Nolfs zögerte deshalb nicht, dem Präsidenten seinen Besuch zu machen, sobald er dessen Rückkehr aus dem baierischen Hoch— gebirge vernahm Der Herr Präsident war beschäftigt, sagte der Bediente und ersuchte den Assessor, ein wenig zu warten. Als Rolfs im Vorzimmer stand und ungeduldig die wohlbekannten Kupferstiche ansah, vernahm er die Stimme seines Chefs in sonder— baren Klagelauten. Er antwortete offenbar Jemanden, der aber zu leise sprach, um verstanden zu werden. Rolfs überlegte, ob und wie er sich ungesehen entfernen könnte; da hörte er den Präsidenten trostlos ausrufen:„Ich unglückseliger Vater!“ Rolfs stand bleich da, er hatte die andere Stimme erkannt. Wenige Augenblicke darnach eilte Jella, zum Erbarmen blaß und ver— zu den Ouherhessischen Nachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dleser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 6. Mai. 1888. Ein dunkler Schalten. Novelle von M. Elton. (Fortsetzung.) mehr oder weniger, was thut's? Wer weiß auch am Eude, ob sie so unsinnig ist? Wer kennt den Herrn Baron von Brunner von der Jusel Rügen? Sie nicht, ich auch nicht. Wie es scheint, will ihn der Präsident gar nicht sehen und will seiner Schwä— gerin, der Gräfin Josika, die ganze Angelegenheit übertragen. Jella spricht keine Silbe mit mir darüber, geht umher wie Loth's Weib und zeigt wieder einmal, daß sie ein durch und durch phantastisches Wesen ist.“ „Wird die Hochzeit nicht hier gefeiert werden?“ brachte Rolss mühsam hervor. „Es hat durchaus nicht den Anschein. Fauge ich davon an, so ruft der Präsident sast händeringend:„Wenn Du mich lieb stört, aus dem Zimmer ihres Vaters. Sie sah Rolfs nicht, der sich in die entfernteste Ecke zurückgezogen, und lief wie ein ge— hetztes Wild davon. Ein lautes Stöhnen kam aus dem Zimmer des Präsidenten, und Rolfs verließ eiligst das Haus. Wie ein Verzweifelter durchirrte er die Umgegend,— ein schreckliches Unglück schwebte über dem Mädchen, das er so wahnsinnig liebte,— was war es? Er durfte und konnte seinen Gedanken keinen freien Lauf lassen: ein schweres Verhängniß lag über dem Hause des Präsidenten. Er hatte sein Gesuch um einen längeren Urlaub schriftlich eingereicht, und als er nach acht Tagen die Genehmigung erhielt, ging er nach dem Gericht, um dort dem Präsidenten seinen Abschiedsbesuch zu machen. Sein Chef war um zehn Jahre gealtert, eine unruhige Hast setzte seine Hände fortwährend in Bewegung und eine auffallende Theilnahmlosig— keit charakterisirte Alles, was er sprach. Als Rolfs in die Allee vor dem Gerichtsgebäude trat, sah er Frau Wellner daher kommen. Er konnte ihr nicht ausweichen, so gerne er es gemocht hätte. „Ei, sehe ich denn wie ein Gespenst aus?“ rief sie munter, „da kommen auch Sie mir ganz verstört vor, seit ich Sie nicht gesehen habe. Der Präsident, Jella, Alle haben die Farbe ge— wechselt, nur Mama ist ihrer alten guten Eichenholzfarbe treu geblieben. Ich warte auf meinen Mann, kommen Sie, leisten Sie mir ein wenig Gesellschaft, bis er kommt.“ „Recht gerne, gnädige Frau,“ antwortete er,„ich werde doch in den nächsten Monaten nicht das Vergnügen haben, Sie zu sehen, da ein Urlaub mir einen längeren Aufenthalt in der hast, sprich mir nicht von dieser Angelegenheit!“ Es schien ihr, als ob auch Rolfs sichtbar unter ihrer Mit— theilung leide.„Wenn ich nur begreifen könnte, warum der Präsident Ihrer Werbung so schroff entgegenstand, und warum er hier nachgiebt, so schwer es ihm wird. Jella besitzt freilich eine Hartnäckigkeit, deren Ausdauer schließlich Niemand gewachsen ist,“ sagte sie oberflächlich, ohne daran zu denken, wie der Stachel immer tiefer in der Wunde des Assessors wühlte. Er hatte an ihre Liebe und ihre Willenskraft geglaubt, der Andere nahm im Fluge Alles mit davon. Sie sprach noch von ihrer Reise und anderen gleichgültigen Dingen, da erschien der Präsident am Eingangsthor des Gerichts— gebäudes und Rolfs nahm einen kurzen Abschied von Frau Wellner. Wenige Wochen darauf verließ Jella ihres Vaters Haus. Der Präsident begleitete sie und war sichtlich in fieberhafter Hast und Aufregung. Das junge Mädchen war sehr bleich, aber von einer wahrhaft eisigen Ruhe. Es hieß, es sei nur eine Reise zu der sich so einsam fühlenden Tante in Kroatien, jede Anspielung auf eine Heirath hatte der Präsident von Anfang an kurz abgeschnitten. Frau Direktor Bode lächelte überlegen und vertraute ihrer Busenfreundin, daß der Präsident mit Jella nicht die Route nach Wien, sondern nach Berlin genommen habe. Frau Wellner äußerte sich ganz unbefangen und erklärte, daß wohl eine Heirath möglich sei, wenn es nicht gelänge, Jella's Willen zu beugen. cb In 7 0 4 Heimath gestattet.“ 10 Frau Wellner blieb stehen und sah ihn erstaunt an.„Nun, VI. 0 doch auch wieder wegen Jella, leugnen Sie es nur nicht,“ sagte Der Wintersturm trieb den Hagel gegen die hohen, schmalen Fenster mit den runden in Blei gefaßten Scheiben, und es zitterte und klirrte, als ob jeder erneute Windstoß die Absicht hätte, die Fenster der alten Frau, die mit gefalteten Händen sie mit ärgerlichem Kopfschütteln.„Der Präsident ist ein alter Mann des Mädchens wegen geworden, diese Unvernunft. Es sind schon so viele unsinnige Heirathen eingegangen worden, eine 1 8. 9 2* 8 8 9 5 —— 5— 82 E 2 146 im Lehnstuhl saß, vor die Füße zu werfen. Assessor von Rolfs blickte mit einem liebevollen Lächeln vom Buche auf, aus dem er ihr vorgelesen.„Du giebst nicht Acht, Mütterchen,“ sagte er und schob das Buch zurück. „Höre doch das grauenhafte Wetter,“ versetzte sie und hob den Zeigefinger;„ich meine jeden Augenblick, es müßte ein Schornstein einstürzen; ach, mein lieber Curt, wie viele Schäden werden wir morgen wieder entdecken; wir haben an den alten mehr wie genug.“ Curt blickte in das abgehärmte Gesicht seiner Mutter und strich ihr liebkosend über die mageren, in ihrem Schoß gefal— tenen Hände. „Franz bleibt so lange auf der Jagd?“ fragte sie nach einer Weile, nachdem sie die unruhigen Blicke nach dem Fenster schweifen ließ, das die Nacht düster und sternenlos zeigte;„ich möchte doch so gerne, ehe ich schlafen gehe, ein tröstliches Wort von ihm hören. Hat er Dir nicht mitgetheilt, was er morgen zu thun gedenkt? O Kind, dieser Termin läßt mich Nachts kein Auge schließen.“ „Sei doch nicht so ängstlich, Mütterchen, Franz wird schon Rath geschafft haben; im schlimmsten Falle kann er den Termin verlängern lassen,“ tröstete Curt und seine blauen, treuherzigen Augen wirkten beruhigend auf die alte Frau. Vielleicht war kein Ort geeigneter gewesen, dem tiefen Herzenskummer Curts die Spitze abzubrechen, wie ein längerer Aufenthalt bei seiner alten Mutter. Er war nun schon weit über ein Jahr hinaus verlängert worden. Curt fühlte, daß er nicht gehen durfte,— was sollte aus der kummervollen, tief niedergedrückten Frau werden, wenn er ging? Sein Bruder, der immer ein schroffer Charakter gewesen, war nun durch die Un— gunst der Verhältnisse, in denen er die verschuldete Erbschaft als der Aelteste antrat, von einer schonungslosen rücksichtslosen Härte gegen die Mutter, während Curt sich bemühte, sie zu be— ruhigen. f „Wie soll ich sie denn schonen?“ rief er ärgerlich, als ihn der jüngere Bruder eindringlich bat, sie doch nicht mit allen Unannehmlichkeiten bekannt zu machen;„sie will ja Alles wissen und hat in Gemeinschaft mit dem flotten Herrn Papa die Schulden gemacht; daß die Dränger mich umgeben und ich kein Geld aus den Steinen schlagen kann, weiß sie.“ „Die arme Mutter, wie sparsam und einfach ist sie stets gewesen! Bedenkst Du denn nicht, daß ihr ganzes Leben ein Martyrium gewesen ist? Sie hat geweint und gelitten, ändern konnte sie nichts,“ entgegnete Curt traurig. „Um so schlimmer für sie, haarsträubend geradezu für mich! Bringe ich das baufällige Nest hier und das ausgesogene Land unter den Hammer, so bietet mir die Kanaille niederträchtige Preise,“ knirschte er und wühlte in dem vollen blonden Haar. Was sollte Curt sagen? Was hätte es genützt, wenn er wieder vorgeschlagen hätte, noch einmal zu versuchen, Geld zu bekommen und dann eine andere Wirthschaft in Mutzdorf ein— zuführen? Er hatte gesprochen, er hatte Vorschläge gemacht,— sein Bruder war nicht der richtige Mann, dem ruinirten Heim aufzuhelfen. Er ließ sich von den obwaltenden Verhältnissen dominiren und niederdrücken und machte keinen Versuch, sich zu wehren. Umsonst, vergeblich! Das stand auf dem abgehärmten Gesichte seiner Mutter deutlich geschrieben,— umsonst, vergeblich! Das drückten die breiten Schultern seines Bruders mit dem unwirsch vorgebeugten Kopfe aus, dessen Augen meistens finster an dem Boden hafteten. Anfangs hatte Curt gehofft, hier und da mit Rath zur Hand gehen zu können, aber das kurze Lachen seines Bruders bei jedem Vorschlage überzeugte ihn bald, daß sein Bruder dahin gelangt war, die Dinge ohne Widerstand an sich herankommen zu lassen. „Wenn nur Franz zu Hause wäre!“ sagte Frau von Rolfs besorgt.„Ich denke, es war nur ein Vorwand, als er mit Hilfe zu suchen.“ Sie erwartete ein zustimmendes Kopfnicken von Seiten ihres Sohnes, er aber schwieg und horchte. Franz ist zurückgekehrt,“ sprach er und stand auf. „Gott sei Dank!“ rief die Mutter und erhob sich ebenfalls, Flinte und Hunden am Morgen hinauszog; er ist gegangen, „Ich höre die Hunde, um an das Fenster zu gehen. Sie war eine hochgewachsene Frau, deren Haar schneeweiß unter der weißen Haube schimmerte. Es mußte hellblond gewesen sein, denn ihre Gesichtsfarbe und 14 ihre Hände waren von durchsichtiger Weiße. Ihr Sohn Curt glich ihr sehr; er war von jeher ihr Liebling gewesen, und nun war er ihr einziger Trost. 1 Düster und wortkarg saß der Erbe der traurigen Hinter⸗ lassenschaft von Mutzdorf bei dem einfachen Abendessen, das ihm seine Mutter in dem kleinen Thurmzimmer, in dem sie sich gewöhnlich mit Curt aufhielt, hatte serviren lassen. Sie be⸗ mühte sich, ihm ein heiteres Gesicht zu zeigen und erzählte von den Ereignissen des Tages; auch Curt versuchte das Gesicht, das unwirsch über dem Teller hing, aufzuheitern, aber es war vergebens. 8 „Deine Braut ist Nachmittags hier gewesen,“ erzählte Frau von Rolfs als letzten Versuch, ihn seinem Schweigen zu entreißen. Franz erhob langsam den Kopf und sah seine Mutter über⸗ rascht an.„Was wollte Luise hier?“ fragte er verwundert. „Nun, doch wohl uns besuchen,“ antwortete sie lächelnd. „Das zunehmende schlechte Wetter aber schien sie zu beunruhigen, so daß sie sich nur kaum eine halbe Stunde hier aufgehalten hat.“ Franz schüttelte ungläubig den Kopf. „Der Sturm und der Hagel schienen ihr bange zu machen, sie wechselte die Farbe zu verschiedenen Malen,“ sagte Curt. 2 e- eee e eee ee ee eee eee e eee e. * Franz richtete sich hoch auf.„Ihr habt mir etwas mitzu⸗ theilen?“ fragte er dumpf und schob den Teller zurück. Frau von Rolfs und Curt sahen sich befremdet an.„Wir haben nicht das Geringste mitzutheilen,“ erklärten Beide. f Der Sturm wüthete die ganze Nacht um das verödete Schloß. Eine alte, schwergeprüfte Frau lag schlaflos auf ihrem Bette; langsam schlichen die Stunden dahin. Wie viele dieser Nächte hatte sie, mit nagender Sorge das geängstigte Herz er— füllt, auf dem einsamen Lager durchwacht! Warum zögerte die letzte so lange, sie vom Jammer ihres Lebens zu erlösen? e Curt stand am Fenster seines entlegenen Zimmers und schaute auf den schwarzen Tannenwald, der sich düster über der weißen Erde abhob. Sein Herz war erfüllt von Mitleid für die arme Dulderin. Auch er fragte, warum ihr die Qual des Daseins nicht erspart werde, und doch beunruhigte und erschreckte ihn ihr sichtbares Dahinschwinden unter dem unbarmherzigen Druck des Verhängnisses.„Arme, theure Mutter,“ seufzte er,„giebt es denn kein Erbarmen für Dich?“ Da schwebte es weiß über den dunkeln Tannenwald, es bildete sich aus dem nächtlichen Nebel eine liebreizende Gestalt, das süße Traumbild eines unter— gegangenen Glückes, und das Antlitz voll stummen Leidens wen⸗ dete sich dem Winterhimmel in einer Klage zu, die im Aufruhr der Sturmnacht ihren Ausdruck fand. Er zürnte ihr nicht mehr, der unendliche Schmerz in dem geliebten Angesicht in der Mond— nacht hatte Versöhnung in sein Herz gebracht. Der Tag graute kaum, da trat Bruder Franz in Curt's Zimmer, gerüstet zur Jagd.„Du bist ein Mann des Rechts,“ sagte er und gürtete die Waidtasche um,„Du wirst besser wissen wie ich, was Du dem Juden zu antworten hast, wenn er heute kommt. Ihr Juristen seid nie um Rath verlegen, und was Du thun wirst, um einen Aufschub zu erlangen, das werde ich mit verbundenen Augen unterschreiben.“ Curt schien vorerst nicht recht zu verstehen.„Der Gläu⸗ biger wird meine Einmischung nicht annehmen und keine Unter⸗ handlungen mit einem Unbefugten eingehen wollen,“ erklärte er.„Deine Gegenwart ist absolut nothwendig, recht gerne leihe ich Dir meinen Beistand, eine Verlängerung des Termins zu erzielen.“ 5 „Es ist nicht so schlimm, Curt; mit einigen juristischen Phrasen und einigen lateinischen Ausdrücken machst Du den Juden mundtodt,“ lachte er auf.„Ich bin einem Wildschwein ouf der Spur und kann heute nicht frühe genug in den Wald kommen. Halte Dir nur die Mutter ferne, ihr Lamento ist gewöhnlich das Allerwiderwärtigste bei der Geschichte“, und er nickte kurz und überschritt die Schwelle. 5 „Nur noch ein Wort!“ rief ihm Curt nach. „Unbegrenzte Vollmacht,“ hörte er ihn nur noch im eiligen Fortgehen rufen, nur noch ein kurzes Auflachen und die Hunde bellten unten; Franz war in der Morgendämmerung verschwunden. * 147. 9 Wenige Minuten nachher eilte die Baronin bleich in Curt's Zimmer. „Franz ist zur Jagd aufgebrochen?“ rief sie trostlos und rang die Hände. „Ich bitte Dich, Mutter, beruhige Dich doch,“ bat er milde. „Franz hat mir eben gesagt, daß der Gläubiger in eine Ver⸗ längerung des Termins willigt und mich gebeten, die Sache juristisch zu ordnen.“ Er sah ihr so beruhigend in die Augen, daß sie wieder ein wenig Muth zu fassen schien. „Ich zittere vor der Pfändung, Curt,“ sagte sie und sah ihm ängstlich beobachtend in's Gesicht. „Das sind Schreckbilder, die mein vernünftiges Mütterchen gar nicht aufkommen lassen dürfte,“ versetzte er zuversichtlich und nahm ihre weißen Hände in seine kräftige Rechte. „Wie tröstlich ist mir der Ausdruck Deines Gesichts, mein geliebtes Kind, was wäre aus mir geworden ohne Deine un— ermüdliche Geduld mit der alten zu Tode gehetzten Mutter.“ „Sie findet ein bischen Plaisir darin, sich selbst zu plagen, ist's nicht so, Mütterchen?“ fragte er neckend.. Sie sah ihn mit einem langen, innigen Blicke an.„Der Herr vergelte es Dir,“ sagte sie und drückte ihm die Hand. „Wenn ich mir sie nur fern halten kann, während ich mit dem Gläubiger rede,“ dachte er und begab sich nach dem weiten öden Hofe, um dort den Mann sogleich bei seiner Ankunft in Empfang zu nehmen und ihn schnell in eins der unteren Zim— mer zu führen, wohin die Baronin selten kam. Da fuhr ein leichter Wagen in den Hof, den eine schöne, schlanke Dame lenkte. Sie sprang anmuthig herunter und bot, Curt die Hand. „Nun finden Sie meinen Bruder wieder nicht zu Hause,“ sagte er zu ihr und geleitete sie die breiten, steinernen Stufen hinauf, die durch die Benutzung im Laufe der Jahrhunderte ausgetreten waren. „Mein Besuch gilt heute ausschließlich der Frau Baronin,“ erwiderte das schöne Mädchen mit den edlen Zügen.„Wie geht es ihr heute? Ich fand sie gestern sehr angegriffen.“ Sie beugte tief den Kopf und vermied es, Curt in das offene, treuherzige Auge zu schauen. „Es geht ihr heute gut,“ antwortete er und wunderte sich über die sichtbare Befangenheit der Braut seines Bruders;„jeden⸗ falls wird es recht heilsam auf sie wirken, wenn Sie den Tag 1 ihr zubringen wollen, Ihr gestriger Besuch war so kurz, uise.“ „Ich werde es mir auch heute versagen müssen, länger zu bleiben,“ entgegnete sie mit niedergeschlagenen Augen und leichtem Erröthen. „Curt,“ sagte sie an der Thür des Thurmzimmers und sah ihn, aufathmend, an,„ich liebe Ihre Mutter und der Gang hierher, gestern und heute, ist mir schwer geworden, aber es muß sein.“ Sie trat rasch in das Zimmer ein und Curt gönnte sich kaum Zeit, über ihre Worte nachzudenken; er hörte eben einen anderen Wagen in den Hos fahren und war froh, daß seine Mutter nun der Unterredung mit dem ärgsten Gläubiger nicht beiwohnen konnte. „Was ist Dir, Luise?“ fragte Frau von Rolfs, nachdem sie einige Minuten das junge Mädchen beobachtet. Luise von Horax erhob das edle, bleiche Angesicht zu der alten Dame.„Ich konnte nicht von Ihnen scheiden, ohne mir die Gewißheit verschafft zu haben, daß Sie mir nicht grollen,“ rief sie und brach in Thränen aus.„O, Mutter, ich kann nicht die Frau Ihres Sohnes werden, es ist nicht möglich!“ Luise barg ihr Antlitz im Taschentuch und weinte heftig. „Mein armer Franz, er liebt Dich so sehr,“ sagte die alte Frau und faltete hoffnungslos die Hände im Schooß. „Ich weiß nicht, ob er mich liebt!“ rief sie erregt;„seit einem Jahre habe ich Furcht vor ihm, so schroff ist sein Betragen gegen mich, gegen meinen Vater, gegen Jedermann.“ „Wahrscheinlich kränkt ihn das beständige Hinausschieben Eurer Heirath,“ sagte Frau von Rolfs.„Es sind nun fast drei Jahre seit Eurer Verlobung vergangen.“ „Es ist nicht meine Schuld,“ entgegnete sie in peinlicher Verlegenheit. „Dein Vater hat nicht genug Vertrauen zu meinem Sohn,“ versetzte die alte Frau schmerzlich. „Franz duldet keine Einmischung in seine Angelegenheiten,“ sagte Luise zögernd.„Wie habe ich gewünscht, ihm ein Ver— mögen zubringen zu können!“ rief sie bewegt. Das durchsichtig weiße Gesicht der alten Dame erröthete flüchtig.„Kennt Franz Deinen Entschluß?“ fragte sie. „Heute früh ist er zu Papa gekommen,“ antwortete sie bebend,„und da hat der es Franz mitgetheilt.“ „Wie hat es der arme Junge aufgenommen?“ fragte die Mutter in tiefer Niedergeschlagenheit. Sie hatte auch das kommen sehen in den langen schlaflosen Nächten; der Freiherr von Horax war schon längere Zeit sehr zurückhaltend geworden. „Ich weiß es nicht, ich stand recht unglücklich am Fenster und wollte Franz noch einmal sehen, da eilte er, nachdem er kaum einige Minuten vorher ins Haus eingetreten war, schleunigst fort und schlug die Richtung nach dem Walde ein.“ Luise weinte leise, das Taschentuch vor das Gesicht haltend, und näherte sich darauf schüchtern der alten Frau.„Darf ich auf Ihre Ver— zeihung hoffen, Mutter?“ fügte sie zögernd hinzu, und über ihre schmalen zarten Wangen flossen Thränen. Frau von Rolfs reichte ihr die Hand.„Du thust meinem Kinde ein großes Leid an, möge er es Dir verzeihen, wie Dir seine alte Mutter verzeiht,“ sagte sie mit unsicherer Stimme. (Fortsetzung folgt.) Piech ten Waren, Novelle von Georg Harnisch. (Fortsetzung.) a V. Die Saison in Teplitz stand auf ihrem Höhepunkt. Ueberall herrschte trotz brennender Sonnenhitze reges Leben und Treiben.— Hotelwagen und Fiaker rasselten über das schlechte Pflaster der bergigen Straßen und vertheilten den Strom der eben eingetroffenen Fremden in den Gasthöfen und Privatwohnungen der alten vielbesuchten Badestadt. Hier half ein norddeutsches Schul— meisterlein dem freundlichen Hausmädchen das schmale Köfferchen in die kleine einfenstrige Logirstube tragen, dort geleiteten Haus— meister und Oberkellner des vornehmen Hotels mit tiefen Ver⸗ beugungen den reichen Bankier über weiche Teppiche und glän— zende Marmortreppen in die vorausbestellten Gemächer. Aus dem Kurgarten aber erschollen die rauschenden Weisen der Badekapelle. Kopf an Kopf saß dort unter den Schatten spendenden Bäumen und Zelten die bunte gemischte Gesellschaft der Fremden, bei den Klängen der Musik den Nachmittagskaffee schlürfend, jede nur irgend beachtenswerthe Erscheinung musternd, sich selbst zur Schau stellend. Welch ein wechselvolles Bild! Elegante Herren, reizende Mädchengesichter, pikante Frauen und Offiziere in kleidsamer österreichischer Uniform. Daneben aber auch gebückte, leidende Menschen, Kranke mit Krücken, Gelähmte im Rollstuhl, und dort in bescheidener Ferne in den Gängen des Parks die we⸗ niger Begüterten— einfache Weiber, bleiche Männer, Unter⸗ offiziere am Stock und polnische Juden mit Locken an den Schläfen und bekleidet mit dunklem Kaftan.— Aus dem Portal des Kaiserbad-Hotels tritt Graf Heinz von Warren in den Kurgarten. Seine hohe, schlanke Gestalt in dem kleidsamen, knapp sitzenden Touristenanzug, die schwarzseidene Binde, welche den linken Arm trägt, sein gebräuntes vornehmes Gesicht mit dem langen, hellblonden, militärischen Schnurrbart und dem Monokel im rechten Auge erregen sofort allgemeine Aufmerksamkeit. „Mon dieu! hier wird auch nicht viel zu holen sein,“ denkt er mit stummem Seufzer,„die überall gleich langweilige Phy⸗ siognomie der Badegesellschaft ennuyirt mich eigentlich recht gründ— lich. Nun, wir wollen versuchen, ob wir nicht eine interessante Einzelheit aus der öden Masse herausfinden.“ Mit diesem tröstenden Gedanken schlendert er langsamen, elastischen Schrittes durch die plaudernden Gruppen, rechts und links die Gesichter der Damen musternd. Er merkt es wohl, .— 2 148 wie ihm die Augen des schönen Geschlechts bewundernd folgen, und diese Entdeckung verbessert seine Laune. „Jugend, Reichthum und Schönheit,“ monologisirt er,„sind Vorzüge, die man ausnutzen muß, um ihrer würdig zu sein. Spielen wir also ein wenig den Löwen der Saison.“ „Ah, sieh da,“ unterbricht er plötzlich seinen Gedankengang, „recht pikantes Gesicht dort neben dem alten Herrn. Kommt mir übrigens bekannt vor, der Alte.— Da ist auch noch ein Platz an dem Tisch.“ „Gargon!“ ruft er einem vorübereilenden Kellner zu,„geben Sie mir einen Stuhl!“ „Einen Stuhl hätt i schon, gnäd'ger Herr, aber'nen leeren Tisch giebt's halt nimmer. Doch schauen's, hier ist noch an Plätzerl; bitt' schön, gnäd'ger Herr!— Kaffee zu wünschen?— Wird gleich hier sein!“ Damit hatte der schön gescheitelte Ganymed den Stuhl dicht neben dem alten Herrn, der jungen Dame gegenüber, an den Tisch geschoben. Graf Heinz zog den Hut:„Gestatten Sie mir, hier einen Augenblick Platz zu nehmen?“ wendete er sich mit verbindlicher Miene an den alten Herrn. „Bitte sehr!“ entgegnete dieser mit freundlicher Geberde. Heinz aber verbeugte sich höflich vor der Dame, welche sei— nen Gruß mit einer kurzen, vornehmen Bewegung des Hauptes erwiderte und dann gleichgültig in die Ferne blickte. „Aha!“ dachte der Lieutenant,„wir sind wohl ganz unnahbar! Nur Geduld, ich führe jetzt meine Hülfstruppen in's Feld,“— und zu dem Alten gewendet sprach er:„Täuscht mich nicht eine Aehnlichkeit, so möchte ich fast glauben, schon früher die Ehre Ihrer Begegnung gehabt zu haben.— Mein Name ist Graf Warren!“ Der alte Herr blickte ihn erstaunt an. dings interessant,— ich heiße von Maien, und hier,“ auf die junge Deme deutend, welche plötzlich ihre nachlässige Haltung aufgegeben hatte,„meine Tochter Irma!“ Jetzt war die Reihe des Verwunderns an Heinz, doch er faßte sich schnell, verbeugte sich 19 0 ehrfurchtsvoll vor Irma und sagte:„Charmant, charmant! Es ist wirklich ein außer— ordentliches Glück, hier unter den vielen fremden Menschen gleich auf so gute Freunde meiner Familie zu treffen.“ „Sie haben ein vorzügliches Physiognomien-Gedächtniß, Herr Graf,“ bemerkte der Freiherr.„Es mögen wohl schon fünf Jahre seit unserer ersten und letzten Begegnung vergangen sein. Sie waren zu jener Zeit, als ich mich in der Nachbarschaft Ihres Stammgutes ankaufte, zu einem kurzen Besuch auf Warren an— wesend, und unsere damalige Bekanntschaft ist leider nur eine sehr flüchtige geblieben.“ Heinz' Augen waren unterdessen mehrmals verstohlen zu der Dame hinübergeschweift. Die unverhohlene Bewunderung, welche sich hierbei in seinen Mienen ausprägte, war auch keineswegs unberechtigt. Irma's zarte und schön geformte, sonst nur etwas zu blasse Züge waren augenblicklich durch den Reflex des roth— seidenen Sonnenschirmes mit einem rosigen Licht übergossen, welches ihrer ganzen Erscheinung einen ungemein frischen und jugendlichen Reiz verlieh. „Wahrhaftig,“ dachte er,„dieses entzückende Weib war für den mürrischen Udo fast zu schade. Wer weiß auch, wie ver sie mit seinen Bedenklichkeiten gequält hat.— Ich werde sie die Vergangenheit nicht entgelten lassen.— Lächerlich!— Jeder sorgt für sich!“ Er hatte garnicht auf Herrn von Maien's Worte gehört, welcher zum Glück sein Schweigen für Zurückhaltung nahm und mit verdoppelter Höflichkeit fortfuhr: „Ich sehe, daß Sie den Arm in der Binde tragen,— nun in diesem Stadium pflegt bei solchen Verletzungen Gefahr und Schmerz schon vorüber zu sein. Hoffentlich irre ich hierin nicht?“ „Ganz recht, Herr Baron,“ entgegnete Heinz.„Bin beim Rennen gestürzt;— kleiner Armbruch;— hat aber nichts zu bedeuten!— Da meine Schwester hier die Bäder gebrauchen wollte, so habe ich mich ihr angeschlossen, um nicht in Warren, wo ich bis jetzt meinen Urlaub verlebte, allein zu versimpeln!“ „So ist Helene auch hier?“ fiel Irma ein, an welche Heinz . Worte eigentlich 85 hatte. „Ah, das ist aller- „Zu Befehl, mein wallergnädigstes Fräulein! Wir sind a ab erst heute eingetroffen. Meine Schwester fühlte sich von Reise angegriffen und ist deshalb im Hotel zurückgeblieben. E wird sich unendlich freuen, wenn sie die Anwesenheit der§ schaften erfährt.— Ich darf doch hoffen,“ schloß er mit v bindlicher Verbeugung gegen Fräulein von Maien,„daß wi noch lange das Glück Ihrer Gesellschaft haben werden?!“? Irma warf ihrem Vater einen bedeutungsvollen Blick zu. Der Freiherr verstand ihre stumme Bitte und erwiderte statt cher „Ich muß freilich die Dauer meiner Kur von dem Urtheil meines Arztes abhängig machen, welcher noch heute darüber ent- scheiden wird. Für mich wäre es ja eine ganz besondere Freude,* die alten nachbarlichen Beziehungen, welche durch die traurigen 5 Ereignisse der letzten Jahre leider gestört wurden, wieder erneuern zu können.— Wenn ich Sie recht verstanden habe, so hat auch* Graf Udo Schloß Warren verlassen und ist vielleicht eb. falls hier?“„ „Nein, Herr Baron, mein Bruder ist zu Hause. Als 10 2 von der Einsamkeit in Warren sprach, hatte ich an Udo nicht gedacht. Er geht leider bei seiner zurückgezogenen Lebensweise 5 für den Familienverkehr gänzlich verloren.“ Irma athmete auf, als sie vernahm, daß sie vor einer Be- 5 gegnung mit ihrem ehemaligen Verlobten sicher sei. 1 Der Freiherr aber nickte theilnahmvoll mit dem Kopf.„Es ist doch eine recht traurige Veränderung, welche mit dem früher so lebensfrohen Manne vorgegangen ist! 7 Familie* ja am meisten darunter gelitten!“ 15 Er machte eine kurze Pause. 85 Irma erröthete ein wenig und sah, die Augenbrauen zu⸗ sammenziehend, zu Boden. Heinz wußte augenblicklich nicht 5 recht, was er sagen sollte. 2 „Ja, ja,“ fuhr der Freiherr fort,„ich ahnte gleich Böses, als mir damals am Morgen nach der Unglücksnacht der A 1 über die schweren Verletzungen Ihres Bruders Bericht erstattete e. Ist denn noch gar keine Hoffnung auf Wiederherstellung ag n Gesundheit?“ f Heinz zuckte die Achseln. Er wunderte sich zwar, daß auch der Freiherr den unter dem gewöhnlichen Volk verbreiteten Glaf ben, in dem Kopfe des Majoratsherrn sei es nicht ganz richti zu theilen schien; aber er war heute nicht in der Stimmun diesen Gegenstand der Unterhaltung noch länger zu verfolge und erwiderte daher etwas kurz: 2 „Möglich, daß er eines Tages wieder eine Forschungs unternimmt; ich würde mir wenigstens hiervon mehr Zerstreuung für ihn versprechen, als von dem abgeschlossenen Dasein Warren.“* „Wie gefällt Ihnen eigentlich das Leben hier in Teplitz, 5 mein gnädiges Fräulein?“ wendete er sich zu Irma. „Das hängt ganz davon ab, ob ich einen mir dale Verkehr finde, entgegnete sie, ihm einen schmachtenden Blick zuwerfend.„An und für sich ist ja Teplitz nichts weniger als ein Luxusbad; gemischte, uninteressante Gesellschaft, m an Vergnügungen, Ueberfluß an Kranken— o, und ich hasse A was an Krankheit erinnert!“ „So habe auch ich keine Hoffnung, Gnade vor Ihren Augen zu finden?“ 5 „Das weiß ich in der That noch nicht,“ lächelte sie, ich muß doch erst abwarten, ob Sie nicht auch den langweiligen Badegewohnheiten fröhnen, die ich verabscheue.“ „Und was verstehen Sie hierunter?“. „Nun, das ängstliche Einhalten einer lächerlichen Regel 5 mäßigkeit; früh aufstehen, Brunnenpromenade, Bad, Diner, Konzert im Kurgarten, gemeinschaftliche Spazierfahrt in die obligate reizvolle Umgebung, Theater, Souper, Schlafengehen, — und so täglich wie ein aufgezogenes Uhrwerk dieselbe Melo⸗ die der gräßlichsten Langeweile.“ N „Nein,“ lachte er,„vor solcher Pedanterie sind Sie bei mir sicher. Nun aber erläutern Sie mir gütigst das eee i Programm nach Ihrem Geschmack!“ „Ja, ein Programm, wie Sie es nennen, vermeide ich een, Ich liebe die Ungebundenheit! Ein Gang in's Freie oder ein Spazierritt in die Berge, wie die Laune mich treibt, ohne Aue und ohne Ziel, in gleichgesinnter Gesellschaft, zu Zweien, aller ler⸗ — — 3 8 —. e eee eee 5 1 — 149. Originalgemälde von Kotschenreuter. dem Nach Das verzwickte Fremdwort. . 253 5 150. höchstens zu Dreien! Vor Allem aber nichts von konventio⸗ nellem Zwang.“ „Mein gnädiges Fräulein, ich bewundere Sie! Darf ich mir mit der Hoffnung schmeicheln, daß Sie meine Begleitung nicht verschmähen würden? Ich schwöre, daß Sie an mir einen gehorsamen Knappen finden sollen!“ „Angenommen, Herr Graf, ich halte Sie beim Wort!“ er⸗ widerte sie, ihm einen verheißunge vollen Blick zuwerfend. „Irma!“ mischte sich der Freiherr in's Gespräch,„es ist Zeit, meinen Brunnen zu trinken. Herr Graf, Sie werden uns heute entschuldigen, wir müssen leider aufbrechen. Haben Sie die Gewogenheit, Ihrer Frau Schwester meine respektvollste Empfehlung zu übermitteln!“ Er erhob sich. „Da sehen Sie; der Dämon der Baderegel ist erwacht; ich Leichtfertige habe ihn gereizt!“ bemerkte Irma, sich kokett lächelnd zu Heinz wendend und ihm die Hand reichend. Er zog die schmalen Finger an die Lippen:„Wann darf ich morgen meine Aufwartung machen?“ „Sie sind zu jeder Zeit angenehm! Doch kommen Sie, bitte, nicht zu spät, damit wir noch etwas Zeit zum Plaudern behalten. Nachmittags möchte ich Helene besuchen. Au revoir!“ „Auf Wiedersehen, meine Gnädigste! Ganz gehorsamer Die— ner, Herr Baron!“ Sie gingen. Auch Heinz entfernte sich. Nach einigen Schritten kehrte er um und sah den Fortgehenden nach. Das Glück wollte ihm wohl; Irma wandte den Kopf. Erröthete sie, oder war es wieder der Abglanz des rothen Schirmes, der sich auf ihren Wangen spiegelte, als sie dem Grafen nochmals ein Lebewohl zuwinkte? „Famose Erscheinung!“ murmelte Heinz.„Ganz geeignet zu einer kleinen Liaison. Nun, en avaut!“ (Fortfetzung folgt.) Frühlingsklänge aus der Riviera. Von Wilhelm Müller(New-Nork'. „Ogni medalgio ha il suo riverso“, sagt ein italienisches Sprichwort, und nachdem uns der Januar, der letzte der Winter— monate in der Riviera, diesen gesegneten Küstenstrich im aller— günstigsten Lichte gezeigt hatte, bekamen wir während der Frühlingsmonate, Februar und März, die Kehrseite der Medaille zu schauen. Ich fange an zu glauben, daß der Lenz, von dem die Dichter singen und dessen wir uns aus der Jugend erinnern, ganz und gar von der Erde verschwunden ist. Wenn in Deutsch— land ein dichter Märzschnee noch einmal die Herrschaft des Winters begründet, wenn brausende Aprilstürme mit kalten Schauekn durch die Straßen fegen oder ein später Maienfrosk den Wonnemond in einem zweifelhaften Lichte erscheinen läßt, dann blickt man sehnsüchtig nach Süden und giebt sich einer dunkelen Vorstellung hin, daß der Frühling sich aus irgend einem Grunde nicht über die Alpen wage und in den sonnigen Gefilden Hesperiens sein Hoflager halte. Nun gewinnt man zwar bei längerem Aufenthalte an der ligurischen Küste die Ueberzeugung, daß der Lenz nicht ganz und gar in's Reich der Mythe gehört, sondern wirklich zuweilen die Erde beglückt. Doch auch hier an der Riviera zeigt er sich während der ersten zwei Monate seines Regimentes nicht als milder Herrscher, vielmehr als launischer Despot, der auf Stunden durch ein heiteres Lächeln unsere Hoffnungen erweckte, um uns tagelang durch seine Strenge auf's schändlichste zu enttäuschen. Zwar blüht und duftet es in allen Gärten und Hainen und singt und klingt in Thälern und auf Höhen, eine Symphonie von lachenden Farben und jubelnden Tönen webt und fluthet um uns her; allein es wird uns nur auf Augenblicke möglich, uns dieser holden Wunder zu freuen. „Der Frühling naht mit Brausen.“ Diese Zeile giebt die Signatur für den Einzug des Lenzes, der sich wirklich als rechter Unhold erweist und alle die schönen Voraussagungen, die man in den Reisehandbüchern liest, unerfuͤllt läßt. Damit will ich den Verfassern jener Werke keineswegs ihre Verdienste um die Touristenwelt schmälern; aber den Vor⸗ wurf der Schönfärberei kann ich ihnen nicht ersparen. Nach meinem Dafürhalten setzen diese würdigen Herren die klimatischen Vorzüge der Riviera in ein viel zu günstiges Licht, während sie die Schattenseiten nicht genug hervorheben. In den schönen Tagen des Januar war ich geneigt, die gelegentlichen Mahn⸗ worte älterer Wintergäste als die störenden Unkenrufe galliger Schwarzseher zu betrachten; jetzt aber, nachdem wir Februar und März hinter uns haben, muß ich den treuen Warnern innerlich für das ihnen gethane Unrecht Abbitte leisten. Der Februar brachte uns Temperaturschwankungen, wie man sie sich allenfalls im bayerischen Hochland gefallen läßt, allein an der Riviera entschieden außer Ordnung erklärt. Der März erfreut sich hier als unliebsamer Windmacher und Blasebold, der die Kehricht⸗ haufen auseinander zerrt und dichte Staubwolken in die Höhe wirbelt, keines besonders guten Rufes, und that wahrhaftig auch in diesem Jahre nichts, um seine Reputation zu verbessern. Nun schwört zwar der bekannte älteste Einwohner— dieses Menschenexemplar kommt auch in einer italienischen Ausgabe vor— daß der heurige Frühling eine Ausnahme bilde; allein man weiß schon, daß diese Versicherung vom Nordpol bis zum Aequator als Entschuldigungsgrund für schlechtes Wetter herhalten muß. Nach der Ansicht der vielge- und bewanderten Reiseonkel wagt man sich im Frühling hier ohne Ueberzieher in's Freie und freut sich unter der lachenden Bläue der wonnigen Wärme. Statt dessen holten wir häufig unsere Winterröcke hervor, knöpften dieselben fest zu und schlenderten trübselig unter bewölktem Himmel einher. Nach der Meinung derselben Autoritäten äußern die Reinheit und balsamische Milde der Luft einen wohlthuenden Einfluß auf den ganzen Organismus, beleben den Körper und erheitern und erheben die Seele; in Wirklichkeit aber bannen uns öfters kalte Regenschauer auf unser unfreundliches Zimmer, das wir trotz aller Heizungsversuche nicht zu erwärmen ver⸗ mögen, und während Gesunde und Vergnügungskranke ihren Aerger in kräftigen Flüchen Luft machen, ergehen sich die wirk⸗ lichen Patienten in Klagen, gegen welche die Lamentationen Jeremiä als lebensfrohe Ergüsse eines anachreontischen Lyrikers zu betrachten sind. Die gleichen Herren stellen die Behauptung auf, daß man schon zu Anfang April hier zu baden anfängt; zwar ist das Wasser warm genug, ich möchte aber den Spartaner sehen, der sich bei den jetzt hier herrschenden Küstenwinden in's Meer wagte. Nach dem Dafürhalten der nämlichen Gewährs⸗ männer besitzt der Frühling eine besonders heilbringende Kraft und äußert seinen allbelebenden Einfluß nicht nur auf die Natur, sondern stärkt auch die Kranken und führt sie ihrer Genesung entgegen. Thatsache ist jedoch, daß man gerade jetzt in den Räumen der Gasthöfe, sowie auf den Promenaden ein verstärktes Husten vernimmt und die armen Patienten scheu und melancho⸗ lisch nach einem geschützten Plätzchen umherspähen sieht. Der Märzwind in der Riviera gleicht dem Gesang— man weiß nicht, von wannen er kommt— er kann mit jedem Augenblicke von irgend einer Seite an- und heranstürmen und uns in mäch⸗ tige Kalksteinwolken einhüllen. Daß solche Frühlingsüber⸗ raschungen nicht zu, einer gedeihlichen Kur beitragen, sondern im Gegentheil vielfach die Verschlimmerung leichter Fälle und ein jähes Ende bei schwer Erkrankten herbeiführen, liegt auf der Hand. Es macht denn auch einen niederschlagenden Ein⸗ druck, wenn man auf der Promenade nach dieser jungen Dame oder jenem älteren Herrn fragt, die man noch vor wenigen Tagen gesehen hat, und erfährt, daß man sie gestern in aller Fruͤhe und Stille, damit die anderen Kurgäste ja nichts davon erfahren, kalt und starr zu ihrer letzten Ruhestätte aus dem Gasthofe getragen habe. Die Friedhöfe von San Remo, Bordighera und Mentone entfalten eine stumme, aber unwiderlegbare Kritik jener übertriebenen Lobpreisungen und jener Reklame-Artikel, welche im Interesse der Fremdenindustrie in die Welt posaunt werden. Auf diesen Gottesäckern findet man ganze Reihen eng⸗ lischer und deutscher Namen, deren Träger voll heißer Sehnsucht nach Genesung hierher gekommen waren, um hier das letzte Fünkchen von Lebenskraft während des milden Winters noch einmal aufleuchten zu sehen, damit es im rauhen Märzsturm für immer erlösche. Von all den traurigen und herzzerreißenden Vorfällen, die ich hier miterlebt habe, will ich nur einen mit⸗ theilen, der die Gleichgültigkeit und Gemüthsrohheit mancher Hotelbesitzer und Bediensteten ihren leidenden Gästen gegenüber 2 151 1 5 4 1 1 N in einem abschreckenden Lichte erscheinen läßt. Ein mir bekannter Journalist hatte sein Zimmer neben dem eines jungen Russen, der schon mit dem Keim des Todes nach San Remo gekommen war. Da derselbe ganz allein stand, nahm sich der Mann der Feder seiner au, und als der Kranke nicht mehr sein Zimmer verlassen konnte, besuchte er ihn häufig und leistete ihm jene kleinen Liebesdienste, die unter solchen Verhältnissen jeder füh— lende Mensch seinem Nächsten erweist. Da hörte der Journalist in der Nacht plötzlich und wiederholt schellen und gewann den Eindruck, daß der elektrische Apparat im Zimmer seines Nach— bars in Bewegung gesetzt worden sei. Nach einiger Zeit wurde es ruhig und der Journalist schlief wieder ein. Früh am Mor- gen hörte er im nächsten Zimmer ein eigenthümliches Geräusch; rasch stand er auf, trat aus seiner Thür, um zu sehen, wie die Hotelbediensteten eben die Leiche seines Nachbars forttrugen. Der Sterbende hatte während der Nacht— vielleicht im Todes— kampfe— geschellt, um Hilfe herbeizurufen; allein Niemand hatte es gehört, Niemand war gekommen, um dem Verlassenen ein letztes freundliches Wort zu sagen und den Schweiß von der kalten Stirne zu wischen. Die Hotelbediensteten ahnten wohl, welches Trauerspiel in dem einsamen Zimmer sein Ende finde und hielten sich deshalb fern; denn— von einem Todten hat man keine Trinkgelder mehr zu erwarten. Das ist nur ein Fall von vielen, wie sie sich hier abspielen, wenn schwer Er— krankte ohne Begleitung an die Riviera ziehen, um dann statt der ersehnten Heilung, wie Ponce de Leon einstens in Florida, fern ihrer Heimath, fern von ihren Lieben, in fremder Erde ein einsames Grab zu finden. Mit dem wiederkehrenden Frühling macht sich an der ganzen Riviera ein stärkerer Zustrom englischer Touristen und Kurgäste bemerkbar. Auf besuchten Promenaden wie in abgelegenen Alpen— thälern begegnet man der Norfolk-Jacke und dem indischen Helm, und an der Tafel des Hotels wie in den Spielsälen von Monaco hört man überwiegend das Idiom des Inselvolkes sprechen. Ich bin ein enthusiastischer Bewunderer der englischen Literatur, ich hege den höchsten Respekt vor dem Charakter des„sturdy Briton“ und halte das Leben eines englischen Country-Genleman so ziemlich für die menschenwürdigste Form des Erdendaseins. Aber so achtunggebietend mir der Anglosachse in allen großen Unter⸗ nehmungen wie auf dem Boden seiner Heimath erscheint, so unliebenswürdig, nein, so unerträglich zeigen sich die meisten Repräsentanten seiner Race— sowohl männlichen wie weib— lichen Geschlechts— in der Fremde. Der reisende Engländer ist eine Welt für sich; die Vertreter anderer Nationalitäten existiren einfach für ihn nicht, er schenkt höchstens dem Fran⸗ zosen einige Beachtung, um in der Konversation mit ihm seinen Accent ein wenig zu vervollkommnen. Daß die Engländer in jenen Hotels, denen sie ausschließlich ihre Patronage zuwenden, tonangebend auftreten, ist ganz in der Ordnung. Aber auch da, wo sie sich in der Minderheit befinden, wissen sie ihrem Geschmack bei der Zubereitung der Speisen und ihren Gewohn— heiten bei der Einrichtung der Wohnräume Geltung zu ver⸗ schaffen. Der Mißstand, daß die Zimmer der meisten Riviera⸗ gasthöfe nicht mit Oefen, sondern nur durch Kamine heizbar sind, und man die Hauptmahlzeit des Tages— ein für Patienten absolut schädlicher Brauch— um 7 Uhr Abends servirt, ist in erster Linie auf englischen Einfluß zurückzuführen. Die aus⸗ gesprochene Selbstgenügsamkeit der Briten, die sich allen, auch den höflichsten Annäherungsversuchen gegenüber ablehnend ver— hält, trägt ferner dazu bei, an den Tafeln und in den Kon⸗ versationssälen eine Atmosphäre frostiger Langeweile zu verbreiten. Ich selbst fand mehrmals Gelegenheit, jungen und älteren Misses gefällig zu sein, indem ich ihnen einen Weg zeigte oder als Dolmetscher fungirte, wobei meine kleinen Dienstleistungen jedes⸗ mal als etwas ganz Selbstverständliches, als der Achtungstribut einer untergeordneten Race einer höheren, erlesenen gegenüber angenommen wurden. 5 Als Kehraus des Frühlingsreigens an der Riviera möchte ich die verschiedenen Ueberraschungen bezeichnen, die den Kur⸗ gästen und besonders jenen, welche eine ganze Villa oder eine Etage inne hatten, beim Abschied von den Hausbesitzern bereitet werden. Es besteht nämlich hier die Gepflogenheit, daß der 12 65 Inhaber einer Etage, sowie der einzelne„möblirte“ Herr seinem Wirthe nicht nur die vereinbarte Miethe zu bezahlen hat, son— dern auch am Schluß der Saison, wenn er sich nicht durch eine schriftliche Verwahrung dagegen sichergestellt hat, eine besondere Summe als Entschädigung für die Abnutzung der Möbel ent— richten muß. Der Miether mag nun die häufig recht ehrwür⸗ digen Hausgeräthe mit der größten Pietät behandelt haben, das Falkenauge des Eigenthümers wird immer an einem Sopha einen schüchternen Flecken oder an dem Teppich eine abgetragene Stelle zu entdecken wissen und der Haustyrann zögert nicht, für diese Defekte eine unverhältnißmäßig hohe Vergütung zu fordern. Nun kann man zwar die Vermittlung des betreffenden Konsuls in Anspruch nehmen; wenn aber der Italiener wie Shylock auf seinem Schein besteht, so läßt sich die Angelegenheit nur auf gerichtlichem Wege erledigen, und da die meisten Fremden einen Prozeß wegen der damit verbundenen Kosten und Plackereien scheuen, so gelingt es dem Rivierageier meistens, seine Opfer gehörig zu rupfen, ehe sie den Zug in die nordische Heimath antreten. Leider gewann ich die Ueberzeugung, daß die Neigung zur Ausbeutung der Kurgäste nicht allein unter der von Fremden lebenden eingeborenen Bevölkerung herrscht, sondern auch die zugezogenen Elemente angesteckt hat. Es kamen mir Fälle zu Gehör, in denen namhafte Mediziner, die sich im Sommer an bekannten Kurorten Deutschlands oder Oesterreichs einer aus— gedehnten Praxis erfreuen, während des Winters an der Riviera thätig sind, für ihre ärztliche Behandlung geradezu exorbitante Preise berechneten und unbemittelten Patienten gegenüber eine Härte an den Tag legten, die wahrhaft empörend war. So besuchte ein Heilkünstler, der sich sehr gern mit seinem schwer— wiegenden Titel anreden läßt, einen nicht sehr wohlhabenden Kranken täglich zweimal. Da der Leidende von der Hoffnungs— losigkeit seines Falles überzeugt war, bat er seinen medizinischen Rathgeber, doch weniger häufig zu kommen, indem seine Frau nach seinem Ableben nur unter schweren Opfern die Forderungen des Doktors befriedigen könne, worauf letzterer entgegnete, er nehme das regste Interesse an dem Patienten und erscheine nicht als Arzt, sondern als Freund. Der Kranke verschied, und nach der Beerdigung ihres Gatten, als die Rechnung präsentirt wurde, hatte die Wittwe Gelegenheit, zu erfahren, daß die Freundschaft des berühmten Mannes leider eine recht theure gewesen war. Man hat der Hygieia unter den Palmen der Riviera so manchen Altar errichtet, sollte sich nicht auch hier und da eine Stelle finden, wo man der Charitas einen Tempel bauen könnte? Um diese Plauderei nicht mit einem Mißklang zu schließen, will ich von jenen Bevölkerungselementen sprechen, die sich ihren Frühling weder durch die Launen des Wetters verderben lassen, noch denselben, wie das Heer der Hauswirthe de., durch schnöde Erpressungsversuche entweihen, sondern ihn ganz und voll ge— nießen— das sind die kleinen Leute aus den alten Stadt— vierteln und die Landbewohner der Umgegend. Aus den kalten Straßen und düsteren Winkeln der Umgegend drängt sich's her— vor und die Menge begrüßt jeden warmen Sonnenstrahl mit dankbarem Blick, mit fröhlichem Geplauder. In den blühenden Thälern und auf den grünenden Höhen wird es lebendig all— überall, denn es gilt, die letzten Oliven einzuheimsen oder die ersten reifen Orangen und Citronen aus dunklem Laube zu pflücken, und mit hellem Jubel gehen die Landleute an's Werk und wetteifern mit den Vögeln im Gesang. Von den Aesten der Bäume wie aus den Gebüschen klingen frische Männer— und Mädchenstimmen, die Arbeit wird nicht als Plage, sondern als Freude empfunden, Alles ist Lust, Leben und Bewegung. Des Mittags lagert sich das Völkchen im Grase, verzehrt sein einfaches Mahl— Weizenbrot mit Landwein— und ladet den Vorübergehenden mit übermüthigem Scherzwort zum Mithalten ein. Und der Wanderer müßte der trübseligste Hypochonder sein, wenn er unter dem lachenden Himmel von dieser Genüg— samkeit, von diesem herzlichen Entgegenkommen und freundlichen Sinn nicht erleichtert und erfrischt würde und mit leuchtenden Blicken, einem Hauch von Frühlingsseligkeit in der Brust, sich erhöbe über den Jammer seines eigenen Seins und über die Armseligkeiten des Lebens und ruhig, heiter und groß fühlte wie das strahlende stille Meer zu seinen Füßen und wie die weite sonnige Landschaft um ihn her. R r Nagisches Quadrat. Aus folgenden Buchstaben: Do IE CEE E E E 111 * x n n sind vier Wörter zu bilden und so zu ordnen, daß dieselben, von oben nach unten und von links nach rechts gelesen, in den korrespondirenden Reihen gleiche Wörter ergeben: Die vier Reihen ergeben: 1. Nahrungsmittel. 2. Den äußersten Theil eines Gegenstandes. 3. Das Letzte eines Ganzen. 4. Ein Erkenntnißbegriff. Viersilbige Charade. Mein erstes Silbenpaar, was selten ruht, Ist falsch und offenherzig, bös' und gut. Mein zweites ist ein Landmann, der im Schweiß Und mit Geschick das Korn zu sondern weiß. Mein Ganzes heißt mit Fug ein Rabulist, Dess' böser Leumund Allen schädlich ist. Sprichwörter-Näthlel. Aus jedem der folgenden zehn Sprichwörter ist ein Wort zu wählen. Die zehn erhaltenen Wörter ergeben wiederum ein Sprichwort. 1. Ist ein Bubenstück gelungen, fehlt es nicht an Huldigungen. Gutes Gewissen und armer Heerd ist Gott und aller Ehren werth. Kommt dir in's Haus ein werther Gast, gieb's ihm so gut als du es hast. 4. Hochmuth und Stolz wachsen auf einem Holz. 5. Artig, fleißig, folgsam, rein, müssen gute Kinder sein. 6. Fängst du dein Werk mit Beten an, ist es zur Hälfte schon gethan. 7. Guter Nachbar an der Wand ist besser, als ein Vetter über Land. 8. Es ist nicht Alles Gold, was glänzt. 9. Früh auf und spät nieder bringt verlor'ne Güter wieder. 10. Fromm, gut und rein— drei Edelstein'. 8 0 Dreililbige Ebarade, Ich nenn' euch, werthe Leser, nicht Die beiden Ersten, denn sie liegen Euch eben jetzt ja vor'm Gesicht, Und machen öfters euch Vergnügen.— Mein Letztes aber kann nur Schmach, Verdruß und Gram und Aerger bringen, Und der in mich kommt, der wird, ach! Gewiß nicht Freiheitslieder singen. Mein Ganzes ist euch jetzt gewiß Das Ganze selbst; doch glaubt mir dies: Dringt in die Ersten recht nur ein, Gleich hört mein Ganzes auf zu sein. Auflösung der viersilbigen Charade in voriger Nummer: Zauberflöte; — des Spruch Rathsels: Wer böse Thaten hindern kann und thut es nicht, ist Schuld daran;— des Arithmogriph: Abraham— Rebekka. 1. Arthur. 2. Brahe. 3. Raab. 4. Antilope. 5. Habakuk. 6. Ahlbeck. 7. Marsala; des Kreuz⸗Räthsels: UF. E R 2 4 IN RTO TT[TEK RT DBTATI FRI E DRI II IMM EARH IAA NIN N 1 L. NE 0 u N Schach. Problem Ur. 504 von Dr. A. Bayersdorfer in München. Schwarz. Weiß. Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. Problem Ur. 505 von Dr. A. Bayersdorfer in München. Weiß. Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. Problem Ur. 506 von J. Kohtz und C. Kockelkorn. Schwarz. Weiß. Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. Partiestellung nach dem 8. Zuge. 118. 3 von 7 a 1 in a 3 amen Been egen fend Ber zie HC üger von Dr. Bayersdorfer vor. Die ber Saen Stücke sind zu a de del Meeres Je e mehr er. palte. die sei 5 eint. veröffentlicht worden. Der Peitz 5 Nummer ist wieder ein. ente mit dem wir einstweilen von dieser roblemgattung 2 Abschied nehmen. e Aus der Schachwelt. — ssor Berger in Gra 2 dem en e für die 1 8. 84 Problemsendung des nächsten Turniers einen Ehrenpreis von 100 Mark zur Verfügun ellt. 8 n über einen Ma 0 Wettkampf zwischen je dreißig englischen und deutschen Spielern haben nicht zu einer Eini⸗ gung geführt. 1 — Die Zeichnungen für den sechsten amerikanischen Schachkongreß. der in di Herbste in New⸗Nork staltfinden soll. da — Gesammtbetrag von fast 18 000 M t. — Für das internationale Meisterturn i0 des diesjährigen britischen Schach kongr zu Bradford sind sechs Preise ausgesetzt u Höhe— 1600, 1000, S00, 600, 400 und 200 Ma — Bei Gelegenheit der diesjährigen Welt⸗ Ausstellung 1 soll ein inter ⸗ nationales e ster- Turnier veranstaltet 5 auch 5— und amerita⸗ 9 nische Meister zur eiligung zu 1 lassen, ist ein Fier reis von 200 Mund 918 Sterling 5000 Mart) in Aussicht genommen. — In Havanna ist von 1 i Match gegen Vasquez mit 5 zu 09 wonnen worden, gleichzeitig hat Kapitän Mackenzie daselbst gegen Golmayo 5 zu 2 bei einer Reinis partie gesiegt. Partie Ur. 285. Gespielt am 11. Februar d. J. im M 4 zu New-Hork als zw artle in einem Match, in welchem Del mit 5 zu 3 Sieger blieb. Weiß: E. Delmar. Schwarz: S. Lipschütz. 7—7——ͤ—————u——. 9 e2- ed 2) 88113 3) d2—d4 4) Sf3— dt: 5) Sd4—- c:“) 6) LfI— dg 7) ed-e5 8) 0—0 9) bah“ 10) TkEI—el 11) Ddl-e 12) De2 es:) 13) Kgl. 0 2—b35) 15 h1—b2 16) Des- ds:* Weiß gübt die Partie auf.* *. 22 1) Eine besonders in England Raug Erwiderung, die nicht weniger gut ist. 1 die beiden andern e jwischen denen hier noch die Wahl bleibt: 4 168 5) Led Dis 6) cd 1c. oder 40.. 5) Sbö' oder Ddg 1c In der That es noch eine vierte Vertheidigung.— nach Nosenthals Ansicht dem N —.— ein mindestens 1 Spiel ver⸗ 8283 122 2 5 1 Borzug der infachheit hätten nämti 8 4 Das N 2 Nosenthal st hier Weiß mit U Schwarz die Dame tauscht. e 5 der sofortige Abtausch g DE 2b 17 er in einer Partie jwischen L Pau.. und Neumann vorkommt. für Weiß b und geeignet die. 5 amenläusets von Schwarz zu de: hindern. 3 2) Die Fortsezung 5) Ses 14 6 Sc 2 25 7. ch L oder 2 findet sich im Märfheste .— als die Spiele ausgleichend K 8 Die richtige Antwort auf diesen dessen Tragwelte vom Gegner nicht L wird, war IId oder Des. 3 4 Nac peter Zuge giebt c für teine Rettung mehr. 5 2 1 5 Erpwungen, da das Matt sonst nur durch Dg5 zu decken war. 4 1 6% Weiß verliert die Dame ohne weilern Ersat, denn auf 161.. Kg fol 17 Tes bear nebst Des und a 5 0 161. Dfzr 17 KhI Mete Dat nebst Des oder 16). J. g Druc und Verlag der„Volks- Zeitung“, Akt.-Ges in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Nedakteut: X. Elche in Berlin, Lützowftr. 105.