sein; die Stühlchen der Kinder waren — welches Glück— dort saß auch Nelly. leer; von Heinz nichts zu sehen. Zu Nelly's Füßen lag Pollux und hatte das mächtige Haupt in ihren Schooß gebettet. Udo hatte, als er Abends das Schloß verließ, den Hund eingesperrt, derselbe mußte sich durch einen Sprung aus dem Fenster befreit und— glücklicher als sein Herr— den Weg zu Nelly, seiner wohlwollenden Freundin, gefunden haben. Das junge Mädchen schien in schmerzliche Gedanken versunken; sie ließ die Hand über den Kopf des klugen Hundes gleiten und Thränen stahlen sich über ihre Wangen. Mit klopfendem Herzen und erzwungener Ruhe ersteigt Graf Udo die Stufen der Treppe. Pollux bewegt freudig wedelnd den buschigen Schweif. Das Mädchen blickt auf und vor ihr steht der Mann, dessen sie soeben gedacht. „Nelly, Sie weinen? Ich errathe den Grund! Können— wollen Sie mir vergeben?“ spricht er mit bittender Stimme. Sie ist durch die plötzliche Erfüllung ihres stillen Wunsches zu sehr überrascht und vermag nicht zu reden. Stumm nickt sie mit dem Kopf und sucht ihre Bewegung zu verbergen. Der Graf zieht einen Sessel zu ihr heran und ergreift ihre Keine Sühne schien ihm zu schwer, ihre Verzeihung zu erringen. Ihre Verzeihung? Erstrebte er denn wirklich nichts Vielleicht konnte er sie heute noch sehen, konnte sie heute noch sprechen 1 CCC 55 8——— 2 * 195.. Hand. Ist es Zufall oder ist es eine Ahnung— ihm kommt der Gedanke, daß sie Warren verlassen will. „Nelly, Sie wollen fort von hier,— Sie wollen abreisen?“ Diese Worte treffen die wunde Stelle ihres Herzens und vernichten ihre mühsam bewahrte Fassung. Ihre Augen quellen über, und neue Thränen rinnen, als sich, von Wehmuth fast erstickt, ein leises„Ja“ von ihren bebenden Lippen losringt. „Also wirklich! O, sagen Sie mir,“ bittet er mit weichen, eindringlichen Tönen,„warum wollen Sie fliehen? Wissen Sie nicht, daß wir Sie nicht missen können? Dürfen Sie meiner Schwester, die auch die Ihrige, diesen Schmerz bereiten? Wollen Sie die Kinder verlassen, welche an Ihnen fast mehr hängen, als an der eigenen Mutter? Und, Nelly— es giebt einen Mann, der ohne Sie untergehen muß, der ohne Sie nicht zu leben vermag, weil er Sie liebt, grenzenlos liebt! Wollen Sie diesen Unglücklichen der Verzweiflung preisgeben? Sehen Sie, hier vor Ihnen steht er und ruft Ihnen zu:„Ich bin es!“ Ich liebe Sie, Nelly! Hören Sie: Ich liebe Sie mehr als Alles, was ich je auf dieser Erde geschätzt habe!“ In den Ohren des jungen Mädchens braust das kreisende Blut und in den Schläfen hämmern die Pulse; undeutlich wie aus weiter Ferne vernimmt sie den Klang seiner Stimme und sie versteht nur das Eine, daß er sie liebt. Schwindelnd vor Glück schließt sie die Augen und wagt kaum zu athmen, als wolle sie den süßen Traum nicht zerstören, der ihr Herz mit unaussprechlicher Seligkeit füllt. Er hat ihre beiden Hände ergriffen und den Kopf zu ihr herabgebeugt, daß seine Lippen fast ihre Stirn berühren. „Nelly,“ flüstert er,„müssen Sie auch jetzt noch fort, oder darf ich hoffen, daß Sie bleiben? Sagen Sie mir, ob Sie meine Liebe erwidern können, und lassen Sie mich in Ihren Augen die Verheißung einer glücklichen Zukunft lesen!“ Sie hebt den freudeverklärten Blick zu ihm und zitternd öffnen sich ihre Lippen. „Sprich, Nelly, willst Du mein— willst Du mein trautes, angebetetes Weib sein?“ 5 5 „Ja, Udo!“ haucht sie,„wenn Du mich haben willst,“ und mit glühenden Wangen sinkt sie an die Brust des Grafen, der sie jubelnd in seine Arme schließt.——— Als Frau von Haldern aus dem Innern des Schlosses zurück— kehrt, treten ihr die beiden Glücklichen liebevoll umschlungen entgegen. Helene weiß sich vor Freuden kaum zu fassen, sie lacht und weint abwechselnd. Endlich aber ruft sie in komischer Besorgniß: „Nicht wahr, Nelly, jetzt bleibst Du doch bei uns?“ Und, zu ihrem Bruder gewendet, fährt sie fort:„Denke Dir, Udo, sie wollte uns auf immer verlassen; ich glaube, die von dem Onkel geerbten Millionen hatten ihr das Köpfchen verdreht.“ Der Graf wird ernst und richtet einen forschenden Blick auf seine Braut. zählt?“ spricht er zu ihr;„bei Gott, ich habe davon nichts ge— gewußt! Arm glaubte ich Dich und ich freute mich, Dich reich machen zu können. Wirst Du auch nie bereuen, Dich mit den Mitteln, die Dir die Welt öffnen, an mich gebunden zu haben?“ „Nein, niemals!“ ruft Nelly.„Könnte der Mammon uns trennen, ich würde ihn von mir werfen; mein wahrer Reichthum bist Du allein, Du einziger Mann! Aber Du, Udo, antworte Du mir auf eine Frage: wirst Du nie an meiner Liebe zweifeln?“ Graf Warren zieht sie an seine Brust und drückt einen innigen Kuß auf ihre reine Stirn. Nie, mein Leben! Und solltest Du mich jemals im Verdacht meines alten Fehlers— des Mißtrauens— haben, so erinnere mich an den heutigen Tag, an welchem wir Beide glaubten, uns verloren zu haben, und an welchem wir uns für ewig ge— funden!“—— „Ist es wahr, Liebling, was Helene von der Erbschaft erz Der Ning. Eine Geschichte in Tagebuchblättern von Eva Treu. Erstes Blatt. So ist es denn wahr, kein wunderlicher, bestrickender Traum,— es ist wahr, was ich während vieler Monate kaum zu wünschen, noch weniger zu erbitten, am wenigsten aber zu hoffen oder zu erwarten gewagt habe und wonach doch mein Herz sich gesehnt hat mit all' seinen verborgensten Gedanken,— ich bin Robert's Braut! Zum ersten Mal seit fast einem Jahre ist mir's möglich, wieder meine Gedanken in dies Buch einzutragen, in das ich als junges Mädchen alle Wünsche, Freuden und Leiden so ohne Besinnen niederschrieb. Meine Sehnsucht schien mir diesmal zu vermessen, sebst für diesen stummen Vertrauten. Aber jetzt das Glück— das Glück muß ich Jemandem beichten, sei es auch nur mir selbst; es ist fast, als wäre es zu groß, um es schweigend zu tragen. Das Glück,— es war mir so fremd geworden in den letzten Jahren. Mein Weg war so einsam. Es war, als weiche alles Fröhliche und Helle immer weiter und weiter von mir zurück; ich wagte nicht einmal mehr, die Hand darnach auszustrecken. Und nun ist es auf einmal wieder so licht und warm um mich geworden, daß ich vergebens nach dem rechten Wort suche, um irgend Jemanden, ja, um selbst Gott zu sagen, wie beglückend mich der Segen umschließt. Ich bin Robert's Braut. Er, zu dem ich emporgesehen habe, seit ich ihn kenne, für den mir selbst die Schönste, Beste und Klügste kaum gut genug gewesen wäre, er wählte mich, mich, die arme, nun so reiche Margareth, die nichts von alledem hat, wonach sonst ein Mann zuerst ausschaut, weder Reichthum, noch Jugend, noch Schönheit, nur und allein die innige Liebe in meinem Herzen. Als ich ihm das gestern sagte, strich er mir mit seiner lieben Hand über das Haar und sagte nur:„Mir bist Du recht so, Margareth.“— Es muß ja so sein, obgleich ich es nicht ver— stehe, sondern nur denken kann. Vorhin habe ich eine lange Weile vor dem Spiegel gestan— den und hineingeblickt, nicht um mich meines eigenen Anblicks zu freuen, sondern um zu sehen, ob ich mich denn all' diese Zeit geirrt hätte, ob wirklich noch etwas an meinem äußeren Menschen wäre, was ihn hätte anziehen können. Umsonst, ich konnte mich nicht täuschen. Aus dem Spiegel sahen mich, wie alle Tage, meine dreißig Jahre an, dasselbe blasse Gesicht wie sonst, das selbst zu seinen besten Zeiten nie mehr wie hübsch war, und aus dem so viel Ernsthaftes und Schweres wohl seitdem die Anmuth fortgewischt hat. O, könnte mich das Glück noch einmal wieder jung werden, noch einmal wieder aufblühen lassen, damit ich auch den Augen Robert's gefallen könnte! Und eben, als ich das gedacht hatte, neigte ich mich auf— merksam gegen den Spiegel, blickte ängstlich auf mein eigenes Bild und— entfernte das erste weiße Haar, das aus dem dunklen Gewell mir fast höhnisch entgegenschimmerte. Ich werde es Robert schenken. Nein, doch lieber nicht, aber ich werde morgen genau nachsehen, ob sich etwa noch mehr dergleichen indet. g . Robert hat wohl auch mehr wie ein weißes Haar. Sie sind ihm früh gekommen, und er ist ja über die erste Jugend auch hinaus. Aber was schadet das für einen Mann? Es macht sein liebes Gesicht, seine treuen Augen nicht weniger schön, stört nicht den Eindruck frischer Jugendkraft in seiner männlichen Er— scheinung. Ich kann auch in dieser Beziehung, wie in jeder anderen, stolz auf ihn sein, und wie sehr bin ich es auf ihn und alles, was ihm anhaftet, vor Allem auf seinen schönen ärzt— lichen Beruf. Ich weiß mir keinen edleren Lebenszweck als diesen. Tröstend, helfend, berathend sein ganzes Sein, seine beste Kraft den Lei— denden zu widmen, und dazu die Gabe von Gott empfangen zu haben, den richtigen Ton für ihr Herz, das rechte Heilmittel für ihr Uebel zu finden, das ist schön, wenn es auch oft schwer ist. Und wie gut und lieb er Kranke zu behandeln weiß, erfuhr ich 196? 8.—— ja an mir selbst in jener Krankheit, die mich ihn zuerst kennen lehrte. Er spricht nicht viel, aber wenn er etwas sagt, ist es gewiß gerade dasjenige Wort, welches am wohlsten thut; auch macht er keine weise Miene, aber er sieht der Krankheit auf den Grund. Heute früh hat er mir den Ring gebracht, den einfachen, glatten Reif, der sich so sonderbar ungewohnt auf meiner Hand ausnimmt. Die innere Seite trägt das Datum unserer Ver- lobung und die Worte eingravirt:„Bis der Tod uns scheidet.“ Das sprach Robert, als wir uns verlobten.„Bis der Tod uns scheidet, Margaret.“— Ich konnte nichts sagen, mein Herz schlug so laut, daß ich nicht ein Wort hätte hervorbringen können. Fast ehrfurchtsvoll sehe ich den Reif an, der mir so viel, mein ganzes Glück umschließt. Ob Robert heute noch Zeit finden wird, mich zu seinen nächsten Freunden zu bringen? Er wünscht, daß ich mich ihnen an— schließe, da ich hier so allein stehe, aber er muß sich die Zeit für solche Be— suche jetzt, wo es so viel Krankheit giebt, fast ab- geizen. Ueberhaupt werde ich mich, bis ich ganz zu ihm gehöre, darein finden müssen, nicht viel von ihm zu sehen. Aber ich weiß ja, daß er mein ist, auch ohne mir nahe zu sein, da läßt es sich wohl leichter überwinden, und wie viel giebt es auch für mich in den nächsten Wochen zu schaffen! Zweites Blatt. Wie die Zeit eilt; die letzten Wochen sind mir wie im Fluge vergangen. Freilich haben sie mir auch mancherlei Veränderung und allerlei Arbeit ge— bracht. Den Musikunter— richt mußte ich natürlich gleich aufgeben. Robert wollte es so, und ich ver— stand ihn darin gut. „Warum solltest Du für fremde Menschen arbei— ten?“ sagte er. „Aber, Robert, das thust Du ja auch,“ wendete ich ein, ob— gleich ich gar nicht den Wunsch hatte, noch weiter Tonleitern üben zu lassen. „Ich— das ist etwas Anderes,“ sagte Robert, wie mich dünkt, ernsthafter, als die Gelegenheit erforderte,„ich habe meinen Beruf,— der Deinige liegt anderswo. Außerdem“— und nun lächelte er doch—„versuche ich, den Menschen zu helfen, so weit es denn in meiner Macht steht, Du aber arbeitest über Deine Kraft, um ein sehr zweifelhaftes Gut zu verbreiten, Margareth.“ Vielleicht hatte er Recht. Ich war auch ganz willig, an— zuerkennen, daß mein Beruf von nun an der ist, eine möglichst gute Hausfrau zu sein. Ich übe mich nach Kräften darin, Ein— zelnes, in dem ich die Uebung verloren hatte, mir wieder an— zueignen, und freue mich täglich über das Lob, welches mir die gute kleine Frau Weber zukommen läßt. Webers, Robert's nächste Freunde, boten mir in so herzlicher Weise an, während der wenigen Monate vor der Hochzeit ihr Gast zu sein— Robert wünschte so sehr, ich möchte darauf ein⸗ In Versuchung. Nach einem Gemälde von Fr. Sonderland. 9 gehen— daß ich gern gekommen bin, schon um Robert öfter und länger sehen zu können, der ganz in der Nähe wohnt. Webers sind gute, prächtige Menschen, denen ich nicht nur für ihre Gast⸗ freundschaft zu danken habe, sondern mehr noch für die Art, in der sie mich auf jede Weise mit Herzlichkeit und Liebe um⸗ geben. Ich komme mir seit einem Monat wie umgewechselt vor, so, als hätte ich mindestens zehn Jahre fortwerfen können und wäre so jung, wie ich glücklich bin. Nur zuweilen— ich weiß nicht, wie es so kommt— wachen plötzlich angstvolle Gedanken in mir auf. Nie sind sie da, wenn Robert bei mir ist,— sie kommen Abends, wenn ich allein bin, — Nachts, wenn ich einmal nicht schlafen kann,— selbstquä⸗ lerische, häßliche Gedan⸗ Aken, die ich nicht vertrei⸗ ben kann mit allem festen Willen und mit aller Herzensangst. Es fällt mir dann plötz⸗ lich ein, daß ich weder jung, noch hübsch, noch klug, noch irgend etwas bin, und dann kommt eine so schreckliche Angst über mich, Robert könnte es eines Tages sehen, so deutlich, wie ich es sehe, und er könnte bereuen, mich gewählt zu haben, — er, der die Wahl ge⸗ habt hätte unter den Jüng⸗ sten und Lieblichsten. Es ist dann wie ein herzbeklemmender Alp, der sich auf mich legt und den ich nicht abschütteln kann, bis er langsam von selbst weicht, und wenn dann der neue Tag leuchtet und ich sehe wieder gute, freundliche Gesichter um mich und Robert kommt, ich höre wieder seine liebe Stimme, so ist es alles von mir genommen wie ein häßlicher Traum und ich bin wieder glücklich. Ich glaube, ich bin es zu sehr; ich fühle zu tief, was Robert werth ist und wie wenig ich selbst, des⸗ halb kommen mir diese Zweifel. Sie entspringen ja nicht aus Mißtrauen gegen ihn, nein, nur aus mangelndem Vertrauen in mich selbst. Das hat mir von jeher so viel zu schaffen ge⸗ macht. Ich weiß ja auch recht gut, daß es alles Thorheit ist. Vielleicht würden mir solche Stunden vorübergehender Angst erspart, wenn Robert mir zuweilen ausdrücklich sagte, daß er mich lieb hat. Nicht als ob ich daran zweifelte!— da sei Gott vor! wie könnte ich das! der Ring an meinem Finger, jeder Blick aus seinen lieben Augen, der Klang seiner Stimme— alles, alles sagt es mir ja täglich. Und dennoch überkommt mich zuweilen eine solche Sehnsucht, auch das ausdrückliche Wort noch einmal wieder zu hören. Gewiß, es ist Thorheit. Wir zwei sind ja nicht wie die jungen Kinder, die sich das⸗ selbe immer und immer wiederholen müssen, um daran zu glauben. Er hat mir's einmal gesagt und ich sagte es ihm einmal, und das muß genug sein für zwei aufrichtige und ehrliche Menschen. Ich weiß ja das alles. Aber mein Herz schlägt noch so unverhältnißmäßig, so un⸗ vernünftig heiß und jung und thöricht, so unruhig und verzagt, wenn ich mich mit Anderen vergleiche, daß ich zuweilen bitten 197. N 9 0 17 5 0 N 0 0 N ö 0 0 N 10 0 ö e 0 1 Der Seelöwenfelsen. 5 198. 1 1 möchte:„Sag' mir's noch einmal, Robert, wie gut Du mir bist, zeige mir's nicht blos, sage es auch. Gehe nicht so ruhig neben mir her—“ ach, es ist Thorheit! Er würde mir über das Haar streichen, wie er so gern thut,— und eine liebe, sanfte Art hat er, es zu thun,— und würde in seiner stillen Weise verwundert sagen:„Weißt Du es denn nicht ohne Worte, Margareth?“ 5 Ja, ich weiß es; Jahre, und schaffe mir Sorgen, ich bin ein großes Kind, trotz meiner dreißig wo keine sind. Es ist ein häß⸗ liches, unwahres Sprichwort:„Die Frauen lieben mit dem Herzen, aber die Männer mit den Augen.“ Ich will nie wieder etwas so Unsinniges denken, viel weniger schreiben. Heute Abend werden wir zusammen in's Theater gehen, Webers, Robert und ich. Robert bringt mir ein Opfer damit, da gerade jetzt seine Zeit sehr in Anspruch genommen ist. Aber er dachte mir eine Freude zu machen. Vielleicht ist sie nicht so groß, wie er voraussetzt, aber das konnte ich doch nicht sagen, da er es so gut meint. Mir wäre ein Abend mit ihm daheim bei Webers ebenso lieb gewesen. Da habe ich das Gefühl, daß er zu mir, zu mir ganz allein gehört. Wie traulich und köstlich wird es erst sein, wenn die Lampe für ihn und mich und Niemanden sonst unser eigenes Wohnzimmer erleuchtet! Unter all den fremden Menschen aber hat er so viele Bekannte. Da muß er hierhin und dort⸗ hin grüßen, überall ein paar Worte wechseln, und zuletzt kommt es mir manchmal vor, als gehörte er all' den fremden Menschen gerade so sehr wie mir. Er lachte mich aus, als ich es ihm neulich sagte, und meinte, daran müßte die Frau eines Arztes sich gewöhnen. Es ist ja auch so. Meine kleine Aussteuer geht ihrer Vollendung entgegen. Es wird alles einfach, aber nett und, so weit die Mittel reichen, vollständig und gut. Ich wollte nicht gern über das hinaus⸗ gehen, was ich selbst anschaffen kann; Robert giebt mir ja ohne⸗ hin so viel. Er widersprach mir darin auch nicht; ich glaube, er verstand, daß ich ein wenig Eigenes mitbringen möchte, wie andere Mädchen auch. Frau Weber steht mir mit dem treulichsten Rath zur Seite und ist mir überhaupt eine liebe Freundin. Aber ich schreibe und schreibe und denke nicht daran, daß es Zeit ist, mich für das Theater anzukleiden. Unpünktlich darf ich doch nicht sein, das wäre häßlich. Also spute Dich, Margareth! Drittes Blatt. Ich hätte jene Gedanken gestern nicht heraufbeschwören sollen, sie haben mich nun nicht wieder losgelassen,— oder war's eine Vorahnung, daß mich an dem Abend noch etwas Peinliches treffen sollte? Aber ich will erzählen, wie es von Anfang an war. Robert kam also, uns abzuholen. Ich hatte mein Bestes gethan, um hübsch auszusehen, aber ich hatte ein wenig das Gefühl, als wäre es mir nicht recht gelungen. Mein Gesicht gehört zu denen, die sich am besten ausnehmen über dem schlichten Hauskleide, wenn es nur sauber und ordentlich ist. Frau Weber hatte— in der besten Absicht von der Welt— mein Haar anders frisiert, wie sonst; ich glaube nicht, daß es mir sonderlich stand. Die hoch hinaufgekämmten Frisuren sind nicht kleidsam für uns mit den schmalen Gesichtern. Frau Weber mochte es wohl selbst finden. „Das andere sah eigentlich ebenso gut aus,“ sagte sie ein bischen kleinlaut, als sie mich prüfend betrachtete.„Schade, ich dachte, Ihr schönes, welliges Haar würde auf diese Weise mehr zur Geltung kommen,— aber man muß sich vielleicht erst an die neue Tracht gewöhnen.“ Das hieß so viel als:„Sie sehen unvortheilhaft aus!“ Ich begriff es recht gut und hätte am liebsten das ganze Gebäu, das mir unbequem und lästig war, wieder aufgelöst und mich in gewohnter Weise frisiert. Da schellte es aber schon an der Etagenthür und gleich darauf kam das Zimmermädchen und sagte, der Herr Doktor wäre angekommen. Also war keine Zeit zu verlieren. Ich warf hastig mein 4 Kleid über, fand bei einem schnellen, letzten Blick in den Spiegel, „Da fiel mein Blick ganz zufällig auf eine Dame, welche in der daß ich sehr häßlich wäre und beeilte mich dann, in das Wohn⸗ 0 zimmer hinüber zu kommen. „Was hast Du denn mit Dir angefangen?“ fragte Robert gleich nach der ersten Begrüßung, indem er mich von der Seite ansah.„Eine neue Frisur?“ „Ja,“ sagte ich und wurde roth;„es sieht nicht gut aus, nicht wahr?“ 1 „Ich weiß nicht,“ meinte er zweifelhaft,„die alte Tracht paßte, dünkt mich, besser zu Dir.“ 9 Das hieß nun wieder einmal ziemlich deutlich:„Du sieht unvortheilhaft aus,“ gerade wie vorhin. Nun glaube ich nicht, daß es irgend eine Braut giebt, die das gerne hört. Wir möchten doch alle in des Liebsten Augen hübsch erscheinen, auch wenn uns unser Herz und unsere Vernunft sagt, daß es ihm auf die äußere Gestalt nicht ankommt, sondern auf das in uns, was mehr werth ist. a Jedenfalls war es nun zu einer Aenderung zu spät, wenn mich auch die Sache ein klein wenig verstimmte. 3 Im Theater nahm mich aber dann die Handlung auf der Bühne bald so in Anspruch, daß ich mein albernes Haar und Alles, ja für Augenblicke sogar Robert selbst, der hinter mir saß, vollständig vergaß. Ich kenne kaum ein Vergnügen, welches mich mehr fesselt, als ein gutes Schauspiel. Vom Tanzen z. B. habe ich nie sonderlich viel gehalten; es war mir von jeher nicht viel mehr, wie einfach ein Drehen um meine eigene Axe, aber in die Welt, die der Dichter und der Schauspieber vor mir ent- rollen, versenke ich mich mit Entzücken. 4 Nach dem ersten Aktschluß wandte ich mich erfreut mit irgend einer Bemerkung zu Robert um; er antwortete mir aber mehr⸗ mals so zerstreut, als ob er der Handlung gar nicht recht ge g folgt wäre. „Was hast Du denn?“ fragte ich verwundert.„Ich glaube, Du hast gar nicht Acht gegeben.“ „Nein, eigentlich nicht,“ entgegnete er. „Und warum nicht? Du hast wohl nach schönen Damen im Zuschauerraum ausgesehen?“ Ich hatte es nur aus Neckerei, nicht im entferntesten in dem Glauben, als verhielte es sich wirklich so, gesagt. In Robert's liebes, ehrliches Gesicht trat ein Aus- druck wie von leiser Verlegenheit,— wenigstens schien es mir so— und er sagte: 55 „Ich habe eine alte Bekannte hier entdeckt, deren Gegenwart mich überraschte.“ „O,— und die fesselte Dein Interesse so ganz?“ fragte ich lachend.„Dann war es wohl wirklich eine schöne Dame! Die muß ich sehen! Wo sitzt sie? Laß sie nur ja nicht zu schön sein, sonst— ich hatte sagen wollen, werde ich eifersüchtig,“ aber es kam mir vor, als wenn Robert schon nicht mehr auf das achtete, was ich sprach, deshalb sparte ich mir den Schluß. 5 Uebrigens fing der zweite Akt an und machte unserem Ge⸗ spräch ein Ende, denn Frau Weber hat einen ausgeprägten Abscheu gegen das Plaudern während der Vorstellung. a Nun hatte mich etwas in Robert's Ton und Art, ich hätte selbst nicht sagen können was, neugierig gemacht, wer wohl die „alte Bekannte“ sein möchte, und anstatt aufmerksam auf die Bühne zu sehen, ließ ich während des zweiten Attes unwillkür⸗ lich meine Blicke ein wenig umherschweifen, natürlich ohne daß ich erwartet hätte, die betreffende Dame ausfindig zu machen. — — 1 1 gegenüberliegenden Loge saß und aufmerksam zu uns herüber blickte, ungenirter sogar, als mir passend schien. Ob sie das war? Begreiflich wäre es schon gewesen, daß Robert ihretwegen den ersten Akt versäumt hätte, es war eine anziehende Erscheinung, wenigstens gewiß für Männeraugen, anziehend mehr noch durch Eigenart, als durch wirkliche Schön⸗ heit, obgleich ihr auch die nicht fehlte, soweit ich dies aus der Entfernung beurtheilen konnte. Eine schlanke, aber nicht schmäch⸗ tige Gestalt, ein feines, unruhiges, kluges Gesicht, ein blendender Teint und Haar vom wundervollsten Blond. Gewiß, sie mußte es sein und hatte jedenfalls auch Robert erkannt, denn sie sah mehr zu uns herüber, als auf die Bühne, und wir Damen waren es gewiß nicht, die ihre Aufmerksamkeit erregten. 5 Ich konnte es nicht lassen, immer wieder auf sie zu blicken. Dann ärgerte ich mich über mich selbst, daß ich mich so viel 199 mit ihr beschaftigte, zwang mich, der Vorstellung wieder gewissen⸗ haft zu folgen und hatte die Dame in den nächsten Minuten wirklich ganz vergessen. rathen. Nun hatte ich wohl ein Recht, hinüber zu sehen, und , deshalb that ich es auch. Zuerst gab es eine große Begrüßung drüben, dann eine sehr lebhafte Unterhaltung,— man hätte elt„Willst Du mich einen Augenblick entschuldigen, Margareth?“ 0 fragte Robert, als der Vorhang sich wieder gesenkt hatte.„Frau 1 Schliersen— die Dame, von der ich Dir vorhin sprach— 1 scheint zu erwarten, daß ich sie begrüße, Du nimmst es mir ag I ñnicht übel, nicht wahr?“ 9„Gewiß nicht, Robert, ist es die junge, schöne Dame in icht Trauer, die uns gegenüber sitzt?“ In„Trauer“ hatte ich gesagt, ih, war aber nicht ganz sicher, ob die duftige Zusammenstellung von ln schwarzen Spitzen, Atlas und Gott weiß was sonst noch wirklich em diesen Namen verdiente, oder ob man sie nur gewählt hatte, . damit sich der zarte, helle Kopf um so anmuthiger abheben möchte. ws Robert nickte.„Bleibe nur nicht zu lange fort,“ wollte ich noch hinzufügen, verschluckte es aber weislich; er würde mich n ausgelacht haben mit meinem Geiz; denn es ist ja wahr, ich geize mit jeder Minute, die er bei mir sein kann. Sind mir die be Stunden doch spärlich genug zugezählt. Lieber hätte ich es 0 auch jetzt gesehen, wenn er bei mir geblieben wäre; es war mir in wie eine Enttäuschung, daß er ging, aber es war ja nicht nöthig, e ihm das zu sagen. 8 „. Dann ging Robert, um gleich darauf in der gegenüber— 1 liegenden Loge zu erscheinen. Ich hatte also ganz richtig ge— abe. g meinen schweigsamen Robert kaum wiedererkannt. ch. Ich nahm mir die Freiheit, die Dame durch mein Opern— „ glas zu betrachten und jetzt, da sie mir plötzlich so nahe gerückt war, sah ich, daß sie vielleicht von meinem eigenen Alter sein ul, konnte. Und doch nicht von meinem Alter. Den Jahren nach mochte es stimmen, aber sie— sie war jung trotzdem. Mochte aauch die Kunst ein wenig nachgeholfen haben, jene Dame war auch ohne dieselbe reizend und jugendlich. 1 Warum mir nur Robert von dieser„alten Bekannten“ nie h gesprochen hatte? Sie mußte ihn doch früher sehr gut gekannt lu, haben, nach der Art zu rechnen, mit der sie jetzt zu ihm empor— n blickte, gelegentlich die Hand auf seinen Arm legte und sich N zu ihm neigte. Es lag etwas darin, was mich reizte. Wäre um, sie alt und häßlich gewesen, so hätte sie sich meinethalben be⸗ 1 nehmen können, wie sie wollte; so konnte es mir nicht gleich— % gültig sein. i 5 5 D 1 Der Zwischenakt ging zu Ende; Robert blieb drüben. Ich , hatte nicht viel Freude an dem dritten, letzten Akt. Es schien 1 6 mir, als wäre das Stück langweilig und als spielten die Schau— hel, spieler entsetzlich geistlos. f 5 —„Nun, ist uns der Doktor abtrünnig geworden 5 fragte die 6 kleine Frau Weber, die Robert's Fortgehen gar nicht bemerkt un. batte und dann, ohne meine Antwort abzuwarten, fügte sie schnell hinzu:„Aber Herzchen, wie blaß Sie sind! Ist es Ihnen zu 1 heiß hier? Wollen Sie nach Hause?“ i a a f 1„Nein, o nein,“ murmelte ich hastig, mich der ja unendlich 1 kindischen Thränen schämend, die mir plötzlich in die Augen u, steigen wollten. Ich Kind mit meinen dreißig Jahren! Das hätte noch gerade gefehlt, hier eine Szene zu machen! 0 Als der dritte, letzte Akt aus war, kam Robert natürlich und entschuldigte sich wegen seines langen Fortbleibens.„Frau Schliersen,“ sagte er,„bliebe nur kurze Zeit hier, sie wäre die Wittwe eines verstorbenen Freundes und hätte so viel zu er⸗ zählen und zu fragen gehabt, daß ihm die Zeit ganz unvermerkt % vergangen wäre. a 5 f , Ich hatte das Gefühl, als müßte ich meinen Kopf an seine 15 N Schulter legen und ihm sagen, wie lieb ich ihn hätte, als er 15 mir, wie sonst immer, Mantel und Kapuze umlegte,— aber das ging ja natürlich nicht.(Schluß folgt.) Jose Blätter. Die Seelöwenfelsen.(Siehe Illustration.) Vor dem goldenen Thor, welches die Bucht 15 8 Franzisko gegen den stillen Ozean abschließt, ragen dunkle Klippen empor; diese sind von völlig unheimlichen Gästen dicht bevölkert. Aus der schäumenden Brandung steigen die Seelöwen in Massen hervor, werfen sich, von der Woge getragen, auf die Fels- platten und kriechen mit heiserem Gebell auf die Spitzen der kegelförmigen Felsen, wo sie sich in der heißen Sonne behaglich ausstrecken, bis die Sehnsucht nach der kühlen Meerfluth sie wieder zurückgleiten läßt in die rauschenden Wasser. Das Staatsgesetz Kaliforniens schützt diese Thiere vor der Vernichtung, so weit die kalifornische Küste reicht, auf den Küsten— felsen Alaskas dagegen werden sie um ihres Felles und Fettes willen zu Tausenden mit dem Knüppel todtgeschlagen. Auf den Klippen vor dem goldenen Thor genießen sie ein sicheres ungestörtes Dasein und hier findet ein Gewimmel der mächtigen Flossenthiere statt, welches den vor— überfahrenden Fremden in Erstaunen setzt. Mit den melancholischen Menschenaugen sehen sie den Schiffen nach, stoßen jenes heisere Bellen aus, das an das Klagegeheul großer Hunde erinnert, werfen sich in die Brandung und jagen in der Meerestiefe den Fischen nach. Die See— löwenfelsen vor dem Hafen von San Franzisko gehören zu den eigen⸗ artigsten Erscheinungen des stillen Ozeans.. In Ludolf's Schaubühne des deten Jahrhunderts(Frank— furt 1713) wird über die erste Opernvorstellung in Deutschland berichtet, ohne uns zu sagen, was gegeben worden sei. Dieselbe fand fünf Jahre nach dem dreißigjährigen Kriege im Karneval statt und war zum Ergötzen des Reichstags zu Regensburg veranstaltet. Ludolf erzählt über sie: „Das Theatrum, das an sich selbst dunkel gemacht und mit sehr vielen Lichtern und Fackeln erleuchtet war, veränderte sich ohne Vorziehen von Vorhängen etliche Male ganz geschwind durch schöne, bemalte Schieber, daß bald wunderbare Paläste, bald Säle und Gärten, bald andere Schau— plätze zu sehen waren.(Bei den englischen Schauspielern war bisher das sogenannte Shakespearegerüst ohne eigentliche Dekorationen angewandt worden; die deutsche Schauspielkunst existirte aber noch nicht. Erst dem Magister Johannes Veltheim war es vorbehalten, in seiner„berühmten Bande“ deutsche Berufsschauspieler vorzuführen.) Das Meer, auf welchem Schiffe mit Leuten ruderten und anlangten, bewegte sich stark mit seinen Wellen; es flogen Knaben wie Vögel durch die Luft. Man sah vortreff— liche, artige Tänzer und hörte anmuthige Stimmen der italienischen Sänger und Sängerinnen. Es währte das Werk bis neun Uhr in der Nacht, zum großen Vergnügen etlicher hundert Menschen, die dergleichen nie gesehen hatten, wie denn auch dergleichen in Deutschland nie zuvor gesehen worden. Und mochte dem Kaiser zur Bezahlung der Italiener und mehrentheils fremder Leute sammt den Gebäuden und allen Zu⸗ rüstungen über 46000 Gulden gekostet haben.“ W. G. Eine treffende Antwort. Kurze Zeit, nachdem Napoleon J. das Dekret erlassen, welches befahl, daß alle englische Waaren, deren man im Bereiche seiner Machtsphäre habhaft werden konnte, verbrannt werden sollten, ging er eines Tages in der Umgegend von Fontainebleau spazieren. An der Pfarrwohnung eines kleinen Dorfes vorübergehend, drang ihm der Geruch von frischgebranntem Kaffee in die Nase, und als er, davon betroffen, stehen blieb, hörte er auch das Geräusch einer in Bewegung gesetzten Kaffeemühle. „Ei,“ sagte er lachend,„hier kann ich einen Uebertreter meines Dekretes auf frischer That ertappen; ich wette, es ist der Pfarrer selbst.“ Er trat in das kleine Pfarrhaus, gelangte, dem Geruch nachgehend, in die Küche und fand daselbst in der That den Pfarrer mit Bereitung des Kaffees beschäftigt. Sobald der schon bejahrte Geistliche des Kaisers ansichtig ward, kam er ihm eilig entgegen und begrüßte ihn ehrfurchtsvoll. „Was in aller Welt treiben Sie denn da, Herr Pfarrer?“ fragte Napoleon lachend. „Wie Ew. Majestät sehen, thue ich ganz nach Ihrem Befehl,“ er— widerte der kluge Pfarrer,„ich brenne Kolonialwaaren, Sire.“ Der Kaiser nickte lächelnd und entfernte sich. Eine gute Antwort verfehlte bei ihm nie ihre Wirkung. K. Alexander der Große. Ein verständiger und sonst friedliebender Mann wurde auf der Straße von einem rohen Laffen beleidigt. Jener ließ dem Ruhestörer eine sehr eindringliche Zurechtweisung mittelst seines dicken Rohrstockes zu ommen. Ein Freund, der während dieser inter— essanten Beschäftigung hinzugekommen war und den Entrüsteten zu be— sänftigen suchte, fragte denselben:„Was haben Sie denn mit dem Kerl vorgehabt?“—„Je nun,“ erwiderte der Prügelspender, schon wieder kaltblütig und scherzhaft,„ich habe es gemacht wie Alexander der Große, ich habe einen Knoten durchgehauen.“ M. Heroische Erklärung. Als Albuquerque, Vizekönig von Indien, im Jahre 1507 Namens der Portugiesen sich der Insel Ormus am Ein⸗ gange des persischen Meerbusens bemächtigte und der König von Persien den Tribut verlangte, legte er den Gesandten Kugel und Säbel vor und sagte:„Das ist die Münze, mit der Portugal seinen Tribut zahlt.“ 7 NM. Vom Höllenfeuer. Ein Feldprediger wohnte einst einem kleinen Manöver bei. Nach Beendigung desselben sagte der General zu ihm: „Nun, Herr Feldprediger, heute haben Sie sich das Höllenfeuer wohl recht lebhaft vorstellen können?“ Der Geistliche, welcher seinen Mann genau kannte, erwiderte lächelnd:„Ja wohl, besonders da ich Ew. Exzellenz mitten darunter sah.“ 1 R. Freimüthig. Der Herzog von Cumberland sagte einmal zu Foote, mit welchem er sich in Gesellschaft befand:„Ich verschlinge alle Ihre guten Einfälle.“ Foote antwortete:„Dann haben Ew. Königliche Hoheit eine gute Verdauung, da Sie keinen wieder von sich geben.“ R. E. 0 R 2 n N„3 9 995 2 200 6. Eine Stadt in Rußland. 7. Einen Wiederkäuer. Kreuz⸗RNäthsel. Aus nachfolgenden Buchstaben: ND AAB B B B CschspI[ETETE TE TE TI n LILIM HN NN NIN P P R R SS 7 T 2 sind neun Worte zu bilden und in derseben Weise zu ordnen, so daß die mittleren Reihen, von oben nach unten und von links nach rechts gelesen, gleiche Wörter ergeben. Die neun Reihen nennen: J. Einen Komponisten. 2. Einen altgriechischen Gott der Hirten und Heerden. Einen Schwimmvogel. Den Namen eines deutschen Volksschriftstellers. Eine Blume. Eine Figur der deutschen Heldensage. Die Benennung eines hohen spitzen Berges. Einen Fluß. 8 Ein Verhältnißwort. DO NR ge Logogrvipö. Eine Stadt in China wird genannt So wie die Staaten im Schweizerland. Nachdem wir das erste der Zeichen genommen, So wird ein Name zum Vorschein kommen. Silben⸗Näthsel. Aus folgenden Silben: a o den dry ee e gem ha jew ko ko la les li litz man men ni nie o on pat pis ri ri ri ri rich ro ro sa se sing ste tep u u ze sind 14 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und deren Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, einen Goethe'schen Ausspruch ergeben. Die 14 Wörter bezeichnen: 1. Ein Sternbild. 2. Eine poetische Erzählung. 3. Schutzgöttinnen der Baume. 4. Einen Fluß in Rußland. 5. Einen Schweizer Dichter. g 8. Einen deutschen Dichter. 9. Ein Bischofsamt. 10. Den Namen eines arabischen Dichters. 11. Einen weiblichen Vornamen. 12. Ein berühmtes Bad in Böhmen. 13. Einen männlichen Vornamen. 14. Zwei Buchstaben. Zweisilbige Charade. Eine von den kleinern Zahlen Doch im Großen unentbehrlich Macht die erste Silbe aus, Wird sie segnend jedem Land, Und die zweite bringet Qualen Nur zu Zeiten sehr gefährlich Feindlich in so manches Haus. Wird sie selbst bei Widerstand. Wirken, lenken, bau'n, zerstören War von je des Ganzen Werk; Manchen weiß es zu bethoͤren. Doch auch Manchen macht es stark. Aufloösung des Citaten-Räthsels in voriger Nummer: Was sich ge— liebt auf Erden, muß dort sich wiederfinden;— des Logogriph: Walzer, Walze;— des Roͤsselsprungs: Auch der Schmerz ist Gottes Bote, Ernster Mahnung heil'ge Worte Bringt er uns und öffnet leise Tiefgeheimer Weisheit Pforte; Aber unser irrend Auge, Vielgetrübt vom Staub der Mängel, Nicht erkennt es in der dunkeln Schattennacht sogleich den Engel. Emanuel Geibel. , 1 uu, 5 2 2. ,. 9 ,. 5 r 4 b 0 d 0 1 g h 5 Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. J Die nachstehende Partie wurde in einem Korrespondenz⸗Turnier der Stratägie“ N spielt und vor einigen Wochen in der von Herrn Rosenthal geleiteten Schachspalte der„Repu ique Frangaise“ veröffentlicht. 5 Vartie Nr. 289. Weiß: M. Courel in Lisieuk. Schwarz: M. Mayer in Temesvar. 1) e2—e4 1 e5 37) Ldz eg S5 eg: 2) 81-3 Sbs-c 38) Kf2 eg: 5-4 3) LII— 4 LfS- 5 39) a2— a4 Ke7—e6 4) b2—b4 Le5—ba: 4 Se2-e b6—b5 5) 2-c Lb4—-c5 41) b2—b3 Le7- ds 6) dꝛ—- dd e- dd: 42) Sc3—e27) Ldé—b4 7) 0—0 d7- d 43) g3—g4 h5—g4: 8) e3—d4 Le5—b6 44) 53-4: Ke6- dg 9) Sb-c) Sc6 a5 45) f4—f5 Kdé—c6 10) Le- 22) Sa5— c: 46) g4—5 Lba4—e7 11) Ddl ad= c 47) Ke3 4 b6—b5 12) Daa SgS-e 48) at-bößf Kc-bö: 13) 813-55) 6-0 49) Se2— 637 Kbö5—b41* 14) 2—f4 7-6 50) Sc3— 4575 Kba- bg 15) 8g5—f3 Les-es Weiß giebt die Partie auf. —e2— 1 17 f 80150 Stellung nach dem 26. Zuge von Wei. 18) De2—d2 Lg4 13: 1 1 19 171-3 175 0 20) 8d1—2 15— e: 21) Sk2—e4 DdS-e7 22) Se4—g3 Sg6—h4 23) 113— Tas- es 24) Kgl—hls De7-es 25) Dd2—b4 d6-dõ 26) Tal—el a7—a5 16) 27) Db4— 87. Kg8—f8: 28) Teles: Tes es: 29) 1Jf1— dl! Lbé6-c 30) Lb2- cl Tes-c 31) 8g3—e2 163—e2 32) 1d1—d2 Te2-d: 33) Lel—d2 ꝑ⁊Kf8—e7 34) Khl-g1 b7-b. 35) Kg1—2 6 e Del. 36) g2—g3 84-15 1) Nicht minder gut als die bekannte Fortsetzung 9) 445 Scg a5 10) Lel- b SgS e? 11) Leds 2c. 2 Die beste Fortsetzung ist nach Rosenthal's Ansicht 10) S3- g5. , Rosenthal hält diesen Angriff für verfrüht und 13) 4445 nebst See und Sas für das Richtige.- 4) Hier wird in der„République Frangaise“ Dag, gefolgt von Se2 2c. als flärker empfohlen. 5 5, Gegen Tal-el wäre Df7 fund Das nebst c-c5] stark geworden.„ 6), Die Dame darf die Thurmdechung offenbar nicht aufgeben, und der Damentausch ist in hübscher Weise erzwungen. ) Lin schlimmer Fehljug! Mit 835 war die Partie immer noch Remis zu 1 2 8 Der Bauer c geht nun unaufhaltsam vor und gelangt eventuell mit Scha 5 zur Dame. 2 J 3 R Nuts der Schachwelt. 3 Der zweite Kongreß des bayerischen Schachbundes, der bekanntlich in diesem Jahre in Nürnberg abgehalten wird, nimmt seinen Anfang am 5. August; nähere Einzelnheiten des Programms werden wir in der nächsten Nummer mittheilen. Die erste Consultationspartie 2 je drei der stärksten Spieler der Berliner Schach⸗ gesellschaft und des Berliner Schach klubs ist remis geworden. Druck und Verlag der ⸗Volks- Zeitung“, Akt.-Ges. in Berlin, Lügowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: N. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.