Weilage zu den Ourrhessischen Uuchrichten. ever Nachveuc aus dein aubalt bieser Reltschelst wir strafrechtlich erfolgt werben 1888. Gießen, den 4. November. Seifenblasen. Erzählung von Eliga Orzesgko. Peutsch von Johanng Ruhe. (Portsetung,) II. Man müßte die Unwahrheit sagen, wollte man behaupten, Mirewieg hätte keine Veranlassung zu seiner inneren Unzufrieden— heit gehabt. Stand er doch mit seinem Denken und Fühlen ganz einsam da. Obgleich er weder ein Genie noch sonst eine hervorragende Persönlichkeit war, so fühlte er sich dennoch der Bevölkerung von Ongrod geistig weit überlegen. Er las gern und viel, liebte leidenschaftlich die Mustk und war ein großer Verehrer der bildenden Künste. Bei seiner nicht unbedeutenden Begabung stel es ihm nicht allzu schwer, in Ongrod sich eine sichere Existenz zu gründen. Er hatte dort vier Klassen des Gymnastums absolpirt, als seine Verhältnisse ihn zwangen, das zu drehen. Man sprach von den Wilden, von Parwin, von, dem Verhältniß der Aesthetik zur Gtiquette, über Gwologle, her Paläontologie, Fortschritt, Philosophie und Mustk, von Arbest und Kapital und von der frelen Liebe. Ueber all' dieses flog Paula nur so dahin, bis Mirewieg endlich rief:„Halt, halt! Warte doch ein wenig, wir stud ja noch nicht mit dem Einen zu Ende!“ Ozymski ärgerte sich über die Unterbrechung und naunte Mirewiez einen Pedanten. „Jas, Du J möchtest alles krltisch, systematisch.“ „Wie könnte es denn anders sein?“ flel ihm Johann lachend in's Wort,„Paula phantaskrt ein wenkg.“ 9 Studium aufzugeben. Er trat in eine Kanzlei ein, so sehr auch„Mein Gott,“ rief Ludwig erzürnt,„in dieser lebendigen 5 die prosaische Arbeit seiner Natur widerstrebte. Seinen Gehalt und klaren Darstellung liegt ja gerade der Zauber!“ 10 verwandte er sast ausschließlich dazu, wissenschaftliche Werke sich an— Schließlich wünschten Mirewieg und Sgymsky, sie möchten 1 zuschaffen; zu diesen Büchern flüchtete er sich, wenn immer seine] dauernd eine solch' anregende Gesellschaft haben. Allein wie Zeit es erlaubte, mit ihrer Hilse bildete er sich weiter aus, und war daran zu denken? Wie konnten zwei so ganz verschteben 1 so entstand in ihm der Hang zur Träumerei, das Jagen nach[geartete Frauen, dle einfache, selbstlose und herzlose Aung, pelche 4 selbstgebildeten Idealen. Wie traurig und vereinsamt ner sich nur Sinn für ihre Wirthschaft hatte, und die Kandidatin ber J unter solchen Umständen in Ongrod vorkommen mußte, bedarf e Medizin, friedlich nebeneinander in einem Hause leben? Anfangs 1 keiner Erläuterung. that Paula nur, als üübersähe ste Aung, daun ignorkrte ste die— * Jetzt erzählte er Abends Paula wiederholt von seinem Ringen selbe vollständig, und schltesßlich spitzte sich das Merhältulß, derart 0 und Streben und klagte ihr all' sein Herzeleid. Auch der Ber zu, daß die Koustne ansiug, den Vetter gegen die eigene Frau 5 ruf eines Rechtsanwaltes, zu welchem er sich emporgeschwungen,] zu hetzen. 6 gewährte ihm keine Befriedigung; denn seine Klienten waren Einst kehrten Paulg und Mirewieg von einem espagtergange nur ungebildete Leute, hauptsächlich langröckige Juden. Ozymskye zurück, welchen ste, wie gewöhnlich, nur allein gemacht hatten. Pa f war ebenfalls unzufrieden; obwohl nicht so hoch gestellt, wie[blieb Paula auf der Thürschwelle stehen und rief:„gk ist boch .. Mirewiez, hatte er doch eine gute Eiunahme, aber er konnte ihrer nicht froh werden. Auch er ossenbarte Paula, was sein Herz bebrückte. Wie kann der Mensch nur dieses alles ertragen? Wer kann helfen, wenn nicht der Tod, der aller Unzufriedenheit ein Ziel setzt? So fragten sie sich oftmals gegenseitig. Allein bis der Tod kommt, lautete die Antwort, da heißt ez kämpfen und ringen. Paula war nach ihrem eigenen Geständniß ihre Regina Victoria das Liebste auf Erden gewesen; nachdem ste ihr Glück verloren, kämpfte sie gleich den beiden Herren um innere Befriedigung. „Erliegen können nur armselige Naturen,“ ref ste,„und alles mit Geduld und Demuth zu ertragen, vermögen nur solch' er— barmenswerthe Geschöpfe, wie Fräulein Josepha, oder... ober... entschuldige meine Freimsftthigkeit, lieber Jas, oder Peine Gattin. Sie haben keinerlei Bedürfuisse, sie haben keine Flügel, und ste lähmen durch irgend eine Gemeinschaft mit ihnen die Schwingen Anderer.“ Hierauf begann sich die Unterhaltung nur um gelehrte Pinge —— wunderbar, daß dem Menschen in Peinem Hause eine solche Kälte entgegenweht. Man fühlt sofort, ess ist hier Niemand, der es verstände, Licht und Wärme um sich zu verbrekten.“ Anna stand im Nebenzimmer und hörte sebess Wort, aber ste erwiderte keine Silbe. Mirewiez schwieg anfangs, daun sagte ex leise:„Ich bitte Dich, Paula.“ Diese Bitte fruchtete seboch bet sener Vame nichts; denn als ste am nächsten Tage bei ische saßen, und Aung den Braten gerlegte, schaute ste der Hausfrau auf die Häude und meinte; „Ich verstehe garnicht, daß eine Frau, welcher solche Pinge oh— liegen, nicht zu der Einsicht kommt, ihre Hände zu pflegen.“ Anna blickte zuerst naiy und verwundert zu ihr hlullber und wurde, als sle den hämischen und kronischen Blick Paula's be— merkte, dunkelroth im Gesichte, aher sle sagte ahermalz nichts, Ihre innere Empörung jedoch, welche sie seit pier Wochen zu unterdrücken bemüht war, wuchs immer mehr und sollte hald zum Ausbruch kommen. Eines Abends betrachtete Paulg beim Thee die junge Frau lange und in auffälliger Weise und sagte 7CC00W00000W000 2354.. plötzlich:„Ich kann nicht begreifen, wie manche Frau leben kann ohne jedes Ziel.“ Anna's Hände bebten, und furchtlos richtete sie ihre Augen auf die Sprechende. „Mein Fräulein,“ begann sie,„falls Sie etwa mich damit meinen, so muß ich Ihnen erwidern, ich habe einen Gatten, ein Kind und einen Haushalt.“ „Ich bitte Dich, Anna!“ flehte leise Jas. Sie schwieg, aber Paula, einmal in's Fahrwasser gekommen, konnte nicht sogleich aufhören. „Gatte, Kind und Haushalt,“ antwortete sie langsam,„sind sehr schöne Dinge, aber trotzdem muß man arbeiten, tüchtig arbeiten.“ „Aber Paula, ich bitte Dich,“ unterbrach sie Mirewicz. Jetzt hielt Anna nicht länger mehr an sich. Vielleicht das erste Mal in ihrem Leben mischte sich Ironie in ihre Rede und floß über ihre Lippen „O, ich bitte sehr, mein Fräulein,“ rief sie,„man braucht keineswegs hochgebildet zu sein, um zu wissen, daß es verschiedene Arten der Arbeit und Thätigkeit giebt. Doch wer nicht ver— heirathet ist, versteht nicht die Arbeit derjenigen Frauen, die— Gott sei Dank— nicht auf dem Korbe sitzen geblieben sind.“ Paula sprang vom Tische auf und ging hinaus. Mirewicz warf seiner Gattin einen bitterbösen Blick zu und verließ gleich— falls das Zimmer. Am nächsten Tage faßte Anna einen festen Entschluß für ihre Zukunft. Schon lange hatte sie die bedeutenden Mehrausgaben berechnet, die der ungewöhnliche Aufwand im Hause verursachte. Ihren Mann dieserhalb befragen wollte sie nicht, da sah sie eines Morgens den Schlüssel im Schreibtische ihres Mannes stecken, in welchem ihre beiderseitigen Ersparnisse lagen. Sie zog die Schublade auf und entdeckte, daß die Hälfte des Geldes fehlte. Sie wunderte sich jetzt über gar nichts mehr, doch als sie im Eßzimmer ihr kleines Töchterchen spielend vor— fand, nahm sie dasselbe auf ihre Arme, drückte es herzlich an ihre Brust und küßte es zärtlich. In dem Blicke, mit welchem sie ihr Kindchen anschaute, konnte man lesen, daß sie an weiter nichts mehr dachte, als an dessen Zukunft. Sie konnte mit sich noch nicht einig werden weder in der Küche beim Anrichten der Sauce, noch beim Nähen auf der Maschine, auf welcher sie für Jancia ein Winterjäckchen nähte. Purpurroth im Gesicht, setzte sie sich zu Tische; ihre sonst so sanften Augen leuchteten unheim— lich. Sie sprach nicht mehr vom Wetter, nein, sie schwieg, wie die Wand, doch als der zweite Gang servirt wurde, blickte sie Paula an und sagte:„Mein Fräulein, wann werden Sie zu Ihrer Mutter reisen? Sie soll sich ja sehr schwach fühlen.“ Paula erröthete tief, aber sie faßte sich gewaltsam, weil sie sah, daß Mirewicz Miene machte, sie zu vertheidigen. „Paula hat einen Brief erhalten,“ sprach er,„ihrer Mutter geht beer „Und wenn dem auch nicht so wäre,“ rief das beleidigte Weib,„so brauche ich doch Niemand, der mich belehrt, was ich zu thun habe.“ Mit einem Ruck stieß sie den Stuhl vom Tische fort, stand auf und ging hinaus. Nach einer Weile hörte man aus ihrem Zimmer ein krampfhaftes Lachen. Es herrschte eine große Auf— regung im Hause. Paula lag in ihrem Zimmer mit geschlossenen Augen auf dem Sopha und zitterte am ganzen Körper, während Lachen und Weinen fortwährend abwechselten. Kasia lief zum Arzt. Mirewich stand mit Wasser, Essig und Parfüm neben der Kranken und bemühte sich, sie in's Leben zurückzurufen, und Anna, die niemals in ihrem Leben eine solche Krankheit gesehen, stand rathlos da, wußte nicht, was sie beginnen sollte, und be— kreuzte sich fortwährend. Erst gegen Abend wurde es wieder ruhig im Hause. Der Arzt entfernte sich, Kasia lief nicht mehr nach Arzeneien, Paula lag bleich und schweigend in ihrem Bette, und Mirewicz saß in seinem Arbeitszimmer im Dunkeln und dachte darüber nach, wie eine hochgebildete, kluge Frau sich durch die Bemerkung einer beschränkten Person so weit hinreißen lassen und überhaupt auf ein solches„Weibergeträtsch“ eingehen konnte. Vermöge ihrer reichbegabten Natur mußte Paula nach seiner Ansicht Anna einfach durch Nichtachtung strafen. Was ist sie denn, die arme, liebe Anna? Sie versteht weder Paula noch Mirewicgz, ja, sie vermag sich nicht einmal verständig auszusprechen. So in Gedanken vertieft, fühlte er sich plötzlich leicht an der Schulter berührt. Er erhob den Kopf und erblickte Anna neben 0 sich, welche in dem Dämmerlichte noch bleicher als zuvor aussah. „Jas, ich wollte mit Dir sprechen,“ sagte sie leise. Er ahnte wohl schon längst, daß trotz all ihrer Engelsgeduld einmal der Augenblick kommen würde, da sie über all' das er⸗ littene Unrecht sich auszusprechen wünschte. Er schwieg. ich will Dich nicht quälen,“ fuhr sie noch leiser fort,„ich weiß ja, daß... Du.. etwas Anderes brauchst. Aber ich möchte Dich nur fragen, Jas, ob Du.. nur zu Deinem augenblicklichen Ver⸗ gnügen so lebst oder... ob es Ernst ist.“ Es war ihr absolut unmöglich, zusammenhängend zu fragen und zu sprechen; die Stimme erstickte ihr im Halse, und sie wurde immer blasser. Mirewicz war dunkelroth geworden und stand auf; er ergriff Anna's Hand, preßte sie in der seinigen und sprach in einem hastigen und gedämpften Tone:„Noch niemals im Leben habe ich gelogen— mir graut vor der Lüge, Deine Bemerkung ist sehr richtig, glaubst Du, daß ich nicht ebenso leide? Du weißt recht gut, daß ich kein Wüstling bin, Du und Jancia, ach, es ist vergeblich, es ist geschehen, o es kommt mancherlei im Leben vor, schließlich fährt sie doch früher oder später einmal wieder fort, und ich? Soviel ich auch dabei leiden mag, Dich und Jancia werde ich nicht verlassen, niemals, nein, niemals!“ Er hörte auf zu sprechen; denn Anna entriß ihm plötzlich ihre Hände. Ihre Augen funkelten in der Dämmerung, wie er es nie zuvor gesehen hatte. „Ich danke Dir, daß Du mir die Wahrheit gesagt hast,“ antwortete sie mit leiser, doch fester Stimme, und ging schnell hinaus. In diesem Augenblicke trat Ozymski in das dunkle Arbeits- zimmer; aus dem Gemache Paula's klangen schwermüthige Weisen herüber. Die beiden Freunde unterhielten sich ganz leise. Die Stimme des Herrn Mirewicy klang unruhig und zitternd; Ludwig erzählte ihm irgend eine lustige Geschichte. Im weißen Peignoir, feinen Pantöffelchen und aufgelöstem Haar empfing Paula beide Herren eine Stunde später in ihrem Gemache. Ludwig, welcher sie zum ersten Male in diesem Kostüm vor sich sah, blieb wie gebannt auf der Thürschwelle stehen und blickte sie an wie ein Gebild aus Himmels höhen. Das Weib schaute schön, berückend schön in ihrem Peignoir aus. Noch etwas angegriffen, schritt sie, die lange Schleppe des weißen Gewandes nach sich schleifend, langsam auf Mirewicz zu und reichte ihm beide Hände. „Verzeihe mir, Jas, daß ich Dich heute so betrübt habe, aber Du weißt ja, ich bin eine aufgeregte Frau. Als ich hierher kam, war ich ruhig, allein Du hast wieder mein Blut in Wallung, meine Nerven in Aufruhr gebracht.“ Sie schlank ihre zarten Arme um seineu Hals. Er wurde berauscht, vergaß die ganze Umgebung und umfing sie mit beiden Armen. Ozymski, welchem ihr beiderseitiges Verhältniß kein Geheimniß mehr bildete, und der schon oft Zeuge solcher Scenen gewesen war, setzte sich und beugte sich über ein Buch; man sah es dem Armen an, daß er Höllenqualen dabei ausstand, doch in seiner Offenheit und Wahrheitsliebe freute er sich auf⸗ richtig über das Glück seines Freundes. Sie sprachen diesen Abend viel über den Ehestand, Paula ergriff lebhaft den Faden der Unterhaltung, dann wandte sie sich an den jungen Mann und sagte ihm in schelmischem Tone, sie möchte sich niemals die Fesseln der Ehe anlegen, da ihr dieselben wie ein Fegefeuer vor⸗ kämen. Schließlich theilte sie ihren Freunden noch mit, daß sie sich entschlossen habe, den ganzen Winter in Ongrod zu bleiben, um sich für ihren demnächstigen Beruf vorzubereiten, aber um Geld zu verdienen, möchte sie gern Unterricht in der Musik und in anderen Gegenständen ertheilen, und ersuchte deshalb die beiden Herren, ihr Schüler zu besorgen, was ihnen bei ihrer ausgedehnten Bekanntschaft wohl ein Leichtes wäre. Die Freunde versprachen ihr dieses bereitwilligst, und Mirewich und Ozymski trennten sich endlich, nachdem sie nochmals über das edle Wesen, seine hehren Vorsätze, seinen Eifer und Fleiß u. s. w. gesprochen hatten. Diesen Abend und die beiden folgenden Tage ging Aung wie eine Traumwandlerin durch die Räume des Hauses. Mechan verrichtete sie ihre Arbeiten, wie früher, jedoch ohne einen klaren Gedanken fassen zu können. Der betrübte, verschleierte Ausdruck in den Augen verrieth ihr tiefes Weh. Wie gewöhnlich, „Jas, 2355. sie in der Dämmerstunde Jancia auf ihrem Schooße, und zur Nachtzeit saß sie neben dem Bette des schlafenden Kindes, den Kopf in die Hand gestützt, mit dem Blick in die weite Ferne schweifend. Nach der letzten Unterredung mit Johann hörte sie auf zu weinen, aber ihre Wangen wurden schmaler, und ihr Gang langsamer und schleppender. Als am nächsten Tage Paula und Mirewicz wiederum das Haus verlassen hatten, um eine Promenade zu machen, und das Kindchen schon schlief, ging Anna in das Arbeitszimmer ihres Gatten, nahm aus dem Schreib— tische einige Briefbogen und Couverts und begab sich in das Schlaf— gemach. Dort stand Feder und Tinte, welche sie zu benutzen pflegte, um die täglichen Ausgaben im Haushalte zu notiren. Sie zündete ein Licht an, setzte sich an den Tisch, stützte ihr Kinn in die Hand und grübelte eine Weile nach. „Glückliche Stunden, glückliche Tage!“ flüsterte sie leise und seufzte tief. Welch' glücklicher Stunden und welch' glücklicher Tage ge— dachte sie jetzt mit so großer Wehmuth? Etwa der Tage, da sie noch ein armes, junges Mädchen war, für vornehme Damen Kleider nähte und täglich auf der Straße einem unbemittelten jungen Manne begegnete, der damals Schreiber in der Kanzlei eines Rechtsanwalts war? Sie zählte damals zwanzig Jahre, ihre Garderobe bestand aus zwei Kleidern und aus geflickten Schuhen, und obwohl sie täglich zwölf Stunden arbeitete, leuchtete ihr der Frohsinn aus den Augen. Dank der Fürsorge einer alten Tante gründete sie sich ein eigenes Heim, konnte sich im eigenen Hause ihr Brod verdienen und schöne Kleider und gutes Schuhwerk kaufen, kurz, sie hatte ein einträgliches Auskommen. Damals war sie frisch wie eine Rose und lebhaft wie ein Spatz. Sie lächelte Allen und Jedem freundlich zu, auch dem jungen Manne, der aus seinem Bureau zum Mittagsessen ging, schien es, als hätte sie ihm zugelächelt. Am folgenden Tage grüßte er sie, und sie fand keine Veranlassung, den Gruß unerwidert zu lassen. Eines Abends ging sie nach Hause, es regnete stark, und sie war schon ganz durchnäßt; da fühlte sie plötzlich einen Regenschirm über sich, sie hob den Kopf in die Höhe und er— blickte neben sich einen schönen, jungen Mann. Sehr behutsam und ehrerbietig hielt er den Schirm und bat um Verzeihung wegen seiner Dreistigkeit. Aber sie war ja gar nicht böse, im Gegentheil, es war ihr sehr angenehm. Niemand beschützte sie ja, ausgenommen die alte Tante, und diese war jetzt krank und wohnte sehr weit von hier. Offen und wahrheitsgetreu erzählte sie Alles ihrem Begleiter. Er wiederum theilte ihr mit, daß es ihm ebenso gehe; sein Vater sei arm und schwach und wohne sehr weit von Ongrod, und er habe bereits seit dem vierzehnten Jahre für sich allein sorgen müssen. Das gemeinsame Schicksal führte die beiden jungen Leute schneller, als alles Andere, ein— ander entgegen. Er war entzückt über ihren Fleiß und ihren häuslichen Sinn, sie dagegen ließ sich von dem angenehmen Klang seiner Stimme, von seiner schönen Gestalt und von seinen feinen Manieren gefangen nehmen. Kurz, es entspann sich ein vollkommener, langer Liebesroman. Zwei Jahre warteten sie noch bis zu ihrer Verheirathung und sparten sich für den künftigen Haushalt ein nettes Sümmchen. War es damals nur Täuschung, oder waren sie wirklich glücklich? In den beiden kleinen Stübchen arbeitete sie ohne Dienstmädchen nicht nur für sich, sondern auch für den Gatten, der damals noch keine große Praxis hatte. Sie kaufte ein, kochte, räumte auf, wusch auch wohl manchmal die Wäsche und nähte dabei, wie früher, Kleider für Fremde oder besserte die eigene Garberobe aus. Dann wurde Jancia geboren, ihre Einnahmen verringerten sich dadurch, weil das Kind ihre Zeit recht viel in Anspruch nahm, aber sie brauchte auch nicht mehr so angestrengt zu arbeiten, da ihr Mann jetzt ein genügendes Einkommen hatte, so daß sie sich sogar etwas Geld zurücklegen konnten. Ihr Vermögen nahm immer mehr zu, und ihr Ziel ging dahin, ein eigenes Haus sich zu kaufen; jenes kleine Häuschen mit dem schönen Garten war ihr Traum, und auch er schwärmte dafür, und jetzt, jetzt, o weh! Mit einer hastigen Bewegung rückte sie sich das Licht näher und fing an zu schreiben. Sie schrieb lange, lange, es war für sie keine leichte Arbeit, ihre Hände waren infolge ihrer Beschäftigung in der Wirthschaft hart und rauh geworden, zudem hatte sie sich in ihrer Jugend überhaupt nicht viel mit Schreiben abgegeben. Am zweiten Abend endlich hatte sie die schwere Arbeit vollbracht, deren Resultat zwei Briefe waren; der erste, den sie selbst zur Post beförderte, war an Josepha Skiwska gerichtet, der zweite trug die Adresse ihres Mannes. Das an ihren Gatten adressirte Schreiben verwahrte sie in der Schublade, schloß dieselbe zu und nahm den Schlüssel an sich. Am folgenden Tage ging sie aus, ein Packet auf dem Arme tragend. Gleich nach Tisch war Mirewicz zu einem seiner Klienten gefahren; in Paula's Zimmer stand auf dem Tische eine brennende Lampe, während sie selbst im weißen Peignoir auf dem Sopha lag und in einem dicken Buche las. In Anna's Schlafzimmer brannte nur ein kleines Licht und beleuchtete einen mittelgroßen Reisekoffer, der mit Stricken zusammengeschnürt war. Anna stand mit hochgerötheten Wangen daneben, nahm den Brief aus der Schublade und drehte denselben fortwährend unentschlossen in der Hand um. Dann drückte sie die Hände an die Schläfen. „Ich kann nicht,“ stöhnte sie,„mein Gott, ich kann nicht.“ Sie zerknitterte das Papier mit ihren Händen, als wenn sie den Brief zerreißeu wollte. Aus den anderen Gemächern tönte Musik herüber, wilde Phantasieen und Tonleitern perlten über die Tasten, und hierauf vernahm man Gesang. Es war Anna, als mahnten diese Töne sie zur Eile, als riefen sie ihr zu:„Schnell, schnell!“(Fortsetzung folgt.) Am Ehre und Pflicht. Aus den Papieren einer Einsamen. Von J. v. Brun⸗Barnow. (Schluß.) Ich betrete zum ersten Mal sein Zimmer, mit welchen Ge— fühlen, in welcher furchtbaren Erregung, weiß Gott allein. Ich darf mich aber nicht schwach zeigen, darf nicht zusammenbrechen, jetzt nicht, wo er selbst ein so gebrochener, zu Tode verwundeter Mann ist. Ich habe nicht den Muth, mich in seinem Zimmer umzusehen, nachdem mein erster Blick beim Eintritt auf die lebens⸗ großen Portraits seiner Eltern gefallen ist, jener Eltern, deren Stolz zwischen unserer Liebe trennend gestanden. Was haben sie erreicht? Welches Glück ist ihrem einzigen Sohn aus seiner Verbindung nach ihrer Wahl, ihrem Herzen, erblüht?— Ver⸗ zweiflung, Zorn und Bitterkeit schütteln mich. Ich wende die Blicke von den Bildern ab, damit er in diesen nicht das Wider⸗ spiel meiner Seele lesen soll und warte mit gesenkten Augen, was er mir zu sagen hat. Er nöthigt mich nicht zum Nieder sitzen. Meine Knie aber wanken, ich muß zu einem Sessel greifen. „Verzeihen Sie, bitte, nehmen Sie Platz.“ Ich thue es, er selbst bleibt stehen.„Mein alter Arzt sagt, daß Sie Alles wissen.“ Ich neige nur zusagend das Haupt. „Es ist gut, daß es so ist, Sie mußten— sollten— klar sehen. Verheimlichen kann man die Sachlage überhaupt nicht.“ Sein Ton klingt unnatürlich fest und hat einen herben, scharfen Klang, als wenn irgend eine Saite in seiner Seele entzwei ge— rissen ist.„Die ganze Stadt spricht bereits davon. Ich kann hierbei nichts thun, als was meine Ehre fordert: mich mit dem Elenden schießen!“ Er beachtet mein Zusammenzucken nicht, sondern fährt in demselben harten, mitleidslosen Tone fort.„Es kann sein, daß er mit dem Leben davon kommt und für mich die Todes⸗ kugel gegossen ist. Ich bin überzeugt, sie werden kaum das Trauerjahr abwarten und sich dann heirathen.“ Ich hebe entsetzt, abwehrend die Hände empor. „Sie glauben das nicht? Sie denken vielleicht, daß das Urtheil der Welt sie vor einem solchen Schritt zurückschrecken wird?“ fragt er bitter.„Sie kennen die Welt nicht, ich meine die gute Ge— sellschaft, Sie haben keine Ahnung, wie frivol, wie oberflächlich, wie gewissenlos sie ist, wie sie in der Vereinigung dieser Beiden den einzigen Weg sieht, ihre Ehre in dieser Gesellschaft zu rehabilitiren. Sie glauben garnicht, wie in dieser Welt ein Ideal nach dem andern in Trümmer geht.“ Ich fühle bei dem letzten Ton, der so weich, so anders ist, als der, welchen er zuerst angeschlagen, meine Beherrschung schwinden. Ich gleite von dem Sessel herab zu seinen Füßen. „Seien Sie barmherzig!“ flehe ich mit erhobenen Händen,„lassen Sie sich durch das Gespenst der Ehre nicht in den Tod treiben.“ Er hebt mich empor und drückt mich sanft in den Sessel 0 5 356 nieder.„Ich kann es nicht, Margueritte. Meine Ehre, die Ehre des Offiziers fordert es, daß er mit seinem Blut den Flecken abwäscht, welchen sein Weib darauf* selbst, wenn dieses Weib schamlose Dirne!“ Ich antworte nicht. Ich kann nicht Riesengroß steht das schreckliche Gespenst vor mir und sieht mich mit seinen hohlen Augen und höhnischem Lächeln mitleidslos an. Schaudernd drücke ich die Hände vor das Gesicht. Furcht, Schmerz, Ent⸗ setzen lähmen meine Zunge. „Arme, arme Margueritte!“ Eine unsagbare Wehmuth und Weichheit spricht aus seiner Stimme, sie zwingt mich, zu ihm empor zu sehen, als letzten, verzweifelten Versuch alles in meinen Blick hinein zu legen, was seinen grausamen Entschluß wankend machen kann. Er lächelt traurig, entmuthigend.„Arme Margueritte!“ wiederholt er mit einem Ausdruck, der für einen einzigen Moment die selige Zeit unserer Liebe zurückzaubert, „selbst Deine theuren treuen Augen können meinen Entschluß nicht erschüttern. Sei stark, selbstlos wie bisher, mache mir das, was meine Ehre fordert, nicht schwer, schwerer als es bereits ist, seit ich Dich wiedergefunden!“ „O, könnte ich sterben!“ „Nein, Margueritte,“ sagt er sanft, unendlich sanft,„Du mußt leben, leben für mein Kind. Weine nicht, lasse uns nicht weich werden, die Situation ist zu furchtbar ernst. Von diesem Ernst ist es, von dem ich mit Dir sprechen wollte.“ Er tritt an den Schreibtisch, ich folge ihm, eine magnetische Kraft zieht mich ihm nach. Meine Thränen versiegen, ich horche, was er zu sagen hat, mit stumpfer Resignation. Er weist auf zwei Briefe, der eine ist an einen Rechtsanwalt, den Namen kann ich durch meinen Thränenschleier nicht lesen, der andere an seinen Kommandeur gerichtet.„Der Brief an den Kommandeur enthält meine letzten Grüße an meine Kameraden, im Fall meines Todes,“ erklärt er fest, ruhig. Der andere an den Rechtsanwalt, die Scheidungs— eingabe mit ihren Gründen. Das Gericht muß mir nach diesen das Kind zusprechen. Mein Tod soll und darf keine Aenderung eintreten lassen, ich habe das ausdrücklich bemerkt wie ebenfalls, daß die Erziehung meines Kindes bis zu seiner Mündigkeit in Ihren Händen bleibt, das ist der Liebesdienst— das Opfer, welches ich von Dir, Margueritte, mir erbitte. Die Mittel hierzu gewähren Dir ebenfalls meine letzten Bestimmungen.“ Ueberwältigt von seinem Vertrauen, seiner Fürsorge, dem Jammer, ihn zu verlieren, ergreife ich seine Hand und bedecke sie mit Thränen und Küssen. Er entzieht sie mir, indem er meine Hände an sein Herz drückt.„Theure Margueritte— ich allein— ich habe zu danken— und— und— um Verzeihung zu bitten, daß ich in falsch verstandener Sohnespflicht unsere Liebe dem Willen meiner Eltern geopfert. Doch noch einmal, wir dürsen nicht weich werden,“ dabei rollen langsam schwere Thränen in seinen dunklen Bart,„wir müssen stark sein und in dieser heilig ernsten Stunde keiner menschlichen Schwäche erliegen!“ Und wir erliegen ihr nicht. Mit einem letzten, stummen Händedruck gehen wir auseinander, mit dem stillschweigenden Gelobniß:. bis in den Tod!“ Der Tag ist ungewöhnlich klar und schön, aber das Sonnen licht hat für mich etwas Stechendes, Unbarmherziges, ich möchte es ausschließen und die dunklen Vorhänge zusammenziehen, aber Elly jauchzt ihm entgegen und ist kaum im Bett zu halten. Wir, der Arzt und ich, sind aber übereingekommen, daß sie dort heute noch am besten aufgehoben und am wenigsten im Wege ist, wenn die schreckliche Entscheidungsstunde anbricht. Diese ist auf den Nachmittag festgesetzt, er hat es mir gesagt, als ich sie zu erfahren wünschte. Ich habe nirgends Ruhe, und bin un⸗ fähig, auf das Geplauder des ahnungslosen Kindes zu hören, noch weniger den neugierigen taktlosen Fragen und Bemerkungen der Bonne Geduld zu schenken. Ich überlasse ihr das Kind und gehe auf mein Zimmer. Auf jeden heranrollenden Wagen horche ich, auf jeden Schritt auf der Treppe, dem Vorsaal. Eine halbe Stunde der Ungewißheit vergeht nach der andern, die Entscheidung kommt immer noch nicht! Rastlos wandere ich im Zimmer auf und nieder, mein Herz klopft zum Zerspringen, meine Hände pressen sich im schmerzenden Druck zusammen, meine Phantasie malt mir die enisetzlichsten Bilder. Ich halte es nicht mehr länger aus, ich fühle, wenn diese schreckliche Ungewik heit anhält, ich darüber den Verstand verliere. Da, da! Ich he auf. Hält nicht eine Droschke am Hause? Nein, sie fährt vorüber. Doch jetzt, jetzt, kommt da nicht wieder eine? Ich reiße das Fenster auf, der Himmel hat sich umwölkt, das zudringliche Sonne ist fort, ein eisiger Nordwind weht mir entgegen. Ich sehe keine Droschke, ich schließe es wieder. Wieder wandere ich ruhelos auf und nieder, wieder horche ich mit wild schlagendem Herzen. Ja, ja, jetzt ist es kein Irrthum, ein Wagen hält. Die Haus⸗ thüre geht auf, eine unheimliche Unruhe dringt zu mir herauf. Ich will vorwärts stürzen, ich kann nicht, meine Füße sind wie gelähmt, endlich mit einer verzweifelten Anstrengung finde ich die Kraft. Ich eile die Treppe hinab, erreiche die erste Elage. Die Thüre des Vorsaales steht weit, weit auf, als hätte man soeben Jemand hinein getragen. Getragen! Meine Knie wanken, meine Füße tragen mich nicht mehr. Eine ohnmachtartige Schwäche überkommt mich. Es flimmert vor meinen Augen, ich greife mit den Händen in die Luft, um mich an irgend etwas festzuhalten und fühle wie mich ein stützender Arm sanft umfaßt und eine Stimme, die Stimme des Arztes sagt:„Armes Kind, ja— ja — wer hätte das gedacht, dieses Ende erwartet!“ Ich fasse nur das letzte Wort auf, mit einer übermenschlichen Anstrengung sammele ich meine Kräfte, meine Gedanken.„Das Ende— das Ende!“ stammele ich,„ist er todt?“ „Nein, noch nicht, aber zu Tode verwundet, sterbend!“ „Sterbend, barmherziger Gott, wo— wo ist er?“ „Dort, da drinnen in seinem Zimmer, er hat es angeordnet, dort will er sterben, wo die Bilder seiner Eltern hängen!“ „Ich muß, ich darf doch zu ihm?“ „Ja, Sie dürfen es! Er wünscht Sie noch einmal zu seheg 5 ich glaube, er will Ihnen sein Kind an's Herz legen. Gehen Sie hinein, aber sprechen sie nicht viel, er hat nicht mehr viel zuzusetzen, die Kugel ist ihm durch die Lungen gegangen.“ Er öffnet selbst die Thür.„Treten Sie ein, er ist allein, er wollte allein sein, ich werde dafür sorgen, daß Sie ungestört bleiben.“ Ich trete ein. Man hat ihn auf den Divan mit dem Gesicht gegen die Bilder seiner Eltern gelegt. Sein Antlitz ist todten bleich, seine Augen geschlossen, die Hände über der Brust gefaltet. Er liegt da wie ein Todter. Ein leiser, qualvoller Schrei, ich kann ihn nicht unterdrücken, entfährt meinen Lippen. Er schlägt die Augen auf, er hebt die Arme mit einer schwachen Bewegung empor, ich knie neben ihm, mein Haupt sinkt an seine Brust, ein konvulsivisches Schluchzen durchzittert meinen Körper. Liebevoll fährt er über mein Haar.„Arme, arme Margueritte,“ flüstert er kaum hörbar,„Du siehst, die Kugel war für mich. Ich war ein schlechter Schütze— er lebt!“ „Er lebt! O, Gott, wo ist da Gerechtigkeit, wo Vergeltung!“ „Nicht hier, nicht auf Erden.“ „Und mußt Du wirklich sterben?“ „Ja, Margueritte, ich muß. Meine Minuten sind gezählt. Ich bitte Dich, weine nicht— sei stark! Du weißt, Du hast noch eine Aufgabe zu erfüllen, mein verwaistes armes Kind zu erziehen, in Deinem Geiste: wahr, einfach, pflichttreu. Sie hat Dir zwar kein Glück gebracht Deine— Deine Pflichttreue— aber— die Anwartschaft auf den Himmel— dort sehen uns wieder! Dort trennt uns nichts.“ „Nichts!“ wiederhole ich unter heißen Thränen. Eine Pause tritt ein. Ich horche angstvoll auf den Schlag seines Herzens. Noch höre ich ihn, aber wie lange? Ich wage kaum zu athmen. Angstvoll forschend sind meine Augen zu erhoben und unfähig, ohne Schluchzen zu ihm zu sprechen, lauft ich nur auf seine Worte, nehme sie auf wie der Verschmacht die Tropfen Wasser. Und wie vereinzelte Tropfen kommen sie. „Wir hätten so glücklich sein können— so glücklich!— Die Eltern,“ er sieht nach dem ernsten Mann in prächtiger Generals⸗ uniform, die Brust mit Orden bedeckt und nach der f stolzen Frau im rothen Sammetkleide.„Sie ließen es nicht Ich war gehorsam, das ist das Ende!— Nein, Margueritte, Du mußt leben, leben für mein Kind! Einst sage ihm Alles, mit meinem Segen. Nun, Margueritte, den letzten, den 1 Kuß, ich fühle—“ Er verstummt, meine Lippen drücken sanft, hingebend, schmerzzuckend auf seine kalten. Ein Lächeln der Verklärung geht über sein todtblasses G 2357.. N . . Nach dem Gemälde von A. Humborg. 1 0 5 Der galante Pater. So . * — 2 J 2 358 Bewußtlos brach ich zusammen. So fand mich der alte Arzt. Diese rauhe Berührung meines heiligen Geheimnisses entringt r pv wie ihn derjenige ausgestoßen haben Wochen, Monate sind dahin gegangen. Der Frühling webt mag, den man auf die Folter gespannt.„Ja,“ sage ich, 1 seinen grünen Schleier auch über sein Grab. Seine Kameraden sehe sie an,„darin irrt sich die Welt nicht!“ haben ihm ein Denkmal gesetzt; auf ihm sind in goldener Schrift Es mußte doch etwas in meinem Blick liegen, was sie in die Worte verzeichnet:„Ueber Alles die Ehre!“ Welche Welt ihrem Hohn nicht weiter fortfahren heißt, denn sie verstummt und des Schmerzes, der Entsagung, des Kampfes in diesen Worten hebt in einem veränderten, bei weitem freundlicheren Tone nach liegt, sagen diese todten Buchstaben Niemand. Mir aber will einer kurzen Pause an:„Sie werden mir Elly wenigstens einige TAS n jetzt aus?“ Sie schweift von mir ab und überfliegt prüfend das eile vorwärts, ich will dem Gefürchteten vorbeugen, es ist zu spaͤt. 11 0 das Herz brechen, so oft ich sie auch lese. Wochen im Jahre überlassen?“ 0 Ich fürchte täglich, sie möchte kommen und mir das Kind„Ich kann es nicht. Ich habe es dem Verstorbenen gelobt, 0 nehmen, aber sie kommt nicht. Bald ist es ein Jahr, daß es bis zu Elly's Mündigkeit dieses nicht zuzulassen.“ 1 mein geworden. Elly ist mein Glück, mein Sonnenschein, der„Und natürlich werden Sie inzwischen alles thun, sie der i Quell, aus dem ich meine Lebenskraft schöpfe. Mutter zu entfremden, sie als eine Ausgeburt des Leichtsinns, n Wie er es prophezeit, so ist es eingetroffen. Sie haben das der Herzlosigkeit hinstellen. 9 5 0 Trauerjahr kaum abgewartet. Sie sind verheirathet, nachdem er„Das werde ich nicht. Ueber Todte pflegt man rücksichtsvoll g sich nach einem andern Ort hat versetzen lassen. Jetzt glaube ich mich zu sprechen und Sie sind in des Kindes Augen für jetzt todt, l meines Besitzes sicher, ihren Besuch nicht mehr fürchten zu dürfen. so wollte es ihr Vater gehalten wissen.“ 10 Ich bin in meiner Wohnung, da klingelt es. Das Mädchen„Sie scheinen wirklich seine Marionette geworden zu sein!“ 5 ist mit Elly im Garten, ich gehe die Thüre zu öffnen. Ihre„Wenn Sie unter Marionette einen Menschen versteben, der l Mutter steht vor mir. Sie sieht schöner, blühender, eleganter sein Gelöbniß einem Todten hält, verdiene ich diese Bezeichnung.“ 9 aus, als bisher. Sie grüßt mich von oben herab und schreitet,„Ich sehe, bei Ihnen kommt man in nichts zum Ziele; ich—“ 1 ohne meine Aufforderung abzuwarten, an mir vorüber in's Zimmer. sie verstummt und horcht auf. 1 Ich folge ihr. Wir stehen uns einen Moment wortlos gegenüber. Draußen geht die Thüre, fröhliche Stimmen dringen an unser 1 Sie betrachtet mich spöttisch, herausfordernd.„Also so sieht man Ohr! Kleines Kindergetrommel nähert sich dem Zimmer. Ich. 80 00 del Zimmer,—„so lebt man, nachdem man sich als die einstige Ge- Elly stürmt herein. liebte eines Mannes entpuppt, welcher für das Rechenschaft ge—„Mütterchen, hier, hier hast Du Blumen!“ l fordert, das er sich selbst erlaubt. Vortrefflich! Ich mache Ihnen, Plötzlich stutzt sie, die Blumen entfallen ihren Händen, ihre Ihrem schlauen Intriguenspiel mein Kompliment, eine Maintenon Mutter hat sich zwischen uns gedrängt.„Elly, mein Kind, er⸗ konnte nicht besser ihre Karten mischen.“ kennst Du mich nicht?“ 1 Jun diesem Tone darf sie nicht fortfahren, meine ganze Seele„Mama, Mama!“ jubelt sie auf und stürzt sich in ihre weit empoͤrt sich gegen die niedrigen Angriffe dieser Frau. Soll ich geöffneten Arme.— Mein Herz steht still, kein Wort will über mich rechtfertigen, vertheidigen?— Nein, nimmermehr, es hieße meine Lippen. Ein triumphirender Blick trifft mich. Er sagt: nur zugeben, daß ich eine Vertheidigung nothwendig hätte. Ich Nun, was willst Du hier, wo Mutter und Kind sich gefunden, lasse ihren Angriff abgleiten, wie Wasser auf Atlas und sage wo die Natur selbst ihre Rechte fordert?— Sie küßt ihr ruhig:„Kommen Sie zur Sache, was führt Sie zu mir?“ und nennt es mit den zärtlichsten Schmeichelnamen. Ich stehe „Eine köstliche Frage! Ihr Schauspielertalent ist vorzüglich. daneben, rathlos was hier zu thun, wie ich zu handeln habe, um Freilich, ich vergaß, man erzählte mir ja, daß Sie Ihre Karriere schonend zu trennen. 3 auf den Brettern begonnen, daher Ihre Gewandtheit, sich in Ihre Mutter läßt ihr Kind jetzt aus ihren Armen gleiten. jede Rolle zu finden!“„Nun, Elly, mein Liebling,“ sagt sie, willst Du mit Mama Selbst dieser Hohn ist nicht im Stande, mich zu einer heftigen kommen?“ 5 g Antwort herauszufordern, die Erinnerung an ihn, der todt, lehrt„Ja, ja, gern! Aber wenn Du wieder lebendig e mich Beherrschung, so wild auch mein Herz bei den schonungs— so ist es wohl auch Papa, der liebe, gute Papa. Nicht g losen Angriffen dieser herzlosen Frau schlägt.„Wenn man Ihnen Du führst mich zu ihm und Mütterchen kommt mit.“ 5 das erzählt hat, so hat man Sie falsch berichtet!“ erkläre ich. Ihre Mutter erblaßt bis an die Lippen. Auf diese Frage „Aber Sie haben Recht, meine Frage war überflüssig. Ich hätte ist sie nicht vorbereitet.„Nein, Papa ist nicht lebendig geworden!“ es mir denken können, daß Sie trotz alles Vorhergegangenen, trotz erklärt sie in unnatürlich scharfem Ton, bei dem das Kind sie des Verstorbenen gerichtlich aufgenommenen Bestimmungen über scheu von der Seite ansieht.„Aber ein anderer, guter Papa ist sein Kinde einen Versuch machen würden, gegen diese zu handeln!“ da, der Dir immer die vielen, schönen Zuckerdüten gebracht hat! 8 „Natürlich, denn sein Tod hat sie hinfällig gemacht. Ich,„Den Papa will ich nicht. Ich will meinen ordentlichen, als Mutter, kann mein Kind zurückfordern!“ lieben Papa, sonst gehe ich nicht mit und bleibe bei Mütterchen „Nein, das können Sie nicht, nachdem Sie sich durch Ihren die mir immer von ihm so schön erzählt. Nicht wahr, Mütterchen, unerhörten Leichtsinn aller Rechte entäußert und einen Mann Du behältst mich?“ f* geheirathet, der der Mörder von Elly's Vater ist!“ Ob ich sie behalte? Diese Frage hat während dieser Szene ˖0 Sie hat es nicht anders gewollt. Sie hatte selbst alle Scho- wie ein Verzweiflungsschrei meine Seele zerrissen, und nun, da b nung durch ihren Ton unmöglich gemacht, mit dem sie mein sein Kind sie stellt, sie selbst stellt, da umfasse ich es mit jubelnder 1 rücksichtsvolles Vorgehen und Schweigen gelohnt. Lust. Seine unschuldigen Lippen haben das Urtheil gesprochen, e „Mörder, nennen Sie ihn!“ ruft sie heftig,„Sie vergessen, die Scheidewand aufgerichtet. ue er fiel im Duell!“ Sie wagt keinen Versuch dagegen, noch eine Minute und dass „Ganz richtig, durch die Hand Ihres jetzigen Gatten. Wenn er Zimmer ist leer, sie ist fort.—* N 1 sein Mörder nicht sein soll, wer gab die Ursache zu diesem Duell?“„Gerettet, gerettet!“ und unter heißen Dankesthränen drücke“ Sie erbleicht und einen Moment bleibt sie mir die Antwort ich sein Kind fest an's Herz. 1 schuldig. Doch nur einen Moment. Wer wie sie den Begriff 3 1 at von Ehre und Pflicht— kennt, dessen Gewissen ist ebensowenig 8* zu erregen, wie sein Stolz zu wecken. 1 Zoi 1 N „Mit Ihnen ist nicht zu streiten,“ wirft sie zornig hin.„Sie 5 3 3 e, a— I. ohe 0 i 1 i 10 Laune un antasie behe en a ne sind ebenso pedantisch wie er. Wahrhaftig, es ist schade, daß Mode ist, aber 22 bringt We dle Protektion der Wee Alles, wa er Sie nicht geheirathet, Sie hatten besser zusammen gepaßt!“ gut kleidet, was elegant, schmuck erscheint. Fragt eine Dame in unseren „Moͤglich!“ gab ich leise zu, indem mich nun doch meine donangebenden Magazinen oder Ateliers, welche Form von Tageskleiden Kraft zu verlassen droht. 5 7 7 115 8 man 1 e Ihr entgeht diese Wirkung ihrer letzten Worte nicht und sie nut Rodegote, nd auf ihren Einwand daß sie das nicht eg triumphirt.„So ist es doch wahr, was man sich erzählt, Sie e De zegr 4 haben ihn geliebt!“ wählen Sie das, was Ihrem Geschmack am meisten entsp nd 1 . 4 1 1 1 1 1 1 2359. werden, ist es hubsch und gefällig, auch damit nicht der Mode entgegen sein. Hieraus ergiebt sich, daß, wenngleich die eine Schnittform füt 5 bestimmte Zeit einmal die vorherrschende ist, doch noch immer viele andere neben ihr gültig sind. Man hatte sich so viel von den Empire-Moden versprochen, allein die geraden, knappen Röcke, die leicht gekräuselten Taillen waren von etwas zu einfachem, zu dürftigem Aussehen; die Koketterie fand dabei nicht ihre Rechnung, und die jungen Frauen und die jungen Mädchen ähnelten, so gekleidet, den Pensionsschülerinnen. . Gewiß, wir sind bei der Einfachheit angelangt, aber dieselbe muß mit ein wenig Kunst gemischt sein, muß Chic verrathen. Es wäre sehr schwierig gewesen, in jene Form der ganz geraden Röcke etwas Neues, etwas Abwechselung zu bringen. Bald würden wir Alle wie in Uniform erschienen sein, und es hätte das Aussehen gehabt, als ob wir auf die Mode und deren Prunk verzichtet. Wir bleiben bei den Verfeinerungen aller Genres, aller Epochen; wir entlehnen bald dies, bald jenes den früheren Zeiten, verschmelzen es mit den Ideen der Gegenwart und wir erfinden tausend neue Koketterien, welche unserer Toilette Reiz und I Grazie leihen. 1 9 Wintermoden. Schon letzthin wies ich darauf hin Unter allen Kleiderformen bewahrt das Kostüm tailleur immer seine Anziehungskraft, denn kein Anzug ist bequemer, praktischer, distinguirter. Man fertigt es aus Cheviot, bunt jaspirt oder mit brouillirten Linien ver- sehen, ferner aus einfarbigem Tuch, mit gefaltetem Rock und drapirter Tunika Das Leibchen schließt häusig schräg mit einer doppelten Reihe kleiner Knöpfe. Hierzu trägt man das Tuch⸗Jaquette, dunkel⸗beigefarben, eisengrau ꝛc., das mit gleichnüancirtem Wollenatlas gefüttert wird und dadurch ein korrekteres, mehr männliches Air erhält. Die abstechend farbigen Futterstoffe mit Streifen oder kleinen Carreaux sollen nämlich ihre Laufbahn vollendet haben; sie werden durch jenen soliden Wollen— atlas ersetzt, der immer genau in der Farbe des Jaquettes gehalten sein muß. Man versucht auch wieder, Varianten in das Kostüm tailleur zu bringen, indem man ihm seine Monotonie etwas nimmt und es mit Soutaches und Galons, mit Gold- und Stahlstickerei garnirt. Die Hauptsache ist freilich, diese Zierrathen mit Geschmack und Einsicht zu verwenden. ö Die Garnituren spielen überhaupt eine bedeutende Rolle in den „und heut muß ich Hetonen, daß es nichts Beliebteres als Stickerei-Bordüren giebt. Die⸗ elben haben häufig weißes oder rahmgelbes Tuch als Grundstoff, und davon heben sich die entzückendsten Palmen- und Figurenmuster persischen, ndischen, byzantinischen und russischen Styls, oder halb orientalischen, zalb griechischen Styls, wie die Zeit des Direktoriums und des ersten Empire ihn liebte, in bunter Seide oder in einfarbiger, jedoch mehrfach 1 1 1 1 — 9 1 1 2 1 1 N 10 0 1 1 1 (chattirter Seide ab, hier wie dort oft untermischt mit Gold- und Stahl— »der mit bunten Metallperlen. In anderer Weise giebt es wieder gänzlich Lurchbrochene Seiden, Chenille- und Perlenstickereien in Palmen-, Blumen- der Arabeskendessins, an welchem ein Grundstoff garnicht sichtbar ist. Der kostspielige Preis mancher dieser Bordüren macht sie allein zu chmalen Westentheilen, kleinen, zugespitzten Plastrons, oder zu Stehkragen und Aermel⸗ nebst Taschen⸗Aufschlägen ꝛc. geeignet Wie elegant und U eeschmackvoll sieht ein derartig geslickter Westentheil in weißem Tuch zu nbigen Tuch- oder Seidenkleidern aus. Man fertigt ferner Leibchen aus einfarbigen Stoffen aller Art im Benre tailleur, geöffnet über einer Weste aus weißem, rahmgelbem oder bsigem Tuch, überdeckt mit schmalen Brandebourgs aus Goldgalon und u der Mitte geschlossen mit kleinen Goldknöpfchen. Um auf die am Eingang erwähnte Redingote zu kommen, so gehört e also zu einer der gesuchtesten Schnittformen für die winterlichen Tages- ue Abendkleider. Man kann je nachdem die Redingote zu verschiedenen döcken tragen und dadurch mit wenig Kosten im Anzuge variiren. Die— Abe, so lang wie der Kleiderrock, öffnet sich über letzterem meist nur born, zuweilen indeß auch an den Seiten, hiermit zwei lange Vorder— aus beschreibend. Da sie der Weste oder dem Plastron freien Spielraum Ußt, so bietet das eine vortheilhafte Hülfsquelle, Sachen die schon gedient luben, von neuem zu verwerthen. Die Redingote erscheint in vielfach wechselnder Gestalt, überwiegend ö in Ganzen geschnitten, ähnlich der früheren Prinzeßrobe, und nur mit rgesetzter Rückenbahn, zuweilen mit angekräuselten Vorder- und Seiten- bohnen, hier wie dort ausgestattet mit großen Revers Directoire, mit ungestürztem Revers, mit soutachirten oder gestickten Panneaux, mit crägem, durch große, artistische Knöpfe vermitteltem Schluß, mit Band—⸗ shleifenschluß ꝛc. Oft schlingt sich auch die Directoireschärpe um jenes seidungsstück und giebt ihm wieder ein anderes Aussehen. Man fertigt 0 de Redingote vornehmlich aus Tuch und ziert sie zuweileu mit Einsätzen Passementerie, wie denn überhaupt Einsätze in Spitzen die Redingotes ales Sammet für die Gesellschaftskleider schmücken sollen.. Im Uebrigen erhalten sich die verschiedenartigsten Taillenformen: dies Jaquetteleibchen, häufig zweireihig und mit Revers Directoire, Us Schnebbenleibchen, das Gürtelleibchen, größtentheils arrangirt mit Taperien und, wie schon angeführt, mit Westen- oder anderen Einsatz— heilen. Was die Aermel betrifft, so bleibt man, trotz aller Neuerungen herin, dem Ellbogenärmel treu, zumal für die alltägliche Tracht. Für igesellschaftlichen Kleider versucht man jedoch in den Aermeln große A wechselung. Da giebt es den Puffärmel, der in eine lange Manschette adet leine Erinnerung an den Gigotärmel, ohne indeß das Groteske eselben zur Darstellung zu bringen),— den Aermel, welcher auf der SHulter in einen schleifenartigen Puff zusammengerafft, dann vom Ell; legen abwärts gespalten und mit einem abstechenden Theil ausgefüllt der unten ringsum vorkommt und einen Doppelärmel markirt,— r oben mit einem herausstehenden Volantkopf eingekräuselten Aermel, eiht bauschig, um den Ellbogen mit einer Stoffspange drapirt und dann sich in einen engen Aermel fortsetzend, der nach außen geöffnet und mit zwei hervorquellenden Puffen ausgefüllt ist ꝛc.— Die Streifen haben bereits in den sommerlichen Geweben eine so hohe Bedeutung erlangt, daß es uns nicht Wunder nehmen kann, wenn wir ihnen auch in den winterlichen Kleider- wie Mäntelstoffen begegnen. Aecht englische Cheviots in dunklen Farben mit hellen Streifen mit Noppestreifen, mit ombrirten Streifen, mit buntgetönten Bandstreifen, Serges mit wollenen und mit seidenen Phantasiestreifen:— das ist's, was man in Verbindung mit einfarbigen Stoffen als„distinguirte, winter⸗ liche Toilette“ tragen wird; ferner melirte Vigognes und echt englische Cheviots in grauen, grünlichen und bräunlichen Nüancen, wollene Chan⸗ geants,— weiter Wollenbrokate, Armüres mit ramagirten Mustern, dunkle Foulées mit fortlaufenden, hellen Arabeskendessins, die meist ge⸗ flockt,— die einfarbigen Cheviots und fouléartigen Fabrikate, vor Allem die Tuche nicht zu vergessen, die sich in grünen, braunen, marineblauen, grauen, beige und röthlichen Farben geltend machen. Das Grün, das hell kolorirk im Sommer als Modefarbe galt, erscheint als solche in dunklerem Gewande wie: russisch⸗grün, moosgrün, epheugrün, kapergrün ꝛc., hier mit grauem oder gelblichem Hauch, dort rein in seinem tiefen Schimmer. Viel einfarbige Tuche, Serges, Kaschmirs, Vigognes sind an der einen Seite der Webekante mit einer reichen Bordüre ausgestattet, die dem Stoff eingewebt ist und sich in verschiedenartigen Dispositionen präsentirt. Man unterscheidet darin sehr elegante und hübsche Soutache⸗Stickereien, russiche Stickereien, Tapisserien, Löckchen-Stickereien, welche an das Re- lief des Astrachans erinnern, dann„Tigrette“, welche das schöne Pelzwerk der wilden Katze nachahmt ꝛc. Da derartige Stoffe in doppelter Breite liegen, so ist es ein sehr leichtes und bequemes Verfahren, die Bordüre als Saum des Rockes zu verwenden. Gewöhnlich wiederholt sich dann eine solche in schmalerem Maßstabe an der andern Seite der Webekante, welche Bordüre zum Ausputz des Leibcheus und zu den anderen kleinen Garniturtheilen des Rockes oder der Tunika dient. Eine hervorragende Mode sind schwarze Garnituren; schwarze Bänder, Passementerien, Galons, schwarzer Sammet, schwarze Moire auf Stoffen jeglicher Farbe. Gewiß, man wird auch den Ausputz in gleichem Ton wie das Kleid wählen, doch zieht man mehr das Abstechende vor, und man findet, daß das Schwarz sich wirkungsvoll von jeder hellen, mittleren wie dunklen Nüance abhebt. Immer noch etwas Tournüre, aber so wenig, daß man sie mehr ahnt, als sieht. Wie sonderbar! Zuerst haben wir uns gegen die Annahme derselben mit allen Kräften gewehrt, und nun finden wir, daß sie, freilich in sehr, sehr bescheidenem Maße eine Nothwendigkeit für unsere modernen Kleider geworden. Ich muß von Neuem die große Begünstigung bestätigen, welche sich das Jaquette zu bewahren weiß. Für den Winter gestaltet man es meist fest anschließend mit langer Taille und häufig mit Falten im Rückenschooß. Eine Neuerung ist, das Jaquette aus Tuch in neutralen oder dunklen Farben am Rande der Vordertheile, auf dem Kragen, den Taschen und Aufschlägen mit einem breiten Tuchgalon zu garniren, der mit Erbsen oder mit einem japanischen Muster bestickt ist. Mehr indeß als Tuch finden zu den richtigen Winter-Jaquettes, ebenso wie zu langen, anschließenden Paletots und anderen Mantelformen feine Kammgarnstoffe in Tricot-, Ripps⸗ und Streifengeweben, in steilem Diagonalgewebe, mit angewebtem, gleichfarbigem Futter, glatte Eskimo-Doubles und melirte Doubles Ver— wendung. Herrscht Schwarz darin vor, so neigt man sich indeß mehr als je der Farbe zu, und die russisch⸗grüne ist darin gleichfalls eine sehr begehrte. Ihr folgen Marineblau, Bronze, Dunkelbraun, Grau und verschiedene Beigetöne. Eine noch größere Auswahl von Stoffen steht uns für die wirklichen Mäntel zu Gebote, für welche man ferner die so einfach-vornehm aus— sehenden Himalayas mit Streifen, die dicken, gestreiften Cheviots, die gehaarten Serges mit ramagirten Arabeskenmustern, diese meist in grauen Nüancen auf dunklem Grunde,— die Kaschmirfonds mit kleinen seidenen Dessins wählt und, für besonders elegante Zwecke, die Seiden-Matelassés mit allerliebsten kleinen Figuren- oder Rococo-Mustern, die Matelassés mit Sammetblumen, die Seidenpekings mit Sammetstreifen(die letztgenannten Fabrikate in Schwarz, Dunkelbraun und Bronze) und die Sealskin— Plüsche, deren tief-dunkelbraunem Ton sich ein bronzebrauner zugesellt. Zu Pelzmänteln verwendet man meist jene kleingemusterten Kasch— mirs, zu wattirten Mänteln, welche mit einem Seidenfutter versehen werden, die Haarserges und die Matelassés. Als Garnitur der Mäntel: Durchbruchs⸗Bordüren in Kurbelarbeit, ferner und dies noch mehr: matte Passementerie, die in schönen und geschmackvollen Tressen, Galons, Borden und Gehängen erscheinen. Man sucht seit zwei Jahren den Krimmer und den fein gelockten Persianer als Besatz der langen Paletots und kurzen Jaquettes ein— zuführen, ohne sonderlichen Erfolg, hofft indeß, daß ihm in dieser Winter⸗ saison eine größere Begünstigung zu Theil werde. Jedenfalls steht er in erster Reihe auf der Modenliste und er schmückt, grau oder schwarz, die angeführten schwarzen wie farbigen Mäntel-Modelle, an denen er sich besonders in einem breiten, vorn und im Rücken zugespitzten Umschlag— kragen und in breiten Manschetten geltend macht. In den langen Mänteln begünstigt man nach wie vor diejenigen mit Bandagen-Aermeln und die Dolmanformen. Neu sind die Visiten, vorn so lang wie das Kleid, im Rücken indeß ganz kurz, so daß sie gerade den Taillenschluß decken. Sie werden sich erinnern, daß ich Ihnen im Laufe des Sommers über die lange„Spitzenboa“ schrieb, die ein moderner und eleganter Toilettezubehör geworden. Sie dürfte es auch im Winter zur Abend— toilette sein, und mit ihr werden die Federboas in allen Farben rivalisiren. Zum Straßenanzug soll indeß die lange Pelzboa eine vielseitige Annahme finden.. 71 2 ö R 29 * 2360 Kreuz⸗Räthsel. Schach. f Aus nachfolgenden Buchstaben: 5 g pe Problem Nr. 537 von G. Chocholous in Bodenbach. ——— Sd warl X 7 5 EEE. 9 7. 5 TBD ETE E TKETE IT— 2 72 a N. 0 6¶HIIIIIIIEK KL e,, ,. 6’!!! l,, 7, L M H M MR R RR 8 11 1 4 [RT i 2. 2 85 i 110 N 1 8 e. 2 2 8 2 N e sind neun Worte zu bilden und in derseben Weise zu ordnen, so daß die. 2. 1 Ae, 4 mittleren Reihen, von oben nach unten und von links nach rechts gelesen,,. 9 7 gleiche Wörter ergeben.. 2 9... 3 Die neun Reihen nennen folgende Woͤrter:,, ,,. 1. Ein in der Medizin verwendetes Fett. 2. Ein Verhältnißwort.,,, 1 5 3. Einen Komponisten. 4. Den Namen eines berühmten Genremalers. 9 80,. e 5 5. Ein Vorgebirge. 6. Den Namen eines beliebten Schauspielers.,—— e, u. 1. Nebenfluß des Main. 8. Einen männlichen Vornamen. 9. Den a A 1„ Namen eines französischen Bildhauers... 9 e,. 0 2 a b 0 d 0 1 g h Segen in Weiß zieht an und tt d dritten Zuge Matt. eiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Die Lilie, die Taube und das Kind, b dieb des a Ja diese drei, mein werther Leser, sind 5 5 1 Das schöne Bild von dem, was ich hier meine. Die nachstehende Partie wurde am 7. Juli dieses Jahres in Simpsons Divan in einem Es gleicht dies Wort dem reinsten Edelsteine, Match zwischen J. Mason und P. Rynd, einem der stärksten Spieler Irlands. gespielt. Zwei Zeichen fort vom Anfang ganz behende, Wir entnehmen dieselbe mit den Anmerkungen dem„Chess-Monthly.“ 5 6 Dann ist's mit seiner Herrlichkeit zu Ende. 3 Weh' Jedem, den zu schwer dies Wörtlein drückt, 5 Var tie Ar. 299. 9 Kein Geld und Gut ihn dann nachher beglückt. Weiß: J. Mason.— Schwarz: P. Nynd. 0 Es raubet ihm den innern Seelenfrieden 1) ez-es!) 8g8—f6 28) Dg2—h3 i Und keine Freude blüht ihm mehr hienieden. 2) dz- da d- dõ 29) dab: 1 N 3) 02604 7e 30) Tele: 0 1 5 4) 81-63 1 31) e 1 1 aAriph. 5) 8g1—f3 8— 32) Dhà-en! Ar itbmogr* 6) e4- db: e6—- d51:2) 33) Se5—g67 b7—g6 5 Aus folgenden Ziffern sind acht Worte zu bilden, deren 8 7) Lel—d2 LIS-e 34) De6—487 aufgeg und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, die Namen zweier be⸗ 8) LfI—e2 6—0 1 rühmter Männer ergeben. 9) 0—0(7-63) N 12 3 4.— Befehlshaber einer größeren Truppenabtheilung. 10) Tal- el DdS-d e 5 6 6 3 7.— Eine Gistschlange. 11) 83—e5 9) St6—4d7 0 8 9 10 7 9.— Einen weiblichen Vornamen. 12) 2-14 7—f6 10 11 12 7 13 3 14.— Eine Landschaft in Mittelitalien. 13) Se5-d3 f6— 5 5). 11 5 15716 5 17.— Eine Festung in Kaukasien am Terek. 14) 8d3—e5 8Sd7 fo n 129 15 3 8.— Einen Kanton in der Schweiz. 15) g2—-g 46) St6— ed U 10 15 15 10 7 13.— Nebenfluß des Amur in der Mandschurei. 16) g4 15. Sead: 15 67 18 1 2 14 13 14.— Eins der töͤdtlichsten Gifte. 17 did: 18—f5ö: 18) Kgl-hi bbb r) 0 19) 15 51 115—t6 0 N 11 200 Jf1—g1 a7 ab Näthsel. 21) Dde- gz) Le7 Id) Zwei Brüder steh'n in einem engen Bunde, 22) Sc3—e2 Tas-a7 Doch von einander sind sie meist getrennt, 23) Se2—g3 Lb7-a8 1 Sie machen Beide langsam ihre Runde 24) 875— 5 1-6 0 Ob keiner gleich den Zweck davon erkennt. 25) 855—-g3 Dd6 ds Der klein're Bruder schreitet träge, 26) Lg 13 Dds bs 1 Der and're aber schnell dahin; 27) 8 3-5 The Weiß. 1 Trifft dieser jenen auf dem Wege,— b 1 0 Dann hüpft er lustig d'rüber hin. A dem Holländer Van't runs benannt, der sie im Jahn 1g 1 Doch beide Brüder hier auf Erden gegen Diese erschelnt der Idee, welche der Lduftrentiwidelung nach Pp zu Grunde. u. 1 Für uns gar eruste Mahner sind. wider und erschwert überdies mehr als nötdig die Vertheidigung auf dem Damen. Sie mahnen, daß wir älter werden,— Wiedernchmen mit dem Springer wäre besser gewesen, da gelegentlich 705 hatte N Jetzt Leser, rathe sie geschwind. mntüdhuffbpen kin. Verlegenheiten von Schwarz dürsten auf diesen und den n. 8 8 4 Offenbar* Weiß schon jetzt das bei weitem bessere Spiel. u 50 Notbwendig, um 4—15 nebst Ste und Ses zu hindern. f 4 1 Auflösung des Sprichwörter Nöthsels in voriger Nummer: Zum] msgllch derten sicer! Schwarz muß den on menden Angriff attaarten und se 0 guten Wort ein guter Trunk, hält Leib und Seele stets gesund;— des 017 lerzu blieb sicher leine Zeit. Logogriphs: Dach— Ach!;— des Arithmogriphs: 80 Veodt zum wenigsten Offtziergewinn. 1 9, Gegen hs wäre natürlich Les die Antwort gewesen. N U RPII[CTHATRI¶U 10) Durchaus entscheidend! 8 f 2 1) Nimmt der Thurm die Dame. so folgt 33) Ses und 30) Sco 9 B R E KE N 2 12, Das Matt solgt in spätestens vier Zügen. 1 NI TLIETLII IE 5 HKfs HAN Alis der Schachwelt. 4 1 — In einem kleinen Match, der kürzlich in Simpsons Dixan ausßgefochten wurde. ift! 12 PPR ATETLIA* bur ne gegen Mackenzie mit zwei ge Partieen und einem Remis spiel S 3 g 0 Der niederländische Schachdund ielt seinen 2—— zu Rotterdam a FR TTC II AIV Hauptturnier betheiligten sich acht Spieler. Den ersten Preis(100 Gulden ertang, 13 1 den zweiten 6, Gulden! D van Forcest. den dritten(0 Gulden A va 9 8 5 ersterer mit sechs, jeder der delden lethigenonnten Herren mit 5% Gewinnpartseen. TER ICM INE. g 5 &—— Drud und Verlag der„Volls- Zeitung“, Akt.-Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Nedakteut: R. Elche in Berlin, Lützowstr. 105.