und sogleich wieder hinter sich zugeschlossen. zu den Ouerhessischen Uuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 5. Februar. VIII. Dunkle Wege. Kaum eine halbe Stunde später ging auch Semenow nach Hause, jedoch auf einem kleinen Umweg. Anstatt auf dem nächsten Weg, den Wosnessensky-Prospekt entlang, zu gehen, verlor er sich in Nebenstraßen, nicht ohne sich öfters umzusehen, ob man ihm nicht folge. Endlich ging er längs des Moika— kanals eine kurze Strecke weit und verschwand dann plötzlich im Thorweg eines alten, ziemlich unscheinbaren Hauses. Es war ein zweistöckiges Gebäude von finsterem Aussehen. Viel— leicht war es früher einmal der Palast eines Edelmanns ge— wesen, zu jener Zeit, als Peter der Große seinen Adeligen be— fahl, in Petersburg ein Haus zu halten, um so das Wachsthum der neuen Stadt zu fördern. Jetzt blickte es düster in die trüben Fluthen des Kanals. Man konnte es für unbewohnt halten, kein Licht, kein Lebenszeichen war zu bemerken. Semenow schien hier wie zu Hause zu sein. Er hatte eine kleine Hausthür neben dem Thorweg mit einem Schlüssel geöffnet Er trat in eine geräumige Halle, in deren Hintergrund eine breite Treppe nach oben führte. Beim Geräusch seiner Schritte trat aus einer Thür neben der Treppe ein Gensdarm hervor, um zu sehen, was vorging. Semenow stieg die Treppe hinan. Oben an— gekommen, befand er sich auf einem sehr geräumigen Vorplatz, auf welchem ein halbes Dutzend Zimmerthüren zu sehen waren. Ohne zu zögern, schritt er auf die eine derselben zur Rechten zu, öffnete sie und trat ein. Es war ein sehr elegant ein— gerichtetes Vorzimmer, der Fußboden mit einem dicken Teppich belegt, am Fenster ein großer Schreibtisch, an welchem ein Beamter emsig schrieb. „Guten Abend, Jegor Kyrillowitsch,“ begann Semenow, „so spät noch bei der Arbeit?“ „Ach, Peter Iwanowitsch, sprechen Sie mir nicht davon!“ erwiderte der Beamte seufzend,„es ist nicht möglich, fertig zu werden! Meldungen, Berichte, Protokolle ohne Ende! Und Alles will Excellenz selbst erledigen, der gewöhnliche Weg durch die Kanzlei genügt ihm nicht mehr. Das heißt natürlich, ich muß es machen,“ setzte er mit Selbstbewußtsein hinzu. „Lächerlich, was diese Carrieremacher für einen Hochmuth haben,“ sagte Semenow zu sich selbst, dann fuhr er laut fort: „Ja, ja, Jegor Kyrillowitsch, ich kann mir denken, Sie haben keinen leichten Dienst. Es ist schwer, sehr schwer, ganz gewiß. Nun,“ fügte er mit einem Anfluge von Spott hinzu,„schreiben Sie nur fleißig weiter, Sie werden gewiß das Vaterland damit retten. Ist Excellenz zu sprechen?“ Geschmeichelt durch Semenow's Bemerkung, die er für ernst Vor dem Sturm. Roman aus dem modernen russischen Leben von A. L. Berthoff. (Fortsetzung.) gemeint nahm, deutete der Beamte mit höflicher Handbewegung nach einer großen Flügelthür im Hintergrunde des Zimmers. Semenow schritt auf dieselbe zu und trat ein. Er befand sich in einem großen Zimmer, welches luxuriös ausgestattet war. Schwere Portieren verhüllten die Fenster, dicke Teppiche dämpften den Schritt. Mächtige Schränke, in welchen Akten aufbewahrt wurden, oder durch deren Glasthüren lange Reihen fein gebun— dener Bücher hervorsahen, liefen längs den Wänden. Ein oder zwei bequeme Divaus gaben dem Gemach ein sehr behagliches Ansehen, während die Wände mit den lebensgroßen Portrait? des Kaisers und der Kaiserin in schweren, kostbaren Goldrahmen geschmückt waren. Inmitten des Zimmers stand ein sehr großer Schreibtisch, mit vielen verschiedenartigen Papieren belegt, welche aber, wie es schien, in musterhafter Ordnung gehalten wurden. Der Mann am Schreibtisch blickte auf, als Semenow ein— trat. Es mochte wohl ein Sechziger sein, aber seine Bewegungen waren noch sehr rüstig. Er trug einen einfachen Uniformrock ohne Abzeichen, die breiten rothen Streifen an den Beinkleidern bewiesen aber, daß er den Rang eines Generals bekleidete. Sein dichter, grauer Bart ließ das Kinn frei, das spärliche Haar trug er ziemlich lang, was seinem Aussehen etwas Ehr— würdiges gab. Seine sehr regelmäßigen Züge hatten nichts vom russischen Typus und hätten den Eindruck großer Gut— müthigkeit machen können ohne den durchdringend scharfen Blick seiner lebhaften grauen Augen. Das war General Trepow, der Oberpolizeimeister von St. Petersburg, der eine fast unbeschränkte Gewalt besaß über Hunderttausende. Nach dem letzten Attentat auf das Leben des Kaisers, wo ein gewisser Semenow denselben mit dem Revolver anfiel und verfolgte, war Trepow auf diesen wichtigen Posten berufen worden und hatte sich den Ruf großer Energie und Unbestechlichkeit erworben. Trepow war übrigens Protestant und stammte aus einer deutschen Familie Trepphof. „Nun, giebt es etwas Neues?“ fragte er, den respektvollen Gruß Semenow's mit einem Kopfnicken erwidernd und ihn scharf ansehend. „Excellenz kennen meinen Eifer,“ erwiderte Semenow.„Es ist mir gelungen, das Haus ausfindig zu machen, in welchem sich die geheime Buchdruckerei befindet, aus welcher jene revo— lutionäre Zeitschrift hervorgeht. Höchstens noch eine Woche habe ich nöthig, um sicher zu sein.“ „Bravo!“ rief der General.„Nun, es ist Zeit, daß diesen Menschen das Handwerk gelegt wird. Bringen Sie mir dar⸗ über recht bald genaue Nachricht!“ „Ich beabsichtige, sogar selbst beim Druck mitzuarbeiten 2 80 5 2—— 9. — 2 N 3 .. e— — 5 ä 2 3 R R n im Lokal der Druckerei. Semenow. „Ja, ja, ich weiß!“ erwiderte der General.„Aber Ihre wichtigen Dienste werden nicht ohne Belohnung bleiben. Ueber⸗ dies werde ich schon Maßregeln treffen, um Sie zu schützen.“ „Letzteres wird schwer sein, Excellenz,“ bemerkte Semenow lächelnd.„Wenn ich durch irgend einen Zufall verrathen werde, so kommt Ihre Mannschaft zu spät. Und was Ersteres betrifft, die Belohnung, so wollen Ew. Excellenz mir gestatten, daran zu erinnern, daß ich bei der letzten Ordensverleihung leider über— gangen worden bin aus mir unbekannten Gründen.“ „Wirklich?“ sagte der General.„Nun, ich werde mich dar— über informiren und dafür sorgen, daß Sie zufrieden sein können.“ Er ergriff ein neben ihm liegendes Notizbuch von rothem Leder und machte darin eine Notiz. „Ew. Excellenz können meines aufrichtigen Dankes ver— sichert sein!“ erwiderte Semenow.„Indessen bin ich gewohnt und bereit, auch ohne Belohnung meine Pflicht zu erfüllen und Ew. Excellenz meine Dienste zu weihen.“ „Gut, gut!“ sagte der General.„Es bleibt aber noch viel zu thun übrig. Nicht selten erhalte ich auch über irgend einen Vorfall sehr dürftige Nachrichten, welche keineswegs befriedigen können. So zum Beispiel erhielt ich vor einigen Tagen aus Moskau die Nachricht, daß ein Emissär der Nihilisten von dort abgegangen sei, um hier irgend eine Schandthat auszuführen oder deren Ausführung zu beaufsichtigen. Dieser wichtige Fang darf mir nicht entgehen! Aber ist es nicht ein Skandal, daß Niemand eine Spur zu finden weiß? In Moskau hat man doch wenigstens die Thatsache ermittelt!“ „Ich habe eine Idee in dieser Beziehung, Excellenz,“ be— merkte Semenow. „Sprechen Sie!“ rief der General ungeduldig. „Sollte die Ankunft dieses Emissärs nicht mit der Ermor— dung Karpow's zusammenhängen?“ erwiderte Semenow. „Nun ja, das ist möglich, sogar wahrscheinlich. Aber was folgt daraus?“ fragte der General. „Ich bin der Meinung, daß dies ein Leitfaden sein könnte,“ erwiderte Semenow.„Man wird wahrscheinlich irgend eine Spur finden, wenn man Alles genau untersucht, was mit Karpow in Berührung gestanden hatte. Ich habe erfahren, daß sein intimster Freund ein gewisser Marlitztiy war, ein Student der Medizin. Dieser hat ein verschlossenes Wesen und ist mir schon lange verdächtig. Es dürfte wohl gerathen sein, sich dieses Menschen jetzt sogleich zu versichern.“ Der General griff wieder zu seinem rothen Notizbuch und Es ist freilich gefährlich!“ bemerkte machte wieder eine Notiz. „Wie ist der Name und die Adresse dieses Menschen?“ fragte der General. Semenow hatte diensteifrig bereits ein Blatt aus seinem Taschenbuch gerissen und Maxim's Namen und Adresse darauf verzeichnet. Er reichte es dem General. Dieser warf einen Blick darauf und berührte dann die Klingel, welche neben ihm stand. Die Klingel gab einen schrillen Ton, scharf wie ein Messer, durchdringend wie das Warnungssignal einer Lokomotive. Doch der, dem dieses Warnungssignal gelten konnte, hatte keine Ahnung davon, daß in diesem Augenblick die Arglist ihn zu verderben suchte, er lag im tiefen Schlaf des ruhigen Gewissens, keine Warnung erreichte ihn. Ein Diener erschien. „Jegor Kyrillowitsch!“ rief ihm der General zu. Der Diener verschwand und bald trat der Gerufene ein. „Schreiben Sie einen Verhaftsbefehl auf diesen Namen. Sogleich auszuführen,“ befahl der General, indem er ihm das Blatt Papier reichte. Mit boshaftem, höhnischen Lächeln hatte Semenow zugehört und befriedigt blickte er dem Beamten nach, welcher das Zimmer verließ. Mit kurzem Gruß entließ ihn der General und Semenow schickte sich an, das Haus des Polizeimeisters zu verlassen. Dabei waren aber besondere Vorsichtsmaßregeln und die höchste Vorsicht geboten. Semenow diente nicht nur dem Polizeimeister, sondern auch den Nihilisten als Spion, deren Zusammenkünfte 2 42.. 2 er besuchte. Wurde er jemals etwa von der Polizei in einem nihilistischen Quartier ergriffen, so hatte dies keine Gefahr für ihn. Anders aber und im höchsten Grade gefährlich mußte es für ihn sein, wenn seine Freunde, die Nihilisten, ihn aus dem Hause des Oberpolizeimeisters kommen sahen, noch dazu zu so später Stunde. Deshalb suchte er sich so viel als möglich zu verbergen. Vor Allem hielt er es für gerathen, das Haus nicht durch die— selbe Thür wieder zu verlassen, durch die er es betreten hatte. Es war ja immerhin möglich, daß ihm Jemand gefolgt war und ihn hatte eintreten sehen. Dieser würde nun vergebens seine Rückkunft erwarten. Er wählte also lieber den vorderen offiziellen„Parade-Eingang“, welcher auf die vornehme Morskaja⸗ Straße mündete. Diese war zwar hell erleuchtet, aber man konnte unter den zahlreichen Vorübergehenden rascher verschwinden. Von einem Gensdarmen geleitet, durchschritt Semenow rasch den langen Korridor, welcher zur vorderen Hausthür führte, der Portier öffnete, sich verneigend, die elegant geschnitzte Thür und Semenow trat hinaus in die hell erleuchtete Straße, nachdem er zuvor den Pelzkragen seines Mantels aufgeschlagen und dadurch sein Gesicht fast ganz verdeckt hatte. g Rasch und ohne sich umzusehen schritt er dem Wosnessensky⸗ Prospekt zu. Mit seinem bösen, heimtückischen Lächeln sprach er vor sich hin: „Er wird sich wundern, der junge Herr, was man ihm für eine Suppe eingebrockt hat! Er wird sich den Magen wohl gründlich daran verderben! Meine Rache muß ich haben! Irene scheint mich ganz und gar abzuweisen, keine meiner Auf— merksamkeiten würdigt sie ihrer Beachtung und meine sehr ver— ständlichen Anspielungen, Bitten und Avancen beantwortet sie mit ebenso verständlicher Abweisung! Auch ihre Eltern sind kühl in ihrem Benehmen gegen mich. Es scheint unzweifelhaft, daß ich ein vollständiges Fiasko zu erwarten habe, wenn ich mich im jetzigen Augenblick ernstlich um die Hand der spröden Dame bewerben würde. Natürlich! sie hat ihr Herz verschenkt an diesen falschen Halbpolacken. Es ist nur schade, daß dieser inzwischen beschäftigt ist, Nachts auf den Straßen die Unschuld zu retten und sich anderweitig zu verlieben! Ha! ha! ha! das ist auch eine Revanche! Aber sie geht nicht von mir aus, ich bin dabei unbetheiligt, und das genügt mir nicht. Ich will meine Rache haben und will sie selbst in's Werk setzen! Nun, ich denke, der Streich wird wirken. Wenn ihr Angebeteter ge⸗ henkt oder auf den großen Spaziergang nach Sibirien geschickt 5 wird, auf Nimmerwiedersehen— wer weiß, vielleicht besinnt sie sich doch noch und findet, daß andere Leute, welche klüger und erfahrener sind und Carriere zu machen verstehen, eine bessere Partie abgeben.“ l Diese angenehmen, liebenswürdigen und harmlosen Gedanken f fuhren ihm blitzschnell durch den Kopf, viel rascher als sie hier wiederholt werden können. Semenow war noch kaum sechzig Schritte weit von der eben verlassenen Hausthür entfernt, als er einem Manne begegnete, den er schon zuvor hatte langsam Jetzt hatte derselbe sich um die Straße entlang gehen sehen. gekehrt und kam wie suchend wieder zurück, jedem ihm Begeg— nenden scharf in's Gesicht sehend. fester um Schultern und Gesicht und bereitete sich mit dem Instinkt des richtigen, gewandten Spions vor, diese auffallende Persönlichkeit genau zu mustern, um sich deren Züge fest ein— zuprägen. Er hatte Erfahrung genug, um zu wissen, daß man nichts, was dem Spion zufällig in den Weg kommt, vernach⸗ lässigen dürfe, und daß derselbe oft gerade dem Zufall die merk? würdigsten Entdeckungen, die wunderbarsten Erfolge verdankt. In dem Augenblick, als sie aneinander vorüberkamen, wurde 1 die Aufmerksamkeit des Unbekannten einen Augenblick abgelenkt durch einen harmlosen Vorübergehenden, welcher desselben Weges ging wie Semenow. Letzterer warf einen raschen Blick auf den Unbekannten, dessen nicht mehr jugendliche, scharf markirte üge das Licht einer Gasflamme beleuchtete. Aber mit dem Ausdruck heftigen Schrecks zog Semenow den Pelz fester an sich und ging raschen Schrittes weiter, ohne sich umzusehen. Sofort hatte er seine Selbstbeherrschung wieder gewonnen und war jetzt nur bemüht, von hier fortzukommen, so rasch als dies mög⸗ lich war, ohne Aufsehen zu erregen. Semenow zog seinen Pelz 1 * . — 43= „Ist's möglich?“ sagte er zu sich selbst,„Wassil wieder hier? Was sucht der Mensch nun gerade in Petersburg? Sollte ich mich getäuscht haben? Ich habe doch selbst gesehen, wie er nach Sibirien abmarschirte mit dem ganzen Transport von Ge— fangenen. Ich habe ihn gesehen, es ist gar kein Zweifel, in der braunen Sträflingskutte mit dem gelben Viereck auf dem Rücken und mit besonders starken Handschellen, wie sie einem einmal entflohenen Sträfling natürlich sorgfältig angelegt werden. Er konnte mich freilich damals nicht sehen, denn ich hatte mich hinter den Fenstervorhängen versteckt, als der Zug vorbei kam. Ich glaube auch kaum, daß seine Abschiedsblicke besonders zärt— lich gewesen wären. Weiß er überhaupt, wem er es zu ver— danken hat, daß er wieder festgenommen wurde nach zwei Jahren der Freiheit? Ich glaube kaum, daß man es ihm mitgetheilt hat. Möglich ist es aber doch, daß er es erfuhr. Und was will er nun gerade in Petersburg? In Moskau könnte er doch sehr viel sicherer leben als hier, das kann er sich wohl denken.“ Wahrscheinlich also sucht er mich. Nun, es ist hübsch, daß er an seine alten Freunde denkt, aber ich möchte auf diese Auf— merksamkeit lieber verzichten, wirklich, ich mache keinen Anspruch darauf.“ Rasch hatte er seinen Weg fortgesetzt. Jetzt befand er sich auf einem großen Platz, und nachdem er denselben überschritten hatte, wendete er sich um und spähte gespannt nach rückwärts, ob ihm nicht Jemand gefolgt sei. Er bemerkte nichts Verdäch— tiges und schritt weiter. „Halt!“ rief er plötzlich,„eine Idee! Ist das nicht etwa der Emissär aus Moskau? Wirklich ausgezeichnet kombinirt! Der ist's! Nun, und wenn er's auch nicht ist— wir fassen ihn! O, Freund Wassil wird sehr gut aufgehoben werden.“ IX. Gefangen. Es war noch vor Tagesanbruch. Maxim lag in einem un— ruhigen Schlummer, von wirren Träumen gequält. Er stand auf dem Platz vor der Kasan'schen Kathedrale, deren prachtvolle Säulengänge der Vollmond seltsam beleuchtete. Da sah er Welikanow vorübergehen, mit seiner Tochter am Arm, welche ängstlich zu ihm hinüberblickte. Der Staatsrath hatte ein ganz verstörtes Gesicht und starrte gerade vor sich hin. Dann sah er Karpow's Leiche auf der mit Schnee bedeckten Erde liegen, ruhig und friedlich, wie im Schlafe. Er griff nach Karpow's Hand, konnte sie jedoch nicht fassen. Sie war wie durchsichtig und bald entschwand das Bild des todten Freundes wie in einem Nebel. Da, plötzlich sah er Wera vorübereilen mit ängst⸗ lichen Geberden, verfolgt von Semenow. Er wollte ihr zu Hilfe kommen, aber mit den verzweifeltsten Anstrengungen kam er kaum von der Stelle. Wera lief auf ein Haus zu und klopfte kräftig an die Thür. Maxim wunderte sich, wie stark Wera klopfte, als ob ihre Hand ein Hammer wäre. Und wie ausdauernd sie klopfte! Jetzt schien ihm, als ob Wera ver⸗ schwunden sei, aber das Klopfen dauerte noch fort. Ja, es kam sogar näher!— Maxim erwachte— oder träumte er noch? Er war erstaunt, noch immer das Klopfen zu hören. Richtig — jetzt war es kein Traum mehr— man klopfte an seine Zimmerthür. „Wer ist da?“ rief Maxim. Keine Antwort. Neues Klopfen. „Was giebt's?“ rief Maxim, warf rasch einige Kleidungs— stücke über und öffnete. Draußen sah er Waffen blitzen. Sofort wurde die Thür aufgerissen, und ehe Maxim einen Gedanken fassen konnte, sah er sich von mehreren Gensdarmen überwältigt und seine Hände in Fesseln gelegt. Ein Polizeibeamter trat ein und sah sich prüfend im Zimmer um. „Was bedeutet das Alles?“ rief ihm Maxim zu.„Erklären Sie mir den Anlaß zu diesem Ueberfall.“ „Ich bedauere sehr die Nothwendigkeit, in die ich mich ver— setzt sehe,“ erwiderte der Beamte höflich.„Aber, Sie begreifen . der Dienst...“ „Der Dienst,“ erwiderte Maxim.„Ich muß Ihnen gestehen, mein Herr, mir fehlt so sehr jedes Verständniß dafür, was die Polizei an meiner Person Interessantes finden könnte, oder wodurch ich überhaupt meine Existenz ihr in Erinnerung gebracht haben könnte, daß ich nicht anders glauben kann, als daß hier ein starkes Versehen vorgefallen.“ „Durchaus nicht, mein Herr,“ entgegnete der Beamte,„ver— lassen Sie sich darauf, die Polizei irrt sich nie.“ i „Nun, erlauben Sie,“ bemerkte Maxim, unwillkürlich lächelnd über dieses naive Selbstvertrauen,„das bedarf doch noch sehr der Aufklärung. Können Sie mir keine anderen Beweise schaffen als Ihre bloße Behauptung, so kann ich mich des Zweifels nicht erwehren, ob Sie überhaupt wirkliche kaiserliche Beamte sind.“ „Beweise?“ erwiderte der Beamte.„Belieben Sie hier diesen Verhaftsbefehl zu besichtigen. Namen, Straße, Hausnummer, Alles stimmt. Und nun, entschuldigen Sie, habe ich meinen dienstlichen Auftrag auszuführen.“ Damit setzte er sich an den Schreibtisch und begann Alles, was er von Papieren vorfand, flüchtig durchzusehen und sauber auf einen Stoß aufzuschichten. Jeder Brief, jedes beschriebene Papier, jeder Wisch wurde der Beachtung werth befunden und zu dem Uebrigen gelegt. Darauf gab er einen kurzen Befehl, die Gensdarmen umschnürten den ganzen Papierstoß und legten ihn in einen mitgebrachten Sack. „Ich bin erstaunt,“ begann Maxim wieder mit leisem Spott, „wieviel verdächtiges Papier ich bisher aufbewahrt habe. Jetzt aber lassen Sie mich wenigstens meinen Anzug vervollständigen.“ Auf einen Befehl des Polizeibeamten wurden Maxim die Fesseln abgenommen, so daß er seine Toilette beendigen konnte. Zwei der Gensdarmen blieben bei der Thür, während die übrigen mit großer Schnelligkeit und Sachkenntniß alle Winkel, Kasten und das Bett durchsuchten und Alles, was sie außer Kleidern vorfanden, auf dem Tisch ausbreiteten. Dann wurden diese Gegenstände, so unwichtig sie auch scheinen mochten, gleichfalls in den Sack gelegt und dieser durch den Beamten selbst ver— siegelt, welcher den Siegelstock zu sich steckte. „Aber sagen Sie mir doch gefälligst,“ wandte sich Maxim nochmals an den Beamten,„warum haben Sie mich denn so plötzlich, halb im Schlaf, überfallen? Konnten Sie denn nicht Ihren Befehl auf etwas weniger stürmische Weise ausführen?“ „Wir sind dazu genöthigt. Ihre Freunde, die Nihilisten....“ „Wie! Meine Freunde?“ unterbrach ihn Maxim,„ich habe nichts mit den Nihilisten gemein!“ „Nun, mag sein, das wird sich finden,“ erwiderte der Beamte.„Also, seit die Nihilisten, wie sie selbst zugesteheu, sich zur strengen Pflicht gemacht haben, bei jedem Zusammen— treffen mit der gesetzlichen Gewalt, bei jeder Verhaftung sich gewaltsam zu widersetzen und ihre Revolver zu gebrauchen, ist es bei uns Regel, stets, wenn irgend möglich, durch Ueber— raschung zu wirken, um nicht unnütz unsere Leute zu gefährden. Wir haben fast stets empfindliche Verluste, Todte und Ver— wundete, gehabt.“ „Also als Nihilist bin ich angeklagt?“ sagte Maxim,„nun, dann wird es Ihnen schwer werden, irgend welchen Beweis gegen mich zu finden.“ „Gut,“ erwiderte der Beamte,„desto besser für Sie! Nun, wir sind fertig, wir können gehen.“ Maxim machte ihm eine Verbeugung, in der Erwartung, daß der ungebetene Besuch sich jetzt entfernen werde. „Erlauben Sie, noch eine kleine Förmlichkeit zu erfüllen,“ fügte der Beamte hinzu, und auf seinen Wink hatte Maxim im Nu wieder die Handschellen an den Händen. „Gehen wir,“ sagte er dann kurz, und schritt zur Thür. Zwei Gensdarmen stellten sich links und rechts von Maxim, welcher jetzt begriff, daß er ein Gefangener sei. Er machte keine Bemerkung weiter, sondern verließ mit seiner Begleitung seine Wohnung. Sporenklirrend und mit dröhnenden Schritten ging der Zug durch die langen Korridore des ungeheuren Hauses. Keine Seele ließ sich blicken, obgleich das Erscheinen von Gensdarmen sosort, wie durch ein elektrisches Fluidum, im ganzen Hause bekaunt geworden war. Da und dort am Ende eines Korridors sah man wohl die eine oder andere Thür ein klein wenig sich öffnen, um einem furchtsamen Blick Durchlaß zu gewähren, jedoch beim Näherkommen des Zuges schlossen sich geräuschlos alle Thüren und kein Lebenszeichen war mehr zu bemerken. Das ganze mächtige Gebäude schien wie ausgestorben. S 2 2 33 TTT r E Pauls-Festung. 2 44. Auf der Straße vor der Bausthür wartete ein verschlossener Reiseschlitten. Ein Gensdarm stieg ein, dann noch einer. Der Beamte lud Maxim ein, gleichfalls einzusteigen und folgte dann, nachdem er die übrigen Gensdarmen entlassen hatte. Darauf setzte sich der Schlitten in Bewegung. Nach langer Fahrt durch eine Menge von Nebenstraßen erreichte der Schlitten endlich die Newa in der ersten Morgen— dämmerung. Da lag der majestätische Strom, erstarrt, mit einer blendend weißen Schneedecke bedeckt, welche wohl erst nach vielen Wochen die wieder erwachende Kraft der verjüngten Natur, der jugendlich stürmische Frühling, sprengen sollte. Dort drüben, am andern Ufer, zeigten sich drohend die hohen Wälle der Festung. Düster hoben sich die grau-schwarzen Granitmauern von der blendend weißen Umgebung ab. Wie ein ungeheures Räthsel lag der mächtige Steinkoloß da, wie ein Götze, der schon so viele Opfer verschlungen und noch täglich neue er- wartete. Wie ein finsteres Warnungszeichen stieg der Thurm der Peter-Pauls-Kathedrale daraus empor mit seinem ungeheuer hohen, spitzen, ganz mit vergoldetem Blech bedeckten Dach, dessen höchste Spitze eben in den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne erglänzte. Auch die Kathedrale, die Ruhestätte vieler Herrscher und Herrscherinnen Rußlands, schien ein Opfer zu erwarten, das noch mit Glanz und Gewalt bekleidet war, aber nach 3 Jahren dort zur Ruhe gebettet warde. Ohne Aufenthalt verließ der Schlitten das feste Ufer und glitt auf einer schrägen Auffahrt langsam auf den starren Strom hinab. Rasch fuhr er dem jenseitigen Ufer zu und nach wenigen Minuten hielt er am Festungsthor. Während die Insassen des Fahrzeugs ausstiegen, trat die Wache in's Gewehr. Maxim betrachtete neugierig das düstere Innere der Festung, welche er noch nie betreten hatte. Er war sicher, daß seine Schuldlosig- keit in kürzester Zeit sich erweisen werde, daß sich zu irgend einer Anklage gegen ihn keinerlei Anhalt finden werde, daß seine Verhaftung auf einem groben Mißverständniß beruhen müsse. Demzufolge war in diesem Augenblick die Neugierde sein stärkstes Gefühl. Er bedachte nicht, oder wußte nicht, was es zu bedeuten habe, auch nur als verdächtig das Thor der Festung einmal betreten zu haben. Er wußte noch nicht, daß der Rückweg durch diese Pforte meist nach Sibirien, zuweilen sogar auf's Schaffot führt, nur selten aber wieder in die volle Freiheit. 3 7 Maxim wurde in eine Kauzlei geführt in einem kleinen Gebäude neben der Thorwache. Ein Ofsizier saß dort vor einem sehr primitiven Schreibtisch, um mit dem Gefangenen ein kurzes Verhör vorzunehmen, und eine Viertelstunde nach seiner Ankunft befand sich Maxim in einer der berüchtigten Zellen der Peter— (Fortsetzung folgt.) Eine Sommerfrische. Novelle von Georg Hartwig. 15 Es war euntschieden, meine Frau und ich wollten in Bad Annendorf vier glückliche Wochen Weltvergessenheit träumen, sammtliche Verdrießlichkeiten des verflossenen langen Winters von den grünen Bergen herabstürzen und dafür aus den smaragdnen blumigen Thälern neue Lebensfreudigkeit aufsammeln und mit nach Hause nehmen, Lebens- und Liebeslust— Unsere Ehe war noch jung und— meine Luise hatte es mir unzählige Male freiwillig betheuert— äußerst glücklich. Es gab nur einen Faktor, der bisweilen störend in die innere Harmonie unserer Seelen eingriff, das war mein unbezwing— licher Hang zur Schriftstellerei. Luise behauptete einmal im Affekt, als sie mich statt im Ueberzieher und Hut, wie sie er— wartet hatte, im Hausrock vor dem Schreibtisch fand: mein Herz sei schwärzer als Dinte und härter als die Stahlfeder in meiner Hand. Aber solche Vorkommnisse wirkten an unserm Ehestands— himmel wie die Sonne auf den Nebel— sobald er gesunken war, lachte die Welt, unsere Welt, noch einmal so schön dar— unter hervor. bester aller Ehemänner! mattrosa mit—“ und schwebte nach der 7 Schelmerei stehen: Roman stark brach gelegt worden war. mund sah sehr enttäuscht zu mir herüber. f weiße Fläche noch immer glänzend sauber dalag, nahm der Ausdruck und Fehler abgerechnet. Zu den letzteren gehörte eine angeborene Neugier und unter die ersteren zählte der bis dahin noch ziemlich latent gebliebene Eifersuchtshang, welcher sich nur hier und da durch unscheinbare aber bemerkenswerthe Symptome als vor— handen gezeigt hatte. Wie freuten wir uns auf diese Erholungsreise! Meine Luise so sehr, daß sie ihr Garderobengeld für die Herbstsaison auch in luftigen Sommertoiletten aufgehen ließ und eines Tages weh— klagend vor mir erschien mit der Meldung, das dringend be— nöthigte seidene Kleid zur Hochzeit meines Bruders nun nicht mehr erschwingen zu können. Ich wollte schelten, aber ein Blick in ihr betrübtes Gesichtchen ließ die Brummstimme schnell in sanftes Flötenspiel sich verwandeln, ich küßte ihr die Thränen aus den Augen und wollte soeben heldenmüthig auf einen neuen Frack Verzicht leisten, als die Thür geöffnet ward und das Haus— mädchen einen Brief hereinbrachte. „An mich, Schatz!“ sagte ich, dem kleinen Erbübel meiner Luise galant zuvorkommend. „Von wem?“ fragte sie, sich auf den Zehen erhebend und sich schmeichelnd an meine Schulter lehnend. Das ist unerwartet, aber mir sehr angenehm! Wann reisen wir? Laß sehen! Heute schreiben wir den 20. Juni— also noch zwei und eine halbe Woche! Es wird gehen!“ „Was wird in zwei und einer halben Woche gehen?“ forschte die kleine Frau, ihre Hand nach dem Schreiben jetzt unumwunden ausstreckend. „Ich werde von meinem Verleger in Berlin aufgefordert, ihm eine Novelle zu senden oder aber eine solche schleunigst für ihn zu schreiben.“ „Was?“ rief Luise entrüstet.„Wer soll mir denn da bei meinen Reisevorbereitungen helfen? Mag sich der Verleger doch selber etwas zusammenklexen!“ „Erlaube,“ sagte ich, in tiefster Dichterseele gekränkt, klexen kann in diesem Fall niemals die Rede sein!“ „Ach was,“ rief sie schmollend, was ihr, nebenbei gesagt, ganz besonders reizend steht,„ich habe Dich geheirathet als Menschen und nicht als Schriftsteller!“ Gegen dieses Argument war nichts einzuwenden. Ich konnte sie ja auch nur als Mann und Mensch lieben, da sie den Schrift⸗ steller in mir fortwährend anfeindete. „Nun gut, Lieschen,“ sagte ich, diplomatisch streichelnd,„aber diese Arbeit wird Dir zu Gute kommen. Ertrag ist Dein neues seidenes Hochzeitskleid.“ „Wirklich?“ rief sie, entzückt mich umhalsend.„Ach, Du Also hellblau mit Krämespitze? Oder „von ihr Kinn Der „Halt ein!“ sagte ich, und meine Finger strebten nach dem Federhalter hin, als seien sie von diesem hypnotisirt.„Ver— kaufen wie die Bärenhaut nicht zu früh! Erst laß mich arbeiten. Je ungestörter Du mich schreiben läßt, desto eher ist's gethan, und desto näher rückt das dunkelblaue—“ „Hellblau!“ rief sie entrüstet, warf mir eine Kußhand zu hür. Dort blieb sie voll entzückender „Du, Georg, mach's recht lang— ich möchte gern eine Sammetschleppe haben!“ Damit hüpfte sie davon. Ich blieb allein. Hatte ich zuerst geglaubt, daß es nur des Papiers und des Dintenfasses bedürfe, um den Stoff aus der Luft zu haschen, so wurde mir im Verlauf der nächsten Stunde klar, daß meine Phantasie durch den im Winter vollendeten Gedanken? Ach ja, in Hülle und Fülle! Aber der Faden riß entzwei, so oft ich ein Gespinnst begonnen hatte. Dieses nicht könnende Wollen beunruhigte mich entsetzlich, zudem in alle verschiedenen Ent⸗ würfe die Worte:„Hellblau— Crémespitze— Sammetschleppe“ hineintönten, bis ich zuletzt nervös aufsprang und ans Klavier eilte, die Quälgeister los zu werden. Am Nachmittag guckte meine Frau neugierig auf den Bogen Gegen Abend, als die ihrer Augen den Beigeschmack eines stummen Vorwurfs an, und der nächste Tag fand sie gar in Thränen. „Aber, Schatz! Lieschen! Was ist denn?“ fragte ich tödtlich erschrocken. 1 Farbenstudien. Nach dem Original-Gemälde von Emma Müller. CFF Sie schluchzte.„Du schreibst nicht!“ Ich hätte meinen leeren Kopf ausdreschen mögen nach einem Körnlein Novellenstoff.„Lieschen, ich weiß momentan nichts Gescheidtes. Es soll frisch, fesselnd, anregend sein, und ich bin im Gehirn wie ausgedörrt. Verzeih' mir diese peinigende Un— schlüssigkeit!“ Aber hatte ich erwartet, sie nach diesem großherzigen Wahrheits⸗ erguß an meine Brust sinken zu sehen, so fand ich mich arg enttäuscht. „O, ia doch,“ rief sie, ihre heißen Wangen trocknend,„sonst sagtest Du stets, die Gedanken flössen Dir mit der Luft oder mit sonstigen Extraposten zu“— „Luise—!“ rief ich dagegen, von dieser Profanation geradezu erschüttert. „Wenn's aber einmal für mich sein soll, da ist Dein Kopf eingetrocknet!“ „Mein Kopf doch nicht!“ rief ich sittlich empört.„Die Ge— danken darin!“ „Ach was! Das ist alles Eins! Possen, Ausflüchte! Für mich kannst Du keinen Entschluß fassen. Also laß es bleiben! Ich will die Sammetschleppe auch gar nicht mehr haben von solchem fühllosen, lieblosen Mann!“ Damit lief sie aus dem Zimmer und schloß sich in der Schlafstube vermittelst eines übertrieben knarrenden Riegels ein. Da stand ich und nicht gerade in der angenehmsten Situation. Ich wollte lachen und über Weiberschwäche philosophiren, aber mitten im Satze überdrang mich die fatale Vorstellung, meinem langjährigen Verleger eine verneinende Antwort senden zu müssen. Wie konnte man nur geistig so vollkommen impotent sein! Gab es denn nicht sonst für mich Stoff genug auf allen Straßen? Ich schlug mich mit der flachen Hand gegen die Stirn, ver— setzte dem Schooßhündchen meiner Frau einen gelinden Fußtritt und begann im Sturmschritt auf und nieder zu eilen, zuletzt in so rasendem Tempo, daß ich ein zweimaliges Anklopfen, wie sich später herausstellte, gänzlich überhörte. Die Thür ging auf und gegen mich prallte mein guter, lustiger Freund Sattler. „Nanu!“ fragte er erstaunt.„Du jagst wohl hier?“ „Ja, nach einem Stoff!“ Und ich erzählte ihm meine Be— drängniß. Den sekreten Vortrag über die Sammetschleppe ver— schwieg ich ihm. Er lachte.„Wie kommst Du mir vor, Georg!“ „Das ist mir augenblicklich wirklich einerlei, schauderhaft einerlei!“ rief ich wild.„Gieb mir einen spannenden Novellen— stoff oder lache Dich später draußen aus!“ „Nichts leichter als das!“ sagte er, gemächlich sich auf dem Sopha ausstreckend.„Ich weiß eine drollige Geschichte. Komm, setz' Dich her! Du wirst etwas aus ihr machen können.“ „Wahr oder unwahr?“ fragte ich, neben ihn rückend. „Wahr! Also— der Ort ist ja gleichgültig!“ „Ja wohl,“ erwiderte ich einverstanden. „Nun also: Ein Rentier hatte zwei Töchter, beide schön und jung und beide auf einige Zeit zum Besuch einer Tante nach deren Wohnort verreist. Dort sah sie ein ältlicher Jung— geselle, verliebte sich urplötzlich in die Jüngste und beschloß, augenblicklich um sie zu werben. Bei den Erkundigungen, welche er über seine Zukünftige einzog, sagte man ihm irrthümlicher Weise, sie sei die Aeltere. Gewohnt, kurz und bündig zu handeln, fuhr er zum Vater seiner Geliebten und hielt in ritterlicher Weise um die Hande der ältesten Tochter an. Sie ward ihm zugesagt. Der Rentier bescheidet die Schwestern zurück, stellt dem Ueberraschten seine Braut vor und—“ „Und?“ fragte ich interessirt. „Der Freier wollte weder sich, noch das Mädchen blamiren— die Verlobung ward proklamirt. Da hast Du Deinen Stoff; jetzt arbeite ihn aus!“ „Besuche mich morgen wieder!“ sagte ich, ihm zur Thür vorangehend, obwohl Sattler noch gar keine Miene gemacht hatte aufzubrechen. Aber die Thränen meiner Frau brannten mir auf der Seele.„Adieu! Es wird gehen. Ich danke Dir. Morgen Abend also auf Spargel und junge Hühner!“ Er lachte und ging davon. Ich stürzte 5 8 Was soll* weiter sagen? die Herren keinen Hund vom Der Strom war zurückgesluthet 1 floß so reichlich, daß die Novelle„Der Bräutigam wider Willen“ nach acht Tagen fix und fertig dalag, und Luise in der Vorfreude ihres Herzens über die hellblaue Sammetschleppe ihre frischen rothen Lippen auf das ziemlich umfangreiche Manusfkript drückte. Gerade als es auf die Post gegeben war, erhielt Luise ein parfümduftendes Schreiben aus Berlin. „Welche Ueberraschung, Georg!“ rief sie entzückt.„Meine Kousine Lilli fragt dringend an, ob wir nicht geneigt seien, eine junge, hübsche Verwandte ihres Mannes mit nach Annendorf zu nehmen. Denke nur, eine junge, flotte Großstädterin! Wie werden wir da hübsch plaudern können! Und sie ist gewiß eine Art Modenblatt— da läßt sich noch etwas lernen.“ Ich muß gestehen, daß mir diese Nachricht und Luisens Freude darüber etwas stark in die Krone fuhr.„Mein Kind,“ sagte ich ernst,„wir sind Beide noch nicht dazu angethan, die Gouvernante oder Aufpasserin zu spielen. Gieb Acht, eine Fremde wird das Vergnügen dieser Reise empfindlich schmälern, wenn nicht gar verderben.“ „Immer schlägst Du Dich zur Opposition,“ grollte Luise. „Denke an die Sammetschleppe!“ rief ich pathetisch. Das half mir, aber nicht der Sache, für welche ich stritt. Die liebe kleine Frau stürzte mir mit beiden Armen um den Hals und bat und flehte so eindringlich, daß ich zuletzt, wenn auch mit ahnungsvollem Schauer, meine Einwilligung gab, die Berlinerin kommen zu lassen. 4 Am Tage vor unserer Abreise nach Annendorf sollte sie ein- treffen. Luise war über den vornehmen Besuch so ganz aus dem Häuschen gerathen, daß sie mich eine Stunde zu früh nach dem Bahnhof schleppte.„Wie wird man uns anstaunen, Georg, mit dieser Pflegetochter an der Seite!“ 4 Nun endlich nahm auch diese Geduldsprobe ein Ende; der Zug fuhr in die Halle. Luise stürzte vorauf, ich 3 4 und wäre dabei noch um ein Haar hingefallen, weil der Schooß— hund meiner Frau mir verängstigt zwischen die Beine lief. „Mein Gott, Georg, wo bleibst Du denn?“ rief Luise, ihren Sonnenschirm in kreisförmige Schwingungen versetzend.„Was machst Du nur immer, wenn es darauf ankommt? Sieh da, da! Ah, Fräulein Mathilde— mein Mann!“ f „Mein Mann“ stand vorläufig athemlos und verblüfft da, denn aus der Koupethür sprang, nein, flog eine weibliche Gestalt, als wollte sie in eine Cirkusarena hineinspringen, klein, zierlich, bleich, zerbrechlich wie eine Nippesfigur, lachend und sprechend ohne Grund und Aufhören. „Wie sicher im Benehmen!“ flüsterte mir Luise zu, den Arm unserer neuen Hausgenossin ergreifend.„Man sieht die Re⸗ sidenzlerin!“ a In diesem Augenblick entdeckte Fräulein Mathilde den Hund und rief mir mit Verve zu:„Ach, heben Sie den Fips doch einmal auf, Herr Doktor, ich möchte ihn streicheln!“ „Jetzt, hier, mein Fräulein? Zu Hause!“ entgegnete ich ab lehnend, denn das Thier hatte den Fußtritt von neulich noch nicht vergessen, und wich mir im Halbkreis furchtsam aus; zudem war der Bahnhof gedrängt voll Menschen. ö „Aber, Georg!“ sagte Luise erröthend, als müsse sie sich der ungehobelten Manieren ihres Gatten schämen. Ich bückte mich also.„Hierher, Karo! Willst Du gleich auf der Stelle!“ Aber das Thier sah unablässig auf meinen linken Fuß, welcher ihm den empfindlichen Stoß beigebracht.„Hörst Du nicht, Köter?“ murmelte ich, wüthend gemacht durch das Lächeln einiger Nantebenden. Wie ich mich in meiner albernen Situation schämte! Denn jetzt begann auch Fräulein Mathilde laut auf 5 zulachen vor Vergnügen. „Sie sehen zu drollig aus, Herr Doktor! Sie müssen mehr Respekt einzuflößen verstehen! Vor lauter Gelehrsamkeit konnen Ofeu locken!“ 1 Ich war empört, ließ Hund Hund sein und ersuchte a Sprecherin um ihren Gepäckschein. Vier Wochen mit diese Irrwisch zusammenleben! Was hatte Luise uns da eingebrockt! Am andern Morgen dampften wir ab, der Tag versprach schön, aber übermäßig heiß zu werden. Um ein Haar hätten wir den Zug versäumt. Fräulein Mathilde konnte natürlie E e ee eee L r e ee eee ee ee e eee ee eee —— ——————-—„—— — 2 mit ihren gekräuselten Nackenhaaren nicht fertig werden, und Luise verrichtete mit wahrer Engelsgeduld Kammerjungferdienste D 47 bei dem zappelnden Dämchen. Der Grund war ersichtlich— am nächsten Abend wickelte auch sie sich im Nacken Papilloten ein. Die Gegenden, durch welche wir kamen, waren malerisch. Mein Auge, endlich einmal den grauen Häusermassen entrückt, entzückte sich an den waldigen Bergen, den rauschenden Gebirgs— wassern, den wild zerklüfteten Felsmassen, welche jeden Augen— blick auf unsere Häupter niederzustürzen schienen. Diesen Be— trachtungen entzog mich der unverwüstliche Sprechanismus des Fräuleins, welches meiner ehrfürchtig lauschenden Gattin eine geradezu sprudelnde Beschreibung des letzten Wettrennens in Hoppegarten machte, wobei sie sich bemühte, mit der Spitze des Sonnenschirms Löcher in den Plüschüberzug des Sitzes zu bohren. „Luise,“ sagte ich vorwurfsvoll,„wir sind auf der Reise, sieh Dich doch um, so etwas sieht unser Einer nicht alle Tage!“ „Gleich, Männchen, ich will nur noch schnell hören, welche Toilette die Fürstin X. bei dem Wettrennen trug. Fräulein Mathilde hat ein Gedächtniß wie ein Lexikon.“ „Das geht wohl wieder über den Gelehrtenhorizont hinaus, Herr Doktor?“ sagte die junge Dame, so ungenirt lachend, als wenn wir zusammen aus einer Schüssel großgefüttert worden wären.„Lassen Sie doch Ihre Frau thun und machen, was sie will!“ „Aber die Berge“— warf ich ein. „Ach was! Berge sind Berge! Einer ist groß und der andere klein. Ein Sandhügel ist im Grunde ganz dasselbe wie die Alpen— sie erheben sich beide über den Erdboden. Na, was sagen Sie jetzt zu meiner Logik?“ Dabei lachte sie mich mit ihren dunklen Augen und spitzen weißen Zähnen so drollig an, daß ich mitlachen mußte, ob gern oder ungern. Spät am Abend erreichten wir Annendorf und bezogen das im Voraus bestellte Quartier in einer Privatvilla, woselbst wir uns in Pension gaben. Gleich beim Eintritt ins Haus gab es durch Fräulein Mathildens gütige Vermittlung ein tragikomisches Intermezzo. Sie warf sich nämlich ungenirt auf eine Polster⸗ bank in der Halle, welche der sehr vorgerückten Stunde wegen allerdings schwach beleuchtet war, als plötzlich ein hagerer, un— gemüthlich aussehender Herr aus einem der Zimmer rechts heraustrat und direkt auf die Polsterbank zuschritt. „Mein Hut!“ Da wir alle schwiegen, sagte er noch einmal ausdrucksvoller zum Hausmädchen:„Mein Hut muß hier liegen geblieben sein!“ Instinktiv sprang Fräulein Mathilde in die Höhe. Richtig, unter ihrem Kleiderreifen lag ein graues, plattgedrücktes Etwas, welches sie zu unserm Staunen mit der größten Lebhaftigkeit hervorzog und dem geschädigten Besitzer lachend überreichte. „Meinen Sie vielleicht dieses Omelette sans confitures? Luise war purpurroth geworden. Das war selbst ihr zuviel. Meiner übernommenen Mission gemäß trat ich nun vor und sagte seufzend:„Verzeihen Sie, mein Herr! Es ist ein bedauer⸗ 10 liches Versehen. Eine Entschädigung wird zweifellos— Er sah uns alle Drei mit finstern Blicken an, warf den mißhandelten Hut einem Bedientesten zu, neigte flüchtig sein unbedecktes Haupt und zog sich in sein Zimmer zurück. „So,“ sagte ich, während wir die Treppe hinaufstiegen,„den Mann hätten wir uns ohne Grund vier Wochen zum Feinde gemacht!“ Und leise raunte ich meiner Frau etwas schadenfroh zu:„Das Aufsehen, welches wir bis jetzt mit der Pflegetochter machten, läßt verschiedene Deutungen zu, mein Schatz.“ Am folgenden Morgen erfuhren wir Näheres über den Herrn im Parterre. Er logirte daselbst erst seit fünf Tagen mit zwei Töchtern, von welchen die Eine, am Fieber erkrankt, das Zimmer hüten mußte. Deshalb promenirte er mit Fräulein Katharina allein in dem reizend angelegten Garten vor der Thür. Wer nicht von seiner deutschen Abkunft unterrichtet gewesen wäre, hätte ihn für einen Engländer halten müssen. Er kopirte einen solchen auf geradezu täuschende Weise und schien sich nicht wenig auf dieses Talent einzubilden. An seinem Arm schritt, gleichfalls in unnaßbarer Haltung, die Tochter. Sie war ohne Zweifel eine regelmäßige Schönheit, aber es lag in ihren Zügen ein Etwas, welches jedem Beobachter stolz zuzurufen schien: Seht mein klassisches Profil! Dem ganzen Auftreten der Familie lag übrigens die Basis eines soliden Reichthums zu Grunde, ohne daß Herr Graumann im geringsten den Geld— protzen gespielt hätte. Uns, sowie alle andere Bewohner der Villa, ignorirte er und seine Tochter vollkommen. Beide lebten ausschließlich für einander, und nur durch Zufall, als wir ein hübscher gelegenes Zimmer für uns zu miethen wünschten, er— fuhren wir, daß dieses bereits für den Oberst-Lieutenant von Ritter, den Bräutigam Fräulein Katharina Graumans, reservirt worden sei. Meine Frau und ich beschlossen nun, uns gemüthlich einzu— richten und unser Hauptquartier in der uns überwiesenen Laube drunten aufzuschlagen, aber wir machten die Rechnung ohne den Wirth, das heißt, ohne unsere Pflegebefohlene. Schon nach den ersten drei Stunden erklärte sie, vor lauter Grün und Blumen sterben zu müssen und beim Anschauen der steifleinenen „Graumänner“ Uebelkeiten zu empfinden; und ehe wir es uns versahen, huschte sie davon. Wohin? Gott weiß es! Fremd am Ort, und dazu ein so unternehmendes, kaum er— wachsenes, uns anvertrautes Mädchen! Wir unterbrachen also seufzend die Siesta und flogen ins Haus, aus dessen Hinterthür sie eben entweichen wollte. Meine Frau bewunderte zwar die Grazie, mit welcher Fräulein Mathilde meinen ihr sehr energisch dargebotenen Arm ergriff, aber ich nahm die Gelegenheit wahr, ihr ein eindringliches Privatissimum über Pflichten und Rechte des Weibes zu lesen im Allgemeinen und in diesem Falle auch noch im Besonderen. Sie hielt ihre schlanken, aber trotzdem hübschen Arme spöttisch über die Brust gekreuzt und machte mir am Schluß meiner Vorlesung eine ebenso spöttische, tiefe Ver— beugung. „Nun wäre ich also ebenso klug wie Sie, Herr Doktor! Wer hätte das gedacht! Aber mir ist daneben zu Muth, als hätte ich zuviel gegessen!“ Sie nickte mir freundschaftlich zu und sprang in den Garten zurück. „Alles an ihr hat Chik!“ sagte Luise.„Wie verlegen würde ein anderes Mädchen vor Dir gestanden haben!“— Ein paar Tage hielt die Strafpredigt vor... Am sechsten Vormittag wandelten wir alle Drei den Weg zur Promenade hinauf, als plötzlich ein alter, lieber Studienfreund mich beim Namen rief und meine Frau sowohl als mich in ein lebhaftes Gespräch verwickelte. Zuletzt faßten wir den Beschluß, unser Wiedersehen in den schattigen Anlagen einer Konditorei festlich zu begehen, als Luise und ich wie aus einem Munde riefen: „Wo ist denn Fräulein Mathilde geblieben?“ Ja, wo war sie geblieben? Wir rannten die Promenade im Sturmschritt auf und ab. Keine Mathilde. Niemand hatte sie gesehen. Meine Luise sah mich rathlos an. Es war sehr heiß, und wir freuten uns Beide auf ein Glas Eis. Jetzt mußten wir statt dessen auf die Jagd gehen nach einem Irrwisch. Ich war wüthend. Aber was half's? Luise stob rechts, ich links davon, der gutmüthige Freund in der Mitte. Das nenne ich eine Sommerfrische! (Fortsetzung folgt.) Lose Blätter. Der weise Perser Sadi saß eines Abends vertieft bei dem Koran. Als er aufblickte, waren von seinen drei Söhnen zwei eingeschlafen; der dritte aber sagte sehr selbstzufrieden:„Sieh, Vater, wie die schlafen, ich aber— bete!“—„Mein Sohn,“ entgegnete sanft der Vater,„besser ist's doch wohl, zu schlafen, als stolz zu sein auf das, was man gedanken— los thut!“ Kr. Prophet und Bauer. Ein schlauer Bauer ließ sich eines Tages wahrsagen. Als das geschehen war, verlangte der moderne Prophet Be— zahlung. Der Bauer sah ihn erstaunt an und sagte:„Wie, Ihr wißt das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige und Ihr wißt nicht einmal, daß ich kein Geld habe? Packt Euch, Betrüger!“ Kr. Auch ein Planet. Ein österreichischer Unteroffizier war Zuhörer bei einem Gespräch, in welchem gebildete Männer sich über Planeten unter⸗ hielten. Als der eine äußerte:„der Planet ist ein Körper, der sein Licht von einem anderen empfängt,“ fiel der Unteroffizier freudig ein:„Schaun's, meine Herren, da bin i halt auch a Planet; i empfang mein Licht vom Kaserneninspektor.“ Kr. 5 Königspromenade. kann ent- de man doch zu 1 538 7 5 5 5 1 8 beweist zücen lang stun⸗ eine daß sein wansche 1 ——————— nicht daß man dauer- haft ob man wäre was man ———̃— MH— FFF sich wahl für man be- als uns giebt ein zier 55 5 1 putzt ein kluger glücen sowie mit schein rausch um- blanle 3 8„FFF mit sest nach kann dem wie glück zes ö—— eee eee einem und kleide fun- ne und lier wit⸗ ——— vor- es ten leln. mit wird lau- leiht we. des 3 3 theil- haf de⸗ seiht dem frohe zum ju dem geist lann so de schmei⸗ ge⸗ die ken schmät. lich fest⸗ man er- ten blikt. ten all- herz wellen J 8 f in reg- augen- sein tags⸗ zu⸗ Worträtßhsel. Mein Ganzes ist Fleisch; nimmst du mein erstes Zeichen fort, so ist der Rest auch Fleisch. Geographisches Silbenxäthsel. Aus nachfolgenden Silben: de der di dol en i is lan land li ni nie o ransk ru sa sar sar stadt. ven 2a sind 7 Worte zu bilden, deren Anfaugs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, den Namen eines italienischen Komponisten und eine seiner berühmtesten Kompositionen ergeben. Die sieben Worte bezeichnen: 1. Stadt in Thüringen. 2. Spanien. 3. Italienische Insel im Mittelmeer. 4. 5. Nebenfluß der Donau. 6. Ein Königreich. Stadt in Stadt in Rußland. 7. Dänische Insel. Vierslilbige Charade. Mein Erstes findest du auf Meereswogen Wenn Sturm in wildem Spiel die Welle bricht Vom Zweiten kam manch' tapf rer Ritter hergezogen . Ju ehr'ner Rüstung, Eisen deckt ihm das Gesicht. Die letzten Beiden künden saufte Triebe Und einen sich in holder Minneliebe. Der Juüngling reichet sie der Jungfrau dar Und Seligkeit umfängt sie wunderbar. Mein Ganzes ist in Deutschlands Gauen Als freundlich Ländchen anzuschauen. Aufgabe. Welches einsilbige deutsche Wort bezeichnet zugleich: Einen berühmten deutschen Staatsmann. Einen Ort im Kanton Schaffhausen. Ein Schloß in Nassau. Eine Krankheit. Ein Gewicht. 6. Etwas in der Mineralogie oft Genanntes. 2228— Auflosung des Logogriph in voriger Nummer: Spaß, Paß, Aß;— der viersilbigen Charade: Gassenhauer;— des magischen Quadrat: 5 0 n 01 0* A R F Schach. Problem Nr. 489 von G. Heinrich in Rudomitz. n V N 9 ö 1 . 2. 9 8 1 2 2 J Y N V M N 22 8 N D D N 8 2. 11 5 2 1 1 5 ee, 2 5, ,“, A, 7 1 ., 19 , e,,. w, 4., , 5, 9 1 n b 0 d 0 1 8 U Welß. Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. Vartie Nr. 279 1 gespielt am 22. Mai d. J. in Creseld bei Gelegenheit des 14. Kränzchens des Bergisch- Märkischen Schachverbandes. Weiß: Amtsrichter Schwan.— Schwarz: C. Leffmann. 1) f2—14 7 c 31) d6-d7 Tes- ds 2) 8g1—13 7 eg 32) 175-5 Du2— gz 3) e2—e3 SbSs— c 33) Dg3—g2: Lb7—g2: 4) LfI—e2 89816 34) Kg-g2: Tas—47 5) be- bz d7- do 35) Kg2—13 h7—h6 6) Lel—b2 Lis-e 36) 1785—g4 KgSs—h7 7) 0—0 6—0 37) Kf3— e Ta7-d7: 8) Sbl—- ag a7—a6 38) TdI-g1 Lg- bS 9) Ddl—el 86e 39) Ke 5 1d7-d 10) d2- d Le7 16 Weiß giebt die Partie auf. 11 Lb2—e5 Sed-d 5 12) 02—c4 Stellung nach dem 19. Zuge von Schwarz. 13) Sag-e 14) fA-eß: 15) Del 12 5 d3—- da 17) Le2—d3 18) bac: 19) Tal- d! 20) Ld3—f5 l): 21) da- 452) 22) Seel) 23) 523 24) Sel—43 25) Stash?) N 20) d5—d0 De- d7“) 27) 8d-b Dd7-es 28) Sbꝛ2— e) De6— cg: 29) 8h45: 86-5: 30) 1115 De-: 1 Dieser Abtausch ist für Weiß nicht vorthellhaft. dagegen war der Augenblick gun für das Aufgehen des Bauern 4, Schwarz durfte offenbar den Bauern nicht nehmen. alsdann durch I. nebst Ig ꝛc der Läufer 35 erobert wurde, und auf alle sonftigen Gegen- züge konnte 21) eg el folgen. 4 2) Jetzt hätte auch der Läufer abgetauscht werden sollen: 21) Sg5 Dg5. 22, Sei nebst Std!— Mit 21 Tbi auf Gewinn des Bauern 56 zu spielen, war wegen der Erwiderung Let les droht Le2: nebst Deget] nicht rathsam 3 Weiß muß nun auf weitere Deckung des Bauern O bedacht sein, während zugleich das Aufgehen des Bauern bo verderblich zu werden droht. Der Zug im Texte scheint 25 unter so schwierigen Verhältnissen. Auf 22) bi wäre ba- 65[2) TTI—- di 18-48 9 richtige Antwort 1 Etwas stärker war wohl das sofortige Aufgehen des Bauern 56. 7 5 Nothwendig. um die Drohung 45— 46 mit 1 Sch zu pariren. g Eine schlimme Verrechnung! es mußte 1/4 geschehen 1 7) Das Redmen ist nun entscheidend, da auch der Lauer eß dadurch unhaltbar wird. Auf Des dätte Weiß wohl noch einige Angriffschancen mit 27) 7 Daf, 2 Ses 2 oder a c betommen aber dennoch suchlig der Uebermacht der schwarzen Baue en unter⸗ liegen müssen 7 9 Ein vergeblicher Bersuch. hier: 280 d7 Tas 20 Tas Des 1 um Angriff zu gelangen. das einzige Spiel für Weiß war nicht Leb wegen 30) Ted Las 51) Tes 20 0% Set c. Aus der Schachwelt. Die Berliner e verliert durch den plötzlichen Tod des Herrn Adalbert 5 Trobach einen ihrer stärksten praltischen Spieler, der bereits vor mehr als fünfzehn Jahren in Köln, wo er* Jahre hindurch in seinem Berufe thätig war über eine bedeutende Spiel⸗ stärte verfügte ie Brüderschaft- hat dem Verstorbenen einen Nachruf gewidmet. in welchem neben seinen Verdiensten um das Berliner Schachleben auch die allgemeine Bell t 1 1 gehoben wird, der sich Trobach infolge seincs frrundlichen und gesälligen Wesens te. Druck und Verlag der„Volle-Zeuung“, Att.-Ges. in Berlin, Lutzowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin. Lutzowstr. 105.