Beilage zu den Ouerhessischen Unchrichten. 3 Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 8. Januar. 1888. II. Ballsaal und Straße. Bei dem wirklichen Staatsrath Paul Andrejewitsch Welikanow war große Abendgesellschaft. Die lange Fensterreihe im ersten Stock seines palastähnlichen Hauses in der„Großen Morskaja“ — der Straße der Millionäre und der hohen Würdenträger in St. Petersburg— war glänzend erleuchtet. Vor dem Hause stand eine lange Reihe von Schlitten. Wie aus weiter Ferne hörte man rauschende Tanzmusik. Die Kutscher, deren Embon— point den Stolz ihrer Herren ausmachte und als Maßstab für den Reichthum und die Ueppigkeit des Hauses, dem sie dienten, gelten sollte, saßen in träumerischer Betrachtung, oder auch schla— fend auf dem Bock, oder suchten sich dadurch zu erwärmen und 0 gegen die schneidende Kälte der Januarsnacht zu schützen, daß 4 sie auf dem knirschenden, scharf gefrorenen Schnee umhertanzten, 1 die Arme um die Schultern klatschten, sich im Scherze stießen N. und balgten. Zwei oder drei Polizeisoldaten in dicken Pelz⸗ 1 mänteln mit dem Baschlik(Kaputze) über Kopf und Mütze hatten 1 sich dazu gesellt, um die etwas ungeberdige Gesellschaft in Ord⸗ nung zu halten und gelegentlich wohl auch einen guten Schluck zu erjagen aus einer Branntweinflasche, die irgend ein Iwan oder Andere sich vorsorglich eingesteckt hatten. Hell erglänzte die Straße im silbernen Lichte des Vollmonds, welches auf dem Dach des nahen kaiserlichen Winterpalastes schimmerte und dort zur Linken in der prachtvollen, vergoldeten Kuppel der Isaakskirche sich wiederspiegelte. Es war um die elfte Stunde, als ein leichter Schlitten in raschem Lauf vom Newsky-Prospekt herkam und mit plötzlichem Ruck vor der Thüre hielt. Ein hochgewachsener junger Mann in langem Pelzmantel stieg aus und trat in das Haus. An dem sich verneigenden Portier in großer Gala vorüber⸗ schreitend, überließ er einem Diener im Vorzimmer seinen Pelz, legte Mütze und Galloschen ab und stand in tadelloser Ball— toilette vor dem Spiegel, um nochmals genaue Musterung zu halten. Natürlich saß die Kravatte nicht mathematisch genau in der Mitte— das ging durchaus nicht au und erforderte sorg— fältige Abhilfe. Dann, nach einem prüfenden Blick auf das glänzend schwarze, sorgfältig gescheitelte Haar, auf den hoffnungs⸗ vollen Schnurrbart, betrat der junge Mann die glänzend er⸗ leuchtete Treppe, welche allein schon von dem Reichthum Seiner Excellenz laut und vernehmlich Zeugniß ablegte. Es war eine Verschwendung von schwarzem und weißem Marmor, von Ver— goldung, Sammet und kostbaren Teppichen, für welche der Jahres— gehalt wohl von einem halben Dutzend von Staatsräthen kaum hinreichen mochte. 5 Wir nehmen das Recht in Anspruch, uns den Ankömmling Vor dem Sturm. Roman aus dem modernen russischen Leben von A. L. Berthoff. (Fortsetzung.) noch früher vorstellen zu lassen als dem Herrn des Hauses.— Maxim Petrowitsch Marlitzky, Student der Petersburger Univer— sität, war von stattlicher Gestalt und hatte trotz seiner Jugend schon scharf ausgesprochene Züge. Seine breite Stirn, sein her⸗ vortretendes, starkes Kinn sprachen von Entschlossenheit, eine tief eingegrabene Falte zwischen den Augenbrauen, der düstere Glanz seiner Augen zeugten von langem Nachdenken, vielleicht von einem tiefliegenden Kummer. Seine regelmäßigen Züge hatten nur wenig von echt russischem Typus und eine sehr schwach angedeutete Adlernase ließ eher auf polnische Abkunft schließen, welcher auch sein Familienname mehr entsprach. Der Herr des Hauses empfing ihn mit dem Ausdruck auf—⸗ richtiger Freude. „Wir sind Ihnen böse, Maxim Viktorowitsch, daß Sie so selten sich bei uns zeigen. Strengen Sie sich so sehr mit Ihren Studien an, oder— bietet unsere lebenslustige Residenz andere Verlockungen, die Sie in Anspruch nehmen?“ fügte er lächelnd hinzu. 8 „Halten Sie mich nicht für undankbar, Excellenz, wenn ich dem Lebenszweck, der mich nach Petersburg führte, anscheinend zu eifrig nachlebe, aber seien Sie überzeugt, daß nichts mehr Reiz für mich haben könnte als die geistigen Genüsse, welche Ihr gastfreundliches Haus bietet.“ Der Staatsrath war ein rüstiger Fünfziger, mit kaum merk— bar ergrautem Kopf- und Barthaar. Der Ausdruck seines Ge— sichts war ein Gemisch von Entschlossenheit und Gutmüthigkeit, es sprach von stolzem Bewußtsein des Erfolgs und von höf⸗ lichem Entgegenkommen des gastfreundlichen Wirths. Die Gast— freundlichkeit ist ja eine der liebenswürdigsten Seiten des russi— schen Charakters. Augenscheinlich geschmeichelt durch die schlagfertige Antwort Maxim's, drückte ihm Welikanow die Hand und führte ihn zu seiner Frau. Olga Tatwejewna saß im zweiten Salon, welcher von einem reichen Damenflor eingenommen war. Die Konver⸗ sation war im lebhaftesten Gang und mit vielen französischen Phrasen untermischt. Sie hatte ihre Tochter, Irene Paulowna, neben sich, eine vollendete Schönheit von kaum achtzehn Jahren mit reichem blonden Haar und prachtvoller Haltung, welche, vereint mit ihrer überaus kostbaren Toilette, einen imposanten Anblick darbot. „Ach, Maxim Victorowitsch, ein seltener Gast,“ sagte die Staatsräthin zu dem jungen Mann, der ihr die Hand küßte. „Wo sind Sie so lange gewesen? Gewiß haben Sie inzwischen viel erlebt und erfahren. Geschwind, erzählen Sie uns das Neueste.“ 5 1 = N 8 G. Maxim war etwas verwirrt, er hatte nicht daran gedacht, = 10. daß es für einen jungen Mann ein bedenklicher Fehler ist, nichts Neues zu wissen. Und doch ist dies oft sehr schwer, denn es giebt in der Residenz so Vieles, was man gar nicht wissen darf. Doch er faßte sich schnell und erwiderte, sich verneigend: „Excellenz, ich bin so verwirrt durch soviel Schönheit und Grazie, daß ich Alles vergessen habe. Ich weiß nur eins, daß ich stets glücklich bin, Ihnen meine tiefe Verehrung ausdrücken zu können.“ „Schmeichler!“ erwiderte die Staatsräthin, augenscheinlich au— genehm angeregt,„wenn das wahr wäre, würden wir Sie nicht so selten sehen.“ Neue Ankömmlinge veranlaßten Maxim, sich etwas zurück— zuziehen. Bald wuchs das Gedränge in allen Sälen.— Der Tanz begann. Maxim war so glücklich, einen der ersten Tänze mit der vielumworbenen Tochter des Hauses bewilligt zu er— halten. Die rauschende Musik, die Schönheit und Lebenslust des jungen Mädchens an seiner Seite, verfehlten nicht ihre Wirkung und verscheuchten für kurze Zeit den Ernst, der von Maxims Wesen unzertrenntlich schien. Ein unwillkürlich be— wundernder Blick Maxims war von Irene aufgefangen worden und schien ihr als schuldiger Tribut lebhaftes Vergnügen zu verursachen. Sie richtete ihre imposante Gestalt auf und blickte fröhlich in das Getümmel rings umher. Es war nicht ihre Schuld, daß ihr Blick mehr als einmal dabei ihren Tänzer traf, denn er stand nun eben gerade da, wohin sie sehen wollte. Doch dieses stumme Fragen und Antworten konnte nicht ewig dauern. „Haben Sie mir sonst nichts, gar nichts zu sagen, Maxim Viktorowitsch?“ fragte sie halb lächelnd, halb ungeduldig. „Sonst?“ erwiderte Maxim,—„habe ich denn schon etwas gesagt?“ „Nun ja! Mit den Augen haben Sie gesprochen, und warum schämen Sie sich, das auf gut russisch zu wiederholen, was Ihre Augen in der allgemein verständlichen Weltsprache redeten?“ „Was meine Augen sagen, vielleicht ohne mein Wissen und Willen, das sind meine innersten Gedanken, und ich habe kein Recht, mein Fräulein, Ihnen diese aufzudrängen.“ erheben. richtete, könnte mich rasend machen! Nun, wir werden sehen, Verlust im Wint.“) Die meisten saßen still, fast regungslos, zu⸗ „Hören Sie, Maxim Viktorowitsch, Sie sind nicht aufrichtig,“ erwiderte das junge Mädchen, während ein Schatten von Ernst den Ausdruck von strahlender Lebenslust auf ihrem Gesichtchen um einen Grad minderte.—„Warum dieser fremde, zeremonielle Ton, sind wir nicht Jugendfreunde, so zu sagen Schulkameraden?“ „Gewiß,“ erwiderte der junge Mann in herzlichem Tone, — Hund ich werde nie die Stunden vergessen, die ich Ihrem Eklternhause verdankte. Aber verlangen Sie nicht von mir, daß ich Ihnen wiederholen soll, was Ihnen schon in tausend Kom— plimenten gesagt worden.“ Irkutsk geschrieben, ja wir haben sogar nach allen Stationen war hier ein willensstarker Charakter an einer empfindlichen „Nun und warum denn nicht?“ sagte das junge Mädchen, mit heiterem, unbefangenem Lächeln,—„Komplimente sind doch etwas sehr Angenehmes. Ich liebe sehr, sie zu hören. Aber gerade von Ihnen ist nichts der Art zu vernehmen.“ Maxims Ernst wich bei diesem naiven Ausdruck kindlicher Unbefangenheit. „Sie sagten doch soeben selbst, meine Augen hätten ge— sprochen,“ erwiderte er lachend. Ihren Beifall?“ „Nein,“ sagte Irene mit komischer Ernsthaftigkeit,—„das genügt nicht. Komplimente will man nicht allein vom Gesicht ablesen, man will sie hören, um an ihre Aufrichtigkeit glauben zu können.“ reichung seines Ziels eine Beleidigung ist, der aber mit der „Hat diese Aeußerung nicht „Um au ihre Aufrichtigkeit glauben zu können?“ wiederholte Maxim verwundert.„Nun, ich wünsche von Herzen, Irene Pawlowna, daß Sie Ihre optimistische Weltanschauung immer behalten und niemals eine Enttäuschung erfahren möchten. Nur Wenige vermögen es, an die Aufrichtigkeit von Ball-Kompli⸗ menten zu glauben.“ Maxim versank wieder mehr als zuvor in düstern Ernst. Auch Irene blieb nachdenklich und als sie sich am Schlusse des Tanzes stumm trennten, traf ein halb fragender, halb trauriger Blick sein Auge. Maxim verließ langsam den Tanzsaal, um sich auf einen Augenblick in den Spielsälen umzusehen. Seine Unterhaltung für Handel und Wandel, neue Handhaben für Polizei- und Be⸗ mit Irene war nicht unbeachtet geblieben,— sie war ja für Niemand im Saal ein Geheimniß gewesen.— Aber dort an der einen Säule unter dem Orchester lehnte ein junger Mann von nicht unangenehmem Aeußern, dessen struppiges rothes Haar und funkelnde Augen ihm aber in diesem Augenblick etwas Unheim⸗ liches, Abstoßendes verliehen. Es war Peter Iwanowitsch Semenow, ein junger, unbedeutender Beamter, der aber dennoch wagte, seine Augen zu der Tochter des reichen Staatsraths zu „Aha! Also dieser ist's, Marlitzky, dieser Halbpollak, der mir in den Weg kommt. Schon der eine Blick, den sie auf ihn wir werden sehen! Ich werde sie Alle beseitigen, und sollte ich tausend erwürgen, Alle, die mir den Weg zu ihrem Herzen streitig machen!“ Inzwischen durchwanderte Maxim ziellos die übrigen Sale und Spielzimmer. Dort saßen an Dutzenden von Spieltischen die Männer und Väter der tanzenden Damen eifrig an der Arbeit, als gelte es, noch diese Nacht ein wichtiges Werk zu vollenden. Zahllos waren die Abstufungen vom vergnügten Lächeln des Gewinnes bis zum Aerger über den schlechten nach— lässigen Partner, oder gar bis zur Angst über erlittenen schweren weilen wischte einer der Spieler die Stirne oder trank hastig ein Glas Champagner. Plötzlich fühlte Maxim, daß eine fremde Hand auf seine Schulter gelegt wurde, und eine wohlklingende Stimme rief: „He, Freund Maxim Victorowitsch, warum so nachdenklich, keunst Du mich nicht mehr?“ Maxim wandte sich um und erblickte das wohlbekannte Gesicht seines Freundes Wladimir Nikolajewisch Karzow. Er⸗ freut reichte er ihm die Hand. „Wie geht es, Freund, wir haben uns seit Monaten nicht gesehen, aber komme hinaus, hier ist es schwül.“ Sie traten in eins der Büffetzimmer, die immer stark be— sucht waren und nahmen in einer einsamen Ecke Platz. „Nun,“ begann Karzow,„Freund, erzähle, wie lebst Du jetzt, hast Du noch keine Nachrichten, keine Spur gefunden?“ „Nichts,“ erwiderte Marlitzty düster.„Wir haben nach der endlosen sibirischen Straße zwischen Kasan und Irkutsk ge— schrieben. Aber theils kamen gar keine, theils ganz verworrene Antworten, den Vermißten will Niemand gesehen haben.“ „Nun, verzage nicht, gieb die Hoffnung nicht auf,“ tröstete Karzow. „Ich die Hoffnung aufgeben? Nie und nimmer!“ rief Maxim mit ungewöhnlicher, fast wilder Heftigkeit aufspringend. Offenbar Stelle berührt worden, dem schon ein leiser Zweifel an der Er— Kraft seines Willens oft das Unmögliche möglich macht. Maxim ging einige Male hastig auf und ab mit zusammen— gezogenen Augenbrauen und fest geschlossenen Lippen. Dann trat er wieder zum Freunde. „Nimm meine Aufregung nicht übel, aber ich kann sie nicht immer bändigen,“ sagte er. Karzow suchte auf ein anderes Thema zu kommen. „Du weißt,“ sagte er,—„daß ich jetzt im Ministerium des Innern diene.“ „Nun, und,— giebt es nichts Neues? Wo sind denn alle Eure Reformen, von denen so viel gesprochen wird?“ „Reformen?“ erwiderte Karzow,„daran ist jetzt wenig zu denken, wir haben anderswo alle Hände voll zu thun.“ „Ja, ich weiß, jetzt werden die Reformen, die eine bessere, jüngst vergangene Zeit gebracht, wieder reformirt. Ueberall regnet es neue Vorschriften, im Zollwesen, im Polizeiwesen, im Eisenbahnwesen,— welche nur neue Fußangeln und Hindernisse amtenwillkür schaffen. Kein Wunder, wenn überall die Er⸗ bitterung wächst. Nun, Ihr werdet sehen,“ fuhr Maxim mit Bitterkeit fort,„wohin das Alles führt.“ „Die Schraube,“ eine Art Wbist. 2 8 D I D „Bah,“ erwiderte Karzow in gemüthlichem Tone,—„ich glaube nicht an das Märchen von dem Vulkan, auf dem wir tanzen! Dazu ist Rußland nicht geeignet. Die ungeheure Masse des Volks ist ohne jedes Verständniß, ist nur Sand,— keine Lava! Wenn nur die Regierung wachsam ist, so glaube ich doch nicht, daß Signora Patti noch diesen Winter nach Peters— burg kommt. Man sagt, sie beabsichtige eine Tour in den Ver— einigten Staaten.“ Verwundert sah Maxim nach seinem Freunde, in ernster Be— sorgniß um dessen geistigen Zustand. Doch dieser saß gemüthlich lächelnd ihm gegenüber, mit der harmlosesten Miene der Welt, und als Maxim seinem Blicke folgend, sich umwandte, sah er einen jungen Mann vorübergehen, dessen haßerfüllten falschen Blick er heute schon einmal auf sich gerichtet gesehen hatte. Karzow tauschte einen flüchtigen Gruß mit ihm aus. „Wer ist dieser Herr?“ fragte Maxim, nachdem Jener sich entfernt hatte. „Das ist ein gewisser Semenow, ein Beamter, der aber ge— mieden wird, da er im Rufe steht, auf jede Weise, auch durch Spionage und Angeberei, Karriere machen zu wollen.“ „Wir werden gut daran thun,“ bemerkte Maxim,„unser Gespräch anderswo fortzusetzen. Besuche mich doch wieder, Freund. Es ist schon spät. Ich habe noch einen weiten Weg nach Hause. Auf Wiedersehen!“ „Gewiß, ich komme! Schon morgen werde ich Dich besuchen. Vieles habe ich Dir zu sagen. Also auf morgen,“ erwiderte Karzow, dem Freunde die Hand drückend. Langsam verließ Maxim das gastfreie Haus des reichen Staatsraths. Er blickte die Straße auf und ab, um vielleicht einen Schlitten zu entdecken, doch vergebens; nur Privatschlitten standen in langer, bereits etwas lückenhaft gewordener Reihe vor dem Haus. Maxim war dies gar nicht unangenehm. Was kann es Schöneres geben, als einen Spaziergang bei Vollmondschein über: den Newsky-Prospekt, auf dem knirschenden Schnee, gegen die Kälte wohl verwahrt durch Pelz und warmes Fußwerk? Welch angenehmen Kontrast gegen die Schwüle der überfüllten Säle bildete die scharfe, frische Luft der Januar-Nacht! Maxim machte sich auf den Weg in gemäßigtem Schritt. Der letzte Schneefall hatte alle Vorsprünge an den Häusern, alle Verzierungen mit einer dicken Schneeschicht belegt, welche, vom Mond beleuchtet, den Facaden ein phantastisches Ansehen gab. Maxim ließ die Bilder des heutigen Abends noch einmal an sich vorüberziehen und versank in tiefes Nachsinnen, während er den Newsky-Prospekt hinabschritt, um dann links in den Litjeny-Prospekt einzubiegen. Er sah, er war gern gesehen in dem Hause des reichen Staatsraths. Welikanow war ja gar kein eigentlicher Staatsrath, er war ein Geschäftsmann, welcher durch glückliche Unter— nehmungen rasch ein großes Vermögen erworben hatte. Den Titel eines wirklichen Staatsraths, welcher den erblichen Adel giebt, hatte er durch ein für ihn geringfügiges Geldopfer erlangt. Nun, gleichviel! Und die Tochter! Ihr letzter fragender Blick hatte eine Welt von Fragen in ihm erweckt. Liebte sie ihn? Es war kein Zweifel, daß sie ihn auszeichnete. Aber nicht jede Phantasie eines achtzehnjährigen Mädchens ist auch gleich Liebe! An Maxim's Stelle hätten Tausende ganz anders geschlossen, und Maxim schien den Beweis zu liefern, daß es auch Männer ohne Eitelkeit giebt. Oder konnte er nur deshalb so kühl bleiben, weil sein ganzes Wesen von einer andern Idee eingenommen war, welche noch mächtiger als die Eitelkeit sprach? „Aber liebte er sie denn?“ fragte sich Maxim weiter. Nein? Nun dann war es doch Ehrensache, so schnell als möglich ab— zubrechen, es war Ehrensache, keine Hoffnungen zu erwecken, die i er nicht erfüllen wollte.— Aber war es denn seine Schuld, wenn sie ihr Herz nicht besser zu bewachen verstand? Hatte sie nicht ihre Mutter als Rath und Beistand, wie durfte diese zu⸗ lassen, daß Irene ohne der Mutter Wissen wählte, noch lange bevor sie Welt und Menschen kennen lernen konnte? Maxim war im Begriff, in den Litjeny-Prospekt einzubiegen, und wandte sich um, um nochmals den langen Newsky-Prospekt in dieser selten schönen Beleuchtung zu betrachten. „Und doch, warum sollte er sie denn nicht lieben? Das muß doch noch erst näher untersucht werden,“ dachte der zukünftige Arzt weiter.„Ist sie nicht liebenswürdig, jung, schön, von vor— trefflichem Charakter? Gewiß! Sie wäre wohl werth, daß man sich ernstlich um sie bemühte.“ „Nein! Nein!“ schrie er plötzlich mit Heftigkeit laut auf, „fort mit diesen Gedanken, bis ich den Vater wieder gefunden!“ Erstaunt über sich selbst sah er um sich, ob Niemand seinen Ausruf gehört habe, und verwundert über den Wiederhall in der Straße. War es nicht Wiederhall?— Nein, es war Aut— wort! Sonderbar!— Wo?— Jetzt hörte er einen unterdrückten Schrei und wieder: „Hilfe! Mörder!“ Maxim war von Herzen gerne hilfsbereit. Furcht kannte er nicht und gerade jetzt war ihm eine Ableitung für seine auf— geregten Gedanken willkommen. „Karaul! Karaul! Wache!“ rief er laut, um weitere Unter— stützung herbeizurufen und eilte vorwärts. Noch ein anderer Mensch lief in derselben Richtung, wie um zu helfen, kam aber Maxim so ungeschickt in den Weg, daß dieser ihn überrannte und der Mensch fluchend zur Erde fiel. „Hilfe! Hilfe!“ kam wieder ein schrecklich angstvoller Ruf. Maxim eilte stürmisch vorwärts in der Richtung, von wo der Ruf kam. Da sah er am Eingang eines engen Neben- gäßchens zwei Männer eine vermummte Gestalt mit sich zerren, welche sich verzweifelt sträubte. Mit gewaltigem Stoß traf er den einen der Räuber, daß er schwer zu Boden fiel, während der Andere ein Messer zog, fluchend nach Maxim einen Stoß führte und dann entfloh. Er hatte schlecht getroffen, nur Maxims Pelzmantel war unter dem rechten Arm durchbohrt. Maxim wandte sich jetzt zu der vermummten Gestalt und fand zu seinem Erstaunen und Entsetzen ein junges Mädchen, anscheinend aus gutem Stande, welchem die Räuber ein Tuch über den Kopf geworfen und dann festgebunden hatten, damit die Hilferufe nicht gehört würden. Es war die höchste Zeit, daß Hilfe kam, denn Widerstand war fast unmöglich und noch einen Augenblick, so wären die Räuber mit ihrer wehrlosen Beute spurlos verschwunden in irgend einem Schlupfwinkel. 5 Außer sich vor Angst, war das Mädchen noch nicht im Stande, Maxims Fragen zu beantworten. Er suchte vergebens, ihr Muth einzusprechen, sie schien ihn kaum zu verstehen und war in kon⸗ vulsivisches Weinen ausgebrochen. Maxim fuhr fort, ihr zuzu— reden und nach ihrer Wohnung zu fragen, um sie sicher dahin zu bringen.— Da plötzlich schrie sie mit dem Ausdruck des Entsetzens laut auf, die Arme abwehrend ausstreckend,— ein schwerer Schlag traf Maxims Kopf, er taumelte, Nacht senkte sich auf seine Augen, er verlor das Bewußtsein und sank zur Erde. (Fortsetzung folgt.) Das Orakel der Hulvesternacht. Erzählung von A. Brüning. (Fortsetzung) Was ich litt unter der Erkenntniß, die jene nie vergessenen Worte mir brachten, vermag ich nicht zu schildern. Sie, die ich so glühend liebte, mir auf ewig verloren— verbunden in heimlicher Ehe mit dem Rebellen! Ich konnte es nicht fassen, und doch ließ das Billet keine andere Deutung zu.... Mir war, als ob mein Herz plötzlich stille stände, als ob Alles kalt und todt wäre, was dar⸗ innen noch vor wenigen Minuten so hoffnungsfreudig geglüht und geblüht. Nichts war übrig geblieben als ein wilder grausamer Durst nach Rache— Rache für den Verrath, den ich in jenen Augenblicken ohne Ueberlegung und Gerechtigkeit an mir von der⸗ jenigen begangen wähnte, der ich meine Liebe geweiht und die doch in Wahrheit mir niemals irgend eine Hoffnung auf Gegen— liebe gegeben. Mechanisch faltete ich das verhängnißvolle Papier zusammen und schob es wieder an seinen vorigen Platz in das Notizbuch, das ich dann ebenso mechanisch schloß und in meiner Brust⸗ tasche barg. Noch war keine Ordnung in meine chastisch durcheinander⸗ wirbelnde Gedanken gekommen; ich wußte nur, daß ich mich N N 8 8 2 2 5* 5 1 NO 2——5———s.'———— * 12 2. rächen wollte, wie, das war mir im Augenblick freilich selbst nichts Besonderes aufgefallen?—— Keine Ausflüchte! es ist noch nicht klar.— Als ich mich, nothdürftig gefaßt, endlich zur Gesellschaft zurückwandte, fand ich meine Kameraden in einiger Aufregung; eben war ein Diener im Saale erschienen und hatte unsern Oberst abgerufen. Draußen sei eine Ordonnanz mit einer wichtigen Meldung, hieß es. Mit begreiflicher Spannung harrte man seiner Rückkehr, konnte doch bei der jenseits des Grenzflusses herrschenden Gährung jede Stunde irgend eine alarmirende Nachricht bringen. 1 In der allgemeinen Erregung fiel mein verstörtes Wesen 5 nicht auf; ich mußte aber unwillkürlich die Angelegenheit mit dem soeben gelesenen Billet in Verbindung bringen. Als nach einigen Minuten der Oberst wieder eintrat, war sein Gesicht sehr ernst, dennoch wehrte er unsere ungestümen Tadsch bei Agra. Fragen mit einem sorglosen:„Nichts von Belang, meine Herren, lassen Sie sich in Ihrem Vergnügen nicht stören!“ ab. Mir entging es aber nicht, daß eine Wolke auf seiner Stirn verblieb und er zuweilen scharf beobachtende Blicke auf unserm liebens— f würdigen Wirth ruhen ließ. Komteß Wladislava war noch nicht 5 wieder zu der Gesellschaft zurückgekehrt. Nach einer Weile erhob sich der Oberst und schritt zu einem Nebensalon, wo musizirt wurde, zu meiner Verwunderung mir 5 einen verstohlenen Wink gebend, ihm dahin zu folgen. Dort 3 nahn er auf einem von mächtigen Palmwedeln überdeckten kleinen . Eckdivan Platz, wo ich an seine Seite genöthigt und wie 9 ich wohl merkte zum Schein in eine lebhafte Konservation über Musik von ihm verwickelt wurde.„Bitte, bitte, gnädiges Fräulein, nun einmal die„Türkische Schaarwache!“ das ist mein Leibstück!“ rief er plötzlich zu der am Klavier sitzenden jungen Dame hin über, als diese eben wieder eine Piece beendigt hatte und unter den rauschenden Klängen dieses Musikstücks wechselte er dann unvermittelt den Gesprächsgegenstand, indem er sich nahe zu mir neigte und flüsternd fragte: „Ich weiß, Sie beschäftigen sich viel mit der schönen Tochter G5———————— dies eine dienstliche Frage,“ unterbrach er mich mit scharfer Be⸗ tonung, als ich verwirrt eine unzusammenhängende Autwort stammeln wollte,„Ihre Pflicht ist es, dieselbe der Wahrheit gemäß zu beantworten.“ 5 Trotz des heißen Rachedurstes, der mich erfüllte, widerstrebte es mir, den Angeber zu machen! „Komteß Wladislava war allerdings heute ein wenig unruhig und zerstreut,“ gab ich zögernd zu,„doch schien mir ihre Er⸗ klärung, daß der Sturm sie nervös mache, völlig ausreichend dafür; ich verstehe daher nicht, was der Herr Oberst mit dieser Frage meinen könnten?“ Mein Chef sah mich einen Augenblick scharf prüfend an, es wurde mir schwer genug, unter seinem durchdringenden Blick meine unbefangene Miene zu bewahren. Gartenpforte. „Gut, so will ich mich deutlicher erklären,“ sagte er nach einer schwülen Pause,„aber verstehen Sie wohl, Herr Lieutenant, es ist strenges Dienstgeheimniß, was ich jetzt Ihrer Ehre an⸗ vertraue. Die vorhin eingetroffene Ordonnanz brachte mir die von dem nächsten russischen Kommando eingelaufene Meldung, daß ein vornehmer Pole, in welchem man ein hervorragendes Mitglied der bestehenden Revolutionspartei vermuthet, einen regen nächtlichen Verkehr mit dem hiesigen Schlosse unterhielte. Es sei zweifelhaft, ob diesem geheimnißvollen Besuche eine Lieb— schaft mit der schönen Komteß oder ein politisches Einverständniß mit deren Vater— möglicherweise auch Beides zusammen— zu Grunde liege. Da man nun vermuthet, derselbe werde diese Sturmnacht abermals zu einem solchen Besuch benutzen, so sind wir gebeten worden. hier auf ihn zu fahnden und im Ergreifungs⸗ falle ihn der russischen Regierung auszuliefern. Auf Grund dieser Mittheilungen ist mir nun von unserm Oberkommando der Befehl zugegangen, ein wachsames Ange hier auf das Schloß und seine Bewohner zu haben, und den Polen bei seinem toll⸗ kühnen Unternehmen womöglich— sei es durch List oder Gewalt— abzufassen. Der Auftrag ist mir gegenüber dem Grafen, dessen des Hauses, Herr Lieutenant, ist Ihnen an derselben heut Abend Gastfreundschaft wir eben genießen, wie Sie begreifen werden, unendlich peinlich, aber die Dienstpflicht zwingt mich nichtsdesto— weniger zur pünktlichsten Ausführung. Meine Frage von vorhin wird Ihnen jetzt wohl nicht mehr unverständlich sein, ich wieder— hole dieselbe noch einmal, zugleich mit der Mahnung, mir nichts zu verschweigen, was irgendwie dazu dienen könnte, uns einen Fingerzeig zu geben.“ Die Andeutungen des Obersten über die nächtlichen Besuche des geheimnißvollen Polen hatten meine Eifersucht aufs Neue 10 77 6 7760 W Me 00 1 4% 1 000ů0 e N 8 N 8 1 8 Genügsamer Weltbürger. wild auflodern lassen— es drängte mich gewaltsam, den Rache⸗ weg, der sich mir so unvermuthet darbot, zu beschreiten; den— noch zögerte ich noch, obschon ich allerdings wohl einsehen mußte, daß mir dies nichts helfen würde. Immerhin wollte ich den Versuch wagen: „Herr Sberst, die Beantwortung Ihrer Frage erscheint mir unendlich schwer, ja fast unmöglich; sie stürzt mich in einen scharfen Konflikt zwischen meiner Dienst⸗ und Kavalierspflicht — können Sie mir dieselbe nicht erlassen?“... „Nein! Zuerst der Dienst, dann alles Uebrige, mein Herr N 13 WD, Lieutenant!“ erwiderte mein Chef strengen Tones.„Jetzt ohne Umschweife: Ihre Antwort— ich warte.“ 5„Nun denn,“— ein tiefer Athemzug—„ich habe aller⸗ dings Grund zu vermuthen, daß Komtesse Wladislava heute Nacht Jemand von drüben erwartet.“ g „Ah— also doch! Und wie kommen Sie zu dieser Ver— muthung?“ inquirirte er weiter. Es half nichts, ich mußte Alles erzählen, was ich wußte. 0 77%, 1%% 666 77%%% 676%00⁰/⁰⁹⁰⁵⁰,⁹⁹Zô 57% 6 %%%, , % ee e 10 660 0 0 e 10000 169 0 NN „Es scheint sich demnach ganz so zu verhalten, wie uns die jenseitigen Behörden mitgetheilt,“ sagte der Oberst, als ich ge— endet.„Glauben Sie, daß Graf Szariszow im Einverständniß ist?“ „Herr Oberst, darüber habe ich keinerlei Vermuthung,“ er- widerte ich der Wahrheit gemäß,„doch meine ich, seine stets zur Schau getragenen Sympathieen für uns sollten zu seinen Gunsten sprechen.“ „Vorausgesetzt, daß sie nicht eine geschickt vorgenommene Maske sind. Doch gleichviel, das wird sich finden; zunächst müssen wir Sorge tragen, des nächtlichen Besuchers habhaft zu N N 25 * 2 1 N 5 2 29— „ß⸗ä„— 8 f werden.“ Er dachte einen Augenblick nach.„Ihnen, Herr Lieutenant, habe ich dabei die Hauptrolle zugedacht,“ begann er dann, mich scharf fixirend, auf's Neue. f „Mir?!“ fragte ich erbleichend, von jähem Schrecken erfaßt. „Um Gotteswillen, Herr Oberst, das kann doch nicht Ihr Ernst ein!“ l„Nicht so laut!“ verwies er streng.„Und warum denn nicht? Sie sind die geeignetste Person dazu; man ist es ja ge⸗ wohnt, Sie stets in Gesellschaft der Komtesse zu sehen, Sie können sie daher am leichtesten unauffällig überwachen und ihr folgen, wenn es nöthig werden sollte. Zudem will ich Ihnen Gelegenheit geben, Ihren Fehler von vorhin, wo Sie meine dienstliche Frage einfach mit einer Lüge zu beantworten versuchten, wieder gut zu machen.“ In meinem Innern tobte ein heftiger Kampf. Das Ver— langen, das mir aufgedrungene Rachemittel zu ergreifen, stritt mit dem Widerwillen, den das Häscheramt mir einflößte. „Herr Oberst, ich fühle mich außer Stande, Ihrem Verlangen zu entsprechen,“ rang es sich endlich von meinen Lippen. Ju den Augen des eisernen Mannes flammte es drohend auf. „Subordination, Herr Lieutenant!“ herrschte er gedämpften Tones.„Wenn Ihr Oberst befiehlt, haben Sie einfach zu ge— horchen, einerlei, ob Ihnen das unangenehm ist oder nicht, ver— standen? Noch einmal: werden Sie gehorchen oder nicht!“ Das war allerdings deutlich. Solcher Sprache gegenüber blieb mir keine Wahl.„Zu Befehl, Herr Oberst!“ preßte ich mühsam zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor. „Das ist Ihr Glück! Von Ihrem Eifer in der fraglichen Angelegenheit wird es abhängen, ob ich höheren Orts Anzeige von Ihrem Benehmen mache oder nicht.“ Ruhig, als ob nichts vorgefallen, begann er dann, mir Ver— haltungsmaßregeln zu geben. „Zunächst stellen Sie gänzlich unbefangen der Komtesse ihr Eigenthum zurück,“ gebot er,„ohne selbstverständlich mit dem leisesten Hauch Ihre Kenntniß des Inhalts zu verrathen, und halten sich im Uebrigen möglichst an ihrer Seite. Natürlich wird sie versuchen, wenn die Stunde des Rendez-vous gekommen, sich unter irgend einem Vorwand aus dem Saal zu entfernen. Sie haben ihr alsdann verstohlen zu folgen und sobald der Be— treffende sich zeigt, mittels dieser Signalpfeife die Wache herbei— zurufen, die ich durch die Ordonnanz bereits unweit des Schlosses an das Ufer beordert habe. Mit Hülfe derselben wird es Ihnen leicht gelingen, den Rebellen lebend oder todt in Ihre Gewalt zu bekommen.“ „Zu Befehl, Herr Oberst,“ erwiderte ich abermals, indem ich zugleich den dargereichten Gegenstand in meiner Uniform verbarg. „Sie haften mir für pünktlichste Vollziehung aller meiner Befehle,“ fuhr ex fort.„Ist die Hauptsache geschehen, so kehren Sie mit Ihrem Gefangenen unverzüglich nach dem Schlosse zu— rück, dessen Ausgänge Sie zu besetzen haben. Das Weitere werde ich dann selbst in die Hand nehmen. Nun noch Ihr Ehren— wort, daß Sie sich nicht etwa in einer romantischen Anwandlung beikommen lassen werden, irgend eine Warnung direkt oder in— direkt an die Komtesse oder einen der Ihrigen zu richten!“ Ich gab es, diesmal ohne Weigerung; hatte ich doch gesehen, daß eine solche mir hier nichts half. Der Oberst nickte befriedigt.„So, nun gehen Sie, ich ver— lasse mich auf Ihre Ehre!“— In den Hauptsaal zurückkehrend, sah ich sogleich Komtesse Wladislava in sichtlicher Erregung auf mich zueilen. Ihr Anblick gab mir einen Stich in's Herz. Nie meinte ich sie so sinnverwirrend schön gesehen zu haben, als mit diesem Ausdruck rührend hülfloser Angst in den wundervollen Augen, der Augst, die— einem Anderen galt. „Ich habe etwas verloren, Herr Lieutenant, Werth,“ bebte es von ihren Lippen, als sie mich erreicht.„Ein Notizbuch— es muß mir vorhin beim Losnesteln des Kleides entfallen sein; ich habe aber vergebens unter den Lorbeerbäumen gesucht. Haben Sie vielleicht etwas gefunden?“ Ich biß die Zähne zusammen unter dem süßflehenden Blick der dunklen Veilchenaugen. Es wurde mir unsäglich schwer, die mir aufgezwungene Rolle zu spielen. 8 „Ich bin glücklich, Komtesse, Ihnen einen kleinen Dienst das mir von 14 D.. leisten zu können,“ sagte ich unter Aufgebot all meiner Selbst⸗ beherrschung,„hier ist der vermißte Gegenstand.“ Und das Notiz⸗ buch hervorziehend, überreichte ich es ihr mit einer Verbeugung. Sie griff hastig darnach mit einem wie aus tiefster Brust kommenden:„Gott sei Dank!“— Ihr Blick suchte den meinen, unsicher, wie in banger Frage. Ich errieth, was in ihr vorging und was sie doch nicht auszu⸗ sprechen wagte:„Ob kein Auge'den Inhalt gelesen!“— Das war es, was sie quälte. Ich hätte ihr gern eine Beruhigung gegeben, aber ihr sagen, Aug' in Auge, was doch eine Lüge wäre— nein, das konnte ich nicht, so weit reichte weder meine Selbstbeherrschung noch meine übernommene Pflicht. So that ich denn, als ob ich die stumme Sprache ihrer Blicke nicht verstünde und versuchte, ein unbefangenes Gespräch anzuknüpfen. „Wo waren Sie nur so lange? Ich habe Sie überall ge— sucht,“ unterbrach sie mich nach einer Weile. Wie würde mein Herz noch vor Kurzem aufgejauchzt haben bei dieser Frage, die mir jetzt nur ein bitteres Lacheln entlockte, konnte ich mich doch über ihren Ursprung keinen Illusionen hin— geben.„Ich wurde leider im Klaviersalon von unserm Obersten, welcher ein leidenschaftlicher Musikliebhaber ist, festgehalten,“ er— widerte ich mit möglichster Unbefangenheit.„Komtesse können versichert sein, daß ich die Minuten zählte, bis ich wieder in Ihre Nähe zurückkehren durfte.“ Das Kompliment glitt völlig eindruckslos an der sichtlich nur von einem einzigen Gedanken Beherrschten ab. „Ich hörte, der Herr Oberst habe eine wichtige Meldung erhalten, und glaubte seine Gedanken daher mit ganz anderen Dingen beschäftigt,“ warf sie hin. Die Bemerkung sollte harm— los klingen, aber ich hörte doch deutlich das Zittern ihrer Stimme. „Es muß wohl nichts von Bedeutung gewesen sein; wenigstens zeigte er ungetheiltes Interesse für die Musik,“ gab ich zurück. Welch' unsägliche Anstrengung jedes der leichthin gesprochenen Worte mich kostete! Ich meinte, das schöne Geschöpf an meiner Seite müsse mir meine Empfindungen von der mit Angst— schweiß bedeckten Stirn ablesen; aber es schien wohl, daß ich meine Rolle vorzüglich spielte, denn ich sah, wie sie heimlich erleichtert aufathmete. Arme Wladislava! Trotz all meiner qual— vollen Eifersucht fühlte ich wider Willen eine Regung brennenden Mitleids mit ihr. (Fortsetzung folgt.) Kleine Frauen Zeitung. Die Mode. Die Herrschaft der Mode erstreckt sich zwar bekanntlich über die gesammte Frauenwelt, jedoch unterwerfen sich die Einzelnen ihrem Einfluß mehr oder minder willig, mehr oder minder schuell. Zwischen der Weltdame, die be— ständig auf Neuheiten Jagd macht, und deren Hauptbeschäftigung es ist, die noch kaum erschienenen Moden zur Schau zu tragen, und der guten Hausfrau, der wichtigere Dinge am Herzen liegen, die dem allmächtigen Einfluß der Mode nur allmaͤlich nachgiebt und ihr nur von fern folgt, besteht sicherlich ein großer Unterschied. Aber es ist blos ein Unterschied von Graden und Abstufungen; im Grunde bleibt die Sache ziemlich dieselbe. Die Eine schwört auf die Mode, die Andere tadelt sie und gehorcht ihr nur widerwillig, kann ihr aber schließlich ebenso wenig widerstehen wie die Erstere. So herrscht denn die Mode über Alle als unumschränkte Gebieterin, und jede ihrer Schöpfungen, ja sogar ihrer Uebertreibungen, hat ihre Saison des Triumphes. Der Jahreszeit entsprechend ist das Pelzwerk gegenwärtig sehr gesucht, und die Mode neigt demselben eine so große Gunst zu, wie es deren sich wohl selten hat rühmen können. Nicht allein, daß es zu dem traditionellen Muff, dem Stehkragen oder der Boa, zum Besatz wie zum Futter der Mäntel dient, man wendet es auch zur Verbrämung der Kleider, namentlich derjenigen aus Tuch, an, desgleichen 1 Garnirung von Hüten wie zu diesen selbst. Man ist ein wenig auf das hellere Pelzwerk zurückgekommen, wie: Blaufuchs, Silberfuchs, den natürlichen, sehr schöͤnen Niber, Fhinchilla, doch gehören diese Arten, ebenso wie der Zobel und die tamschadalische Seeotter ihrer hohen Preise wegen der„großen Mode“ an. Im Uebrigen bleiben die etwas geringeren, immerhin noch wohl zu schätzenden Sorten von See⸗ otter, ferner schwarzer(gefärbter) Biber und der echte Astrachan, ebenfalls in Schwarz, als elegantes Pelzwerk beliebt und modern. Auch Iltis, Siberienne lein hübscher, schwarzer bann schwarzer Bär, Opossum, Luchs werden getragen, ferner viele Nachahmungen von edlem wie von gewöhn⸗ licherem Pelzwerk, welchen man durch die Kunst des Färbens den Schein — D 2 15 D. in graubräunlichen Nüancen mit Federbesatz, eleganten wie luxuriösen Abendmänteln dienen. zugespitzt auslaufen. Die Saison hat der Echtheit zu leihen bemüht ist. Aber es bleibt doch eben immer nur der„Schein.“ Zur Verbrämung der Tuchkleider giebt man dem schwarzen Astrachan den Vorzug; ja man hält es für sehr comme il faut, denselben mit helleren Tuchen wie grau, beige, grün, blau in Verbindung zu bringen. In Paris gelten sogar krapprothe Tuchkleider mit schwarzem Astrachanbesatz für eine distinguirke Mode. Man setzt den Pelz auf den unteren Rockrand ziemlich breit, ferner in schmaleren Streifen an die Seiten der Tunika und auf das Leibchen. Zur Garnirung der Mäntel, Paletots und Jaquettes wird derselbe indeß nur braförmig(d. h. in Form einer dicken Rolle) verwendet. Zu den eleganten Abendmänteln, welche entweder ein Pelz- oder ein wattirtes Atlasfutter erhalten, wird das weiße Pelzwerk: Tibetziege, russische Katze, Astrachan, Hermelin, je nachdem als Verbrämung oder als Futter begünstigt. 5 Mit dem praktischen Pelzmuff— wenn ich ihm überhaupt seiner Zier— lichkeit wegen jenes Attribut beilegen darf— rivalisiren die Phantasiemüffe, welche sich großer Erfolge erfreuen. Sie sind auch in der That von einem reizenden Geschmack, kokett mit ihren Garnituren von Bandagraffen nebst Schleifen oder Vögeln, und man weiß diesem kleinen, nothwendigen Beiwerk der Toilette für nicht kalte Wintertage hunderterlei Varianten in der Aus⸗ stattung zu geben, so daß keins dem anderen gleicht. Diese Müffe, welche man vornehmlich aus Tuch, doch auch aus Sammet oder Plüsch, vielfach mit schmaler Pelzumrandung, bereitet, sind nicht mehr rund, sondern oben etwas aasee ace wie eine breite Zugbörse, welche an den Seiten offen gelassen. Man kann höchstens drei Finger in einem solchen Muff bergen. Das ist das Uebermaaß des„Chic.“ Ich habe zu Ihnen letzthin flüchtig über die Mäntel gesprochen und mir reservirt, Ihnen Weiteres darüber mitzutheilen. Der Formen und Stoffe zu den Tagesmänteln gedachte ich und so fahre ich fort, indem ich mich zu— erst den Farben zuwende. Nimmt Schwarz darunter immer einen hervor⸗ ragenden Rang ein, so sieht man doch Na Herrschaft durch Dunkelblau und Braun vermindert, und jungen Mädchen hat man, neben den dunklen Jaquettes, auch vielfach solche in mittleren und hellen graubräunlichen, beige, grauen und graublauen Nüancen zudiktirt. Ganz reizend sehen die sogenannten„Herren-Jaquettes“ aus, welche ganz einfach gehalten und mit breiten, abgesteppten Nähten ausgestattet werden. Dann giebt es hell⸗bräunliche Jaguettes mit heller Biberweste oder mit Biberbesatz, Jaquettes mit Sammet⸗Chemiset und mit Sammet-Schal— kragen, geschlossen mit Passementerie-Agraffen, Jaquettes mit soutachirter Weste, oder solche, die über und über soutachirt sind: dunkel auf hellem Grunde ꝛc. Unter all' diesen Neuheiten haben indeß die Jaquettes genre uniforme oder militaire doch das neueste Gepräge Je nach der Uniform, welche man nachahmen will, sind derartige Jaquettes schwarz, graublau, dunkelgrau, hellgrau ꝛc. gehalten und mit Brandebourgs, Fourrageres, Nestel⸗ stiften, dicken Passementerien und runden Schnüren verziert, denen sich zu— weilen ein ganz schmaler Pelzstreif zugesellt. Außer dem erwähnten Pelzwerk spielen nämlich die Posamentierarbeiten eine große Rolle in den Garnituren der winterlichen Hüllen. Ja, man hat vollständige Vorder- und schmale Rückentheile in Passementerie, die dann mit Plüsch zusammengestellt werden. Ferner wendet man vielfach Feder⸗ besatzt und Boas aus Federn an, Fransen aus glatter Chenille(Cbenille lisse), neue Maraboutfransen, Locken⸗Marabouts, d. h. ganz dicht über⸗ einander fallende Fransen aus Seidenlitzen, die zu Locken gedreht, unter welchen Fransen dann große Pompons aus kurzen Schlingen von Seiden— litze vorkommen. Nichts Flaches hierin! Alles immer recht voll und dick, auf welche Anordnung schon die oben beschriebenen Boabesätze aus Pelz hindeuten. Als Stoff- Garnituren sind Ottoman, modern und erweisen sich immer von hübscher Wirkung. Zu den Abendmänteln erhält sich die Form der langen Rotonde, doch muß dieselbe neuerdings ihre Herrschaft mit der verlängerten Visite, dem verlängerten Dolman, theilen. Alle diese Formen sind so lang, daß sie bis zum Saum des Kleides niedergehen. Der schwarze indische Kaschmir und der schwarze Sergefoulé bleiben dazu in der Mode und sind für den praktischen Gebrauch den be⸗ scheideneren Frauen zu empfehlen, während der gestreifte Double-Himalaya der elektrisch-graue, der rothe oder Pelz-Umrandung zu den Zu bemerken ist hierbei, sich niemals um den unteren Mantelrand zieht, der, nach Mode, unbesetzt bleiben muß. Man fragt mich betreffs der Abendkapoten um Rath. Sie werden in verschiedenartigen Formen getragen: aus hellfarbigen, gerauhten Wollen— stoffen, aus Seidenspitzen in allen modernen Farben, vorn hochgebauscht und in Rüschenfalten arrangirt, mit Schleifenschmuck. Das„Allerneueste“ indeß sind Kopf⸗Fichüs aus Krepp und aus Crépe de Chine, mohnblumen⸗ roth, kupferroth, heliotroplila, blaßrosa, blaßblau, rahmgelb, milchweiß,— und der saphirblaue Seidenplüsch mit Feder⸗ daß die Garnitur den Diktaten der die einen, ganz ätherisch, umkräuselt mit Luftstickerei-Spitzen oder den aller feinsten gestickten i l 0 spitzen(Chantilly-, spanische Spitzen ꝛc.) in der Nüance des Créèpe de Chine. Derartige Fichüs sind, ohne Spitzenbesatz, 1 Meter 60 Cent. lang und 50 Cent. breit, verschmälern sich aber nach den beiden Enden zu, welche Spitze wählt man gewöhnlich in der Breite von und Breitenmaaß zunimmt. Beim Tragen legt man das Fichü der Länge nach zusammen, so daß beide Spitzen nach vorn treffen, oder man nimmk den Bruchrand nach vorn und schlägt über den⸗ selben die eine Spitze und hierauf drapirt man nach Gefallen das Fichü um den Kopf. 855 5 Wissen Sie, daß man den weißen Shirting⸗ oder Batist⸗Unterrock aus der Abendtoilette verbannen will? Schon im vergangenen Winter fing man in eleganten Kreisen an, den seidenen Unterrock anzunehmen, und in dieser i ihn ebenfalls auserwählt. Vor Allem liebt man ihn aus 18 Cent., wodurch Längen⸗ Faille und Bengaline der Douillette mit Pelerine, mit weiten Aermeln ꝛe. Seidentüll⸗Spitzen in Creme, die anderen mit Seiden⸗ Changeant⸗Taffet, gefüttert mit einer leichten, vom Oberstoff abstechenden Seide und geschmückt mit kleinen, ausgeschlagenen Volants oder Rüschen aus gleichem Stoff, zuweilen mit Bandschleifen untermischt. Was nun die Promenaden⸗-Unterröcke betrifft, so hat man diejenigen aus wattirtem und gestepptem Atlas und Zanella, welchen man ein groß⸗ mütterliches Air ace vollständig bei Seite gedrängt, während der flanellgefütterte Aklas-Jüpon mit mittelbreiter, verschiedenartig gefalteter Volank-Garnitur aus gleichem Stoff oder aus moire- und atlasgestreiftem Peking, seiner praktischen und einfachen Eleganz wegen immer gern zur Promenade getragen wird, vorzugsweise in Schwarz, doch ebenfalls in anderen dunklen Farben. Für noch eleganter gilt der in zwei oder in bunten Farben gestreifte Atlas-Unkerrock, gleichfalls mit Flanellfutter— Und der weniger anspruchsvolle Geschmack begnügt sich mit Promenaden⸗Unterröcken, marineblau, braun, olive, aus rein wollnem Velours mit hohem Tollvolaut oder mit Soutache-Verschnürung und schmalerem Tollvolaut, ferner aus Kaschmir und Zanella in denselben dunklen Farben und noch mehr in Schwarz, mit himmelblauem oder rothem Flanellfutter, hier mit moirirtem oder gestreiftem Plüschansatz, dort mit einem Plissévolant aus überein⸗ stimmendem Stoff. Auch die buntgestreiften Unterröcke aus englischen und deutschen Wollen— fabrikaten in schönen, effektvollen Farben und mit verschiedenen Garnirungen sind gesucht. Man wählt sie je nach dem Zweck, mit oder ohne Flanell⸗ futter, in letzterem Genre unter dunklen Gesellschaftskleidern. Die Unkerröcke aus wollner Moire erscheinen von neuem, schwarz, grau, graubräunlich, braun, marineblau, einfach wie reich verziert. Ich glaube kaum, daß derartige Röcke großen Anklang finden dürften. Sie sind schwer und ziemlich spröde. Vor langen Jahren kannte man nichts anderes; da waren sie Gemeingut. Jetzt sind wir durch die vielen weichen und schmieg— samen Stoffe verwöhnt. Man wollte auf die Blumen im Haar gänzlich Verzicht leisten und sie vor Allem durch Schmucknadeln oder auch durch kleine Aigrettenpuffs aus Federn oder Schleifen ersetzen. Selbst zur Balltoilette gedachte man, die Blumen nur auf dem Kleide zu tragen und im Haar Nadeln aus dunklem oder blondem Schildpad, aus Gold oder Silber. Aber so künstlerisch schöne, unendlich variirende Formen man auch in jenen Nadelschildern her⸗ vorgerufen, man hat sich doch wieder den Blumen zugewandt. Und hierbei gedenke ich einer Balltoilette, zu welcher ein Geraniumsträußchen, mit einer Schleife aus rosa Moireband umwunden, die Zierde für das Haar bildete. Das Kleid war aus weißer Gaze(über rosa Seidenfond) gefertigt, mit ganz schmalen, rosa Moirebändern der Quere nach durchstreift und in graziöse Draperien geordnet. Darüber war ein zarter Blüthenschauer Auggegenfen hier und dort eine Geraniumblüthe in verschiedenen rosa Nüancen, hier und dort ein grünes Blättchen; die kleinen sammetnen Blüthen, welche sich, ver— streut, um den Kleider-Ausschnitt wiederholten, machten den hübschesten Effekt. Sie erinnerten an die berühmte Robe der Fürstin Metternich, welche Robe einst so viel Eifersucht in den Tuilerien erweckte und einfach aus weißem Tüll bestand, übersäet mit einzelnen Veilchen. Die Mode kehrt zu den früheren Arrangements zurück, denn sie dreht sich wie die Erde, findet sich auf dem Punkt, von welchem sie ausgegangen, wieder, gebraucht jedoch mehr Zeit zu ihrer Umwälzung: die gewünschte Zeit des Vergessens. Lose Slätter. Unsere Illustrationen. Im nordischen Winter beschäftigt sich unsere Phantasie gern mit den lichten freundlichen Erscheinungen einer südlichen Welt. Wer jetzt in den lieblichen Gartenanlagen und feenhaften Marmor- hallen des Tadschs bei Agra wandeln könnte! Diese Schöpfung, welche die Gemahlin des Kaisers Schah Dschehan am Dschamna⸗llfer bei Benares über dem Grabe ihres Vaters schuf, gehört zu den herrlichsten Moghul⸗ Bauwerken Indiens. Der Bau erhebt sich auf einer Sandsteinterrasse von 55 Meter im Geviert und ist ein viereckiger Pavillon mit runden Eck⸗ thürmen. Die Wände des Erdgeschosses sind mit Blumen-Arabesken, Koran⸗ sprüchen und eingelassenen farbigen Steinen verziert; der Oberbau ist aus künstlich gemeißelten weißen Marmorplatten aufgeführt. Der Tadsch (Mausoleum) wurde 1628 vollendet. Ein wundervoller Garten mit Rosen⸗ büschen, Cypressen-Alleen, Palmen, Banauen, Springbrunnen und Wasser⸗ becken umfriedet den kunstvollen Bau, dessen Dimensionen so gewaltig sind, daß unter seiner Marmorkuppel unsere mächtigsten Kirchen— abgesehen von den größten Kathedralen— Aufstellung finden könnten. Die filingran⸗ artigen Steinbauerarbeiten sind mit derselben Sorgfalt und Feinheit aus⸗ geführt, wie die indischen Schmuckkästchen. Die Außenwände des Haupt⸗ gebäudes sind auf allen Seiten gleich gehalten; ein Riesenthor reicht fast bis zum Mauerkranze, zu beiden Seiten sind tiefe Nischen eingebaut. Der Marmor des Mausoleums ist blendend weiß. Das Mausoleum, welches heute zwei leere Gräber birgt, wird von Tausenden von Pilgern alljährlich besucht. Unser zweites Bild stellt„einen genügsamen Weltbürger“ dar. Der kleine Kerl, welcher sich an einem alten Stiefel als Spielzeug und Versuchsobjekt für die ersten Zähnchen genügen 11 ist eine der putzigsten Kindergestalten, die Meister Knaus je gezeichnet hat. Das liebenswürdige Bild erschien zuerst auf der Berliner Jubiläumsausstellung. R. E. „Du hast wieder Eselsohren in Dein Buch gemacht,“ sagte der Vater zu dem kleinen Gotthold Ephraim Lessing.—„Vater, das Buch hat ein Recht auf Eselsohren,“ antwortete der zukünftige Kritiker. Kr. a 8 5 — r 9 7 ö— 8 5 8 1 N 9* 0 8 5 l 3 g 8 16 a* F Silben ⸗Näthsel. Problem Nr. 484 9 3 in Schlegel. Aus nachfolgenden Silben: e,— 9. 2 2, 7 5 a as as bam basb bo bron buk da de e en er eu fant furt ge he hein 2 9, 80 e, 8 F. i le mann ne ne nie no o phrat rah ran re rhe ri rich ros row sa sy—, ,,. ,,. tan te te ti ton ver vol wa g, 9 e. 1 sollen neunzehn Wörter gebildet—— deren n von 7. 9 2., 4 . oben nach unten, und deren Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen A, l, 122 ul, u, el, * ein Sprichwort ergeben. 1,,,, 2 Die 8 Wörter bezeichnen: 1. Den rechten Nebenfluß des Ohio.,,,, 6 . 2. Einen Fluß Vorder⸗Asiens. 3. Eine Stadt in Italien. 4. Den Namen ee,, le 2 . 1 N E 5 277 e, e,, 5 eines berühmten Sängers. 5. Ein vierfüßiges Thier. 6. Einen weiblichen, e. 9, 7 Vornamen. 7. Eine hebräische Prophetin. 8. Eine Stadt in Preußen. 4,,,. 5 3 9. Eine griechische Göttin. 10. Einen männlichen Vornamen. 11. Ein, ,,., 2 ,.** . Reich in Asien. 12. Ein Hohlmaß. 13. Eine alte Stadt in Palästing. cc 1 N 4 5 14. Eine Stadt in 257 155 Men e 16. Ein Land in, e. 9 . Senegambien. 17. Eine Schußwaffe. 18. Eine südli e Frucht. 19. Eine ee, mm,., lc 0 Stadt in Mecklenburg-Schwerin., 7 9 e,, 3 . 3 ö, 5,,, 5 ,,,, 55. ,, ,,, 5 ö . Dreisilbige Charade 8 9, e,, 2 4., ß e,,* N Mit meiner ersten ziehet stets der Sieger, e eee, * Stolz an der Spitze seiner tapfern Krieger, ö,, 1 f Jun überwundene Städte ein; 2 c,, ,. 75 Mit ihr begeht man königliche Feste, FF f 8 i Mit ihr empfängt man fremde, hohe Gäste, a U 0 d 1 75 1 g n . Mit ihr gilt's, imponirend oft zu sein. 1 2 1 5 Mit den zwei Letzten, der die Musit ktennet, Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. N Euch eine wohlbekannte Tonart nennet. 3 5 Mein Ganzes aber war in Frankreichs Gauen, Vartie Nr. 277 . Berüchtigt und berühmt, am Hof zu schauen. gespielt im Meisterturnier der britischen Schach- Association zu London. 5 Nach ihm wird auch noch hier in unserm Land Weiß: A. Burn. Schwarz: Dr. Zukertort. * Ein zierlich Etwas heute so benaunt, J) d2—d4 d7-dõ 20) Le2—b5 Td7- ds 5 917 50 05 1 ici 5 tragen.. 2) e2 e e eG 21) 83-84 hi—h6 1 0. 1 darf i) nun F l 3) Sbl-es 888. 22) 948590 2. 3 enn leicht könnt Ihr des Räthsels Lösung wagen. 4) Lei-. IS d& 23) Dhä4-gö: d5-d 5 5 2 b7= b 24) Slà—-h43) De7- e509 9 3 8 6) c4- di: 66- dd: 25) Dgö-es: Sc eß: 1 Ouadòxat Däthse L. 7st e es Les-b7 26) es- da: eb- da: 5 8) Sel—13 00 27) Sez—e2 da-d3 105„„„b„„ 0 9) Li- e2(7e 28) Se2—e3 1d6- dd 2 4 5 10) dä-cbd: b6- ch: 29) 12—145) Tdd-g: 1 e 11) 0-0 Ld6- 3: 30) 22—g3 14-44 5 8 12) 52g: Sbs- c 31) Tal—el S6—-g4) 1 13) 0d1- e2 Tas-es 32) Lbö a4 8.5—e4 5„S„„ A4 14) TI-d! 18-e7 33) TJdz- dl Sc4— bz: N 159 Tal-el!) 11848 350 IJdl—b! da- d 1 16) Dez-—at 7—86 35) Jel—- e77) Sbꝛ ag: ö „„„N. 1 17) Pa-h4 Kes er 36) 1bl—b7: dz-dlDbt) 18) Jel—e2 beds-e7 37) Seg- dl: Tdai—- dif- .„A„„I 19) Te2—d2 1Te7- d7 Weiß giebt die Partie auf. i Die mit einem Stern bezeichneten Felder der vorstehenden Figur sind 1) Der Wauer konnte offenbar nicht geschlagen werden. Schwarz hatte den Springer auf d mit je 1 Buchstaben so auszufüllen, daß die sieben wagerechten Reihen eee N Zuge 0 La 10 W 0 1 8 2 und ebenso die erste und letzte senkrechte Reihe bekannte Wörter ergeben.„ genen e do a daun nicht ausreichend. um die Pace auf die Dauer 18 2 8 Die neun Wörter, jedoch in anderer Reihenfolge, nennen: 1. Eine 2 0 55 5 a b e e r K Seestadt in Belgien. 2. Ein Dorf in Preußen. 3. Eine Stadt in 5 865 e da an 1 3. B 9——— d. eg 27 Tddéèé! 0 0„S eri 4 i f in Oesterrei 5 3 Nor und gewinnt] 26% dd Lat! are c. 27 865, 81 143 bc. . ere 3. Ein Dorf in 8 1 9. und 6. Vor: und des Thurmez ist nun wieder 8 Ide 0. 28 Des“ Das 4 Ir Beh 18 5 Zungmen eines berühmten Sangers. Ein Seebad in Oldenburg. Tha: 30 Paget mit guten Remischancen] aber auch mit 27). 6544 hat Schwarz das über ⸗ * 8. Einen Fluß in Griechenland. 9. Einen französischen Revolutionär. legene Spiel da 28 tee) en lag nun wegen bel nebst Jagt nichr solgen dar N 3 Auf 24 Des würde folgen dc 20 Tat cg-cz, und der Thurm geht wieder verloren. 4 Der Damentausch ist hiermit erzwungen, und das Spiel von Weiß verliert jeden Halt. 3 e a af el bleibt teine Wahl, Std geht offenbar nicht, und auf 82—83 entischeidet schon 7-46 N EI Gt 6 5 6 K.. 0 19 5 1 2 1 2 dich—. ber bat wel a 8 2) b. 2, a7-a 2 n zc resp.. 8 1 Ich nähre viele Millionen dt nebst 8685 lund eventuell Kc] 7c. folgen. 2 3**— a Und reiche über Meer und Land 7 Geht der Thurm nach(1, so folgt gleichfalls Sa und auf 36) 17 gewährt alsdann N de 550 11 une, a die nöthige Deckung— 5 erbinde die entfernt esten Zonen, 8 Sec und 37) T7 Khe 38 T7 Ks5 30, Stat Ks 40 Sdz Taz: zc wäre auch 5 Betreibt man mich nur mit Verstand; entscheidend gewesen. * Doch dem, der mich nicht recht verstehet, 5 5 Bereit ich oft den Untergang. Schlußtabelle des Londoner Schachturniers von 1887. . Und schreibst du meinem zweiten Zeichen I ä A 1 Zwei Pünktlein oben d'rüber zu, 12 3 4 5 6 7 8 9 10 gew. 5 Dann pflege ich wohl Fried' und Ruh 1 f 7 f 78 122 Auch oftmals von dir fortzuscheuchen. I. H. E. Bird. 00A 2 28 Auch bin ich so ein Komponist, 2. F. H. 2 10 0„ 7 g Der sehr berühmt gewesen ist. cc* E* 1 LE 3. A Bun IFA e i ö 0. eee e g n i 2 4. A. Gneft 0 . Auflösung des Citaten-Räthsels in voriger Nummer: Es löst der F f i n—— 111. . Mensch nicht, was der Himmel bindet;— der dreisilbigen Charade: Bild, 5. J. Gunsberg.. 110[ fififiisis . hauer;— des Neujahrs Rösselsprungs: 238 a. ˙ n N 1 901 lieber Leser, bricht ein neues Jahr 8.. S 210i 25 413 9 Mit diesem Morgenlichte freundlich an, 7. J. Mas 571 0 D N Und da ich's doch nicht mündlich kann, 2 3 ee 2 ir Bring' ich Euch meine Wünsche schriftlich dar: 8. J. Mortimer. 0 00 000 foo oo O, möge Euch die Sonne rein und klar 9 M 5 225 8 9 Hirnkederleuchten stets auf Eurer Bahn, 9. W. H. K. Pollock. 0% 11 9 N Ein jeder neue Tag Euch friedlich nah'n 10. J 5. Zufertort IOI II* Und Alles, was Ihr wünschet, machen wahr! 8 5 11 ö a* a 83 s 2———— t K 7 Drud und Verlag der„Volls- Zeitung“, Akt.-Ges. in Berlin, Lüzowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur; R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. 5 85