fin 1 „ zu den Ouerhessischen Uuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dleser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 28. Gießen, den 10. Juli. Jan, der Jischer. Erzählung von Emilie Tegtmeyer. (Fortsetzung.) Es war am Nachmittage, als Jan, der Fischer, vor Vergnügen lachend, durch das mannigfaltige Gewühl dahinschritt. Er trug einen saubern, blauen Sonntagsanzug, aus dem auf der Brust sein grobes, aber schneeweißes Hemd leuchtend hervorschaute. Seinen Kopf be— deckte ein runder, schwarzer Filzhut, und er sah in seiner Art recht behäbig und stattlich aus. Er wanderte, hier und da die Herr— schaften, die mit Peter Geerts und ihm zu segeln pflegten, durch ein breites Lachen und Zukneifen seiner Augen freundlich grüßend, die Promenade bis zu den eleganten Gebäuden des Elisenbades ent— lang und stieg dann an den Strand hinunter. Der Strand machte hier eine Biegung, die ihn, von einem hohen Sandufer überragt, den Blicken der Spaziergänger drüben entzog und darum auch und weil es hier keine geebneten Wege mehr gab, war der Ort einsam und verlassen. Jan wußte wohl, warum gerade diese Stille und Einsamkeit ihm hier behagte. Er zog eine große, silberne Taschen— uhr hervor und sah, es war erst eben fünf Uhr vorbei, aber was schadete das? Einmal, ohne schwer arbeiten zu müssen, im goldenen Sonnenschein die blaue See zu betrachten, zumal wenn das Herz in seliger Erwartung klopft, das war auch ein Vergnügen. Jan schlenderte weiter am Ufer hin, hob flache Steine auf und schleuderte sie, daß sie drei-, viermal emporhüpften, über die sich immer mehr glättende Wasserfläche; er sah den wunderlich geformten, durch— sichtigen Quallen nach, wie sie langsam vorüber schwammen, pfiff die muntere Weise eines Volksliedes und war in sich und seinem Gott vergnügt. Allmählich wurde ihm aber doch die Zeit lang. Er sah oft nach seiner Uhr und begann endlich an der Erfüllung seines sehnlichst gehegten Wunsches zu verzagen. Sollte Christine nicht kommen wollen oder war sie, was in ihrem abhängigen Verhältniß als„Hülfe“ bei dem Neudorfer Krämer sehr viel Wahrscheinlichkeit hatte, am Erscheinen verhindert? Jan in seiner Gutmüthigkeit fühlte sich geneigt, das letztere anzunehmen; aber die Enttäuschung schmerzte doch, und trübselig setzte er sich endlich auf einen mit hartem Dünen⸗ grase bedeckten Sandhügel und begann zu grübeln. Er dachte an die Zeit, da er als ganz kleiner barfüßiger Junge im Sande ge— spielt, als die See schon seinen Vater verschlungen und die Mutter sich und ihn mit harter Arbeit redlich durchgebracht hatte. Er dachte weiter an die Zeit, da seine Kinderhand zuerst versucht, das Ruder zu führen; als er kräftiger und immer tüchtiger geworden, die alte von der Gicht geplagte, kränkliche Frau nun seinerseits ernährt und mit ihr, ohne sie jemals zu verlassen, in der allerbescheidensten Hütte des Dorfes gewohnt hatte, bis sie mit einem Segensspruch für ihren Jan auf den Lippen gestorben war. Wie er sich damals, als alle Menschen gemeint, eine schwere Last sei von ihm genommen, ver⸗ waist gefühlt hatte und zum Sterben traurig; wie er dann als Fischerknecht zu Peter Geerts in's Haus gekommen war und das Mädchen hatte heranwachsen sehen mit den lachenden, schelmischen Augen, an dem, er wußte nicht mehr seit wann, sein ganzes ehr⸗ liches Herz hing, wie er, aber— Herrgott, was war das? Eine Hand hatte ihm von hinten den Hut abgenommen, und als er nun aufsprang, da stand— aber das war ja gar nicht Christine! Freilich— das Gesicht— wer war denn das eigentlich? Vor sich erblickte er ein junges Mädchen, wie ihm däuchte größer und schlanker gewachsen, als Peter Geerts' Tochter, und sie hatte ein sauberes, helles Kattunkleid an, wie Stinchen nie eines besessen. Dabei trug sie eine weiße, mit Spitzen besetzte Latzschürze und auf den zierlich frisirten aufgesteckten Haaren ein winzig kleines, fein gefaltetes, weißes Häubchen. Jan, ohne sich über die Einzelnheiten klar zu werden, erinnerte sich, daß in dieser Weise die Mädchen gekleidet waren, die verschiedene Hamburger Familien zu ihrer Bedienung mit nach Neudorf gebracht hatten. Wie aber kam Christine in den Anzug? Denn daß sie es war, darüber konnte er sich doch nicht ferner täuschen, und nun begann es auch zu zucken in dem bisher ernsthaften Gesicht, und sie brach in ihr ihm wohlbekanntes, herzliches Lachen aus. Dem Fischer war nicht recht wohl bei der Sache. Er hätte so von Herzen gern die heiß Herbeigesehnte zärtlich begrüßt, aber das Fremdartige in ihrer Erscheinung hielt ihn zurück.„Was be— deutet denn das, Stinchen?“ Zu der Frage ermannte er sich end— lich, und das Mädchen, durch seine verdutzte Miene immer zu er— neuter Heiterkeit angestachelt, wischte endlich die Thränen aus ihren Augen und fragte, sich vor ihm rundum drehend:„Gefalle ich Dir so, Jan?“ „Als ob Du mir besser oder schlechter gefallen könntest wegen eines Kleides, das Du anhast,“ brummte er.„Wenn Du nur sagen wolltest, was die Mummerei eigentlich bedeuten soll.“ ö „Das ist leicht erklärt. In dem Hause neben uns wohnt eine sehr reiche Dame aus Hamburg, Frau Helmich, die Mutter des hübschen Jungen, der fast alle Tage mit Euch segelt. Die hat ein Mädchen mitgebracht, eine sehr nette Person, gar nicht stolz, die, wenn ich Zeit habe, gern ein wenig mit mir schwatzt, und, weil wir beide so ungefähr einer Größe sind, ruhte sie nicht, ich mußte einmal versuchsweise ihr Kleid anziehen.“ „Aber wozu das?“ Jan konnte sich in das Ungewöhnliche durchaus nicht finden und strebte, der Sache auf den Grund zu kommen, sehr zu Stinchen's Mißbehagen.„Wozu? Wozu?“ wieder⸗ holte sie ärgerlich.„Sage lieber, wie der Anzug mir steht.“ „Für mich ist der, den Du gewöhnlich trägst, angenehmer und auch hübscher anzusehen,“ beharrte der Fischer starrsinnig, und da ihm selbst das letztere Urtheil etwas gewagt erscheinen mochte, fügte er kleinlaut hinzu:„Und wenn er für Dich auch kleidsamer wäre, . : A f 7 218 was könnte es nützen, da Du ihn doch als einen geliehenen nur dies eine Mal trägst. Oder—“ ein seltsamer Ausdruck in des Mädchens frischem Gesicht verstärkte noch seine bisherige Unruhe und immer dringender fügte er hinzu:„Oder ist noch sonst etwas dabei, Stinchen, was Du mir verheimlichst?“ „Na,“ sie drehte den Kopf nach beiden Seiten und machte ein etwas schämiges Gesicht,„vielleicht trage ich doch solchen Anzug nicht dies eine Mal allein,“ erwiderte sie;„Marianne, so heißt nämlich das Hamburger Mädchen, verheirathet sich im Herbst. Sie ist mit einem Miethskutscher verlobt und kommt in sehr gute Ver⸗ hältnisse, und da meint Frau Helmich, sie will mich gern mit nach der Stadt nehmen.“ Jan stand wie niedergedonnert. Das ungewisse Etwas, das ihn geängstigt, gewann plötzlich Form und Gestalt. „Aber Du denkst nicht daran, so etwas zu thun,“ sagte er, Christine anstarrend.„Das ist ja ganz unmöglich,“ setzte er leiser hinzu. „Und warum?“ rief sie lachend.„Frau Helmich hat mir viel Geld versprochen, wenn ich mit ihr gehen will, viel mehr Geld, als ich hier verdienen kann, und dann die schöne Stadt! Marianne hat mir so viel davon erzählt.“ Jan that einen tiefen Athemzug, seine Fäuste ballten sich un⸗ willkürlich, und für Mariannen's Sicherheit mochte es sehr ersprieß⸗ lich sein, daß sie sich in diesem Augenblick nicht in deren unmittel- barer Nähe befand; aber Naturen, wie der ehrliche Fischer eine solche besaß, werden mit einem neuen Eindruck nur langsam fertig. „Stinchen,“ sagte er, noch immer für seine innere Erregung un— gewöhnlich ruhig,„komm Stinchen, Du weißt, daß ich Dir etwas zu sagen hatte. Setze Dich hier neben mich, und Du sollst es hören.“ Er faßte sie damit bei der Hand, zoz sie zu dem kleinen Huͤgel, auf dem er vorhin sich ausgeruht und veranlaßte sie, neben ihm niederzusitzen. Er bemerkte freilich nicht, wie sie ihn dabei belustigt und neckend von der Seite anblinzelte.„Siehst Du, Stinchen,“ trotz des ihm unbequemen hellen Kleides wagte er, den Arm schüchtern um ihre Schultern zu legen,„siehst Du, daß ich Dich übermenschlich lieb habe, lieber als alles andere auf der Welt, und daß ich möchte, Du könntest sobald als möglich meine Frau werden, das weißt Du.“ Sie nickte unwillkürlich zu seinen Worten, aber sah ihn nicht an dabei, sondern hielt die Blicke fest auf ihre weiße Schürze ge⸗ senkt.„Ich habe mir immer gedacht,“ fuhr er fort,„wenn ich so viel erspart hätte, selbst ein Netz anschaffen zu können und noch ein wenig dazu, würde Dein Vater mir vielleicht an seinem Boot einen Antheil geben und in die Heirath willigen. Er könnte gewiß einen reicheren Schwiegersohn haben,“ setzte Jan, da Stinchen noch immer schweigend verharrte, seine Rede zögernd fort,„aber gewiß keinen, der fleißiger arbeiten und ihm nach wie vor treuer dienen wird, trotzdem er ein scharfer Herr ist.“ Wieder nickte das Mädchen.„Und,“ sagte ihr Bewerber,„es war diesmal ein guter Sommer für mich. Ich habe viele Trink— gelder bekommen, besonders von dem jungen Herrn aus Hamburg, und jeden Pfennig habe ich gespart und mir nicht ein einziges Mal auch nur ein Glas Bier gekauft, und sieh', Stinchen, nun denke ich, es müßte langen. Das wollte ich Dir mittheilen, und ob Du nicht auch meinst, daß ich jetzt Deinem Vater Alles sage.“ Jan's Gesicht glänzte in Liebe und schüchterner Freude und am allermeisten seine runden, hellblauen Augen. Er sah das Mädchen, das langsam die ihrigen zu ihm aufschlug, so treuherzig bittend damit an, daß ihr's durch alle Glieder fuhr. Sie lächelte ihm ver— ständnißinnig zu, und einen Augenblick schien es, als werde sie ihm um den Hals fallen mit einem jubelnd zustimmenden„Ja, ich meine es auch so, Du guter, alter Jan.“ Dann zuckte es wieder über ihr Antlitz wie loser Muthwille; sie machte eine bedenklich ernste Miene und sagte neckend:„Was würde aber dazu Frau Helmich sagen? Und was würde aus dem schönen Plan, mir in Hamburg Geld zu verdienen?“ War das die rechte Antwort auf seine warme Frage? Einen Scherz zu verstehen, war er gerade jetzt nicht in der Stimmung, oder sollte es bitterer Ernst sein?„Stinchen,“ rief er, und preßte sie so heftig an sich, daß sie erschrak,„Stinchen, es kann nicht Deine Meinung sein, fortzugehen in die große fremde Stadt unter all' die fremden Menschen, wo Du nicht mehr an Neudorf denken, wo Du mich vergessen wirst, und wahrhaftig, Stinchen, ich leid's nicht.“ In ihm begann ein dumpfer Zorn zu grollen; aber das Madchen machte sich mit einer kräftigen Bewegung frei, sprang auf die Füß und sagte schnippisch:„Das wird sich finden, ob Du es mir ver bieten kannst.“ Die untersetzte Gestalt des Fischers bebte; er suchte nach Worten, ohne die rechten finden zu können, bis er endlich die Frage hervor. stieß:„Stinchen, hast Du mich denn gar nicht ein wenig lieb?“ Sie stand noch schweigend und unschlüssig, da ließen sich von der Gegend des Elisenbades her Stimmen vernehmen. Eine Schaar größerer Kinder kam Muscheln suchend und lärmend um die Ecke und am Strande daher. Stinchen, ohne weiteres Besinnen, erfaßte zu beiden Seiten ihre Schürze, machte spöttisch einen Knix vor den verdutzten Jan, drehte sich um und eilte schnellfüßig von dannen. Sie, die sich immer ihrer Macht bewußt gewesen, den starken Burschen durch ein freundliches Wort lenken zu können wie ein* Kind, ahnte gar nicht, in welcher desperaten Stimmung sie ihn zurückließ. Sie hatte noch nie die Erfahrung gemacht, daß gelassene, gutmüthige Menschen, wenn sie einmal bis auf's Aeußerste gereizt, die Herrschaft über sich selbst verlieren, am schwersten wieder zu beruhigen und in ihrem Zorn am unberechenbarsten sind. Jan sah ihr mit geballten Fäusten nach und in ihm wühlte ein gefährlicher, ihn unwiderstehlich vorwärts treibender Thatendrang. Etwas thun, um Schmerz und Enttäuschung zu überwinden, um das drohendste Unheil abzuwenden, mußte er, und wo konnte er dazu bessere Hülfe finden, als bei Christinen's Eltern, die sicher noch nicht ahnten, in welcher Weise man sie ihrer Tochter berauben wollte. Rasch, als gelte es, das Mädchen, welches er liebte, vor einer ihr unmittelbar drohenden Gefahr zu schützen, stürzte er fort. Er 1 rannte die Promenade entlang, an den verschiedensten Menschen vorüber, ohne zur Rechten oder zur Linken um sich zu sehen, ohne zu bemerken, wie mancher verwunderte Blick ihm folgte. Nur das eine Ziel, Peter Geerts Häuschen, hatte er vor Augen, wurde nur getrieben von dem einen Gedanken, daß er Stinchen's Absicht, nach Hamburg zu gehen, um jeden Preis hintertreiben müsse. I Peter Geerts saß, sich des seltenen Stündchens der Ruhe er— freuend, vor seiner Hauethüre und rauchte aus einer kurzen Pfeife. Der stattliche Fischer, ein so braver und in seinem Fache tüchtiger Mann er war, hatte eine Schwäche— er liebte das Geld, und wenn er diese Schwäche auch mit vielen seiner Mitmenschen theilte, so war sie doch bei ihm etwas stärker entwickelt, als sich mit der christlichen Moral in Einklang bringen läßt. Er auch, obgleich aus andern Beweggründen als sein Jan, überzählte in Gedanken den guten Verdienst der letzten Zeit. Noch ein solcher Sommer, und es konnte so viel bringen, daß der stolzeste Traum seines Lebens der Verwirklichung entgegenging. Dann konnte er auf sein hübsches, kleines Haus noch ein Stockwerk setzen lassen, um auch Raum für Badegäste darin zu gewinnen, dann— ihm wurde das Herz warm, wenn er sich ausmalte, welch ein Strom mühelos erworbenen Geldes damit auch in sein Haus fließen würde— dann konnte er, der sich aus bescheidenen Anfängen aufgearbeitet hatte, es noch einmal den großen Bauern und Fischern gleichthun, die längst in ansehnlichen Häusern saßen, ja dann—— Aber was wollte denn Jan, der da, seinen Hut in den Nacken gerückt, daß die flachsweißen Haare darunter hervor auf seine Stirn hingen, mit verwilderten Blicken herankeuchte? So kannte er den sonst stillverznügten Menschen noch gar nicht. „Herr,“ Jan riß den Filz ab, fuhr mit seinem bunten Taschen⸗ tuche über die feuchten Schläfen und versuchte dabei, wieder zu Athem zu kommen,„Herr, ich möchte mit Euch reden.“ Peter Geerts sah hoch auf.„So sprich,“ antwortete er gelassen. Jan blickte sich um nach Stinchen's jüngeren Geschwistern, die, eine ganze Schaar, vor dem Hause spielten; er schaute den Weg ent⸗ lang, der von Spaziergängern wimmelte, und:„Mit Euch allein,“ drängte er. Vater Geerts sah noch befremdeter drein, nach einigem Besinnen aber, nach einem weiteren Blick auf seines Untergebenen in un⸗ gewöhnlicher Aufregung zuckendes Antlitz erhob er sich und schritt voran in sein Haus. In dem sauber gehaltenen Stübchen saß Christinen's Mutter, eine stille, fleißige Frau, die mit den vielen Kindern ihre liebe Noth hatte, bei einer Näharbeit. S — .— 2 — ee — ͤ a R 1 219 „Herr,“ platzte Jan heraus, als sich kaum die Thüre hinter den Beiden geschlossen hatte,„wißt Ihr, daß Stinchen drauf und dran ist, mit Max Helmich's Mutter nach Hamburg zu gehen?“ Frau Geerts ließ ihre Arbeit in den Schooß fallen und ihr Gatte nahm mit einem gedehnten:„Wa—a-—as?“ die Pfeife aus dem Munde. „Gewiß und wahrhaftig,“ fuhr der Bursche, seine mächtigen Fäuste in einander ringend, fort.„Ich dachte mir schon, daß Ihr noch nichts davon wüßtet, und nicht wahr, Herr, Ihr werdet so etwas nicht dulden. Stinchen hat heute schon zur Probe eben solches Zeug an, als die Hamburger Mädchen es tragen, und sagt, daß sie drüben in der Stadt viel Geld verdienen soll.“ Peter Geerts nahm bedächtig den Hut ab, so daß auf seiner Stirn der schneeweiße Rand sichtbar wurde, bis zu dem dieses nütz⸗ liche Bekleidungsstück sie gegen Wind und Wetter zu schützen pflegte. „Nicht übel ausgedacht,“ sagte der Mann, während er seine Kopf⸗ bedeckung auf den Tisch legte.„Die Dirne entwickelt sich nach meinem Sinne und es läßt sich über die Sache reden. Aber wovon weißt denn Du das?“ wandte er sich plötzlich zu Jan. Wenn es überhaupt möglich war, daß dessen Gesichtshaut eine noch röthere Färbung annehmen konnte, als ihr ohnehin eigenthüm⸗ lich war, so that sie es in diesem Augenblick. Seine Blicke senkten sich auf den schwarzen Filz, den er erbarmungslos zwischen seinen derben Fingern zerdrückte, und„sie hat es mir selbst gesagt,“ kam es leise und dumpf aus der Tiefe seiner Brust hervor. „Wo?“. 5 Jan antwortete wahrheitsgemäß auch darauf, und eine scharfe Frage, eine Erwiderung folgte der andern, bis des Burschen Beichte über die Zusammenkunft mit Stinchen vollständig war, bis er aber auch den Muth gewonnen hatte, seine Pläne, seine dringenden Bitten und Hoffnunngen deren Vater bis ins kleinste mitzutheilen. Die Stirn in Falten gezogen, hatte Peter Geerts den Burschen zu Ende reden lassen, dann sagte er kurz und bestimmt:„Daß so elwas dahinter steckte mit Euch Beiden, den Verdacht hegte ich schon lange, und das ist auch zum Theil der Grund, weshalb ich Stine den Sommer über aus dem Hause gab, aber, das merke Dir, Jan, daraus werden kann nun und nimmer etwas.“ Der Bursche starrte ihn an mit Augen, die sich immer weiter öffneten.„Herr!“ schrie er auf, und in dem einen Ausruf ver⸗ einigten sich so viel Schreck, so viel Kummer und Enttäuschung, daß Stinchen's Vater sich wenigstens zu einer Erklärung seines un' erbittlichen Urtheilsspruches veranlaßt fühlte.„Sei kein Narr, Jan,“ begann er wieder,„und bilde Dir nicht ein, daß eben alles nach Deinem Willen sich fügen müsse, sei vielmehr zufrieden, wenn ich Dir nicht noch in ganz anderer Weise den Kopf wasche dafür, daß Du der Dirne, die zum Heirathen noch viel zu jung ist, dergleichen Dinge in den Kopf setztest. Ich habe eine zahlreiche Familie zu versorgen und mußte es mir in meinem Leben sauer werden lassen, und nun ich nahezu so weit bin, die Hände etwas freier regen zu können, nun sollte ich mir eine neue Last aufladen?“ „Eine neue Last?“ Jan sah ihn erstaunt an bei der Frage.„Ich kann arbeiten für die Meinigen, und ich will arbeiten,“ sagte er. „Das glaube ich wohl und zweifle auch nicht an Deinem guten Willen; aber eine Last würde es für mich doch. Eine zweite Familie kann von unserem Erwerb nicht leben, ohne daß es für Alle ein Elend wird. Wenn Stine einmal heirathet, und das hat noch lange Zeit, so sorge ich dafür, daß sie einen Mann bekommt, der sie selbständig ernähren kann, das merke Dir, Freund Jan und schlage Dir ein für allemal den Gedanken an sie aus dem Kopfe. Lieber,“ fügte er, wie für sich selber hinzu,„schicke ich sie wirklich für ein paar Jahre in die Stadt.“ „Ach, Peter,“ ließ sich da die Stimme der Frau bittend ver⸗ nehmen,„mir fehlt das Kind schon jetzt so sehr; ich kann es für längere Zeit unmöglich entbehren.“ Der Mann wendete seine Blicke der für ihre Jahre alt und abgearbeitet aussehenden Frau zu.„Das gewöhnt sich,“ sagte er. „Anna wächst auch schon heran und kann Dir bald ebenso gut helfen.“ „Die ist noch das reine Kind,“ beharrte jedoch Christinen's Mutter,„zudem muß sie in die Schule, und dann Peter,“ die Redende legte ihre Hände in einander und erhob sie bittend zu ihm, „dann ist es auch hart, ein Kind so ganz von sich zu geben, wenn man es doch unter Augen behalten könnte. In der großen Stadt giebt es so vielerlei Gefahren. Schon manche, die dahin ging, ist Zeit ihres Lebens unglücklich geworden.“ „Und manch eine hat auch ihr Glück dort gemacht,“ entgegnete der Fischer ungeduldig.„Dafür ist sie meine Tochter und weiß, daß ich ihr, wenn sie sich nicht schickt, alle Knochen im Leibe zer⸗ schlagen würde. Im übrigen sind wir auch noch nicht so weit, und das läßt sich alles in Ruhe überlegen, Du aber,“ und er richtete das Wort wieder an Jan, der mit angehaltenem Athem und starr in Erwartung des Kommenden jedem Worte der beiden Eheleute gefolgt war,„Du aber komm' mir mit solchen unsinnigen Ideen nicht wieder, und vor allen Dingen unterstehe Dir nicht, Stine weiter Liebesgeschichten in den Kopf zu setzen. Merke ich noch ein einziges Mal dergleichen, so sind wir geschiedene Leute. Sie soll noch lange nicht heirathen, und zur Frau bekommt Du sie keinenfalls.“ Ein dumpfer Schmerzenslaut brach gewaltsam über des Burschen Lippen.„Ich kann nicht von ihr lassen, ich thu's nicht,“ rief er wie außer sich.„Ich will arbeiten, ich will warten, aber, Herr, sagt nicht, daß Stinchen jemals eines andern Mannes Frau werden soll, das giebt ein Unglück, und fort lassen dürft Ihr sie auch nicht.“ „Hoho!“ Auch auf Peter Geerts Stirn begann die Zornesader anzuschwellen. Daß sein Untergebener wagen würde, eine solche Sprache gegen ihn zu führen, die Möglichkeit war ihm überhaupt noch nie in den Sinn gekommen.„Den Augenblick schweigst Du und gehst Deiner Wege,“ fuhr er ihn an.„Meine Meinung habe ich Dir gesagt, und nun laß mich in Ruhe.“ Jian suchte nach einer Erwiderung, die Aufregung, die in ihm arbeitete, raubte ihm fast die Besinnung.„Herr, wenn Ihr das thun könnt, wenn Ihr Stinchen nach Hamburg gehen laßt,“ begann er wieder,„so—“ „Hinaus! Mach', daß Du fortkommst!“ unterbrach ihn der Fischer zornig, mit dem Fuße stampfend, indem er seine Frau, die aufgestanden war und ihm begütigend zureden wollte, an die Seite schob.„Ich thu', was ich will und nicht, was Dir gefällt, und nun gerade, um sie Dir aus den Augen zu bringen, soll sie fort.“ „Das soll sie nicht!“ schrie Jan auf,„ich leid's nicht.“ Mit erhobener Faust wollte er auf seinen Herrn eindringen; aber schon erfaßte dieser mit Riesenkraft seinen Arm und zerrte ihn nach der Thüre zu.„Da hinaus!“ sprudelte es in Hast über seine Lippen.„Hinaus, und komm' mir nicht wieder vor die Augen. Einen Menschen, der mir nicht gehorcht, der gewaltsam gegen mich angeht, kann ich ferner nicht brauchen und dulde ihn nicht unter meinem Dache; fort, sag' ich!“ Die Worte trafen den erhitzten Burschen wie ein kaltes Sturz⸗ bad. Im Flur stand er, ohne zu wissen, wie er dahin gekommen. Mit beiden Händen griff er, als gelte es, seine Gedanken zu sam⸗ meln, nach dem Kopfe und„fort!“ wie geistesabwesend wiederholte er das eine Wort. „Morgen, wenn Du Deinen Verstand so weit wiedergefunden hast, kannst Du kommen, um zu holen, was Du verdient hast, und dann sind wir geschiedene Leute.“ Mit der Erklärung schlug Peter Geerts krachend die Stubenthüre zu und rannte drinnen, um seiner Erregung wieder Herr zu werden, mit großen Schritten auf und ab. „O, Peter, das hättest Du doch nicht thun sollen,“ jammerte die Frau, und als er sie unfreundlich anfuhr mit der Aufforderung, ihn in Ruhe zu lassen, setzte sie sich still an ihren Platz und weinte. (Fortsetzung folgt.) Die Rose. Der Rosenstrauch ist wildwachsend über die ganze Erde, mit Ausnahme von Australien, verbreitet, d. h. der eine Erdtheil besitzt diese, ein anderer jene Art; die meisten stammen von Asien. Die Rose gehört seit den ältesten Zeiten zu den Lieblingsblumen des Menschen; erzählt uns doch schon Homer, der Sänger der Ilias und der Odyssee, von Rosen und Rosenöl, und von Egypten übernahmen die alten Römer ihre Liebhaberei für Rosen, nicht nur weil in jenem alten Kulturlande viel Rosen gezogen wurden und andere wild wuchsen— weshalb ganze Schiffsladungen von dort nach Rom versendet wurden— sondern auch, weil die Verbindung beider Länder zu gewissen Zeiten eine sehr innige gewesen ist. Gab doch Kleopatra, die letzte Königin von Egypten, als Geliebte eines 2 00 N 1 ö N 9 5 1 f . . ö . r 220. der römischen Herrscher(Triumvii), Mare Antonius, diesem ein Gastmahl, bei welchem der Fußboden einen Cubikus(65 cm) hoch mit Rosen bedeckt war, die ungefähr 3000 Mark unseres Geldes gekostet hatten, dieselbe Kleopatra, welche im Jahre 30 v. Chr. wegen der kriegerischen Niederlagen ihres Geliebten durch Ansetzen einer giftigen Schlange sich selbst tödtete. Nero, der wegen seiner Grausamkeit berüchtigte römische Kaiser(von 54— 68 n. Chr.), verbrauchte bei einem Gast⸗ mahle allein für Rosen, die aber von Asien herbeige⸗ schafft waren, an 4 Mill. Sesterzien oder ungefähr 600,000 Mk., und Helio— gabalus(auch Elagabal, eigentlich Bassianus ge— nannt), der von 218 n. Chr. wie wahnsinnig regierende römische Kaiser, entledigte sich seiner Feinde dadurch, daß er sie bei großen Fest⸗ essen unter Rosen ersticken ließ; er wurde i. J. 222 ermordet.— Auch in China, von wo viele der oben er— wähnten Rosenarten und Spielarten stammen, ist seit den ältesten Zeiten die Rose eine vielgeliebte Blume, und die in den kaiserlichen Gär⸗ ten gezogenen Rosen sind so zahlreich, daß die aus ihnen bereitete Essenz jährlich un⸗ gefähr 100,000 Mk. ein- trägt, obwohlnur die kaiser— liche Familie und die Man— darinen sich ihrer bedienen dürfen. Soviel nur über die Be— deutung der Rose! Es ist auch nicht meine Absicht, mich weiter in die Geschichte des Rosenstocks und der Rose zu vertiefen, denn darüber sind schon ganze Bibliotheken geschrieben worden, und selbst für einen kurzen Auszug aus diesen würde der Raum unseres ge— schätzten Blattes nicht aus- reichen. Meine Absicht ist nur, der verehrten Leserin in kurzen Zügeneinige Rath— schläge zur Pflege ihrer Lieb— lingsblume zu ertheilen und ihr ein paar der neuesten Sorten im Bilde vorzu— führen. Die neuesten Sorten! Woher kommen sie und wo— hin gehen sie? Der Deutsche braucht viele Jahre, ehe er einer in Form und Farbe„noch nicht dagewesenen“ Rose die Er— laubniß ertheilt, einen Namen zu führen und auf öffentlichem Markte zu erscheinen. Bisher hat auch der Name immer einen französischen oder englischen Klang haben und einen Helden oder Heldin dieser Länder verherrlichen müssen. Nur Rektor Drögemüller in Neu— haus a. d. Elbe, der berühmte deutsche Rosenzüchter, giebt seinen Rosen deutsche Namen, und dafür sei ihm die Anerkennung aller Rosenliebhaber gezollt. Ueber seine Rosen spreche ich ein andermal ausführlich, denn sie sind es werth.— Die Franzosen und Engländer bringen jährlich einige Dutzend neuer Rosen auf den Markt, die sie aus mehreren tausend Sämlingen ausgewählt haben und die oft ebenso schnell verschwinden als sie gekommen sind, weil sie alljähr⸗ Die namenlose Schöne. Von Max Deegen II. in Köstritz. lich von dem Allerneuesten, oft auch besseren verdrängt werden; nur wenige Sorten behalten Jahrzehnte hindurch und länger die Liebe ihrer Verehrer, und wünsche ich von ganzem Herzen, daß den hier dar⸗ 0 gestellten drei Sorten dieses Glück für alle Zeiten gesichert sein moge. Die eine dieser drei Sorten,„die namenlose Schöne“, ist eine weißblühende Rose aus der Sippe der Thee-Noisetten, ist namentlich für den Topf, also für Zimmer geeignet und blüht auch im Winter reich; ihr Geruch ist sehr angenehm; wegen ihrer langen Stiele scheint sie für jede Art von Blumenschmuck sehr ge— eignet. Diese Sorte ist von dem Handelsgärtner Herrn Max Deegen II. in Köstritz gezogen(aufgefunden?) und Herrn Gebr. Schultheis in Steinfurth bei Bad Nau⸗ heim in Hessen zum Verkauf übergeben worden. Ehe ich der verehrten Leserin die anderen zwei neuen Rosen vorstelle, möge sie mir erlauben, einige Worte zu sprechen über die Entstehung der Sorten, übet die Vermehrung und die Pflege der Rosen überhaupt. Im Allgemeinen theilt man die Arten und Spiel- arten des Rosenstockes in Land- undinEdelrosen. Ich erwähne von ersteren nur die Arten, welche im Garten einige Bedeutung haben, nämlich die weiße Rose(Alba L.), die Zen⸗ tifolie(Centisolia L.) mit schön gebauten und wohl— maszener- oder Monats- Rose Damascena Mill.), welche gewöhnlich sehr reich blüht, die französische oder Essig⸗Rose(Gal- lica L.) mit gefüllten aber meist einzeln stehenden Blü⸗ then; der Strauch ist voll- ständig winterhart; die gelbe Rose(Lutea Mill.) mit dottergelben Blüthen, die aus den Gipfelknospen junger Zweige erscheinen, weshalb der Strauch erst nach dem Blühen beschnitten werden darf. Die Bisam., Moschus-, weiße oder Büschelrose(Moschata Ehrh.) blüht im Herbst sehr reich in großen Enddolden oder Rispen. Die Blumen riechen sehr gut; die vielblumige Rose(Multiflora Thb. oder Polyantha Hort.), eine reichblühende Kletterrose mit kleinen Blüthen, oft 20-30, auch 100 in einer Dolde; die Apfelrose(Villosa L.) mit eßbaren Früchten aus der Gipfelknospe der jungen Zweige(vergl. mit der„Gelben Rose,“ s. o.), die Hundsrose(Canina L.), gewöhnlich als„Unterlage“ für die Edelrosen benutzt; die indische Rose(Indica L.) mit immergrünen Blättern und zahlreichen Blumen in den verschiedensten Farben, u. a. m. Die Edelrosen sind meist Spielarten entweder direkt von der indischen Rose oder solche, welche durch Kreuzungen dieser mit der Damaszener u. a. Rosen, auch aus anderen Arten, entstanden sind. Ich nenne von ihnen die indische Rose(Indica Lindl.), die riechenden Blumen, die Da— 1 o —— ——— — 221.. Theerose(Fragrans Red.), die Monatsrose(Semperflorens Curt.), die Bourbonrose(Borbonica Hort.), die Noissette— Rose(Noisetteana Red.), die Moosrose(Muscosa Ait.), die zweimal blühende Hybrid- oder Remontantrose(Hybrida bifera Hort.), die Thee-⸗Hybride(Hybrida fragrans Bennett), die aus Kreuzungen zwischen Remontant- und Theerosen entstanden ist und sehr schöne Knospen„zum Schneiden“ für Sträuße, Kränze u. s. w. giebt; als offene Blume verliert sie bedeutend an Schönheit. ständige und verehrte Leserin leicht in den Stand setzen wird, ihre Rosen gesund zu erhalten, wodurch sie sich selbst die größte Freude bereiten wird. Das Kapitel von der„Vermehrung“ oder der„Fort— pflanzung“ der Rosen überlassen wir heute dem echten„Rosen— gärtner.“ . Junge Enten. Aus diesen und anderen Arten und Spielarten sind durch gegen- seitige Befruchtung Tausende von Sorten entstanden, die eine immer schöner als die andere, auch verschieden im Wachsthum und in den Forderungen des Strauches an Boden, Sonne, Luft(viele von ihnen müssen das ganze Jahr hindurch unter Glas, im Ge⸗ wächshaus oder im Zimmer gezogen werden) und an die Pflege, namentlich das Beschneiden durch den Menschen. wenn auch nur kurz und mehr andeutungsweise gegeben, meine ver Nach dem Gemälde von C. Raupp. Hingvögelchen. Aus dem Arbeiterleben. Von Wilh. Grothe. „Singvögelchen“ wurde sie im ganzen Hause genannt, und viele Bewohner umschloß die Miethskaserne, in der Liese Berger ihr Heim besaß. Der Beiname war der Tochter des fünfzigjährigen, schlichten Von der Pflege Eisenarbeiters gegeben worden, weil sie stets heiter und guter Dinge der Rose möge das Nöthigste in nächster Nummer folgen, das, w 0 g hing, um die Wette zu singen schien: keine kunstreiche Melodieen, war und mit dem Zeisige, der im Käfig über der Nähmaschine 222. keine Arien oder Solfeggien mit Trillern und Staccati, sondern einfache Lieder und Kouplets, wie ihre ungeschulte Stimme sie be⸗ wältigen konnte. Die ungetrübte Heiterkeit war jedoch nicht ihr größter Vorzug; die ihr näher standen, behaupteten, Lieschen Berger sei das beste Hausmütterchen, das sich finden ließe, obgleich sie noch nicht zwanzig Jahre zählte und tüchtig für Geschäfte nähe. Sie führte in der That die ganze Wirthschaft, kochte und versorgte ihre zwei jüngeren Schwestern von zehn und zwölf Jahren. Dabei war Alles in der kleinen Wohnung blitzblank und man konnte es kaum be⸗ greifen, wie ein so unbedeutend aussehendes Kind das zu schaffen im Stande sei. Thatsächlich sah Singvögelchen recht unbedeutend aus, sie besaß nicht einmal hübsche Züge; doch schauten ihre braunen Augen so treuherzig und ungetrübt darein, daß man unwillkürlich freundlich zu ihr war, und mochte sich der Aerger vorher noch so breit in der Brust gemacht haben. Wunderbar war es nicht, daß ihre beiden Schwestern voll Liebe an ihr hingen. Doch„des Lebens ungetrübte Freude ward' keinem Sterblichen zu Theil;“ auch der Himmel Lieschen Berger's sollte nicht immer heiter glänzen. Wer in einer großen Fabrikstadt lebt, sieht in den Straßen des Arbeiterviertels an dem letzten Wochentage Abends Gruppen von Weibern, denen meistens der Stempel der Noth, des inneren Zer⸗ falls auf das Antlitz geprägt ist. Sie warten auf ihre Männer, denen der Wochenlohn ausgezahlt wird, um sich diesen geben zu lassen. Heute müssen die Schulden der Woche bezahlt werden, sonst borgen Bäcker, Fleischer uud Materialhändler dem schlechten Kunden nicht weiter. Jetzt kommen die Männer aus dem Komtoir, aber ihre Blicke fallen auf ihre Weiber nicht liebevoll; denn sie sehen in ihnen nur Mahner, die den letzten Groschen nehmen möchten, und doch haben sie selbst ihre Rechnungen in den Restaurants und Destillationen auszugleichen. Die Gatten entfernen sich hadernd und heftig gestikulirend. Zu diesem Gange hatte sich Lieschen noch nie zu entschließen brauchen; war doch ihr Vater ein nüchterner Mann, der die Häus— lichkeit liebte, und der am Ende der Woche stets heimging, um von seinen verdienten zwanzig Mark sechzehn dem hausmütterlichen Töchterchen zu übergeben. An einem Sonnabend-Abend im November aber kam der Vater nicht nach Hause, man mußte ohne ihn zu Abend essen. Er war auch noch nicht zur Stelle, als die Kinder schlafen gingen. Auf deren Frage, wo jener bleibe, hatte das Singvögelchen nichts zu erwidern gewußt. Es wurde zehn Uhr, Lieschen vermochte an der Nähmaschine nicht mehr zu arbeiten.„War ihm ein Unglück zugestoßen?“ Elf schlug es. Sie griff nach dem Umschlagetuch, sie wollte ihn in ihrer Herzensangst aufsuchen, doch wohin sollte sie sich wenden? Noch einmal öffnete sie das Fenster, um hinauszuschauen. Ja, das war sein Schritt, doch fehlte ihm die Festigkeit. Jetzt stolperte er die Treppe empor. Ella ergriff die Lampe und leuchtete hin— aus. Der Vater schwankte hinein, die Augen stier, der Mund zu einem Lächeln in die Breite gezogen. „Vater, wie siehst Du aus!“ rief Singvögelchen entsetzt. „Na, wie denn— ich war in Gesellschaft— wir haben ge— trunken, gespielt. Es war gottvoll.“ Er fiel mehr auf den Sessel, als er sich setzte. Sie war um ihn beschäftigt.„Es ist nur gut, daß Du jetzt zu Hause bist. Willst Du zu Abend essen?“ „Ist nicht nöthig. Den Teufel auch! Das war ein lustiger Tag. Ich gehe zu Bett.“ Am folgenden Morgen fragte sie den Vater, der heute miß— vergnügt und finster blickte, nach dem Wochenlohn. Der Alte sah sie verwundert an, dann griff er in die Westentasche und schleuderte zwei Zweimarkstücke auf den Tisch.„Das ist heute Alles“, er— widerte er,„Du mußt Dich eben diese Woche einrichten.“ „Mit vier Mark?“ wendete sie leise ein. „Nun ja, Du verdienst ja auch, mußt Dir schon etwas gespart haben. Könntest mir eigentlich die vier Mark auch überlassen.“ „Du weißt, daß die Frauenarbeit sehr schlecht bezahlt wird. Auch kann ich nicht fortwährend an der Nähmaschine sitzen. In voriger Woche habe ich den Kindern Wintermäntel gekauft.“ „Dumm genug. Das hätte auch noch Zeit gehabt. Nun, wie ist es mit den vier Mark? Du willst sie nicht geben. Gut, der blaue Engel(das Wahrzeichen der Destillation) borgt mir schon.“ „Vater, um Gottes Willen, borge nicht!“ „Dann gieb mir das Geld.“ „Vater, geh' nicht in den blauen Engel,“ bat schüchtern das Geld hinschob. „Ich bleibe nicht lange,“ versetzte er und eilte fort. Er blieb doch länger als sonst, kam auch müde zurück und legte sich nieder. 5 1 Das war der erste traurige Sonntag, deren sich die Kinder seit Jahren erinnern konnten. Eifriger als sonst nähte Singvögelchen an der Nähmaschine, aber sie sang nicht. Der Zeisig blickte sie ganz verwundert an, begann auch einige Male anzuschlagen; als er jedoch keine Antwort erhielt, setzte er sich auf die erste Sprosse, steckte den Kopf unter die Federn, zog das eine Bein hinauf und entschlief. 4 Die Verstimmung ging dieses Mal vorüber, schon nach einigen Tagen hatte der Zeisig eine Begleiterin wieder. Lieschen hatte sich mit ihrem ersparten Gelde eingerichtet, daß sie nicht zu borgen brauchte. Das ließ sie die alte Heiterkeit wiederfinden. So kam wieder der Sonnabend Abend. An demselben hatte Berger wieder- gewinnen wollen, was er am vorigen Sonnabend an den Verführer Galgenberg verloren hatte. Vergebens, er kam mit keinem Pfennig in der Tasche nach Hause. s Am Sonntag trat Lieschen vor ihn hin.„Vater, was soll daraus werden?“ sagte sie,„ich habe nur meinen Verdienst von voriger Woche.“ 1 „Mache mir zu meinem Unglücke nicht noch Vorwürfe!“ schrie er und schlug mit der Faust auf den Tisch.„Es wird schon anders“ werden, muß anders werden.“ 1 „Wenn Du es so forttreibst, nicht!“ bemerkte sie. Er sah sie drohend an und ging. Singvögelchen setzte sich an die Nähmaschine, und dieses Mal schien es wirklich mit dem Singen ganz vorbei zu sein. Dagegen arbeitete sie vom Morgen bis in die Nacht hinein. Der Zeisig sah sie wieder verwundert an und schlief dann wieder auf der ersten Sprosse. Die Berger'sche Wohnung war nicht mehr wie sonst und war doch dieselbe, der Zeisig war nicht mehr wie sonst und Sing. vögelchen noch weniger. Sie beklagte sich nicht, sie duldete und arbeitete ruhelos, aber still und traurig. Der Vater ging seiner! Wege und die jüngeren Kinder saßen wispernd in der Ecke. Nur einmal war es lebhafter hergegangen. Das war, als der Vater die Jüngste hatte schlagen wollen. Da war Lieschen aufgesprungen und hatte sie ihm fortgerissen. ö 1 „Ist es nicht schon genug, was wir leiden?“ rief sie. Er hob die Hand gegen sie, aber sie blickte ihn furchtls an. Da sank seine Hand hinab und er meinte:„Für dieses Mal soll es gut sein.“ Dann ging er murrend hinaus. 5 Wohl sechs Wochen waren vergangen, in denen Singvögelchen keinen Laut hatte vernehmen lassen, als einer von Berger's Kameraden mit ihm denselben Weg ging.„Ich bin heute Deinem Lieschen begegnet,“ sagte Jener,„die sollte zum Arzt gehen. Ich glaube, die hat Eins fortbekommen.“ Das Wort wirkte. Der alte Arbeiter faßte erschreckt seines Kameraden Arm.„Du weinst wirklich?“ rief er.„Sie sollte krank sein?“ „Ich kann mich irren; aber sie sieht wie eine Kirchhofs-Kan. didatin aus.“ 1 Als der Vater nach Hause kam, war er in einer großen Auf— regung.„Bist Du krank?“ fragte er seine älteste Tochter. 5 „Nein, nein!“ versetzte Singvögelchen. 7 „O ja,“ rief er ängstlich,„Du bist krank. Gehe zum Arzt; er kostet uns ja nichts!“ g „Der hilft mir nicht,“ hauchte sie. etwas müde.“ „Du arbeitest zu viel.“ „Und wovon sollen die Kinder essen?“ 1 Er blickte ihr scharf in die ruhigen Augen, dann sagte er? „Meinst Du wirklich, daß es besser würde, wenn ich morgen nicht in den blauen Engel gehe?“ 3 „Was würde Galgenberg dazu sagen?“ 5 „Ich gehe nicht.“ Mit den Worten reichte er ihr die Hand über den Tisch. Sie legte die ihrige hinein:„Du wirst es nicht können.“. Er brachte es doch über sich, und als er ihr die zwanzig Mark sie, während sie „Es ist nichts, ich bin nur 223. und nichts zurück haben wollte, sank sie ihm an die Brust. „Dank, Vater,“ rief sie,„nun werde ich auch bald wieder gesund sein.“ Am folgenden Sonntage— es war ein schöner Wintertag— ging die ganze Familie zum ersten Male wieder vor das Thor. Sie trafen dort einen anderen Arbeiter. 5 „Weißt Du schon, Berger, was gestern im blauen Engel passirt ist?“ fragte er. i Ich war nicht dort, ich wurde es müde, mich von Galgenberg ausziehen zu lassen.“ „Das sind Andere auch müde geworden,“ meinte der Arbeiter, Hund paßten ihm auf die Finger, und da lag der Hase im Pfeffer; st.( er spielte falsch. Da schlug man auf ihn los, er zog das Messer, ub aber es half nicht, und endlich lag er da und rührte kein Glied. Die Polizei kam hinzu und nahm mit sich, was sie fassen konnte. n Uebrigens ist Galgenberg nicht todt; aber ein Vierteljahr wird er h wohl im Lazareth zubringen. Der blaue Engel ist jedoch geschlossen.“ n„Gut, daß Du gestern nicht dort warst,“ meinte Singvögelchen u zu ihrem Vater, nachdem der andere Arbeiter gegangen war. „Besser, ich hätte den blauen Engel nie gesehen,“ versetzte der Alte. er, 1 Singvögelchen hat sich wirklich wieder erholt. Auch der Zeisig 0 sitzt nicht mehr so oft mit dem Kopf unter den Flügeln. Heiterkeit bherrscht wieder in der kleinen Wohnung. fl„Du wärst fast an dem Sonnabend zu Grunde gegangen,“ be— 11 merkt hin und wieder der Vater zu seiner Tochter; dann sinkt sie ihm um den Hals und erwidert:„Wie gewöhnlich es der Fall ist; 1 aber ich habe Glück, daß ich einen solchen Vater wie Dich besitze.“ eh ft 5 eie later, l Das Wachholderbier. Bier und Wachholder! Kein Getränk is bei gen uns mehr verbreitet, als das Bier, kein Strauch ist beliebter als der Pin Dies war vornehmlich bei unseren Altvordern der Fall, in deren g holder. f Häusern man der Frau Kranewitt oder Machandel, wie der Wachholder hieß, unter keinen Umständen entbehren konnte. Und zum Theil trifft das b auch jetzt zu. Durch Nichts wird die Stubenluft so gut geräuchert, als 1 bdbaurch das Verbrennen von Wachholderholz. Kennt der Bewohner der rauheren 0 Gebirge oder des nördlichen Haidelandes etwa Besseres, als seinen Wachholder⸗ Ein Lehrer sprach 1155 e Vieles 92 das D N agte endlich einen kleinen Knaben:„Nun, was denkst du . 2 seßts“ Der Knabe besann sich nicht lange und sagte: Nun, ich 11 mir halt, wenn nur der Schulmeister fort und die Schule bald aus wäre!“ 5 Frommer Gedanke. 0 branntwein, der ihn nährt, ihm den Magen stärkt und erwärmt und sein el Blut kräftiger kreisen läßt? Kann man gutes Wildpret ohne Wachholder⸗ lu beeren bereiten, die in Westfalen noch immer„Heilige Beeren“ und„Weih⸗ l eicheln“ genannt werden? Was thäte die arme Aelplerin, wenn sie ihren Kleinen an Festtagen nicht einmal Brod mit etwas Zucker und Machandel⸗ n beeren backen könnke, woher nähme ste, wenn eins der Kinder erkrankt, ihren „Thee“ und aus was sollte der Landbader seinen Theriak, den er gegen Alles bal gebraucht, bereiten, wenn es keinen Kranewitt, gäbe? Frau Kranewitt sticht ll zwar mit ihren Nadeln, aber dafür sorgt sie auch für einzelne Thiere, wie Auerhahn, Krammetsvogel ꝛc., besonders aber für den Menschen und trägt u reben ihren reifen Beeren immerfort grüne, damit der Vorrath nicht aus⸗ gehe. Es giebt auch kein Gewächs, von welchem man sowohl in alten u Kräuterbüchern wie bei dem Landvolke mehr Rezepte fände, als von der I Frau Karwendel; sie hilst gegen Seitenstechen, gegen das Zipperlein, gegen “Gicht, Husten, Keuchen, Magenweh und Blasenleiden, gegen Rheuma und u Asthma, gegen Brustschmerzen, gegen Flechten, Ausschlag und Schlassucht, l, gegen Schwermuth und selbst gegen Aberwitzigkeit,„die vom übrigen Schleim herrührt“ und wird in den mannichfachsten Gestalten, bald als Rauch, bald 10 als Absud, bald als Oel, bald als„Geist“ angewendet, ja sogar ihre Asche dient besser als jede andere zu Fußbädern.— Es liegt in alledem etwas f Wahres, insonderheit in Bezug auf die so günstige Wirkung der genossenen Wachbolderbeeren auf den menschlichen Organismus. Daher ist es ein W zhlücklicher Gedanke, die Beere als Zusatz zu unserem beliebtesten Getränk, dem Biere, zu nehmen. 7 A. B. l Der Erzbischof von Gnesen Johann Stephan Wydzga, der um 1080 sttarb, war nicht nur ein sehr gelehrter Mann, sondern hatte auch einen 5 großen Theil Europas bereist und sich auf diese Art ebenfalls große Kenntnisse irworben. Eines Tages kam er mit einem Herrn zusammen, der mit seinen 1 Reisen prahlte.„Seid Ihr nicht auch in Italien auf dem Schlosse Tumen gewesen?“ fragte plötzlich der Erzbischof. Der andere bejahte und erzählte l Manches, was er dort gesehen haben wollte.„Und wie heißt der Fluß, m dem das Schloß liegt?“ fragte Wydzga weiter.—„Ich kann mich nicht 1 sogleich des Namens erinnern,“ war die Antwort.— Wenn ich nicht irre, ob war sein Name Tiris,“ meinte der Geistliche.—„Allerdings Tiris— Tumen Tiris(tu mentiris— du lügst),“ wiederholte lächelnd Wydzga 1 und wandte dem Prahler den Rücken. W. 6. N Wilhelm II., Prinz von Oranien und Statthalter der Niederlande, als Englands König Wilhelm der Dritte, war bekanntlich der größte Gegner Ludwigs XIV. von Frankreich, der ihn wieder tödtlich haßte. Eines Tages befand er sich im Theater, wo man einen außerordentlichen Prolog auf ihn gedichtet hatte. Er hörte ruhig zu Ende, dann deutete er auf den Dichter und sagte:„Man verjage diesen Wahnsinnigen aus den Niederlanden; er hält mich für die Maseftät von Frankreich.“ W. G. In der Chronik von Bischofswerda liest man aus dem 16. Jahr⸗ hundert: Ein Bauer hatte den Rektor Trutzendorff aus Goldberg einen tüßiggänger gescholten. Das Gericht verurtheilte den Landmann darauf, einen Tag lang unter den ABC-Schützen zu sitzen, die Augen auf die Fibel gerichtet. Jedes Mal, daß er aufschaue, solle er mit dem„Bakulo eines über den Kopf“ erhaften. Der Bauer hat nachher die Schularbeit für schwieriger erklärt, als Dreschen und Holzschlagen seien. W. G. Die Spitzbuben im alten Aegypten.„In Ansehung der Diebe,“ er⸗ zählt Diodor, ein alter griechischer Schriftsteller,„hatten die Aegypter ein ganz besonderes Gesetz, welches verordnete, daß die, welche Spitzbüberei treiben wollten, sich bei dem Oberdiebe einschreiben lassen und das Gestohlene sofort nach der That zu ihm bringen mußten. Diejenigen, welche den Ver⸗ lust erlitten hatten, waren angewiesen, bei ihm ein Verzeichniß der ver⸗ lorenen Sachen schriftlich einzureichen, mit Beifügung von Ort, Tag und Stunde, wo sie ihnen gestohlen worden. Da auf diese Art Alles sehr leicht wieder gefunden wurde, so mußte der Bestohleue den vierten Theil des Werthes erlegen und konnte dafür seine Sachen wieder in Besitz nehmen. Da es doch unmöglich war, den Diebstahl gänzlich zu verhüten, so erfand der Gesetzgeber dieses Mittel, wodurch gegen ein zu erlegendes geringes Lösegeld das Ganze wieder gerettet werden konnte. NI. Einer, der Niemanden kennt. Der berühmte Berliner Komiker Helmerding traf in einem Gasthause mit einem sehr redseligen Provinz⸗ bewohner zusammen, dessen fortwährende Ansprachen er sich durch folgende List vom Halse zu schaffen suchte.—„Mich soll es nur wundern,“ sagte der Provinzler,„ob Falk die Ultramontanen mit seinen Kirchengesetzen unterbringen wird.“—„Falk?“ erwiderte Helmerding.„Wer ist Falk?“ — Der Andere schwieg, völlig erstaunt. Nach etwa fünf Minuten begann er wieder:„Roon soll ja nach dem Comosee gehen, gerade jetzt, wo Victor Emanuel nach Berlin kommt; das ist doch merkwürdig!“—„Roon? Was für ein Roon?“ fragte der Komiker mit dem größten Ernste der Welt. „Ich habe noch nie etwas von Roon gehört.“ Dieser Unwissenheit gegen— über verstummte der alte Herr auf eine Viertelstunde. Dann begann er von Neuem:„Meinen Sie, daß Bismarck mit nach Wien geht? Der Kaiser reist doch im Oktober zu Kaiser Franz Josef zu Besuch.“—„Bismarck! Bismarck?“ fragte jetzt der Komiker.„Zum Donnerwetter, Herr, denken Sie denn, daß ich die ganze Fremdenliste im Kopfe habe, wie Sie?“— „Sie kennen den Bismarck nicht?!“ rief der Erstaunte.„Ja, dann wissen Sie auch am Ende nicht, wer Adam gewesen ist?“—„Adam? O, viel⸗ leicht doch! Können Sie mir nicht seines Vaters Namen sagen?“ M. Der verrätherische Papagei. Gegen Ende des Winters 1720 traf Czar Peter der Große alle Anstalten zu einem Feldzuge. Armee und Flotte wurden in Bereitschaft gesetzt, man wartete nur auf das Aufbrechen des Eises; wohin es aber eigentlich gehen werde, war nur dem Kaiser, seiner Gemahlin Katharina und dem Staateminister Mentschikoff bekannt. Lange zerbrach man sich die Köpfe, Alles erschöpfte sich in Kombinationen, die. Gesandten der fremden Mächte waren in Verlegenheit, da sie nicht ergrün⸗ den konnten, was sie über den Zweck der gemachten Rüstungen an ihre Höfe berichten sollten, bis endlich ein komischer Zufall den Schleier lüftete. Es hatte nämlich der Czar über den zu unternehmenden Feldzug nur in Katharinen's Gemach gesprochen und die darüber entstandene Debatte einige Male mit der nachdrücklich gegebenen Erklärung beschlossen:„Ei Persi podiom!“(Nach Persien wollen wir ziehen.) Einige Tage nach der letzten Unterredung fragte der Kaiser zufällig einen seiner Adjutanten, was man in Petersburg Neues wisse, und wie erstaunte er, als ihm dieser antwortete: „Das Wichtigste mag wohl sein, daß wir nach Persien ziehen werden.“— Der Kaiser, ganz betroffen, forschte nach, von wem er das vernommen habe und erhielt die überraschende Antwort:„Vom Papagei Ihrer Maßestät. Denn als ich gestern der Kaiserin eine Meldung zu machen hatte, hörte ich den Papagei ganz deutlich wiederholen:„Ei Persi podiom!“ M. Gottesurtheile auf Madagaskar. Zu den Gottesurtheilen, die auf der Insel Madagaskar bestanden, gehörten auch folgende: Die Angeklagten mußten am Fuße eines Felsens mit den Beinen bis zum Knie im Meere stehen und die Hände an den Felsen stemmen. Wenn die Wogen, die sich tosend an der felsigen Küste brechen, die Schenkel der Angeklagten nicht benetzten, so wurden sie für unschuldig erklärt; näßte aber auch nur ein Tropfen die Hüften oder einen Theil des Oberkörpers, so fielen sie augen⸗ blicklich unter gewaltigen Streichen. Auch die Krokodile entschieden über Schuldige und Unschuldige. Die Angeklagten mußten in einem Flusse, in welchem sich sehr viele dieser Ungeheuer befanden, bis nach einer in der Mitte liegenden Insel und von dort wieder zurück an das Ufer schwimmen; gelang ihnen dies, ohne daß ein Krokodil sie faßte, so galten sie für un— schuldig und ihr Ankläger wurde bestraft. MI. 8 r. R N 28 1 N 1 N 5 l 3. N 5 *— OQ224. 5 51 b Schach. Nreisilbige Charade. W Die ersten Silben. von J. Kohß 2 5 Kockelkorn. Von Anfang an bin ich gewesen, 8 ler bracht' ich Segen, dort nur Noth, o Mancher ist durch mich genesen,, a 22 Doch Vielen gab ich auch den Tod.* 1. 1 Sil., Ich bin wohl e 9 x 15 2 1 210 ab ch ch Tod, zum mind'sten Streit,* . e 117 Geld und Gut e 15 überall werd' ich gescheu Das Ganze Nur wo Natur in wilder Schöne,* 122 Sich ganz zu ung anne e neigt;*. Da. eh, wo als seltne Scene. 5 1. Ich nur bem Auge mich gezelgt.. 2 1 15* 3. Arithmogriph.***** Autz folgenden Ziffern sind 1 Worte zu bilden, deren Anfangobuch— 65 2, staben, 10 oben nach unten gelesen, ein deutschetz Gebirge, und deren End— 4. buchstaben, von unten nach oben gelesen, einen Aufenthaltsort auf demselben—— 2 ergeben. 5 2 2 12 3 4 5 678 9 10 4— Eine Stadt in Finnland. 0 h 11 6 12 2 10 13 11114— Ein Schiffaͤgeräth. Wal. 10 11 16 266 11— Eine Stadt in Fallen. Weiß zieht an und setzt mit dem vierten 995 Matt. 16 2 6 5 13 1— Pen höchsten Punkt am Himmel, 7 11 3 10 2 4 139 6— Eine Handelsstadt in Texas. — — 25 17;. Thier(5 Partie Nr. 262, 3 0. 5 a 155 5 0 7 a WBichersammlung. Fünfte Matchpartle, gesplelt um britlschen Schachklub zu London am 17. Mal d. g. 5 4 11 1 18— Einen biblischen Ramen. Weiß: J. H. Blackburne. Schwarz: J. H. Zutertort. 10 9 179 4 139— Eine türlische Stadt in Thracien. 2 02— 64 7 eh 20) JdI-d Tas-es 7 10 5 3 3 20 11 10 16 2 10— Name eines deutschen Dramatikers. 2) 8b1-en 88816 21) 11-41 b7- b 2 5 18 12 6 3 11 14 19— Ein Laub. 8) 2—f4 d- d 22) 1d1—d3 Tes-e? f ö 4) 42-43 18—b4 23) Lag ds 707.7 C 1 3 8 3e:—) 5—b4 aß-e Iprichwörker-Mäthsel. 90 12155 5 8 77. e 10.—eb: Aus sedem der folgenden zwölf Sprichwörter ist ein Wort zu wählen. 1 Fefe 2 1 0 wölf erhaltenen Wörter ergeben wiederum ein 9 959 5 10 59 9.— 2 I bel, Mäßhigkeit und Ruh' schlleßen dem Arzt die Thüre zu. 0 166. ö Ke— 12—eb: 1 9 11) Koe?- e398) L605-g: 30) J ds-esf. Jeb-es: 2. Viel Zucker in der Jugend macht a eh Zähne im Alter. 121 LI—b54 706 10 . Einer, der nicht 1 reden kanu, deu steht Stillschweigen viel besser an. 18 123 10 9— 1 58—4 4. Der Träge 18 welß nicht wo aus, und über 145 stürzt ein das Haus. 140. ht ef 88 8 e Tes e 5. Geborgtes 95 05 nimmer Glülc, e will immer zu seinem Herrn 15) Kegel: 00 31 103 47 Kr 86 6. Ein Dieb“ ist 91 schändliches Ding, aber ein Verleumder ist noch viel Stellung nach dem 1b. Zuge von Schwar) 350 df—47 aß. ab scha ud licher. Schwarz. 36) Ta7-d7 Set- eg 7. Reden ist Silber, aher ist Gold. 8. Wag ich denk' und thu', das trau ich andern zu. 9, Wag dem einen recht sst, ist dem andern billig. 10, Züchtig, fromm, bescheiden sein, das steht 12 Menschen fein. . Einem leben gefällt seine Weise wohl, drum ist das Land von Narren voll. 19. Dein eigen Hand dich nähren soll, so lebst du gut und geht dir's wohl. 37) 7Td7-d2 Kg6—15 4 1893—b8 h-h5 K12—g1 Koe Kg— 2 Ke 4-15 K2—g1 hö—-h4 1d2—12 Ko-e 112—d2 eG e Lbs-a7 Seg— dh 142-44 Ken eh Auflösung der Aufgabe in voriger Nummer: La7- bs Keb-e dd-er Ke6 16 Jede? Sdö cg: LbS eber K.6 15 Leh eg: Tes-e3: 162-127 5 162—d2 Kg 5 — 1d2—e2 Jeg—ag 8 Welz. 54) 1J62—e6 Tag—u2: 16) Tal— bl“) a7 a6 55) Teé bs by—b4 17) Th1-d! Sbs— c 56) Tb6—c6 ah—a4 18) Lel—ag 118 08 57) he-—hg al- ag) 19) 1314 17—16 und Schwarz gewlunt. des geographischen Silben Rätbsels: Mastricht. Oder. Zara Auster⸗) Auf Sg würde 23 44 oder Lide solgen können, dennoch kommt N diehe— lig. Nio de Janeiro. Türkheim;— der zweisilbigen Gharade? Ehe; eee au das Spit as de ch cb. del. ij us i ae, fle die Beize des magischen Quadrats: 2) Durch 5 dd kann der e Aller offenbar nicht zurllckerobert werden, N — würde a ag und eventuell b2— 54 0 3 1 N J) Auf Kdz solgt natlüelich 45 1 * 12 9 n e Zug; nähme der Bauer den Springer sofort, so würde nach 82 13 — user verloren sein 1 1 6 0 5) Minder 1 wäre kde; B. 11) kd 163. 12) 8:08 8e 18) Deb: Der 14) kdl „ ot 18) Lg Sede und der Angriff wiegt das Figurenopfer völlig nuf. 5 5 1 Nähme Welß den Läufer sofort, so hlelte Schwarz Remls durch Schach der Dame o und ha. 1 90. Bis zu diesem Zuge stimmt die Partle mit einer im Jahre 1870 gespielten Pan N ö. Stelnttz und Blackburne überein; Blacburne setzte damals mit Ober N m Chess- Meuthiy für weniger gut als der Damentausch bezeichne wird,,— hier wähl 4— S Cen das Thurmopfer gegen den Bauern o muß nun zum Gewinn führen. Go—— Druck und Verlag der„Volts- Zeitung“, Aktes, in Berlin, Lützowsir 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elche in Berlin, Lützowstr. 105. 4 1 1 13 1 — 0 ä — n