1— rr, e eee n 1 7 Rn* r 5 N N 9 zu den Oberhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 20. November. Eine gute Vartie. 0 Roman von L. Haidheim. N 2(Fortsetzung.) Baronin Lautenbergs Wagen war die nächsten Tage immer auf der Straße. Sie fühlte sich nie so wohl, als wenn sie ein Geheimniß zu bewahren hatte und war stolz darauf, daß ihre Zunge noch nie eins ausgeplaudert. N Deshalb war sie selbstverständlich auch ganz unschuldig daran, daß die ganze Gesellschaft plötzlich von dieser heimlichen Verlobung sprach, daß Maria, wohin sie kam, neugierig freundlichen Blicken und vielwissenden Mienen begegnete, daß man lächelte, ihr die Hand drückte, daß man sie mit betrübten Mienen nach der kranken Mutter des armen Barons fragte,— kurz, daß man sie auf alle erdenkliche Weise fühlen ließ, man wisse Alles, sei aber selbst diskret und zart⸗ fühlend, was man nicht von allen Leuten sagen könne. Mit Helo stand Maria— sie wußte selbst nicht, wie es ge⸗ kommen— plötzlich fremder. Helo schloß sich stundenlang ein— „Weihnachtsarbeiten“ rief sie dann entschuldigend, und selbst ibre Ausgänge suchte sie oft allein zu machen.— Wie hätte sie aber ] auch dem„Kinde“ von ihren Gedanken und Gefühlen sprechen können? ISi.e fühlte sich dazu keineswegs versucht. Gräfin Paula hatte sie umarmt— am Morgen nach Totzenbachs — — liebe Maria!“ Elma küßte sie ebenfalls und machte dann allerlei scherzhafte Grimassen, die Totzenbachs vornehmen Ernst bei einer imaginären Liebeserklärung mit Kniefall nicht ohne Geschick karrikirten. That Maria den Mund auf, um abzulehnen und zu protestiren, N Abreise— und hatte sanft gesagt:„Ich segne Deinen Entschluß, so rief man ihr schon entgegen:„Wir wissen nichts— haben keine g Ahnung!“— und bei alledem gab die Tante ihr plötzlich eine durchaus veränderte Stellung. Es war ja„selbstverständlich,“ daß Maria jetzt weniger als je in größere Gesellschaften ging, aber in kleineren Zirkeln gab ihr Gräfin Paula bereitwillig, ja, mit versteckter Absichtlichkeit die Stellung, welche der Braut des Barons Totzenbach zukam.— Maria fühlte,— die ganze Welt hatte sich verschworen, in ihr die Verlobte des reichsten Großgrundbesitzers der Provinz zu feiern. Was sollte— was konnte sie thun? Nichts. War sie traurig, so deutete man es auf die kranke Mutter, lachte sie, war es das bräutliche Glück; sie hätte oft aufschreien ö mögen vor Aerger, denn— war sie nicht noch frei? 14 Nein, sie war es nicht! Und daß sie diese Thatsache momentan 1 vergessen konnte, daß sie im Stillen sich oft entsetzt fragte, wie sie habe thun können, was sie gethan,— das belehrte sie, die viel Rnachdachte:„Sie war nicht mehr frei!“ Und was hätte es ihr auch genützt, wenn sie es gewesen wäre? Wo blieb Lornow? Er ließ sich nirgend blicken. Niemand erwähnte seinen Namen,— sie wagte nicht, nach ihm zu fragen, war froh, daß sie ihm nicht begegnete und sehnte sich doch nach ihm. Onno hatte in dieser Zeit auffällig viel„Dienst“, damit ent⸗ schuldigte er seine Unsichtbarkeit. Auch Tante Lätitig schalt auf ihn; — er sei immer in jeder freien Stunde auf dem Eise, erzählte sie, und Maria fiel ein, daß Helo jeden Morgen mit den Schlittschuhen in Onno's Begleitung weggegangen war. Bis jetzt hatte Lätitia klug gegen Maria geschwiegen,— heute aber legte er sie mit sichtbarer Freude einen Brief in die Hand, dessen Aufschrift sofort den Absender verrieth. Dann ging sie hinaus, als Maria erbleichend und wie erstarrt da stand, in ihrer zitternden Hand den Brief, dessen Inhalt sie schon ahnte und den sie sonderbarer Weise gar nicht erwartet hatte, wei! sie sich die Entscheidung ihres Schicksals erst mit Totzenbachs Rückkehr gedacht.— In dumpfer Erstarrung, sich vom Schicksal treiben lassend, erbrach sie den mit dem Farrenkraut. Wappen geschlossenen Brief und las ihn. Es war ein Heirathsantrag, eine Liebeserklärung in aller Form und so warm und von Herzen kommend jedes Wort, daß sie sich dem Eindruck dieser Sprache nicht ganz entziehen konnte. „Am Bette meiner Mutter schreibe ich Ihnen diese Zeilen. Sie weiß, daß sie mich verlassen muß, und daß mein Herz, ohne Sie, geliebte Maria, ganz einsam und unsäͤglich unglücklich sein würde, darum möchte sie nicht scheiden ohne den süßen Trost, ihren Sohn an der Seite des heißgeliebten Mädchens zu wissen, von welchem er sein ganzes zeitliches Glück erwartet. „Sie haben mich hoffen lassen, Maria, geben Sie mir,— geben Sie meiner geliebten Mutter die ersehnte Gewißheit. „Ich werde dann freilich nicht kommen können, mein Glück in liebender Eile zu umfangen.— Sie wissen, theure Maria, daß hier mein Platz ist und daß ich keinen Athemzug der geliebten Mutter missen möchte;— aber in dem Leid, das mir unwiderruflich be⸗ vorsteht, werde ich Ihre Antwort auf meinem trauernden Herzen tragen und mit ihrem letzten Blick wird meine Mutter mein der⸗ einstiges Weib segnen; daß sie dies noch könne, darnach verlangt meine ganze Seele.“— Nein, sie konnte sich dem Eindruck nicht entziehen, den diese Worte auf sie ausübten.— das war der Ton, den sie dem selbst⸗ bewußten Reichsbaron am wenigsten zugetraut hätte und der sie nun plötzlich erleichtert aufathmen ließ. b Er war ein edler, warmherziger Mensch; ein Mann, der seine Mutter so hochstellte und liebte, der gab sicher seiner Gattin nicht weniger Herzensliebe. Als fürchte sie, daß sie schwankend werden könne, so rasch trat sie an den Schreibtisch Lätitia's. Offenbar hatte diese eine sofortige Antwort Maria's voraus⸗ gesehen; es lag nicht ihr ordinäres Papier dort, sondern eine 370 Anzahl bester Briefbogen und Couverts, welche die Maipeter erst eben aus der Stadt geholt. Das machte Maria einen Augenblick stutzig,— aber dann raffte sie sich auf, setzte sich und schrieb mit fester Hand ihr Ja⸗ wort.— Und indem sie schrieb, kamen seine herzlichen Worte ihr von Neuem in den Sinn, und die Freude und Dankbarkeit, ihn liebenswerther darin zu finden, als er ihr bisher erschienen war, führten ihr ebenfalls wärmere Gefühle und freundliche Gedanken in die Feder. Sie sagte ihm offen, warmen Ton glücklich mache, dem Vertrauen seiner Mutter zu ihres Lebens sein lassen wolle. Und während sie am Schluß sich seine Maria nannte, rief in ihr eine Stimme laut und deutlich: Nun darfst Du nie mehr an einen Andern denken! und der Andere hieß für sie: Lornow.— Zugleich aber sagte dieselbe Stimme tröstend zu ihr: Du wirst reich, Du kannst Deine Mutter, Onno, den Vater glücklich machen!— So siegelte sie den Brief und legte ihn in Lätitia's Hand, die so rechtzeitig wieder eintrat, daß es beinahe scheinen konnte, als habe sie Augen, welche durch die geschlossene Thür drangen.— „Und nun will ich Mama schreiben,“ das war Maria's nächster Gedanke.— Die Tante gab ihr voll Freude den Rath, dies ebenfalls bei ihr zu thun, und in einem bogenlangen Briefe schrieb sich Maria in eine innerliche Gehobenheit und Befriedigung hinein, wie sie dieselbe vor wenigen Stunden noch gar nicht für möglich gehalten. Zum Weihnachtsabend, geliebteste Mama, bekommt Ihr diesen Brief! Ihr werdet ihn sehr einsam verleben, aber er wird Euch glücklich machen und Dir, Du Theure, das Bild einer Zukunft zeigen, in welcher wir uns nicht mehr zu trennen brauchen. daß sein Brief sie eben durch den herz. daß sie ihm dankbar sei und daß sie entsprechen den höchsten Zweck Der Weihnachtsabend auf Schloß Gißra verlief keineswegs so einsam, wie Maria sich gedacht. Ein Mann, wie Baron Hooglander, hat immer Freunde an der Hand, deren Glücksumstände sich mit Fortuna's Lächeln ver⸗ ändern und die, nachdem sie heute ungezaͤhlte Geldrollen verspielt, froh sind, morgen bei einem ihrer Gefährten einen Unterschlupf zu finden.— Gißra lag zwar am Ende der Welt,— aber es fand sich doch ein invalid gewordener Hauptmann Zolkowsky, der das Erbe seiner reichen Eltern glücklich in wenigen Jahren verspielt hatte und nun auf das eines gichtischen Großonkels wartete,— er war bereit, „seinem braven Hooglander Gesellschaft zu leisten, wie es einem treuen Kameraden geziemt.“ Zugleich meldete sich auch Herr Belo, der Sohn eines bedeu⸗ tenden Fabrikanten, für den Winter auf Gißra an.— Das Un⸗ glück habe ihn in Monte Carlo verfolgt, schrieb er, und Papa wolle vor der Hand nichts mehr von ihm wissen. Da habe er demselben mitgetheilt, daß er in die weite Welt ginge; er werde auf Gißra Station machen und seine Briefe einstweilen von Kamerun aus datiren.— Die Baronin versuchte noch einmal einen Einwand.— Be⸗ treffs der Schulden, die sie kürzlich erst entdeckt und wegen derer sie Onno geschrieben, war bis jetzt nichts geschehen. Onno's Antwort auf ihren Brief war wenig tröstlich gewesen, Lätitia hatte ihre Hilfe entschieden versagt. Dagegen theilte er ihr ausführlich die Unterredung mit Mentink mit und bat sie um allerlei Auskunft über seines Vaters damalige Geldgeschäfte. Diese aber direkt von ihrem Gatten zu fordern, wäre der sicherste Weg gewesen, denselben zu eigensinnigstem Widerstande zu reizen. Er hatte das Mittel, sich gegen jede Verantwortlichkeit ablehnend zu verhalten, jede geschäftliche Befähigung entschieden zu leugnen, zu vortheilhaft gefunden, um darauf jemals wieder zu verzichten. Alles, was ihn an seine Schulden oder sonstige Pflichten und damit an seine jetzige Lage erinnerte, reizte und kränkte ihn;— die schwache, ganz vernichtete Gattin durfte nur gelegentliche und mög- lichst verdeckte Fragen wagen.— Geübt in dieser List, hätte sie ihn leicht ins Erzählen gebracht, aber da war der liebenswürdige Herr Belo, der sie in demüthiger Verehrung anschwärmte und sie in seiner wirklich aufrichtigen Bewunderung oft stundenlang nicht verließ, ihrem Manne den ganzen Tag Baccarat spielen wollte, da sie glück⸗ licherweise alle Drei kein Geld hatten für ein„ordentliches kleines Jeu!“ Und diese Hausgenossen ließen sie nie mit ihrem Gatten allein. 8 8 In diese häusliche Gesellschaft hinein trat, außer einigen Herren der Nachbarschaft, der Familie des Predigers und der Person des alten Arztes, selten eine fremde Erscheinung; um so enger schloß man sich an einander und um so lebhafter interessirte man sich für die persönlichen Angelegenheiten eines Jeden. Maria's Bild, von einem berühmten italienischen Meister ge- malt, außerdem aber auch in Pastell oder Photographie aus allen Lebensaltern, befand sich fast in jedem Zimmer,— es war sehr begreiflich, daß Herr Henry Belo sich trotz seiner Blasirtheit viel damit beschäftigte, sich das Original vorzustellen und sich in das⸗ selbe zu verlieben. Baron Hooglander hatte jetzt schon seit Wochen sein Denken auf eine gemüthliche Weihnachtsfeier gerichtet;— er war wunder⸗ bar erfinderisch, sich selbst seine Gefangenschaft vergessen zu machen und sich einzureden, es sei ja nur sein eigner freier Entschluß, „einstweilen“ selbst seinen Kohl zu bauen, wogegen eine direkte oder indirekte Mahnung daran ihn allemal auf das Tiefste ver stimmte. Obwohl die Bewirthschaftung des Gutes auf Veranstaltung der Kuratoren an den bisherigen Administrator verpachtet war, bis sich ein Käufer für das Gut finden würde, so gab sich der Baron doch vollständig das Ansehen, als sei er immer noch die leitende Seele und sei es stets gewesen. Täglich mußte Herr Thomas sich zum Vortrag und zum Ein. holen der Instruktionen bei dem gnädigen Herrn einfinden, und obwohl diese Instruktionen nichts als eine Farce waren, so kam der Pächter dennoch mit gleicher Ruhe und Höflichkeit. „Warum soll ich dem gnädigen Herrn nicht den kleinen Ge⸗ fallen thun? Er ist so liebenswürdig!“ sagte er zu Belo, als dieser endlich die Sachlage durchschaute. „Er ist der beste Mensch von immer, wo man ein Urtheil über Baron Hooglander fällte. Man bedauerte ihn wegen seiner traurigen Finanzlage, sah tadelnd und vorwurfsvoll auf den„Armen“, kein Finanzgenie war, wie er ja selbst stets bedauernd zugab. Er sonnte sich in dieser allgemeinen Beliebtheit und kultivirte sie mit um so mehr Behagen, als sie ihm wenig Unbequemlichkeit kostete, sondern ihm im Gegentheil Wucherzinsen trug in der steten Rück⸗ sichtnahme seiner ganzen Umgebung auf seine„kleinen Schwächen und Liebhabereien.“— Die Wenigsten hatten ein Verständniß für die blasse, melancholisch blickende Baronin. Man fand sie sehr gütig, sehr milde,— aber ihre Zurückgezogenheit wurde ihr für Hochmuth ausgelegt und ihr steter Ernst galt für einen Grund, ihren Gatten deswegen zu be— dauern; nur die Pastorstöchter, denen sie von Maria erzählen konnte, verehrten sie mit der ganzen Liebesgluth junger Mädchen. So hatte man also in dem Billardsaale zu Gißra schon ganze Haufen von Zierrathen für den Tannenbaum vorbereitet,— es waren Lichter besorgt, Kuchen gebacken,— das ganze fröhliche Treiben der letzten Adventszeit entfaltete sich in dem kinderlosen Hause für das eine große Kind— den Hausherrn. Baronin Valerie litt unter dieser Komödie um so schmerzlicher, als sie ihr die heiße Sehnsucht nach ihren Kindern nur um so lebhafter vor die Seele rief, aber— wie immer litt sie schweigend. Da— während der Baron, der Hauptmann und Belo den bis zur Decke reichenden Tannenbaum mit Hilfe des Gärtners und des jetzt einzigen Dieners anputzten, kam Maria's Brief in die Hände der Mutter.— „Ich habe ihm mein„Ja“ jetzt definitiv gegeben, ihm Herz und Hand versprochen, theure Mama, und lange schon hat dies Herz nicht eine solche Ruhe erfüllt, wie in dieser Stunde, wo ich Dir schreibe. Ich bin nun seine Braut,— aber ich fühle und sehe nichts davon und bin froh dor enn ich muß mich doch erst an diesen Gedanken gewöhne tzenbach wird bei seiner Mutter bleiben und in der ihm enden Trauer wird die Welt unsere Verlobung ohne Sa klang erfahren;— das ist gerade, was mir wohlthut.“ So schrieb Maria;— sie sch Verlobten, legte seinen 7 2 Gs und da war der Hauptmann Zolkowsky, der mit Belo und a 5 aber Niemand der nun einmal — der Welt!“ hieß es fetzt wie —— 8 371. Brief ein und erzählte von Ehrstein und von dem entzückenden Plane, mit der Mutter in der„Heimath“ zu leben. Welche Gefühle bestürmten das Herz Valerie's! Wohl wehte mitunter ein eigenthümlich nüchterner Hauch sie aus Maria's Briefe an, besonders, wie sie den Verlobten schilderte,— aber Alles in Allem war doch diese Nachricht so überaus befriedigend, daß die Baronin gern die Augen verschloß gegen diesen Mangel an Liebe, welcher ihr, so sehr sie sich auch dagegen sträubte, auffiel. Maria— verlobt mit dem reichsten Mann der Provinz!— Diese Nachricht war freilich genügend, die Festfeier des Abends zu einer ganz besonders angeregten zu machen. Noch hatte keiner der Herren Baronin Valerie jemals so hübsch, so heiter und so ganz die große Dame gesehen;— sie hatte eine festliche Toilette ge. macht,— der Baron ließ den Schlitten anspannen, um„wohl oder übel“ die Familie des Pastors herüber zu holen. Der geistliche Herr blieb daheim bei seiner Predigt, aber er schickte Frau und Tochter, den von der Universität in die Ferien gekommenen Sohn und dessen Freund. Das brachte gleich Jugend und frisches Leben;— die Lichter des Tannenbaums brannten mit dem Kronleuchter um die Wette;— das ganze Wirthschaftsgesinde und im Schlosse die sehr zusammen⸗ geschmolzene Dienerschaft bekamen einen Extrapunsch, und drinnen im Salon wurde der Name der glücklichen Braut mit fröhlichem Becherklang gefeiert. Unter dem Eindrucke ihrer eigenen Freude und des so un⸗ erwartet heiter verlebten Weihnachtsabends schrieb dann Frau Valerie andern Tags einen bogenlangen Brief an Maria; seit Jahren hatte sie nicht einen freudigen Blick in die Zukunft gethan,„jetzt ist mir,“ hieß es in ihrem Briefe,„als sei ich in Sturm und dichtem Nebel mühsam und steil bergan geklommen, jede Minute mir be⸗ wußt der ringsum drohenden Abgründe, und urplötzlich sind die Wolken geschwunden, ich stehe in hellem, fast blendenden Licht und sehe vor mir den Sonnenschein der Zukunft meines geliebten Kindes!“ Und indem sie Maria dann in wahrer Inbrunst immer wieder dankte, daß sie„den Bann“ von ihr genommen und daß sie später nicht mehr das Gnadenbrot der so oft mißbrauchten gütigen Ver⸗ wandten essen müßten, schrieb sie auch über die Vergangenheit ihres eigenen Herzens und schilderte Maria in beredter Weise, daß nicht die thörichte Romanliebe eines jungen Herzens allein der Weg zum Glücke sei, wie ihr eigenes Schicksal beweise, sondern daß ein ruhiges, festes Pflichtgefühl, ein offenes, liebevolles Auge für das Wesen des Lebensgefährten und der thatkräftige Wille, glücklich zu machen— eine bessere Garantie für das Glück sei. Es war ein langer Brief und Maria empfing und las ihn mit dem Eifer einer Dürstenden, der man eine Labung reicht. Die Mutter billigte ihren Schritt, die Mutter war glücklich, das gab ihr ihre Haltung wieder.— 8 Denn sonderbar,— sie fühlte sich plötzlich so unsicher, schwan⸗ kend und ruhelos! Sie hatte das Rechte gethan, das sagte sie sich fleißig alle Tage vor;— aber dennoch fehlte ihr die innere Befriedigung! Die Herzensbangigkeit trieb Maria mehr in den Kreis der Verwandten als sonst und es erleichterte sie weder, noch erfreute es sie, sich jetzt in demselben Maße von Gräfin Paula berücksichtigt zu sehen, in welchem sie bisher vernachlässigt worden war. „Wir haben eben einen guten Gedanken gehabt, meine liebe Maria“— sagte diese unter Anderem, indem sie dieselbe küßte, was in diesen Tagen sehr oft geschah—„Du sollst den blauen Salon jetzt bewohnen; es hat mir leid genug gethan, Dich für den Anfang so unbehaglich quartieren zu müssen!“ Und dann setzte sie der peinlich Erröthenden auseinander, daß und wie sich Alles jetzt sehr gut einrichten lasse. Elma bekomme das Rosenstübchen(nach der Tapete so genannt), Helo solle das grüne Kabinet haben und die von ihr und Maria bewohnten Stuben sollten neu dekorirt zu Fremdenzimmern dienen. Seit Maria die Braut des reichen Mannes war, hatte sie in Tante Paula's Augen eine Distinction, welche es derselben nicht schwer machten, ihr jede Auszeichnung zu Theil werden zu lassen.— „Elma hat es mit Totzenbach gleich zu Anfang verdorben,“ sagte sie seufzend zu ihrer Intima Lautenberg,„nun ist's immerhin gut, daß Maria ihn bekommt, man placirt das Mädchen damit auf's Beste und hat seine Pflicht gegen sie gethan.“— „Ja wohl, liebe Paula, und Ihren Töchtern können seine aus⸗ gezeichneten Bekanntschaften immer nützlich werden! Das muß man Lätitia lassen, was sie übernimmt, das führt sie auch mit Energie durch!“ erwiderte die liebe gute Lautenberg, die es nie lassen konnte die Kralle aus dem Sammetpfötchen hervor zu strecken, wenn sich eine passende Gelegenheit bot. So verging das Weihnachtsfest und Maria, mit Geschenken und Aufmerksamkeiten überhäuft— jetzt stets behandelt als umgebe sie eine Glorie, hatte sich um so weniger über etwas zu beklagen, als die Korrespondenz mit ihrer Muter ihr wahrste Freude brachte und noch mehr, weil Totzenbach mit unendlicher Zartheit und Liebens⸗ würdigkeit sie in seinen Briefen zu einer fast schwindelnden Höhe erhob, zu welcher er nur in Demuth und scheuer, glühender Liebe aufsah.— Dieser Briefwechsel mit dem Verlobten gewährte Maria einen immer lebhafteren Reiz. Nicht nur schmeichelte seine ritterliche Verehrung dem in seinem Selbstgefühl seit Monaten so tief ver⸗ letzten stolzen Mädchen in einem höheren Grade noch, als es selbst sich klar machte, sondern der Baron schrieb auch mit der fesselnden Hingebung, die seinen Schilderungen Leben und Wahrheit verlieh. Maria wurde die Heilige, der er jede geheimste Regung seiner Seele berichtete und welcher er das warme edle Herz aufschloß, es mit allen Vorurtheilen und Schwächen enthüllte, der er seine Zu—⸗ kunftspläne, seinen Ehrgeiz rückhaltlos eingestand.— Dann wieder schilderte er ihr wie ein Maler seine Mutter, das Krankenzimmer, das ganze Schloß, die nächste Bedienung,— kurz, Alles, was ihn beruͤhrte, und da er schrieb, wie er dachte und empfand, lag der Reiz der Originalität über diesen Darstellungen. Ein anderes Mal ging er ein auf Maria's Gedanken und Empfindungen, die sie, fortgerissen von dem wunderbaren Zauber dieser Korrespondenz und der ihr aus seinen Briefen entgegentretenden kraftvollen Persönlichkeit, auch ihm enthüllte.— Er widersprach ihr dann oft, legte seine Ansichten und Gründe dar und wenn sie sagte: Ich finde— ich glaube— so antwortete er„Das 1 — oder„So muß es sein.“ Man lächelte und neckte sie wegen dieser immer lebhafter werdenden Korrespondenz. Sie ließ es erröthend geschehen und fühlte sich nach und nach immer glücklicher an ihrem Schreibtische und immer einsamer zwischen den Menschen, welche sie umgaben. Warum? Wo war Lornow? Immer von Neuem blitzte diese Frage in ihr auf— aber sie wagte nicht sie auszusprechen und wies sie jedes Mal mit einer Art zorniger Energie von sich, ohne verhindern zu können, daß eines Morgens ihr erster Gedanke war: Er ist verschwunden seit jenem Tage, da ich Totzenbachs Bouquet bekam!— Und wie sie sich auch dagegen stemmte, sie trug in ihrer Seele diese Frage mit sich fort, die zuweilen einschlummerte und dann plötzlich wie mit einem Auf⸗ schrei in ihr erwachte: Wo ist er? Einen inneren Kampf hatte sie deshalb nicht zu bestehen. Sie war mit sich im Reinen, fühlte sich klar und ruhig;— aber diese Frage war da und wich nicht.— Sie saßen eines Abends am Theetisch, Elma glühend, funkelnd, reizend wie immer, und ihrem Styl gemäß auch a la Roccoco gekleidet. Die Komtesse hatte heute keine leichte Aufgabe. Zwei von ihr bevorzugte Anbeter,— beide reich und vornehm, — saßen neben ihr und überwachten reizbar jede etwaige Gunst, jedes Lächeln, welches sie dem Andern spenden könnte.— Sie war entschlossen, den Einen von Beiden zu heirathen, aber sie liebte es, die Goldfische an ihrer Angel zu haben und wollte sich ihrerseits noch für eine Weile den Genuß dieses Spiels erhalten. Vergeblich hatte Gräfin Paula gewarnt; ihr blieb nichts übrig, als mit geheimer Angst der Tochter zu sekundiren, sie zu schützen und zu decken, wenn sie es gar zu unvorsichtig trieb und mit schreckens⸗ vollem Blick sah die Mutter in den Mienen beider Herren, daß Elma's Spiel von ihnen durchschaut wurde. Ein dritter Gast trat zum Glück ein, ein junger Beamter im Ministerium, den ein Auftrag seines Chefs vor Kurzem nach Brüssel geführt und der dem Gespräch eine andere Wendung gab, Gott sei Dank. „Und was meinen Sie, meine Herrschaften, wen ich dort traf?“ erzählte er, nachdem er Platz genommen und sich mit Thee versorgt * 2372. hatte, sobald man ihn mit neckenden Fragen über seine„geheimniß⸗ volle Mission“ in Ruhe ließ. „Nun?— Den Kaiser von China? Ihre erste Liebe?“ „Nein, nein, keins von Beiden, aber unsern Freund Lornow, der neulich so geheimnißvoll verschwand.“ „In Brüssel?“ rief man überrascht. „Und was thut er da?“— „Er macht Cour— wie überall!“ erwiderte der junge Diplomat mit einem feinen malitiösen Lächeln. „Cour? Weiter nichts? Ich denke, er klettert mindestens an der Himmelsleiter hinauf!“ lachte Komtesse Elma mit einem sehr ärgerlichen Erröthen. „Lachen Sie nicht, Komtesse,“— sagte ihr Nachbar zur Rechten ernst und mit Betonung,—„Lornow ist nicht, was man einen Schmetterling nennt, er hat ein Herz und, daß ihm etwas geschehen ist in den letzten Tagen seines Hierseins, das habe ich klar erkannt.“ „Wieso?“ fragte sein Nebenbuhler. „Er begegnete mir und pfiff leise vor sich hin;— als ich aber mit ihm plaudernd ihm in's Auge und in das verstörte Gesicht sah, erschrak ich. Andern Tags hörte ich, er sei verreist. Ich reimte mir das Verschen gleich!“ „Ah! ah! Und Sie fragten ihn nicht—? „Wie konnt' ich?— Wo still ein Herz in Liebe glüht.“— „Ja, so wird es sein!“ lachte der Diplomat: „Und manches, das sich blutend schloß, „Schrie laut nach Luft in seiner Noth!—“ „Jetzt begreife ich Alles, was mir in Brüssel unverständlich war.— Uebrigens quetschte er mich aus nach Neuigkeiten wie eine Citrone.“ Unwillkürlich flog Maria's Blick nach Onno hinüber, während Alle den Erzähler ansahen und sich lebhaft für seine Berichte interessirten. Ihr war, als gehe ein dumpfer Schmerz durch ihre Seele. Aber sie hatte keine Zeit, sich auf sich selbst zu besinnen, denn Onno und Helo, sich ganz unbeachtet glaubend, tauschten in aller Eile einen zärtlichen Liebesblick.— Und diesen Blick fing Maria auf und jene Beiden sahen, daß sie sich verrathen hatten. Wer von den Dreien am meisten erschrocken war, war kaum zu sagen. Maria wurde mit einem Schlage Alles klar. Helos Ent⸗ fremdung, Onnos Interesselosigkeit für sie; sein steter Mangel an Zeit; sein überhaupt so ganz verändertes Wesen gegen sie. Und dabei sagte sie sich sofort:„Wie wird Onkel Bolko erzürnt sein! Seine Helo! Und Onno hat keinen Groschen und wir sind ihm so viel Dank schuldig.“— Eben in diesem Augenblicke trat Graf Bolko ein, und unter der allgemeinen Begrüßung entging die Befangenheit des ertappten Liebespaares und Helos Schrecken der Beachtung. Der Graf war in einer seltenen Behaglichkeit; ein großer Er⸗ folg nach schwerer Anstrengung gab ihm, wie er selbst glaubte, ein Recht, einmal„Mensch“ und Familienvater zu sein. Man erzählte ihm sofort von Lornow, war dieser doch in der Gesellschaft als einer der„Sterne“ schmerzlich vermißt worden. Der Graf hörte interessirt zu. Er hatte Lornow gern, und ohne daß er es wußte, flog sein Blick zu Elma hinüber; sehnte er sich doch im geheimsten Herzen danach, daß ein braver, energischer Mann seine Aelteste in befriedigender Ehe aus ihrem leeren Ge— sellschaftstreiben in richtigere Bahnen lenke. Im Stillen hatte er sich Lornow zum Schwiegersohn gewünscht und sondirend sagte er in seiner gewichtigen Weise: „Vielleicht ist eine Heirath im Werke— man sprach von einer jungen schönen Engländerin—“ „Ah, Herr Graf meinen Lady Bloomfield? Nein, von ihr war nicht die Rede, Lornows Verehrung galt einer bekannten Schönheit, der Marquise—, ah, wie hieß sie doch? Ich finde den Namen nicht mehr!“ Und die Herren sahen sich heimlich verstehend an. Maria fühlte mehr, als daß sie sah, wie sie lächelten und die Achseln zuckten und wie der Diplomat etwas flüsterte von beauté du diable. Sie wandte sich ab. Ihr wurde kalt dabei und als sie am Kamin stand, kam Onno zu ihr und flüsterte:„Du solltest es in diesen Tagen doch erfahren, Maria, sei mir nicht boͤse!“ „Ach, Onno, Onno, was wird der Onkel sagen! Sein Liebling! Er und die Tante haben für Helo ganz andere Hoffnungen und 1 Pläne! Und wir find arm wie Hiob!“ flüsterte sie sehr traurig zurück. Ihr war zu Muthe, als sei plötzlich etwas in ihr in Scherben gegangen; sie wollte sich einreden, es sei Onnos Verrath am Onkel, der sie so trostlos mache. „Das ist ja grade das Unglück, Maria,“ flüsterte Onno, der nur an sich in dieser Minute dachte, zurück.„Es ist gekommen, — ich weiß selbst nicht wie;— wir lieben uns eben und nichts in der Welt kann uns trennen.“ Maria sah, wie Helos bittender Blick an ihr hing. Und doch fühlte sie sich in dieser Minute ungerührt;— Liebe? Unvernunft war es! Wer darf immer seinem Herzen allein folgen! So fand Onno nicht die weiche Vergebung und Theilnahme, die er gehofft, sondern sie sagte vorwurfsvoll: „Du hast nur an Dich gedacht, Onno. Daß Du Helo an Dein Schicksal kettest, daß die Dürftigkeit Euch anstarrt, wenn Onkel Bolko nach allen Opfern für uns Euch seine Einwilligung versagt, das weißt Du. Und außerdem, er ist ja doch auch kein Krösus, und die Tante soll so viel Schulden gemacht haben. Er ahnt das noch nicht einmal, aber die Baronin Lautenberg hat es mir zugeflüstert. Großer Gott, der arme Onkel! Und zum Dank für Alles, was er an uns gethan, nimmst Du ihm seinen besten Schatz, verleitest Helo, den Vater zu betrügen.“ „Du bist sehr streng, Maria. Nicht Jeder ist so glücklich, mehr Verstand als Herz zu haben,“ erwiderte ihr Bruder mit zitternden Lippen. Er war blaß geworden. „Man muß sich zum Rechten zwingen, wenn man es nicht aus Neigung thun kann. Du warst dem Onkel Dank schuldig,“ sagte sie herbe. „Aber, Maria, wenn Lätitia mir ihr Vermögen hinterläßt und sie hat es mir gesagt.“ Er, der sonst leicht Heftige, war ganz zerknirscht. „Lätitia? Wenn sie erfährt, daß Du Helo liebst, die Tochter Paulas, so enterbt sie Dich,“ rief Maria, ganz entsetzt von diesem neuen Gedanken. „Nun? Was tuschelt Ihr denn da, Ihr Beiden?“ rief Gräfin 5 Paula freundlich herüber. Sie mußten an den Tisch zurück, Beide ganz hingenommen von der geheimen Aufregung. Maria fuhr mit der Hand nach der Stirn und sagte ent schuldigend etwas von Kopfweh. Dabei blitzte der altmodische Ring an ihrer Hand in wunder⸗ vollem vielfarbigen Feuer. Graf Bolko sah dies und sagte, Maria's Hand nehmend:„Welch köstlicher Solitair, den sah ich ja noch nie.“ Und plötzlich fiel ihm ein, daß seine Frau ihm erzählt, Totzenbach habe Marie den Erbring der Bräute seines Hauses geschickt. Er ließ lächelnd ihre Hand los und streichelte ihr vergnügt die heißerröthenden Wangen. Die Andern lächelten auch verstohlen und dann sprach man von allerlei andern Dingen, auch davon, daß sich ein reicher Fabrikherr aus Westfalen um Henriette von Ohlau bewerbe. „Nun, Onno? Und ich hörte, Du ständest dort auf dem Plan?“ neckte Graf Bolko. Onno von Hooglander sah sehr verwirrt aus.— Der Graf aber, feinfühlend das Thema verändernd, sprach weiter, fragte Onno und Helo, ob sie noch immer den Eissport so eifrig trieben und rief dann sein geliebtes Kind an seine Seite. „Komm her, mein kleiner Schatz, ich habe Dich seit Tagen nicht an meiner Seite gehabt;— Ihr Mädchen, laßt es wohl umgehen, den Papa ein bischen zu kajoliren? In letzter Zeit hat Elma mich verzogen und Du bist ein kleines unartiges Ding gewesen— immer auf dem Eise!— Solch ein Kind mit vollen siebenzehn Jahren!“ Helo kamen heiße Reuethränen in die Augen, aber der glückliche Familienvater sah sie nicht, dann sprang sie auf, ihm eine feine Cigarre zu holen, die er allein das Vorrecht genoß im Salon seiner Gattin zu rauchen. Maria fühlte sich in einem wahren Wirbel von unruhigen Ge⸗ danken! Dennoch mußte sie sich beherrschen und dies Muß, unter dem sie sich fühlte, war, sie wußte es, eine Wohlthat. (Fortsetzung folat.) 3 0 0 % e 0 9 0 100 10 1 16ů0 f Ein Blick auf Charleston und die Bai von der Michaelskirche. ä —.»» GGGG GGG 374 Noch nicht verloren. Novelle von Hermann Birkenfeld. (Schluß.) Anton zog die Oberlippe in die Hohe. i „Sieht ihnen ähnlich, die Zahlung der Schuld zu verweigern!“ „Sie sind in keiner Weise, auch moralisch nicht, zum Zahlen verpflichtet, gerade Dir gegenüber nicht, da sie bestimmt annehmen können, daß Du Dich vorher gründlich schadlos gehalten hast.“ Noch nie hatte der Doktor mit solcher Festigkeit gleich gelassen ge⸗ sprochen.„Dennoch wird der Schuldschein des Lieutnants bei Dir eingelöst werden, wenn Du Dich willig zeigst, meinem Wunsche nachzukommen.“ Scham auf der einen, Habgier und Rachsucht auf der andern Seite schienen in der Brust des Handelsmanns miteinander zu kämpfen. Sinnend wiegte er den Kopf und sog dabei hartnäckig an der längst erkalteten Pfeife. Endlich streckte er die Hand aus. „Gieb her das Papier! Ich will die Notizen dazu machen; übermorgen bringe ich sie Dir nach der Berglust. Aber das merke: Nicht der Gesellschaft da draußen zu Nutze, nicht meines Profits wegen thue ich's, sondern Dir zu Gefallen. Lumpensammlers Anton hat nicht vergessen, wie Du ihn mal in Schutz nahmest, als er einen Bleistift gestohlen haben sollte, und er vergißt Dir nicht, daß Du der Einzige bist, der seine Geschichte kennt.“ Alfred Krohne reichte dem jetzt so finstern Genossen seiner Knabenzeit bewegt die Hand. Schwer ließ der Andere die seine hineinfallen.„Und noch eins: Hat Saalfeld seine Hypothek gekündigt?“ Der Doktor verneinte. „Aber warum die Frage?“ Anton verzog das Gesicht. Wieder lag etwas Unheimwliches in seinem Grinsen. Es glich dem lauernden Gesicht des Tigers, der bereit ist, sich auf seine Beute zu stürzen. „Er wird sie auch nicht kündigen—“ „Wie?— Er wird—“ Anton nickte. „Er wartet, bis Du fort bist. Ich kenne ihn. Hat er ein Opfer erst halb im Garn, er läßt es zappeln und sich winden, aber er erdrosselt's nicht eher, als bis er weiß, daß er ganz allein sein Blut saugen kann.“ 0 „Ich verstehe Dich nicht. Auf Schönholz—“ Krohne nannte den Namen diesmal mit einigem Widerstreben—„fürchtet man stündlich die Kündigung.“ „Hahaha! Er wird nicht kündigen. Er weiß, Du willst bald von hier abreisen, aber Du wirst vorher noch Dein Geld in die Wagschale werfen— für die Katz' natürlich— sobald Du die— Sippschaft dadurch retten kannst. So lange Du hier bist, ist er seiner Sache nicht sicher, das einzige Mittel aber, Dich zu halten, hat sich das gnädige Fräulein draußen ja entgehen lassen—“ Alfred's Augen flammten. „Woher——“ „Bah! Glaubst Du, ich hätte umsonst halbe Tage auf der Schönholzer Chaussee gelegen?“ Der Fragsteller schwieg betreten. „Saalfeld wartet in aller Ruhe den günstigsten Moment für die Kündigung ab, inzwischen benutzt er die Lage der Dinge, um möglichst billig sämmtliche Hypotheken zusammenzukaufen. Das Ende: Louis Saalfeld Besitzer von Schönholz. Das ist das alte Lied! Und der Rath, den ich Dir gebe“— Knopploch betonte mit Nachdruck das„Dir“—„der Rath: Verkauft das Gut, so⸗ bald sich ein Käufer findet.— Ich selber wollte mit Saalfeld zu⸗ sammen den Handel betreiben— es sollte mein letztes Geschäft mit ihm sein— ich selbst bin auf Kundschaft gegangen— nun weißt Du unseren Plan—— wozu brauche ich noch Geschäfte zu machen!“ Als der Doktor gleich darauf Anton Knopploch verließ, sank dieser wie gebrochen auf seiner Holzbank zusammen. „Sie kennen die Schönholzer Verhältnisse,“ sagte Krohne anderen Tags zu Balzer, als er diesen vor seiner Wohnung traf;„wie hoch würden Sie das Gut schätzen!“ f Balzer sah seinen jungen Freund erstaunt an. „Wieso?“ „Ich fragte nur so.“ „Nun, achtzig bis neunzigtausend mag's werth sein; ich weiß aber nicht mehr so genau, welches Land alles dazu gehört.“ Alfred erwiderte nichts. Aber er nahm zum ersten Male nähere Einsicht in Rahdebrok's Kassenbücher. Nachher besprach der Alte mit Gertrud Schmiedeke dies Ereigniß wie ein Weltwunder. ö „Ich denke Schönholz zu kaufen, wenn Ihre Frau Tante darein willigt.“ Gerta schaute dem Doktor voll in's Gesicht. „Ein Brausepulver gefällig?— Sie auf Schönholz! als Landwirth!“ „Ich werde nicht hier bleiben,“ entgegnete Krohne so ernst, daß das helle Staunen plötzlich aus ihren Zügen wich. „Was in der Welt wollten Sie denn mit dem Gute anfangen?“ fragte sie dennoch. „Ich weiß nicht. Aber es muß verkauft werden.“ „Man hat ja noch nicht einmal eine einzige Hypothek gekündigt!“ „Es wird auch keine gekündigt werden.“ Er berichtete, was er von Anton erfahren hatte.„Hier sind auch die Notizen über die Pächter. Ich habe Knopploch beauftragt, sich im Stillen nach einem Käufer für mein Anwesen umzusehen.“ „Von dem Händler wissen Sie Alles? Und ihn beauftragt—— Er scheint Ihnen ja ungeheuer zuverlässig.“ „Er wird mich nicht täuschen.“ Zweifelnd, prüfend, sah sie ihm ein paar Sekunden in die ehrlichen Augen. Dann tupfte sie mit dem Zeigefinger der Rechten leise auf den grünen Tuchbezug von Tante Mathilde s Sekretär, vor welchem sie saß. „Hören Sie, ich glaube— Sie sind auf der Welt doch noch zu etwas nütze.“ Seine knochigen Finger spielten unruhig mit den Enden des spärlichen Vollbarts. „Ich!— Warum sagen Sie nicht, mein Geld?“ Sie „Das auch,“ gestand Gerta mit ihrer ureigensten Unbefangen⸗“ Dann sah sie auf und den herben Zug um seine Lippen.“ heit. 8 „Nein— Sie sind zu hart gegen sich. Auch Sie— gerade Sie waren, oder besser gesagt, sind hier wesentlich. Ich weiß nicht, ob ich allein——“ War's der bittere Ernst, der über des Doktors Stirn lagerte, daß auch über die ihre ein Schatten kroch?—„Es wird mir zuweilen unheimlich hier im Hause. Alles so still, so trüb'!“ Sie zog den leichten Shawl, welchen sie um die Schultern geschlagen hatte, fester zusammen, als friere sie.„Ich bin's zwar eigentlich gewohnt, allein zu sein— wenigstens was mein inneres Lebeu angeht,“ fügte sie unter seinem fragenden Blick erläuternd hinzu.„Eigentlich liegt viel Aehnlichkeit in unserem beiderseitigen Geschick. Nur daß—— Und doch bin ich froh, daß es endlich so gekommen—“ Sie stockte, während eine heiße Röthe ihre Wangen überflog.„Ich weiß gar nicht, was mir ein Recht giebt, zu Ihnen zu sprechen, als wären wir die allerintimsten Bekannten— Sie können sich was drauf einbilden, wenn Sie wollen,“ warf sie dann in ganz verändertem Tone hin.„Uebrigens ist augenblicklich keine Zeit zu allerlei Jeremiaden; hier sind Briefe für Sie zu kopiren, ich sehe derweile ein paar Rechnungen durch.“ Sie hatte ihm ihren Platz geräumt. „Nun?“ „Es hat—— es ist Ihnen eine Erleichterung, daß er ge⸗ gangen ist, Fräulein Gerta?“ „Wer?“ Doch in demselben Augenblick bewies ihr verwirrtes Gesichtchen, daß sie seine Frage dennoch verstanden. Sie wandte sich ab und kramte an einem Nebentische zwischen einem Pack Papieren. „Sie können wunderbare Fragen stellen— und wunderbar kombiniren. Nun ja, ich bin froh, daß wir ihn los sind.“ Sie hatte die Worte förmlich heftig hervorgestoßen. Um so tiefer schien sie sich über die Tischplatte beugen zu missen. Krohne schrieb noch lange nicht. 8 Erst nachdem sich längst die Thür hinter ihr geschlossen hatte, tauchte er nachdenklich die Feder ein. Acht Tage später athmete die Landräthin Heußner zum ersten Male wieder auf seit der Flucht ihres Sohnes. Von Amsterdam aus hatte er geschrieben, er lebte wenigstens. Zum ersten Male hatte sie sich aus dem apathischen Traumleben erwecken lassen, in 2375.. das sie versunken schien. Aber es war eine Andere, welche, auf Gerta's Arm gestützt, sich schwerfällig die Treppe herabbewegte, eine Andere, als die da früher in dem behaglichen Salon von Schön— holz repräsentirt hatte. Das Haar ergraut, die vordem noch frischen Wangen welk und schlaff— nichts war ihr geblieben von der früheren noch fast jugendlichen Elastizität, nichts auch, wie es schien, von dem stolzen Selbstgefühl der Standesdame, der geborenen von Bergfeld— nichts stellte sie mehr dar als eine halb gebrochene Frau, eine für ihre Schwächen bitter bestrafte Mutter. Und dennoch— es ist ja so schwer, die Liebe in einem Mutterherzen zu ertödten— dennoch hielt sie den Brief des Sohnes, welcher ihr in wenig Worten mittheilte, daß er sich habe nach Java an⸗ werben lassen, fest in der zitternden Hand wie ein kostbares Gut. Krohne, als er herüberkam, war der Erste, der ihn sehen durfte. Ihn konnte der Inhalt nicht in Verwunderung setzen, er hatte nur etwas Aehnliches erwartet. Aber er verstand die Landräthin. Doch gab er ihr das Blatt ohne ein Wort zurück. Er fand keines; er schien mächtig bewegt. „Auch ich habe eine Nachricht,“ sagte er nach einer Pause. „Der Verkauf ist abgeschlossen. Hier sind die Papiere. Nur Ihre 1 Unterschrift ist noch erforderlich. Notar Ringwitz will noch heute Nachmittag herüberkommen.“ f Die alte Dame— Frau Heußner war in vierzehn Tagen eine alte Dame geworden— stützte den Kopf auf den Arm, welcher auf der Lehne ihres Fauteuils ruhte. Dann winkte sie mit der Linken nach Gerta hinüber. Sie war ihm so tief verschuldet, sie konnte noch nicht mit ihm verhandeln. Gerta's Finger zitterten, als sie von ihm den Kontrakt ent⸗ gegennahm. „Sie auf Schönholz!“ Sie hatte die Hände über dem Papier gefaltet, als spräche sie ein Gebet. Er schüttelte den Kopf. „Meine Arbeit— wenn anders es eine Arbeit war, was ich gethan— ist erledigt: Balzer übernimmt am ersten Januar die Brauerei, Rahdebrok wird sehen, daß er bis dahin einen zuver⸗ lässigen Inspektor für das Gut engagirt, sie—— die Frau Land⸗ räthin wird immerhin ein Kapital von achtzehntausend Thalern für sich haben, von dessen Zinsen sie leben kann, selbst wenn sie vor⸗ zieht, meiner Bitte zuwider von hier fortzuziehen.“ Fast monoton waren die Worte von seinen Lippen geflossen. Dennoch meinte man, ein verhaltenes Beben hindurchzuhören. Nun wandte er sich dem Fenster zu und schaute stumm in den klaren Herbstmorgen. Frau Heußner weinte still vor sich hin. Ein drückendes Schweigen! Gerta war es, als stände sie unter einem Banne. „Und Sie?“ preßte sie endlich beklommen heraus. Hatte sie ihn gefragt? Er machte eine halbe Wendung nach ihr hin. „Was wird aus Ihnen?“ Geringschätzend bewegte er die Hand. „Ein nutzloses Wesen mehr auf der Welt— wie früher!“ Tiefe Bekümmerniß lag in den wenigen Worten. So unsäglich bitter klang es dann:„Was wird aus dem Baum, den man seines Lebenselementes beraubt, den man ausrodet aus dem Grunde, auf welchem einzig er gedeihen kann?— Doch nein! Er wird zer⸗ sägt, sein Holz verarbeitet— er dient noch manchem Zweck. Aber was wird qus dem Farn, was aus dem Unkraut, das seinem Boden entrissen w preu—“ Er sck h ein paar Sekunden stand er in düsterem Sinnen v ann kehrte er sich der Thür zu. Ueber aangen rollten zwei schwere Thränen. „Neis 5 Und bandte er sich um. „Ge Sie ner Brust „Ki— könnt Ihr mir verzeihen?— Ja, ja, Ihr könnt es ist ja so leicht, wenn man glücklich ist.“ Die De hatten nicht bemerkt, daß Adele längst das Zimmer betrete g 8. es mußte so kommen,“ flüsterte sie, während sie armte.„Und Sie—— ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe— damals—— ich war wahnsinnig vor Schmerz. Ich hatte Sie hintergangen— mit Vorbedacht— trotz Ihrer Herzensgüte, und ich hatte einen Abscheu gegen mich selbst!—— Aber er wollte es— er brauchte Sie— und er war mein ein⸗ ziger Bruder. Und mich—— mich betrog dann der Andere——“ Leise stöhnend sank sie zu Füßen der Mutter hin. Die Landräthin Heußner wollte nicht auf Schönholz bleiben. Sie mußte es dennoch: Noch ehe Krohne die Besitzung antrat, bettete man sie auf dem Kirchhofe des Dörfchens an die Seite ihres Gatten. Adele aber lebt noch heute in Zurückgezogenheit bei ihrer Kousine und dem Freunde ihrer Kinderjahre. Mit letzterem ist eine merkwürdige Veränderung vor sich gegangen: unterstützt von einem tüchtigen Verwalter— und von seiner kleinen Gattin— ist er„ja wohl auf dem schönsten Wege, ein Extra⸗Praktikus zu werden,“ wie Vater Rahdebrok sich auszudrücken beliebte, als er jüngst ihn und seine alte Freundin, die Schmiedeken, besuchte. Jungfer Gertrud nämlich hatte den wohlverdienten Ruheposten, den man ihr in einem Hinterhäuschen der Berglust anbot, rundweg abgeschlagen;„ste sei kein altes Stück Möbel, das sich mit den übrigen Scharteken des Hauses verkaufen lasse, sie gehöre zu ihrem Herrn Alfred, den alten Rahdebrok habe sie ohnehin gründlich satt.“ Sie installirte sich also auf Schönholz, zum Ergötzen Gerta's, zum Schrecken des gesammten Küchendepartements. Anton Knopploch hat seinen Handel mit allen Nebengeschäften aufgegeben und macht nur noch in Cigarren, die er in der früher Balzer'schen Fabrik produzirt. Die Schmiedeken behauptet zwar, man könnte ihnen noch das frühere Metier des Fabrikanten an⸗ riechen, es wären Haare drin. Solches glauben hieße zwar Knopp⸗ loch's Reellität als Geschäftsmann stark in Zweifel ziehen, indessen— „es giebt mehr Ding' im Himmel und auf Erden“— man hatte ihm ja auch ein Haar in die Lebenscigarre gedreht. Geheirathet hat er noch nicht, aber— Jettchen Saalfeld ebenfalls nicht. Ob nicht doch Beide noch auf den Fleck kommen, von welchem an auch ihr Leben„noch nicht verloren“ ist?—— Lose Blätter. Charleston(siehe Illustration), der bedeutendste Handelsplatz Süd⸗ karolinas, wird in den Vereinigten Staaten als das amerikanische Venedig bezeichnet; leider gleicht es der stolzen Dogenstadt an der Adria nur in einem Punkte: Charleston ist gleich Venedig eine gefallene Größe, deren Glanz und Reichthum geschwunden ist, deren Handel mehr und mehr zurück⸗ geht, deren Lebenskraft versiezt. Einst, da die Sklavenstaaten sich in ihrer Blüthe befanden, konnte Charleston an Macht und Reichthum, an Schön⸗ heit ihrer Kirchen und Paläste fast mit Newyork und Philadelphia rivali⸗ siren, heute wächst Gras auf seinen Straßen, seine Monumentalbauten sind verfallen, seine Paläste verödet. Wie Newyork, so ist Charleston auf einer Landspitze erbaut, die von zwei Flüssen, dem Ashley und Cooper ⸗River, begrenzt wird. Den schönsten Ausblick über Stadt, Inseln und Meer genießt man von der Michaelskirche aus und unser Bild giebt diese Ansicht wieder. Die Stadt scheint an der blauen Bai im Schlaf zu liegen. Während sonst im Hafen die Schiffe in Menge aus⸗ und einliefen, die Werften und Quais mit Menschen, Waaren und Wagen bedeckt waren, ist es jetzt still geworden. Nur an der Batterie, der Uferpromenade, sieht man Spaziergänger, und die Schiffsbewegung in der Bai ist eine sehr geringe. Im Innern der Stadt liegen stolze, von Magnolien und Bananen um: schattete Villen neben armseligen Negerhütten. Pracht und Elend sind dicht nebeneinander. In den Marmorpalästen ehemaliger Sklavenbarone überzieht das Moos die Gänge und Mauern, in den Negerhütten dicht daneben liegen die Menschen im Schmutz und Unrath. Die Straßen nur, welche zum Hafen führen, sind von Menschen und Pferdebahnwagen belebt. In der Stadt sieht man vielfach jene Aasgeier(Tuckly buzzards), welche im Süden die auf den Straßen liegenden Abfälle verzehren und eine Art von Sanitätspolizei bilden. An die Stadt schließt sich ein Magnoliapark an, welcher in Bezug auf die Ueppigkeit der Vegetation an die Gärten und Haine Cubas erinnert. 5 5 Der Verfall Charlestons begann während des Bürgerkriegs. Auf dem vor der Stadt gelegenen Fort Sumter pflanzten die Sklavenhalter von Südkarolina zuerst das Banner der Rebellion auf. Sie wollten die Union zerstören, für welche Washington, Lee, Johnson und andere Patrioten Blut und Leben eingesetzt hatten. Charleston mußte schwer für diesen Frevel an der großen Republik büßen. Seinen heldenmüthigen Widerstand brach die Belagerungsarmee des Nordens durch furchtbare Bombardements, bei denen ein Theil der Stadt in Trümmer ging. Die Wunden, welche der Bürgerkrieg geschlagen, verharschten nie wieder und fast scheint es, als wolle das zürnende Schicksal diesen Hauptmarkt des Sklavenhandels von der Erde vertilgen, denn gerade in der Zeit, da Handel und Wandel sich in Charleston endlich wieder zu beleben anfingen, kamen jene furchtbaren Erdbeben, welche im vorigen Jahre die festesten Gebäude der Stadt in Schutthaufen verwandelten. R. E. 2 2 08 * J. ĩèé%˙i¹0i'?¾é⁶ ½ꝶm ꝛo¾!-»‚ f 1 2 0 3 2376 f 9 5 Problem Nr. 477, f Rüsseilfranz. den Preisrichtern im Problemturnier des deutschen Schachbundes gewidmet von das tre- er- nahm wer hin sein raub J. Berger in Graz. Schwarz. war⸗ nen nur ich spiel nicht zu wo⸗ 8 te end! er's sei⸗ es die⸗ ner wind 7 — 2. mit ten ru vor worf'. doch schnee Ssem 6 *. he⸗ dür⸗ ihm deckt det ruh der bald 8 2. mag des tag ge auch und treibt der —— 1. N N res ward's stes fin. es viel hat's mit 5 15 0 9 2 1.*. 5. 2 herb-[ der laub zu hin: da. kommt nun 25. 2... 8 1 d ũ wa Rü th se. Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. 7551 F he ich ein lahr dt 1 2 Und mache nimmermehr dir Freude lb fungen. Mit S bin ich, wenn du nicht liegst, nicht stehst, Auflüfnes. Sehr nöthig, 72155 wenn du nicht gehst. Problem Nr. 471 von J. Berger in Graz. Mit N bewahre so 1 deine Hand, 1) Db5— ds e- dé: 3 8Sg5—e4 Schon manchem hab' ich sie verbrannt. 2) Dd3—e27 Kdö:, Kfö:., Sek 2) Sd6é- t7f Ke5—foö: Doch raubst du mir die Zeichen 1 und 4 Dann bin ich ein geduldig Thier. Und liesest du so rückwärts mich Dann thue, wie dies Wörtlein spricht, Und sinne nach; ganz sicherlich Fehlt dann des Räthsels Lösung nicht. Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: a be be beck ber bul dai daph drach dri e ed eim el en eng ga her i is land lau lay me mund ne no o pe red ri ri rouus sel si te tib trom ver wa wrac ys sind siebzehn Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und deren Endbuchstaben, von unten nach oben geiesen, einen Aus⸗ spruch. Paul's ergeben. siebzehn Wörter bezeichnen: 1. Eine Person aus der 1 2. Eine Stadt in Rumelien. 3. Einen Fluß in Norddeutschland. Ein Reich im Innern Afrika's. 5. Eine niederländische Provinz. 6. Einen französischen Staatsmann. 7. Ein Musikinstrument. 8. Einen männlichen Vornamen. 9. Ein Apotheker⸗Gewicht. 10. Eine Stadt in Preußen. 11. Einen Nebenfluß des Mississipi. 12. Den Namen eines deutschen Schrift⸗ stellers. 13. Eine Stadt im preußischen Regierungsbezirk Bromberg. 14. Ein Königreich. 15. Ein— 1 16. Den Namen eines raden Geo⸗ graphen. 17. Einen Buchstaben Bueislbige ane Die Erste findest du im Schweizerland, Sie ist als Stadt gar wohl bekannt; Die Zweite ist ein Mineral, Das Ganze findest du im deutschen Lande, Besonders an dem Ostseestrande. Auflösung des Homonym und Logogriph: Harz, Herz;— des Citaten- Rätbsels: O Gott, das Leben ist 92 schön!— der zweisilbigen Charade: Sehnsucht;— des magischen Quadrats: 3) De2—bß5(g4, Ded.) 15 3) Dds-h Varianten: 1).. K ds: 2) Set Ko7. c5 oder e5 3 Dds resp. d4 Matt. 1) oder e7— es 2) Kd7 9 Dad resp. Ded. Sc oder g7 Matt. 1). 2 Dag. Dds tesp. 886 Matt. Auf andere adden folgt 2) Je resp 7 Matt Zwei ö auptspiele und drei gute Varianten entspringen dem ziemlich versleckten Zugzwange. 2 4 Amstand. sowie die Eleganz der——— lassen die Komposition kaum minderwerth irgend eine der preisgekrönten Dre züger erscheinen; dieselbe Eleganz und Oekonomie der 1 1 1 nur der Adam sche Dreizüger l Die Lösung wurde angegeben von W̃ n B., Dr. Gold in G, G. Schnitzler in L., Dr. Wehrmeister in M, H Michaelis in Th., N. Blümel in S. Problem„ A. in 3 86—fö: 6 2) dt Ke. g: 65 ꝛc. I) Taro N Ke4 5 2) Lf5— e 16 fo a) 2) Te7—t7: K 5 fal b) 3) 8d4—3 15— e: 4 84413 K 4—f3: 4) Ter-f7f 4) LI5—d3f Varianten: a) 2). Kkh5 oder bs . Kg5 3) Seer Kbe(öb5) 40 Th7 Matt. b) 2. 3) Ses Khs resp 5 4 bn Matt.— Zwei in dhe Einfachheit reizende Hauptspiele sind hier mit den denkbar geringsten Mitteln zu einem kleinen Kabinetstück verbunden, welches die Kon⸗ kurrenz mit variantenreichen und 1 Vierzügern nicht zu scheuen braucht.— Die Lösung wurde angegeben von W. in B., Dr. Wehrmelster in M., Dr. Knopf in G., G. Schnitzler in L., H. Michaelis in Ty, R. Blümel in S. und H. Rosenkranz in 25 Partie Nr. 273, gespielt im Meisterturnier zu Frankfurt am Main. Weiß: J. Berger. Schwarz: Dr. Noa. e2—ed e7—e6 10 415 Kgs-h7 2) d2— dd d7-d) 15) Tal—el 168—g8 3) Sbl—es 118-b. 16) Ses—e2 Sbs-d7 4) e4— 45. e6— 45: 17) 852-4 1788—-g5 5 Lil ds 8g8 6 18) Tel e2 bf. 6) Sg1—e2 6—0 20 71—el Les-b 7 0—0 IS-e 20) 2-632) 17a8— 9 Lel-g5 7-6 21) Sta- e Kh7 55 9) Se2—g3 bi-—h6 22) Se6-g5 2 5 10) Lg5—14 Lba4- dé 23) Ddz-es bade— 11) Dd1—d2z g7- g5 24) De3—14 8—g7 12) LfA d:!) Das-d: 25) Te2—e8 r Khs— 13) 2—14 95— 4 26) Te8-d aufgegeben. 15 1) Mut den ener se LfI—g5: dringt Weiß nicht durch; denn 12) L 85 heg5 13) DRS K 14) Tei Le 2) Schon jetzt Ses 1 spielen, hätte leinen Vortheil gebracht da Schwarz den Thurm von g4 nach g zurückziehen konnte, auf 2) Te2—e7 aber wäre K7—g8 die Antwort gewesen 3) Nimmt Schwarz den Springer mit dem Bauern 17, so entscheidet 21) 5— est Khs 22) St5 Dts 23 e- d: Sd: 24) Te7 ꝛc. tesp. 22) T5. 23) Ohe: Sh7 24) LI5 865 25) esel nebst 26) Lhz: und 27) e7-es ꝛc oder falls 21).. Der 25) e d7 2c. schlagen, da der Springer auf 6 offenbar wegen d unn fel— age 118 f* icht wiedernehmen darf, und der drohende Offizlers⸗ es sonst folgenden U n ernehmen dar er drohende K D AM verlust ist auf keine Wel 1 vermeiden. N Aus der Schachwelt. l Aus Berlin: Die Berliner Schach gesellschaft hat einer Mittheilu Bruder · X E N chaft“ gemäß, in dem bevorstchenden Winterhal! 1 b wei T 1— abzubalten de- ga für das erste Turnier sind ein erster 5 s von 100 Mark und weitere Preise ab⸗ 8 wärts bis zu 20 Mark in Aussicht genommen. 5 E N 8 Aus Köln: Der Kölner Schachklub hat sein Klublolal im Römer“ verlassen und ist in den Gartensaal des Wiener Hofes(Glockengasse) Ubergestedelt.. Druck und Verlag der„Volks. Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Dügowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. i der Ma,