F 7 zu den Oberhessischen Nachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 37. Gießen, den 9. September. Sanft wie die Tauben. Erzählung von Leonore Werth. (Fortsetzung.) II. Es war geschehen! Zwei Wochen waren in's Land gegangen seit jenem Abende, wo Käthe, in unklare Empfindungen verloren, am Fenster ihres Kämmerleins gestanden; und nun war der Würfel gefallen, Käthe Steffens, des Wirthes Tochter, war die Braut des vornehmen, jungen Herrn geworden. Eines Tages, als Käthchen in früher Nachmittagsstunde allein, mit einer Hand⸗ arbeit, im Garten gesessen, hatte er plötzlich vor ihr gestanden, und das erröthende Mädchen war noch heute ganz betäubt von dem Strome heißer Liebesbetheuerungen und zärtlicher Kosenamen, welche er über sie ausgegossen. Sie sei seine süße Blume, seine Königin, so hold und schön, als ob sie im königlichen Purpur geboren sei; er sei großjährig und Herr seiner Entschlüsse; er werde sie in sein Haus führen als sein geliebtes, süßes Weib, und auch seine Mutter und seine Schwestern würden sie an ihr Herz nehmen, wenn sie erst erkannt, welch' reichen Schatz an Tugend, Schönheit und Anmuth des einzigen Sohnes Erwählte diesem zubringe, denn ein zweites so liebenswürdiges, engelhaftes Wesen berge die ganze Welt nicht mehr! Ihr hatte es nur so im Kopfe geschwirrt bei der von schwärme— rischer Begeisterung überfließenden Werbung des jungen Mannes; die leidenschaftliche Gluth seiner Worte hatte sie im Innersten er⸗ beben lassen, und sie war in Thränen ausgebrochen, wie sie bisher nie solche geweint. Und wie sie dann endlich im Kampfe mit den widerstreitendsten Empfindungen schüchtern ihr„ja“ geflüstert, und er sie aufjubelnd auf Wange, Stirn und Augen geküßt, da waren die Thränen immer reichlicher geflossen, sie hatte deren nicht mehr Herr zu werden vermocht. Warum nur? Gingen ihre phantastischen Traumgebilde doch nun in Erfüllung! Sie wurde geliebt wie die Heldinnen in den Romanen, deren sie zu ihrem Heile erst wenige gelesen, sie ging einer beneidenswerthen, glanzvollen Zukunft entgegen. Aber erst wie ihr Vater sie stolz und überglücklich in die Arme schloß, wie bei ihrem nunmehrigen Verlobten die hochgehenden Wogen gemüthlicher Erregung allmählich in ein ruhigeres Fahr— wasser lenkten, da beruhigte sich auch Käthchen mehr und mehr, und sie lauschte mit Vergnügen den Zukunftsplänen, welche ihr zukünftiger Gatte nicht müde wurde, vor ihren entzückten Blicken aufzurollen. Eigenhändig hatte Vater Steffens von dem köstlichsten, ältesten Weine heraufgeholt, den sein berühmt gewordener Keller barg, und es hatte ernstlichen Einspruchs von Seiten des Bräutigams bedurft, daß er nicht in seines Herzens Freude sofort die ganze Schenkstube zu Ehren des Brautpaares regalirte. Das aber wäre nun doch nicht nach Gisbert Volkmar's Sinne gewesen; einmal weil laute Fröhlichkeit wenig im Einklange mit der weltentrückten Seligkeit seines Herzens stand, und dann auch hauptsächlich, weil ihm schon aus Rücksicht für seine hochverehrte Mutter daran lag, sein Verlöbniß einstweilen geheim zu halten, bis er deren Ein— willigung zu seinem Herzensbunde eingeholt. 8 Der Schwiegervater in spe begriff zwar nicht, wie ein Bräuti⸗ gam an seinem Verlobungstage sein junges Glück nicht in alle Winde hinausjubeln möchte, gab dem vornehmen Eidame aber gerne nach, so daß der Abend ziemlich still verfloß. Zunächst hatte Gisbert seiner Braut und deren Vater seine Pläne dar⸗ gelegt. Seine Universitätszeit ging zu Ende, noch ein paar Tage, und er sollte ohnehin in die Heimath zurückkehren. Dort wollte er denn sofort sich seiner Mutter entdecken, und dann an Käthchen berichten, in welcher Weise ihre Annäherung an seine Familie am besten einzuleiten sei. Von der Liebe seiner Mutter hoffe er zuversichtlich ein freundliches Entgegenkommen; wie dem aber auch sei, seine Festigkeit sei durch nichts in der Welt zu er⸗ schüttern und er vertraue auf Käthe's Neigung, wie diese sich jetzt und immerdar seiner Treue und seiner unwandelbaren Liebe versichert halten dürfe.— Heute nun, in der Morgenfrühe, war er abgereist, nachdem er am gestrigen Abende zärtlichen Abschied von der Verlobten genommen, und in Gedanken versunken stand diese jetzt, wo die frühe Dämmerung hereinbrach, am Fenster ihres Stübchens. Ihr war eigenthümlich zu Muthe, so unruhig, beklommen und un— befriedigt— aber das war auch wohl ganz natürlich, suchte sie sich selbst zu beruhigen, in einem Augenblicke, wo sie so vielem Neuen und Ungewissen entgegen ging, und er, dessen Braut sie geworden, in der Ferne weilte! Erschreckt fuhr Käthchen zusammen; ihr kam zu Bewußtsein, daß sie über all den andern Gedanken, die ihr im Kopfe herumschwirrten, heute noch kaum an Gisbert selbst gedacht hatte, und ihn nicht im Geiste auf der Reise be⸗ gleitet, wie dies einer liebenden Braut doch wohl angestanden hätte. Wohl hatte sie an Gisbert's Mutter gedacht und sich ein Bild von dessen Schwestern zu entwerfen gesucht— hohen, schlanken Gestalten mit lichtem, blonden Haar—, so hatte Gisbert sie be⸗ schrieben. Ob sie wohl hübscher sein würden, als sie selbst es war? Ein zuversichtliches Lächeln spielte um ihren Mund, und in Folge einer natürlichen Ideenverbindung trat sie an den großen Schrank von Nußbaumholz heran, darin sie ihre bessern Kleider verwahrte. Dann unterzog sie eine Toilette nach der andern einer genauern Untersuchung: das braune Seidenkleid dort war noch wie neu, sie besaß es zwar schon seit zwei Jahren, doch hatte sie es stets sehr geschont, und der helle Ausputz sah noch vollkommen frisch aus. Mehr hatte ihr schwarzseidenes— noch 0 D 2 ä . * 290 * von der Konfirmation her— gelitten; solch ein schwarzes Kleid trägt man schon häufiger, aber im Hause und besonders auch des Abends, konnte es noch wohl mitgehen, dachte Käthchen, welche die Wahrscheinlichkeit eines Besuches in X in Betracht zog, und die andere als seidene Kleider für absolut unmöglich hielt in dem erträumten Feenpalaste. Und da war noch das grauseidene mit der dunkelblauen Garnierung; das eignete sich vielleicht für die Reise— in Romanen reisen die Heldinnen stets in grau— und dort gar das himmelblaue mit den weißen Spitzen, das ihr Vater ihr zu ihrem letzten Geburtstage ge- schenkt und das sie beim Kirchweihfeste getragen. Heinrich hatte behauptet, sie habe nie so reizend ausgesehen, und sie und keine andere sei die Ballkönigin gewesen— ach, Heinrich!— Der Arm, der dieses kostbarste Kleidungsstück hielt, sank plötzlich schlaff herab. Seit acht Tagen hatte sie Heinrich nicht mehr gesehen; auf dem Gute war man mitten in der Ernte und außerdem hatte Heinrich in Geschäften auf ein paar Tage nach Frankfurt ge⸗ mußt— was wird er nur zu ihrer Verlobung sagen, wenn er nun wiederkömmt. Armer Heinrich! Käthe seufzt tief auf und wirft das eben noch so bewunderte Kleid achtlos auf den nächsten Stuhl und nimmt selbst auf dem schmalen, niedrigen Fensterbrette Platz. Sie weiß nicht recht weshalb, aber sie hat das Gefühl, daß ihre Verlobung ihn schmerzen wird. Und nun weiß sie auch mit einem Male, was es gewesen, das ihr die ganze Zeit über wie ein Druck auf dem Herzen gelegen. Der Gedanke an Heinrich war es, an die bevorstehende Trennung von ihm und von dem Vater, von Allem, was bisher ihren ganzen Lebensinhalt aus— gemacht. Schwere Thränen treten bei dieser Vorstellung in die sonst so fröhlich blickenden Augen; wie müde lehnt sie das dunkel— lockige Köpfchen an die Scheiben und blickt sinnend auf ihre im Schoße ruhende Hand hinab, an deren Goldfinger ein mit werth⸗ vollem Steine gezierter Reif glänzt:— ihr Verlobungsring, den Gisbert von dem eignen Finger gezogen, die Braut damit zu schmücken. So sehr ist sie in ihre Gedanken verloren, daß sie es gar nicht bemerkt, wie der, dem eben noch ihre Gedanken galten, vor einer Weile auf der Fahrstraße daher gekommen ist, und wie er nun unten ihrem Fenster gegenüber steht und zu ihr hinaufblickt. Doch jetzt schreckt sie plötzlich zusammen. Die Scheibe, an welcher ihr Kopf gelehnt, klirrt vernehmlich; einige Blättchen, welche sich von der als Wurfgeschoß benutzten Georgine losgelöst, flattern auf das Fenstersims zurück, und das aufblickende Mädchen schaut dem Angekommenen gerade in das frische, wiedersehensfrohe Gesicht. Erfreut und bekümmert zugleich nickt sie dem Ahnungs— losen zu; dann aber wirft sie mit eins energisch den Kopf zurück. Fort mit den thörichten, trüben Gedanken! Wird ihr nicht ein Glück zu theil, um das sie alle Gespielinnen beneiden werden! Und Gisbert, der doch versprochen, ihr auch den leisesten Wunsch zu erfüllen, wird gewiß nichts dagegen haben, wenn sie auch als seine Frau recht oft in die alte Heimath zu ihren Lieben, zu denen sie auch Heinrich zählt, zurückzukehren wünscht. Und welche Augen dieser jetzt machen wird, wenn er die Neuigkeit vernimmt! Ein muthwilliges Lächeln spielt um den hübschen Mund, und damit hat sie alle wehmüthigen Regungen abgeschüttelt. Noch ein Blick in den kleinen Spiegel, ein glättender Strich erst über das reiche, wellige Haar und dann über das zierliche, spitzen— verzierte Hausschürzchen, und leichten Fußes verläßt Käthe das Zimmer. Die kleinere Honoratiorenstube ist leer, noch sind die gewohnten Abendgäste nicht erschienen; dort hinein führt Käthchen den jungen Mann, der ihr bis an die unterste Treppenstuse entgegengekommen. „Grüß Gott, Heinrich, schon von der Reise zurück?“ sagte sie, ihre Hand einen Augenblick in seine ausgestreckte Rechte legend. „Schon!“ wiederholte er scherzend. Mich deuchte es nahezu eine Ewigkeit, seit ich den Lindenbaum nicht mehr gesehen. In Frankfurt wurde ich einen Tag länger aufgehalten, als ich dort zu bleiben gedachte, und so viel Schönes es auch zu sehen gab, hatte ich doch keinen rechten Gefallen an all den prächtigen Bauten und schönen Gärten. Mich trieb es nach Hause— hierher, Käthchen,— und sobald ich nur meine Geschäste beendigt, saß ich auch gleich im Coupé und dampfte der Heimath zu. Und, Käthchen,“ fuhr der große Mann mit kindlich frohem Lächeln fort,„jetzt habe ich endlich erreicht, wonach ich gestrebt, seit ich das Gut von meinem Vater übernommen, und der Sch welche damals gleich heirathete, ihr Erbtheil herausbezahlen mußte. Das Geld war knapp dazumal und mein Schwager wollte sich mit der Schwester Geld in Franksurt ein eigenes Geschäft gründen; da blieb mir nichts anders übrig, als die Summe zu leihen und eine Hypothek auf Haus und Hof aufnehmen zu lassen. Seither habe ich gespart und gearbeitet und jeden Hundertmarkschein, den ich erübrigen konnte, in die Sparkasse getragen, um langsam meine Schuld zu tilgen. Nun hab' ich's erreicht, die Hypothek ist ge⸗ löscht, mein Gut ist schuldenfrei geworden, jetzt darf ich freien Herzens mir selbst leben und an eine glückliche Zukunft denken, Käthchen!“— Das ehrliche, männlich schöne Gesicht des Sprechen⸗ den zuckte vor innerer Bewegung und dicht vor das erbleichende, zurückbebende Mädchen hintretend, suchte er dessen Hand zu fassen — da— ein jäher Laut der Ueberraschung und er ließ die kleine, weiche Kinderhand fahren, als ob dieselbe sich in glühendes Eisen verwandelt hätte. Dann war es eine Weile todtenstill in dem dämmerigen Raume; nichts war zu vernehmen als das Keuchen einer schwer athmenden Menschenbrust. „Den— den Ring habe ich bereits früher gesehen, wie kommst du zu dem Ringe, Käthchen?“ klang es endlich mit heiserer Stimme. „Es ist,— es ist ja— aber, so sieh' mich doch nicht so böse an,— es ist doch kein Verbrechen, daß er mich lieb hat und ich seine Frau werden soll!“ „Seine Frau!“ Wieder war es eine Weile still; der große, starke Mann ging schwankenden Schrittes bis zum nächsten Stuhle und ließ sich schwer⸗ fällig nieder. Was in dem bitter enttäuschten, um all' seine Zukunftshoffnungen betrogenen Herzen vorgehen mochte, ware schwer zu sagen gewesen. Soviel Herrschaft aber hatte der willens⸗ starke Mann bereits wieder über sich errungen, daß er nicht mehr von seinen Gefühlen zu Tage treten ließ, als er mit dem ersten, unwillkürlichen Schmerzensschrei davon verrathen. Zugleich kam ihm auch die zunehmende Dämmerung wohl zu statten, welche den Ausdruck seines gänzlich entfärbten Antlitzes den Blicken des Mädchens verbarg. Noch ein paar Minuten vergingen, dann sagte er mit einer Stimme, deren Tonlosigkeit in Widerspruch mit seiner ruhig klaren Ausdrucksweise stand: „Das war eine schlimme Ueberraschung, Käthchen; verzeih, wenn meine Heftigkeit Dich vorhin erschreckte. Aber als alter, guter Freund hätte ich doch geglaubt, ein Anrecht auf Dein Ver⸗ trauen zu haben; ich ahnte nicht, daß die Artigkeiten jenes jungen Mannes mehr zu bedeuten gehabt hätten, als die gewöhnlichen Kourschneidereien dieser Herrchen.“ Und die wieder aufsteigende Bitterkeit mannhaft unterdrückend, gelang es ihm sogar, in scherzen⸗ dem Tone fortzufahren:„Da wirst Du nächstens Deine alten Freunde wohl nicht mehr kennen wollen, Käthchen! Aber sage mir doch, wie das so schnell hat kommen können!“ Durch seine Art und Weise beruhigt, gewann Käthe einen Theil ihrer unbefangenen Fröhlichkeit wieder. „Wie es kam— ja, siehst Du, Heinrich, das weiß ich selbst nicht so recht. Er, Gisbert, meine ich, hatte mich wohl schon lang lieb; Du hast nur nichts davon bemerkt, weil Du immer fortliesst wie ein Brummbär, wenn die Herren Studenten kamen. Und zuletzt hat er es denn gar nicht mehr aushalten können; da kam er zu mir in den Garten— o, wenn Du nur gehört hättest was er mir Alles gesagt, und wie schön er zu reden versteht!“ sagte sie mit einem Triumphe geschmeichelter Eitelkeit.„Nicht mehr leben könne er ohne mich, aus der Unterwelt würde er mich heraufholen, wie jener Orpheus— ich hab' ja ein Klavierstück davon, weißt Du. Und er hat ein großes, prächtiges Haus, mitten in der schönen Stadt, und draußen eine Villa, denke Dir doch nur, eine richtige Villa mit Park, und Pferde und Wagen: und ein Leben soll ich führen wie eine Gräfin! Und jetzt ist er nach Hause, um die Einwilligung seiner Mutter zu holen und dann soll ich wahrscheinlich gleich hin zu Besuch— aber,“ setzte sie ein wenig kleinlaut hinzu,„aber, weißt Du, Heinrich, vor seiner Mutter fürchte ich mich doch ein wenig. Sie muß eine gar stolze Dame sein— ich habe ihr Porträt gesehen.“ „Wenn Du Deinen Verlobten nur von Herzen lieb hast, wird sich das Andere schon finden,“ tröstete Heinrich Ortenbach mit heroischer Selbstverleugnung. 291.. „O, ich habe ihn recht gern, gewiß recht gern,“ versicherte Käthe wie zu ihrer eigenen Beruhigung;„er ist ja so gut und Alles ist so schön, und wenn wir erst mehr mit einander verkehren, dann wird mir auch gewiß nicht mehr so beklommen zu Muthe sein, wenn er mit mir spricht. Ja— ja, Heinrich, das ist wohl recht thöricht von mir, nicht wahr, aber wenn er immer so schöne Worte spricht, dann komme ich mir so einfältig vor, dann fühle ich etwas wie Furcht.“ „O Käthchen, Käthchen!“ stöhnte der junge Gutsbesitzer auf. — Er hätte warnen mögen und wagte es nicht— würde man seiner Warnung nicht unlautere Motive unterlegen? Käthchen aber war in ihrer lebhaften Weise bereits wieder mit andern Gedanken beschäftigt. Gewohnt, alles sie Betreffende mit dem Jugendfreunde zu besprechen, und diesem gegenüber in unbedachtem Egoismus das sie Interessirende stets als das allein Wichtige zu nehmen, redete sie munter auf ihn ein. „Denke nur, schon zwei Briefe habe ich von ihm erhalten in den zwei Tagen; den ersten von dem Bahnhofe in X. aus, wo er eine halbe Stunde Aufenthalt hatte, und im zweiten sind sogar Verse, o so schöne, herrliche Verse!— Weißt Du eigentlich, wer Psyche war? Gewiß wieder eine von den alten Götterdamen, wie die Diana und die Venus, von der sie immer so viel Wesen machen.“ Der kleine, rothe Mund plapperte ununterbrochen weiter; es schien dem Mädchen ordentlich wohl zu thun, sich einmal recht ausplaudern zu können, und der aus allen seinen Himmeln ge— rissene, junge Mann hatte zu Allem nur ein stummes Nicken. Erst eine Stunde später, als er durch den schönen, lauen Sommer— abend den Weg nach seinem Gute zurückging, als die Dunkelheit um ihn her übereinstimmte mit dem tiefen Dunkel, in das seine Seele getaucht war, da ließ er seinem Schmerze, den Gefühlen bitterer Enttäuschung freien Lauf. Es war ihm unmöglich, in seiner augenblicklichen Seelenstimmung in seine friedliche Behausung zurückzukehren; erst mußte der Sturm ausgetobt haben, der in ihm raste. Ohne auf die Richtung zu achten, war er bis hart an das Ufer des Stromes gelangt, dessen ewig murmelnde Wasser gleichmäßig fortrollten. Immer weiter, immer weiter, schienen die leise plätschernden Wellen ihm zuzuraunen; so wird auch dein Dasein dahingehen— heute wie gestern, und morgen wie heut' — immer weiter, immer weiter! Durch ein verödetes Leben, das nicht Zweck noch Ziel mehr hat! O Gott, wie endlos das Leben sich vor ihm auszudehnen schien in dieser bittersten Stunde seines Daseins! Und doch besaß er kein Recht ihr zu zürnen; nicht sie hatte ihn getäuscht, er selbst hatte sich in süßen Wahn verstrickt. Wie ein Bruder war er ihr stets gewesen, nie war das Wörtchen Liebe über seine Lippen gekommen und wenn er dennoch geglaubt, daß sie seine Neigung längst errathen und dieselbe auch wohl erwidert, so war das eben ein Irrthum gewesen, für den er sie nicht verantwortlich machen durfte. Und deshalb sollte sie auch nicht ahnen, was er litt— sie würde ja fortgehen— zu der vornehmen Sippe ihres reichen Bräutigams, er aber wollte in reger Pflichterfüllung das eigene Herz zu überwinden suchen; er will und er wird den Schmerz verwinden wie ein Mann— und einst wird er ihr ruhig entgegen treten können. Das Alles sagte er sich, wie er längs des Flusses dahin— schreitet durch die stille Nacht, und die Wellen murmeln ihr un— aufhörliches: Immer weiter, immer weiter, dazu. Er aber hebt muthig das Haupt und sieht zu den Sternen auf, welche jetzt den nächtlichen Himmel schmücken— wer will es ihm verargen, daß aller Tapferkeit und Männlichkeit ungeachtet schwere Thränen in seinen emporgerichteten Augen glänzen, und er in das tägliche Leben zurückkehrt wie in ein schweres Joch! III. In dem prächtigen Hause des verstorbenen Großkaufherrn und Senators Marcus Ludolf Volkmar herrschte heute eine unge— wohnte Stille. Verschiedene Besuche waren abgelehnt worden; die Dienerschaft huschte geräuschlos über die teppichbelegten Gänge und Mila, Fräulein Ediths Kammermädchen, warf dem Bedienten Mathis, ihrem Liebsten, achselzuckend vielsagende Blicke zu. Es lag etwas in der Luft wie die Schwüle vor dem Gewitter, und Mila wußte am besten Bescheid. Fräulein Edith, die älteste Tochter des Hauses, war nämlich von der Natur wenig veran— lagt, ihre Empfindungen mit kluger Mäßigung in sich zu ver⸗ schließen. Weit entfernt, aus ihrem Herzen eine Mördergrube zu machen, pflegte sie meist dem ersten Impulse nachzugeben und ihren wechselnden Stimmungen auch Ausdruck zu verleihen. Sie ähnelte in diesem Punkte weder ihrer weltklugen, kühn berechnen— den Mutter, noch ihrer sanftern, auch wohl indolentern Schwester Elisabeth, welche stets gleich gütig und freundlich blieb, und etwa vorhandene Wallungen nie an die Oberfläche gelangen ließ. Auch heute klang besonders Ediths Stimme aus der übrigens in gedämpftem Tone geführten Unterredung hervor, welche im Privatzimmer der Senatorin gepflogen wurde. Diese selbst, eine stattliche, ältere Dame mit schönen, geistvollen Zügen, aus denen neben einer gewissen Gutmüthigkeit doch auch ein hohes Standes— bewußtsein sprach, saß in einem niederen Sessel am Kamine, und vor ihr, den Arm auf den Sims gestützt, stand ihr einziger Sohn, der Erbe des weitverzweigten Handelgeschäftes, Gisbert Volkmar, während Elisabeth an der andern Seite lehnte. Edith dagegen stand seitwärts an einem mit Albums und Städteansichten be⸗ deckten Tischchen, wovon sie in erregter Weise bald dieses, bald jenes in die Hand nahm, um zuletzt Alles bunt durcheinander zu würfeln. „Und ich kann nicht begreifen, wie Du das so gelassen hin— zunehmen vermagst,“ gab sie jetzt auf eine Mahnung der Mutter in erregter Weise zurück;„es ist ja Wahnsinn, dergleichen nur in den Bereich des Möglichen zu ziehen! Gisbert Volkmar, der vielbegehrte Patriziersohn, der nur zu wählen braucht, um die schönste, vornehmste Braut heimzuführen, und das Wirthstöch— terlein aus dem Dorfe!“ höhnte sie bitter.„Wahrlich, wir haben Dir bisher sehr Unrecht gethan, Gisbert, wenn wir Dich einen unverbesserlichen Idealisten schalten, oder aber, die Ideale sind im Preise gesunken und man liest sie nunmehr auf der Land— straße zusammen!“ „Edith!“ rief der junge Mann empört, doch eine Hand— bewegung seiner Mutter hieß ihn schweigen. „Wozu diese Heftigkeit, welche gewiß nicht zum bessern Ein⸗ verständnisse beitragen wird, Edith,“ bemerkte sie tadelnd.„Was Gisbert gethan hät, kann ich als Mutter und als erfahrene Frau gewiß am wenigsten billigen; auch hätte ich von seiner Pietät erwartet, daß er zuvor meinen Rath erfragt, ehe er einen Schritt that, der ihn vielleicht weit abführen wird von der ehrenvollen Laufbahn, für die sein Vater ihn bestimmt, und für die seine Vorfahren ihm den Weg geebnet. Indeß ist Gisbert kein Kind mehr; er hat ernsthaft um ein junges, unschuldiges Mädchen ge— worben, und wird nun auch die Folgen dieses gewiß beklagens— werthen Schrittes tragen müssen.“— „O Mutter, Du würdest diesen Schritt nicht beklagenswerth nennen, wenn Du mein Käthchen kenntest!“ fiel ihr der Sohn in's Wort.„Du machst Dir eine ganz falsche Vorstellung von dem süßen, engelhaften Wesen, das in gar nichts seine geringere Herkunft verräth. Meine Braut ist so bescheiden, so sittig, so kinderreinen Herzens und unschuldig heitern Gemüths, daß man gar nicht anders kann, als sie lieb gewinnen. Gewiß, Mutter, nicht ich lasse mich herunter, indem ich das holde Mädchen zu meiner Frau mache, nein, sie erweist mir unverdiente Gunst und Ehre, daß sie mir die unentweihten Schätze ihres Herzens, daß sie mir ihr ganzes liebenswerthes Selbst zu eigen geben will. So sage doch, Mutter, was ist denn aller Glanz und aller Reich— thum der Welt gegenüber solchem Ebenbilde Gottes, wie man es schöner, ursprünglicher, edler nicht zu finden vermag. Sind wir nicht alle gleich arm und gleich hilflos zur Welt gekommen, und was ist ein Name, der uns gegeben wurde ohne eigenes Verdienst, was der Reichthnm, den Andere für uns gesammelt? Nur der innere Werth vermag den einen Menschen über den andern zu erheben, und an innerm Werthe steht sie hoch über mir, ist sie reicher, als irgend ein Mann es zu sein vermag!“ „Du schwärmst wieder einmal, mein Junge,“ lächelte Frau Volkmar mit leisem Spotte,„gar zu hoch in die Wolken darfst Du Dich nicht verlieren, denn dahin vermag ich Dir nicht zu folgen.“ Und ihre ernste Miene wieder annehmend, fuhr sie fort:„Geschehene Dinge lassen sich nicht ändern, und da Du nunmehr Verbindlichkeiten gegen das Mädchen hast, so magst Du es in meinem Namen einladen, uns auf eine Zeitlang zu besuchen. 0 2 c 2 8—n. s — Bitte, laß mich ausreden,“ wehrte sie die stürmische Umarmung ihres Sohnes ab—„ob ich das Verhältniß dann sanktionire, wird immer noch davon abhängen, ob ich Deine Erwählte auch unseres Namens und meines Sohnes würdig finde.“ „O Mutter, ich sage Dir ja schon, ich verdiene sie gar nicht!“—— „Das wollen wir einstweilen dahin gestellt sein lassen,“ schnitt ihm die Mutter das Wort ab;„jedenfalls wird der Schritt, den Du gethan, für uns Alle, namentlich für Deine Schwestern, nicht ohne schwere Folgen sein. Oder glaubst Du etwa, daß Adrian von Kemper oder gar Herr v. Mink— witz Verlangen nach einer Schwägerin vom Dorfe tragen?“ „Es ist abscheu— lich, unverantwort— lich rücksichtslos!“ schluchzte Edith zor— nig auf,„o, wenn ich mir nur vor— stelle——“ „Edith!“ mahnte die Senatorin aber⸗ mals mit Nachdruck, und die Gemaßre— gelte starrte, stumme Wuth in Gesicht und Herzen, krampfhaft auf das Album in ihrer Hand; Gis— bert aber, dem es in der That schwer ge— worden wäre, die letzte Frage seiner Mutter zufrieden— stellend zu beant— worten, küßte ihr statt dessen die wohl- gepflegte, weiße Hand, versicherte sie nochmals enthusi— astisch seiner dank— baren Sohnesliebe, und entfernte sich dann sofort, um an Käthe zu schreiben, das Herz von süßen Hoffnungen ge— schwellt, und den Kopf voll unerreich barer Ideale. Eine Weile blieb still in dem Raume, dann war es Elisabeth, welche leise zu der sinnend vor sich hinblicken— den Senatorin trat, und ihre Hand lieb— kosend auf die der Mutter legte. Aufblickend schaute Frau Volkmar in die in Thränen schimmernden Augen ihrer jüngsten Tochter. „So sehr bekümmert es Dich, mein Liebling?“ fragte sie liebe— voll, die seidenweichen Locken der nun neben ihr Hinknieenden streichelnd. „O Mama, es ist doch hart, sehr hart!“ schluchzte das junge Mädchen,„ich begreife nicht, wie Du das so ruhig aufzunehmen vermagst.“ „Weil ich weiter sehe, als Du und Deine Schwester, mein Kind,“ versetzte die Senatorin, sich in ihrem Sessel aufrichtend. „Glaube meiner reiferen Erfahrung; nichts ist bei solch' jungen, verliebten Hitzköpfen weniger angebracht als offener Widerstand. es Klein Mütterchen. Ein weises Nachgeben dürfte hier weit besser am Platze sein, und uns sicherer zum Ziele führen.“— „Zum Ziele, Mutter!“ warf Edith höhnisch ein.„Ja wenn dies Ziel die Heirath Gisberts mit jenem Schenkmädchen ist, und Du unser Aller Lebensglück seinen Phantastereien zum Opfer bringen willst!“ „Ich hoffe, daß keine von Euch ein Opfer zu bringen haben wird, es sei denn das einer weisen Selbstbeherrschung, meine liebe Edith,“ entgegnete die Matrone mit leiser Zurechtweisung. „Es ist nicht zu leugnen, daß in Gisberts Charakter von klein an ein Zug zum Außergewöhnlichen gelegen; schon als Knabe hing er mit Vorliebe den über⸗ spanntesten Ideen nach, und der Auf⸗ enthalt an der Hoch⸗ schule, der Verkehr mit so viel andern jugendlichen Schwärmern und dazu das in jener Umgebung viel⸗ leicht weit über ihre Sphäre hinaus vor⸗ nehm und anmuthig erscheinende Maͤd⸗ chen haben ihn in seinen romantischen Grillen bestärkt, daß er den festen Boden klarer Einsicht völlig darüber verloren hat. Lassen wir ihm nun seinen Willen, dulden wir, daß er dies kleine Bürger⸗ oder Bauernmäd⸗ chen hierher bringe, so glaube ich nicht zu irren, wenn ich voraussetze, daß das anmuthige Wiesen⸗ blümchen ihrer hei— mathlichen Fluren sich unter den stol⸗ zen Blumen unserer Salons recht sonder⸗ bar ausnehmen und gar bald den Glo rienschein verlieren wird, mit welchem seine Phantasie es bis dahin so frei⸗ gebig umkleidet. Mein Wunsch und Wille ist es daher, daß das junge Mäd chen freundlich auf⸗ genommen werde, doch nicht mit jener Vertraulichkeit, welche ihr von vornherein ihre Stellung im Hause sichern würde— es wird im Gegentheil gut sein, ihr in diskreter Weise den Abstand zwischen ihr und uns möglichst fühlbar zu machen; im Uebrigen gilt sie wie jeder andere Gast und ich bitte mir für sie alle Rücksicht aus, auf die sie in dieser Eigenschaft Anspruch machen darf. Laßt das kleine Landmädchen nur erst in eine andere Beleuchtung treten,— den verworrenen Knoten zu lösen, dürfen wir dann wohl der Zeit und der unausbleiblichen Entnüchterung der beiden Hauptbetheiligten überlassen. Frau Volkmar schwieg er⸗ müdet und einen Moment herrschte tiefe Stille in dem großen Raume. Mit großen, verständnißvollen Augen war Edith den Ausführungen der Mutter gefolgt: jetzt schüttelte sie zweifelnd den schönen Kopf. Von Ludwig Knaus. 2 b * 5 85 Sonderland 293. ientin. Von Fr. Die Pat ————— eee 3— ——— S. S S S A.— WWE AA 294 „Mutter, Mutter, Dein Plan ist zwar fein ausgedacht, mir aber erscheint er allzu gefährlich. Wer bürgt Dir dafür, daß Gis⸗ bert in seiner tollen Verliebtheit zur Einsicht gelangen wird? Und wenn auch, glaubst Du, daß jenes Mädchen dann so ohne Weiteres bereit sein wird, den goldenen Vogel wieder frei zu geben?“ N f „Das laß ein wenig meine Sorge sein, liebe Edith,“ meinte die Mutter mit ruhigem Lächeln;„Tropfen höhlen den Stein aus, und ich kenne auch Gisbert und weiß, wie lange man seiner Begeisterungsfähigkeit trauen darf. Für heute aber laß uns davon abbrechen; ich fühle mich angegriffen und wünsche eine Stunde auszufahren. Möchtest Du meiner Jungfer schellen, Elisabeth!“(Fortsetzung folgt.) Zwei Konzerte. Geschichtliche Humoreske von H. von Remagen. 1 Auf der Spandauer Brücke in Berlin stand ein kleines ein⸗ stöckiges, baufälliges Häuschen. Es machte einen recht kläglichen Eindruck mit seinem halbverfallenen Schornstein, dem melancholisch grauen Dach voll Moos und Grashalmen, den vor Alter ge⸗ krümmten und gerissenen Balken des Fachwerkes; die schmale, der Straße zugewandte Giebelfront war zum großen Theil von dem ehemaligen Kalkbewurf befreit, und die nackten Mauersteine starrten den Straßenpassanten mürrisch entgegen. Dieses Haus hatte in der Gegend einen gewissen Ruf, und zu Zeiten umlagerten es die barfüßigen Gassenbuben in Schaaren, aber auch Erwachsene blieben mitunter davor stehen und lauschten den sonderbaren Tönen, die aus dem geöffneten Giebelfenster drangen; die nichtsnutzigen Rangen sekundirten denselben mit ihrem stereotypen:„Ratsch, ratsch, schrumm, schrumm, schrumm!“ und einer lockte den andern herbei:„Fritze, komm, de olle Baß— geige brummt wieder!“ Das Haus bieß allgemein die Baßgeige, und diesen Namen verdankte es nicht so sehr den bauchigen Formen seiner aus— gebogenen Wände, sondern dem Umstande, daß es dem ehrsamen Musiker Heidemann, Kontrabassist in der Kapelle des Prinzen Heinrich von Preußen, gehörte, der in seiner freien Zeit un— ermüdlich auf seinem räsonnirenden Brumminstrument Passagen und Läufe übte. Heidemann hatte diese Exerzitien eigentlich wohl nicht nöthig, denn angeborenes Talent und eine dreißigjährige Praxis hatten ihn zu einem Meister auf seinem Instrument gemacht; aber die langhalsige brummige Baßgeige war ihm über alles theuer; und er spielte und tändelte mit dieser seiner zweiten Frau Liebsten lieber und mehr, als mit seiner rechtmäßigen angetrauten Ehe— hälfte, welche, in formeller und vokaler Hinsicht der Pseudofrau nicht ganz unähnlich, dem alten Heidemann so manche Szene wegen dieser bigamistischen Anwandlungen machte. Heidemann war jedoch daran gewöhnt und ließ sich dadurch nicht anfechten, und wenn seine Eheliebste es gar zu bunt machte, dann bearbeitete er mit dem mächtigen Bogen die tiefste, dickste Saite des Basses mit solcher gewaltigen marterschütternden Vehe— menz, daß das Knurren seiner Frau vor diesem überwältigenden Gebrumm verstummte, und sie, beide Ohren fest zuhaltend, eilig davon lief. Es war kein Wunder, daß der Musiker seine Baß— geige so hoch hielt, denn die Klänge des geschweiften Holzkastens erwarben ihm seinen Lebensunterhalt, und an den gedrehten Schafsdärmen hing seine ganze Existenz. Er war arm, der alte Heidemann, der nun schon fünfundfüntzig Jahre zählte, und er konnte weiter nichts, als Baßgeige spielen; dabei war er in allen Geschäften so unpraktisch und unerfahren, wie es nur der ver⸗ wöhnteste, berühmteste Künstler sein konnte. Ach, die Einkünfte waren wirklich recht gering, trotzdem er prinzlicher Musiker war, und der Kapellmeister wegen seiner Gutherzigkeit, Pünktlichkeit und Brauchbarkeit große Stücke auf ihn hielt; Schmalhans war bei Heidemann's nicht nur Koch, sondern auch täglicher Tafel⸗ gast, und die Ebbe in der Börse des Musikers war wahrhaft chronisch geworden. Er war ein zufriedenes Gemüth, und mit dem Geringsten nahm er vorlieb; aber er hatte Feinde, die ihm das Leben recht sauer machten. Zu diesen gehörten etliche Kameraden, lustige Burschen, die den Alten seines soliden, ein⸗ gezogenen Lebens wegen nicht recht leiden mochten; aber auch im Thierreich hatte er einen unermüdlichen Widersacher, und das war kein anderer als der Klapperstorch. Heidenreich und seine etwa zehn Jahre jüngere Frau waren doch längst über das Schwabenalter hinaus, aber das klappernde Stelzbein respektirte dieses achtbare Alter nicht im Geringsten; Jahr für Jahr warf er mit boshafter Schadenfreude sein schreiendes Packetchen in den Schornstein der„Baßgeige“, und in diesem Jahre hatte er das Dutzend gerade voll gemacht. Es heißt: Mit Vielem hält man Haus, und mit Wenigem kommt man aus. Heidenreich mußte aber mit Wenigem für Viele Haus halten und auskommen, und das fiel ihm recht schwer, zumal jetzt, da seine Frau noch krank darnieder lag. Sein Ge⸗ halt lief freilich fort, aber die Nebeneinkünfte, die er sonst hatte, waren auch fortgelaufen, denn kein Mensch in Berlin dachte jetzt an Lustbarkeiten und Feste, bei denen die Musiker Verdienst finden konnten; die Zeiten waren schlecht, es war Krieg, und wenn es auch hieß, daß der alte Fritz wiederum gesiegt hatte, und der Friede nahe bevorstände, so wußte doch Niemand etwas Genaues davon. Um so mehr erstaunt war Heidenreich, als ihm eines Morgens der Bote des Kapellmeisters die Nachricht brachte, er solle un⸗ verzüglich mit seiner Baßgeige nach Potsdam aufbrechen und sich spätestens um sechs Uhr Abends in Schloß Sanssouci einfinden!— War denn der König wieder daheim in seinem Tuskulum?— Möglich war es schon, daß er gekommen war, ohne daß Jemand etwas davon wußte; er hatte den Hof und die Bevölkerung schon in jüngeren Jahren manchmal in dieser Weise überrascht, er war sogar nach seiner Hauptstadt gekommen, ohne daß Jemand eine Ahuung davon hatte, ohne daß irgend etwas zu seinem Em— pfange vorbereitet war. Der kapellmeisterliche Bote konnte nur aussagen, daß dem Musikgewaltigen ein Lakai aus dem Hof— marschallamte den Befehl überbracht hatte. Da galt kein Besinnen. Heidemann putzte und rieb seine brummende Stiefliebste so blank wie möglich, kolophonirte den Bogen gut, ließ sich den vorschriftsmäßigen Zopf glatt flechten und die großen Pufflocken über den Ohren neu rollen; er warf sich in den blauen Leibrock, lud die Baßgeige auf den Rücken und wanderte dem Potsdamer Thore zu, von wo aus der große unförmige Personenwagen abfuhr. Er mußte dieses Manter⸗ instrument benutzen, da er nicht in der Lage war, einen andern Wagen bezahlen zu können; einige seiner Kollegen fanden sich ebenfalls ein, unter ihnen auch der Klarinettist Schmollke, einer von denen, welche auf den Alten nicht gut zu sprechen waren. In Potsdam angelangt, erfuhr Heidemann, daß Friedrich der Große in der That aus dem Felde zurückgekehrt sei, die ganze Stadt war voller Jubel, und überall bemerkte man die Vor⸗ bereitungen zu einer glänzenden Feier des Abends. Die Musiker hatten sich im blauen Saale des Schlosses Saussouci versammelt; es war sechs Uhr Abends, und um halb sieben pflegte der König zu erscheinen und das Zeichen zum Beginn des Konzerts zu geben. Leise wurden die Instrumente noch einmal probirt, Erwartung lagerte auf allen Gesichtern. Heidemann war gar nicht recht wohl zu Muthe, er hatte ein eigenes Gefühl der Bangigkeit, welches er nicht zu überwinden vermochte; dazu war er ärgerlich, denn auf der ganzen Fahrt von Berlin bis Potsdam hatte der bos⸗ hafte Schmollke ihn geuzt und geneckt. Um schließlich Herr seiner Aufregung zu werden, ging Heidemann für einen Augenblick in den Schloßbof hinunter; Niemand achtete darauf, daß Schmollke sich mit der Baßgeige des Alten beschäftigte. In wenigen Minuten war dieser wieder im Musiksaale, und kaum hatte er seinen Sitz wieder aufgenommen, so trat auch schon der König durch die ge⸗ öffnete Flügelthür ein, geleitet von einigen seiner Vertrauten. „Bon soir, messieurs“, sagte er lächelnd und winkte den ehrfurchtsvoll sich verneigenden Künstlern zu,„haben wohl nicht erwartet, mich heute schon hier zu sehen!“ Er gab ein Zeichen, das Konzert begann. Die Kapelle des Prinzen Heinrich war eine der ausgezeichnetsten ihrer Zeit, alle ihre Mitglieder waren wahrhafte Künstler. Leise und schmelzend durchzitterten die harmonischen Klänge das Gemach, sich all mählich verstärkend und zum rauschenden Andante ansch wellend. Wohlgefällig lauschte der König, aber bald bildete sich eine Falte. 3 — ö 295. auf seiner Stirn; sein scharfes Ohr vernahm, daß irgend etwas nicht richtig war, er vermißte eine bestimmte Klangfarbe in dem Harmonieverbande, und bald wußte er, was fehlte; scharf blickte er nach dem Kontrabassisten hinüber. Der unglückselige Heidemann! Bleich, mit stieren Augen, saß er da, Schweißtropfen standen auf seiner gefurchten Stirn; ver⸗ zweiflungsvoll strich er auf den Darmsaiten umher, immer stärker drückte er den Bogen auf,— vergebens, es war kein Ton ver— nehmbar! Entsetzen packte ihn; was war das? Der alte Praktikus sah sofort, daß ihm Jemand einen Streich gespielt hatte; die Wirbel am Halse des Instrumentes standen richtig, aber die Saiten, die Saiten! Sie waren von oben bis unten mit Fett beschmiert, so daß der treffliche kolophonirte Bogen machtlos dar— über hinfuhr, ohne in ihnen tönende Schwingungen hervor bringen zu können! Gewaltig drückte er den Bogen auf, da— ein schriller Klang erdröhnte, ein greller Mißklang aus dem riesigen Resonanzboden der Baßgeige, der schneidend den harmo— nischen Zusammenklang durchgellte! „Halt!“ rief der König, welcher alle Musiker mit Namen kannte,„was macht Er denn, Heidemann. Er quikt ja wie ein toller Esel!“ Zitternd, kaum eines Wortes mächtig, erhob sich der Un⸗ glückliche. „Majestät,“ stammelte er,„ein schändlicher Streich— man will mich in's Verderben stürzen.“ i „Was ist ihm passirt?“ „Es hat Jemand die Saiten mit Fett bestrichen, Majestät; es ist Talg, hier sitzt noch ein Klümpchen!“ Er hatte die Saiten mit den Fingern überfahren und hielt nun den Zeigefinger empor, auf welchem wirklich ein Stückchen Talg haftete. Die Künstler standen starr vor Schrecken; zornig zog der König die Augenbrauen zusammen, sein feuriges Auge blitzte in der Runde. „Weiß Er, wer diese Infamie begangen hat?“ „Nein, Majestät!“ „War sein Instrument in Ordnung, als es hierher kam?“ „So wahr Gott mir helfe!“ betheuerte Heidemann. Wieder flammte des Königs Auge durch den Kreis der Künstler, er las auf allen Gesichtern nur Schrecken, Zorn, Entsetzen; aber der König sah scharf, sein Blick haftete durchdringend auf Schmollke, der in der Nähe des Kontrabassisten stand. „Trete Er einmal vor, Schmollke!“ Jähe Blässe überzog das Antlitz des Gerufenen, er wankte vor. „Kehre er Seine Taschen um, flink!“ Zögernd gehorchte er, ein Stückchen Talg rollte auf den Fuß— boden. „Aufheben! Zeig' Er her!“ Bebend wies der Sünder dem zornigen König das corpus delicti hin; die Saiten hatten in das Fett Striemen eingedrückt, Schmollke's Schuld war unzweifelhaft. Starr sah der König ihn an; vernichtet sank der Uebelthäter zusammen. „Pack Er Seine Klarinette ein und scheere Er sich sofort nach Spandau zum Kommandanten; Er ist Arrestant, bis ich weiter verfügen werde!“ Schmollke schwankte hinaus; der alte Fritz aber hatte für diesen Abend alle Lust verloren, sich durch die Kapelle weiter unterhalten zu lassen— er gab den Künstlern unwillig das Zeichen abzutreten, an Heidemann richtete er weiter kein Wort. Es klärte sich bald auf, daß Schmollke nur als Werkzeug von Höherstehenden benutzt worden war, als er den schlechten Streich beging. Der edle ritterliche Prinz Heinrich hatte sich mit seinem königlichen großen Bruder zur Zeit überworfen; Friedrich war unzufrieden mit der Führung des Heeres, welches er dem Prinzen anvertraut hatte, und aus dieser Ursache hatte sich ein tiefergehender Zwist entwickelt, um den alle Welt wußte. Einer der Kammerherren des Prinzen, ein kleinlicher intriguanter Mensch, dachte sich bei seinem Gebieter Gunst zu erwerben, indem er aller⸗ hand erbärmliche Kabalen gegen den großen König anzettelte, nur um ihn zu ärgern und ihm das Leben zu verbittern. Da er wußte, daß Friedrich die Musik liebte, gedachte er ihm einen Verdruß zu bereiten, wenn er ihm den Genuß des ersten Musik⸗ abends nach seiner Rückkehr nach Sanssouci vereitelte. Der mehr leichtsinnige als schlechte Schmollke ließ sich bereit finden, die Hand zur Ausführung des Planes zu bieten, und verfehlte nicht bei dieser Gelegenheit, dem alten Heidemann einen tüchtigen Possen zu spielen. Prinz Heinrich hatte natürlich keine Ahnung von dieser Nichts— würdigkeit; als er davon erfuhr, gerieth er in den heftigsten Zorn und entsetzte den jämmerlichen Kämmerling sofort seiner Aemter und Würde. Schmollke mußte aus der Kapelle austreten, kam aber als Verführter mit drei Monaten Gefängniß fort; der Kammer— herr aber fand in den Kasematten Küstrins zwei Jahre lang Zeit und Gelegenheit, über die Kleinlichkeit seiner Handlungsweise und über die Pflichten gegen seinen König nachzudenken. (Schluß folgt.) Jose Blätter. Reichthum der Bauern in Preußen im fünfzehnten Jahrhundert. Ein halbes Jahrhundert innerer Ruhe und eine milde Regierung der Ordensherren hatten den altpreußischen Edelmann und Landmann zu jener Zeit höchst wohlhabend gemacht. Getreide, Holz, Hanf, Wachs und andere Landeserzeugnisse wurden auf der Weichsel in fremde Lande mit großem Gewinne verschifft. Wenn gleich der steigende Luxus die Einfuhr englischer Tücher, fremder Weine, Gewürze ꝛc. förderte, so behielt dennoch der preußische Handelsstand, der, im Besitze beider Ufer der Weichsel, sich zugleich als Zwischenhändler seiner Nachbarn, der Polen, ja selbst der Russen, aufzuwerfen gewußt, das Uebergewicht. Ausländer staunten über die Wohlhabenheit des Landes. Im Jahre 1403 besuchten den Hochmeister Konrad von Jüngingen einige vornehme Freunde aus Deutschland. Bei einem ihnen zu Ehren angestellten Gastmahle priesen Letztere den überall angetroffenen Reich— thum. Heinrich Reuß von Plauen, der Ordensschatzmeister, entgegnete den Gästen, daß in Niklaswalde ein Bauer wohne, der elf Tonnen Goldes besäße. Die Deutschen faßten dies theils als Prahlerei, theils als Scherz auf, und nur Plauen's Versprechen, daß sie sich selbst davon überzeugen sollten, machte die Zweifelnden verstummen. Konrad von Jüngingen ließ darauf dem Bauer ankündigen, er werde mit einigen Freunden das Mittagsmahl am folgenden Tage bei ihm halten, und solle er den Gästen seinen Reichthum zeigen. Die Hütte, in welcher der Hochmeister sich mit seinen Genossen am folgenden Tage einfand, zeugte keineswegs von der gepriesenen Wohlhabenheit des Besitzers. Zwölf Tönnchen, welche in's Gevierte um den Tisch standen und mit Brettern belegt waren, bildeten die Gesäße. Der Tisch war nur mit gewöhnlichen Speisen besetzt. Während der Mahlzeit fragten die neugierigen Ritter den Landmann, ob das Ge⸗ rücht von seinem Reichthum wahr sei, und Jüngingen forderte den Be— fragten auf, seine zeitlichen Glücksgüter zu zeigen, mit der Zusicherung, daß ihm das Kundwerden derselben keinen Nachtheil zuziehen solle. Treu⸗ herzig erwiderte der Bauer:„Ich weiß, daß verleugnetes Gut dem Herrn gehört, darum habe ich nichts verborgen, sondern euch alles vorgesetzt.“ Er hieß darauf die Sitzenden aufstehen und die Bretter abheben, wo sie nun fanden, daß elf kleine Fässer bis an den Rand, das zwölfte zur Hälfte mit Goldstücken angefüllt waren. Erfreut von dem vertrauungs⸗ vollen Benehmen des Landmannes, befahl der Hochmeister, die zwölfte, halbleere Tonne aus seinem Schatze zu füllen, damit man mit Wahrheit reden könne, er hätte einen Unterthan, welcher zwölf Tonnen Goldes reich sei. M. IL.—I. Entschuldigung. Im Jahre 1740 in der Nacht zwischen dem 19. und 20. Oktober starb der Kaiser Karl VI. an den Folgen einer Erkältung, welche er sich bei einer Jagdparthie einige Meilen von Wien auf dem Jagdschlosse Halbthurn zugezogen hatte.— Bei seinen Lebzeiten hatten die Bauern oftmals Klage über Wildschaden geführt, und nun benutzten sie den Tod des Kaisers und schossen Alles Wild nieder. Darüber zur Verantwortung gezogen, entschuldigten sie sich damit,„sie müßten die Bestien ausrotten, denn diese hätten den zu frühen Tod ihres allergnä— digsten Souverains verursacht. M. Ironie des Unbewußten. Herr von N. traf in seinen Feldern Schweine, die Alles um und um wühlten.„Welchem Schlingel gehören diese Schweine?“ rief er seinem Bedienten zu.—„Ihnen, gnädiger Herr!“ war die Antwort. M. Die gewonnene Wette. Der bekannte Weinhändler Louis Drucker in Berlin wettete mit einem Gaste, daß dieser sich den Rock nicht allein ausziehen könne. Die Wette wurde angenommen, und sobald der Gast sich seinen Rock ausziehen wollte, zog Drucker auch den seinigen aus und die Wette war gewonnen. M. Wörterzahl der englischen Sprache. Die englische Sprache enthält 40,499 Wörter, nämlich: 3 Artikel, 20,500 Substantiva, 9200 Adjectiva, 40 Pronomina, 7823 regelmäßige und 177 unregelmäßige Zeitwörter, 2600 Adverbien, 69 Präpositionen, 19 Conjunktionen und 68 Interjek⸗ tionen. Unter diesen 40,499 Wörtern stammen 6732 aus der lateinischen, 4812 aus der französischen, 1148 aus der griechischen, 211 aus der italienischen Sprache. NM. ccc W 8 *EAGG e 2 8 296. Königspromenade. dir i mägd⸗ dach bau- ben gut] bin lein blut tes gel⸗ vo- mes und] lau on leben dene, chr. 46. sang bach sel- lein me- doch gold⸗ Mund bend über rie-⸗[ M son⸗ blü⸗ all meer nen⸗ 4all len und 7 e a—.— 8 mor- gens höh'n luft trische 8 und we dae quel; so schön nen auf freun des⸗ ö ö 25 ö wand der schat⸗ und belt auf und tand gen sor⸗ 10 1 doch schaut ten⸗ an rhein den durch ab um nen stand ver⸗ den spiel jun- über die husch] bed. un⸗ bunten tand[Iv ge blut das mit welt dae* fe sich 1 fröh⸗][ It und ge⸗ wan⸗ dert leich⸗ tem über fläche] e schaf⸗ lich wohl⸗ muth sinn die hin Silben⸗Räthsel. Aus folgenden Silben: ah ard be burg can co dan dar 8 dro du du e ei en ge gelb hell i ilm in jec la lau ma me na ni niz no o on raab re se si ster ta tal tät te te u ver wa za zig sind 18 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten, und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen einen Ausspruch Lessings ergeben. Die 18 Wörter nennen: 1. Einen Wiederkäuer. 2. Einen Schwimmvogel. 3. Einen Fluß in Ungarn. 4. Ein Sternbild. 5. 11 77 Stadt in Westpreußen. 6. Den Namen eines trojanischen Priesters. Einen deutschen Schriftsteller. 8. Einen männlichen Vornamen. 9. Eine öffentliche Lehrstätte. 10. Eine Person aus der Bibel. 11. Einen Nebenfluß der Weichsel. 12. Eine Stadt am Golf von Genua. 13. Einen Nebenfluß der Saale. 14. Den Namen eines Sonntags. 15. Eine Farbe. 16. Einen 1826 verstorbenen berühmten französischen Schauspieler. 17. Eine Stadt in Westpreußen. 18. Einen Nebenfluß der Rhone. Dreisilbige Cbarade. Verschlossen sind die ersten nie, Sie liegen offen da, Und der Gedank' an Harmonie Ist in der dritten nah! Auch siehst du mich durch Flur und Hain, In Schlangenkrümmung zieh'n, Und um mich auf begrüntem Rain, Die schönsten Blümchen blüh'n. Das Ganze aber ist bekannt Als eine Stadt im deutschen Land. Togogriph. Du magst das immer sein, was dir mein Wörtchen nennet; Das erste Zeichen fort.— Weh! wenn man so dich kennet! Auflösung der dreisilbigen Charade in voriger Nummer: Wind⸗ mühle;— der zweisilbigen Charade: Beispiel;— des Sprichwoͤrter⸗ Räthsels: Glück und Glas, wie bald bricht das;— des Buchstaben⸗ Räthsels: W BE IM A 1 E L 1 O W BI G A1 I. BUG Z A B EER GG E N NOR DEN 5 chach. Problem Nr. 527 von J. Dobrusky in Prag. (Aus der„Zlata Praha.“ Schwarz. . . III 1 n i 2 12 en * 12 g 12 3 2 . 1 N 2 ,.. Weiß U Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Vartie Nr. 295. Gespielt am 8. August dieses Jahres im Meisterturnier zu Nürnberg. Weiß: Dr. Tarrasch.— Schwarz: Mieses. 1) e2—e4 7-5 2 8 SbSs-c 3) 8b1— es 8g8—16 5) 4) dz da-d: 5) 8f3— da: e7—e5 6 8d4—-bõ a7-ab 7) Sb5—-d6“ LfS dé: 8) Dd l- ds: Dds- ab 9) Lel-d Da5—b4 10) Dd6-b: Sc6—ba: 115 0-0—0 b7-bß 12) Ld2—g5 Stö- g4 13) Lgö-h4 7—f6 14) LfI—e2 Ss4—16 10 a2—a4 2 16) Se- a:) 14857 5 17) Sa4 59 Tas-es! 1) Der übliche 9 ist e7 es. 2) Schwarz hat 18) 20 33 Lez— hig! Sc5-b7: Keb Lh4-f6: Lf6-eß: Tdi d: Leb-es Thi dl“) 1d7-e7 Te7-s) b2- cg: Sb7- ds h2—h4 h4—-gö: Kbl— 2 Ke2—b3 Ks—ez 55: 0 —0l 11812: Shé-f Sba-c) Scb-—ed Kgs—8 10 877— 6500 Schwarz giebt die Partie auf. chon 11 905 schwieriges 1 4 75 es droht der Verlust des Bauern aß durch 17) c Sc6 18) Sb Tbs 1 Tes: 20) 3) Tbs hätte das Spill 955 1 Kae besser gestellt, 3. B. 17) cg Scg 18) Ses a5 loder T6] 19, 1d2 Str 20) Led ic. 4) In Betracht kam 17) Sb Tas 18) c Scg 19) Lhöf Ke7 ebenso sehr 17) c Scs 18) Sc5 Les 19) Td2 2c. resp 528 5) Etwas besser war wohl die Rochade, 3. B. 20)—0 21 23) Td7: fd: 24) gs T8-c 6) Schwarz bat keinen guten Zug mehr, auf L622 jolg 27 Scß nebst S457 ꝛc. resp. 25).. 16 26) Tesf Kh7 27) Tdl ꝛc. 7) Mittelst Te7 konnte Weiß Offiz ier oder N e schon hier 8 denn Sds(falls Sa 7, so Saß ꝛc.] 26) Sas Sds: 27) Tes 5 Auf Led. wäre Les die Antwort gewe sen. 9) Das Qualitätsopfer ist erzwungen Weiß drohte sowohl Les und Matt, wenn der Springer wiedernimmt, als Lb4 nebst T2 12d 28 10) Dieser Zug kostet einen Offtzier, aber auch andere Vice konnte — es drohte Verlust des Springers durch 30, reh g7 31) Ses Kg 32) 181 pielte Schwarz 5 Abwehr den Thurm nach e, so genügte um 1 Gewinn durch die Freibauern zu erzwingen: 29) 2 150 Ein Verzweiflungszug! Auf 88517 wäre III gefolgt. Aus der Schachwell. In dem Hauptturnier des Nürnberger Schach kongresses mit el einer nach der vierten Runde zurücktrak, fiel der erste Preis an zweite und dritte(getheilt) an H. Caro in Berlin und E. Varain i an M. Kürschner in Nürnberg, der fünfte und sechste an t Et München. Aus dem Nebenturnier mit sechs Theilnehmern ging Rosenbaum in erster Sieger hervor. Eine Tabelle über den Verlauf des Nürnberger Hauptturniers 20) Sdöf Kes ic. und 1 18) Kd2 Scs 10) Sch ic. ) Lis 85 22) L8 84 t 25) Te7 Ks 26 Ter Tes, Tdöct Tas, 20) Ke2 n den Verlust nur noch chon der Abtausch aller 1— 12 30) S7. S7. 31) T4 5 ee von denen in, der 818 in 9 1. 255 und E. 87 in und eine solche über dat mittlerweile auch entschiedene internationale Meisterturnter zu Brad ford wird, einer der nächsten Nummern 1 N in dem letztgenannten* un 5 Mackenzie, .(getheilt) Blackburne und 2 Geiß. geheilt) von Bardeleben Auriefwechsel. Dr. K. in G. Ibre Lösung zu Nr. 522 ist leider in die Aufgabe durch Verschie bung* folgender Stellung Schwarz Ke, Taz, dz, Lal, g noch eine Ne Weiß: Kas. Sd, 8, Bas, b3, C4, eö, 86, h7. Matt in nd: l. Gunz berg. 1 V. Burn, e 14 Druc und Verlag der„Volks- Zeitung“, Att. Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lüzowstr. 105.