R ö e een A r ee F 1 5 e f 1 zu den Oberhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 22. Mai. XIII. Arme kleine Nora! Sie lebte Minuten der Freude und ahnte nicht, daß sie ihr mit Wochen des Kummers vergolten werden sollten. In der Anstalt war eine böse Stimmung eingetreten, eine Stimmung, die in die Weihnachtsvorbereitungen jäh und betrübend eingriff. Es war ein Diebstahl verübt worden— eine Geldentwendung aus dem Nachlaß einer Todten. Unter den Sendungen, welche zu Lebzeiten der armen kleinen Tine zu bestimmten Gelegenheiten im Jahr von ungenannter Hand im Institut einliefen, war die letzte am Todestag des Kindes ein— getroffen und uneröffnet geblieben. Man hatte sich, um die Weihnachtsstimmung nicht zu stören, mit dem traurigen Nachlaß nicht sogleich befaßt, und das nach— trägliche Eintreffen eines Schreibens, in dem man sich um das Ergehen des Kindes sorgte, und zugleich auf die beiliegende Geld— sendung berief, veranlaßte das unerwartete Oeffnen des Schrankes — zur Hebung des deponirten Schatzes. Zu„Gunsten des Kindes“, so hätte man das Geld verwendet haben sollen. Ein trauriger Auftrag, nachdem das kleine Geschöpfchen unter der Erde lag. Aber zu Gunsten des schlafenden Kindes konnte man dennoch das Geld verwenden, man konnte als einziges — Letztes den kleinen Grabhügel schmücken. Und so schloß man den Schrank auf und suchte das Packet. Man fand es erbrochen und das Geld— entwendet. Keiner wurde beschuldigt. Vor der versammelten Klasse ward die Nachricht bekannt gemacht— die Art der Meldung war voll zarter Rücksicht und nach der Bekanntmachung zog man sich zurück und ließ die Zöglinge allein. Keiner sprach. Keines der Mädchen schien von der Bekanntmachung sonderlich schwer berührt, nur Nora zuckte bei der Nennung des Namens Tine erregt zusammen und verlor, nachdem die Lehrerin das Zimmer verlassen hatte, die Ruhe zur Arbeit. Keines der Mädchen schien in der gewohnten Thätigkeit gestört, keines sah auf, bis Luise, welche in der letzten Bank Platz genommen, sich über die Schulter der vor ihr sitzenden Adele, ihrer Schlafgenossin, beugte, und für Alle hörbar, auf Nora deutend, flüsterte: „Sieh' die mal an— was hat sie?“ Im Nu hoben sich alle Köpfe. Nora sah sich von Allen an⸗ gestarrt und ihre Erregung stieg. 5 a f „Komisch— was?“ Luise hatte es gerufen, scheinbar mit der Absicht, nur mit ihrer Freundin zu sprechen, aber die Worte hallten durch den Saal und wurden von Allen gehört. f „Vielleicht weiß sie etwas von dem Gelde,“ schlug die große Nora. Eine Geschichte aus dem Kinderleben. Von Sara Hutzler. (Fortsetzung.) Adele mit der Brille vor, und Luise zog einen schiefen Mund, machte eine eigenthümliche zurückhaltende Geberde, die von Anzüg— lichkeit strotzte und— schwieg. „Nora, Du wirst doch nicht weinen?“ Es war Hulda, die voll liebender Besorgniß dichter an die Freundin heranrückte und ihr theilnahmvoll auf die zuckende Lippe sah—„kümmere Dich nicht um die— weine nicht!“ g Nein, sie weinte nicht. Ihr floßen die Thränen nicht so leicht, aber ihr Mund bebte wie in innerer Aufregung, und ihre Augen gewannen jenen schreckhaften Blick, wie sie ihn in der letzten Zeit bei jedem Geräusch gehabt, und während in der Klasse noch die unruhige Bewegung von getheilten Partheien herrschte, that sich die Thüre auf und die Inspektorin trat ein. Ihr folgte die Lehrerin. Es trat ein längeres Verhör ein. „Ob irgend Jemand bereit sei, über den Diebstahl etwas zu sagen?“ Keiner gab Antwort! Luise geschlagenen Pult. „Hatte Niemand etwas zu gestehen?“ Niemand. Alles blieb still. Einige Gesichter sahen verstockt drein, einige gleichgiltig und empfindungslos. Die Inspektorin blickte streng auf die Klasse. „So wird es nothwendig werden, über Euch Alle eine Strafe zu verhängen, damit der Schuldige gesteht!“ Einige blickten jetzt auf und zwar zu Hulda hin, die sich er⸗ hoben hatte und auf den Stuhl der Inspektorin zutrat. Sie sagte in leisem Ton etwas, das sie offenbar ein Opfer kostete und dann verließ sie das Zimmer. Was bedeutete das? Die kleine ernstblickende Lehrerin sah ihr nach. Ihr Gesicht hatte besorgte beunruhigte Falten um Mund und Kinn, als sich die Inspektorin an sie wandte. „Wir wollen das Verhör im großen Saal fortsetzen. Sie mir Nora!“ „Nora?“ Bei ihrem fast erschreckten Ausruf sah die Inspektorin mit strafendem Blick zu ihr auf. Ihr dünner Mund zog sich streng zusammen.„Jawohl, Nora!“ Ich habe zu meiner Verwunderung bemerken müssen, Fräulein, daß Sie gegen dieses Kind eine mehr denn nöthige Rücksicht üben. Ich muß im Interesse des Instituts daran erinnern, daß derlei Bevorzugungen für mehr oder minder hübsche Augen nicht stattfinden dürfen. In diesem speziellen Fall dürfte zugleich Ihre Bevorzugung auf eine Unwürdige gefallen sein, wir werden das bald erfahren!“ Nora betrat den großen Saal. Sie sah bleich aus. Die Miene der Inspektorin ängstigte sie, und nur die Nähe der Lehrerin, kramte eifrig in ihrem auf⸗ Schicken 5 8 2 1 162. ihrer gütigen Schutzpatronin, gab ihr den Muth, den Blick der strengen Frau, welche steif und gebietend vor ihr stand, zu ertragen. „Weißt Du irgend etwas von dem entwendeten Gelde?“ Die Frage schien sie zu verwundern, aber nicht zu erschrecken. „Nein,“ sagte sie zwanglos und offen. „Hast Du gewußt, daß es da war?“ „Nein!“ „Hast Du zu irgend etwas Geld gebraucht?“ „Nein!“ Ihre Antworten kamen klar und unbefangen ernst. Der große Blick der tiefen schönen Kinderaugen wirkte rührend und über⸗ zeugend, dennoch blickte die Miene der Frau hart wie bisher. Sie näherte sich dem Kinde und sprach dringlich und scharf auf sie ein. „Nora, Du bist wegen Diebstahl zu uns in die Anstalt ge⸗ kommen, es ist also bekannt, daß Du Dich auf's Stehlen verstehst.“ Das Kind zuckte zusammen.„Es ist Dir zu rathen, ein offenes Geständniß zu machen, Deine Unthat liegt klar auf der Hand!“ Nora stand reglos. Was war das? Sie sollte gestehen. Sie sollte es sein, die dem todten Kinde, das mit einem lieben Worte an sie aus dem Leben geschieden war, etwas gestohlen haben, sie!? Deshalb war sie da, deshalb hatte man sie gerufen, und man traute ihr zu, daß sie— „Hast Du Beziehungen zu irgend welchen Leuten, die Du früher kanntest?“ Finster und hart wurde des Kindes Antlitz bei der Frage der Frau— finster und trotzig hart. „Nein!“ stieß sie mit unterdrückter Stimme hervor. Eine heiße Röthe zog ihr bis in die Stirn hinauf. „Du behauptest, keinen Verkehr außerhalb des Instituts ge— pflegt zu haben?“ Nora schwieg. Hieß die Frage, daß sie Niemanden gesprochen haben sollte? Wenn sie das bedeutete, so mußte sie wohl er— wähnen, daß sie Arnold— ihren guten Freund— nein doch! Was hatte das mit ihrer Begegnung an dem Hofthor zu thun? Wie kam der Diebstahl, den man ihr zutraute— ihr, die sie fremdes Gut nie anrührte, mit ihr in Berührung? Man sollte sie nicht verdächtigen, oder, wenn man's that, so solle man aus— forschen, wo man wollte, sie gäbe keine Auskunft mehr. Ihr ganzer Trotz empörte sich, der Trotz, der tief in ihr lag, lehnte sich gegen den bösen Verdacht und gegen dieses kränkende Verhör auf. „Antworte!“ gebot die Frau streng, und Nora biß die Lippen zusammen und— schwieg. „Hast Du verstanden, Du sollst Dich verantworten!“ gebot die Frau nochmals. Nora warf den Kopf in den Nacken. Ihre Antwort kam böse und hart hervor.„Ich hab' nichts gethan!“ Eine Sekunde des Schweigens und die Inspektorin sprach wieder. „Ein Geständniß würde besser für Dich sein,“ sagte sie in kaltem, eiskaltem, fast reglosem Tone,„ich frage zum letzten Male, hast Du mit Niemandem außerhalb des Institutes verkehrt?“ Kalt und bleich kam des Kindes Antwort:„Nein!“ Die Frau sagte weiter nichts. Sie trat zur Thüre und gab einige Befehle. „Luise mag eintreten!“ Sie hielt während der ersten Fragen, die man an sie richtete, den Blick gesenkt. „Hast Du etwas Verdächtiges an dem Benehmen Nora's be— merkt, Du hattest die Aufsicht über die Schlafsäle.“ „Ich habe bemerkt, daß sie zu nachtschlafender Zeit, wenn die Lichter gelöscht sind, noch wacht.“ „Wer hatte die Schlüssel zu den Spinden?“ „Ich, Frau Inspektor.“ „Du hast sie stets bei Dir gehabt?“ Jetzt hob das Mädchen den Kopf. ein unschlüssiges Licht. „Ich habe sie ein einziges Mal im Spind stecken lassen.“ „Wann war das?“ „Gestern vor zwei Wochen.“ Seltsam, daß Nora, aufhorchend, mit Sicherheit sich entsann, daß in jener Nacht das Hofthor geöffnet gefunden worden war. Was war das? Weshalb fixirte sie das verwachsene Mädchen so eigenthümlich? Welch' kaltes Licht trat in ihre graublaue Augen! „Hast Du sonst nichts Auffälliges bemerkt?“ Die Gefragte richtete sich auf. Sie sah geradeaus in Nora's In ihren Augen schwirrte heiße Augen.„Vor drei Abenden ist Nora an der Hinterthüre in der Dämmerstunde mit einem Landstreicher zusammen gewesen!“ Am ganzen Leibe zitternd, fuhr Nora auf sie zu. „Landstreicher— er! Das ist'ne Lüge!“ Sie hatte es mit zuckenden Fingern und todtbleichen Lippen gerufen, und nur das strenge Dazwischentreten der Inspektorin ver⸗ hinderte es, daß sie dem anklägerischen Mädchen in das Antlitz fuhr. Die Inspektorin wurde plötzlich ganz ruhig. „Ei, ei! Hätten wir Dich also! So liegen die Sachen! Der saubere Mensch, der Dich heimlich in der Dunkelheit am Hinter⸗ thor trifft— er ist es also, dem Du das Entwendete zuträgst. Ja, ja, ich kann mir ja denken, was Du sagen willst. Ich bitte, kein Wort! Du gehst auf die Kammer neben dem Schlafsaal. Dort steht eine Bank und das Wenige, was man braucht, um nichts zu thun, als seine Gedanken zu sammeln. Dort hast Du vierundzwanzig Stunden Zeit, Dein Geständniß über das Entwendete zu machen. Gestehst Du nicht, so wird man den saubern Burschen finden und etwas Haussuchung bei ihm vornehmen. Dich aber jagt man zurück auf die Straßen, denen Du entstammst! Solltest Du es vorziehen, offen zu gestehen, wo Du das Geld hast, so wird man diesesmal, da es Dein erstes Vergehen ist, sanft mit Dir verfahren und Dich weiter im Institut verbleiben lassen!“ Die sanfte Lehrerin hob bittend die Hände, wie um Einsprache zu erheben. Der eisige Blick der Inspektorin wies sie zurück. Arme Nora! Sie wandte sich und verließ den Saal. Sie hielt die Hand fest auf die klopfende Brust gedrückt. So sehr hatte ihr Herz noch niemals gehämmert, so sehr ihr Hals noch nie gebrannt! Vor der Kammerthüre, neben dem Schlafsaal blieb sie stehen. Dort hockte eine in sich zusammengedrückte Gestalt, die sich bei ihrem Erscheinen rasch erhob. Nora erkannte Hulda, ihre treue kleine Gefährtin. Sie schob sich weinend an Nora an. „Sag' es doch, gesteh' es doch, Nora! Wenn sie Dich fort⸗ jagen, dann hab' ich Niemanden; die Luise ist schlecht, siehst Du, ich hab's Dir gesagt. Bitte Nora, gesteh' es, wenn Du es warst! Nora, sei nicht verstockt!“ Verstockt! Verstockt wäre sie! Und Hulda glaubte es auch; Hulda, die doch wußte, wie wenig falsch sie wäre, die doch mit ihrem leichtfertigen kleinen Herzen an ihr hing; Hulda, die selbst keines Unrechtes fähig war, die in der Anstalt nur lebte, weil sie kein anderes Unterkommen hatte, die zu einfältig zu einer Bösthat und zu harmlos zu einer Gutthat war— auch sie hielt sie für schuldig? Nora öffnete die Thür des spärlich möblirten Zimmerchens und trat ein. Sie schlug sie nervös hinter sich zu, setzte sich auf die Holzbank unter dem Fenster und deckte ihr Gesicht mit den Händen. Lange verblieb sie in ihrer Reglosigkeit. Es mußte Eigenthüm⸗ liches in ihr vorgehen, Erschütterndes wohl, denn das Gesichtchen hatte, da sie sich endlich wandte, erschreckende verzogene Linien um den feinen Mund, und in die Kinderaugen stahl sich ein klagloser, harter, reifer Ausdruck, der das zarte Antlitz entstellte und alterte. Schlimme Gedanken mußten in ihr aufgestiegen sein, hin und her irrende quälende Gedanken, die sich scheinbar einem Punkte hart⸗ näckig zuwandten und dort fest eingebohrt stehen blieben. Gestehen— nicht gestehen. Sie zur Diebin machen— nicht machen? Fortjagen würde man sie, wenn sie schwieg! Nun ja denn, so sollte man es thun. Wo sie dann hin sollte— was wußte sie, aber vielleicht öffnete sich ihr irgend eine Thüre, vielleicht kam sie noch einmal in ein Stübchen, wie jenes, wo die Frau mit dem Hunde hauste, oder auf die Straße, auf die kalte, öde! Was that's? Des Diebstahls angeklagt, von der Besserungsanstalt verjagt, nahm sie sicherlich kein Mensch mehr auf, selbst wenn der Verdacht ein ungerechter war. Der Verdacht! O, wie beschämend, unter dem Verdacht des Diebstahls an einer Todten zu stehen! Wie entwür— digend! Wie empörend, sie zu einem Geständniß zwingen zu wollen! Und wenn sie doch nichts gestehen konnte! Nein, nein, nein, sie sollten sie nicht zwingen! Nicht um eine Welt, nicht um eine Gnade, nicht um ein Unterkommen! Mochte man sie also hinausjagen auf die Straße, mochte man sie als Diebin davontreiben. Sie konnte ja gehen; ja, sie wollte es auch, und wenn sie auf den Straßen Hungers stürbe, was war dann noch! Das Kind senkte mit bitter herabfallendem Munde den Kopf und grübelte an ihrem Jammer weiter. Es lebte doch Keiner, der um sie Gram hätte; Keiner, der sie D 85 0 te C 163 bedauere— oder doch, was fiel ihr denn ein? Hatte sie ihn ver⸗ gessen, den treuen, ehrlichen Burschen, und— ach Gott— hatte man ja doch gedroht, daß man bei ihm Untersuchung halten würde, wenn sie nicht eingestand. Diese Entwürdigung ihm und seiner guten Mutter! O nein, nein, das hatten die Leute um sie nicht verdient, das durfte nicht sein. In der ehrlichen Stube der arbeit— samen Plätterin eine Haussuchung? Und um sie, um das Straßen⸗ kind? Das ging nicht an, das mußte sie verhüten und wenn, ja, und wenn sie sich darum zur Diebin machen sollte vor dem ganzen Hause— vor Allen, vor der sanften Lehrerin, die sie nie hart an⸗ sprach; vor der Inspektorin, die sie nicht mochte; vor den Mädchen, die ihr ohnehin mißtrauten; vor Luise, die ste haßte und vor Hulda, ihrer harmlosen, praktischen, kleinen Anhängerin— Hulda! O, welche Schmach! Aber es galt, den Leuten, die ihr gut waren, Schande zu ersparen und das wollte sie, das mußte sie. Was dann werden sollte? Nora vermied es, weiter zu denken. Das dunkle Köpfchen gegen die Wand gelehnt, so verbrachte sie die Stunden ihres Arrestes. Ueber dem Korridor trabten geschäftige Mädchenfüße hin und her. Nora hörte ihr gedämpftes Sprechen; im Schlafsaal wurden die Betten gemacht und ausgefegt. Vor dem kleinen hochgelegenen Fenster stieg der feuchte Dampf vom Wasch⸗ keller empor. Nora wußte, daß die größeren Mädchen mit Körben voll gewaschenen Linnens über den Hofraum liefen und in den Trockenspeicher einkehrten, um dort mit eiligen Griffen gemeinsam die Wäsche auszuschütteln und aufzuhängen. Nora's Hände lagen unthätig in ihrem Schooß. Sie durfte nicht mit anfassen, sie hatte ja Arrest, und es verlangte sie plötzlich so sehr nach Arbeit, nach dem Treiben da unten, nach der Thätigkeit, die ihr das Haus an— gewöhnt, nach etwas, was die Gedanken vertrieb. Wenn sie hinunterginge, ganz dreist zur Inspektorin ginge, und sich als die Diebin angab, war dann nicht Alles vorbei? Ja doch, das wollte man ja nur. Es war doch nur das, was man bei ihr erzwingen wollte. Sie sprang auf und eilte zur Thüre. Sie griff nach der Klinke und drückte. Mit blassen Wangen prallte sie zurück. Es war von außen verriegelt! Verschüchtert schlich sich das Kind an seinen Platz zurück. Das Gefühl der Scham drängte sich ihr von Neuem auf und weckte einen Ekel, einen unwider⸗ stehlichen Ekel gegen Alles, einen Abscheu vor sich und ihrem Vor⸗ haben. In dem kleinen Mädchenkopf schwirrte Alles unklar durch⸗ einander. Die Stürme, die hin und her wehenden Seelenstürme raubten ihr das Unterscheidungsvermögen zwischen Recht und Unrecht, und sie fühlte nur, daß es ihr im Herzen weh that, daß die kleine Brust sich unerträglich krampfte. Sie verhüllte das schmale Gesicht mit den Händen und als sie endlich aufsah, lag eine Bitterkeit über dem Kinderantlitz, die schmerzlich und ergreifend wirkte. Es regte sich in der Kinderseele das erste Verständniß für den Weltbegriff, der sich Gerechtigkeit nennt, und dieses Verständniß gab der kleinen, vertrauenden, nichtsahnenden Kinderseele den ersten tiefgehenden Riß, und versetzte ihrem jungen Leben den ersten herben unabwendbaren Stoß. Aus dem heißen Herzen entsank unwieder⸗ bringlich das Vertrauen und der kindliche Glaube an das Gute der Welt, es war schade darum. Der Sonntag war angebrochen. Die vorgeschriebenen Arrest⸗ stunden waren vorüber. Als Nora aus der Kammer ertlassen wurde, hörte sie aus dem großen Saal die langgezogenen Orgel⸗ töne, welche den Beginn der Sonntagsandacht bedeuteten. „Wenn Du Gottes Wort gehört hast, wird Dein Herz viel⸗ leicht weniger verstockt und zum Geständniß bereit sein,“ hatte ihr die Inspektorin gesagt, und das Kind war ohne einen Laut der Erwiderung in den Saal der Andacht eingetreten. Sie sah nicht auf die Schaar der Mädchen, die den Raum füllten. Mit gesenktem Kopf huschte sie in den hintersten Winkel des Saales und kniete still vor der Bank, die sie einnehmen sollte, nieder. Sie hörte die Sonntagspredigt fast reglos mit an. Die Stimme des alten geistlichen Herrn hallte ruhebringend durch den Raum. Was er sagte, hörte sie nicht, aber der milde Ton that ihrem Herzen wohl. Und dann begannen die Orgeltöne von Neuem. Es war, als ob die vibrirenden Klänge Frieden eintrugen in die Seele des im Hader liegenden Kindes und Nora senkte tiefer noch als zuvor den Kopf und lauschte andachtsvoll, und jetzt begannen die Kinder zu singen. Die kleinen Stimmen hoben sich und mischten sich mit den Orgelklängen ein. Seltsame Macht der heiligen Lieder! Ueber den Gesichtern der kleinen schuldbeladenen Geschöpfe, auf denen sonst Spuren und Linien der Verkommenheit, Verschlagenheit und des Verbrechens lagen, brach es wie ein heiliger Wiederschein des Guten, wie die Verklärung, wie die überströmende Reinheit. Im Gesang schien das Belastende von den Stirnen weggehaucht, schienen die Kinder dem Unedlen enthoben, gleichsam getragen von dem Laster fort zu den Gefilden der Kindheit, der Reinheit und der Unschuld zurück. Und Nora? Ihr Kopf hatte sich gehoben, ihr Blick emporge⸗ schlagen. Während sie sang, hatte das bleiche Gesicht sich etwas vorgebeugt. An den dunklen Wimpern hingen große Tropfen, die dem Kindergesicht eine eigene rührende Wehmuth verliehen. Der Gesang schien unbewußt von ihren Lippen zu fließen, ihre großen Augen waren verschleiert und schienen sie träumend in Vergangenes zurückzutragen, und das Vergangene mußte ihr Inneres tief ergriffen haben, denn das Kind sank, als die Orgel verstummte, lautlos und wachsbleich hintenüber zur Erde. Das Verhör fand eine Stunde darauf im Schulzimmer statt. Nora gab im Beisein der ganzen Klasse, ohne einmal aufzublicken, Rede und Antwort auf die ihr vorgelegten Fragen. Die Inspektorin stand ihr gegenüber. Eine eigenthümlich verschlossene, fast hartnäckige Ruhe lag über der Haltung des blassen Kindes. „Du gestehst also, daß Du das Geld entwendet hast?“ Die Antwort kam tonlos, aber entschieden:„Ja!“ „Du hast mit den Schlüsseln, die stecken geblieben waren, den Schrank geöffnet?“ Wieder das entschlossene klanglose„Ja!“ „Wem hast Du das Geld gegeben?“ Die Augen des Kindes sahen rasch und schreckhaft auf. „Wem? Keinem!“ „Du hast es also noch?“ Das Kind hob ein wenig die Arme von ihrem Körper. Ihre Antwort kam zagend:„Nein!“ Die Mädchen flüsterten unter einander. „Du willst es Keinem gegeben haben,“ fuhr die Inspektorin fort,„und hast es doch nicht mehr, wo ist es also geblieben?“ Eine große Pause trat ein. Des Kindes ganze Gestalt begann zu zittern. Mit einer zögernden, planlosen, suchenden Geberde strich sie mit der kleinen Hand tastend an ihrem Kleide hin und her, hob die Augen hilfesuchend zur Decke und sah dann wieder vor sich nieder. „Du sollst sagen, wo Du das Geld hast?“ Arme Kleine! Sie hatte sich schlecht vorbereitet. An die natur⸗ gemäßen Folgen ihrer Worte hatte sie nicht gedacht. Würde ihr ganzes Geständniß daran scheitern? Sollte es doch soweit kommen, daß man sie hinauswies! f „Du wirst klug daran thun, Nora, den Namen des Menschen zu nennen, mit dem Du— Nora hörte die Frau nicht zu Ende. Die Erinnerung an Arnold, an den Schutz, den sie ihm durch ihr Geständniß geben wollte, an ihr festes Vorhaben, ihn von jedem Zusammenhang mit der Sache fernzuhalten, gab ihr das Hilfsmittel ein, das sie brauchte: die erfinderische Lüge! „Willst Du endlich gestehen?“ Ja, sie wollte es. Sie sah der Fragerin gerade in's Gesicht, ihre Züge veränderten sich zusehends, der Mund verzerrte sich in seinen Zuckungen:„Ich habe das Geld unter die letzte Stufe der Kellertreppe gelegt, weil ich Angst hatte, daß man mich faßt! Jetzt ist es nicht mehr da!“ Alles Fragen und Antworten blieb von jener Minute an fruchtlos. Das Kind wiederholte beharrlich das Gesagte, und das Gesagte reizte die Hörer nur immer mehr gegen sie auf. Eine Untersuchung aller Hausbewohner führte zu keinem Ergebniß und so blieb der doppelte Verdacht des Diebstahls und der ver⸗ stockten Unterschlagung des Entwendeten auf Nora haften. Sie wurde vom Schlafsaal und von dem Verkehr mit den Andern verbannt und ausgeschlossen, ihr Bett wurde in der kleinen Arreststube aufgeschlagen. „Du bleibst für Dich und von Allem ausgeschlossen, auch von der Weihnachtsbescheerung, bis Du voll gestehst!“ Das war ihr Urtheil! Und dann kam die kleine Lehrerin zu ihr und gestand, daß sie Mitleid habe mit ihr, rieth ihr, Geduld S r W A 5* K 7• * 164. zu üben, und nicht durch Trotz und Eigensinn ihre Lage zu ver— schlimmern. Indessen rückte Weihnachten heran unter schwerfallendem weißen Schnee und steif gefrorenen Eiszapfen an den Dächern. Tage ver— gingen— Tage der emsigen Vorbereitungen zum Feste. Der große Saal wurde geräumt— Stühle und Bänke hinausgetragen— Tannenzweige hereingebracht und über den Flur geschleppt. Nora hörte ihr Rauschen über den Korridor, hörte, wie sich die Zweige an der Breite der Thüre stauten— hörte, wie sie im Einbringen knisterten und im Brechen der Oberzweigspitzen einknickten. Nora hatte ihre Thätigkeit in der Plätthalle, sie hatte ihren Platz in der Nähstube, sie trat in die Gesangsklasse mit den Andern ein, aber das Brandmal der Schande haftete an ihr. Ueberall stand sie von den Anderen getrennt, überall zwischen ihnen und ihr eine Kluft, überall das Zeichen von Verachtung für die Diebin. Ein strenges Gebot untersagte den Mädchen jede Anrede, jeden Verkehr mit der Schuldigen— und Nora führte sie nicht in Versuchung. Bleich und mager— scheinbar in der Vereinsamung ihres Inneren abgezehrt— schlich sie einher, in sich gekehrt, wortlos— verstummt. Sie aß bei Tisch wenig und blickte nicht auf. Wenn sie die unerwartete Anrede der sanften Lehrerin traf, schlug sie ein thränenleeres Augenpaar auf und zuckte in sich zusammen. Die kleine gütige Dame hatte sie öfters sinnend angeblickt. War's, daß im Wesen des angeklagten Kindes ein Etwas lag, das ihr Mit— leid erweckte, war's, daß sie gesundheitlich um das bleiche klaglose Geschöpfchen Sorge trug, sie hatte sie mehrmals diesbezüglich an— gesprochen. „Bist Du nicht wohl, Nora?“ geantwortet, daß sie ganz wohl sei. „Wenn Dir Etwas ist, so mußt Du es sagen!“ Nein, ihr war gar nichts. Sie sah dankbar zu der besorgten Dame auf und schuͤttelte den Kopf: ihr war gar nichts! Sie hustete oftmals und dann schmerzte sie die Brust etwas, aber sonst war ihr gar nichts.— Der Weihnachtsabend war gekommen. Der Tag war in der Anstalt ein regelloser gewesen. Die Vorstimmung zur Feier hatte die Köpfe etwas verwirrt, und man rannte geschäftig einander in den Weg, vergaß, was man suchte, rannte zurück und wieder vor — und besann sich endlich lachend auf sein Vorhaben. Nora saß allein in ihrer Kammer. Sie hatte, als die Abend— glocken zu läuten begannen, ein heißes Verlangen bekommen, die Straßen zu sehen, die Straßen, auf denen sie gelebt, bevor sie hierher gekommen war. Das Fenster lag hoch. Sie mußte den einzigen Holzstuhl, den ihr Zimmer hatte, an dasselbe heranschieben und von der Lehne zum Fensterbrett aufsteigen. Ja— so ging's. Das Kind stieß das Fenster auf. Die eisige Winterluft wehte zu ihr herein und ließ sie erschauern. Was that das? Hatte sie doch öfter in ihrem Leben gefroren— was that's, daß die schneidende Abend— luft ihr durch das dünne Kleidchen zog! Dort unten lagen die schnee— bedeckten Straßen und von Ferne über den breiten freien Platz standen Häuser mit hellerleuchteten Fenstern. Man zündete wohl dort den Weihnachtsbaum an! Glückliche Menschen hausten wohl in dem Giebelstübchen, das jetzt plötzlich so hell erglänzte. Wie still das bei ihr war, und selbst unten— draußen— wie todt und leer waren die Straßen dieses entlegenen Stadttheils! Ob man wohl unten im Saal bereits bescheerte? Sie freilich durfte nicht dabei sein— sie war ja in Strafe. Sie sollte allein bleiben— allein an diesem Abend, am Festabend aller Menschen! Aber freilich, besser allein, als beschämt vor all den Andern— und den Fremden, die heute mit dabei sein würden, Damen und Kinder, Wohlthäterinnen der Anstalt, welche vor der eigenen Bescheerungsstunde zur Be— scheerung der Armen in der Rettungsanstalt herbeigekommen waren. Und im großen Saal wurden die Geschenke vertheilt— und der Saal gewiß recht schön geputzt mit den Fahnen und Tannen, von denen Hulda ihr heimlich was zugeflüstert, als sie beim Früh— stück an ihr vorübergehuscht kam. Ach ja, sie hätte es gerne gesehen; sie hätte doch so gerne die Weihnachtsbescheerung mitgemacht, es war gar zu einsam hier oben Und das Kind hatte ihr stets . allein in der Dunkelheit, und kalt war es geworden; der Abend— wind, er hatte sich ihr auf die Brust gelegt, so daß sie heftig husten mußte und o, wie das weh that in der Brust, solch' Stechen und dann diese Ermattung! Das Kind stieg mit müden Schritten vom Stuhl herab und trug ihn wieder an seinen Platz zurück. Sie hatte sich müde darauf niedergelassen, als es im Korridor wie von Schritten ertönte. War's möglich? Kam man zu ihr? Nora horchte auf mit geöffneten Lippen und starren Augen. Richtig, man näherte sich ihrer Thür; der Riegel wurde zurückgeschoben. Ein großes Mädchen bestellte, daß sie herunterkommen dürfe in den Saal. Was? Hatte sie recht verstanden? Sie sollte doch— sie durfte — es war möglich, daß man sie rief? Also doch, sie sollte die Bescheerung gleich allen Anderen— Armes enttäuschtes Kind! Nicht gleich den Anderen! Sie hatte eintreten dürfen wie alle Anderen, aber nicht wie diese hatte sie an dem Allen Theil. Sie sah den Christbaum brennen, aber sie mußte von ferne stehen, allein, die Zielscheibe aller Blicke. Sie hörte die feierlichen Christabendgesänge, aber sie sang nicht mit und endlich, da man die Geschenke vertheilte, da ein Jedes gerufen wurde zum Entgegennehmen seiner Bescheerung, da rief man alle an— nur sie nicht, nur sie! Und dann traten die fremden Damen mit den vornehmen Kin— derchen herbei. Körbe mit Honigkuchen und Aepfeln kamen zum Vorschein. Den vornehmen Kindern wurde das Amt zu Theil, die armen zu beschenken und die Kinderchen thaten's mit herzinniger Freundlichkeit. Nora's Augen folgten der Kindergestalt, die ihr am nächsten stand und sich soeben mit gefülltem Teller wandte. Ein halber Freudenruf entfuhr dem Munde beider Kinder, und Nora that einen Schritt dem fremden Mädchen entgegen. Die blonde Kleine war's aus der Bel-Etage, die einst zu ihr in den Bäckerladen gekommen war. „Das Bäckermädchen!“ rief diese freudig, und dann rasch zur Mutter gewandt:„Mama, sieh, da ist das niedliche Mädchen von drüben!“ Vielleicht wäre das Kind auf die alte Bekannte zugestürzt, viel— leicht hätte auch Nora ihre helle Freude gezeigt, wenn nicht in diesem Moment die Inspektorin zwischen sie getreten wäre. Nora empfand die Worte, die sie sprach, voll tiefster Demüthigung bis in die innerste Seele hinein. „Dieses Mädchen nimmt nicht Theil an der Bescheerung— sie ist in Strafe wegen Diebstahls!“ Wie mit einer Eisenklammer umzog es des Kindes Herz— wie mit einem Schlage schwand der Glanz aus ihren Augen. Ein eisiger Schauer flog ihr über Schultern und Nacken und die ganze kleine Gestalt schien in sich zusammenzufallen unter den erstaunten halb mitleidig, halb beklagenden Blicken der Fremden. Der bleiche Mund war fest zusammengepreßt, die kalt gewordenen Hände hingen an ihr hernieder, ein einziges wahnsinnig starkes Verlangen überkam sie, fortzukommen, von der Demüthigung weg, von der Schmach, von der vernichtenden Schmach dieser Stunde. Sie blickte rasch, wie zu einem verzweifelten Entschluß sich sammelnd, auf. Eine heiße, jähe Röthe stieg ihr zu Kopf, die brennende glühende Röthe der Scham. Zur Thüre gelangen wollte sie, zur Thüre hinaus und dann fort— wohin? Gleichviel, nur hinaus— von den Menschen, von den Fremden, von den Kindern— vom Lichterglanz. Sie hatte, alle Bedenken von sich werfend, einen Schritt zur Thüre gemacht, als ein langanhaltender Glockenton durch das Haus ging. Die Klingel vom Hauptthor war's! Wer konnte es sein, der zu dieser ungewohnten Stunde am Christabend so dringlich Einlaß forderte? „Luise mag öffnen! Luise— wo ist sie?“ Sie war nicht da. Man blickte sich verwundert um. War sie gar nicht dagewesen oder hatte sie unbemerkt den Saal verlassen? „Adele, öffne Du!“ Das große Mädchen kam sofort wieder herein. „Ein junger Mensch, Frau Inspektor, der eilig was zu melden hat, ich soll sagen, es beträfe die Anstalt!“ (Schluß folgt.) itte sie Sie ind rde iin⸗ um die ger r sie — 165 2 Der Zimmergarten. „Es predigt jede Blüthe Und jeder Amselruf: Ein Gott der Lieb' und Güte Die schöne Welt erschuf.“ Mit diesen Versen schließt Julius Lohmeier in seiner„Deutsche Jugend“ 1885 2. Heft seinen Sang vom schönen Monat Mai, 0 das Sehen der neuen Erscheinungen in der Natur; Viele müssen erst darauf aufmerksam gemacht werden, um sich ihrer zu erfreuen. Ich, der ich ein ganzes Menschenalter hindurch in und mit der Natur, mit der Pflanzenwelt gelebt, will es unternehmen, auf die Schönheit der Pflanzenwelt und ihrer Entwickelung aufmerksam zu machen; der Leser wird sie dann auch sehen können; er wird das Leben der Pflanzen, Blüthen und Früchte im Garten wie im Zimmer mit ganz anderem Auge betrachten als vorher; ihm wird Jagdstillleben. und wer sollte sich nicht mit ihm der erwachenden Natur freuen, sich freuen der klagenden oder jauchzenden Vögel, der Bäume mit schwellenden Knospen, der wiedererstandenen Blumen, des balsamischen Hauches, der auch den Menschen erfrischt und ihn empfänglich macht für die Erscheinungen, namentlich in der Pflanzenwelt die, jedes Jahr gleichsam immer dieselbe, doch stets von Neuem das Auge des sinnenden Naturfreundes auf sich zieht. Aber diesen Wechsel in der Pflanzen⸗Welt muß man kennen, man muß sie sehen können, um sich ihrer zu erfreuen. Es ist nicht Jedermanns Sache, dann die Anlage und Pflege des Zimmergartens leicht; sie gewähren ihm Freude und das Gelingen erregt eine Befriedigung, welche diejenigen nicht verstehen, die sich an dem Duft und Farbenglanz der Blumen genügen lassen. Beschäftigen wir uns zunächst mit einer Pflanzenfamilie, die in dem System der Gelehrten zu einer der niedrigsten Pflanzen⸗ sippen gehören: die Farne(Farrnkräuter, Filices); sie erregen immer und überall das Entzücken der Jugend wie des Alters, gleich— viel, ob sie im schattigen Walde oder im Gewächshause oder— ge⸗ 1— trocknet— im Herbarium eines guten Freundes gefunden werden. Und diese Beachtung verdienen sie recht wohl, denn sie zeichnen sich durch die Mannigfaltigkeit der Formen wie durch die wahrhaft elegante Haltung der Blätter(Wedel) aus; meist auf der Unter seite der Blätter und Flie⸗ derblättchen befinden sich eigenthümliche Zeichnungen, welche meist durch dunkel⸗ braune Pünktchen entstehen, wie beim spitzzähnigen Schildfarn Aspidium spi- nulosum Sw.(Fig. 1), bei anderen schmiegen sie sich als zusammenhängende Streifen an den Rand des Blattes an, wie beim Saum⸗ farn(Pteris), und wieder andere Gattungen und Ar⸗ ten haben diese Pünktchen nicht an den Blättern, son⸗ dern an besonderen Stie— len, wie beim Königsfarn (Osmunda reg. L. Fig. 2). — Diese Pünktchen oder Streifen bestehen aus Zellen, den ein⸗ fachsten Organen der Pflanzen; sie haben sich von den Blättern ab⸗ gehoben und werden Sporen genannt. Gleichviel, ob man sie von den im Walde wachsenden oder im Herbarium seit Jahren vertrock⸗ neten Wedeln abschabt— immer geben sie neue Pflanzen von gleich schöner Form, wie unsere Abbildung sie zeigt, wenn man verfährt, wie sofort beschrieben werden soll, aber immerhin nicht eher, als bis in den ersten Anfängen der Pflanzen, den Vorkeimen(prothallia) die Befruchtung vor sich gegangen ist, die bei mehr ausgebildeten, im System höher stehenden Pflanzensippen durch die Geschlechtsorgane stattfindet, welche sich in den Blüthen befinden. Zur Anzucht der Farne nehme man im Februar, März oder April ein Stück Torf, koche es, um Ungeziefer und Unkrautsamen zu tödten, lege es in eine Schale mit Wasser, von dem es durch und durch feucht, aber nicht naß erhalten wird und das man stets ersetzen muß, wenn es durch Aufsaugung und Verdunstung nahezu verschwunden ist. Die von den Wedeln abgeschabten Sporen ver⸗ mischt man mit Kohlenstaub, streut sie auf dem Torfstück gleich⸗ mäßig aus und drückt sie fest. Das Ganze wird mit einer Glas⸗ glocke oder mit einem Wasserglase bedeckt und so von der äußern Luft abgeschlossen; die an der innern Seite dieser Gefäße durch die Ver⸗ dunstung sich bildenden Wassertropfen müssen täg⸗ lich abgewischt werden zjedes Gießen ist überflüssig, wenn in der Schale u. dergl. sich immer noch wenigstens eine Spur von Wasser befindet; es ist aber auch schädlich, weil es die Sporen aus ihrer Stelle rückt und das Keimen erschwert. Die Schale mit dem Torfstück und den Sporen stellt man an das Fenster des war⸗ men Zimmers. Das Keimen der Farne ist außerordentlich interessant. Nach einiger Zeit bilden sich nämlich auf dem Torf zahlreiche grüne Flecken, die bei näherer Betrachtung kleinsten Blätt⸗ chen nicht unähnlich sind; sie liegen platt auf dem Torf und sind die oben schon erwähnten Vor- kei me, welche die Auf— gabe haben, die aus ihnen aufwachsenden fungen Pflänzchen zu er⸗ Aspidium spinulosum. Fig. 1. 0 N nähren, bis die später entstehenden, nach unten wachsenden Würzelchen stark genug sind, diese Pflicht zu übernehmen, was jedenfalls nicht eher geschieht, als bis der eigentliche Keim(Embryo) sichtbar wird, also nicht eher, als bis die in der weiblichen Spore oder in der, im Vorkeime befindlichen Ei-Zelle von dem männlichen Organ— der in derselben oder in der männlichen Spore befind⸗ lichen männlichen Zelle be⸗ fruchtet worden, d. h. nach⸗ dem diese in Form einer Spirallinie bis zu jener vorgedrungen ist, und sich mit der Ei⸗Zelle vereinigt hat.„Wenn in einem Vorkeime beide Geschlechter vertreten sind, wie bei den Farnen, dann befinden sich, wie ich schon in meinem „Grundriß der Lehre vom Gartenbau“ J. Theil, Leipz. 1886 gesagt,,„die weiblichen Zellen dicht an dem Winkel, der von dem die Herzform bedingenden Einschnitt ge— bildet wird, und die männlichen Zellen liegen ihr nahe. Aus dem Vor- keime entwickelt sich nach der in seinem Innern vor sich gehenden Befruchtung nach oben zuerst ein einfaches, d. h. ein nicht getheiltes, nicht gefiedertes Blatt, dem bald das zweite und dritte und nach unten das Wurzelchen folgen.“ Wenn die Pflänzchen groß genug geworden, hebt man sie mit Hilfe eines Holzstäbchens vom Torf ab und pflanzt sie nicht zu eng, etwa ein Centimeter weit aus einander, in eine Schale, die mit Abzugslöchern versehen, unten mit Ziegelstücken, Topfscherben oder Coksstückchen(der Wasserabzug) belegt und mit Haideerde nahezu gefüllt ist. Die Pflänzchen werden wieder mit obengenanntem Holz- stäbchen so tief wie bis zum untersten Blatt eingesetzt, mit über⸗ schlagenem, bis 30 C. warmem Wasser angegossen und ferner feucht gehalten, die ersten Tage auch mit einer Glasglocke u. dergl. bedeckt, um durch Absperrung der Luft das Anwachsen zu befördern, schließlich aber, wenn sie in der Schale sich drängen, einzeln in kleine, später in wenig größere Töpfe mit eben genannter Erde verpflanzt, wenn man nicht vorzieht, die dazu geeigneten Arten sofort auf eine passende, d. h. schattige Stelle im Blumengarten zu versetzen. Nach und nach werden sie die Formen der Mutterpflanzen zeigen und den Züchter ob solcher Fig. 2. Osmunda regalls. Fig. 3. Caladium bulbosum. gelungenen Anzucht mit Stolz und Freude erfüllen. Gegossen wird immer erst dann, wenn, wie bei allen Topfpflanzen, die Oberfläche des Wurzel— ballens beginnt trocken zu werden, also im Winter wenig, oft ganz und gar nicht, im Sommer, beson— ders während des Wachs— thums, sehr oft und stark. Viele Arten der Farne zie— hen vor Winter ganz ein und sind nicht eher zu gie— ßen, als bis sie, gewöhnlich in Form von Krummstäben, neue Wedel zeigen. Aeltere Farne von kraut⸗ artigem Wachsthum können auch dadurch vermehrt wer⸗ den, daß man sie im Früh⸗ jahr ausgräbt und den Wurzelstock in so viele Stücke zertheilt, als er An⸗ sätze zu erneutem Wachs- thum besitzt. Einige Gat⸗ tungen bilden auf ihren Wedeln kleine Pflänzchen, die man abschneidet und als Stecklinge später wie die aus Sporen gezogenen Pflänzchen behandelt. n eee ee N en rm or⸗ den es, a mit 9 mit der 1 lz er⸗ ct um er, in an N. b 167 In ähnlicher Weise wie die Farne erzieht man auch das von allen meinen freundlichen Lesern hochverehrte Alpen veilchen(Cyclamen), obwohl die Entwickelung eine ganz andere ist. Den möglichst frischen Samen säet man im August, oder später bis Dezember, in eine Schale mit gutem Wasserabzug und Haideerde(auch auf ausgekochten Torf wie die Farnsporen), drückt ihn mit dem Boden des Wasser⸗ glases fest und bedeckt ihn mit Holzkohlenstaub, auch mit einer Glas⸗ glocke und dergl. Hier aber erscheinen statt des platt auf der Erde liegenden Vorkeims der Farne zwei einander gegenüberstehende dicke Blättchen, die Keimblätter(Kotyledonen), zwischen denen sich oben das„Federchen“ erhebt, der erste Anfang der jungen Pflanze, während das Würzelchen nach unten wächst. Auch die kleinen Pflänzchen des Alpenveilchens werden, sobald sie sich mit den Fingern fassen lassen, in eine andere Schale mit Laub- und Mistbeeterde gepflanzt(„pikirt“) und kommen darnach in kleine, später in größere Töpfe, bleiben aber fortwährend im warmen Zimmer und werden im Winter des nächsten Jahres blühen. Gleichzeitig entwickeln sich die gewöhnlich schön ge⸗ zeichneten Blätter, die aber bald nach der Blüthenzeit absterben— „die Pflanze zieht ein“—, wonach die inzwischen gebildete Knolle durchaus trocken zu halten und erst dann in frische Erde zu ver⸗ pflanzen und zu gießen ist, wenn sie zu treiben beginnt. Leichter und schneller geht die Anzucht von Zwiebeln- und Knollen⸗ pflanzen von statten, z. B. von Hyazinthen, Tulpen, Krokus, Lilien dc., auch der prachtvollen Kaladien mit ihren herrlich gezeichneten großen Blättern(Fig. 3), und mehr oder weniger großen, in gekochtem Zustande genießbaren Knollen, die zur Kultur in trocknem Sande kalt aber frostfrei überwintert und im Frühjahr in frische Erde— mit Sand oder besser mit grober Koksasche gemischte Mistbeeterde — versetzt werden. Je später man sie einsetzt, desto später ent⸗ wickeln sie sich und desto später ziehen sie ein; durch all mäliche An gewöhnung kann man sie mitten im Winter lebend und grünend haben und zu den herrlichsten Ausschmückungen von Winter⸗ gärten, Wohnzimmern und Festsälen verwenden. Die geduldigsten Zimmer⸗ pflanzen sind die immer grünen Palmen, von Linne die Für⸗ sten des Pflanzenreichs genannt, welchen Namen sie um so mehr verdienen, als sie durch ihre majestätische Gestalt über allen anderen Pflanzen stehen; ihnen, die eine in sich abgeschlossene Familie bilden, kann kaum irgend eine verwandtschaftliche Beziehung zu anderen Pflanzen⸗ familien nachgewiesen werden. Man kennt jetzt ungefähr 1000 Arten von ihnen, welche mit wenigen Ausnahmen in den Tropen einheimisch sind, die meisten in Amerika, andere in Australien, Ostindien, China, Japan u. s. die Zwergpalme ö wild. Die An denpalme Ceroxylon andicola Humb. ist in West⸗ indien bezw. auf den Anden Süd-Amerika's 2000-3000 Meter hoch gefunden worden; sie nimmt also unter allen Palmen den höchsten Standort ein. Als Zimmerpflanzen sind die Palmen, wie in meiner„Zimmer⸗ flora“, Oranienburg 1886, schon gesagt wurde, erst seit verhältniß⸗ mäßig kurzer liebtheit, weil ihr Gedeihen bei einiger Sorgfalt in der Pflege des Liebhabers durchaus keiner Schwierigkeit begegnet.— Die natürlichste, ja fast einzige Fortpflanzungsweise der Palme ist die durch Samen, der, aus dem Heimathlande eingeführt(3. B. durch die ausgezeichnete Firma Haage& Schmidt in Erfurt), am besten im Winter in Sägespäne von Kiefernholz oder in Kokusnußfaser-⸗Abfall gesäet und warm(25— 30% C.) gestellt wird; er bleibt in seiner Samenschale, meist mehrere zusammen, bis er das erste, w.; nur eine Art, Chamaerops humilis L. wächst in Europa Fig. 4. Kentia Canterburyana C. Moore. ö wirkliche Blatt gebildet hat. Die ersten Blätter sind stets einfach und mit an der Spitze zusammenlaufenden Nerven versehen; erst später erscheinen die zusammengesetzten oder geschlitzten Blätter. Bei dem keimenden Samen und jungen Pflanzen darf der mit dem Nabelstrang, Keimblatt und Stengel in die Höhe gehende Kern nicht eher entfernt werden, als bis das Glied(der Nabelstrang), welches ihn mit der Pflanze verbindet, verdorrt ist; eine vorzeitige Entfernung desselben hat beinahe immer die Form der Pflanze verdorben oder verunstaltet. Die Palmsämlinge können längere Zeit unverpflanzt in der Samenschale stehen bleiben. Ich möchte doch darauf aufmerksam machen, daß die Anzucht von Palmen für den Liebhaber ziemlich unsicher ist; es empfiehlt sich daher der Ankauf junger Pflanzen, die von der schon oben genannten Firma Haage& Schmidt in Erfurt billig abgegeben werden (12 Sorten Zimmerpalmen Mk. 8,0, 50 Sorten für Mk. 100,0. Im Zimmer sollte man den Palmen immer einen erhöhten, selbst abgesonderten Standpunkt geben, weil sie uns so ihre volle Schönheit entwickeln und zeigen können; es ist nicht durchaus nöthig, sie wie die Alpenveilchen dicht ans Fenster zu stellen, wohl aber müssen sie gegen brennende Sonnenstrahlen geschützt, in den Sommermongten auch im Freien im Halbschatten und gegen starke Winde geschützt aufgestellt werden. Gaslicht und Leuchtgas sind ihnen weniger schädlich als anderen Pflanzen. ö Beim Versetzen der Palmen nach Beginn des Wachsthums benutzt man nur mäßig große Töpfe von gewöhnlicher Höhe und eine Erdmischung von halbverfaultem Laub, Lehmerde, gut verrotteter Mistbeeterde mit Sand oder grober Koksasche, auch Ofenruß und kleinen Ziegelstücken. Von der Wurzel schneide man die angefaulten oder sonst beschädigten vorsichtig heraus, lasse aber die gesunden ganz un berührt; niemals darf der Wurzelhals in die Erde kommen, wohl aber darf er oben auf sitzen. Das Gedeihen der Palmen be⸗ fördert man durch einen Kranz von feinem Rindsdung mit Erde unter einer Moosdecke, den man 10—15 cm. breit um den Wurzelhals legt. Die oft vorkommenden trocknen Spitzen der Blätter sollte man stets und immer so abschnei⸗ den, daß die gefällige Form beibehalten wird. Die auf der unteren, auch oberen Seite der Blätter sich festsetzenden Schild⸗ läuse müssen mit dem Finger⸗ nagel abgeschoben werden, wo⸗ nach die Blätter mit schwarzer Seife abzuwaschen sind. Die meisten Zimmerpalmen befin⸗ den sich in einer Temperatur von 1012 C. sehr wohl. Von den zahlreichen die Zimmerluft ertragenden Pal⸗ men nenne ich nur zwei: Kentia Canterburyana C. Moore(Fig. 4) von der Lord Howe's Insel und Areca Baueri Hook, von der Norfolk-Insel(Fig. 5). Wer bei einem reellen Samen- und Pflanzengärtner kauft, wird immer die Sorten erhalten, welche im Zimmer am besten gedeihen; ich wollte deshalb die Geduld meiner liebenswürdigen Leserinnen und Leser nicht noch mit Aufzählung vieler botanischer(„lateinischer“) Namen in Anspruch nehmen. Kentia Canterburyana, Canterbury's Kentia, ist eine sehr Fig. 5. Areca Baueri Hook. Zeit bekannt, erfreuen sich aber jetzt allgemeiner Be— elegante Palme mit großen ausgebreiteten und gefiederten Blättern, spiraligen Blüthen und pflaumenartiger Frucht. — Areca Baueri, Bauer's Areka- oder Betelpalme, kann schon in einer Wärme von 110 C. überwintert werden und ist eine der schönsten Palmen. Die Betelnüsse werden wegen ihrer betäubenden Wirkung von den Indiern gekaut und sind ihnen unentbehrlich, wie dem Europäer der Branntwein.— Sämmtliche Arten der Betelpalme werden dies⸗ auch zweite seits(Ostindien) und jenseits des Ozeans wegen ihrer Nüsse angebaut. O. Hüttig. 5 . ene 1 F100 S* C 0 2 2 + F i 8 1 e 8 8 II u 1 0 0 Die leeren Felder der vorstehenden Figur sind mit je einem Buch⸗ staben so auszufüllen, daß die steben wagerechten und ebenso die erste und letzte senkrechte Reihe bekannte Worte ergeben. Die neun Worte, jedoch in anderer Reihenfolge, nennen: Einen Hauptstamm der Griechen. . Hirtenvölker. Die Bewohner des himmlischen Reiches. Ein Königreich. . Eine Stadt in demselben Reiche. „Ein hygienisches Stärkungsmittel. Einen weiblichen Vornamen. . Eine Provinz an der Ostsee. Einen König aus Judäa. DO D D D Arithmogriph. Aus folgenden Ziffern sind 16 Worte zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten, und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, zwei Blumennamen ergeben. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 4. 7.— Ein Thal bei Jerusalem. 8. 9. 10. 11. 6.— Einen männlichen Vornamen. 12. 4. 13. 14. 15. 8. 16. 2. 11.— Eine französische Provinz. 17. 14. 10. 16. 10.— Einen deutschen Rechtsgelehrten. 13. 2. 9. 18. 8. 14. 8. 13.— Ein Königreich. 14. 4. 12. 12. 2. 13.— Ein englisches Hohlmaß. 8. 16. 9. 10. 3. 10.— Den Namen eines arabischen Geographen. 9. 2. 19. 8. 3. 5. 10. 8. 9. 9. 8.— Einen französischen Revolutionär. I. 8. 9. 2. 19. 8. 4. 20.— Name zweier israelitscher Könige. 8. 13. 13. 10. 15. 3.— Einen römischen Dichter(240 v. Chr.). 12. 10. 13. 16. 15. 3.— Eine Hafenstadt auf Rhodus. 10. 12. 10.— Einen Fluß in Hochasten. 8. 13. 14. 8. 12. 19. 8. 9. 14.— Ein vielbesuchtes Thal im Kanton Unterwalden. 19. 15. 7. 12. 8. 9.— Eine Person aus Schillers„Wallenstein“. 8. 20. 10. 12. 10. 8.— Einen weiblichen Vornamen. 9. 8. 11. 10. 7. 4. 7. 10. 21.— Eine Form des Gesanges. Räthsel. Was wünschen die Studenten zu Heidelberg?—(Die Antwort liegt im Namen.) vierslbige Charade. Die ersten Silben. Wenn sich im Ost der gold'ne Morgen röthet, Erschein' ich an des Himmels fernstem Saum, Es wird durch mich die Finsterniß getödtet Und ich beherrsche dann der Erde Raum. Die letzten Silben. Kühn griff ich in der Leyer gold'ne Saiten Und sang der Liebe Schmerz, der Liebe Glück, Des Helden muth'ge That;— doch jene Zeiten Bringt keine Macht der Erde je zurück. Das Ganze. Mit Riesenkraft ward ich im Kampf geschwungen, In jener Zeit, die längst dahin geschwebt, Jetzt ist mein Name wie die Zeit verklungen, Und er nur selten noch in Büchern lebt. Auflösung der zweisilbigen Charade in voriger Nummer: Lichtschirm; — des Rätsels:: Prozeß;— des Geographischen Silbenräthsels: Hannover. Eltville. Romrod. Dujepr. Eckernförde. Norschach. Herder. eb Sec 21) Tfi—el h7—b5 22) eß— dg:— Partie II(Weiß: London, Schwarz: Schach. Problem Nr. 449 von E. Enderle in London. Schwarz. 2 5 1 5 25 1 125 1 e 1 1 0 E n 0 1 g h Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. 2 S V Auflösungen. Problem Nr. 443 von B. G. Laws in London. 1) Sd3 65 Kd5—c4: 1 La2— 64 a 2) Dfö—e37 Kees(bö, d)) 2) Pie cs d7— c:(Kda) 3) Scö—b3(Db, dz) F 3) Tes-—ds(Lb2) 7 Varianten: 1).. bé— cs: 2) Sde 3) Tes resp. Deß Matt. 1).. Sfr 2) Dfrar Kdg 3) Lb2 Matt. 1) Ses oder 14 2) Ded Kea: 8) Abzugsmatt. 1)., beliebig, 2) Ddçr Kea: 8) Ddg Matt.— Zwei sehr ansprechende echten sind in diesem Problem recht Pie h vereinigt und unter Ausnutzung aller A von 1 zum Ausdruck gebracht.— Die Lösung wurde angegeben von F. Hofmann in Kron in B., Dr. Voelkel in S.⸗M. Dr. Knopf in G., Dr. Wehrmeister in M., Th. Kraus in B, D. W. Weigt in B. Problem Nr. 444 von J. Barsdorf in Crefeld. 1) Dbé—e7 Ld7 eG 8 Ke5— da 2) De7- dl Ke5- d: 2) ber—esf Kd4 03. 3) Tha-gzf 3) Lha4-f6f An dieses doppelte, 2 1 1 A490 schließt sich noch das 3—.— 1 9 an 2) De7 c Kf4 8) b2—3. 82 Matt, welches auch gegen den G. 1 Ke5—f4 zum Ziele 515— Die ifa Wurde angegeben von Dr. Wehrmeister in n M. Knopf in G, W. Kron in B, Th. Kraus in B., Dr. Voelkel in S.⸗M. Aus der Schachwelt. Zum Problemturnier des deutschen Schachbundes sind zweiundsechzig Aufgaben von vier⸗ unddreißig verschiedenen Autoren eingesandt worden. In dem kleinen Match zwischen Zukertort und Blackbur ne entscheiden die fünf ersten Gewinnpartien. Dreimal wöchentlich wird gespielt. Kapitän Mackenzie ist aus zwei kleineren Wettkämpfen, die er während seines Aufent⸗ haltes in der Havanna gegen Senor Vasquez und Richter Golmayd ausgefochten, mit 5 zu 1, resp. 5 zu 2 bei zwei Remispartien, Sieger geblieben. f 1 L. Lamy, ein bekannter französischer eee ist im Alter von 40 Jahren gestorben. Eine zweite und dritte Todesbotschaft, welche das Aprilheft der Stratsgie bringt, betrifft den französischen Schachveteranen M. Séguin und den durch seine erfolgreiche Betheiligung an mehreren französischen Correspondenzturnieren als starlen Spieler bekannt gewordenen M. Bavou 55 aus Besangon. Durch langjährige Krankheit an's Haus und fei mehr als drei Jahren ans Krankenlager gefesselt, nahm M. Bapoux bis kurz vor seinem Tode on dem noch unentschiedenen Correspondenzturnier um den Preis des Präsidenten thell, und un, each tet zweier von ihm nicht gespielten und als verloren gerechneten Partien wird ihm dieser Preis voraus sichtlich nun nach seinem Tode zufallen. Die Correspondenzpartien zwischen den Schachklubs von Petersburg und London, wurden, wie folgt, fortgesetzt[Mitth. in Nr. 13 d. Bl. 94 e Partie I.(Weiß: Petersburg, Schwarz: London) 17) h2—-hb3 Lg4-f: 18) D Tas-es 19) Ses-b Tes. eõ 20) 5 burg) 17) Lha g LfS— de 18) 133 dé: Kdf-dé: 19) e2—es Tas-hs 20) Kel 11 86-45 21) 851d Tus ha. In dem Winterturnier der Grazer Schachgesellschaft hat J. Berger den ersten Preis davongetragen. 3 Durch Uebernahme der Leitung einer neuen Schachspalte in Vengwinels News, Milwaukee, hat sich dem unermüdlichen Schachredakteur, Herrn. Peterson, ein neues Feld für seine Thätigkeit eröffnet, die sich in den erfolgreichen Problem“ und Lösungs⸗ Turnieren des„Mirror of American Sports“ und des„Wanderer“ so vortrefflich bewährt hat. Den besten Stand nach Dr. Zukertort in dem Londoner b e haben die Herren Hoffer, der gegen Zukertort gewann, Gunsberg und Mills. Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.-Ges. in Berlin, Lützowsir 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.