Gießen IV. In einem Damenkoupee erster Klasse des in der Richtung nach H. abdampfenden Zuges saß Käthe Steffens und weinte herz⸗ brechend in ihr Schnupftüchlein hinein. Ihr war auch gar zu traurig zu Muthe. Nicht nur, daß sie zum ersten Male das Vater⸗ haus verlassen, um so ganz allein in die Welt hineinzufahren, nein, es war auch noch so viel hinzugekommen, um ihr zum Ab— schiede das Herz recht schwer zu machen. Einmal war ihr Vater, der bis dahin jede aufkeimende Rührung unter polternden Worten zu verbergen gewußt, in den letzten Tagen doch von sichtbarer Niedergeschlagenheit gewesen. Als es heute Morgen ernstlich an das Abschiednehmen ging, hatte er sich wiederholt die feuchten Augen gerieben und dann behauptet, die Sonne blende ihn. Immer wieder hatte er sie an sein Herz gedrückt, mit einer Zärt⸗ lichkeit, die er sonst nie so zur Schau getragen; seinen Augapfel, sein Alles auf der Welt hatte er sie genannt, und sich überhaupt so aufgeregt gezeigt, daß Käthe, von seiner Liebe gerührt, sich nur um so schwerer loszureißen vermocht.— Wie mochte er jetzt sich einsam fühlen in dem verödeten Hause, wo ihn Alles an die abwesende Tochter gemahnte!— Ach, nie hätte Käthe gedacht, daß es etwas so Schweres sei um das Abschiednehmen! Aber das war es nicht allein, was ihr das Herz bedrückte. Heinrich Ortenbach, der sich mehrere Tage über nicht hatte blicken lassen, war schon am frühen Morgen erschienen, um ihr ein Lebe— wohl zu sagen. Auch mit ihm war eine Veränderung vorgegangen, und doch hätte Käthe nicht zu sagen vermocht, worin dieselbe bestanden. Sein von der Sonne gebräuntes, bärtiges Gesicht zeigte nicht so bald einen Wechsel der Farbe, und doch hatte Heinrich entschieden bleich, ja elend ausgesehen. Er war freundlich und herzlich ge— wesen wie immer, aber es hatte doch etwas Fremdes in seinem Wesen gelegen, etwas, das ihr weh that und das sie nicht zu fassen vermochte. Im letzten Momente erst, als er ihr noch einmal die Hand gereicht, war der alte, warme Herzenston wieder zum Vorschein gekommen. „ HBehüt' Dich Gott, Käthe,“ hatte er tiefbewegt gesagt,„mögest Du alle Hoffnungen erfüllt sehen, welche Du an diese Reise knüpfest. Vergiß aber auch nicht, daß Du hier noch Freunde hast, treue ergebene Freunde, auf die Du immer zählen darfst, gleich⸗ viel wann und unter welchen Umständen. Leb' wohl, und möge Gott Deine Wege lenken!“ a Noch immer lag ihr der Ton im Ohre, mit welchem Heinrich diese Worte gesprochen, wie bewegt und wie voll treuer Sorge zu den Oberhessischen Muchrichten. 5 d e u 16. Septe mb er. f Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Sanft wie die Tauben. Erzählung von Leonore Werth. (Fortsetzung.) Fuhr sie denn nicht dem Glücke entgegen, harrte ihrer nicht eine stolze, glänzende Zukunft? O gewiß, es war nur dies ungewohnte Alleinsein, dieser erste selbständige Schritt in's Leben hinein, der ihr das Herz so schwer und so beklommen machte. Einmal unter dem Dache des Verlobten, in der neuen Heimath, würde sich das schon schnell verlieren! Und ein wenig zuversichtlicher hob sie den zierlichen Kopf, den ein neuer grauer Sammethut mit dunkelblauer Feder schmückte. O, Käthe hatte„Styl“ in ihre Toilette gebracht, man sollte ihr nicht nachsagen, daß sie sich nicht zu kleiden verstände! Das blau garnierte, graue Seidenkleid war von der Schneiderin aufgearbeitet worden—„ganz wie ein neues“, behauptete Käthchen. Dazu das elegante, spitzenbesetzte Mäntelchen, das sie in dem ersten Modemagazin B... s gekauft, der bereits erwähnte Sammethut mit blauer Feder—„weil es ja doch schon auf den Winter ging“— nun, an solchem Anzuge war doch schwerlich etwas auszusetzen! Nur hatte sie sich nicht entschließen können, ein Paar von den schönen, neuen Handschuhen zu opfern, und ein Paar dunkelbraune, einknöpfige Glacés übergestreift, welche die Spuren längern Gebrauches trugen und außerdem einen unangenehmen Benzingeruch verbreiteten, weil sie gestern erst wieder frisch ge— waschen worden. Doch dieser Duft würde zweifelsohne verflogen sein, ehe man H. erreicht— ah, eine lange, lange Fahrt in dem einsamen Koupee. Nebenan in der zweiten Klasse wurde lustig geplaudert, und zuweilen vernahm unsere junge Reisende ein helles Lachen und ein paar abgerissene Worte. Dann lauschte sie wohl mit vorgestrecktem Köpfchen, ob sie nichts von der dort geführten Unterhaltung aufzufangen vermöchte; das lenkte ihre Gedanken denn ab, bis sie allmählich in das dem jugendlichen Alter eigene, wache Träumen versank, das Phantasie und Wirklichkeit mit ein— ander verwebt, und Zukunftsbilder vor die Seele zaubert, vor deren rosigen Schimmer auch die schönste Wirklichkeit in düsteres Grau zerfließen muß. Es war bereits späte Nachmittagsstunde, als der Schnellzug, der Käthe der Heimath entführt, unter die gedeckte Halle des H. Bahnhofes einfuhr. Klopfenden Herzens spähte das junge Mädchen zum offenen Fenster hinaus, und ihr erster Blick fiel denn auch auf Gisbert, der mit völlig verklärtem Gefichte auf ihr Koupee zueilte. Ah, es war doch sehr nett, wie er ihr mit vollendeter Eleganz die Hand zum Aussteigen bot, ihr dann den Arm reichte, und den Gepäckschein, den sie ängstlich hastig dem kleinen Geldbeutel⸗ chen entnommen, ohne ein Wort dem Diener reichte, der zuwartend hinter seinem Herrn gestanden. Ein paar Minuten später ruhte Käthe in den weichen Wagenkissen, welche, wie sie mit stiller hatte das geklungen. Aber weshalb denn sorgte er sich um sie? 1 K ** 298 Genugthuung wahrnahm, wirklich mit zartfarbener Seide bekleidet waren. Dabei fiel es dem, der gesellschaftlichen Formen unge— wohnten Kinde auf, daß Gisbert den schmalern Vordersitz einnahm; eilfertig schob sie die bauschigen blauen Seidengarnierungen ein wenig beiseite, und bemerkte lächelnd, neben ihr sei noch eine ganze Menge Platz. Der komische Mensch! Gewiß war er wieder so sehr in ihren Anblick versunken, daß er gar nicht verstanden, was sie gesagt, denn er schüttelte nur leise mit dem Kopfe, während seine Augen wie gebannt auf ihrem schönen Antlitze ruhten. Doch auch sie dachte nicht daran, ihre Aufforderung zu wieder⸗ holen; jetzt, wo der nächste Augenblick sie denen gegenüber stellen sollte, die in Zukunft ihre nächste Familie ausmachen sollten, klopfte ihr das Herz doch wieder bange und stürmisch. Es wäre ihr nicht möglich gewesen zu sprechen, ja, selbst das Denken fiel ihr schwer. Doch da hielt auch bereits die Equipage vor einem hohen, stattlichen Gebäude— hier also sollte ihre künftige Heimath sein! Ein Bedienter öffnete den Schlag; Gisbert sprang heraus, half seiner Braut beim Aussteigen und geleitete sie dann die breite, teppichbelegte Treppe hinauf, welche aus der geräumigen, mit hohen Blattpflanzen und marmornen Göttergestalten ge— schmückten Vorhalle zu dem ersten Stockwerke hinaufführte. Arme Käthe! Ihr ward immer beklommener zu Muthe. Auf eine Art Feenpalast war sie ja immer gefaßt gewesen, aber hier sah es ja ungefähr so aus, wie in dem Museumssaale, wohin ihr Vater sie einmal mitgenommen, und nun gar diese Treppe mit dem Geländer aus vergoldeter Bronze! Auf den obern Treppenstufen trat dem hinaufsteigenden Paare eine ältliche Frau entgegen, zier— lich und sauber in feinem, schwarzen Wollkleide, eine weiße Blondenhaube auf dem schlicht gescheitelten Haare. Schon suchte Käthe sich von Gisbert's Arm los zu machen, um die vermeint— liche Senatorin respektvoll zu begrüßen, als diese sich tief ver— neigte, und Gisbert sie mit einem freundlichen:„Ah, da sind Sie ja, Frau Felten,“ anredete.„Wollen Sie Fräulein Steffens in ihr Zimmer führen, ihr eine Erfrischung besorgen und ihr die Jungfer meiner Schwester zuschicken! Mathis wird das Gepäck sogleich heraufbesorgen.“ Heiße Röthe auf den Wangen wegen ihres Fehlgriffs, blickte Käthe befremdet zu dem jungen Manne auf. „Ich— soll ich nicht— ich dachte, Sie würden mich zuerst Ihrer Mutter vorstellen, Gisbert!“ „So in— ich dachte, Sie würden sich erst Ihres Reisekleides entledigen und sich ein wenig erfrischen wollen, Fräulein Käthchen; in einer halben Stunde werde ich mir erlauben, Sie abzuholen.“ Mit einem heißen Blick in das rosige Antlitz seiner Erwählten, überließ er diese einstweilen der Fürsorge der Frau Felten. Ein leises„ah“ der Ueberraschung entfuhr Käthe's Lippen, als sie nun in die ihr bestimmten Räume eintrat; einem sehr zierlich ausgestatteten kleinen Salon in grauer brochirter Seide und einem reizenden kleinen Schlafgemach in blauem Atlas und gestickten Tüllvorhängen, Alles so reich und doch so behaglich, vom besten Geschmacke zeugend. Beinah' erschreckt war Käthe mitten im ersten Zimmer stehen geblieben— mechanisch nahm sie den Hut vom Kopfe und dabei fiel ihr Blick in einen bis zur Erde reichenden Spiegel, der ihre eigene Gestalt in ganzer Größe zurück— strahlte, zugleich mit dem Bilde der alten Dame, welche sie vor— hin für ihre Schwiegermutter in spe angesehen, und in deren Mienen sich der respektvollen Haltung ungeachtet ein Etwas aus— drückte, das dem verlegenen Mädchen erst recht das Blut in die Wangen trieb. „Gestatten gnädiges Fräulein, daß ich einstweilen behülflich bin— wenn das Fräulein eine Erfrischung zu sich genommen haben, werde ich sogleich die Jungfer hierher schicken;“ sagte Frau Felten jetzt, indem sie Käthe half, sich ihres Mäntelchens zu entledigen. „Die Jungfer?— ach nein, wozu? meinte Käthe mit naivem Erstaunen.„Ich bin gewohnt, mir mein Haar selbst zu ordnen, und will mir nur eben Gesicht und Hände waschen. Es ist un— glaublich, wieviel Staub man auf solch' einer langen Fahrt mit— bekommt! Und Hunger habe ich auch nicht; ich habe mir schon etwas Proviant von Hause mitgenommen— nur ein Glas frischen Wassers möchte ich wohl haben.“ Als Gisbert nach einer halben Stunde anklopfte, um Käthe seiner Mutter zuzuführen, fand er sie bereits seiner harrend, und sie sah in ihrer Erregung so reizend aus, daß er es gar nicht acht hatte, daß ihre Hände noch immer in den verwaschenen, braunen Reisehandschuhen steckten, an denen zum Ueberfluß noch ein paar Nähte geplatzt waren; im Gegentheil beugte er seinen Mund auf das auf seinem Arme ruhende, schlecht behandschuhte Händchen hinab, wie sie zusammen den breiten Korridor entlang gingen. „Wie schön Du bist, mein Lieb!“ flüsterte er mit er Leidenschaft und den unbewachten Augenblick nützend, um das trauliche„Du“ zu gebrauchen;„wer könnte solchem Zauber wider⸗ tehen!“— g f Die Flügelthüre öffnete und schloß sich wieder; am Arme ihres Verlobten machte Käthe etliche Schritte in das Zimmer hinein, und auf die hohe, gebietende Frauengestalt zu, welche sich nun langsam erhob und dem Paare entgegentrat. „Es ist recht liebenswürdig von Ihnen, daß Sie meiner Ein⸗ ladung, welche mein Sohn Ihnen übermittelt hat, so bald nach⸗ gekommen sind, Fräulein Steffens,“ redete die lebenskluge Fran 1 das auf eine andere Art des Empfanges vorbereitete Mädchen an, bevor Gisbert noch Zeit gehabt, die Vorstellung seinen Ab⸗ sichten entsprechend, einzuleiten.„Seien Sie uns herzlich will⸗ kommen, liebes Kind,“ fuhr sie dann, nachdem Sie ihrem Gaste somit seine einstweilige Stellung angewiesen, in gütigem Tone fort;„ich hoffe, daß Sie eine angenehme Fahrt gehabt haben.“ Worauf Sie, Käthen's Hand ergreifend, diese ihren Töchtern zu⸗ führte.„Meine beiden Töchter, Edith und Elisabeth, welche sich gewiß bemühen werden, Ihnen den Aufenthalt in meinem Hause angenehm zu machen.“— Höflich kühle Verneigung von Seiten der beiden jungen Damen, verlegener Knicks des verwirrten jungen Mädchens.— „Es war wohl das erste Mal, daß Sie eine längere Fahrt allein unternommen?“ bemerkte die Senatorin weiter, da weder Käthe noch eine der Schwestern etwas sagte. „Ja— das heißt— es war überhaupt die erste, größere Reise, die ich gemacht,“ stammelte Käthe. „Und hat es Ihnen wohlgefallen, das Reisen?“ „Gefallen— je nun, eigentlich gar nicht,— es ist so lang⸗ weilig und so staubig,“ brachte der junge Gast wieder hervor. „Es war aber doch ein ungewöhnlich schöner, warmer Tag,“ mischte sich Gisbert in die spärlich fließende Unterhaltung; 9— früh muß die Fahrt wirklich eine herrliche gewesen sein, weni die Strecke am Rheine entlang. Bei so durchsichtig klarem Wetter ist das immer ein hoher Genuß.“ „Na ja, für den Fremden mag es wohl etwas Besonderes sein, aber wer den Rhein so alle Tage sieht, macht sich zuletzt nicht viel mehr daraus!“ lachte Käthchen, allmählich kühner werdend. „Wo dürfen Sie Ihr poetisches Schönheitsgefühl so sehr ver⸗ leugnen!“ scherzte Gisbert;„das sagen Sie wohl nur, um mich zum Widerspruche zu reizen.“ „Ich, was denken Sie, ich sage immer nur, wie's von mir auch wirklich gemeint ist!“ versicherte Käthe unbefangen. i „Eine herrliche Eigenschaft, der man nur leider in unsern Kreisen nicht immer huldigen darf,“ bemerkte Edith mit spöttischem Auflachen. „Was, man dürfte nicht sagen, was man denkt!“ fuhr Käthe mit ehrlicher Entrüstung auf,„aber wenn man das nicht thut, ist man doch unwahr, und unwahr sein ist eine Sünde!“ „Und Sie vermöchten keine Unwahrheit zu sprechen, Fräulein Käthchen, davon bin ich überzeugt,“ kam ihr die freundliche Elisabeth zu Hilfe,„aber mir scheint, Sie sind doch etwas er⸗ müdet, und es würde Ihnen wohl thun, wenn Sie vor dem noch ein wenig ruhten, nicht wahr, Mama, Du erlaubst doch? Und froh, der peinlichen Situation ein Ende zu 1 5 5 leitete sie nach einigem Hin- und Herreden des Bruders Verlobte nach deren Zimmer zurück, und dieser selbst schloß sich ihnen an. „Je nun, na ja, ach wo!“ spottete Edith hinter ihnen drein. „Ich muß gestehen, das fängt vielversprechend an! Das sind wohl die Redensarten, mit welchen das Fräulein hinter m tische abwechselnd die Höflichkeiten der akademischen Jugend* die Zudringlichkeiten naturwüchsiger Bauerntölpel abgewiesen! „Nicht diesen Ton, Edith,“ verwies die Mutter das herd auflachende Mädchen.„Ich, im Gegentheil, gestehe, daß ich mir die kleine Dorsschöne noch weit schlimmer vorg Daß sie 299= Sprache und Manieren der feinen Welt habe, kann man füglich nicht von ihr verlangen; ihre Ausdrucksweise klingt etwas vulgär, dagegen besitzt sie eine natürliche Anmuth, um die manche sorg⸗ fältig erzogene junge Dame sie beneiden dürfte.“ „Und eine reizende Art, sich zu kleiden,“ höhnte Edith wieder, unbeirrt durch der Mutter scharfe Bemerkung.„O, dies harte Blau, womit sie ihre Toilette so reichlich ausgestattet, es that einem ordentlich weh. Und erst diese unmöglichen Handschuhe! Hu, mir ist, als röche das ganze Zimmer nach Fleckenwasser!“ „Die Handschuhe waren freilich arg,“ lachte die inzwischen wieder zurückgekehrte Elisabeth,„nicht wahr, Mama, sie wird es mir nicht übel nehmen können, wenn ich sie bedeute, daß man hier dergleichen nicht trägt? Sie scheint doch ein recht gutes, be— scheidenes Mädchen, und Augen hat sie, oh, Augen und Haar, um das ich sie beneiden möchte!“ „Wenn Du Dir nicht bewußt wärest, in Bezug auf Augen und Haar auch selbst recht gut fortgekommen zu sein!“ neckte ihr Bruder, der sich jetzt auch eingefunden und die letzten Worte gehört hatte, mit strahlendem Gesicht.„Nicht wahr, sie ist schön, und ebenso gut und liebenswerth wie schön!“ setzte er mit flammen⸗ der Begeisterung hinzu.„O Mutter, Du bist doch die liebste, beste Mama auf der ganzen Welt, und ich bin gewiß, daß mein süßes Käthchen sich auch Dir in's Herz stehlen wird, und Du Dich mit meiner Wahl versöhnen wirst, wenn Du ihr lauteres, schönes Gemüth erst besser kennen wirst!“— Die Arme um der Mutter Hals schlingend, küßte er ihr zärt⸗ lich Mund und Wange und sie strich ihm liebkosend die schweren Haarsträhne aus der jugendlich weißen Stirn. Eine andere Antwort auf seine hoffnungsselige Bemerkung erhielt er jedoch nicht. 5 Seit mehreren Tagen weilte Käthe in der Familie ihres Verlobten, ohne derselben irgend wie näher getreten zu sein. Zwar behandelte man sie mit liebenswürdiger Aufmerksamkeit, ein innigeres Verhältniß aber wollte sich noch immer nicht anbahnen. Am ehesten war dies noch mit Elisabeth der Fall, welche in ihrer Herzensgüte mitunter Mitleid mit dem jungen Mädchen empfand, dessen schüchterne Annäherungsversuche an der eisigen Höflichkeit Edith's und der würdevollen Zurückhaltung der Senatorin gleich— mäßig abprallten. Elisabeth war denn auch die einzige, welche hin und wieder dem Herzensbedürfnisse Käthchens, von dem fernen Vaterhause und ihrem bisherigen Leben zu reden, mitleidig ent— gegenkam. Denn zu ihrer eigenen Verwunderung mußte sie es sich eingestehen, nie war ihr die Heimath in freundlicherm, lieb⸗ licherm Lichte erschienen als jetzt, wo doch die glanzvolle Wirklich— keit, welche sie umgab, selbst ihre kühnsten, ehemaligen Träume in den Schatten stellte. Und doch, woran lag es nur, daß jene Träume dennoch schöner gewesen? Gisberts Familie war doch stets gütig zu ihr, er selbst hing nach wie vor an ihren Blicken, und doch war da etwas, das sich wie ein kühler Schatten auf all' ihr freudiges Empfinden legte, etwas dem sie keinen Namen zu geben wußte, und das sie doch im tiefsten Innern bitter em— pfand. So gestern noch, als sie im Salon gewesen, als gerade eine alte Dame, die Baronin Wahlen, mit ihrer ebenfalls ält— lichen Tochter der Senatorin einen Besuch abgestattet. War es Zufall oder Absicht, daß man bei den Vorstellungen ihren Namen stets so flüchtig aussprach, daß der Besuchende sich denselben un— möglich zu merken vermochte? Jedenfalls hatte das ältere Fräu— lein, mit einem kritischen Blicke auf Käthe's blau und graue Seidenrobe und den allzu reichlich angewandten Goldschmuck ein weiteres Nachforschen für nöthig gehalten. „Fräulein von Steffens; ah?“ machte sie mit halb zugekniffenen Aeuglein;„von den L.. er von Steffens, vermuthlich?“ Der musternde Blick im Verein mit dem affektirten Tone hatte Käthe's Blut in Wallung gebracht. Das Köpfchen zurück⸗ werfend, versetzte sie mit Nachdruck:„Nein, ich bin vom Rhein zu Haus und heiße nicht von Steffens, sondern Käthe Steffens kurzweg. „Ah, ich bitte zu entschuldigen— also vom Rheine?— Das hätte ich mir eigentlich gleich denken können,“ lächelte die Andere verschmitzt.„Gewiß ein wissensdurstiges Professorentöchterlein, das den gelehrten Herrn Papa auf die Ferienreise hat begleiten dürfen. O, ich finde es ein so sehr beneidenswerthes Loos, als das Kind eines Gelehrten zur Welt zu kommen!“ flötete das ält— liche Fräulein weiter, während es mit verzückten Augen voll zu Gisbert aufblickte. Käthe's Wangen glühten, und schon wollte sie mit gewohntem Freimuth gegen die Professorentochter Protest einlegen, und sich offen zu dem Papa Gastwirth bekennen, als ein heftiger Hustenanfall der Senatorin das Gespräch plötzlich abbrach. „O, Mama, Du wirst Dich doch nicht erkältet haben!“ rief Edith, mit einer ihr sonst fremden Besorgniß auf die Mutter zueilend. „Soll ich Dir Deine Pastillen holen, Mama?“—„Gewiß sind wir gestern Abend zu lange im Freien geblieben, Mama!“ — schwirrte es in besorgten Tönen durcheinander Käthe jedoch, so unbefangen sie bis dahin gewesen, hatte mit schnell gereiftem Verständniß den kleinen Kunstgriff wohl durch— schaut; unwillkürlich richtete ihr Blick sich auf Gisbert, doch dieser hielt die Augen beharrlich gesenkt und studirte angelegentlich das Teppichmuster. Gisbert, derselbe Gisbert, der bei seiner Werbung ihre eignen Bedenken in den Wind geschlagen und so schöne Worte von Adel der Seele, Gleichberechtigung aller Stände ge— redet, auch er schämte sich ihrer Herkunft, hier vor dieser alten, steifnackigen Dame und ihrer häßlichen affektirten Tochter. So waren jene Versicherungen wohl nur hochtönende Worte gewesen und seine Ueberzeugung hielt schon der ersten Probe nicht Stich! Nicht daß Käthe sich Alles dies mit klaren Worten vor die Seele geführt; dazu war sie noch nicht reif; wohl aber empfand sie den Widerspruch, der in den Betheurungen ihres Verlobten und seiner jetzigen Handlungsweise lag, und ihr Stolz fühlte sich empfindlich verletzt. Die Augen auf die kleine Perlenstickerei in ihren Händen gerichtet, saß sie noch eben wortkarg da, als die beiden Besucherinnen den Salon bereits längst verlassen hatten. Der nächste Abend fand die ganze Familie Volkmar in ihrer Loge im Theater. Es war dies der erste Theaterabend der beginnenden Saison, und dieselbe wurde mit„Maria Stuart“ eröffnet. Zwischen den beiden, mit vollendetem Geschmacke ge— kleideten Schwestern saß das Wirthstöchterlein vom Rheine, das heute in Bezug auf Toilette gleichfalls ein Uebriges gethan zu haben glaubte. Sie hatte zu Ehren des Tages ihr„Bestes“, ihr Blauseidenes mit weißen Spitzen angelegt, und wenn sie auch noch so sehr von dem eleganten Schwesterpaare abstach, so ließ sich doch nicht leugnen, daß sie ganz allerliebst aussah. Es war darum auch nicht zu verwundern, daß sich alsbald verschiedene Operngucker nach der Volkmar'schen Loge emporrichteten, wo drei so jugentlich schöne Gestalten einander den Rang streitig zu machen suchten. Die schönen, stolzen Töchter der Senatorin war man gewohnt an dieser Stelle zu sehen— wer aber war dies liebliche Heckenröschen zwischen den majestätischen Lilien? „Wohl ein reizendes Kousiuchen vom Lande!“ meinte ein junger Referendar in der gegenüberliegenden Loge.„Was dieser Volkmar Glück hat!“ „Hm, ich entsinne mich nicht, daß je von einer solchen Kousine die Rede gewesen,“ bemerkte ein junger Dragoneroffizier, die Spitzen seines röthlich blonden Schnurrbartes in die Höhe drehend;„vor— gestern war die Familie auf einer Spazierfahrt begriffen, als ich Besuch dort machen wollte— werde doch sehen, ob ich morgen nicht besseres Glück habe.“ „Sollten Sie denn keine Einladung zu morgen haben, Mink— witz?“ fragte ein hübscher, fein aussehender Mann, der mit den beiden andern Herren die gleiche Loge inne hatte, morgen ist ja solennes Dejeuner bei Volkmar's. Ich erhielt die Einladungs— karte, als ich eben im Begriffe war hierher zu kommen.“ „So werde ich die meine wohl später finden, ich bin vom Kasino aus direkt hierher gegangen,“ gab der andere nachlässig zurück.„Aber so sehen Sie doch diese Augen der Kleinen! Wenn das keine Seelenspiegel sind, wie es in Romanen zu heißen pflegt! Jede Regung spiegelt sich darin wieder.“ Lieutenant von Mink⸗ witz hatte nicht zu viel gesagt. Es war das erste Mal, daß Käthe sich in einem größern Theater befand. Was sie bisher gesehen, beschränkte sich auf etliche Lustspiele und burleske Schwänke auf den sehr primitiven Bühnen kleiner Wandertruppen, wo die nicht kritisch veranlagten Zuschauer für ihr Eintrittsgeld auch ordentlich was zu lachen fanden. Ein Genuß gleich dem W 8 r r 300 heutigen war ihr nie geboten worden, und sie lauschte denn auch mit athemloser. Spannung Allem, was auf der Bühne vor sich ging. Die edle, rührende Gestalt der Schiller' schen Maria hatte bald ihr ganzes Herz gewonnen; ihre Augen schimmerten feucht in inniger Begeisterung, und sie hatte es nicht acht, daß sie selbst der Gegenstand vielfacher Aufmerksamkeit geworden. Dafür ge⸗ wahrten die neben ihr sitzenden Gastfreunde dies um so besser, und selbst Gisbert, der unter andern Umständen die„holde Natürlichkeit ihrer eindrucksfähigen Seele“ bezaubernd gefunden haben würde, fühlte sich hier, gegenüber so viel beobachtenden Augen, äußerst peinlich berührt. Es gelang ihm auch nicht, die starre Aufmerksamkeit des jungen Mädchens in etwas von der Bühne ab- und sich zuzuwenden, denn der leiseste Unterhaltungs— versuch, den er zu diesem Zwecke in das Ohr der vor ihm Sitzen⸗ den zu flüstern trachtete, wurde mit beinahe unwilligem Kopf⸗ schütteln abgewiesen. Ein wenig verstimmt lehnte er sich in den Fauteuil zurück— sonderbar, daß Käthe, die ihm doch sonst in allen Dingen so feinfühlig erschienen, ihn hier so gar nicht ver— stehen wollte— das liebe, unbesonnene Kind!— Da endlich die große Pause!— Gisbert athmete auf— nun würde sich ja Gelegenheit finden, Käthe schonend auf ihr auffallendes Be— nehmen aufmerksam zu machen! Für's Erste sollte er indeß noch nicht dazu kommen, da als— bald der junge von Kemper in die Loge trat, dem sich gleich darauf der Lieutenant von Minkwitz und noch ein paar andere Freunde des Hauses zugesellten. Adrian von Kemper, der einzige Sohn eines reichen Handelsherrn, und im übrigen Elisabeth's erklärter Bewerber, wandte sich nach erfolgter Vorstellung denn auch zumeist an die Dame seines Herzens, während der schlanke Dragonerlieutenant seine Aufmerksamkeiten zwischen Edith und der kleinen Fremden theilte, und es zwischendurch trefflich verstand, auch der Senatorin seine ehrfurchtsvolle Huldigung darzubringen. „Gnädiges Fräulein scheinen das Theater ganz besonders zu lieben?“ wandte er sich nach ein paar an die schöne Edith ge— richteten Komplimenten über Toilette und Aussehen an das noch ganz in ihre Gedanken versunkene Käthchen. „O, es ist auch zu schön, zu herrlich!“ rief diese, aus ihren Träumereien auffahrend, im Tone aufrichtigster Ueberzeugung. „So was Schönes habe ich noch nicht gesehen! Wie das Alles so wunderschön gesagt ist— es durchschauerte mich ordentlich!“ „Das hatte ich freilich Gelegenheit zu bemerken,“ gab von Minkwitz lächelnd zurück.„Sie lebten vorhin augenscheinlich in einer andern Welt, und Ihre Augen folgten wie gebannt Allem, was auf der Bühne vorging. Gnädiges Fräulein schwärmen wohl überhaupt sehr für unsere Klassiker?“ Freundlich blickte Käthe zu dem langen Lieutenant auf. „Nein,“ sagte sie arglos,„die Herren da kenne ich gar nicht, und mich interessirt auch hauptsächlich nur die arme Maria Stuart, die ja wohl eine schottländische Königin gewesen sein soll.“— „Hm“— bedächtig nahm der Lieutenant sein Glas von den Augen und rieb eine Weile ausmerksam daran herum, wobei es ihm verrätherisch um die Mundwinkel zuckte.„Hm, ganz recht, eine Königin von Schottland, und auch nicht ganz so ideal, wie unser guter Schiller sie uns vor Augen führt.— Darf man fragen, ob Sie musikalisch find, mein gnädiges Fräulein. „I freilich, ein wenig. Papa hat mir vier Jahre lang Klavier— stunden geben lassen, aber so recht vom Blatte zu spielen, das will doch immer nicht gehen.“ „Sie sollten die Gelegenheit nützen und hier noch Unterricht nehmen, Fräulein Käthe,“ mischte sich Gisbert mit glühenden Wangen in die Unterhaltung. Der Arme hatte wie auf Nadeln gesessen, und wäre am liebsten mitsammt seinem naiven Bräutchen in einer Versenkung verschwunden.— Das war nun wieder ein— mal ein Bonmot für den plauderlustigen Lieutenant! „O je, jetzt noch einmal Stunden nehmen— wo denken Sie hin, Herr Volkmar?— Papa würde mich schön auslachen, wenn ich ihm damit käme— und— und Heinrich erst!“ „Dessen Meinung doch hoffentlich nicht maßgebend sein dürfte,“ lautete die scharfe, wenn auch im Flüstertone gegebene Er— widerung. Ein wenig erstaunt, jedenfalls aber höchlichst amüsirt, be— obachtete Herr von Minkwitz die kleine Szene, und die Gedanken, welche ihm in Betreff der reizenden Naiven und ihrer Beziehungen zu den gesellschaftlich so hochstehenden Volkmar's kamen, waren von dem wahren Sachverhalt nicht weit entfernt. Zu Gisbert's großer Befriedigung wurde jetzt das Zeichen zum Wiederbeginn der Vorstellung gegeben; die beiden Herren empfahlen sich,— der Lieutenant nicht, ohne einen Blick lächelnden Einverständnisses mit der spöttisch dreinblickenden Edith ausgetauscht zu haben. l Doch für die Volkmar's schienen die Fatalitäten heute kein Ende nehmen zu sollen. Was konnte das arme Käthchen dafür, daß sie bei fremdem Leide, selbst wenn es nur gemaltes Leid war, gar so schnell in Thränen innigen Mitgefühls zerschmolz? Bis zu der ergreifenden Abschiedsszene war es verhaͤltniß⸗ mäßig gut gegangen. Käthe hatte zwar ihr Tüchlein immer häu⸗ figer an die nassen Augen gebracht, doch war es ihr immer noch gelungen, sich leidlich ruhig zu verhalten— nun aber, bei dem herzbewegenden Abschiede, den Maria von ihren Getreuen nimmt, bei dem Schluchzen und Weinen, das von der Bühne herübertönt, hält auch die Spannung ihrer Gefühle nicht mehr aus. Ein lautes Schluchzen, das gemachte Weinen auf der Szene über⸗ tönend, lenkte abermals alle Blicke auf die heute Abend so zwei⸗ sach interessante Loge, wo Käthe, alle Rücksichten vergessend, ihr Gesicht in das thränennasse Taschentuch vergräbt. Gleichzeitig aber fühlt sie sich mit sanfter Gewalt von ihrem Sitze aufgezogen; es ist die Senatorin, welche mit einem kühl höflichen:„Ihnen ist nicht wohl, Fräulein Steffens, wir wollen nach Hause“— sie ohne Weiteres der Logenthüre zuführt. Beschämt, verwirrt, un⸗ glücklich ließ Käthe sich von dem verstimmt blickenden Gisbert den Mantel umhängen, worauf dieser seiner Mutter den Arm bot, um sie zum Wagen zu führen, wohin ihnen Käthe mit den stumm neben ihr herschreitenden Schwestern folgte. (Fortsetzung folgt.) Zwei Konzerte. Geschichtliche Humoreske von H. von Remagen. (Schluß.) 4 Seit jenem Abend verließ den armen Kontrabassisten der Lebensmuth und der Friede; wie ein Alp lag die finstere Ahnung 1 1 5 auf ihm, daß ihm ein düsteres Geschick bevorstehe. Seine Kol⸗ legen und auch der Kapellmeister betrachteten ihn mit mitleidigen würde; war auch seine Schuldlosigkeit zur Evidenz erwiesen, so 1 haftete das Odium des fatalen Vorfalles doch trotz alledem zum auch gewisse menschliche Schwächen hatte. Zu diesen gehörte sein überaus gutes Gedächtniß für Ereignisse oder Personen, welche 1 überzeugt war, fiel es ihm schwer, eine gewisse Gereiztheit gegen 1 sie zu unterdrücken. Diese Sorge verbitterte dem Bassisten das grollte. Sonst wurden die Künstler wenigstens einmal w lich in corpore nach Sanssouci befohlen; jetzt waren schon vier wurde die Stimmung in dem Künstlerkreise, immer unwilliger die Blicke, die den Kontrabassisten trafen; immer tiefer beugte mordgedanken tauchten in ihm auf, und wenn er seine und seine Baßgeige nicht gehabt hätte, wenn die zwölf kleinen Leben ein feuchtromantisches Ende gemacht hätte. Da fuhr in diese schwüle gedrückte Stimmung wie ein heller Blicken, sie waren alle überzeugt, daß sich bei nächster Gelegenheit großen Theil an seiner Person. Man wußte, daß der alte ihm jemals Verdruß bereitet hatten; er vergaß derartiges niemals, Leben, und sie wurde immer drückender, denn es war nur zu Wochen vergangen, ohne daß die erwartete und ersehnte 1 der Kummer sein graues Haupt, immer schuldiger fühlte er Heidemänner nicht gewesen wären, wenn das Wasser der Spree N lufterinigender Blitz plötzlich der königliche Befehl, die gesamme —— ein Gewitter über die Perrücke des armen Heidemann entladen trotz seiner herrlichen menschlichen und Regententugenden d und selbst wenn er von der völligen Unschuld der Betreffenden klar, daß der König der ganzen Kapelle wegen jenes Vorfalles forderung an den Kapellmeister ergangen wäre. Immer mürrischer ö trotz seiner Unschuld. Gräßliche Ideen erwachten in ihm, weniger schmutzig gewesen wäre, wer weiß, ob er nicht seinem Kapelle solle sich zur gewöhnlichen Zeit in Sanssouci einfinden!— N 2301. 0 8 ach dem Gemälde von C. M. Webb. Ne Spinne und Fliege. 2302 N N Jubel herrschte unter den Mitgliedern, der Bann der königlichen Ungnade war gebrochen, die Künstler durften wieder angesichts des geliebten Herrschers ihre Meisterschaft beweisen!— Auch Heidemann athmete auf. Sollte die ganze Geschichte wirklich ohne alle schlimme Folgen für ihn vorübergehen? Es war kein Spezialbefehl für ihn eingetroffen, der ihn von der Ehre ausgeschlossen hätte; bangend, zweifelnd und hoffend machte er sich mit seinem Brummkasten auf den Weg.— Im blauen Musiksaale saßen die Musiker und- harrten des hohen Gebieters. Der Kapellmeister lief flüsternd und ermahnend von einem zum andern, vor Heidemann blieb er stehen. „Ist auch alles in Ordnung, lieber Heidemann?“ fragte er und inspizirte selbst das Instrument,„um Gottes Willen nehmt Euch heute zusammen, thut Euer Möglichstes, Ihr wißt, es gilt eine Scharte auszuwetzen!“ „Meinen Kopf zum Pfande, ich werde mehr als meine Pflicht thun,“ erwiderte der Alte energisch. Friedrich der Zweite erschien, einige hohe Militärs und der bayrische Gesandte, Excellenz von Rabnitz, traten mit ihm in den Saal. Die Künstler saßen in einem Halbkreise; im Zentrum stand das Notenpult des Kapellmeisters. Heute stand davor cin hoher Drehschemel, der König selbst wollte die Kapelle dirigiren und ein von ihm komponirtes Musikstück auf der Flöte vortragen, welche er bekanntlich meisterhaft blies. Friedrich hatte seinen Sitz eingenommen; seine hohen Gäste hatten sich in den Hintergrund des Saales zurückgezogen, um von dort aus die Musik zu genießen. Das Konzert begann. Die erste Piece, in welcher sämmtliche Künstler mitwirkten, wurde meisterhaft exekutirt, jeder der Musiker wandte die höchste Kunst auf, um den Beifall des geliebten Monarchen zu erringen. Friedrich nickte befriedigt, dann ergriff er die Flöte, um das Solo vorzutragen; am Schlusse desselben hatten zuerst der Kontra— bassist mit leisen Akkompagnementsstrichen, und nach und nach die ganze Kapelle einzusetzen. f In athemlosem Schweigen lauschte alles dem herrlichen Vor— trage des Königs, welcher in vollendetster Weise die anmuthige Melodie zu Ende führte, und dann das variirte Grundthema von vorn begann. Der große Moment nahte. Den Bogen zum Ansatz bereit, starrte Heidemann auf das Notenblatt, noch zwei Minuten, und er mußte den ersten großen Strich thun. O, er —, war seiner Sache diesmal gewiß! Der König sollte sicher zufrieden mit seiner Leistung sein; aber trotz dieser Sicherheit überlief den bi ein Schauer nach dem andern, und sein Herz pochte fast hörbar. N Da, in diesem verhängnißvollen Augenblick knarrte die Thür leise,— hatte der dienstthuende Kammerherr nicht acht gegeben? — Biche, des Königs Lieblingswindspiel, drängte sich durch die Thürspalte und trippelte in den Saal. Den einen zierlichen Vorderfuß an den Leib gezogen, den feinen Kopf auf dem schlanken Halse hoch aufgerichtet, sah Biche zu ihrem Herrn empor, quer im Maule hielt sie einen großen Knochen mit ansehnlichen Fleischresten. Der Anblick wirkte in der ernsten Runde in diesem fast feier lichen Moment mit einer wahrhaft erschütternden Komik. Mit der größten Anstrengung verbissen die Künstler das Lachen und behaupteten den nöthigen würdevollen Ernst; nur der alte Fritz selbst schien von dem unerwarteten Erscheinen des Thieres keine Notiz zu nehmen. Einen Augenblick stand das zierliche Geschöpf still und be— obachtete den König, dann schlich es an der Wand entlang und legte sich unter den Sessel des Kontrabassisten, welcher soeben den Bogen ansetzte;— jetzt mußte er im zartesten Pianissimo einfallen. Aber, o Grausen! ein dröhnender, absolut unharmonischer Ton erscholl aus dem Resonanzboden des Basses,— brumm! brumm! erklang es wieder und wieder, als ob ein tückischer Kobold in dem Instrument umherrumore. Biche hatte ihren Knochen gegen dasselbe gestemmt und hielt ihn so mit den Vorderpfoten fest; bei jedem Biß, den das Thierchen in die Fleischreste that, schlug der Knochen gegen den Resonanzboden und erzeugte so jene schauerlichen brummenden Töne, welche init häßlicher Disharmonie in das zarte Spiel des Königs hineinklangen. Jäh brach der Monarch sein Spiel ab; voll höchstem Un⸗ willen blitzten seine scharfen Augen zu dem unglückseligen Musiker hinüber. „It Er verrückt?“ rief er in dem durchdringenden Tone, vor dem jeder unwillkürlich erbebte,„was akkompagnirt Er da, Heidemann? Er taugt den Teufel nichts zum Musiker! Ich werde Ihn unter die Troßknechte stecken!“ 2 „Majestät—“ hauchte der Entsetzte. ö „Nun, was hat Er? Ist wieder Talg an den Saiten?“ Der Bassist setzte sein Instrument bei Seite und wies auf das Windspiel. 3 „Majestät, der Hund—“ stammelte der Unglückliche, weiter vermochte er nichts hervorzubringen. 5 Ein Lächeln flog über die strengen Züge des Königs; er er⸗ hob sich und scheuchte das Thier persönlich aus dem Saale. Dann setzte er sich wieder, ohne ein Wort über den Vorfall zu ver⸗ lieren und begann seinen Vortrag von Neuem. Diesmal ging alles in erwünschter Weise; Heidemann, obgleich er selbst nicht begriff, woher er noch die Kraft und Besinnung dazu nahm, setzte richtig ein und akkompagnirte brillant, die übrigen Instrumente mischten ihre Klänge nach und nach in die Harmonie, und das Musikstück wurde zu völliger Zufriedenheit zu Ende geführt, wie dann auch das ganze Konzert ohne weitere Störung verlief. III. Heidemann aber war seit diesem zweiten verhängnißvollen Abend gebrochen, im Innersten vernichtet, jetzt war sein Unglück gewiß, diese zweite fatale Störung vergab ihm der Monarch sicherlich nicht, wenn er auch so unschuldig daran war wie ein neugeborenes Kind. Seine Kameraden blickten ihn scheu und bedauernd an, sie gingen ihm aus dem Wege, er war verfehmt und geächtet, das Schicksal hatte sein Verderben beschlossen. Was half ihm nun sein makelloser Ruf, seine ehrenhafte Gesinnung, seine unerschütterliche Pflichttreue, seine reine Vergangenheit? Nichts, gar nichts; gegen das Geschick, das sich wie eine finstere Wolke über ihm zusammenzog, war nicht anzukämpfen. In stumpfem Brüten und dumpfer Ergebung verlebte er die bleiernschwer dahin⸗ schleichenden Tage und Nächte, das Keifen seiner Frau ließ ihn völlig unberührt, selbst seine geliebte Baßgeige vernachlässigte er vollständig; es war zu Ende mit ihm, er war ein abgethaner Mann! Doch in der nächsten Woche erweckte ihn der Bote des Kapell⸗ meisters aus seiner Lethargie, er brachte den Befehl, in Sans⸗ souci zum Konzert zu erscheinen, und zwar sollte der Kontra⸗ bassist eine halbe Stunde früher eintreffen als seine Kollegen!— Mit bedauernden Blicken richtete der Bote seinen Auftrag aus, er fügte noch ein paar tröstende Worte hinzu und ging dann wieder. „Armer Teufel!“ brummte er vor sich hin,„hätte ein 5 Loos verdient! Soll mich wundern, ob er überhaupt wieder zurückkommt, der alte Fritze scheint ganz wüthend auf ihn zu sein!“ Jetzt war das Unglück da, die Katastrophe nahte, daran war nicht zu zweifeln, das Unwetter, dessen Strahl ihn vernichten sollte, war heraufgezogen. Ach! der alte Heidemann hatte kaum mehr eine klare Vorstellung von der furchtbaren Bedeutung der kommenden Stunden; ein Verzweiflungstrotz, der Muth des Todes hatte ihn erfaßt, er konnte dem drohenden Unheil jetzt ein hoͤh⸗ nisches Lächeln entgegenschleudern. 5 „Hahaha!“ lachte er bitter, während er an seiner Baßgeige putzte,„es lebe die Pflicht und die Ehrbarkeit und der Lebenswandel! Köstliche Güter, die einen, wenn man sie Leben lang gehegt und beachtet hat, in grauen Haaren unter die Troßbuben bringen!“ 5 Als er aber von seiner Frau Abschied nahm und die zwölf kleinen Heidemänner der Reihe nach abküßte, wurde ihm doch wieder weich um das Herz, mit Gewalt mußte er die zurückhalten. Vor dem Potsdamer Thor an der Haltestelle des Personen⸗ wagens traf er den Kapellmeister, welcher zwar ein Fuhrwerk benutzte, aber gekommen war, um dem Alten unter vier Augen ein paar Muth- und Trostesworte zu sagen. „Laßt den Kopf nicht so hängen, Alter,“ meinte der gut⸗ müthige Dirigent,„es wird so schlimm nicht werden; Majestät werden gerecht gegen Euch sein, da Euch ja keine Schuld trifft. Majestät haben einen Bericht über Euch eingefordert, er weiß, daß ihr zwölf unmündige Kinder habt und zeitlebens ein braver — * F . 2303 D 1 der Ausgestoßenen entehrt. Mann gewesen seid; also faßt Muth, Ihr kommt vielleicht mit einer Versetzung nach der polnischen Grenze davon!“ „Viel Dank, Herr Kapellmeister,“ stöhnte der Kontrabassist, „aber was nützt es, wenn man sich selbst trügerische Hoffnungen vorspiegelt? Lassen Sie es gut sein, ich weiß, daß es aus mit mir ist, total aus!“ Der Wagen suhr mit dem Hoffnungslosen davon.— Heidemann stand im Musiksaale in Sanssouci; er hatte seine Baßgeige in die Ecke gestellt, und seine Toilette, die von der Fahrt etwas derangirt war, wieder geordnet. Eben war er da— bei, die Perrücke glatt zu streichen, da knarrte die Flügelthür,— Friedrich der Große stand vor ihm, den Krückstock in der Hand, den dreispitzigen Hut auf dem Kopfe. „Ah, da ist er ja schon, Heidemann,“ sagte der König ernst, doch nicht unfreundlich zu dem Alten, der mit tief gesenktem Haupte vor ihm stand, als ob er sein Todesurtheil erwarte; „komme Er einmal mit!“ Bebend folgte der Bassist dem vorausschreitenden Monarchen, kaum trugen ihn seine Beine. Friedrich schritt durch mehrere Zimmer bis in sein Arbeitskabinet. „Tritt Er hierher,“ gebot der König,„sieht Er den Kasten dort in der Ecke?“ „Ja, Majestät!“ In einer Ecke des Gemaches stand ein großer hölzerner Kasten, in dessen Deckel ein mäßig großes kreisrundes Loch ein— geschnitten war. „Weiß Er, was der Kasten enthält?“ „Nein, Majestät!“ Friedrich klopfte mit seinem Krückstock auf den Holzdeckel; sofort streckte Biche, des Königs Lieblingswindspiel, den klugen spitzen Kopf aus dem Loche hervor; das verwöhnte Thierchen winselte seinem Gebieter kläglich entgegen. „Ich habe Ihm neulich des Thieres wegen unrecht gethan und Ihn gescholten,“ sagte der alte Fritz leutselig zu Heidemann, der vor Staunen starr dastand;„Er hatte keine Schuld, beide— mal keine Schuld!“ 5 Mit diesen Worten drückte er dem Bassisten ein Röllchen Dukaten in die Hand. „Biche hat für ihre Unart drei Tage Arrest in diesem Kasten erhalten,“ fuhr er fort,„und Er kommt nicht unter die Troß⸗ buben. Er bleibt wie bisher Kontrabassist. Jetzt geh' Er, das Thier hat seine Strafe, Er hat seine Revanche, und ich bleibe Sein wohlaffektionirter König!“ Jose Blätter. Das freiwillige Verbrennen der indischen Wittwen ist durch das traurige Loos, das den überlebenden Frauen zu Theil wird, mehr als durch die Religion erklärlich. In den wenigsten Fällen besteht in Indien Liebe zu dem Gatten. Durch die Sitte verfällt der Familienvater, der seine mannbare Tochter nicht verheirathet, der Verachtung, bei manchen Sekten ist er sogar entehrt. Mithin trachtet er, sie, wenn kaum die Reife eintritt, zu vermählen. Eine Folge davon ist, daß Mädchen an den ersten besten fortgegeben werden. So steht man eine große Anzahl Greise, die sich dazu verstehen, gegen eine Summe Geldes sitzen gebliebene Jungfrauen zu heirathen. Daher sind auch die meisten Frauen in Indien bei dem Tode des Gatten noch jung. Trotzdem verbieten Sitte und religiöse Ge⸗ setze sich wiederzuvermählen; die Wittwe ist zu der traurigsten Lebensweise für den Rest ihrer Tage verdammt, da sie alle von dem Verstorbenen begangenen Sünden abbüßen muß, um sich den Zugang zu dem Paradiese u erwerben. Man schneidet ihr das Haar ab, schließt sie von allen ergnügungen aus, sie darf sich nur in Bußgewändern sehen lassen, muß fasten und sich kasteien, Gebete murmeln und dergleichen. Fügt sie sich nicht, schenkt sie sogar ihr Herz einem Andern, so wird sie en ie verflucht. Die Priester nehmen ihr die Kinder, und der Fanatismus jagt sie in die Wildniß. Wer sie mitleidig aufnimmt, ist gleich Vergebens sind 01 119 55 inne ben amen Sitten bisher entgegengetreten; zwar ma i 0. 0 een fad in Sang geltend, welche sich gegen die 991 5 samen Gebräuche ausspricht; dennoch hat die europäische Civilisation vie zu thun, um den Unglücklichen geringen Schutz zu gewähren. W. G. i mmer Kaiser Rudolph II., die sogenannte Rudolphinische ans ist sleder unverantwortlich zersplittert worden. Joseph II. hatte bestimmt, die Prager Burg sollte in eine 9 9580 1215 wandelt und deshalb bis zu einem gewissen Tage geräumt wer 105 5 in Inventar ward von der Sammlung aufgenommen und dann die Statuen auf einer Auktion verkauft. Ein Torso fand keinen Käufer und wurde auf einen Müllhaufen geworfen. Ein Wiener Augenarzt erstand ihn endlich um sechs Siebzehner. Es war der Ilioneus, für den König Ludwig J. von Bayern sechstausend Dukaten zahlte. Wie hoch die Bildung der Katalogisirenden stand, geht daraus hervor, daß Titians Leda in dem Jnventar bezeichnet ist:„Ein nacktes Weibsbild, von einer bösen Gans gebissen.“ W. G. Die Copie und das Original. Ein Engländer, Lord Clarendon, hatte bei Antwerpen ein sehr hübsches Landgut gekauft, dessen Lage über— aus reizend war. Vanderveld, ein flamländischer Maler, ward davon so bezaubert, daß er dasselbe mit der umliegenden Gegend zu malen beschloß. Er miethete deshalb im nächsten Dorfe eine Wohnung und brachte eine ungemein schöne Landschaft auf die Leinwand.— Einige Zeit nach⸗ her ging er mit dem Gemälde nach London, um es dort für einen guten Preis zu verkaufen. Da er aber das, was er dafür verlangte, nicht er⸗ halten konnte, so ließ er es auf einer Auktion von Kunstwerken versteigern, mit dem Vorsatze, es wieder an sich zu nehmen, wenn man nicht genug dafür bieten sollte.— Lord Clarendon war unterdeß nach England zu⸗ rück gekommen; zufällig war er bei dieser Versteigerung zugegen, und als Vanderveld's schönes Gemälde ausgeboten wurde, erkannte er sofort sein Landhaus. Es geschahen mehrere Gebote. Jemand rief:„Fünf⸗ undzwanzig Guineen!“ mehr wie der Maler verlangt hatte, und— Alles verstummte. Der Lord war aber fest entschlossen, das Bild zu erstehen, und um allem ferneren Ueberbieten vorzubeugen, rief er:„Ich gebe das Original für diese Copie!“— Bei dem Worte Copie erstaunte Jeder⸗ mann; denn allgemein hielt man es für ein Original-Gemälde, wofür es auch der Künstler ausgegeben hatte. Vanderbeld trat zornig hervor und fragte den Lord, ob er ein Kenner sei, um so sprechen zu dürfen. —„Ich bin“— versetzte Clarendon—„so sehr Kenner, daß ich es wie⸗ derhole: ich gebe das Original für diese Copie!“—„Sie irren sich My⸗ lord“— antwortete der Maler, der vor Unwillen außer sich war.— „Ich weiß wohl,“— fuhr jener fort,—„daß dieses Gemälde von Vanderveld ist, und biete ihm zum drittenmal das Original für die Copie.“— Nun verstand der Künstler den Lord; er ging den Vergleich ein, und nahm das Gemälde wieder an sich. Beide setzten hierauf den Tauschvertrag vor einem Notar auf, und das Landhaus, das Vanderveld auf eine so unerwartete und wohlfeile Art erhalten hatte, wurde von nun an der Lieblingsaufenthalt des Malers. NI. Die Erfindung der Hängebrücken durch die Chinesen. Den merk— würdigsten Beweis der mechanischen Kenntnisse und Geschicklichkeit der Chinesen vor mehr als 1800 Jahren liefern ihre hängenden Brücken, deren Erfindung man der Dynastie der Han zuschreibt. Nach dem über⸗ einstimmenden Zeugniß aller ihrer historischen und geographischen Schrift— steller, war es Schang⸗Lieng, der Oberbefehlshaber der Armee unter Käu⸗Tsu, der die Wegebauten durch die im Westen der Hauptstadt ge⸗ legene Provinz Schen⸗se unternahm, deren hohe Berge und tiefe Schluchten die Verbindungen erschwerten und die man von der Hauptstadt aus nur auf Umwegen erreichen konnte. Mit einer Masse von 10000 Arbeitern durchstach Schang⸗Lieng die Berge, füllte die Thäler mit der Erde aus, die ihm jene Ausgrabungen verschafften, und wo dieses nicht hinreichte, um die zu einem Wege erforderliche Höhe zu erlangen, baute er Brücken, die auf Pfeilern oder Vorsprüngen ruhten. Bei andern Stellen, wo die Berge durch tiefe Schluchten getrennt waren, faßte er den kühnen Plan, hängende Brücken zu errichten, die sich von einem Abhange zum andern erstreckten. Diese Brücken, welche die chinesischen Schriftsteller sehr passend „fliegende“ nennen, sind mitunter so hoch, daß man sie nicht ohne Bangen passiren kann. So erstreckt sich heute in Schen⸗se eine solche Brücke in einer Länge von über 400 Fuß über einen ungeheuern Abgrund von Berg zu Berg. Die meisten der Brücken sind so breit, daß zwei Mann zu Pferde neben einander hinreiten können, und an beiden Seiten befinden sich Geländer zum Schutze der Reisenden. Es ist keineswegs unwahr— scheinlich, daß die Missionäre, welche vor zwei Jahrhunderten über die hängenden Brücken berichteten, zuerst die Anregung zur Konstruktion der jetzt in der ganzen Welt bekannten modernen Hängebrücken gegeben haben. M. LI. Friedrich der Sanftmüthige kam, als er mit seinem Bruder, dem Herzoge Wilhelm, zerfallen war, nach Freiberg und befahl, daß der Rath ihm allein huldigen solle. Der ganze Rath erschien vor ihm; jeder Raths⸗ herr trug sein Sterbekleid unter dem Arme. Der Bürgermeister ergriff das Wort und sagte unter anderm:„Sie wollten lieber alle sterben als ihre Seelen durch einen Meineid in Gefahr setzen, und er für seine Person wolle der erste sein, der sich seinen alten, grauen Kopf wolle abhauen lassen.“ Da klopfte ihm der sanftmüthige Fürst auf die Achsel und sprach: „Nicht Kopf ab, Alter, nicht Kopf ab; wir bedürfen solcher ehrlichen Leute, die ihren Eid und ihre Pflicht so genau beobachten, noch länger.“ M. Jamaika. Eine merkwürdige geschichtliche Thatsache knüpft sich an die erste Wegnahme der Insel Jamaika durch Penn und Venables, zwei von Cromwell's tapfersten und unternehmendsten Admiralen. Sie hatten einen heftigen Angriff gegen Hispaniola unternommen, aber ohne Erfolg, und um dieses Mißgeschick wieder gut zu machen, griffen sie Jamaika an und nahmen die Insel wirklich ein. Cromwell aber und die ganze eng⸗ lische Nation hielten diese Eroberung für so unwichtig, daß Penn und Venables bei ihrer Ankunft in London als Gefangene in den Tower geschickt wurden, weil sie Leben und Kriegsbedürfnisse an eine so un⸗ bedeutende Eroberung verschwendet hatten. M. J ˙· mA 1 ĩ m 8 304 Zzuchstaben⸗Näthsel. Die nachfolgenden Buchstaben: sollen nach dem Muster obiger Figur so zusammengestellt werden, daß die Diagonalen den Namen eines Ballets ergeben. Die Worte bezeichnen: 1. Einen Buchstaben. 2. Einen Fluß in Oberbaiern. 3. Einen männlichen Vornamen. 4. Einen itallienischen Schriftsteller. 5. Eine Republik. 6. Eine Verhaltu Aer 7. Das Ballet selbst. 8. Ein auf Fün page beruhendes Verhältniß zwischen zwei oder mehreren Personen. Meereserscheinungen. 10. Ein Königreich. 11. Einen Baum. 12.„in Empfindungswort. 13. Einen Buchstaben. Kapsel-⸗Nätßhsel. Versuch's, das Ende von dem einen Den Anfang von dem nächsten Wort Geschickt zu neuem Wort zu einen, Und was du suchst, hast du sofort. 1. Einen Fluß in der italienischen Landschaft Toskana. biblischen Vornamen. 3. Ein Organ des Körpers. Wer Alles auf's Spiel gesetzt, Hat sicher zu viel 20 Räth fel. Wir sind Geschwister, uns'rer drei, Und sind bei jedem Schmause In jedem anständigen Hause, Und niemals fehlen wir dabei, Im vollen Ernst, und nicht zum Spaß, Setzt man vor uns stets: der— die— das. Der— geht bei jedem guten Schmaus Den andern Beiden stets voraus. Das— fängt darauf an einzuhauen, Und eine Lust ist's anzuschauen. Die— aber ladet dann rüstig auf, Und bringt dahin im schnellen Lauf Was— das— mit seiner Schärfe Kraft Für— die— so tapfer angeschafft. Wir drei aber essen und trinken nicht, Weil's uns an Hunger und Durst gebricht, Doch sind wir herrliche Instrumente Von Jedermann gar 925 e 2. Einen Auflösung des Silben Rähsels in voriger Nummer: 1. near 1) e2—e4 7 e5 15) JhI fl 2 Sbi—es SbSs-c 16) Lel- dz) Lg7 6 3) 3 e5—f4: 17) 0-0-0 0—0—0 4 4 97 ß 18) 41-13 Dd7-e7 3 0 7-d 19) df h- h6 6) da 5 Seb-e5 20) Ldꝰ2—el Kes- bs) 7) LfI—bßg. Les—d7!) 21) Lel—g3 Ths—h7 8) Lb5-d 7 Se5-d7: 22) Sc3— 4d! 12716 9) bah 11— 4 23) Sd1—es 3 100 8f3—d4 24) Se3—g4 ds es 11) 82 13 413. 25) 713—15 Der- ba 12) Sd Sd7 eb? 26) Lg3—e5 Dba—es:“ 13) Sf3-e5 dé eb: 27) 115-48) Dea dot“ 14) Ddl-h5 I18—g7) 28) Leb- eff aufgegeben. 1 ,, . 1 . * 1855 25 2 *. 1 2 2. e 72 N n W 5 2 ,* N 2. 2 12 eee, r Problem Nr. 528 von 2 dene und C. Kockelkorn. f 1 . 8 DD gespielt am 11. August dieses Jahres im Meisterturnier zu Nürnberg. Weiß: L. Paulsen.— Schwarz: M. Harmonist. weiß Weiß zieht an und setzt mit dem dritten 305 Matt. Vartie Nr. 296, Dds-d7 5 Mit dem Bauer ne ist Sach n wegen 8) dcs bes d) Seb: obo 10) Dds Les 11) Dböcf ꝛc. oder 8 2) Wird der Bauer durch Ide gde. 5 524 weiß die gute e 140 T Da [fals Stö so 15) PI5 Le7l 16) Des] 15) Tb Def 16) 1.85 nebst 00 und 1 Id—f1 resp. 14.. Der 15) Lg5 Dss 16) Sb5 Pg7 17) 0-0-0 11 18) Sdô f cc 19) Les ꝛc. Def kommt Weiß in Vortheil durch 16) d5-d cds 17 Sds Dar 18 T1“ 3) Bei Ks[zieht der. so entscheidet 19). 19) Tg7I Kg7. 20) Lh6 r! 7 21) Dgöt 19) Dg5 Sd, 20) Dg7: 0-0-O 21) s Kss 22) Dhéf und 23) Stör resp. 180. Tgs 22) DgS. J1gS: 23) Tgsf Kc 24) 125 ꝛc. 4) Stärker scheint 75 mit der Drohung den 3 es zu schlagen, z. B. 15) Tüß Def 16) de cds 17) Sd5 Ddr 18) Lg51 Tes 19, 0-00 56 und 20) Lei Bei(wenn Des so Lade: 2. 20) T7 Kds 22) Se7 De7: 23) N Ke: 20 D366 Lis 25) TI TS f 1 1 nebst Dez! ꝛc. oder auch 20) Les Th7 21) Tal 1 Ihs oder 8 22) La Pad ) Scg ꝛc. 5 Um den Thurm nach 17 spielen zu lönnen. 6) Eine Verrechnung! Schwarz war noch nicht mit Bauerverlust bedroht; 25 Tg4:] 27) Lie. Sst: 28) Ts. Dea und Weiß muß die drohende Me* 305 Delf ꝛc] decken; dennoch ist ein guter Zug für 3 nicht leicht ersichtli 7 Jetzt wäre 14 2* wegen 27) Dg4. Les: 287 Ted! ꝛc. 8) Weiß läßt sich hier den Gewinn eines 8 entgehen, der Läufer konnte ohne Ge⸗ fahr genommen werden: 27) Sd. Scß. 28) 1.8. 182 20) Dall Desf 30, KbI T da 81) Dell c. oder 28).. Def 29) Kbli Delt 30 Dl 9) Der richtige Zug war Des! der Vortheil blieb allerdings auch dann a Weiß; denn 28 Sz: Dh5 nicht Des wegen Kadi! 20 Sho Tes: 300 IT, 11 08 310 80 falsch wäre 28) Lit. wegen 55 29, Stö. Des 30) Kb Dft.] oder 30) Kel 182 2. Eiderente. 3. Raab. 1 Wage. 5. Insterburg. 6. Laocoon. * 1 8. N N 0. Noah. Dunajec.— 3—— II izza. 1 m Cantate Hellgelb. 106. Talma. 12 3 45 8 9 10 gew. 17. Danzig. 18. Dre. 80 Wille und uicht die Gabe macht den Geber;. 4 1 I. 2 — der dreisilbigen Charade: Offenbach;— des Logogriph: Froh, roh; 1. So 7 7½ 1 105 1 1 11 106% — der Koͤnigspromenade: i 175 25 15 1 74 Ne und 1 Ueberall Sonnenschein,— 2 K. Cart.. 1. 2 9 Wandert das junge Blut Quellen und Blümelein, e 0 0 ½ 100 ¼⁰ 0 ½¼ 2˙¼ Ueber den Rhein und Belt Lauben- und Baumes Dach, g n—— 2 92 Auf und ab durch die Welt. Vogelsang, Rieselbach. 4. M. Kürschner——*Æ—l 1 75—1 10 1⁰¼¼ꝰ 1e 1 Husch, 11 leichtem Sinn Ueberall Meer und Land, 5. K. Meiser 3 00000 oe eber die Flache hin! Frische Luft, Freundes Hand; j f 5 170 Dir 31 Schaffe sich Unverstand Ebrlich, und leichtes Blut, 5 E. Pfaff— 8 8 25 1 4——¹—— 122 Sorgen um goldnen Tand! Mägdlein, ich bin dir gut. 7. Dr. Seger 51 ½/ IIe — 8————— Leben, bist doch so schön, 8 Sobernheim 2 0 ½% 1 io Morgens auf golbnen Höhn 5 n i Schattenspiel an der Wand! 9. A. Steif 3 8 2 1 424. L 1** 9 Schaut doch den bunten Tand! 10. E. Varain III 7 146% Githerbubens Morgenlied. Von Schmidt von Lübeck) 1 1 —— Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowfir. 105. 5 4 a* 1