— N f * 1 „ N , 2 zu den Oberhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dleser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. 1 15. Appil. Gießen, de Ein dunkler Schatten. Novelle von M. Elton. (Fortsetzung.) Der Zug nach Wien ging ab und Graf Josika trug liebevoll Sorge für das ganz erschöpfte Mädchen. Während sie im festen Schlafe ihm gegenüber ruhte, forschten seine Augen mit tief traurigem Ausdruck in den Zügen, die ihm die kurze Zeit ver— gegenwärtigten, während der er eigentlich nur gelebt. Als Jella, wohl ausgeruht, mit frohem, leuchtenden Blick ihrem Onkel in's Gesicht sah, fand sie ihn erschreckend bleich und leidend aussehend. wollen lieber die Reise unterbrechen.“ „Du bist krank,“ rief sie beängstigt,„wir „Nicht doch, mein Kind,“ antwortete er mit seinem sanften, melancholischen Lächeln.„Ich fühle mich schon seit längerer Zeit nicht wohl und meine Reise geht eben nach Italien, wo ich den Winter zubringen werde.“ Sie sah ihn an, innige Theilnahme, Mitleid, ja Kummer sprachen sich in den weichen Kinderzügen aus. „O, nicht das süße, liebe Angesicht so dem alten Manne zugewandt, Jella Androchich! Das wird zur aufreibenden Qual für die hinsterbende Lebenskraft. Wir sind in einigen Stunden in Wien, bis dahin werde ich Dir das Geleite geben; Deine Reise wird von da ohne Unterbrechung fortgesetzt werden können.“ Sie schwiegen Beide, er litt offenbar und sie konnte nichts für ihn sein, nichts. b Als er sie in Wien sicher in einem Coupe der Eisenbahn untergebracht hatte, reichte Graf Josika ihr noch einmal die schmale, krankhaft weiße Hand.„Lebe wohl, geliebtes Kind, wirst Du des alten Freundes gedenken?“ Da drängte eine alte Dame in's Coupé hinein, ein Diener füllte den Raum mit Reisegepäck; es wurde Jella jede Aussicht benommen, der Schaffner erschien in der Thür, der Zug setzte sich in Bewegung und aus den Augen war ihr der Mann mit dem herzgewinnen— den Gesichtsausdruck, der ihr einziger Trost und Anhaltspunkt gewesen. Sie kam sich plötzlich allein und verlassen vor und es überfiel sie Angst und Bangigkeit vor dem Empfang, der dem ungebetenen Gaste von dem Vater und seiner zweiten Frau bereitet werden würde. Es kam ein maßloses Staunen über sie, sie wußte sich nicht zu erklären, wie es gekommen war, daß der Fremde ihr beim ersten Anblick Vertrauen und Zuneigung eingeflößt. Die korpulente Dame ihr gegenüber machte un⸗ behilflich und schwer seufzend ihre Toilette für die Nacht, wickelte sich fest in die Reisedecke und schlief ein. Jella fiel ebenfalls in Schlaf und das wohlthuende Gefühl begleitete sie in den Traum, daß ein väterlicher Freund, der ihrem Herzen nahe stand, über sie wache und sie beschütze. Der ganze folgende Tag ver⸗ ging. Jella blieb mit der alten Dame allein, die freundlich i und gutmüthig gegen sie war. Gegen Abend öffnete der Schaffner einem jungen Herrn das Coupe. Stationen,“ entschuldigte er,„und der Herr raucht nicht.“ Die alte Dame nickte gutheißend dem jungen eleganten Herrn zu, und es währte nicht lange, da war sie mitten in einer Unter— haltung mit ihm, in die sie Jella ebenfalls zu ziehen suchte. Der Herr empfahl ihr ein gutes Gasthaus in der Stadt, in die er sich ebenfalls begab; Jella schwieg, denn L. war ja auch ihr Reiseziel. Er mochte sie für Mutter und Tochter halten, so wenig sie sich anch glichen, besonders war das auffallend schöne Mädchen der Mutter ganz unähnlich in der äußersten Zurück⸗ haltung ihm gegenüber. Vielleicht mochte seine offenbar zur Schau getragene Bewunderung sie verletzen, ihre Antworten blieben einsilbig. Nun öffnete der Schaffner das Coupé und rief„Station L.“ hinein. „Die Damen erlauben, daß ich ihnen das Geleite bis zum Gasthof gebe?“ fragte der junge Herr und sprang hinaus. Die alte Dame nickte ihm wohlwollend zu, und Jella, nachdem sie ihrer Reisegefährtin glückliche Reise gewünscht, konnte es nicht vermeiden, dem hilfsbereiten Herrn beim Aussteigen die Hand zu reichen und leicht zu grüßen. Die schwerfällige Frau aber be⸗ wegte sich langsam aus dem Coupe und stützte fest ihre Rechte auf des jungen Herrn Schulter. Es ging dies nicht allzu schnell von Statten, und als sie endlich sicher auf den Füßen stand und sich der hilfreiche junge Mann nach Jella umsah, da war diese verschwunden.„Wo ist Ihr Fräulein Tochter?“ fragte er und schaute über die Menge. f „Das Fräulein ist nicht meine Tochter,“ erklärte die Dame lachend;„wir reisten von Wien aus zusammen, und weil sie in der Nacht, als sie mich eingeschlafen glaubte, so herzbrechend weinte und sonst ein gutes, braves Wesen zu sein scheint, so hätte es mir Vergnügen gemacht, Näheres über sie zu erfahren; es ist mir dies aber nicht gelungen.“ „Ah, da ist der Hausbursche aus dem Adler,“ rief der junge Herr.„Louis, nehmen Sie das Gepäck dieser Dame und sorgen Sie für ein gutes Zimmer,— ich habe die Ehre, Ihnen einen guten Abend zu wünschen, gnädige Frau,“ und damit war er im Gedränge verschwunden. Die alte Frau lachte gutmüthig vor sich hin und sagte: „Kommen Sie, Louis.“ III. In einem allerliebsten Boudoir, das der Morgensonne kaum einen Einblick durch die dichten persischen Gardinen gestattete, befand sich in halbliegender Stellung in eleganter Morgentoilette „Es sind nur noch ein paar 0 S = ——(—i J 122 eine junge Frau. Die Spitze des Füßchens bewegte sich unge⸗ duldig aus dem langen, crémefarbenen Kleide, das mit hoch⸗ rothen Schleifen vorn herunter garnirt war, und unter dem gekräuselten Haar, auf dem das elegante Häubchen in créme und hochroth gar vortheilhaft saß, zog sich die Stirne in finstere Falten und beeinträchtigte sehr den Reiz des pikanten Gesichtes. Die Seiten der Broschüre wurden ungeduldig umgeschlagen, das elfenbeinerne Falzbein hämmerte erregt auf dem Bouleschranke zu ihrer Seite, und das Gesicht wurde nicht freundlicher, als eine alte Dame durch die Portiere schaute und freundlich rief: „Wohl geschlafen, meine liebe Edith?“ „Du bist's, Mama?“ fragte Frau Präsident Wellner in keinem sehr ermuthigenden Tone.„Ich habe sehr schlecht ge— schlafen und versuchte eben das Versäumte nachzuholen.“ „Gut, gut, dann werde ich nicht länger stören; erlaube mir nur, daß ich die Gardine schließe, die Sonne scheint so grell herein,“ und die alte Baronin von Bessow durchflog im langen Morgenkleide von zweifelhafter Frische das Boudoir. „Ich bitte Dich, Mama, laß doch die Gardine, wie sie ist, es wird ja dunkel hier, wie in einer Gruft!“ rief die Präsi⸗ dentin unmuthig. „So, dann lassen wir den Vorhang; ich gehe schon, mein Engel. Hat sich das Kroatenmädchen heute noch nicht gezeigt? Du kannst es mir glauben, daß ich die ganze Nacht kein Auge geschlossen habe; aber auch solch ein plötzlicher Ueberfall! Ich konnte Dich gestern Abend nicht mehr sprechen, Du hattest Dich so eilig zurückgezogen, als die Gäste gegangen waren; aber die ganze Nacht habe ich gedacht:„Wie wird es meiner armen Edith zu Muthe sein?“ Als ich den Präsidenten so verstört wieder am Tische erscheinen sah und hinausgegangen war, nach der Ursache zu schauen, da stand das Mädchen so sicher, ja drohend im Vorzimmer, daß ich sie nicht eben sehr freundlich fragte:„Was wollen Sie hier?“ Du hättest die Augen sehen sollen, Edithchen, als sie mir antwortete:„Ich bin hier zu Hause, Madame.“ Die Stirne der schönen Frau auf dem Divan verfinsterte sich sichtbar.„Allerdings eine sonderbare Frage der Tochter gegen— über, die in's elterliche Haus zurückkehrt,“ sagte sie, und ihr seines Gesicht röthete sich zusehends. „Der Präsident hätte Dir reinen Wein einschenken müssen,“ fuhr die alte Dame eifrig fort.„Ja wohl, da war wohl eine Tochter, weit, weit fort im fernen Kroatien. Großvater und Tante stritten sich um das Mädchen und ließen es nicht fort; sie wollten es behalten und eines Tages verheirathen,— da sind wir nun schön hineingefallen, arme Edith, Du hast eine erwachsene Stieftochter zur Seite, die nicht übel Lust zu haben scheint, hier Posto zu fassen“ Die junge Frau richtete sich lebhaft auf.„Wenn wir Freunde bleiben wollen, Mama, so muß ich mir hier jede Einmischung verbitten,“ rief sie und verbarg schnell ihre Gereiztheit.„Die Tochter meines Mannes soll geachtet und geehrt sein. Der Prä— sident wollte es, daß ich anwesend war, als sie gestern Abend, nachdem sie stundenlang auf uns gewartet, ihrem Vater den Grund der unerwarteten Rückkehr erklärte. Seine Tochter hat mir gefallen in ihrer einfachen Offenheit, und ich will mit ihr auf gutem Fuße stehen, um jeden Preis.“ „Nun, nun, wie Du willst, Edithchen, Du bist eine sehr vernünftige Frau, das sehe ich,“ sagte die Baronin von Bessow und packte die Schleppe ihres Morgenkleides auf, die immer neue Lust zeigte, sich an der abgerissenen Garnierung irgendwo festzuhaken.„Mich geht es ja auch nichts an, zudem finde ich Fräulein Jella Wellner recht distinguirt in ihrer eigenartigen Schönheit. „Sie ist auffallend schön, und ich werde mich bemühen, mir in ihr eine Freundin zu gewinnen,“ sagte die junge Frau mit Nachdruck. 0 Frau von Bessow wußte im Augenblicke nicht, trotz ihrem Talent des leichten Anpassens, wie sie das Gespräch zu ihrer Tochter Zufriedenheit wenden sollte. Sie zog vor, sie der Ruhe zu überlassen und in ihrem Zimmer den Kopf zu schütteln über die neuen unangenehmen Pflichten ihrer Tochter, die Edith selbst als„unmöglich“ bezeichnet, als sie geglaubt, dem Loos der Stiefmutter für immer entgangen zu sein. Als die Baronin gegangen war, drückte Frau Wellner das Taschentuch vor die Augen und weinte. Herr Assessor von Rolfs,“ meldete der Bediente und die junge Frau hatte kaum Zeit, die Spuren der Thränen zu verwischen und zu thun, als sei sie eifrig mit Lesen beschäftigt, als der Assessor eintrat. Sie streckte ihm die Hand vom Divan entgegen:„Sie haben uns lange Ihre Rückkehr erwarten lassen, Baron,“ sagte sie und bedeutete ihm, sich zu setzen. „Freilich, was nützte mir die Verlängerung des Urlaubs, um den meine Mutter so dringend gebeten?“ antwortete den junge Mann. a „Je mehr man Jurist ist, desto mehr sieht man ein, daß meinem Bruder nicht zu helfen ist Er soll das Gut nach dem Wunsche des verstorbenen Vaters übernehmen; die Schulden aber, die darauf lasten, sind so bedeutend, daß es mir nicht klar ist, wie er sich behaupten will.“ 5 „Nichts einfacher, als das,“ fiel die junge Frau ein,„eine reiche Heirath.“ b „Er ist mit einer jungen Dame verlobt, die reich an Ahnen ist, im Uebrigen aber keinen Pfennig hat,“ antwortete er ver⸗ drießlich. „Schweifen wir denn von diesem Thema ab, Baron; das Leben setzt sich ja aus unlösbaren Problemen zusammen und das verdirbt uns die Laune. Der Zufall löst sie alle, oder auch nicht; wir aber sind nur die Automaten in der Komödie,“ sagte sie mit umdüsterter Stimme. 5 „Was fehlt Ihnen, gnädige Frau?“ fragte Rolfs und sah sie forschend an.. „Die Tochter des Präsidenten gekommen,“ antwortete sie kurz. „Das ist Ihnen unangenehm?“ fragte er verständnißvoll. „Unangenehm, unangenehm,“ fiel sie ein und hob ungeduldig die Schultern,„was drückt denn noch dies verbrauchte Wort aus? Ich habe den Boden unter den Füßen verloren, Baron; ich werde keiner der Nummern aus dem Programm der Stief mutter gerecht werden können. Sie wissen, wie sehr ich den Zwang hasse, ich kann der Tochter des Präsidenten gegenüber nicht die Rolle spielen, die Hans Sachs im Paradiese dem Gott Vater Adam und Eva gegenüber zugetheilt hat.“„ Der Assessor lachte laut auf.* „Sie denken an meine dreißig Jahre, Baron,“ sagte sie kurz; „nun ja, sie könnten mich schon berechtigen, meiner Stieftochter als Tugendspiegel vorzuschweben,“ meinte sie ernsthaft,„aber mir fehlen alle Anlagen, gleichmäßig, lehrreich und erbauend auf meine Umgebung einzuwirken. Ach, Baron, wie schlecht hat mich meine Mutter erzogen; ich finde nur im zwanglosen Sichgehenlassen das Leben erträglich!“ „Als ob dies nicht das Beste und Schönste und zugleich auch das Vernünftigste wäre!“ rief er fröhlich und betrachtete die junge Frau mit einem bewundernden Blick. „Des Präsidenten Tochter aber scheint mir ein ernstes, ruhiges Mädchen zu sein, ihre stillen, großen Augen haben etwas von der kontemplativen Ruhe der Orientalen. Imponiren muß ich ihr doch, das muß die Frau ihres Vaters überhaupt; sehen Sie, Baron, hier liegt das unlösbare Problem,“ sagte sie mit nach⸗ denkender Miene. „Nun spielen Sie Komödie mir gegenüber, meine Gnädige!“ rief er lachend.„Sie wissen recht gut, wie Sie es anzustellen haben, um zu imponiren, das weiß Ihre Umgebung und die Gesellschaft. Ist Fräulein Wellner ein schöͤnes Mädchen?“ „Ja, Herr Assessor, sie ist schön,“ entgegnete sie spottend. „Die Frage brannte Ihnen auf den Lippen; Gott sei Dank, daß Sie sie endlich anbringen konnten! Auch der Vernünstigste von Euch Männern bringt sie eiligst, wie ein angelernter Papagei, hervor.„Ist sie schön?“ Das ist Alles, was Euch bei einer Frau interessirt und von der höchsten Bedeutung erscheint; sie hat auf der Welt nichts zu sein, wie nur schön.“ Sie zog heftig an der Schelle und sagte dem eintretenden Bedienten:„Ich lasse das gnädige Fräulein freundlich bitten, mir einen kleinen Be⸗ such abzustatten.“ 8 „Was thun Sie, Frau Präsident?“ fragte Rolfs erschrocken, „wird Fräulein Wellner nicht von vorn herein ein Vorurtheil 70 gegen mich hegen, wenn sie erfährt— und Sie werden es ihr 1 ——— ist ganz plötzlich zurück 123. jogleich mittheilen—, daß meine oberflächliche Frage, ob sie schön sei, sie hierher zu einer Art Exposition zwingt.“ Das Erscheinen Jella's überhob sie einer Antwort. Die junge Frau sah offen in Rolfs' Gesicht und sah erstaunt ein plötzliches tiefes Erröthen bis in das krause dunkelblonde Haar hinein. Das junge Mädchen trat mit einer Schüchternheit, die lebhaft an eine Pensionärin erinnerte, zu der jungen Frau und legte die schmale Rechte scheu in die ausgestreckten Hände ihrer Stiefmutter.„Herr Assessor von Rolfs, ein Freund unsers Hauses,“ erklärte sie oberflächlich. Jella erhob die Augen und erröthete nun auch ihrerseits ein wenig.„Wir sind gestern Abend eine Strecke weit zusammen gereist,“ sagte sie einfach. Auf den fragenden Blick der Präsidentin erwiderte Rolfs fest: „Ich habe auch nicht eine Ahnung davon gehabt, wer das gnä— dige Fräulein sein konnte, sonst hätte ich mich ihr wenigstens vorstellen und sie nach Hause begleiten können.“ „Ich wußte den Weg und die alte Dame war gewiß dank— bar für Ihre Liebenswürdigkeit,“ sagte sie sehr ernst. Aber um die rosigen Mundwinkel spielte es wie Spott; so meinte er, und seufzend dachte er daran, wie er nun mit den Beiden fertig werden würde, da ja die Eine, das„enfant terrible“, ihn schon in beständigem Athem erhielt. „Wie befindest Du Dich denn, Jella, nach der ermüdenden Reise?“ fragte die Präsidentin und hielt noch immer des Mäd— chens Rechte in ihren Händen.„Ich brauche Dir nicht zu sagen: mache es Dir hier so bequem, wie Du kannst, das versteht sich ja von selbst. Das Verhältniß von Mutter und Tochter wird vielleicht schwer zwischen uns herzustellen sein; Freundinnen aber, recht innige Freundinnen können wir werden, Jella; ver— sprechen wir uns gegenseitig das Unsere hierzu zu thun, willst Du?“ Jella sah mit großen erstaunten Augen die Frau ihres Vaters an. Das hübsche pikante Gesicht zeigte eigentlich weder sichtbare Bewegung, noch sonst ein ausgesprochenes Gefühl. „Ich will es versuchen,“ antwortete sie verlegen. „Du hast mir viel zu erzählen, setze Dich zu mir und sprich mir von Deinen Verwandten und von Wien, wenn Du es kennen gelernt hast. O, das goldene Wien! Da habe ich vor zwölf Jahren einen kurzen seligen Jugendtraum geträumt, und dann war es vorbei für immer!“ Sie sah einen Augenblick lang sinnend vor sich hin.„So träumt man nur einmal, Jella, und nicht wieder,“ sagte sie schnell.„Doch ich erzähle dem Blinden von glühender Farbenpracht,— Kind, Du ver⸗ stehst mich nicht, das drücken Deine ruhigen fragenden Augen klar genug aus.“ Assessor von Rolfs war in peinlicher Verlegenheit, das un— gläubige feingeschnittene Gesichtchen der Stieftochter sagte genug— sam, daß sie nicht erwartet habe, die Stiefmutter so zu finden. Jella hätte ihr im Salon begegnen müssen, wo die Frau Prä— sidentin ihre glänzenden Eigenschaften ganz entfaltete. Da war sie die Dame der großen Welt; fein diplomatisch, verbindlich, Meisterin in der Salonkonversation, dabei die graziöseste, elegan— teste Erscheinung; in ihrem Boudoir aber, bei einigen Bevor⸗ zugten war sie das leichtlebige Wiener Kind, das sich für allen Zwang schadlos hielt. Rolfs sah, daß die junge Frau nicht beabsichtigte, sich so⸗ bald von ihrer Stieftochter zu trennen, und verabschiedete sich. „Werden Sie um sechs Uhr zu unserer musikalischen Probe kommen?“ rief sie ihm zu. Er verneigte sich bejahend und ging. „Welchen Platz wirst Du ausfüllen, Jella?“ fragte sie leb⸗ haft.„Geigst Du, spielst Du Klavier oder singst Du?“ s Sie schüttelte lächelnd den Kopf.„Doch ja,“ sagte sie, „wer entginge denn heut zu Tage dem Schicksal, Klavier zu spielen?“ 5 „Gut, gut, wir werden Dich gerade brauchen können, Rolfs singt lieber, ebenso ich. Sage, warst Du recht wüthend, als Dir Dein Vater von seiner zweiten Heirath schrieb?“ fragte sie und sah Jella neckisch in die Augen.„Warum erröthest Du denn? sage es doch frei heraus, ich nehme es Dir wahrhaftig nicht übel.“ 8 f Siu setzte sich die Unterhaltung fort, bis der Bediente kam, das Mittagessen anzukündigen. 5 Jella erkannte ihr stilles Elternhaus nicht wieder. Ihr Vater schien um zwanzig Jahre jünger geworden, selbst sein ziemlich gebleichtes Haar spielte wieder in einem dunklern Braun, er war ein galanter Ehemann, der sich noch recht gut neben seiner Frau ausnahm. Nur Jella vermißte Alles in ihm, die Umwandlung betrübte sie tief, der Ton, den er ihr gegenüber angenommen, sein Bestreben, ihr gegenüber den galanten Vater zu spielen, verletzte sie. Der Ausdruck, den die Kammerfrau der Gräfin Josika über ihn gebraucht,„der glatte Mann“, kam ihr wieder und wieder, und sie fragte sich mit Schmerz, wie es nur möglich gewesen, daß sie in ihrer Be— geisterung, den Vater ganz und ungetheilt zu besitzen, ein ganz an⸗ deres Bild von ihm mit sich in die Wildniß genommen hatte. Er war doch wohl noch derselbe, nur mit dem Bestreben jetzt, sich seiner jungen Frau anzupassen. Und wie sie mit ihm umging! Sie war liebenswürdig, ja zärtlich gegen ihn, dann wieder lau— nisch und abstoßend; aber nie verlor„der glatte Mann“ das Gleichgewicht, er war immer der gefällige, liebenswürdige Gatte. Auch die Schwiegermutter, die seit seiner Verheirathung sich in seinem Hause niedergelassen, wurde mit derselben galanten Rück— sicht behandelt. Die Frau Präsidentin war unumschränkte Herrin, nur eins mußte sie klug vermeiden: sie durfte nie und nimmer merken lassen, daß sie ihn für einen alten Mann hielt. Diese Klippe, an der ihr eheliches Glück unwiederbringlich gescheitert wäre, wußte sie selbst in ihrer tollsten Laune zu vermeiden. Wie glänzend und vornehm ging es nun im ehemals so stillen elterlichen Hause zu! Gesellschaften, Spaziergänge und musikalische Abende füllten die Zeit aus, und wenn auch der Präsident nur Abends frei war, so war doch keine Spur von Ermüdung an ihm zu bemerken, wenn er seiner Frau galant den Arm bot, sie in eine Soirée zu führen. Jella konnte sich kaum in den raschen Wechsel von der äußersten Einsamkeit in das unruhigste Leben finden. Es kam ihr Alles so neu, so er⸗ staunlich vor. Als sie in den ersten Tagen in den Salon treten wollte, blieb sie verblüfft an der Thür stehen: Assessor Rolfs saß am Klavier und begleitete den Gesang, griff auch thätig dabei ein, und um ihn standen und sangen wie Besessene die Baronin von Bessow und der Präsident mit seiner Frau. Der Präsident hielt mit beiden Händen das Notenheft hoch empor, als wolle er mit ihm entschweben, und Frau von Bessow's Mienenspiel war von beängstigender Lebhaftigkeit. 5 „Nicht so laut, Mama,“ rief die Präsidentin,„Dein Mezzo⸗ Sopran ist gar zu durchdringend.“ „Italienische Schule erhält die Stimme frisch,“ lächelte diese geschmeichelt dem Präsidenten zu. Unangenehm berührt zog sich Jella zurück,— was war nur aus ihrem Vater geworden. Die unermüdliche Stiefmutter plante eine Soirbe, in welcher Jella der Gesellschaft vorgestellt werden sollte. „Ich habe mit Mama berathen und wir sind bei elfenbein— farbenem Atlas geblieben mit elfenbeinfarbenem Krepp, die Robe mit Tuffen von rothen Nelken garnirt. Deinem jugend⸗ lichen Alter ist diese Toilette nicht ganz angemessen, aber sie ist ganz Deiner eigenartigen Schönheit angepaßt, Jella, was meinst Du dazu?“ Sie meinte garnichts dazu, es war ihr Alles recht, sie war zufrieden, daß die junge Stiefmutter sie den ganzen Tag in Anspruch nahm, die Schreckbilder von Voridori verfolgten sie, sobald sie allein war. Die Baronin von Bessow war sehr lie⸗ benswürdig gegen sie geworden, sie nahm Jella mit sich in ihre Zimmer und machte sie mit dem bunten Chaos bekannt, das Gegenstände aus aller Herren Ländern enthielt, die sie mit ihrer Tochter bereist. Jella wurde mit langen Erzählungen gelang weilt, wo jede getrocknete Pflanze gepflückt worden war, welche Gräfin oder Fürstin ihrer intimen Bekanntschaft dabei gewesen und was sie dazu gesagt. Die alte Dame erinnerte sie an die Gräfin Josika, nur war sie von einer fieberhaften Lebhaftigkeit und besaß unverwüstliche Nerven; sonst gerade so wenig System und Nachdenken in ihrem Dasein, wie jene; derselbe Mangel an Tiefe und etwas Greifbarem, der Jella's Herz der Schwester ihrer Mutter so wenig geneigt machte. Es mochte eine Woche nach Jella's Flucht sein, da ließ der Präsident sie in sein Zimmer entbieten. Es war ein pompöses Arbeitszimmer, dessen ein Minister sich nicht hätte zu schämen 725 — — 0 n 3 3 PFF 3 . 8 N 1 ö. 3 4 a.* e 9 f 124. 2 8 3 brauchen, und das die junge Gattin ihm mit künstlerischem Ge⸗ schmack eingerichtet hatte. „Du wolltest Deine Flucht von Voridori selbst Deinem Groß⸗ voter gegenüber nicht auseinandersetzen,„ sagte er und dehnte sich in dem verschnörkelten Lehnstuhl à la Louis XV.,„so habe ich es gethan, und das ist die Antwort, die mir Gräfin Josika giebt: Oberst Androchich wurde am Morgen nach Deiner Flucht todt gefunden.“ Jella schrak todtenbleich zusammen und sank auf einen Sitz. „Aber was ist Dir, Mädchen?“ fuhr er auf; „ich dachte nicht, daß es bei Dir einer behutsamen Vorbereitung bedürfe, Du thatest immer, als sei die Zuneigung zwischen dem alten Herrn und Dir nicht groß. Ja, wärest Du nur noch einige Zeit geblieben, nun kommen die Erb— schafts- Angelegenheiten, Du hättest Deine eigene Sache vertreten können, Verwicklungen wird es wohl nicht geben,“ sagte er nachdenkend und nahm das Kinn in die hohle Hand,„Du und die Grä— fin seid die einzigen Erben.“ „Mein Bruder!“ kam es über Jella's bleiche Lippen. „Sprich nicht von ihm, ich kann seinen Namen nicht nennen hören,“ rief er und sprang auf. Mama, sie weiß nicht, daß er existirt hat. Dein Großvater muß wohl den Todtenschein aufbewahrt haben, jedenfalls werden wir dieses Beleges be— dürfen.“ „Der Großpapa hat ihn enterbt, sagte mir die Tante.“ „Desto besser,“ rief der Präsident erleichtert; „hiermit sind alle Schwie— rigkeiten gehoben. Ich gratulire Dir, mein schö— nes Töchterchen,“ sagte er lächelnd und reichte Jella die Hand.„Du bist nun eine reiche Erbin und in kurzer Zeit steht Dir die Verfügung über Dein Vermögen ganz frei, bis zu Deiner Großjährigkeit aber mußt Du es noch unter der Verwaltung Deines Vaters lassen. Es wäre freilich für unser Interesse von unberechenbarem Werthe gewesen, wenn Du selbst in Voridori wärest; denke doch an die arme, einsame Tante, mein Kind.“ „Nein, nein!“ schrie Jella auf,„nimmermehr nach Voridori.“ „Wo ist die Weisheit geblieben, die Dich dort die Philo— sophen gelehrt haben?“ fragte er und strich ihr tändelnd über das dichte, schwarze Lockenhaar. „Es giebt unter den Philosophen nicht nur Stoiker, es giebt auch Epikuräer, mein Vater,“ antwortete sie und sah ihn son⸗ derbar mit den tiefdunklen Augen an. Er erröthete unter diesem 1 mahnenden Blick. „Mir Cirkusbilder: In der Hundeschule. „Erwähne ihn nie bei Deiner Cirkusbilder: In der Clownschule. ist es unmöglich, von hier wegzugehen,“ versetzte er nach einer Weile,„ich muß ja so wie so das Ordnen der Erbschaftsgeschichte N einem Anwalt in Agram übertragen.“ „Ich denke, Oberst Androchich's Nachlassenschaft ist nicht groß, was thut's auch? In das Wohnhaus dringt der Regen, die Felder liegen verwahrlost da und die Juden haben lange, ver⸗ ten, nach denen er jeden Hund durchprügelte, der ihm unter die Hände ge⸗ rieth— der arme alte Mann, er ist nicht zu beklagen, daß der Tod ihn so schnell wegraffte,“ sagte Jella, in Nachdenken versunken, und schauderte in der lebhaften Erinne- rung an den Anblick, den 9 ihr die trübe Lampe in 1 der Dämmerung des Win⸗ termorgens gewährt hatte. „Er war todt, als ich— 1 sah,“ sagte sie sich, und 1 dennoch krampfte ihr den Gedanke ihrer schleunigen Flucht vor dem gräßlichen Bild das Herz zusammen, 5 und die ganze Trostlosig⸗ keit, in der der alte Mann 0 gestorben war, ohne die hilfreiche Hand seiner Tochter oder Enkelin, lag wie ein Vorwurf auf ihrer Seele.— Sie hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen, sie barg das Gesicht in den Polstern des Sophas, sie wollte den Tag nicht sehen, er that ihr wehe. Es lag der Fluch der Ver⸗ lassenheit auf Allen, die von Voridori ausgegan⸗ gen waren: sie waren Alle einsam, ungeliebt, und dieser Fluch hatte Jella in's Elternhaus be⸗ gleitet; ihr Vater war ihr ein Fremder und seine junge Frau suchte in ihr g nur Zeitvertreib, Aus⸗ 4 füllung ihrer mußigen 5 Stunden. „Ich habe es Dir ja gesagt, sobald ich dem Madchen in die Augen gesehen,“ sprach Frau von Bessow zu ihrer Tochter, 1 die mißvergnügt und ner⸗ vös im Salon saß,* 4 ist phantastisch im höchsten Grade. Betrauert man denn einen alten Mann so unsinnig!— man viel Aufhebens von diesem Sterbefall zu ma⸗ chen Der Präsident hätte darüber schweigen sollen. Nun 5 bist Du während des ersten Winters Deiner Verheirathung sechs Wochen in Deine Wohnung gebannt, gerade wo Du kaum augefengen hast, Dich hier mit dem kleinen Nest auszusöhnen. Das Einzige, was ein bischen tröstlich ist, ist die Erbschaft, die Euch so lange bleibt, bis die Kleine sich verheirathet; solche phan⸗ tastische Naturen verheirathen sich bekanntlich nicht leicht.“ 73 „O, die endlose Langeweile!“ seufzte Frau Wellner 1 einem verzweifelten Blick.„Ich kann es Dir nie verzei Mutter, daß Du mich in diese Verhältnisse hinein gezwängt Einen Augenblick schien Frau von Bessow rathlos.„ 2.— — 25————ů—j— . 125 Edithchen, mein Kind, ich dächte, kein Steuermann hätte es besser vermocht, das Schiff⸗ lein so sicher in den Hafen zu lenken, wie ich es gethan habe,“ sagte sie etwas unsicher. Dann aber erleichtert Athem schöp— fend, fuhr sie fort:„Ich konnte nicht anders, als den Rest unseres Vermögens ausspielen. Wir reisten, und nach unserer Lebensweise zu urtheilen, mußten wir reich sein. Freilich vergingen die Jahre, ohne daß das gewünschte Resultat einer brillanten Heirath sich einge— stellt hätte; Edithchen, Du spieltest die Rolle des ver— wöhnten Glückskindes recht gut, aber unsern Zweck hast Du nicht recht im Auge be⸗ halten.“ „Desto besser hast Du es gethan, Mama,“ fuhr die Toch⸗ ter auf. „Freilich, die Reise in's Engadin war gewissermaßen unsere Henkersmahlzeit,“ sagte die Baronin sehr ruhig und steckte die Fingerspitzen in die Taschen ihres Morgenrockes und blieb vor der jungen Frau stehen.„Du saßest vor mir wie jetzt:„Willst Du Dich gütigst heute für den Präsi⸗ denten entscheiden?“ fragte ich Dich.— Du antwortetest mir ungeduldig:„Laß mich f * in Frieden mit dem alten Prä- sidenten; Graf Josika ist jung, er liebte mich schon vor zehn Jahren in Wien, er wird und muß seinen Antrag in diesen Tagen machen.“— Darauf ein lautes Gelächter von mei— ner Seite— das) leugne ich nicht—„Graf Josika ist ab⸗ gereist und hat wie ein rechter Abenteurer, der er ist, den Wirth um die Zeche geprellt. So, meine Tochter; bezahlen aber wollen wir unsere Zeche und werden noch einen Ueber⸗ schuß von etwa tausend Tha— lern als ganzes Baarvermögen behalten.“ Da hast Du ge— weint und getobt— ich trat Dir nicht störend in den Weg — und Abends warst Du die Braut unseres Präsidenten. Apropos, hast Du Dich ein— mal bei der Kleinen erkundigt, ob und welche Verwandt⸗ schafts-Verbindung zwischen ihrem Onkel und dem Josika existirt, der so geheimnißvoll im Engadin auftauchte?“ gadin den Präsidenten'gefragt; er hat weder seinen Schwager, noch den jungen Grafen Josika je gesehen; auch hat der Graf keine Kinder, wie Jella sagt,“ „Ich habe damals im En⸗ Cirkusbilder: Unterricht auf dem Globus. entgegnete Frau Wellner in sichtbarer Bewegung.„Du magst von ihm denken, wie Du willst, Mutter, ich spreche mit dem Dichter: Du bist mir doch mein Abend— stern geblieben,— Ich hab' genug geliebt, um schön zu träumen!“ „Träume nur immer, mein Kind, das beeinträchtigt Nie⸗ manden, besonders wenn das Traumbild ein so verschwom— menes ist, wie ja der Herr Graf als Charakter zu sein scheint,“ spottete die Baronin von Bes—⸗ sow und verließ rasch, ohne eine Entgegnung abzuwarten, das Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Schloß Warren. Novelle von Georg Harnisch. I. Auf der weinumrankten Ve⸗ randa eines vornehmen freund— lichen Landhauses saßen an einem warmen Spätsommer⸗ abend zwei Damen. Irma von Maien, die jüngere, war ein Mädchen von eigenthümlicher, auffallen⸗ der Schönheit. Sie besaß ein zart geschnittenes Gesichtchen von bleicher und wachsartig durchsichtiger Hautfarbe. Ihre Augen erschienen sanft und dunkelblau, wenn sie träumend in die Ferne schweiften oder mit zärtlicher Hingebung auf⸗ blickten, doch wenn sie im Zorn funkelten, dann waren sie grau und von stechender Schärfe. Das Seltsamste an ihr aber war das aschblonde Haar, welches in hundert fast farb⸗ losen Wellen und Löckchen das zierliche Haupt umrahmte. Die andere Dame war wesentlich älter, und reichliche Silberfäden durchzogen bereits ihren schlichten Scheitel. Ihre feinen, intelligenten Züge tru⸗ gen neben den Spuren ehe— maliger Schönheit jenen schmerzlichen Ausdruck, welchen frühzeitiger Seelenkummer und anhaltende Lebenssorgen zu hinterlassen pflegen. Die Damen schienen wenig herzliche Sympathie für ein⸗ ander zu empfinden. Ihre Unterhaltung stockte häufig und gewann nur zeitweise an Lebhaftigkeit, sobald das Beide interessirende Thema über Ir⸗ mas demnächstige Verheira⸗ thung berührt wurde. Wie häufig im Leben, so hatten auch hier die äußeren Ver⸗ 1 126 hältnisse diese unähnlichen Naturen zusammen geführt, denn Frau von Haldern war die verwittwete Schwester des Grafen Udo von Warren, eines der reichsten Magnaten des Landes, welcher sich vor wenigen Monaten mit der schönen, aber wenig bemittelten Baronesse von Maien verlobt hatte. Das junge Mädchen wiegte sich nachlässig in einem Schaukel⸗ stuhl und bewegte langsam den entfalteten Fächer, während ihre Augen unter den halb geschlossenen Lidern gelangweilt in den vom Mondschein erhellten Garten hinaussahen. Frau von Haldern hatte die Stickerei, an der sie beim Schein der Lampe gearbeitet, in den Schooß sinken lassen und einen nachdenklichen Blick auf das Antlitz ihrer künftigen Schwägerin gerichtet.— Das Glück ihres Bruders war das Ziel ihres Strebens. Seit dem Tode ihres Gatten hatte sie nicht allein den Haushalt des Grafen auf Schloß Warren geleitet, sondern alle Liebe, deren ihr reiches Herz fähig war, nur zwischen ihm und ihren kleinen Mädchen getheilt. Bei solcher Gesinnung er— füllte sie die Verlobung des Bruders mit banger Furcht, denn sie wußte, daß sie mit dem Tage seiner Verheirathung die Sorge um ihn ausschließlich seiner Gattin überlassen müsse, und sie be⸗ zweifelte, ob seine Wahl eine gute gewesen sei,— ob dieses ober⸗ flächliche Mädchen ihn je verstehen,— ihm stets genügen werde. „Irma,“ unterbrach sie ihre Gedanken,„seid Ihr denn schon einig, wie lange Ihr Eure Hochzeitsreise ausdehnen wollt?— Zu Weihnachten kann ich Euch doch bestimmt in Warren er— warten?“ „Um Himmelswillen, Helene, wo denkst Du hin?“— ant⸗ wortete die Angeredete, indem sie das Gesicht unmuthig der Sprecherin zuwandte,„nein, wir bleiben entschieden den Winter über in Paris und kehren allenfalls zum Frühjahr, wenn es hier wieder einigermaßen erträglich geworden, auf einige Wochen nach Warren zurück;— ich habe schon genug schöne Zeit auf dem Lande vertrauert und mich schaudert's, wenn ich mir ausmale, wie öde und kalt es in Eurem großen Schloß im Winter sein muß.— Uebrigens hat Udo schon halb und halb versprochen, sich betreffs unserer Reise meinen Wünschen unterzuordnen.“ „Du bist eine kleine Zauberin, Irma, denn ich hätte nie ge⸗ glaubt, daß mein Bruder einen ganzen Winter von Hause fern bleiben könne. Du weißt, wie wenig ihn das Leben und Treiben der großen Stadt zu fesseln vermag, und da er Dich von ganzem Herzen liebt, so würde er gern auf jede fremde Gesellschaft ver— zichten.— Nun bin ich überzeugt, liebe Irma, daß auch Du nach einigen Wochen des Umherschweifens in der Fremde die Sehnsucht nach ruhigem, ungestörtem Zusammensein in der eigenen Häuslichkeit empfinden wirst, und will also die Hoffnung, Euch zu Weihnachten wiederzusehen, noch keineswegs aufgeben.“ Irma zuckte die Achseln.—„Da bin ich eben völlig anderer Ansicht,“ erwiderte sie.„Ich sehne mich nach Konzerten, Theater, Bällen oder ähnlichen Abwechslungen und finde, daß das tägliche Einerlei ermüdet und die Liebe abstumpft. Udo kann mir danken, daß ich ihn der Langenweile entreiße, und er wird auf die Triumphe, welche ich in der Gesellschaft zu feiern gedenke, stolz sein dürfen.“ Frau von Haldern schüttelte mißbilligend den Kopf, aber sie antwortete nicht, und das alte Schweigen herrschte wieder zwischen den beiden Damen, bis sich Helene erhob, um ihren Wagen zu bestellen, welcher sie nach Schloß Warren zurückführen sollte. Statt des Dieners erschien der Freiherr, Irmas Vater. „Sie wollen schon fort, meine Gnädigste?— Ah, Sie wissen noch nicht?“— „Nein! Was denn, Herr Baron?— Es ist doch nichts Un— angenehmes vorgefallen?“— „Nun, Sie brauchen nicht zu erschrecken,— es ist Feuer in der Nachbarschaft ausgebrochen,— aber nicht in der Richtung des Schlosses. Es könnte indessen in der Nähe Ihres Vorwerkes Wiesendors sein, und ich bitte Sie, noch so lange zu bleiben, bis wir durch meinen Boten, der bald zurückkehren wird, sicheren Aufschluß über die Brandstelle erhalten haben.“ Der alte Herr hatte die Damen nach der Westseite der Veranda geführt, von wo sie den hellen Lichtschein am Horizont wahr⸗ nehmen konnten. „Die armen Leute!“ sprach Helene mitleidig. „Wenn sie gut versichert sind, läßt sich der Schaden schon ertragen!“ warf Irma ein. Besitz ihm werthvoller dünkte, als sein eigenes Leben. Ernst schüttelte der Freiherr das Haupt. „Mein liebes dessen Größe sich vorher nicht übersehen läßt. Jetzt nach der Ernte sind übrigens die Verluste fast immer erheblicher als die Entschädigungen, welche die Versicherungsgesellschaften zahlen.— Doch hört, soeben fährt ein Wagen vor; es wird Udo sein, welchen aus der Stadt zurückgekehrt ist.“ Kaum hatte er geendigt, als lebhafte, gewichtige Schritte nahten. „Ah, da seid Ihr ja!“ erklang eine tiefe wohllautende Stimme, und eine hohe, vornehme Gestalt trat in den Rahmen der Garten- thür. Es war Graf Warren, welcher auf die entgegenkommende Gruppe zueilte, seine Braut auf die Stirn küßte und die Anderen freundlich begrüßte.„Es brennt in Wiesendorf, und ich muß sofort hinüber, um selbst nach dem Rechten zu sehn, denn nach der Größe des Feuerscheins ist die Ausdehnung des Brandes sehr bedeutend. Nicht wahr, liebe Irma,“ wendete er sich zu dem jungen Mädchen, ihre Hand an seine Lippen ziehend,„Du wirst unter diesen Umständen heute meine eilige Flucht ent⸗ schuldigen?“— Und als er eine Falte des Unwillens auf ihrer Stirn bemerkte, setzte er bittend hinzu:„Sei mir nicht böse, Schatz!— Sieh'— der Gutsherr gehört in Augenblicken der Noth an den Ort der Gefahr und an die Spitze seiner Unter⸗ gebenen. Helene wird Dir statt meiner noch ein halbes Stündchen Gesellschaft leisten.“ Seiner Schwester freundlich die Hand reichend, sprach er: „Dich Helene, bitte ich, sobald Du zu Hause eingetroffen, An⸗ weisung zu geben, daß für die Abgebrannten Obdach vorbereitet werde.“ „Ich werde jedenfalls Deine Rückkehr erwarten,“ entgegnete Frau von Haldern,„bleib' nicht zu lange fort, lieber Udo, und versprich mir, Dich keinerlei Gefahren auszusetzen.“ Irma aber schlang die Arme um den Hals des Scheidenden und bat mit schmeichelnden Tönen:„Laß mich mit Helene ins Schloß fahren, hier hätte ich doch keine Ruhe und würde die ganze Nacht kein Auge schließen. Ich muß mich persönlich überzeugen, daß Dir kein Unheil zugestoßen ist.“ Der Graf beugte seine hohe Gestalt liebevoll zu dem jungen Mädchen hernieder und sah ihr dankbar in die bittenden Augen. „So fahre mit, mein Lieb', wenn Papa es erlaubt, und mache Dir keine unnöthigen Sorgen; in einer Stunde bin ich wieder bei Euch.“ Ein Kuß, ein Händedruck— und schnellen Schrittes verließ er die Veranda. Noch einmal schaute er hinauf, zärtlich überflog sein Blick die holde Gestalt seiner Braut, und das Bewußtsein ihrer Liebe erfüllte seine Brust mit stiller Seligkeit. Ja, er war glücklich, und wenn er sich ausmalte, daß er binnen Kurzem das geliebte Mädchen sein Eigen nennen werde, dann schlug sein Herz höher, und in inniger Zärtlichkeit gelobte er sich, ihre Hingebung mit seinem ganzen Empfinden zu erwidern. Der stolze, verschlossene Mann, der dieser Eigenschaften wegen wenig Liebe im Leben gefunden, war dankbar für jeden freund⸗ lichen Blick, jedes herzliche Wort seiner kleinen Braut, deren II. Der Graf ließ die schaumbedeckten Rappen ausgreifen. Hastig wechselten zur Seite des Weges die dunklen Schatten 1 der Bäume mit dem glühenden Schein des schauerlich erhellten Hintergrundes. Schwere Rauchwolken wälzten sich über den roth beleuchteten Himmel, und hinter den Wipfeln der hoch⸗ stämmigen Ulmen, welche das brennende Dorf noch dem Blick entzogen, schossen sprühende Funkengarben hervor und überstreuten das Land mit Asche und verkohlten Halmen und Aehren. Endlich war die Unglücksstätte erreicht.— Der Graf lenkte. in die Dorfstraße ein und brachte mit kräftiger Faust die auf⸗ geregten Rosse zum Stehen, denn vor seinen Blicken wogte ein prasselndes Flammenmeer, umtobt von dem Aufruhr einer ver⸗ zweifelnden Menschenmenge. Die Scheunen, die Ställe und das massive Wohnhaus des Gutshofes brannten.— Um den Brunnen drängte sich, rathlos Kind, eine Feuersbrunst ist immer ein Unglück, r eee 7 e e J 0 0 ö .. 127 W 7 8 5 nach Wasser rufend, ein Schwarm von Männern. Streitend zerrten andere an den Zugtauen der elenden Dorfspritze;— diese wollten vorwärts, um das Wohnhaus zu retten, jene rückwärts, um die bedrohten Nebengebäude zu schützen. Fluchend drangen die Sinnlosen auf einander ein;— Jeder wollte befehlen,— Keiner gehorchte.— Dazu das Kreischen und Jammern der Weiber und Kinder, das angstvolle Brüllen und Blöken geretteten Viehs, das Knattern der lodernen Flammen und das dumpfe Krachen der zusammenstürzenden Dächer und Balken— wahllich, eine schauerliche Illustration für die vernichtende Gewalt einer entfesselten Naturkraft, wie für die Ohnmacht einer führerlosen Menschenmenge. b Graf Warrens herrische Stimme gebot Ruhe. „Wo ist Ewald,“ rief er,„wo ist der Dorfschulze?“ Mit verstörter Miene kam der Letztere herbei.„Wir lagen schon Alle in den Betten, Herr Graf, als das Feuer auskam. Es brannte gleichzeitig im Stall und in den Scheunen. Der Herr Verwalter schlief, wir haben ihn erst wecken müssen, als die Flammen schon das Wohnhaus ergriffen. Er hat soeben Tochter und Enkel nach dem Garten geflüchtet.“ „Alle Menschen gerettet?“ „Jawohl, Herr Graf! Auch das meiste Vieh! Mehr war nicht zu erreichen; es fehlte an Wasser und der Wind war zu stark!“ „Nun, dann übernehmen Sie die Leitung der Löscharbeit! Zwei Spritzen kommen dort soeben vom Schloß; von Werben erwarte ich eine dritte; Eure eigene ist die vierte. Legt die Saugeschläuche in den Dorfteich und schützt vor Allem den Neben⸗ hof! Das Uebrige laßt brennen, es ist doch nicht mehr zu retten!“ Als der Mann sich entfernte, kam der Verwalter. Todtenblaß und zitternd wankte der Arme, der so rauh in seiner Nachtruhe gestört worden, auf den Grafen zu. Halb bekleidet stand er vor ihm, und Thränen rannen in seinen weißen, wehenden Bart. HDllles verloren!“ stöhnte er,„fast die ganze Ernte,— das meiste Jungvieh verbrannt,— das Haus, in welchem ich ge— boren und sechzig Jahre gelebt, in Flammen!“ Der Graf drückte ihm die Hand:„Muth, Ewald, es ist wenigstens kein Menschenleben zu beklagen; das Andere läßt sich ersetzen!— Doch was ist dort geschehen, was bedeutet der Lärm?“ Eine Anzahl Frauen stürzte jammernd und schreiend auf den von Feuer umschlossenen Hof.— Allen voran mit fliegenden Haaren und gerungenen Händen die Tochter des Gutsverwalters. Mit der Kraft der Verzweiflung stieß sie die herbeiströmenden Neugierigen bei Seite und brach schluchzend zu den Füßen des erschrockenen Mannes zusammen. „Vater,“ ächzte sie,„Fritz ist noch in dem brennenden Hause — Fritz und das Hausmädchen!— Barmherziger Himmel! Er verbrennt— mein Fritz— mein unglückliches Kind!“ „Anna, beruhige Dich!“ tröstete der Alte,„was Du sprichst, ist nicht möglich! Ich selbst habe die Kinder hinaustragen lassen und ich war der Letzte, der das Haus verließ. Auch Fritz ist gerettet, er wird sich wiederfinden!“ g„Nein, nein!“ weinte das arme Weib,„Fritz schlief ja nicht bei den anderen Kindern, ich hatte ihn in die Giebelstube gebracht, damit er nicht auch die Masern bekäme. Christine sollte bei ihm bleiben, auch sie ist noch drinnen! O, rettet, rettet mein armes Kind!“ schrie sie in herzzerreißendem Jammer und raffte sich auf, um in das brennende Haus einzudringen. Man mußte die Verzweifelte festhalten, denn sie wäre ihrem sicheren Tode entgegen gegangen. „Bringt Leitern!“ befahl der Graf. „Ja Leitern! Leitern!“ schrie die entsetzte Menge mit heiseren Stimmen, und ein Dutzend Männer stürzten davon, das Ver— langte zu holen. Graf Warren aber prüfte mit entschlossenem Blick die Fort⸗ schritte des Feuers. Dort oben waren die Fenster des Giebel⸗ zimmers noch dunkel, nur gelbe dünne Rauchwolken zogen durch die zersprungenen Scheiben, während aus den Fensteröffnungen des Erdgeschosses schon die Flammen züngelten und an den Latten des Weinspaliers bis an das Gesims hinaufleckten. Die Treppe im Innern war nicht mehr gangbar, denn der abgewendete Flügel des Hauses begann in sich zusammenzusinken. Lange konnte es nicht mehr währen, dann schlug auch auf dieser Seite die Lohe über dem Dach zusammen. „Stellt die Leiter auf!“ herrschte er den Männern zu. „Es ist vergebens, gnädiger Herr!“ entgegneten die Muth— losen;„innen brennt Alles, wer sich hineinwagt, ist verloren!“ Doch Warren hatte die Lippen fest aufeinander gepreßt. „Vorwärts!“ gebot er mit rauher Stimme und griff selbst in die Sprossen. Willenlos gehorchte man ihm;— die Leiter hob sich, schwankte und fiel knarrend gegen die Brüstung des Fensters. „Ewald, Sie bleiben! Niemand soll mir folgen.“ Er war die Stufen der Leiter emporgeeilt und in dem Giebel— zimmer verschwunden. Peinvolle Augenblicke athemloser Spannung waren für die außen Harrenden vergangen. Dann war die hohe Gestalt in der Fensteröffnung erschienen, hatte sich hinausgebeugt und den gefundenen Knaben in die von zwanzig Händen auf⸗ gehaltenen Decken hinabgeworfen. (Fortsetzung folgt.) Jose Blätter. Der Unterricht im Zirkus.(Siehe Illustrationen.) Der Zirkus bildet eine Welt für sich. Da die Zirkusgesellschaften zum„fahrenden Volk“ gehören, das den Wanderhirten gleich, bald im Süden, bald im Norden sein Zelt aufschlägt und so lange nur an einem Orte bleibt, als das Geld im Kasten klingt, so stehen die Mitalieder solcher Gesellschaften unsern sozialen und staatlichen Verhältnissen fremd gegenüber. Der Zirkusmann genießt nicht die Wohlthat des öffentlichen Unterrichts für seine Kinder, da er zu oft den Schauplatz seiner Thätigkeit wechselt. Zwar giebt es wohlhabende Zirkusdirektoren und gut bezahlte Artisten, welche ihre Kinder in einem Pensionat erziehen lassen können, jene ärmeren Zirkusleute aber, welche ihre Kinder schon früh für den eigenen Beruf heranbilden müssen, sind auf den Zirkus selber und dessen bescheidene Unterrichts— mittel angewiesen. Hier unterrichtet jeder, der etwas kann. Die Mehrzahl die älteren Artisten spricht mehrere Sprachen und die Kinder erlernen in der Regel sehr bald die englische, französische und deutsche Sprache, ohne daß sie jemals mit der Grammatik geplagt werden. Häufig befindet sich im Zirkus auch eine Persönlichkeit, die das Zeug zum Schulmeister hat und der heranwachsenden Generation dann aue un die Geheimnisse des Lesens, Schreibens und Rechnens, der Geographie und Geschichte ent⸗ hüllt. Regelmäßige Unterrichtsstunden lassen sich kaum einhalten und die kleinen Buben und Mädchen sind zumeist auf den Gelegenheits— unterricht angewiesen. Vortreffliche Unterweisung erhalten dagegen die Zirkuskinder in allen körperlichen Uebungen und Clownukünsten. Wie man die Guitarre, Mandoline oder Flöte spielt, wie man auf der Kugel und dem Drahtseil läuft, wie man springt und reitet, das zeigen die Alten den Jungen mit eifrigem Bemühen. Wie die Kinder, so müssen auch Hündchen, Pferde, Affen und Elephanten in die Schule gehen und die Manege ist der Tummelplatz für hundert gelehrige Schüler. Unsere Bildchen zeigen Schülerscenen, die abseits von der Manege, bald die Sattelkammer, bald den Futterboden, bald die Stube zum Schauplatz haben. Früher war die Erziehung der kleinen Zirkusleute eine völlig spartanische. Die Lehrer prügelten die kleinen Geschöpfe viel, theils um sie unempfindlich gegen den Körperschmerz zu machen, theils weil sie im Stock einen gewaltigen Erwecker der Intelligenz vermutheten. Neuerdings aber geht man menschlicher mit den Kleinen um. Auch in der Zirkus⸗ schule bricht sich allmählich die Erkenntniß Bahn, daß der einsichtsvolle und gelassene Meister weit mehr erreicht, als der jähzornige Dummkopf, welcher die eigene Denkfaulheit durch Schreien und Schlagen zu be— mänteln sucht. R. E. Ein gutes Gedächtniß. Ein Student kehrte nach Beendigung seiner Studien in seine Vaterstadt zurück. Da besuchte ihn nach einer Reihe von Jahren ein alter Freund und Studiengenosse. Beide waren recht vergnügt und erzählten sich gegenseitig ihre Erlebnisse. Auf einmal erinnerte der Gast seinen Wirth daran, daß er demselben vor dreizehn Jahren auf der Univerfität zwei Thaler geliehen habe. Ohne ein Wort zu sagen, ging der Andere, welcher jetzt in Amt und Würden stand, an seinen Bücherschrank, nahm ein altes, staubiges und von Würmern zer⸗ fressenes Buch heraus, überreichte es seinem Freunde und sagte lächelnd: „Hier hast Du das Buch; ich erhielt es in meiner Jugend als Prämie für mein gutes Gedächtniß. Jetzt sehe ich mich übertroffen und überlasse deshalb Dir die Prämie.“ H. R. Ein guter Hirt. Ein Pfarrer der Diözese Cambray rühmte sich einst dem Erzbischof Feuelon gegenüber, daß er in seiner Gemeinde durch große Strenge das Tanzen am Sonntage abgeschafft habe.„Lieber Pfarrer,“ sagte Fenélon, indem er ihm freundlichst auf die Schulter klopfte,„lassen Sie uns nicht zu strenge gegen Andere sein! Sie, Herr Pfarrer, und ich dürfen freilich nicht tanzen, das versteht sich von selbst, aber unseren Bauern wollen wir ihr Sonntagsvergnügen nicht rauben. Warum sollen wir sie in ihre dumpfen Hütten einsperren und verlangen, daß sie einander vor Langeweile angähnen? Könnten wir so grausam sein, dem Landmanne noch die wenigen Augenblicke zu nehmen, da er sich freuen darf? Gott bewahre uns davor!“ H. R. 7 0 5. Eine altpersische Goldmünze. 128 ◻⏑- Ea 25 85 prung. Problem Nr. 501 von G. Heinrich in Nadomitz. nur ver⸗ sol⸗ ren man- ren leh⸗ du len hohe en eh⸗ ren ho⸗ nes⸗ sollst des das ster hie- frau- du sollst dich gei⸗ deine den was den kraft die schaft 955 g f 2 hoͤch-⸗[ew'- bleibt was nie- doch mag wohl 22 mei⸗ ge- heit frie— e⸗ das sen⸗ dich 1 8* 221 8 32 3 1 175 23 gen ste spur was schön- und sie ver⸗.. 1 1. 2. ahnte ster nur po- und kunst lehren Twis—— 0 7 2 Viersilbige Charade. Die ersten bezeichnen den glänzenden Tand Bei Puppen, bei Kindern und Frauen; Die Letzten, als Theile des Jahres bekannt, Sind in dem Kalender zu schauen. Das Ganze begeichnet die rosige Zeit, Nach welcher sich Liebende sehnen, Worauf sich im Stillen manch Bräutchen gefreut, Mit Sorgen und Wünschen und Waͤhnen. Es rauschet dies Ganze gar eilend vorbei. Nun rathe, mein Leser, was dieses wohl sei! Silben-Räthsel. Aus nachfolgenden Silben: a cho cu cus da da der di dor drei dus e eck ei eiehs en feld 19 glau hek i i ips la lac li nand ne pas ra ral re rhe rhei rho ri ri se stedt the to vail wich sollen 18 Woͤrter gebildet werden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, einen Herrscher, und deren Endbuchstaben, ebenso ge— lesen, 751 Machtstellung ergeben. Die 18 Wörter ergeben: 1. Einen männlichen Vornamen. Stadt in Mähren. 2. Eine Stadt an der Ems. 3. Eine 4. Eine Halbinsel an der Westküste Schleswigs. 6. Einen französischen Königsmörder. 3. Melodie eines Kirchenliedes. 9. Ein Vulkan. 10. Meerbusen an der Nordküste von Columbia. 11. Ein preußisches Fürstenthum. 12. Eine türkische Jnsel. 13. Eine mathe— matische Figur. 14. Eine griechische Göttin. 15. Einen Fluß in Hoch— asien. 16. Ein Mineral. 17. Einen weiblichen Vornamen. 18. Einen suͤdamerikanischen Freistaat. 7. Eine Stadt in England. äthsel. Es ist ein Bild, und doch auch wieder kein's; Es ist ein Brief, und doch auch wieder nicht. Vor solchem Briefe bangt dem Bösewicht. Auch ist's ein Spiegel, schau getrost hinein, Du siehst dich nicht darinnen, bist du rein Von boͤser That; doch siehst du dich getroffen, In diesem Bilde, ist der Brief für dich, Und schau'st du auch in diesem Spiegel dich. Ja, dann bleibt nur ein Ausweg für dich offen; Dann ist für dich der beste Rath: Sieh, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat. Aufloͤsung der zweisilbigen Charade in voriger Nummer: aß;— des Rathsels: Austern;— des Wisehrrunds: Flüchtiger als Wind und Welle Flieht die Zeit;— was haͤlt sie auf! Sie genießen auf der Stelle, Sie ergreifen schnell im Lauf, Dies nur hält ihr rasches Schweben Und die Flucht der Tage ein, Schneller Gang ist unser Leben, Laßt uns Rosen auf ihn streu'n. Wein⸗ Herder ———ꝛů—————————— Drud und Verlag der— An.»OGes in Berlin, Wabowstr met Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Vartie Nr. 283. Gespielt zu Steglitz am 16. Januar 1888. Weiß: J. Minckwitz.— Schwarz: C. Schallopp. 1) e2—e4 7 e5 25) 162-425) Ld7-c 2) 81-13 Sbs-c 26) eg-es) 1715 9 LI—bõ 8g8 16 27) Df3—- e“) Te7-e: 4) 8b1-c 1 Weiß giebt die Partie auf. 5 25 3 1 46 Stellung nach dem 13. Zuge von Schwarz. 1 7) Sc3—e21) Le8S-g4 8) Se2—g3 Scé—da 9) Lbö-e4 d- d5 2) 10) e- db: 816-5: 11) e2-es Sda4-f3F 12) g2—f3: Lga4—h3 13) TfI—el Sd5 bs 14 Lea bs) DdS 6 15) Lel-es Le5- eg 16) f2—ez:6) Tas-d 17) Ddl-e2 Kgs—h8 18) da- da— es 19) daes: Tes esd: 20) 13-14 Ted e7 21) De2—h5 Lha-d7 22) Tel—e2 1d8-es 23) Tal—el 7—g6 24) D553 16—h4 1) Infolge dieses und des nächsten Zuges geht der Angriff auf den Gegner über, auch kein entscheidender Vortheil für 7 nachweisbar i 1 1 2 In Betracht kam Sh, 3. B.: 10) Ss Lh5 11 c Sta 12) g Khet 1 44 Db 15 dieb nicht died wegen Ls. 16) Dad h7! nebst Dgöf und. dieb und Schwarz steht auf Gewinn! indessen ist 10 62-c besser geeignet. Weiß sich 1 stellen. 2 3 Weiß hätte besser den Bauer eb geschlagen, sowohl 14/ Tes 1.2 f 15 Kkf2 Sed c. — 8 1 Ldé 15) Tell Sci: 16) died f5 17) fl 1c. würde zur Ausgleichung der Spiele geführt haben. 4) Nimmt der Thurm den Läufer, so U Schwarz mit Kis! und dem den Bauer(7 schnell zu heftigem Ae. riff,. B. 17) Dee Sd7 18) Khi Dh nedst 7-75 5 Auf Dh würde folgen LS4 nebst Leg ic. 6 Eine andere Fortsetzung, welche nach beendigter Partie gespielt wurde. und bel Herr Minckwitz den hier noch allein richtigen Zug 8-2 in Anwendung brachte. folgenden Verlauf: 26, Df Sd 27) L Sts 8 e3—e4 8g4 20) Daf Kas 30% Dad 31/ De 1d: 32) Ddz: Tas 33 Dee Lb5! 84, Dg2 D 35) Dhz Sha: fund even! 1—5 und Schwarz gewinnt. Es scheint unz jedoch, daß mit 27) Ld5 das Spiel noch u alten war. 7) Auf 03-12 mit der Fortsetzung fel 28) Ddät Tg7 20) Tue Dig it. blelbt Schwarz gleichfalls im Vortheil. 5 8) Nimmt der Springer den Thurm, so folgt Tes-e, und Weiß verliert die Dame, oder den Thurm cl. 1 151 Zriefwechsel. N F. M. in A. Der neue Beitrag ist sehr 3* I— 8 nach dem Bierzüger zur Aufna 75 gelangen. Die richtigen Lösungen sind 1 K. 2 N. In Nr. 493 scheitert Des an Dhö und dem—.— Vorsetzen ee 28d . L. in Pp. Die neuen Beiträge sollen baldigst geprüft werde 8 K. in M. Bei dem Dreizüger von Driina cee as Laerschag an der Kess nebst Sc! Das Problem von A. König ist durch 1 057 nicht zu lösen, da Läuserzüge nach a8, cg. dZ und el die Fortsetzung 2) Das nicht zulassen. D. in Gießen. In Ibrer Lösung zu Nr 40 2 9 nach dem jweiten Zuge drohende Matt 1 vier verschiedene Gegenzuge verhindert Th. K. in B. Von einer n üder deer e Partie des Frantsurter Turnier: ist uns nichts bekannt geworden; übrigens— wir beständig Umschau 4 Partien. durch elegante Combinationen ausgezeichnet find; einige unserer Nummern N auch recht hüdsche Pointen, so namentlich Nr. 282 und das Cadel 1 2 280. 105.— Berantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowflr. 105.