wünscht. anders: die Sehnsucht nach Liebe ist wohl geblieben, doch der — zu den d Oberhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 24. Schloß Warren. Novelle von Georg Harnisch. (Fortsetzung.) Bei den letzten Worten des Grafen hob die Greisin noch ein— 915 das Haupt und ein Strahl des Unwillens brach aus ihren ugen. „Höhne nur!“ rief sie.„Unglauben und Mißtrauen strafen sich selbst, denn sie zerstören des Lebens Glück. Hörst Du aber auf den Rath einer Frau, deren Worten bereits die Kinder ihrer Urenkel lauschen, so fliehe den Zweifel!— Nun geht und laßt mich schlafen!“ Des Grafen Züge waren ernst geworden. „Jetzt hast Du die Wahrheit gesprochen, Alte! Hier nimm als Dank!“— und er warf ein Goldstück in den Schooß des Weibes, welches schweigend in das verglimmende Feuer starrte. Die Kleine aber war aufgesprungen und hatte Nelly's Hand ergriffen. „Kommt!“ flüsterte sie,„die alte Daja spricht jetzt nicht mehr! Hört Ihr, wie das Käuzchen schreit! Das ist der Böse, der mit der Zimut zankt, weil sie Euch gewarnt hat!“ Stumm traten Udo und Nelly den Rückweg an. Als sie die Feuer des Lagers vor sich sahen und das Kind wieder im Dickicht verschwunden war, sprach der Graf zu dem jungen Mädchen: „Liebe, Glück und Reichthum! Diese Worte haben einen guten Klang in der hoffenden Seele des Menschen, das wissen die Wahrsagerinnen, und je dreister sie lügen, desto größeren Zuspruch finden sie. Der Mensch glaubt nur zu gern, was er Einst habe ich es an mir selbst erfahren; jetzt ist es Glaube an mein Glück ist längst untergegangen. Aber Miß Longsword, warum sind Sie verstummt? Ich glaube gar, Sie zittern! Fürchten Sie sich?“ „Nein, Herr Graf,“ entgegnete sie,„ich fürchte mich nicht, aber die seltsamen Eindrücke dieses Abends haben mich verwirrt. Mir ist, als wäre ich lange Zeit in einem fernen Zauberlande voll verlockender Bilder gewesen, die meine Sinne noch ge— fangen halten, so daß ich den Rückweg zur Wirklichkeit nicht finden kann.— Mein Gott, da fällt mir ein, Helene sucht mich vielleicht; es ist schon spät und sie wird zurückfahren wollen. O bitte, Herr Graf, lassen Sie uns eilen!“ „Meine Schwester weiß Sie unter meinem Schutz,“ sprach der Graf,„gönnen Sie uns daher die kostbaren Augenblicke und zerstören Sie nicht zu schnell jenes Traumbild des Glücks, welches die alte Zauberin auch vor meiner Seele enthüllt hat. Ich bin dieser klugen Menschenkennerin dankbar, denn sie hat mir den Weg gewiesen, der vielleicht doch noch zu Glück und Frieden führt.“ Gießen, den 10. Juni. „Sehen Sie, Miß Nelly, ich war einst ein Mensch, der die Lüge nicht kannte, der stets sein ganzes Herz dem Freunde bot, für den es schlug, der nicht wußte, daß es Andere giebt, welche den Schein für Wahrheit verkaufen, welche rechnen, wo sie Freundschaft heucheln und betrügen, wenn sie schwören! „In dieser glücklichen Zuversicht habe ich ein Weib geliebt; ich gab ihr das Beste, was ich hatte— mein Herz— und sie belog mich! Seitdem wucherten Mißtrauen und Zweifel in meiner Seele. Wie ein Chemiker die Naturstoffe, so begann ich die Handlungen der Menschen zu prüfen und nach ihren Beweggründen zu durchforschen. Wenn es mir dann gelang, Eigennutz und Heuchelei selbst unter den Motiven der besten Thaten nachzuweisen, so hatte ich die Genugthuung, die Menschen nicht allein hassen, sondern auch verachten zu können. „Diese Selbstquälerei hat mir mein Dasein vergiftet und mir jede, auch die harmloseste Freude verkümmert. Ich fühlte mich tief unglücklich, und wer weiß, ob ich nicht die Bürde des Lebens von mir werfen würde, wäre nicht inzwischen ein Ereigniß ein— getreten, welches noch einmal in mir die Hoffnung erweckt hat. „Ich lernte ein Mädche kennen, Miß Nelly, welches mit allen Vorzügen ihres Geschlechts und ihrer Jugend jene Un⸗ schuld des Herzens zu verbinden scheint, welche von Berechnung und Verstellung nichts weiß. Könnte ich die Liebe dieses Mäd— chens gewinnen, ich würde gesunden, ich würde wieder lernen, zu vertrauen, und würde endlich das Glück finden, welches ich bereits für immer verloren wähnte.“ Das junge Mädchen hatte befangen die Augen gesenkt. Ihr Herz schlug heftig. Eine unerklärliche Unruhe hatte sich ihrer bemächtigt. Warum vertraute der Graf gerade ihr die Geschichte seiner Liebe und warum weckte diese Erzählung in ihrer Seele den Schmerz der Entsagung? Sie hatte nicht Zeit, diese Räthsel zu lösen, denn Graf Udo trat nahe an sie heran und sprach mit weicher, gedämpfter Stimme: „Miß Nelly, warum blicken Sie zu Boden? Das Auge ist der Spiegel der Seele und spricht oft deutlicher, als es Worte vermögen. Lassen Sie mich in diese ruhigen, klaren Sterne schauen und antworten Sie mir, bitte, auf meine Frage! Wenn ein Mann um Sie würbe, weil er Sie liebte, könnten Sie ihm die Hand reichen um äußerer Interessen willen, obgleich Ihr Herz ruhig schlüge, obwohl Sie ihn nicht liebten?“ „Nein! erwiderte Nelly einfach,„nein, denn ich kann nicht lügen!“ „Vergebung! wenn meine Frage Sie verletzt hat. Aber be⸗ denken Sie, Nelly, ich stehe vor der Entscheidung meines Lebens, ich sehe das Paradies vor mir und wage den Fuß nicht über 4 — r A r C 9 . ˙· 186 5 0 3 seine Grenze zu setzen, denn es versinkt für immer, wenn ich nochmals eine Täuschung erfahre.“ „Warum sollte ich Ihnen zürnen, Herr Graf?“ entgegnete sie tief erröthend.„Sie stellten diese Frage, um aus meiner Antwort einen Schluß auf die Gesinnung des Mädchens Ihres Herzens zu ziehen. Nun denn, ich habe einen zu hohen Begriff von der Heiligkeit der Liebe und der Ehe, um mich jemals durch äußere Interessen, wie Sie sagen, zu meinem Jawort be⸗ stimmen zu lassen. Wahre Liebe aber kennt weder Eigennutz, noch Falschheit, denn sie sucht das eigene Glück in dem Wohl des Geliebten, dem sie, wenn nöthig, sich selbst zum Opfer bringt. Solche Liebe, Herr Graf, läßt sich nicht heucheln, sie erweckt und verdient Vertrauen. Darum bitte ich Sie, ver— bannen Sie die finsteren Zweifel aus Ihrer Seele, welche Sie selbst und Ihre Liebe entwürdigen.“ Sie hatte mit warmer Ueberzeugung gesprochen. Der Graf blickte ihr freudig und zärtlich ins Auge, so daß sie verlegen das Haupt senkte; er ergriff ihre Hand und drückte einen Kuß auf die schmalen Finger. „Haben Sie Dank, Fräulein Nelly,“ sprach er,„Sie haben den Dämon des Mißtrauens überwunden; die dunklen Schatten schwinden und es wird Licht vor meinen Augen. Von nun an will ich glauben und hoffen! Ihnen aber möchte ich jetzt noch Vieles sagen und es drängt mich, auf eine andere, wichtigere Frage Ihre Antwort zu hören,— leider werden wir unter⸗ brochen, denn dort kommen Heinz und Helene mit den Kindern. Nur eine Bitte noch: bewahren Sie mir Ihr Interesse, denn Sie selbst sollen über das Loos meiner Zukunft entscheiden!“ Ein Blick des Abschieds, der sich tief in Nelly's Seele zu senken schien,— dann traten die Anderen mit Lachen und Scherzen hinzu und mahnten zum Aufbruch.——— Lange saß am späten Abend dieses Tages ein junges Mädchen an dem offenen Fenster des Thurmzimmerchen in Schloß Warren und lauschte dem Rauschen des Windes in den Kronen der alten Ulmen. Es mußte wohl eine freudige Botschaft sein, welche sie aus dem heimlichen Wispern der Blätter vernahm, daß ihre Wangen so hold erglühten und ein glückseliges Lächeln ihre lieblichen Züge verklärte. Endlich falteten sich ihre Hände und ihre Lippen flüsterten leise: „Könnte es denn wahr sein, was seine Abschiedsworte mich ahnen lassen? O, möchte Udo mich lieben, wie wollte ich den Kummer von seiner Seele scheuchen, wie würde ich ihn anbeten, den edlen, großherzigen Mann!“ Da fiel eine glänzende Sternschnuppe und zog in leuchtendem Bogen über das dunkle Firmament. Der Volksmund sagt, was der Mensch in jenem Augenblick wünscht, das gehe in Erfüllung. X. Lange nach Mitternacht war Irma von Maien mit ihrem Vater von einem glänzenden Fest zurückgekehrt, welches Herr und Frau von Wallheim veranstaltet hatten. Irma hatte in Vergnügen und Entzücken geschwelgt, denn ihre erst vor wenigen Tagen aus der Residenz verschriebene Toilette: das kostbare mit künstlichen Blumen übersäete Spitzen— kleid, die langen bis weit über die Ellbogen hinaufreichenden dänischen Handschuhe, der Federfächer, die Schmucksachen,— mit einem Wort jedes Stück ihres nach der neuesten Mode mit Geschmack und Raffinement zusammengestellten Anzuges hatte bei den Damen Erstaunen und Neid, bei den Herren aber, den alten wie den jungen, die gleiche ungetheilte Bewunderung erweckt. Sie war unzweifelhaft die Königin des Festes gewesen und wie einer wirklichen Fürstin hatte sie sich buldigen lassen. Wallheims hatten alle Bekannte aus Stadt und Land zusammen⸗ geboten. Wenigstens hundert Menschen waren versammelt, darunter eine große Zahl glänzender Kavallerie-Offiziere, welche aus Berlin und Potsdam gekommen waren. schaft setzt würdige Vorbereitungen voraus, aber die liebens⸗ würdigen Wirthe hatten jede Erwartung bei Weitem übertroffen; alle Veranstaltungen waren neu und großartig, das Essen vor⸗ züglich, der Sekt floß in Strömen. Was Wunder, wenn die Stimmung allgemein eine sehr angeregte und heitere wurde, und was konnte natürlicher sein, als daß die glückliche Irma sich ganz Eine solche Gesell⸗ dem Genuß und der Freude hingab, und ihre Rede immer wit sprühender, ihr Tanz immer wilder und fesselloser wurde.— Die Kammerzofe hatte heute vielleicht schon zum zehnten 6 Mal das gnädige Fräulein bescheiden an ihren Befehl erinnert, sie so früh als möglich zu wecken. Jetzt war es elf Uhr, W 0 Irma stützte die schmerzende Stirn mit der Hand und versuchte sich die gestrigen Erlebnisse in's Gedächtniß zurückzurufen. Um⸗ sonst!— Die Gedanken wollten und wollten sich nicht klären, und nur die Tanzweisen, welche noch heute in ihren Ohren nach- klangen, erinnerten sie daran, wie sie gestern aus dem Arm d Einen in den des Andern geflogen.— Irma setzte widerwillig die zierliche Schale, welche sie soeben zum Munde geführt hatte, auf das marmorne Nachttischchen und schob sie weit von sich, schon der Duft der Chokolade war ihr heut zu süßlich. Sie legte den Kopf wieder in die Kissen und schloß langsam die Augen. Da— sie fuhr in die Höhe und saß kerzengerade im Bette— ein kurzer Gedanke, eine einzige Erinnerung hatte wie ein elektrischer Funke ihr Hirn durchkreuzt. Verscheucht war die träge Erschlaffung, der Geist war erwacht und das Gedächtn kehrte wieder. Der Kopf schmerzte, aber der Wille siegte üb die Schwäche des Körpers. Ja, auf der Heimfahrt war es gewesen, als der Vater Verhalten in harten Worten getadelt, ihr unumwunden erklö hatte, daß nur die strengste Sparsamkeit, sowie die unverzügli Einschränkung des Haushaltes, des geselligen Verkehrs und d persönlichen Ausgaben— oder ein reicher Schwiegersohn i vor sicherem und baldigem Ruin bewahren könne. Er ha bisher ihrer Klugheit vertraut und geglaubt, daß sie ihre Gab zu ihrem und seinem Vortheil ausnutzen werde, da ihr ja i allgemeinen seine Vermögensverhältnisse bekannt gewesen sei Er habe ihr aus diesem Grunde auch jeden Aufwand und a Vergnügungen, welche den Zweck, sie reich zu verheirathen, unt stützen konnten, bereitwilligst gewährt und die übermäßig hoh Summen ihrer Rechnungen für Kleider und sonstige Liebhaberei ohne Anstand bezahlt.— Jetzt müsse er nun leider zu spät ei sehen, daß er sich in ihr gründlich getäuscht habe. Ihre Ver schwendungssucht wachse von Tag zu Tag, aber die Pflicht, durch eine reiche Heirath für Aufbesserung des zusammengeschmolze a Vermögens zu sorgen, habe sie völlig aus den Augen verloren. Das glücklichste Loos— das der Majoratsherrin auf Warren, habe sie sich durch ihre Launenhaftigkeit verscherzt. Mehrere reiche Freier habe sie sich in den folgenden Jahren entgehen lassen. Den Einen verscheuchte sie durch anmaßenden Stolz und ihre Zunge, den Andern durch Gefallsucht und zu freies Benehmen; N heute aber habe sie sich so unpassend betragen, daß er sich nich wundern könne, wenn in Zukunft die Töchter der besseren Familien sich überhaupt von ihr zurückziehen, und die Söhne sie lediglich als interessantes Spielzeug für die Ballabende trachten würden. Das Liebeln mit den jungen und größte i nicht übermäßig bemittelten Offizieren habe keinen Zweck verdürbe ihren Ruf, auf den Lieutenant von Wallheim aber solle sie nicht rechnen, denn die ganze Familie lebe bei Weitem über ihre Verhältnisse, so daß eine verwandtschaftliche Verbindung mit derselben seinen eigenen Sturz nur beschleunigen könne. N Irmas Versuche, sich zu rechtfertigen, hatte der Freiherr kurz aber bestimmt mit der Mittheilung abgeschnitten, daß er nicht Lust habe, sich von seiner Tochter zu Grunde richten zu lassen und daß schon in der nächsten Woche sämmtliche Luxuspferde und Irmas Equipage verkauft werden würden. Ueber weitere Einschränkungen werde er ihr später seinen Willen mittheilen. In ohnmächtigem Zorn hatte Irma geschwiegen, aber 3 der verspätete Schlaf hatte die Thränen versiegen lassen, welche 1 ihr das Gefühl der Demüthigung unaufhörlich in die Augen trieb. 8 Jetzt, bei dem Schein der Sonne, deren helle Strahlen selbst die dichtgeschlosenen Vorhänge der Fenster nicht vollständig zu dämpfen vermochten, überdachte sie vorurtheilsloser ihre Lage, und wenn sich auch ihre Hände zornig vor Erregung zu Fäusten ballten, daß die spitzen Nägel tiefe Eindrücke in der zarten Haut hinterließen, so mußte sie sich doch gestehen, daß die harten Vor⸗ würfe des Vaters nicht ungerecht seien. War es ja doch auch bei ihr selbst stets beschlossene Sache gewesen, nur eine 5 gewöhnlich reiche Verbindung einzugehen. Nach der Auflösung ihrer Verlobung mit Udo von Warren, welche sie längst a 1 r r a hatte, war ihr indessen keiner der späteren Freier reich genug gewesen, und darum hatte sie sich um keinen derselben ernstlich bemüht. Nochmals ließ sie jetzt die Schaar ihrer früheren und gegenwärtigen Anbeter in Gedanken vorüberziehen. Wohl gab es unter ihnen alte und junge, häßliche und hübsche, wohl— habende und reiche Herren, von denen der Eine oder der Andere ihren Beifall gefunden haben würde, doch keiner von ihnen war so reich, wie Udo von Warren, welcher ihr leider für immer verloren war. Hätte sie sich an der Seite eines weniger wohl— habenden Mannes wohl glücklich fühlen können, wenn sie sich sagen mußte, daß es einst in ihrem Belieben gestanden hatte, noch einige Millionen mehr zu besitzen? Irmas Gedanken schweiften hinüber nach Warren, diesmal aber zu Heinz, dem leichtsinnigen Lieutenant, dessen Eroberung sie schon mehrmals in Erwägung gezogen. War er auch nicht Majoratsherr auf Warren, so war sein Vermögen doch groß genug, und— wer konnte in die Zukunft schauen? Eine andere Frage erschien ihr vorläufig wichtiger: „ Bin ich seiner denn schon sicher?“ überlegte sie.„Liebt er mich wohl?— ich glaube kaum! Doch das ist ja auch gleich— gültig! Ist er nicht ein Mensch des Augenblicks, eine sanguinische, leicht entzündliche Natur und— was die Hauptsache— trotz alledem ein sogenannter nobler Charakter, der hält was er ver— spricht? Irma, Irma! Du bist ungeschickt!— Nein, nein, wenn ich nur ernstlich will und eine Stunde mit ihm allein bin, so liegt er besiegt zu meinen Füßen.“ Hätte Heinz sie in diesem Augenblick gesehen, wie ihre Augen in Siegeshoffnung blitzten, und die bleichen Wangen vor Er— regung sich rötheten, vielleicht wäre Irmas Wunsch in Erfüllung gegangen. „Wenn nur Helene nicht immer als Tugendhüterin uns be— wachte,“ fuhr sie in Gedanken fort,„ich glaube, sie hat schon Verdacht geschöpft! Ja, und zögern darf ich nicht mehr, denn Heinz' Urlaub ist bald zu Ende, oder sollte ich gar warten, bis unser Ruin durch den Verkauf der Pferde offenkundig geworden? Nein, und abermals nein!“ rief sie laut,„nein, ich muß handeln, und zwar sofort, bevor es zu spät ist! Doch wie? Halt, ich hab's, ich werde ihm schreiben!“ Gesagt, gethan; schnell sprang sie aus dem Bett und bald saß sie im weichen Morgenkleid an dem zierlichen Schreibtisch, und ihre Feder flog hastig über das duftende Papier. Als sie indessen den Brief fast beendigt hatte, hielt sie plötzlich inne. Ein neuer Gedanke durchkreuzte ihr erfinderisches Köpfchen. „Wenn Helene den Brief sähe, bevor Heinz ihn erhalten? Sie kennt meine Handschrift! Und wenn nun gar das Unglaubliche einträfe, Heinz die Absicht merkte und zu dem Rendezvous nicht erschiene, dann wäre alles verloren. Kommt er,“ schloß sie,„so bin ich meines Erfolges sicher, aber vorher darf auch er nicht mit Gewißheit die Schreiberin kennen, denn bis wir uns ge— sprochen, muß ich mir den Rücken decken.“ Sie überlegte einen Augenblick. „Ha, ha!“ lachte sie,„das ist mir in der Pension ja stets gelungen; ich werde meine Handschrift verstellen und die der langweiligen Amerikanerin nachahmen. Das wird vielleicht ein ganz spaßhaftes Neckspiel. Wieder kritzelte die Feder auf dem Papier, und graue, weiße und rothe Blätter mit verworfenen Schriftproben bedeckten bald den Teppich zu ihren Füßen. Endlich sprang sie auf: „So!“ rief sie,„ob die Krähenfüße der Miß genau kopirt sind, weiß ich nicht, mit meiner Handschrift aber haben diese steifen Buchstaben nicht die entfernteste Aehnlichkeit. Nun noch die Adresse und dann zur Post! Mit dem Stempel„Heinrichs— walde“ kann der Brief äußerlich keinen Verdacht erwecken, und schließlich würde auch ein Brief der Miß denselben Weg ge— nommen haben.— Es ist wahr, ich werfe mich dem braven Heinz an den Hals, wie man sich auszudrücken beliebt, aber der Zyueck heiligt die Mittel und— die Welt urtheilt nach dem Erfolg.“— Graf Udo von Warren ging mit ungeduldigen Schritten in seinem Arbeitszimmer auf und nieder. Er wollte ausreiten, aber er war gewöhnt, vorher seine Briefe zu lesen, und der Bote mit den Postsachen ließ heut auf sich warten. Schon wollte er das fruchtlose Harren aufgeben, als der —— Diener ihm die verschlossene Posttasche überbrachte. Hastig griff er zum Schlüssel, legte die Zeitungen bei Seite und begann die zahlreichen Briefe zu öffnen und ihren Inhalt zu durchfliegen. Wieder durchschnitt das Messer den Umschlag eines Schreibens. „Nun, was ist denn das?“ sprach der Graf und blickte er— staunt auf den rosenfarbenen Bogen in der Hand.„Vielleicht ein Bettelbrief, ich werde ja sehen“, und ex las: „Graf! Ich langweile mich schrecklich in unserer ennuyanten Umgebung. Ihrer Familie mißtrauische, neidische Blicke, welche unseren Verkehr überwachen, verlieren allmählich ihren komischen Reiz; das Herz sehnt sich nach ungestörter Aussprache. Ich unternehme daher heute Abend eine Mondscheinprome— nade zu der Waldruine und will mich dort von Ihnen über— raschen lassen. Dann werden wir gemeinsam den alten Gesellen, den Mond anschwärmen, und Sie sollen mir helfen, Pläne für ein vergnügtes Wiedersehen im Winter zu schmieden! Au revoir!— Abends neun Uhr!“ Mit gespannter Miene hatte der Graf den Inhalt des Schreibens verfolgt. „Das kann doch nicht für mich bestimmt sein!“ rief er zweifelnd und bückte sich nach dem Umschlage des Briefes, welchen der nimmersatte Papierkorb bereits verschlungen hatte. „Sr. Erlaucht dem Grafen—“ las er,„na ja, dacht' ich's doch, da steht ja auch„Heinz von Warren“— unangenehmer Zufall das— wirklich recht unangenehm!— Aber das kommt von der Eile!“ Er erhob sich unmuthig und machte einen Gang durch das Zimmer. Am Schreibtisch blieb er stehen und ergriff nochmals den verhängnißvollen Brief. 6 „Von wem mag er nur sein?— Ort und Namen hat die Schreiberin weislich verschwiegen;— Poststempel„Heinrichs— walde“— hm, das will nichts besagen, da könnte er ja selbst aus meinem eigenen Hause stammen—“ Erschrocken hielt er in seiner Ueberlegung inne;— wohin führten ihn seine Gedanken? Ging denn nicht wirklich aus dem Inhalt des Briefes klar und deutlich hervor, daß die Schreiberin in seiner Familie verkehrte?“ „Ich werde Heinz zu mir bitten lassen, werde ihm mein Versehen mittheilen und Aufklärung verlangen!“ entschied er, doch er führte seinen Vorsatz nicht aus. „Wer kann es nur sein?“ überlegte er wieder und wieder. „Leider bin ich zu wenig über den Verkehr meiner Geschwister orientirt, aber eine junge Dame habe ich lange nicht in meinem Hause gesehen.“ Plötzlich stockte sein Fuß.„Nelly,“ zuckte es durch sein Hirn und fahle Blässe überzog seine Wangen. Sein banger Blick suchte das unglückliche Papier,— ja das war ihre Handschrift, welche er kürzlich auf einem Briefe ge— sehen, dessen Beförderung er übernommen hatte. Vernichtet sank er in einen Sessel. „Betrogen!— Verrathen!“ schrie es in seinem blutenden Herzen,„abermals getäuscht von einem Weibe, dem ich vertraut, — von Nelly, an die ich so fest geglaubt habe.“ Aber war es denn möglich, daß diese unschuldigen, treu— herzigen Augen heucheln konnten; war es denkbar, daß die jungfräulichen Lippen, welche so überzeugend und begeistert für Wahrheit und Tugend eingetreten waren, gelogen hatten? Ver— ächtlich lachte er auf. Der kurze, harte Ton klang unheimlich durch das einsame, düstere Gemach, und so fremd war dem Grafen in den letzten Wochen seine frühere feindselige Stimmung ge— worden, daß er sich erschrocken umblickte, als hätte ein Anderer ihn höhnend verlacht. Als er sich aber allein sah, allein mit dem Brief, dem stummen Zeugen des Verraths, da preßte er die Hand auf das schmerzende Herz und versank starrenden Auges in den Wirbel jener quälenden Gedanken und tückischen Zweifel, welche schon so oft ihr schwankendes Opfer bis, in den Abgrund der Verzweiflung und des Wahnsiuns geführt haben. Auch sie war nicht besser als die anderen Weiber; sie war ebenso herzlos, ebenso eigensüchtig und ebenso falsch, ja noch weit falscher und verlogener wie alle Anderen. Mußte sie nicht eine abgefeimte Betrügerin sein, daß sie selbst ihn, den miß— ff. 0 00ͥ¹¹—ꝛmꝛA˙¾sü ̃ñ 2 188 trauischen Mann, mit ihrer unschuldigen, sanften Miene zu bethören vermochte, daß es ihrem frevelhaften Komödienspiel gelingen konnte, sein ganzes Denken und Empfinden umzu⸗ wandeln und sein Vertrauen und seine Liebe für sich zu ge— winnen? „O, Du Thor,“ knirschte er,„der Du Dir einbildetest, um Deiner selbst willen von diesem Weibe geliebt zu werden, der Du die Menschen zu kennen Dich vermaßest und Dich von dieser Heuchlerin so gründlich täuschen ließest.— Doch Dir geschieht Recht!— Du wußtest es längst aus eigener Erfahrung, daß das Weib die Hohepriesterin der Lüge ist, und dennoch schlepptest Du Dich selbst als Siegesopfer zu dem Altar dieses falschen Gottes. Des Lebens Glück hat der Moloch verschlungen; wohlan, Du Narr, so wirf ihm auch den eklen Rest, des Lebens Bürde, in den unersättlichen Rachen!“— Er war aufgesprungen und durchmaß mehrmals mit hastigen, großen Schritten das Zimmer. Vor dem Pistolenkasten blieb er stehen. In seiner Erinnerung erschienen die sonnigen Tage seiner glücklichen Jugend und im Fluge zogen die wechselnden Ereig— nisse der Vergangenheit an seinem Geiste vorüber. Fast mecha— nisch schlug er den Deckel des Kastens zurück und heftete das Auge auf die geladenen Waffen.— Werden sie ihm die ersehnte Ruhe bringen?— Wird das tödtliche Blei im Stande sein, den Schleier ewiger Vergessenheit auch über die Leiden und Ent— täuschungen seines Lebens zu breiten?— Ist es sicher, daß kein Erwachen den Schlaf des Todten unterbrechen wird? Graf Udo hatte die Pistole von ihrem Lager genommen und die alte Patrone durch eine frische ersetzt. Er hob die Mün— dung, aber er setzte sie nicht an die Stirn, sondern blickte sinnend in die dunkle Oeffnung des Laufes. In seinem Herzen war es ruhiger geworden und sein kritischer Verstand begann die Gründe seines Vorhabens zu prüfen. „Warum diese Hast?“ sprach der Graf tadelnd zu sich selbst. „Heißt diese Ueberstürzung nicht feige Flucht, die eines Philo— sophen unwürdig ist?— Wenn ich einst den Faden des Lebens mit eigener Hand durchschneide, so soll es mit Bewußtsein ge— schehen und in objektiver Erkenntniß des Unwerths dieses irdischen Daseins. Warten wir also, bis wir noch mehr Erfahrungen gemacht, bis wir gelernt haben, uns durch Nichts mehr täuschen zu lassen.“ Er legte die Waffe in das Sammetpolster des Kastens zurück, verschloß den Deckel und barg den Schlüssel in seiner Tasche. Lange noch setzte er dann die Wanderung durch das Zimmer fort; Stunden vergingen unter Qualen getäuschter Hoffnung und im Schmerz der Entsagung. Endlich blieb er am Fenster stehen und drückte die fieberheiße Stirn an die kühlende Glasscheibe. „Ich muß es ihr sagen, wie sehr ich sie liebte und wie ich sie jetzt verachte! Ich will sehen, ob sie ihre Augen auch dann noch aufzuheben wagt, wenn ich statt Heinz heute Abend in der Waldruine ihr entgegentrete. Diese Begegnung wird mein Herz brechen,“ stöhnte er,„doch es darf nicht anders sein, denn die Wahrheit verlangt es.“ Schluß folgt.) Das Schlachtsest des Bräsidenten. Humoreske von H. K. Die Provinzialstadt X. ist der Sitz der obersten Verwaltungs— behörde. Unter den Jüngeren der in die düsteren Mauern des königl. Regierungsgebäudes gebannten Kanzleimenschen fällt in erster Linie der Kalkulator Schulze durch seine übermäßige Länge auf. geschah dies in noch viel größerem Maße durch seinen nie ver— siegenden Humor. Zur Zielscheibe seines Witzes diente bisweilen der Kalkulator Rumpe, dessen Filzigkeit nahezu sprichwörtlich geworden war. Als dieser eines Morgens ahnungslos die Stätte betreten, an der er dem Staate seine Kräfte opferte, fand er sämmtliche Kollegen bereits in voller Thätigkeit, weil er stets etwas nach Beginn der Kanzleizeit zu kommen pflegte. Nicht ohne einen scharfen Seitenblick auf Schulze zu werfen, betrat Rumpe seinen Arbeitsplatz, denn er glaubte stets Schulzen's Mienenspiel als Barometer der gerade herrschenden Stimmung betrachten zu können. Kollege Schulze's Züge zeigten aber heute Ueberragte er schon dadurch bedeutend seine Kollegen, so eine geradezu klassische Reinheit und Heiterkeit, so daß nicht das Geringste zu befürchten stand. Nicht wenig erstaunt war aber Rumpe, als sich auf seinem Schreibtisch ein Teller mit frischer Rothwurst zeigte. Er unterließ natürlich nicht, sich sofort an seinen Nachbar in ängstlichem Flüsterton zu wenden, ihn um Aufklärung über diesen Fund bittend. vor sich, auf dessen glatter Fläche sich einige Wurstreste befanden, und bemerkte kurz, daß sein Schreibtisch in ähnlicher appetitlicher Weise geschmückt worden sei. Nun hielt es Rumpe für geboten, sich bei seinen anderen Kollegen zu erkundigen, fand aber die⸗ selbe Antwort und ebenfalls Teller mit Wurstresten. Aber jeder der guten Kollegen behauptete gleichzeitig, heute nicht der erste in der Kanzlei gewesen zu sein. Die Reihe kam an Kalkulator Schulze, der auch ohne Weiteres zugestand, zuerst und gerade in dem Augenblicke gekommen zu sein, als der Kanzleidiener jene Wurstrationen vertheilt habe. Viel gefragt konnte der wegen seiner Grobheit berühmt gewordene Aufwärter nicht werden und so habe Schulze nur erfahren, daß der Herr Präsident gestern zu Hause geschlachtet und geruht habe, seinen Beamten eine kleine Probe von der frischen Wurst huldvollst zukommen zu lassen. Obgleich Schulze diese Mittheilung in geradezu würde⸗ voller Weise dem Rumpe machte, konnte sich Letzterer doch einiger gerechtfertigter Zweifel nicht erwehren, die er denn auch laut werden ließ. Die ciceronische Beredtsamkeit des langen Schulze eroberte aber bald einen festen Punkt nach dem anderen, so daß sich Rumpe endlich fügte und die letzte Spur von Zweifel mit dem Troste zu verwischen suchte, einmal gut und vor Allem billig gefrühstückt zu haben. Bald darauf hörte man nur noch von einigen Kollegen Rumpen's die Güte und den bekannten Edelmuth des Regierungspräsidenten rühmen, und dann wandten sich Alle langsam, aber sicher, ihrer Arbeit wieder zu. a Nachdem die Sonne ihren Höhepunkt erreicht hatte und der gewöhnliche Mensch schon an sein Mittagsmahl zu denken pflegte, kam für den Chef dieses Staatsressorts die Audienzstunde heran, in welcher er seine Räthe zum Vortrag empfing. Da der Regierungspräsident vor der Audienzstunde gern die eingegangenen wichtigeren Schriftstücke durchsah, so nahmen die Herren Räthe selbstverständlich hierauf Rücksicht und betraten etwas später, also zur Mittagszeit der gewöhnlichen Sterblichen, das düstere Staats- gebäude. Bis dahin hatte man sich zu Hause gehörig präparirt, sowohl in geistiger als in körperlicher Beziehung. 1 Rumpe hatte das Wurstereigniß nahezu vergessen, und es konnte ihm auch nicht auffallen, daß jeder seiner Kollegen auf eine kurze Zeit einmal verschwand, war doch um diese Stunde dem hohen Chef Manches mündlich zu unterbreiten. Der lange Kalkulator trat eben nach kurzem Wegbleiben wieder ein und sprach viel von der Liebenswürdigkeit, mit welcher der Chef seine Dankesbezeugungen entgegenzunehmen geruht habe. Diese Bemerkungen und die sich daran knüpfenden Gespräche der Kollegen verfehlten natürlich nicht, Rumpe zu der Frage zu bewegen, wofür man sich eigentlich beim Präsidenten bedanke. Sämmtliche Kollegen schwiegen und nur ihre finsteren Blicke, die Rumpe auf sich gerichtet fühlte, ließen ihn ahnen, wie schwer seine Frage verletzt hatte. Aber nichts waren sie, diese Blicke, gegen die jetzt folgenden Worte des langen Schulze. „Sie Undankbarer! Die Wurst haben Sie gegessen, aber bedanken wollen Sie sich nicht; möchten Sie etwa durch diese Unhöflichkeit Ihre Pensionirung herbeiführen? Wir zwingen Sie nicht, zum Chef zu gehen; machen Sie das ganz wie Sie denken. Die Folgen haben Sie doch selbst zu tragen.“ So sprach Schulze. Rumpen schauderte. Der Hieb saß furchtbar. Denn so lange wie möglich den vollen Dienstgenuß zu beziehen, die Arbeit aber mehr und mehr auf Andere abzuschieben, war längst bei ihm zum Prinzip erhoben. Trotzdem zögerte er noch, wagte aber eine Widerrede nicht laut werden zu lassen. Als er aber sah, daß seine Kollegen sich wieder der Arbeit widmeten, wie wenn nichts geschehen, überkam ihn doch ein eigenthümliches Gefühl von Reue, zumal die Zeit immer kürzer wurde, in der er dem Chef seine Aufwartung machen durfte. Er erhob sich deshalb plötzlich und ging, um die letzte kostbare Galgenfrist nicht ver⸗ streichen zu lassen, zum Waschbecken. Kaum hatte Rumpe seine Reinigung beendet, als Schulze mit zwei langen S Dieser deutete achsel“. zuckend und mit geheimnißvoller Miene auf einen leeren Teller , ß 5 190 giraffenartig auf ihn zueilte und ihm stumm, aber mit viel⸗ sagendem Blick, die Hand bot. Rumpe ergriff sie und drückte sie herzlich, zumal er in Schulze's Augen eine Thräne zu er⸗ blicken meinte. Der lange Schulze war doch ein guter Kerl, er wollte seinen Kollegen nicht gern verlieren. Rumpe war besiegt. Er eilte zur ersten Etage hinab, in der sich die Arbeits⸗ räume der Räthe und des Präsidenten befanden. Hier kam ihm der persönliche Aufwärter des Chefs schon entgegen, und noch ehe Rumpe zum Nachdenken gelangen konnte, war er gemeldet und wurde ersucht einzutreten. 5 Der Präsident von Zedern, eine hohe, durch und durch aristo⸗ kratische Erscheinung, zählte zu jener Klasse der species homo sapiens, die den nicht mit Adelspradikat Gebornen mit Vorliebe zum großen Reiche der Thiere rechnet; im Uebrigen aber war er mit der gewinnenden Freundlichkeit eines Diplomaten der alten Schule ausgestattet und wußte in bewundernswerther Weise einen Jeden, seinem Range und seiner sonstigen sozialen Stellung entsprechend, zu behandeln. Er war eine ausgezeichnete Arbeits- kraft und nur seine Antipathie gegen Neuerungen trug die Schuld, daß sein Stuhl nicht im Ministerium stand. Der Präsident war gerade mit der Durchsicht eines Aktenstücks beschäftigt, als Rumpe mit tiefer Verbeugung bei ihm eintrat. Herr von Zedern schob sich in Achtelwendung steif nach der Seite hin, von welcher unser Rumpe auftauchte, grüßte kurz und fragte nach seinem Begehr. Rumpe, der seit seiner Geburt sehr schüchtern war, begann mit der Konjugation der Verba: wollen, können, mögen, wobei er aber jedesmal nur bis zur ersten Person der Einzahl kam. Der Präsident wurde unruhig. Endlich schien Rumpe Boden zu ge— winnen, und mit nahezu gebrochener Stimme begann er: „Herr Präsident— ich wollte— nur— unterthänigst— meinen Dank— abzustatten— wagen.“ „Für was, Kalkulator Rumpe?“ Jetzt war es an Rumpe, unruhig zu werden. „Der Herr Präsident hatten doch geruht zu schlachten,“ hauchte Rumpe halb ohnmächtig. Präsident von Zedern fuhr, wie von einer Schlange gebissen, auf seinem Stuhle herum, sah den die Form eines Fragezeichens annehmenden Kalkulator von oben bis unten an und begann: „Sind Sie——— unwohl?“ Gleichzeitig zog er an der Glockenschnur und ließ durch den eintretenden Diener den Kanzleirath Wagner zu sich bitten. Rumpe, den der Präsident keines Wortes und Blickes mehr würdigte, hatte sein Taschentuch leise hervorgezogen und begann sich den Angstschweiß abzutrocknen, als Kanzleirath Wagner eintrat. „Herr Kanzleirath,“ wandte sich der Präsident zu ihm,„sorgen Sie dafür, daß die Beamten Arbeit genug bekommen, um keine Zeit für dumme Späße zu finden. Vor Allem aber soll meine Person dabei aus dem Spiel bleiben, sonst werde ich mir in anderer Weise Abhilfe zu schaffen wissen.— Gut!“ Das letzte, in der Regel sehr kurz gesprochene Wort war das Zeichen, daß keine Erwiderung gewünscht und der Augenblick des Verschwindens gekommen sei. Der Präsident war allein. Ein Lächeln flog über seine sonst strengen Züge. Der Witz war nicht übel und sollte bei dem morgen beim russischen Konsul stattfindenden Diner geeignete Ver— wendung finden. Er zog die Glocke. „Schurig,“ sagte er zu dem eintretenden alten Aufwärter und Vertrauten,„suchen Sie zu erfahren, in welcher Weise man den Kalkulator Rumpe veranlaßt hat, sich bei mir für ein Früh— stück zu bedanken, und namentlich, was die Sache für einen Abschluß in der Kanzlei fand. Morgen berichten Sie mir.“ Schurig verbeugte sich lächelnd und ging hinaus. So rasch Rumpe vorher die Treppe hinabgeeilt war, um Audienz zu erlangen, so langsam schlich er jetzt seiner Arbeits— stätte wieder zu. Er sah sich schon im Geiste beim Prästdenten, den Räthen und seinen Kollegen verabschieden, um in einem idyllischen Dörfchen der Nachbarschaft seines jetzigen Wirkungs— „knappen“ Penston zu genießen. Der Abschied und das idyllische Dörfchen mochten noch angehen, aber mit der„knappen“ Pen⸗ sion, die sich nach seiner Dienstzeit nicht höher berechnen konnte, war Rumpe gar nicht einverstanden. Dann kam ihm auch ein Gefühl nach Rache, die er an Schulze nehmen zu müssen glaubte. kreises die letzten Lebensabende als Kalkulator a. D. bei einer Mit so gemischten Gefühlen trat er bei seinen Kollegen wieder ein, die beim Anblick der jammervoll verzerrten Züge Rumpe's theils rasch zum Fenster hinaussahen, theils in den untersten Fächern ihrer Schreibpulte emsig zu suchen hatten, wobei Rumpen 1 ein vergeblich unterdrücktes Wimmern auffiel. Nur der lange Schulze beherrschte sich, trat auf Rumpe zu und bat ihn um einen Bericht über die Audienz. Rumpe wäre bald auf Schulzen N zugesprungen, um ihn mit dem Radirmesser zu erdolchen. Doch bändigte er seine Wuth noch rechtzeitig, schwieg aber aus Rache⸗ 1 durst auf Schulze's Frage. f Bald darauf trat der Kanzleirath Wagner ein und nachdem er den Befehl des Chefs bei etwa fernerer Geneigtheit zu „dummen“ Späßen verkündet hatte und sich wieder entfernen wollte, ging Schulze auf diesen zu, sprach leise einige Worte und folgte ihm dann hinaus. Wir wissen nicht, was Beide verhandelten, nur soviel wur bekannt, daß Schulze sich bemüht habe, das Schlachtfest als ein Mißverständniß Rumpe's hinzustellen. l Von Rumpe's Seite wurde das Schlachtfest des Präsidenten bald vergessen, denn er wurde vom Kollegen Schulze immer mehr und mehr überzeugt, daß nur ein Formfehler, den Rump bei der Audienz begangen, die Aufregung des sehr peinliche 1 Chefs herbeigeführt habe. Rumpe hätte nicht sagen sollen:„der Herr Präsident hatten geruht zu schlachten,“ sondern:„hatten geruht schlachten zu lassen.“ Damit war die Sache beigelegt. Kleine Frauen-Zeitung. Die Mode. Je mehr man sich mit dem Studium der Mode beschäftigt, desto mehr überzeugt man 1 daß die Mode eigentlich nichts weiter ist a ein Rad, das sich um sich selbst dreht und das uns nach und nach in regelmäßigen Zwischenräumen die gleichen Gegenstände, die gleiche Modelle immer wieder bringt. Wie sich von selbst versteht, nehmen wi aber keineswegs alle Vorbilder aus einer Epoche gleichzeitig an, son. dern greifen nur hier und da, ohne uns um die Chronologie zu küm- mern, etwas heraus, das uns gerade gefällt. Wir modifiziren, ve ändern, verbessern dann dieses Objekt nach unserem Geschmack, unf 0 jeweiligen Bedürfniß, kurz, verschmelzen es mit unseren Ideen und i Phantasien, mit unseren Erfindungen..* Wenn hierfür unsere verschiedenartigen Kleider- und Mantelet⸗ Schnitte, mannigfache Hutformen Zeugniß ablegen, so nicht minder die Stoffe. Ich brauche nur an die gegenwärtig so viel gesuchten Streifen- gewebe, an die Foulards, an die so modernen Changeant- Fabrikate 3 erinnern. Es hat freilich lange genug gedauert, ehe letztere sich bei m Bahn gebrochen, aber nun dies geschehen, ermüdet die moderne J dustrie nicht, das in seinem Farbenspiel stets Wechselnde auch in wechseln der Webeart hervorzubringen. Wir haben die Changeants in wollenen, halbseidenen und seidenen Pekings mit dazu passenden ungemusterten Geweben, in dei neuen Polls de chèvre, den Bengalines, in seidenen Fagonnes, in Fou lards, Surahs, vor Allem aber in Taffeten, einzelne Baumwolleng. nicht Au vergessen, deren Grund ebenfalls häufig in zwei Farben spielt. N N ber, wie gesagt, die Taffete tragen den Sieg über alle anderen 1 5 Changeaut-Gewebe davon. Man sieht vornehmlich goldgelb und blau, roth und marineblau, roth und altgold, blaßrosa und frühlingsgrün f schillernde Taffete, dann solche in jenen unbestimmten grau-xosigen grau-blauen Nüancen, welche man mit gorge de pigeon oder ramier (also taubenhalsfarben) bezeichnet, oder in grün blauen, welche neuer dings den Namen„Kolibrikopf“ führen. Diese Changeant⸗Taffete werden selten allein verwendet; man be⸗ nutzt sie zu dem ersten Rock, den man mit ausgeschlagenen Volants arnirt und welcher als durchschimmerndes Unterkleid fuͤr den zweiten Rock dient, oder zu einem Tablier, zu einer Tunika in Redingoteform, zum Leibchen, zur großen Schärpe Directoire ꝛc. 1 Sehr beliebt ist die Vermischung weißer oder schwarzer Spitzen oder plissirter Gaze mit Changeant-Taffet, und ein derartig zusammenͤgest es Kleid gewinnt noch an azie und Koketterie durch die hin und flatternden Schleifen, welche man gern verschwenderisch anbringt. Die Moden dieses Sommers, welche wieder viele Kompositionen, viele Zierrathen gestatten, leihen sich leicht zu Vorbildern für die Um- arbeitung mancher Toiletten vom vergangenen Jahr. 8 So nehmen die Spitzen und die Etamines 17 5 rechtmäßigen Platz auf dem Programm der Sommersaison ein, zumal die schwarzen Spitzen ⸗ volants, welche Toiletten eines ganz neuen Genres bilden. Die Volants, abgestuft, ziehen sich um das Kleid bis zum Gürtel hinauf, welcher ganz rund bei schlanken Figuren ist, jedoch von den Seiten ausgeht und sich nach vorn schnebbenfoͤrmig gestaltet, wenn man nicht die. Schlankheit und Schmiegsamkeit der Taille besitzt. Mit den Volants stimmt dann der breite, niederfallende Spitzenkragen des Leibchens überein, den man vorn mit Bändern schließt. a 191. stumpfer Satinette erhält. femme“ oder— 0 vorzieht, obschon ich nicht weiß, worin die Eleganz bestehen soll. Es zweitheiligem Rücken und mit einer Art Viele solcher Kleider sind ganz schwarz, und das sind die bequemsten. Andere haben farbige Schleifen, und zu diesen ist ein feuerfarben ombrirtes Band mit grün, b aßblau und schwarz changirten Streifen sehr beliebt, desgleichen orangegelb und schwarz changirtes, ebenso wie einfarbig memo es Band. f Zu ganz schwarzen Toiletten wird neuerdings das schwarze Atlas— band jedem anderen vorgezogen, da es das Matte der Spitzen hebt. a Auch die weißen, elfenbein⸗ und cremegelben Spitzenkleider er— scheinen wieder. Sie sind reizend mit dem Schmuck gleichnüancirter Altlasbandschleifen. Man gedenkt überhaupt, sich später viel in Weiß zu kleiden. Die lead Frauen und diejenigen, welche sich zwischen Jugend und Alter efinden(„entre deux äges“, wie die Franzosen so galant sagen), die jungen und die kleinen Mädchen werden weiße Toiletten in leichtem Sommertuch, Etamine, Voile, kurz in vielen modernen Wollengeweben tragen und für die Bebés bereitet man ferner allerliebste, weiße Kleidchen in gesticktem Battist. Auch zu den sommerlichen Tanzfestlichkeiten fertigt man für he 15 Mädchen weiße Kleider von zierlichster Einfachheit aus Tüll, noch me aus erbsenbesticktem Mull, diese geschmückt am unteren Rande mit nichts weiter als mit einer leichten Guipüre, das Ganze auf weißem Seiden⸗ fond. Dazu ein krausgezogenes oder fichuartig gekreuztes Leibchen, ebenfalls auf Seide, mit einer schönen breiten, rosa oder blauen Moire— schärpe. Eine Blume an Leibchen, eine gleiche in einer kleinen, plissirten Tüllwolke im Haar, ein Moireband um den Hals, siebenzehn oder acht— zehn Jahre— der schönste Schmuck— und das genügt, um anmuthig, um anziehend zu sein, um keinen Tanz zu verfehlen. Die Einfachheit läßt mich zugleich an die neuen Toiletten der Braut⸗ jungfern denken, für welche jenes Attribut von der Mode vorgeschrieben ist. Leichte Wollen- und leichte Seidenstoffe, unter welchen letzteren vor⸗ nehmlich die Surahs und Taffete eine Rolle spielen, werden in hellen 1 15 ausschließlich dazu gewählt, und besonders reizend sind solche Toiletten, wenn man die Seide mit der Wolle verbindet. Als Schnitt⸗ form: Gürteltaillen und dazu leicht drapirte Röcke. Man fragt mich betreffs der sommerlichen Trauer um Rath. Der N f 605 vorschriftsmäßige Kaschmir wird für die heiße Saison durch stumpfe, chwarze Wollen⸗Grenadine ersetzt, welche eine Unterlage von ebenfalls Mit dieser Grenadine eint sich der englische Krepp und bildet Kleidungsstücke leichter Art, sehr ernsten Aussehens. Auch die schwarzen Wollen⸗Etamines finden vielfach Verwendung, doch sind sie weniger leicht als jene. Ein modernes sommerliches Trauerkleid aus erstgenanntem Stoff z. B. zeigte den Rock mit einem Schürzentheil aus englischem Krepp und, redingote⸗ artig, mit großen Krepp⸗ Revers „Directoire“ ausgestattet. Hierzu gehörten; eine runde Taille mit Krepp⸗ gürtel nebst solcher Rosette, ein glatt gespannter Krepphut(Capoteform) mit langem Schleier und einer Krepp⸗Aigrette, diese gehalten durch eine Auen Jet⸗Agraffe, und ein Encas aus schwarzer Faille mit breitem eppbesatz und mit stumpfem, schwarzem Rock. Ohrknöpfchen und eine Broche aus Jet bildeten den Schmuck.——— Der Reise- oder Staubmantel ist in heutiger Zeit eine der Noth⸗ wendigkeiten für uns geworden. Der„Ulster“, der lange, im Rücken anschließende, vorn gerade Paletot mit halbweiten, zurückgeschlagenen Aermeln ist und bleibt die hübscheste, kleidsamste und bequemste Form dafür, die vorläufig nicht aus der Mode schwinden wird, wenngleich man derselben gegenwärtig den unkleidsamen und ungraziösen Mantel„bonne Cape Bretonne“ als„neuer“, ja sogar als„eleganter“ ist nämlich ein Kleidungsstück, welches die Frauen aus dem Volke und die Bäuerinnen in der Bretagne und in Arles tragen: ein ganz langer, runder Mantel, am Halse in krause Falten gezogen, mit Capah on oder mit breitem, runden, bis zur Schulter reichenden Kragen, oder mit dreifachem Kragen, im Rücken der Taillenbiegung in eine große Falte 6 5 zusammengenommen und dadurch hier anliegend gestaltet und innen mit einem Gürtel oder einem Bande gehalten. Keine Aermel. Als Abend- und Wagenmantel hat man die Cape Bretonne aus changirendem wie aus feehgen Surah mit hellem Seidenfutter her⸗ gestellt, während man sie für die Reise vorzugsweise aus gestreifter Emousine, als Strand- und Staubmantel aus rohgelber Joie de Chine, aus rohgelbem, karrirtem Mohair, aus Gloria, dieser weiß und schwarz changirt oder gestreift, wie überhaupt in Grisailletönen, bereiten wird. Man versucht auch an jener Mantelform Modifikationen, indem man große Aermel-Oeffnungen anbringt und den Mantel in der Taille mit einer Mantelschnur fesselt. Dies ist noch weniger hübsch als die ursprüng⸗ liche Schnittform!. 5 155 Andere Reise- und Staubmäntel fertigt man mit anschließendem, ermel⸗Pelerine, welche seit⸗ wärts dem Rücken angenäht ist und, nach vorn gehend, hier zwei oder drei Falten bildet, welche für die Bewegung der Arme die nöthige Weite geben. Endlich kann man von den Sonnenschirmen sprechen, die nun den Regenschirm ablösen und ihr Daseinsrecht einnehmen werden. Sie bieten sich in denselben Stoffen wie die Sommerkleider dar, d. h. in Elsasser CEretonne, Atlas, Faille, Surrah, Changeanttaffet, toile de soie. Fou⸗ lard ꝛc. Die Stöcke sind vielfach aus Naturholz, je nachdem aus schwarz gebeiztem Holz, geschnitzt auf tausendfältige Art, mit zurückgebogenem Griff eee Holzkugel, oder mit einer Kugel aus ciselirtem Silber, Porzellan, Elfenbein ꝛc. f. 5 Auch die Spigenschirme werden ihr Erscheinen feiern, schwarz, weiß, rahmgelb, plissirt, ohne Futter, ferner die Schirme aus plissirtem wie aus krausgezogenem Tüll, aus gesticktem Krepp u. s. w., sehr hübsch und elegant, sehr kostspielig und— wenig nutzenbringend, denn die Sonne dringt durch diese zarten Schleiergewebe hindurch. Für einen wirklich praktischen und zugleich eleganten Schirm halte ich denjenigen aus schwar— zen oder weißen Spitzen über eine Unterlage von schwarzen, weißen oder changirtem Seidenstoff, ganz nach Belieben. Ein derartiger Schirm paßt sich allen eleganteren Toiletten an. Nach demselben kommen die Schirme aus rohgelber, indischer Seide, mit rosa oder rothem Futter, geschmückt mit gleichnüancirten Spitzen oder Stickereien, dann die Schirme aus rohgelber Guipüre über farbigem Fond ꝛc. Alle Schirme bleiben groß wie die Encas. Letztere bereitet man vielfach aus Changeantseide. Für den Land- und Bade-Aufenthalt erhält sich der normannische Schirm aus rother Seide oder rothem Andrinople in der Mode. Er ist solid und verträgt einen Regenschauer. Wenn man aber einer Kuh⸗ heerde oder einer Truthühuerschaar damit begegnet, was dann? Ich stehe für nichts. Auch die Thierwelt hat ihre schwachen Seiten. Einige meiner Leserinnen, so scheint es mir nach deren Anfragen, möchten gerne wieder den weißen Strumpf zu neuen Ehren bringen. Ich kann ihm nicht dazu verhelfen, denn die Mode will absolut nichts von ihm wissen. Sie protegirt nach wie vor die farbigen, zum Kleide passenden Strümpfe, schlicht und mit gestickten Zwickeln oder ohne solche, fast noch mehr indeß gestreift und zwar in hundertfachen Dispositionen: der Länge nach oder als Ringel, gleich schmal, in unregelmäßigen Breiten, in Linien- und Streifengruppen, die breiten Langstreisen in zwei Farben, hell und dunkel, oft mit Pikots versehen ꝛc. Schwarze, einfarbige Strümpfe und solche mit weißen Streifendessins sind gegenwärtig sehr gesucht, vornehmlich in Zwirn, doch auch in Baumwolle. Und schwarze Pikot⸗Langstreifen zeigen sich wiederum vielfach auf rothen, saphirblauen und moosgrünen Strümpfen. Die kleinen farbigen Taschentücher der Damen haben so großen Beifall erlangt, daß man sie von Neuem in reizendem Geschmack ing Hier sind sie aus schwarzem oder farbigem Batist, rosa, roth, blau oder lila, umsäumt mit einem Valencienner Einsatz und einer solchen Spitze, dort sind sie insgesammt bedruckt mit einer Saat kleiner Halbmonde, Hufeisen, Punkte, Erbsen, Sterne, Gerstenkörner. Und wenn diese Musterchen auf einem schwarzen Batistgrunde sich in Weiß abheben, auf einem weißen in den angeführten Nüancen, so liebt man bei den Tüchern mit kolorirtem Fond die kühnsten Farben-Zusammenstellungen; denn man sieht rothe Halbmonde auf einem blaßblauen Fond, blaue Pastillen auf rosa Fond, schwarze Dessins auf lila oder blaßblauem Grund. Das ist sehr originell, sehr hübsch. Es giebt auch gestreifte Taschentücher in den nämlichen Farbenkompositionen. Der Saum an allen diesen Tüchern ist einerseits einfarbig, ganz schmal, 1 Cent., andererseits abstechend farbig mit kleinen Pleindessins und dann ziemlich breit. g Andere buntfarbige Taschentücher aus Leinenbatist zeigen einen weißen, runden Spiegel mit rosa, blaßblauem oder hell⸗blaugrauem Rande, je nachdem bedruckt mit rothen, dunkelblauen oder dunkel⸗blau⸗ grauen Punkten oder anderen kleinen Streumusterchen, die zur Hälfte über den Rand, gänzlich über den Fond gesäet. Languetten in der Farbe des Dessins schließen den Rand ab, welcher nach außen eckig, nach innen selbstverständlich ausgerundet ist. Trotz all' dieser Phantasien erfreuen sich die Taschentücher aus weißem Leinen oder Leinenbatist mit breitem, farbig gebrucktem Einfaß⸗ saum großer Beliebtheit. In den seidenen Taschentüchern, den noch kleineren Luxustüchern, machen sich gleichfalls hübsche Neuheiten bemerkbar, wie diejenigen aus weißem oder crémefarbenem Foulard mit schwarzem, marineblauem, granatrothem, purpurrothem oder himmelblauem Rande. Der Rand ist mit kleinen, weißseidenen Languetten dem Fond angesetzt, außen von großen, dreibogigen oder dreizackigen, ebenfalls weißen Languetten ein⸗ gerahmt und im Uebrigen mit zwei Reihen versetzter, weißseidener Punkte bestickt. Die Tücher mit hell⸗ oder dunkelblauem Rande präsentiren sich auch mit rothen Languetten und rothen Punkten. Loe Blätter. Kindermund: Das sechsjährige Röschen wird gematt und entzückt von dem eigenen Portrait ruft es aus:„O, wenn meine Mama das Bild sieht, wird sie gar nicht glauben, daß ich das sein soll!“ Friedchen ist zu Bett gebracht worden, hat gebetet und schließt die Augen.„Aber nicht wahr, Mama,“ sagt sie noch, im Gefühl der eigenen Würdigkeit,„wenn die Engel die ganze Nacht an meinem Bettchen wachen, dann halten sie doch wenigstens Mittagsruhe.“ „Denke Dir, Mama,“ erzählt Lieschen am Morgen erstaunt,„mein neues Fräulein ist mit allen ihren Haaren zu Bett gegangen!“ Offenherzig:„Du brauchst nicht fortwährend vor dem Spiegel zu stehen, Mariechen. Du wirst einst ganz aussehen, wie ich.“— Das sechsjährige Mariechen, seufzend:„Dann kann's auch nichts helfen, Tante!“ Frau S. geht mit ihren Kindern während der Hollunderblüthe in den Anlagen spazieren. Entzückt von dem würzigen Duft ruft ihr ältestes Töchterchen aus:„Hört Ihr nicht die Wohlgeruͤche?“ Ein Backfisch tröstet eine alte Frau, deren Sohn bei Erstürmung der Düppeler Schanzen gefallen sein soll, und schließt die Trostrede mit den mitleidigen Worten:„Solch' traurige Nachrichten brauchen Sie nicht zu glauben, bis er selbst es schreibt!“ 1 8 3— 8 ————————————————— 32— 3 ß — ——— E ⅛0 U ̃-K—·— ů T ëÄ 3 192 ⏑„˖⅜ Nösselsprung. Schach. 9 Problem Nr. 511 von G. Chocholous in Vodenbach. se fischat⸗“ net in ge⸗ act heit kennt Schwarj. E N öff- der tief- der gleich! es hei- gel 2, 2 8 1. 0. 2., 2 ö 4., 1 7 ten⸗[lei- keln uns der weis er⸗ pfor⸗ 1,* a . 5 dun-] und schmerz so⸗ au den män⸗ mer 2. 1 1 un so⸗ auch* 2 9 g ist nacht] er mah, rend staub te en⸗. 9 2 1. 12 bringt! ster wor— tes a⸗ ge⸗ ir⸗ vom ge got- te au⸗ nung un-[gel viel- l „ ern; te heil'-] ber bo- ge 18 ser f wah. Citat en ⸗ 2 äthsel 7 Weiß zieht an und setzt mit dem vierten 1505 Matt. Aus jedem der folgenden neun Citate ist ein Wort zu wählen. Die f Rufksfungen. 5 neun erhaltenen Wörter ergeben ein Eitat von Nicolaus Lenau. Problem 1 von 5 Möller in. 1. Willst du genau erfahren was sich ziemt, 1) Da2—2 J. 4— ha: 3 4—el: 1 So frage nur bei edlen Frauen an. 2 Lel—g5 5— A 9 8 1 1 85 ch 1 2. Wenn sich die Völker selbst befrei'n, 3 12 bel.(es) 4 115 18 e dh 60 8) i 3 75 1 1 977 0 u. 1 Waring eg 19675 9% 0 5 zune 30 D h, ein Phantom vielleich och mir so werth) Dei Malt. 1.. beltebig) Dh nes 8] Das: 5 De! Matt.— ung w N Ich liebe und bin— nicht geliebt. fue ,, Woge 5 2 M. 0 9„Mica A Bulbas, 1% Sundern f in b. u 4. Geh' den Weibern zart entgegen, vom Schachklub in Gleiwitz. Du gewinust sie auf mein Wort. C 8 8 5. Und klar auf einmal fühlt' ich's in mir werden: Problem Nr. 504 von Dr. Bayersdorfer in München. Die ist es, oder keine sonst auf Erden. 1) Ld5—--g2 Kdé eh 1) ebe 5 E f hoff d 2) Dbg 837 Ke5—865(d6) 2) Dbs 567 Kdé-— es(d7) 6. Etwas fürchten und hoffen und sorgen 5 7 5 5 3 Muß der Mensch für den d n Morgen. 3) Lga—h3(be7) f 3% Db6—16(Ls) 1. 7. Was rennt das Volk, was wälzt sich dort 20 vb Nes 405-5 LU def 105 rte 1 15 1 8 2 97 U 7 Die langen Gassen! brausend fort! wurde angegeben von W. Kron in B. Th. Kr in G, H. Mich r. b in Gl 1 8. Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, Th., Dr. Wehrmeister in M, Schachklu n Garn und G. P Eiter in 0. Und neues Leben blüht aus den Ruinen. Problem Nr. 505 von Dr. Dapersborfer in Munchen. 9. O, ewige Erbarmung— So 1 8 ich dich wiederfinden! 7 13 8 5 eb: 1 95 1b 2 3) 0g4- dd F 3 Dba- chr 15 15 Auf 10.. 65 folgt das 3 mweiten Zuge: 584-404 Matt.— Die vosung w 4 0 9 0 g r i p b. von allen Lösern der vorhergehenden bann Erfunden bin ich zum Vergnügen, Problem Nr. 506 von J. Kohtz und C. Kockelkorn. Es wird so manche liebe Nacht, 1) Kel-e2l Kad—b3 5 Wo Paare lich an Paare fügen, W 2) Dg5—4d2 Kb3—64(ad) In meiner Uebung zugebracht. 3) Dd2-ds(bg) 1 1 len L a Laßt du mein lobt Hehn schwinden, Angegeben von allen Lösern der 8 1 Aufgaben. Dann bin ich da, mich umzudreh'n; Du wirst mich an Maschiwen finden, Nuts der Schachwelt. 5 Ueber den in Adelaide im August 1887 während der Jublläumsausstellung a W Hob, dan den Fee mich seb n ersten australlicen Sbachlon greß dei das W See e e e 5 N Einzelheiten: Am Melsterturner 1 4 sich zehn Spieler. Den ersten Url von in Adglelße, der ald der erte G pier Bufeafteng arerbennt igt 1 as Aufloͤsung des Logogriph in voriger Nummer: Orkan, Koran;— ein kuelgesaßtes Kongder buch berdueaeben at welche die ae geen d ir und des Silben-Näthsels; Arbeit ist des Blutes Balsam, Arbeit ist der Tugend Mute ingen ir N e die e e e. Quell. 1. Wan 2. Reval. 3. Birne. 4. Eylau. 5. Ig. von 5 Usd, Sterling 5 Sh. für die besie Partie im Meistertürnler wurde dem 6, Tolevrand. 7. Isaurien. 8. Standarte. J. Dreißig. 10% Widse. bee de dieb geen dagen ede ge Barg tesget r Ned 1 Ca 0 N. 13. 1 14. Upland. 15. Tarent. ant, 3 8 16. Elias. 17. Sinai. 18. Batist. 19. Antivari. 20.— 1. San⸗ 5 herib. 22. Anker. 23. Martha;— der zweisilbigen Charade: Roßbach; Im britischen Schachtlub in London wird ein ähnliches Vorgabeturnier ausgefochten wie das 11 in Simpson's Divan deendigte. Schon 890 ich 23 Theil 255 NB NIRI FCE IB unter ihnen die bekannten Londoner Meister Jutertort. Via burne, 2 e on, Gunz- 2 berg, Bird und A. 5 ATU IO BBIBIR 4 7 7 — Der diesjährige Kongreß des bayerischen Schachbundes wird in Nürnberg ab: 8 VCL MEIER IU gehalten werden und am 5. 3 seinen Anfang nehmen. Es liegt im Plane a— ein Turnier g 6 für deutsche Meister mit dem Kongtesse zu verbinden. AAA[BAITIRIN 8 5 In einem 2 zwischen vier Mit labern des British Chess Clab und 5 RR O NI T[GIN gleichen Jabl des Pariser Cercle des Fchecs, welcher am 12. Mal d. 8 fattgefun den dat, stegten die Pariser mit 3 zu 1.— Ein uͤhnliches Turnier 1 M N EF D OA N I war unentschieden geblieden, indem jede der Jarteien fünf Siege zu verzeichnen da A I FWG UN Die von uns unter Nr. 288 veröffentlichte Partie hat dem Sieger Nr. Polo d el 1 11 von Mr. vewis ausgesetzten Preis für die schönsie 8. des Turniers eingebracht r Drud und tles b det Voltk⸗— Att.. in u Berli n. Lütowstr 105.— Berantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.