zu den Oberhessischen UMachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden, r. 12. Gießen, den 20. März. g„fl Erna. Novelle von L. Haidheim. (Schluß.) Es war im Beginn des September. vorgesetzt, und dann wurde er roth und verlegen, als er bekennen Die Rochlitz hatten ein größeres Diner gegeben; man saß und mußte, daß er erst heute in der Morgenfrühe in Froysberg ein— stand im Schein der untergehenden Sonne, den Kaffee einnehmend, vor getroffen sei. der Hausthür auf der breit vorspringenden, mit Orangenbäumen„Ei, ei, da können Sie sich sehr geschmeichelt fühlen, liebe geschmückten Freitreppe— plaudernd, Jagden verabredend und Rochlitz, über solchen Eifer, sich nach dem Ergehen der Nachbarn überlegend, ob nicht ein Tänzchen den heutigen Tag am würdigsten zu erkundigen,“ rief eine alte Exzellenz. 12 beschließe, als ein Reiter auf den Hof ritt. Erich wurde sehr roth, dann blaß, denn soeben traten Calander, 1 Man blickte auf, starrte überrascht auf den Kommenden und Erna und mehrere andere Herren und Damen durch eine Gitterthür dann ging es flüsternd von Mund zu Mund:„Willwarth— es aus dem Park auf den Hof. Ja, es hatte ihn hierher getrieben* 0 ist Willwarth!“ mit unwiderstehlicher Gewalt. Sein altes Faktotum, der Verwal⸗ Und darauf athemlose Stille.—— ter, hatte ihm unter den Neuigkeiten der Gegend erzählt, daß sich 2„Na, das fehlte noch, Gesellschaft!“ hatte Erich Willwarth in[Fräulein Calander mit dem Grafen Ritberg verloben werde. Das 1 1 sich hinein gemurrt. Aber dann zog er schon grüßend den Hut. war es, was er wissen wollte. Sein Herzschlag stockte und Jeder pol Die Herren zogen die ihrigen ebenso, die Damen neigten die erkannte, wie die Erregung sich in seinen Zügen spiegelte. nal Köpfe ein wenig. Jetzt kann man erfahren, ob Erna ihn liebt, flüsterten einige 1 Kein Ruf, kein Erstaunen, kein einziges: Willkommen. Damen. Herr Calander stutzte, wie die Uebrigen, die mit ihm Ehe Erich aber befremdet darüber sich klar wurde, ja ehe er kamen, dann trat er freundlicher, als sonst seine Art war, auf nur Zeit hatte, das Gefühl in sich aufkommen zu lassen, sah er[Erich zu. den Baron Rochlitz aus der Thür hervortreten und hörte von„Gott zum Gruß, Herr Nachbar, ich freue mich, Sie wieder dessen Lippen das entbehrte:„Na, das muß ich aber sagen! Diese hier zu sehen!“— damit reichte er ihm die Hand. Zeit zu einer Ueberraschung! Willkommen! Willkommen, Herr Nachbar! Seit entsprechenden Antwort fand Erich nicht, denn da war auch Erna n, wann sind Sie denn wieder zurück?“ neben ihm und tief erröthend, mit reizendem Zagen im Blick und 1. 5 a 1 5 3 01 150 175 7 1 3 doch e. sie 105 125 1 8 f. und eifrigem Gesprä ien, die Hand, ug ihm auf die ul⸗„Von Herzen willkommen, Herr Baron!“ 505 ter, den Rücken und führte ihn, sobald Erich sein Pferd abgegeben Dies Strahlen! Dies entzückte Aufleuchten in seinen Augen, igen hatte, seinen übrigen Gästen zu. diese Gluth auf ihren Wangen, ihrer Stirn, ihrem Halse! Denn 171 Inzwischen hatten diese sich gefaßt und darauf besonnen, daß sie sah jetzt, daß alle Augen auf ihr ruhten.. blen sie, ohne den Hausherrn zu beleidigen, nicht ablehnend gegen Will— Drinnen an einem der Fenster aber zerbrach mit eisernem 115 warth sein konnten. Griff Graf Ritberg, diesen Vorgang beobachtend, sein Glas, daß ren Immerhin bildeten die so gesinnten Herren ja auch nur einen ihm sofort das Blut über die Hand floß. u Theil der Gesellschaft und Ritberg, der sich durch sein vielfaches„Da hört denn doch aber Alles auf! Es fehlt nur, daß sie 1 10 Gerede zu weit engagirt hatte, um mit Ehren schwenken zu können, sich ihm in die Arme wirft,“ knirschte er. i u zog sich mit zwei oder drei Gleichgesinnten einstweilen in das Haus Seine Freunde umstanden ihn;— nichts— kein Blick, keine 101 zurück, hoffend, daß Willwarth sich bald wieder verabschieden werde. Geberde entging ihnen. Als gleich darauf die Gruppen sich wieder a Erich sah sie in der Thür verschwinden. Auch dies fiel ihm verschoben, flüsterten sie zornig und leise mit einander. Ritberg 2 auf, aber die ihm wohlgesinnten Herren, unglücklicherweise heute] sah graugelb aus vor Wuth. i nur schwach hier vertreten, traten ihm jetzt mit etwas verlegenen„Das müssen wir doch sehen, ob dieser Calander uns ganz Mienen um so lustiger und lärmender entgegen. Er konnte von über den Kopf wachsen soll! Er und seine Tochter werden heute wee dem Allen gewissermaßen nur im Fluge Kenntniß nehmen, denn er lernen, daß sie besser thun, ihre Macht in unserm Kreise nicht zu pot hatte die Damen zu begrüßen.— Einige derselben waren ihm überschätzen! Und diesem Willwarth weisen wir die Wege, die er 1% bekannt, in den Gesichtern Aller, ob sie ihm nun freundlich lächel-] gekommen.“ f ten oder nicht, fiel ihm dieser Zug von Verlegenheit auf, in denen„Nehmt Euch in Acht, Kinder, das geht ohne scharfe Hiebe 1% der fremden jungen Damen eine sehr wenig versteckte Neugier. nicht ab! Er schießt außerdem brillant!“ warnte einer der Ver— 1 Man plauderte trotzdem, man fragte ihn nach seiner Rückkehr, nünftigeren. seiner Reise, er gestand, daß er eher zurückgekommen, als er sich„Hahaha! Das weiß der arme Kerl, sein Vetter, am besten! 5 5 69 G n A i . 1 11 „ 175 1 72 5 9 1 e —— 5 ä 1 ö — 1 5 „ 175 8 8 90= Und eh' es so weit kommt, da soll doch der Kriminalrichter ihm erst einmal auf den Zahn fühlen. Wenn mich nicht Alles täuscht, so ist er gar nicht mehr satisfaktionsfähig!“ Drinnen im Saal wurde zum Tanz gespielt. Draußen fingen die Herren an zu engagiren. Ein Offizier, den Erich Willwarth nicht kannte, führte ihm Erna vor der Nase weg. Aber das that nichts, das störte seine Seligkeit keinen Augen- blick. Hatte doch Calander selbst ihm eben erst erzählt, durch welch' unglücklichen Zufall die Rückkehr an jenem Tage verspätet worden. Hatte Erna ihm nicht glücklich und so eigenthümlich tröstend zu— gelächelt? Erich Willwarth dachte nicht daran zu tanzen, aber er folgte doch den Anderen in den Saal, denn sie war ja dort, sie! Und alle Qual dieser letzten Monate war vergessen. In seiner glücklichen Stimmung übersah er für's Erste völlig, daß die anwesenden Herren ebenfalls zu sehr mit den eigenen Interessen oder unter einander beschäftigt zu sein schienen, um von ihm Notiz zu nehmen. Er redete mit Diesem oder Jenem, aber hörte selbst kaum die lakonische Antwort, denn er sah nur die Geliebte und hatte für nichts Anderes Sinn. N Das ging so eine Weile fort, ein Tanz folgte dem anderen. Erna schwebte wiederholt am Arme ihrer Tänzer an ihm vorüber und er freute sich ihrer Grazie, ihrer prachtvollen Heiterkeit. Darüber bemerkte er nicht, daß durch eine der anderen Thüren Ritberg mit seinem Anhang trat, daß diese Herren sich zu den anderen gesellten, daß sie diesen heimlich im Vorbeigehen flüchtige Worte zuraunten, bei welchen Einige lebhaft nickten, Andere achsel— zuckend ablehnten. Nach und nach fiel es nun aber doch Erich Willwarth auf, daß sich keiner dieser Herren, die er Alle mehr oder minder gut kannte, in den Tanzpausen auch nur mit einer Frage an ihn wandte. Dagegen bemerkte er, wie zwei und drei hier und da zusammenstanden, lebhaft tuschelten und verstohlen nach ihm blickten. Was hatten sie? Auf einmal,— wie ein Blitz fiel ihm der Empfang ein— das plötzliche Verstummen, die verlegenen oder kalten Mienen—! Dann erinnerte er sich, wie lose man ihm die Hand gereicht, wie schnell man die seinige fallen ließ. N Es überlief ihn heiß. Lag da eine Absicht vor? Und kaum entstand die Frage in ihm, so las er schon die Bejahung von jedem Gesicht. Zugleich wurde er sich bewußt, daß er schon länger allein hier an der Thür stand, daß die anderen Herren sich alle von derselben weg an jene gegenüberliegende gezogen hatten, wo Ritberg mit einem fatalen Lächeln Bemerkungen machte, welche verstohlen belacht wurden, während man nach ihm hinüber schielte. Er sah scharf hinüber.— Die Gruppe lös'te sich auf, da eben ein neuer Tanz begann. „Ich irre wohl!“— sagte Erich sich und wußte doch, daß er sich keinenfalls in einer schwarzseherischen Laune befand. „Machen wir die Probe auf das Exempel!“ dachte er weiter und wieder fühlte er, wie Zornesgluth ihm heiß in das Hirn stieg. Sobald der Tanz beendet war, trat er in den Kreis der Herren und redete einige derselben an. Sie waren ihm von Froysberg's Gelagen her wohlbekannt. Einer und der Andere hatten ihm schon nach dessen Tode Besuch gemacht. Es blieb ihm kein Zweifel. Der Erste antwortete mit ver— legenen Mienen und ging, sich entschuldigend, zu einer der Damen, der Zweite sagte ein paar Worte und that darauf, als habe ein Anderer ihn angerufen, ein Dritter hielt ein einfaches Ja und Nein für genügend. Das Herz schlug Erich Willwarth bis in den Hals hinauf; er hätte nie für möglich gehalten, daß man dergleichen gegen ihn wagen würde. „Ruhe! Ruhe!“ sagte er sich und blickte mit großen, festen Augen in dem Kreise der Männer umher. Niemand hielt seinem Blicke Stand,— man sah an ihm vorüber, als sei er Luft. Und nun stand er wieder allein, denn wie auf Parole fand Einer nach dem Andern es an der Zeit, auf irgend eine Weise fortzukommen. Drüben aber lehnte Graf Ritberg und strich sich mit hoͤhnischem Lächeln den Bart. Erich hatte ihn heute erst kennen gelernt.— Ritberg hatte nicht nöthig gehabt, bei der allgemeinen Vorstellung etwas zu sagen— und nachher auch offenbar keine Veranlassung gefunden, ihm irgend eine Höflichkeit zu gönnen. „Er ist in Wuth— Erna hat mich ihm vorgezogen!“ dachte Erich stolz und ließ sich nicht einfallen, Ritberg's Benehmen in Verbindung mit dem der übrigen Herren zu bringen. Aus diesen Betrachtungen höchst unerfreulicher Natur wurde f seine Aufmerksamkeit wieder nach Außen gezogen. Es war Damenwahl—. Er tanzte nicht,— man wußte, daß er in Trauer war, aber wie hatte er sich sonst ausgezeichnet gesehen. Nun, das Gegentheil war heute natürlich,— ihm auch gleich- gültig, aber was nicht natürlich war, nicht gleichgültig, auch in den Mienen einzelner jungen Damen, wenn sie an ihm vorüber gingen, lag ein Abglanz dieses eigenthümlichen Ausdruckes, den er in den Mienen der Herren sah.— Jetzt fiel ihm auch auf, daß mehrere seiner nächsten Bekannten nicht hier waren, ein paar Andere, die er vorhin gesehen und begrüßt und die ihm herzlich wie immer die Hand gedrückt, fehlten im Saale. Er wußte, sie waren keine Tänzer, aber er beschloß sie zu fragen, was man gegen ihn habe. Das wurde unerträglich! Wie ein Verfehmter stand er ganz allein, Niemand kam zu ihm. Jeder, den der Zufall in seine Nähe geführt, war alsbald daraus verschwunden. Gleich jetzt wollte er gehen und Eberswald oder Behrin fragen. Doch nein, das könnte aussehen, als räume er das Feld. Der Tanz war zu Ende. Jetzt! jetzt konnte er sich ein paar dieser Burschen bei Seite nehmen. Mitten durch den Saal schritt er auf die Gruppe der jungen Männer zu, rasch, gehobenen Hauptes, mit glühenden Augen—. Da—! Eine kleine Hand legte sich auf seinen Arm;— ein blasses Gesichtchen mit angstvollen, braunen Augen blickte zu ihm auf und trotz dieser sichtbaren Angst in jeder Miene lächelten ihre Lippen und Erna Calander sagte mit zitternder Stimme und er⸗ zwungenem Scherz:„Sie sind sehr unartig, Baron, daß Sie nicht ein einziges Mal zu mir kommen. Ich brenne darauf, von Emmy und ihren Triumphen zu vernehmen und möchte doch von Ihnen auch einen kleinen Reisebericht hören. Kommen Sie, wir wollen plau⸗ dern! Dort in jener Nische ist ein reizendes Plätzchen! Und da ist ja auch endlich Herr von Behrin! Wie kann man stundenlang am Spieltisch sitzen? Gehen Sie mit uns, Herr von Willwarth berichtet mir Reiseabenteuer.“ Und damit hatte sie, unter dem athemlosen Erstaunen der ganzen übrigen Gesellschaft, Erich's Arm genommen und ihn ge— zwungen, ihr zu folgen. Behrin bedurfte nur eines Blickes, um sofort die Situation, annähernd wenigstens, zu begreifen. Er er⸗ schrak und fühlte, daß er an Willwarth's Seite gehört hätte. Ein glücklicher Zufall führte grade jetzt auch einige weitere Wohlgesinnte in den Tanzsaal. So umgab man Erna und ihren Kavalier— und Erich,— sich selbst auf„nachher“ vertröstend und trotz Allem außer sich vor Glück und Liebe, that sein Bestes, dem lieben, her— zigen Mädchen an seinem Arme jede Sorge um ihn vom Herzen zu plaudern. Der Rest des Abends verlief ruhig, wenn man das Aufsehen so nennen durfte, welches Erna Calander's Benehmen in dem ganzen Kreise hervorrief. Selbst ihr Vater blieb nicht gleichgültig bei dieser„unerhörten Offensiv-Demonstration“ seiner sonst so sittigen Tochter. Erna kümmerte sich um nichts, weder um die Mienen, noch um die versteckten Anspielungen. Sie blieb neben Erich Willwarth, als habe sie den Beruf, sein Schutzengel zu sein, und ihr Vater, ihre Freunde konnten nichts Anderes thun, als neben ihr zu blei⸗ ben und dadurch wenigstens den Schein so weit als möglich zu wahren. Als man dann aufbrach, entließ sie ihn noch nicht aus ihrem „Dienst.“ Er durfte neben ihrem Wagen herreiten, damit hatte sie ihm die letzte Möglichkeit abgeschnitten, sich die ersehnten Er⸗ klärungen auszubitten. Am andern Morgen erwartete Herr Calander im Frühstücks. zimmer seine Damen, da hörte er über sich einen lauten Schrei Nein, aber Herr Assessor! * 3 4 1 1 3 9 — — 2 man lehre mich die Menschen kennen! 91= 0 Tante Louisens. Sein Schreck verflog indeß sofort, denn die Regentin seines Hauses rief in demselben Athemzuge: „Mit Gensdarmen? Habe ich es nicht immer gesagt! O, Heule doch nicht so, alber⸗ nes Mädchen, es geschieht ihm Recht, was braucht er zu morden!“ Durch die offenen Fenster drang jeder Ton zu dem aufhorchen⸗ den alten Herrn. Er trat unter den von blühenden Ranken umsponnenen Por⸗ tikus des Gartensaales. „Was ist denn los, Tante Louise? Sie schreien ja wie ein Zahnbrecher!“ rief er hinauf. So scherzend sein Ton auch klang, seine Miene war gespannt und unruhig und er sah es nicht, daß seine Tochter eben auch zu ihm hinauskam. ö „Was los ist?“ rief Tante Louise, den mit der Morgenhaube bedeckten Kopf aus dem Fenster steckend.„Was los ist? Sie haben den Mosje drüben in aller Frühe mit Gensdarmen aus dem Bette geholt und nun heult die alberne Gans, die Kathrin.“ „Wen? Wen hat man aus dem Bette geholt?“ donnerte die Stimme Calander's. Noch nie hatte Louise diesen Ton von ihm gehört. „Den Baron, Herrn von Willwarth! Er ist gestern erst aus der Schweiz zurückgekehrt! Heute früh ist er arretirt und in's Kreis⸗ gefängniß abgeführt worden,“ sagte sie etwas kleinlaut. „Großer Gott!“ murmelte Calander—. Da sah er sein Kind an der Thür lehnen und geisterbleich nach Worten ringen. Es war kein Zweifel, sie hatte Alles gehört, er las es aus ihren Augen. „Es ist nicht wahr, Vater!“ schrie sie plötzlich auf. Er ver⸗ stand sie sofort. „Nein, mein armes Kind, es ist nicht wahr, er ist kein Mör⸗ der!“ sagte er erschüttert und umarmte die Tochter. „O Dank, Papa! Dank! Du denkst gut von ihm, o Vater, lieber Vater!“ Sie küßte ihm schluchzend und weinend die Hände, sie war ganz außer sich, so daß er sie mit Unruhe ansah. „Das Beste wäre, ich führe sogleich hin. Man wird ihn gegen Kaution frei lassen! Mein Gott, was kann dies bedeuten? Es müssen doch—“ Er wagte nicht, seine Sorge laut werden zu lassen, denn Erna erfaßte eifrig seinen Gedanken. „Ja, ja, Vater, fahre hinüber, der Kreisrichter glaubt Dir! Es wird ein Irrthum sein— irgend etwas— nur nicht das Richtige! Komm, trinke schnell Deinen Kaffee. Ich klingele, daß man anspannt! Und grüße ihn, Vater! Sage ihm— sage ihm, daß ich an ihn glaube, daß—“ Und laut weinend lag sie in seinen Armen und barg ihr Gesicht an seiner Brust. „Mein Gott! Was soll denn dies bedeuten? Hier schluchzt die Eine, dort oben will sich die Kathrin die Seele ausweinen—?“ Es war Tante Louise, welche ihr Erstaunen in dieser Weise äußerte. Hätte sie geahnt, wie Erna sich gestern„blamirt“ hatte! Aber so etwas konnte ja natürlich auch nur passiren, wenn sie einmal wieder an ihrer Migräne litt und zu Haus bleiben mußte. Vater und Tochter waren Beide nicht in der Stimmung, Er⸗ klärungen zu geben. Beleidigt, wie eine entthronte Königin, selbst in der Schmach noch ihre Würde wahrend, saß Tante Louise einsam am Früh⸗ stückstische, während Calander's Wagen, von Fritz geführt, schon weit auf dem Wege zur Kreisstadt dahin rollte. Erna hatte sich auf ihr Zimmer geflüchtet. faßter als vorhin. Es würde sich schon Alles aufklären, gesagt. Die Stunden des Wartens schienen ihr endlos, doch fürchtete sie nichts mehr; es war ein tolles, unbegreifliches Mißverständniß — sicher nichts weiter! Endlich kam der Vater zurück, aber er schien tief verstimmt. Hätte sie Augen für den Fritz gehabt, so müßte ihr die Ver⸗ störung des Burschen aufgefallen sein, jetzt sah sie nur ihres Vaters düstere Mienen. Wie wurde ihr, als dieser in seinem Zimmer berichtete, man habe verweigert, Willwarth gegen Kaution frei zu lassen. Es läge ein erdrückendes Gewicht von Verdachtsmomenten gegen ihn vor. N „Nun? Du glaubst doch nicht?“ rief die Tochter außer sich. Sie war viel ge⸗ hatte der Vater zu ihr ehrlichen Menschen die größte Schmach anthut, dann stempelt man „Man hat mir erzählt, Willwarth sei ganz blaß geworden, als er, sofort verhört, die Schwere der Anklage begriffen.“ „Und das nimmt diese Leute Wunder? Wenn man einem sein Erbleichen oder Erröthen zu einem neuen Schuldbeweise?“ Erna Calander bebte vor Entrüstung und hülflosem Grimm. „Hatte der Vater Willwarth gesprochen?“ Nein,— man verweigerte die Erlaubniß. Aber man hatte ihm natürlich gestattet, seinen Verwandten Nachricht zu geben, Diringer und Rechtsanwalt Mauthner herbeizuzitiren. Der Tag verging in schwüler Stille. Rochlitz war gekommen. Er und Calander saßen beisammen. Es verlautete, daß mitten in der Nacht der Kreisrichter geweckt worden sei, daß in Mäntel gehüllte Männer bei ihm gewesen und daß gleich darauf die Gensdarmen nach Froysberg abgeritten seien. „Ich kann mir nicht helfen, Calander, mir will der Verdacht nicht aus dem Sinn, daß diese ganze Geschichte ein tückischer Streich ist. Ja, ich meine sogar, derselbe geht von einem Neben⸗ buhler aus.“ „Ritberg?“ fragte Calander. Rochlitz nickte ernst. „Unleugbar glaubt man also von dieser Seite ernsthaft an all den Klatsch der letzten Zeit!“ „Es steht schlimm genug um Willwarth, daß so Viele sich des Zweifels nicht erwehren können.“ Die Männer saßen in peinlicher Unruhe noch zusammen, als Graf Kyburg gemeldet wurde. „Ich war bei Ihnen, Rochlitz, man wies mich hierher,“ er— klärte er, sein Eindringen bei Calander entschuldigend. Er sah, ganz gegen seine Gewohnheit, ernst aus,— ja blaß und angegriffen. „Ich wollte den armen Kerl sprechen, man hat mir aber den Eintritt verweigert,“ sagte er und dann schlug er in fassungsloser Aufregung die Hände zusammen:„Wenn es wahr wäre! Wenn es wahr wäre!“ „Zum Teufel! Sie, sein Schwager, kennen ihn doch gut genug, um auf seine Schuldlosigkeit zu schwören,“ schrie Rochlitz erbleichend auf. Der Graf warf ihm einen sonderbaren Blick zu. „Ich schwöre nichts!“ sagte dieser Blick und dann begann Kyburg in seiner fahrigen Weise unter dem Druck der Aufregung zu reden— Dichtung und Wahrheit wie immer gewohnheits⸗ mäßig vermengend. Eine unbeschreibliche Kyburg's Andeutungen war es gar nicht so Großer Gott! Calander sprang auf. Der Schweiß stand in dicken Tropfen auf seiner Stirn.„Herr Graf Kyburg,“ sagte er streng,„jedes Wort, das Sie hier sagen, ist begraben zwischen uns, denn wir, Rochlitz und ich, glauben Erich von Willwarth besser zu kennen! Aber da Sie offenbar in einer begreiflichen, wenn auch höchst beklagenswerthen Seelenstimmung sind, welche Sie verleitet, Trug⸗ schlüsse zu machen, Aeußerungen zu thun, die Sie nicht nur be⸗ rechtigt, sondern verpflichtet sind zurückzuhalten, so bitte ich Sie ernstlich, die Gastfreundschaft meines Hauses anzunehmen und vor der Hand jeden Verkehr mit Fremden zu vermeiden. Sie sind krank, lieber Graf,— das erklärt sich! Bleiben Sie hier,— lassen Sie uns gemeinsam—.“ „Mit Vergnügen!“ Es war Kyburg's gewohnte Redensart; sie klang höchst fatal in diesem Augenblick und er hütete sich wohl einzugestehen, daß er sich vor dem Kreisrichter noch viel aufgeregter und verkehrter benommen, so daß dieser mehr als je von der Schuld Willwarth's überzeugt war. Rochlitz blieb zum Diner. Graf Kyburg sah mit dem alten vergnüglichen Lächeln in dem schönen Speisesaale umher und auf die trefflichen Speisen, welche die Tafel bot. Das war Alles so harmonisch und gediegen. O, er war grade der Mann, das zu verstehen. Erna und Tante Louise hatten sich entschuldigen lassen. Erstere wußte nicht, wie viel schwerer das Herz ihres Vaters durch Kyburg's Reden geworden, aber es lag in der Luft, sie fühlte es instinktiv, die Sache Erich's stand schlimm. Die hochgradige Erregung hatte nachgelassen in ihr, aber jetzt Seelenangst überkam beide Hörer. Nach ganz undenkbar.— 8 e Dwrre — e 8 9 Se 92.. o kam die Muthlosigkeit, und indem sie sich klar machte, daß Erich jetzt, ein Gefangener, in seiner Zelle der ersten Kerkernacht entgegen⸗ gehe, brach sie in ein krampfhaftes Schluchzen aus, welches Tante Louise, so sehr sie auch zu trösten wünschte, mit ihrem Unheilvollen: „Ach, ich habe es immer geahnt,“ nicht stillte.. Es kamen fortwährend Boten von dem Kreisgericht, Herr Calander hatte gesorgt, daß er jede zulässige Mittheilung sofort empfing.— So erfuhr man, daß Assessor Birkner, der verreist war, telegraphisch benachrichtigt worden sei und sofortige Rückkehr gemeldet habe.— Der alte Verwalter Erich's kam und erzählte, es sei eine Gerichtskommission im Schlosse gewesen und habe dort den ganzen Tag untersucht und das Personal verhört. Die sämmtlichen Büchsflinten und sonstigen Jagdgewehre seien mitgenommen worden. Der Abend brach an und je dunkler es wurde, um so schwerer wurde die Stimmung. Die erste Nacht im Gefängniß! Wenn sie dem Schuldigen schrecklich ist, für den Unschuldigen ist sie es nicht minder. Erich von Willwarth hatte während des Laufes des Vormittags seine Haft verhältnißmäßig ruhig genommen, überzeugt, daß sich bald Alles aufklären werde. Als aber das Verhör vorüber war und durch Alleinsein und Nachdenken die ihm anfangs ganz unbegreifliche Situation sich in ihrer ganzen Wirklichkeit darstellte, da bemächtigte sich seiner eine Gemüthsstimmung, wie er sie trotz aller Erlebnisse dieses letzten halben Jahres doch nie für möglich gehalten; in der tiefsten Empörung über die ihm angethane Schmach mußte er sich doch selbst zugestehen, daß der Richter nichts Anderes thun konnte, als was er gethan. Aus den Fragen des Untersuchungsbeamten war ihm vollkommen ersichtlich geworden, wie schwer die Verdachtsmomente waren, die gegen ihn vorlagen, und wie kunstvoll man harmlose oder ganz anders gemeinte Worte von ihm und den Seinigen, besonders aber von Kyburg, zusammengestellt hatte; wie man jeden Umstand, auch den geringfügigsten, zu einem Glied gemacht, der sich in die Kette von Indizien ganz natürlich einzufügen schien. Ohne Zweifel war die Anklage auch schon länger gegen ihn vorbereitet,— vielleicht hatte man nur seine Rückkehr abgewartet. Es kam ihm nicht einen Augenblick die Furcht, daß er für schuldig erkannt werden würde, darüber war er im Gegentheil völlig ruhig, aber— welche Lage für ihn, hier wie ein Ver— brecher zurückgehalten zu werden und von einem Geschworengericht sein Urtheil zu erwarten! Ein brennendes Weh um Erna erfüllte sein Herz und bren— nende Tropfen feuchteten ihm die heißen Augenlider, wenn er be— dachte, daß sie ihm nun hoffnungslos verloren sei. Ein beklemmendes Grauen überschlich ihn. Wie hatte das Schick— sal Fangball mit ihm gespielt— mit und ohne seine Schuld, und was konnte noch kommen. Ein willenloses Nichts war er in der Macht dieses Schicksals und mit gebundenen Händen mußte er ge— schehen lassen, was es ihm brachte. Der Beamte hatte sich rücksichtsvoll und höflich gegen ihn ge— zeigt; es fehlte ihm nicht an den Bequemlichkeiten, die man ihm gestatten konnte, aber eine Kaution, eine Entlassung auf Ehrenwort war ihm rundweg algeschlagen; der einzige Trost, der ihm an diesem Tage leuchtete, war die Mittheilung des Untersuchungs— richters, daß Rochlitz und Calander sich für ihn, wenn auch ver— geblich, bemüht hätten. Calander, ihr Vater, den er so unfreundlich und abweisend behandelt hatte! Freilich, sie durften ihn nach dem gestrigen Abend nicht gleich fallen lassen! Wie mochten ihre Empfindungen für ihn aber heute sein? Und Erna? Er hatte sich Schreibmaterialien bringen lassen, aber wenn er auch versuchte, seinem Onkel zu schreiben, so vermochte er doch nichts zu Papier zu bringen, als das Chaos, welches in seinem Hirn und Herzen auf- und abwogte. Und wie sollte er diese Nacht hinbringen? An Schlaf war kein Gedanke! Erna Calander hatte sich in den Park geschlichen,— die Qual, thatlos zum Abwarten gezwungen zu sein, überstieg ihre Selbst— beherrschung, sie fühlte sich versucht laut zu schreien, irgend etwas Gewaltsames zu thun, und erschrak vor der dämonischen Leiden⸗ schaft, die in ihr tobte, denn noch hatte sie dieses Maaßhalten, welches die Harmonie ihrer Natur ausmachte, nicht verloren. Allerlei tolle, thörichte Gedanken fuhren durch ihren fiebernden Kopf,— sie hätte am liebsten hinausstürzen mögen auf den offenen Markt, die Leute zur Befreiung für Erich aufzurufen. Für solch“ thörichte Phantasterei hatte sie dann selbst ein trauriges Spott⸗ lachen. Gleich darauf wallte die bittere Empörung wieder in ihr auf über diese Menschen, die, wie sie jetzt erst klar erkannte, seit Monaten nichts Anderes gethan, als Trugschluß auf Trugschluß bauen und mit ihrem Neid, ihrer Sensationsbedürftigkeit den Namen m des schönen, stolzen, ehrlichen Willwarth hinabzuziehen in den Schmutz des Verbrechens. Durch die erhellten offenen Fenster in ihres Vaters Stube sah sie, von fern vorüberstreifend, ihn sorgenvoll auf- und abgehen,— sie erkannte Rochlitz. Die Anwesenheit eines Fremden, Kyburg's, 1 beunruhigte sie noch wehr; brachte er Gutes oder Schlimmes für Erich? Für sie stand Alles nur im Zusammenhang mit ihm. Ohne zu beachten, wohin sie ging, nur die Angst des Herzens durch starke Bewegung zu betäuben suchend, war sie in die Nähe des Küchengartens gerathen. Eine breite Lindenallee und ein dichtes Gebüsch trennten den⸗ selben vom Parke.— Hier war sie auch sicher, von Tante Louisen's spähenden Augen nicht entdeckt zu werden, falls diese sie vermißte. Endlich setzte sie sich erschöpft auf eine Bank unter den Linden. Die Abendstille that ihr gut,— es kam wie ein Träumen über sie. Die Angst um Erich, jedes empörte Gefühl schwieg. Vor ihr stiegen die wenigen, aber glücklichen Erinnerungen an ihn auf, Alle sonnenhell, und ihr Herz rief dazu:„Es wird noch Alles gut. Er liebt mich ja, er hat mich sehr lieb!“ Es wurde wieder heller, der Mond war aufgegangen. Da hörte sie jenseits des Gebüsches hinter ihrer Bank plötzlich ein lautes, krampfhaftes Weinen. Was hieß das? War das Kathrin's Stimme? Das Mädchen f hatte den ganzen Tag schon so verweint und aufgeregt ausgesehen, — in ihrer eigenen Sorge hatte sie aber die einstige Spielkame⸗ radin nicht, wie sonst jedenfalls geschehen wäre, gefragt: Kathrin, was fehlt? Richtig, es war Kathrin! Sie wußte es jetzt gewiß, denn eine Männerstimme bat unruhig:„Weine doch nicht so, Thrinchen, nimm doch Vernunft an; er ist ein vornehmer Herr, dem thun sie nichts. Unsereiner aber, der wird eingesteckt, und sie machen kurzen Pro⸗ zeß, ob man's gethan hat oder nicht!“ Was war das? Was redeten die Beiden? Ein Schauer über⸗ lief Erna, alles Blut drängte sich ihr zum Herzen. Hochaufgerichtet, sich auf die Lehne der Bank mit zitternder N Hand stützend, stand sie da; jeder Nerv gespannt, lautlos horchend. „O, Fritz, hätten wir es doch gleich bekannt! Hätten wir doch denselben Abend noch gesagt: Wir sind dabei gewesen, wir haben die ganze Geschichte mit angesehen,“ schluchzte das Mädchen.„Ich komme mein Lebtag nicht darüber weg, daß wir nicht aufrichtig gewesen sind. Und nun sitzt er im Gefängniß und unser Fräulein hat den Tod davon!“ Erna's Herz klopfte wie ein Hammer. brausend und zischend durch's Hirn. „Ja, wenn Du's willst, so gehe ich und sage, wie es war; aber Du kannst nur fest darauf rechnen, sie stecken mich gleich ein und mit unserer Hochzeit zu Michaeli ist es nichts, denn ich komme natürlich vor's Schwurgericht, und wie manchem Unschuldigen haben sie den Kopf schon abgehackt!“ Es war Fritz,— er sprach sehr kleinlaut und bedrückt. f Das Mädchen weinte wieder. „O Gott, was sollen wir thun, was sollen wir thun?“ Auf einmal schrie Kathrin gellend auf, denn neben ihr brach es gewaltsam durch die Büsche und ein weißes Gesicht,— eine weiße Gestalt— Das Blut schoß ihr „Heiliger Gott!“ schrie das Mädchen in wahnsinnigem Ent⸗ setzen und auch der stramme Bursche stieß, die Braut heftig in seine Arme reißend, einen Schreckensruf aus und wäre geflohen, hätte Thrinchen nicht gekeucht:„Unser Fräulein, das gnädige Fräulein!“ „Seid still! seid still!— Bekennt auf der Stelle, was Ihr wißt von dem— von dem Morde—!“ rief Erna Calander herrisch, mit rauher Stimme und glühenden Augen. —— ne mm bt, ro⸗ ber⸗ ider 5 ben ume Iben qc Auf der Düne. Von M. Artz. 94= Lautlos vor Entsetzen und Staunen blickten die beiden Liebes⸗ leute auf ihre junge Herrin, die in dem falben Dämmerlicht go bleich wie eine Leiche aussah. i Der Bursche faßte sich zuerst. „Wenn's denn sein muß!“ sagte er halb zu Kathrin gewandt. Diese aber rief:„Wir haben ja nichts gethan, Fritz, sie schlagen ja Keinem den Kopf ab, der nichts gethan hat. Wir brauchen doch nur bezeugen, was wir gesehen haben!“ „So redet schnell, was wißt Ihr, was war es mit dem Tode des Herrn von Froysberg?“ drängte Erna. „Ja, sehen Sie, gnädiges Fräulein, der Fritz war vom Sonnenstein heimlich herübergekommen und wir sahen uns den Abend im Park, weil der Fritz mit mir verabreden wollte, daß ich den Dienst kün⸗ digen müßte und— daß Sie mich gewiß aufnehmen würden—.“ „Und weil ich die Kathrine da nicht lassen wollte, denn man kannte den gnädigen Herrn in dem Punkt gut genug und er hatte die Kathrin schon mehrfach küssen wollen—; und mich schlug er fast todt, weil ich gegen ihn aufgemuckt hatte, denn ich war vor Wuth über seine Nachstellungen ganz wild“— unterbrach Fritz sein Mädchen. „Weiter, weiter, sprecht von dem Morde—!“ keuchte Erna. „Es war gar kein Mord, gnädiges Fräulein,— es hat ihm Keiner was gethan; er hat seine Strafe von Gott selbst gekriegt,“ erwiderte Fritz. ö „Ja, sehen Sie, das war so—!“ unterbrach Kathrin. „Fritz soll erzählen,— rasch, rasch!“ drängte Erna. „Nun, es war so,“ begann dieser,„wir standen im Park bei den großen Eichen, da hörten wir, daß der gnädige Herr und der Herr Baron von Willwarth zurückkamen von der Fuchsjagd. Sie waren schon ganz nahe. Na, so krochen wir natürlich in das Gebüsch und versteckten uns. Die Beiden kamen näher, lachten und waren sehr vergnügt. Ich denke, sie sollen an uns vorbei⸗ gehen, aber nein, just ein sechs oder acht Schritte von uns in einer offenen Laube bleiben sie stehen und sprechen von ihrer Jagd und erklärten sich das mit einem Stock, mit welchem der gnädige Herr auf der Erde zeichnet, und ich denke just so bei mir: Sollte man es ihm nun wohl zutrauen, daß er solch' ein Wütherich ist? Und dabei fiel mir ein, daß ich ihn todtschlagen müßte, wenn er mir die Kathrin noch einmal anrührte. So wie ich das denke, blickt er auf. Ich aber hatte mich nicht gehütet, so daß mein Kopf über die Büsche wegragte, und so gucken wir Beiden uns just in das Gesicht, denn der Mond schien taghell, und die Kathrin neben mir hat er, glaube ich, auch gesehen.— Mein Lebtag vergeß ich nicht, wie sich sein Gesicht veränderte und wie er auf einmal einen Ton ausstieß wie ein Wilder. Ich hörte es aus dem Ton und wußte es ganz gewiß: Jetzt schießt er Dich todt! und dann hat er die Kathrin. Und indem springt der gnädige Herr auf mich zu. Was ich in dem Augenblick that, wußte ich selbst nicht. Ich dachte nur an das Mädchen und daß ich nichts hatte, mich zu wehren. So reiße ich die Kathrin an mich und werfe mich zurück. Er hinter mir her. Da fällt der Schuß und ich denke noch, der gilt mir, sehe mich aber gar nicht um, sondern schlüpfe mit der Kathrin hinter die alte Steingrotte, wo es von dem Schatten der Bäume ganz dunkel war. Das Alles hatte kaum eine Minute gedauert. Und da hören wir denn, wie der Herr Baron rief: Zum Teufel, Froysberg, was fällt Dir ein? und wieder: Froysberg! Froysberg! Darauf sehen wir, wie er in das Gebüsch geht und wie er dann auf einmal den gnädigen Herrn herausschleppt. Das Mondlicht fällt dem voll auf's Gesicht,— es war kreideweiß, aber ich begriff nicht, was passirt war; dann sehe ich, wie der Herr Baron ängstlich an ihm herumsucht und wie er plötzlich: Hülfe! Hülfe! schreit.— Daß er todt wäre, unser gnädiger Herr, das dachte ich nicht, aber daß er sich geschossen hätte, das fuhr mir durch den Kopf und zu— gleich, daß ich eigentlich Schuld daran sei, denn hätte er mich nicht gesehen, so wäre nichts passirt. Und wir dürfen den Hof nicht verlassen bei Nacht, das war bei Herrn Calander strenges Gesetz, wenn der horte, ich trieb mich Nachts hier herum, so war ich um die gute Stelle und um die Aussicht zu heirathen. So schwieg ich ganz still und machte mich mit der Kathrin davon, obgleich wir hörten, wie der Herr Baron nach Hülfe schrie.“ Erna Calander's Aufregung war unbeschreiblich. Hier, hier fand sich Rettung für Willwarth. „Kommt sofort mit mir,“ befahl sie den Beiden, aber diese warfen sich vor ihr nieder und baten sie flehentlich, sie nicht un⸗ glücklich zu machen, denn sie hatten die ganze Scheu der Land- bewohner vor einer Berührung mit den Gerichten. Endlich gelang es ihren Versicherungen, die Beiden zu beruhigen, und sie gingen mit ihr. a In Herrn Calander's Stube kam es zu einer erregten Szene. Noch war es Zeit,— noch konnte man vor dem vollen Anbruch der Nacht die Kreisstadt erreichen. Erna Calander war die Seele aller Vorbereitungen. Ein Reit- knecht auf dem schnellsten Pferde wurde vorangeschickt, die Wagen angespannt, nach Rochlitz ein Bote entsendet, an den General tele⸗ graphirt; Kyburg, dessen Gegenwart nur fatale Zwischenfälle her⸗ beiführen konnte, sollte in aller Ruhe auf dem Sonnenstein bleiben. Erna fragte nicht, ob sie mitfahren dürfe, sie fühlte sich so sehr die Hauptperson in der glücklichen Entwicklung dieses Dramas, daß sie nicht einmal daran dachte, zu Haus zu bleiben. Tante Louise protestiite aber so energisch gegen„diese neue Don Quixoterie“ ihres Schützlings und sprach mit solcher Bestimmt⸗ heit davon, daß nur über ihre Leiche für Erna der Weg nach dem Kreisgefängniß gehe, daß die Letztere sich fügen mußte, umsomehr als Herr von Rochlitz sie bei Seite nahm und ihr zu bedenken gab, daß ihr Erscheinen Erich vielleicht eher peinlich wie wohl- thuend sein würde. i a Das aufgeregte Mädchen sah sehr beschämt aus und so glühend roth vor Schrecken über sich selbst und diese„unerhörte Idee“, wie Tante Louise es nannte, daß es jetzt selbstverständlich erschien, sie blieb zu Haus. Calander empfahl den Damen, sich niederzulegen.„Vor morgen wird kein weiterer Schritt geschehen, das ist gewiß,— aber es soll auch nicht eine Minute versäumt werden,“ versicherte er. Und wieder spielte Erich von Willwarth die verhaßte Rolle des Fangballs in den Händen des Schicksals.“ Er hätte sich nicht träumen lassen, daß seine Befreiung so nahe sei! Unruhig auf- und abgehend rauchte er ein Cigarre, da kein Schlaf in seine Augen kommen wollte, als er Rochlitz' frische Stimme hörte, der schon vom Anfang des Ganges her auf gut Glück rief:„Heda, Erich! Kourage! Die Luft klärt sich!“ 1 Wie der Gefangene aufhorchte, wie ihm das Herz schlug! Dann klirrten die Schlüssel und da war das rothe lachende Gesicht des braven Rochlitz, da war auch— Calander! Eine unbeschreibliche Erregung überkam Erich.— Er hätte die Hand des alten Herrn küssen mögen, dessen Erscheinen ihm eine so trostvolle Hoffnung gab. Es dauerte eine geraume Weile, bis sich Alles geordnet hatte und bis die unverläßlichen Formalitäten erfüllt, ein neues Verhör mit Erich abgehalten war, worin dieser über den Kutscher Fritz Aus⸗ kunft geben mußte, so weit er konnte. Die Aussagen desselben betreffs der Gartenscene hatten genau mit Erichs Aussagen gestimmt.— Laut auf jubelten die jungen Liebesleute, als sie erfuhren, daß man sie nicht im Gefängniß zurückhalten werde. Erich jubelte nicht, aber er war sehr glücklich. Rochlitz hatte ihm heimlich zugeflüstert:„Sie hat es heraus- gebracht, Ihre Erna! Und sie erwartet, daß Sie sich morgen in der Frühe bedanken.“ Ob dies geschah? Der kleine Thurm am See war Zeuge davon und ein rechtes Glück, daß ein„seltsamer Zufall“ Erna dahin geführt, wo ihrer wartend Erich von Willwarth saß und in jenem kleinen Buche las, oder zu lesen versuchte, welches sie ihm einst geliehen. Ein rechtes Glück war es, denn sie hatten sich so viel zu sagen, daß Herr Calander mit der Nachricht der Verlobung und der Bitte um seinen Segen erst gegen die Mittagszeit„überrascht“ wurde. Natürlich mußte Erich zum Diner bleiben. Ehe sie aber noch zu Tisch gingen, begann ein Wallfahrten ohne Ende nach dem Sonnenstein, denn die ganze Gegend war inzwischen alarmirt worden von Gerüchten über die Vorgänge des gestrigen Tages und man kam nun, von der Neuigkeit des heutigen überrascht zu werden. Was immer auch die Einen und die Andern geglaubt und gesagt 1 EAA Wer —.. lub. in 2 S 95 W. haben mochten, vor der Thatsache dieser Verlobung verschwand über— haupt jedes andere Interesse. „Man lehre mich doch die Welt nicht kennen!“ sagte Tante Luise und gab Erich einen Kuß. In all diesen Trubel hinein langte ein Bote von Schloß Froys⸗ berg an, die Exzellenzen und die gnädigen Fräulein seien da, auch Herr und Frau Pastor Willdorn. Mit Angst und Herzensqual waren sie gekommen, um nun die höchste Freude ihres Lieblings zu finden. Dennoch war Erich sehr still. „Ich muß mich erst gewöhnen. Neid der Götter!“ sagte er. „Na— das nenn ich einen Philosophen! All die Qual und die Tücken des Schicksals achtet er für nichts!“ lachte Diringer. Dem war nun freilich nicht so, aber vor dem Glück der Liebe verblaßte jede Erinnerung an die Leiden und Erich hatte in dieser Zeit der Prüfungen erkennen gelernt, daß das wahre Glück verdient Mir wird ganz bang vor dem sein will. Sie hatten ihn zu einem ernsten Mann gemacht und ihn schnell gereift. „Eigentlich hast Du mir Dein Glück zu verdanken, behauptete Graf Kyburg und fand es ganz in der Ordnung, daß Erich ihm eines Tages anbot, seine Schulden zu bezahlen, war aber doch so ergriffen von der Noblesse des lieben Jungen, daß er sich willig in eine Familienkuratel fügte, die ihm in schonendster Weise von dem General und seiner liebenswürdigen Gattin vorgeschlagen wurde. Theodora und Diringer machten einige Wochen darauf Hochzeit und fast zu derselben Zeit, als Erich und Erna sich vermählten, verlobte Emmy sich mit einem russischen Diplomaten. Erich von Willwarth und seine liebenswürdige Gemahlin bilden den Mittelpunkt eines Kreises, der jetzt willig und mit Freuden die Nachsicht anerkennt, mit welcher der Baron denen verzieh, die an ihm zweifelten. Nur Graf Ritberg und einige von Erna's ehemaligen Bewerbern wollten und konnten diese Wendung in dem Geschick ihres glücklichen Nebenbuhlers nicht ertragen. Der Graf ließ sich versetzen; die Andern mieden das gastliche Heim, in welchem der Herr des Hauses jetzt mit fester Hand und festem Sinn die Leitung führt und in vollster Weise den Pflichten des Lebens gerecht wird. Lose Blätter. Eine Land bildende Pflanze. Daß sich die Gestalt unseres Festlandes wie auch die der Inseln fortwährend mehr oder weniger ändert, ist eine längst erwiesene Thatsache. Es geschieht diese fortwährende Aenderung, abgesehen von der säkularen Hebung und Senkung gewisser Kontinente, durch vulkanische Eruptionen, durch die Thätigkeit des Meeres und der von Hochgebirgen herabstürzenden Ströme und Flüsse— und durch Land bildende Pflanzen. Was die letztere Art der Gestaltveränderung der Länder betrifft, so hat man in den unter deutschem Schutz stehenden Gebieten, wie an der Küste des Kamerunlandes, im Mündungsbereiche ostafrikanischer Flüsse und außerdem in Westindien und Südamerika, besonders aber an der Nordküste von Java beobachtet, daß die Mangrovebäume besonders geeignet sind, Küstenländereien zu vergrößern, also Land zu bilden. Die Mangrove- oder Manglebäume(Rhizophoraceae) gehören zu den myrthenblüthigen Gewächsen. Während die Blüthe dieser Bäume an die der Myrthen erinnert, ist ihre Frucht durch ein langes, aus ihr hervor⸗ ragendes Wurzelchen des einblättrigen Keimblattes gekennzeichnet. Sie sind in der heißen Zone Südamerikas, Afrika's und Asiens besonders an den Meeresküsten, aber auch landeinwärts, und hier zwar so weit verbreitet, als der Salzgehalt des Meeres in den Strömen und Flüssen reicht. Sie bilden beispielsweise im ganzen Kamerunlande, im Mündungsgebiete ostafrikanischer und indischer Flüsse die Küstenvegetation in solcher Mächtigkeit, daß diese von Menschen kaum zu durchdringen sind. Diese ungefähr 16 Meter hohen Bäume entwickeln nämlich eine Menge knotiger, vielbeugiger Aeste, die ihrerseits wieder zahlreiche Luftwurzeln abwärts senden. Die Luftwurzeln der Mangrovebäume sind von denen der tropischen Orchideen wesentlich dadurch verschieden, daß sie nicht, wie die der letzteren lediglich in die Luft herabhängen, um sich vom Winde hin⸗ und herschaukeln zu lassen, sondern den Boden erreichen, in demselben Wurzel schlagen sich dann kräftiger, und zwar wie zu Nutzen des Baumes, entwickeln und mit ihrem Stammbaume eine ganze Baumgruppe bilden. Daher nennt man den ge⸗ meinen Mangle- oder Mangrovebaum(Rhizophora Mangle L.) auch Leuchter⸗ oder Stelzenbaum. Von den am Ufer stehenden Bäumen ragen große Aeste hinaus ins Merr oder in den Strom. Auch diese Aeste senden Luftwurzeln in das Wasser, die den Boden zu fassen suchen und die Blätter und andere auf den Wellen treibende Körper aufhalten. Da nun an solchen Stellen der Schlamm leicht sitzen bleibt, so entsteht hier nach und nach Land, wie dies in großem Maßstabe im Kamerungebiete geschehen ist und noch geschieht. Diese so gewonnenen Sumpfküsten enthalten zahlreiche Fäulnißstoffe und daher ist der Aufenthalt an ihnen der menschlichen Gesundheit wenig zu⸗ träglich. Europäer helfen sich in diesen Gegenden durch Tabakrauchen. Nicht selten schlingen sich die Luftwurzeln der Bäume beider Ufer eines Flusses so in einander, daß sie Natur rücken für Fußgänger bilden. Die oft viele Meilen im Umfange messenden Mangrovewälder werden von den Eingeborenen gern aufgesucht, da sich in ihnen viele Wasservögel, Krebse, Austern und andere Thiere aufhalten. Die Austern setzen sich an die vom Meerwasser bespülten Luftwurzeln der Bäume fest. Besonders interessant ist die Art der Vermehrung dieses Baumes,— er pflanzt sich selbst. Die lederartige Frucht des Mangrovebaumes ist fingerdick, ungefähr 50 Zentimeter lang, vom stehen gebliebenen Kelchsaume gekrönt und durch Fehlschlagen einsamig. An der Spitze derselben hängt das Wurzelende des Keimlings heraus. Durch diesen Umstand aber wird der untere Theil der Frucht schwerer als der obere. Die abgefallene Frucht sinkt im Wasser unter und stößt ihre schwerere Spitze mit der Keimlings⸗ wurzel in den Schlamm.— Die Früchte werden von den Eingeborenen gern gegessen, auch wird durch Gährung ein leichter Wein daraus bereitet. Das dauerhafte und feste Holz des Baumes kommt als Mangroveholz, Manga robeira oder Mongue sapateiro aus Westindien nach Europa. H Z. Die mißlungene Geisterbeschwörung. Der Herzog Georg II. von Gotha hegte eine große Neigung zu allem Geheimnißvollen, mit der edlen Absicht, durch die Klarstellun derartiger Vorkommnisse seine Mitmenschen aufzuklären. Zu diesem Zwecke wurde er auch Mitglied des Illuminaten⸗ ordens, doch bald trat er von dieser Verbindung wieder zurück, weil er sich in seinen Erwartungen sehr getäuscht sah. Der berüchtigte Schröpfer machte in Leipzig auch einen Versuch, den Fürsten zu gewinnen. Ein Zweig seiner Loge hielt ihre Versammlungen in Leipzig unker der Leitung eines gewissen Dübos. Dieser machte dem Fürsten das lügenhafte Ver⸗ sprechen, ihn zu lehren, wie er Geister citiren könne. Der Herzog trug jedoch aus Vorsicht einem seiner Vertrauten auf, sich zuvor einweihen zu lassen, um von ihm zu erfahren, ob bei der Sache keine Gaukeleien und Betrügereien zu befürchten wären.— Dübos machte nun vor diesem Vertrauten des Herzogs seine Spiegelfechtereien, seine Formeln und heuchlerischen Gebete; und als er glaubte, er habe dadurch des Neuaufgenommenen Auf⸗ merksamkeit gehörig gefesselt, fragte er ihn:„Sehen Sie nichts!“—„Nein!“ war die bestimmte Antwort.„Fühlen Sie nichts?“ fuhr jetzt Dübos fort. „Von Furcht kann nicht die Rede sein,“ war die Antwort des Entschlossenen, „wer ein geladenes Pistol bei sich trägt, braucht sich nicht zu fürchten.“ Im höchsten Grade erschrocken erwiderte der Geistercitirer kleinlaut:„Ich bin heute nicht im Stande, Ihnen zu dienen. Kommen Sie gütigst ein anderes Mal wieder.“— Hiermit hatte die Sache ein Ende und der Herzog wußte, woran er war. M. Ein großes Hirschgeweih. Das Alter des Hirsches wird nach den Enden des Geweihes geschätzt und auch der Werth des Geweihes selbst wird nach der Anzahl derselben taxirt. Ein ausgezeichneter Hirsch hat meist 12— 18 Enden am Geweih. Das bedeutendste Hirschgeweih, das im Laufe vieler Jahrhunderte gesehen wurde, trug ein großer Hirsch, den Friedrich J. von Preußen bei Fürstenwalde im Jahre 1696 erlegte,— es hatte 66 Enden, nämlich neben den großen Enden eine Menge kleiner. Der Hirsch selbst wog 535 Pfund. Friedrich I. schenkte dieses merkwürdigste aller Hirschgeweihe dem Kurfürsten August dem Starken von Sachsen, der es in der Moritzburg bei Dresden aufstellte. An der Stelle aber, an welcher der Hirsch sein Leben aushauchte, ließ Friedrich ein steinernes Denkmal in einer Höhe von 12 Fuß errichten. H. Z. Zachariä, der Dichter des Renommisten, lebte in sehr guten Verhältnissen, die er stets zu Tage trug. So hatte er sich eine Equipage angeschafft, auf deren Schlage ein großes goldenes und reichverziertes Z. prangte. Eines Tages trafen Lessing und andere Schöngeister auf die Equipage, in der sich Zachariä befand, und begannen zu glossiren.„Wer kann mir sagen“ rief Mylius,„was das Z bedeuten soll?“—„Daß hinter ihm sich nichts be⸗ findet,“ antwortete Lessing sogleich. W. G. Die Familie Holbein in Ravensburg(Schwaben) konnte sich der Er⸗ findung des Papiers aus Leinen rühmen. Diese wurde 1301 gemacht, und zeigen die Bogen einen Ochsenkopf als Wasserzeichen, das Wappen der Holbeins. Man begegnet diesem Papier in alten Urkunden und bei den ersten Drucken. Am Flatterbache stand die erste Papiermühle, die einen Theil ihres Verdienstes dem Siechenhause in Ravensburg überließ. Der Familie der Erfinder gehörten auch die beiden Maler„Holbein“ an. . Der Tuschkasten. Die Damen des Lesekränzchens unternahmen einen gemeinsamen Ausflug per Eisenbahn und besetzten zwei Koupes. Im zweiten Koupé war noch ein Platz frei, der denn auch auf der nächsten Station einem jungen reisenden Kaufmanne vom Schaffner zugewiesen wurde. Als der Commis voyageur in das Koupé trat und die Mädchen in den ver⸗ schiedenfarbigen Sommerkleidern erblickte, rief er dreist aus:„Ah, wie bunt, das ist ja der reine Tuschkasten!“„Gewiß,“ antwortete entschlossen eines der Mädchen,„und jetzt ist er erst vollständig, da nun auch der Pinsel nicht fehlt!“ a K 2 FAE — cee eee eee 8 2 .—— 9 Rönigspromenade. 0 0 0 tert düf. li- piötz⸗ dorn be⸗ 5 oft grau- en ches ein te wüss⸗ an ö E 7„üöͤü« ö der freund ter⸗ wit⸗ ge⸗ und 1 te⸗ gren⸗ zen r 5 5 schaft ae⸗ scein heit* dei⸗ 8 ro⸗ au⸗ en ther⸗— eh⸗ 4 be ne sen — 5 3 sind und re lie⸗ sü⸗ grab tel ei⸗ N ße. das heit kel⸗ 7 23 2 nes eit ze schei⸗ tel ben. am pil⸗ dun⸗ ner welt⸗ stol⸗ ters e und b be stab ger⸗ ei⸗ . ge⸗ bie⸗ ein zit⸗ 5 mit Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: ac am ba bach che des en eu ger huc i i i i ka la le lei lu mo na ni nus pi resk ri ri rin sa sau se set si tels thü tur va wald wit sind 12 Worte zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten, und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein bekanntes Sprich— wort ergeben. Die 12 Worte bezeichnen: 1. Eine frühere Stammburg in Oberbayern. 2. Farbloses Gas. 3. Ein Gebirge in Arabien. 4. Einen altitalienischen Gott. 5. Einen Fluß in West⸗Sibirien. 6. Fremdwort für„ritterlich“. 7. Verstorbenen französischen Reisenden. 8. Einen weiblichen Vornamen. 9. Eine Landschaft im südlichen Kleinasien. 10. Den Namen eines griechischen Tragikers. 11. Ein süd⸗ belesen guitarrenartiges Nationalinstrument. 12. Ein Gebirge in Mittel⸗ deutschland. Logogriph. Mit D vor'm Element zu schützen Wenn tobend es Verheerung droht, Da kann ich, fest 15505 118 schützen Um abzuwenden große N Mit H werd ich als Stadt mich zeigen Und in Westfalen find'st du sie; Doch Frankreich bin ich gleichfalls eigen Und liege in der Piccardie. Mit K wird mich ein Hausthier tragen; Vom Webestuhl bin ich ein Theil Und von des Ungeziefers Plagen Befrei' ich M ihm zum Heil. Doch auch zum Ordnen kann ich dienen, Entferne die Verworrenheit; Als Damenputz bin ich erschienen Und schmück' die Schönen weit und breit. Mit L wird sich der Landmann freuen, Wenn er mich in der Menge hat; Sein Wohlstand kann dadurch gedeihen. — Als Braten bin ich delikat. Auflösung des Arithmogrigh in voriger Nummer: Johann Strauß— . 1. Jaman. 2. Otho. 3. Herder. 4. Abdera. 5. Nabob. Neckar. 7. Sabine. 8. Tataren. 9. Roussean. 10. Adulagebirge. li. Ungern⸗Sternberg. 12. Salvini. Leer;— der Charade: Riesengebirge;— des Quadrat⸗Räthsels: 11 8 5 2 0 8 0 N 1 M* 1 1 25 705 0„ 3 13. Sarviz;— des Räthsels: Schach. 11 Problem Nr. 439 1 von J. Kohtz und C. Kockelkorn. 5 ö Schwarz. 1 1* 2 5 2 .,. 25 25 en 27 1 Weiß 9 Weiß zieht an und setzt mit dem vierten 12 5 Matt. l Dieses Problem erschien zuerst in der Brüderschaft(Januar d J., Nr. 4). Zwei Dreizüger derselben Verfasser, in welchen die Idee 1 f, Vierzügers und eine Modification derselben in durchaus verschiedener Weise dargestellt ist, sind früher in diesem Blatte mit- getheilt worden. 4 0 Nachstehend eine der Correspondenz-Partien aus dem noch schwebenden Turnier, für 95 der Präsident der französischen Republik den ersten Preis ausgesetzt hat— Züge nach der Stratégie.— Partie Nr. 252, Steinitz⸗-Gambit. Weiß: M. Za ni in Besangçon. Schwarz: M. Aledemok in Meudon. 1) e2—e4 7 e5 29) f3—e4: Df5— ea: 2) Sbi—es Sbs cs 30) Lb5—47: Dea da: 3) 2—f4 65—ff: 31) Ld7—b5 413 4) d2—d4 Dds—h5 32) Dar- b Dd4-d3f 50 Kel—e2 d7—d51) 33) Kb3—a2 Idée 6) eA- db: Les—g4f 34) PDb7—d5 d3—15 7) 8g 1-3 00 99 Dd5—157 K6—5 8) 5 LfS eõ5 36) Lb5-d7 aufgegeben. 9) c6-b7 Kes bs 5 1 10) 7 505 28 1 Stellung nach. von Weiß. 11) g2 13: 9867) 12) 02603 a7—a6 5) e a. 15 Ddl a4 Kbs-—b7.. 15 14) Ke2— 41 a6—b5.4 1,, 7 ) 1 15) LI bb: s) Tds—dé*, ,. 16) Kdi 2 Le6—-a7..* f 17) Dad4—b3 Tdé—bé 7 18) a—a4 54 55% 1155 1 19)(860457) 01-5 W. 18 20) 44—25 +Tb6e— dé 8 21) Lb ass) Kb e 2 22) Db3—b7 1 Kc7- ds, f 230 Db7 as Kdse7.* N 5 24) Das 77 St6— d.. 4 25) Thi elf Ke7 16 e 26) Labs 055154. 27) Tel—el Ths—es 25 24 2 28) K02—b3 Tes—e4: Wesß. 1) Auch d7-— ds wird von verschiedenen Analytikern empfohlen. 2) Diesen Zug, den auch das Bilguer'sche Handbuch angiebt, ee Rosenthal zu Gunsten von a7—as mit der Fortsetzung 12) cgl arb5 13) Dbg St 2 3 Auch bei der Fortse 50 des Handbuchs Test 13) Kas Tel 140 Deg Dh5 15) Ds2 c. bleibt Weiß etwas im Vortheil. f 4) Gegen 012 giebt Rosenthal die 5 Weiß günstige Spielweise 15) Le2 Tes 16) Te! a: bõ 9 1 Dobtt Lbé 18) 9 Kbs 19) Lf4 ꝛc. f 5) Weiß droht in drei Zügen Matt zu setzen und der Gegenzug ist erzwungen 5 6) Schwarz greift den Bauern 13 an und droht zugleich durch o7—es— Läufer zu erobern. 7) Dieser Zug parirt nicht nur alles, sondern droht auch mit dem Vorgehen des a- und c- 0 wogegen keine n Vertheidigung möglich ist. losch und entscheidend! —12 hätte zur Folge gehabt 34) Dg2 f1D 35) Lg 5 und 36) TII: Briefwechsel. g Dr. K. in G. Ihre richtigen und ausführlichen Lösungen haben wir erhalten. Von der ebenso schwierigen als vortre jüchen Nr. 435 sind bis jetzt nur zwei i dne eingelaufen. Dr. W. in M. Wir theilen volllommen Ihre Ansicht über die schöne Nr. 434 mit ni weniger 1. neun guten Varianten. Th. K. in B. 8c5— 47: gehört zu den stärksten— 43 der Nr. 434. Der—. ist Leb! worauf das Matt in zwei Zügen nicht zu erzwingen ist Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.-Ges in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr 105.