zu den Oberhessischen Uachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 12. Au gust. Die Kammerzofe. Novelle von M. Elton. I. Der Vicomte Henri d'Ormont saß seinem Vater gegenüber und blickte auf den Hut nieder, den er mit den feinbehandschuhten Händen auf seinen Knieen in sichtbarer Verlegenheit drehte. „Ueberlege Dir die Sache,“ sagte der Baron scharf und kurz; „aber überlege nicht zu lange, es möchte Dir sonst ein Anderer zuvorkommen.“ Der Vicomte sah nachdenkend vor sich hin. Er glich seinem Vater, dieselben streng regelmäßigen Züge, bei dem alten Herrn nur schärser markirt, dieselbe elegante kräftige Gestalt, bei dem Sohne nur elastischer und weniger imponirend. „Jedes Resultat langer Ueberlegung würde kein anderes sein, als das, welches mir der Augenblick einflößt,“ antwortete Henri seinem Vater.. „Und das wäre?“ fragte der alte Herr mit gerunzelter Stirn und blickte auf den jungen Mann, dessen Haltung die Frage eigentlich überflüssig machte. „Ich bin zufrieden mit der Gegenwart,“ sagte Henri und blickte dem Baron offen in's Gesicht;„auch fühle ich mich zu jung zum Heirathen.“ Der Baron bewegte ungeduldig den Kopf.„Mit dieser Gegenwart müßtest Du so wie so brechen, Deine Zeit in Paris ist vorüber,“ fiel er erregt ein.„Du hast zwei jüngere Brüder, mein Sohn, diese haben die gleichen Rechte, wie Du. Die große Revolution hat keine Institution geschaffen, die teuflischer wäre, als die Aufhebung des Majoratrechtes. In unsere altehrwürdigen Schlösser und Domänen, die seit Jahrhunderten vom Vater auf den ältesten Sohn gingen, theilen sich nun alle Geschwister. Sind es deren mehrere, so muß der, welcher den Familiensitz behält, ein ruinirter Mann werden. Baarvermögen besitzt der Adel nicht, seine Traditionen und seine Würde verbieten ihm den Gelderwerb. Schau um Dich, Henri, der Handelstand hat Besitz von den alten Aldelssitzen genommen, wir sind fast nur noch von Leuten umgeben, deren Väter vor der Revolution unsere Leibeigenen waren.“ Des Barons Gesicht hatte sich bis in sein weißes Haar hinein geröthet, auch des Sohnes Gesicht wurde finster.„Das macht das heutige Landleben so unerträglich, daß man auf der Jagd und überall auf diese Parvenus stößt; diese gemeine Rasse hat Geld und weicht uns keinen Schritt,“ sprach Henri erregt. „Schweifen wir nicht ab,“ erinnerte der Baron kühl.„Morgen Nachmittag erwarte ich Deinen Entschluß. Einen solch liebens— würdigen Antrag darf man nicht lange unbeantwortet lassen. Ich hätte mir nicht einfallen lassen, so große Ansprüche für Dich zu stellen, wie sie uns von dem Grafen Gatonniere geboten seine Tochter, Mademoiselle Jeanne, seine einzige Erbin. Er und ich sind von jeher Freunde gewesen, obgleich ich ihn seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Seit dem Tode seiner Frau bewohnt er sein Schloß an der untern Seine. Nachbarn, die zählen, wird er eben so wenig haben, als wir, da hat er vorerst an den alten Freund gedacht, der mit drei Söhnen ge— segnet ist. Mademoiselle Jeanne hat vor einem Vierteljahr das Kloster verlassen und läßt nun im einsamen Schloß, wo sie keine Gespielinnen hat, das Köpfchen hängen.“ „Wenn ich der Einladung des Grafen Gatonniere folgte, würde mich dies zu einem weiteren Vorgehen verpflichten?“ fragte der Vicomte nachdenkend. „Sei kein Geck, mein Sohn,“ lachte der Baron kurz auf. „Zählst Du denn so sicher darauf, Mademoiselle Jeanne zu ge— fallen? Möglich ist es ja, daß der Graf schon andere Verwandte und Bekannte in sein Schloß geladen hat, und daß seine Tochter sich garnicht so schnell zu einer Wahl entschließen wird; das Ganze ist nur eine Einleitung, die möglicher Weise zu etwas führen kann.“ Gerade der Umstand, daß Mademoiselle Jeanne die ent—⸗ scheidende Stimme abgeben sollte, stachelte des Vicomte Unter— nehmungsgeist an. Er sah sie vor sich, hübsch, graziös, ihm tausend Neckereien und Schwierigkeiten in den Weg legend, und sein Entschluß war gefaßt. Er erhob sich und verließ das Arbeits— kabinet seines Vaters. Als er die breite Steintreppe des Schlosses hinunterging, begegnete er seiner Mutter. „Komm', armer Junge,“ sagte sie und sah ihm prüfend in's Gesicht,„wir machen einen Spaziergang durch den Park.“ Sie nahm seinen Arm und durchschritt rasch den Schloßhof mit ihm. „Ich kann mir denken, wie Eure Unterredung abgelaufen ist. Zuerst Vorwürfe über Dein kostspieliges Leben in Paris, dann der diktatorische Befehl, daß diese Heirath unter allen Umständen ermöglicht werden muß. Warum bist Du nicht sogleich nach Deiner Ankunft von Paris zu mir gekommen? Ich hätte Dir gerathen, Deinen Vater nicht zu reizen. Du kennst ja seine fest⸗ gewurzelte Idee, die ja übrigens selbstverständlich ist, daß sein Schloß nicht in fremde Hände gehen darf. Verzögere nur den Besuch bei den de Gatonnieres, so wird sich schon Rath finden. Daß Du Dich nicht mit fünfundzwanzig Jahren verheirathen lässest, ist selbstverständlich. „Meinst Du, Mutter?“ fragte er gedankenvoll. „Ich habe geglaubt, Dich muthiger zu finden; wenn Du die Widerstandsfähigkeit verlierst, wie soll ich allein Deinem Vater opponiren?“ fragte sie und blieb einen Augenblick im Parke vor ihm stehen. Er warf einen langen freundlichen Blick auf die elegante, wurden. Sein Vermögen ist wenigstens dem meinen gleich und noch recht hübsche Erscheinung seiner Mutter.„Du bist noch 258* 847 G eine sehr schöne Frau,“ sagte er wohlgefällig,„viel zu jugendlich, als daß man Dich über kurz oder lang„die alte Baronin“ oder „die Großmama“ heißen darf.“ Die schöne Frau erröthete wie ein junges Mädchen und nahm verwirrt wieder den Arm ihres Sohnes.„Das hat man davon, wenn man sich mit seinen Kindern auf einen kamerad— schaftlichen Fuß setzt,“ lachte sie gezwungen auf;„aber denke doch vorerst an Dich, mein guter Henri; wie magst Du Dich doch als fünfundzwanzigjähriger Familienvater ausnehmen? Die Geschichte ist ja rein lächerlich.“ „Der Vater ist überzeugt, daß eine solche Verbindung sich schwerlich ein zweites Mal bieten werde,“ antwortete der Vicomte mit affektirtem Ernste. Sie schlug ihm leicht auf den Arm.„Ich sehe, wir sind einig, Du wolltest mir nur ein bischen bange machen, bemühe Dich nicht weiter. Glänzende Verbindungen werden sich in fünf bis sechs Jahren noch die Menge für Dich finden, Dein Vater ist engherzig wie ein kleiner Bourgeois in seinen Berechnungen.“ „Offen gestanden, Mutter, die Drohung, zehn Monate von zwölf des Jahres, hier in der Franche Comté zubringen zu müssen, könnte mich zur Heirath und zu noch Schlimmerem treiben. Man lebt doch nur in Paris wie ein Mensch.“ Die Baronin erschrak.„Laß doch die Dinge an Dich heran— treten, Du kennst Deinen Vater, wie er mit allen Mitteln operirt, um seinen Zweck zu erreichen,“ sprach sie erregt.„Gehe nach Paris zurück, halte Dich ruhig und laß die Geschichte im Sande verlaufen.“ „Ein anderer Vorschlag, Mutter,“ rief er mit munterem Ton; „ich gehe nach der Normandie und mache mich so gründlich un— beliebt bei den de Gatonnieres, daß der alte Herr seinen Vor— schlag zurücknimmt.“ „Wenig ausführbar in der Eigenschaft als Gast,“ antwortete sie in demselben muntern Ton.„Du bist dem Projekt abgeneigt, das genügt. Sprich mit Deinen Freunden in Paris darüber, sie werden Dir die feinsten Waffen schmieden helfen, den Sieg zu erringen, ohne Dich mit Deinem Vater in Widerspruch zu setzen.“ 1 Vierzehn Tage darnach war der Vicomte d'Ormont auf dem Wege nach der Normandie. Seine Stirn war umdüstert, gerade jetzt erschien ihm das Unternehmen weniger anmuthend, wie je. Bei seinen Freunden hatte er nicht den Schutz gefunden, auf den seine Mutter gezählt. Uebrigens war die Mittheilung nur einem einzigen gemacht worden, dem Baron de Preuil, einem vierzigjährigen Bonvivant, der gemüthlich in den Tag hinein lebte, und ohne gerade die kostspieligsten Passionen zu haben, doch nach und nach sein Vermögen verzehrte.„Nicht von der Hand zu weisen, mon garçon,“ hatte er geantwortet.„In einigen Jahren sind Sie das Leben hier gründlich müde, brechen Sie ab, ehe Sie den Becher bis zum Bodensatz geleert haben.“ — Der Vicomte sah ihn befremdet an. „Sie staunen, daß ich Moral predige?“ fragte er mit einem gutmüthigen Lächeln,„freilich sonderbar genug mag's sein. Sie werden nicht bezweifeln, daß mir die Erfahrung zur Seite steht, heirathen Sie lieber heute, wie in zehn Jahren.“ Der Ausspruch de Preuil's verstimmte den Vicomte; der indolente neidlose Grand seigneur war das Orakel der jungen Pariser Lebemänner. Von des Vicomte Vater kam ein Schreiben, das nur sagte:„Bist Du noch nicht nach der Normandie ab— gereist, so nimm Dir nicht mehr die Mühe, es möchte zu spät sein.“ Am selben Tage reiste er von Paris ab. In Rouen verließ er den Zug und fuhr einen halben Tag lang im offenen Wagen durch die blühende Landschaft. Je näher er dem Ziel seiner Reise kam, desto unruhiger wurde er. In Lillebonne, der alten Römerstadt, hielt er eine kurze Rast, machte sorgfältig Toilette und fuhr dann gegen Abend dem eine Stunde weiter unten an der Seine gelegenen Schloß Taurbee zu. Sein Vater hatte die Einladung für ihn angenommen, von Lillebonne aus war ein Bote zu Pferde von dem Vicomte expedirt worden, der schriftlich seine Ankunft in Taurbec meldete. Der Vicomte stieg an dem hohen Gitterthor aus dem Wagen und betrat die zum Schlosse? rende Avenue. Ohne den Eindruck der Großartigkeit zu machen, sah das Schloß mit der Umgebung des blühenden englischen Gartens sehr einladend aus. Obschon es schon fünf Uhr war, lag Alles wie in tiefer Mittagsruhe vor ihm, nur ein eintöniges Geräusch, das plötzlich ein Knistern und Knacken von Aesten zur Folge hatte, ließ sich von der Seite in einer Baum⸗ gruppe hören. Der Vicomte blickte auf und sah im dichten Laub einer mächtigen Linde einen Schmetterling hängen, der sein Interesse höchlichst in Anspruch nahm. Ohne sich zu besinnen, eilte er unter den Baum und merkte, daß die leichten hellen Sommerflügel fest von den Zweigen gepackt waren und der arme Schmetterling jämmerlich da oben gefangen saß. Auch die Seile der Schaukel saßen fest mit dem Sitzbrett in den Aesten. Das junge Madchen sah garnicht bestürzt aus seiner luftigen Höhe herunter, sondern ließ die muntern braunen Augen mit Behagen in dem duftigen Blättergrün rundum schweifen, sie blickte erst hinunter, als sie eine Stimme hörte, die ihr zurief:„Mein Fräulein, regen Sie sich nicht, die Aeste sind zu gebrechlich und Sie würden unfehlbar hinunterstürzen, bleiben Sie ruhig, ich komme Ihnen zu Hilfe.“ Ein lustiges Auflachen antwortete ihm; sie schlug die Arme übereinander und fing an, sich hin und her zu wiegen.„Ah,“ dachte der Vicomte,„voila une mise en scène. Die kleine Pensionärin hat in ihrem Köpschen ausgeheckt, daß sie sich überaus kühn und verwegen da oben ausnehmen und dem Be— sucher imponiren werde.“ Ihr Wiegen und Schaukeln in den Baumgipfeln wurde immer energischer, und ihre Augen lachten den Untenstehenden herausfordernd an.„Können Sie meine Dienste brauchen?“ fragte er hinauf. „Nein,“ kam es silberhell herunter,„gehen Sie nur ein bischen da hinweg, damit ich ungehindert meinen Flug nehmen kann.“ Kaum war er zur Seite getreten, da flog sie auch schon auf der Schaukel an ihm vorbei. Sie schien keine weitere Notiz von ihm nehmen zu wollen, sondern setzte ruhig ihren Sport fort. Mit diesem Kinde wollte man ihn verheirathen? denn wer sollte sie anders sein, wie Jeanne de Gatonniere; und doch, wo blieb denn die Harmlosigkeit des Kindes in dieser gar zu naiv angelegten Empfangskomödie? Wenn sie sein Erscheinen auf dem Schauplatz für wichtig genug hielt, ihn auf so sonderbare Weise aus den Baumwipfeln zu empfangen, so war ihre gegenwärtige Nichtbeachtung seiner Person, wenn auch der Komödie entsprechend, doch kaum ihrem Alter, noch der Höflichkeit angemessen. Langsam ging er dem Portal des Schlosses zu. Gerade, als er eintreten wollte, trat ein ältlicher Herr in Jagdkleidung mit der Flinte über dem Rücken auf die breite Treppe. Er stutzte einen Augenblick, als Henri d'Ormont, den Hut in der Hand, fragend den Namen des Grafen nannte; dann aber reichte er ihm die Hand und sagte:„Willkommen, Vicomte, Sie gleichen außerordentlich Ihrem Vater. Warum haben Sie uns Ihren Besuch nicht gemeldet, ich wollte eben in den Park gehen, einige Lapins zu schießen.“ Der Vicomte stotterte, daß er von Lillebonne aus vor einigen Stunden,— da kam der Bote mit glühendem Gesicht die Avenue daher und überreichte dem Grafen Henri's Brief.„Noch einige Aufträge in der Umgegend besorgt,“ wendete er sich beschwichtigend an d'Ormont. Henri war beschämt und that im Stillen Mademoiselle Jeanne Abbitte. Eine Stunde später, als die Glocke zum Diner rief, trat die Mutter des Grafen, die Enkelin an ihrer Seite, in den Salon. Die alte Dame machte den Eindruck einer Marquise aus den Zeiten Ludwigs des Vierzehnten; die stolze majestätische Haltung, das volle schneeweiße Haar und die stolzen dunkeln Augen, nichts fehlte der imponirenden Erscheinung, auch nicht das schwarze, unter dem Kinn geschlungene Spitzentuch, das über das glänzend weiße Haar geworfen war. Sie verbeugte sich kalt mit einem durchdringenden Blick, als der Graf ihr den Vicomte vorstellte. Mademoiselle Jeanne's rosiges Gesichtchen wurde um eine Nuance mehr rosenroth, als ihre braunen Augen dem Blicke des Vicomte begegneten, ihre Augen verschwanden eiligst unter dem Schutzmantel der langen Wimpern und um den feinen Mund zuckte es, die kleinen Zähne preßten sich fest in die Unterlippe; aber es half nichts— ein kurzes unterdrücktes Lachen wurde hörbar. Henri d'Ormont erröthete nun ebenfalls und der alten Gräfin imponirender Blick verscheuchte eiligst das“ r ..„ 259= —— —— Lachen von den rosigen Lippen Jeanne's. Der Vicomte bot der Dame seinen Arm und Jeanne flog in ihrem hellen lichten Kleide auf ihren Vater zu. Es ging frostig genug während des Diners zu, die Gräfin schien jede Unterhaltung in Fesseln zu schlagen durch die eisige Atmosphäre, die von ihr ausging, ihre Enkelin öffnete nur den Mund, um es sich recht gut schmecken zu lassen. Nach dem Diner wurde ein Spaziergang durch den englischen Garten gemacht, der Graf wurde gesprächig, erzählte von früheren Zeiten, Großmutter und Enkelin folgten stumm zehn Schritte hinter den beiden Herren. So vergingen acht Tage, einer glich dem andern. Der Vicomte fing an, sich ungeheuer zu langweilen. Graf Gatonniere mochte in früheren Zeiten ein ganz guter Gesellschafter gewesen sein, jetzt aber war er in die Ideen einer Zeit hineingerostet, die für den jungen Mann kaum mehr verständlich war. Dieses Stückchen überdauertes Mittelalter in der Person des Grafen und seiner Mutter hatte für ihn selbst nicht das Interesse der Kuriosität, und ohne das hübsche Gesichtchen Jeanne's, das wie die Neuzeit rosig und keck über die verstaubten Trümmer blickte, welches schweigend und doch so beredt ausdrückte, wie es sich nach dem Fluge in die heutige Welt sehnte, hätte er es keinen Tag hier länger ausgehalten. „Thun Sie hier ganz nach Ihrem Belieben,“ sagte der Graf zu ihm und überließ ihn sich selbst. Es war nach Johannistag, der Gutsherr hatte seine Pächter zu empfangen, ihre Gesuche anzuhören, was er Alles mit der eingehendsten Sorgfalt that. Die Großmama ließ die Enkelin nicht von ihrer Seite und ihre strengen Augen schüchterten augenscheinlich das junge Mädchen ein. Der Vicomte fühlte sich keineswegs in seinen Erwartungen besonders getäuscht, er kannte ja die Sitten seines Landes und das Festhalten des hohen Adels an dem Althergebrachten; nur fühlte er sich außerordentlich gelangweilt. Er durchwanderte den englischen Garten und den daranstoßenden Park nach allen Richtungen. Das Land lag wunderbar schön vor ihm, breit und majestätisch eilte zwischen hohen malerischen Bergen die Seine dem Meere zu, bis sich täglich der Kampf mit der vom Meere eindringenden Fluth wiederholte, und der in seiner Richtung aufgehaltene Strom, sich gegen das hereinbrechende Wogen der Meeresfluth wehrend, seine Wasser mit verzweifeltem Widerstand emporspritzte. In einiger Entfernung sah er Lillebonne liegen, das Amphitheater mit seinen treppenförmig aufsteigenden Sitzen und seiner weiten Arena mit dem hohen Kaisersitze, lag vor ihm, geschont und geschützt vor dem nagenden Zahn der vielen darüber hingeeilten Jahrhunderte. Der Vicomte verließ den Bereich des Schlosses und schritt dem Städtchen Lillebonne zu. Ein alters⸗ graues Schloß, ein Monument des Mittelalters, trauerte, von blühenden Gärten umgeben, am Fuße des Amphitheaters, und kleine hellglänzende Häuser, Kinder der Neuzeit, zogen sich im muntern Reigen um klassisches Alterthum und Mittelalter. Der junge Mann nahm Alles mit dem größten Interesse in Augen— schein; ein hoher, halbverfallener Thurm neben dem Schlosse erregte seine Aufmerksamkeit und er meinte, von seiner Höhe einen ganz besonders freien Blick auf die Ufer' der Seine er— langen zu können. Die Thür war nur angelehnt, eine Treppe in bösem Zustande, von der öfters einige Stufen fehlten, führte in engen Windungen bis zur Höhe des Thurmes, und d'Ormont sah sich oben auf einem mit Gräsern bewachsenen Plateau, das kaum mehr wie drei Meter im Quadrat hatte. Es schwindelte ihm auf dieser Höhe, vor diesem herrlichen, weiten Ausblick in das Land hinein. Erst als sein geblendetes Auge sich an diesen überraschend großartigen Anblick gewöhnt, konnte er die Einzel— heiten des anziehenden Panorama's in sich aufnehmen. Lange stand er und bewunderte, immermehr zog sich sein Blick in engere Kreise und haftete endlich auf der nächsten Umgebung des Thurmes. Da lag ein weiter schattiger Garten zu seinen Füßen, umgeben von einer hohen Mauer. Mit langsamem Schritt durchmaß eine Dame die breiten Wege, eine lange Schleppe glitt geräuschlos hinter ihr drein. d'Ormont unterschied, daß die Dame jung und schön, und daß ihre Toilette elegant und von der letzten Mode war. Nachdem er aufmerksam ihren langsamen Spaziergang beobachtet und die Dame garnicht daran zu denken schien, ihn zu unterbrechen, wurde der Vicomte ungeduldig und verließ eilends das Plateau des Thurmes. Unten angelangt untersuchte er, ob es möglich sei, vom Fuße des Thurmes aus in den Garten zu gelangen. Dichtes Gestrüpp umgab ihn, wie eine Schutzmauer; endlich gelang es ihm jedoch, sich einen Weg zu bahnen und er stand zögernd in dem Garten und überlegte, ob er vor der jungen Frau erscheinen und sein indiskretes Eindringen ent— schuldigen dürfe. Viel Zeit zur Ueberlegung blieb ihm nicht; denn plötzlich änderte die Dame den regelmäßigen Gang durch dieselben Wege und kam durch einen Seitenweg gerade auf ihn zu. Ihr dunkles Haupt war auf die Brust gebeugt, sie bemerkte den Eindringling nicht. Nun sah der Vicomte sich gezwungen, ihr entgegen zu gehen, und er that es mit aller ihm zu Gebote stehenden höflichen Zurückhaltung. Sie schrak zusammen, als er einige Schritte von ihr, den Hut in der weit ausgestreckten Rechten, sie anredete:„Sie wollen verzeihen, Madame, daß mich die reizende Umgebung des Schlosses verführt hat, indiskret zu sein,“ sagte er und trat mit einer ehrerbietigen Reverenz zur Seite. Die Dame richtete den Kopf stolz empor, und mit einem Blick der Indignation streifte sie den Vicomte. Er sah nur, wie schön die dunkeln Sammetaugen waren, die ihn so vernichtend trafen, er sah nur, daß eine Erscheinung vor ihm stand, wie er sie prächtiger und stolzer nie geschaut. Ihre feinbehandschuhte Hand machte eine hastige Bewegung und im Augenblick eilte ein Gärtner herbei:„Pierre, zeige dem Herrn den Ausgang des Gartens,“ sagte sie kurz und schritt gleichgültig an dem Vicomte vorüber. Er fühlte sich beschämt, und ohne ein weiteres Wort zu wagen, folgte er dem Gärtner. (Fortsetzung folgt.) In der Heimath. Novelle von Hermann Birkenfeld. (Fortsetzung.) Wolf eilte über den Hof, auf den Weg nach der Stadt. Für eine halbe Stunde vergaß er, was soeben noch sein Sinnen in Anspruch nahm und hatte nur das eine Verlangen, zu helfen, nur das eine Ziel vor Augen, nicht zu spät des Arztes Wohnung zu erreichen. Der feuchte Abendwind strich ihm um die Schläfen und vermochte sie doch nicht zu kühlen, tief grub sich sein Fuß in die Fahrgleise des schlechten Feldwegs, den er eingeschlagen hatte und erlahmte doch keine Sekunde. Hätte er nur Besonnen— heit genug besessen, ein Pferd zu nehmen! Nun war's zu spät. Nur vorwärts jetzt! ö Vorwärts! Und nie wieder zurück. Warum auch nicht gleich in Kirchberg bleiben? Denn je weiter er sich von dem Gute ent— fernte, desto lebhafter beschäftigte sich seine Phantasie wieder mit Marie. Sie und Fritz Steinwald! Erst jetzt ward er inne, was Jene ihm hätte sein können. Und wie er diesen verabscheute. Er fand den Schlüssel zu so Manchem, was ihm in den Beziehungen Beider bisher unklar gewesen war. Sie und Steinwald! Daher des letzteren chevaleresk vertraulicher Ton! Und wie sie sich hatte vor ihm, vor Hedwig verstellen können, mit welcher geheuchelten Indignation sie seine Aufmerksamkeiten vor Anderen zurückgewiesen hatte, ihn im Ge— heimen um so reicher zu entschädigen! „Dort wollen wir niedersinken Unter dem Palmenbaum“— „Ihm wirbelte der Kopf. Einen Augenblick durchschoß sein Hirn der Gedanke, den Charakterlosen zu tödten. Der oder er selber! Und dann— ein Skandal mehr auf der Welt, während Hedwig —— Durch all seinen Groll, seine Verachtung, seinen bitteren Schmerz zog sich zuletzt doch wie ein versöhnender Hauch das menschlich-warme Mitgefühl mit der unglücklichen Frau, welche in Südhorn am Lager ihres kleinen Kranken die Minuten zählte, bis der Arzt zu dessen Rettung herbeikommen würde, deren Herz sich an das schwankende Leben eines zarten Kindes ankrampfte als„ihren einzigen Trost!“ Und während dem unten im Zimmer die Zwei: „Auf Flügeln des Gesanges.“ Wenn er nun nicht nach Südhorn zurückkehrte und Hedwig den Unbilden von Seiten eines rauhen Gatten überließ? Sollte er? Farne N 260 D. Seine Tritte hallten schon über das Kirchberger Pflaster, als er noch grübelte, bis eine scharfe Stimme ihn weckte: „Keinen Gruß für ein paar alte Bekannte, Herr Wolf?“ Frau Erika nebst Fräulein Tochter! „Ich bin eben mit Erika auf einen Lauf bei der Frau Kreis⸗ sekretär und traue meinen Augen kaum, Ihnen so plötzlich zu begegnen.“ l Zwei Paar Hände auf einmal streckten sich im Schein der Straßenlaterne ihm entgegen. f „Also endlich wieder in Kirchberg? Nun, gut ausgehalten haben Sie ja in Südhorn.“ Inquisitorisch funkelten ihn die grauen Augen der Wirthin zum Stadtwappen an. Ihre Tochter hielt sich mehr in der Re— serve. Nichtsdestoweniger hatte auch sie einen inni⸗ gen Händedruck für ihn gehabt. Wolf fand kaum ein paar Begrüßungsworte. „Sie entschuldigen— — ich muß fort.“ „Und eben erst ange— kommen?“ Fräulein Erika's dunk⸗ ler Blick brannte auf sei⸗ nem Antlitz, ohne daß er es bemerkte. „Zum Arzt!“ rief er flüchtig. Schon war er ihnen entschwunden. „Das muß man ihm lassen, an Lebensart hat er auf dem Lande nicht gewonnen,“ sagte Frau Graf scharf, während sie mit einem langen Blick nach rückwärts weiter ging. „Er war förmlich un— gezogen. Was mag's denn gegeben haben?“ „Kannst morgen früh mal bei der Doktor Zange vorsprechen, die wird's ja wissen,“ versetzte die Mutter verdrießlich. Der Wirthin Töchter lein sprach auf dem gan— zen Heimwege kein Wort mehr. Doktor Zange aber saß nach einer Viertelstunde schon in seinem halbver— deckten Einspänner. „Kann spät werden, Frau, bis ich wiederkomme. Wissen Sie, Herr Lützel, der Junge macht mir nicht mehr Sorge als seine Mutter.“ „Frau Steinwald? Ich denke, sie ist ganz leidlicher Kon— stitution?“ „Gewesen, Bester, gewesen. Mein Cigarrenetui, Frau. So, bleiben hier, Herr Lützel? Schön! Gute Nacht denn! Wie meinen Sie? Mitfahren? Noch besser. Da hat man doch Gesellschaft. Hahaha!“ Einen kurzen Moment hatte Wolf noch geschwankt. saß er neben dem Arzte. In Südhorn wußte er jetzt einen Daseinszweck. Zwar er— füllte Hedwig's Zustand zum Glück die Befürchtungen des Arztes nicht, aber sie bedurfte der Schonung, und der Kleine sorgsamer Pflege. Stundenlang konnte Wolf mit ihr gemeinsam am Bette des Kindes sitzen, in leiser Unterhaltung, seinen fiebernden Schlummer nicht zu stören, und der Antheil, welchen er an des Patienten Leiden nahm, hatte etwas wie ein geheimes Band zwischen ihm und der Mutter gewebt. Ihr Gatte hatte keine Dann Königin Natalie von Serbien. Zeit, sich um sie zu kümmern, die Brennerei war eben in Be⸗ trieb gesetzt worden und seine Anwesenheit dabei öfter als zuvor nothwendig. Als an jenem Abend der Arzt kam, war er zwar nicht wenig betroffen über die Gefahr, in welcher sein Kind schwebte, achtundvierzig Stunden darauf aber war er wieder der Alte. „So eine frische Kindernatur verträgt viel mehr als man gemein⸗ hin glaubt, und der Junge ist ja in guter Pflege, wie ich sehe.“ Er sprach das so leichthin, aber mit einem Blick, der von seiner Gattin nach dem Freunde hinüberschoß, daß Lützel sich wandte, vor Hedwig wenigstens seinen Unwillen zu verbergen. „A propos, Wolf,“ fragte Steinwald ihn nachher, als sie Beide sich auf dem Flur wiedertrafen,„wie steht es mit dem Lande?“ Wolf sagte ihm, er habe mit Bretters geredet. „Sehr gut!“ erwiderte Steinwald gleichgültig. „Notar Rosenberg hat morgen ohnehin hier zu thun, da können wir den Kontrakt gleich unter⸗ zeichnen.“ „Doch nur, wenn Bret⸗ ters das Grundstück am Grütersberge erhält?“ Der Gutsbesitzer sah verwundert auf. „Ich verstehe Dich nicht, alter Kerl. Komm' doch mal mit.“ Er führte Wolf in sein Arbeits⸗ zimmer und kramte vor dem Pulte.„Haha, da haben wir's! Pachtkon⸗ trakt zwischen dem Guts⸗ besitzer Friedrich Stein⸗ wald und dem Kolon Bretters in Südhorn. Und hier der andere für uns Beide.“ Er hielt seinem Freunde die Bogen hin. „Bist Du nun beruhigt. Oder darf ich Dir als captatio benevolentiae noch eine Cigarre an⸗ bieten? Gar kein übles Kraut, habe kürzlich eine gute Quelle endeckt— eigens für Dich, da ich ja mehr für Cigaretten bin,“ lächelte er und reichte seinem Gaste eine frisch erbrochene Kiste.„Bitte! Verscheucht so'n bischen die Krankenstubenluft. Ich kann Dir nicht sagen, wie ich jedes⸗ mal mitleide, wenn im Hause Jemand nicht recht au fait ist; es macht mich nervös, versichere ich Dich. Und die Frauenzimmer füttern dann obendrein aus der Mücke einen Elephanten heraus und erklären Jeden für herzlos, der in ihr allgemeines Weh⸗ klagen nicht blindlings mit einstimmt. Als ob man dadurch einen Kranken kurirte!“ Seufzend lehnte sich Steinwald in eine Sophaecke zurück. Daß seines Kindes, seiner Gattin Wohl dem Freunde mehr am Herzen lag als ihm selbst, schien er in der Ordnung zu finden. Tags darauf kam der Notar, und der Pachtvertrag wurde geschlossen, so gern Wolf jede, auch eine rein geschäftliche, Ver⸗ bindung mit Steinwald vermieden hätte. Er hatte einmal gesagt. g „Verzeihung! Ich glaubte, Ihre Kousine hier zu treffen.“ „Sie wird sogleich kommen,“ antwortete Marie Lützel, ohne aufzusehen. Sie mischte eben einen Trank für den kleinen Re⸗ convaleszenten. 750 I 8 U el. b en . 1 5 Ulf 1 . 5 U 14 1 WW n 1 1606 9 67 ————— 261 Wolf hatte sich zurückziehen wollen, nun nahm er doch ihre Handbewegung als Aufforderung an, sich zu setzen und schaute ihr zu, wie ste die kräftigende Brühe vorsichtig in der Tasse rührte und selbst kostete, ehe sie dem Kinde davon reichte. Längst war er jedem Alleinsein mit ihr sorgfältig ausgewichen; auch sie schien seit Kurzem seine Gesellschaft nicht zu suchen, so daß er wieder Attaquirt! und wieder erwogen hatte, endlich diesen Ort zu verlassen, wo es nichts als Qual für ihn zu kosten gab; stets hielt ihn ein etwas zurück: er wollte seinem Nebenbuhler das Feld noch nicht räumen und log sich vor, er bleibe um Hedwig's Willen. Schließlich war er doch froh, als die Hausfrau kam, das peinliche Schweigen zu brechen. Aber auch zu dritt kam keine Unterhaltung zu Stande. Marie seufzte einmal leise auf. Dann schob sie sich, beide Hände an die glühenden Wangen gepreßt, sachte aus der Thür. Der Kleine war eingeschlafen, und Wolf saß mit Hedwig allein im Zwielicht. Sie redeten mit gedämpfter Stimme, fast flüsternd, erst von gleichgültigeren Dingen, dann von Wolf's Abreise. „Sie haben hier traurige Wochen verlebt und dürfen froh ssein, uns ade sagen zu können.“ „Froh!“— Eine Weile hielt er stumm den finsteren Blick auf den Boden geheftet, dann fuhr er rasch mit der Hand über seine Stirn.„Gleichviel, ob—— Es handelt sich darum nicht. Ich muß Sie verlassen, weil mein Urlaub auf die Neige geht Nach dem Gemälde von E. Rau. und mein Freund schließlich die Geduld verlieren möchte. Es scheint ja— ich darf wohl offen gegen Sie sein?— Pförtner hegt eine mir unerklärliche Abneigung gegen Ihr Haus. Haben Sie eine Ahnung, warum?“ Es war zu dunkel geworden, sonst hätte er sie vor der offenen Frage, welche er zum ersten Mal aussprach, können erbleichen sehen, wie man es nur bei Gewissensfragen thut, und es wäre ihm nicht entgangen, wie es in ihrem Gesicht zuckte vor Schmerz und hoffnungslosem Weh. „Ich— Nein, ich weiß nicht,“ antwortete Frau Hedwig gepreßt. 8 N 5 . GW K 0 9 N 262 D N Die Zwei hatten nicht gehört, daß Fritz Steinwald das Zimmer betreten hatte. „Ich störe doch nicht?“ Wolf fand eine Impertinenz in dem Tone, er hatte nicht übel Lust zu einer Entgegnung. Hedwig's Auge, das auf ihn gerichtet war, hielt ihn ab. Steinwald hatte sich in eine Chaiselongue gesetzt. „Uebrigens eine merkwürdige Passion für das Halbdunkel.“ „Des Kindes wegen. Ich will sogleich Licht machen.“ Man hörte das leise Klirren der Lampenkuppel, als Hedwig sie behutsam abnahm. Gleich darauf zeigte der helle Lichtschein Wolf ein purpurübergossenes Antlitz, und er fragte sich umsonst nach dem Grunde von Hedwig's kindlicher Unterwürfigkeit, ja Aengstlichkeit gegenüber dem anmaßenden Gebahren eines ge— müthlosen Gatten. Als dieser mit einer nörgelnden Bemerkung über„die lächerliche Angst um den kräftigen Jungen“ nach einer Viertelstunde das stille Gemach wieder verließ, hörte er Hedwig erleichtert aufathmen. Marie sah er diesen Abend nur kurz bei Tisch. Es wurde wirklich Zeit für ihn, sich davonzumachen. Ohne sich Klarheit verschafft zu haben, ob sie denn wirklich—?— Sie hielt ihn doch noch immer. Mit sich selbst unzufriedener als je schlenderte er anderen Tages den Weg nach dem See zu und begegnete Bretters. Er hatte wenig Lust zu einem Gespräch, der Alte dagegen wohl um so mehr. „Das hat man davon! Daß Ihr mir das anthatet, Herr, mir! Wo ich doch noch jedes Jahr pünktlich bezahlt habe! Und nun ein ruinirter Mann, Herr!“ Wolf stand ganz starr. „Ihr wolltet doch sorgen, daß mir der Acker am Grüters— berge abgelassen wurde, und darum, nur darum, sollte meine Pacht schon am ersten November ablaufen, und nun—— Ich kann doch kein anderes Land auftreiben, Herr; Ihr wußtet doch, ich würde ein Bettler. Und meine Kinder!“ Der Bauer hatte die große Tuchmütze von dem grauen Haar gezogen und hieb mit ihrem Schirm in ohnmächtigem Grimm auf das eigene Haupt. Vergeblich suchte Wolf zu Worte zu kommen. „Ich verstehe nicht——“ „Verstehe Euch nicht! Hahaha! Das sagte der da hinter dem Busche auch,“ Bretters wies mit der ⸗Faust nach der Gegend, wo Steinwald's Hof lag.„Sagte der auch so von oben herab, wissen Sie. Ist eine bequeme Redensart. Aber ich verstehe, ich, daß ich betrogen bin, und Ihr— Jedem, der's hören will in der ganzen Bauerschaft, Jedem will ich's sagen, er ist ein Lügner, ein Betrüger, der ehrliche Leute dazu bringt, nach dem Stock zu greifen, ein Lump, der's noch dazu aus purer, nackter Bosheit thut, der—“ Der kleine, zaͤhe Mann hielt keuchend inne. In dichten Tropfen perlte der Schweiß auf seiner Stirn. Jetzt verstand freilich auch Wolf, wenn schon nur halb.„Er hat noch keinen Kontrakt mit Euch geschlossen? So will ich sorgen, daß es schleunigst geschieht; wie ich selbst gesehen habe, ist das Papier schon geschrieben, es handelt sich also wohl nur um eine Verzögerung. Noch heute oder morgen sollt Ihr beruhigt sein, Bretters, verlaßt Euch auf mich; Steinwald hatte letzthin mancherlei Abhaltung, sein Kind ist krank.“ Wolf sagte das Letzte mehr um den Alten zu beruhigen, als weil er selbst daran geglaubt hätte. Bretters aber schlug ingrimmig mit der flachen Hand auf's Knie.„Ihr wollt sorgen, Herr?— Ich wollte es auch. Bin deshalb bei ihm gewesen, jetzt eben, auf dem Felde bei der Süd— horner Schnat traf ich ihn. Und was hat er mir gesagt, als ich ihn bat, doch gleich den Kontrakt auszufertigen? Er hätte jetzt keine Zeit.— Und als ich drängte; denn das Hinhalten paßte mir nicht mehr? Er hätte sich die Sache anders überlegt und wohl vor, sein ganzes Land selbst zu bewirthschaften.— Und als ich ihn an sein Versprechen erinnerte? Davon könnte gar nicht die Rede sein und er mit seinem eigenen Grund und Boden doch wohl anfangen, was er wollte; er verstände mich nicht.— Und als ich mich auf's Bitten legte, er machte mich sonst zum armen Manne? Es sollte mir an nichts fehlen; wenn ich wollte, könnte ich bei ihm in Arbeit treten.— Das hat er mir geantwortet, Herr. Bei ihm in Arbeit! Mein Kind steht bei ihm in Arbeit, und Gott soll mich bewahren, wenn ich's noch länger da lasse.— Keine Zeit! Für andere Dinge hat er Zeit gehabt, davon weiß meine Tochter ein Lied zu singen. Denn nun ist's ja heraus, Herr; Töne hat's'rausgebracht aus der Sophie, warum sie vom Hofe wollte. Und nun weiß ich auch, warum er mich betrogen hat. Aus Bosheit und Giftigkeit und Rache, weil das Mädchen ein ehrlich Geschöpf ist. Zu verschämt, dem eigenen Vater zu sagen was dieser—“ Wolf hatte bisher gar nicht gewußt, daß Sophie des alten Bretters Tochter war; nun überlies's ihn eiskalt, doch versuchte er, sich zu beherrschen. „Ich will noch einmal mit ihm reden, Bretters. Er gab ja auch mir die Versicherung—“ Bretters schüttelte den Kopf.„Kommen an den Unrechten, Herr. Was der in den Krallen hat, läßt er nicht wieder fahren. Hätt's auch gleich wissen können und mich nicht auf den Handel eingelassen, wenn Sie nicht mit dabei waren. Aber ich meinte, wo Sie die Hand zwischen den Karten hätten, da gäb's ehrlich Spiel. Nun kann ich verkaufen!“ Wolf legte dem lautaufstöhnenden Mann die Hand auf die Schulter und sah, wie ihm ein paar Thränen in den harten Stoppelbart liefen.„Ihr sollt nicht verkaufen, Bretters. Wie ich mit die Schuld trage an Eurem Unglück, so auch die Kosten, wenn Steinwald Euch das Land nicht überläßt.“ „Er thut's nicht, Herr. Aber Ihr seid wie Euer Vater, Ihr habt ein Herz.“ Als Wolf sich zum Gehen wandte, hielt ihn die schwielige Hand des Gekränkten zurück.„Noch eins,“ flüsterte Bretters, dicht an ihn herantretend.„Habt Ihr Töne Drunkemöller kürzlich gesehen, Herr?“ Wolf verneinte. Wozu die Frage. „Es ist wegen der Frau, nur wegen der Frau; denn dieser—“ Wieder kämpfte der Sprecher gegen seine Aufwallung.„Seht zu, daß Töne nicht mit ihm zusammentrifft, es kann ein Unglück geben.— Ihr wißt nicht, warum?— Töne und meine Sophie — Ihr versteht? Und er wußte längst, daß ihr etwas passirt war, was sie nicht sagen wollte; nun er's kennt— er hat's ge- lobt, Herr, Auge um Auge!“ 2 Lützel wich betroffen einen halben Schritt zurück. „Er schlägt drein, Herr, sage ich; denn der Bauer hat so gut seine Ehre wie ein Anderer, und sein versprochenes Mädchen läßt er sich nicht verschimpfiren— wenn auch der saubere Herr auf dem Gute schon längst bei einer Anderen mehr Glück ge— funden hat.“ Wolf lehnte am Riegel eines Weidekampes, unbeweglich. Er wollte etwas erwidern, es ging nicht, es schnürte ihm die Kehle zu. Der Andere aber schien die stumme Frage in seinem Blick zu verstehen und nickte mit dem Kopf.„So'was erfährt man auch bei uns, draußen am See?“ „Was?“ preßte es sich endlich zwischen Wolf's Zähnen durch. Der Alte zuckte verächtlich die Achseln.„Das Fräulein, Herr. Hier war's, gerade hier, wo wir stehen. Töne holte das Fräulein aus dem Stadtwappen von Mellingen zurück— der alte Graf hat ja da einen Bruder wohnen— und schon dämmerig ist's gewesen, da haben die beiden hier gestanden und so eifrig zu reden gehabt, daß sie von dem Wagen gar nichts hörten. Der Weg ist ja auch weich genug hier. Geglaubt hätte ich's doch nicht, wenn Töne es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte. Darum war ihm denn auch eingefallen, die Sophie auszuforschen; denn wenn ein verheiratheter Mensch einmal seiner Frau die Treue bricht, so kann er's auch zum zweiten Male, und die Sophie ist ja wohl schon das Ansehen werth. Und das Fräulein aus der Stadt hat noch gemeint, das müßte doch eigentlich die arme Frau wissen und Töne sollte es deshalb nur Ihnen sagen, Sie würden ihr schon beibringen, was für einen Mann sie hätte, aber das hat der Junge doch nicht thun wollen; denn Frau Steinwald erfährt's noch immer srüh genug. Und ich habe ihm auch gerathen: Steck Deine Finger nicht zwischen andrer Leute Sachen.“ Wolf hielt das Holz des Riegels umklammert als fürchte er zu fallen. „Ja, ja, Herr, trau— schau— wem!“ Bretters ging schwerfällig davon. Fortsetzung folgt.) 0 263 Tod verkündete. Jose Blätter. Königin Natalie von Serbien.(Siehe Illustration.) Schönheit ist eine glänzende Empfehlung für's Leben, aber keine Bürgschaft für das Glück. Das Geschick der schönsten unter allen regierenden Fürstinnen der Welt beweist uns diesen Erfahrungssatz. Königin Natalie ist im Jahre 1859 als die Tochter des russischen Bojaren und Obersten von Keschko und dessen Gattin Pulcharia, einer geborenen Prinzessin Sturdza, unter den glückverheißendsten Umständen zur Welt gekommen. Ihre Eltern besaßen Güter und Schlösser in Südrußland und Rumänien, deren Werth sich auf mehrere Millionen bezifferte. Die junge Natalie blühte sehr rasch auf. Kaum zählte sie sechzehn Jahre, so bezauberte sie durch ihre Schönheit den jungen Serbenkönig Milan J., und dieser bot ihr seine Hand und Krone an. Kaum ein Jahr nach ihrer Vermählung schenkte sie ihrem Gatten und dem Volke der Serben einen Thronfolger. Das Glück des jungen Königpaares schien nun gesichert zu sein für's ganze Leben, allein kein Menschendasein ist vor Stürmen sicher. Eine tiefe Kluft zwischen den bis dahin vollkommen einig lebenden Gatten rief der bulgarische Krieg hervor. Milan gedachte die Rolle des Er— oberers auf der Balkanhalbinsel zu spielen; Fürst Alexander von Bulgarien dog einen blutrothen Strich durch seine Rechnung. Geschlagen und ge— emüthigt kehrte König Milan vom Kriegsschauplatz in den Konak Belgrads zurück, wo sich indessen die schöne Natalie die Herzen der Serben durch ihre Liebeswerke erobert hatte. Was nun die Ursache des tiefen Zwie— spalts wurde, ist viel in den Tagesblättern besprochen, aber nicht enthüllt worden. Die Anhänger Milans beschuldigten Natalie, sie habe mit ihren Landsleuten, den Russen, gegen den eigenen Gatten und die Freiheit Serbiens konspirirt. Die Verehrer der schönen Königin aber erklären, daß das zügellose Leben des Königs und dessen Mißtrauen die Ursachen des Ehestreits bildeten. Bald führte dieser zum völligen Bruch und Natalie verließ mit ihrem Söhnchen Belgrad. Sie begab sich zuerst nach Rußland, dann nach Florenz und endlich nach Wiesbaden. Die Er— eignisse der letzten Tage sind aller Welt bekannt. Auf deutscher Erde wurde ihr der größte Schmerz bereitet, den man einer Mutter zufügen kann; man trennte sie von ihrem Kinde. Deutschland wird der schönen Königin stets als das ungastliche Land gelten. Sie weilt gegenwärtig in Scheveningen und wird den Winter in Florenz verbringen, wo sie die Villa Izinger erworben hat, falls sich die Gatten, um ihres Sohnes Willen, nicht zu einer Versöhnung entschließen. Königin Natalie zählt heute 29 Jahre, und ihre voll aufgeblühte Schönheit, ihr liebenswürdiges Benehmen, erwecken die Bewunderung der Männer, ihr Unglück als Mutter aber die Sympathieen aller Frauen. Obgleich sie von Russen abstammt, zeigt ihre ruhige, träumerische Erscheinung nicht den slavischen Typ. Ihre Haut ist ganz leicht gebräunt und sammtweich, ihre Augen sind groß, tiefschwarz und glänzend. Ihr bräunlicher Teint kontrastirt in bizarrer Weise mit den vollen rothen Lippen und den blitzend weißen Zähnen. Ihre Haltung ist vornehm und anmuthig. Sie bedurfte der Krone nicht, um als Königin zu erscheinen, und sie wird auch, wenn sie dieselbe verliert, eine Herrscherin bleiben im Reiche der Schönheit. An ihrer Wiege standen, wie bei der Geburt Dornröschens, viel gute Feen, und die beste unter diesen legte als Pathengeschenk eine Königskrone zu ihren Füßen. Da kam die böse Fee und flocht in das Diadem eine Dornenkrone hinein. R. E. Der Werth des Almoszns. Ein reicher Mann,— so erzählt eine orientalische Sage,— der sich selten der Noth seiner armen Mitbrüder erbarmte, sah sich im Traume vor dem Richterstuhle Gottes stehen. Seine Thaten wurden gewogen auf der Wage der Gerechtigkeit, aber die Schale, welche die Sünden füllten, ward schwerer und schwerer, sie sank, während diejenige, welche seine guten Handlungen enthielt, als viel zu leicht in die Höhe schnellte. Schon fühlte er bebend die Schrecken der Verdammniß — da brachte sein Schutzgeist ein Brod, ein einziges Brod, das er einst einem hungrigen Bettler gereicht hatte, herbei und legte es in die Schale der guten Handlungen. Sofort senkte sie sich und stand nun in gleicher Richtung mit der Schale der Sünden.„Suche Dir mehr solche Brode zu sammeln, damit künftig die Summe Deiner guten Thaten die der bösen weit überwiege,“ erklang die Stimme des Schutzengels, und der Reiche erwachte. Ob er sich den Traum hat zur Lehre dienen lassen, darüber ist uns der Chronist die Auskunft schuldig geblieben. J. H. Die Astrologen haben sich oft durch eine treffende Antwort aus der Verlegenheit gezogen, aber unklug war einer, der einst dem Herzog von Mailand unverwandt anblickte und zu demselben sagte:„Gnädiger Herr, ordnet Eure Angelegenheiten, denn Ihr habt nicht lange mehr zu leben.“— „Woher weißt Du das?“ fragte der Herzog.—„Durch meine Kenntniß der Sterne,“ antwortete der Astrolog.—„Und wie lange wirst Du leben?“—„Mein Planet wverspricht mir ein langes Leben.“—„Nun, so sollst Du bald erfahren, daß die Sterne lügen,“ und er ließ den Astrologen noch am selbigen Tage hängen.— Aehnlich erging es einem Andern, welchen Heggiages, ein arabischer Feldherr, auf dem Todtenbette zu Rathe zog, und der demselben den „Ich vertraue Deiner Wissenschaft so vollkommen,“ ent⸗ gegnete Heggiages,„daß ich Dich auch in der andern Welt bei mir zu haben wünsche, deshalb werde ich Dich immer voraussenden, damit ich Rabbi Loen und sein Golem. Wer in Prag gewesen, kennt auch das Ghetto und den alten Judenkirchhof, auf dem der Freund Rudolf's 1 der weiße Rabbi Loen bestattet liegt. Erfahren in der Kabbala und der Magie, hatte er sich rasch die Gunst des Kaisers erworben. Nichts ist von ihm geblieben, als auf dem Boden der alten Synagoge ein Lehm— klumpen, der wie ein Mensch geformt ist. Das ist sein Golem, so meldet die Sage, den er sich selbst geknetet hatte und belebte, indem er ihm einen Schem leinen geschriebenen Spruch) unter die Zunge legte. Der Golem war aber der aufmerksamste und willigste Diener, den Jemand besitzen konnte. Des Freitags, wenn der Sabbath begann, nahm Loen den Schem fort, worauf der Golem wieder Lehm wurde, den er mit dem Schem wieder belebte, sobald der Sabbath zu Ende war. Eines Freitags begab sich der„hohe Rabbi Loen“ in die Synagoge, ohne des Golems zu ge— denken. Da begann dieser zu rasen und Alles zu zerschmetteru, daß sich Alle flüchteten. Man brachte Loen die Nachricht, als schon der Sabbath— psalm begonnen hatte. Da ließ der Rabbi diesen unterbrechen und eilte nach Hause, wo er den bösen Geist bannte. Seitdem ist der Golem nicht wieder zum Leben erweckt worden, sondern liegt auf dem Boden der alten Synagoge, ein lebloser Lehmklumpen. W. G. Im kronprinzlichen Palais. Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Friedrich III., hatte einen neuen Lakaien, einen früheren Gardisten, bekommen. Eines Tages erschien in Abwesenheit des Kronprinzen der Kaiser im Palais und begab sich in die oberen Gemächer, um die Rück— kehr seines Sohnes abzuwarten und inzwischen mit seinen Enkeln und Enkelinnen sich ein wenig zu unterhalten. Als der Kronprinz zurückkehrte, kam ihm der Lakai mit der Meldung entgegen:„Kaiserliche Hoheit, Papachen ist oben.“ Erstaunt blickte der Kronprinz den Diener an und sagte:„Ist Er besoffen?“ Ganz ruhig antwortete der Lakai:„Ich habe ihm nichts angemerkt.“ Jetzt brach der Kronprinz in ein schallendes Gelächter aus; auch seinen kaiserlichen Vater soll die Geschichte sehr amüsirt haben. II. R. Einführung der Buchdruckerei in Rußland. Später als in andern Ländern wurde die Buchdruckerkunst in Rußland eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkte wurden die Schriftzeichen auf Pergament oder Birken— rinde gemalt. Unter den Völkern fslawischen Stammes kannten die Böhmen zuerst den Bücherdruck. Das Neue Testament ist das erste 1475 in Prag gedruckte Buch.— Der Czaar Iwan II. Wasiljewitsch verfügte 1553 im Unwillen über die vielen Fehler, welche die Heilige Schrift entstellten, die Anlegung einer Druckerei in Moskau. Mit vieler Mühe gelang es, Buchdrucker aus der Ferne dorthin zu ziehen, wo endlich 1564 die erste, jetzt ungemein seltene Ausgabe des Neuen Testaments zu Tage gefördert ward. Anderthalb Jahrhunderte später hatte Peter der Große ein von ihm erfundenes Alphabet zu Stande gebracht, das genau, wie er es selbst vorgezeichnet hatte, in Amsterdam gegossen wurde. Mit dieser neuen Schrift ward die erste russische Bibel auf halbgeleimtem Papier gedruckt.— Einige Jahre darauf ward in Petersburg eine Presse zum Druck der Ukase errichtet und bald nachher die Petersburger Zeitung und der Ka— lender für 1717 gedruckt.— Wahrscheinlich kam die Holzschneidekunst zugleich mit der Buchdruckerei nach Rußland, denn das obenerwähnte in Moskau gedruckte Neue Testament ist mit vielen Figuren verziert, die aber sämmtlich von den ersten Anfängen der Kunst zeugen. NM. Eine Eselgeschichte. In dem Kyllthale liegt das Dorf Aue, in dessen Kirche man ein sehr altes Bild besitzt. Es stellt drei Mädchen vor, die auf einem Esel sitzen. Das sind die drei Schwestern Irminia, Adele und Klothilde, zu denen König Dagobert J. in wilder Leidenschaft entbrannt war. Da flohen die Jungfrauen auf einen Esel, erzählt die Sage weiter; es stellte sich ihnen aber die reißende Kyll entgegen. Da riefen sie Gott um Hülfe an, und plötzlich wagte Meister Langohr den Sprung und entzog die Mädchen dem Verfolger. Eine Felswand in dem Thal heißt aber bis zu dem heutigen Tag„das Eselein“. W. G. Nach Professor Kirchhoff in Halle ist die Sprache, welche von den meisten Menschen geredet wird, die chinesische; sie dient ungefähr 400 Millionen Menschen, um ihre Gedanken auszudrücken. Die Hindusprache folgt(über 100 Millionen), dann die englische(gegen 100 Millionen), die russische(über 70 Millionen), die deutsche(über 57 Millionen), die spanische(48 Millionen). Erst dann kommt die französische Sprache, die von 47 Millionen geredet wird. W. G. Um das Alter der Eier zu erkennen, löst man 120 Gramm Kochsalz in einem Liter Wasser auf. In diesem Salzwasser sinkt das Ei, das au demselben Tage gelegt ist, auf den Grund; das Ei, das einen Tag alt ist, sinkt auch, erreicht aber den Boden nicht völlig; ein drei Tage altes Ei schwebt etwa in der Mitte der Lösung, während ältere Eier an der Oberfläche bleiben. W. G. Eine Hofnarrenanekdote. Zu König Heinrich III. von England sagte einst dessen Hofnarr, er(der König) habe große Aehnlichkeit mit unserem Herrn und Heiland. Als der König hocherfreut fragte, worin denn diese Aehnlichkeit bestehe, antwortete der Narr:„Christus war bei mich Deiner Dienste gleich bei meiner Ankunft erfreuen kann.“ Und er seiner Geburt so klug wie im dreißigsten Jahre, wo er starb, und mein befahl, dem Astrologen den Kopf abzuschlagen. M. Herr und König ist jetzt auch eben so klug, als damals, wo er zuerst das Licht der Welt erblickte. R. F. 5 2 6e 264. Kreuz⸗Näthsel. Aus nachfolgenden Buchstaben: 1 1 41 K 4 4A TTT B ö DE ITE II EE EHI HUI 1 1 M M N on RS 8 81818 8 8 sind neun Worte zu bilden und mittleren Reihen, von oben nach unten und von links nach rechts ge gleiche Wörter ergeben. Die neun Reihen nennen folgende Wörter J. Eine Stadt im F e Departement Somme. 2. Viehweide im Sage ge. 3. Einen biblischen Namen. 4. Zwei Grafschaften Englands. 5 Einen Badeort im Harz. 6. Ein Gift. 7. Ein Kleid der Orientalen. 8. Einen Nebenfluß der Weichsel. 9. Ein Abschiedswort. in derseben Weise so zu ordnen, 2 esen, Sprichwörxler-Näthsel. Aus jedem der folgenden vierzehn Sprichworte ist ein Wort zu wählen. Die vierzehn erhaltenen Wörter ergeben wiederum ein Sprichwort. J. Früh übt sich, wer ein Meister werden will. 2. Besser zweimal fragen, als einmal irre gehen. 3. Kein Sprichwort lügt, der Schein nur trügt. 1 Wohl dem, der sich mit Gott und Ehren, Ohn' großer Herren Dienst kann nähren. 5. Wer nicht an Tugend glaubt, hat selber keine. „Durch Schaden wird man klug. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Wo jeder will, was jeder soll, Da geht und steht ess immer wohl. „Glaube nur, du hast viel gethan, Wenn du dir Geduld gewöhnest an. Der Krug geht so lange zu Wasser bis er bricht. Mit Vielem kann man schmausen, Mit Wenigem läßt sich auch hausen. Wenn die Maus satt ist, schmerkt das Mehl bitter. Die Lüge vergeht, die Wahrheit besteht. Ein Kind, das nicht auf Rath und gute Worte hört Und stets dagegen spricht, ist harter Strafe werth. Nätbsel. Wie heißt der männliche Vorname, in welchem der griechische Geschichtsschreiber Herodot zu finden ist“— 10. 11. 12. 13. 14. 1— Zweisilbige Charade. Mein Erstes ist nicht dein: doch kannst du gleich mich sehen Denn hier am Anfang siehst du groß und breit mich stehen. Mein Zweites soll dir stets heilig und theuer sein. Doch wird's zu meinem Ganzen, so steht es dir nicht fein, Und hast du's ausgesprochen, und kommt es an das Licht, Wirst du als Missethater es büßen vor Gericht. Aufloͤsung des Kapsel-Raäthsels in voriger Nummer: Emma;— des Logogriph und Homonvm: N 0 Schuppen;— des Arithmogriphs: 1. Karoline.. Ulster Noah. 4. Saone. 5. Trinidad. 6. Un- garn. 7. Niederau. 8. Dreihundert. 9. Livins. 10. Eisen. II. Hindu. 12. Rendsburg. 13. Elefant. 14. Gelb. 15. Jise. Kunst und Lehre, giebt Gunst und Ehre;— des magischen Quadrats: u Ans 6 11* 24— 1 * 1% Ne Problem Nr. 522 den Herren J. Kohtz und C. 7 9 gewidmet von Dr. mhm er in Marklissa. N A 7 1 eee . ert 20 7275 n 2. — I ** W U wa Weiß zieht an und setzt mit dem vierten 50 Matt. Die nachste 8 Partie wurde am 11. Juni d. J. in dem Handlcap⸗Turnier im wl Schachtlub gesplelt N Partie Nr. 2 4 Weiß: J. H. Zutertort.— ee 3. Gunsberg. 50 Sd7- 1) e2— e 7e 35) T3—b7: 2) 2-44 d7- d5 36) Las ch: Db6 65: 3) 8b1—- 03 88816 37) Tdi—el Deb- bE6 9 465 Stö-d7 380 Th7—17: Tas hs* 5) 2—f4 e cb 39) S8d4-c: Jes— 66: 6) dach: II8— 65 40) Tel cc: b7— 6 7) 3 871—86 0 41) Lil e Sd eg 8) Lil cz bs eg 12 Led et: Seg fl 9) Lel- dz Sc6—b4) 43) 542—bf Tus—b27 110 891-135) aT—a6 44) Kbe-al Dbé—b4: 11) ae-ag Sba4 ch 45) a3 bf: Skies 12) Dga-hg39) 8d7-) 46) 17—47 162-2 13) Dhag-h6 1h88 47) 4-590 aufgegeben 10 ee 3 6 5 2—h4 8 d f 160 IAhI——b3 L785: Slellung nach dem 31. Zuge. 19 bald DdsS-b —0 6—0—0 5 19 Ld2—eg Dbö—a5* K 20) 803—e2 Kes bs 1 21) Dh Tds—e8 A.— 22) Dh4—2 Da- ds) 1 40 23) Leg3—-b6é Dꝗd8-e„ 24) Lb6—e5 Sch e? 25) g2—g4 Kbs- a8 2 26) Leb-d Des- as 2 27) Se2— d Ldrt-a 28) b2— bg Lat-es 8 29) Kolb? Les-d 5 30 L484 Dag 56 1) 43-4:— 1 32) LeA—-a 6:8 Se7- dõ g 33) La7—fI 5 1d7-c 2 K 34) Df d2 818- d7 Y) Weiß hätte auch einen guten Angriff behalten, falls Schwarz hier mit der Rochade* 7 ö sortgeseht hätte 2) Dieser Jug erweist sich als Zeltverlust. 35 ah Schwarz nun den Läufer ab, so ist dg d nicht zu hindern. 4 Weiß droht 1 mit der Fortsetzung 18) Sg h oder 5 1 Ses, beg 15 Wr „ 10 Ohg ꝛc. und 2 andere Gegenzüge 14 Sn, und eventuell 15 50 1.4 durch 1.67 hätte der nun—.— Angrisf verhindert werden können Sowohl um 1 pringer abtauschen zu konnen, als auch die Dame 4 0 der Dedung des Feldes ü abjulösen.— Der Verlust des Wauern h drohe noch nicht, da nach 10) Se This 10 Scht die Dame den Springer nehmen konnte. 7 Weiß drohte mit 1.6 und Setz die Dame zu gewinnen, 8 i Nach der Partie machse Mr. Bird zuerst darauf aufmertsam, das mit 32) Le7 en 88) Las Das: 34, bel Weiß die Qualttat gewinnen und das Spiel schnell zu Gunsten hätte entschelden konnen. U K. t ist nun erswungen, wonach natürlich sowohl 4% 86 8g 40% 87 hg of Sas, 51) Las nebst cb c ic alt auch 48„% St 40 Tt Tf c K 510 60 10 sehr schnell zum Gewinn führt. Zriefwechsel. Problem Nr. 516 ist durchaus ktorrett, das Springerschach auf 0 lüb nicht zum Ziel, da der Thurm 45 den A schläagt Die blem eee 9 Muzio-Gamblt ausmachen, find 1) ee e- eh 2 f e- J Sg 7 4 Ii c 85 4 5) 0—0 f resp. 1 Dr. G. in&. .— Drud und Verlag der Voltz⸗— An.„Oe in Berlin, Lugzowsir 105. — Derendworllicer Aedatkut: N. G10 in Berlin, Ludowste 105.