Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. zu den Oberhessischen Uuchrichten. Ur. 27. Gießen, den J. Juli. Die Eröschaft der Tante. Novelle von Max Ning. 1 Auf dem Bahnhof-Perron einer bekannten großen Stadt stand eine Gesellschaft von mehreren, den besseren Ständen an⸗ gehörigen Personen, die verwittwete Stadträthin Sänger mit ihren beiden erwachsenen Töchtern Sophie und Else und ihrem Sohn Ludwig, Referendar am Landgericht. Die frischen, prächtigen Rosensträuße in ihren Händen und die gespannten, aufgeregten Gesichter verriethen, daß die Familie mit dem nächsten Eisenbahnzug einen wichtigen oder ihnen sehr werthen Gast erwartete, welcher der Gegenstand ihrer sichtlichen Ungeduld und ihrer vertraulichen Unterhaltung war. „Ich bin nur neugierig,“ sagte Sophie, die ältere der Schwestern, eine interessante, klug aussehende Blondine von ungesähr dreiundzwanzig Jahren,„wie sich die Tante bei uns gefallen wird?“ „Hoffentlich recht gut,“ erwiderte die Mutter lebhaft.„Natür⸗ lich müssen wir Alles aufbieten, was in unserer Macht steht, um ihr den Aufenthalt so angenehm und komfortabel als möglich zu machen.“ „Ganz gewiß! Ich will mir auch die größte Mühe geben, aber ich kann Dir nicht verschweigen, daß das Zusammenleben mit ihr auch seine Bedenken hat und unter Umständen für uns sehr störend werden kann!“ „Um des Himmels Willen,“ rief die Stadträthin, sich ängst— lich nach allen Seiten umsehend, als fürchtete sie, belauscht zu werden.„Wie kannst Du nur so unvorsichtig sein und so laut reden! Wenn Jemand Dich hörte! Ich halte es für ein großes Glück, für eine besondere Fügung des Himmels, daß die Tante sich endlich entschlossen hat, in die Stadt zu ziehen und bei uns zu leben.“ „Hat denn der Onkel Bock,“ fragte die jüngere Tochter ge— spannt,„wirklich ihr ein so großes Vermögen hinterlassen?“ „Wie sie mir in ihrem letzten Briefe mittheilte, sind es mehr als dreimalhunderttausend Thaler. Obgleich sie keine Kinder hat, ist sie seine Universalerbin und kann unumschränkt über Alles verfügen. Seine Geschwister haben deshalb das Testament an⸗ gefochten, aber den Prozeß verloren und müssen sich mit einigen unbedeutenden Legaten begnügen.“ Diese für die Familie Sänger höchst wichtigen und inter⸗ essanten Mittheilungen wurden jetzt durch das Eisenbahnsignal unterbrochen, das die baldige Ankunft des Zuges anzeigte. Die Stadträthin und ihre Angehörigen rüsteten sich zu dem beabsich⸗ tigten Empfang und eilten, sich so aufzustellen, daß die von ihnen. erwartete Tante ihren zum Theil mit Brillen und Lorgnetten bewaffneten Augen nicht so leicht entgehen konnte. Wie ein umsichtiger Feldherr musterte die besorgte Mutter ihre kleine Schaar; besonders gab sie ihrem etwas leichtsinnigen Sohn die nöthigen Anweisungen wegen der Bestellung eines Wagens und der Besorgung des voraussichtlich sehr großen und umfangreichen Gepäcks. „Ich bitte Dich, Ludwig,“ mahnte sie diesen dringend,„sei nur ja recht aufmerksam und mache mir keine Deiner gewöhn— lichen Dummheiten, damit die Tante keinen Grund zu klagen findet. Der sel. Bock hat sie etwas verwöhnt und sie ist sehr eigen. Sie kann keine Vernachlässigung ertragen und würde Dir einen vergessenen Koffer oder eine gedrückte Hutschachtel nicht so leicht verzeihen.“ „Selber eine alte Schachtel,“ brummte er leise, indem er laut hinzufügte:„Du kannst ganz unbesorgt sein und Dich auf mich verlassen. Ich werde mich zum Kutscher setzen und das theure Gepäck mit Argusaugen bewachen.“ „Du wirst auch gut thun, Deine Zigarre ausgehen zu lassen. Die Tante ist gegen Tabaksgeruch sehr empfindlich und selbst der Onkel durfte in ihrer Gegenwart nicht rauchen.“ „Das scheint ja recht angenehm zu werden,“ entgegnete der lustige Referendar, indem er seine zum Glück bis auf einen klei⸗ nen Stummel ausgebrannte Zigarre zwar gehorsam, aber unmuthig fortwarf.„Hast Du sonst keine Schmerzen, liebe Mama?“ „Ich möchte Dich nur noch ersuchen, ein freundlicheres Gesicht zu machen. Du siehst so finster und verdrießlich aus, als ob Du Dich auf die Ankunft der Tante garnicht freutest, was sie Dir übel nehmen kann.“ „Ohl“ versetzte er, seinen Mund zu einem grinsenden Lächeln verzerrend.„Ich freue mich ganz unbändig und bin vergnügt wie ein lustiger Maikäfer. Ist es so recht, oder muß ich noch stärker lachen?“ „Thu' mir den einzigen Gefallen und verschone mich mit Deinen Späßen. Die Sache ist mir ernster und wichtiger, als Du Dir denkst. Vergiß nicht, daß unser Aller Glück, unsere Zukunft von dem Wohlwollen der Tante abhängt!“ In diesem Augenblick ertönte ein greller Pfiff und die Loko— motive rollte mit dem Zug brausend und zischend in die Glas— halle des Bahnhofs, eine schwarze Dampfwolke ausstoßend. Die Stadträthin lief dicht neben dem Gleise her und suchte durch die Lorgnette ihre Schwester zu entdecken. Plötzlich stieß sie einen lauten Freudenschrei aus und winkte mit dem Taschentuch und dem großen Blumenbouquet in ihren Händen. „Sie kommt, sie ist da!“ „Wo denn?“ „Dort in dem Wagen erster Klasse. und sogleich erkannt.“ Wie elektrisirt stürzte sich die ganze Familie auf das bezeich⸗ Ich habe sie gesehen 0 — 210 N ä —— ä 2 W nete Kupee los; Ludwig riß ungestüm die Thür auf und reichte in seiner Hast statt der Tante einer fremden alten Dame seinen Arm, welche entsetzt über den Anblick des unbekannten bärtigen Mannes laut aufkreischte und um Hilfe schrie, weil sie ihn für einen Taschendieb hielt oder gar ein Attentat auf ihre verblühte Schönheit befürchtete. „Mein Gott!“ rief die Stadträthin.„Wie kannst Du nur so einfältig sein. Das ist ja nicht die Tante.“ „Woher soll ich es denn wissen? Ich habe sie seit wenigstens zehn Jahren nicht gesehen.“ „So beeile Dich nur! schon aus.“ Auf dem hohen Wagentritt schwankte ängstlich eine stattliche, gut konservirte Dame von ungefähr fünfzig Jahren, in einem hellgrauen Reisemantel, darunter einen eleganten, mit schwarzen Glasperlen überladenen Traueranzug tragend; das volle, stark geröthete Gesicht von einem breitrandigen, dunklen Strohhut beschattet, in der einen Hand eine schwere Ledertasche, in der andern einen kleinen, häßlichen Affenpintscher festhaltend. Auf einen Wink der Mutter half Ludwig der so beladenen Tante beim Aussteigen, wobei der durch die lange Fahrt und die fremde Umgebung aufgeregte Hund ihn wüthend anbellte und nach seiner ausgestreckten Hand schnappte, so daß der er— schrockene Referendarius die für seine schwachen Schultern zu schwere Last fast fallen gelassen hätte, wenn sie nicht von den weit geöffneten Armen der Stadträthin und ihrer Töchter noch Es ist die höchste Zeit; sie steigt gegangen? Du sitzest doch nicht auf meiner Hutschachtel und Reisekoffern und mehreren Schachteln eingeklemmt, neben dem Kutscher sich ebenso unbehaglich fühlte. 1 So lange die Fahrt durch die Straßen der Stadt dauerte, befand sich die Tante in einer fieberhaften Aufregung, voll Furcht, daß das eine oder andere Gepäckstück herunterrutschen, verloren gehen oder gestohlen werden könnte. Aus diesem Grunde steckte sie von Zeit zu Zeit ihren Kopf aus dem Fenster, um nach⸗ zusehen und den leichtsinnigen Neffen zu ermahnen, daß er ja nur gut aufpassen sollte. 5 „Hast Du auch nichts vergessen, Ludwig?“ fragte sie besorgt. „Ist der schwarze Koffer da? Sind die Schlösser nicht auf: 1 stellst auch nicht Deine Füße darauf? Ich muß Dich schon bitten, recht vorsichtig zu sein und auf die Sachen Acht zu geben.““ „Beruhige Dich, liebe Tante!“ erwiderte der Schalk, nur mit Mühe ein spöttisches Lächeln unterdrückend.„Es ist Alles in der schönsten Verfassung und so sicher, wie in Abrahams Schooß.“ „Sage doch auch dem Kutscher,“ fuhr sie in demselben Ton fort,„daß er nicht so schnell fahren soll. Wie leicht kann der“ Wagen umwerfen, eine Tasche herunterfallen oder sonst ein Unglück geschehen, was mir sehr unangenehm wäre.“ 3 Zum Glück bestätigten sich nicht die Befürchtungen der ängst⸗ 1 lichen Dame; an dem Gepäck fehlte kein Stück und auch die 1 Hutschachtel war nicht zerdrückt. Die Zufriedenheit und gute Laune der„geliebten Tante“ wurde noch erhöht, als sie in das zur Feier ihrer Ankunft bekränzte Zimmer trat und die zu ihrem förmlichen Empfang getroffenen Vorbereitungen bemerkte. 0 Sämmtliche Räume waren behaglich durchwärmt, hell er— leuchtet und mit Blumen geschmückt. Im Speisesaal stand eine mit feinen Porzellantellern und Krystallgläsern gedeckte Tafel, welche der für die Annehmlichkeiten einer guten Küche nicht unempfänglichen und verwöhnten Amtsräthin ein ebenso feines Souper versprach. rechtzeitig aufgefangen worden wäre. „Willkommen, willkommen!“ schallte es von allen Seiten wie aus einem Munde. „Theure Schwester!“ „Gute Tante!“ „Meine lieben, lieben Kinder!“ „Wie wohl Du aussiehst! Du hast Dich auch garnicht verändert.“ —. p P],,, ,, *— a R* * . 7 S 8.—— 8— „Und Du bist ordentlich jünger geworden.“ „Das macht die Freude, Dich nach so langer Trennung wieder bei uns zu sehen.“ „Ich fürchte nur, Euch beschwerlich zu fallen.“ „Wie kannst Du glauben! Wir sind so glücklich, wie ich es garnicht sagen kann, daß wir Dich haben und Du für immer bei uns bleiben willst.“ Diese lauten Versicherungen der zärtlichen Verwandten wur— den durch herzliche Küsse und wiederholte Umarmungen noch be— kräftigt, welche die eben angekommene Tante zu erdrücken drohten. Selbst der boshafte Affenpintscher wurde nicht vergessen, sondern geliebkost und gestreichelt, was aber auf den undankbaren Hund keinen besondern Eindruck zu machen schien, indem er noch immer leise knurrend seine spitzen Zähne wies und für alle Schmei— cheleien unempfänglich blieb. ö Während der rührenden Familienscene stand eine halb städtisch, halb ländlich gekleidete Frau unbeachtet in der Nähe und be— obachtete die Betheiligten mit scharfen, mißtrauischen Blicken ihrer grünlichen Augen und mit einem kaum merklichen ver— bissenen Lächeln ihrer runzligen, zusammengekniffenen Lippen. „Was will denn die alte Hexe dort?“ fragte Ludwig seine Mutter leise.„Das Weib sieht ja so aus, als ob sie uns Alle vergiften möchte.“ „Still!“ flüsterte die Stadträthin, welche jetzt erst die ver— dächtige Frau erblickte.„Nimm Dich in Acht! Das ist ja das Faktotum der Tante, die alte Dietrich.“ Zugleich reichte sie mit übertriebener Freundlichkeit der Alten ihre Hand, welche dieselbe mit einer Mischung von geheuchelter Unterwürfigkeit und natürlicher Verschmitztheit küßte. Auf den Wunsch der Mutter begrüßten auch der Referendar und die jungen Damen mit einigen freundlichen Worten die„liebe Dietrich“, welche dazu ein Gesicht wie der griesgrämige Affenpintscher machte. Mittlerweile hatte Ludwig den Wagen bestellt und das Gepäck besorgt, worauf die Tante wie eine Fürstin, von ihrem ganzen Hofstaat begleitet, den Bahnhof verließ, um in die für sie bereit stehende elegante Equipage zu steigen, die aber für sechs Personen viel zu eng war, so daß die beiden Schwestern, zwischen denen Frau Dietrich ungenirt Platz nahm, höchst un⸗ bequem saßen, während der Referendar, zwischen zwei großen „Es thut mir nur leid,“ sagte sie freundlich,„daß Ihr Euch meinetwegen so viele Umstände macht.“ „Die sind nicht der Rede werth,“ entgegnete die Stadträthin. „Du mußt schon vorlieb nehmen und Dich mit unserem guten“ Willen begnügen. Wir sind keine reichen Leute, und ein Schelm giebt mehr, als er hat.“ f Nachdem die Tante ihren Reisemantel abgelegt und mit Hilfe ihrer Nichten die etwas in Unordnung gerathene Toilette und ihre falsche Frisur arrangirt hatte, setzte sie sich auf den Ehrenplatz am Tisch und ließ sich das wirklich vorzüglich be⸗ reitete Abendbrot und einige Gläser vom besten Wein so gut schmecken, daß sie in eine höchst gemüthliche, fast gerührte Stim- mung gerieth. 8 „Ihr glaubt garnicht, liebe Kinder,“ sagte sie bewegt,„wie wohl ich mich in Eurer Mitte fühle. Das Sprüchwort hat recht: Blut ist kein Wasser.“ f. „Ja, ja!“ versetzte die Stadträthin, ihr beistimmend und mit dem Kopfe nickend.„Es geht doch nichts im Leben über die Familie. Unsere Verwandten sind unsere geborenen Freunde, die uns die Natur geschenkt hat. Darauf wollen wir anstoßen: es lebe die Familie, meine geliebte Schwester soll leben!“ 5 „Tante Bock,“ intonirte der Referendar,„lebe hoch und abermals hoch und zum dritten Mal hoch!“ g Die ganze Familie erhob sich und stieß auf das Wohl der Tante an, daß die Gläser hell erklangen, und ließ sie immer von Neuem leben. b „Ich kann es wirklich nicht begreifen,“ sagte die Amtsräthin, nachdem sie Alle nach der Reihe geküßt und ihnen gedankt hatte, „daß ich so lange ohne Euch leben und mich auf dem Lande fern von Euch langweilen konnte.“. „Das war Deine Schuld,“ erwiderte die Stadträthin zärt⸗ lich.„Warum bist Du nicht schon früher zu uns gekommen?“ „Es war immer mein sehnlichster Wunsch, aber es ging nicht so leicht, wie Du denkst. Mein seliger Bock wollte von der Stadt nichts hören und wissen, wenn er auch sonst in Allem meinen Willen that. Nur in dem einen Punkt war er, Gott verzeih' mir die Sünde, eigensinnig wie ein störrisches Pferd.“ Nach seinem Tode hatte ich mit der Regulirung der Erbschaft und mit dem fatalen Prozeß so viel zu thun, daß ich nicht fort⸗ kommen konnte. Auch mußte ich schicklicher Weise das Trauer⸗ 0 ett ah, ren ele U orgt. alf, und con en. ni der 05. ber CTC 211.. jahr in stiller Zurückgezogenheit erst abwarten. Jetzt aber will ich mein Leben genießen und mich für die jahrelangen Ent⸗ behrungen schadlos halten, was meine Mittel mir erlauben.“ „Was wir dazu thun können, soll gewiß geschehen. Wir haben keinen weitern Wunsch, als Dir den Aufenthalt in der Stadt und in unserm Hause so angenehm als möglich zu machen.“ „Daran zweifle ich nicht. Es soll auch nicht Euer Schaden sein, und wenn ich einmal sterbe—“ f „Wie kannst Du uns nur so betrüben und von Deinem Tode sprechen! Wenn Du auch keinen Groschen hättest, würden wir Dich auf Händen tragen. Dein Geld reizt uns nicht.“ „Besser ist besser und dreimalhunderttausend Thaler sind eine schöne Sache und nicht zu verachten. „Da hast Du recht,“ platzte Ludwig heraus, dem die Mutter dafür einen strafenden Blick zuwarf.„Reichthum schändet nicht und Armuth macht nicht glücklich.“ Unter solchen bald ernsten, bald heitern Gesprächen verfloß die Zeit, bis die Tante, ermüdet von der Reise, aufstand und sich in Begleitung ihrer weiblichen Angehörigen nach dem für sie behaglich eingerichteten Schlafzimmer zurückzog, in dem sie mit sichtlichem Wohlgefallen neben ihrem breiten, bequemen Himmelbett noch ein zweites, bescheideneres Lager bemerkte. „Du denkst auch an Alles,“ sagte sie freundlich der Stadt— räthin,„und erinnerst Dich noch aus unseren Kinderjahren, daß ich nicht allein zu schlafen liebe.“ a „Meine Sophie wird sich das Vergnügen machen und Dir des Nachts Gesellschaft leisten.“ „Das kann ich nicht annehmen. Meinetwegen sollt Ihr Euch keine Gene auferlegen. Ich bin gewohnt, daß meine Dietrich bei mir schläft und mich bedient, wenn es nöthig ist. Die kennt schon meine Gewohnheiten und kleinen Eigenheiten am besten.“ „Ganz, wie es Dir beliebt,“ versetzte die Stadträthin ein wenig verstimmt.„Ich glaubte nur, daß es Dir angenehm sein würde, eine Deiner Nichten um Dich zu haben und mit ihr zu plaudern.“ „Dazu haben wir auch am Tage genügende Zeit und Gelegen— heit. Die Nacht ist zum Schlafen und nicht zum Plaudern da.“ Nachdem sich die Verwandten mit zärtlichen Wünschen für die nächtliche Ruhe verabschiedet hatten, trat die alte Dienerin leise, kaum hörbar wie eine auf Sammetpfoten schleichende Katze in das Schlafzimmer und half ihrer Gebieterin beim Auskleiden und Anlegen der Nachttoilette, gegen ihre sonstige Gewohnheit schweigend und stumm wie ein Fisch. „Nun,“ fragte die Amtsräthin,„warum bist Du denn heute so still und thust den Mund nicht auf? Wie gefällt es Dir in der Stadt bei meiner Schwester?“ „So weit ganz gut, meine gnädige Frau Amtsräthin,“ er— widerte die Alte zögernd.„Die Frau Stadträthin sind recht freundlich zu mir, die Fräuleins ganz nett und der Herr Effen— dar sehr gespaßig und unterhaltsam. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und das dicke Ende pflegt gewöhn— lich nachzukommen.“ f „Deshalb bin ich unbesorgt. Die Meinigen lieben mich und sie werden gewiß Alles thun, was sie mir an den Augen ab— sehen können.“ „Das glaub' ich gern. Man findet auch nicht alle Tage eine Tante mit dreimalhunderttausend blanken Thalern.“ „Ja wohl!“ versetzte die Amtsräthin selbstgefällig.„Dafür kann man schon etwas verlangen, und wenn sie nicht wollen, wie ich will, so kann ich noch immer thun und lassen, was und wie es mir gefällt.“ „Das stimmt!“ schürte die Alte.„Wenn ich die gnädige Frau wäre und das grausam große Vermögen hätte, würde ich den Daumen hübsch auf den Geldbeutel halten und mich von all' den schönen Reden nicht beduseln lassen.“ „Da kennst Du mich schlecht; so dumm sind wir nicht. So sehr ich auch meine Schwester und die Kinder liebe, so bekommen sie von mir einmal nicht einen Groschen, wenn sie sich nicht so benehmen, wie ich es wünsche und von ihnen fordern darf.“ Mit diesem löblichen Vorsatz und dem schmeichelhaften Be⸗ wußtsein, der Schutzengel ihrer Familie zu sein, schloß die Frau Amtsräthin ihre müden Augen und schlief den Schlaf der Ge⸗ rechten, nachdem die Dienerin die Vorhänge des prächtigen Himmelbettes zugezogen und sich ebenfalls, zufrieden mit der Wirkung ihrer Reden, auf ihr Lager hingestreckt hatte. Nicht so leicht konnten die beiden Schwestern, welche sich wegen des Besuches mit dem kleinen, nach dem Hofe gelegenen Mansardenzimmer behelfen mußten, zur Ruhe kommen. Beson—⸗ ders war die jüngere Else, eine lebhafte, sanguinische Natur, durch die Ankunft der Tante und die damit verknüpften Hoff— nungen und Aussichten im hohen Grade aufgeregt. „Nein!“ sagte das schöne, lebenslustige Mädchen, während es vor dem Spiegel ihre langen, prächtigen Zöpfe flocht und ein allerliebstes, kokettes Nachthäubchen aufsetzte,„Du kannst Dir garnicht vorstellen, wie sehr ich mich freue, daß die Tante gekommen ist und für immer bei uns bleiben wird. Jetzt hat alle Noth mit einem Mal ein Ende und wir brauchen uns wegen der Zukunft keine Sorgen mehr zu machen.“ „Wir haben doch,“ versetzte die ernstere Sophie,„auch bis— her keine Noth gelitten und von großen Sorgen nicht viel ge— wußt, wenn wir uns auch etwas einschränken und nach der Decke strecken mußten.“ „Freilich, gehungert haben wir gerade nicht und in Sack— leinewand sind wir auch nicht gegangen, aber wir waren doch gezwungen, uns manches Vergnügen zu versagen. Wenn wir ein neues Kleid verlangten oder einmal ins Theater gehen wollten, stöhnte und klagte Mama über die großen Ausgaben und unsern übertriebenen Luxus. Das wird nun Alles anders werden.“ „Ob aber besser, ist noch die Frage.“ „Mein Gott!“ rief Else ungeduldig.„Wie kannst Du noch zweifeln! Das Vermögen der Tante giebt uns eine ganz andere Stellung und verwandelt mit einem Schlage unsere Verhält— nisse. Wir werden wieder wie zu Lebzeiten des Vaters ein Haus machen, Gesellschaft bei uns sehen und ein vergnügtes Leben führen“ „Darin besteht doch nicht das wahre Glück. Ein kleiner Kreis sympathischer Menschen und aufrichtiger Freunde ist mehr werth, als all' die großen Gesellschasten, die dem Geist so wenig bieten und das Herz so leer lassen.“ f „Das ist Geschmackssache. Ich habe keine Lust, mich von der Welt zurückzuziehen, und noch weniger, eine alte Jungfer zu werden. Die Aussicht, einmal als Gesellschafterin, Erzieherin oder Klavierlehrerin sich herumstoßen zu lassen, ist gerade nicht sehr verlockend. Doch das haben wir Gottlob nicht mehr nöthig. Wenn man erst hören wird, daß wir eine reiche Tante haben, wird es uns auch nicht an Männern fehlen.“ „Du solltest Dich schämen, so zu sprechen.“ „Das sehe ich nicht ein. Das Geld spielt einmal die Haupt— rolle im Leben und ohne Vermögen ist ein Mädchen in der Gesellschaft verloren und bleibt unbeachtet, mag sie noch so schön, liebenswürdig und geistreich sein.“ „Darum verachte ich auch jeden Mann, der ein Mädchen nur ihres Geldes wegen nimmt.“ „Daran sind nur die Verhältnisse schuld. Ein Assessor ohne Gehalt und ein Arzt, der noch keine Praxis hat, können nicht ohne Vermögen heirathen. Das weißt Du am besten; Du wärst schon längst Frau Doktor Wiese, wenn Du nur das nöthige Kleingeld hättest.“ Ein leiser Seufzer, den Sophie nicht zu unterdrücken ver⸗ mochte, verrieth, daß die lebenslustige Schwester den wunden Punkt ihres Herzens berührt hatte. In der That liebte sie schon seit längerer Zeit einen ebenso tüchtigen als ehrenwerthen jüngeren Arzt, dem leider noch die genügende Praxis fehlte, um einen eigenen Hausstand zu gründen. Da auch das kleine Vermögen und die mäßige Pension der Stadträthin nicht hinreichte, ihren Töchtern eine nennenswerthe Mitgift und die nothwendige Ausstattung zu geben, so blieb den Liebenden nichts übrig, als geduldig auf bessere Zeiten zu warten, nachdem sie sich ewige Treue gelobt und sich im Stillen mit einander förmlich versprochen hatten. „Na, laß es gut sein,“ tröstete sie die leichtherzige, gut⸗ müthige Else,„und gräme Dich nicht. Vielleicht fühlt die Tante ein menschliches Rühren, wenn ihr Dein Doktor gefällt, und giebt Euch einen anständigen Zuschuß, damit Du Deinen geliebten Wiese heirathen kannst.“ 5 Die Catskill⸗Wasserfälle. 213. 5 N 8 ö 2 AA 88 8 2 —— — 3 1 5 e 214. n „Darauf hoffe ich weniger, als auf Heinrich's Tüchtigkeit. Ich zweifle nicht daran, daß er mit der Zeit zu einer guten Praxis kommen wird, wenn er sich erst bekannter gemacht hat. Wie er mir sagt, geht es ihm mit jedem Tage besser. Wir können ein oder zwei Jahre noch ruhig warten.“ In dieser Weise besprachen Beide das wichtige Ereigniß des Tages, bis ihnen die Augen zufielen und sie sanft einschliefen. Aber auch im Schlummer verfolgte sie der Gedanke an die reiche Tante, deren Ankunft die ganze Familie in eine ungewöhnliche Aufregung versetzte und eine förmliche Revolution hervorbrachte. Während aber die ernste Sophie von einer stillen Häuslich⸗ keit und bescheidenem Glück an der Seite des geliebten Mannes träumte, sah sich die anspruchsvollere Else von rosigen Bildern umgaukelt, als gefeierte und begehrte Schönheit, in der glän⸗ zendsten Toilette und in der elegantesten Equipage von einem Fest zum andern eilend, bewundert und angebetet, im Besitz einer reizenden Villa, eines großen Vermögens und eines ebenso liebenswürdigen als angesehenen Gatten, der ihr keinen Wunsch versagte und um den sie von allen Frauen beneidet wurde. (Fortsetzung folgt.) Kleine Frauen-Zeitung. Mit der sommerlichen Promenaden Toilette beginne ich heute; denn seit ich Ihnen zuletzt darüber schrieb, find in deren Bereich viele Neu⸗ heiten erschienen, wohl werth, dieselben einer näheren Besichtigung zu unterziehen. 5 Zuerst die Stoffe! Alles, was ich Ihnen bereits vor und zu Anfang dieser Saison über dieselben mitgetheilt, ist nun an das Tageslicht getreten, und so sind durch das Tragen der Moden diese befestigt. Man trägt das Genre Changeant in Seide, noch mehr die Streifen auf Seiden⸗, Wollen⸗ und Baumwollengrund. Die kleinen, zierlichen Streumusterchen, welche so viele Jahre hindurch unser Wohlgefallen 3 sie sind sehr, sehr zurück gedrängt worden. Ja, man hält sie in den Magazinen noch in einzelnen Foulards und Satinettes vorräthig, um jedem Geschmack zu genügen, aber wenn man von einer„eigentlichen Mode“ in Stoffen sprechen will, so begreift man darunter die Streifen und die mittelgroßen und großen Streudessins. 2 Man kehrt zur Baumwolle zurück und zieht für die heißen Tage nicht, wie im vergangenen Sommer, die leichten Wollengewebe vor, aus Furcht, daß jene sich zu schnell drücken und dadurch ihr Ansehen ver⸗ lieren könnte. Haben nun freilich die Satinettes, die Cretonnes, die Zephyrs, die verschiedenartigen Toiles diese mißlichen Eigenschaften nicht abgelegt, so ist das Aufbügeln derartiger Kleider doch nicht mehr so * und zeitraubend, da die Arrangements einfacher geworden. Nicht etwa, daß man auf Draperien hierbei verzichtete! Nein, sie er⸗ scheinen der Mode bei diesen leichten und frischen Geweben so noth— wendig, daß sie, um hier das dürftige Aussehen zu vermeiden, dieselben nach wie vor protegirt, aber, wie gesagt, nicht in Massen, sondern ein⸗ fach, graziös. Und nebenbei präsentirt sich das in schlichten Falten herabfließende Kleid aus Wasch⸗ oder luftigen Wollenstoffen, in der Taille gekräuselt und unten mit drei bis vier ziemlich breiten Säumen oder Aufnähern versehen, das die Mode mehr den jungen Mädchen gestattet. Also glaube man nicht, was auch einzelne Näherinnen oder Schnei⸗ derinnen, die nicht gut unterrichtet, sagen mögen, daß die Draperien unmodern geworden und das gerade, schlichte Kleid an deren Stelle getreten. Man darf überhaupt mit der Annahme einer neuen Mode, die der bisher getragenen völlig heterogen, nicht zu voreilig sein. Wie oft dringt das Neue nicht durch! Und ein Umschwung kann sich heutzutage nicht plötzlich vollziehen, sondern nur allmählich. Wir sehen dies an der Tournüre. Ich bin gewiß immer eine eifrige Gegnerin derselben ge— wesen, aber schließlich gewohnte das Auge sich daran, d. h. wo sie in den Grenzen blieb. Nun will man seit einem helben Jahre jenen Toilettenzubehör allen Ernstes beseitigen, ohne daß es gelingt. Mäßig, wie er sich jetzt durchgehends gestaltet, verletzt er nicht mehr die Blicke, und nach und nach erst kann er sich in Nichts auflöͤsen. Auf dem Wege dahin sind wir. Vorläufig indeß: zwei, hoͤchstens drei nicht zu weite Stahlreifen dem Fond des Rockes hinten eingezogen, ein kleines, sehr kleines Kissen unterhalb der Taillenbiegung! Und man fängt an, selbst auf letzteres Verzicht zu leisten. 8 Um auf die Stoffe zurückzukommen: wir haben also, wie wir er⸗ sehen, die ganze Serie unserer lieben, alten Baumwollengewebe wieder erhalten, in neuem Gewande, vorherrschend in rothem, marineblauem, leinenblauem, rohgelbem Grunde mit„Phantasiestreifen“, welche durch kleine Musterchen: Erbsen, Sterne, Rosetten, Blümchen, Ranken, Ara⸗ besken ꝛc. ꝛc. gebildet, ferner, und hier vielfach auf hellem Grunde wie beige, grau, weiß, blaßblau, rosig, rahm- und rohgelb, mit großen, oft bizarren Figurendessins indischen, persischen und chinesischen Geschmacks oder mit Blumen. die Zephyrs; einen klein karrirten Grund mit Phantasiestreifen oder mit Satinstreifen, wie der elegante Köper: große, schöͤne, lebhafte Carreaux, wie einzelne feine und leichte Toiles: durchbrochene Stretfen, durchbrochene Carreaux oder Pompadourstreifen. Derartige Toiles werden von schlichten oder einfarbigen Geweben gleicher Art begleitet. Man wird für den Aufenthalt am Meere, auf dem Lande, in den Gebirgsbaͤdern reizende, keineswegs kostspielige Toiletten aus Ulfas⸗ * Andere Baumwollen-Fabrikate hingegen zeigen, wie öffnete sich, von großem Revers umrahmt, über einer plissirten Weste aus Batist bereiten: Durchbruchsgewebe, wie Stickereien wirkend, in! rohgelbem Grunde, übersäet mit kleinen rothen oder blauen Mo 1 Solchen Kleidern giebt man eine Unterlage aus einfarbigem Batist und als Ausputz Bandschleifen, welche überhaupt den unentbehrlichen Zierrath der Sommeranzüge bilden. 5 2 5 2 5 e Da war ein Kleid aus rother Cretonne, durchstreift mit kapriziösen, rahmgelben und schwarzen Arabesken, das sich eigenartig mit dem Schmuck schwarzer Failleband⸗Schleifen ausnahm. Dieselben rafften den Rock hier und dort in Draperien auf, und eine solche Büschelschleife schloß den schwarzen Bandgürtel, welcher das Leibchen umspannte. Letzteres schwarzer Seiden⸗Bengaline. Sehr apart, sehr hübsch! Und wenn dieses Kleid in richtiger Umgebung getragen wird, mit harmonirenden Toiletten- Details, so darf es einer distingufrten Wirkung sicher sein.. Der Seidenfoulard, welchem die ihm so täuschend ähnlich sehende, viel wohlfeilere Satinette große Konkurrenz macht, hat dessenungeg tet von neuem das Privilegium erhalten, zu den eleganten Lieblingsstoffen der Sommersaison zu zählen. Es ist die Robe„en cas“, welche 1 0. allen Kombinationen 1 Sie ist einfach oder geputzt, je nach 1 Garnitur, dem Hut und den Handschuhen, welche sie begleiten. Und so eignet sie sich zu alltäglichen Promenaden und zu Ausflugen, zu freund. schaftlichen Besuchen mit dem einfachen Hut und den seidenen Face 8 ebenso gut, wie mit elegantem Zubehör zur table d hote, den Nachmittags. und Abend⸗Konzerten, wie überhaupt zu den Reunions in den Bädern. Die Nüancen in den Seidenfoulards sind in dieser Saison mehr frisch und glänzend, als verblaßt, denn erscheint auch oftmals der Grund matt, so geben die Streifen oder die Muster, welche identisch mit den. jenigen der Baumwollenstoffe, das belebende und strahlende Element und umgekehrt, ist der Grund leuchtend, so mildern die Dessins wiederum das zu Grelle. 5 5 5 Die winzigen Damenbrett- und Würfelmuster zeigen sich ebenfalls in den Foulards, weiß und roth, moosgrün und rosa, beige und blau ꝛc. Diese wie die bedruckten Foulards leihen sich zu anmuthigen Toiletten welche man vielfach mit etwas verkürzter Taille und dem breiten, seit⸗ wärts geschlossenen Direktoiregürtel(wohl von der zusammengefalteten Direktoireschärpe mit Enden zu unterscheiden) ausstattet. Derselbe be— grenzt dann das Chemisett, das Plastron oder die Guimpe— was auf eins herauskommt— und dies ist immer eine hübsche Garnitur für das Leibchen. Man fertigt das Chemiset aus Surah, Crepon, Spitzen oder Stickereien, je nach dem Grade der Eleganz, welche man der Toilette geben will, und diejenige elegantesten Suls erhält häufig den. 10 von Seidenmuslin und Spitzen, mit welchem dann selbstverständlich das Chemiset übereinstimmt. Zuweilen arrangirt man das Leibchen des Foulardkleides in kleine, dichte Fältchen, mit ebenso plissirten A welche in hohe, enge Manschetten enden. 5 Fast alle Sommerleibchen sind vorn mit Falten ausgestattet, gelegten oder drapirten, welche die Guimpe oder die Weste ein mit gekräuselten, welche sich zu beiden Seiten des vorderen 9 n niederziehen. Die Achsel bleibt kurz und der hochschulterige, oft sehr kleidsame Aermel ist von neuem modern. Nur da, wo er sich nicht vor⸗ theilhaft erweist, thut man besser, auf ihn zu verzichten. 3 Mehr und mehr Beifall gewinnt der Gürtel, und fast jede Dame hält darauf, wenigstens ein sommerliches Kleid, wenn nicht ein paar, mit Gürtel zu haben. Eine der neuesten Moden darin besteht in 10 Cent. breiten Moireband mit Atlaskehrseite, das man zusammenfe um die Taille legt, hinten übereinander kreuzt und dann unterhalb der Hüften nach vorn nimmt, um es hier in eine Schleife mit Enden zu knüpfen. Andere Gürtel, doch das sind die am wenigsten hübschen, be · ginnen an den Seiten und zeichnen vorn, durch Fischbein gesteift, e kleine Schnebbe. Nach und nach wird das Auge sich daran gewöhnen, die runde, ein wenig kurze Taille hübsch zu finden, und die ö Wespentaille wird ihrerseits verschwinden. Vorlaufig trägt man beide, die lange zu Staats- und anderen eleganten Toiletten, die kürzere ebenfalls zu eleganten Kleidern, noch mehr zu alltäglichen. Der Gürtel mit Bandschleife seitwärts ist der gesuchteste, weniger 1. den Gürtel mit Schnalle, doch ist er keineswegs aus der Mode. Eine schöne Schnalle alten Stils, welche einen Atlasgürtel befestigt, ist wohl geschmackvoll, wenn sie sich dem übrigen Schmuck anpaßt. Es kommt immer darauf an, wie man die Sachen trägt. 0 Die Visiten, Mantelets, Fichus, kurz: Umhüllungen nehmen eine immer kleinere Gestalt an, so daß sie kaum das Leibchen decken. — sie aus beliebigen Stoffen her, vorausgesetzt, daß dieselben wider · tandsfähig genug sind, um die Perlenzierrathen, die Passementerten zu tragen. Der Brokat, der Sammet, der Peking, die Moire dienen den Garnituren als Fond, denn diese sind es, welche die eigentliche Hülle bilden. Man hat Aermel, Rücken- und Vordertheile in Posamentier⸗ arbeit oder in Perlen. In anderer Weise bilden Spitzen den Aus putz, welche wieder oft durch Perlenornamente belebt werden. Junge Mädchen tragen vielfach kleine Vetements mit Capüchon und mit umgeschlagenen Aermeln, eine Art von Pelerine, aus heller Changeantseide zu Kleidern aus Mousseline de laiue, Volle, Etamine und Sommer-Limousine. 3 5 Dieses Nichts einer sommerlichen Hülle erhält noch mehr Cachet, wenn es der Toilette angepaßt ist, wie z. B. bei folgender: über einen schlichten Rock aus altrosa Taffet fallt eine schön drapirte Tunika aus weißem Wollenstoff. Die Aermel sind aus rosa Taffet mit weißwollenen Epaulettes, und das weiße Leibchen kreuzt sich über eine plissirte Dra⸗ perie aus rosa Taffet. Um dasselbe legt sich die weiße Pelerine, die, wie der dazu gehörende Capüchon, rosa gefüttert ist. Der breitkrämpige und ag daee fese Hut aus weißem Stroh hat als Ausputz einen großen Strauß rosa Rosen. 1 Freren 1„ 5 re, 215. Ich spreche wiederholt von dem Jaquette, denn es ist ein unwandel⸗ bares Kleidungsstück. Man trägt es, man legt es bei Seite und nimmt es wieder mit demselben Vergnügen auf. Nur werden von Zeit zu Zeit einige kleine Varianten hineingebracht. Gegenwärtig hat das geöffnete Jaquette die meisten Erfolge. Im Rücken anschließend, zeigt es die auseinander stehenden Vordertheile, welche nie geschlossen werden können und das Leibchen sehen lassen, gerade, aber doch nicht weit; es ist mit einem umgeschlagenen Kragen versehen, der in Revers ausläuft. Der⸗ artige Jaquetts werden aus leichten Tuchen gefertigt und mit Changeant⸗ seide gefüttert. Die Lieblingstöne darin sind mastixfarben, grau, goblin⸗ blau, goldbraun, tabakbraun und schwarz. Die schwarzen Hüte sind an der Tagesordnung, so sehr man die Farbe— die rothen und die gelben wie die mit dem Kleid korrespon— direnden Strohhüte— in den Vordergrund bringen will. Man hofft indeß, daß sie in der Sommerfrische zu ihrer vollen Geltung gelangen werden. Hier sieht man also vorzugsweise schwarze Bast- und schwarze englische Strohhüte, geziert mit Wogen schwarzen Spitzentülls, mit schwarzen Bandschleifen, schwarzen Straußfedermassen, schwarzen Jet⸗ zierrathen. Andererseits, um den düsteren Eindruck zu mildern, fügt man weiße oder farbige Blumensträuße hinzu oder bringt auf eklatante Weise das Schwarz in Verbindung mit Moosgrün, Roth oder Weiß, denn das sind Kompositionen, die sich erhalten und durch ihre geschickte und graziöse Anordnung immer neue Triumphe feiern. Auch die Zu⸗ sammenstellung von Schwarz und Gelb, von Schwarz und Frühlings grün(jeune pousse: jenes sanfte und zarte Grün, das zuerst an Bäumen und Sträuchern hervorbricht) wird viel getragen. Wie modern ist überhaupt wieder das Grün geworden! Da giebt es außer dem genannten„pousse“ das Stielgrün(tige), das Froschgrün, Reseda, Lindengrün, Grillengrün, Moosgfün, Pistaziengrün, Chartreuse, Malachitgrün. Die kleine Capote ist und bleibt der bevorzugte Liebling der Damen, der jungen und der alten, wie derjenigen, welche weder jung noch alt sind. führte. Dieses rettende Wasser befand sich aber in einem von unseren Gegnern besetzten Gehöft, und mußte also erst erobert werden. Ich als Führer der zu diesem Behufe abgeschickten Abtheilung umreite nun bei nächtlicher Weile jenes Gehöft, welches am Rande eines Abgrundes steht. Als ich mich eben an einer Stelle befinde, wo ein Ausweichen unmöglich ist, begegnet mir ebenfalls zu Pferde Oberst Perez von unserer Partei. Wir kommen überein, zu losen, welcher von uns sich in den Abgrund stürzen solle. Es fragte sich jetzt, wie wir losen sollten. Alle im gewöhnlichen Leben üblichen Methoden waren in Berücksichtigung der Umstände und besonders wegen der Finsterniß unausführbar. Der Oberst ersann ein Mittel, an das ich nicht gedacht.„Ich will Euch etwas sagen, Senor Kapitän,“ sprach er,„mir fällt ein Mittel ein. Die Angst entreißt unseren Pferden dann und wann ein geräuschvolles Schnauben. Derjenige von uns, dessen Pferd zuerst wieder schnaubt—“ „Hat gewonnen?“ rief ich.—„Hat verloren. Ich weiß, daß Ihr ein campesino seid, und daß Euresgleichen mit ihren Pferden machen können, was sie wollen. Ich meines Theils, der vergangenes Jahr noch den Studien auf der Universität obgelegen, fordere Eure equestrische Geschick— lichkeit heraus. Ihr mögt Euer Pferd zum Schnauben bringen können, es daran zu verhindern, ist etwas Anderes.“ Wir erwarteten in angstvollem Schweigen, das der Athemzug eines unserer Pferde sich vernehmen ließ. Dieses Schweigen dauerte eine Minute,— eine Ewigkeit! Mein Pferd schnaubte zuerst. Der Oberst verrieth durch kein äußeres Zeichen, daß er sich freute, ohne Zweifel aber dankte er Gott aus tiefster Seele.„Ihr bewilligt mir doch eine Minute, um mich dem Himmel zu empfehlen?“ fragte ich den Oberst mit erloschener Stimme.—„Sind fünf Minuten genug?“„Ja,“ antwortete ich. Der Oberst nahm seine Uhr hervor und zündete eine neue Cigarrette an. Ich sandte ein inbrünstiges Gebet zu dem sternbesäeten Himmel empor, den ich zum letzten Male zu betrachten glaubte.„Die Zeit ist um,“ sagte der Oberst. Ich erwiderte nichts und nahm mit zitternder 1 Ganz nach Belieben unterdrückt man bei derselben die Bindebänder oder hält daran fest; in letzterem Falle bringt man sie fast durchgängig am Fond an. Runde Strohhüte, welche man vielfach mit schwarzem Fond und heller, vorzugsweise weißer oder gelber Krämpe bereitet, erhalten als Garnitur zuweilen nichts weiter als eine handvoll Blumen: Schneebälle, Flieder, weißen und lila, weißen und rosigen untereinander gemischt, Hand die Zügel meines Pferdes zusammen.—„Noch eine Minute,“ sagte ich zu dem Oberst,„denn ich bedarf meiner ganzen Geistesgegenwart, N um das fürchterliche Manöver auszuführen, das ich beabsichtige.“— „Zugestanden!“ versetzte Perez. Ich habe meine Kindheit und meine erste Jugend fast beständig auf dem Pferde zugebracht, und ich kann wohl sagen, ohne mir zu schmeicheln, daß, wenn überhaupt Jemand dieses equestrische Kunststück auszuführen ver— mochte, ich es wohl am besten konnte. Ich raffte mich auf, und es gelang mir, Angesichts des Todes meine ganze Kaltblütigkeit wieder zu gewinnen. Als mein Pferd zum zweiten Male wieder seit meinem Zusammen⸗ treffen mit dem Oberst das Gebiß im Maule fühlte, bemerkte ich, daß es unter mir zusammenfuhr. Ich stellte mich fast in die Steigbügel, um dem geängstigten Thiere zu zeigen, daß ich, sein Reiter, nicht zitterte. ff Rosen in verschiedenen Farben. Oder man schlingt eine weiße Echarpe aus Krepp, Tüll oder Gaze um den Hut, aus welcher Strahlenbüschel weißer Maiblumen hervorschießen. 8 Toques werden viel getragen, zumal die englischen, welche ganz leicht oval gestaltet sind und sich hinten auf einem kleinen, runden, tief esteckten Chignon, die echt englische Haarfrisur, stützen. Ich habe eine beige Toque aus tabakbraunem Stroh bemerkt. Vorn breitete sich ein Chiffonné von braunem Sammet aus, und seitwärts prangte ein Bouquet Veilchen. Joese Blätter. Die Catskill⸗Wasserfälle.(Siehe Illustration). Im weiten Länder⸗ gebiet der Vereinigten Staaten hat kaum ein anderer Strom so schöne Ufer aufzuweisen, als der Hudson, welcher sich bei Newyork in's atlantische Meer ergießt. Die Hudsonufer entbehren auch einer gewissen Romantik nicht. In die Catskillberge, deren Thäler von schöͤnen Laubwäldern durchzogen, deren Höhen mit Fichten bestanden sind, hat Cooper den Schauplatz für seine Indianergeschichten verlegt. Die Höhen des Catskill sind von Sagen umwoben. Washington Irving erzählt in seinem Sketsch⸗ Book die hübsche Sage von Rip van Winkle, jenem holländischen Au⸗ siedler, der in den Catskillbergen dem Geist des Hendrik Hudson und andern Spukgestalten begegnete und der mit einem Zaubertrank im Leibe Jahrzehnte lang schlief, so daß er als Greis sein Heimatsdorf wiedersah, das er als junger Mann verlassen hatte. Die waldreichen Catskillberge erinnern an die Höhenzüge Thüringens, aber sie haben etwas vor diesen voraus, nämlich die wundervolle Aussicht auf das weite Hudsonthal und die gewaltige Stadt Newyork. Ein Panorama, wie es der Blick des Besuchers vom Mountain-House aus überfliegt, gehört zu den größten Sehenswürdigkeiten der Welt. Eine der schönsten Zierden dieses Ufer⸗ gebirges bilden die Wasserfälle in der Kauterskill⸗Clove, einer hundert Meter tiefen Waldschlucht. Ueber den Fels herab stürzen die Wasser in einen weiten Kessel, schäumen und brodeln darin, ergießen sich über die Ränder und fallen in einer zweiten Kaskade zur Thalsohle herab. Die von den schäumenden Wassern durchbrauste Schlucht erhält ihren vollen romantischen Zauber erst in hellen Mondnächten. R. E. Ein Reiterkunststück. Lauge Zeit hat mein Freund v. K., reich und unabhängig, seiner Lust gefröhnt, aller Herren Länder zu durchstreifen, und seiner Thaten- oder vielmehr Abenteuerlust Genüge geleistet. Vor Ich unterstützte es mit dem Zaum und den Schenkeln, wie jeder guter Reiter auf einem gefährlichen Wege, und es gelang mir, es einige Schritte zurücktreten zu lassen. Schon war sein Kopf von dem des anderen ferdes etwas weiter entfernt und der Oberst ermuthigte mich durch urufen. Ich ließ das zitternde Pferd, das mir trotz seiner Angst ge— horchte, ein wenig ruhen, dann begann ich das nämliche Manöver wieder. Plötzlich fühlte ich, daß es mit den Hinterfüßen ausglitt, ein Schauder durchrieselte meinen ganzen Körper; ich schloß die Augen, als ob ich schon in den Abgrund hinunterrollte, und drückte mich mit einer unwillkürlichen Bewegung an die Mauer der Hacienda, deren Mauer— fläche mir nicht den kleinsten Vorsprung, keinen Grashalm darbot, an dem ich mich hätte festhalten können. Diese plötzliche Bewegung, ver— bunden mit einer verzweifelten Bewegung des Pferdes, rettete mir das Leben. Es war ihm gelungen, wieder festen Fuß zu fassen. So hatte ich eine Stelle erreicht, wo der Pfad breiter war. Wäre er nur einige Zolle noch breiter gewesen, so hätte ich umwenden können; aber es war zu gefährlich und ich unterließ es daher. Ich wollte noch ein Stück zurück. Zwei Mal bäumte sich das Pferd und zwei Mal fielen seine Vorderfüße wieder auf die nämliche Stelle zurück. Umsonst cajolirte ich es mit der Stimme, mit dem Zügel, mit den Sporen. Das Thier weigerte sich hartnäckig, noch einen Schritt weiter zurückzutreten. Mein Muth war indessen noch nicht zu Ende, denn ich hatte keine Lust, zu sterben. Da fuhr mir plötzlich das letzte und einzige Rettungs— mittel, das mir noch blieb, durch den Kopf; ich beschloß, es anzuwenden. Ich trug im Stiefelschafte ein langes, spitzes Messer bei mir; dieses zog ich heraus. Ich begann nun zuvörderst mit der linken Hand den Hals des Pferdes zu streicheln, während ich es zugleich durch sanftes Zureden beruhigte. Das arme Thier antwortete auf meine Liebkosungen durch ein klagendes Gewieher. Um es nicht zu sehr zu überraschen, folgte meine Hand langsam der Krümmung seines muskulösen Halses, bis sie an die Stelle kam, wo der letzte Wirbel an den Hirnschädel sich anschließt. Das Pferd erbebte unter mir, aber ich beschwichtigte es durch freundliche Worte, und als ich unter meinen Fingern gleichsam das Leben im Ge⸗ hirn fühlte, beugte ich mich nach der Mauer zu, zog allmählig die Füße 1 ö Kurzem kehrte er nach einer Abwesenheit von fast 15 Jahren zurück, 11 und wir waren mehrere Wochen hindurch in Berlin jeden Abend zu- aus den Bügeln und stieß die scharfe Klinge meines Messers in den ö 7 ö 1 9 sammen, er als Erzähler, ich als Zuhörer, und zwar als ein sehr auf.]Hauptsitz der Lebensthätigkeit. Das Thier brach, wie vom Blitz getroffen, 1 merksamer, weil er Land und Leute schilderte von Gegenden, die ich auch[unter mir zusammen, und ich ritt oder kauerte vielmehr auf einem Ka⸗ 0 1 einst bereist habe, so von Mexiko! daver. Ich war gerettet. Ich stieß einen Triumphruf aus, auf welchen 1 1 Das gewährte ja, besonders früher, genug Abenteuer mit den ewigen ein anderer des Obersten antwortete und den das Echo des Abgrundes 1 1 ö Pronunciamentos seiner vielen Generale, und v. K. hatte viele dieser wiederholte, als hätte er erkannt, daß seine Beute ihm entschlüpft war. * Aufstände mitgemacht. Eine Episode in seinen Erzählungen fesselte mich Ich stieg aus dem Sattel, lehnte mich mit dem Rücken fest an die 0 besonders.„Eine größere Abtheilung Aufständischer, und ich mit ihr,“] Mauer und gab mit beiden Füßen dem Leichnam meines armes Gaules — erzählte er,„zog eines Tages, es war der 18. Juli 187. durch eine der einen kräftigen Stoß, so daß er in den Abgrund hinunterstürzte. Dann 4 vielen wasserlosen Wuͤsten Mexiko's. Die Qualen des Durstes wurden stand ich auf, eilte in vollem Laufe den Pfad zurück bis in's Freie und, R so unerträglich, daß unsere Soldaten im Begriffe waren, in Meuterei kaum hier angekommen, fiel ich unter der unwiderstehlichen Rückwirkung 1 auszubrechen, als ein glücklicher Zufall zu der Entdeckung einer Cisterne[ der so lange unterdrückten Angst ohnmächtig zu Boden.“ Dr. A. B. 1 5 * 5 g P . 7 3 1 Buchstaben⸗Räthsel. Die nachfolgenden Buchstaben: 4 a a a a a ee d Te eee ee e se e hh h h Ii i HHH n n n n—ẽ Mꝰ„“N o „%% p b. 5 R 8 8 1 4 1 sollen nach dem Muster obiger Figur so zusammengestellt werden, daß die Diagonalen einen Gipfel im Riesengebirge nennen. Die elf Worte bezeichnen: 1. Einen Buchstaben. 2. Ein Fürwort. 3. Einen Vogel. 4. Ein Musikinstrument. 5. Eine Blume. 6. Einen Gipfel im Riesengebirge. 7. Eine religiöse Sekte in Rußland. 8. Eine Provinz in Italien. 9. Ein Vorgebirge an der Westküste von Südafrika. 10. Einen berühmten Bade⸗ ort in Belgien. 11. Einen Buchstaben. Kapsel-Näthsel. Versuch's, das Ende von dem einen Den Anfang von dem nächsten Wort Geschickt zu neuem Wort zu einen, Und was du suchst, hast du sofort. J. Einen Planeten. 2. Eine Stadt an der Saale. 3. Den Theil eines Ganzen. 4. Einen Gegenstand aus Hanf. 5. Einen Nebenfluß des Rhein. 6. Einen Fluß in Norddeutschland. Dein Wollen wachse nicht und beuge sich nicht; aber dein Wissen neige sich beweglich nach allen Gegenden des Lichtes: so gleichst du den Bäumen: ihr Stamm steigt aufrecht dem Himmel zu; aber ihr Wipfel beugt sich immer, obwohl nach der Sonne nur. Jean Paul. Viersilbige Charade. Man bringt uns über Land und Meer Die ersten beiden Silben her, Um sie in Feuersgluth zu brennen.— Es wird das zweite Silbenpaar An uns geknüpft durch zarte Bande, Allein das Ganze ist fürwahr Nicht sehr zu loben und zu preisen.— Vom Ganzen auch die Sage geht, Daß durch das ganze Alphabet Von ihm der Nachste wird belächelt, Verhoͤhnt, verklatscht und durchgehechelt. Auflösung des Logogriph in voriger Nummer: Schmerz, Scherz;— des Arithmogriph: Wörth. Sedan. J. Wallis. 2. Osterde. 3. Richard. 4. Thusnelda. 5. Hagen;— der Koͤnigspromenade: Wenn einst die Dichtung ohne Erben Von dieser Erde wandern muß, Dann werden alle Blumen sterben, Eh' sie erschloß der Sonne Kuß; Dann werden sternenleer die Nächte, Der Erde Farben blaß und todt; Dann fehlt dem menschlichen Geschlechte Die Thraͤne in des Lebens Noth. Rudolf von Gottschall. — der arithmetrischen Aufgabe: 10127 525322947 340362133 162015 12 19 46 9 8 8714 20 11 22 4124 28 253 18 35 38 17456 23 3049 48 439 181441317140 1231 Sho 17) Dhö zc. es ist daher der 2 nach a8 erzwungen. Schach. Problem Nr. 514 von G. Sabin in Berlin. Schwarz. I . „. „„ HK S E 1. E ,, 1 N Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Partie Nr. 290. Gespielt am 17. August 1887 im Jubiläums- Turnier der Berliner Schachgesellschaft. Weiß: W. Kirdorf in Crefeld.— Schwarz: O. Cordel in Charlottenburg. 1 1) e2—e4 7 e5 33) Lb5- e ea 2) 8g1-f3 Sbs c 35 13-d! 7 5 3) LfI—b5 LfS e550) 35) Tal-b!-e. 4) 02—0 8g8—16 36) Ses—e2 Ld4— 5) 0-02) 6—0 37) Tha—h6 Sb6— 47 6) d2— da Leb 38) Se2— es Le5-es: 7) Lel-g5 Dds ess) 39) 12—es: Tas— a2: 8) Lg5 6 976: 40) KglfI Kba—g8 9) da- d 6 e7 Die Partie wurde in dieser Stellung ab⸗ 10) Stà—h4 Se- 6 gebrochen und später von Schwarz gewonnen. 12 8 5 2 Stellung nach dem 15. Zuge. 13) Lbö—a4 IL56—a7 Weiß kann das Matt in spätestens neun 15 Tfi—di b7—b5 7) e 15) 71d1 435) 178—g8 16) Tda—h325) 8g6—18 17) Dhö-—b4 1788-85 10 Ladd“) d7-d 19) LdI-g4 a6- a5 20) Sb1—d2 b5—b4 21) 8d2—13 185—g6 22) 3b: a5—b4: 23) Lg4 5 LeS fs: 24) e465 196-47 25) Dh4—f6 St8-d 26) Dfé—h4 Des-g8 27) g2—g3 7—16 28) Dh4—bg4:“) Dgs- db: 29) Db4— dz Dd5—d2: 30) S3 dz: La7-d 31) 8Sd2—c4 d6-d 32) Sete Sd7-b 1) Dieses gilt als eine der minder guten Vertheidigungen in der Benda Partie. Datz Bilgnersche Handbuch führt hiergegen den Angriff mit 402 ccc zum orthell von 22 2 Gegen 5 42.4 giebt Cordel, abweichend vom Handbuch, den Rüczug des ers nach e7 als das Beste an. 3) Der 40095 Zug, der den Verlust eines Bauern abwendet; in Betracht lam die Fort setzung 47-6 8) Leg biet 9 died dieb 10) Das Tas. 1) Seb Tes mit ziemlich gutem Spiel für den eingebüßten Bauern. 4 Tis—gs mußte schon jetzt geschehen. 5) Das schwarze Spiel ist nun rettungslos verloren. es droht Tag hg. wonach dal Damen. matt auf h7 nicht zu deen ist. Mit Set ist die Drohung offenbar nicht zu pariren. denn 160 DU 60 Herr Kirdotf sah die nachstehende Malifübrung. welche durch das Dammopfar 17 hoͤchst 1 eingeleitet wird, erst nach dem Schlusse der Partie: 16 DPpff hf 170 Shad 18 Tha Ks 19 Thct Nes 2% 88 58. Tas, so 21 b4f Kg 22) und Läufer oder Bauer giebt Malt] 21) K 2 102 22 K 183 23/ Kg und 24 h-baf. 7 Dieser Zug 1— zugleich b7—h5 mit folgendem Scl. 8) Durch dieses Uebersehen geht der Angriff auf den. über; mit 28) 1.86 dun We noch ein gutes Angriffsspiel debalten. es konnte alsdann entweder der Thurm über el und nach 84 oder h geipielt werden oder, falle Schwarz den Springer sosort nach ch licht, zunachft Sd und alsdann Tel und Sed c. geschehen. Briefwechsel. D. W. W. in B. Ihre Lösung zu Nr. 510 wäre richtig ohne den Gegenzug 131-44, der allein die Mattführun— b„ Dr. W. in M. In Fr. den sehr starken. nicht genügenden Damenzug mit 5862—ef oder(4! die solgende Aufgabe ist edenfaus auch die zweite Varfante erledigt sich in der gegebenen Stellung. Drud und Verlag der„Volks- Zeitung“, Akt.-Ges. in Berlin. Luützowsir 105.— Verantwortlicher Nedaktrur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. U 510 vertheidigt sich Schwarz gegen r aber— 9