Mr. 5 zu den Oberhessischen UMachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt bieser Zeitschrift würd strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 13. Mai. 1688. Ein dunkler Schatten. Novelle von M. Elton. (Fortsetzung.) Luise umarmte, laut schluchzend, die alte Frau und entfernte sich rasch. Als sie sich auf den leichten Wagen geschwungen und die Zügel zur Hand genommen, sah sie in der Thür einen Mann von gedrungener Gestalt erscheinen, der außerordentlich lebhafte Geberden mit Kopf und Händen gegen den hinter ihm sichtbar werdenden Curt von Rolfs machte. Curt's Gesicht war geröthet und es lag wie Verlegenheit und Verwirrung in den gewöhnlich so ruhigen, klaren Zügen. Als der Gläubiger, der eine barsche Unnachgiebigkeit ge— zeigt, sich entfernt hatte und Curt bestürzt einen Augenblick in das untere Zimmer, um sich zu sammelu, zurückgekehrt war, ließ ihn schon seine Mutter ersuchen, einen Augenblick zu ihr hinauf in das Thurmzimmer zu kommen. „Erräthst Du, welche Nachricht mir Deines Bruders Braut, bringen wollte?“ sragte Frau von Rolfs. „Durchaus nicht, Mütterchen,“ erwiderte Curt mit sorglos heiterem Gesicht.„Vielleicht ist endlich der Hochzeitstag be— stimmt—“ „Die Verlobung ist aufgehoben, Luise hat Franz sein Wort zurückgegeben,“ sagte sie müde. Curt stand vor ihr und rührte sich nicht. „Kommt Dir dies so unerwartet?“ fragte die Mutter. „Allerdings,“ antwortete er betreten;„zwar wer dürfte je auf das Wort eines Mädchens bauen? Das verweht jeder leise Wind— hauch,“ sagte er schnell mit einem herben Ton.„Franz wird sich zu trösten wissen, denn schön und edel ist es nicht, daß sie jetzt zurücktritt.“ „Curt, die Menschen wollen genießen; kämpfen und ent— behren ein ganzes Leben lang, das ist hart, mein Kind,“ sprach Frau von Rolfs mit ergreifendem Ton. „Das kann nur die Liebe, die grenzenlose Liebe einer Mutter,“ flüsterte er mit dem Ausdruck einer rührenden Bewunderung. Sie sah ihn mit dankbarer Innigkeit an und versuchte zu lächeln. „Der gefürchtete Mann zögert lange,“ sagte sie und ihr Gesicht nahm wieder den Ausdruck der Sorge an. „Er ist schon dagewesen!“ rief Curt mit einer so natürlichen Munterkeit, daß Frau von Rolfs sich täuschen ließ. Sie sah ihn groß an und er fuhr fröhlich fort:„Nun hat mich Franz zu seinem Anwalt mit unbegrenzter Vollmacht ernannt, und er kann sicher sein, daß ich mir diesen Vertrauensposten nicht mehr nehmen lassen werde. Zwei sind klüger als Einer, und nun werden wir uns vereint tapfer wehren.“ „Was hast Du erlangt, mein Sohn?“ fragte sie und es zeigte sich etwas wie Hoffnung in dem sorgenvollen Gesicht. „Ein Anwalt ist verschwiegen wie das Grab, Mutter. Vor der Hand laß uns nur wirken und schaffen, und bedenke, daß es Mißtrauen in unser Können setzen hieße, wenn Du Dich weiter mit Sorgen plagen wolltest. Willst Du uns und der Zukunft fest vertrauen?“ fragte er und hielt ihr treuherzig die kräftige Rechte hin.“ Der dankbare Blick, mit dem seine Mutter ihre Hand in die seine legte, belohnte ihn für den Zwang, den er sich auf— erlegte. „Mag es denn kommen, wie es will,“ sagte Curt im Fort— eilen;„zu jeder Zeit kann ich mich als Rechtsanwalt in einer größeren Stadt niederlassen und für die Mutter das tägliche Brot verdienen; in Sorgen und im Elend untergehen, das soll und darf sie nicht, die beste, treue Mutter!“ Es war spät am Abend. Rastlose Unruhe, Todesangst jagte Frau von Rolfs hinunter in den Hof, sie lauschte in die tiefe Dunkelheit,— Alles war unheilvoll still. Curt trat mit einigen Männern aus einem der Wirthschaftsgebäude, die letzteren trugen Laternen, und Alle verschwanden in der Nacht. Die Baronin sah die Lichter verschwinden, sie lauschte athemlos und ging händeringend hinauf in das Thurmzimmer. Die ganze Nacht spähte sie am Fenster nach den zurückkehrenden Laternen, und als der Wintermorgen sich trübe in das Zimmer schlich, fiel sein erstes Dämmern auf die alte Frau, die in tiefer Ohn⸗ macht auf dem Boden lag. Der ganze Tag war mit der Aufsuchung des Jägers, der früh am Morgen Mutzdorf verlassen hatte, vergangen. Erst mit ein- brechender Dämmerung des folgenden Tages brachte Curt seinen Bruder auf einem Wagen nach Hause zurück. Franz von Rolfs war todt; auf dem Platze, wo er aufgefunden worden war, sah man deutlich, daß er im Kampfe mit einem Wildschwein ge— wesen, ob und wie nun der Schuß sich gegen ihn gewendet und ihm in die Schläfe gedrungen war, ob freiwillig oder absichts— los, darüber konnte man nur Vermuthungen hegen. Curt war furchtbar erschüttert. Das hastige Wesen seines Bruders am letzten Morgen, sein Ausdruck„unbegrenzte Vollmacht“ und das kurze, grimmige Lachen hinterdrein schienen ihm nun grauen⸗ volle Beweise dafür, daß er den Selbstmord beabsichtigt. Dazu kam noch das schnöde Verabschiedetwerden von Seiten des Vaters seiner Braut, so daß Curt kaum mehr ein Zweifel blieb. Während die Knechte von Mutzdorf darüber diskutirten, wie der Eber an⸗ gegriffen haben und wie der gnädige Herr die Wendung gemacht haben müsse, daß der Schuß sich gegen ihn gekehrt, ging Curt in einem Uebermaß von Hoffnungslosigkeit neben dem Wagen her, die ihm jeden weiteren Schritt und jedes fernere Wollen 8154. 1 als unnütz und zwecklos erscheinen ließ. Da hatte es im un⸗ nützen Kampfe mit gigantischen Gewalten ausgerungen, dies blühende, kraftvolle Leben.„Umsonst, umsonst!“ hatte ihm jeder neue Tag zugerufen, bis er endlich mit raschem Entschluß die erdrückende Last abgeworfen. Nun war Alles ruhig geworden, kein unüberwindliches Geschick hatte mehr Macht über ihn. Da lag er so friedlich, das im Tode so edle, ruhige Angesicht dem dämmernden Winterhimmel zugekehrt, keine der betrogenen Lebens— hoffnungen störte den heiligen Frieden in dem Ausdruck glück⸗ lichen Ausruhens. Curt's Auge hing mit einem unbeschreib⸗ lichen Wehgefühl an den im Tode erblichenen Zügen.„Arme Mutter,“ flüsterten seine bebenden Lippen. Er schrak auf, es lag vor dem Todten das düstere Haus, das er am Morgen, um die letzte Hoffnung betrogen, verlassen hatte. Eine Gestalt flog aus dem Gitterthor auf den wie aus einem schweren Traum erwachenden Curt zu.„Lebt er?“ fragte Luise von Horax mit einem Jammergesicht. „Er ist todt!“ antwortete Curt dumpf. „Ich habe ihn getödtet!“ schrie das Mädchen auf und starrte den Todten an. „Franz ist im Kampfe mit einem Eber gefallen, eine Wen⸗ dung gegen das sich ihm im Rücken nähernde Thier hat der Kugel die unglückliche Richtung gegeben,“ erklärte Curt mit ton— loser Stimme. „Ist es wahr, Curt?“ fragte Luise mit Todesangst und griff nach Curt's Hand. Dieser zog unwillkürlich seine Rechte zurück. „O, Du und Deine Mutter, Ihr könnt es mir nimmer ver⸗ zeihen, was ich dem Todten in der letzten Stunde angethan,“ rief sie und wendete schaudernd das Gesicht ab. g Der Wagen setzte seinen Weg in der trüben lautlosen Nacht fort. In der verfallenen Kapelle des Schlosses von Mutzdorf fand Curt seine Mutter bleich und unbeweglich wie ein Steinbild auf den Knien.„Mutter,“ neigte sich Curt sanft zu ihr. Sie sah mit glanzlosen Augen zu ihm empor.„Todt?“ klang es tonlos von ihren Lippen. Er nickte bejahend. „Laß meinen Sohn hierher bringen.“ Er that nach ihrem Willen; an den Stufen des Altars wurde das Paradebett aufgerichtet, und als das Bild männlicher Kraft mit den edlen, ernsten Zügen vor der Mutter dalag, da brach ihre Kraft und lautlos sank sie an der Leiche ihres Sohnes nieder. VII. In der Nähe von Travemünde liegt ein kleiner Badeort an der Ostsee, welcher zumeist von wirklich Leidenden oder Solchen aufgesucht wird, die jeder Störung ihres jungen eheliches Glückes aus dem Wege gehen wollen. Es war Ansangs September, die Sonne lag warm auf dem Meeresstrand; Kinder und Erwachsene saßen auf dem durch— wärmten Sand, spielend und plaudernd.„Da kommen sie!“ ging es flüsternd durch die Gesellschaft am Meeresufer und alle Augen richteten sich auf ein junges Paar, zwei hochgewachsene elegante Erscheinungen, die sich, wie alltäglich, etwas abgeson— dert von den Uebrigen, hier niederließen. Der Herr nahm den Schaukelstuhl ein, der für ihn bereit stand, die junge Dame setzte sich zu seinen Füßen auf den Sand. Er warf einen zer⸗ streuten Blick über das Meer und nahm dann die Cigarre in die auffallend kleinen, mit hellgrauen Glacéhandschuhen beklei— deten Hände und fing an zu rauchen. Sie sah mit leuchtenden Augen zu ihm empor, die in ihrer wunderbaren Tiefe und in ihrem geheimnißvollen Glanz eine Märchenwelt aufzuthun schienen, und lächelte ihm zu. Sollte sie ihm vorlesen? Nein, er wollte lieber dem Murmeln der Wellen zuhören und sich ausruhen. Sie zog eine kleine Arbeit aus ihrem Körbchen und fing an, sich damit zu beschäftigen. Eine hier und da hingeworfene freundliche Bemerkung wurde mit einem langsamen Kopfnicken beantwortet. habe,“ sagte ein junger Mann und wendete ärgerlich den Kopf zur anderen Seite.„Diese zwei Menschen seit sechs Wochen hier täglich zu sehen, bringt mir das Blut in Wallung.“ „Mein Mann ist wirklich komisch,“ lachte eine junge Frau „ aus einer Gruppe von Damen auf.„Die einzig erklärende „Das ist mir die räthselhafteste Geschichte, die ich je erlebt Thatsache verwirft er und fährt fort, sich an dem Räthsel den Kopf zu zerbrechen.“ 1 „Ihr Frauchen hat Recht, Herr Baumeister,“ nahm eine ältere. Dame das Wort.„Die Nachricht kommt aus Travemünde, wo sich Baron Brunner zuerst mit seiner Frau aufgehalten hat, 9 und sie kommt aus verbürgter Quelle: der Baron ist ein Phantast, ein Narr, er ist kürzlich da unten herum einer Zigeunerbande begegnet, hat das Mädchen, das ihm gefiel, ge— kauft und geheirathet.“ a 14 Die Damen kicherten, und mancher spöttische Blick nahm die Richtung nach der jungen Dame, die, unbekümmert, nur den ö Einen sah, dem sie eben einen Shawl auf die Kniee breitete. „Sehen Sie, mein lieber Herr Baumeister, so läßt sich nur diese äußerste Liebenswürdigkeit erklären, ich möchte sagen, dieses fast unwürdige Bemühen, diese übertriebene Sorge, es dem so wenig erkenntlichen Manne recht zu machen.“ Der Baumeister schüttelte den Kopf.„Eine Zigeunerin, ö meine liebe Frau Oberst, würde nie und nimmer so viel echt“ weibliches Zartgefühl in ihre Bemühungen legen. Sie würde mit dem Ausdruck der Leidenschaft die Liebe, die ihr im Anfang geworden, zurückfordern, sie würde Ungestüm und Groll durch⸗ blicken lassen. Nein, meine Damen, diese junge Frau gehört der guten Gesellschaft an, das beweist ihre einfache Eleganz, ja, jede ihrer Bewegungen.“ 1 „Sie hat es allen Männern angethan und wäre gewiß nicht in Verlegenheit, einen zweiten„Gemahl“— und auf dieses Wort legte sie ein besonderes Gewicht— zu finden, wenn der so Kränkliche hier ihr sterben sollte,“ sagte eine Frau Geheim— rath eifrig. 5 „Sie ist reizend,“ fiel ein Assessor ein und setzte sich das Pince-nez sehr bemerkbar auf die hocherhobene Nase.„Sehen Sie nur, er steht auf, das Lüftchen, das hier weht, fröstelt“ ihn an.“ i Jella erhob sich rasch, der Baron bot ihr den Arm und sie entfernten sich rasch vom Meeresufer. 5 „Ein durch und durch distinguirtes Paar,“ sagte der Assessor, ihnen nachschauend. „Baron Brunner hat etwas Hochmüthiges, Unausstehliches, auch ist sein Kopf unbedeutend, seine Figur ist elegant, aber erinnert doch etwas zu viel an den Ritter von der traurigen Gestalt,“ meinte der Baumeister. „Dieser Mensch ist langweilig zum Todtschießen,“ erklärte ein Lieutenant. „Vielleicht seine Frau nicht minder,“ fiel die Frau Bau⸗ meister ein. „Mit solchen Augen ist eine Frau nie langweilig, gnädige Frau,“ schnarrte der Offizier. „Ihrem Manne ist sie doch langweilig,“ erwiderte die kleine Frau boshaft. „Unser Herrgott hat eben allerlei Kostgänger auf dieser Welt,“ lachte der Lieutenant. Der Baron lenkte mit Jella in eine Seitenstraße des Dorfes ein, wo recht hübsche, weiße Bauernhäuschen mit grün an⸗ gestrichenen Jalousten standen. In eins derselben traten sie ein. Die Einrichtung der wenigen Zimmer, die sie bewohnten, war sehr einfach, ja ländlich. „Wie hübsch, wie lieb!“ hatte Jella ausgerufen, als sie, eintretend, die kleinen Fenster mit Schlingrosen ausgefüllt sah, deren herrliche Blüthen sich in das Stübchen neigten. „Ach, dieser betäubende Geruch!“ rief Brunner und wich zurück,„das würde mich umbringen.“ „Weißt Du was? Du überlaͤßt mir dieses Zimmer und ich werde Sorge tragen, daß der Duft nicht zu Dir dringt,“ bat Jella schmeichelnd. Er betrat das Zimmer nie; aber sie fühlte sich so wohl darin, hegte und pflegte die Rosen, und auf ihren Wangen zeigten sich wieder die frischen Farben der Jugend. Brunner bedurfte ihrer, er war leidend, war es schon im Schwarzwald gewesen, und nun durfte sie ihn pflegen, sie ganz allein, durste ihm jeden Wunsch vom Gesichte lesen, und er liebte sie, sie ganz allein! Sie waren sich genug auf der weiten Erde, was ging sie die Welt, was die Menschen an? Zum ersten Male in ihrem Leben fand sie die treue, keinem Wechsel unterworfene —— l E e e 5 er e. 7 ˙——— — 8——— 155. Liebe, nach der sie immer so sehnsüchtig verlangt hatte. Je mehr sie sich den Wünschen des Barons unterordnen konnte, desto zufriedener fühlte sie sich. Unter ihrer sorgsamen Pflege mußte er wieder gesunden; ihr war die schöne Pflicht zugefallen, einen Menschen, der nicht mehr leben wollte, durch ihre treue Liebe mit seinem Loos zu versöhnen. Manchmal, wenn ihre schönen Augen träumerisch auf dem Meere ruhten, schreckte sie plötzlich zusammen und eine tief traurige Erinnerung warf ihre Schatten auf die weichen kindlichen Züge. An diesen Tagen war sie noch aufopfernder, noch hingebender gegen den Leidenden und lauschte mit sehnsüchtigem Herzen auf jeden kleinen Beweis, der ihr Zeugniß von seiner unwandelbaren Treue gab. Und wie be— scheiden war sie in ihren Ansprüchen! Er hatte es ihr gesagt, daß sie ihn dem Leben erhalten habe, sein Dasein gehörte ihr, Rund mit Begeisterung widmete sie ihm das ihrige. Es bedurfte nicht der täglichen Betheuerungen, sie glaubte an ihn mit der ganzen Kraft ihres jungen Herzens. Sie war glücklich— sie wollte es sein— um jeden Preis! Wie manchmal hatte er sie mit den müden, umschleierten Augen betrachtet und sie gefragt, so leise, so innig:„Jella, ge— liebtes Kind, wird Dir das Opfer nicht zu schwer?“ Mit wie viel hingebender Liebe hatte sie ihm geantwortet: „Lebe nur und thue Alles, damit Du bald wieder in den Besitz einer dauerhaften Gesundheit gelangst, damit Du wieder Theil haben kannst am Leben wie andere Menschen, und ich werde glücklich sein!“ Er schüttelte nur traurig den Kopf. Sie blieben bis zum Spätherbst in dem einsamen Dorfe. Längst waren alle Gäste abgereist, die letzten Rosen nickten in Jella's Fenster und streuten langsam, traumhaft ihre Blätter zu ihren Füßen. „Jella, liebes Kind, gedenkst Du hier zu überwintern?“ fragte Brunner und streckte sich gelangweilt auf dem harten Sopha aus. f Sie sah ihn an, als hätte sie seine Frage nicht recht ver— standen. „Wir bedürfen der Menschen nicht, Bruno, Du nicht und ich nicht; sind wir hier nicht so gut aufgehoben wie anderswo?“ „Du denkst nicht an die rauhen Winde,“ sagte er und strich mit der weißen, gepflegten Hand langsam das volle Haar aus der Stirn.„Hu, mich schaudert schon bei dem Gedanken. Du verstehst das nicht, Kleine, kennst die Ostsee nicht und ihren stürmischen Charakter. Wir müssen fort, wenn es Dir wirklich Ernst damit ist, den baufälligen alten Menschen zu erhalten.“ Wenige Tage darnach bewohnten sie ein bescheidenes Logis in Lübeck. Jella fühlte sich gedrückt in der großen fremden Stadt; für Brunner war kaum ein Luftwechsel nöthig gewesen, denn er verließ den ganzen Winter über sein Zimmer nicht. Jella saß bei ihm, unterhielt ihn nach besten Kräften, arbeitete und las. Sie fand kaum Zeit, darüber nachzudenken, daß der Winter mitten in der großen Stadt kaum weniger einsam war wie der in Kroatien, denn hier war Jemand, der ihrer bedurfte. „Setze Dich neben mich, Jella, Deine Nähe thut mir wohl, sie beruhigt mich.“ Wenn er so sprach und sie zu sich zog, erschien ihr das düstere Zimmer sonnig und freundlich. So vergingen den beiden Menschen zwei Jahre. Brunner's Gesundheit hatte sich nicht gebessert, obgleich Jella's ängstlich beobachtendes Auge mit Gewißheit zu bemerken glaubte, daß sein ganzer Organismus kräftiger geworden sei. „Wir wollen auf's Land, Bruno,“ bat sie ihn;„Du mußt Bewegung in frischer Luft haben, Deine Lebensweise ist ungesund. Ich träume von einem Häuschen mitten in einem Garten unter Obstbäumen gelegen. Wir Beide bebauen den Garten, pflanzen unser Gemüse, unsere Blumen und werden glücklich und zu— frieden sein.“ Er lachte laut auf.„Du hast Dir einen Schäferroman er⸗ dichtet,“ sagte er und nahm die Cigarre aus dem Munde. „Frage die Landleute, ob sie etwas von der Idylle wissen, die verrückte Köpfe bei ihnen suchen.“ f „Es kostet hier Alles so viel,“ versetzte sie nach einer Pause in sichtbarer Verlegenheit und erröthete tief. nicht weniger wie Haus und Garten; ich glaube, wir leben hier recht billig, denn ich habe ja keine Bedürfnisse,“ erwiderte er und blies wieder Rauchwolken in die Luft. „Gehe Du nur spazieren, wenn es Dich hinauslockt,“ sagte er zu Jella,„mache Dir nur so viel Vergnügen, wie Du kannst, ich bin gerne allein und ruhe besser aus.“ „In der großen Stadt allein?“ fragte sie erstaunt. „Nur nicht so ängstlich, Närrchen? Du kannst Dein Gesicht schon sehen lassen.“ Sie sah ihn groß an und verließ sein Zimmer. Sie ging von nun an täglich aus. Erst nach manchen vergeblichen Gängen gelang es ihr, Beschäftigung in einem Stickereigeschäft zu finden; während Brunner müßig rauchend auf dem Sopha lag und von Zeit zu Zeit seine weißen Hände einer sorgfältigen Prüfung unterwarf, arbeitete Jella mit Bienenfleiß. Sie war nun einund⸗ zwanzig Jahre alt, mithin großjährig geworden. Ihr Vater zögerte mit der Auslieferung ihres mütterlichen Vermögens. „Du bist so gleichgültig in der Verfolgung unseres Rechts,“ fuhr Brunner mißmuthig auf;„statt den fortwährenden Ent⸗ behrungen ein Ende zu machen, siehst Du gleichgültig zu, wie ich aus Mangel an geeigneten Stärkungsmitteln langsam dahinsteche.“ „O Bruno!“ rief sie schmerzlich,„Du sollst Alles haben, was Du willst, Du sollst bedeutende Aerzte haben, wenn Du glaubst, daß deren Rath eine Aenderung Deines Zustandes herbei⸗ führen wird.“ „Ei freilich glaube ich das, während ich fühle, daß bei dem gegenwärtigen Leben meine Kräfte bedeutend abnehmen. Sei gut, Jella,“ schmeichelte er,„und schaffe uns wenigstens ein menschenwürdiges Dasein. Ich habe ein Recht es zu fordern,“ fuhr er fort und sein Gesicht verfinsterte fich;„Du weißt es und stimmst schweigend meinen Henkern bei.“ Einen Augenblick flammte es in ihrem Gesichte auf, sie sah ihn mit einem Blicke an, den er kaum mißverstehen konnte. „Du hast effektvolle Augen, liebes Kind; aber ihr Ausdruck ist manchmal ein ganz verfehlter,“ sagte er oberflächlich und verließ das Zimmer.(Fortsetzung folgt.) Ein deutscher Brahmane. „Die Poesie in allen ihren Zungen Ist dem Geweihten Eine Sprache nur.“ Diese Worte unseres kosmopolitischsten Dichters hat Keiner so wie Rückert, unser deutscher Brahmane, bewahrheitet. Durch die eingehendsten Studien sich mit der Poesie der fremden, vor— züglich der orientalischen Völker befreundend, dringt er in deren Lieben und Dichten ein, und führt es auch uns, dem deutschen Volke näher. Denn, wie er in der Weisheit des Brahmanen so treffend sagt: Es eint sich ungetrennt, im gleichen Element Der Lieb' aus Orient die Lieb' im Occident. Friedrich Rückert, der Meister poetischer Form, der gefeierte Dichter des Liebesfrühlings, wurde am 16. Mai 1789 als der älteste Sohn des Advokaten Johann Adam Rückert zu Schwein⸗ furt am Main geboren. Daselbst, vorzüglich aber zu Rügheim und Oberlauringen, wohin sein Vater als Rentbeamter versetzt worden war, durchlebte er mit seinen Geschwistern eine glückliche, idyllische Kindheit. Von einem protestantischen Geistlichen im Winter in den alten Sprachen unterrichtet, war es ihm im Sommer vergönnt, die freie Zeit, gemeinschaftlich mit seinem Bruder, im Freien umherzustreifen. Dabei entwickelte sich schon früh der Keim zu der Zartheit der Empfindung für Alles, was in Gottes herrlicher Natur lebt und webt. Der Lieblingsausflug des kleinen Rückert aber galt dem alten, ehrwürdigen katholischen Pfarrer Neurer in Großenbarrdorf. Der alte Herr nahm die aufgeweckten Knaben gern in seiner Häuslichkeit auf, traktirte sie mit Wein und Speisen und streute bei seiner frohen Laune doch manch' köstliches belehrendes Wort in die Kinderherzen. Auch seine Verehrung für Dichtkunst und Malerei suchte der freundliche Geistliche auf die beiden Knaben zu übertragen und besonders die Liebe zu den alten lateinischen Schriftstellern in ihnen zu erwecken. Singt doch Rückert in späteren Jahren selbst von dem alten Herrn: 0„Närrchen, meinst Du, es koste im Dorfe nichts? Du willst 8 8 0 85 8 8 ö 5 r 156 Warf er den ersten Funken Vielleicht mir in's Gemüth? Vom Wein, den er getrunken, Hat mich ein Hauch durchglüht; Ich sah von Sterneschleier Umwoben eine Leier Von oben, untenher von Ros' umblüht. Von demselben ehrwürdigen Geistlichen hat er auch die echt christ— liche Gesinnung eingesogen, die ihn später in die Worte aus— brechen läßt: Gott ist die Lieb', und Liebe kann nicht lügen! Nichts als dies Wort, doch das von solcher Tiefe, Das kein Verstand kann der Auslegung genügen. Rückert besuchte das Gymnasium zu Schweinfurt, und ging, nachdem dieses absol— virt, auf die Universität zu Würzburg, um da⸗ selbstRechtswissenschaft zu studiren. Von Würz⸗ burg aus siedelte er später nach Jena über. Allein das trockene Studium der Juris— prudenz behagte dem poetisch angelegten jun— gen Manne nicht auf die Dauer, und bald wandte er sich der Phi—⸗ lologie und Belletristik zu. Durch die Bitten seiner Eltern und durch seine damals schwäch— liche Konstitution dar— an verhindert, sich, gleich seinem Bruder, in die Reihen der Frei— heitskämpfer zu stellen, ließ er sich im Jahre 1811 auf kurze Zeit als Privatdozent in Jena nieder. Jedoch auch hier gefiel es ihm nicht lange, und so be— gab sich Rückert bald nach Ebern zu seinen Eltern. Aus der Zeit seines Aufenthaltes in Ebern, also aus dem Jahre 1812, stammen eine Reihe tiefempfundener Sonette:„Agnes' Todtenfeier,“ welche an Innigkeit und Zartheit der Empfindung, sowie an Formvoll— endung zu den besten der deutschen Lyrik zählen. Agnes Müller, Tochter des Amtmanns Müller in Eyrichshof bei Ebern, wurde sowohl von Rückert als auch von dessen Freund, dem späteren Geheimrath Georg Habermann zu Koburg, auf das Innigste ver— ehrt. Aber kaum sechzehn Jahre alt, wurde dem Leben des liebens— Und keine Spur ist sonst von Ihr geblieben, Als daß ein armes Espenblättchen zittert, Als sei's gerührt vom Odem meiner Lieder. Gegen Ende des Jahres 1812 wurde Rückert durch Professor Dr. Johannes Schulze, Rektor des dortigen neu zu gründenden Gymnasiums, nach Hanau als Gymnasiallehrer berufen. Mehr dem Zureden seines Vaters als einem eigenen Wunsche nachgebend, Gulden jährlich dotirten Posten im Stich lassend. folgte er auch anfänglich dem an ihn ergangenen Rufe, entwich jedoch bereits Ende Januar des Jahres 1813 heimlich aus der Stadt, seinen allerdings höchst dürftig mit zweihundertundfünfzig Zuerst flüchtete * Rückert für einige Zeit nach Nürnberg, dann, nachdem seine Angelegenheit, durch Verwendung des ihm wohlgewogenen Prof. — 2—. 7 Friedrich Rückert, geb. 16. Mai 1789, gest. 31. Dezember 1866 würdigen Mädchens durch einen Blutsturz ein jähes Ende bereitet. Seinem Schmerz über diesen Todesfall leiht Rückert in den ge- nannten Sonetten Worte, von denen eines beispielsweise lautet: Will denn kein Stern von Himmelszinnen fallen Zum Zeichen, daß sie fiel, die Sternengleiche? Willst Erde du, da deine schönste Eiche Entwurzelt sank, nicht seufzend wiederhallen? Soll von des tauben Uhrwerks Rädern allen Kein Rad denn stocken, brechen keine Speiche, Daß alles fort im alten Kreislauf schleiche, Nur Sie allein nicht dürfe weiter wallen? Ach, nur ein Herz, nichts weiter, wird zerrieben; Ein Leben nur, nichts weiter, wird zersplittert; Sonst Alles geht, wie vor, so nachher wieder: Schulze, gütlichen Ausgleich gefunden, ging er nach Hildburg— hausen und Koburg, sich nun frei und un⸗ abhängig seinem Lieb— lingsstudium hin⸗ gebend. Aus dem Jahre 1813 besitzen wir eine Reihe reizender Märchen als: „vom Bäumlein, das andere Blätter hat ge— wollt,“„vom Büblein, das überall mitgenom— men hat sein wollen“ ꝛc. Allein erst im Jahre 1814trat Rückert unter dem Pseudonym „Freimund Raimar“ mit seinen„deutschen Gesängen“ zum ersten Male an die Oeffent—⸗ lichkeit. Zu diesen deutschen Gedichten sind auch die„geharnischten Sonette“ zu zählen, unbestreitbare Zeugen von des Dichters inni— ger Vaterlandsliebe. Im Jahre 1817 unternahm Rückerteine Reise nach Italien, wo— selbst er im Kreise berühmter deutscher Künstler, wie Schnorr, Cornelius u. s. w., eine genußreiche Zeit verlebte. Heimweh war es wohl, was ihn aus dem sonnigen Italien wieder zurück. nach Deutschland trieb, und so finden wir den jungen Dichter 1818, auf der Heimreise begriffen, in Wien wieder. Der Auf— enthalt in der österreichischen Kaiserstadt sollte für ihn bedeutungs— voller werden, als er geahnt hatte. Die hier angeknüpfte Bekannt⸗ schaft mit dem berühmten Orientalisten J. v. Hammer-Purgstall, welcher ihn auf die Perlen der morgenländischen Literatur hinwies, wurde entscheidend für die künftige Richtung Rückerts. In die Heimath zurückgekehrt, gab sich Rückert zuerst in Nürn⸗ berg, dann in Koburg, wohin er sich Ende des Jahres 1820 der dortigen reichhaltigen Bibliothek wegen gewendet, mit glü— hendem Eifer dem Studium der orientalischen Sprachen hin, und die bilderreiche Sprache, die tiefe Lyrik, die Mannichfaltigkeit der Form sind eine Frucht seines Eindringens in die Poesie jener Völker. Hatten vor ihm schon Einzelne, wie z. B. Herder in seinem Buch vom Geist der Ebräischen Poesie, Goethe in seinem west⸗östlichen Divan, das Studium der orientalischen Literatur und das Nachahmen orientalischer Dichtungsarten angebahnt, so hat doch Rückert eine Meisterschaft in der Behandlung fremder, nur orientalischen Dichtungen eigenen Formen erreicht, wie vor und nach ihm sonst Keiner. Er war es, der dem persischen Dichter 2 157. 00 Rumi zuerst Gaselen nachdichtete und diese neue Form auch deutschen Schriftstellern als nachahmenswerth empfahl. Auch eines der Hauptwerke Rückerts, welches um diese Zeit entstanden, zeigt eine bewunderungswürdige Sprachgewalt und Vielseitigkeit der Form, welche ein Ergebniß jener morgen— ländischen Studien sind. Dabei haucht„der Liebesfrühling“ eine südliche Gluth und Gefühlsinnigkeit, eine Zartheit und Wärme der Empfindung aus, welche Jeden, der sich damit bekannt macht, im Innersten ansprechen muß. Den ganzen Hergang einer tiefen reinen Herzensneigung, vom ersten Erwachen derselben bis zur endlichen glücklichen Vereinigung der Liebenden besingt hier Rückert in fünf Sträußen, bestehend aus ungefähr dreihundert Liedern, und manches dieser einzelnen Lieder, wie z. B. die be— kannte Schumann'sche Widmung„Du meine Seele, Du mein Herz,“ hat zu herrlichen Kompositionen Anlaß gegeben. Es war am 26. Dezember 1821 als Rückert seine Braut Luise Wielhaus-Fischer, der er alle jene schönen, süßen Liebes⸗ lieder gewidmet hatte, als Gattin in sein Heim einführte und somit einen Bund schloß, der sich sein ganzes Leben hindurch als ein äußerst glücklicher ausweisen sollte. Fünf Söhne und mehrere Töchter wurden ihm nach und nach geboren, die, mit fürsorglicher Liebe erzogen, zumeist jetzt noch höchst geachtete Lebensstellungen einnehmen. Ungefähr um dieselbe Zeit wie der Liebesfrühling entstanden auch die„östlichen Rosen,“ Trinklieder voll sprühender Liebes⸗ und Weinlaune. Seinem Freunde aber, dem Superintendenten Hohnbaum in Rodach widmete er das liebliche Idyll„Rodach,“ und schuf so ihrer beiderseitigen Freundschaft eines der sinnigsten Denkmale. Im Jahre 1826 wurde Friedrich Rückert als Professor der orientalischen Sprachen nach Erlangen berufen, ein Ruf, dem er um so lieber folgte, als das Wachsthum der Familie eine Ver⸗ mehrung der Einnahmen wohl wünschenswerth erscheinen ließ. Der Lehrberuf in Erlangen schien indeß im Anfang Lust und Liebe zur Dichtkunst zu schmälern, und unmuthig darüber bricht er in die Worte aus: Wie ließ ich mich verlocken jetzt Aus meines Edens Räumen? Wer hat mir in den Kopf gesetzt Zu denken statt zu träumen? 8 2 158?? Es war der Ruf der Wissenschaft, Die mich zu ihren Hallen Berief, daß ich allda mit Kraft Mein Stimmlein ließ erschallen. Die Armuth aber war das Ohr, Zu dem der Ruf gedrungen; Nicht reichte mehr der Blumenflor Zum Futter für die Jungen. Und als ich nun zum Abzug schritt, Zählt ich des Hausraths Stücke; Weib, Kind und Bücher gingen mit, Die Muse blieb zurücke. Zudem hatte der Arzt dem leidenden Dichter auf's Strengste die Abendstudien untersagt und vorzüglich das so angreifende De⸗ chiffriren der arabischen Schrift. Indessen dauerte die Pause in Rückerts poetischem Schaffen nicht gar lange Zeit. Bald stellte seine Muse sich wieder ein, und Lied auf Lied entquoll seinem begeisterten Munde. Zuerst erschien nach Rückerts Ueberstedelung nach Erlangen: „die Verwandlungen des Abu-Seid von Serug oder die Makamen des Hariri. In freier Nachbildung von Friedrich Rückert.“ Makamen sind Erzählungen oder Novellen in bunt durcheinander gemischter poetischer Form, mit Gaselen und unzähligen Bildern reich durchflochten. Die Rückert'schen Makamen des Hariri waren keine Uebersetzung, sondern, wie er auf dem Titelblatte aus⸗ drücklich hervorhebt, eine freie Nachbildung, die aus dreiundvierzig Makamen besteht, von denen je eine ein Abenteuer des Helden schildert. In der Vorrede aber wendet der Dichter sich mit fol⸗ genden Worten an Kritiker und Publikum: Bewahr' uns vor denen, die loben, Ehe sie unsern Wert erproben, Wie vor denen, die schelten, Eh' sie wissen, was wir gelten. Schütz' uns vor der Goͤnner Ueberschätzung, Wie vor der Mißgönner Heruntersetzung, Vor dem stolpernden Stolze der Stolzen, Wie vor der Witzbolde Bolzen. Kurze Zeit nach den Makamen des Hariri erschien„Nal und Damajanti,“ eine Uebersetzung aus dem Indischen; dann 1838 „Rostem und Suhrab,“ eine freie Nachbildung aus dem Persischen. In der Hauptsache jedoch stammen aus der Zeit von 1832 bis 1838 eine Fülle von Frühlings-, Liebes- und Wanderliedern, die sich dem Dichter mit solcher Leichtigkeit in die Feder drängten, daß er deren in einem Jahre allein vierhundertneunundvierzig schrieb..(Schluß folgt.) Schloß Warren. Novelle von Georg Harnisch. (Fortsetzung.) VI. Kennt Ihr einen Badeort im Regen, in tagelang gleichförmig rieselndem Regen?— Habt Ihr es erlebt, wie dort die Minuten zu Stunden, die Stunden zu Tagen werden, wie die Zeit in trostlos düsterem Wolkenschleier mit schleppendem Schritt dahinschleicht— ebenso langweilig wie die mißvergnügten Menschengesichter unter den triefenden Schirmen?— Habt Ihr den Kurgarten gesehen, wenn er verödet und seine Musikhalle verwaist ist, wenn Tische und Stühle zu ungastlichen Pyramiden aufgehäuft sind, und wenn die regenschweren Zweige der Bäume melancholisch zur Erde nieder— hängen, als weinten sie Thränen über die Wasserpfützen auf den einsamen Wegen?— Nun,— wenn Ihr das jemals gesehen und erlebt habt, dann wißt Ihr, was das Wörtchen„Langeweile“ bedeutet.—— Drei Tage schon regnete es ununterbrochen in Teplitz.— Frau von Haldern gehörte zu den Auserwählten, welche das Glück haben, im Bade statt unwirthlicher Hotelzimmer ein behaglich eingerichtetes Daheim bewohnen zu können, und dennoch em⸗ l pfand sie den verstimmenden Einfluß des ewig grauen Himmels mehr als gewöhnlich. War es schon keine leichte Aufgabe, die Ungeduld ihrer kleinen Mädchen zu beschwichtigen, damit sie sich nicht fortwährend die Näschen an den Spiegelscheiben der Fenster platt drückten, so erfüllte sie der durch die Witterung begünstigte enge Verkehr der beiden erwachsenen Menschenkinder, welche sich so behaglich in ihrem Salon eingenistet hatten, mit ernster Be⸗ orgniß. g Ihr Bruder Heinz war seit jener ersten Begegnung im Kurgarten der feurigste Anbeter Irma's von Maien, und diese sorgte schon dafür, seinen Eifer nicht erkalten zu lassen. Vergeblich hatte Helene, erzürnt über Irma's Leichtfertigkeit, dem beginnenden Unheil zu steuern, umsonst den leichtsinnigen Lieutenant durch gelegentliche Erinnerung an die früheren Be⸗ ziehungen der koketten Dame zu seinem älteren Bruder zu warnen versucht. Ihre Fürsorge schien ihn leider nur zu belustigen, und er klopfte ihr schalkhaft lachend die Schulter, wenn seine Augen ihrem vorwurfsvoll bittenden Blick begegnete. So gewannen denn Irma's tägliche Besuche immer mehr an Dauer und zur Theezeit des vierten Regentages finden wir sie wieder in dem behaglichen Gartensaal der kleinen Villa wie ge⸗ wöhnlich in neckendem Gespräch mit dem jungen Grafen. 5 Mit malerischer Nachlässigkeit in einen Sessel gestreckt, läßt sie die verführerischen Augen über den Rand des Fächers schmach⸗ tend zu Heinz hinüberblitzen und dieser zu ihren Füßen ihr ge⸗ genübersitzend, drückt mit vielsagendem Blick die gelbe Rose, welche noch vor kurzem Irma's Busen schmückte, an seine lächeln-⸗ den Lippen. f 535 Helene hat auf summendem Samovar den Thee bereitet und dabei ihren trüben Gedanken Audienz ertheilt, so daß sie ordent⸗ lich erleichtert aufathmet, als ihre Kleinen das Zimmer betreten und sie mit ungeduldigen Wünschen und neugierigen Fragen bestürmen.. „Mütterchen,“ ruft die kleine sechsjährige Dora,„nicht wahr, nun wird sie bald hier sein?— Du sagtest um sechs Uhr— und es ist doch beinahe schon halb sieben.“ 1 „Jawohl, mein Kind,“ antwortete Helene, ihr liebevoll über! das Haar streichend,„bald muß der Wagen zurückkommen.“. „Ich hoffe,“ bemerkte altklug die siebenjährige Elsa,„daß sie keinen Schnurrbart hat, wie die häßliche Mis Bradon, und daß sie nicht gleich so bitterböse wird, wenn wir nicht richtig aus- sprechen.“ 7 „Von wem ist denn eigentlich die Rede, Helene,“ fragt Heinz, „welcher hohe Gast setzt Deine beiden jungen Damen in so ge⸗ waltige Aufregung?“ 5 „Ich erwarte mit dem Sechsuhrzug Miß Nelli Longsword und freue mich in der That auf ihre Ankunft nicht weniger als die Kinder.“ „Deine neue Gesellschafterin, Helene?“— bemerkt Irma mit verächtlichem Achselzucken.„Nimm mir nicht übel, wie kann man derselben die Ehre anthun, sich für ihre Ankunft zu in⸗ teressiren!— Voilà tout— wenn sie kommt, so ist sie da!— Graf, soll ich Ihnen Zucker in den Thee thun, Ihr Arm scheint noch zu schwach dazu?—“ f „Sehr gütig, mein gnädiges Fräulein! Sie sind die liebens⸗ würdigste Krankenpflegerin, welche ich je gesehen.— Aber, bitte, Fräulein Irma,“ setzt er etwas leiser hinzu,„machen sie das Maaß Ihrer Güte voll und kosten Sie den Thee, ob derselbe auch süß genug. Welch ein Göttertrank würde er dann für mich sein!“— Helene richtet unwillig ihre Augen auf das scherzende Paar. Doch umsonst;— Irma's feingeschnittenen Mund umspielte ein flüchtiges Lächeln des Triumphes, dann senkt sie die dunklen, langen Wimpern ihrer Augen auf die zarte Wange, hebt mit zierlicher Handbewegung die Tasse an die kirschrothen Lippen und reicht sie mit kokettem Blick dem Grafen zurück. „Tausend Dank!“— ruft er feurig und sich verbeugend führt auch er jetzt die Tasse zum Munde, die Stelle suchend, welche sie berührt hat. Helene ist empört.— Sollte Irma ernstlich daran denken, Heinz zu gewinnen, und sollte dieser wirklich schwach genug sein, alle Rücksichtnahme zu vergessen?— Eine Heirath zwischen ihm und der früheren Braut seines Bruders würde das lose Band, — Udo noch mit seiner Familie verknüpft, vollends zer⸗ reißen.— 2 5 N 2 0 5 15 — In diesen Gedanken wird sie durch den Diener unterbrochen, welcher„Miß Longsword“ meldet. Helene springt. auf und sieht sich einer hohen, schlanken jun⸗ gen Dame gegenüber, welche ihr mit vollendeter Weltgewandt— heit entgegen tritt. „Meine liebe, gnädige Frau, wie glücklich bin ich, Sie wie— derzusehen! Erkennen Sie Ihre kleine Nelly nicht wieder?— Bitte, haben Sie mich ein wenig lieb; ich will mir die größte Mühe geben, Ihr Wohlwollen zu verdienen.“— Sie sprach mit einem entzückenden Wohllaut der Stimme und einem geringen fremdländischen Accent, der ihren Worten einen ganz besonderen Reiz verlieh.— Anmuthig beugt sie den Kopf, um ihre Lippen auf Frau von Haldern's Hand zu drücken, doch diese nimmt denselben in ihre beiden Hände und, sie zärtlich auf den schönen Mund küssend, er— wiedert sie: „Meine liebe Nelly! ich bin glücklich, Sie wiederzusehn, und wünsche von Herzen, daß Sie in Warren eine bleibende Stätte finden mögen.“ Gerührt sieht ihr Nelly in das gütige Gesicht. Nach den ver— flossenen trüben Zeiten überkommt sie hier zum erstenmal das lange entbehrte Gefühl des Geborgenseins und sie empfindet, daß Muth und Heiterkeit ihr bald zurückkehren werden. „Da sind ja Ihre beiden kleinen Mädchen, gnädige Frau!“— ruft sie mit sichtbarer Freude,—„o wie sind die kleinen Dinger groß geworden.— Kommt her und reicht mir die Hand! Gelt, Ihr kennt mich nicht mehr, und doch habe ich Euch so oft auf den Armen getragen.— Nun ich hoffe, wir werden recht gute Freundinnen werden.— Wollt Ihr!“— Eifrig versichern die Kinder ihre Zustimmung, und Frau von Haldern macht ihren neuen Gast mit den Anwesenden bekannt. Sehr verschieden ist der Eindruck, welchen Nelly bei diesen hervorgerufen.— Irma ist empört über die gleichberechtigte Verbeugung, welche ihr geworden, und Heinz schaut fast entzückt auf die weltgewandte junge Amerikanerin, deren Anblick sein leicht entzündliches Herz sofort in Brand gesetzt hat. Sie gleicht Irma von Maien in keinem Punkt und doch ist sie schön, viel schöner als jene, denn ihre ganze Erscheinung trägt ein edleres Gepräge. Auf ihrer wundervollen Gestalt sitzt ein regelmäßig, fast klassisch geformter und von goldbraunem Haar umrahmter Kopf, aus dessen dunklen, mild strahlenden Augen eine schöne Seele und ungewöhnliche Klugheit hervorleuchtet. Alle diese Vorzüge wurden durch einen zwar einfachen, aber mit feinem Geschmack gewählten Anzug gehoben, so daß selbst die schärfste Kritik an dem Außeren dieser tadellos vornehmen Mädchengestalt nichts auszusetzen findet.— ö „Nelly, liebes Kind, Sie sind sicher von der Reise ermüdet und bedürfen der Ruhe. Ich werde dem Diener klingeln, Ihnen Ihr Zimmer zu zeigen. Heute Abend sollen Sie mir noch viel erzählen, damit wir die alten Erinnerungen wieder auffrischen, worauf ich mich schon so lange gefreut habe.“ „Bitte, liebe Mama,“— rufen die beiden Kinder zugleich, „wir wissen Mis Nelly's Zimmer, erlaube uns, ihr dasselbe zu zeigen!— Dürfen wir?“ Lächelnd gewährt Frau von Haldern die stürmische Bitte der Kleinen,— und glücklich über diese Erlaubniß verschwinden sie, Nelly an den Händen mit sich ziehend.— „Um des Himmelswillen, Helene,“— ruft Irma mit ge⸗ falteten Händen und dem Ausdruck teilnahmvoller Abwehr,„dieses Mädchen wirst Du doch nicht behalten wollen? Ich sah noch nie so etwas Unsympathisches!— Dazu die abscheuliche Aussprache!“ „Pardon, mein gnädiges Fräulein, ich sah noch nie eine so vollendet schöne Erscheinung!“ entgegnet Heinz,„dazu finde ich den fremdländischen Accent geradezu entzückend! Sollte unser Geschmack wirklich so weit auseinander gehen?— Ich kann meiner Schwester zu dieser interessanten Acquisition nur gratuliren! Was sagst Du dazu, Helene?“ „Mir ist Nelly nicht allein die Tochter meiner in schwerer Zeit bewährten Freundin, sondern ich habe sie schon lieb gehabt, als sie noch ein Kind war, und nun freue ich mich herzlich, sie in unsern Kreis aufnehmen zu können!— Aber Irma, willst Du uns schon verlassen? Weshalb so eilig?— Bleibe doch zum Abendessen!“— ö J „Danke, Helene; Papa erwartet mich,— und dann— nimm mir's nicht übel— das Organ Deiner Gesellschafterin fällt mir unangenehm auf die Nerven und macht mir Kopfweh, ich ziehe daher vor, nach Haus zu gehn.“— Niemand hielt sie heute von ihrem Entschluß ab,— nicht einmal Graf Warren, was Irma im Stillen sicher erwartet hatte. Empört verläßt sie die Villa, Pläne schmiedend, wie sie Heinz für seinen Wankelmuth bestrafen, und wie sie sich an Helene und dieser anmaßenden Amerikanerin rächen könne. Mit dem Instinkt des Weibes hat sie sofort erkannt, daß der Charakter Nelly Longs— words zu dem Ihrigen nicht paßt, sie ahnt, daß sie selbst bei einem Vergleich mit jener verlieren wird, und sie erblickt daher in ihr nur eine Feindin, welche Helene absichtlich ihr entgegenstellt, welche sie bekämpfen und um jeden Preis besiegen muß.—— In der kleinen Villa aber war mit Nelly's Ankunft eine glückliche Ruhe und freudige Heiterkeit eingezogen. Das junge Mädchen verstand es, durch anspruchloses aber sicheres Auftreten, durch ihre bezaubernde Liebenswürdigkeit und durch ihren leb— haften Geist Groß und Klein an sich zu fesseln. Die Kinder liebten sie schwärmerisch, Helene schloß sie mit mütterlicher Zärt⸗ lichkeit in ihr Herz, und selbst Heinz, der Schmetterling, war durch ihren ruhigen Blick gefesselt und zog als gebändigter Löwe der Saison fein artig die Krallen ein, sobald er den sanften Zwang ihrer Gegenwart fühlte. (Fortsetzung folgt.) Jose Blätter. f Die Adamiten. Schon im zweiten Jahrhundert nach Christus war in Nordafrika eine gnostische Sekte entstanden, die sehr bald angefeindet und auf das Energischste angegriffen wurde: die Adamiten, welche die ur⸗ sprüngliche Unschuld in der völligen Nacktheit fanden. Sie wollten zu den Christen gehören, verleugneten aber die Grundsätze des Christenthums. So wollten sie den aus dem jüdischen Jehovah hervorgegangenen Gott nicht anerkennen, sondern nur einen Weltschöpfer(Demiurgos). Die größte Seligkeit legten sie aber in die Unschuld. Die höchste Erhebung, des Menschen fanden sie in der Keuschheit und dem Besiegen der Leiden⸗ schaften. Ihr Stifter Prodicus lehrte:„So lange Ihr Euch nicht zu dem Stande der Unschuld, die Adam vor dem Sündenfalle besessen hat, aufschwingt, seid Ihr weder geheiligt, noch für das Paradies reif.“ Diese Lehre führte zu dem Kommunismus, ja bis zur Weibergemeinschaft und größten Unsittlichleit, so daß die Adamiten gehaßt, verachtet und verfolgt wurden. Dem schienen sie zu unterliegen, und man hörte von ihnen lange Zeit nicht mehr.— Plötzlich tauchte im vierzehnten Jahrhundert ein gewisser Pikard auf, der sich Adam nannte, und behauptete, der neu⸗ geborene Sohn Gottes zu sein. Er fand eifrigen Zulauf und eine große Anhängerschaft. Vergebens suchten geistliche und weltliche Herren die Sumpfblume zu vernichten, sie schoß mehr und mehr Trieb und ver⸗ pflanzte sich im zweiten Decennium des fünfzehnten Jahrhunderts nach Böhmen. Ein Bauer Nicolaus zog mit einer Schaar Schwärmer, die jene Lehre bekannten, auf eine Moldauinsel und verkündete hier, die Zeit des Paradieses sei angebrochen. Seine natürliche Beredsamkeit verschaffte ihm selbst unter den Taboriten Anhänger.— Weniger waren es wohl die extremen Lehren und die Nacktheit der Adamiten bei ihren Ver⸗ sammlungen, als die Raubzüge, durch welche des Nicolaus Anhänger sich Subsistenzmittel zu verschaffen suchten. Diese bewogen denn auch den großen hussitischen Feldherrn Johann Ziska, seine Waffen gegen sie zu kehren und sie von der Erde zu vertilgen. Vierhundert Jahre ver⸗ flossen, ohne daß die geringste Spur von den Adamiten wahrgenommen wurde, als sich diese Ausgeburt des menschlichen Geistes 1848 in dem Chrudimer Kreise(Böhmen) wieder zeigte. Der Funke war unter der Asche fortgeglommen. 9 W. G. Ignaz Friedrich Castelli(geb. 6. März 1781, gest. 5. Februar 1862), bei dessen Buͤhnenspielen sich einst das ganze Deutschland auf das höchste ergötzte, liebte es, sich mit einigen Freunden harmlos zu schrauben. Zu denselben gehörte der Komiker Nestroy. Als dieser eine Gastspieltour antrat, bat Castelli, ihm dann und wann Nachricht von seinem Wohl⸗ befinden zugehen zu lassen. Von Prag aus kommt auch eine Extra⸗ stafette von Nestroy. In derselben, die Castelli bezahlen muß, steht: „Lieber Freund, ich befinde mich recht wohl.“ Der Dichter lächelt. Zwei Wochen darauf erhält der Schauspieler von Castelli eine mächtige, eben⸗ falls nicht frankirte Kiste. Er öffnet sie; in ihr befinden sich ein mächtiger Felsstein und ein Stück Papier mit den Worten:„Dieser Stein fiel mir vom Herzen, als ich von Deinem Wohlbefinden hörte.“ W. G. Allmacht der Liebe.„Die Liebe kann alles,“ behauptete ein schwärme⸗ rischer Verehrer des schönen Geschlechtes.„Ja wohl, die Liebe kann alles,“ entgegnete trocken ein Anderer,„auch ein Mädchen sitzen lassen.“ H. R. 00 5 8 F Duchstaben⸗Räthsel. Aus nachfolgenden Buchstaben: a a aa be dd d dle eee ese e ei g h h h h h h TT TI ITI Inn In nnn o oo o o 0 B 8 S att u v W U Spitze gestelltes Quadrat gebildet werden, dessen soll ein auf die a 6 berühmten dänischen Bildhauers ergeben. Diagonalen den Namen eines Die elf Worte bezeichnen: 1. Einen Buchstaben. 2. Ein Flüssigkeitsmaß. 3. Den Helden eines Marlitt'schen Romans. 4. Einen männlichen Vornamen. 5. Einen Raubvogel. 6. Den Bildhauer selbst. 7. Eine Stadt in der preußischen Provinz Brandenburg. 8. Eine berühmte venetianische Familie. 9. Einen Rebenfluß der Havel. 10. Einen biblischen Namen. 11. Einen Buchstaben. Silben-Nätßhsel. Aus nachfolgenden Silben: as bro ca cho cu en ford hal i im kar land li low lum mat me mitt nar ni o os ox pa pe pin ren ro ro sam se ster te the thi trom tus ul vaez ve woch sind 16 Worte zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, zwei Werke von Auber ergeben. Die 16 Worte bezeichnen: 1. Eine alte ostpreußische. 2. Ein Musikinstrument. 3. Eine in 3 des nördlichen Irland. 4. en Jünger Jesu. 5. Den Namen eines Wochentags. 6. Eine britische Orkney-Insel. 7. Einen weiblichen Vornamen. 8. Einen männlichen Vornamen. 9. Einen verstorbenen spanischen General und Minister-Präsidenten. 10. Ein Schriftzeichen. 11. Eine Grafschaft im mittleren England. 12. Eine Figur aus einem Shakespeare'schen Drama. 13. Eine alte Stadt in Mittelitalien. 14. Einen Fluß in Hochasien. 15. Den Namen eines verstorbenen Komponisten. 16. Eine türkische Insel im ägäischen Meere. Logogriph. Muthig bin ich sonder Gleichen, Aenderst du in meiner Mitte Schaden richt' ich häufig an, Den dort stehenden Vokal, Hartes werd' ich oft erweichen, Bringt Gelegenheit und Sitte, Auch zur Lust ich dienen kann. Auch manch' unverhoffter Fall Anfangs bin ich sehr verstecket, Mich verschiedentlich in's Leben. Schlumm'reselbst im härt'sten Stein; Ich kann ernst— auch lustig sein, Doch kann ich, einmal erwecket, Kann dir Stoff zur Trauer geben, Niemals ohne Nahrung sein. Dich auch beim Pokzl erfreu'n. Lieblich wird mein Ton erscheinen, Wechselst du mir jetzt das Haupt; Jeder wird gewiß dies meinen, Der nur an Apollo glaubt. Orpheus einst in Hellas Gauen Schuf durch mich ein Meisterstück eg Oft kannst du mich bildlich schauer⸗ Als das Wappen der Musik. drescher;— des Sprichwörter-Räthsels: Ein Gewissen, gut und rein, ist über Gold und Edelstein;— der dreisilbigen Charade: Räthselhaft;— Aufloͤsung der viersilbigen Charade in voriger Nummer: Zungen. Probleme sind eingesandt worden, Zwei und Dreizüger in fast Schach. Problem Nr. 507. Motto:„Purity and Economy.“ f Aus dem Problemturnier der„Venowine-News“. II 1 „ e 12,, 2 5 e Weiß.. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösungen. Problem Nr. 498 von R. Schulder in Köln. 1) Tdi d Li- dé: 2) 1Jg3—e3 Sa2— cg: oder bel. 3) Ldz—es resp. Tea f Varianten: 1).. Sb4 oder 8 2) Tes 8) Tes Matt. 1).. c eg oder beliebig 2) 1. 4 3) Ted Matt.— Auf 1) L giebt es nur die eine Erwiderung Sag 54. ebenso 10.. 1788—bg mit der Drohung 21 Jd7 c 3) Ted oder Les Matt allein an 11. f Die Löfung wurde angegeben von Th Kraus in B.; Dr Voelkel in S⸗M.; Dr. Wehrmeift in M; Dr. Knopf in G.; W. Kron in B.; H. Michaelis in Th; Bin Putbus; Wüstnei in Problem Nr. 499 von S. Loyd. 1) Dd7-dé Kfr— es 2) Ddé—es Kes- d7, f. 3) e7-esb 7 Auf 1).. K gs oder 87 folgt 2) e7—-e8D Kg 7 I[h7] 3) Dꝗd6—86 Matt. Den Grundgedanken mit dieser Loyd'schen Aufgabe enthält auch ein Dreizüger von K wenn · 1 gleich in wesentlich schlechterer Form Die Ausstellung dieser letzteren Komposition. Ar. 47 in Healey's Problemsammlung ist folgende Weiß: Kal. 105, Be7 Schwarz: Kd 7. Charakl-⸗ teristisch ist auch Healey's Gleichgiltigteit gegen die dreifache Wahl des Anfangszuges[Kal, bi oder b2]; offenbar war dem Autor die Beseitigung dieser dem Buchstaben des Gesetzes nach— Bauer 32, durch den sie so leicht zu erreichen war, ncht N Aufgabe und von Th Hark in B. 1 zweifachen Nebenlösung, den — Angegeben von allen Lösern der vorhergehenden F Külm in Ch. Problem Nr. 500 von Dr. Bayersdorfer in München. 1) Dhö—g5 Sh7—g5: 13 Sa2—ez: 2) Se4— 64 Kd5—eb:(de) 3 Sees Kdö— da! 3) Laber Ke5—f5(ef) 3) Dees Kd es: 4) ga- gt(Se5- c) 7 4) La7—-eßf 5 Nach dem ersten Zuge stehen dem Schwarzen noch vier andere Dechungszüge 3 2 welche alle zu guten Varianten führen: 1).. Kd5 44 2) 86.4 Keh5 100 3) Ddg 4 Matt. 1).. Le 2) Dastr Kd5. 3) Det Kcö[5] 4% Desi resp. 14 Matt. 10.. 5-64 2 Des Ke5 8 Sto K dd ꝛc. 4 Des resp 4 Matt und 1). 15 2) Des L868(et oder N ig] 3 Sd, 4) Des Matt resp 2). Les. 3) Ssör 4 Des[44 Matt oder 2 beriebig 31 Pest 4 Dd4 Matt. Das Drohspiel, durch welches alle indifferenten Gegenzüge ihre Er⸗ ledigung finden. ist 2 cg ct Kdis 3) Leöf Ke 4 t Matt.— Die Lösung wurde an ⸗ gegeben von W. Kron in B: Dr. Knopf in G.; Ty. Kraus in B; Dr. Wehr ⸗ meister in M und B. in Putbus. 4 Die Lösungen zu 494 bis 406 wurden noch von Th. Hark in B., die Löͤsungen zu 40 und 494 von W. und Th. Bechthold in N.⸗M, angegeben 4 Aus der Schachwelt. Das Problem- und Lösungs Turnier der Vengwine- News“ unter Leitung von Nr. Peterson, der sich als früherer Schachredakteur des Mirror of American Sports“ und des „Wanderer“ so viele Freunde erworben hat, erfreut sich einer 7 Bacuglung Hundert ö gleicher Amzabl. Am meisten ist der amerikanische Stil vertreten der den LY auf scharf ausgeprägte und ver⸗ diet liegende Pointen legt. Es fehlt auch nicht an einfach saul ern und recht ansprechenden Stücen, wie unsere heutige Nummer zeigt.—— der besten haben sich als nicht korrekt cr. des magischen Quadrats: wiesen— doch macht sich auch bei manchen das ausschließ iche Streben nach pikanten Wend und verführerischen Scheinlösungen ohne Rücsicht auf die ästhetischen— 1 1— Ein 8 durch Schwierigkeit oder hervorstechende Pointen ausgezeichnete Drrizüger Turniers werden B* E 1 in den nächsten Nummern folgen. 1— 9— Steinin hat auch gegen Golmavo ein Maich mit 5 zu 0 gewonnen. 1 8 3-In Simpson s Divan in London wird gegenwärtig ein Vorgabeturnier aukgesochten. R A N D an welchem unter Andern die bekannten Mei“- ird, Gunsberg, Mason, Mortimer, . Pollod. Zukertort und Lee betheiligt 5 1 Unter dem Titel Der kleine S nig ist im Verlage von G. A. Glücner ENT DIE in Leipzig ein neuer Lelfaden der Schach von J. Mindwitz erschienen Preis: Z 2 Ma Seine 17 Mark. 1 8 2 1 1— Ste in itz und Bas qu ei gewannen dation a adenzie und G0 5 1D eine Parie, welche in drei Sitzungen zu Ei cht wurde und 5 meht als— 4 l Züge hatte. f 92 Drud und Verlag der„Volts-Zetung“, Att.-Ges. in Betlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redaltrur: R. Elch o i ubotoftr. 105.