2 SBeilage zu den Oberhessishen Uuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Juhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 12. Februar. 1888. Mutter, X. Ein Mädchenh erz. Alnbeschreiblich war der Eindruck, den die Nachricht von Maxims Verhaftung auf Wera und ihre Mutter machte. Sie wußten ja nicht, daß sie nur das Werk arglistiger Bosheit war, sie wußten nicht, welche Beweise gegen ihn vorlagen, sie mußten ihn unbedingt für verloren oder auf's Aeußerste gefährdet halten. Sein Freund war als Nihilist gestorben, mußten sie also nicht annehmen, daß auch Maxim mit in die Verschwörung eingeweiht war? Hatte er nicht ganz offen noch gestern seine volle Sympathie für den Freund ausgesprochen, obgleich derselbe eben erst als ein gefährlicher Verschwörer erkannt worden war? Frau Uschakow war in Verzweiflung und zerfloß in Thränen. Händeringend beweinte sie ihre Machtlosigkeit, dem jungen Mann zu helfen, dem sie so viel Dank schuldete. Sie wollte zum Polizeimeister eilen und ihm erzählen, wie hochherzig sich Maxim benommen hatte, um Wera zu retten. Aber, was konnte das helfen? sagte sie sich selbst. Das hatte mit dem Nihilismus nichts gemein und konnte die etwa gegen ihn sprechenden Be— weise oder Thatsachen nicht entkräften. Und dann sprach auch die Furcht; würde sie sich nicht dadurch kompromittiren, wenn sie für Maxim eintrete, und schweren Verdacht auf sich und ihre Tochter ziehen, ohne ihm dadurch zu nützen? Sie befand sich in rathloser Verzweiflung. Wera, obgleich vielleicht noch tiefer bekümmert als ihre saß inzwischen still und nachdenklich. Sie war sofort entschlossen zu handeln, ohne Zeitverlust, aber vergebens bemühte sie sich, Mittel und Wege zu finden, die Erfolg versprachen. Was konnte sie, das arme Mädchen, ihm nützen ohne Fürsprecher, ohne Berather, ohne einen Schatten jener Macht, welche der Reich— thum verleiht?„Du mußt unbedingt ihm helfen, unbedingt ihn retten,“ sprach eine,— nein tausend Stimmen in ihrem Innern, und dennoch fand sie sich nach allen Seiten der ehernen Un— möglichkeit gegenüber. Wie oft im Leben finden sich solche Situationen, wo kein Ausweg vorhanden zu sein scheint, wo die dringende Noth— wendigkeit auf der einen Seite nur der starren Unmöglichkeit auf der andern gegenüber zu stehen scheint, und wo dennoch der feste Wille und die Ueberlegung schließlich einen Weg zum Ziele finden. Nach einiger Zeit sprang Wera plötzlich auf und begann sich zum Ausgehen fertig zu machen. „Was hast Du vor?“ rief die Mutter erschreckt und in Be sorgniß, daß Wera Schritte thun möchte, die sie gefährden könnten. „Noch nichts,“ erwiderte Wera.—„Ich muß mich mit Vor dem Sturm. Roman aus dem modernen russischen Leben von A. L. Berthoff. (Fortsetzung.) Fedor Wassiljewitsch besprechen. Er ist der Einzige, von dem ich vielleicht einen Rath erhalten kann.“ „Du hast Recht,“ bemerkte die Mutter,„ich gehe mit Dir.“ Sie traf schnell ihre Vorbereitungen. daß überhaupt etwas geschehen solle, gereichte ihr zum Trost. Bald waren sie bei Fedor Wassiljewitsch. Sowohl der Doktor, als sein Freund waren auf's Aeußerste bestürzt, als sie das Vorgefallene erfuhren, und beklagten Maxims Schicksal auf's Lebhafteste. Sie waren ihm Beide herzlich zugethan. Aber einen Rath wußte Ossipow nicht zu geben, und Wera fühlte sich schmerzlich enttäuscht. Er war offenbar nur darauf bedacht, sich von der Sache fern zu halten. „Was kann ich für ihn thun?“ erwiderte der Doktor auf Wera's Bitten um Beistand.„Ich habe keinen Einfluß und vermag nichts durchzusetzen einer so gefährlichen Anklage gegen— über. Aber er ist ja mit dem Staatsrath Welikanow bekannt, vielleicht wird dieser für Maxim sich bemühen. Offen gestanden, glaube ich das aber selbst nicht, denn wer wird seinen Einfluß, sein Ansehen, vielleicht seinen Hals riskiren wollen zu Gunsten eines verhafteten Nihilisten?“ „Nihilisten?“ rief Wera, angewidert von diesem offenen Ein— geständniß von Selbstsucht.„Wer sagt, daß er ein Nihilist sei? Und wenn es Alle sagen, ich glaube es doch nicht!“ „Nun, wie Sie meinen,“ erwiderte der Doktor einlenkend, „ich will nicht bestreiten, daß Sie recht haben. Aber es läßt sich jetzt nichts dabei machen. Wenn wir wenigstens wüßten, was gegen Maxim vorliegt! Ich werde mich erkundigen!“ „Erkundigen?“ rief Wera traurig aus,—„das kann wohl noch lange dauern, und es wäre doch so nöthig, rasch zu handeln!“ „Nun, vielleicht kann mir Semenow Auskunft geben,“ ent— gegnete der Doktor,„er dient ja auch im Ministerium!“ „Semenow?“ erwiderte Wera mit bangem Gefühl.„Lassen Sie doch diesem Menschen aus dem Spiel, er flößt mir Wider⸗ willen und Mißtrauen ein, und ich fürchte, daß er Maxim mehr zu schaden als zu nützen trachtet.“ „Möglich,“ bemerkte der Doktor.„Es thut mir leid, ich bin in dieser Sache ganz rathlos und muß sogar schon befürchten, selbst in schweren Verdacht zu kommen. Denn es wird nicht unbekannt bleiben, daß Marlitzky in meinem Hause zuweilen verkehrt hat.“ Er sagte nicht mehr Maxim, sondern Marlitzky und Wera verstand sofort, was er damit sagen wollte. Niedergeschlagen und entrüstet verließen die Damen das Haus des Doktors, und begaben sich nach Hause. Sie waren jetzt so weit wie zuvor, ehe sie Ossipow besuchten. Schon der bloße Gedanke, 8 6 2 2 — ä K — — 2 50. bereits eine Enttäuschung erfahren, eine Hoffnung eingebüßt. Gar oft lähmt ein solcher ernster Mißerfolg,— auch wenn er nicht entscheidend, sondern ganz nebensächlich und un⸗ bedeutend war— die Energie zum ferneren Streben, um eine Sache durchzusetzen, die noch keineswegs verloren gewesen wäre, wenn man sie weiter verfolgt hätte. Tief betrübt saßen Mutter und Tochter zu Hause, vergebens sich unablässig anstrengend, um einen anderen Weg zu finden, das Verderben von Maxims Haupt abzuwenden. Plötzlich rief Wera: „Mutter, erinnere Dich doch, was Ossipow sagte! Welikanow, der reiche Staatsrath, kann vielleicht helfen! Wir müssen sofort zu ihm und ihn von der Verhaftung Maxims in Kenntniß setzen. Wahrscheinlich weiß er noch nichts davon! Bitte, komme schnell.“ „Geduld, liebes Kind!“ erwiderte Frau Uschakow.—„Ich muß mich kurze Zeit erholen, ich fühle mich zu sehr angegriffen, um den weiten Weg nach der Morskaja jetzt sogleich anzutreten. 5 „Unmöglich!“ rief Wera.„Kein Augenblick darf versäumt werden. Bleibe ruhig zu Hause, Mama, ich kann recht wohl allein gehen. Ich muß, ich werde sogleich gehen.“ Bald war Wera auf dem Wege zu Welikanow und schritt eilfertig den langen Newsky-Prospekt hinauf. Schwere Ge— danken bedrückten sie. Wird der reiche Staatsrath sich erbitten lassen, für Maxim zu handeln, sich für ihn zu verwenden, seinen Einfluß, wenn nöthig, seinen Reichthum zu seinen Gunsten geltend zu machen? Oder wird er ebenso, wie Ossipow, davor zurück— scheuen, sich zu kompromittiren? Wird es ihr überhaupt gelingen, Welikanow von Maxims Unschuld zu überzeugen? Welche Be— weise hatte sie denn dafür, daß Maxim mit den Nihilisten nicht in Verbindung gestanden habe? Hatte er sich nicht offen als Karpows Freund bekannt? Und dann, mit welchem Recht, in welcher Eigenschaft kam sie zu Welikanow, um seine Hilfe für Maxim zu erbitten? Und welches Recht hatte sie, für Maxim zu sprechen? Mit schwerem Herzen setzte sie ihren Weg fort, der ihr heute endlos lang erschien, und mit beschleunigten Schritten erreichte sie endlich die Morskaja-Straße. Zaghaft zog sie die Klingel an dem Hause des reichen Staatsraths und erschrak über den schrillen Ton derselben, der in der Vorhalle scharf und kurz er⸗ klang. Sofort wurde die Thüre geöffnet durch einen Portier in Livrte, der die Eintretende verwundert und neugierig be— trachtete und nicht mit sich darüber einig zu werden schien, wie er sie taxiren sollte. Seine höfliche Verbeugung blieb auf halbem Wege stecken, als er auf der Straße kein Fahrzeug bemerkte und daraus schloß, daß Wera zu Fuß gekommen sei. „Ich wünsche den Herrn Staatsrath Welikanow zu sprechen,“ Aber sie hatten sagte Wera, indem sie mehr selbstbewußte Entschiedenheit in ihren Ton legte, als ihrer zaghaften Stimmung entsprach. Allein sie begegnete neuem Mißgeschick. „Exzellenz ist ausgefahren,“ erwiderte der Portier. Darauf war Wera nicht vorbereitet. Sie wußte nicht, oder hatte nicht daran gedacht, wie oft der Fall vorkommt, daß Leute, die man nöthig hat, nicht zu Hause sind. Sie stand rathlos da. Der Portier wartete. „Ist die Frau Staatsräthin zu Hause?“ fragte Wera. „Exzellenz sind auch ausgefahren,“ war die schnelle Antwort. Wera's niedliches Gesicht nahm einen so trostlosen Ausdruck an, daß der Mann von Mitleid bewegt wurde. „Das Fräulein ist zu Hause,“ sagte er.„Vielleicht wollen Sie die Rückkunft der Herrschaften abwarten.“ Mit einer halb einladenden Handbewegung wies er nach der Treppe. Wera folgte hastig diesem Hoffnungsstrahl. Ein dankbarer Blick traf den erwünschten Wegweiser, und mit schnellen Schritten stieg sie die prachtvolle Marmortreppe hinauf. Irene erhob sich, um Wera's höflichen Gruß zu erwidern, und ging ihr einige Schritte entgegen. f „Was steht zu Ihren Diensten?“ fragte Irene. „Ich habe dem Herrn Staatsrath eine dringende Bitte vor⸗ zutragen,“ erwiderte Wera,„und möchte Sie um Erlaubni bitten, ihn hier zu erwarten, da die Sache sehr eilig ist.“ Also eine Bittende. Es gereichte Irene zur Ehre, daß sie sich dadurch nicht abhalten ließ, Wera höflich zum Sitzen ein⸗ zuladen. „Ich komme nicht, um für mich Etwas zu erbitten,“ fuhr Wera fort,„sondern für einen jungen Mann, welcher, wie man mir sagte, mit Ihrem Herrn Vater bekannt ist.“ g Irene sah mit einiger Verwunderung zu Wera hinüber. „Für einen jungen Mann?“ wiederholte sie unwillkürlich. „Ja!“ erwiderte Wera hastig.„Ich werde Ihnen sogleich erzählen, wie wir mit ihm bekannt geworden sind. Er bewohnt dasselbe Haus, wie meine Mutter und ich, und wir sind ihm zum größten Dank verpflichtet. Er hat mich aus großer Gefahr errettet.“ Gespannt hörte Irene Wera's Erzählung an. „Ich war zum Besuch bei einer Kousine von mir. Ihr Mann, ein Arzt, wollte mich' nach Hause fahren, aber er wurde zu einem Schwerkranken eilig abgerufen, und um meine Mutter nicht in schrecklicher Angst zu lassen die ganze Nacht über, machte ich mich allein auf dem Weg, anstatt bei meiner Kousine zu bleiben. Ich dachte an keine Gefahr, aber schon dicht am Ziel, wurde ich von Räubern überfallen, und wäre deren Opfer ge⸗ worden, wenn nicht Herr Marlitzky mich befreit hätte.“ Bleich und zitternd vor Aufregung sprang Irene auf. „Wie? Wie war der Name?“ rief sie. „Maxim Mallitzky.“ „Was ist geschehen? Was ist ihm zugestoßen? Schnell!“ rief Ixrene gebieterisch. 5 „Er ist heute Morgen verhaftet und in die Festung abgeführt worden.“ Mit einem Aufschrei sank Irene in den Lehnstuhl, einer Ohnmacht nahe, und keines Wortes mächtig. Wera übersah sofort die ganze Sachlage. Sie stand einer Nebenbuhlerin gegenüber, einer Feindin, welche ausgerüstet war mit allen Vorzügen der Schönheit und des Reichthums. Ihr Herz zog sich zusammen, sie fühlte sich schwer bedrückt. hatte sie so großer Uebermacht entgegen zu stellen? Nichts als ihre arme, opferbereite Liebe, von der sie nicht einmal zu sprechen wagte! a Ein langes Schweigen folgte. Irene hielt den Kopf in die Hand gestützt. Sie war erschreckend bleich, eine Beute stürmischer, widersprechender Gedanken. Sie war es also, hier auf jenem Divan! Aus den Gesprächen der Eltern hatte Irene die Einzel⸗ heiten jenes nächtlichen Abenteuers Maxims erfahren. Sie hatte daraus entnommen, daß man für Maxim fürchtete, er möchte sich von„jenen Leuten“ bestricken lassen, er möchte in die Fesseln jener„jungen Person“ fallen. Und jetzt saß„jene junge Person“ ihr gegenüber, fassungslos, angstvoll, mit Thränen in den Augen. Aber wie konnte sie es wagen, hierher zu kommen, gerade hierher? Und doch! Sie kam ja nicht ihretwegen, sie kam ja für Maxim! Nun, und Maxim? Wie weit ist er mit, diesen Leuten bekannt geworden nach seinem unglücklichen Abenteuer? Ist es ihr schon gelungen, ihn für sich einzunehmen, liebt sie ihn überhaupt? Nun gewiß, wer sollte Maxim nicht lieben? Aber ist sie seiner Gegenliebe sicher?— Das war das Wichtigste, darüber mußte Irene vor Allem Gewißheit haben. Aber sagen Sir mir,“ begann Irene,„kommen Sie nur 0 5 . aus Dankbarkeit für Maxim, um meines Vaters Hilfe für ihn Inzwischen hatte der Portier durch ein Glockenzeichen eine Dienerin herbeigerufen, welche Wera oben entgegen kam und sie auf ihren Wunsch der Tochter des reichen Staatsraths anmeldete. 5 Wera wurde in ein Boudoir geführt, welches mit ver— schwenderischer Pracht, mit unbeschreiblichem Luxus ausgestattet war. Das Kostbarste was Paris an Möbeln, an Kunstgegen— ständen, an jenen tausend Kleinigkeiten bietet, welche ein junges Mädchenherz erfreuen, war hier vereinigt mit den grotesken Pro⸗ dukten des Orients zu einem Ganzen von überwältigender Pracht. zu erbitten, oder hegen Sie noch ein anderes Gefühl? Sagen Sie mir die Wahrheit!“ fügte sie fast streng hinzu. Wera war nicht im Stande, eine Antwort auf diese Frage zu finden, auf die sie nicht entfernt vorbereitet war. Sie schwieg bestürzt. „Nun?“ fragte Irene nach längerer Pause,„Sie antworten nicht? Und liebt er Sie wieder?“ „Davon hat er mir nichts gesagt,“ antwortete Wera wider⸗ willig,„ich habe ihn auch nicht darum befragt.“ Wieder trat eine lange Pause ein. Ein Stachel blieb in Was 51. 7 Irenens Herz. Was kann es Falscheres geben als die Handlungs— weise dieser Fremden? Wie kann sie sich eindrängen zwischen Maxim und sie, Irene? Wie kann sie es wagen, ihn zu be— 1 und von ihr abspenstig zu machen, die doch ältere Rechte esitzt? Man sieht, die Logik war nicht die stärkste Seite in diesen Reflexionen. Und Maxim? War er vorwurfsfrei? Welchen Grund hatte er zu solchem Benehmen? Durfte er so ihre stumme Liebe miß— achten, und sich der ersten Besten zuwenden, die das Spiel des Zufalls ihm in den Weg warf? Noch immer saß Irene stumm, sich diesen bitteren Gedanken hingebend. Sie bemerkte nicht, daß Wera sich erhoben hatte und zu ihrem Lehnstuhl getreten war. Jetzt legte Wera leise ihre Hand auf Irenens Schulter und sprach mit sanfter Stimme: „Irene Pawlowna! Verbannen wir jetzt diese Gedanken. Es soll keine Feindschaft, keine Eifersucht zwischen uns bestehen! Denken wir nur an Maxims Loos! Bedenken wir, wie schnell sich sein Geschick unwiderruflich erfüllen kann. Ich bin gekommen, um Ihres Vaters Hilfe zu erflehen, helfen Sie mir, vereinigen Sie Ihre Bitten mit den meinigen! Befreien Sie ihn, und ich werde Ihnen dafür mein ganzes Leben lang dankbar sein. Mehr verlange ich nicht! Ich trete zurück, ich werde ihn meiden für immer. Machen Sie ihn nur glücklich, und— seien Sie glücklich.“ a Wera wandte sich ab, ihr Gesicht verhüllend, um den Strom bitterer Thränen zu trocknen, den diese schwere Stunde ihr erpreßte. Irene hörte Anfangs erstaunt auf Wera's Worte. Dann sprang sie auf und umarmte Wera stürmisch. „Mein Gott,“ rief sie,„wie bin ich erstaunt, wie bin ich beschämt durch Ihre edle Denkweise. Nein, keine Feindschaft soll zwischen uns bestehen, hier meine Hand zum Pfande auf⸗ richtiger Freundschaft. Maxim soll selbst entscheiden, und ent—⸗ scheidet er sich für Sie, so weiß ich, er wird glücklich sein, und ich werde mich damit zufrieden geben. Sie gaben mir meine Ruhe wieder, und befreiten mich von den bitteren Gedanken, welche ich nicht zu bemeistern im Stande war!— Nun aber denken wir nur an Maxims Rettung. Mein Vater wird gewiß auf meine Bitten Alles thun, was in seiner Macht steht, seien Sie dessen sicher. Gehen Sie jetzt nur ruhig nach Hause. Alles Uebrige soll meine Sorge sein!“ Gerührt, tief bewegt reichten sie sich die Hände. Noch einen Blick tauschten sie aus als Ausdruck der gegenseitigen Zuneigung, Achtung und Freundschaft, und schieden dann ruhig und voll Hoffnung auf eine versöhnende Zukunft. XI. Wiederkehr. Ein prachtvoller Frühjahrsmorgen ging über Petersburg auf. Noch lag weit und breit über Stadt und Land und Gewässer die weiße Decke, die Schneemassen, welche der lange Winter auf— gehäuft hatte, deren letzte Spuren oft erst die Maisonne zu ver⸗ tilgen im Stande ist. Noch war die Luft rauh und scharf, wie in Deutschland zur Zeit des hohen Winters, aber nach der Strenge der vorhergegangenen Monate erschien sie schon wie ein Frühlingslüftchen. Maxim trat an das kleine Fenster seiner Zelle, das sich nach vorne zu einer Kanonenschießscharte verengte, und schaute hin— über über die Newa nach der erwachenden Residenz. Es war ein imposanter Anblick, wie ihn keine andere der großen Resi— denzen Europas aufzuweisen hat. Denn keine ist unmittelbar an einem so majestätischen, schiffbaren Strom gelegen wie die Newa. Gerade gegenüber der kaiserliche Winterpalast, fast das jüngste unter den großen Residenzschlössern, in welchen die Mächtigen der Erde Hof halten, aber doch schon einmal durch Feuer zerstört und durch eine grausige Explosion erschüttert, welche das Verbrechen angestiftet hatte. Weiterhin, stromauf⸗ wärts, die Eremitage, wo Kaiserin Katharina Hof hielt, dann Paläste von Großfürsten und reichen Privatleuten und eine un⸗ absehbare Häuserreihe, deren Ende in der Ferne mit der Biegung des Stroms verschwand. Nach Westen zu, stromabwärts, sah man zuerst die Admiralität, wo einst Peter der Große seine Kriegsschiffe baute. Daneben erblickte man die prachtvolle goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale in der Morgensonne glänzen, dann den englischen Quai— die Wohnungen und Komtoire von Millionären— die Nikolaibrücke und eine endlose Häuser— reihe, die sich zuletzt hinter dem aus der See aufsteigenden Nebel verbarg. Das ganze Ufer war eingefaßt durch eine meilenlange, ununterbrochene Ufermauer von behauenen Granit⸗ blöcken, bestimmt, die gefährlichen Ueberschwemmungen oder den tobenden Eisgang einzudämmen, welche die Festtage im Leben des gewaltigen Stroms bildeten. Lange blickte Maxim gedankenvoll hinüber. Aus tausenden von Schornsteinen stiegen weiße Rauchwolken in die klare Luft auf und weckten Vorstellungen von Komfort und häuslicher Behaglichkeit, die mit seinem jetzigen Aufenthalt in grellem Widerspruch standen. Es war eine kleine Zelle, abgetheilt aus einer größeren Kasematte, welche einst zum Wohnraum der Soldaten gedient hatte. Das Mobiliar, Eigenthum der kaiserlich russischen Krone, glänzte weniger durch Schönheit des Stils als durch Abnutzung des Materials in Folge langen Gebrauchs. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Bett, welch' letzteres im Wesentlichen aus einer hölzernen Pritsche bestand, war so ziemlich Alles, was Maxim's Zimmerpromenade etwa beeinträchtigen konnte— wenn man überhaupt diesen traurigen Aufenthaltsort, mit nackten Wänden und ausgetretenem steinernen Fußboden, ein Zimmer nennen wollte. Unmuthig ging Maxim zum Tisch, um sein Studium fort— zusetzen. Es war ihm als besondere Vergünstigung gestattet worden, seine Bücher kommen zu lassen, um die Zeit seiner Haft auszunutzen und dem alltäglichen, quälenden Nichts zu entgehen. Mit gerechter Empörung, mit Wuth dachte er an die Willkür, mit welcher man ihn seiner Freiheit schon seit Wochen beraubte, ohne auch nur nöthig zu finden, eine Untersuchung zu beginnen. Wie ein Vergessener wird er vielleicht Monate, Jahre lang auf endliche Befreiung zu warten haben. Vielleicht wird plötzlich ein rasches Urtheil gefällt, ohne daß man eine Vertheidigung anhörte. Oder möglicherweise wird überhaupt kein Urtheil er—⸗ folgen und eine willkürliche Ordre sein Geschick über Nacht ent— eiden! 5 Nachdenklich sah er hinab auf den gefrorenen Strom. Noch bedeckte ihn eine starre Eisdecke, vielleicht mehrere Fuß stark, noch konnten die schwersten Lasten, sogar schwere Geschütze, sicher passiren. Doch bald wird die Zeit kommen, wo Alles das, was heute starr und fest erscheint, verschwinden und widerstandslos weggeschwemmt wird. Wenn warme Tage kommen, wenn die Bahn der Sonne immer höher über den Horizont sich erhebt und ihre Strahlen mehr Kraft gewinnen, um die Schneemassen aufzuthauen, welche der rauhe Winter an den Ufern des Ladoga— Sees und auf seiner ungeheuren, meerartigen, gefrorenen Ober—⸗ fläche selbst aufhäufte, dann fließen unermeßliche Wassermassen dem See zu und suchen sich stürmisch einen Weg zu bahnen durch den Newa-Fluß, den einzigen Abfluß vom See zum Meer. Dann plötzlich steigt das Wasser von Minute zu Minute, die starre Eisfläche wird mit Krachen gesprengt, zertrümmert und ein gewaltiges Chaos von riesigen Schollen, welche sich gegen— seitig drängen, stoßen, überschieben und oft berghoch aufthürmen, wälzt sich in's Meer. „Was wird dann aus meiner Zelle werden?“ fragte sich Maxim.„Die Luke ist nur wenige Fuß über dem Eise. Viel— leicht werde ich das Schicksal der unglücklichen Prinzessin Tara⸗ kanow theilen, welche man vor mehr als hundert Jahren hier gefangen hielt und während einer Ueberschwemmung, die durch einen furchtbaren Sturm verursacht wurde, elend in ihrer Zelle ertrinken ließ. Vielleicht ist gerade dies die Zelle, in der sie o grausig endete.“ so grausig(Fortsetzung folgt.) — — ̃¶ N ee eee 8 52.. die mindeste Be— Eine Sommerfrische. Novelle von Georg Hartwig. (Fortsetzung) II. Inzwischen hatte Fräulein Mathilde, wie sie später umständlich kund und zu wissen that, den günstigen Moment des Un— beobachtetseins benutzt, und sich langsam hinter einen dichten Jasminstrauch zurückgezogen. Von dort führten nur wenige Schritte zu einer kleinen, von Ge— büsch halbversteckten Pforte, welche auf die Landstraße mündete. Einmal durch diese getreten, konnte man im Schutzeiner manns— hohen Dornhecke je— den beliebigen Weg einschlagen, ohne von der Promenade aus weiter bemerkt zu werden. Fräu⸗ lein Mathilde zö— gerte nach dieser wichtigen Entdek— kung denn auch kei— neswegs, quer über die Fahrstraße hin— wegzuhüpfen und einen schmalen Wie— senpfad zu verfol— gen, welcher nach ihrer Meinung doch irgendwo ein Ende finden mußte. Da die Natur des Fräu— leins weder nach Hitze noch nach Kälte fragte, sobald eine Vorstellung sie lockte, so erfuhr sie unter ihrem weißen Strohhut auch nicht lästigung von Sei— ten der Sommer— mittagsonne, viel— mehr benutzte sie die gute Gelegenheit, einmal„gründlich im Kraut“ zu wüh⸗ len, denn sie riß ganze Büschel Gras und Blumen ab ohne Zweck und Ziel.“ — Geraume Zeit schon hatte sich ein leises Murmeln von Weitem hören lassen, woraus die junge Dame schloß, es sei ein fließendes Gewässer in der Nähe vorhanden, aus welchem sie ihren wachsenden Durst stillen könnte. Richtig, der Wiesenpfad nahm plötzlich ein unvermuthetes Ende, und zu Fräulein Mathildens Füßen zog plätschernd und rauschend über Kiesel und Geröll ein ansehnlich breiter, spiegelklarer Gebirgsbach dahin. Mit Händeklatschen ergriff sie gleichsam Besitz von dieser neuentdeckten terra incognita. Dieses Wasser mußte köstlich schmecken, wenn man es selbst mitten aus dem Bach herausschöpfte. Dies zu bewerkstelligen, schien ihr keine Kunst. Es lagen ja runde, oben ziemlich trockene Steine genug auf dem Grunde, welche sich sicherlich bequem überschreiten ließen. Gedacht, gethan. Mit einem flinken Satz stand das junge Mädchen auf dem nächsten Stein, jetzt auf dem zweiten und nun auf dem dritten, just in der Mitte des Flüßchens. Da bemerkte sie erst, um wieviel tiefer, als sie vom Ufer aus erkennen konnte, das anscheinend so seichte Wasser in Wirklichkeit war. den Wald hineinschallte, welcher die andere Seite des Baches mein Becher!“ Ihn vom Kopf reißen und ohne Gnade in das Opernsängerin Johanna v. Ghilany. Welche Lust! Mit heller Stimme fing sie an zu jodeln, daß es tief in begrenzte:„Ich bin vom Berg der Hirtenknab!“ 3 Und nun endlich trinken. Mit der hohlen Hand natürlich. Aber dazu mußte man sich bücken und weit vorbeugen. d Herrlich! Herrlich! Sie kauerte bereits wie eine Eidechse geschmeidig nieder und streckte die Hand nach dem Labsal aus. Ach, da fehlte noch viel.„Ich hab's!“ rief sie plötzlich laut.„Der Hut ist Wasser stecken, war das Werk eines Augenblicks. Plötz⸗ lich, sei es durch die zu hastige Be— wegung oder durch einen Schwindel⸗ anfall, hervorge— rufen durch das blendende Glitzern der Sonnenstrahlen auf dem rieselnden Wasser, verlor Fräu⸗ lein Mathilde das Gleichgewicht, schrie gellend auf und— fand sich demnächst mit beiden Füßen unversehrt im Fluß⸗ bett stehend wieder vor.— Das war überraschend. Ueber raschender aber noch war die Erschei— nung eines frem⸗ den Mannes, wel— cher eilig aus dem Tannendickicht her⸗ vortrat und auf die Wassernymphe zueilte. „Was ist ge— schehen?“ 3 Fräulein Ma— thilde ließ sich nie verblüffen. Dieses Abenteuer war so recht nach ihrem Sinn.„Was Sie sehen!“ rief sie in übermüthiger Laune.„Ich hole mir Wasser zum Trinken!“ „Kommen Sie doch heraus, mein Fräulein! Sie werden sich erkälten!“ redete sie der fremde Herr an. „Mein Strohhut!“ rief sie statt der Antwort. er hin und singt nicht mehr!“ f „Ich will ihn angeln. Steigen Sie nur erst an's trockene Land.“ Damit wandte sich der Fremde zur Seite, ergriff einen langen Ast und fischte sehr geschickt den schwimmenden Hut aus den Fluthen heraus. Inzwischen war das Fräulein über empfindlich spitze Kiesel an's Ufer gewatet. Jetzt, da sie sich im Trocknen den Schaden besah, verstummte sie allerdings für Momente, während welcher der Fremde gewandt über die Steine sprang, und den triefenden Hut in der Hand, sie nunmehr in der Nähe verwundert betrachtete. „Sagen Sie mir doch um Alles in der Welt, was hatten Sie mitten im Wasser zu suchen?“ fragte er, ihre zierliche Gestalt überfliegend. 5 „Ich wollte Ophelia spielen,“ sagte sie mit unverwüstlichern Laune.„Nur die Kuckucksblumen und sonstiges Unkraut fehlten.“ „Dort treibt n cc . 2 2 = 85 ö 7 9 5 6 . 1 4 2 5 2 0 2 8 i 2 2 0 5 85 8 2 9 2 2 2 — — 8 1 ö 1 ö N a ö 4— 2 1 . 8 A 2 Ernst und Scherz schwankend. Oh, Himmel, sehen Sie diese Wassergarnirung an meinem neuen Kleide! Die reine Undine! Und die Stiefeln! Oh, ich muß wie die heilige Genofeva in eine Grotte kriechen!“ „Im Gegentheil, mein Fräulein, ziehen Sie sofort ihre Fuß⸗ bekleidung aus und setzen Sie sich hier mitten in die heiße Sonne; der dünne Kleiderstoff wird bald getrocknet sein. Aber bitte, etwas schnell, Sie fangen an zu frösteln!“ Damit wandte er sich ab, anscheinend, um einige Blumen zu pflücken. Und Fräulein Mathilde, die Nothwendigkeit ein— sehend und mehr noch ihre Niederlage daheim befürchtend, ent- ledigte sich schleunigst der triefenden Strümpfe und Schuhe, worauf sie den im Grase liegenden Plaid ihres Ritters graziös um ihre Knie schlang. 8 Er kehrte zurück.„Jetzt etwas für die innere Wärme. Ich trage stets einen Schluck Ungarwein bei mir. Hier ist er, bitte!“ „Theilen wir die Beute!“ erwiderte sie lachend, die Flasche ohne Zaudern an die Lippen setzend.„Sie braver Schwepper⸗ mann bekommen den größten Theil!“ Der Fremde verwandte kein Auge von ihr. augenscheinlich im höchsten Grade befremdend. in Annendorf!“ fragte er endlich langsam. „Wohnen Sie nicht in Annendorf?“ fragte sie rasch dagegen. „Nein, das heißt, ich wohne vorläufig in Unter-Annendorf. Es ist auch ein kleiner Kurort, aber sehr ländlich, sehr primitiv. „Weshalb steigen Sie denn nicht in unsere höheren Regionen hinauf?“ fragte sie schnell. Sein Antlitz verfinsterte sich. Er schwieg. Endlich begann er abermals:„Es ist nicht rathsam für so junge Damen, bis hierher allein zu wandern.“ „Thun Sie mir den Gefallen,“ rief Fräulein Mathilde, energisch den halbgetrockneten Hut schwenkend,„und verderben Sie den guten Eindruck nicht durch diese Säuglingstendenz! Uebrigens dreschen Sie leeres Stroh,“ fuhr sie mit schalkhaftester Liebenswürdigkeit fort,„gerade würde ich es wieder thun— das Ende war zu hübsch, wahrhaftig zu hübsch! Schade, daß es gleich vorbei ist! Oh, Gott, wie werden meine Pflegeeltern daheim zittern vor Angst und Entrüstung!“ Der Fremde lächelte eigen, was sein gebräuntes, ernstes Antlitz sehr verschönte. Fräulein Mathilde betrachtete ihn jetzt genauer. Er war nicht mehr ganz jung, vielleicht Ende der dreißiger Jahre, stark und kräftig gebaut, von guter Mittelgröße und energischer Haltung. In seinen Zügen fiel eine gewisse trotzige Schroffheit auf, welche für Sekunden allerdings der gewinnendsten Freundlichkeit Platz machen konnte. „Sie verdienen wirklich eine kleine Lektion,“ sagte er, zwischen „Indessen, da Sie als die Ge— schädigte mit dem Endresultat zufrieden sind, kann ich es desto mehr sein.“ Sie war ein wenig erröthet, was ihr selten passirte. Er bemerkte es und nahm einen ihrer Stiefel prüfend in die Hand.„Beinahe trocken!“ Dabei konnte er nicht unter— lassen, die zierliche Form dieser kleinen Fußhülle bewundernd zu betrachten.„Freilich, wenn man noch auf Kinderfüßen ein— hergeht,“ sagte er lächelnd,„darf man ab und zu noch phan— tastische Streifpartien unternehmen; fast möchte ich Sie nun absolviren?“ Sie nahm ihr Eigenthum rasch an sich. haftig!“ Der Fremde stand auf. haben, der dort fliegt?“ Sie nickte. In wenigen Sekunden stand sie wieder in voller Toilette da, bemüht, das Plaidtuch ineinander zu legen.„Max bringt keine gute Beute mit!“ rief sie ihm heiter entgegen.„Adieu jetzt, mein großer Unbekannter! Adieu und vielen Dank! Recht vielen Dank!“ Es blitzte etwas wie Bedauern in ihren lustigen, dunklen Augen auf, als sie ihm die Hand entgegenstreckte, die er langsam, aber fest in die seinige schloß. „Leben Sie wohl, mein kleines Fräulein! Und ein anderes Mal seien Sie vorsichtiger— stille Wasser sind tief!“ Damit wandte er sich abermals dem gefährlichen Steige über das Wasser zu, während Fräulein Mathilde hurtig wie ein Reh über Stock und Stein nach Annendorf zurücksprang. Sie war ihm „Wohnen Sie „Trocken! Wahr⸗ „Wollen Sie den Schmetterling gerathen zu sein. N „Schon gut, mein Herr— ich nehme die Entschuldigung an!“ Damit ließ mich der neue Ankömmling stehen und schritt würde⸗ Meine Frau und ich hatten die Suche nach anderthalb⸗ stündiger Jagd endlich aufgegeben. Rothglühend vor Anstrengung 4 und Sonnenbrand, keuchend vom anhaltenden Dauerlauf und auf's Aeußerste niedergeschlagen über den gänzlich verfehlten Vormittag trafen wir zuletzt in der Laube unseres Gartens wieder zusammen. Luise begann zu schluchzen.„Wenn sie todt wäre!“ Ich war so empört, daß ich ihre Thränen barbarischerweise noch verhöhnte.„Allerliebstes Aufsehen erregen wir mit dieser Deiner Perle! Die ganze Kurgesellschaft wird uns nächstens Papa und Mama Irrwisch nennen!“ „Georg—!“ sagte sie schmelzend. Ich legte einen eisernen Reifen um mein empfindsames Gattenherz.„Wir haben uns da eine angenehme Sommerfrische geschaffen! Glücklich, wem die Götter, die gnädigen, eine solche Reisegenossin zugedacht haben! Der Rentier Graumann ver⸗ schluckt jeden Tag eine Elle mehr, wenn er an Deiner Pflege— tochter vorüberschreitet. Omelette sans confitures— wirklich, naturfarbener Humor!“ 5 „Georg—!“ sagte sie abermals und noch schmelzender. In diesem tragischen Moment erschien Fräulein Mathilde in der Gartenpforte und wollte soeben harmlos in's Haus eilen, als ein Zuruf meiner Frau sie zur Umkehr nach der Laube bewog. „Um's Himmelswillen, wo steckten Sie?“ rief Luise, immer noch stark unter dem Zauber dieser Nippesfigur stehend, mit mehr zitternder als heroischer Stimme. „Ja, das möchte ich auch wissen!“ sekundirte ich ihr im 0 N Brustton des beleidigten Vaters. „Warum denn nicht?“ rief sie, zu unserem Staunen ungenirt ihre Hand nach einem Rest schwarzer Kirschen ausstreckend, welche, meiner Ansicht gemäß, die herrschende düstere Stimmung treffend kolorirten.„Ich bin einfach in's Wasser gefallen und danach von der Sonne getrocknet worden. Hier die Entlastungszeugen — stumm, aber beredt!“ Dabei zeigte sie uns ihren Kleider— saum und die gedörrten Stiefel. „Mein Fräulein,“ rief ich ausbrechend, um einer mitleidigen Regung meiner Luise gewandt zuvorzukommen,„das ist doch über alle Maßen!“ „Warum denn?“ fragte sie, die Kirschkerne mit einer Ruhe in das Gras schleudernd, daß Luise sie im Innern jedenfalls als Amazone bewunderte.„Lieber Herr Doktor, wenn Sie ein— mal in's Wasser fallen sollten, würden Sie Ihre Ungeschicklichkeit 13 jedenfalls nicht gleich über alle Maßen nennen. Leben und leben e lassen! Und jetzt muß ich das trockene Kalbfell von den Füßen ziehen, ich gehe wie im Schraubstock. Wahrhaftig, der erste 2 Ansatz zum Hinken ist da. Auf Wiedersehen!“ Weg war sie, und Luise und ich sahen uns nicht gerade geistreich an. Das war eine angenehme Pflegetochter! Zuletzt brach mein Grimm sich in einer niederschmetternden Vermuthung Bahn. „Weißt Du, was ich glaube?“ „Nein, Georg!“ erwiderte meine Frau völlig eingeschüchtert. „Deine Kousine Lilli hat uns dieses Juwel aufgeschwatzt, weil sonst Niemand etwas mit ihm zu thun haben mag.“ Luise seufzte tief, ja, nahezu herzbrechend, was meine Wuth noch steigerte. „Ich halte es nicht mehr aus!“ rief ich, nach Luft schnappend, und wollte durch die Gartenthür in's Freie stürzen. Aber mitten im eiligen Lauf stieß ich ziemlich heftig gegen eine Männer⸗ gestalt, welche soeben den Wagen an der Eingangspforte ver⸗ lassen hatte und Anstalten machte, das Gebiet unserer Villa zu betreten. „Himmel und Genius!“ sagte der Angeprallte ingrimmig, 2 indem er, einem zwingenden Naturgesetz folgend, heftig zurückwich. „Ich bitte um Verzeihung,“ murmelte ich, wüthend, dieses Irrwisches halber zum zweiten Mal in eine lächerliche Situation „Die Eile—“ voll den Gang zum Hause hinauf. ortsetzung folgt.) 4 * 0 * 55. der Vereinigten Staaten in Berlin aufgab, als ihm der 5 0 zu Theil wurde, die Leitung der Cornell-Universität zu übernehmen. Das Medaillon⸗ e — 0 — k . Lose Blätter. Unsere Bilder. Die Griechen priesen jene Menschen glücklich, welche in ihrer Jugend Blüthe der Tod dem Leben entraffte, uns aber erfüllt es stets mit tiefer Wehmuth, wenn ein hoffnungsreiches Menschenleben so früh ausgelöscht wird. Johanna von Ghilany wurde, als sie vor vier Jahren ihr Engagement an der Berliner Hofoper antrat, von vielen Berufsgenossen als Glückskind beneidet, aber sie sank in's Grab, nachdem sie eben vom berauschenden Trank des Glücks den Schaum genippt hatte. Die Sängerin, welche am 8. Januar dieses Jahres nach langem schwerem Leiden in Charlottenburg starb, war erst vierundzwanzig Jahre alt. In Wien, wo sie geboren wurde, hatte sie auch ihre Gesangsstudien gemacht und nach vollendeter Ausbildung nahm sie ein Engagement für das Stadttheater in Lübeck an. Auf dem Wege dahin stellte der Theateragent Herr von Selar die junge Altistin dem General-Intendanten von Hülsen vor. Dieser bewunderte ihre Stimme und verpflichtete die junge Sängerin sofort für die Berliner Hofoper. Vorläufig trat Fräulein von Ghilany ihr Engagement in Lübeck an, wo sie mit großem Erfolg die schwierigsten Aufgaben löste. Im Jahre 1884 begann ihre künstlerische Wirksamkeit an der Berliner Hofoper und ihre volltönende, in allen Lagen gleich aus⸗ giebige und wohlklingende Altstimme, ihre reiche Empfindung und mu— sikalisches Können erweckten die stolzesten Hoffnungen für ihre Zukunft. Leider zog die Regie nicht die Jugend der Sängerin in Betracht, sondern beschäftigte dieselbe viel und in anstrengenden Altpartien wie Ortrud, Fides, Azucena und Orpheus. Die Anmuth und Liebenswürdigkeit der Künstlerin öffneten ihr weite Gesellschaftskreise und wie auf der Bühne, so theilte Johanna von Ghilany auch im Salon, im Kreise ihrer Freunde die Gaben der Kunst freigebig aus. Sie fühlte sich unendlich glücklich in dem Bewußtsein, die Hörer durch ihren Gesang zu entzücken und in der freudigen Hingebung an ihre Kunst dachte sie nicht, daß die Lebens⸗ kraft versiegen könne. Die Jugend rechnet nicht. Drei Jahre einer er— schöpfenden Bühnenthätigkeit und— Johanna von Ghilany verspürte die ersten Keime jener tödtlichen Krankheit, welche sie zwang, die liebgewordene Stätte ihrer Erfolge zu verlassen und in südlich gelegenen Kurorten Heilung zu suchen. Ein Jahr voll Hangen und Bangen, voll leiser Hoffnung und tiefer Traurigkeit ging hin. Sie kehrte hoffnungslos in die Stadt zurück, in der ihr Glücksstern aufgegangen und in den ersten Tagen des neuen Jahres starb sie langsam hin. Johanna von Ghilany gehörte zu den Blumen, die der Rauhfrost einer Frühlingsnacht entblätterte. Bilder vom Cayugasee. Unser zweites Bild stellt dem Leser Ithaka vor und die pittoresken Ufer des Cayugasees. Unter Ithaka ist selbstverständlich nicht die langgesuchte Heimath des sturmverschlagenen Odysseus zu verstehen, sondern ein jungaufblühendes Städtchen im Nord— westen des Staates New-Nork, welches in zweifacher Hinsicht Beachtung verdient: erstens um seiner weltberühmten Universität, und zweitens um seiner schönen Umgebung willen. Die Bildungsanstalt zu Ithaka ist keine Universität im europäischen Sinne, denn sie bildet nur junge Leute aus, welche Landwirthe und Techniker werden wollen. Diese finden aber auch Unterricht in alten und modernen Sprachen, Geschichte, Geographie, Gesundheitslehre ꝛc. Die Anstalt zu Ithaka wurde im Jahre 1865 von Esra Cornell begründet, einem Manne, der seine Laufbahn als armer Arbeiter begonnen hatte. Dieser ging von dem Gedanken aus, daß unsere Erziehungsmethode eine vollkommen einseitige sei. Er sah, daß die Arbeiter, Handwerker und Landwirthe fast ausschließlich eine manuelle Thätigkeit ausübten, die Beamten und Gelehrten dagegen sich nur der geistigen Thätigkeit widmeten. Esra Cornell war der Ansicht, daß man beides vereinigen könne, und daß die körperliche und geistige Entwicklung des Menschen nur eine gesunde und harmonische werde, wenn jeder in fast gleichem Maße Hand und Kopf beschäftige. Die Reform der Arbeit mußte nach seiner Ansicht von der Schule ausgehen, und die Anstalt zu Ithaka sollte seine Absichten verwirklichen. Er legte gleichzeitig mit der Lehranstalt Werkstätten, Fabriken, Gärten und landwirthschaftliche Muster— wirthschaften an und vertheilte Land unter die Zöglinge der Anstalt. Nun gab er jedem Schüler Gelegenheit, nicht nur unentgeldlich am Unterricht Theil zu nehmen, sondern sich auch seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die Schüler werden zu Ithaka nach dem Unterricht nicht mit Schulaufgaben belastet, sondern wandern von der Schulbank oder dem Hörsaal in die Werkstatt, wo einige Meister sie in praktischen Arbeiten unterrichten. Später können sie sich dann durch eine gewisse Arbeits- leistung Lohn verdienen. Jene Schüler, welche sich der Landwirthschaft widmen wollen, nehmen theil an den Gärtnerarbeiten oder bebauen unter Leitung sachverständiger Oekonomen den Acker, der ihnen behufs Bebauung zugetheilt wurde. So vereinigt diese Anstalt die Theorie mit der Praxis; die Schüler werden rasch erwerbsfähig, und mit der geistigen Ausbildung hält die körperliche gleichen Schritt. Esra Cornell brachte für diese seine Gründung, welche heute allgemein als Cornell-Universität bezeichnet wird, erstaunliche Opfer. Er begann mit einem Geschenk von 600,000 Dollars. Bald darauf fügte er eine große Farm bei. Dann schenkte er eine herrliche Bibliothek, dann eine Mineraliensammlung ꝛc. Als er sah, daß sein System sich bewährte und die Jugend des Staates in hellen Haufen der Anstalt zuströmte, schenkte er Ländereien im Werthe von einer halben Million Dollars. Nun schenkte auch der Staat Newyork dem Justitut 900,000 Acres bild giebt unsern Lesern eine Ansicht des freundlichen Städtchens Ithaka wieder. Im Jahre 1842 stiftete übrigens Henry Sage in Brooklyn eine Million Mark, damit, in Verbindung mit der Cornell-Universität, eine Erziehungs⸗ anstalt für weibliche Studirende gegründet werde. Diese führt den Titel Sage⸗College der Cornell-Universität. Der Cayugasee, an dessen Südende Ithaka liegt, ist übrigens reich an landschaftlichen Reizen. Eine Menge von Schluchten und Schlünden befinden sich in der Nähe, durch welche sich rauschende Wasserfälle in den See ergießen. Fall Creek, die nördlichste dieser Schluchten, hat nicht weniger als acht Cascaden aufzuweisen, deren schönste„Der dreifache Fall“ an der linken Seite unserer Abbildungen oben zu sehen ist. Der Ithakafall, welcher 50 m hoch ist, befindet sich rechts abgebildet. Am Fuß des Medaillons sind pittoreske Felsbildungen am Seeufer dargestellt: der Thurmfelsen und der Schloßfelsen. In der Nähe von Ithaka befindet sich auch die vielbesuchte Glens(Klamm) wie die Watkins-Glen, deren Tiefe von Regenbogenfällen durchrauscht wird, und deren senkrechte, mehr als 100 m hohe Felswände die Vorstellung an die Unterwelt wachrufen. Bei jedem Schritt fast stößt man hier auf Felsarkaden, Amphitheater dunkle Schlünde und Galerien, durch welche sich schäumende Katarakte ergießen. Eine der merkwürdigsten Grotten ist die„Kathedrale,“ ein majestätischer, vom Wasser aus den Felsen herausgewühltes Amphitheater, mit senkrechten Felswänden, über denen sich das blaue Firmament wölbt. An der Stelle des Chors befindet sich die mächtige Central-Kaskade, deren brausende Wasser die Orgel in der Kathedrale ersetzen. Von schauriger Schönheit ist die Alpha-Glen, von malerischer aber die Vor⸗ hang⸗Kaskade in der Havana Glen. All' diese Naturwunder werden im Sommer von Reisenden viel angestaunt und die Gegend von Ithaka verspricht das Salzkammergut Amerika's zu werden. Am Oneidasee, der sich an jene Ketten von Naturschönheiten anschließt, befindet sich die blühende Kolonie jener von Noyes begründeten Kommunisten-Gesellschaft, deren Mitglieder sich„Christliche Perfektionisten“ nennen und die das Evangelium der freien Liebe verkündeten. Im Jahre 1877 haben die Perfektionisten die Complex⸗Ehe abgeschafft, aber das System der Gütergemeinschaft, welches sie rasch zu ungeahntem Wohlstand führte und die gemeinsame Kindererziehung beibehalten. 5 R E=. Der Hofrath Klotz, der bekannte Zeitgenosse und Gegner Lessings, hatte einen Sohn, der das Gymnasium besuchte. Ein dort angestellter Lehrer, der sich mit des Knaben Vater schlecht stand, ließ selten eine Gelegenheit vorübergehen, wo er den gegen den Hofrath gehegten Groll an dem Knaben auslassen konnte; der Knabe mußte sich daher die beißendsten Bemerkungen fast täglich gefallen lassen und gar viele witzige oder witzig sein sollende Sticheleieien auf den„Hofrath“ hinnehmen, ohne eine Waffe dagegen zu besitzen. Eines Tages kam die Reihe des Ueber⸗ setzens bei folgender Stelle an ihn: Non fit ex quo ligno Mercurius. (Es kann nicht aus jedem Holze ein Merkur gemacht werden). „Nun, da steht wohl wie gewöhnlich Dein Verstand stille und es ist bei dem jungen Hofräthlein der gute Rath theuer,“ höhnte der Lehrer, „oder wie würdest Du diesen Satz übersetzen?“ Der Schüler besann sich nur kurze Zeit, dann entgegnete er mit glühenden Wangen und einer Stimme, welcher man die innere Erregung anhörte: a„Nicht alle Klötze nützen, Hofräthe d'raus zu schnitzen.“ Diese Antwort überraschte den Lehrer so sehr, daß er die wohl— verdiente Rüge stillschweigend hinnahm und dem Knaben von da an mehr Gerechtigkeit widerfahren ließ. 1 K. Van Swieten war nicht nur Arzt, sondern bekleidete auch die Stelle eines Bibliothekars und Censors in Wien vom Jahre 1765-1770. In letzterer Eigenschaft zeigte er oft eine seltene Strenge und Einseitig⸗ keit. Dies gab Veranlassung zu folgendem Spottgedicht: Noch nicht genug, wenn nur durch ihn der Leib verblichen, Ermordet er den Geist auch noch mit seinen Federstrichen. S Kr. „Teufelswein“ und„Pfropfentreiber“ nannte man den Champagner oder Schaumwein, als das Getränk etwas Neues war. Er, wie auch die eigenthümlich gestalteten Korkstöpsel, die auf den Champagnerwein— flaschen befestigt werden, wurden von Dom Perignon erfunden. Dom Perignon war in den Jahren 1670 bis 1715 Pater⸗Kellermeister der Abtei von Haut-Villiers. Bekanntlich entsteht dieser moussireunde Wein dadurch, daß man ihn nach der ersten Gährung in starke Flaschen faßt und während der Nachgährung verschlossen hält. Es spannt sich nun die entwickelte Kohlensäure im freien Raum der Flasche beträchtlich an und wird deshalb im Wein in so reichlichem Maße abgesondert, daß sie beim Oeffnen derselben stürmisch entweicht. Z. Reiche Römer. Der reiche Marcus Crassus verfügte als junger Mann über ein Vermögen von nur 7 Millionen Sestertien, das sind 83 1590 000 Mark. Trotzdem er ungeheure Summen an das Volk verschenkte, besaß er am Ende seines Lebens 170 Mill. Sestertien, oder 39 Mill. Mark. Das Vermögen des Pompejus betrug 15 900 000 Mark und das des Schauspielers Nesopus 4560 000 Mark. Wie groß mag das Ver⸗ mögen des Lucius Domitius Ahenobarbus gewesen sein der jedem von 20 000 Soldaten 4 römische Morgen Land aus eigenem Besitz zu schenken versprach? Der römische Morgen war 240 Fuß breit und 120 Fuß lang. 2. Land. Esra Cornell meinte, wenn die jungen Zöglinge der Anstalt nur halb so viel arbeiteten, als er in seiner Jugend gethan, so müsse die Universität u hoher Blüthe gelangen, und jeder Zögling könne auf derselben schon 25 Grundstein legen zu einer behaglichen Existenz. Seine Hoffnungen scheinen sich zu verwirklichen, denn die Universität nimmt von Jahr zu Jahr einen höheren Aufschwung, und die hervorragendsten Lehrkräfte ganz Amerikas sind an ihr thätig. Für die Bedeutung der Anstalt spricht wohl der Umstand, daß Mr. White gern seine Stellung als Gesandter 5 **— * 3 Zuchstaben⸗Nätßhsel. Aus folgenden Buchstaben: 72 4 * f a a a 1 a e dee 4 eee e e e 4 Ri 1 2 Fiir 7 o o 5 p Prürür r 1 F 4 8 8 2 en 5 2 2 2 . 2 . soll ein auf die Spitze gestelltes Quadrat gebildet werden, dessen Diagonalen 1 den Namen eines dramatischen Dichters ergeben. * Die elf Reihen ergeben folgende Wörter: g 5 8 1. Einen Buchstaben. 2. Ein Metall. 3. Einen weiblichen Vor⸗ „ namen. 4. Namen eines deutschen Komponisten. 5. Eine Lichterscheinung. 3 6. Den dramatischen Dichter selbst. 7. Eine Stadt in Rheinbaiern. 5 8. Ein Gebirge im südlichen Attika. 9. Ein Volk in der asiatischen Türkei. 0 10. Eine griechische Cykladen-Insel. IJ. Einen Buchstaben. 1 Räthsel. 5 Nun sagt, wen man für frei erklärt, 5 g Und schenkt ihm doch kein Glück? * Und— was besonders ist, er kehrt f Dann nie nach Haus zurück; Nein dann wird er daraus verbannt, Oft in die Ferne weit gesandt. 8. Faulheit ist der Schlüssel zur Armuth. . Ihm selbst die Freiheit gar nichts frommt, a * Nur dem, zu dem er endlich kommt. R—* 2 5 Sprichwörxter-Näthsel. 3 Aus jedem der folgenden 24 Sprichwörter ist ein Wort zu wählen. * Die 24 erhaltenen Wörter ergeben wiederum ein Sprichwort. 2 I. Gewalt geht vor Recht. 5 2. Besser Unrecht leiden, denn Unrecht thun. 7 3. Flimmer und Schimmer dauern nicht immer. ö J. Der Wunsch zu beglücken ist edel. 5 5. Besser ist es einsam sein, als sich mit den Boͤsen freu'n. 2 6. Nutzbare Kunst bringt Brot und Gunst. 5 7. Neue Besen kehren gut. . 9. Ein Narr kann mehr fragen, als sieben Weise beantworten können. i 10. Ein Freund ist leichter verloren als gefunden. 11. Es ist nicht alles Gold was glänzt. * 12. Mancher thut viel und richtet nichts aus. 2 13. Pracht, Gold und Ehr' ist morgen oft nicht mehr. 14. Wo kein Licht ist, da ist kein Schatten. 15. Geiz hat keinen Boden. 16. Man kann nicht Feuer mit Feuer löschen. 17. Sei immer freundlich und still, rede wenig, höre viel. 18. Wer frohen Muth zur Arbeit tragt und rasch die Arme stets bewegt, sich immer durch die Welt noch schlägt. 19. Frischer Muth ist halbes Werk. 1 290. Fromm, gut und rein— drei Edelstein' 1 21. Die Freuden, die wir anderen bereiten, sind die edelsten von allen. 1 22. Lerne was, um etwas zu exwerben. 23. Anfang und Ende reichen sich die Hände. 24. Das Sprichwort selbst. 1 Aufloͤsung des Worträthsels in voriger Nummer: Rauchfleisch;— * der viersilbigen Charade: Schaumburg Lippe;— der Aufgabe: Stein: r des geographischen Silbenrathsels: J. Rudolstadt. 2. Olivenza. 3. Sar; 1 dinien. 4. Saransk. 5. Isar. 6. Niederlande. 7. Island. RNossini— Tankred; der Königspromenade: Sowie man für ein Fest nach kurzer Wahl 5 Sich putzt mit einem vortheilhaften Kleide, . Und es besetzt mit funkelndem Geschmeide, Das doppelwendige Ideenspiel macht den ganzen Inbalt des des vollständigen Mangels an Nebenvarianten und der l 4 ist.— Die Lösung wurde 2 von W. ron in B. Kraus in B. Dr in M, B. Blümel in S, Ur. Noch zwei Nebenspiele ergeben sich, wenn, N (Leg) mit HA sg oder C8—b2: antwortet 2 Tal 3 Les Matt resp. 21 be: 3) Tb7 — Die Lösung wurde 2 von Dr. E in G., Th. Kraus in B. W stron Dr. Wehrmeister in M., in Putbus und vom Schachverein in Bad L. treter der böhmischen Problemschule über die wesentli Beurtheilung von Schachproblemen in's Gewicht 10 niß der von der böhmischen Problemschule ange sind einige Sätze der dung strebenden Bearbeitun liegt ein neues anderes reiches So kann man in erregten Augenblicken 9 Sein Alltagsherz zuweilen festlich schmücken, 5 Die frohe Laune wird zum Juwelier 1 Und leicht dem Geist des Witzes blanke Zier. 1 Ein Rausch wie Glück umgiebt uns mit dem Schein, N 0 Als ob man wäre, was man wünscht zu sein; 1 Doch daß man eine Stunde lang entzücken kann, . Beweist nicht, daß man dauerhaft beglücken kann. . Wilhelm Jordan. ——————— Drud und Verlag der„Volts- Zeitung“, Att.-Ges. in Berlin, Luzowstr. 105.— Bcrantwortlicher Nedalteur: R. Elcho in Berlin, Lutzowstr. 105. Prodlemschule die Ei noch den eines verborgenen Lösungsverlau sie seldst diese Forderungen dem ersten Gebote— der Schönheit. Meisterwerke 1 einen freilich schachliche und fünstlerische Schönheit mit vollendeter Ronstruktion und gediegel Schach. Problem Nr. 490 von J. Dobrusky in Prag. a Schwarz. N . 1, N . 7 . , . 1 1 g 5 e,.. en, 1 . 155 1 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. b Dieses Problem ziert den Titel der neuen Problemsammlung böhmischer Autoren. Nuiflösungen.* Problem Nr. 483 von R. Schulder in Köln. 1) Le2—h5 Sea4-eß 95 5. 1 2) Dha dit Se- di:(Ke) 2 Düs-. Sdé— 5.(Kl) 3) Lb5ö- 7(Dea), 3) Lh5—f7(Des), 4 opf in G, O. Weißgerber in G, B in Putbus. Problem Nr. 484 von R. Blümel in Schlegel. ) Lel es. g- 2) Sgl—ez: Kor- bo(od. bel.) 2 S8‚1—16 4-es: 2c 3) Se3—d57 3) Sk6—- 457 Weißgerber in G. Zur Problemliritil. Die von J Pospisil in der Einleitung zu der soeben erschlenenen Mustersammlus 2 böhmischer Schachaufgaben entwickelten Grundzüge der Problemtheorie, in ihrer knapr und klaren Darlegung vollkommen ausreichend, um die Ansichten der lcher nicht allein ein Hauptsplel. sondern eher eine größere An jahl zum barmonischen Ganzen vereinter Varianten umfaßt., zu der von neuern cual 8 Problemdichtern 88 Verbindung zweier oder mehrerer Themata in derselben Aufg. nicht 8 aus den Mas kirung des Lösungsweges Se- ds kroblems aus, welches ildrohung nicht allzu** n meister auf dem zurechtstellenden Temposug orragendsten B sten Gesetze und Fragen, welche bet der en, erkennen zu la Auf das Ver⸗ bten Schönheit des elgentlichen Inhaltes. nleitung besonders geeignet, ein interessantes Licht zu wersen wer dieselben hier eine Stelle finden mögen.— Die eigentliche Problemidee, welche den A bewog. die Dand an Werk zu legen, kommt erst auf destmite Zuge vom Sch u Vorscheine. Daraus resultirt der wichtigsle Theil des Probleminbalts: Das Hauptspiel (Hauptvarfantc). Das Vermehren des Probleminbalts durch Varianten i für den Prob 0 dichter von besonderer Wichtigkeit. Er soll bestrebt sein. die Idealistrung und Veredlung. welche eine Kombination erst zum rechten Problem stempelt. auch auf die Barfanten auszudehnen ziegt in seiner Macht. Varianten auszubilden, welche sich dem Haupispiele würdig an vermögen. In der Verbindung mehrerer schöner Ideen. unter denen aber die Daup idee bervorragen soll. liegt ein eigenthumlicher unbestrittener Reiz Probleme angenehm an, weiche ohne ein ausgesprochenes Hauptspiel zu besitzen einige fast gleichwerthige schöne Varianten zu einem harmonischen Ganzen verflechten.— In der ind N duellen, der Stilweise des Autors entsprechenden nach möglichster Bollen- eines wenn auch schon dagewesenen Mot! eutendes Feld urwüchsiger Thätigkeit. E. Gebiet eigenartiger frischer Schöpfungskraft erschließt. dem Prodlemdichter in der bereits erwähnten Verbindung mehrerer se Barlanten zu abgerundetem Ganzen. Hier kann die alleratößte Manni verrschen und es kann mit Fug und Recht de in dem Verflechlen schöner Barlanten— ob sie nun dem Werthe nach einander stehen oder in einem Hauptspiele kulminiren— ihr vornchmstes Ziel su bei vollendeter Durchfüdrung neue Triumphe feiern wird.“— Wie nahe die Prin böhmischen Problemschule den für die gro ze 17 der deutschen Problemkomponi gebenden Gesetzen stehen. ist recht deullih Es heimeln uns jedoch guch uptet werden. daß die Problemtunst der Zu chlußsätzen zu erschen. mit welchem Pospisil den Indalt seiner 2 resumirt: Mit unentwegter Strenge fordert die böhmf tung aller Kunsigesetze. insdesondert der Schachästbetit als Matt Selonomie und Edenmaß der Mittel. so wie Schönbeit der Posiiion Während des der Lösung erblickt sie die Schönbeit in frischer, natürlicher und ungezwungener sbaues. Dabei unterschätzt sie keines weder die Wichtigkeit tiefer und gediegener Anlage Hader, wo es notdwendig erscheint, unterordnel legend bes