9 N 2 zu den HOuerhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 31. Gießen, den 31. Juli. Ein Jichtenbaum steht einsam. Novelle von M. Elton. (Fortsetzung.) Es fiel ein tiefer Schnee und Guy blieb mißmuthig am Kamin, in welchen er beträchtliche Scheite Holz warf. Ohne eine Bemerkung zu machen, blieb die Gräfin in der Bibliothek und schrieb rastlos an ihrem Arbeitstisch. Nachts war es immer dasselbe, ich hörte ihren leisen eiligen Tritt zu jeder Stunde, und nie kam am Tage eine Klage über Müdigkeit, oder sonstiges Unwohlsein über ihre Lippen. Kein Mensch kam zu ihr, kein Besuch füllte ihr einige Stunden des Tages aus, sie fühlte kein Bedürfniß nach Menschen, ihre Bibliothek war ihr Trost und Zuflucht. Obgleich ich nie eine subjektive Aeußerung von ihr gehört hatte, und sie sich immer hinter Lafontaine oder eine andere Autorität versteckte, wenn sie sich über⸗ haupt äußern wollte, so konnte ich doch, wenn ich mir Alles zu— sammen faßte, sie zu den Menschenseelen zählen, deren Abend ohne Versöhnung mit der Vergangenheit gekommen ist. Unter dem hoch über der Stirne sich erhebenden Silberhaar irrten die grauen Augen unruhig, es fehlte diesem Greisenalter der Frieden und die Ruhe. Abends nach dem Essen kam sie bisweilen in den Salon. Man sah, daß sie sich in dem Zimmer, das Guy, aus Mangel an einem andern Zeitvertreib, behaglich durchwärmte, nervös erregt fühlte. Sie warf die Haube auf einen Seitentisch, ihre Wangen glühten und ihre Bemerkungen waren noch schroffer wie gewöhnlich. Guy in seiner ungeschickten Weise, oder soll ich wirklich sagen: berechneten Absichtlichkeit, erzählte von einem jungen Mädchen, das einige Tage vorher seine Tischnachbarin bei einem Jagdessen gewesen war, die gerade erst eine klösterliche Erziehungsanstalt verlassen und so blöde und schüchtern gewesen, daß sie statt zu antworten, erröthete und Thränen in die Augen bekam. „Sie wird mit ihrer Eitelkeit und Selbstüberschätzung wenig Glück in der Gesellschaft haben,“ warf die Gräfin leicht hin. „Kennst Du sie?“ fragte Guy und sah verwundert seine Groß— mutter an. „Ich kenne Niemand hier,“ antwortete sie,„ich sage nur, daß das unsichere Wesen den Andern gegenüber, die sogenannte Ver⸗ legenheit nur aus der krankhaft hohen Meinung entspringt, die Einer von sich hegt; ein wahrhaft bescheidener Mensch giebt sich schlicht und einfach und ist nicht im beständigen Kampfe mit sich, mehr geben zu wollen als er hat.“ f Guy schaute frappirt bald mich, bald die Gräfin an und fing dann an in sich hinein zu kichern, indem er vergnügt seine Hände auf den Knieen rieb. Mir war es glühend heiß in die Augen ge⸗ stiegen, so daß ich wie durch einen Nebel die scharfen durchdringenden Augen der Dame auf mich gerichtet sah. Zum ersten Mal wagte ich ihren Ausspruch zu widerlegen, jedenfalls sehr ungeschickt, indem ich mit einiger Heftigkeit sprach. Richter in seiner eigenen Sache sein.“ Es war mir, als hätte ich einen schweren Schlag auf den Kopf bekommen, selbst mein Schüler stellte das Kichern ein und stocherte verlegen im Feuer. Der Krieg war also zwischen der alten Frau und mir eröffnet, ich stand auf, verbeugte mich und begab mich auf mein Zimmer. N Am folgenden Tage fühlte ich mich freier und unabhängiger der Gräfin gegenüber. Sie sah mich groß an, als ich ihr Prinzip an⸗ griff, daß ein anständiger Mensch nie weder die Religion noch die Politik zum Gegenstand der Diekussion mache. „Beide lassen sich nicht unter demselben Gesichtspunkt betrachten,“ bemerkte ich.„Der christliche Glaube ist eine eherne Festung, die unantastbar ist, und an der alle Meinungen ohnmächtig abprallen, die Politik aber ist ein gar unbeständiges Ding, das ja eigentlich nur den Meinungen und der Diskussion sein ephemeres Leben zu danken hat.“ Die Gräfin war starre Legitimistin, sie kümmerte sich um keine andere Politik als um die, welche sich um den letzten der Bourbonen, um den in der Verbannung lebenden Grafen Chambord drehte. Ihr graues Auge funkelte einen Augenblick empört, daß ich die Mission ihrer Dynastie von Gottes Gnaden so leicht nahm, darauf aber ver— neigte sie sich spöttisch gegen mich und sagte scharf:„Sie haben recht, mein Herr,“ und schnitt die Unterhaltung kurz ab. Ein kleines ovales Miniaturbildchen über dem Kamin hatte schon oft meine Aufmerksamkeit gefesselt. Es kam mir so bekannt vor, ich suchte fort und fort in meiner Erinnerung, wo ich das junge Mädchen, oder das Aquarell schon gesehen haben konnte. Das hübsche Kind war mir gewiß nicht auf meinem Lebensweg begegnet, denn es trug die Mode des ersten Kaiserreichs. Ein weißes Kleid mit ganz kurzer Taille, um die ein rosenrothes Band ge— schlungen war und den Kopf voll dichter kleiner kastanienbrauner Löckchen. Das Gesicht war so rosig, der Ausdruck so fröhlich schalk— haft, daß es wohl für Jeden anziehend war und man leicht zu dem Glauben kommen konnte, das schelmische ansprechende Gesichtchen schon gesehen zu haben. Als die Gräfin erklärte, das sei sie im Alter von siebenzehn Jahren, war es mir leid, daß ich es bereits geäußert, das Gesicht käme mir bekannt vor. „Es ist kaum anzunehmen, daß noch ein Schatten von Aehnlichkeit existirt, das Bildchen ist 1814 gemalt, mein Lieber, und heute schreiben wir 1862,“ sagte sie nachdenkend und nahm es in die Hand und betrachtete es lange.„Ich habe einmal, ebenfalls 1814, eine Kopie davon gemacht; das ist Alles schon gar lange her und ist doch noch so erstaunlich frisch in der Erinnerung,“ sprach sie, wie zu sich selbst, und der herbe Ausdruck um ihren Mund milderte sich, als sie in Gedanken verloren das Bildchen betrachtete. Wir begegneten uns oft in der Bibliothek und es schien ihr zu Als ich geendet, sagte sie kalt:„Mein Herr, Niemand kann EN, 242. gefallen, daß ich ihren Liebling Lafontaine eifrig studirte; unsere Beziehungen wurden überhaupt interessanter, seit ich muthig auch meine Meinung hören ließ, die sehr oft nicht die ihrige war. Sie war offenbar an keinen Widerspruch gewöhnt und liebte ihn nicht, und daraus entspannen sich denn Aufsässigkeiten, die, so unschuldiger Natur sie auch waren, nichts dazu beitrugen, mir den Aufenthalt. in der Nähe der alten Dame angenehmer zu machen. Ich legte ihnen jedoch viel weniger Gewicht bei, seit mir die Frau ein hohes Interesse, mit herzlichem Mitleid gepaart, einflößte. „Sie lassen immer die Thüre auf, Herr Prezepteur,“ fuhr sie nervös auf, als wir beim Frühstück saßen. „Herr Liäbär ist nicht durch die Thüre eingetreten, die offen steht, sondern durch die entgegengesetzte,“ sagte mein Schüler lachend. Nun wendete sich ihr Aerger gegen ihn, zum ersten Mal, seit wir ihre Gäste waren; er schwieg aber und aß fröhlich darauf los. „Das wird doch zu arg mit der Großmama,“ bemerkte Guy kopfschüttelnd,„so weit ist sie bei Ihrem Vorgänger nicht gegangen, und doch hat er erklärt, kein zweites Mal mehr nach Pincy gehen zu wollen.“ „Wenn Sie meiner müde sind, so sagen Sie es nur ehrlich heraus,“ sagte ich und trat dicht vor ihn hin;„im Uebrigen wünsche ich, daß die Bemerkungen über das Thun und Lassen Ihrer Groß⸗ mama mir gegenüber aufhören. Ich bitte, sie nicht zu ärgern und zu reizen, selbst nicht in der guten Absicht, meine Vertheidigung zu übernehmen.“ Es war gut, daß das Wetter sich wieder aufklärte und Guy den ganzen Tag auf der Jagd war, seine Einmischung machte mir erst recht die Nörgeleien der alten Dame unerträglich. Unter vier Augen ertrug ich ihre Bemerkungen, hatte auch öfters eine gar nicht ungeschickte Erwiderung darauf, die sie wohl für den Augenblick ärgerte, aber immer mehr die Benennung, die ich stets ohne Er⸗ wähnung an mir vorbeigehen ließ, in dem Hintergrund verschwinden ließ.„Monsteur le Lievre“ verlor die Bedeutung, als ich ihre Absicht nicht mehr zu bemerken schien. Manchmal wurde ich nun doch der Geschichte überdrüssig, da hatte ich bald ein Buch in der Bibliothek verlegt, bald mein Glas bei Tische nicht ausgetrunken, welches, wie sie sagte, gegen den guten Ton verstieß, und so ging es bis zum Abend. Nach solchen Tagen über⸗ wachte mich Guy's lauernder Blick, wenn ich Abends schweigsam beim Essen saß und ihn die kurzen Bemerkungen mit seiner Groß⸗ mutter allein austauschen ließ. Ich schrieb an die Marquise, daß im Falle ihr Sohn seinen Aufenthalt in Pincy zu verlängern ge. denke. ich es mit ihrer gütigen Erlaubniß vorziehen werde, nach ss zurückzukehren, indem ich meine einzige Nützlichkeit in der Jurückbegleitung von Pinecy nach Paris sähe, die vielleicht zu theuer durch wochenlanges müßiges Warten erkauft sein möge.— Die Marquise schrieb sofort zurück, daß sie ja Alles wisse und verstehe, und daß sie an ihren Sohn schreiben werde, innerhalb acht Tagen wieder in Paris zu sein, da sein Onkel und Vormund seinen Be⸗ such angemeldet habe, der eine Verlängerung des Jagdvergnügens in der Champagne mißfällig aufnehmen werde. So sei auch ja nun Allen geholfen und sie freue sich, daß das Stückchen Fegfeuer für mich seinem Ende nahe. „Wollen Sie dem Pfarrer von Pincy keinen Besuch machen?“ fragte mich Gräfin Dutillier.„Sie suchen nicht Bekanntschaften zu machen, haben Sie keine Langeweile hier?“ Ich hatte nicht„guten Ton“ genug, um es zu verneinen; sie lächelte etwas geringschätzend über meine Offenheit und rief:„Ja, mein Lieber, warum haben Sie denn nicht Abhilfe geschaffen? es sind doch Menschen hier, die ungefähr so sind, wie die meisten andern, und wenn man Menschen zur Ausfüllung der Tage haben muß, so ist man im Allgemeinen nicht wählerisch in Hinsicht ihrer Geistes⸗ produktionen.“ a Nachmittags besuchte ich den Pfarrer. Er war ein heiterer, gesprächiger Mann über die mittlern Jahre, und wir saßen bald recht gemüthlich bei einem Glas Wein eignen Wachsthums, vor dem man Respekt haben mußte. Es ist so natürlich, daß zwei Menschen, zwischen denen es so wenig Berührungspunkte giebt, nach dem Nächst⸗ liegenden greifen, und so kann es, daß sich unsere Unterhaltung bald um die Gräfin Dutillier drehte. Mir war die Dame interessant genug, daß ich wünschte, mehr von ihr zu erfahren.„Es erregte kein geringes Aufsehen,“ sagte der Pfarrer,„als die Frau Gräfin sich vor fast dreißig Jahren hier niederließ. Sie können sich denken,“ fuhr er fort und füllte wieder mein Glas, daß es nicht an allerlei sensationellen Gerüchten über sie fehlte, besonders da kurz vorher ein Scheidungsprozeß zwischen ihr und ihrem Gemahl in Paris statt⸗ gefunden hatte. Das ist nun Alles längst begraben, und wenn man auch damals allerlei munkelte, warum die verwöhnte Dame der Pariser hohen Aristokratie sich in ein entlegenes Provinzialstädtchen zurückgezogen, so hat sie nie Veranlassung hier gegeben, daß man diese Geruͤchte für unbedingt wahr halten dürfte.“ „Sie muß sehr schön gewesen sein,“ warf ich ein. „Ganz außerordentlich schön war sie, als sie hierher kam,“ rief der Pfarrer lebhaft,„aber tadellos ist ihr Wandel bis zur Stunde geblieben. Umgang hat sie keinen gesucht, sie vermied jede An⸗ näherung, und wenn es Alles ist, was sie hier gesucht hat: Ruhe vor den Menschen, Einsamkeit und Vergessenheit, so hat sie es hier gefunden.“ „Auch Sie haben nie in Verkehr mit ihr gestanden?“ fragte ich. „Ich stehe noch in Verkehr mit ihr, wenn Sie wollen,“ ant⸗ wortete er;„vielleicht zwei Mal des Jahres mache ich ihr meinen Besuch, sie behält mich zum Diner da und darnach machen wir unsere Partie Besique. nügt ihr und mir. Ich bin kein gelehrter Mann, mein lieber Herr, was mir von Zeit übrig bleibt, glaube ich im Interesse meiner Ge⸗ sundheit besser meinen Weinbergen zuzuwenden, als meinem Studier⸗ zimmer, und die Frau Gräfin hat das Bedürfniß, Gebiete zu betreten, auf welchen mein Fuß keinen sichern Boden fühlt; so giebt's denn leicht Unbehagen auf beiden Seiten.“ „Die Tochter der Gräfin Dutillier steht ganz auf Seiten ihres Vaters,“ unterbrach ich ihn. „Die Frau Marquise hat ihren Vater wenig gekannt,“ ant⸗ wortete er.„Die Ehe ihrer Eltern war vermuthlich eine der zer⸗ rissenen pariser Ehen, wie sie leider in der guten Gesellschaft vor⸗ kommen. Sie hat selten ihre Vergangenheit bei mir berührt; aber ich vermuthe, daß die Frau Gräfin eher ein Opfer der obwaltenden Verhältnisse geworden ist. Haben Sie das bedeutende Schloß in der Nähe von Meaux gesehen? Wenn Sie aus Deutschland gekommen sind, müssen Sie das Schloß gesehen haben, eine halbe Stunde darauf waren Sie in Paris. Nur einmal an einem Abend, als ich die Gräfin besonders erregt fand, warf sie in kurzen Abrissen hin:„Onkel und Tante hatten mich erzogen; als sie starben, fiel mir das Schloß bei Meaux zu mit 60 000 Francs Renten. Ich war zwanzig Jahre alt, hatte einen gründlichen wissenschaftlichen Unterricht bei den Pflegeeltern, die sich nicht von mir trennen wollten, erhalten, und stand nun allein und rathlos da. Meine Eltern lebten noch, meine vier Geschwister auch; sollte ich nun zu ihnen, die ich kaum kannte, zurückkehren und die Erbin unter den wenig begüterten Leuten spielen? Davon hatte mir mein Onkel abgerathen, ehe er starb; sein Vertrauensmann, der Notar, wollte garnichts da⸗ von hören. Besser wäre es wohl gewesen, wenn mir ein Mann zur Seite gestanden hätte; Onkel und Tante hatten aber die Neigung, die ich einem jungen Manne zugewendet, nicht gutgeheißen; so war ich mit zwanzig Jahren noch unverheirathet. Ich hätte garnicht heirathen sollen, da drängte man aber von allen Seiten, man präsentirte mir zwei Herren und ich wählte den von beiden, der mir am wenigsten mißfiel.“ Das hat sie mir bruchstückweise erzählt, der Rest war mir bekannt. Sie lebten herrlich und in Freuden auf dem Schlosse bei Meaux, der Graf spielte, hatte intime Bekanntschaften unter den Damen des Theaters, das steht Alles fest, und die Gräfin kümmerte sich nicht um sein Thun und Treiben; sie besaß ebenfalls ihre Lieb⸗ habereien, verschwendete große Summen für ihren Marstall, unter- nahm Reisen nach Italien und Griechenland mit Künstlern und Gelehrten, bis auf einmal Verlegenheiten sich einstellten. Mit diesen kamen die gegenseitigen Vorwürfe, man trennte sich, beide aber lebten nach dem Verkauf des Schlosses in Paris. Dutillier einer Fälschung schuldig, worauf die Gräfin die gerichtliche Scheidung verlangte und sich hierher zurückzog. Der Graf ist vor zehn oder elf Jahren am Kap der guten Hoffnung gestorben; Gräfin Dutillier hat nach der Scheidung mit ihrem Vater ein Ueberein⸗ kommen getroffen, nach welchem er das ihr daß es hinreicht, ihre bedürfnißlose Existenz zu decken, und daß sie auch noch für die Armen etwas übrig hat; denn sobald sie die Quartalsumme von Paris erhält, schickt sie mir regelmäßig hundert Franken für meine Armen.“ 1 Dieses stillschweigende Uebereinkommen ge⸗ Da machte sich Graf 5 Uebriggebliebene an sich genommen hat, und ihr eine jährliche Rente auszahlt. Es scheint, er 243. Es war mir lieb, daß ich die Bekanntschaft des Pfarrers von Piney gemacht hatte. Ich bin nicht neugierig und bin nie geflissentlich in die Angelegenheiten anderer Leuke eingedrungen, weil es mir keine Freude macht, mich um Dinge zu kümmern, in die mich der Be— treffende nicht selbst hineinzieht; aber hier machte es mir Vergnügen, einige Details aus dem Leben der sonderbaren Frau zu erfahren. Die Tochter und der Enkel hatten nichts gethan, sie in meinen Augen zu heben, der Pfarrer aber in seiner schlichten Einfachheit befestigte die Meinung, die ich bereits von der einsamen Frau hatte. Es imponirte mir, daß in der zarten ältlichen Frau ein so starker Geist wohnte, der ihr eine materielle Bedürfnißlosigkeit diktirte, die ich bewundernd anstaunte. Sie liebte es nicht, wenn man ihr Thun zu bemerken schien; da lag eine Selbstlosigkeit, eine Einfach— heit in dieser Frau, die großartig war und doch den betrübenden Gedanken wach rief:„Wem zum Heil und zum Nutzen hat ihre Philosophie der Bedürfnißlosigkeit in ihrem langen Leben gewaltet?“ Sie verachtete die Menschen im Allgemeinen, sie wollte ihnen viel— leicht nicht mit ihrer Persönlichkeit wohl thun, vielleicht aber setzte sie Mißtrauen in sich selbst; Eitelkeit und Selbstüberschätzung waren dieser bedeutenden Frau fremd. Das Einzige, was sie wollte, war, Ruhe zu haben vor sich und der Welt. „Sind Sie zufrieden mit Ihrem Besuch bei dem Herrn Pfarrer?“ fragte sie mich, als ich nach zwei Stunden zurückkam. „Er hat mir recht gut gefallen,“ antwortete ich,„ich bedauere nur, daß ich nicht früher zu ihm gegangen bin.“ „Sie kommen ja wieder hierher,“ versetzte sie zuversichtlich;„zu— dem können wir ja auch noch ein wenig nachholen; wenn es Ihnen Vergnügen macht, so lasse ich den Herrn Pfarrer morgen Abend zu Tisch bitten.“ „Sie sind zu gütig, Frau Gräfin.“ „Nein, oder ja, wünschen Sie ihn hier zu sehen?“ fragte sie ungeduldig. „Recht gerne,“ antwortete ich schnell. „Er ist ein einfacher schlichter Priester, seine Predigten sind wohlmeinend; will ich gelehrte Vorträge hören, so gehe ich nach der Madeleine in Paris, wo Frere Felix allen Erwartungen ent⸗ spricht. Der Pfarrer von Pincy wirkt durch sein Beispiel mehr, wie es je die beststylisirte Predigt gethan hat, er belehrt durch seine gütigen, immer offenen Hände und seine schlichte Selbstlosigkeit. So verstehe ich den Priester; einer der den Luxus und das Wohl— behagen liebt, der, wie die Kirche es will, nicht Weib und Kind hat und von allen weltlichen Interessen und Hoffnungen losgetrennt sein soll, und dennoch Geld auf Geld häuft, der bestiehlt die Armen, und seine schönste Predigt ist wie Spreu im Winde.“ Der Pfarrer hatte sich zum Diner eingefunden, es war höchst einfach wie immer, nur gab sich Genereur beim Aufwarten mehr Wichtigkeit und sein dünnes schwarzes Haar war glänzend auf den Kopf geklebt. Die Gräfin schien heute vom Banne der Gereiztheit erlöst, sie unterhielt sich wohlmeinend mit dem Pfarrer über Garten⸗ kultur und für mich fiel nur einmal eine ganz freundliche Bemer⸗— kung über die Aussprache eines französischen Wortes ab. Guy war nicht recht zufrieden, weil man im Allgemeinen mit wenig Interesse seinen Jagdabenteuern zuhörte. Nach dem Essen begaben wir uns aus dem Speisezimmer in den Salon. Dieser Ort war mir wenig anmuthend, und ich hatte ihn soviel wie thunlich vermieden, weil durch zwei große Glasthüren, die in den Garten gingen, eine er⸗ barmungslose Kälte herein strömte. Im Sommer mochte der Salon ein herrlicher Aufenthaltsort sein, wenn die großen Glasthüren ge⸗ öffnet waren und die breitstämmigen dichten Bäume ihre kühlenden Schatten in den Raum schickten. Heute aber strömte mir eine angenehme Wärme entgegen.„Der Herr Pfarrer liebt ein warmes Zimmer,“ bemerkte die Gräfin mit einem gütigen Lächeln, und Genereux stellte gewandt die Armleuchter auf den Spieltisch und legte zwei Spiele Karten darauf. „Wir werden heute unserm Besique entsagen müssen, Herr Pfarrer,“ sagte Gräfin Dutillier,„und zum Whist greifen, da wir vier sind.“ „Sie spielen Whist?“ fragte mich der Pfarrer. „Ich weiß nicht, ob ich mich dazu bekennen darf,“ antwortete ich ihm.„Der alte General, von dem ich Ihnen gestern erzählte, fühlte nicht oft das Bedürfniß einer Whistpartie, wurde ich aber mit meinem Schüler Abends in sein Studierzimmer beordert, so gab es eine schweigsame Whistpartie, er mit dem Blinden vor sich, manövrirte wie ein alter Soldat und wir beide verließen ihn immer, wenn wir total geschlagen waren. Ich fürchte, daß die Execellenz zu mächtig war und ich wenig bei einem so weit überlegenen Gegner gelernt habe.“ Der Pfarrer lachte wieder, wie gestern über meinen Ausdruck: „Son Excellence,“ und wenn ich, als Partner von ihm, seinen Stich übertrumpfte, so schüttelte er lächelnd den Kopf und Gräfin Dutillier sagte ohne jegliche Ungeduld:„Son Excellence scheint in der That Alles für sich behalten zu haben;“ und so oft ich zweck— und ziellos meine Karten ausspielte, mußte„Son Excellence herhalten. 5 „Die preußischen Offiziere waren zu allen Zeiten vorzügliche Whistspieler,“ sagte die Gräfin. Die behagliche Wärme im Salon hatte ihre Wangen hoch geröthet, das volle silberweiße Haar erhob sich hoch auf der Denkerstirne und die grauen Augen glühten dunkel schwarz. Die fünfundsechzigjährige Frau mit der schlanken schönen Haltung war noch heute schön zu nennen, das Alter hatte sie noch nicht berührt, man hätte ihr kaum vierzig Jahre zugeschätzt, das herrliche schneeglänzende Haar paßte zu den feinen durchgeistigten Zügen. „Einige preußische Offiziere waren Monate lang die Gäste meines Onkels in Meaux, es war im Jahre 1814, als die Verbündeten unsern König Ludwig XVIII. in seiner Hauptstadt einführten, sie waren Leute von sehr guter Lebensart, diese preußischen Offiziere, eine Zierde unsers Salons, und Onkel und Tante bedauerten ihren Abmarsch.“ Nun warf sie ebenfalls eine Karte aus, die Guy verblüfft an— starrte.„Aber Großmama!“ rief er und zögerte. „Es ist schon gut, jedes Beispiel ist mehr oder weniger an— steckend, mein Nachbar hat so toll mit seinen Karten gehaust, nun darf ich kaum glauben, daß„Son Excellence“ von jedem Einfluß verschont geblieben ist. Wir haben den Stich verloren, Monsieur le Marquis, voila tout.“ Sie sagte es lachend, ihre schlanken leichten Hände aber, die die Karten hielten, schienen mir zu zittern. „Da muß ich den Herrn General vor Ihrer Vermuthung schützen, Frau Gräfin,“ erwiderte ich munter. „Konnte er mehr wie Whist spielen?“ fragte die Gräfin;„in welchen Kriegen hat er seine Lorbeeren gepflückt?“ „In den Kriegen, die uns von des Korsen Sklaverei befreiten,“ fuhr ich auf.„Er war damals noch ganz jung, und wenn seitdem mein mit Füßen getretenes Vaterland dem tüchtigen Strategen keine Gelegenheit mehr gegeben hat, sich auf dem Felde der Ehre aus. zuzeichnen, so hat ihn dies schwer gedrückt; er hat es aber nicht dem Vaterland zum Vorwurf gemacht, denn dieses bedurfte der Ruhe und der Sammlung,— das letzte Wort ist nicht gesagt, Frau Gräfin,— Deutschlands Jugend hat viel gelernt und nichts vergessen.“ Sie wollte verächtlich lachen, es mißlang ihr; die Ader auf ihrer Stirne schwoll an und sie sagte über die Schulter hin zu dem Pfarrer:„Monsieur bedroht uns mit Krieg,“ mischte die Karten und theilte sie aus. 5 Nun aber glaubte Guy, er müsse für sein Vaterland eine Lanze brechen, und als er sich eben anschickte, mir eine echt französische Erwiderung zu geben, winkte die Gräfin mit finsterer Stirne und setzte hörbar ihren Fuß unter dem Tische in Bewegung. Ich wurde mir meines ganzen Ungeschickes bewußt, einer Takt⸗ losigkeit, die ich im Hause meiner Gastgeberin begangen, und gerieth in große Bestürzung und Verwirrung. „Wie heißt denn eigentlich„Son Excellence“ fragte der Pfarrer;„vielleicht haben wir schon von ihm gehört, wenn ich auch nicht, so doch die Frau Gräfin, die eine eifrige Zeitungsleserin ist. Als bedeutender Stratege hat er seine Anlagen wohl theoretisch ver werthet, und wir Franzosen sind nie die letzten, die wahrhaft Be— deutendes in ihre Sprache übersetzen.“ Sein mildes Gesicht sah mich gütig an und ich war ihm dankbar dafür, daß er mir bei⸗ stehen wollte, ohne zu sichtlich seine Absicht zu verrathen. „Es ist der General Graf Wolfgang von R wortete ich kleinlaut,„er hat über die ‚Grundsätze der Strategie“ geschrieben, ein Werk, das viele Auflagen erlebt hat.“ „Kennen Sie es, Frau Gräfin?“ fragte der Pfarrer. Ich wagte kaum, die Augen schüchtern zu ihr zu erheben. Sie schüttelte den Kopf und legte die Karten auf den Tisch. 05 . ö Ü mw ˙uůuúuw-w-wr̃ ̃. mm D N Mutterglück. Nach dem Gemälde von M. Toulmouche. II unuuusa ee eee eee Warten Sie, HerrPfarrer, Excellenz Porträt hervor. 245 W.. 60 „Es ist Ihnen in dem warmen Zimmer unwohl geworden,“ Che eine ganz junge Frau, die ihm viele Kinder schenkte; da dachte sagte der Pfarrer besorgt und stand auf. Guy schleuderte mir einen anklagenden Blick zu. „Glauben Sie das nicht, lieber Freund,“ entgegnete sie mild und nahm rasch die Karten wieder auf,„meine Gesundheit ist dauerhaft und gut, ich bin nie Störungen unterworfen gewesen.“ „Sollte vielleicht ich, durch meine unvorsichtige Aeußerung,“ fiel ich außer mir ein, als ich sie so bleich sah. „Ich glaube, Sie wollen scherzen; ich finde Ihre Anschauung von Ihrem Standpunkt aus zum wenigsten berechtigt; und nun, mein Lieber, point de politique in meinem Salon,“ fügte sie scherzend hinzu. Wir sahen uns alle Drei etwas verblüfft an, sie musterte die Karten, und obgleich sie ihnen eine ungetheilte Aufmerk⸗ samkeit zu schenken schien, war sie zerstreut und blieb wortkarg. Der Pfarrer führte allein die Unter⸗ haltung, und um mich ein wenig anzuregen und mir das Gleichgewicht wieder zu geben, ging er eingehender auf den General von R. über. „Also ein Menschen— feind,“ sagte er verständ⸗ nißvoll. „Nein, nein,“ rief ich lebhaft,„das Wohlwollen für die ganze Menschheit spricht aus seinen edeln schönen Zügen. Er hat keine Familie, die ihn zum Verkehr mit der Welt verpflichtet, er lebt ganz seinen Studien und sei⸗ nem Geschmack an der Zurückgezogenheit mitten im geräuschvollen Berlin. er hat mir, als ich ihn verließ, seine Photogra— phie gegeben, beurtheilen Sie ihn nach seinem Ge⸗ sicht,“ und ich zog aus meiner Brieftasche der Der Pfarrer betrachtete die Photographie mit Interesse.„Sie haben recht, das ist ein wohl⸗ thuendes Gesicht, ein schö— ner, stolzer Greis; darf ich Ihnen die Photographie reichen, Frau Gräfin?“ fragte er und ging nach dem Kamin, wohin sich die Dame begeben. Sie griff nach der Photographie und wendete sich zur Lampe, die auf dem Kamin brannte; ich konnte nicht sehen, mit welchem Aus⸗ Die kleine Comtesse. druck sie das Porträt betrachtete. Sie examinirte es einige Minuten lang, eine Aeußerung darüber aber that sie nicht. „Der General lebt also ganz allein mit seinem Enkel?“ setzte der Pfarrer die Unterhaltung fort. „Es war sein Neffe; der General war nie verheirathet,“ erzählte ich, durch das Interesse angeregt, das der Pfarrer der alten Excellenz zu schenken schien.„Ein Bruder von ihm heirathete in zweiter Gemälde von Paul Hoecker. der Herr General es recht gut zu machen, als er einen der Jungen zu sich nahm.“ „Liebte ihn der Junge sehr?“ fragte der Pfarrer. „Nur ganz mäßig; die Jugend fühlt sich im Allgemeinen nicht zum Alter hingezogen, weil es sich zu viel in sich selbst zurückzieht; so wohlwollend auch die Absichten und die Anschauungen des alten Herrn waren, so fühlte man, daß er ein Näherkommen vermied und eine Schranke zwischen sich und der Außenwelt errichtet wissen wollte.“ „Hat ihm das Leben trübe Erfahrungen ge⸗ bracht?“ setzte der Pfarrer die Unterhaltung fort. „Das weiß ich nicht; sein Neffe war emsig be⸗ müht, dies in Erfahrung zu bringen. Der junge Mensch besaß eine boden⸗ lose Neugierde, er suchte und stöberte in den Schrif⸗ ten und Briefen Sr. Ex⸗ cellenz herum, und ein⸗ mal, als der General ausgegangen war, dem König seine Neufahrs⸗ aufwartung zu machen, benutzte er die seltene Ab⸗ wesenheit und schlich in das Arbeitszimmer und nahm indiskret aus einer geheimen Schublade wohl⸗ verwahrte getrocknete Blu⸗ men, u— Ich fuhr nicht fort, ich verwirrte mich; war es denn mög⸗ lich— und doch, ich konnte mich nicht irren. Der Pfarrer mochte meine Verlegenheit dem raschen Vortreten der Gräfin zu⸗ schreiben, die mich sonder⸗ bar ansah und deren Augen unheimlich dunkel aus dem weißen Gesichte glühten. Als der Pfarrer sich verabschiedet hatte, ver⸗ ließ auch die Gräfin raschen Schrittes den Salon; ich trat an das Kamin und nahm wieder die Photo⸗ graphie der Excellenz zu mir. Ich betrachtete mit erhöhtem Interesse die stillen ernsten Züge und das leichtgelockte weiße Haar des schönen statt⸗ lichen Greises, und es war mir, als ginge mir nun zum ersten Male das Verständniß des zar⸗ ten, tief⸗traurigen Ge⸗ dichtes von Heine auf:„Ein Fichtenbaum steht einsam.“— Ich schlich in den kleinen Salon, nahm verstohlen das Bildchen über dem Kamin und betrachtete es lange; ein Irrthum war nicht möglich. Da that sich ein blüthenreicher Mai vor meinem träumenden Blick auf, so mußten die strahlenden Augen ihm und der Welt zugelächelt haben. Ich blieb lange im Anschauen verloren; da kam es wie eine Todtenklage über die Lippen:„Ihn schläfert; mit weißer Decke um⸗ hüllen ihn Eis und Schnee.“ g (Fortsetzung folgt.) — „ 3 ** * 15 5 246. 83 n r An der Saale hellem Strande. Von Frida Schanz. In einem Dachstübchen am Dowplatze der alten Saalestadt Naumburg wohnte bis vor kurzem ein schlichter Mann, den die ganze Stadt kannte, den aber trotz seiner freundlich-ernsten Augen, aus denen eine Welt von Güte und Geduld sprach, Niemand leiden mochte. Meister Engert war Todtenbitter, und es lebten unter den Kindern nur wenige im ganzen Orte, denen bei seinem Anblick nicht eine wehe Erinnerung, ein schmerzliches Bild, das man am liebsten zu vergessen strebt, gewaltsam ins Gedächtniß gerufen wurde. So kam es, daß Gottfried Engert bei Zeiten vereinsamte und außer mit seinem Sohn, einem vierzehnjährigen, schweigsamen und nachdenklichen Jungen, mit Niemand verkehrte. Die Freunde aus früherer Zeit, in der Engert als Dachdeckermeister sein gutes Brod gehabt hatte, sahen fast mit Hohn auf ihn herab, seitdem er, seiner schwachen Brust und des häufigen Schwindels wegen, von dem wag⸗ halsigen Gewerbe lassen und— in Ermangelung eines besseren Auswegs— zu jenem anderen, armseligen und verachteten greifen mußte. Endlich gab Gottfried Engert jedoch sein Handwerk auf, vor⸗ läufig auf einige Tage oder Wochen, weil er sich schwächer und schwächer fühlte und durch Stubenhaft und Pflege das Uebel zu bessern hoffte, dann aber auf immer und ewig, weil der Tod für die Dienste, die er ihm geleistet, ihn sanft und leise aus dem Schatten des Domes, zu dessen Füßen er Jahre lang gehaust hatte, in den tieferen und dunkleren Schatten des ewigen Vergessens versenkte. Johannes wußte es seit Wochen im Voraus, daß sein Vater sterben mußte. Der Doktor, der einmal dagewesen war, um seine Verordnungen für den ganzen Verlauf der klar vorgezeichneten Krankheit mit einem Male zu geben, hatte dem Knaben Zeit und Stunde des nahen Endes so ziemlich richtig vorausgesagt. Den Kranken überkam inmitten seiner sicheren Genesungshoffnung nur hie und da einmal eine blitzartige flüchtige Ahnung, daß sein Lebens⸗ ziel doch vielleicht nicht mehr weit sei. Mit der freundlichen Gesprächigkeit, die ihm dem Knaben gegenüber seit dem frühen Tode der Mutter eigen war, ging er dann auf diese Möglichkeit ein, die für ihn nichts abstoßendes und grausiges hatte, da ja der Tod sein Freund, sein Schützer und Brodherr gewesen war. „Den Verwandten brauchst Du gar nichts zu schreiben,“ sagte er, indem er dem Knaben ruhig heiter in die gedankenvollen Augen sah.„Was sollte es auch nützen? Die Schwester kann von den Kindern nicht weg und hat wohl auch in ihrem Hab und Gut kaum ein Kleid, in dem sie zur Leiche gehen könnte. Für den Schwager ist's auch besser, er bleibt auf seinem Schusterschemel sitzen; die armen Würmer würden es spüren, wenn er einen Tag kein Geld verdient.“ „Wer weiß, Vater, vielleicht wirst Du wieder gesund,“ sagte Johannes mit rauhem, schmerzlichen Ernst. „Vielleicht?— o, recht sehr vielleicht, hoffe ich,“ gab der Kranke lebhaft zurück.„Aber sollte es doch einmal geschehen, so weißt Du, was Du zu thun hast. Das Beutelchen mit den beiden Goldstücken steckst Du zu Dir für Deine spätere Wanderschaft. Davon braucht Niemand etwas zu wissen. Deinen Alltagsanzug und den meinen dazu packst Du in ein Bündel; den Einsegnungsrock ziehe an. Es ist gut, wenn Du sauber und nett daherkommst. Den ganzen übrigen Kram kannst Du hier lassen; die Wirthin hat mir versprochen, ihn so gut wie möglich zu verkaufen, vom Erlös das Begräbniß zu be⸗ zahlen und den Rest an Dich zu schicken. Bei unsrer Abmachung mit dem Schwager bleibt's also. Du gehst zu ihm nach Camburg und lernst die Schusterei.'s ist ein geachtetes Brod— und kein Schwindel dabei,“ fügte er hinzu, über seinen eigenen, traurigen Scherz lächelnd. Johannes nickte und lächelte auch, aber aus seinem Lächeln hätte man es ablesen können, wie viel ernster, reifer und freudloser er war, als jeder andere seines Alters. Drei Tage nach dem letzten derartigen Gespräch, mit dessen letzten Worten der Kranke heiter und nichtsahnend hinübergeschlummert war, stand der Knabe reisefertig vor der Thür seines Heimathhauses. Es war am frühen Morgen eines Frühlingstages. Ueber dem Dom, welcher mit seiner wuchtigen Steinmasse die ganze niedere Häuserreihe, in deren kleinstem Bau der Todtenbitter gewohnt hatte, in bleichem, thauduftigen Schatten hielt, blickte ein tiefblauer, lichtgetränkter Himmel hernieder. Machtvoll dröhnend gingen die Glockensänge von dem Hauptihurme aus in die festta, Weite, und ihnen entgegen flutheten warm und süß die Düfte de unzählbaren goldigweißen Dolden des wilden Hollunders, der in jedem Gärtchen der Stadt, auf jedem Platz, in allen Anlagen, Höfen und Hecken in verschwenderischer Ueppigkeit gedeiht. Diese Bläthen und die Glocken, die Zeugen und treuen Genossen seiner Kindheit, geleiteten Johannes mit Duft und Klang aus dem Städtchen hinaus. a Mit seinem Bündel und dem ungefügen Wanderstock, welcher seinem Vater gehört hatte, ging der Knabe, steif und ernst, ohne sich umzusehen oder ein Mal die Mütze zum Gruß zu ziehen, an den schöngeputzten Kirchgängern vorbei und durch die sanft ansteigende, villenbegrenzte Promenade nach dem von Akazien und Frührosen durchhauchten Bürgergarten, von dessen höchstem Punkt aus man die ganze Stadt übersah, die mit ihren spitzen Ziegeldächern, ihren Kirchen und dem Alles überragenden Dom bunt und freundlich aus dem Violett und Blaugrün der bis zu den fernen Bergen hinüber⸗ 1 wallenden Klee- und Kornfelder emportauchte. 4 Auf der Aussichtsbank unter den vier Pappeln, auf der der Knabe an jedem sonnigen Sonntag einige Stunden lang mit seinem 1 Vater gesessen hatte, rastete er auch jetzt ein paar Minuten aus, das bekannte, traute Bild mit einem langen, thränenlosen Abschieds⸗ 0 blick umfassend. ö Dann ging er still wieder thalein, ließ die Stadt zur Rechten und strebte auf schmalen Wiesen⸗ und Feldwegen der breiten, pappel-⸗ umsäumten Landstraße zu, die sich vorhin als hervorstechendste Linie aus der weitgebreiteten Landschaft gehoben hatte. a Den ersten Rastpunkt auf dieser Straße und zugleich etwa die Mitte zwischen Naumburg und Kösen bildet ein Dorf, das dem Reisenden durch das Landschaftsbild, welches man von der Terrasse des Gasthofes aus zu genießen pflegt, unvergeßlich bleibt. 0 Beim Anblick des Wirthshausschildes fiel es Johannes ein, daß er die Suppe, die ihm die Wirthin zum Frühstück gegeben, dem zottigen Haushund vorgesetzt, der mit Winseln und Heulen seinen Reisevorbereitungen zugesehen hatte und der nur,— nach Art alters. schwacher Gefühlsschwelger,— durch die unverhoffte gute Mahlzeit zu bewegen gewesen war, seinen Schmerz zu vergessen und den Freund allein in die Ferne ziehen zu lassen. ö So trat der Knabe, um sich durch einen billigen Trunk zur Weiterreise zu stärken, mit seinem Bündel und Stock schüchtern in den hinter dem Hause gelegenen, terrassenförmig angelegten Wirths⸗ garten ein und nahm in einer Laube dicht neben der Steinmauer Platz, hinter welcher der mit Buchen und Flieder begrünte Berg⸗ hang malerisch zum Thalboden hinabfiel, aus dessen tiefster Senkung das vom Sonnenlicht übergossene, stahlfarbene Gefunkel der Saale heraufblitzte. Weich und weit hinausblauend stiegen die rebenbepflanzten Höhen jenseits des Flusses wieder hinan; leichte Wolkenschatten unterbrachen das schönbeleuchtete Bild mit halber, traumhafter Dämmerung; aus dem Dorfe, das vom Gasthaus nieder sich in's Thal streckte, um sich drunten wohlig im Schutze der alten, spitzthürmigen Kirche aus⸗ zubreiten, stiegen weiße, zartverschlungene Rauchschleier in's Blau, welche droben zwischen den Schwingen der kreisenden Schwalben lustig in Nichts zerflatterten. Des Knaben Seele war für die heitere Schönheit dieses Bildes wenig empfänglich. Ihn beschäftigte es mehr, daß er nun zum ersten Mal wie ein Erwachsener, im schwarzen Rock, dessen durch die über⸗ mäßige Länge und Weite nur vermehrte Aermlichkeit er nicht ahnte, auf seiner ersten Reise begriffen, im Wirthshause saß und wie die Anderen sein Glas Bier vorgesetzt bekam. Zwischen der freudlosen Kindheit, die hinter ihm lag, durch den Tod des Vaters schmerzlich beschlossen, und dem harten Jünglings⸗ alter, dem er entgegenging, war diese Stunde ein goldener Rast-⸗ punkt, ein Aufathmen im Licht, dessen Reiz er halb bewußt, halb unbewußt genoß. Während er mit langsamen Zügen sein Glas leerte, füllte sich der Garten, der schon vorher von frühen Gästen halb besetzt war, mehr und mehr. b Eine große Gesellschaft, aus Erwachsenen, Kindern, jungen Herren und frischen, schönen Madchen bestehend, nahm die Aufmerksamkeit der Kellner hauptsächlich in Anspruch. Man rückte eine Anzahl Tische zu einer langen Tafel zusammen, die Knaben holten Stühle und Fußbänke herbei, während die Herren Wein und Frühstück bestellten. 247 Bei Plaudern, Schmausen und Lachen ließ man es sich dann in⸗ mitten der herrlichen Lenzwelt gar wohl sein. Die Kinder nur und die jungen Mädchen hatten nicht Rast.— Während die Kleinen mit den halbverzehrten Frühstücksbroden lärmend und jauchzend auf die Wiesen hinausschwärmten, und nur von Zeit zu Zeit mit Sträußen in den Händen und Kränzen im Haar zurück kehrten, um, ungeduldig wartend, neue Nahrung zu erbitten, standen die schlanken Gestalten der Mädchen an den Rand der Mauer ge⸗ lehnt, von den weinumrankten Pfeilern der Laubengänge eingerahmt. Eine machte die Andere auf die Schönheit des Thales und die zwischen den Hügelkelten verstreuten, hell herüberblinkenden Ortschaften auf— merksam. Die Jüngste unter ihnen, ein holdseliges Geschöpf mit zierlich getragenem, von lichtbraunem Haarschmuck gekröntem Kopf, konnte des Jubels kein Ende finden. Die Neckereien eines der schmucken Offiziere von der Gesellschaft, der sie wieder an den Tisch und an seine Seite zu locken wünschte, mit gleichem, harmlosen Geneck zurück— gebend, blieb sie, auch nachdem ihre Freundinnen sich abgewandt hatten, an der Mauer lehnen, litt es, daß der leichte Wind mit ihrem Stirngelock und dem weißseidenen Schleifenband auf ihrer Schulter spielte und ließ dabei den Blick der strahlenden, blauen Augen mit übermüthiger Daseinsfreude von dem Flusse zu den fernen Buchen⸗ wäldern, von da zu den blanken Winzerhäusern an den Hügelhängen und von diesen wieder hinab zum Thale gleiten. Johannes, in dessen Nähe das Mädchen stand, verwandte keinen Blick von ihr. Daß diese schneeigen, zart durchleuchteten Züge von einer edlen Schönheit waren, die jeden Künstler entzücken mußte, verstand der arme Junge nicht. Aber das Bewußtsein, Anderen zur Freude da zu sein, geliebt und bewundert zu werden, gab dem Mädchen eine so glückliche Sicherheit, etwas so Vornehmes, Leichtes und Freies; das war es, was dem Waisenknaben, der sein Leben lang gedrückt, gehöhnt und gedemüthigt worden war, so eigen in's Herz leuchtete und seine ernsten Blicke in unwiderstehlichem Bann hielt. „Werden Sie nicht endlich zu uns Sterblichen herniedersteigen?“ fragte der Lieutenant, indem er über den Rand seines Weinglases hinweg schwärmerisch zu ihr hinübersah. „Gleich.— Nur noch von der Mauerecke aus einen Blick in's Freie!“ gab sie heiter zurück, indem sie ihren Platz verließ und in die Veranda trat, die den Garten nach rechts abschloß. Hier war es, wo Johannes saß. Als sie an ihm vorbei ging und ihre schönen Augen über seine schmale zusammengebückte Gestalt hinweggleiten ließ, erröthete er. Es sprach ein so eigenes, mitleidiges Sinnen aus ihrem Gesicht, das ihn verwirrte und erschreckte. Nun blieb sie stehen und sah, wie auf ein schmerzliches Räthsel, auf den Jungen nieder, der mit dem kränklichen Kindergesicht, mit den ernsten Augen, in der ehrsamen, spießbürgerlichen Tracht eines Erwachsenen, so freudlos und gedanken⸗ voll vor seinem Kruge saß. „Bist Du ganz allein auf der Wanderschaft?“ fragte sie endlich freundlich.„Und woher kommst Du denn?“ fuhr sie fort, als er traurig und befangen nickte. f „Von Naumburg,“ erwiderte er, verwundert in ihr freundliches Gesicht blickend. „Sieh da! Dort waren auch wir über Nacht.— Aber warum 1 ziehst Du denn so ganz allein in der Welt umher?“ forschte sie weiter. „Der Vater ist todt,“ sagte er einfach, ohne Thränen, ohne sichtbare Rührung, aber eben deshalb bis zu Thränen rührend. „Seit langem schon?“ fragte das Mädchen mit feuchten Blicken. „Seit drei Tagen,“ erwiderte er, sachgemäß und ernst, ohne daß seine Wimpern zuckten. „Und Deine Mutter?“ „Sie starb schon vor acht Jahren, als der Vater das„Todten⸗ bitten! ung. Einer weiteren Frage war sie nicht fähig. Sie blickte von dem stillen Gesicht hinweg mit verschleierten Blicken in die Landschaft hinaus. Mit ihrer Glückseligkeit stritten jetzt tausend traumhafte Trauergedanken, den Wolkenschatten gleich, die über die sonnigen Gefilde glitten. Ein paar Sekunden stand sie so neben dem Knaben, so nahe, daß er den Blumenduft athmete, der die Spitzen ihres Kleides tränkte. Das laute Lachen der Anderen erweckte sie endlich aus ihrem Sinnen. Che sich sich aber hinwegwandte, fühlte Johannes eine Thräne auf eine Stirn herniedertropfen. „Ganz verlassen in dieser schönen Welt! Armes, armes Kind!“ sagte sie sehr leise, schon halb im Gehen. Nun war der Knabe wieder allein. Ganz verlassen! hallte es in ihm nach. Jetzt verstand er es mit einem Male, daß er elend war. Die ersten Thränen seit seines Vaters Tod traten in seine Augen, und durch ihren Schleier sah er mit qualvoller Sehnsucht zum blauen Himmel hinauf und in die festliche, goldige Weite hinüber, deren Schönheit ihm nun schmerzlich zum Bewußtsein kam, da er es ganz erfaßt, daß er einsam inmitten dieser Pracht einher— gehen mußte. Nach einer Viertelstunde kamen fremde Gäste in die Laube. Um ihnen Platz zu machen, stand Johannes auf, bezahlte sein Bier, nahm sein Bündel und ging davon. Als er den Garten durchschritt, warf er noch einen letzten scheuen Blick nach der langen Tafel, welche die Kinder nun mit großen Sträußen von Wiesenblumen und Flieder geschmückt hatten. Das schöne Mädchen saß, leicht zurückgelehnt, neben dem Lieutenant, welcher ihr weißbebändertes Hütchen in der Hand hielt und mit wilden Rosen besteckte. Ihre Blicke folgten dem Spiel seiner Finger mit stillem Sinnen. — Sie sah es nicht, wie traurig, wie müde der arme Bursch in dem langen, schwarzen Rock zur Pforte hinausschlich, und sie dachte auch ferner wohl kaum daran, daß sie durch das überquellende Mit⸗ leid ihrer leichtbeweglichen, jungen Seele die einzige goldene Rast⸗ stunde verbittert hatte, die zwischen seiner freudlosen Kindheit lag und dem harten Jünglingsalter, dem er entgegenschritt.— Lose Blätter. Mutter und Tochter.(Siehe Illustrationen.) Die zwei Figurenbilder dieser Nummer entstammen verschiedenen Malern; sie lassen sich aber leicht durch Geistesfäden mit einander verbinden. Die junge Dame, auf deren lieblichem Antlitz sich das Mutterglück in vollem Glanze zeigt, ist einem Gemälde des Franzosen To ulmouche nachgebildet und Kleidung derselben wie die Ausstattung ihres Zimmers bezeichnen eine hohe Gesellschaftssphäre, der die glückliche Mutter angehört. Paul Höckers kleine Komtesse aber läßt auf den ersten Blick erkennen, daß sie zu den weichgebetteten Kindern des Glücks gehört. Die kleine Aristokratin ist werth, von einer so schönen Mutter wie Toulmouche sie uns vorstellt, adoptirt zu werden. Da nun Mama ihrer Kleinen entgegenschaut und das Komteßchen vom Reifenschlagen heimkehrt, so mag die Eine die Andere willkommen heißen. Beide Gestalten sind künstlerisch von edler Abstammung. R. E. Der Schriftsteller Frere-Orbazan wurde in einer Nacht arretirt und zur Bastille gebracht, ohne einen Grund dafür sich angeben zu können. Als er vor dem Gouverneur Azon stand, um seinen Namen in das Register ein⸗ tragen zu sehen, fragte er deshalb:„Weshalb bin ich hier? Warum be⸗ handelt man mich also?“ Ruhig und kalt lautete Azon's Antwort:„Sie sind sehr neugierig, mein Herr!“ W. G. Eine arabische Legende. Jesus, der Sohn Maria's, begegnete dem Iblis(dem Satan). Derselbe war als Kaufmann gekleidet und trieb vier schwer beladene Esel vor sich hin. Iblis wäre gern ausgewichen; aber Jesus vertrat ihm den Weg.„Was ist die Ladung Deines ersten Esels?“ fragte er.—„Die Hartherzigkeit, welche die Reichen kaufen.“—„Und was trägt Dein zweiter?“—„Den Neid, den Gelehrte und Künstler be⸗ gehren.“—„Und der dritte?“—„Den Betrug. Die Kaufleute lieben ihn.“— Und der vierte?“—„Die Verschlagenheit, die kaufen die Frauen.“ W. G. Gustav IV. von Schweden ließ im Jahre 1802 einige englische Aerzte für seine Marine engagiren, doch kamen dieselben bald mit der Mannschaft in Konflikt, da diese von ihnen rasirt zu werden verlangte. Sie drohten zu streiken, und die Admiralität mußte, nicht ohne Widerstreben, auf könig⸗ lichen Befehl Barbiere anstellen. W. G. Im nördlichen Sibirien ist die Krähe der Frühlingsbote. So theilt uns die verbannte Gräfin Kosinski in ihren Enthüllungen mit:„Eines Tages hörte ich am Morgen ein mächtiges Geschrei, es waren Jubelrufe, aus denen die Worte:„Die Krähe! Die Krähe!“ an mein Ohr schlugen. Plötzlich wurde meine Thür aufgerissen, ein fünfzehnjähriger Bursch schreit herein:„Die Krähe! Die Krähe!“ und fort ist er wieder. Ich ging nun, um mich zu überzeugen, auf die Gasse und erfuhr da, Krähen hätten sich auf den Feldern gezeigt und dann sei der Frühling unzweifelhaft nahe.“ W. G. An den Markgrafen von Brandenburg, Johann V., schrieb einst ein Büchsenmacher folgenden naiven Brief:„Guten Tag, Herr Markgraf!— Eure Büchse ist fertig. Schickt Ihr mir das Geld so schicke ich Euch die Büchse. Schickt Ihr mir das Geld nicht, so schicke ich Euch die Büchse nicht. Hiermit Gott befohlen.“— Der Markgraf schickte sogleich das Geld und erhielt die Büchse. M. 5 9 r ²˙ A IX s 1 1 Dreisilbige Charade. Zu der ersten ward ich jüngst gebeten, Um mit Dingen meine Zeit zu tödten, Die die Klatscherei ersann. In den letzten war sie wohl bereitet, Doch wenn fades Schwatzen sie begleitet, Ist der Kluge ein geschlagener Mann. Nicht ein Wörtlein hatte ich gesprochen. Als ich schnell zum Abschied aufgebrochen, Siet ich lachen hinter mir und schrei'n: ieser Herr mag wohl das' Ganze sein! Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: a ard as ba be ca ces chen das de du e e e e el el fe ga ga har hä häu hei i i im im je kart laa land lei lu ma mann mar mer mi na nas ne ni no non pa phra pi ras re ring ros roth ru sa scri schi schild see ser si tan te ter tha wal sind vierundzwanzig Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Werk Goethe's ergeben. Die vierundzwanzig Wörter ergeben: 1. Einen Apensee in Oberbayern. 2. Den Namen eines deutschen Dichters. 3. Eine Figur aus Schiller's„Maria Stuart“. 4. Ein Saiten⸗ Instrument. 5. Einen Nebenfluß der Elbe. 6. Eine Stadt in der Schweiz. 7. Einen weiblichen Vornamen. 8. Den Namen eines verstorbenen Malers. 9. Eine Insel im mittelländischen Meer. 10. Das Vaterland des Odysseus. 11. Verstorbenen französischen Lustspieldichter. 12. Einen Minnesänger. 13. Den Namen eines thebanischen Feldherrn. 14. Eine ostindische Gold— münze. 15. Eine Stadt in Persien. 16. Eine dänische Insel. 17. Einen männlichen Vornamen. 18. Einen Fisch. 19. Einen italienischen Opern⸗ komponisten. 20. Einen hebräischen Propheten. 21. Eine Frucht. 22. Den Namen eines deutschen Dichters. 23. Ein berühmtes Handelshaus. 24. Einen der zwölf israelitischen Stämme. Die Zahlen von 1 bis 64 sollen in ein Quadrat von 64 eldern so vertheilt werden, daß jede senkrechte wie wagerechte Reihe, sowie die beiden Diagonalen immer die Zahl 260 ergeben. Räthsel. Mit A in meiner Mitte bin ich grausend, Und morde manches Mal wohl viele Tausend. Mit U müßt ihr behutsam vor euch seh'n Steht ihr bei mir, sonst möcht' es schlimm euch geh'n. Mit J bin ich entfernt von Glanz und Schimmer Doch schätzt man mich demohngeachtet immer. Allein mit E, dann preiset man mich nicht. Behüte! wär's auch etwa dies Gedicht. Scherz-Räthsel. Ein wohlhabender Mann hatte eine Tochter mit Namen Elisabeth. Ein junger Mann bot ihr seine Hand an; er war dem Vater aber nicht reich genug und zeg mit einem Korbe von dannen. Bald darauf verlor der wohlhabende Mann sein Vermögen, infolge dessen ließ er jetzt dem ab⸗ gewiesenen Freier die Hand seiner Tochter anbieten. Dieser aber sagte: der Vater möge sich seine(des Freiers) Antwort aus dem Namen seiner Tochter suchen. Wie waren die beiden Worte? Auflösung des Homonym in voriger Nummer: Blatt;— der Rechnen— Aufgabe: 124;— des Füll⸗Räthsels: er e 2 1 0 0 a h 0 N n b N 8 e 1 n ⏑ο at A G o 1 0 4 8* 1 n K pn 0 1 7 8 2 b 0 N . . 2 Problem Nr. 460 von L. von Bilow in Hannover. A 5 7 2 5 9 9 „„ Y 723 l Weiß. Weiß zieht an und zwingt Schwarz im vierten Zuge Matt zu setzen. Diese e einfache wie 1 Selbstmattaufgabe ist recht geeignet, dem Anfänger eine Idee von der chile geben, auch schließl Varianten: 1).. Le: 2) Set stes 3) Les Matt. 1).. Lgd: 2) Dbör Keg c. 3) 1g resp. Ddg: Matt. 1).. Ldal 2) DS Kees.(06 8) Db7 Matt. 1) 2) Tds:r Keé(e4: oder 44) 3) Scö(Dad. Tdt) Matt. 1).. 1).. Lee: oder beliebig 2) Tage 95 Stz, Seb: risp. Tas: Matt.— Wenn auch der einschränkende Einleitungszug der Dame ziemlich nahe liegt, so bietet die Erledigung des reichhaltigen und sehr hübschen Var iantenspieles dem Löser noch hinrelchen Keé(ea) 8) Deé(43:) Matt. e h . 8 4 b etzt 9 belie Auflbsungen. Problem Nr. 453 von Dr. Knopf in Goldberg. 1) DgI bs: Kdö e: 2) 113—ff Le5—f4:(Kf4:, d5) 3) Lh3—g2(Des, Ses) f ten und namentlich in Deutschland sellen cultivirten Problem ürfte die übersichtliche Aufstellung mit so wenigen Steinen selbst aus⸗ e Freunde der direkten Mattaufgaben zum Lösungsversuche verlocken. Lde(c7 oder be) Les(87 oder hs) 2) Dr Schwierigkeit, leider ist der schwarze Bauer b zur Verhütung der Nebenlösung 1 Dä 2) beg 1 Eigentliche Varianten sind nur nach dem zweiten Zuge vorhanden, da Schwarz die Matt drohung 2) el 3 Db2 Matt wohl durch dle 0 aber das Matt nicht bis zum vierten Zuge aufhalten kann; Weiß nimmt den Läufer mit Dame resp. Thurm und das Matt erfolgt durch 82 oder 948 die olen sich wenn Schwarz im zweiten Zuge den Läufer von 17 fortbewegt.— Dle Pointe d t in der Vertheidigung durch n7 und in dem 1 Zuge von We iß, de die einzige Pian Parade 87-851 unmöglich macht.— Die Dr. Knopf in G., Dr. Wehrmeister in M., W. stron in B. omposttion lie Varianten: 1).. kes 2) Dh5 beliebig 3) Deß Matt. 1).. Kei 2) Dhit Kt5 8 D. Matt. 1).. b5— a4(bt) 2) Dh5r Kei ꝛc. 3 8d. Deß resp. es Matt. 1).. e5— 2) Daf Ke(ee) 8) bel(45) Matt. Die noch übrigen Gegenzüge ken und Kes geslakten Matt im nächsten Zuge, Zugzwang tritt jedoch nur im Hauptspiel nach 2) Ldz: ein, n. ersten Zuge droht Dub ꝛc. Die Lösung wurde angege Knopf in G., W. Kron in B., Th. Kraus in B. Problem Nr. 451 von G. Schnitzler in London ist von dem Autor durch g zufügung eines schwarzen Bauern auf 47 berichtigt worden. Die Stellung wird hierdurch Field veröffentlichten identisch, das Remis ist nunmehr nur durch einer schon beiführung Der Schachcongreß der Counties Chess Assoeiation findet am 1. August zu Stamsor jedoch dieses Mal ohne Meisterturnier statt— der Congreß der Britisù Chess Association 0 ügen nicht zu e „W. Kron in resp. 742 ꝛc. nothwendig— ein schwarzer Bauer auf b7 würde mit dieser Nebenlösung zu gleich die Autorlösung beseitigen, nach 1) Dog tel(67 oder be) wäre das gegeben von A. B. in C., Th. Kraus in ingen.— Die Lösung wurde an und Dr. Wehrmeister in M. 5. Problem Nr. 454 von W. Grimshaw in London. 1) Sd1—es Lg6—h7! 2)§f3—g51 h6-gß: ꝛc. 3) DfI—el g7-g6 od. bel. 4) Ses—e?(Db2) f Problem Nr. 455 von W. Steinmann in Parchim. 1) Sa- c4 b5— c: 2) Laa4—d7: Kdö—el(Kdé:, c da) 3) Dadl-hi(L.6, Dada) f — 5 im er Pattstellung[i) h5 2) 881 3) Ks 4) Kha:) 58] zu erzwingen. Aus der Schachwelt. wird erst im Herbste abgehalten. um Meisterturnier in Frankfurt am Main haben sich vierundzwanzig, zum Hauptturnier einun deen Thellnehmer angemeldet, über den Ausgang beider 5 der nächsten N Die in Berlin aus Anlaß des Lebte been Bestehens der Berliner S ie zu veranstaltenden Turniere für d Architektenhauses, Turnier 200 und 150 Mark) sind ausgesetzt unter Vorbehalt elner Erh Preise. Der Einsatz beträgt 10 Mark, die. eine Stunde für zwanzig Mat zweiten Turnier, mit vorläufig vier Preisen(60, 50, 40 und 30 Mark), Einsatz 3 eventuell in Gruppen gespielt werden. ummern berichtet werden. lhelm hat jeder Theilnehmer mit jedem andern eine raße Matt in zwei 1 15 auferzüge nach da. e oder 15 noch paxiren, oͤsung wurde angegeben von en von Dr. Wehrmeister in M., urnlere kann erst in eit 8 Gachgesell. eutsche Schachspieler werden dem eben er. chienenen Programm auf am 15. August und folgenden Tagen in einem der Säle de W 5293, ausgefochten werden. In dem er fle artie zu spielen. Drei Preise a und Vermehrun Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. 73 1 elben Mattführungen wieder⸗ 15 1 7 * N