1 zu den Oberhessischen UMachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 14. Oktober. Seifen een. Erzählung von Eliza Orzeszko. Deutsch von Johanna Ruhe. (Fortsetzung.) Die hübsche Brünette mit dem edelgeformten, wenn auch blassen und kränklichen Gesicht war sehr einfach, aber geschmack— voll gekleidet; das dunkle Kostüm, welches sie trug, stand ihr ganz vorzüglich. Sie erhob ihre Augen und blickte die fremde Dame mit ihren großen, geistvollen Augen verwundert an, dann setzte sie sich neben Frau Anna und fing an die Kleine zu ver— sorgen, damit ihre Freundin sich ganz und ungetheilt dem Gaste widmen könne. Frau Anna begann denn auch in ihrer Eigen schaft als Wirthin Paula herzlich zu nöthigen, und sie pries ihr jede Speise besonders an. Und Paula aß tapfer; die große Portion Fleisch und Gebäck, welche die Hausfrau ihr auf den Teller legte, verschwand im Augenblicke, und es war wirklich wunderbar, wie eine so hochpoetische Natur einen solchen Bären— hunger an den Tag legen konnte. Das Essen that der Unter⸗ haltung keinerlei Abbruch. Paula sprach immerfort; sie erzählte, wie sie in verschiedenen Hauptstädten als Hauslehrerin fungirt und dann schließlich nur Privatunterricht ertheilt habe. Besonders betonte sie, daß sie drei fremde Sprachen spreche und daher sehr gesucht sei. Allein das Unterrichten langweile sie, und nachdem sie erkannt, daß sie auch auf anderen Gebieten fortzukommen ver⸗ möge, bedauere sie nur die vielen verlorenen Jahre. Ein anderes, ein höheres Ziel habe sie sich jetzt gesteckt. Indem sie so sprach, kehrte sie sich vollständig zu Johann hin, und nur selten wandte sie ihren Kopf nach Fräulein Josepha hin, um einige Worte mit ihr zu wechseln; denn diese schien ihr mit ihren sinnenden Augen doch noch beachtenswerther, als Frau Anna, die einzig und allein für ihre Wirthschaft lebte. Als Paula von ihren ferneren Zielen sprach, blickte Herr Mirewicz verstohlen und neugierig nach ihr hin. Er wußte recht gut, daß sie damals, als sie die Heimath verlassen, bereits einige zwanzig Jahre zählte. Acht Jahre war sie fort— das war eine einfache Rechnung— Paula mußte bereits über dreißig Jahre alt sein. Die Dame neben ihm sah sehr jugendlich aus; das weiße Lampenlicht fiel voll auf ihr Gesicht und ließ dasselbe thatsächlich jung erscheinen— sie glich einer Zwanzigjährigen. Sollte die Geistesarbeit ihr eine solche Frische verleihen? dachte er bei sich, und unwillkürlich sagte er: „was für eine herrliche Sache ist doch die Geistesarbeit! Wie erhält und kräftigt dieselbe den Menschen! Kousinchen, Du schauest aus, als wärest Du erst zwanzig Jahre alt.“ Sie lachte hell auf. „Du weißt es am besten, lieber Jas,“ sagte sie,„daß ich bedeutend älter bin, allein meine geistige Thätigkeit verjüngt mich.— Ihr verdanke ich, daß ich gesund bin, und sie verleiht mir jene Zufriedenheit, die mein ganzes Wesen erfüllt.“ Um die feinen, blassen Lippen Josepha's irrte ein flüchtiges Lächeln. Wie sonderbar, das junge Fräulein mit dem interessanten Gesichte und den leuchtenden Augen, welches ihre hübschen Haare schlicht in eine Flechte verschlungen und am Hinterkopfe nestartig aufgesteckt hatte, sah in der That älter aus, als die mehr als dreißigjährige Paula! Es kam gewiß daher, weil sie sich weniger geistig beschäftigte; denn nach der Behauptung Paula's trug ja die Geistesarbeit unsagbar viel dazu bei, ein jugendliches Aus⸗ sehen zu bewahren. „Erzähle mir doch, Kousinchen,“ fuhr Herr Mirewicz fort, „was für Ziele Du Dir gesteckt hast? Ich brenne vor Neugierde.“ Sie schlug die Augen nieder und antwortete bedächtig:„wenn ich es den Herrschaften auch erzählen wollte, Sie würden mich doch nicht verstehen oder gar auslachen und es hier in Ihrer gottesfürchtigen Abgeschiedenheit, fern vom weltlichen Getriebe, für eine Sünde halten—“ Und halb bitter, halb spöttisch lachend, fuhr sie fort:„o, glaube mir, Jas, in unseren Zeiten müssen die Vorkämpfer großer Ideen noch viel leiden, ehe sie verstanden werden! Ein Weib, welches sich erkühnt, eine große Idee zu vertreten, hat wider althergebrachte Vorurtheile und wider einfältige Skrupeln rastlos zu kämpfen und im Kampfe unsagbar viel Bitterkeit zu kosten.“ „Das ist eine große Wahrheit, die Du da aussprichst,“ er⸗ widerte ihr Herr Mirewicz, ihr beifällig zunickend,„und dennoch ist die Rolle eines Vorkämpfers so schön— sie läßt nicht ruhen und rasten, bis man den Sonnenschein der Befriedigung er— reicht hat.“ In dem Antlitz der„Kousine Pionierin“, wie sie sich so gern nannte, zeigte sich ein Ausdruck wahrer Befriedigung. „Sie haben Recht,“ rief Fräulein Josepha mit leuchtenden Augen,„nur meine ich, daß Frauen, die sich einer derartigen Aufgabe unterziehen, sehr bald ihre Ohnmacht einsehen werden, wenn sich ihnen Hindernisse entgegenstellen, welche sie zu über⸗ winden haben. Denn das Arbeitsfeld der Frau ist und bleibt leider immer nur ein beschränktes und streng abgemessenes.“ Während sie dieses sagte, ließ sie ihre Augen nach Paula und Mirewicz hinüberschweifen, und zwar dieses Mal sehr selbst⸗ bewußt und ein wenig ironisch. Paula sah verwundert die Sprecherin an. 5 „Mein Fräulein, Sie sind ebenfalls—“ begann sie. Wahrscheinlich wollte sie Fräulein Josepha fragen, ob sie auch eine„Pionierin“ wäre, doch diese unterbrach sie lachend: „Ich bin Lehrerin und unterrichte zu gleicher Zeit meine jüngste Schwester, und ich versichere Sie, daß es beim Unterrichten fremder Kinder und der eigenen Schwester genug Mühe und Arbeit giebt.“ Auf diese prosaische Antwort hin wurde Paula frostig. 28 2 . 9 8 330. „Freilich— gewiß,“ antwortete sie,„man hat ja dabei sein tägliches Brot und ist dabei noch voll der Vorurtheile.“ Mirewicz erhob sich vom Tische. Der Einwand von Fräulein Josepha bereitete ihm eine sichtbare Bitterkeit, und zwar derart, daß dieselbe sich auf seinem Gesichte bemerkbar machte, als er zu ihr hinüberschaute. „Wir wollen in's Wohnzimmer gehen, Kousinchen!“ Seit einer Viertelstunde saß Frau Anna unbeachtet bei Tische; denn seitdem sie aufgehört hatte, zum Essen zu nöthigen, war sie verstummt, und jetzt fiel es ihr ein, daß das Wohnzimmer erleuchtet werden müsse. Das Wohnzimmer war kein großes Ge— mach und wurde nur selten benutzt. Die Familie beschränkte sich auf das Eß- und Schlafzimmer und auf die Küche, während Herr Mirewicz sich größtentheils in seinem Arbeitszimmer auf— hielt. Gediegene Mahagonimöbel ohne jede Eleganz standen ringsumher; ein Sopha, einige Sessel mit hohen Lehnen, ein Tisch, der mit einer hübschen Tischdecke bedeckt war, und ein großer Spiegel bildeten das ganze Mobiliar. Eine große Lampe und zwei Lichter erhellten das Zimmer nur mäßig. An den Wänden hingen einige werthvolle Kupferstiche, und auf den Fenstern standen blühende Topfgewächse. Als Paula in dieses Zimmer trat, schaute sie sich überall um, und dann schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen, indem sie rief:„Jas, Jas, wie kannst Du nur in einer solchen Umgebung leben?“ a Ihre Geste war herzlich und freundschaftlich, und auf ihrem Antlitz malte sich so aufrichtige und herzliche Theilnahme, daß Mirewicz sich tief bewegt fühlte. Er ergriff ihre beiden Hände, führte sie zu einem Sessel und zog einen anderen dicht in ihre Nähe. Während er ihre Hände noch immer in den seinigen hielt und ihr herzlich in's Antlitz blickte, flüsterte er leise:„schließlich habe ich doch Jemand gefunden, der mich versteht—“ „Ja wohl, Jas, ich verstehe Dich vollkommen. Wir kennen uns ja seit frühester Kindheit und waren einander stets sympathisch. Du warst immer gut gegen mich, und ich erblickte in Dir stets den Inbegriff der Intelligenz und des Erhabenen.“ „Eben das macht jetzt mein Unglück aus. Ich verstehe und erstrebe alles, was schön, erhaben und edel ist, und muß mich in dieser häßlichen und dummen Umgebung vergraben. Die Arbeit um das tägliche Brot langweilt mich, und die einsame Lektüre, über welche ich hier mit Niemand sprechen kann, bildet meine einzige Zerstreuung. Herz und Geist erfüllen Unlust, Unzufrieden— heit und Bitterkeit.“ Thränen traten in seine Augen; Paula hatte ebenfalls feuchte Augen und trocknete sich dieselben mit ihrem feinen Taschentuche. Er ergriff ihre Hände und bedeckte sie mit feurigen Küssen.„O schon lange, recht lange empfand ich eine so große Freude nicht, wie heute!“ seufzte er.„Neben mir sitzt ein herrliches Wesen, welches mit mir fühlt und empfindet.“ Wiederum führte er ihre Hand an seine Lippen. Sie entriß ihm dieselbe und strich zärtlich und liebkosend, wie eine Schwester, über seine Stirn und seine Haare. „Warum emanzipirst Du Dich nicht, Jas?“ flüsterten bebend ihre kirschrothen Lippen.„Der Mensch soll kämpfen für sein Glück und es nicht von sich werfen— niemals, niemals— Um irgend einer Sache willen sein Glück fortschleudern, wäre gottlos. Sei energisch und verständig, emanzipire Dich, emanzipire Dich vollständig, mein armer, lieber Jas!“ Sie waren ganz allein und konnten ungestört ihren Gefühlen freien Lauf lassen. In dem kleinen Gemache neben dem Eß— zimmer saßen unterdessen auf einem einsachen Sopha zwei Damen, von denen die eine ein schlafendes Kindchen auf dem Schoße hielt, während die andere im Begriffe stand, das Haus zu ver— lassen; denn sie hatte bereits den Hut auf ihr krauses Haar gesetzt und fing an ihre schwarzen Handschuhe anzuziehen. „Warum bist Du heute so traurig, Analka?“ fragte sie. Die junge Frau schüttelte, in trauriges Nachdenken versunken, wehmüthig ihr Haupt.„Was willst Du?“ antwortete sie leise. „Kann es mir wohl angenehm sein, wenn ich immer hören muß, daß er sich unglücklich fühlt? Oder vermag es mich etwa freudig zu stimmen, wenn er mit Jemend zusammenkommt und dann ein Gespräch anknüpft, an welchem ich mit keinem Worte mich betheiligen kann? O, Josepha, was für ein großes, bitteres Weh ist es doch für eine Frau, wenn sie dümmer ist als 3 Mann!“ „Nun, Du übertreibst. liebste Anna, erwiderte lachend Fräu⸗ lein Josepha.„Du bist doch keine Idiotin, und Dein Mann ist kein Genie—“ „Das ist wohl wahr,“ unterbrach Anna lebhaft die Freundin, „entschuldige meinen Kleinmuth, aber ich weiß es genau, mein Gatte ist sehr klug und gebildet, und ich bin ihm nicht eben⸗ bürtig.— Doch Du, liebe Josepba, verstandest ihn eine Zeit hindurch recht gut, und jetzt weichst Du ihm aus.— Es ist wirklich schade; denn mit Dir konnte er sich so schön unterhalten. — Du bist ebenso gebildet.— Was ist eigentlich zwischen Euch vorgefallen, daß Ihr jetzt einander meidet.“ Das blasse Antlitz der jungen Dame wurde plötzlich blutroth. „Ich bitte Dich, liebste Anna, zerbrich Dir darüber nicht den Kopf, und bilde Dir ja nichts ein! Nichts, gar nichts ist zwischen uns vorgefallen. Ich habe, aufrichtig gesagt, keine Zeit, um mich mit Deinem Gatten zu unterhalten. Du weißt recht gut, daß ich täglich sieben Unterrichtsstunden gebe und außerdem Helka zum Examen vorbereite, welches Sie in Onwil ablegen soll.“ „Also wirst Du wirklich fortreisen?“ „Ganz gewiß; denn länger noch im Hause des Onkels bleiben, das hieße, die Zukunft Helka's vernichten.“ Anna umfing sie mit beiden Armen. „Arme Josepha, Du quälst Dich zu sehr und ruinirst Deine Gesundheit, und alles nur um Helka, alles für Helka.“ Jene lächelte. „Was willst Du?“ entgegnete sie lebhaft.„Ein jeder Mensch hat sein Steckenpferd, auf dem er reitet. Mein Steckenpferd ist nun der Entschluß, meine Schwester geistig nicht verkümmern zu lassen, sondern sie so zu erziehen und auszubilden, daß sie in jeder Beziehung ein glückliches Weib wird. In Onwil giebt es bessere Lehrer, auch ich will dort noch lernen, und dann—“ Sie erhob sich, und ihre dunklen, glänzenden Augen blickten träumerisch in die Ferne. Doch schnell erwachte sie aus ihrem Sinnen und reichte Anna die Hand. „Lebe wohl! Gute Nacht! Nächsten Sonntag komme ich wieder zu Dir.— Wie süß Jancia eingeschlafen ist! Helka sitzt gewiß wieder über ihren Büchern und zermartert ihr Gehirn ohne mich. Gute Nacht!“ Sie ging hinaus. Anna stand vom Sopha auf und durch⸗ schritt langsam das Vorzimmer. Im Gemache ihres Mannes blieb sie zaghaft stehen. Sollte sie eintreten oder nicht! Die Höflichkeit gegen ihren Gast erforderte es. Aber vielleicht störte sie die Unterhaltung und erregte dadurch Unzufriedenheit?— Sie waren ja dort so vergnügt und so lebhaft. „Kousinchen, Paula, Theuerste, Reizendste, sage mir doch endlich, welch hohes Ziel Du verfolgst!“ „Jetzt sage ich Dir noch gar nichts. Du erfährst alles, wenn ich abreise.“ „Abreisen— das geschieht doch gewiß nicht so bald? Nicht wahr, Du fährst nicht so schnell wieder fort?“ „Spätestens in zwei bis drei Tagen.— Ich reise zu meiner Mutter, welche sich sehr schwach fühlt; sie hat mir geschrieben, ich möge sofort kommen, wer kann auch wissen, ob sie noch lange leben wird!“ „Die arme Tante!“ „Arme Mutter!“ 1 Tiefe Bewegung machte sich bei diesen Worten in Paulas Stimme bemerkbar.— Die junge Frau im Nebenzimmer flüsterte leise:„sie ist doch gut— sie liebt ihre Mutter. Und dennoch gefällt sie mir nicht.“ „Und wirst Du dort lange bleiben?“ „Zwei bis drei Wochen, und dann kehre ich zurück, um Ab⸗ schied von Dir zu nehmen.— Dann geht's in die Welt, in die weite Welt— meinem großen, geliebten Ziele nach.“ „Aber welches ist denn Dein Ziel?“ „Ich erzähle es Dir vor meiner Abreise.“ Mit erleichtertem Herzen verließ Frau Anna das Arbeitszimmer ihres Mannes; in das Wohnzimmer ging sie nicht. „Zwei oder drei Tage sind nicht von Belang,“ flüsterte sie. „Dann reist sie fort— sie liebt ihre Mutter.— Ich erinnere mich, daß Jas mir einst erzählte, er habe eine Großtante, die 2 ———————(——— ee, — 22;˙ . ————— 2331. trug sie behutsam ins Schlafzimmer. leise richtig. ihre Tochter so fein ausbilden ließe.— Das ist sie.— Nun, etwas besser gefällt sie mir deshalb, weil sie ihre Mutter liebt.“ Sie nahm die kleine, schlafende Jancia auf ihren Arm und Das kleine Mädchen er⸗ wachte und fragte im Halbschlummer nach ihren Blumen. Bei dem matten Lichte der kleinen Nachtlampe entkleidete Anna ihr Töchterchen, bettete dasselbe sanft in das kleine, mit hübschen Stickereien verzierte Bettchen und heftete an das Kopfkissen der Kleinen den Blumenstrauß. Jancia griff nach den Blumen, preßte sie in ihre Händchen und schlief wieder ein. Anna kehrte in's Eßzimmer zurück, schloß vorsichtig die Thür, damit das Geräusch der Nähmaschine den Gast nicht störe, und fing an zu nähen. Sie nähte an einem Kinderkleidchen und war dabei so sichtbar fleißig, aber bald fiel ihre Hand, welche die Kurbel der Maschine bewegte, schlaff herab, und sie versank in ein tiefes Nachdenken. Irgend etwas bedrückte ihr Herz— sie machte eine abwehrende Bewegung. „Ach, woher sollte so etwas kommen,“ flüsterte sie,„so schnell, nach so kurzer Zeit!“ Doch immer lebhafter wurden ihre Gedanken. „In der That, sie ist schön, fein und klug—“ Nachdem sie eine Weile hin und her gedacht, flüsterte sie mit triumphirendem Lächeln:„und dennoch bin ich Gattin, seine Gattin und die Mutter seines Kindes.“ Dann nähte sie weiter. f g In demselben Augenblicke hielt Herr Mirewicz beide Hände seiner Kousine in den seinigen, schaute ihr innig in die Augen und sagte leise:„ich begreife nicht, Paula, wie Du bei Deiner Schönheit, Deinem Geiste, Deiner Energie und Deinem Charakter, welchen Du so reizend zu zeigen weißt, bis jetzt unverheirathet bleiben konntest—“ Halb lächelnd, halb verwundert, machte sie ihre Augen groß auf, so daß sie zwei glänzenden Saphiren glichen.„Aber ich war ja verheirathet, mein lieber Jas.“ Er sprang verwundert auf.„Wie— was sagst Du? Bist Du geschieden? Du nanntest mir doch Deinen Mädchennamen?“ „Weil ich ihn niemals gewechselt habe.“ „Wie geht das zu?“ Indem sie ihn mit weit geöffneten Augen groß anschaute, brach sie in ein helles, herzliches Lachen aus. Allein schnell dämpfte sie den Ausbruch ihrer Lustigkeit und wurde sehr ernst. „Die Leute dahier würden es nicht verstehen,“ sagte sie,„aber Du, Jas, wirst mich verstehen. Wir lernten uns kennen und liebten uns— und was weiter? Dachten wir denn daran, uns sogleich für das ganze Leben zu binden? Schließlich konnte er sich nicht binden, wenn er es auch gewollt hätte; denn er stammte aus einer sehr reichen, adeligen Familie, welche es niemals ge⸗ stattet hätte.— Und ich war zu einfältig, um über die Folgen nachzudenken, die aus einem solchen Verhältniß für eine Frau entstehen können.— Unser Glück dauerte zwei Jahre.“ „Und dann?“ fragte Jas hastig. Und dann,“ entgegnete sie rubig, indem sie die Hände auf ihrem Schoße faltete und die Augen niederschlug,„dann— hörten wir auf, Gefallen an einander zu finden, und wir trennten uns.“ Herr Mirewicz saß mit niedergeschlagenen Augen schweigend neben ihr. Was er gehört hatte, schien ihm ganz unmöglich zu sein. Wohl hatte er von solch entsagender Liebe, von Schein— ehen u. s. w. gehört und gelesen, aber in der Nähe sah sich alles ganz anders an. Von der jungen Dame, welche neben ihm saß, und welche er anbetete, wünschte er nicht, daß sie in dieser Hinsicht eine so gleichgültige Sprache führte. Aus seinen Grübeleien rüttelte ihn Paula's weiches, sanftes Flüstern.„Was meine Vergangenheit angeht,“ sagte sie,„so bedauere ich nur meine arme Regina Victoria“ „Welche Regina Victoria?“ „Mein Töchterchen.“ Herr Mirewicz sprang wie elektrisirt von seinem Sessel auf, und nach einem minutenlangen, peinlichen Stillschweigen fragte er mit verschleierter Stimme:„und was ist mit ihr geschehen?“ „Sie starb, in meinen Armen starb sie,“ flüsterte Paula ganz und führte ihr Taschentuch an die Augen. Sie weinte auf⸗ Mirewicz maß mit unruhigen, schnellen Schritten mehrmals das Zimmer, dann blieb er, noch immer erregt, aber doch schon ein wenig versöhnt, vor seiner Kousine stehen. „Paula, ich danke Dir für das Vertrauen, welches Du mir entgegengebracht hast. Deine Wahrheitsliebe und Deine Auf— richtigkeit rechne ich Dir sehr hoch an. Ja, so ist es, der Mensch muß auf sein Thun nnd Lassen dreist hinsehen können. Paula, Du bist ein außerordentliches Weib.“ Mit flammenden Wangen beugte er sich zu ihr herab und küßte ihr die Hände. Sie drückte aber tief bewegt ihre Lippen auf seine heiße Stirn. Dieser Kuß verwirrte Mirewicz und weckte in seinem Busen andere Gefühle. Er zog ihre beiden Hände an seine Brust und flehte:„reise nicht so schnell wieder fort!“ „Ich will sehen,“ entgegnete sie leise,„ich will sehen— vielleicht—“ hierauf sah sie sich lebhaft um und rief:„ich fühle, daß ich sehr angegriffene Nerven habe. Ich möchte gern spielen — aber hier ist kein Pianoforte—“ „Spielen? Ach, ich sehne mich so sehr nach schöner Musik, und Du mußt herrlich spielen! Morgen schon wirst Du ein Piano⸗ forte haben. O welch ein Glück!“ N Die Anwesenheit der Kousine verursachte Frau Anna großen Kummer. Sie hatte am nächsten Morgen mit Hilfe ihres Dienst⸗ mädchens den Frühstückstisch gedeckt, der dampfende Samowar stand bereits auf demselben, doch Paula schien von den Strapazen der Reise sehr ermüdet zu sein und schlief deshalb lange. Ihr Gatte empfing vom frühen Morgen an seine Klienten, welche in Schaaren zu ihm strömten, wie zum Ablaß, und Anna hörte ihn durch die offene Thür so ruhig und so überlegen sprechen, daß sie sich nicht oft genug sagen konnte, was für einen gebildeten Mann sie habe, den klügsten und besten Mann, den es über⸗ haupt auf der Welt gäbe. Und dennoch schien ihm sein Beruf nicht zu gefallen; in seinem Gesichte bemerkte man einen Zug von Widerwillen und Gezwungenheit. Nach Verlauf von einigen Stunden kam er mit ausdruckslosen Augen und umwölkter Stirn allem Anscheine nach schlecht gelaunt in das Eßzimmer. Aber schnell veränderte er sich, gerade als wenn eine Zauberin ihn mit ihrem Stabe berührt hätte; sein Gesicht strahlte vor Zufrieden⸗ heit und Heiterkeit. Gegenüber der jungen Frau, die ein dunkles Kleid und eine weiße Schürze trug, saß Paula am gedeckten Tische. Ihr Haar war, wie gestern, frisirt, die goldenen Locken fielen auf ihre Stirn herab, und ihren schönen Körper umgab ein weiter, faltiger und blendend weißer Morgenrock, mit kostbaren Stickereien garnirt, unter welchem die zierlichen, mit mattblauen Strümpfen und feinen Pantöffelchen bekleideten Füße sichtbar wurden. Als Mirewicz zu ihr sich niederbeugte, um ihre Hand zu küssen, strömte ihm aus ihrem Peignoir ein fast betäubender Veilchenduft entgegen. Er setzte sich neben seine Kousine und verschlang sie fast mit seinen Blicken, und in den Blicken konnte man lesen, daß dieses Weib in dem weißen Morgen— rocke und mit den zierlichen Pantöffelchen für ihn die Ver⸗ wirklichung seiner Träume zu sein schien. „Weißt Du, Jas, ich habe mich entschlossen, noch länger zu bleiben, als ich anfangs beabsichtigte— acht bis vierzehn Tage vielleicht. Ich kenne Ongrod noch gar nicht, ebenso wenig die Gesinnung und die Lebensweise der hiesigen Bevölkerung. Ein Mensch, welcher denkt, soll keine Gelegenheit versäumen, um seine Kenntnisse zu bereichern.“ „Hier herrscht ein Chaos, ein Durcheinander von Sprachen, Kousinchen, in welches Du Ordnung und Vervollkommnung bringen kannst,“ scherzte er. Sie verstand sich schön zu kleiden und gut sich auszudrücken, trug weiße Peignoirs und studirte die Menschen— das war ihm das Ideal eines Weibes, das ihm in der begrenzten Sphäre seiner engen Verhältnisse bislang noch nicht begegnet war. Er dankte seiner Kousine herzlich für die Verlängerung ihres Be⸗ suches. Anna hatte unterdessen schweigend dagesessen; ihre Wangen waren bleicher geworden. Schließlich sagte sie:„gestern hatten wir eine so große Hitze, und heute regnet es.“ Diese Bemerkung war ganz richtig, allein sie stand in gar keinem Einklange mit den letzten Worten des Besuches, so daß die gelehrte Kousine ein leichtes ironisches Lächeln nicht unter⸗ b . 2332 drücken konnte; der Gatte zog die Augenbrauen finster zusammen. Doch die arme, sanfte Anna und ihr gutes Herz verdienten solche Behandlung nicht. Wohl hatte sie das Lächeln der Paula und den Unwillen ihres Mannes bemerkt, aber unbeirrt fing sie ein Gespräch an, schilderte die Stadt, die Häuser und die Einwohner und schloß mit dem Bemerken, daß die Miethen jedes Jahr theurer würden, und daß es sehr viele Arme und Unglückliche am Orte gäbe. Letzteres gab Paula Veranlassung, über ökonomisch⸗ politische Dinge zu sprechen, wie über Arbeit und Kapital, über das Verhältniß der Ar⸗ beiter zu den Fabri⸗ Hatte ich doch eine Banknote von fünfzig Mark in meinen Händen! Fünfzig Mark, ich kann es nicht glauben. Wie das Manna in der Wüste, so sind sie mir unerwartet zugefallen. Und für was? Für Stunden, die ich erst geben soll! Natürlich ist das ihr Werk, diese Hülfe in der Noth! Ich bin beschämt, tief beschämt, denn ich muß mir eingestehn, daß sie mir trotz ihres gütigen Entgegenkommens unsympathisch ist, es kann sein, daß Eifersucht die Ursache davon trägt, und auch deshalb ihre Protektion wie ein Nessushemd brennt! O mein Gott, hilf mir dieses häßliche kanten u. s. w. Sie sprach beredt und sach— verständig und ge— brauchte sehr viele Fremdwörter; sie ver— stand ja vier fremde Sprachen. Mirewicz beherrschte nicht so viele Sprachen, doch keine war ihm gänzlich fremd, da er fleißig las und studirte. Nach einer Stunde sah er plötzlich auf die Uhr und bemerkte, daß es Zeit sei, auf das Ge— richt zu gehen, wo ihn seine Klienten er— warteten. „Aber das ist ja Zwang, Jas!“ rief Paula.„Du bist ja nicht eine einzige Stunde Herr Deiner selbst? Nein, das ist ja schrecklich.“ Dieses Mal war er verwundert. „Was soll das heißen?“ fragte er. „Kann man etwa an— ders handeln, wenn man einen Beruf hat? Du mußtest doch ge— wiß auch tüchtig ar— beiten, Kousinchen, um das alles zu erlernen, was Du heute weißt?“ „O ich bin eine Spartanerin!— Wie viele einsame und schlaflose Nächte habe ich durchgemacht! Aber es fiel mir nicht schwer — das Lernen ist meine Lust.“ Ihre Saphiraugen erglänzten, als Mire— wicz ihr beim Abschiede die Hand küßte und leise ihr zuflüsterte:„was für ein Glück muß es sein, wenn man von der Arbeit nach Hause zurückkehrt und trifft dort ein solch herrliches Weib, wie Du bist!“ (Fortsetzung folgt.) Bulgarin im Festkleide. 8 fich* Am Bflicht und Ehre. Von J. v. Brun Barnow. (Fortsetzung.) Ich betrete wieder mein einsames Zimmer, doppelt einsam, weil mein kleiner befiederter Sänger fehlt! Und jetzt hätte ich ihm lange, lange ein warmes Zimmer schaffen können. Nach dem Oelgemälde von Professor Anton Weber. Gefühl bekämpfen. Ich habe ja kein Recht an ihn, und deshalb auch kein Recht zur Eifersucht. Bin ich aber wirklich eifer⸗ süchtig? Ist es Un⸗ recht, wenn ich sie bei allen äußeren Vorzügen, bei aller Liebenswürdigkeit, mit der sie sich meiner hülflosen Lage an⸗ genommen, dennoch eitel und oberflächlich nenne? Wenn ich daran zweifle, daß sie jemals ernst über ihre Pflichten als Hausfrau, Frau und Mutter nachgedacht? Aber woher will ich das Alles schon an diesem einen, einzigen Abend erkannt haben? Ich fürchte, es sind die bitteren Enttäu⸗ schungen in meinem Leben, die mich so scharf und so kritisch gemacht. sie selbst neben seinem Kinde stehen, als ich auf seinen reichen Weinachtstisch blickte. Alle die schönen, rei⸗ chen Geschenke kamen mir wie eine glän⸗ zende Decke vor, welche über den Ab⸗ grund eines kalten, liebeleeren Daseins ausgebreitetlag. Mit Wehmuth hatte ich dabei in meine eigene, 5— sonnenbeschienene — 4 1 Kindheit zurückge⸗ blickt. Da war kein überfüllter Tisch ge⸗ wesen. Da hatte kein Christbaum mit kostbaren Marzipansachen und bunten Glaskugeln gebrannt, da lagen als einziger Schmuck, den Schnee nachahmend, schmale Streifen weißer Watte auf den grünen Tannenzweigen, an denen rothe Pfennigherzen und ver⸗ goldete Nüsse hingen. Die Lichter waren von einfach gelbem Wachs, aber sie hatten den richtigen, weichen, süßen Weihnachts⸗ duft, und unter dem Baume lag eine, von meiner Mutter selbst angeputzte Puppe mit einem festen Porzellankopf. Daneben ein prächtiges Bilderbuch, der Struwelpeter und ein rothwollenes Kleid und gestrickte Handschuhe, alles von den fleißigen Händen der guten Mutter gearbeitet. Am Instrument saß mein Vater und spielte den schönen Choral:„O du selige, o du fröhliche N Weihnachtszeit,“ und selig und fröhlich war unsere Feststimmung. Ich sag Zuchaogz' ua dgjpuech meg Pos unmhougezun gap — 5—— 2333 W 2334„ 5 — Vorbei, vorbei! Die geliebten Hände der Eltern haben lange den ewigen Feierabend gemacht und die fröhliche Weihnachtszeit ist mit ihnen gestorben! Daß die besten Menschen oft am frühesten heimgehen müssen? Daß in Familien, wo keine Gespenster umgehen, der Tod— das gefürchtetste Gespenst, am liebsten Einkehr hält! Es ist als neide er den Glücklichen ihr sanftes Wallen im Erdenthal, wo doch nur Kampf und Noth ist, als müsse er den Faden ab⸗ schneiden, den Lauf der glücklich Vereinten trennen, damit ihre beladenen Brüder und Schwestern einen breiteren Weg haben. Die erste Stunde ist vorüber. Assessor L. hat wirklich eine schöne, aber gänzlich ungeschulte Stimme. Ich fürchte aber, ich werde ihr nicht viel Schule beibringen, denn er hält nichts vom Ueben, er will gleich Lieder singen. Dabei detonirt er unaus⸗ gesetzt. Wenn ich ihn darauf aufmerksam mache und wie noth⸗ wendig es sei, einige Zeit wenigstens fleißige Uebungen vorzu— nehmen, lacht er und meint, er beabsichtige durchaus nicht, Konzert⸗ sänger zu werden und das Detoniren könnte er auch im Lieder⸗ singen ablegen, wenn ich ihn darauf aufmerksam machte. Er scheint daran gewöhnt zu sein, daß ihm alles ohne Anstrengung zufällt. Neulich, als Elly's Mutter mich zum ersten Male mit ihrem Töchterchen besuchte, war er gerade bei mir. Sie zeigte sich sehr überrascht, ihn zu finden und äußerte mit einem Lächeln, das mich förmlich verwirrte, er scheine ja ein ungewöhnlich eifriger Schüler zu sein. Sie glaubt doch nicht, daß er bei seinem Unterricht Nebenabsichten verfolgt? Wenn mir das Urtheil der Welt nicht so gleichgültig geworden und ich eine Nachrede zu fürchten hätte, so könnte es mir fast bange werden, daß er so viel bei mir aus- und eingeht. Der Gedanke ist aber zu lächerlich, daß ich sein Magnet bei dem Eifer sein soll, mit der er die Stunden besucht. Wer aber denn? Was bedeutete ihr viel— sagendes Lächeln? Sollte etwa— nein, nein— das ist nicht möglich, das kann nicht sein, ich will diesen abscheulichen Ge— danken nicht ausdenken! Ich will mit diesem Gespenst nichts zu thun haben! Aber besser ist es doch, ich sage ihm, daß ich eine Stunde in der Woche genügend finde! Der Gedanke ist nun einmal da und nicht fortzubannen. Ich werde bitten, daß er am Vormittag seine Stunde nimmt, da bleibt er vielleicht nicht so lange; neulich, als Frau von S. bei mir war, dehnte sich die Stunde bis acht Uhr aus, das paßt mir nicht. Der Versuch ist mißglückt. Ich kann es nicht erreichen. Seine einzige freie Zeit ist Nachmittags, und eine Stunde genügt ihm nicht. Ich bin recht niedergeschlagen. Der Gedanke läßt mir Tag und Nacht keine Ruhe, daß die Gesangstunden nur Mittel zum Zweck sind. Ich komme mir wie Judas Ischarioth vor, der seinen Herrn um dreißig Silberlinge verrieth! Nein, der Vergleich paßt nicht. Ich habe nichts gethan, was einem Verrath gleich kommt. Und doch, und doch, ich wollte, ich wäre in der Lage, die Stunden aufzusagen. Ach, wie unsagbar schwer die Fessel der Armuth drückt, wenn sie uns in Verhältnisse hineindrängt, gegen welche sich unser Stolz, unsere Ehre empört. Heute Morgen kam Frau von S. zu mir und lud mich un— gewoͤhnlich herzlich zu einer musikalischen Soiree in ihrem Hause ein. Sie fragte mich, welche Stunde mir wohl am besten passen würde, wo sie mit Assessor L. sich bei mir ein Duett für diesen Abend einüben könnte. Was sollte ich antworten? Ich war in einiger Verlegenheit. Sie hatte die Frage so natürlich, so unbefangen gestellt, schien es als ganz felbstoerständlich anzunehmen, daß ich nicht einen Moment zögern würde, ihr die Stunde zu nennen, und als es doch geschah, deutete sie mein Zögern so beschämend falsch, meinte lebhaft, natürlich honorire ich diese Stunde noch ganz besonders, daß ich, über und über roth, nur unbeholfen stammeln konnte, daß hiervon durchaus nicht die Rede sein könnte, ich wäre ihr ja so sehr zum Dank verpflichtet.— „Nun gut, mein liebes Fräulein,“ schnitt sie eine weitere Entgegnung ab,„so lassen Sie uns nur noch Tag und Stunde festsetzen, sagen wir morgen, da ist Mittwoch, so viel ich mich erinnere, hat Herr von L. dann auch gerade seine Stunde und wir können gleich zusammen das Duett versuchen. Sonnabend ist unsere Gesellschaft, geht es noch nicht sicher mit dem Duett, bleiben uns noch zwei Probetage. gleich zwei Stunden berichtige; denn ich fürchte, wir werden mit einer keinenfalls genug haben!“ 5 Was sollte ich thun? Ich wollte das Geld zurückweisen, etwas erwidern, sie ließ es garnicht dazu kommen. Sie legte es hastig auf den Tisch, rief mir noch in der Thüre ein„Auf 1 Wiedersehn, morgen Nachmittag“ zu, und fort war sie. Eine tiefe Mißstimmung, eine bange Angst bemächtigte sich meiner. Nicht allein wegen dieser angesagten Stunden, nein— augen⸗ blicklich beunruhigte mich fast noch mehr der Gedanke, daß ich in der Soirke erscheinen, ihm wieder begegnen soll. Dieses Mal kann ich weder meine Augen hinter der entstellten blauen Brille bergen, noch mich vollständig im Hintergrund halten, da ich das Duett begleiten muß. 0 Unter andern Verhältnissen hätte ich mit Freuden die Ge⸗ legenheit ergriffen, mich dadurch in der Gesellschaft bekannt zu machen. So muthlos ich auch geworden, so unmoglich mir auch jedes Auftreten in einem öffentlichen Lokale schien, so hatte die schwere Zeit, in der ich unter bitteren Enttäuschungen um meine Existenz gerungen, mir zur Genüge bewiesen, daß wenn ich mich ängstlich gegen jede Berührung mit der Welt, den Menschen abschloß, und gleich die erste Gelegenheit, welche sich mir darbot, mein Inserat durch mein Auftreten in einem gewahlten Kreise zu unterstützen, unbenutzt vorüber gehen ließ, ich ebenso unklug als thöricht handelte. War ich auch bei jener Frau nichts als das Mittel zum Zweck, so brauchte ich sie im Grunde genommen doch auch nur als ein solches zu betrachten, wenn sich auch mein Herz gegen eine derartige Berechnung empörte. Was ging mich uͤberhaupt ihre Moral an? Und dann, seh' ich nicht vielleicht Gespenster, die nur mein Mißtrauen gegen seine Frau herauf beschworen hatten? Und die Begegnung mit ihm, weshalb fürchte ich dieselbe? Es war ja zwischen uns lange, lange alles anders geworden! Seit Jahren hatten wir nichts von einander gehört. Jahre, in denen mein Glücksschiff gescheitert, er hingegen aus den brandenden Wogen sein Schiff in den sichern Hafen geführt. Freilich, demüthigend war es, furchtbar demüthigend, der Protege seiner Frau zu sein. Einzugestehn ohne Worte, daß ich mit meiner Stimme nichts von den erträumten Schätzen erreicht, ihn fühlen zu lassen, wie recht er daran gethan, auf diese Schätze nicht zu rechnen! Aber ich will stark sein, ich will ihm zeigen, daß ich die Protektion, die Abhängigkeit von seiner Frau, fern aller kleinlichen Bedenken, ohne falschen Stolz, dankbar an⸗ genommen habe und daß, wenn auch in allen Hoffnungen be⸗ trogen, ich um das tägliche Brod zwar hart, aber ehrlich kämpfe. Mag dieses auch sein Mitleid erregen, seine Achtung kann es mir nicht rauben. Ich fühle mich unendlich erleichtert, da ich zu diesem Entschluß gekommen bin und sehe jetzt viel ruhiger dem gefürchteten Abend, wie den Gesangproben entgegen. letzteren gaben mir keine Veranlassung, mein Mißtrauen zu nähren und andere als rein freundschaftliche Beziehungen zwischen von S. und dem Assessor vorauszusetzen. Sie sind so aus⸗ schließlich bei der Sache, singen mit solchem Eifer, daß für sie keine Zeit zu irgend einer, auch noch so kurzen Unterhaltung bleibt, und als das Duett nach der zweiten Stunde überraschend gut und jehlerlos gesungen worden, meinten Beide, daß eine weitere Probe wohl überflüssig sei. Der verhängnißvolle Abend ist da. voll“ aus mehr als einem Grunde! Trotz alles eingeredeten Stoicismus, mit dem ich diesem ent⸗ gegen gehe, ziehe ich doch mit zitternder Hand mein blaues Seidenkleid aus seiner dunklen Vergessenheit und schmücke mich Sch sage„verhängulh Sie erlauben, daß ich Ihnen damit. Ich habe keine Wahl, es muß sein! Ich ordne m Haar vor dem Spiegel. Zum ersten Mal überrascht mich seine Fülle und ich habe Mühe, es in einen einfachen Knoten zu schlingen. Die Frisur sieht vielleicht zu jugendlich aus, aber es in die Höhe zu thürmen, widerstrebt mir, es kommt mir vor, als wollte ich damit gleichsam auf seinen Reichthum aufmerksam machen. Frau von S. hatte mich gebeten, nicht zu spat zu kommen, aber schon schlägt es vom nahen Thurme die Stunde und noch zögere ich hinunter zu gehen. Da wird meiner Unentschlossenheit ein Ende gemacht. Kleine, hastige Schritte ————— R 9. N N* 8 2 2335 N Schläfen und mein Herz zuckt erschreckt zusammen. nähern sich meiner Thüre, sie geht auf und Elly stürmt herein. Sie trägt ein kurzes, weißes Kleidchen, Hals und Aermchen sind bloß und sehen ganz blau gefroren aus. „Mein Gott, Elly!“ rufe ich besorgt,„wie kannst Du die kalte Treppe in diesem leichten Anzuge herauf kommen?“ „Mama schickt mich, ich soll Dich holen!“ „Aber so hat Dich Mama sicherlich nicht geschickt. Dein Tuch?“ f ö „Mein Tuch? Ich habe gar keins umgenommen. Mir ist auch garnicht kalt— wirklich nicht.“ „Aber Du mußt Dich erkälten. Mama wird sonst schelten.“ „Dazu hat Mama gar keine Zeit, die spricht mit dem Onkel Assessor, er schenkte ihr soeben ein wundervolles Bouquet.“ „Aber Deine Bonne, wo ist sie?“ „Die hilft den Thee serviren.“ Wir steigen die erleuchtete Treppe hinab. „Elfriede!“ Die Stimme kenne ich— mir schlägt das Herz. des Vorsaals steht auf, er kommt uns entgegen. „Elfriede, wie konntest Du in Deinem leichten Kleidchen fortlaufen!“ zürnte er. „O, Papa, ich sollte das Fräulein holen, sie hat mir ein Tuch umgegeben.“ Jetzt erst blickt er nach mir hin. Er stutzt, das volle Licht des hell erleuchteten Vorsaals fällt auf mein erblaßtes Gesicht und läßt ihn einen Moment wie vor einer Vision zurückprallen. Aber hier ist nicht der Ort, seinem Erstaunen, seinem Befremden Ausdruck zu geben. Die hin und wieder eilenden Diener, das unruhige Kind, welches mich vorwärts in den Saal zerrt, neu ankommende Gäste, lassen nur eine flüchtige, förmliche Begrüßung zu. An dem Ausdruck seines Gesichtes erkenne ich aber genugsam, wie diese Begegnung ihn verwirrt, erschüttert hat. Auch mein Herz klopft schneller, meine Wangen glühen, ich sehe das, als mein Blick zufällig in den hohen Trümeau fällt, welcher sich dem Eingange des Empfangszimmers gegenüber befindet. Wo ist meine Ruhe, meine Resignation? O, um die Selbstüber⸗ schätzung, mit der ich mich in eine so thörichte, verhängnißvolle Sicherheit eingewiegt habe. Wie eine Blinde, so umklammere ich die weiche, schwache Hand des Kindes und bitte mit leiser Stimme, daß es bei mir bleiben möchte. „Natürlich, Fräulein!“ versicherte es wichtig.„Ich freue mich ja so sehr, daß Sie da find, ich habe Niemand so lieb wie Sie — Papa ausgenommen!“ „Und Mama, Du vergißt Mama!“ „O, die hat nie Zeit für mich. Heute Morgen noch hat Papa ihr gesagt, sie überließe mich viel zu sehr der Bonne und ginge nur ihrem Vergnügen nach!“ Welches Familienbild giebt diese altkluge Geschwätzigkeit des Kindes! 8 Ihre Mutter hat uns jetzt bemerkt. Sie löst sich aus einem Kreis von Herren und Damen und kommt auf mich zu.„Ich sehe schon, ich muß Ihnen entgegen kommen, sonst hält sie Ihre Bescheidenheit von einer Begrüßung zurück und mein selbstsüchtiges Töchterlein nimmt Sie wieder allein in Beschlag. Heute ge— hören Sie aber mir und meinen Gästen. Sie sind mein Pro— tege, mit dem ich glänzen will!“ Mit mir glänzen! Ich muß lächeln. Ich kann ihr höchstens zur Folie dienen. Sie scheint meine Gedanken zu errathen; denn sie erröthet und betheuert lebhaft:„Ich bin überrascht, wie gut Sie ausseh'n!“ Dann, als fühle sie die Zweideutigkeit dieses Kompliments, setzt sie hinzu:„Sie sollten immer Blau tragen, es hebt die Farbe Ihrer Augen!“ Ich werde jetzt von ihr einigen Damen vorgestellt, welche dieses Mal die arme Gesanglehrerin mehr beachten als am Christ⸗ abend und einige freundliche Worte mit mir sprechen. Auch mehrere Herren ließen sich mir vorstellen, nur er hält sich mir fern; aber oft fühle ich mehr, als ich es sehe, seine Blicke auf mir mit einem befremdlichen Ausdruck ruhen. Sollte er etwa glauben, daß ich mich ihm absichtlich in den Weg gestellt? Das Blut strömt mir bei diesem Gedanken glühend heiß 91 den ein, zu einer so niedrigen Beurtheilung meines Charakters habe ich ihm Wo ist Hier, nimm diesen Shawl, Die Thüre keine Veranlassung gegeben und ihm selbst liegen so kleinliche Gedanken sicherlich fern. Vollständig vermag ich aber die Be⸗ sorgniß, daß er meine Anwesenheit falsch beurtheilen könnte, nicht zu bannen. Am liebsten möchte ich die Gesellschaft verlassen, daran ist aber nicht zu denken. Ich muß aushalten. Ich muß das Mendelssohn'sche Duett begleiten, das ungetheilten Beifall erntet, muß jetzt selbst ein Lied vortragen. Jeder scheint an— zunehmen, daß dieses auf dem Programm des Abends steht. Was soll ich singen? Mit brillanten Koloraturen zu glänzen habe ich aufgegeben, meine Stimme hat nach meiner Krankheit ihre Biegsamkeit und Höhe verloren. Sie reicht nicht mehr aus, einen Konzertsaal zu füllen, hier in diesem hohen, aber nicht übermäßig großen Zimmer darf ich es wagen. Ich wähle„Mein Lied“.— Es liegt in ihm alles, was ich noch von Glück auf Erden besitze, das soll er wissen.—(Fortsetzung folgt.) Lee ät Schill's Aufruf an das Deutsche Volk vom Jahre 1809. Das Original dieses historischen Schriftstückes, welches man nicht mehr vorhanden glaubte, ist kürzlich aufgefunden worden und befand sich im Besitze einer Familie in Königsberg i. Pr. Der Inhalt des von Ferdinand v. Schill eigen⸗ händig entworfenen Aufrufes ist wörtlich folgender: „An die Deutschen, meine in den Ketten eines fremden Volkes schmachtenden Brüder. Der Augenblick ist erschienen, wo ihr die Fesseln abwerftet und eine neue Verfassung wieder erhalten könnt, unter welcher ihr seit Jahrhunderten glücklich Lebtet, bis der unbegräntzte Ehrgeitz eines Kühnen Eroberers unermeßliches Elend über das Vaterland verbreitete. Einmahl auch folgt meinem Winke! und wir sind wie wir ehemahls, zeigt die Flugglocke dieses schröcklichen Zeigen des Brandes, fasset in eure Herzen die reine Flamme der Vaterlandsliebe an, und seid für eure Unterdrücker das Zeichen des Unterganges. Alles greife zu den Waffen, Sensen und Picken mögen die Stelle der Gewehre vertreten. Bald werden englische Waffen sie ersetzen, die schon angekommen sind. Mit kräftiger Hand geführt, wird auch die Senze zu streiten willkommen sein. Jeder greife zu den Waffen, nehmet Theil an der Befreiung des Vaterlandes, erkämpfet für euch und eure Enkel Ruhe und Zufriedenheit. Wer feige genug ist, sich der ehren⸗ vollen Aufforderung zu entziehen, den dreffe Schmag und Verachtung, der sei zeitlebens gebrandtmarkt; ein edles deutsches Mädchen reiche nie die Hand einem solchen Verachter. Fasset Muth! Gott ist mit uns, und unsere gerechte Sache. Das Gebet der Greise möge Segen für uns er⸗ flöhen. Siegreich rücken Oestreicher Heere vor, trotz der prahlerischen Versprechungen Frankreichs. Die Tyroler haben schon ihre Fesseln zer⸗ brochen. Die braven Hessen haben sich gesammelt. An der Spitze ge⸗ prüfter, im Kampfe geübter Krieger eile ich zu euch. Balt wird die ge⸗ rechte Sache siegen, der alte Ruhm des Vaterlandes wieder hergestellt sein. Auf zu den Waffen. F. v. Schill.“ M. LI. Große Prachtschiffe der Vorzeit. Hiero von Syrakus hatte eine be⸗ sondere Vorliebe für Schiffbaukunst, und ließ unter andern ein Schiff bauen, welches hinsichtlich seiner Größe und Pracht seines Gleichen suchte. Das Holz zu diesem Schiffe wurde vom Aetng geholt, welcher auch die beiden kleinen Maste lieferte; der dritte größte Mast wurde aber von Eng⸗ land herübergeschafft. Dieses ungeheure Schiff hatte drei Stockwerke; wunderschöne Mosaiken, das Leben Homers und Scenen aus der Iliade darstellend, bildeten die Fußböden. Es befanden sich auf diesem Schiffe sogar mehrere Tempel und verschiedene Bäder. Der Saal der Venus war mit Achat gepflastert, die Thüren waren von Elfenbein, an den Wänden standen Vasen und Statuen. Auch ein Garten war angelegt, der Lauben gänge von Epheu und Wein enthielt, und durch Springbrunnen von süßem Wasser bewässert wurde. Der Bibliotheksaal war von Buchs⸗ baumholz, in der Kuppel desselben waren die Sternbilder dargestellt, welche zur Zeit der Abfahrt des Schiffes am Himmel standen. Im untersten Stockwerke befanden sich zehn Pferde in einem großen luftigen Stalle, die Knechte hatten ihre Wohnungen über demselben. Außer einem Fischbehälter mit Meerwasser konnte das Schiff noch 60 000 Liter Wasser fassen. Küchen und Bäckereien schwammen in kleinen Thürmchen zu beiden Seiten des Schiffes. Acht große Thürme mit allen möglichen Ver⸗ theidigungs⸗ und Belagerungsmaschinen, unter denen auch die des Ar⸗ chimedes sich befand, welche einen Stein von drei Centnern eine Stadie weit schleuderte, erhoben sich über das oberste Verdeck, welches von zwei Reihen Karyathiden getragen wurde. Das Schiff hatte vier eiserne und vier hölzerne Anker. Hiero schickte dieses Schiff als Geschenk für Ptole⸗ mäus nach Aegypten, wo es um so willkommener war, da gerade Hungers⸗ noth herrschte, und es außer Fischen, Fleisch, Oel und anderen Lebens⸗ mitteln noch 60 000 Maaß Getreide enthielt. NM. Eine Dame kommt eiligen Schrittes zu einem Arzt.„Herr Doktor, mein Mann hat sich erkältet. Rasch etwas gegen das Reißen; es muß ein rheumatischer Anfall sein.“„So, so,“ meint der Arzt und verschreibt etwas, dann sagt er:„Rasch in die Apotheke und rasch einreiben! Hilft es, so kommen Sie schleunigst und sagen es mir; ich leide selbst am Reißen.“ W. G. X — 2 2 f 3 2336. 45 Zuchstaben⸗Räthsel. Aus folgenden Buchstaben: a a a2 4 d e „es iii II n n 5 5 1„„o 1 re 1171 bu* 22 sollen sechs Wörter gebildet und so in ein Quadrat gestellt werden, daß die beiden Diagonalen, von links oben nach rechts unten und von links unten nach 1 0 oben gelesen, die Namen zweier Ostseeinseln ergeben. Die sechs Wörter nennen: 1. Ein Königreich. 2. Ein Wort für Geist, Scharfsinn. 3. Ein Goethe sches Drama. 4. Eine Stadt im preußischen 8 ierungsbezirk Frankfurt an der Oder. 5. Ein vielbesuchtes Ostseebad. in Dorf in Nieder-Oesterreich. Sitben⸗Näthsel. Aus folgenden Silben: a a a ca cher dor e e e er fe feu ge ha land li li li mi ni ni now o pon ra ral rat rau rau see so son u sind elf Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, zwei Schweizer Kantone nennen. Die elf Wörter ergeben: 1. Eine Kreisstadt im preußischen Re⸗ . Frankfurt. 2. Ein südrussisches Gouvernement am schwarzen eer. 3. Den hoͤchsten Berg Armeniens. 4. Eine Blume. 5. Einen männlichen Vornamen. 6. Eine Stadt im Großherzogthum Mecklenburg— Schwerin. 7. Eine Küstenlandschaft in Chile. 8. Ein Grenzgebirge. 9. Eine dänische Insel. 10. Einen weiblichen Vornamen. 11. Die Haupt— Insel von Japan. Logogriph. Entstroͤmt in schöner Frühlingszeit Dem Himmelszelt oft sanfter Regen, Und sehen wir der Erntezeit Mit großer Freudigkeit entgegen; Blüh'n auch die Bäume voller Pracht, Schlägt nicht der Hagel Blüthen nieder, Zerstört kein Frost sie in der Nacht, Und singen wir drob Freudenlieder, Dann gilt das erste Wort! Doch stellt ihr anders dieses Wort, Und nehmt sein zweites Zeichen fort, Und setzt es als das dritte hin, Das dritte Zeichen aber macht Zum Zweiten; dann giebt's andern Sinn. Wenn hell der Blitz, der Donner kracht, Wenn Wolken sich auf Wolken thürmen, Und die Orkane schrecklich stürmen, Kurz, wenn der Elemente Macht, Den schwachen Menschen beben macht; Dann gilt das Wort, das so gestellt. Räthsel. Nimm einen Fluß im fernen Afrika. Lies rückwärts ihn und setz' daran ein A, So ist der Name meines Schaͤtzchens da. Wanken des Silben Raußsels in voriger Nummer: Neue Besen kehren gut. 1. Naphtali. 2 2. Elisabeth. 3. Uri. 4. Elster. 5. Byron. 6. Emanuel. 7. Spremberg. 8. Erdbeere. 9. Nahe. 10. Kopenhagen. 11. Eris. 12. Harmonika. 13. Rose. 14. Erbse. 15. Natter. 16. Galopp. 17. Unstrut. 18. Tannhäuser;— des Räthsels: Retter;— des Spruch⸗ Räthsels: Fängst du dein Wert mit Beten an, ist es zur Hälfte schon gethan;— des Röͤsselsprungs: Im Kreis von Wald und Binsen, O sei nicht scheu und bloͤde! Bedeckt mit Wasserlinsen, Bei mir ist keine Rede Wie ruht der kleine See! Von Jagd, Verletzung, Tod, Zu den 8 Stellen, Mir thut's um Waldesfrieden, ingaukelt von Libellen, Den Gott auch dir beschieden, Tritt hier ein badend Reh. Ja selber einzig noth. Aarl Kauer. Schach. Problem Nr. 532 von J. A. Kaiser in Philadelphia. Im Turnier der 5 News“ mit dem vierten Preise gekrönt. 19 n eee 1 1 1 ee AN wat. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten 75 Matt. Auflösungen. Problem Nr. 522 von Dr. Wehrmeister in Marklissa. 1) Taß—b5! Lb ds 2) Sdö far L4d3—-böf 3) Kd7-e7 g5 fa:(Lfö, Se6 f ꝛc.) 4 eZ fd:(Dd5, e6 resp. Sg6)f Das 1 welches nach 1 e zur Aus rung Br ift: 2) Tb ba LIB 3) Dié H Kd5 4D ds Malt resp. beliebig 3) e- df Tda4 4 Gegen 1) 108 oder Sg4(di! folgt 2 Te 43 gu enisprechend Matt; gegen 1). 5 dagegen 2) 8 zieht und ebenfalls 31 Matt.— Leider gestattet— Ausgabe auch zwei lösungen, welche von W. Kron in B., Dr. Knopf in G., T9. Kraus in B. F Möller und dem Schachklub in Gl. a e en wurden: 1) Tas LS 2) T5. 3) T5 J) U, resp. 1. beliebig 2) Test K 8) Tdef 4 Dds Matt, und 1) Kdf-es Sb5! 2). In der in Nr. 35 dieses Blattes gegebenen Position Nr. 524 ist nur die erste dieser lösungen beseitigt, beide aber sind parirt. wenn auf 56 ein schwarzer Bauer in Nr. 522 hinzugefügt wird.— Gegen 1) Tas vertheidigt sich n mit LAB. 1 TC 5 3 Sdg— Die Autorlösung wurde angegeben von Br. Rnopf in G. und Kron in Problem Nr. 525 von Dr. A. 1 in München. 1) Se6-f4! bb. 1) Sel—d3: 2) Sk4—g67 25 fo: 2 Sfa— ds Keö—el 3) Lb7—e8f Kf5—g5 5) Daß 15, Ked—13 4 ha-hif 4 Lb7-d5f Weitere gute Varianten sind: 1).. Kd. 2) Dg4 f Ke5 3) Dia Kts oder et 4 15 Matt und das neu hinzugekommene Spiel(Problem Nr. 500 zu vergleichen) 1) 46.— 2) St4— 5 Kad oder beliebig 35 Des und 4 De xesp. c Matt. Die 52 Weiß auf andere Gegenzüge zur Ausführung bringt. ist 2) Scce Ke 3) Les Malt.— Lösung wurde 8 von W. Kron in B., Dr. Knopf in G, Th Kraus in B., in G., F. Möller in A. Problem Nr. 526 von v. Broecker in Putbus. 1) Dag—el Seꝛ—el: 9 Kdd—eb 2) Ses—e67 Kd ds(es) 2] Delf“ Sti, Kfl 1c. 3) ed4—eß(Leg), 3) La5—07(Le3, Dd6),f Diesen beiden 1 3 c noch folgende Varianten an: 1).. 8st 2 Ke5 3) D oder Les Matt.„Kc 2) De2 Sdi cg, fd) 2c. 3) Db, bs—b4 resp. Matt 1).. 4c 2) 5.17 e dem Drohspiel 2)*(es 3) Das 4) Matt.— Die Lösung wurde angegeben von Dr. Boeltel in S., M., Tb. Kraus in B., W. Kron in B, Dr. Knopf in G., F. Möller in A. und dem Schachklub in Gl. Problem Nr. 527 von J. Dobrusky in Prag. 1) Dgi7-hb7l Ke- dß5: 1 Ke4—dt: 2) Ke2—4d3 Ke, es zꝛc. 2) Ke2—f3] beliebig 3) Sba. Se7 resp. Deaf 3) Dbr7-edf Varianten: 1).. Sc, c 2) Dagt Kds: 3) Scr resp. b4 Matt. II.. L4d2 9 805 Kd ꝛc. 3) Det tesp. ds Matt. 1).. Sb7(7) 2 Del 8) entsprechend Matt und 1.. Sd oder beliebig 21 Sch 3, Dds resp. el Matt.— Ein sehr feines und gehaltvolles unte mit einem vorzüglichen II— Die Lösung würde angegeben von Ty. Kraus in 8. Dr. Knopf in G. und W. Kron in B. Water echsel. 1. 2 8 1e des 2 iels 3 der Lag Nummtt. a 24—2 1 m en Tes un 1 H. St in B F 820 i nig dard i) Kb 46 iu en Dan 83 155 42 127 desten Geger spiel ungen werden Gegen 1). es- würde nicht La⁵ zum Ziel führen, Skwarf wählt daher die bessere Bertheldigung 1). 56—b5. Drud und Verlag der„Volks- Zeitung“, Akt.-Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Berantwottlicher Redakteur: R. Elche in Berlin, Lützowftr. 105.