zu den Obherhessischen Uuchrichten. Gießen, den II. November. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. 1988. Anna raffte sich zusammen, durchschritt den kleinen Salon und legte den Brief auf den Schreibtisch ihres Mannes. An der Wand hingen mehrere Bilder. Anna nahm eine Photographie von der Wand und steckte sie zu sich— es war die Photographie ihres Gatten. Nach wenigen Augenblicken befand sie sich wieder im Schlafzimmer, wo sie ihr Kindchen aus dem Bettchen hob und hastig in ein warmes Mäntelchen und Mützchen hüllte. Jancia hüpfte vor Freude und half der Mutter, der vor Auf— regung die Hände bebten, beim Ankleiden.“ Anna beeilte sich ungemein, als jagte sie Jemand, als riefe ihr Jemand ein„Schnell, schnell“ zu, und nach einigen Minuten fuhr aus dem Hofthore eine Droschke, welche die junge Frau mit ihrem Töchterchen zur Eisenbahnstation brachte. Der Zug sollte bereits in einer halben Stunde abfahren, und Anna wußte recht gut, daß ihr Gatte erst mehrere Stunden nach Abgang des Zuges nach Hause zurück— kehren konnte. [[Der Brief, welchen sie auf ihres Mannes Schreibtisch gelegt batte, war zwar weder orthographisch noch stilistisch korrekt, aber Jer enthielt alles, was Herr Mirewicz wissen sollte. „Theurer Jas,“ schrieb sie,„ich weiß nicht, was Du von mir denken wirst, und wie es Dir gefällt, doch ich kann nicht anders handeln. Ich verlasse das Haus aus zweierlei Gründen: cerstens weil ich Dein Leben nicht vergiften möchte, und zweitens weil ich mich schäme, mit Dir unter einem Dache zu wohnen, nachdem ich aufgehört habe, Deine Frau zu sein. Bislang hatte iich die Ueberzeugung, daß mein Gatte für mich sorgte und schaffte, und daß wir gemeinsam verdienten, um unserer Jancia eine glücklichere Zukunft zu bereiten, als die unsere war, und ich tvußte, daß ich Dir als treue Gattin zur Seite stand. Jetzt ist es anders geworden. Es hat wenig auf sich, daß der Pfarrer unsere Hände in einander legte— wenn zwei Menschen sich nicht mehr lieben und mit einem Male Alles vergessen, dann äst kein wahrer Ehestand mehr vorhanden. Die Frau isset umsonst I ödas Brod, welches der Mann verdient, und der Gatte wiederum, der eine Andere liebt, kann weder treu noch glücklich sein. Ich will Dein Brod nicht umsonst essen, und ich kann nicht ertragen und mit ansehen, was mir schweres Herzeleid verursacht. Am bkvenigsten aber möchte ich, daß Du Deine Ehre befleckest, Jas, was einmal tief an Deinem Herzen nagen würde. Ich liebe Dich mehr als mein Leben, und ich will lieber sterben, als den Gedanken ertragen, ich stände Deinem Glücke im Wege. Auch gestehe ich Dir, daß ich nicht sehen mag, wie man Deine Er⸗ ] parnisse vergeudet, die unserem Kinde zu gute kommen sollten. ö Far sei es von mir, mit Dir zu streiten, da Dir ja das Recht SPeifenblasen. Erzählung von Eliza Orzeszko. (Fortsetzung.) Deutsch von Johanna Ruhe. zusteht, über Dein Eigenthum zu verfügen, und meine Vorwürfe würden Dein Leben nur noch mehr verbittern, aber Du siehst ja selbst, wie Dein Vermögen zusammenschrumpft, und wie Du Dich selbst und die Zukunft Deines Kindes ruinirst. Ich ver⸗ lasse Dein Haus, mein geliebter, theuerster Jas, ich reise nach Onwil, werde dort wohnen und mit Josepha Kleider nähen; ich habe die frohe Zuversicht, daß es mir, wie vor unserer ehelichen Verbindung, weder an Arbeit noch an Geld fehlen wird. Dann glaube ich auch, daß, sobald Du siehst, daß ich weder träge noch nachlässig in der Arbeit bin, Du mich höher schätzen wirst, als wenn ich in Deinem Hause bliebe, ungeliebt und unbeachtet, und immer nur weinte und mit Dir im Streite läge. Mein theurer Jas, während ich Dir schreibe, thut mir das Herz so wehe, und wenn ich Jancia nicht hätte, dann würde ich lieber sterben, als Dich betrüben. Allein ich zürne Dir nicht, ich war mit Dir sehr glücklich, und ich danke Dir dafür. Du bist ja ein Rechtsgelehrter und mußt deshalb wissen, ob Du Dich von mir scheiden lassen kannst; falls es möglich ist, so will ich Dir nicht im Wege stehen, nein, ich werde Dir helfen, so gut ich's vermag. Aber wenn es nicht geht, was soll dann geschehen? Ein jeder von uns wird dann sein Leid allein tragen müssen. Um Jancia brauchst Du Dich nicht zu kümmern, ich nehme sie mit mir, und ich hoffe, es wird ihr an nichts fehlen. Sollte ich wahrnehmen, daß die Kleine mehr zur Kräftigung ihrer Gesund— heit braucht, oder wenn die Zeit kommt, daß sie die Schule be— suchen muß, dann werde ich schreiben, damit Du ihr etwas Geld schickst; denn Du bist ja der Vater und hast Verpflichtungen gegen Dein Kind. Inzwischen werde ich jeden Monat zweimal schreiben, wie Jancia sich befindet, und falls Du willst, schreibe ich Dir auch, wie es mir geht, und was ich verdiene. Vor— läufig brauchen wir kein Geld; um die Reise zu bestreiten und einige Zeit sorgenfrei leben zu können, habe ich mein seidenes Kleid und meine Schmucksachen verkauft, dazu besitze ich noch meine Ersparnisse. Auf diese Weise hoffe ich auszukommen, bis ich etwas verdiene, und ich gebe Dir die Versicherung, daß, falls Du Geld schicken solltest, ich dasselbe Dir sosort zurücksenden werde. Doch nun segne ich Dich, mein lieber Jas, lebe wohl, vielleicht auf immer! Möglicherweise entrinnst Du dem Zauber der Person, welche Du jetzt liebst— dann denke daran, daß Du auf Erden eine wahre Freundin hast, welche heute Dich verläßt, doch nicht in Zorn und Haß, sondern nur weil sie will, daß Du nicht leiden sollst um ihretwillen, und die nicht bei Dir bleiben kann, damit sie nicht Gott weiß welcher Person nachgesetzt werde. Aber wisse, wenn Trübsal und schwere Sorgen Dich ö 6— 362 umgeben, so bin ich stets diejenige, welche mit Dir mitfühlt und kümmern, und die Schwestern speisten daher bei ihrer Zim 4 leidet; denn ich liebe Dich über Alles, mein Jas, und ich werde nachbarin, der Frau Ignaz, welche auf der anderen Seite des 11 Dich lieben bis in's Grab.“ flures wohnte. In der Küche stand eine Holzbank, einige S Als Mirewicz diesen Brief las, war er tief erschüttert und und ein Tisch, an welchem die Mädchen lernten und 1 eilte in die Küche, um die weinende Kasia zu fragen, wie das Dorthin war Helka wieder gehuscht, und man sah durch die halb⸗ N Alles so schnell gekommen sei. Anna war unterdessen schon weit geöffnete Thür, wie sie, beide Hände auf den Tisch gestemmt, über 1 fort. Nach einigen Stunden begrüßte sie in Onwil ihre liebe ihren Büchern saß, auf welche eine kleine Lampe ihr mattes Freundin Josepha, die gekommen war, um sie von der Bahn Licht warf. Die Anwesenheit des jungen Mädchens hatte im 0 abzuholen. Es war Herbst, und ein feiner Regen machte das Vorzimmer wie ein Sonnenstrahl gewirkt, doch nachdem sie hinaus⸗ Weiter noch unfreundlicher und rauher. Auf dem Hose, über gegangen, wurde es wieder still; denn die beiden Frauen, welche welchen Josepha die Ankömmlinge führte, herrschte eine tiefe Finster⸗ auf dem Sopha saßen, unterhielten sich mit gedämpfter Stimme. 0 niß, so daß Anna mehrmals stolperte. Josepha hatte die kleine Sie brauchten an einander nicht viele Fragen zu richten, da sie 0 Jancia an der Hand und klopfte eben an eine Thür. Sie traten sich zu gut kannten; Anna erzählte in aller Kürze von ihrem f in ein geräumiges, hell erleuchtetes Zimmer. Anna nahm ihren Manne, aber Paula's gedachte sie mit keiner Silbe. Josepha 1 Schleier ab, aber sie vermochte keinen Schritt weiter zu gehen, wiederum theilte ihrer Freundin mit, daß ihre Schwester bereits 1 da ihr die Füße den Dienst versagten; sie lehnte sich mit dem in zwei Jahren das Gymnasium absolvirt haben würde. il Rücken an die Wand, und ihr Gesicht war leichenblaß. Josepha„Nach zwei Jahren reisen wir von hier fort, in die weite knieete an der Erde, sie war damit beschäftigt, dem kleinen Welt, auf eine höhere Schule, ihrer Zukunft entgegen, aber wohin, 8 Mädchen das Winterpelzchen auszuziehen, und achtete daher auf nach Mitternacht oder nach Süden?“ 1 Anna nicht. Nach einigen Augenblicken erholte sich Frau Mire⸗ Während Josepha davon sprach, wurde sie traurig; ihr junger 0 wicz, richtete sich auf, strich sich mit der Hand über das blasse Kopf beugte sich unter der Last der Sorgen für die Zukunft. Gesicht und fing an ihre Sachen abzulegen. Das Zimmer war Gegen Mitternacht legte sich Anna müde und abgespannt zu 0 ziemlich groß und hatte zwei Fenster, aber es war niedrig und[Bett und drückte ihr Schwesterchen fest an ihre Brust. Josepha unmodern. Die Wände, etwas stockig und grau getüncht, sahen jedoch setzte die Lampe auf den Schreibtisch und fing an zu lesen düster aus, wurden aber erhellt und belebt durch die Einrichtung und zu lernen. a 1 des Zimmers. Zwei sauber überdeckte Betten, ein Sopha, ein„Gehst Du noch nicht schlafen?“ fragte Anna schüchtern. 0 Schrank, eine Kommode, zwei Tische und ein paar Stühle bildeten„Ich gehe niemals vor zwei Uhr zu Bett, ich habe ja so a das ganze Meublement; der eine Tisch war mit Büchern und wenig Zeit, um für mich zu arbeiten. 5 1 Heften bedeckt, und auf dem Sophatische standen eine Lampe, Auch Anna floh der Schlaf. Erst sehr spät schlummerte sie b vier Gläser, ein Teller mit Weißbrod und kaltem Aufschnitt. ein. Als sie erwachte, brannte schon die Lampe, und Josepha in* Dieses war die ganze Abendmahlzeit, welche Josepha ihrer Freun⸗ einem kurzen Rock und mit unfrisirtem Haar hantirte bereits 1 din zu bereiten im Stande war. Herzlich umfaßte sie ihre] mit einem Besen herum, und dabei blies sie noch von Zeit zu 6 Schultern und drückte sie in's Sopha, dann trat sie an ein kleines Zeit den Samowar an, um das Wasser in's Kochen zu bringen. N Tischchen neben dem Ofen, auf welchem der Samowar aufgestellt Anna sprang schnell aus dem Bette. f 1 war, und schenkte Thee ein.„Kleide Dich an, oder noch besser wäre es, Du legtest Dich 1 „Wo ist Helka?“ fragte Anna. noch ein wenig schlafen... von heute ab werde ich Alles besorgen.“ N Josepha deutete nach einer kleinen Thür. Graue Morgendämmerung herrschte noch draußen, als Josepha, a „Bei ihrer Lektion,“ antwortete sie. in einen warmen Mantel gehüllt, gerüstet auf die Straße trat, b In demselben Augenblicke öffnete sich die Thür, und ein um ihrem täglichen Berufe nachzugehen. Sie hatte viele Stunden. junger, blasser Herr mit einer Brille schritt eilig, sich leicht ver- zu geben, wenngleich dieselben spottschlecht bezahlt wurden. 9 neigend, durch das Zimmer; er hatte es schrecklich eilig, um nur Wenige Stunden später verließ auch Helka mit dem Tornister 0 ja nicht eine Minute zu verlieren. auf dem Rücken das Haus; sie ging zur Schule. Unterwegs a „Wer ist das, Josepha?“ holte sie ihre Freundin ein, und Anna sah, wie die beiden jungen 0 „Der lateinische Lehrer.“ Mädchen trotz der Müdigkeit, welche man ihnen anmerkte, gang 0 Anna machte große Augen. tapfer ausschritten. Anna schenkte ihrem Töchterchen den Th. 1 „Wozu lernt Helka Latein?“ ein, holte ihm die Spielsachen aus dem Reisekoffer und gu „Wozu, meine Liebe? Ohne Latein könnte sie ja ihr Ziel[zur Nachbarin hinüber. Die Wohnung der Frau Ignaz bestank 0 nicht erreichen—“ ebenfalls nur aus einer Stube und einer Küche, aber die Küche a Che sie aus geredet hatte, wurde die kleine Thür mit großem war größer, und es brannte ein helles Feuer darin; doch in der l Geräusch aufgerissen, und auf der Schwelle erschienen zwei junge Stube erblickte man weder ein Sopha noch Bücher und Papiere, 0 Maͤdchen in dunklen Kleidern und langen Zöpfen; sie schienen dafür jedoch einen Webestuhl, einen Spinnrocken mit Flachs und i lebhaft angeregt zu sein. eine Haspel voll gesponnenen Garns. Auf dem Tische lag ein 6 „Probos homines laudate,“ deklamirte die eine junge Dame. grober, angefangener Strickstrumpf, und an den Wänden sto 1 Improbos castigate,“ schloß die andere. altmodische Schränke mit Hausgeräth. Die lebhafte Anna Sie lachten laut, während ihre Augen voll jugendlichen] sich bald mit der einfachen und biederen alten Frau bekann 0 Feuers ihrer fünfzehn Jahre leuchteten. Die ältere von ihnen, gemacht. Frau Ignaz stand in einem groben Rocke, einem ein⸗ g eine Brünette mit blassem Gesichtchen, warf sich stürmisch an fachen, weißen Häubchen auf den silberhellen Haaren und einem Anna's Hals, riß dann mit lautem Jubel die kleine Jancia von kreuzweise über der Brust gefalteten großen Tuche in der Kl e der Erde auf, nahm sie auf die Arme und küßte sie herzlich. vor dem helllodernden Feuer und quirlte in einem Kochtop. 1 Die jüngere, eine frische Blondine, schien wie in die Erde ge- Als Anna eintrat, musterte sie die Eintretende mit ihren immer 10 sunken zu sein; beim Anblick fremder Personen erröthete sie tief noch scharsen Augen auf das Sorgfältigste. 1 und verschwand schleunigst hinter der Thür im dunklen Hausflur. Nachdem sie sich im Stillen ihr Urtheil über die Fremde 10 Helka theilte Frau Mirewicz mit, ihre Freundin heiße gerade so gebildet hatte, umspielte ein verbindliches Lächeln ihren Mund, wie sie Anna, sei eine Enkelin ihrer Nachbarin, der alten Frau und nach einer Viertelstunde hatte Anna die Greisin bereite 1 Ignaz, und schäme sich wahrscheinlich, weil sie in Gegenwart von dahin gebracht, daß dieselbe auf einem Stuhle Platz nahm un a Fremden mit ihren lateinischen Brocken in's Zimmer geplatzt war. das Strickzeug ergriff, während Anna die Obliegenheiten in de f Knieend gab sie Jancia Thee zu trinken, dann aß sie selbst eine Küche übernahm und mit Töpfen und Schüsseln geschäftig her 1 tüchtige Portion Brod und Fleisch, bettete die Kleine schnell in klapperte. Die Alte schaute ihr lächelnd zu und fing an, ö ihr Bettchen, überzeugte sich, daß sie fortan in der Küche schlafen Familienangelegenheiten vor Anna auszukramen. Sie erze 1 werde, und lief schließlich eiligst zu ihren Büchern zurück, um von ihrem verstorbenen Manne und besonders viel von il 14 zu lernen. Das Nebenzimmer war eigentlich eine kleine Küche, beiden Söhnen, die sie durch den Tod verloren: von dem ei* aber sehr rein und warm, weil niemals darin gekocht wurde; Sohne lebe noch eine Tochter, die kleine, muntere Anna, w 1 denn Josepha hatte keine Zeit, um sich um die Küche zu be⸗ das Gymnasium besuche und Helka Skiwska's beste Freu Sd——— 3 * 2363 sei. Dann verließ Anna hurtig das Zimmer, um bald darauf mit ihrer kleinen Jancia zurückzukehren. Indem sie sich über die welken, zitternden Hände der Greisin beugte, bat sie flüsternd: „Meine liebe Frau, Sie haben Ihr ganzes Leben in diesem Orte zugebracht, und Sie kennen gewiß hier viele Leute. Wenn Sie daher erfahren sollten, daß Jemand eine Schneiderin oder Nähterin braucht, bitte, so empfehlen Sie mich doch. Ich nähe sehr gut, und ich muß viel, sehr viel verdienen.“ Die Alte blickte ihr forschend in's Gesicht. „Sie haben doch einen Gatten?“ sagte sie, unzufrieden mit dem Kopfe schüttelnd. Dann fügte sie hinzu:„Mir will es gar nicht gefallen, wenn Frauen ihre Männer verlassen.“ Anna bereitete gerade einen Teig und schwieg; endlich er⸗ wwiderte sie mit gesenkten Augen:„Ich habe nichts Böses gethan, aber, sehen Sie, ich will lieber vor Hunger und Elend sterben, gals meine traurige Geschichte in die Welt hinausschreien.“ Nach einer Weile antwortete Frau Ignaz:„Mit anderen Worten, Sie wollen Ihren Gatten nicht anklagen, das gefällt mir. Allein Ihr Mann müßte wenigstens für Sie sorgen, Ihnen eine ordentliche Existenz schaffen, zumal da Sie ein Kind haben.“ „Nein, nein,“ unterbrach sie die junge Frau,„er ist der beste und klügste und ehrlichste Mensch von der Welt.“ Die Greisin lächelte zufrieden. „Nun, ich werde mich bemühen, daß Sie Arbeit bekommen,“ sagte sie nach einer Weile.„Obwohl ich arm bin, habe ich doch beinahe ein ganzes Jahrhundert hier am Orte gelebt und kenne alle Menschen, sowohl die armen, wie die reichen. Wenn ich meinen Winterpelz anziehe und ausgehe, dann werde ich Ihnen Arbeit verschaffen. Sie können sich allerdings keine großen Summen dabei ersparen, aber zum Leben genügt es schon... Sollten Sie augenblicklich kein Geld haben, so will ich Ihnen das Mittags- brod kreditiren.“ 5 Nach einigen Minuten richtete sich die Alte hoch auf, ließ . ihren Strickstrumpf ruhen und begann wieder von ihren Söhnen zu erzählen. „Mein ältester Sohn übernahm von seinem Vater die Tischlerei, 5 er war Kunsttischler, aber er verheirathete sich unglücklich. Dann 55 kam der Ausstand, er betheiligte sich daran und kehrte nicht mehr zurück. Der zweite war ein Gerichtsbeamter, es ging ihm sehr 5 gut, doch eines Versehens wegen büßte er seine Stelle ein— 9 er wußte nicht, wie er für seine Familie sorgen sollte... in seiner Verzweiflung... nun, ich will Ihnen die Wahrheit sagen, er ergab sich dem Trunke und starb im Elend. Er hinterließ dieses kleine Mädchen, die Anna. Der dritte Sohn hat die Universität besucht und lebt sehr, sehr weit von hier.“ Als sie von ihrem jüngsten Sohne sprach, leuchteten ihre Augen 5 hell auf. Dann lächelte sie still vor sich hin und erzählte weiter: 5„Mein Aeltester hinterließ einen Sohn, er heißt Ignaz, ich I ließ ihn das ganze Gymnasium absolviren, und jetzt ist er auf I der Universität und bildet sich zu einem Rechtsanwalt aus. Er ist ein hübscher Junge... wenn Sie bis zum Sommer bei uns 1 bleiben, werden Sie ihn sehen; denn er kommt in den Ferien zu mir, in acht Monaten kommt er schon... kommt er schon.“ Triumphirend blickte sie um sich und lachte seelenvergnügt; dann schlug sie sich mit der Hand auf das Kniee und rief:„Ja, er kommt, er kommt!“ f 5 Frau Mirewicz hörte auf, den Teig zu kneten; sie lehnte die Schulter an die Ecke des Ofens und blickte voll Bewunderung zu der Greisin auf, die drei große Söhne und den Gatten ver⸗ loren hatte und die ihr Letztes opferte, und der trotzdem über den Gräbern ihrer Lieben neue Blumen des Lebens und des Gedeihens erblühten. 5*V*VV 6 Das Leben und Treiben um Anna her erschien ihr wie eine ö Werkstatt der Zukunft. Die Arbeit war nicht leicht. Anna sah oftmals, wie Josepha in der Nacht, vom vielen Lernen und Unter— 0 ö „ A — eichten erschöpft, in ihren Kleidern sich auf das Bett warf, um lich nach kurzem, unruhigen Schlafe zu neuer Thätigkeit zu er⸗ geben. Wenn Anna ihre Freundin bat, ihre Kräfte nicht allzu ehr zu erschöpfen, dann erwiderte ihr diese, sie müsse noch viel lernen, um in einem fremden Lande so viel verdienen zu können, vamit ihre Schwester auch glücklich ihr Ziel erreiche. Bei diesen Worten leuchtete es freudig in ihren Augen auf, und ein zartes Roth bedeckte ihre Wangen. Sie vertraute der jungen Frau, Helka solle Medizin studiren; habe dieselbe das Doktorexamen gemacht, dann könne und werde sie ausruhen von all den Sorgen und Strapazen, allein bis dahin müsse sie unausgesetzt arbeiten. Oftmals kehrte sie sehr spät Abends nach Hause zurück und fiel athem⸗ und kraftlos mit blassen Lippen auf das Sopha. Freund⸗ lich und liebevoll ihr zuredend, reichte ihr Anna den bereits zu— bereiteten Thee. „Meine arme Josepha,“ begann sie halb theilnehmend, halb vorwurfsvoll,„eine wie traurige Jugend verlebst Du doch! Du gönnst Dir keine Annehmlichkeit, kein Vergnügen, keine Ab⸗ wechselung.“ Josepha's Antlitz färbte sich bei solchen Worten dunkelroth; Mitleid schien sie zu beschämen. „Bedaure mich nicht, liebe Anna,“ rief sie lebhaft,„ich bitte Dich, betrübe Dich jn nicht um meinetwillen! Wie sollte es mir denn so schlecht gehen? Blicke nur um Dich! Eine jede von uns arbeitet ja so viel, um existiren zu können. Warum— warum sollte ich für mich etwas Besseres verlangen?“ „Aber Deine Bücherarbeit ist doch sehr schwer!“ fügte Anna schüchtern hinzu. Jetzt ergriff Josepha die Hand der jungen Frau; ihre Augen leuchteten. „Nein, liebe Anna, überschätze das Lernen nicht! Es giebt Gesundheit, Kraft und Glück. Wüßtest Du, wie sehr man die Wissenschaft lieben kann! Nur daß jetzt...“ Hier besann sie sich, und ihre Augen nahmen einen trüben Aus⸗ druck an, als sie fortfuhr:„Nur daß alles in dieser Beziehung mit so viel Unkosten verknüpft ist, viel mehr, als sonst...“ Doch schnell fügte sie hinzu:„Später wird es anders und besser werden.“ Sie blickte durch die nur angelehnte Küchenthür; dort saßen die beiden jungen Mädchen nebeneinander, lernten fleißig und kicherten zuweilen halblaut vor sich hin. Josepha erhob sich, schlich sich auf den Fußspitzen zu ihnen hin, bedeckte der Schwester die Augen mit den Händen und fragte:„Wer bin ich? Rathe einmal!“ Die jungen Mädchen sprangen von ihren Sitzen auf und umringten jubelnd Fräulein Josepha. So nahte der Winter mit seinen Freuden und Vergnügungen. Auf den Straßen vernahm man das laute Schellengeläute der Schlitten, und in den Ballsälen herrschte der Fastnachtsjubel. Auch in Josepha's Wohnung ging es manchmal recht heiter zu. Wenn Sonnabends die jugendlichen Freundinnen ihre Schul— arbeiten zeitig vollendet hatten, und Josepha, müde vom Unter⸗ richten, heimgekehrt war, dann scharten sich alle um den von Anna bereiteten Theetisch, auf welchem der Samowar lustig brodelte. Nach dem Abendbrod setzte fich Anna an die Näh- maschine, die drei jungen Mädchen leisteten ihr Gesellschaft, und ein jedes nahm eine Handarbeit vor. Wenn dann das Scherzen und muntere Lachen durch das Zimmer schwirrte, öffnete sich leise die Thür, und die hohe, gebeugte Gestalt der Frau Ignaz wurde sichtbar. Jedes Mal brachte die Alte irgend einen Lecker⸗ bissen mit, entweder einen Teller mit Bratkartoffeln oder frische Bratwurst, zuweilen auch eine Schüssel voll frisch gebackener Schmalzkrapfen. Im Chor ertönte die Begrüßung, und die Greisin mußte neben der Jugend Platz nehmen. Mit vergnügtem Gesicht ließ Frau Ignaz ihre Augen über die liebliche Gruppe schweifen und wandte sich hierauf an Anna mit der Frage:„Nun, habe ich Ihnen Arbeit besorgt? Sind Sie jetzt zufrieden?“ Hierauf gab sie Josepha ein Gläschen Wein und sagte:„Sie schlafen wenig, essen fast gar nichts und arbeiten viel! Sie untergraben Ihre Gesundheit! Sie sehen ja aus wie Haferbrei!“ Liebkosend strich sie über das Haar der beiden jungen Mädchen, lachte herzlich auf und erzählte das Märchen von einem Vater, der zu seinem Sohne zu sagen pflegte:„Lerne, mein Söhnchen, lerne— Du wirst auch ein König werden!“ Hatten sich Alle die Leckerbissen gut schmecken lassen, dann setzte sich Frau Ignaz in den dunkelsten Winkel der Stube, nahm ihren Strickstrumpf vor und begann von neuem die bekannte Geschichte von ihren Söhnen. Sie schloß jedes Mal mit der Versicherung, daß ihr Enkel Ignaz in den Ferien zu ihr kommen würde.„Ja, er kommt, er kommt!“ rief sie freudig verklärt aus. 5 (Fortsetzung folgt.) 8 — Doktor Hans. Novellette von G. Peltry. Es war große Frühstückspause. Wir Sieben in der Selecta der höheren Töchterschule zu R. saßen plaudernd beisammen und sprachen eben tapfer unsern Butterbröden zu, als sich die Thür öffnete und unser Rector eintrat. Augenblicklich verstummte das Geflüster und erwartungsvoll sahen wir auf die hohe Gestalt, die uns zu so ungewöhnlicher Zeit durch ihren Besuch beehrte. „Meine Da— men,“ hub Rek— tor Dallen an, „ich will Ihnen hiermit nur zu wissen thun, daß vom kommenden Monat ab eine Aenderung der Lehrkräfte ein— treten wird. Durch den Tod unseres allver— ehrten Doktor Schade ist, wie Sie wissen, eine große Lücke in unsern Kreis ge— rissen worden, und ich muß ver— suchen, den tüch— tigen Mann durch eine ge— eignete Persön— lichkeit zu er— setzen. Es wird also vom ersten April ab ein neuer Lehrer Doktor Lindner Ihre englischen und französischen Studien leiten, und ich hoffe, daß Sie dem jun— gen Manne den nöthigen Respect entgegen— bringen werden. Also,— meine Damen, ich ver lasse mich auf Ihr Taktgefühl.“— Lisl. Als er gegan⸗ gen, brach ein wahrer Sturm der Begeisterung los.„Ein junger Mann, das ist ja prachtvoll,“ rief Toni Müller, die keckste von uns. „Ob er wohl schlank und blond ist?“ seufzte Klärchen Siebert, unsere Sentimentale. „Nein, groß und mit rabenschwarzen Locken und kühnem Schnurrbart,“ warf eine Dritte ein. So schwirrten die Meinungen hin und her und mit Spannung sahen wir Dr. Lindners Ankunft entgegen. Der große Tag erschien. Wir Alle hatten uns verabredeter⸗ maßen in höchsten Wichs geworfen und konnten den Beginn der französischen Stunde kaum erwarten. Mit dem Glaockenschlag neun öffnete der Rektor die Klassenthür, um einen schmächtigen, 2364... Von F. jungen Mann von ungefähr dreißig Jahren hereinzulassen.„Meine Damen, hier stelle ich Ihnen Herrn Doktor Lindner, Ihren künf⸗ tigen Lehrer, vor.“ „Herr Doktor, meine Selekta.“— Gegenseitiges, tiefes Verneigen, und der Rektor empfahl sich. Doktor Lindner war also eingeführt. Er setzte sich an sein Tischchen und räusperte sich: „Darf ich um Ihre Namen bitten?“ Sofort erhob sich Toni Müller und berichtete mit den ent⸗ sprechenden Handbewegun⸗ gen:„Bertha Werne, Kaͤthe Hubert, Toni Müller, Clara Siebert—“ „Bitte, bitte ein wenig lang⸗ samer,“ rief der Doktor, eifrig schreibend. „Charlotte — Schu-ulz, — An— na— Metzer, mit einem e, Herr Doktor,— He —lene— Wal —de,—“ fuhr Toni fort, die Worte nun sehr ungebührlich ziehend. Ein strafender Blick aus Lind⸗ ners ernsten, blauen Augen ließ sie die ihren erröthend nieder- schlagen. Es schien ihm indeß nicht ganz wohl zu sein bei uns Sieben, denn er fuhr sich mit dem Taschen⸗ tuch über die heiße Stirn. „Hast Du ge⸗ sehen, H. L. steht in der Ecke!“ raunte mir Toni zu.— Ich nickte. Und nun be⸗ gann die Stunde. Ich muß zu⸗ geben, daß im ferneren Ver⸗ lauf derselben Lindners Schüchternheit vollständig schwand und wir sogar einige tadelnde Worte aus seinem Munde hören mußten. Als sich die Thür hinter ihm geschlossen, sahen wir uns erstaunt an, um dann in ein schallendes Gelächter auszubrechen. Wie wenig entsprach der Aermste dem Bilde, das wir uns von ihm gemacht hatten. Statt schwarzer Locken schlichtes, braunes Haar, statt Rosenwangen ein lebhaft gebräuntes Antlitz, statt einer Reckenfigur— eine schlanke, biegsame Gestalt kaum über Mittel⸗ größe. Das Beste an ihm waren seine Augen, das Dümmste die steife, weiße Binde, die ihm etwas Pastorenhaftes verlieh. „Ob er wohl Heinrich heißt?“ rief Toni,„in seiner Taschen⸗ tuchecke steht H. L.“— v. Defregger. — * * eee Hermann, Horst, Hubert, Hasso, Hugo, riethen wir, aber nichts erschien uns passend. „Ach Unsinn, Kinder,“ rief ich da plötzlich,„Hans wird er heißen, und——“ „Hans, Doktor Hans,“ erscholl es jubelnd um mich her. So hieß er denn von nun an bei uns nur noch Doktor Hans. Wo wir nur irgend konnten, suchten wir ihm einen Possen zu spielen. Bald strichen wir Kreide an seine Stuhllehne, bald als merkte er etwas davon. Ruhig wischte er den Halter mit einem Stückchen Löschblatt ab, und ebenso ruhig ließ er sich nach ber Stunde seinen Rock vom Schuldiener abbürsten. Wir saßen vann meist dabei und schämten uns, allein beim nächsten Streich waren wir doch wieder Alle mit Leib und Seele dabei. Ich hatte bei ihm entschieden einen Stein im Brette, denn ch durfte vieles ungestraft sagen und thun, während Toni schon tianchen ernsten Verweis hatte hinnehmen müssen. Ich saß 757 erade gegenüber, und bei den Klassenarbeiten konnte 5 17 interlassen, nach seinem Heft zu schielen, in dem er alle 5 kotiert hatte. So kam's, daß ich keine, oder sehr wenige Fehler gauchten wir den Federhalter in die Tinte,— aber nie that er, in meinen Arbeiten machte, eine Thatsache, die alle Anderen, weniger günstig Placirten, zuerst mit gerechtem Staunen,— dann aber, als sie meine List entdeckten, mit unendlichem Neid erfüllte. Auch Doktor Hans konnten meine Manipulationen auf die Dauer nicht verborgen bleiben; er brachte es aber nicht über's Herz, mir mehr zu sagen, als ein vorwurfvolles:„Aber, aber Fräulein Kathinka;“ worauf er das Buch fortrückte, um es doch sogleich wieder unmerklich an seine vorige Stelle zu schieben. Eine Versuchung für Mieze. Von A. Rotta. Ich sah es wohl, wie zärtlich Doktor Hans sein Auge auf mir ruhen ließ, wenn er sich unbeobachtet glaubte, und es machte mir einen ungeheuern Spaß, recht kalt und abstoßend zu ihm zu sein.— Hatte ich ihm wieder einmal einen Possen gespielt, eine schnippische Antwort gegeben, dann sahen mich seine klaren Augen beinahe flehend an, so daß ich Mitleid mit dem schüchternen Anbeter hatte.— Auch den Andern blieben seine stillen Huldigungen nicht verborgen, und eines Tages, nach einem besonders innigen Blick, rief mir Toni neckend zu:„Käthe, Du und Dein Doktor Hans, Ihr werdet sicher noch ein Paar.“ 2 „Niemals, niemals,“ versicherte ich eifrig,„eher stürzt der Himmel ein, ehe ich Doktor Hans nehme.“ * „ F ˙. a Um F 4 7 5 N 2 2366 Was fragte ich überhaupt in jener Zeit nach seiner Anbetung; empfand mein Herz doch damals die seligen Schauer der ersten jungen Liebe. Wie konnte sich Doktor Hans mit meinem Ideal messen. Er— braun und schlicht,— mein heimlich Geliebter blond und feurig, krauses Haar, kecker Schnurrbart, und dazu — Gäbelgerassel bei jedem Schritt. Ja, Curt war ein richtiger Lieutenant, und Toni Müllers Vetter. In ihrem und meinem Elternhaus sahen wir uns, er kam oft mit Toni zu uns in den schönen, großen Garten, oder er holte uns nach der Schule ab, und wartete geduldig an der nächsten Straßenecke auf unser Er⸗ scheinen. Und dann die Tanzstunde! O himmlische Wonne, in seinen Armen dahinzufliegen, getragen von den Klängen der Musik. Alles an ihm war schneidig, Blick, Wort und Geberde. Wie hätte er da den einfachen Doktor Hans nicht verdunkeln sollen? Seine Unterhaltung sprühte von Geist und Leben, während Doktor Hans mit meinem Vater, dem würdigen Bürgermeister, ernste, gelehrte Reden am Theetisch führte.—— Wir schwebten alle im siebenten Himmel. Es war Tanzstundenball, zu dem außer den gewöhnlichen Mitgliedern auch die Lehrer der Töchter— schule geladen waren. Wir freuten uns kindisch auf diesen Abend, und schon Wochen vorher sprachen wir von nichts weiter, als von Tüll, Blumen und Tanz. Endlich, endlich schlug die ersehnte Stunde. Ich betrat mit meinen Eltern den erleuchteten Saal, strahlend von Schönheit und Jugendlust, wie mir Lieutenant Curt Wildner zuflüsterte. Im Umsehen war meine Tanzkarte gefüllt, bis auf einen Walzer, den ich mir vorbehalten hatte; und beruhigt über diesen Punkt, stand ich lachend und plaudernd unter meinen Freundinnen. Da trat auch Doktor Hans schüchtern zu mir, um sich einen Tanz zu erbitten. „Bedaure unendlich, Herr Doktor, alles schon vergeben,“ sagte ich ruhig, mich an seiner Bestürzung labend. „O wie schade,“ entgegnete er leise,„ich hatte mich so darauf gefreut. Verzeihen Sie.“ Damit trat er zurück. Nun war der rechte Augenblick gekommen, wie würde er sich freuen. Schnell überflog ich, wie suchend, mein Kärtchen und rief Doktor Hans zu:„Halt, Herr Doktor, hier ist noch ein freies Plätzchen, wenn Sie da Ihren Namen noch hinschreiben wollen? Viel ist es freilich nicht, aber doch immerhin etwas.“— Er warf einen Blick auf das Blatt, das ich ihm hingab, dann sah er mich ernst an und die Karte zurückgebend, verneigte er sich:„Ich danke Ihnen, mein Fräulein, aber der Raum ist für meinen Namen wirklich zu klein. Wir werden auch wohl später einander öfter auf Bällen begegnen, vielleicht habe ich dann mehr Glück, als heute.“ Damit ging er. Verduzt sah ich ihm nach, das also war mein Erfolg. Er hatte mich durchschaut. Ich stampfte trotzig mit dem Fuße und wandte mich dann, gezwungen lachend, an Lieutenant Curt, der eben herankam. Den ganzen Abend über war ich von ausgelassenster Lustigkeit, der dumme Doktor Hans sollte nicht sehen, wie sehr ich mich ärgerte. Ich flog von einem Arm in den anderen, glühend vor Zorn und Eifer, immer die lauteste und heiterste von Allen. Er sollte doch sehen, daß ich mich auch ohne ihn herrlich amüsirte. Verstohlen schielte ich manchmal zu ihm hin. Er tanzte gar nicht und sah nur ernst und still in das Treiben. Später erst, beim Nachhausegehen, sah ich ihn wieder neben mir; ich wollte eben meinen Mantel umlegen und sah ihn auffordernd an, mir zu helfen. Er aber winkte einen Diener herzu, empfahl sich dann meinen Eltern, machte mir eine stumme Verbeugung und fort war er.— Ich kämpfte mit den Thränen und durfte meine Eltern doch nichts von meinem Aerger merken lassen. Zum Glück dauerte es nur noch wenige Wochen, bis wir Sieben die Selekta verließen. Gegen Doktor Hans war ich sehr kalt und trotzig seit jenem Ball⸗ abend, er dagegen bewahrte seine swig ruhige, gütige Miene. Am letzten Tage gab es viel Thränen bei uns, obgleich wir alle eigentlich gern gingen; aber es war doch eine schöne Zeit gewesen, die Schulzeit. Doktor Hans gab uns Allen die Hand beim Abschied, was wir recht überflüssig fanden. Als ich bei ihm vorbeischlüpfen wollte, sagte er bittend:„Wollen wir nicht wieder gute Freunde sein, Fräulein Kathinka?“— „Ich bin noch nie Ihre Freundin gewesen, Herr Doktor,“ erwiderte ich unartig. Da ließ er meine Hand los, und w sagte er:„Verzeihen Sie.“ Nun begann eine fröhliche Zeit. Wir waren wie die jung Füllen, die der langen Haft entsprungen sind. Fast täglich waren wir zusammen, Lieutenant Curt, einige junge Referendare und Assessoren, auch Studenten, die Bruder und Vettern meiner Freundinnen. Meine guten Eltern wollten mir eine recht sonnige Jugend verschaffen, und so fanden sich Alle meist bei uns ein. Auch Doktor Hans durfte nie fehlen, er war meinem Vater st ans Herz gewachsen. Das verdarb mir oft die Freude, a theils amüsirte es mich, sein vorwurfsvolles Gesicht zu sehen, wenn ich mit den jungen Leuteu so überlustig lachte und scherzte. Bei allem, was ich that und sagte, beobachtete ich ihn, un besonders, wenn ich mit dem Lieutenant flüsterte, zog sich seine Stirn in krause Falten.— 5 5 ES g AM RNS N —— 1 Doch— keine Freude ist ungetrübt. 5 Mein vielgetreuer Anbeter wurde in eine andere Garnison versetzt und nun gab es geheime Thränen und Abschiedsweh. Aber allzu lange hielt diese Stimmung nicht an, wir waren eben zu gern fröhlich, und Toni brachte mir ja ab und zu Grüße von Curt. So zogen die Wochen dahin; der Frühling war dem Som— mer gewichen, als mir eines Tages der Postbote zwei Briese übergab, einen an meinen Vater und einen an mich. Ich riß das Couvert auf, kannte ich doch die Handschrift nur zu gut, und was fiel mir entgegen? Nur ein einfaches Blatt, aus dem mir zwei Namen entgegenleuchteten: i. Thekla Haldow, Curt Wildner. 8 Verlobte. 3 Thränen füllten meine Augen, ich eilte in die stillste Laube des Gartens, um dort heiß und fassungslos zu weinen. 5 erster Jugendtraum war dahin, mein Mäͤdchenstolz schwer ver⸗ letzt— verschmäht, verlassen! In meinem Schmerz hörte ich nicht die nahenden Schritte, und erst als Doktor Haus eintrat, blickte ich auf.„Verzeihen Sie, wenn ich störe. Ihre Frau Mutter schickte mich zu Ihnen in den Garten. Ich werde g sogleich wieder gehen.“ b „Sie können ruhig bleiben,“ stotterte ich verlegen, darauf wieder bitterlich zu schluchzen. Doktor Hans sah auf das Blatt in meinem Schoß, und, meine Hand zärtlich fassend, sagte er:„Armes Kind, haben Sie ihn denn so sehr geliebt?“* Geliebt? Ich blickte auf, nein geliebt, wirklich geliebt halte ich Curt wohl nicht, denn ich konnte ganz gut weiterleben ohne ihn; aber er war ein so feuriger Anbeter gewesen, und:„Er hat mich sitzen lassen,“ brachte ich mühsam hervor. N Doktor Hans lächelte leise:„Nun, wenn das Ihr ganzer Kummer ist, Fräulein Käthchen, den werden Sie mit der Zeit wohl überwinden.“— „Nein nie, nie,“ rief ich heftig, und von Neuem ergoß ein Thränenstrom aus meinen Augen. Der Doktor ließ u ruhig gewähren und redete mir nur freundlich zu. Allmäh ward ich stiller, und fing an, mich zu schämen, daß ich! mein Herz so offen gezeigt hatte.— Flammende Röthe f mir in's Antlitz und plötzlich sprang ich auf und eilte davon Von nun an wich ich Doktor Hans aus, wo ich nur konnte.“ Er kam auch lange Zeit nicht mehr zu uns. Erst als mein Vater selbst ihn aufsuchte, fand er sich wieder wie sonst ein. Ich mr ihn immerfort ansehen, wie ernst und traurig war er geworden Aber sprechen konnte ich nur selten mit ihm, denn was mu ie er von mir und meiner kindischen Thorheit denken. 0 Ich selbst war ruhiger und vorsichtiger nach dieser, meiner ersten traurigen Erfahrung, und hatte vorläufig genug an Se und Spiel. Trotzdem ging unser Leben seinen alten, lust Gang weiter, gerade wie vordem. r Auch Doktor Hans hielt sich möglichst fern von mir, e verachtete mich gewiß. O, wenn ich ihm doch hatte sagen können wie sehr ich meine Thorheit schon bereut hatte. Aber nie ka er auf jenen Tag zurück, und gab mir überhaupt wenig 6 heit, mit ihm zu reden. So gingen wir stumm neben einander her. 2 Meine Freundinnen hatte der Sommer hierhin und do verstreut, nur Toni kam häufig zu uns, und zwar 5 — r u 2 . 5 um gl. A F r e e — . 3 8 13 3 Doktor Hans bei uns war. So auch an einem warmen, würzigen Abend,— mit einer Schaar junger Leute. Sie flüsterten leise zusammen, während ich mit Andern von fern stand und nicht wagte, mich in ihr Gespräch einzumischen. Ein hübsches Paar,“ hörte ich im Vorbeigehen den Vater zur Mama sagen,„wer hätte das von der wilden Toni gedacht, daß sie je Gefallen an einem so ernsten, ruhigen Manne finden würde. Ja, ja, kenn' Einer die Weiber aus.“— Ich zuckte zusammen. Ach, ich hatte es ja längst geahnt, nun aber fühlte ich's mit Gewißheit, daß Doktor Hans sich ganz allmählich in mein trotziges Herz eingeschlichen hatte. Was andere Mädchen mit Seligkeit erfüllt, ward mir zur bittern Qual, und als ich die leise, jubelnde Stimme Toni's an mein Ohr klingen hörte:„Also morgen werden es alle schwarz auf weiß sehen? o ich bin so glücklich,“— da verließ mich meine mühsam behauptete Ruhe und ich eilte hinaus, fort, fort von den Beiden. Drunten in der dunklen Laube, die schon einmal meine Thränen gesehen, brach ich schluchzend zusammen. Aber wie anders der Jammer von heute, als der kindische Aerger von damals.— Damals war ja nur mein Stolz getroffen, heut aber mein Herz, mein ganzes Sein, mein Glück und mein Leben. „Fräulein Kathinka, die Gäste brechen auf, und ich wollte Ihnen gern gute Nacht sagen. Ich suchte Sie. Darf ich?! Auch das noch. Ich erhob mich; der Mond schien mir gerade in's Gesicht und verrieth ihm meine Thränen. 5 „Sie haben geweint? O Fräulein Käthchen, so können Sie ihn doch nicht vergessen? Und ich Thor, ich glaubte,— ich hoffte,— mit der Zeit“— „Was haben Sie sich um mich zu kümmern, Herr Doktor?“ brauste ich auf,„Sie haben ja jetzt eine Braut, übrigens habe ich diese dumme Jugendgeschichte schon längst vergessen.“ So lieben Sie ihn nicht? haben ihn vielleicht nie geliebt?“ rief er glückselig, all' meine anderen Worte überhörend,„o Fräu⸗ lein Kathinka, süßes Käthchen, wenn ich hoffen dürfte, daß in Ihnen nur ein Funke von der heißen Liebe glüht, wie sie mir im Herzen lebt, dann— o dann— Käthchen sage ja, sei mein Weib! Ich will Dich auf Händen tragen, ich will Dich glücklich machen.“ [5 Hans, Doktor Hans,“ jauchzte ich,„ist's denn wahr, wirklich wahr, und Toni Müller? o sagen Sie schnell, was ist's mit ihr?“ Morgen, mein Lieb, morgen wirst Du es schwarz auf weiß sehen. Bis dahin Geduld.“ Ich mußte mich wohl zufrieden geben, und mein Haupt an seine Schulter gelehnt, saßen wir noch lange, lange in der lauen Sommernacht. Ich beichtete, er tröstete mich; und der Mond Slinzelte gar freundlich auf mein Antlitz und küßte mir, abwechselnd nit Doktor Hans, die letzten Thränenspuren von den Wangen fort. [Am selben Abend noch erfuhren die Eltern unser Glück, als ie mich suchen kamen, und am nächsten Tage brachte mir Doktor [Hans, mein Bräutigam, ein Blatt, und zeigte auf eine gedruckte Kovelle. Von Toni Müller; stand darunter, und er war der Germittler gewesen.— O thörichte, blinde Eifersucht. Mein lieber, lieber Doktor Hans! eigentlich heißt er Hell⸗ muth, aber ich nenne ihn noch heute, nach fast dreijähriger Ehe, nit dem alten, trauten Kosenamen; ja mein lieber, lieber Doktor baus. Ihr solltet ihn nur sehen, wie seine klugen, blauen Augen kuchten, wenn er unser süßes, kleines Hänschen mitsammt der Mutter umschlingt. Er hat sein Versprechen gehalten; er hat nich glücklich gemacht— o so glücklich! i Aber da höre ich seinen Schritt auf der Treppe; er kommt don den Stunden heim. Er ruft mich,— ja, ja Doktor Hans,— da bin ich schon! Jose Sölätter. Der Affe der Lais. Seit einigen Jahren durchzieht die Gesellschaft artinetti Heusschland, um die große phantastisch⸗komische 5 untomime,„Jocko, der brasilianische Affe“, an möglichst 5 1 15 r Aufführung zu bringen, eine Aufgabe, deren sie sich ste 5 1 chendem Beifall entledigt. Und der Applaus ist 5 1 jeder bezeugen wird, Weiher das Stück sich angesehen hat. Nam 2367. wollte auch etwas zu den Kosten der Unterhaltung beisteuern und fragte lich der Träger der Titelrolle bemüht sich, eine möglichst getreue Kopie unseres Urahnen zu geben und die Zuschauer vergessen zu lassen, daß in der Affenhaut ein Mensch steckt; mit solcher Naturwahrheit spielt er den Jocko. Schon früher gab es einen Künstler, irren wir nicht Namens Alois Berla, welcher die Affendarstellung als Spezialität trieb und durch seine vollendete Mimik allabendlich volle Häuser erzielte. Allerdings eine eigenthümliche Passion, zu unseren„niederen Brüdern“ herabzusteigen und anstatt dem wirklichen Affen die Nachahmung seiner Darwin'schen Descendenz zu überlassen, umgekehrt dem biederen Vierhänder abzulauschen, wie er sich räuspert und wie er spuckt. Indessen es giebt Damenkomiker, weshalb soll es keine Affenkomiker geben? Spielt sich doch ohnehin mancher Jüngling auf den Affen hinaus, ohne darauf speziell studirt zu haben... Uebrigens gab es schon früher derartige Charakterdarsteller; und im sonnigen Griechenland trug sich vor mehr als zwei Jahrtausenden eine Geschichte zu, deren Held noch heute als das unerreichte Muster aller imitirten Affen und solcher, die es werden wollen, dienen kann. Die Historie ist folgende: Lebte da in der üppigen Seestadt Korinth zur Zeit der wegen ihrer Schönheit sprichwörtlich gewordenen Hetäre Lais(der älteren), etwa gegen Ende des fünsten vorchristlichen Jahrhunderts, ein junger Thunicht— gut, der auf den Namen Alexis hörte; ein Brausekopf voll toller Streiche und mit noch tolleren Schulden. Es dauerte nicht lange, so konnte er sich vor seinen„Manichäern“ kaum retten. Diese Tretvögel folgten ihm auf Schritt und Tritt; und aus Verzweiflung faßte der junge Rous den abenteuerlichsten Entschluß, der jemals ein menschliches Gehirn durchzuckt hat. Er setzte sich mit einem korinthischen Bartscherer in Verbindung und bewog diesen Ritter vom Schaumbecken, der ohnehin schon ziemlich affen⸗ mäßigen Physiognomie seines Klienten die letzte Feile zu geben und auch sonst seinen äußern Menschen ganz und gar in einen äußern Affen zu verwandeln. Dazu übte er sich im Tanzen, Springen, Klettern und in einem Benehmen, als ob er nicht in dem feingebildeten Korinth, sondern in einem afrikanischen Urwald das Licht der Welt erblickt hätte. Als unser Sausewind die letzte Politur erhalten hatte, ließ er sich als ein großer und seltener Affe der Lals verkaufen, welche ein eigenartiges Ge— fallen an allerhand Gethier fand und daher stets eine förmliche Menagerie um sich zu haben pflegte. So lebte Alexis, der Pseudoaffe, zwei Jahre lang herrlich und in Freuden, froh, den drängenden Gläubigern ein Schnippchen geschlagen zu haben; sah sich mit allen Schmeicheleien des schönsten Weibes seiner Zeit überhäuft und fiel nicht ein einziges Mal aus der Rolle. Da wollte es sein Unstern, daß, als er eines Tages auf dem Schoße seiner Herrin saß, ihn ein plötzliches Unwohlsein überfiel, dessen Folgen ihn um die Gunst der Holden brachten und zu seiner Ent⸗ larvung führten. Alexis wurde Knall und Fall aus dem Hause gejagt; er stand schweren Herzens auf der Straße, denn hinter ihm lag das ver⸗ lorene Paradies... Was nun?— Natürlich sprach ganz Korinth von der unerhörten Begebenheit, die bald ruchbar wurde. Die Väter der Stadt entboten den merkwürdigen Affen in ihre Versammlung; und niemals wohl hatte das ehrwürdige Berathungszimmer ein so dröhnendes Ge— lächter vernommen, als dasjenige war, welches den Enthüllungen des Witzboldes über seinen Aufenthalt bei der Lais und die von ihm in ihrem Hause erlebten Abenteuer folgte. Welche pikante Details mögen da die Ohren der würdigen Senatoren gekitzelt haben... Das Ende vom Liede war, daß Alexis für den Spaß, welchen er der ganzen Stadt bereitet hatte, von Staatswegen ein Haus und ein kleines Landgut geschenkt er⸗ hielt, unter der einzigen Bedingung, so oft ein fremder Fürst oder eine Gesandtschaft bei ihrer Anwesenheit es wünschen sollte, sich diesen in Affengestalt mit allen einstudirten Kapriolen und äffischen Allüren zu präsentiren. Alexis aber lebte vergnügt weiter, heimste von neugierigen Fremden manche schöne Drachme ein, befriedigte vielleicht auch seine Gläubiger; und wenn er nicht schließlich gestorben wäre, so lebte er heute noch.— Lavater sagt in seiner„Physiognomik“, daß Menschen mit affen⸗ ähnlichen Gesichtern durch die Bank Genies seien; daher ist es kein Zweifel, daß Alexis von Korinth, der sich so ganz und gar zum Affen um- und auszugestalten wußte, ein Quadratgenie war, werth, von der dankbaren Nachwelt als Schutzpatron aller zünftigen und unzünftigen Affenkomiker auf den Schild erhoben zu werden.—— Krebs und Tiger. Lodovico Canossa, ein italienischer Bischof der Renaissancezeit, besaß prachtvolles Silbergeschirr, welches die Augen aller Kenner auf sich zog. Ein römischer Edelmann erbat sich von dem geist⸗ lichen Herrn einen Becher, dessen Griff die Gestalt eines Tigers hatte, auf kurze Zeit, um sich eine Nachbildung anfertigen zu lassen. Indessen die Zeit verging, und der Becher ward nicht zurückgestellt. Statt dessen richtete der Nobile an den Bischof das Ansinnen, ihm auch ein kostbares Salzfaß von der Form eines Krebses leihweise zu überlassen. Der Bischof lehnte jedoch das Gesuch mit den Worten ab:„Wenn der Tiger, der doch das schnellste Thier sein soll, nach drei Monaten noch nicht zurück⸗ gekehrt ist, so steht zu befürchten, der Krebs, dieses Sinnbild der Langsam⸗ keit, werde drei Jahre und darüber auf sich warten lassen.“—— Wer's glaubt. In einer auserlesenen Gesellschaft des alten Berlin sprach man von den Reisen des berühmten 1 14 James Cook und dessen traurigem Ende auf Owaihi am 14. Februar 1779. Eine Durchlaucht, die sich eben nicht durch besonderen Esprit auszeichnete, den berühmten Schriftsteller Professor Johann Jakob Engel(gest. 1802), den Verfasser des„Philosophen für die Welt“, ob Cook auf seiner ersten Reise um's Leben gekommen sei.„Ich denke: ja,“ erwiderte der Pro⸗ fessor ernsthaft,„doch ließ er sich das nicht kümmern und trat bald darauf die zweite an.“ 9 8 8 — 8 * — —— 368. Kr 11 sollen nach dem Muster obiger Figur so zusammengestellt werden, daß die Diagonalen einen Schlachtenort aus dem deutsch⸗französischen a 4. Kämpfer vor Troja. 5. Eine Frucht. elbst. Stadt in Baiern. Namen. 11. Einen Buchstaben. gan gel ge gie i ir bas la land lau le le li li li li mi ne neun ni no nus ch dueens ra rhein ri rog sa sen si 80 ta te thal tisch trenck tur sollen 25 Worte gebildet werden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen, ein lateinisches Sprüchwort, und deren Eudbuchstaben von unten nach oben gelesen, die deutsche Uebersetzung desselben ergeben. 3. Einen Genera bekleidung. 5. Einen Fluß im westlichen Sibirien. kleinen Antillen. Schlesien. Rußland. 13. Einen russischen Erlaß. 14. Einen Fisch. 15. Einen dänischen Dichter. 16. Eine Figur aus„Don Carlos.“ 17. Ein Werk⸗ eug. 18. Einen Planeten. 9. Eine Stadt in Belgien. 20. Eine 23. Einen englischen Komponisten. 25. Eine Oper von Wagner. — des Arithmogriphs: Columbus— Franklin. Duchstaben⸗Näthsel. Die nachfolgenden Buchstaben: iege 1870/71 ergeben. Die elf Worte bezeichnen: 1. Einen Buchstaben. 2. Geräth an Segelschiffen. 3. Küstenfluß in 6. Den Schlachtenort reußischen. e Kiel. 8. Eine 7. Eine Stadt im 10. Einen biblischen 9. Englischer Afrikarei ender. Hilben-Nättzsel. Aus folgenden Silben: aalst anap au ba bar bird bo der dos e e e ee en fel fich frak uu um un wald ze 2i. Die 25 Worte bezeichnen: 1. Eine Wide Kolonie im östlichen Australien. 2. Ein Gewicht. aus dem dreißigjährigen Kriege. 4. Eine Fußboden⸗ 6. Eine Insel der 7. Eine Dichtungsart. S. Einen bekannten Offizier nter Friedrich dem Großen. 9. Einen Baum. 10. Einen Fluß in 11. Ein Alpenthal in der Schweiz. 12. Eine Seestadt in 21. Eine Schriftgattung. 22. Eine Frucht. erson aus der Bibel. 24. Einen weiblichen Vornamen. Logogriph. Wenn Schnee und Eis der Winter bringt, Die Mutter Erde es durchdringt, Und wenn den Kopf man diesem nimmt, 5 Es Stahl und Eisen gar bezwingt. Doch streicht man noch ein Zeichen, dann Zeigt's eine Himmelsgegend an. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Unschuld— Schuld; 1. Chef. 2. Otter. 3. Laura. 4. Umbrien. 5. Mosdok. 6. Bascl. 7. Ussuri. 8. Strychnin; — des Räthsels: Die Uhrenzeiger;— des Kreuz-Räthsels: * 6 IIK TT TER HTE II „ inn I T4 n K A Db E L. h UR 117 1 141 Schach. 1 Problem Nr. 538 von J. Barsdorf in Krefeld. Schwarz. Da, 21 1 o 1 1 5 NA n ist. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflöfungen. Problem Nr. 530 von H. Rosenkranz in Berlin. 0 87 b81 Le- ds: ee 8 5. W 5 E N JD V u 1 2) e2—e4 Kds—eb:[Lea, Kc5] Sh8—g6 Tah. Lad Die einzige Variante 1). K. 4 erledigt sich durch 2) Tes. Kö, cg 3) Ti Matt.— Sehr verlockend ist 1) 824, wogegen nur Lug nebst 2 eat Let, mu gie zeltigem Schachgebor eine ausreichende Vertheldigung ist 1) L. cg ac muß mit eb ed werden, denn Las oder Kea 1.0 nicht wegen 2 cat ꝛesp. Iböl ꝛc.— Die Lösung angegeben von Dr. Knopf in G.; W. Kron in B. Th. Kraus in B. Dr. Voelkel in v. B. in Putbus und dem Schachklub in G. Problem Nr. 531 von G. J. Slater in Bolton. 1) DbS-a7 e4- ea 1 2) Data Ke5— ed zꝛc. 2) To5— ed, 16— 3) Sk7-—d6[ds] 3) Da7—f27 Drei weitere Varianten find: 1).. Le5, 2 Doeßf es- e5 8) Des Malt. II. 2) Tdöf 3) Dat Matt und 1).. 1(8 oder li 2) 86-87 3) Lh7 Matt.— Der Jugn und mehrere gute Verführungen(namentlich 1) Db, welcher Zug allein durch Ide zu n legen ist] verleihen der Aufgabe einen ziemlich hohen Grad von Schwierigteit, tönnen edoch den gänzlichen Mangel an Eleganz nicht entschädigen. Loyd findet das Problem aber auch trotz mancher hüpschen Pointe, die der Löser am besten würdigt, schwen 88 7 n n wurde angegeben von W. Kron in B; Dr. Knopf in 0 Th Ke. v. B. in Putbus. n a0 Die richtigen Lösungen zu Nr. 528 und 529 wurden noch von v. B. in Putbus Zriefwechlel. a D. W. W. in B. Die Scheinlösung 1) Kf2 in Nr. 581 wind duch die Lau nach(s oder hs widerlegt. 2 H. St. in B. Nr. 530 hat nur elne Lösung, die vom Autor beabsichtigte. wel in heutiger Nummer finden. Der slarte Zug 1) 8284 wird durch Lg. parirt, de 2 22 cf der Läufer mit Schachgebot wiedernehmen würde. Daß auf schwache Verideldig das Matt schon früter erfolgt, hat im Augemeinen teine Nee Der werthvolle B. Inhalt ist meistens nur die Ronsequenz der guten Vertheidigungszüge.. Schachklub in G. Der ann nach 54 gehört zu den Verführungen der Schwarz vertheidigt sich erfolgreich mit 15 und eventuell 6-5 5 Nuts der Schachwelt. Mr. und Mrs. T. B. Rowland 9 Victoria- Terrace, Clontarf, Dublin) beab unter dem Titel„Chess- Players“ Annual and Club Directory“ einen Kalender fü spieler für das Jahr 1889 derauszugeben. Außer Angaben über die verschiedenen e und ausländischen Schachverbände un Klubs, sowie Listen der bekann testen Spieler, der Zeitungen ꝛc. soll das Werk dessen Substrirtionspreis(dis 1. Dezember d. J.) auf sesigesett ist. auch eine Sammlung von hundert Preisproblemen aus den englischen und Problemturnieren der beiden letzten Jahre enthalten. Un die Vorstände der Schach gesel des In- und Auslandes ergeht zu diesem wecke das Gesuch um Mitideilungen u Verein an die obengenannte Adresse; speiie gewünscht wird Name. Gründungs fahr, Spieljeit. Mügliedzahl,. Jahresbeitrag, besondere Regeln, Name des Präsiden en und führers des Bereins. 25 2 Nach einer Mittheilung der füdweftdeutschen Schach zeitung findet das übliche Win im„City of London Chess Club“ in diesem Jahre in zehn Abthetlungen von Spielern statt. deren jeder mit den dreischn andern eine Partie zu spielen dat. Die E den Abthellungen sind sämmtlich Preisträger. und ein Dandicap-Turnier unter den ih entspiecenden Vorgaben enischeidet über die Reihenfolge der Preise. Za den Spie eisten Abideilung gehören die Herren Anger, Bloc. Deprell, Hole, Knight, Loman u. A. N Nicht weniger als acht Problemturniere sind kürzlich zur Enischeidung g it. Chess-NMonthlys berichtet; drei derselben. das Turnier von Venowinels Neues, At wir bereits ausführlich berichteten. dasjenige des„Sbesfeld ludependent“, in Preise von& Winter- Woord. M. Blaclidge und C. Bull gewonnen w das Turnier des„Northern Figaro of Aberdeen“, auß dem A. P. Silverg 1 Madenzie als Sieger hervorgingen für Zwei- und Dreizüger aukgese B N A waren 1 dem 2 Turnier ist die Entscheidung durch Adstimmung der Löser worden, eine Neucrung, die den Beifall der englischen Problem- Autoritäten nicht ge str. 105.— Ber etlicher Redakteur: N. Ele in Berlin Lütowstr. 105 Drud und Verlag der Volls- Zeitung“, Alt. Ges. in Berlin. Lütz