—— — — zu den Ouerhessischen Uuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verrolgt werden. Gießen, den II. Dezember. Eine gute Vartie. Roman von L. Haidheim. (Schluß.) Der Ertrag aus der Versteigerung mußte kein geringer ge⸗ wesen sein, das sah Maria aus dem ganzen Wesen ihres Vaters. Er fühlte sich in sehr gehobener Stimmung, seine beiden Gäste mußten überall in der Nachbarschaft noch einmal Besuche machen und sich vergewissern, ob man auch kommen werde. Mit einer fast kindlichen Freudigkeit ließ er rüsten und über⸗ wachte jedes Ding selbst, als gelte es, einen Fürsten zu empfangen. Als der bestimmte Tag erschienen war, zeigte sich Gißra, seit Jahren zuerst, einmal wieder in seinem vollen Glanze. Das alte, reiche Silber, das Service von Sévres und all' der übrige Reichthum eines vornehmen Hauses war aus den Schränken hervorgeholt. Es gehörte Alles, Alles den Gläubigern,— zunächst den Ver⸗ wandten— aber daran dachte Niemand außer Maria, die wohl oder übel eine heitere Miene zeigen und neben dem Vater die Honneurs des Hauses machen mußte; Baronin Valerie blieb in ihren Zimmern, für sie schien all' diese Unruhe ebenso gleichgültig, wie das ganze übrige Leben. Ach, in die Seele der armen Mutter sah nur Maria, und wenn auch nie eine Silbe des Vorwurfs von den Lippen derselben ge⸗ kommen, so wußte die Tochter doch nur zu gut, daß sie selbst es war, welche mit der letzten Enttäuschung die letzte moralische Kraft derselben gebrochen hatte. Die Frühlingssonne lachte den ganzen Tag mit warmem Blick auf Gißra herab;— sie strahlte kaum mehr als der Baron, und Jeder war entzückt und befriedigt von den Wirthen und der Be— wirthung.. Maria sah in dem elfenbeinfarbigen Seidenstoff, der ein Muster von farbigen Blumen hatte, außerordentlich schön aus. Dies Kleid trug sie zuletzt in einer Gesellschaft, wo Totzenbach sie keinen Augenblick verlassen hatte und wo ihre Blicke und ihr Herz immer Lornow nachgegangen waren. Heute machte sich ein Baron Wolfswart, ein junger, eleganter Mann, der in der Nähe ein größeres Gut besaß und in letzter Zeit die Bewirthschaftung desselben übernommen hatte, zu ihrem Schatten. Er war ein schüchterner Mensch, der seine zarte Figur und seine . sonstigen Vorzüge wenig zu benutzen wußte. Maria sah mit heim⸗ lichem Lächeln, wie er floh vor der Liebenswürdigkeit der Mütter und der Koquetterie ihrer Töchter, um bei ihrer Ruhe und ihrem Ernst Schutz und Behagen zu suchen. Es fand sich, daß er im letzten Winter auch in der Residenz gewesen, daß sie viele gemeinsame Bekannte hatten; das gab ihrer Unterhaltung etwas Reiz für Maria. Die kleinen Lustspiele wurden sehr flott und hübsch von den jungen Dilettanten gespielt. Die„Idee“ des Barons, auf die er sehr stolz war, fand begeisterten Anklang, man hatte lange nichts Aehnliches unter⸗ nommen, kurz, man beschloß sofort ähnliche Aufführungen und wollte sich mit einer Weigerung des Barons, sich auch bei seinen Freunden daran zu betheiligen, durchaus nicht zufrieden geben. Maria sah mit unbeschreiblichem Schmerz, wie blaß ihres Vaters Antlitz wurde, während er diese Ablehnungen aussprach. Seine Stimmung war dahin; er trank und trank, um dieselbe wieder zu heben, aber es half ihm nicht. Schon vor dem Abschiede der Gäste hatte Below ihn glücklicher⸗ weise entfernt; das Fest endete dadurch mit einem Mißklang. Unbeschreiblich öde und herabgestimmt war es Maria um's Herz, als sie dann mit dem Hauptmann und Below in den leeren Sälen blieb, worin die durch Dorfleute vermehrte Dienerschaft jetzt Gläser und Flaschen wegräumte und Ordnung herzustellen suchte. Nach dieser außerordentlichen Zerstreuung schien dem Baron Gißra trübseliger als je. Er war sich seiner Gefangenschaft allzu peinlich bewußt geworden und hatte große Mühe, sich von Neuem in seine Lage zurechtzufinden. Herr Below, der dem Baron sehr viel Geld abgewonnen, meinte, er könne jetzt seinem Alten schreiben, er vertrage das Klima von Kamerun nicht und werde deshalb in die liebenden Vaterarme als reuiger, verlorener Sohn zurückkehren. Auch dem Hauptmann kam die Reiselust; er meinte, es sei jetzt des„Opfers“ für seinen lieben Freund Hooglander genug. Und als dann schon eine Woche später beide Herren wirklich abgereist waren, da fühlte Maria die Lücke fast ebenso schwer, wie ihr Vater, denn mißlaunig, wie sie ihn nie gesehen, nörgelnd und zanksüchtig ging er den ganzen Tag ruhelos umher und fing mit Jedem, der ihm begegnete, Streit an. Eine Wohlthat war's, daß Herr von Wolfswart vorsprach und sich leicht bereden ließ, zu bleiben. Aber das war ein einziger Tag; eine ganze Reihe sehr ein⸗ samer folgten, fried. und ruhelos lief der Baron umher und nur beim Glase fand er momentane Beruhigung. Maria selbst suchte ihn für eine neue Lustspiel⸗Aufführung an⸗ zuregen, aber er wies ihre Vorschläge ab; seit Below und der Hauptmann fort waren, fehlte ihm die liebgewordene Gesellschaft. Dann kam Wolfswart wieder einmal vor, auch hier und da einer der Nachbarn; aber diese Alle brachten nur vorübergehende Zerstreuung; die Stimmung des Barons war völlig verändert und Maria zu unerfahren, um sich zu sagen, daß der Genuß allzu vieler Spirituosen sein Nervensystem zerrüttete. So nahte der Sommer. Nichts änderte sich; nur Onno hatte 2394.. sein Regiment verlassen und sich in eine ferne Grenzgarnison versetzen lassen. „Ich kann Onkel Bolko's Güte nicht annehmen als Kaufpreis für meine Charakterlosigkeit. Wenn Helo mich liebt und mir treu bleibt, so wird schon eine Zeit des Glückes kommen. Ich habe angefangen, mich literarisch zu beschäftigen,“ schrieb er. Der Baron fragte gar nicht mehr nach seinem Sohne. Wenn er an ihn dachte, war es nur, um sich in der bittersten Weise über die„glänzende“ Karriere desselben auszusprechen. Auch Maria bekam viel zu hören in dieser letzten Zeit. Sie litt umsomehr darunter, als sie ihren Vater nur allzu gleich- müthig kannte. Wohin war plötzlich seine gute Laune gekommen? „Wolfswart interessirt sich für Dich, Du kannst Deine excen⸗ trischen Thorheiten des letzten Winters noch redressiren, er ist eine gute Partie!“ sagte ihr Vater eines Morgens, da der junge Nachbar eben dagewesen, zu ihr. Ach, sie ahnte es längst, er kam ihretwegen, schlug um ihn nicht einen Schlag schneller. Sollte sie ihn heirathen? Eine reiche borgen sein? „Mama, soll ich?“ fragte sie, neben dem Bette der Mutter knieend, nachdem sie ihr Alles erzählt hatte. Die Mutter kannte jedes Fältchen in ihrem Herzen. „Du hast noch Ideale, arme Maria! Halte sie fest, ach, halte sie fest! Es ist das Beste im Leben!“ sagte die Mutter leise, und Maria merkte jetzt erst, daß ihr die Mutter nie einen Vorwurf gemacht, weil sie ihre Gesinnung respektirte. Das war ihr eine beglückende Genugthuung. Einige Tage später bekam sie einen sie sehr überraschenden Brief. Er war von dem alten Mentink und enthielt ein veraltetes Billet ihres Vaters, worin er seinem Kammerdiener Befehl gab, ihm zu dem bevorstehenden Ordensfeste seine Ordenstracht zu bringen, da er sich nun doch entschlossen habe, an demselben Theil zu nehmen. „Wenn gnädige Baronesse nur vermöchten, des Herrn Barons Gedächtniß mit dieser Erinnerung auf selbigen Tag zurückzuführen, der genau mit dem Datum des Tage zusammenfällt, an welchem er mit dem Hohenthal'schen Fideikommiß die Anleihe abschloß.— Wenn man erfahren könnte, wo der Herr Baron an jenem Tage etwa sonst noch sich aufgehalten, so kämen wir vielleicht dem Doku⸗ ment auf die Spur,“ schrieb er. Maria seufzte. Der gute, thörichte, alte Mann! War er nicht wie versessen darauf, sie reich zu machen! Und wie war all' sein Hoffen doch nur Seifenblase. Trotzdem begann sie, als sie dem Vater gegenüber das einsame Mittagsmahl einnahm und er ärger verstimmt und verdrießlicher als je in dieser Zeit ihr mürrisch und schweigsam gegenüber saß, ihn über Ordensangelegenheiten zu fragen, wobei sie vorgab, die An⸗ regung in einem Zeitungsartikel empfangen zu haben, denn an den alten Mentink und dessen„Narrheiten“ mochte er nicht erinnert sein. Ihr Bemühen schlug fehl. Jedes Wort mahnte ihn jetzt nur an das Gefängniß, in das er sich hatte einsperren lassen, und statt ihr mit seinen Gedanken zu folgen, fuhr er grimmig auf und rief: „Ja— das waren noch Zeiten! Wenn mich Bolko und Dein Onkel Hooglander nicht bis zum Wahnsinn treiben wollen, so schreibe ihnen, daß sie mir mein Wort zurückgeben! Hörst Du? Schreibe, daß ich verrückt werde, daß ich ehrlich bemüht war, mich in meine schmachvolle Lage zu finden, daß ich's aber nicht aushalte und mir eine Kugel durch den Kopf jage, wenn sie mich nicht hinaus lassen! Zum Teufel, ich habe Dutzende von Freunden, die mich bei sich willkommen heißen werden, wie ich Below und den Hauptmann Zolkowsky freudig empfangen habe! Bin ich ein mauvais sujet? Bin ich ein Lump, den man einsperrt? Wenn ich mein Geld verlor, so war's nicht meine Schuld, die Verhältnisse haben mich ruinirt!“— In diesem Tone ging es fort;— er trank hastig Glas um Glas und redete sich in die Heftigkeit immer mehr hinein. Maria batte vergebens versucht, ihn abzulenken. „Deine Mutter, die mir treu war, so lange wir im Glück und Glanz lebten, hat mir ihr Herz und ihre Liebe entzogen!“— ging er dann zu Klagen über.„Sie respektirt mich nicht mehr, weil ich so schwach war, mich durch Deinen Onkel einsperren zu lassen. O,— widersprich mir nicht, sage nicht, die Mama sei krank! Ihr Organismus ist ganz in Ordnung, sie verachtet mich, aber ihr Herz Frau werden? Ge⸗ weil ich Bolko's Hülfe mit meiner Freiheit erkaufte! Ich bin ein unglücklicher Mann! Mein einzig geliebtes Weib zürnt mir, mein Sohn ist stolz und hochfahrend mit seinem armen Vater und läßt sich enterben, weil er ein großer Thor ist, meine Tochter weist die glänzendste Partie des Landes zurück, um ihren Prinzipien zu Liebe eine alte Jungfer zu werden—“ 5 Am anderen Tage war Wolfswart wieder bei ihnen und blieb zu Tisch. f Maria fühlte, er sei entschlossen, heute die entscheidende Frage zu stellen; das machte sie beklommen und unruhig, ihren Vater aber sehr vergnügt. „Du wirst es thun, Maria? Du kannst nicht„Nein“ sagen, wenn Du bedenkst, daß Du Deine Karten aus der Hand gegeben!“ bat er sie, ehe sie in das Speisezimmer gingen, sie bei Seite neh mend, und in seinen jetzt oft so stieren Augen lag heute eine flehende Bitte, eine Angst, als gelte es sein Leben. Zeit zur Antwort ließ er ihr nicht, er wollte auch keine Ab⸗ lehnung hören;— aber immer wieder bat er sie während des Essens mit den Augen. Herr von Wolfswart mußte dies sehen, ihre Pein und Verlegen⸗ heit war schier unerträglich. Als das Dessert gebracht wurde, meldete man einen Boten von einem ziemlich weit entfernten Gute, dessen Besitzer neulich auf der Auktion allerlei gekauft hatte. Der Bote brachte einen Brief und ein Packet von ziemlichem Umfange, dessen Empfang der Baron bescheinigen sollte. Der Baron bat um die Erlaubniß den Brief zu lesen, dann lachte er. Der Brief enthielt nur wenige Worte: Lieber Baron! Ich kaufte neulich auf Ihrer Versteigerung den alten, schön eingelegten Schrank; meine Frau hat eine Passion für dergleichen, belohnte mich aber mit schnödem Undank, denn ich vergaß, mir bei Ihnen die Schlüssel geben zu lassen.— Heute erst kam der Kunstschlosser aus der Stadt, um das Schloß zu öffnen, und da fanden sich in dem einen Schubfach vergessen die beifolgenden Kleider, die Sie eines Tages ärgerlich vermissen könnten. Freundlich grüßend Lobenskü. Ohne Neugier hatte Maria einen Blick in das Packet geworfen. „Papa! Deine Johannitertracht!“ sagte sie überrascht. „Wohl möglich! Wer weiß, wie die darin vergessen wurde; es ist ange her, daß ich sie nicht trug,“ gab er gleichgültig zur Antwort. Man plauderte weiter, nachdem der Baron einige dankende Worte geschrieben. Maria fühlte, der entscheidende Augenblick war kaum noch zu verzögern, denn Wolfswart, auf alle Weise durch ihren Vater ermuthigt, schien ihr Ausweichen nicht verstehen zu wollen. Vergebens wurde sie immer lebhafter in ihrem Geplauder über Alles und Nichts, vergebens suchte sie Vorwände zu entschlüpfen, das Interesse des Bewerbers abzulenken. In ihrer Noth— der Baron sprach schon davon, daß man ihn entschuldigen müsse, wenn er sein Schläfchen halte— griff sie, um ihren Vater zurückzuhalten, nach dem Packet, öffnete es schnell und nahm das reiche alterthümliche Ordenskleid, den Mantel ec. heraus.— Die List schien zu gelingen; ihr Vater hatte Vergnügen daran, seinem jungen Gast anzudeuten, welche Rolle er am Hofe gespielt. Mit keinem Gedanken erinnerte sich Maria in dieser Stunde an Mentink's Brief, sie war nur froh, den Vater über seine Siesta weg zu plaudern und mit vor Aufregung hochrothen Wangen ihn durch eifriges Zuhören und Fragen in Stimmung zu halten. Aber Alles hat seine Zeit! Der Baron erinnerte sich, daß er seinem Gast Gelegenheit geben mußte, Maria's Entscheidung zu fordern. 1 Er warf die Kleider bei Seite und machte Miene zu gehen. „Sieh nur, Papa, da steckt eine Brieftasche,“ rief Maria ihn zurück—„und— Papiere!“ Wie das letzte Wort eigenthümlich klang. Herr von Wolfswart blickte erstaunt auf sie, dann auf ihren Vater; denn ohne noch eine Silbe zu sagen, hatte plötzlich Maria in wilder Hast die Papiere entfaltet, die glühenden Augen suchten überhastig die Schrift zu durchfliegen. K „Mentink! Der alte Mentink!— Sind es die gesuchten Papiere?“ Das war Alles, was sie zu denken vermochte und da stand es— da stand„Ehrstein“— da— 395 Ist es das Dokument?“ 10 7 gewaltige Aufregung lag in ihrer Stimme, ihrem ganzen esen. Der Baron hatte zuerst nur dunkel ahnend begriffen. Plötzlich verstand er sie. Es war ein unbeschreibliches Bild, Vater und Tochter mit sassungsloser Hast über das alte, vergilbte Papier gebeugt zu sehen.— Beide konnten vor Aufregung weder lesen, noch das Ge— lesene verstehen. „Lesen Sie! Lesen Sie es mir vor! Es flimmert mir vor den Augen!“ rief Maria Wolfswart zu und dieser, ohne alles Verständniß dieser Scene, mußte lesen, was auf dem Papier stand. Maria hörte schon das Ende nicht mehr. Sie wußte bereits gewiß, das verlorene Dokument war gefunden. Wie ein Pfeil flog sie davon, hinauf nach dem Zimmer der Mutter. Erst vor der Thür besann sie sich auf die unerläßliche Ruhe. Sie hätte es nicht nöthig gehabt. Baronin Valerie hörte sie mit nur geringer Theilnahme an. „Ich glaube nicht mehr an Glück, ich glaube es nicht,“ das war Alles, was sie sagte, und müde sank sie wieder in ihre Kissen. „Das gnädige Fräulein werden ersucht, in den Salon zu kommen,“ meldete die Kammerfrau leise eine Viertelstunde später, „Herr von Wolfswart möchte sich empfehlen, der Herr Baron bittet um Eile.“ „Mama, denke doch nur, wir bekommen Ehrstein wieder! Es ist jetzt fraglos! Es ist gewiß!“ flüsterte sie noch einmal aufgeregt der Mutter zu. „Ich glaube nicht mehr daran!“ murmelte Baronin Valerie wieder. Mania mußte gehen. „Gnädiges Fräulein sehen ganz echauffirt aus,— ich will schnell—“ Und schon hatte die Kammerfrau ihr den Frisirmantel umgelegt, einen Stuhl vor die Toilette geschoben und Maria überließ sich ihr. Sie sah selbst, daß sie sich erst beruhigen mußte. Zehn Minuten später war sie, frisch und elegant selbst in der Einfachheit ihrer jetzigen Gewohnheiten und überzeugt, daß für heute keine verhängnißvolle Frage Wolfswart's mehr zu fürchten sei, im Begriff, sich wieder zu den Herren zu begeben, als sie schon auf der Treppe die Haushälterin ein kostbares Reisenecessair ihres Vaters in dessen Zimmer tragen sah. Auf dem Hofe wurde der Wagen angeschirrt.— Der Diener lief mit einem Mantel seines Herrn und schrie einer der Mägde zu, der gnädige Herr wolle den Sommerüberzieher. Was hieß denn das? f „Der Herr Baron wollen verreisen!“ rief die jetzt wiedererscheinende Haushälterin ihr entgegen. ü Eben trat auch Welfswart aus dessen Zimmer— in Hut und Ueberzieher, bereit heim zu fahren. Als er sie sah, leuchteten seine Augen flüchtig auf. i „Gestatten Sie mir, daß ich mich für heute empfehle— Baronesse, — die so äußerst wichtige Entdeckung—! „Ihr Herr Vater will sofort in die Residenz,— er ist indeß sehr aufgeregt;— Sie sollten ihn vielleicht begleiten,— es kam ihm ein kleiner Schwindel an, ist zwar schon besser— aber—“ „Der Papa? Verreisen?“ Maria hörte nur dies. Das war ja unmöglich! Wolfswart sprach indeß schon weiter.. „Ich bescheide mich mit meinen persönlichen Wünschen heute, Baronesse,— jedoch,— ich flehe Sie an, geben Sie mir den leisesten Hoffnungsschimmer!“ g „Maria! Maria! was zögerst Du denn? Bedenkst Du nicht, daß ich Eile habe, wenn ich den Kourierzug noch erreichen will?“ rief der Baron, in der Stubenthür erscheinend, seiner Tochter gereizt zu. f „Adieu! adieu!“ Der arme Herr von Wolfswart schritt sehr enttäuscht nach seinem Wagen. g f In des Barons Stube lag Alles wild durcheinander. Ein kleiner Handkoffer, das Necessaire waren schon gepackt und fertig. „Du willst fort, Papa? Aber—“ Wie dunkelroth er aussah, schien blutunterlaufen. „Vater! Vater! Sind dies— dies die verlorenen Akten?— selbst das Weiße in seinen Augen „Natürlich! Hast Du noch etwas Geld? Gieb es mir, ich habe nur dies wenige!“ rief er aufgeregt. „Papa, liebster Papa, Du— vergißt—!“ „Was vergessen? Was? Hier habe ich mein Ehrstein wieder! Ich bin nicht mehr der Sklave Bolko's. Ich fahre direkt in die Residenz,— brauche nur das Dokument im Ministerium vor⸗ zuweisen—!“ „Du kommst nicht mehr zeitig genug zum Zuge, lieber Papa! Sprich doch erst mit der Mutter! Sie wollt' es mir nicht glauben. Du mußt es ihr selbst sagen,“ schmeichelte Maria, denn sie wußte, Widerspruch verdarb Alles. „Hol' mir das Geld, ich laufe zur Mama hinauf! Sieh, das hat sie nun davon, daß sie gegen mich Partei nahm!— Nun überzeuge ich sie, daß sie mir Unrecht that. O, ich wußte wohl, wir würden es wiederfinden. Ich wußte—.“ Er konnte nicht ausreden, Schwankend und taumelnd griff er umher, sich zu halten. Der Schwindel kam von Neuem. „Papa, ich lasse den Doktor holen, die Aufregung schadet Dir!“ rief sie erschreckt. Und wieder schwankte er und strich mit der zitternden Hand über die Stirn, auf welcher sich Todesblässe und tiefe Röthe scharf begrenzten. i „Hole mir, was Du an Geld hast! Ich muß fort, ich halt' es nicht aus! Es ist die Gefangenschaft— sie erstickt mich— sie bringt mich um.“ Und mit Gewalt ermannte er sich, er wollte fort, er wollte! Sie sah es mit Todesangst. Die Dienstleute standen und liefen um sie her,— der Eine brachte das Gepäck zum Wagen— die Haushälterin trug noch eine schnell bereitete Tasse Kaffee herbei. „Nein,— Wein gebt her! Wein! Es ist nur die Auf⸗ regung!“ befahl er. „Um Gotteswillen, Papa! Nicht den schweren Wein!“ bat Mania, aber er hörte gar nicht auf ste. Was sollte sie thun? Was sollte sie anfangen? Er brach sein Wort, wenn er ging— und das durfte sie nicht gestatten. „Papa, ein Wort— ein Wort noch!“ Sie schickte die Leute hinaus. Er sah ganz verwildert aus— blaß und roth gefleckt im ganzen Gesicht— zitternd und wankend. „Und was hast Du noch! Zum Kuckuk mit Euch Weibern! Was willst Du?“ schrie er zornig auf. „Du reisest nicht, Papa, nicht heute! Vergißt Du Dein Ehren⸗ wort?“ bat sie, denn sie bekam Furcht vor seinem Blick. Er stieß einen wüthenden Fluch aus und schleuderte sie zurück. Aber als er zur Thür eilte, stolperte er und fiel. Ihm war nichts geschehen, sie sah es, aber jetzt kam ihr ein rettender Gedanke. 5 Blitzschnell riß sie das Fenster auf und rief dem wartenden Kutscher zu:„Zum Doktor, zum Arzt, schnell, schnell,— holen Sie den Arzt!“ Und ehe der Baron sich erheben konnte, rasselte der Wagen in höchster Eile vom Hofe. Maria aber kniete bei dem Vater. „Vergebung, Papa! Du darfst nicht fort, Du kannst jetzt nicht! Und nun telegraphire ich an Onkel Bolko.“ Die furchtbare Aufregung des Barons entlud sich in einem krampfhaften Weinen. Seine Tochter weinte mit ihm, brachte ihn zu Bett, und dort versank er in einen Zustand, von dem sie nicht wußte, ob es Schlaf oder Bewußtlosigkeit war. Dann erst konnte sie die Telegramme an Isenreut, den Groß⸗ onkel Hooglander und an Onno ausfertigen. Während sie dieselben dem jungen Verwalter übergab, der sich erboten hatte, für sie zur Station zu reiten, wurde ihr gemeldet, es sei ein Herr gekommen, welcher Grüße von Baron Onno zu bringen habe. Ein Kamerad von Onno. Sie mochte denselben nicht fort⸗ schicken, so wenig ihr danach zu Muthe war, jetzt mit einem Frem⸗ den zu sprechen. So ging sie also nach dem Salon hinüber. 850 0 2 2396 Am Fenster, den Rücken nach der Thür gewendet, stand dieser Herr— er hörte dieselbe gehen, wandte sich rasch der Eintreten⸗ den zu, die, erstarrt, die Augen weit öffnend, unbeweglich blieb, während in ihren Mienen ein unbeschreiblicher Ausdruck von Glück, Zweifel und Bangen trat und die jetzt einen Ruf ausstieß, aus welchem alles Mögliche, nur kein Erschrecken, an Totzenbach's Ohr drang. Er war es,— hagerer als früher, die Züge schärfer, in den Augen einen unbeschreiblich unruhig fragenden Blick. Einen Moment blieben Beide reglos, dann öffnete er seine Arme und jubelnd, lachend und weinend zugleich lag! sie an seiner Brust. 8 „Maria! Maria! So empfängst Du mich? So hatte Onno also doch Recht? Großer Gott. welches Glück!“ stammelte der Verschmähte. „Vergebung! Vergebung!“ Dae, war, Alles, was sie sagen „O, Du Guter, Bester! Wie soll ich Dich entschädigen für das, was meine Thorheit über Dich gebracht hat— über uns!“ gab sie ihm zurück. Sie vergaßen Alles in dem Glück, sich wieder zu haben. Hundert Mal begann Maria zu erzählen, wie sie gelitten, wie sie zur Einsicht gekommen, immer wieder unterbrach er sie, um sie zu küssen und ihr zu schildern, wie zerrissen sein Herz gewesen, als er sich von ihr getrennt. Sie ließ ihn in ihr Herz sehen ohne Rückhalt, verhehlte ihm keinen Gedanken und keinen Wunsch, weder ihre flüchtige Neigung für Lornow, noch ihre spätere Einsicht in dessen Charakter, und er sagte ihr, wie er gelitten, mit welchen Qualen er damals von ihr gegangen, wie er immer nur an sie habe denken können und wie er gehofft— trotz Allem! Und über all' diesem. Austausch vergaßen sie ganz und gar, daß es zu dämmern begann und daß stestundenlang gekos't, ohne auf die Zeit zu achten. AP Farbenstudien. Nach dem Original-Gemälde von Karl Reichert. konnte; wußte sie doch selbst nicht, wie dies Alles so plotzlich und so unwiderstehlich über sie kam. „Maria, so liebst Du mich doch ein wenig?“ fragte er sie tief erschüttert. „Ich liebe Dich von Herzen, von ganzem Herzen! Ach, ich wußt es nur selbst nicht, habe zu spät gefühlt, was Du mir werth warest!“ sagte sie fest, das Gesicht von tiefer Gluth übergossen. „Der brave Onno! Er hat es mir gesagt!“ „Onno, Dir?“ fragte sie erschreckt zurück. „Ja, Herzenskind! Ich traf ihn zufällig, da ich seine Ver⸗ setzung an die Grenze nicht erfahren hatte. Wir wurden in wenig Stunden bessere Freunde, wie wir je gewesen, denn wir Beide trugen schwer an unserer Liebe und unserem Leid. So öffneten wir einander unsere Herzen,— Onno tröstete mich, machte mir neue Hoffnung, gab mir, als ich nicht zu glauben wagte, was ich doch so sehr wünschte, Deinen letzten Brief, der gerade denselben Tag ihm zugekommen war, und freilich— da— Du hast es selbst vielleicht kaum gewußt— aber da klang aus Deinen Zeilen deutliche Musik in mein verdüstertes Gemüth!“ Er küßte sie zärtlich und flüsterte:„Die Qual dieser Monate war so groß, daß ich fast zu matt bin, um zu jubeln, und doch ist in mir nichts als Glückseligkeit und Wonne.“ O, wie so ganz anders war dies Zusammensein als jenes erste ihres Brautstandes. Erst als der Diener Licht brachte, fand sich jetzt Maria aus diesem Paradiese zurück. Die Erinnerung an den Vater, an Ehr⸗ stein kam ihr wieder. Totzenbach horchte boch auf.„Ist es moglich?“ Sie holte ihm das Dokument, ihr Vater schlief noch, es lag in seiner Brieftasche. In Wahrheit,— es war das Vermißte!— Der Fiskus mußte das Gut herausgeben— es stand kaum zu erwarten, daß er es auf einen neuen Prozeß ankommen lassen werde, wo die Sache so klar lag. Und nun gingen sie zu Baronin Valerie. „Mama! liebe Mama! Totzenbach ist hier, er liebt mich noch, er will mich zur Frau haben, wir werden Ehrstein wiederbekommen und Du und der Papa werden dort wohnen— ich ganz nahe bei Euch, und wir werden Alle sehr glücklich sein!“ sagte Maria über die Mutter gebeugt. „Ich glau—“ Baronin Valerie wollte mit der alten trostlosen Antwort sich abwenden, aber da fielen ihre müden Blicke auf den fremden Mann neben Maria, und die Hand desselben ergriff ihre durchsichtigen Finger und zog sie an seine bärtigen Lippen. 0 0 . ——————ñä6—9 397. * Die großen dunklen Augen der Leidenden öffneten sich erstaunt,— hefteten sich auf den Fremden, dessen Antlitz von tiefer Bewegung wie durchleuchtet war,— und plötzlich kam Leben in ihr bleiches, starres Antlitz. 0 „Maria! Ist es denn wahr?“ „Wahr, Mama! Und ich habe ihn so lieb! O, Mama, liebste Mama, ich bin so glückselig, so dankbar dem Himmel!“ „Ich sehe, er hat Dich sehr lieb! Sie sind gut“— wandte sie sich an Totzenbach,„ich werde Sie lieb haben können—! Mein Gott und Herr, so wäre also doch noch Glück für uns möglich?“ Ihre Stimme hatte plötzlich einen ganz andern Klang. „So wahr mir Gott helfe, ich will dazu thun, was in meinen Kräften steht! Segnen Sie uns, liebe Mutter!“ sagte feier⸗ lich Totzenbach.— Eine halbe Stunde später fuhr der Doktor auf den Hof. Maria und Totzenbach saßen aglück⸗ strahlend allein im Thee⸗ zimmer. Der alte Arzt sagte nichts Beunruhigendes, als er den Baron ge⸗ sehen, nur dem Pächter des Gutes flüsterte er im Wegfahren zu:„Leichter Anfall— Lähmung der rechten Seite— wird sich wohl dies Mal erholen — kann noch ein paar Jahre leben— aber—.“ Und die Achseln zuckend, gab er seinem Pferde die Peitsche. Zwei Jahrespäter war in Eyhrstein ein eifriges Hin- und Herrennen der Dienerschaft. Das kleine hübsche Schlößchen lag im goldenen Morgensonnen— strahl, renovirt und neu eingerichtet, die Thüren bekrän zt, der Hof mit Maien bepflanzt da, und erwartunge voll harten alle Bewohner der Mit⸗ tagsstunde entgegen, wel⸗ che den neuen jungen Be⸗ sitzer, Onno Baron Hoog⸗ lander, mit seiner jungen Frau von einer mehr⸗ monatlichen Hochzeitsreise zurückbringen sollte. Ein gewisses rosen⸗ farbenes Boudoir war für die reizende junge Frau besonders schön ausgeschmückt worden, und Eine Bescheerung. Nach dem Original-Gemälde von Karl Reichert. die es in liebender Fürsorge gethan, Maria, Baronin von Totzen⸗ bach, beschäftigte sich eben damit, freudig lächelnd dem Gärtner einen Korb vell Rosen abzunehmen, um ihn auf den Tisch in der Mitle des Zimmers zu stellen. Nicht weit von ihr im Sessel sitzt Baronin Valerie, noch immer in Trauer gehüllt, denn der Baron ist vor achtzehn Monaten sanft und schmerzlos entschlafen. In dem Antlitz der sonst so liebreizenden Frau liegt deutlich die Spur schwerer Lebenskämpfe, in welchen sie fast unterlegen, aber über dieselben glänzt jetzt ein unbeschreiblich inniges, glückseliges Lächeln, welches dem Knaben ihrer Maria galt, der auf dem Schooße der Groß— mutter begehrlich nach den Blumen in der Hand seiner Mama strebt. Und nun ist Alles fertig für Helo's Empfang. Mutter und Tochter überblicken freudig das wohlgelungene Werk; da tritt auch der Baron von Totzenbach ein und lobt lächelnd das rosenfarbene Nestchen, von dem ihm einst Maria, als ihrer Mutter gehörend, erzählt hat. Die Welt wird diese Baronin von Totzenbach nicht beklagen, das sagt ein einziger Blick in das von Liebe und Glück strahlende Antlitz ihres Gatten und das verkündet Jedem, der es hören will, die alte Baronin Lautenberg, die sich als die Stifterin dieser guten Partie ansieht. Sie sind Alle herübergekommen, Onno und Helo in ihrer nun⸗ mehrigen Heimath zu be⸗ grüßen. Auch Graf Bolko gesellt sich zu ihnen. Sein Lieblingskind soll nicht ohne ihn diesen Einzug begehen, und es betrübt Keinen in diesem kleinen Kreise sonderlich, daß die Gräfin nicht mit ihm kam, weil sie Elma, der jetzigen Gräfin Arco-Lornow, Ge— sellschaft leisten mußte, da deren Gemahl nach Petere⸗ burg versetzt war, wohin Elma ihm demnächst erst folgen konnte. Die Lieutenantsehe ihrer Helo war der Gräfin Isenreut immer ärgerlich und blieb es, auch als Ehrstein Onno gericht⸗ lich wieder zugesprochen wurde. Tante Lätitia ist ge⸗ storben. Der Einzige, der sie ehrlich betrauerte, war Onno, mit dem sie sich, mürbe gemacht durch ihre Leiden, zuletzt ver⸗ söhnte. Aber horch! Da fällt ein Schuß. Wieder einer! und noch einer! Es ist die Begrüßung des jungen Ehepaares. Eine Viertelstunde später liegt Helo, blühend wie eine Rose, in Maria's Armen und flüstert glück— selig: „O, Maria, wie hattest Du Recht, als Du sagtest, ich könne noch glücklicher werden wie als Braut. Ich bin es jetzt.“ Onno von Hoog— lander hat die Uniforar mit dem Beruf des Land— edelmannes vertauscht und ist ganz der Mann, die Irrthümer und Fehler seines Vaters energisch wieder gut zu machen. Gegensätze. Endlich hatte ich die Mauern der Stadt hinter mir, hatte mich meinen Kollegen empfohlen und hatte von unserem hochangesehenen Kapellmeister, der sich nur um die hervorragendsten Mitglieder der Kapelle zu kümmern pflegte, ein ungnädiges Kopfnicken auf meine wohlgesetzte Abschiedsrede erhalten. Er hatte dieses Mal nicht Un⸗ recht, unser königlicher Kapellmeister, mit seiner Unzufriedenheit der Kapelle gegenüber. Langandauernde Proben, das Einstudiren vieler 8 — —— GGP .. ̃ ᷣͤ0vd]⅛AuUuu... ³. ͤ . 2398 neuen Werke, zu denen auch Wagner's Trilogie zählte, hatten unsere Kräfte überanstrengt, und müde und abgespannt saßen wir die letzten Tage vor den Ferien im Opernhause und nur maschinenmäßig spielten wir noch die Noten vom Blatte herunter. Den Sängern und Sängerinnen erging es ähnlich wie uns, und so hatte denn die Aufführung der letzten Oper eine höchst abfällige Kritik erfahren. Das behagte natürlich unserem ehrgeizigen Kapellmeister durchaus nicht, und daher seine nicht unbegründete Mißlaune. Nun, jetzt kümmerte ich mich weder um Gunst noch Ungunst. Ein reizendes, in einem schattigen Thale gelegenes Dörfchen hatte ich mir als Landaufenthalt ausersehen, und schon hatten die Ruhe und der Frieden um mich her begonnen, günstig auf mein abgespanntes Nervensystem einzuwirken. Das kleine Forsthaus, in dem ich Wohnung gefunden, lag an⸗ muthig im Waldesschatten, und die freundlichen Wirths leute ver⸗ sorgten mich mit ftischer Milch und derjenigen bescheidenen Kost, die ein jüngeres, nicht allzu reichlich besoldetes Mitglied der Kapelle bestreiten kann. Zu einer wirklichen Idylle wurde mir das Forsthaus mit den biederen alten Leuten, dem munteren Jägerburschen und der lieb⸗ lichen Försterstochter. Die Letztere hieß Lorchen, und ihr Hangen und Bangen schien allein auf den Jägerburschen gerichtet zu sein, der Max hieß. Aus dem jungen Stadtherrn, dem Musikanten, machte sie sich bei aller Aufmerksamkeit, die sie als zuvorkommende Wirths⸗ tochter für ihn hatte, blutwenig. Indessen war es für mich gut so. Meine Gemüthsruhe wurde in keiner Weise gestört, und ich überließ mich entzückt einem dolce far niente, wie ich es bisher noch nie gekannt. Wonnig war es, wenn ich an schönen Sommerabenden am Wehre unweit des Forst⸗ hauses im Grase ruhte. Dort murmelten so sinnberückend die Wellen, der Abendwind rauschte so lind durch die Zweige und die Vögel sangen leise und leiser das Abendlied. Ich aber lag und lauschte. Sehnsucht nach einem ungekannten Etwas stieg in meinem Herzen auf und Melodieen glaubte ich zu vernehmen, die, festgehalten, mir gewiß Ruhm eingetragen hätten. Aber— ich war ja nicht zur Arbeit hier. Streng hatte mir der Arzt jegliche Berufsbeschäftigung untersagt, und so ließ ich in meinem Innern ausklingen, was mich so seltsam bewegte. Drei Wochen hatte ich schon im Forsthause so hingeträumt, war nur selten einmal hinein in's Dorf gekommen und schauderte bei dem Gedanken an die bevorstehende Rückkehr in die Stadt. Da kam eines Tages der Jägerbursche aufgeregt nach Hause. „Heute Abend, Herr Förster,“ bat er,„möchten Sie Lorchen und mir schon einmal Urlaub geben. Im Dorfe drin bei Günthers sind Schauspieler angekommen. Sie sollen recht gut spielen, habe ich mir sagen lassen. Nicht wahr, Sie erlauben, daß wir hingehen? Vielleicht kommt der Herr Musikus auch mit?“ Ich willigte ein und nach einigem Zureden auch der Förster und die gute Frau Försterin. Der Abend war gekommen, wir drei wanderten zusammen in's Dorf. Der zartfühlende Musikus— meine eigene ehrenwerthe Person— etwas voraus, dem langsamer nachfolgenden Paͤrchen die Gelegenheit zu einem zärtlichen Liebesgeflüster gewährend. Ein leerstehender Schuppen, aus dem in der Eile die Spuren ehemaliger Benutzung nicht genugsam hatten vertilgt werden können, diente den anspruchslosen Künstlern als Musentempel, und gemein- schaftlich nahmen wir unsere drei Sitze in den vordersten Reihen der dichtbesetzten Zuschauerplätze ein. Kaum vermochte ich ein mitleidiges Lächeln zu unterdrücken, als ich„Hamlet, oder das Schauspiel im Schauspiel“ auf dem Zettel angekündigt las. Max versicherte mir indessen, das Stück solle sehr schön und berühmt sein und vorzüglich gut gegeben werden. Und wirklich— das Werk Shakespeare's verfehlt fast nie die Wirkung, am wenigsten aber da, wo es, wenn auch mit vielen Mängeln, doch mit redlichem Willen und ehrlicher Begeisterung wiedergegeben wird. Die Truppe war nicht so schlecht, als man der bescheidenen Stätte nach hatte vermuthen sollen, aber der Hamlet überragte seine Umgebung weit. Den edlen Dänenprinzen habe ich selbst auf unserer Hofbühne nicht edler und wahrer darstellen sehen, und die angegriffene Stimme des Schauspielers, welche im Affekt leicht heiser wurde, erhöhte an einzelnen Stellen sogar die Wirkung. Tief ergriffen kehrte ich schweigsam in Gesellschaft des gleich- falls tief erregten Paares in das Forsthaus zurück, und zum ersten Male vermochte selbst das Mondlicht, das unseren Heimweg magisch beleuchtete, nicht seinen ganzen Zauber auf mich auszuüben. Meine Gedanken weilten noch immer bei der Vorstellung und dem hoch. begabten Hamletdarsteller. 5 Am anderen Morgen ging ich, Herrn Große, den Schauspieler, der vor Allen mein Interesse erregt hatte, aufzusuchen. Auf Be⸗ fragen wurde ich nach den Dachräumen des Günther' schen Gasthofes gewiesen, und nachdem ich die schmale, hoͤlzerne Stiege erklommen, fand ich denselben am Waschfaß, wie er seine und seiner Kinder Hemden wusch. Erröthend führte er mich in ein äußerst dürftiges, aber sauber gehaltenes Gemach und entschuldigte seine Beschäftigung mit der Verordnung des Arztes, der ihm derlei Hantirung an: befohlen habe. So gläubige Miene ich auch aufzustecken versuchte, das hektische Aussehen, die abgegrenzte Röthe auf den eingefallenen Wangen und die krankhafte Erscheinung des Schauspielers überhaupt sprachen deutlich gegen eine solche vernunftwidrige ärztliche Ver. ordnung. Meine Anerkennung seiner Leistung als Hamlet nahm er bescheiden auf und im Gespräche drängte sich mir die Ueber⸗ zeugung auf, daß ich einen Mann von tiefer geistiger Bildung vor mir habe, der jedenfalls besseren Verhältnissen entstamme. Ich suchte Große häufiger auf. Als wir bekannter geworden, wurde mir sein Umgang eine Quelle wahren Genusses. Drei muntere pausbäckige Knaben, denen die schmale Kost wenig anzuhaben schien, und die er trotz aller Dürftigkeit stets sauber und anständig zu halten sich bemühte, waren sein ganzer Stolz, aber auch seine ganze Sorge. Diese Sorge mochte ihn denn auch eines Tages so überwältigen, daß er mir gegenüber wirklich sein Herz öffnete und mir, wie einem bewährten Freunde, von all' dem Glück seiner Jugend und all' dem Leid seiner späteren Lebensjahre sprach. Es war die alte Geschichte, die sich so oft im Leben wiederholt. Vornehme Eltern, die den verwöhnten Sohn hinausstoßen in keit, weil er sich ihrem Wunsche nicht gefügt, weil er selbstständig einen Beruf gewählt, der in ihren Augen ein verpönter war. Dann ein Weib, leichtsinnig und treulos, das ihn und die Kinder verlassen um eines Tenoristen willen. Große, durch Krankheit längere Zeit an der Ausübung seines Berufes gehindert, verlor sein Engagement und gerieth immer tiefer in Noth. Durch Hunger und Kummer wurde er gezwungen, zu immer kleineren Bühnen seine Zuflucht zu nehmen, bis er endlich mit seinen Kindern hierher zu dieser wandernden Schauspielertruppe gerieth. In wenigen Tagen gehe die Wanderung weiter, und er wolle Gott danken, wenn er ihn in seinem Leiden nur so lange erhielte, bis er seine Jungen zu ehrlichen Handwerkern in die Lehre gebracht habe. „Denn,“ sagte er zu mir,„sind sie auch nicht unbegabt, die drei prächtigen Jungen, so habe ich doch nicht die Mittel, sie etwas Besseres lernen zu lassen, und danke Gott, wenn die Lehrer sie an unserem jeweiligen Aufenthaltsorte umsonst den Schulunterricht mit- Ich thue auch mein Möglichstes, ihnen einige und wenn sie dann ein tüchtites sie zu nützlichen, brauchbaren wie genießen lassen. weitere Kenntnisse beizubringen, Handwerk erlernen, so hoffe ich doch, Menschen heranzubilden und vor solchem Elend zu bewahren, ich es durchzukämpfen habe.“ Je häufiger ich mit Große zusammentraf, um so mehr Achtung mußte ich seinem Charakter zollen und der Art und Weise, wie er, der verwöhnte Sohn des Reichthums, sich in der dürftigen Lage zurecht zu finden wußte. Er verstand noch zu sparen, um einen kleinen Fond zu sammeln als einstiges Lehrgeld für seine Knaben; er war selbst bemüht, in peinlichem Ordnungsgefühl, die schadhaften Kleider der Kinder auszubessern, und benutzte die freien Stunden, dem mangelhaften Unterricht der Knaben selbst nachzuhelfen. Voll aufrichtiger Hochachtung für ihn kam ich eines Tages die schmale Stiege herab, welche von Große's Wohnung in die Restaurationelokalitäten führte. Ohne die Absicht, mich erst im Restaurant aufzuhalten, trat ich in den Garten, welcher das Haus von der Straße trennte. Da bemerkte ich zu meinem Erstaunen ein elegantes Fuhrwerk vor der Gartenpforte halten. Die präch⸗ tigen Schimmel mit dem neuen Geschirr, den Kutscher mit der auf fallenden Livrke, sollte ich die nicht kennen?— Ich hielt nähere Umschau im Garten, und richtig— dort in der schattigen Laube saß er, unser neuengagirter Tenorist, bei ihm drei seiner intimsten Freunde. Unter Scherzen und Lachen mochten sie —— Armuth und Dürftig⸗ scen manchen —————— 3 2399.. Trunk über den Durst gethan haben, denn eine ansehnliche Reihe geleerter Flaschen stand bereits auf dem Tische vor den Herren, und eben brachte der Wirth einen neuen Vorrath. Meiner ursprünglichen Absicht zuwider, nahm ich in der Nähe der Laube Platz und bestellte mir eine Tasse Kaffee. Aber bald wuwiderte mich der wüste Lärm an, der von dort zu mir heraus- schallte, und bitterer Groll beschlich mein Herz bei dem Gedanken, wie lange Tage der Preis nur einer Flasche Weins, den jeder der Herren im Ueberfluß herunterschlemmte, den armen begabten Schau⸗ spieler oben vor Nahrungssorgen bewahren würde. Der Gedanke ließ mir keine Ruhe mehr, und mit plötzlichem Entschluß erhob ich mich und trat in die Laube. Mein artiger Gruß wurde etwas herablassend von dem ge⸗ feierten Tenoristen und seinen Genossen erwidert; aber ich ließ mich in meinem Vorhaben dadurch nicht irre machen. „Meine Herren,“ redete ich die Halbtrunkenen an,„in dem Mansardenstübchen dieses Hauses wohnt ein begabter, durch Unglücks⸗ fälle in tiefste Noth gerathener Kollege, ein armer Schauspieler. Wollte nun jeder von Ihnen sich heute nur eine Flasche des kost⸗ baren Getränkes versagen und den ersparten Preis mir für den darbenden Kollegen einhändigen, so würden Sie das auferlegte Opfer kaum empfinden, dem Unglücklichen aber über eine Woche der Noth und Sorge hinweghelfen.“ Die vier Herren sahen mich ob meiner ausgesprochenen Bitte ziemlich erzürnt an, und Keiner schien Miene machen zu wollen, derselben zu willfahren. Da erhob sich der Tenorist, öffnete das Portemonaie und warf mir eine Zehnguldennote zu. „Die Herren hier sind meine Gäste und dürfen nicht angebettelt werden. Ich löse sie aus.“ a Ich dankte für die nicht gerade sehr liebenswürdig gereichte Gabe und ging, um sie Herrn Große unter einem Vorwand zu übergeben. Nie sollte er erfahren, in welch demüthigender Art mir dieselbe für ihn eingehändigt worden war. Auch der Durst des Tenoristen und seiner Zechbrüder schien gestillt, denn, mich noch einmal umschauend, gewahrte ich, daß die Herren gleichfalls aufbrachen. Als ich langsam die Treppe zu Große's Wohnung erstiegen hatte, wurde mir, auch auf wiederholtes Klopfen, keine Antwort. Ich klinkte deshalb leise auf und schaute vorsichtig ins Zimmer. Da stand Große am Fenster und sah hinab auf die Straße. Aber nicht der gewöhnliche milde Ausdruck lag auf seinen Zügen. Sein Antlitz schien von Haß entstellt, zornig blitzten seine Augen, und in ohnmächtiger Wuth waren seine Hände geballt.„Der Schurke!“ stieß er zwischen den halbgeschlossenen Lippen hervor. Ich trat neben ihn an's Fenster, um den Grund seiner Auf⸗ regung zu erspähen, und siehe— da hielt noch der Wagen unseres gefeierten Tenoristen, er selbst mit seinen Freunden, von dem red⸗ seligen Wirth geleitet, war im Begriff einzusteigen. „Kennen Sie den Herrn?“ fragte ich, um Große, der noch immer voll Grimmes auf die Einsteigenden hinunterstarrte, wenigstens zum Sprechen zu bringen. „Er war der Verführer meines Weibes!“ Ich zerknitterte die Zehnguldennote in meinen Händen und fühlte, daß ich sie unter diesen Verhältnissen unmöglich an Große ausliefern könne. „und was wurde aus Eurem Weib?“ „Krank und elend pochte vor ungefähr einem halben Jahre ein zerlumptes Bettelweib an die Thüren des Siechenhauses z N. Man nahm sie auf und pflegte sie, allein bereits nach zwei Wochen erfolgte der Tod— das war— mein Weib!“ Er deckte die Hand über die Augen, und ein tiefer Seufzer, fast wie halbunterdrücktes Schluchzen, entrang sich der Brust des gequälten Mannes. 5 Unterdessen hatten die Herren unten in dem Gefährt Platz ge⸗ nommen; ein herablassendes Kopfnicken gegen den Wirth, ein Knallen mit der Peitsche, und im Nu waren sie unseren Blicken ent⸗ schwunden. f 2 Seltsamer Gegensatz! Da unten der gewissenlose Schurke, reich, gefeiert, dem die Glücksgüter nur so in den Schooß fielen, dem die Menge in rauschendem Beifall allabendlich zujauchzte, ob⸗ gleich ich schon oft genug empfunden hatte, daß das parteiische Publikum gegen seinen schönen Liebling, der es oft gar leicht mit der wahren Kunst nahm, allzu nachsichtig sei.— Und hier oben der ehrenhafte Mann, der das wahre Ideal der Kunst in seiner wunden Brust trug, arm, krank und mißachtet, mühsam ankämpfend gegen das Elend, gegen die Unbill des Lebens, und doch in edlem Enthusiasmus stets bemüht, dem Ideal in seiner Brust würdige Gestalt zu verleihen. Wahrhaftig, es ist zu entschuldigen, wenn bittere Gedanken über die Wege des Schicksals in der Seele des kurzsichtigen Menschen emporsteigen. Die Zehnguldennote siegelte ich noch am gleichen Tage an unseren Tenoristen ein, mit kurzen Worten bedauernd, die Situation vorher nicht genügend gekannt zu haben, da Herr Große von ih m keine Unterstützung annehme. Als nach wenigen Tagen meine Urlaubszeit, leider nur allzu⸗ rasch, abgelaufen war und auch ich die Heimkehr antreten mußte, wurde mir der Abschied von Große wirklich schwer. Manches hatte ich von ihm gelernt, manchen Gewinn, auch für meine Kunst, aus seinen Gesprächen davongetragen, und die Sorge um seine Zukunft drückte mir schwer aufs Herz. Ich war indeß froh, daß mein zurückgezogenes, einfaches Leben mir nun gestattet, ihm den Ueber⸗ schuß meiner für den Sommeraufenthalt bestimmten Baarschaft, der den Verlust der Zehnguldennote im reichen Maaße ersetzte, für die Kinder zuzustellen. Im ersten Augenblick schien es ihn peinlich zu berühren, und er erröthete verlegen, als ich ihm die Summe einhändigte; indessen verweigerte er die Annahme nicht. „Von Ihnen nehme ich es gern. Ich weiß, Sie meinen es von Herzen gut mit mir und meinen Kindern.“ Und er drückte mir feuchten Auges dankend die Hand, als er das Geld den kleinen Ersparnissen beifügte, die er für die Erziehung seiner Kinder zurückgelegt. Am nächsten Morgen aber holte mich Große im Forthause bei meinen freundlichen Wirthsleuten ab und gab mir bis weit hinaus über's Dorf das Geleite. Da, wo der Waldweg in die Chaussee einmündet, trennten wir uns; ich, um den anstrengenden und mir doch so lieb gewordenen Beruf mit frisch gestärkten Kräften wieder aufzunehmen; Große, um den schweren Kampf um's Dasein allein weiter fortzukämpfen. Gott stehe ihm und seinen Kindern bei! E F. Lose Blätter. Gesetze der alten Egypter. Einige der bemerkenswerthesten Gesetze der Egypter mögen hier einen Platz finden: Der Meineid wurde mit dem Tode bestraft, weil er die Ehrfurcht gegen die Götter und die sicherste Bürgschaft unter den Menschen vernichtete.— Vorsätzlicher Mord zog den Tod nach sich. Dem vorsätzlichen Morde gleich geachtet wurde es, wenn Jemand einen Menschen auf der Landstraße anfallen oder ermorden sah und ihm trotz der Fähigkeit, ihm beizuspringen, nicht half.— Eltern⸗ mörder wurden mit grausamer Todesstrafe belegt.— Kindermörder dagegen wurden mit dem Tode verschont; ihre Strafe bestand darin, daß sie den Leichnam ihres ermordeten Kindes drei Tage und drei Nächte lang im Arm halten mußten. Als Grund für dies Gesetz wird der schöne Satz auf⸗ gestellt, daß es nicht gerecht sei, diejenigen des Lebens zu berauben, die es den Kindern gegeben, sondern daß man sie durch Schmerz und Reue von solchen Thaten abhalten müsse.— Wer Jemand falsch anklagte, hatte die⸗ selbe Strafe zu erdulden, die den Angeklagten betroffen hätte, wenn er für schuldig befunden worden wäre.— Für Schulden konnten nur die Güter des Schuldners verhaftet werden, die Person nie. Ein schönes Gesetz, denn die persönliche Freiheit ist ein zu edles Gut als daß sie wegen Geld in Anspruch genommen werden dürfte.— Eigenthümlich war die Bestimmung, nach 98 5 man die Leiche eines Vaters verpfänden konnte. Bei den religibsen Sitten der Egypter war solche Leiche ein sehr sicheres Pfand, denn wenn sie nicht eingelöst wurde, so erhielt auch der Schuldner selbst kein feierliches Begräbniß.— Das Gerichtsverfahren war öffentlich, aber schriftlich. Die Verhandlung begann, wenn der Präsident des Gerichts das Zeichen seines Amts angelegt hatte. Dies Amtszeichen bestand aus einer goldenen Kette, an welcher ein aus kostbaren Steinen bestehendes Kleinod hing, welches man die„Wahrheit“ nannte. Neben den Richtern lag das aus acht Büchern bestehende Gesetz. Kläger und Beklagter erschienen, schrieben Klage und Vertheidigung auf und reichten ihre Schriften den Richtern ein. Diese prüften sie genau, sprachen das Urtheil und verkün⸗ deten es dadurch, daß der Präsident der siegenden Partei die„Wahrheit“ zukehrte. M. Petéry, der frühere Kommandant von Spandau, war ein Original in seinen Reden, die sich noch heute erhalten haben. So pflegte er zu Königs⸗ geburtstag die Besatzung anzureden:„Leute, Ihr habt einen 1 50 König, denn er versteht den großen Krieg. Er ist aber auch ein kleiner König, denn er versteht auch den kleinen Krieg. Leute, laßt ihn leben, oder der Deibel soll Euch fricassiren.“ In seinem letzten Jahre ließ er eine Aende⸗ rung eintreten, indem er einen anderen Anfang sich erlaubte:„Soldaten, Ihr seid ein glückliches Volk, denn Ihr habt—,“ worauf er wieder auf den großen König kam. 1 28 D — FF ˙ —. 8 7 9 5 V 400 1 Rösselsprung. en S. Beger—— E wicht mer gon⸗ es reise und voll- sie E. 1. a 91* A. be⸗ dern ge⸗ kum⸗ nen nicht die sorgen 1.* 1 5 1 2. fung loos ver- les chem denn schleu- en N 2 5 4 0 i 5 8 f. 11 2 W 8 8.— än⸗ ist hat ist was de glei- fal⸗ 3* 2 111 1 5 dein schöp⸗ be⸗ schon al⸗ ge⸗ ge dern weg der sic machst! der dich len aus der dacht[ge⸗ se ist[fol⸗ an die macht] der herr welt du wei⸗ ewig Tver⸗ Räthsel. Nimmst du das letzte Zeichen fort, Und giebst ihm vorne seine Stelle, So findest du auf alle Fälle Sofort ein neues, and'res Wort. Fischergeräth.— Verstorbener berühmter Architekt. Citaten-Käthsel. Aus jedem der folgenden acht Citate ist ein Wort zu wählen; die acht erhaltenen Wörter bilden ein Citat von Friedrich Halm. 1. Es giebt Menschen, die ihre Jugend erst im Alter erleben. (Jean Paul Richter) 2. Schrecklicher noch als der Haß, ist die Gleichgültigkeit.(Gutztow.) 3. Wo Kinder sind, da ist ein goldenes Zeitalter.(Novalis.) 4. Die Wahrheit ist vorhanden für den Weisen, die Schönheit für ein fühlend Herz.(Schiller.) 5. In deinem Glauben ist dein Himmel, in deinem Herzen dein Geschick. (C. M. Arndt.) 6. Der Scherz ist für den Augenblick, der Ernst für das Leben. (Jean Paul Richter.) 7. Was das Licht für das Auge, ist die Liebe für das Herz. (H. Steffens.) 8. Unter die Menschen sind die Gaben vertheilt, nicht unter die Zeiten. (Schleier macher.) Kapsel-Mäthsel. Versuch's, das Ende von dem einen, Den Anfang von dem nächsten Wort Geschickt zu neuem Wort zu einen, Und was du suchst, hast du sofort. 1. Ein Thier. 2. Eine als Dessert dienende Speise. 3. Einen Neben- fluß der Elbe. Von allen Tugenden die seltenste und schwerste ist die Gerechtigkeit. Man findet zehn Großmüthige gegen einen Gerechten. Franz Grillparzer. Auflösung des Aritmogriph in voriger Nummer; Hunger ist der beste 2. Unterwalden. 7. Iffland. 8. Salomo. 9. Topas. 12. Rubens. 18. Basel. 14. Elisabeth. 15. e 16. Trommel. 17 Epheu. 18. Kasan. 19. Oppeln. 20. Cello. 21. Haase;— der viersilbigen Charade: Vogelbauer;— des magischen 0 stoch. 1. d 6. Richard. 3. Newyork. Garonne. 5. Egmont. 10. Drossel. 11. Encke. D IAN A . a NIBE —— As Ss[ER 4 5 0 2 11 15 5 5 * Weiß zieht an und setzt mit dem dritten 1 Matt. Weiß artie Nr. 275, gespielt durch Korrespondenz im Jahre 1884. Weiß: B. von Fischerz in Burtscheid.— Schwarz: C. Koch in Eupen. 2 e2—e4 7e 24) Sd2—b3 1b6—b4 2) 8g1—13 Sb- 6 25) Sbs—e5f Se6 cb: 3) Lkl—e4 LfS 5 26) De?—cßb: ba- e 4) b2—b4 Le5 b: 27) Dear: 1b8—b4 5) 02—c3 Lba a5 28) Dar- ag Dha—hg 1 6) d2— da eß- da: 29) 71—-g1 Tea da: 1 7) 0—0 8Sg8—f6 30) 7JdI-d4: Tba- da:„ 8) Lela!) d7- d62) 31) Lel-g5 6 e5 0 e1— e553) d6-dõ 32) Dag3— es Dh3— es 10) Le4-b5 Sf6—e4 33) Lg5—6 da- e 11) c- da: Les-g“) 34) 1Jg1—b1 Des—as 125 Dd las) Ke8— 35) Des-—bs Kd7-e 7 13) Lbö cf b7-c: 36) Db3—b8S Das c 14) Daͤk a5) Lg4 fg: 37) Dbs-es? De- d7 15) g2—13: Se4—-g577 38) Des abr Ke6—- f)) ẽ 16) 8b1-d2 8g5— 39 39) 1b1—b8 Kfö—fl 17) Kgl—-g2 Daus—h4 40) Khl-g2 D475 18) Da- ass) Ths—b8 41) Da- Tea-es 10 19) Tal- dl! 1b8-b 42) De6— 45: 5—d3 20) Da6 a4 Tas bs 43) 1b8—4d8 Dd3 ds: 21) Da4—e2 g7—-g6 10 TdS- do: Tegs—ag 22) Las—els) 8h31 45) 7Td5—d7 Kt—15 23) Kg2—b1 8f4—e6 46) Td7 or: aufgegeben. 1) Auf 8) e4 eb ist 47-45 die richtige Vertheidigung. 15950 1* Nehmen des Bauern el wird nach dem Bilgner'schen Handbuche mit Dbs be⸗ an 3) Würd der Bauer mit dem Bauern genommen, so folgt 10) Db nebst Dd7 11) Tel 4 Dieser Zug, welcher gleichbedeutend mit einem Offijleropfer ist, ist jedenfalls un⸗ zulänglich; im Handbuch wird Lad: mt der Fortsetzung 12) Ubg a7 18 Das: ꝛc. zum Vor. theil von Weiß aus geführt; an derselben Stelle findet sich 11).. Ddz mit 12) Dag Lb 13 Tel ar 14) Leg: bees 15) es! nebst Tec ꝛc. widerlegt, es kommt indessen noch der sofortige zug des Läufers(11).. Los] in Betracht 5) Ein Offizier ist nun verloren, den Springer zu schlagen, geht offenbar nicht 1 15) Les T bret 14) Desf ꝛc. aber auch der Rückzug des bedrohten Läufers ist unzulässig; denn Lbs 1 bes 14) Dee Lar 15) Ddö. 715[falls Lt5, so 16) Detzf 20] 16) 6 1 17) Deal ꝛc 6) Weit stärker als 3 Zug, der bei korrektem Gegenspiel nur zum Remis 5 hätte, war Tel, 3 B: 100.. Ks 15) Dab: mit der Drohung 16) Pag Kdz 17 2 resp. 1610.. Kbs 17 8dz und 18) Tbif ꝛc; parirt aber Schwarz diese 1 150„Tos oder a7 ag, so folgt Sd, und Schwarz bleibt nicht nur ohne jeden den eingebüßten Offisier, sondern ist überdies einem übermächtigen Angriff re*— viel besser aber ist 110.. Tos, wonach 15)& eg Leg: 6/ Se5f ic oder 15) 16) Seb! ꝛc. ebenfalls zum Gewinn des 9 bei vorzüglichem Spiele führt. 7) Schwarz läßt sich hier das sichere Remis: 15). b 19 K51 D4¹ ꝛc. en 8 In Betracht kam Tel, wonach das Thurmopfer auf cs drohte, Schwarz konnte edoch der Drohung mit 18).. Stat 10) Khi Dhs begegnen. 9) Um den Springer— zu können, was ohne diesen Vorbereitungszug wegen Skit nebst Us ꝛc nicht möglich w. 10) Auf Das wäre— 2 42) Tos Ddi 43 Dar hs 40 Df oder 12 ba ic. Aus der Schachwelt. N. in Albach. Auf Ihre Entdeckung in der Partie Nr. 273 werden wir in g Nummer ausführlicher zurüdkommen. In dem Problem Nr. 477 fällt daß Spiel 1. 2) Ser als Variante fort, da auch 2) Daus 2 führt, überhaupt sind nur funf de schiedene Jargedagger nach dem ersten Zuge zu erg S. in L. Nur die Läuferzüge noch 81 und de ktommen zur Geltung, da auf Lor auc 2) Sest und Ses er, auf Los auch 2) Das folgen kann 2c., als Haupispiel mu 2 Splel nach 1).. Lg! mit dreifacher Mattwendung. zugleich eines der Dro spiele, ange O. W. in Gießen. Der Empfang Ihrer* zu den Problemen 4 und 474 kann erst an dieser Stelle bestätigt werden, fü Aerudsic sichtiaung bel der Lösun, — 1 ebenso wie die Lösungen zu den beiden vorhergehenden Nummern, zu spät ein getroffen W. K. in B. Das Hauptspiel von Nr 477 läßt sich nicht durch 2) Daß unigehen, Schwarz erwidert Lo5I[s) St K bg] Dru und Verlag der„Volks- Zeitung“, Akt.-Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. r r * 23